Samstag, 31. Oktober 2026

Wir sterben

Der ganze Irrsinn der Religionen basiert auf mangelndem Intellekt des Homo Sapiens, der einfach zu doof ist, die Endlichkeit seiner Existenz zu begreifen. Dabei ist dies die einzige Sicherheit bei der Entstehung neuen Lebens: Jeder Neugeborene wird sterben. 

Die Mütter, die Eltern, schenken nicht nur das Leben, sondern auch gleichzeitig den sicheren Tod ihrer Kinder. Und das ist auch gut so. Ohne den sicheren Tod jedes Menschen, existierten heute etwa 117 Milliarden Homo Demens auf dem Planten und wir sind bekanntlich schon mit acht Milliarden drastisch überbevölkert, verpesten die Atmosphäre und heizen das Klima auf.

Sich an jenseitige Ideologien zu klammern, die ewiges Leben versprechen, während sie gleichzeitig von ihren Anhängern verlangen, die Follower der Konkurrenz-Religiotien zu bekämpfen und zu ermorden, beweist den epischen Irrsinn, zu dem unsere Hirne fähig sind.

Die Looks- und Lifemaxxer, die Longevity-Aktivisten, die erhoffen, in einer 4,6 Milliarden, also 4.600 Millionen Jahren alten Welt, ihre Lebenserwartung von 78 auf 83 Jahre zu strecken, demonstrieren ebenso ihre Lächerlichkeit, wie diejenigen, die den Gedanken an ihren Tod einfach verdrängen.

Die kein Testament machen, keine Patientenverfügung erstellen, keine Vollmachten aufsetzen, ihre Beerdigung nicht planen und keine Exit-Strategie überlegen.

Der Tod ist sicher, aber wie angenehm oder unangenehm des Sterben wird, kann sehr unterschiedlich ausfallen. Der idealtypische Tod, im hohen Alter, autark und glücklich, ohne Schmerzen friedlich einzuschlafen, ist sehr selten. Der medizinische Fortschritt, der für eine immer längere Lebenserwartung sorgt, ist eben auch ein Fluch. Indem so viele Menschen Krebs und Herzkreislauferkrankungen, an denen sie vor 100 oder 200 Jahren ganz sicher gestorben wären, heute überleben, werden sie zwar älter, aber dabei auch viel kränker. Viele geriatrische Beschwerden traten früher kaum auf, weil man längst gestorben war, bevor sie einkickten. Die Wahrscheinlichkeit, im Alter lange zu leiden und unter extrem grausamen schmerzhaften, demütigenden Umständen zu sterben, wird immer größer. Demenz entwickelt sich zu dem großen Megathema.

Das zu ignorieren, bezahlt man mit langen Qualen im Krankenhaus, während man gewindelt, an Schläuchen angeschlossen, ans Bett gefesselt ist.

Niemand darf anderen Menschen manipulieren, um länger oder kürzer zu leben. Das eigene Leben ist die ultimative persönliche Angelegenheit. Ein selbstbestimmtes Ende darf der Staat gefälligst genauso wenig blockieren, wie ein selbstbestimmten Schwangerschaftsabbruch. Im Gegenteil; aus humanitären Erwägungen hat der Staat diese tiefgreifenden individuellen Entscheidungen zu respektieren und zu unterstützen.

Niemand dürfte dazu getrieben werden von Brücken oder aus Hochhäusern zu springen, sich vor Züge zu werfen, oder sich zu ertränken.

Ich verlange, daß jedem erwachsenen Menschen nach Benelux-Vorbild ein Suizid-Kit zur Verfügung gestellt wird.

[…]  Seit Belgien vor drei Jahren die Einführung eines Euthanasie-Gesetzes beschloss, dürfen Krankenhausärzte dort aktiv Sterbehilfe leisten, ohne eine strafrechtliche Verfolgung zu riskieren. Allerdings muss der Patient mindestens 18 Jahre alt sein und wiederholt den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe bei vollem Bewusstsein geäußert haben. Jetzt wagen sich die Belgier noch ein Stück weiter vor. Seit wenigen Tagen sind in 250 Apotheken des Landes so genannte „Euthanasie-Kits“ erhältlich – tödliche Ampullen, die der Hausarzt auf Wunsch des Patienten verschreiben darf. […] Professor Wim Distelmans ist Belgiens Koriphäe auf dem Gebiet der Palliativmedizin und der Sterbehilfe. Als Krebsspezialist und Vorsitzender der Euthanasie-Kommission, ein von der belgischen Regierung eingesetztes Kontroll-Gremium, setzt er sich seit Jahren für ein menschenwürdiges Sterben ein. […] Nun ist Belgien noch einen Schritt weiter gegangen. Todkranke Menschen, die lieber zu Hause als in einer Klinik sterben wollen, dürfen sich neuerdings von ihrem Hausarzt binnen 24 Stunden ein „Euthanasie-Kit“ verschreiben lassen: ein Päckchen mit zehn Ampullen, Barbiturate für den Preis von insgesamt 70 Euro – ein weißes Puder, dass in Flüssigkeit aufgelöst wird.  „Sie brauchen mindestens zwei, maximal drei Ampullen, um das Leben ihres Patienten zu beenden. Der fällt dann in einen Schlaf, kurz darauf ins Koma. Es dauert fünf Minuten, bis der Tod eintritt.“  [….]

