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Dienstag, 30. Juni 2026

Sandkasten-Zoff bei den Kleidchen-Trägern

Es mag einen Binsenwahrheit sein, ist aber im Merz-Musk-Trump-Zeitalter wichtiger denn je: Man muss seinen Humor behalten, um nicht von Frustrationen, Fatigue, Stupor und Depressionen zerquetscht zu werden.

Satire-Formate sind leider nicht mehr geeignet, um herzlich zu lachen, weil die Guten viel zu ernst sind und daher eher Schockstarre auslösen.

Längst hat die politische Wirklichkeit, in ihrer 2026er Ausprägung als absurde Real-Satire die Comedians in der Kategorie „Komik“ hinter sich gelassen.

Eine hervorragende humoristische Groteske zeigen heute Prevosts misogyne Geronten in den bunten Kleidern, indem sie sich mit den FSSPX-Franchisern beefen.

Kurzer Recap: 1970 hatte der erzkonservative Mann im Kleid Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) die Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X (FSSPX, vulgo Pius-Brüder) gegründet, weil ihm die anderen erzkonservativen, homophoben, misogynen, antisemitischen Männer im Nachthemd nicht mehr erzkonservativ, homophob, misogyn und antisemitisch genug waren. Kleidchen-Mann Lefebvre setzte dabei einen Trumpf ein, mit dem sich die RKK selbst eine Falle gebastelt hatte.      Es gibt drei Weihe-Grade in der Kaspar-Sekte: Diakonat (Ordo diaconorum),

Presbyterat (Ordo presbyterorum) und das Episkopat (Ordo episcoporum). Dabei stellt die Bischofsweihe (Ordinatio episcopalis) ein Sakrament dar. In ihr war nach Auffassung der Katholo-Kleidchen-Männer, Jesus Christus persönlich anwesend, so daß sie (wie eine katholische Ehe oder Taufe) auch niemals rückgängig gemacht werden kann. Der Pferdefuß findet sind in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche:

Die Bischöfe lenken das pilgernde Volk. In ihnen ist Christus anwesend. Ihnen ist die Fülle des Weihesakraments gegeben, die sie weitergeben können .

(Lumen gentium 21)

Der abtrünnige Lefebvre konnte also kirchenrechtlich gültig, nicht nur Diakone und Priester, sondern eben auch andere Bischöfe weihen.

Das tat er fleißig und steckte schließlich 1988 auch Richard Williamson, Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Bernard Fellay in lustige bunte CSD-Kostüme. Insbesondere der britische Bischof Richard Nelson Williamson (*1940 †2025) schaffte es als wegen Volksverhetzung verurteilter, radikal antisemitischer Holocaustleugner, immer wieder in die internationalen Schlagzeilen. Ein anderer erzkonservativer, misogyner, homophober Mann im Kleid, ein Pole namens Karol Józef Wojtyła, war davon so schwer angepisst, daß er Lefebvre und die neuen vier FSSPX-Bischöfe aus einem erzkonservativen, misogynen, homophoben Verein für Männer in bunten Kleidern rauswarf. Die Exkommunikation stellt dabei die höchste und endgültige Kirchenstrafe durch Gottes Stellvertreter auf Erden dar.

Nachdem Wojtyła aber den Löffel abgegeben hatte, folgte ihm mit dem 1941 in die Hitler-Jugend aufgenommenen Josef Ratzinger, ein erzkonservativer, misogyner, homophober Mann im Kleid, der das mit der Holocaust-Leugnung und Volksverhetzung nur so semi-schlimm fand und die unaufhebbare Exkommunikation  Lefebvres, Williamsons, de Galarretas, de Mallerais und Fellays am 21. Januar 2009 wieder aufhob. Seither tanzen die schrillen FSSPX-Antisemiten drei Päpsten auf der Nase rum. Die Generaloberen Fellay (1994-2018) und jetzt Davide Pagliarani blieben garstig und wollen nun erneut Bischöfe weihen, was wiederum dem erzkonservativen, misogynen, homophoben Bob Prevost auf den Senkel geht.

Es ist so lustig, wenn sich zwei dubiose Kindermisshandlungs-Sekten mit imaginären Freunden darüber streiten, wessen imaginärer Freund, wem imaginäre Rechte verleiht.

„So geht’s ja nun nicht“, verkündete Bob P. ganz bitchy; wenn das passiere, müsse er all mal wieder exkommunizieren, also von dem anderen imaginären Freund canceln lassen.

[…] Voller christlicher Zuneigung bitte und fordere er sie von ganzem Herzen auf: „Kehrt um!“ In dem am Dienstag vom Vatikan veröffentlichten Brief richtet sich Papst Leo XIV. an den Leiter der Priesterbruderschaft St. Pius X., Davide Pagliarani. Er hatte die vom Papst nicht erlaubten Bischofsweihen, die für die Beteiligten laut katholischem Kirchenrecht zur von selbst eintretenden Exkommunikation führen, für Mittwoch angekündigt.

Leo XIV. schreibt: „Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken; denn der schismatische Akt, den ihr begehen würdet, würde sie des rechtmäßigen und in manchen Fällen sogar gültigen Empfangs der Sakramente berauben, die sie lieben und für ihre eigene Heiligung suchen.“ [….]

(ORF, 30.06.2026)

Bobs Droh-Move scheint allerdings nicht zu wirken, da die antisemitischen erzkonservativen, misogynen, homophoben irren Piusse schließlich noch ihren imaginären Freund an ihrer Seite haben.

[…] Die erzkonservativen Piusbrüder fordern den Papst heraus. Die Traditionalisten wollen an diesem Mittwoch im schweizerischen Écône vier neue Bischöfe weihen – ohne den Segen von Leo XIV. Das ist ein offener Affront gegen das Oberhaupt der Katholischen Kirche. Denn da die Bischofsweihe kein päpstliches Mandat hätte, wäre das Vorgehen faktisch ein Akt der Kirchenspaltung. […] Mit der nun angekündigten Bischofsweihe bringen die Piusbrüder den Papst in eine Zwickmühle. Zum einen muss Leo XIV. daran gelegen sein, eine Spaltung zu vermeiden. Die Katholische Kirche ist angeschlagen, vor allem in Europa verliert sie seit Jahren stetig Mitglieder, der Exodus der Gläubigen schreitet scheinbar unaufhaltsam voran. Gleichzeitig sind konservative Gruppierungen in der Katholischen Kirche im Aufwind – beispielsweise in den USA, der Heimat des Papstes, wo die Traditionalisten einen starken Einfluss auf Präsident Donald Trump und seine Politik ausüben. Eine Exkommunikation der Piusbrüder durch den Papst könnte auch diese Traditionalisten verprellen.

Auf der anderen Seite kann sich der Pontifex als Oberhaupt der Kirche die Eigenmächtigkeiten der Bruderschaft schlicht nicht bieten lassen. Die Öffnung der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil kann für Leo nicht verhandelbar sein. Schon sein Vorgänger Papst Franziskus hatte diese Reformen als unumkehrbar bezeichnet, Leo XIV. selbst bezeichnete die Konzilserrungenschaften als „Leitstern für den künftigen Weg“. […] Die eigenmächtige Bischofsweihe der Ultrakonservativen sei für den Papst ein „absolutes Worst-Case-Szenario“, sagt der Theologe Jan-Heiner Tück, Professor für Dogmatik an der Universität Wien[…] Nichts deutete in den vergangenen Tagen darauf hin, dass der Konflikt noch in letzter Minute entschärft werden könnte. […]

Seit Jahrzehnten versucht der Vatikan, die Piusbrüder einzubinden – doch die Bruderschaft führte den Vatikan immer wieder regelrecht vor. […]

(FUNKE, 30.06.2026)

Freitag, 15. Mai 2026

Die Männerreligion

Im Zuge des Beefs zwischen Prevost und Trump, konnte man viel über die Rolle des Katholizismus bei den MAGAs lesen.

