Mittwoch, 24. Juni 2020

Underperformer


So schwer kann das ja wohl nicht sein‘ dachte sich die homophobe erzkatholische Saarländerin, als sie am 07.12.2018 Merkels Nachfolgerin als CDU-Bundesvorsitzende wurde.
Die größte Hürde war es die noch konservativeren Mitbewerber Span und Merz aus dem gigantischen Landesverband NRW mit deren enormer Hausmacht loszuwerden.
Den eigentlichen Job als Parteichefin hatte Merkel schließlich bereits 13 Jahren neben ihrem Fulltime-Beruf Bundeskanzlerin erledigen können, während AKK sich Vollzeit hineinzustürzen plante. Die Partei hatte doch immer nach strammer Führung gegiert und unter Merkels Desinteresse und langer Leine gelitten.
Ideale Bedingungen also, um sich als neue Kraft zu profilieren, die ihre ganze Aufmerksamkeit der CDU-Zukunft widmet, sich nicht mit einem anderen Job verzettelt und auch nicht in die Kabinettsdisziplin eingebunden ist.

Wie es dann kam, ist bekannt. AKK erfüllte keine der hochtrabenden Erwartungen, würgte die Herbsteuphorie über die offene Vorsitzendenwahl von 2018 vollständig ab, steuerte die CDU demoskopisch weiter nach unten, leistete sich Fehlleistung um Fehlleistungen, musste permanent ihre eigenen Klarstellungen klarstellen, da sie immer anders verstanden wurden, als sie angeblich gemeint waren und stellte sich so schnell als hoffnungslos überfordert heraus, daß sie als letzten Strohhalm ihr Versprechen sich nur der Partei zu widmen brach und im Juli 2019 das mächtige Amt der Verteidigungsministerin übernahm, weil sie ohne Ministerium und Regierungsmacht gar nicht mehr ernst genommen wurde.
Von da an trudelte sie noch steiler bergab, verlor jegliche Autorität, scheiterte schließlich sogar daran einige oppositionelle Provinz-CDUler aus dem Minilandesverband Thüringen zu Raison zu bringen.
Am 10.02.2020 gestand sie ihr Scheitern auf ganzer Linie ein, verkündete entnervt sowohl die Kanzlerkandidatur als auch das inzwischen verhasste Amt der Parteichefin aufzugeben; wohl aber werde sie den Prozess der Machtübergabe, die nach ihren Wünschen im Dezember 2020 erfolgen sollte „moderieren“.
Wie erodiert ihre Reputation war, machten ihr Söder und die Nachfolge-Aspiranten schnell klar.
Ihren Zeitplan könne sie sich abschminken; spätestens im Mai müsse ihr Nachfolger gewählt, ergo AKK in die Wüste geschickt werden. Ihre „Moderation“ sei dabei so überflüssig wie ein Kropf.
Diesmal sprangen gleich vier katholische NRW-Herren aus der Deckung: Merz, Spahn, Röttgen und Laschet.
Aus vier wurden drei, weil Laschet und Spahn sich verpaarten. Aus drei wurden de facto zwei, weil die Kandidatur Röttgens keinerlei Unterstützung fand.
Mert und Laschet hatten das Heft des Handelns fest in der Hand; sie würde es untereinander ausfechten und mit einer klaren Ausgangslage in einen CDU-Sonderwahlparteitag im Spätfrühling gehen.
Wäre doch wohl gelacht, wenn die beiden Alpha-Männchen es nicht besser als die debakulierenden Hobby-Karnevalistin aus Völklingen hinbekämen.
Da war einerseits die Multimillionärs-Heuschrecke Merz, die stets als ihr eigener Lautsprecher unterwegs vor Selbstbewußtsein strotze, von der JU umjubelt einen Umschwung als rechter Messias in Richtung 50er-Jahre CDU vollbringen wollte.
Andererseits Armin Laschet, der nicht nur anders als Merz, der niemals eine Wahl gewonnen und niemals regiert hatte, über das wichtigste Regierungsamt außerhalb der Bundesregierung verfügte.
Als NRW-Ministerpräsident verfügt er über eine enorme Hausmacht und hatte die Wahl gewonnen, an der Konkurrent Röttgen einst gescheitert war.
Das versprach also Spannung. Zwei Macher könnten nun den Loser-Frauen zeigen wie es geht.

Stattdessen kam aber Corona und alle Aspiranten auf den Chefsessel demonstrierten mustergültig ungeeignet zu sein.
Sogar noch schlechter als Kramp-Karrenbauer.

Spahn hatte als Gesundheitsminister über Monate die Pandemiewarnungen aus China ignoriert, war unfähig Hygienematerialien aufzutreiben, scheiterte an seinen Plänen zur frühen Tracking-App und einem Immunitätsausweis.