(DLF, 27.04.2005)

Das Framing, welches in Deutschland 2026 immer noch herrscht, empört mich: Steigende Suizid-Zahlen werden als etwas ganz schreckliches betrachtet. Als Warnsignal gar. Christlicher Politiker fühlen sich dazu berufen, zu handeln, damit weniger Menschen die Entscheidung treffen und wieder mehr Verzweiflung, Schmerz und Qual am Lebensende stehen.

[….] Einen Trend zu immer mehr assistierten Selbsttötungen in Deutschland befürchtet die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Claudia Bausewein. „Es wird teilweise proaktiv Werbung für den assistierten Suizid gemacht. Es ist zu befürchten, dass dies ein Geschäftsmodell ist“, sagte die Direktorin der Klinik für Palliativmedizin der Universität München vorgestern der Süddeutschen Zeitung.  Es gebe in Deutschland Sterbehilfeorganisationen, die Wartezeiten und Regularien hätten, um die Freiverantwortlichkeit eines Suizids sicherzustellen, erläuterte Bausewein. „Aber ich sehe auch mit Sorge, dass es neuere Organisationen gibt, bei denen es keine Mitgliedschaften mehr braucht, die Wartezeiten zwischen Antrag und Durchführung sehr kurz sind und die Kosten höher. Da entwickelt sich eine Dynamik, die ich für bedenklich halte.“  […]

(Deutsches Ärzteblatt, 20.04.2026)

Das diametrale Gegenteil ist der Fall. Es entwickelt sich eine begrüßenswerte Dynamik, wenn mehr Menschen ihren 100% unvermeidlichen Tod schmerzfreier gestalten! Ein Suizid ist besser, als ein gegen den Willen des Suizidalen verhinderter Tod.

[…] Zahl der Suizide auf höchstem Stand seit mehr als 25 Jahren

In Deutschland haben sich im vergangenen Jahr mehr als 11.000 Menschen das Leben genommen. Männer sind weiterhin häufiger betroffen, bei Frauen steigt die Rate deutlich.

Im vergangenen Jahr haben sich in Deutschland 11.334 Menschen das Leben genommen. Das waren 962 Fälle mehr als im Vorjahr, ein Anstieg um 9,3 Prozent. Das teilten das Nationale Suizidpräventionsprogramm für Deutschland und die Deutsche Akademie für Suizidprävention mit. Damit erreichte die Zahl der Suizide den höchsten Stand seit 1998. Nach einem jahrzehntelangen Rückgang ist die Zahl seit 2020 wieder deutlich gestiegen. Aus der Todesursachenstatistik für 2025 geht demnach hervor, dass sie in diesem Zeitraum um rund 23 Prozent zugenommen hat.

Männer sind den Angaben zufolge mit 69,2 Prozent weiterhin deutlich häufiger betroffen als Frauen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt jedoch eine zunehmende Annäherung der Suizidraten. Seit 2020 stieg die Zahl der Suizide bei Frauen um 54 Prozent, bei Männern um 13 Prozent. Nach Angaben der beiden Institutionen nahmen im vergangenen Jahr die Selbsttötungen in höherem Alter und die Zahl sogenannter assistierter Suizide weiter zu. Annähernd die Hälfte aller Suizide entfiel im vergangenen Jahr auf die Altersgruppe ab 65 Jahren.  [….]

(ZEIT, 28.10.2026)

Zahlen, die Hoffnung machen. Die christlich-sadistischen Bundestagsabgeordneten dürfen die entsprechenden Leitlinien nicht erneut zum Schaden der Menschen pervertieren.

[… ] So verlangt die Leitlinie für alle Menschen mit dem Wunsch zu sterben – und nicht nur für solche mit psychischen Auffälligkeiten – eine Begutachtung durch eine Psychiaterin oder einen Psychotherapeuten. Das konterkariert das Grundrecht auf freie Entscheidung am Lebensende. Denn angesichts überlasteter psychiatrischer und psychotherapeutischer Praxen finden Sterbewillige schon heute oft keine geeigneten Gutachter. Das erschwert es, den verfassungsrechtlich legitimierten Wunsch nach assistiertem Suizid zu erfüllen, oder macht es gar unmöglich.

Noch dazu wird der Sterbewille damit psychiatrisiert – als begründe der Wunsch an sich den Verdacht auf eine kranke Seele. Dabei gibt es auch bei gesunder Psyche nachvollziehbare Gründe, aus dem Leben scheiden zu wollen. Finale Krebserkrankungen oder schwere neurologische Leiden können ebenso dazugehören wie ein hohes Alter, in dem Menschen, ob krank oder nicht, das Leben nur noch als Last empfinden. Die Leitlinie sollte den Abgeordneten hier nicht als Vorbild für ihre Gesetzesentwürfe dienen. Sonst würde das grundsätzliche Recht auf assistierten Suizid kaputt reguliert. Die Freiheit, die das Bundesverfassungsgericht den Menschen mit Sterbewunsch nach Jahrzehnten der Verbote zurückgegeben hat, würde von den Paragrafen wieder aufgefressen. Suizidprävention und Hilfe für Menschen in Not sind wichtig, keine Frage, aber selbstbestimmtes Sterben auch. [….]

(Christina Berndt, 30.10.2026)