Wenn Rheinländische Scherzkekse mir steifen Norddeutschen
vorwerfen, ich verstünde den Karnevalismus nicht und hätte nun einmal keinen
närrischen Humor, entgegne ich: Ja, Ihr habt vollkommen Recht! Ich verstehe den
Humor nicht nur nicht, sondern finde ihn ausgesprochen abartig. Meine
Vorurteile gehen so weit, daß ich überzeugte Karnevalisten auch außerhalb der
Karnevalszeit nicht ernst nehmen kann.
Möglicherweise wurde ich schon als Kleinkind indoktriniert.
Ich erinnere mich daran, noch im Vorschul- und Grundschulalter ins Elternschlafzimmer
(in meiner Familie gibt es keine Fernseher im Wohnzimmer) gerannt zu sein,
meine Mutter schockiert vor „Mainz wie es singt und lacht“ im TV vorzufinden,
und meinem armen sichtlich gequälten US-Vater zu erklären, sie sei unter
anderem DESWEGEN damals in die USA ausgewandert. Der deutsche Humor ist ganz
schlimm.
Während meiner Jugend dachte ich, alle Rhein- und
Saarländer wären so. Ich könnte als Hamburger glücklich sein, als humorlos zu
gelten. Alles ist besser als das. Als Student lernte ich dazu, weil ein Kommilitone
aus Düsseldorf stammte. Während der Karnevalsumzüge im Rheinland, besuchten ihn
immer seine Düsseldorfer Freunde in Hamburg und wir zogen dann zusammen über
die Reeperbahn. Die hassten Rosenmontag noch viel mehr als ich und erklärten
mir, man könne als zurechnungsfähiger Rheinländer während der Narrenzeit nur
fliehen; das sei einfach nicht auszuhalten. Als Erwachsener lernte ich weitere
Rheinländer kennen, die mir voller Emphase versicherten, der Spruch „man muss
mit Karneval aufgewachsen sein, um das zu lieben“ wäre eine reine Ausrede. Im
Gegenteil, wer das als Kind mitmachen musste, lässt sich als Erwachsener nicht
mehr dazu zwingen.
Noch ein paar Jahre später lernte ich erneut hinzu:
Selbst begeisterte und engagierte Karnevalisten, die sich das ganze Jahr
akribisch darauf vorbereiten, sich bei dem kollektiven Koma-Besäufnis maximal
vor der Welt zu blamieren, begreifen „den Sinn“ des Ganzen nicht. Die Komiker-Katholikin Kramp-Karrenbauer steht im Karneval sogar selbst auf der Bühne und tappt
dabei im Dumpf-Dunklen.
(….) Eigenartig, daß eine so
überzeugte Karnevalistin wie Annegret Kramp-Karrenbauer den Sinn des Karnevals
so gar nicht begreift. Da muss ich als eiskalter
Norddeutscher, der sich niemals verkleidet und konsequent jeden Fasching
meidet, wohl ein bißchen aufklären. Offenbar kennt AKK weder die
historische noch die literarische Bedeutung eines Hofnarren und die sich daraus ergebende Narrenfreiheit. Gemeint sind die
außergewöhnlichen Umstände unter denen ein einfacher Bürger den Mächtigen etwas
ins Gesicht sagen darf, ohne dafür böse Konsequenzen spüren zu müssen. Simpel
ausgedrückt: Die Schwachen dürfen sich über die Starken lustig machen. Im
Karneval dürfen sogar alle Narren sein. Der Narr wird König, und der König wird
erniedrigt.
AKK stellte das Konzept auf
den Kopf, indem sie als eine der mächtigsten Menschen Deutschlands über die
Schwächsten (in dem Fall Transgender) herzog. Verschärfend kam hinzu, daß
sie als katholische Vorsitzende der CHRISTEN-Union für eine politisch-religiöse
Richtung spricht, die traditionell immer die aggressivsten LGBTI-Feinde waren.
[….] Als CDU-Vorsitzende sollten Sie sich nicht als Putzfrau verkleiden. Das
ist heikel. Sie hat bei ihrem Vortrag schale Witze über die Feinstaubdebatte
oder das Gewicht von Peter Altmaier gemacht, sich dabei aber hinter der Rolle
der Putzfrau versteckt, es einer Putzfrau in den Mund gelegt. Das hat etwas
Feiges. Als Politiker verstecke ich mich nicht hinter einer Figur, die in der Hierarchie
unter mir liegt. Das hat was Despektierliches und ist für die Putzfrau
ehrverletzend. Kramp-Karrenbauer hat so getan, als würde die doofe Putzfrau
reaktionäre Gedanken hegen. Dabei hatte Kramp-Karrenbauer selbst solche
Gedanken.
