Posts mit dem Label www werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label www werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 9. Februar 2019

Pimmel-Problematik

Digital natives, die den Umgang mit Internet, Klugtelefonen und sozialen Medien beherrschen, weil sie damit aufwuchsen, sind gleichzeitig dümmer und unfähiger damit als digital immigrants, weil sie Facebook und Instagram nicht hinterfragen.
Sie sind arglos und naiv.
Jeden Tag staune ich auf’s Neue welche intimen Daten massenhaft freiwillig in die Welt posaunt werden.
Als jemand, der vor 1984 George Orwell las und die Volkszählung von 1987 bis zum bitteren Ende unter Strafandrohung verweigerte, verzweifele ich ob der Datenverblödung derjenigen, die heute in dem Alter sind wie ich damals.

In meiner Jugend war es ein großer Fauxpas Frisuren von Mitschülern nachzumachen und die gleichen Moonboots zu tragen.
„Wenn all von einer Klippe springen, tust du das dann etwa auch?“
Individualität war gefragt.
In der Abi-Zeitung gab es Bilder von Individuen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mods, Popper, Punks, Ökos, Langhaarige, Grufties, Edel-Punks, Goths, Müslis und auch die zwei, drei Anzugsträger aus der JU.
Heute sind die Abi-Zeitungen meiner ehemaligen Schule online. Sie haben sich alle hübsch zusammen zu einem Gruppenfoto vor der Aula aufgestellt. (Schon das wäre vor 30 Jahren unmöglich gewesen, weil sich die meisten so einem Massenbild verweigert hätten).
Der nivellierende Effekt der sozialen Medien ist sagenhaft: Alle Mädchen tragen die gleiche Jennifer Aniston-Frisur und alle Jungs tragen streng einheitlichen Dreitage-Bart und Anzug.

Die Jugend wurde sanft gehirngewaschen und vermutlich ohne es selbst zu bemerken optisch in eine Lemming-Armee verwandelt.
Ob die Teenager überhaupt etwas dafür können, ist eine müßige Frage, aber offensichtlich kann sich kaum einer der Klugtelefon-Welt entziehen.
Bei einem streng gültigen Klum-Schönheitsideal für alle ist es vermutlich schwierig dennoch Aufmerksamkeit zu erregen und so greifen sie dann zu dem einzig verbliebenen Mittel.
Die Mädchen packen ihre Brüste aus, Jungs zeigen; sofern vorhanden Bauchmuskeln; andernfalls den Penis. Und sofort ins WWW damit.
Wenn das obligatorische Mobben losgeht, oder die Lehrstelle fehlt, weil der Chef mit zwei Klicks die peinlichsten, intimsten physischen Details präsentiert bekommt, ist das Gejammer groß.

Kinder. Die wissen es eben nicht besser.
Sextapes und Nacktbilder funktionieren für getunte, multi-operierte Trash-Sternchen, die sie gezielt verbreiten und anschließend ob der bösen leakenden Medien Krokodilstränen vergießen.

Jeder Mensch mit einem IQ über Zimmertemperatur und/oder älter als 25 Jahre, weiß hingegen wie schlecht es ausgeht, wenn man seine primären oder sekundären Geschlechtsorgane der Welt präsentiert.
Jeder weiß wie es dem Kongressabgeordneten Anthony Weiner erging, nachdem er sein Wiener Würstchen chattete.
Da es sich bei dem durchaus schlauen Pimmel-Poster um einen Wiederholungstäter handelte, der durch seine Aktionen nicht nur zum allgemeinen Gespött wurde, sondern auch seine eigene Politkarriere beendete und der Clinton-Kampagne seiner Frau schwer schadete, nehme ich an, daß er tatsächlich unter Suchtzwang handelte. Rational zu erklären ist das nicht.
Aber Männer unter Testosteron-Einfluss tun bizarre Dinge, wenn sie spitz wie Nachbars Lumpi sind.

Dustin Lance Black, heutiger Ehemann des legendären Olympia-Siegers Tom Daley hielt es einst für eine gute Idee einen Close-Up-Film davon aufzunehmen, wie ein nicht kondomierter Penis in seinen Hintern gesteckt wird.
Dagegen ist an sich nichts zu sagen, aber Black, 44, ist gebildet, Oscar-prämierter Drehbuch-Autor und schadete seiner Karriere schwer mit dem Filmchen, das selbstverständlich irgendwann öffentlich wurde. In einer peinlichen Apology-Tour musste er durch die LGBTI-Medien ziehen und mea-culpa dafür jammern, daß er versehentlich unsafe-Analsex propagierte.
Ich konnte nur staunen. Das nicht vorhandene Kondom auf Lances Lanze war auf einmal das größte Problem und nicht die Frage wieso er überhaupt so dumm sein konnte solche Aufnahmen zu machen.

