Dienstag, 30. Juni 2026

Sandkasten-Zoff bei den Kleidchen-Trägern

Es mag einen Binsenwahrheit sein, ist aber im Merz-Musk-Trump-Zeitalter wichtiger denn je: Man muss seinen Humor behalten, um nicht von Frustrationen, Fatigue, Stupor und Depressionen zerquetscht zu werden.

Satire-Formate sind leider nicht mehr geeignet, um herzlich zu lachen, weil die Guten viel zu ernst sind und daher eher Schockstarre auslösen.

Längst hat die politische Wirklichkeit, in ihrer 2026er Ausprägung als absurde Real-Satire die Comedians in der Kategorie „Komik“ hinter sich gelassen.

Eine hervorragende humoristische Groteske zeigen heute Prevosts misogyne Geronten in den bunten Kleidern, indem sie sich mit den FSSPX-Franchisern beefen.

Kurzer Recap: 1970 hatte der erzkonservative Mann im Kleid Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) die Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X (FSSPX, vulgo Pius-Brüder) gegründet, weil ihm die anderen erzkonservativen, homophoben, misogynen, antisemitischen Männer im Nachthemd nicht mehr erzkonservativ, homophob, misogyn und antisemitisch genug waren. Kleidchen-Mann Lefebvre setzte dabei einen Trumpf ein, mit dem sich die RKK selbst eine Falle gebastelt hatte.      Es gibt drei Weihe-Grade in der Kaspar-Sekte: Diakonat (Ordo diaconorum),

Presbyterat (Ordo presbyterorum) und das Episkopat (Ordo episcoporum). Dabei stellt die Bischofsweihe (Ordinatio episcopalis) ein Sakrament dar. In ihr war nach Auffassung der Katholo-Kleidchen-Männer, Jesus Christus persönlich anwesend, so daß sie (wie eine katholische Ehe oder Taufe) auch niemals rückgängig gemacht werden kann. Der Pferdefuß findet sind in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche:

Die Bischöfe lenken das pilgernde Volk. In ihnen ist Christus anwesend. Ihnen ist die Fülle des Weihesakraments gegeben, die sie weitergeben können .

(Lumen gentium 21)

Der abtrünnige Lefebvre konnte also kirchenrechtlich gültig, nicht nur Diakone und Priester, sondern eben auch andere Bischöfe weihen.

Das tat er fleißig und steckte schließlich 1988 auch Richard Williamson, Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Bernard Fellay in lustige bunte CSD-Kostüme. Insbesondere der britische Bischof Richard Nelson Williamson (*1940 †2025) schaffte es als wegen Volksverhetzung verurteilter, radikal antisemitischer Holocaustleugner, immer wieder in die internationalen Schlagzeilen. Ein anderer erzkonservativer, misogyner, homophober Mann im Kleid, ein Pole namens Karol Józef Wojtyła, war davon so schwer angepisst, daß er Lefebvre und die neuen vier FSSPX-Bischöfe aus einem erzkonservativen, misogynen, homophoben Verein für Männer in bunten Kleidern rauswarf. Die Exkommunikation stellt dabei die höchste und endgültige Kirchenstrafe durch Gottes Stellvertreter auf Erden dar.

Nachdem Wojtyła aber den Löffel abgegeben hatte, folgte ihm mit dem 1941 in die Hitler-Jugend aufgenommenen Josef Ratzinger, ein erzkonservativer, misogyner, homophober Mann im Kleid, der das mit der Holocaust-Leugnung und Volksverhetzung nur so semi-schlimm fand und die unaufhebbare Exkommunikation  Lefebvres, Williamsons, de Galarretas, de Mallerais und Fellays am 21. Januar 2009 wieder aufhob. Seither tanzen die schrillen FSSPX-Antisemiten drei Päpsten auf der Nase rum. Die Generaloberen Fellay (1994-2018) und jetzt Davide Pagliarani blieben garstig und wollen nun erneut Bischöfe weihen, was wiederum dem erzkonservativen, misogynen, homophoben Bob Prevost auf den Senkel geht.

