Sonntag, 21. Juni 2026

Konsum, Verbraucher, Nachfrage

Das gehört zu den vielen Dingen, die mir meine Mutter nicht glauben würde, wenn sie, wie Phönix aus der Asche, zum Leben erweckt würde und mich fragte, was seit ihrem Tod so in der Welt passiert sei.

Am TIMES SQUARE in Manhattan, der teuersten und schicksten Gegend der Welt, stehen New Yorker stundenlang um den Block an, um bei ALDI billige NoName-Produkte zu kaufen!


Meine Eltern glaubten noch, Discounter nach deutschem Vorbild hätten in den USA keine Chance, weil die US-Amerikaner Service-versessen sind, eine gewaltige Auswahl von Markenprodukten erwarten und alles show-artig präsentiert bekommen wollen, statt sich ihre Waren selbst aus aufgestapelten Lieferboxen zu pulen.

Das war auch über Jahrzehnte so. Aldi gibt es seit 1975 in den USA und führte dort ein Schatten-Dasein in den Provinz-Nestern.

Aber völlig unfähige republikanische Politiker, die seit Dekaden den Mindestlohn einfrieren ($7,25 = €6,32 seit 2009), Trillionen Dollar zu den Superreichen schaufeln, eine Preisexplosion verursachen, weil sie immer noch an die längst widerlegte Trickle-Down-Theorie glauben, haben es möglich gemacht: Selbst im Mutterland der Binnennachfrage, dem stärksten Konsumland der Erde, geht den Verbrauchern die Luft aus und sie müssen jeden Cent dreimal umdrehen, mehrere Jobs annehmen.

Das zwingt die mittelständische Wirtschaft in die Knie, kleine Einzelhändler gehen reihenweise pleite. Profiteure der Krise gibt es dafür am ganz untersten und ganz obersten Rand: Discounter wie Aldi und Lidl, die mit für die USA ungewohnten Konzepten, die Preise der Branchenriesen deutlich unterbieten.

Ganz oben die Superluxusbranche, die ihren Kundenstamm aus dem reichsten 1% der Gesellschaft generiert, das dank der Trumpschen Umverteilung nur so im Geld schwimmt.

Die Ausgangslage in Deutschland ist ganz anders als in den USA.

Deutsche haben eine extrem hohe Sparquote, legen Billionen Euro zurück und knausern bei den täglichen Ausgaben, während der durchschnittliche US-Bürger gar nichts auf der hohen Kante hat und alles ausgibt.

Dadurch gibt es in den USA kontinuierlich eine gewaltige Binnennachfrage, die für ausländische Anleger so attraktiv ist, daß sie unfassbare Geldberge nach Trumpistan verschieben. Daher kann sich die USA auf Dauer gewaltige Handelsdefizite leisten.

Das Gegenteil in Deutschland; hier ist die Binnennachfrage extrem schwach und wird von einer historischen Importschwäche kompensiert. Weil die Verbraucher kein Geld für Lebensmittel ausgeben mögen, wurde Deutschland zum Mutterland der Discounter. 

Aber so wie das US-System an seine Grenzen kommt und selbst die extrem konsumfreudigen Amerikaner zum Sparen zwingt, bricht auch das Angebots-orientierte, auf Exportüberschüssen basierende deutsche System zusammen:
Kein billiges Gas mehr durch russische Pipelines, Gewaltige Mehrausgaben für Verteidigung, technologischer Rückstand, Ausfall des Mega-Absatzmarktes China.

In dieser Situation muss eine Bundesregierung viele Dinge gleichzeitig anschieben. Die wichtigsten sind:

1.   Unabhängigkeit vom Import fossiler Energieträger, indem auf erneuerbare Energien gesetzt wird.

2.   Massive Bildungsinvestitionen, um international wieder den technologischen Anschluss zu finden.

3.   Willkommenskultur, um Deutschland für Zuwanderer attraktiv zu machen.

4.   Deutliche Stärkung des Binnenkonsums, indem man die Menschen mit mehr Geld ausstattet, die es auch wirklich in die Läden tragen; also die untere Hälfte der Einkommenspyramide. 