Wie wir dieser Tage hören, konnte auch Jeff Bezos nicht an sich halten, filmte seinen kleinen Jeff und schickte Bilder davon via Internet an seine Affäre.


Nun hege ich für Bezos wenig bis keine Sympathien, weil die Amazon-Mitarbeiter mies bezahlt werden und er Myriaden kleine Läden auf der gesamten Welt ruinierte, um seinen Megakonzern zu errichten.

Im Gegensatz zu Donald Trump ist Bezos, der mit über 150 Milliarden Dollar Besitz mit Abstand reichste Menschen der Welt, aber nicht auf den Kopf gefallen.
Er errichtete seinen Mammutkonzern selbst und ging nicht wie #45 dauernd pleite und musste von Papis Millionen gerettet werden.

Seine Pimmel-Posse dürfte die Teuerste aller Zeiten sein. Seine Frau MacKenzie Bezos reichte die Scheidung ein und wird mutmaßlich bald mit einem Vermögen von 75 Milliarden Dollar die mit Abstand reichste Frau der Erde sein.

Bezos ist offensichtlich partiell verblödet. Anders ist nicht zu erklären, wie ein derart prominenter Mann so unvorsichtig mit seinen Genitalien umgehen kann.

In diesem Fall gibt es einen weiteren brisanten Spin, weil Bezos‘ Intimfeind, ein Milliardär mit ebenfalls berühmten Penis mutmaßlich Zugriff auf den reichsten Rüssel hatte:
Size-Queen Trump macht die Dimensionen des Dödels seit drei Jahren zum öffentlichen Thema.
Alte Familientradition der Trumps.

(….) Genau wie der Vater ist auch Jung-Trump Rassist und äußerst ungebildet. Genau wie den Vater drängt es ihn immer wieder in die Yellowpress, um andere zu diffamieren und sich selbst zu loben.

Genau wie der Vater ist Don Jr. auch begeistert von seiner Genitaliengröße, prahlte sogar schon damit er habe einen größeren Penis als Papa.

[….] We now know more about the Trump family's genitals than we ever wanted
Donald Trump is no stranger to alluding to the size of his penis; he’s so enamored with the topic that he even felt compelled to bring it up in a presidential debate. In a truly textbook “the apple doesn’t fall far from the tree” moment, a bizarre 2007 interview with Don Jr. – wherein he discussed both his father’s and his penis size on the Adam Carolla Show – has resurfaced, and it’s an Oedipal nightmare.
The interview, which took place in the Playboy Mansion, because of course it did, actually covered a handful of topics vital to business, politics, and culture. Just kidding, it’s pretty gross. Topics included a discussion on how hard it is to be “at the Playboy Mansion with a pregnant wife,” the age gap between his then-pregnant wife and his step-mother turned first-lady Melania Trump, just exactly how many Miss USAs he had slept with, and most importantly, whether he or his father had the “bigger package.”
After letting Carolla know that he will “get fired for this,” Don Jr. assured the host that “they’re both pretty substantial, I think.” As weird as it sounds, Donald Trump’s junk has already been in the news this week, so what’s a little father-son penis bonding between friends? […..]

Als guter Sohn stellte er natürlich klar, sie beide hätten eine richtig ordentliche Wumme in der Hose, aber seine wäre eben noch etwas fetter.

[…..] Host: I got one question, Donald Jr.: When you and your pops are in the shower, who’s got the bigger package? You know what I’m saying.

Trump Jr.: You know, and I will get fired for this, but I’m never going to say that I don’t. I will get fired for that. By the way, they’re both pretty substantial I think. […..]

Der Pilz-Penis-Präsident war not amused ob der Daniels Detail-Schilderungen.


Jeff Bezos bescherte uns aber nicht nur die Amazon-Krake, sondern sichert auch die Existenz der Washington Post, die immerhin so brillante Artikel über Trumps Partei wie diesen veröffentlicht.

Let’s just say it: The Republicans are the problem.

Das stört #45 und seine Erfüllungsgehilfen vom berüchtigten Verlag American Media Inc. (National Enquirer), der schon viele Trump-Pimmelskandale aufkaufte und verschwinden ließ.
Das Bezos-Baguette-Bild möchte Verlagschef David Pecker (der heißt wirklich so!) für eine Erpressung nutzen, um die WaPo zurück zu pfeifen, sie solle nicht mehr negativ über Trump berichten.

Hier tut Bezos mit dem kleinen Bild etwas Großes. Er geht full frontal nude und deckt die Erpressung auf.