[….] Der Karneval ist heute Popkultur und versucht, Menschen zu integrieren.
Alle können mitmachen, auch sexuelle Minderheiten, auch Vertreter des dritten
Geschlechts. Hier aber hat sich eine Mehrheit über eine Minderheit lustig
gemacht. Da ist Frau Kramp-Karrenbauer ihre Konservativität zum Verhängnis
geworden. Sie verharrt noch in der Brauchtumskultur der Sechzigerjahre.
[….] Man sollte die kleinen Leute nicht zur
Zielscheibe machen - es sei denn, sie verhalten sich asozial. Vertreter des
dritten Geschlechts sind aber nicht asozial. [….]
(Jürgen Becker,
24.02.2020)
Auch ihre Rolle als
Parteichefin begreift Kramp-Karrenbauer offensichtlich nicht, wie man an ihrem
völlig vermasselten Rücktritts-Statement sehen konnte. (….)
(Annegret Nero-Karrenbauer, 25.02.2020)
Kramp-Karrenbauers Nach-Nachfolger, stammt ebenfalls aus
einer Karnevals-Hochburg, nämlich dem Sauerland. Wie AKK teilt er
gern kräftig gegen Minderheiten und Schwache aus und verkündete bei seiner
Büttenrede von 2006, Paris sei von „marodierenden Afrikanern aus Kolonien besetzt“
und Deutschland solle das „Elsass billig zurückkaufen“.
Die FDP-Bundeswehrlobbyistin Marie-Agnes
Strack-Zimmermann, ebenfalls als Düsseldorferin bei den Karnevalioten geboren, gehört
zweifellos selbst zu den Reichen und Mächtigen Deutschlands, hat aber den Sinn
des Karnevals durchaus verstanden und polterte bei ihrer Rede zur Verleihung
des „Ordens wider den tierischen Ernst“ in Aachen gegen die mächtigsten
Bundespolitiker. Der Bundeskanzler, als Norddeutscher selbst nicht unter
Karnevals-Verdacht stehend, bekam sein
Fett weg und nahm es locker. Ebenso souverän zeigten sich andere schwer von der
FDP-Frau Getroffene, wie Pistorius, Söder und Lindner. Die FDP-Freunde verweisen auf den Berliner Landtagswahlkampf.
Die humoreske Doppel-Null Friedrich Merz hingegen,
betrachtet selbst verklausulierte Kritik an ihm selbst als Blasphemie und
Majestätsbeleidigung. Strack-Zimmermann nannte zwar niemals seinen Namen, aber
der im Publikum sitzende Unions-Geront grollte mit versteinerter Miene und
begann anschließend zu toben. Er schickte seine willigen Epigonen de Vries und
Czaja vor, um Rache, um Genugtuung zu verlangen.

[….] Strack-Zimmermann trat
als böse Stiefmutter von Schneewittchen auf und lief zum Skandal-Hit
"Layla" zur Rednerposition. Dort teilte sie vor allem gegen Männer in
der Politik aus, unter anderem gegen "Bergzwerg" Markus Söder,
"Vodkazwerg" Wladimir Putin und eben gegen "Flugzwerg"
Friedrich Merz. Die ganze Rede finden Sie in der ARD-Mediathek (ab Minute 16). In
der CDU sind jetzt einige sauer. So verhalte man sich selbst im Karneval nicht,
sagte CDU-Generalsekretär Mario Czaja der "Rheinischen Post" und
fordert eine Entschuldigung. "Das war ein neuerliches Unterschreiten von
anständigem Umgang und anständiger Sprache", so Czaja. Auch CDU-Politkerin
Julia Klöckner kritisierte die Rede, diese sei "nicht souverän" und
"persönlich diffamierend". [….]
(WDR, 08.02.2023)
Der im Maaßen-Sumpf steckende xenophob polternde Merz
zeigt sich damit, wieder einmal, von seiner inkompetentesten Seite.
Nicht nur gibt er sich hier wieder einmal wenig nervenstark
und flatterhaft, wenn er seine eigenen Gefühle in den Mittelpunkt der Debatte
stellt – also ob es keine drängenderen Probleme gäbe.
Nicht nur begreift auch der Sauerländer Merz, nicht den
Sinn des Karnevals und versteht nicht, daß er als mächtiger Millionär und Chef
der Konservativen, das natürliche Opfer einer Büttenrede ist.
Zudem steht ausgerechnet die um Anti-Wokeness bemühte CDU,
nun erneut als Verbotspartei da. Sie fordert an der Seite übler Homophober und Verschwörungstheoretiker
Sprachverbote und will nun auch noch die freie Büttenrede
beschränken.