Die Vordenker der ultrarechten „Christian nationalists“, Peter Thiel und Stephen Bannon insbesondere, haben den Katholizismus als Vehikel entdeckt, um ihre radikal reaktionäre menschenfeindliche und antidemokratische Agenda voran zu treiben. So konnte Thiel seinen politischen Ziehsohn J.D. Vance dazu bringen, zum Katholizismus zu konvertieren, sich für einen Agustinus-Experten zu halten und auf dieser Basis den Papst zu attackieren.

[….] Neu ist aber die unmögliche Situation, in die sich der US-Vizepräsident selbst gebracht hat – und damit auch seine Regierung, die mit immer schrilleren Bezügen zum Christentum auffällt. Da ist Verteidigungsminister Pete Hegseth, der mit einem gefälschten Bibelzitat aus dem Film »Pulp Fiction« hantiert. Oder Trumps spirituelle Beraterin Paula White-Cain, die ihren Präsidenten in der Karwoche mit Jesus Christus verglich. Aber bei niemandem zeigt sich das grundsätzliche Missverständnis zwischen Politik und Theologie so deutlich wie bei JD Vance. Erst 2019 ist der Republikaner zum Katholizismus konvertiert.  [….]  Seit ein paar Jahren hat eine Strömung der neuen subversiven amerikanischen Rechten den Katholizismus zunächst als provokative Attitüde entdeckt. Ausgerechnet die coolen Kids von der Lower East Side in Manhattan schmückten sich mit dem Label »Trad Cath« , »traditionell katholisch«. Um die vermeintlich woke-liberale Hegemonie zu verstören, kokettierten sie mit traditionellen Familienbildern und stürzten sich lustvoll auf die reaktionärsten Strömungen, die im Katholizismus zu finden waren. […] Typen wie der Techmilliardär Peter Thiel, der seine ganz eigene Geschmacksrichtung von »Vibe-Katholizismus« entwickelt hat. […] Peter Thiel ist kein Fan des Papstes, den er für zu »woke« hält. Zugleich hält der Hobbytheologe gern Vorträge über sein Konzept vom Antichristen (der seiner Meinung nach Züge der Klimaaktivistin Greta Thunberg trägt). [….]

Vance nahm die Rolle des Papstes gleichzeitig zu ernst und nicht ernst genug. [….] Vance aber wurmte es offensichtlich, dass ihm die oberste Autorität in Glaubensdingen nicht recht gab. [….] Das Problem ist: Der Papst ist kein beliebiger Pastor in irgendeiner protestantischen Freikirche, mit dem man über die richtige Auslegung einer Bibelstelle diskutieren kann. Vance verrannte sich, als er dem Oberhaupt der katholischen Kirche empfahl, in theologischen Fragen »vorsichtig« zu sein, in unerhörtes Terrain. [….] Aber Vance hatte sich immer noch nicht tief genug eingebuddelt. Als Nächstes wies er den Papst großmütig auf die fast tausendjährige Geschichte des Konzepts des »gerechten Krieges« hin. Das Konzept geht unter anderem auf ebenjenen Augustinus zurück, den Vance als seinen Schutzpatron verehrt – womöglich hielt er sich deshalb für ausreichend kompetent. Doch wie Vance wissen müsste, da er dem Papst zu dessen Inauguration zwei Augustinus-Ausgaben geschenkt hat, ist Leo XIV. einer der größten Augustinus-Experten auf dem Planeten. [….]

(Matern von Boeselager, 25.04.2026)

OK, in diesem Fall ging es schief, den katholischen Umhang zu benutzen, weil Prevost US-Amerikaner ist, bei dem Thema keine Auseinandersetzung scheut und weil Vance dumm wie Bohnenstroh ist.

Davon mal abgesehen, ist der Katholizismus eine durchaus naheliegende Wahl, um in der dunkel-abrahamitischen, misogynen, homophoben, antisemitischen und xenophoben Republikaner-Welt, einen „seriösen“ Anstrich zu bekommen. Schließlich war die Kirche die längste Zeit ihrer 2000-Jährigen Geschichte katholisch und wurde von mächtigen weißen Männern geprägt, die sich Frauen/Ungläubigen/Kindern/Schwulen/Dunkelhäutigen/Sklaven gegenüber für superior hielten. Und halten.

Über die MAGA-und GOP-Schiene gewinnt die katholische Kirche enormen Einfluss in der US-Politik, weil es die katholischen Stimmen waren, die maßgeblich Donald Trump über die Ziellinie trugen. Darunter sehr viele Latinos, die am allermeisten unter dem ICE-Terror leiden und schon seit 2015 permanent von Trump dämonisiert werden. Eigentlich sollte die GOP keine einzige Latino-Stimme bekommen, aber der Katholizismus, mit seiner Homophobie und dem radikalen Kampf gegen schwangere Frauen, überwog bei der Wahlentscheidung 2024.

[….] Eine wachsende Minderheit in den USA sieht den Einfluss von Religion steigen. 37 Prozent äußerten diese Einschätzung in einer vom Pew Research Center in Washington veröffentlichten Umfrage.

Das sind 19 Prozentpunkte mehr als 2024, kurz vor Beginn der aktuellen Trump-Regierung. 17 Prozent sprachen sich dafür aus, das Christentum zur Staatsreligion zu erklären, das ist ein Anstieg um vier Prozentpunkte. Zwischen Parteigängern der regierenden Republikaner und der Demokraten zeigen sich erhebliche Unterschiede.

75 Prozent der Republikaner bekundeten eine positive Sicht auf den öffentlichen Einfluss von Religion, doppelt so viele wie Anhänger der Demokratischen Partei (38 Prozent). Dass bei der Gesetzgebung die Bibel im Zweifelsfall größeres Gewicht als die Volksmeinung haben sollte, meinten 45 Prozent der Republikaner gegenüber 13 Prozent der Demokraten. 27 Prozent der Republikaner befürworteten eine christliche Staatsreligion.  [….]

(ORF, 15.05.2026)

Für mächtige weiße heterosexuelle Männer ist der Dunkelkatholizismus eine prima Sache. Damit kann man die Frauen zurück an den Herd drängen, auf das Kinderkriegen reduzieren, Schwulenrechte streichen und drakonische Strafen durchsetzen.

Für Frauen/Queere stellt sich die Sache anders dar.

[…] Amerikas junge Frauen wenden sich zunehmend vom Glauben ab. Inzwischen bezeichnen sich bereits 43 Prozent der unter 30-jährigen Amerikanerinnen als nicht religiös.

Der Anteil der nicht religiösen jungen Frauen (von 18 bis 29 Jahren) hat seit 2013 stetig zugenommen – von 29 auf 43 Prozent (2025). Der Begriff (im Original: none) umfasst Atheisten, Agnostiker und andere, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören. Ein Großteil dieses Zuwachses resultiert aus einem Rückgang der Religionszugehörigkeit bei jungen Frauen aus ethnischen Minderheiten (Women of Color). Dagegen blieb der Anteil der nicht religiösen jungen Männer im selben Zeitraum bei 35 Prozent stabil.