[…..] Jeff Bezos, […..]  hat der US-Illustrierten The National Enquirer vorgeworfen, ihn erpressen zu wollen. Das Boulevardmagazin, das wöchentlich landesweit mit einer Auflage von einer Million Exemplaren erscheint, ist offenbar im Besitz von Fotos, die Bezos, wie es heißt, "unter der Gürtellinie" zeigen. […..] Bezos vermutet, dass die Geschichte über seine Affäre politisch motiviert war. […..]  Bezos ist auch Besitzer der Washington Post, über dessen kritische Berichterstattung sich US-Präsident Donald Trump regelmäßig ärgert. Der Chef des Verlags American Media, der den Enquirer herausgibt, ist David Pecker, ein Freund von Trump. "Dass ich die Washington Post besitze, macht die Dinge für mich komplexer. Es ist unvermeidbar, dass manche mächtige Menschen, über die die Post berichtet, mich als ihren Feind ansehen", schreibt Bezos: "Präsident Trump ist einer dieser Menschen. Zudem ist es in manchen Kreisen unpopulär, dass die Post so unnachgiebig über den Mord an ihrem Kolumnisten Jamal Kashoggi berichtet." Dass Bezos eine Verbindung zu Kashoggi herstellt, hat einen Grund. Die Post geht davon aus, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman dessen Ermordung angeordnet hat. Mit bin Salman wiederum unterhält der Verlag American Media Geschäftsbeziehungen. Im vergangenen April gab er ein 97 Seiten starkes Magazin namens The New Kingdom heraus, in dem es um die Großartigkeit Saudi-Arabiens und des Kronprinzen geht. Als Verlagschef Pecker einmal zum Dinner ins Weiße Haus eingeladen wurde, soll er einen Gast mit Verbindungen zur saudischen Königsfamilie mitgebracht haben. […..] Der Verlag American Media reagierte, indem er Bezos über einen Anwalt mitteilte, dass der Enquirer die Fotos veröffentlichen werde, wenn Bezos nicht öffentlich erkläre, dass die Enthüllung seiner Affäre durch das Blatt nicht politisch motiviert gewesen sei. Dieses Risiko nimmt Bezos nun in Kauf. Er ist in die Offensive gegangen. […..]

Dienstag, 17. Januar 2017

So ist Deutschland.



Die folgende Geschichte ist langweilig, unspektakulär und alltäglich. Das kennt jeder.
Leider muß ich mir das aus selbsttherapeutischen Gründen doch einmal von der Seele schreiben.

Es trug sich an einem kalten, feuchten Oktobertag zu, Tammox benötigte für eine neue Wohnung im ehemaligen Arbeiterstadtteil Barmbek, der zwar immer noch leicht schmuddelig, aber doch zentral gelegen und somit gentrifiziert-aufstrebend erwacht, für eine neue Wohnung etwas so Exotisches wie einen Internetanschluss.

Internet kennt Ihr nicht?
Macht nichts, erklär‘ ich Euch:

Das ist dieses Zeug, das junge Leute benutzen, um wie durch Zauberhand miteinander Schmuddelbilder und Katzenvideos auszutauschen. In Deutschland ist das freilich noch Neuland, aber als viertgrößte Industrienation der Erde soll man sich auch nicht immer allen modernen Erfindungen verweigern. Daher wollte ich Dinosaurier auch mal sowas haben.
Es geht um eine Wohnung in einem 1970 erbauten fünfstöckigen Mietshaus in einer lückenlos bebauten Straße.
Menschen dicht an dicht. Gut möglich also, daß ich gar nicht der erste bin, der dieses www-Zeug auch mal ausprobieren will.
Aber ich gebe zu, dieses Anliegen ist technisch anspruchsvoll.
An wen wendet man sich, wenn man einen ganz neuen Vertrag abschließen will?
Sich im Bekanntenkreis nach Erfahrungen umhören ist wegen des Paketdienste-Prinzips leider zum Scheitern verurteilt: Jeder hat schlechte Erfahrungen gemacht und jeder verflucht den Dienst, über den er sich zuletzt grün und blau ärgerte.