(…..) Das Bundesgesundheitsministerium wurde am 31. Dezember 2019 durch das internationale Frühwarnsystem ProMED vor dem neuen Virus gewarnt.
Der Pharma-Lobbyist und Yellowpress-Aktivist Spahn begriff überhaupt nicht was das bedeutet und blieb wochenlang inaktiv. Es wurden keine Pläne ausgearbeitet, keine Behörden koordiniert und schon gar nicht dachte der junge Jeck Jens daran das zu besorgen, das man bei allen Seuchen braucht: Schutzkleidung.

[….] Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt am 23. Januar in den Tagesthemen: "Der Verlauf hier, das Infektionsgeschehen, ist deutlich milder, als wir es bei der Grippe sehen." Ende Januar treten die ersten Fälle in Deutschland auf - die meisten mit einem milden Krankheitsverlauf. Der behandelnde Arzt, Professor Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing, sagt heute im BR-Interview: "Hätten wir ganz schwer symptomatische Patienten gehabt, hätte man die Gefährlichkeit vielleicht anders eingestuft."
 Auch Berliner Regierungsbeamte kommen später zu dieser Einschätzung: Die ersten Infektionen in Deutschland hätten zu einem Trugschluss geführt: Seht, wir können es eindämmen. [….] Knapp zwei Wochen später, am 12. Februar, sagt Jens Spahn im Gesundheitsausschuss, die Gefahr einer Pandemie sei "eine zurzeit irreale Vorstellung". […..] 78 lange Tage
Am 2. März kommt der Gesundheitsausschuss zu einer Sondersitzung zusammen. Es wird auch über die Absage von Großveranstaltungen diskutiert. Gesundheitsminister Spahn macht klar, die Behörden vor Ort sollten entscheiden - "ohne dass man belehrend aus Berlin kommt", heißt es im Protokoll. Bis zu einer Empfehlung des Ministers, Großveranstaltungen abzusagen, vergeht fast eine Woche.

Kein Wunder, daß Richard Grenell und Jens Spahn privat so eng befreundet sind.
Vermutlich erinnert Spahns Leugnen und Debakulieren den amerikanischen Botschafter ein sein ganz großes Idol im Weißen Haus. (…..)

Friedrich Merz infizierte sich als einer der ersten Prominenten selbst mit Sars-CoV2, musste seine geliebten Cult-Gatherings in rechten Lobbygruppen und JU-Verbänden absagen, konnte nicht mehr im Applaus baden und verstummte seither vollkommen.
Dem selbsternannten Wirtschaftsfachmann fällt zum weltweiten Wirtschaftsschock nichts ein. Er hat kein Rezept, keine Ideen und scheitert daran Aufmerksamkeit zu generieren. Seinen Anspruch Chef zu werden, leitet er aus dem Antagonismus zu Merkel ab, zu den schlechten CDU-Umfragewerten und dem Gefühl endlich mal einen anderen Regierungschef haben zu wollen.
Zu blöd; all das ist weggebrochen. Die Wähler lieben Merkel wie kaum je zuvor, die CDU steht in Umfragen sensationell gut da und keiner will mehr, daß sie aufhört.
Im Mai hatte es Merz versucht sich wieder einmal als Mann der Superreichen zu profilieren und gegen die Scholzschen Corona-Hilfen für Geringverdiener und Kleinstselbstständige polemisiert.

[….]  Friedrich Merz lehnt Pauschalhilfen ab
[….] Den von Bundesfinanzminister Olaf Scholz ins Spiel gebrachten Familienbonus in Höhe von 300 Euro lehnt Merz ab. „Da fordert der eine 300 Euro, der nächste 600 Euro und dann dauert es wenige Tage, und es kommt einer mit 900 oder 1000 Euro. Dann sind wir vom Helikoptergeld nicht mehr weit entfernt“, sagte Merz. [….] Er schlug vor eher auf die Angebotsseite zu schauen. [….]

Typisch Merz: Unpopulär, hoffnungslos aus der Zeit gefallen und schnell wieder vergessen.

Da fällt noch eher Nobody Norbert Röttgen auf, der als Außenpolitiker gelegentlich gegen Trump austeilt.

Bei drei Ausfällen lief also alles auf Armin Laschet zu, der in NRW zeigen sollte, was er kann.
Leider stellte sich dabei heraus, daß er nicht die hellste Torte auf der Kerze ist und musste sich ausgerechnet von Markus Söder in den Schatten stellen lassen, der zeigte, wie man ein großes Flächenland durch eine Pandemie steuert.

(…..) Kaum zu glauben, aber wahr: In seinem neu entfachten Ehrgeiz im Kampf um den CDU-Vorsitz stellt Armin Laschet nicht nur wirtschaftliche Interessen von die Gesundheit der Menschen, sondern er stellt sich auch noch gemeinsam mit Hardcore-Religiot Ramelow auf die Seite einer Minderheit von unbelehrbaren Katholiban, die Gottesdienste als Hauptbrutstätten der Pandemie wieder einführen wollen. In der MP-Konferenz mit Kanzlerin musste Laschet ausgerechnet von Jesus-Freak Markus S. gebremst werden.