Zu diesen Ergebnissen kommt die jetzt veröffentlichte Studie Census of American Religion 2025 des Public Religion Research Institute (PRRI) in Washington, D. C. Über alle Geschlechter hinweg identifizierten sich demnach 9 Prozent der unter 30-Jährigen in den USA als nicht religiös.

Eine bedeutende Rolle bei der Abwendung junger Frauen von den Kirchen spielen die traditionellen Geschlechterrollen in konservativen Glaubensgemeinschaften, sagt die PRRI-Direktorin Melissa Deckman. "Ich glaube, wir erleben gerade einen frontalen Zusammenstoß: Viele jüngere Frauen legen ihre religiöse Selbstbezeichnung ab, weil sie die Ansichten konservativer und lautstarker Kirchen nicht unterstützen."

Während die Frauen gehen, drängen junge Männer mit christlich-fundamentalistischen Überzeugungen – die sogenannten "Theo Bros" – zunehmend an die Öffentlichkeit. Einige Wortführer der Bewegung fordern in den sozialen Medien sogar eine Abschaffung des Frauenwahlrechts. Beobachter vermuten deshalb auch einen erhöhten Zulauf junger Männer zu den Kirchen. Dem widerspricht Deckman: Nach ihrer Ansicht sei es unwahrscheinlich, dass dieser Trend viele Menschen in die Kirchen locken wird.  […]

(hpd,15.05.2026)


Kein Wunder, für Frauen ist die Rolle, die ihnen abrahamitische Ideologien zubilligen, reichlich suboptimal. Es war mir schon immer ein Rätsel, was Queere und Frauen an einer Religion finden, die sie generell als minderwertig gegenüber heterosexuellen Männern ansieht! AUSTRETEN! Heten auch!

Freitag, 17. April 2026

Kollateralschäden.

Bei Kriegen leiden immer die Unschuldigen. Die „chirurgisch präzisen Schläge“ sind eine Illusion, um im Medienzeitalter Angriffskriege nicht so unpopulär, wie die Millionenmassaker in Vietnam, werden zu lassen.

Aber auch bei Trumps aktuellsten Irankrieg wurden gleich als erstes 168 kleine Mädchen gekillt.

[….] Nach dem Angriff auf eine Mädchenschule im Iran hat eine UN-Untersuchungskommission die Arbeit aufgenommen. [….]

Bei dem Angriff am ersten Kriegstag waren iranischen Angaben zufolge fast 200 Menschen getötet worden: 168 Schülerinnen zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern. Die Schule liegt in Minab im Süden des Landes.

Medienberichten zufolge ist das US-Militär für den Angriff verantwortlich. [….]

(Die Zeit, 17.03.2026)

Das waren sicher nicht die von Hegseth und Trump erwünschten Schlagzeilen, jedoch kein politisches Problem für MAGA. Die US-Amerikaner reagieren bekanntlich völlig abgestumpft auf die täglich stattfindenden School-Shootings.

In den Monaten Januar-März 2026 fanden in den USA 98 Massenschießereien statt. Dabei gab es 115 Tote und 377 Verwundete. Wenn sich die MAGA schon nicht an hunderten amerikanischen erschossenen Kindern stören, können Iranische sie erst Recht nicht aufregen.

Trump erlitt aber auch Kollateralschäden, die ihn, im Gegensatz zu umgebrachten Zivilisten, durchaus stören:

Der Krieg ist sehr teuer. Selbst für die USA.

[….] The war in Iran costs America two billion dollars each day, says war budgeting expert Linda Bilmes—and will cost at least one trillion overall. [….]  By early April, the United States had more than 56,000 troops in the war zone (including some 50,000 on ships, military bases, and other installations, as well as 4,500 Marines and 2,000 troops from the 82nd Airborne), and the United States was considering deploying 10,000 additional ground troops.

We spoke with Professor Linda Bilmes, the Daniel Patrick Moynihan Senior Lecturer in Public Policy and a leading expert on public finance, about the financial cost of the war in Iran. [….]

Wars always cost more than expected. Throughout history, those who get into wars tend to be optimistic about the cost and about the length of time it will take. For example, Russia thought it could take control of Ukraine in a few weeks. President George W. Bush fired his economic advisor, Larry Lindsey, for predicting that the Iraq War might cost $200 billion (it ended up costing $5 trillion).

We see the same pattern with Iran. The Trump administration expected that this war would be over quickly and would be relatively inexpensive. According to the Pentagon, it cost $11.3 billion in the first three to five days—but that is an underestimate. According to my calculations, those first few days cost at least $16 billion. We are spending down munitions at an extraordinarily fast pace—to put it in perspective, we fired more Patriot missiles in the first four days of the Iran war than we have given to Ukraine over the past four years. […..]

(Harvard-Kennedy Law School, 07.04.2026)

Der Iran-Krieg verursacht enorme Preissteigerungen in den USA.

[….] Consumer prices spiked in March as the Iran war sent energy costs soaring and took the Federal Reserve further from its inflation target, according to a Bureau of Labor Statistics report Friday. Underlying inflation, however, was relatively tame.

The consumer price index increased a seasonally adjusted 0.9% for the month, putting the annual inflation rate at 3.3%, pushed by a 10.9% surge in energy costs. Both numbers were in line with the Dow Jones consensus. The annual rate was the highest since April 2024 and up from 2.4% in February. [….]

(CNBC, 10.04.2026)

Der Iran-Krieg ist natürlich bei Demokraten sehr unpopulär. Das kann Trump egal sein. Aber auch seine eigene MAGA-Basis wird täglich skeptischer.

[….] Even as Trump has leaned increasingly into a more militaristic and interventionist foreign policy, Americans have less confidence in him to carry that out.

The Pew poll features some pretty staggering charts and numbers:

·        The percentage of Americans who are not confident that Trump will make good decisions on Iran has increased from 50% during the 2024 campaign to 56% after the June strikes on Iran’s nuclear facilities to 64% in March.

·        We’ve seen similar increases when it comes to the war in Ukraine and dealing with China.

·        Only 66% of Republicans and GOP-leaning independents are at least “somewhat” confident in Trump’s handling of Iran.

Similarly, the CBS poll showed just 23% of Americans had “a lot” of confidence in Trump to make the right decisions about Iran. Another 18% had “some,” while about 6 in 10 had “not much” or “none.”

The war has exacerbated Trump’s inflation problem

Perhaps most politically troubling for Trump and the GOP ahead of the midterms is inflation, which just jumped amid the oil shock.

Americans were already down on Trump on that issue — and that’s worsened for him since the war started. The percentage of Americans who disapprove of his handling of inflation has been at 67%, 68%, 69% and 71% in recent polls.    […..]

(Aaron Blake, CNN, 15.04.2026)

Zu den eher unerwarteten Kollateralschäden des aktuellsten Trump-Krieges gehören drei erstaunliche Entwicklungen:

Erstens

Trump unterzieht die Loyalität der US-Katholiken, von denen ihn 57% zum Präsidenten wählten, einer Prüfung, indem er sich eine PR-Schlacht mit dem 70-Jährigen Geistlichen Bob Prevost aus Chicago liefert.

[….]  Der US-Präsident hat den Papst wegen dessen Kritik am Iran-Krieg persönlich angegriffen. Doch Trumps Wutrede schadet vor allem einem: ihm selbst. Denn Leo XIV. hat einen Plan - und klare Ziele.