Unglücklicherweise sind Reiche, Spahn, Linnemann, Söder und Merz vollkommen verblödet und machen in jeder Hinsicht genau das Falsche. 

Die Folgen sind klar: Trotz der 1000 geliehenen Milliarden Euro, steuert Deutschland in die Rezession.

[…] Konsumstimmung in Deutschland: Die Menschen sparen, wo sie können.

Wer in diesen Tagen durch deutsche Innenstädte läuft, der könnte meinen, es sei schon Hochsommer. Sonderangebote und Rabatte weit und breit. Den gesetzlich geregelten Sommerschlussverkauf gibt es seit Jahren nicht mehr. Der Handel veranstaltet inzwischen einen freiwilligen Schlussverkauf – eigentlich erst Ende Juli. »Bei Rabatten gibt es inzwischen leider fast eine Dauerschleife. […] Viele Menschen kaufen sehr sparsam ein. Ob Kleidung, Lebensmittel oder Deko: Hauptsache günstig. Sonderangebote sind besonders begehrt.

Je nach Produktkategorie werden bis zu 74 Prozent der Kaufentscheidungen von Rabatten beeinflusst. Das zeigt eine Studie der Boston Consulting Group (BCG). […] Die Stimmung hat sich demnach weiter verschlechtert. 64 Prozent bewerten die wirtschaftliche Lage negativ. Verbraucher achten stärker auf Preise als vor einem Jahr. »Verbraucher wägen heute insgesamt stärker ab, wofür sie ihr Geld ausgeben«, sagt BCG-Konsumgüterexpertin Karin von Funck. […] Laut einer repräsentativen Kantar-Umfrage wird vor allem bei Bekleidung, Gastronomie sowie bei Kino-, Konzert- und Clubbesuchen gespart. […] Der finanzielle Druck ist groß. 81 Prozent müssen laut Umfrage vermehrt darauf achten, wie viel sie ausgeben. Zwei Drittel sorgen sich darum, mit ihrem Geld nicht mehr auszukommen. 44 Prozent konsumieren weniger als im Vorjahr. Als Gründe nennen sie meist steigende Verbraucherpreise sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten.

Im »Sorgen-Ranking« des Marktforschers YouGov sind finanzielle und wirtschaftliche Probleme auf den ersten Platz vorgerückt – vor Einwanderung und Gesundheit. Kunden greifen bei Produkten des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln immer häufiger zu Sonderangeboten. […] 

Den Einzelhandel schmerzt die Sparsamkeit der Kunden. Die Unternehmen hadern mit der Rabattflut. Je niedriger die Preise, desto weniger verdienen sie. »Wer dauerhaft mit hohen Preisnachlässen arbeitet, riskiert eine Entwertung seiner Marke und sinkende Profitabilität«, sagt BCG-Expertin von Funck. […] IFH-Handelsexperte Kai Hudetz sieht einen »Verlust der Mitte«. Das Preiseinstiegssegment sowie Premium- und Luxusangebote gewinnen demnach, mittlere Preislagen haben zunehmend Schwierigkeiten.

Jeder sechste Einzelhändler in Deutschland fürchtet laut der Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts inzwischen um seine Existenz, so viele wie nie zuvor. Die Zahl der Insolvenzen liegt nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. […]

(SPON, 19.06.2026)

Das kommt eben davon, wenn Kanzler und Wirtschaftsministerin rein gar nichts von Marktwirtschaft verstehen und nur die widerlegten neoliberalen Trickle Down- Märchen der Milliardäre nachplappern, statt sich um Löhne, Nachfrage und Binnenkonsum zu kümmern.

Die CDU dreht Deutschland ökonomisch den Saft ab.