[….] Zu einer Kontroverse zwischen ihm und anderen Teilnehmern kam es beim Thema Religion. Laschet ist Katholik, gemeinsam mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) plädierte er für eine Öffnung: Unter Beachtung aller Vorschriften solle es doch möglich sein, Gottesdienste zu feiern.
Andere wiesen darauf hin, dass es vor allem die Älteren, also die Gefährdeten seien, die in die Kirche gingen. Im Gottesdienst werde gesungen, was die Gefahr für eine Übertragung per Tröpfchen erhöhe. Laschet war in der Defensive.
Doch den entscheidenden Schlag führte Söder – ausgerechnet Söder, der zwar protestantischer Franke ist, aber dem katholischen Bayern vorsteht: Man habe schließlich selbst dem Papst zugemutet, an Ostern allein die Messe zu feiern, sagte er. Was soll man dagegen noch vorbringen? […..]
(SPIEGEL, 18.04.2020)

Es ist ja schön, daß Ministerpräsident Laschet verantwortungsvoller als Donald Nero ist, der seine fanatisierten Anhänger dazu antreibt gegen die Kontaktverbote zu demonstrieren.
Aber dennoch ist der dringende Ruf nach dem Hochfahren des öffentlichen Lebens in Deutschland, um der Wirtschaft zu helfen, ein lebensgefährlich bis tödliches Spiel.(…..)

  (…..) Die Wähler mögen „moderierend“ und wählen sie gerade wegen MMM [Merkels moderierende Methode] immer wieder. Tritt sie von dem Rücktritt 2021 zurück, könnte sie locker auch noch zehn Jahre weiter amtieren.
Während Laschet, AKK, Schulz, Nahles, Merz und Co sich so sehr aufregen, daß sie allesamt beweisen viel zu kleine Füße für die Bundeskanzlerschuhe zu haben, könnte Merkel einfach vor sich hindämmern.
Diese Rolle ist ihr auf den Leib geschrieben. Das sieht man insbesondere seit Annegret Kramp-Karrenbauer im Dezember 2018 CDU-Bundesvorsitzende wurde.
Merkel tauchte bei allen innenpolitischen Fragen endgültig ab. Sie hielt sich aus allem raus, sagte kein Wort mehr zu den Landtagswahlen, gab keine Kommentare zu ihrer Partei ab, war manchmal wochenlang überhaupt nicht mehr zu sehen. Ob sie dabei auf ausgedehnten Afrikareisen war oder in der Uckermark Kartoffelsuppe kochte, merkte das Merkel-Volk gar nicht.
Nach anderthalb Jahren Bundesvorsitz ist AKK inzwischen erledigt, Merkels möglicher Nach-Nachfolger Laschet erledigt sich ebenfalls schon selbst und ausgerechnet ihr langjähriger Erzfeind Seehofer, der spätestens ab 2015 alles unternahm, um Merkel zu schaden, empfiehlt ihr nun eine fünfte Amtszeit anzustreben. (…..)

Während also Laschet in den ersten Pandemiewochen den Ernst der Lage nicht erkannte und mit Wissenslücken auffiel, sprang er im Juni vollständig auf den Lockerungs-Zug auf, wollte sich den Unmut der Corona-Müden zu Nutze machen.

Auch dabei legte er eine spektakuläre Bauchlandung hin, wie spätestens das Tönnies-Desaster zeigte, das zu erneuten Lockdowns führte und von Laschet auch noch mit einem xenophoben Ausfall garniert wurde.

Nun steht Laschet nicht nur als derjenige da, der nach Tönnies-Spenden von 160.000 Euro an die CDU käuflich ist, sondern der auch noch das Leben seiner NRWler zur Disposition stellt, indem er viel zu spät handelt.

[….] Das Zögern vor dem Lockdown von Gütersloh und Warendorf zeigt das exemplarisch. Es ging nicht mehr nur um die Frage, was am vernünftigsten sein würde. Es ging auch darum, ob ein Bruch mit seiner Lockerungsstrategie seinen CDU-Ambitionen schade. Was Laschet auch tut, er ist nicht mehr so frei, wie er sein müsste. Das ist kein guter Zustand für einen, der Kanzler werden möchte. [….]

Erst hatte AKK mit einer spektakulären Underperformance die Erwartungen als Merkel-Nachfolgerungen enttäuscht.

Nun liefern gleich alle vier Aspiranten auf die AKK-Nachfolge eine peinliche Underperformance.

Zu allem Übel für Merz und Co übernimmt Merkel auch noch in der zweiten Jahreshälfte 2020 den EU-Vorsitz und wird international ständig im Rampenlicht stehen. Damit werden die Chancen der vier NRW-Gnome sich als ihre Nachnachfolger zu profilieren weiter absinken.

Gut möglich, daß 2021 auch der Suche nach einem CDU-Kanzlerkandidaten viele in der Partei nur noch einen Namen schreien werden:
Angela Merkel.