Robert Barron ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Der Bischof von Winona-Rochester gilt innerhalb der katholischen Bischofskonferenz in den USA als rechter Hardliner und einer der letzten Gefolgsleute von US-Präsident Donald Trump. Noch kurz vor Ostern hatte er an einer bizarren Segnung des Präsidenten mitgewirkt, bei der Prediger aus der MAGA-Bewegung auch den Krieg gegen Iran als göttliche Mission verklärt und gesegnet hatten.

Doch nach Trumps Tirade gegen den Papst blieb auch Bischof Barron keine andere Reaktion als eine scharfe Distanzierung. Die Äußerungen seien "total unangemessen und respektlos" gewesen. Der Präsident schulde Leo XIV. eine Entschuldigung. [….]

(Arnd Henze, WDR, 15.04.2026)

Zweitens

Der unsägliche Pannenkönig Kriegsminister Hegseth, der sich zuletzt als internationale Lachnummer präsentierte, indem er bei einer Bibelstunden im Pentagon, versehentlich statt aus der Bibel, aus Tarantinos „Pulp Fiction“ predigte, …

…ist noch nicht einmal in der Lage dazu, die Menschen an Bord der US-Kriegsschiffe am Golf mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln zu versorgen.

Das Essen muss rationiert werden, die vorhandenen Portionen sind nahezu ungenießbar, um Zahnbürsten muss man sich prügeln.

Dabei weiß selbst ein maximal Marine-ferner Mensch wie ich, wie wichtig gerade auf Schiffen die Verpflegung für die Moral „der Truppe“ ist, die deswegen üblicherweise besonders gut versorgt wird.

Drittens

Was über Jahrzehnte nahezu undenkbar schien, erreichen Trump und Netanjahu nun gemeinsam: Die Amerikaner wenden sich von Israel ab. Nicht zuletzt, weil immer mehr prominente jüdische US-Bürger und Politiker, sowie jüdische Organisationen lautstark gegen Bibi demonstrieren, sich mit muslimischen Bürgerrechtlern verbünden und für Palästina eintreten.

[….] Traditionell genießt Israels Regierung in Washington überparteiliche Unterstützung. Spätestens seit dem Sieg im israelisch-arabischen Sechstagekrieg 1967 ist das Land eine tragende Säule  der US-Sicherheitsstrategie im Nahen Osten. Waffenlieferungen, Geheimdienstkooperationen und enge politische Abstimmung sind Normalität. [….] Mitte der Woche lehnte der US-Senat einen Vorschlag des Linken Bernie Sanders, die Lieferung von Militärbulldozern an Israel zu missbilligen, zwar mit 59 zu 40 Stimmen ab. Doch dass sich 40 demokratische Senatoren für einen Lieferhalt aussprechen, ist bemerkenswert. Das sind mehr als 80 Prozent der Fraktion. Im November 2024 hatte ein ähnlicher Entwurf von Sanders lediglich 18 Jastimmen mobilisiert. Der Senator nannte  das jüngste Ergebnis eine »Verschiebung«, die »widerspiegelt, wo das amerikanische Volk steht«.

  

Laut einer Umfrage  des Pew Research Center aus dem März, dem Monat nach dem Angriff auf Iran, haben parteiunabhängig 60 Prozent der Amerikaner ein negatives Bild von Israel. Unter Menschen, die den Demokraten zuneigen, sind es 80 Prozent. Es ist ein starker Anstieg im Vergleich zu früheren Erhebungen. Er geht mit einem Vertrauensverlust gegen Netanyahu einher. [….]  »In der Machtstruktur der amerikanischen Politik, auch im Kongress, ist die Idee weitverbreitet, dass Kritik an Israel antisemitisch sei«, hatte der frühere demokratische Abgeordnete Andy Levin vor der jüngsten US-Wahl dem SPIEGEL gesagt. Wie Bernie Sanders ist Levin Jude und ein Kritiker der Netanyahu-Regierung. Eine große Rolle spiele die Lobbygruppe AIPAC (American Israel Public Affairs Committee). Sie gibt in Wahlkämpfen Millionen aus , um Konkurrenten von Kandidaten zu unterstützen, die ihrer Ansicht nach nicht proisraelisch genug sind. Bestimmte Positionen seien deshalb im Diskurs faktisch »nicht erlaubt«. Er sei »dämonisiert« worden, sagte der Ex-Synagogenvorsitzende Levin, der sich selbst als Zionisten bezeichnet. [….] Nicht nur aus Trump-Abneigung zweifeln viele Amerikaner daran, dass der Konflikt in ihrem Interesse ist und nicht eher in Israels. In der aktuellen Pew-Umfrage sagten auch 41 Prozent der den Republikanern zugewandten Befragten, sie blickten negativ auf Israel. Bei Konservativen unter 50 Jahren sind es sogar 57 Prozent. [….]

(Cornelius Dieckmann, 17.04.2026)

Es ist selbst für Trumps Verhältnisse ein enormes Desaster, das er mit diesem Krieg angefangen hat.

Oder wie er es selbst ausdrückt:

[….]  Trump fantasiert vom „perfekten“ Krieg [….] bezeichnet. Bei einem Auftritt in Las Vegas verteidigte Trump am Donnerstag seine Wirtschaftspolitik und rechtfertigte den Militäreinsatz. „Wir übertreffen alle Rekorde und das trotz unseres kleinen Umwegs durch das reizende Land Iran“, prahlte Trump. [….] Trump behauptete: „Der Krieg in Iran verläuft reibungslos.“ Und: „Er dürfte ziemlich bald zu Ende sein.“ Trotz steigender Energiepreise, Tod und Zerstörung sowie Sorgen über die Zukunft der Nato und des Nahen Ostens sei der Krieg „perfekt gewesen“, sagte Trump und lobte dabei die Stärke des US-Militärs. [….]

(taz, 17.04.2026)

Montag, 13. April 2026

Wann zum Teufel reicht es den MAGAs?

Finge man an, alle Desaster der Trump-Regierung, die Lügen, Misserfolge und Attacken auf die Verfassung, die Korruption und Kriminalität, aufzulisten, wäre man wochenlang beschäftigt.

Nach gängiger Meinung der US-Analysten, gab es vier Hauptmotivationen der Trumpwähler: Die Erwartungen, er würde den Kirchen mehr Einfluss verschaffen, die Wirtschaft in Schwung bringen, alle Migranten rauswerfen und die USA aus teuren Kriegen raushalten.

So lauteten seine Versprechungen.

Mit dem ICE-Terror wurde übererfüllte er eins der Versprechen so sehr, daß die meisten US-Amerikaner abgestoßen sind.

Die Wirtschaft schmiert ab unter Trump.
 

Der Antikriegspräsident gefällt sich als Krieger, ließ bereits Bombardierungen und/oder militärische Aktionen gegen Venezuela, Iran, Irak, Syrien, Somalia und Nigeria durchführen. Mit dem Irakkrieg startete er ein bisher 100 Milliarden US-Dollar teures Megadesaster.

All das kratzt bisher nicht an Trumps Macht.

(….)  Als ob man nicht genug Problem in der Welt hätte, um sich mühelos 24/7 mit aktuelle  politischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Themen zu befassen.

Aber die elende orange Vollkatastrophe Trump, seine verbrecherischen Cronies Orbán, Netanjahu und Putin, sowie die hausgemachte Unfähigkeit Brüssels und Berlins, lassen einem keine Wahl.