So ging ich dann letztlich auch vor. Nach dem Ausschlussprinzip.
Telekom und O2 kamen nicht in Frage, weil mich beide mit ihrem ungenügenden Service und der schlechten Qualität zur Weißglut gebracht hatten.
Mir gefiel die Idee einen kleinen, regionalen Anbieter zu nehmen, der auch Steuern zahlt und die Gewinne nicht an der Börse verzockt.
So fiel meine Wahl zunächst auf „Wilhelm Tel“, welches der kleinen Schleswig Holsteinischen Stadt Norderstedt gehört und mit einem Jahresumsätzchen von 50 Millionen Euro von den Titanen der Branche gar nicht wahrgenommen wird.
Willy Tel prüfte meinen Antrag eine Woche und teilte mir dann mit, in der Straße leider nicht aktiv zu sein; ich solle mir einen anderen Anbieter suchen.
DAS GEHT NICHT – da war er schon, dieser deutsche Satz.
Andere Kleine schieden auch aus. Also zurück zu den Großen. Widerwillig rief ich 1&1 an und fragte nach einem reinen Internetanschluss.
Auch hier die Antwort DAS GEHT NICHT!
So einen Tarif bietet 1&1 nicht, man muß immer mindestens ein Paket mit einem Festnetzanschluss und diversen Flatrates nehmen.
Also wendete ich mich nach Telekom, O2, Willytel und 1&1 an Vodafone – einfach, weil ich mit denen noch nie etwas zu tun hatte.
Auch dort gibt es kein reines Internet.
DAS GEHT NICHT bei Vodafone.
Am 29.10.2016 bestellte ich dann bei Vodafone das Paket RedInternet&Phone16DSL – von dem man mir versprach, es könne in 5 bis 6 Werktagen geschaltet werden. Prima. Geht ja flott.
Es verstrich aber erst der gesamte November, bevor ich einen Brief mit der Aufforderung bekam mich bis spätestens 05.01.2017 telefonisch bei der Vodafone-Hotline zu melden, anderenfalls zöge Vodafone das Angebot zurück.
Ach so verstehen die also ihre Kundenbeziehung.
Das ist scheinbar wie damals mit den Trabbis in der DDR. Man muß auf Knien rutschend voller Dankbarkeit buckeln, wenn man überhaupt so gnädig behandelt wird von ihnen etwas kaufen zu dürfen.
Nach nur etwa 30 Minuten in einer Warteschleife, wollte ein entfernt klingender Mann mit starkem sächsischen Akzent, den ich auch ob der lauten Hintergrundmusik kaum verstand, von mir die Telefonnummer des Vormieters wissen.
?
Von dem habe ich nur eine Handynummer? Muss der etwa zustimmen?
Nein, aber Vodafone mit seiner enormen IT-Power und dem Wissen eines Telekommunikationsriesen hatte in nur fünf Wochen festgestellt, daß in der betreffenden Wohnung früher einmal ein Telekomanschluss lag.
Die Telefonnummer bräuchte man, um die entsprechende Leitung im Haus identifizieren zu können.
Das kostete mich einige Mühe, den vorherigen Bewohner der Wohnung zu erreichen und dann erfuhr ich doch nur, er habe gar keinen Festnetzanschluss gehabt, da die Wohnung nur als Zweitwohnsitz genutzt worden war.
Aha. Wieder in die Warteschleife, wieder gräßliche Musik und debile Menuführung, um von dem nächsten Berater zu hören. DAS GEHT NICHT.
So könne er den Anschluß nicht schalten, wenn er gar nicht wisse in welche Wohnung er gelange.
Aha. Man nenne mich pingelig, aber ich hätte es schon gern, wenn mein Festnetzanschluß und mein Internetanschluß auch in meiner Wohnung wäre und nicht zwei Stock höher.
Der gute Mann versprach dann einen Technikertermin zu organisieren, aber keine Sorge, es dauere ja ohnehin bis die Hardware – der Router – angekommen wäre.
Der würde per Post in die neue Wohnung geschickt.
Mir gefiel das nicht, weil die Wohnung noch leer steht und/oder renoviert wird. Außerdem kenne ich da noch niemand, der ein Paket annehmen könne. Ob sie das Paket an eine DHL-Packstation schicken könnten? Die Antwort war, wenig überraschend: DAS GEHT NICHT!
Ich legte allen Honig auf meine Zunge und schaffte es schließlich die Hardware an meine alte Adresse schicken zu lassen, da ich sie als Rechnungsadresse ausgab. Da würde ich zwar auch tagsüber kaum anzutreffen sein, aber anders als bei der Lieferadresse, würde das Paket dann beim zweiten Zustellversuch zur Packstation geschickt werden.
Es verging auch der Dezember, bis ich draußen vor der Haustür einen zerschlissenen GLS-Zettel fand; ich möge mich beim „Friseur Oberschlesische Str.“ einfinden.
? Wat dat denn? Hatte ich noch nie gehört. Ist ca acht Kilometer von mir entfernt. Dauert im Berufsverkehr recht lange. Dort angekommen, konnte ich mich schlecht verständlich machen, da in diesem Friseurladen zwar keine Kunden, aber doch ein türkisches Radio auf 120 Dezibel rumlief.
Ich staunte nicht schlecht – auch wenn man von außen nichts erkennt, im Keller des Friseurladens befindet sich ein GLS-Lager, aus dem mir ein freunldicher junger Mann mit Uppercut und sehr viel Metall im Gesicht ein Vodafone-Paket heraussuchte.
Ein Wunder. Mein Router. Nur acht Wochen nachdem man mir versprochen hatte der Anschluss sei in sechs Tagen gelegt.
Nun hieß es wieder warten bis Vodafone einen Technikertermin ansetzt.
Schließlich nahte der große Tag.
Am 16.01.2016 kam eine Vodafone-Email:

Ihr Anschluss wird am 17.01.2017 zwischen 12 und 17 Uhr geschaltet. Seien Sie dann bitte zuhause.
Und bereiten Sie sich mit der Videoanleitung auf vodafone.de/dsl-anschaltung schon mal für Ihren Anschalttermin vor.
Freundliche Grüße
Ihr Vodafone-Team
Unser GigaVersprechen
Schnell. Vernetzt. Für Sie da.

Toll, mit Video.


Neben einigen Informationen, auf die ich mit sehr viel Grübeln womöglich selbst gekommen wäre, zB am Tag des Termins da zu sein, erfuhr ich auch Überraschendes.

Den Router sollte ich also selbst anschließen (klar, wenn schon ein Techniker extra ins Haus kommt, ist es logischerweise so, daß man die technischen Dinge vorher selbst erledigt haben soll) und außerdem wurde dieser ominöse Brief mit all den Zugangsdaten erwähnt, den ich natürlich nicht bekommen hatte.

Also wieder Hotline, Musik und schließlich die Aufforderung meine Telefonnummer einzutippen, damit man wisse um was es ginge.


Deswegen rufe ich ja an, weil ich den Brief mit den Nummern und Zugangsdaten nie bekommen habe.

Nach einer Flasche Baldrian und einigen Schreianfällen gelang es mir tatsächlich diesen Brief noch einmal per Email geschickt zu bekommen und auszudrucken. In die Mappe für morgen.

Heute der große Tag.
Ich fuhr zeitig los, um schon eine Stunde vorher vor Ort zu sein. Bei Technikern weiß man ja nie. Und ob des im Video offenbarten Vodafonschen Klingelschild-Fetischismus hatte ich mir zusätzlich ein Schild gedruckt und es an die Haustür geklebt. Sicher ist sicher.

Lieber Vodafone-Mann – sollte die Klingel nicht funktionieren,
wählen Sie bitte 01xxxx, damit ich Sie reinlassen kann.

Es wurde 12.00 Uhr, 13.00 Uhr, 14.00 Uhr, 16.00 Uhr, 17.00 Uhr und mir dämmerte langsam erneut verarscht worden zu sein.
Um 18.00 Uhr, nach sechs Stunden des sinnlosen Wartens in einer leeren und eiskalten Wohnung, zog ich zeternd und Vodafone verfluchend ab.

Später am heimischen Schreibtisch entdeckte ich eine weitere Email von Vodafone – abgeschickt um 16.50 Uhr:

Lieber Kunde,
Ihren Vodafone-Anschluss konnten wir heute leider nicht für Sie anschalten.
Wählen Sie bitte einen neuen Termin auf dsl.vodafone.de/termin. Oder rufen Sie uns dazu kostenlos an unter 08001721212.
Vielen Dank.
Freundliche Grüße
Ihr Vodafone-Team
Unser GigaVersprechen
Schnell. Vernetzt. Für Sie da.

Noch mal Hotline würde ich nicht überleben – also klickte ich auf den Terminlink, um zu erfahren, daß dieses der persönliche Bereich wäre, der nur mit Login-Daten zugänglich sei.
Also die Daten, die ich gestern in einer Zweitschrift bekommen hatte, frohlockte ich schon, um dann beim genaueren Lesen festzustellen, daß bei den entsprechenden Codes nur „xxxxxxx“ stand.

Also wieder Hotline.
30 Minuten Warteschleife, etc pp.
Ja, die Einlogdaten würden immer nur einmal rausgeben. In der Zweitschrift wären die Angaben immer geschwärzt.
Ach so, das trifft sich ja gut. Wenn ein Kunde keine Einlogdaten bekommen hat, schickt man ihm auch keine mehr.
Aber das kann mir ja egal sein, da der Techniker ohnehin nicht kam.

Ein neuer Termin käme frühestens am 26.01.2017 in Frage. Es wäre ja schließlich ein Zweittermin und da brauche man mindestens sechs Werktage Vorlaufzeit sagte die leicht entnervte Frauenstimme vorwurfsvoll.