Hinzu kommt auch noch seine Unkenntnis des Streisand-Effektes.
(….) Als Barbra Streisand
unbeabsichtigt 2003 den nach ihr benannten Effekt inventete, war möglicherweise
wirklich noch nicht jedem digital immigrant klar wie der Schwarm des Internets
funktioniert. Mrs. Streisand hatte damals die die Website Pictopia.com
verklagt, weil diese zwischen 12.000 anderen Bildern auch ihr Haus
veröffentlicht hatte. Nicht jeder Mensch klickt täglich auf Pictopia und
selbst von denen, die es tun, macht sich kaum einer die Mühe nachzuvollziehen,
wer die Besitzer der einzelnen Häuser sind. Nachdem Streisand aber
eine 50-Millionen-Dollar-Klage darüber angestrengt hatte, machte der Fall
Schlagzeilen, so daß das inkriminierte Bild rasend schnell im Netz verbreitete
und nun wirklich jeder wußte in welchem Haus die Kult-Sängerin und
demokratische Aktivistin wohnte. Sie erreichte also das diametrale
Gegenteil dessen, was sie wollte. Die Diva lernte daraus und tat es nie wieder.
(….)
(Streisand extrem, 28.03.2019)
Wenn man als extrem Mächtiger NICHT möchte, daß eine
Stichelei einesl kleineren Players bekannt wird, ignoriert man sie. Wenn man
hingegen als superreicher Papst und kirchliches Oberhaupt von 1,4 Milliarden
Menschen, eine kleine Dreimann-Redaktion in Frankfurt verklagt, bekommen die Titanic-Schmähungen erst die unerwünschte
weltweite Aufmerksamkeit. Mehr Eigentor geht nicht.
Durch seine weinerliche Empörung erreichte Merz, daß
nicht an Büttenreden interessierte Deutsche wie ich (!) überhaupt erst auf Strack-Zimmermanns garstige Reime
aufmerksam wurden.
[…]
Böse auf der
Zwergen-Schar,
die toxisch'
Männlichkeit gebar.
Ihr kennt die
Zwerge, die ich meine,
mit ihrem Ego
nahe der Beine.
Manche dieser
Zwergen-Fritzen,
sehe ich in
diesem Saale sitzen. […]
Von Bayern
schnell ins Sauerland
zum Flug-Zwerg
aus dem Mittelstand.
Den wollte
zweimal keiner haben,
weil er nur
schwerlich zu ertragen.
Noch so ein
alter weißer Mann,
der glaubt,
dass er es besser kann.
Die Sitten,
supponiert er voller Trauer,
sind nicht mehr
wie bei Adenauer.
Nach außen
bürgerlicher Schein,
im Herzen aber
voll gemein.
Wer vor Krieg
geflohen ist,
verhöhnt er als
Sozialtourist.
Heißt ein Junge
Ali und nicht Sascha
beschimpft den
als Grundschul-Pascha.
Und alle
Klimaaktivisten
sind für ihn
nur noch Terroristen.
Doch treibt's
ein Nazi-Prinz zu wild,
dann wird der
Flug-Zwerg plötzlich mild.
Beherzt er auf
die Schwachen drischt,
weil er so gern
im Trüben fischt.
Gerade die, die
christlich selbst sich wähnen,
sollten sich
für ihn was schämen. […]
Jetzt wird
alles rausgeblasen:
Der
Porsche-Zwerg darf weiter rasen.
Und ein
frivoler Doppel-Wumms
gehört in jeden
guten Bums.
(Strack-Zimmermann
in Aachen 2023)
Friedrich Merz politisch und persönlich nicht zu mögen,
mag für einen Sozi wie mich, wenig verwunderlich sein.
[….] Entweder war das
närrische Verblendung oder böse Absicht: In der CDU-Zentrale hätte doch allen
klar sein müssen, dass dies nur zu mehr Aufmerksamkeit für die Büttenrede führt
und Merz den Namen „Flugzwerg“ so womöglich nie wieder loswird. Nun bleibt der Eindruck,
Merz ist zwar groß im Austeilen vor allem gegen Minderheiten
(„Sozialtourismus“, „Klimaterroristen“, „Paschas“), aber ganz klein im
Einstecken von Kritik. Das erinnert doch stark an einen gewissen Donald Trump.
Im Sinne des Landes kann man nur hoffen, dass die Parallelen zwischen dem
Ex-US-Präsidenten und dem CDU-Chef an dieser Stelle enden. […]
(MoPo, 08.02.2023)
Aber ich staune täglich mehr über seine taktische und
strategische Dummheit.
Man mag halten von ihm, was man will. Aber intelligent
ist Merz offensichtlich nicht.