Stets muss man, gebannt wie das Kaninchen vor der Schlange, gen Washington starren, um den neuesten potentiell weltzerstörenden Wahnsinn des US-amerikanischen Präsidenten zu verfolgen. Was wird Tangerine Turd heute wieder anrichten? Dabei hat man sich längst eine schwere Überdosis Trump zugeführt und kann das Gesicht einfach nicht mehr ertragen, die grotesk gestammelten Worte nicht mehr hören, den Gesamtpeinlichkeit nicht mehr verkraften.

Ich halte es nicht mehr aus, wie seine Project25-Apologeten um ihn herum, nicht müde werden, ihren buchstäblich stinkenden senilen Psychopathen zu bejubeln.

Heerscharen rechter Kommentatoren und Journalisten schwärmen nach jedem neuen großen verbalen Schiss in seine präsidialen Windeln aus, um sich als loyalste Trump-Bewunderer zu inszenieren.

Das gesamte US-amerikanische System ist Rott: Politik, Bildung, Medien, Wirtschaft, Justiz, Moral. Don Lemon gräbt bei seinen Straßenumfragen auf der Suche nach enttäuschten Trump-Wählern (die es wirklich in immer größerer Menge gibt), fatal verblödete Exemplare aus. Gebildete Männer in guter Kleidung, die sich zerknirscht über die Benzinpreise zeigen, aber voll von der Klugheit Trumps überzeugt sind. (….)

(We’re all tired of this shit, 08.04.2026)

Der gewichtigste Grund, Trump endlich aus seinem Amt zu entfernen, liegt aber in seiner offenkundigen mentalen Umnachtung.

[….]  Die US-Verfassung regelt in ihrem 25. Zusatzartikel, wie eine Präsidentschaft vorzeitig beendet werden kann. Ein Passus betrifft die vorübergehende Übertragung der Aufgaben des US-Präsidenten auf den Vizepräsidenten wegen temporärer Amtsunfähigkeit. Die Zeit für diese Regel sieht der ehemalige CIA-Direktor John Brennan mit Blick auf US-Präsident Donald Trump nun gekommen.

»Dieser Mann ist eindeutig geisteskrank«, sagte Brennan in Bezug auf Trump dem US-Mediendienst »MS Now« . Der 25. Verfassungszusatz sei demnach für Trump geschrieben worden. Brennan begründete seine Forderung mit den Äußerungen Trumps im Krieg gegen Iran. Der US-Präsident hatte unter anderem mit der »Auslöschung der iranischen Zivilisation« gedroht.

Brennan, der unter Ex-Präsident Barack Obama die CIA leitete, fügte hinzu, Trump sei ein zu großes Risiko, als dass man ihn weiterhin als Oberbefehlshaber der Streitkräfte einsetzen könne. Trump dürfe demnach nicht länger über das US-Atomwaffenarsenal bestimmen.

Mit der Forderung ist der ehemalige CIA-Direktor nicht allein. Auch mehrere US-Demokraten drängen auf die Anwendung des 25. Verfassungszusatzes. Die Regelung erlaubt dem US-Kabinett, einen amtierenden US-Präsidenten des Amtes zu entheben, wenn dieser »nicht in der Lage ist, die Befugnisse und Pflichten seines Amtes auszuüben«. [….]

(SPON, 13.04.2026)

Aber auch der für jeden sichtbare Wahnsinn ihres orangen Helden stört die MAGAs nicht.

In den letzten zehn Jahren gab es je Woche einen neuerlichen Trump-Tiefpunkt, der immer wieder diese irrationale Hoffnung aufkommen ließ: „Reicht es den Trumpanzees jetzt? Werden sie sich abwenden von ihm?“

Nachdem aber diese Hoffnungen 500 Wochen lang, 500 mal enttäuscht wurden, sollte einem jeder Optimismus ausgetrieben sein.

Aber nun kommt der 501. Hoffnungsschimmer: Trump wirft sich gegen den Papst in die Schlacht. Ausgerechnet den US-Amerikaner Bob Prevost!

Ist es nun soweit? Könnte sein Pope-Beef Trump endlich ein erfolgreiches Impeachment einbringen?

Wahrscheinlich nicht.

Die prominenten GOP-Katholiken JD Vance, William Barr, Marjorie Dannenfelser, Rudy Giuliani, Steve Bannon, Newt Gingrich, Marco Runio, Elise Stefanik, Leonard Leo, Kevin Roberts, Kellyanne Conway, Matt and Mercedes Schlapp müssen nicht überlegen, wenn sie sich zwischen ihrem Papst und ihrem obersten religiösen Führer Trump entscheiden sollen: Sie rammen dem ersten US-Papst der Geschichte ohne zu zögern ein Messer in den Rücken.

Sonntag, 5. April 2026

Wichtige Männer.

Die Zeiten, in denen ich fast jede Nacht die CNN-Panels guckte, um über die Tiefen der US-Politik informiert zu sein, sind lange vorbei.

Die republikanischen Eigentümer haben den Sender gründlich nach rechts gedreht, die liberalen Moderatoren gefeuert.

Abby Philip und Laura Coates platzieren zwar immer noch gern mal eine „linke“ Person in ihren Runden (Adam Mockler zum Beispiel), aber das false balancing nimmt längst groteske Züge an. Konservative Meinungen sind völlig in Ordnung und sollen ihren Platz haben. Aber die Trumpisten vertreten eben keine Meinungen, sondern lügen ungeniert. Mockler und Co halten dagegen, indem sie die Fakten richtig stellen, aber die Lügen werden verdrossen in enormer Quantität wiederholt, daß Fakten am Ende nur wie eine Meinung unter vielen wirken.

Es ist eben journalistisch nicht in Ordnung, eine Sendung zur Position der Erde im Sonnensystem zu machen und das Panel dazu mit zwei Geozentristen und zwei Heliozentristen zu besetzen, die jeweils genau gleich viel Redezeit bekommen.

In der bizarren Welt der US-Newssender vergeht keine monothematische Analystenrunde, in der nicht der Moderator zwischendurch Tapes mit Trump-Aussagen abspielt, oder seine „Truth Social“-rants verlesen werden.

Was soll man aber damit anfangen? Die einen lachen ihn aus, die anderen korrigieren die Lügen, die nächsten weisen auf die eklatanten Widersprüche zu vorherigen Trump-Aussagen hin. Aktive GOP-Politiker haben eine sagenhafte Unterwürfigkeit entwickelt und lobpreisen jeden Trump-Unsinn, so hanebüchen er auch ist. Weil sie natürlich wissen, unter Beobachtung der Dark-MAGAs zu stehen, die auch kleinste ideologische Abweichungen vom Orangen Messias bestrafen. Es tut körperlich weh, US-Senatoren dabei zu beobachten, wie sie sich winden und verbiegen, um Trump zu gefallen.

 Am einfachsten haben es noch konservative Renegaten und Ex-Politiker, die grinsend und achselzuckend in den Panels sitzen und den Wahnsinn mit „wir kennen doch alle Trump“ oder „so ist er eben“ abtun.

Für einen Zuschauer, der etwas über die ökonomische Entwicklung der USA oder den Fortgang des Iran-Krieges erfahren möchte, enthält die Beschäftigung mit Trump-Aussagen keinerlei Erkenntniswert. Der Mann ist a) vollkommen verblödet und lügt b) sowieso immer.