Können Sie da nicht eine Ausnahme machen? Es ist schließlich nicht meine Schuld, daß der Termin platzte. Ich habe dort volle sechs Stunden ausgeharrt, hatte dadurch einen Verdienstausfall und benötigte den Internetanschluß allerspätestens ab dem 21.01.2017 – nachdem mir am 29.10. versprochen worden war, das ginge innerhalb von sechs Tagen.
Antwort:
Nein, DAS GEHT NICHT.


Ich gebe auf. Dieses Internet ist wohl doch zu exotisch und zu neumodisch.
Das kriegen sie hier offensichtlich nicht hin.


Donnerstag, 29. März 2012

Was zu erwarten war.


Hakenkreuznet, als steter Quell des braunen Wahnsinns ist für mich eine immerwährende Versuchung. 
Aber ich denke, daß ich mich inzwischen besser im Griff habe und keine Blogpostings mehr über einzelne Kreuznet-„Artikel“ schreibe.

Es wäre ohnehin immer der gleiche Blick und tiefe Atemzug in die Klärgrube. 
Aber wie bei einer verendeten Qualle am Strand hat man manchmal diesen unerklärlich morbiden Drang dahin zu gehen und mit einem Stock doch in dem verwesenden Glibber rumzuprokeln. Mit dem Ergebnis, daß es genauso ekelig aussieht, wie es zu erwarten war. So ist es auch mit Kreuznet (und PI und JF und kath.net und und..)

Quot Erat Expectandum.

Über all die Jahre, die ich den ultrarechten katholischen Nazi-Dreck verfolge, bemerke ich allerdings eine zunehmende verbale Radikalisierung. 
Wer hätte gedacht, daß sowas überhaupt möglich ist, aber die Profi-Hasser werden immer noch hasserfüllter.

Heute ist es Zeit mal wieder ein Wort über die Causa zu verlieren, weil es nun endlich eine klare rechtliche Einordnung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz gibt. 
Es stuft die Internetseite "kreuz.net" als grundgesetzwidrig ein. 
Die Initiative sich mit dem Drecksportal zu beschäftigen ging vom Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck aus.

Ungewöhnlich schnell reagierte auch Hakenkreuznet selbst auf diese Klassifizierung, spie Gift und Galle. 
Damit bestätigen die anonymen Klerikal-Rechtsextremisten unfreiwillig wie richtig das Bundesamt für Verfassungsschutz mit seinem Urteil liegt.

In gewohnt primitiven Stil und mangelhafter Grammatik sind auf Brechmittelnet folgende Satzfetzen aneinandergereiht: 

Genosse Bundestagsschwuchtel Beck, deutschen Bundestagsschwuchtel, Genosse Volker Beck, Homo-Tageszeitung ‘Kölner Stadtanzeiger’, Bundestagsschwuchtel Beck ist sauer auf ‘kreuz.net’, weil es im Juli 2011 deren Sex- und Drogenprobleme ans Licht holte, Verfassung der Deutschen Dekadenz-Republik (DDR), Diese Litanei wird in Naziwahn-Deutschland standardmässig gegen Regimekritiker verwendet, Homo-Dekadenz, Begrenzte Maulkorb-Deutsche, Der Homo-Kirchenhasser als Sprecher der Altliberalen, Heuchlerisch erklärt der infame Kirchenhasser, ….

Getroffene Hunde bellen - in der Tat bestätigt Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm in einem Schreiben an Beck die „homophobe, muslimfeindliche und antisemitische“ Gesinnung.
 Etliche Beiträge seien nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt und überschritten "die Grenzen zur Strafbarkeit".

Die Seite wurde auf den Bahamas registriert. Der Verfassungsschutz stößt nach eigenen Angaben bei im Ausland befindlichen Servern an seine Grenzen.
Beck lobte gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger", es sei "gut, dass der Verfassungsschutz die Hetzer von kreuz.net im Auge hat. Der Unflat dieser Seite aus dem Sympathisantenumfeld der Pius-Bruderschaft ist eine Beleidigung für jeden gläubigen Katholiken". Dass ein Vorstandsmitglied von "Pro Köln" bei "kreuz.net" veröffentliche, zeige, "dass Pro nicht etwa pro-israelisch ist, sondern Hetze gegen Minderheiten zum Programm hat". Beck fügte hinzu: "Ob Islam-Hass, Antisemitismus oder Homophobie - Pro Köln tarnt sich zwar. Aber wenn man den Lack abkratzt, kommt doch die braune Farbe der NPD zum Vorschein."