Es ist so lustig, wenn sich zwei dubiose Kindermisshandlungs-Sekten mit imaginären Freunden darüber streiten, wessen imaginärer Freund, wem imaginäre Rechte verleiht.

„So geht’s ja nun nicht“, verkündete Bob P. ganz bitchy; wenn das passiere, müsse er all mal wieder exkommunizieren, also von dem anderen imaginären Freund canceln lassen.

[…] Voller christlicher Zuneigung bitte und fordere er sie von ganzem Herzen auf: „Kehrt um!“ In dem am Dienstag vom Vatikan veröffentlichten Brief richtet sich Papst Leo XIV. an den Leiter der Priesterbruderschaft St. Pius X., Davide Pagliarani. Er hatte die vom Papst nicht erlaubten Bischofsweihen, die für die Beteiligten laut katholischem Kirchenrecht zur von selbst eintretenden Exkommunikation führen, für Mittwoch angekündigt.

Leo XIV. schreibt: „Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken; denn der schismatische Akt, den ihr begehen würdet, würde sie des rechtmäßigen und in manchen Fällen sogar gültigen Empfangs der Sakramente berauben, die sie lieben und für ihre eigene Heiligung suchen.“ [….]

(ORF, 30.06.2026)

Bobs Droh-Move scheint allerdings nicht zu wirken, da die antisemitischen erzkonservativen, misogynen, homophoben irren Piusse schließlich noch ihren imaginären Freund an ihrer Seite haben.

[…] Die erzkonservativen Piusbrüder fordern den Papst heraus. Die Traditionalisten wollen an diesem Mittwoch im schweizerischen Écône vier neue Bischöfe weihen – ohne den Segen von Leo XIV. Das ist ein offener Affront gegen das Oberhaupt der Katholischen Kirche. Denn da die Bischofsweihe kein päpstliches Mandat hätte, wäre das Vorgehen faktisch ein Akt der Kirchenspaltung. […] Mit der nun angekündigten Bischofsweihe bringen die Piusbrüder den Papst in eine Zwickmühle. Zum einen muss Leo XIV. daran gelegen sein, eine Spaltung zu vermeiden. Die Katholische Kirche ist angeschlagen, vor allem in Europa verliert sie seit Jahren stetig Mitglieder, der Exodus der Gläubigen schreitet scheinbar unaufhaltsam voran. Gleichzeitig sind konservative Gruppierungen in der Katholischen Kirche im Aufwind – beispielsweise in den USA, der Heimat des Papstes, wo die Traditionalisten einen starken Einfluss auf Präsident Donald Trump und seine Politik ausüben. Eine Exkommunikation der Piusbrüder durch den Papst könnte auch diese Traditionalisten verprellen.

Auf der anderen Seite kann sich der Pontifex als Oberhaupt der Kirche die Eigenmächtigkeiten der Bruderschaft schlicht nicht bieten lassen. Die Öffnung der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil kann für Leo nicht verhandelbar sein. Schon sein Vorgänger Papst Franziskus hatte diese Reformen als unumkehrbar bezeichnet, Leo XIV. selbst bezeichnete die Konzilserrungenschaften als „Leitstern für den künftigen Weg“. […] Die eigenmächtige Bischofsweihe der Ultrakonservativen sei für den Papst ein „absolutes Worst-Case-Szenario“, sagt der Theologe Jan-Heiner Tück, Professor für Dogmatik an der Universität Wien[…] Nichts deutete in den vergangenen Tagen darauf hin, dass der Konflikt noch in letzter Minute entschärft werden könnte. […]

Seit Jahrzehnten versucht der Vatikan, die Piusbrüder einzubinden – doch die Bruderschaft führte den Vatikan immer wieder regelrecht vor. […]

(FUNKE, 30.06.2026)