Aus journalistischer Sicht, sollte man Trump-Aussagen genau wie Geozentristen oder Flacherdler behandeln: Sie haben in seriösen Formaten keinen Platz. Trump findet aber doch immer statt, weil sein Irrsinn Einschaltquote bringt und weil er nun einmal der mächtigste Mann der Welt, US-Präsident und Oberbefehlshaber der stärksten Armee ist. Es ist ein Dilemma. Sein intellektuelles Niveau ist so katastrophal, daß man ihn nicht senden darf. Aber seine politische Bedeutung ist so enorm, daß man ihn auch nicht nicht senden kann. Man sollte nicht über ihn berichten, um Schaden vom Volk abzuwenden. Man muss aber über ihn berichten, weil das Volk sich bereits dafür entschieden hat, von diesem Mann ins Elend geführt werden zu wollen.

Wir kennen das in abgeschwächter Form von Friedrich Merz, der ökonomisch immer irrlichterte und Hass auf Minderheiten säte. So ein Typ sollte gar keine Sendezeit bekommen. Er wurde aber demokratisch zum Kanzler gewählt und ist nun Regierungschef der drittgrößten Industrienation der Welt. Nun muss man über ihn schreiben, ihm zuhören, von ihm berichten. Auch, wenn er das Erwartbare tut: Nämlich Deutschland in jeder Hinsicht massiv zu schaden und man ihm besser keine Aufmerksamkeit schenkte.

Zumal Merz, auch in dieser Hinsicht Trump nicht unähnlich, unüberlegt drauf los plappert, oftmals gar nicht so genau weiß, was er sagt, anschließend über die Aufregung verwundert ist und seine Chronies tagelang mit Schadensbegrenzung beschäftigt sind.

Man muss Trump und Merz ignorieren.

Man kann Trump und Merz nicht ignorieren.

Aber wieso müssen Nachrichtenmagazine und Newssender eigentlich seit Jahrzehnten immer und immer wieder die völlig irrelevanten Appelle der internationalen Kleriker-Elite multiplizieren? Die Gebete und Ansprachen zur Beendigung von Hunger und Krieg, kommen zu den Feiertagen buchstäblich so sicher, wie das „Amen in der Kirche“ und sind ebenso sinnlos. Die beklagten Kriege und Hungersnöte sind fast immer wesentlich von Anhängern der Christlichen Kirchen, ja, sogar von ihren ausgesprochenen Protegés, wie Putin und Trump, verursacht. Die beklagten Kriege und Hungersnöte werden niemals durch Papst-Worte beendet.

[…] Schon in seiner Predigt hatte er das Thema Tod, Gewalt und Kriege angesprochen - auch seine Osterbotschaft war ein einziger Appell für den Frieden:

    Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder. Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden. Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog. Nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen.

    Papst Leo XIV. […]

Der Papst sprach in seiner Osterbotschaft auch von der Kraft der Liebe, die der Menschheit Frieden bringe - und gewaltfrei sei. "Wir sind gerade dabei, uns an die Gewalt zu gewöhnen, wir finden uns damit ab und werden gleichgültig", so Leo. "Gleichgültig gegenüber dem Tod Tausender Menschen. Gleichgültig gegenüber den Folgen von Hass und Spaltung, welche die Konflikte nach sich ziehen. Gleichgültig gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die sie verursachen und die wir doch alle spüren."  [….]

(Tagesschau, 05.04.2026)

Wo liegt der Nachrichtenwert, Tagesschau?

Was hätte Prevost denn sonst sagen sollen? „Krieg finde ich ganz geil, bombardiert mal ordentlich weiter, Putin, Trump und Netanjahu!“

Welche Wirkung haben Prevosts Sätze wohl auf Trump? Wird er selbstkritisch in sich gehen und zugeben, sich furchtbar geirrt zu haben, weil der Papst ihm ins Gewissen geredet hat?

Lasst es einfach, Nachrichtensender.  Oster- und Weihnachtsappelle der Religioten sind irrelevant und verlogen.

Meldet sie erst wieder, wenn der Papst das kirchliche Multimilliardenvermögen auflöst und an die Welthungerhilfe überweist. Wenn der Papst die widerlichen katholischen Hetzer und Kriegstreiber der GOP (Vance, Bannon, Gingrich uvam) exkommuniziert und die Trump-affinen Bischöfe absetzt.

Waffen segnen, Militärseelsorger stellen ist die Kernkompetenz der katholischen Kirche, Kardinal Marx!

[….] Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat den Missbrauch religiöser Sprache zur Rechtfertigung von Krieg und Gewalt scharf verurteilt. In seiner Predigt am Ostersonntag kritisierte der Erzbischof insbesondere Äußerungen von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (der sich selbst Kriegsminister nennt).

Es sei eine »schamlose Gotteslästerung«, wenn dafür gebetet werde, dass im Kontext eines Krieges – etwa in Iran – jede Kugel ihr Ziel treffe, sagte Marx in München. Religion dürfe nicht instrumentalisiert werden, um Gewalt zu legitimieren.

Zugleich wandte sich der Kardinal gegen entsprechende Aussagen aus Russland. Auch die Bezeichnung des Angriffskriegs gegen die Ukraine als »heiliger Krieg« durch den Moskauer Patriarchen Kirill I. kritisierte Marx deutlich. Der Geistliche mahnte, religiöse Überzeugungen dürften niemals zur Rechtfertigung von Krieg missbraucht werden. [….]

(SPON, 05.04.2026)

„Gott will es“ stand auf den Koppelschlössern der deutschen Nazi-Soldaten. Kardinal Bertram ließ ein offizielles Totenrequiem für den Selbstmörder  und Katholiken Hitler halten.

Montag, 9. März 2026

Streisand - Teil VI

Zu den Themen, die mich wenig interessieren und bei denen mein Wissen sehr überschaubar ist, gehört das Kino. Als Sozialphobiker gehe ich einerseits sowieso nie ins Kino und andererseits hege ich eine Abneigung gegen künstliche Spannung und insbesondere alles aus dem Hause Marvel. Was immer in den sozialen Medien zu irgendwelchen neuen Filmen erscheint, klicke ich gleich weg und die Algorithmen sind schlau genug das zu bemerken. Solche Inhalte werden mir kaum noch vorgeschlagen, wenn ich die Online-Welt betreten.

Wieso war dann aber vor ein paar Tagen Timothée Chalamet all over in meinen Feeds? Eigentlich kenne ich kaum Jungschauspieler, aber selbst ich weiß wer das ist, weil er a) ultraberühmt ist b) nach meinem Empfinden außergewöhnlich hübsch ist. Viel mehr weiß ich aber nicht über den Mann.

Wie sich herausstellte, wurde er mir von den Algorithmen vor die Nase gespült, weil er sich sehr abwertend über Ballett und Oper äußerte und ich einigen (Hoch-) Kultur-Accounts folge, die sich darüber empörten. „Shut up, Twink“ hieß es von einigen Ballettkompanien.

Der gute Mann hatte, unwissentlich oder nicht, den Streisand-Effekt ausgelöst.

Bisher galten Kirchenfürsten und Friedrich Merz als Könige des Streisand Effektes.

(….) Dabei zeigt sich Dummerle Merz wieder einmal unbelehrbar. Denn mit Hilfe des Streisand-Effekts schoss er sich schon mehrfach kräftig selbst in den Fuß; zum Beispiel bei Strack-Zimmermanns Flugzwerg-Rede.

(…..) Hinzu kommt auch noch seine Unkenntnis des Streisand-Effektes.