Daß Volker Beck offen schwul lebt und gleichzeitig ein hochgeachtetes Mitglied des deutschen Bundestages ist, stellt für die fanatisch Analsex-fokussierten Katholiken einen permanenten Trigger dar. Der Grüne wird genauso leidenschaftlich gehasst und diffamiert, wie der konservative Theologe David Berger.

Volker Beck hatte die Anfrage an den Verfassungsschutz im Januar gestellt. Er selbst wurde auf der Website wiederholt zum Opfer homophober Beleidigungen. Insgesamt finden sich aktuell 117 Einträge zu ihm auf kreuz.net. Jüngst wurde er dabei in Zusammenhang mit der Diskussion über homosexuelle Schützenkönige angegriffen.

Sonntag, 4. März 2012

Freiheit


Lars Haferkamp schreibt im aktuellen „vorwärts“ Gauck sei deshalb der SPD-Kandidat für das Bundespräsidentenamt, weil er „ohne wenn und aber für die Freiheit“ eintrete.
Damit wäre er genau auf der Linie Willy Brandts. Der Verdienst diesen Brandt-Fan ins Bellevue-Schloß zu hieven gebühre Sigmar Gabriel, der rein im Interesse des Landes gehandelt habe und im Gegensatz zu bösen, bösen Bundeskanzlerin nicht das parteipolitische Kleinklein gesucht habe.

Erst das Land, dann die Partei - nach diesem Motto handelte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Von der CDU wurden laut Gabriel sogar „gestandene Sozialdemokraten“ als Präsidentschaftskandidaten ins Gespräch gebracht, nur um Gauck zu verhindern. In der Presse war von Henning Voscherau  und Klaus von Dohnanyi zu lesen. Doch Gabriel suchte keinen parteitaktischen Vorteil. Er blieb bei seinem überparteilichen Vorschlag. Ganz anders Angela Merkel. Sie betrieb Parteitaktik. Eine Politik, die ihr selbst und ihrer Partei nutzen sollte, aber nicht dem Land.
(Vorwärts, März 2012, s.12)

Es ist immer wieder beeindruckend was für einen Blödsinn auch Sozialdemokraten verzapfen können.
 Dieser kurze Absatz strotzt nur so von Un- und Halbwahrheiten.
Selbstverständlich dachte Gabriel rein parteitaktisch, als er 2010 Trittins Personal-Vorschlag folgte. Merkel, die eine gute Freundin Gaucks ist, hätte den konservativen Christen vermutlich selbst als Kandidat nominiert, wenn Rot-Grün die Personalie nicht parteitaktisch vergiftet hätte. 
Daß Gauck 2010 gewählt werden könnte, schien ohnehin unmöglich ob der riesigen schwarzgelben Mehrheit. 
Gabriels Absicht war es einen Keil in die Regierungskoalition zu treiben.
 Hätte Rot-Grün eine Mehrheit in der Bundesversammlung gehabt, wäre garantiert ein Sozialdemokrat von ihm nominiert worden.

Das gleiche Spiel trieb die Kanzlerin mit dem Namen von Dohnanyi, der wie ich meine ein guter Hamburger Bürgermeister war, aber in den folgenden Dekaden kontinuierlich geistig abgedriftet ist und heute einer Clement-artigen FDP-Vorliebe frönt.
 Er hat immer wieder dezidiert anti-rotgrüne Positionen bezogen und fährt als enger Freund Angela Merkels längst auf CDU-Ticket.
 Das ging soweit, daß Dohnanyi sogar nach der großen und genialen Parteitagsrede Helmut Schmidts aus dem Dezember 2011 ernsthaft von dem 93-Jährigen Ex-Kanzler verlangte er müsse sich bei Guido Westerwelle entschuldigen, da er dessen „Außenpolitik“ zu Unrecht angegriffen habe. 
Von einem „gestandenen Sozialdemokraten“ zu reden, ist also der blanke Hohn.

Der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi forderte Altkanzler Helmut Schmidt (beide SPD) auf, in der Rede auf dem SPD-Parteitag enthaltene Äußerungen über die Bundesregierung zu korrigieren. Die Merkel-Regierung im Zusammenhang mit der Bewältigung der Eurokrise "deutschnational" zu nennen, sei "grundfalsch" und "sehr gefährlich", kritisierte Dohnanyi den Altkanzler. "Ich finde, das war ein großer Fehler und ich hoffe, er findet einen Weg, das zu korrigieren."

Außerdem phantasiert Haferkamp ein Bundespräsident Voscherau würde „ihr selbst“, also Merkel, und „nicht dem Land“ nützen. Im Gegensatz zu Gauck.