(….) Als Barbra Streisand unbeabsichtigt 2003 den nach ihr benannten Effekt inventete, war möglicherweise wirklich noch nicht jedem digital immigrant klar wie der Schwarm des Internets funktioniert.  Mrs. Streisand hatte damals die die Website Pictopia.com verklagt, weil diese zwischen 12.000 anderen Bildern auch ihr Haus veröffentlicht hatte.  Nicht jeder Mensch klickt täglich auf Pictopia und selbst von denen, die es tun, macht sich kaum einer die Mühe nachzuvollziehen, wer die Besitzer der einzelnen Häuser sind.   Nachdem Streisand aber eine 50-Millionen-Dollar-Klage darüber angestrengt hatte, machte der Fall Schlagzeilen, so daß das inkriminierte Bild rasend schnell im Netz verbreitete und nun wirklich jeder wußte in welchem Haus die Kult-Sängerin und demokratische Aktivistin wohnte.  Sie erreichte also das diametrale Gegenteil dessen, was sie wollte. Die Diva lernte daraus und tat es nie wieder. (….)

(Streisand extrem, 28.03.2019)

Wenn man als extrem Mächtiger NICHT möchte, daß eine Stichelei eines kleineren Players bekannt wird, ignoriert man sie. Wenn man hingegen als superreicher Papst und kirchliches Oberhaupt von 1,4 Milliarden Menschen, eine kleine Dreimann-Redaktion in Frankfurt verklagt, bekommen die Titanic-Schmähungen erst die unerwünschte weltweite Aufmerksamkeit. Mehr Eigentor geht nicht.

Durch seine weinerliche Empörung erreichte Merz, daß nicht an Büttenreden interessierte Deutsche wie ich (!) überhaupt erst auf Strack-Zimmermanns garstige Reime aufmerksam wurden. […]

Böse auf der Zwergen-Schar,

die toxisch' Männlichkeit gebar.

Ihr kennt die Zwerge, die ich meine,

mit ihrem Ego nahe der Beine.

Manche dieser Zwergen-Fritzen,

sehe ich in diesem Saale sitzen. […]

Von Bayern schnell ins Sauerland

zum Flug-Zwerg aus dem Mittelstand.

Den wollte zweimal keiner haben,

weil er nur schwerlich zu ertragen.

Noch so ein alter weißer Mann,

der glaubt, dass er es besser kann.  (…)

(Streisand – Teil -IV, 08.02.2023)

Der CDU-Chef, völlig erkenntnisresistent, rennt immer wieder gegen diese Wand. (….)

Aber Chalamet zeigt sich ebenfalls als versierter Streisander. In seinem Bemühen, Oper und Ballett, als irrelevante Künste, für die sich kein Mensch mehr interessiere, darzustellen, erfuhren die klassischen Bühnen weltweit eine Welle der Solidarität. Die wurden nun erst Recht zum Gegenstand des Interesses und haben überall ausverkaufte Häuser.

[….] Mit nur zwei Sätzen hat es Schauspieler Timothée Chalamet geschafft, Opernhäuser auf der ganzen Welt gegen sich aufzubringen. In einem Gespräch  mit Matthew McConaughey – wohlgemerkt ebenfalls Schauspieler – zog der 30-Jährige freimütig über Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen der Kulturbranche her.  »Ich möchte nicht beim Ballett oder an der Oper arbeiten«, lästerte Chalamet. Oder in Bereichen, »über die man sagt, ›Hey, erhaltet diese Sache am Leben‹, obwohl sich niemand mehr dafür interessiert«. Er habe zwar, so fügte Chalamet schnell an, großen Respekt »für alle Opern- und Ballettleute da draußen«. Witzelte dann aber weiter: »Ich habe gerade 14 Prozent meiner Zuschauer verloren.« [….] Die Metropolitan Opera in New York veröffentlichte einen Zusammenschnitt von Mitarbeitenden, die hinter den Kulissen an Produktionen des renommierten Hauses beteiligt sind. Menschen, die Kostüme nähen, Bühnenbilder bauen, Instrumente spielen, dirigieren. Am Ende sieht man ein begeistertes Publikum in einem ausverkauften Konzertsaal. Überschrieben ist das Video mit den Worten »Das hier ist für dich, Timothée Chalamet«.

Die Canadian Opera nahm Chalamets Aussage zum Anlass, eine Umfrage zu starten – und Menschen nach ihren Gedanken zur Oper zu befragen. Zu dem Clip schrieb der Account des Opernhauses: »Ich weiß es nicht, Timmy. Die Zukunft der Oper sieht für uns ziemlich gut aus.«

Ähnlich verfuhr die Staatsoper in Wien, die ebenfalls eine Umfrage vor der eigenen Haustür startete und in Chalamets Richtung hinterherschob: »Betrachte dies als deine persönliche Einladung nach Wien. Unsere Bühne erwartet dich.«  Die Los Angeles Opera veröffentlichte ein Foto einer aktuellen Produktion und schrieb dazu: »Tut uns leid, Timothée Chalamet. Wir würden Ihnen gern Freikarten für Akhnaten anbieten, aber die Veranstaltung ist fast ausverkauft. Es sind noch einige wenige Plätze verfügbar. Wenn Sie sich beeilen.« [….]

(SPON, 07.03.2026)

Eigentlich tappen liberale Künstler nicht so häufig in die Streisand-Falle. Es ist eine Domäne der rechtsextremen Kulturkämpfer wie Wolfram Weimer, der seit seiner Berufung zum Kultur-Staatsminister immer wieder so aggressiv seine Verachtung für Kultur demonstriert, daß er von der gesamten Künstlerszene gehasst wird. Damit fügt er sich immerhin gut ein in die Merzsche C-Mannschaft. Auch Wirtschaftsministerin Reiche wird von Wirtschaftsvertretern verachtet.

[….] Was geschieht in den Läden, die per Verfassungsschutz vom Buchhandlungspreis aussortiert wurden? Einblicke in die wundersame Logik des Kulturstaatsministers Weimer. [….] Bücher können Imperien zum Einstürzen bringen, womöglich sogar aktuelle politische Systeme an den Abgrund schubsen – das ist die These, die dem aktuellen Verdikt des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer zugrunde liegt, über drei linke Buchhandlungen in Göttingen, Bremen und Berlin gebe es „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“. Auf Deutsch gesagt: Dort würden Leute eine Chance sehen, das herrschende System auszuhebeln.

Das ist es, worauf sich der Verfassungsschutz stets konzentriert: nicht auf Straftaten, sondern auf politischen Aktivismus, der – angeblich! – darauf zielt, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beenden. [….]

Aber ein Buchladen? Also ein Unternehmen, das gar nicht selbst Inhalte formuliert, sondern „nur“ Bücher ins Regal stellt und über den Schalter hinüber an interessierte Menschen verkauft? Das soll eigenständig den politischen Status quo gefährden? Es ist eine interessante, bislang in den Berichten des Verfassungsschutzes noch nicht da gewesene Vorstellung. Ebenso wie es eine interessante neue Vorstellung ist, dass nach SZ-Recherchen – in Befolgung des sogenannten Haber-Verfahrens der Bundesregierung, von dem die Republik gerade erst erfahren hat – diese Buchhandlungen in „Nadis“ gesucht worden sind. Das ist das „Nachrichtendienstliche Informationssystem“, die geheime Datenbank der Inlandsspione. [….] Die Vorwürfe, die das Bundesamt für Verfassungsschutz so auf Anfrage Weimers zusammengetragen hat, bleiben dann zwar streng unter Verschluss, aber nicht so streng, dass Journalisten nicht auf Nachfrage doch einiges erzählt bekämen: Einem der drei Läden werde eine Rolle im „Kommunikationsnetzwerk der RAF“ nachgesagt, heißt es etwa.