Auch das ist einfach abwegig. 
Ich denke, ein schnörkelloser Intellektueller wie Voscherau, der persönlich bescheiden, aber kenntnisreich und witzig ist, würde dem Land ganz enorm nutzen.
 Im Gegensatz zum über alle Maßen eitlen und selbstverliebten Religioten Gauck, der offensichtlich nicht immer so besonders viel nachdenkt, bevor er redet und zudem auch gerne von Dingen redet, von den er gar nichts versteht.

„Das weltweite Internet bietet alle Voraussetzungen, um die in den ersten zehn Artikeln unserer Verfassung verankerten Grundrechte aller Bürger in diesem Land auszuhöhlen. Dies gilt insbesondere für das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit in Artikel Fünf – eine wesentliche Grundlage unserer funktionierenden Demokratie – und es gilt letztlich auch für den Kernsatz unserer Verfassung, den Artikel Eins des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“


Willkommen in der Realität. 
Gauck outet sich hier nebenbei nicht nur als Internet-Depp, sondern er kennt auch offensichtlich nicht die Grundrechte in unserer Verfassung.
Beides ist nicht so schlimm, aber als Ahnungsloser dennoch dazu Analysen abzugeben, nur weil man sich selbst so gern reden hört, scheint mir weniger als Qualifikation zum Bundespräsidenten nützlich zu sein.

Aber um schriftlich zu erklären das Internet höhle die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit oder die Versammlungsfreiheit aus, muß man schon regelrecht großverblödet sein. 

Daß so ein Mann, der die Freiheiten allesamt durch das Internet „ausgehöhlt“ sieht, zudem auch noch von der SPD-Parteizeitung als großer Freiheitsexperte bejubelt wird, macht einigermaßen fassungslos.

Man könnte zum Beispiel mal die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo fragen, ob das Internet ihrer Meinung nach die Versammlungsfreiheit bedroht. Oder nehmen wir das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, wie es in Artikel Zwei festgelegt ist.
Das Internet hat vielen Menschen überhaupt erst die Möglichkeit gebracht, ohne großen Aufwand Gleichgesinnte zu treffen, und so ihre Persönlichkeit zu entfalten – auch wenn das im Einzelfall bedeutet, sich Chatroulette-Schwänze anzusehen. Welche Entfaltungsmöglichkeiten uns das Netz genommen hat oder nehmen könnte, ist dagegen schwer nachzuvollziehen.

Freiheitsexperte Gauck ist Protestant im Lutherischen Sinne; also obrigkeitshörig.
Occupy-Aktivisten findet er „unsäglich albern“ und wenn der Staat sein soziales Gesicht zeigt, um die existentiellen Nöte der Unterschicht wenigstens ein bißchen abzufedern, macht Gauck den Westerwelle 2.0 und sieht den Nanny-Staat drohen.

Wie Gauck den Begriff Freiheit versteht, kann man in seinem Pamphlet Freiheit. Ein Plädoyer“, welches soeben erschienen ist, nachlesen.

Freiheit hat für Gauck zwei Gesichter. Das eine, „anarchische“, das er mit dem jugendlichen Drang nach Herrschaftsfreiheit verbindet und am Beispiel der Französischen Revolution in den Terror münden sieht, ist ihm „Freiheit von etwas“.
Freiheit als Pflicht
Dagegen setzt der einstige Kirchenfunktionär eine „Freiheit für und zu etwas“, eine, „die man nicht fürchten muss“ und die vor allem das ist: „Verantwortung“. Die „wunderbare Fähigkeit“ dazu hält Gauck für gottgeschaffen – und so bekommt Freiheit etwas von einer Pflicht, die sich auf fehlende materielle Bedingungen nicht herausreden dürfe: „Zu essen haben wir mehr als genug. Wir haben auch genug zu trinken. Damit kann man uns nicht locken.“
Dem Glück der Existenz, jenem „Erfüllt-Sein“ durch Verantwortung, von dem Gauck spricht, fehlt es am sozialen Fundament. Nicht durch „unsere Rolle im Wirtschaftsleben“ glaubt er die Menschen bestimmt, „entscheidend ist die Teilhabe an der Macht“. Die Freiheit, die Gauck hier meint, kennt nicht das, was ein Liberaler wie Ralf Dahrendorf „Dimensionen der Freiheit in Gesellschaft“ genannt hat, also ihre unauflösbare Verbindung mit Chancen.
Mehr noch: Gaucks Plädoyer zur „Bereitschaft, Ja zu sagen zu den vorfindlichen Möglichkeiten der Gestaltung“ sieht im Bestehenden schon das Erreichbare.

Das kommt also dabei raus, wenn Obersozi Gabriel mal nicht als Sozi agiert, sondern „für das Land“ entscheidet.

Vielen Dank.