Vor 30 Jahren, so muss man dazusagen; denn so lange ist die RAF schon aufgelöst. RAF-Kontakte vor 30 Jahren sind natürlich kein ausreichender Grund, jemanden heute noch als Extremisten einzustufen, sonst hätte Joschka Fischer 1998 nicht Außenminister werden können. [….] Bücher können die Welt verändern. Aber Menschen davor abzuschrecken, dass sie Bücher kaufen und verkaufen, weil sie womöglich in Geheimdienstdateien landen könnten – das kann das Land noch viel rascher und zum Üblen verändern.  [….]

(Ronen Steinke, 08.03.2026)

Ja, die drei von Weimer verachteten Buchläden haben nun keine Chance mehr auf das Preisgeld.

[…] Öffentlich ist nicht bekannt, was gegen die drei Läden in Berlin, Bremen und Göttingen vorliegt. Die Betroffenen wollen vor Gericht ziehen. Der Deutsche Buchhandlungspreis für etwa 100 besonders engagierte kleine Buchläden ist mit Preisgeldern von 7.000 bis 25.000 Euro dotiert.

„Wehret den Anfängen – ansonsten werden wir im Handumdrehen ‚amerikanische‘ Zustände haben“, sagte PEN Deutschland-Präsident Matthias Politycki. „Die jeweils regierende Partei kuratiert das kulturelle Angebot, sei's in zeitlicher Abfolge, indem sie die Entscheidungen der Vorgängerregierung revidiert, sei's in räumlicher Hinsicht, indem das kulturelle Angebot von Bundesland zu Bundesland völlig anders bemessen wird.“ Die Meinungsfreiheit umfasse auch die Freiheit der Buchhändler.  [….]

(dpa, 08.03.2026)

Aber auch Dummerle Weimer löste hiermit den Streisand-Effekt aus und belohnt eben jene drei Buchhandlungen, denen er finanziell schaden wollte, mit enormen Umsätzen, die mutmaßlich segensreicher sind, als das Preisgeld es gewesen wäre.

[….]  Danke, Weimer! [….] Eine ältere Frau betritt den Golden Shop. „Ich wollte mal gucken, wie so ein linksextremer Buchladen aussieht“ sagt sie. Sie ist die erste Kundin an diesem Donnerstagvormittag; seit zwei Tagen ist klar, dass der kleine Golden Shop in Bremen den Kulturstaatsminister in Berlin beschäftigt: Am Dienstag hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass Wolfram Weimer drei der ursprünglich 118 ausgezeichneten Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreises ausgeschlossen hat – weil es „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ gegen sie geben soll.

Der Golden Shop ist eine dieser drei Buchhandlungen. Ein 24 Quadratmeter kleiner Raum, Holzdielen, vollgestapelte Büchertische. Wer die knarzende Treppe hochgeht, kommt in einen weiteren, genauso kleinen Raum mit Platten, Graphic Novels, Zines, aber so weit kommt die ältere Kundin heute gar nicht. Sie wird schon unten fündig, kauft ein Buch von Marc-Uwe Kling und geht wieder.

Ausma Zvidrina, die Inhaberin des Golden Shop, telefoniert. Das Telefon hört seit gestern gar nicht mehr auf zu klingeln. Um sie herum türmen sich ungeöffnete Pakete, neben einem Stapel Notizzettel stehen Blumen. Die Zettel sind von Menschen, die irgendwas von ihr wollen, Zvidrina musste sie vertrösten. Die Blumen sind von einem Kunden.

Zvidrina hat heute auch schon Kuchen bekommen und 700 neue Follower*innen auf Instagram. Verlage haben angeboten, ihr Bücher umsonst zu schicken, mehrere Autor*innen haben solidarische Lesungen angekündigt. Sie hat eine Spendendose aufgestellt, für die Anwaltskosten: Die drei linken Buchläden, der Golden Shop, die Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) wollen gegen die Entscheidung aus dem Kulturministerium klagen.

In dem kleinen Laden drängen sich mittlerweile zwölf Menschen. Zvidrinas einziger Kollege ist krank. „Wir sind nur zu zweit. Immerhin können sie uns keine kriminelle Vereinigung anhängen.“ Ein junger Mann kommt mit einem Bildband in der Hand: „Das kauf ich nur aus Trotz.“ „Das ist ein gutes Buch“, sagt Zvidrina, „das darfst du auch einfach so kaufen.“ [….] Zvidrina freut sich sehr über die Solidarität: „Wie scheiße wäre es, wenn wir jetzt alleine wären“. Aber: „Scheiß auf die 7.000 Euro. Wir waren noch nie von Staatsknete abhängig. Es geht hier doch um etwas viel Größeres! Um Kunst-, um Kulturfreiheit!“ Es ist kurz nach Feierabend, zwei ehemalige Kol­le­g*in­nen bringen ihr alkoholfreies Bier vorbei, Zvidrina fällt auf, dass sie heute noch nichts getrunken hat. Sie schließt die Kasse, guckt auf den Tagesumsatz: „Weihnachtsgeschäft“. [….]

(Amanda Böhm, 08.03.2026)

Donnerstag, 22. Januar 2026

Brauner Durchblick

Dunkelkatholik, AfD-Lautsprecher, Antisemit und Verschwörungstheoretiker David Berger zeigt uns auf seinem Blog täglich, was er unter seiner heißgeliebten „Catholica“ versteht: Permanente Hetze und Hass auf so ziemlich jeden. Der Urinduscher, der auch schon mehrfach von der AfD-Fraktion als Experte in den Bundestag geladen wurde, hasst insbesondere die linksgrünversifften Kirchenfeinde, wie Bätzing, Marx und Bergoglio. Letzterer war ein rotes Tuch für die katholischen Trumpianer.

Die extremsten katholischen Kritiker von rechts finden sich im afrikanischen Klerus, unter katholischen US-Republikanern (Vance, Gingrich, William Barr, Rudy Giuliani, Kellyanne Conway, Elise Stefanik, Matt and Mercedes Schlapp, die Kardinäle Dolan und Burke, Hardcore-Nazi Bannon) und den deutschen Ratzingerianern. Müller, Gänsi, Taxis-Gloria und natürlich David „der Urinduscher“ Berger, hassen Bergoglio wie die Pest.

Über Prevost gibt es bisher nur positive Vibes aus Dunkelkatholistan, obwohl dessen Verhältnis zu Trump, dem eigentlichen Gottkönig der braunen Blase, noch ungeklärt ist.

Aber wenigstens läßt Bob keinen Zweifel an seinen Ansichten zur Ehe für alle, dem Frauenpriestertum oder gar der Selbstbestimmung über seinen Körper und sein Leben. Da bleibt auch der aktuelle Papst radikal misogyn und homophob, zeigt gegenüber Leidenden und Sterbenden den gewohnten vollen katholischen Sadismus.  Deswegen kann er Macron nicht ausstehen: Einfach zu liberal und zu menschenfreundlich, der Mann! Prevost will den französischen Präsidenten mit allen diplomatischen Mitteln strafen und demütigen: Keine Privataudienz, kein Staatsempfang. Alle Brücken abbrechen, schallt der Pontifex Maximus gen Frankreich.

[….] Anders als für die Staatsoberhäupter Großbritanniens, Italiens, Deutschlands oder Spaniens habe Leo XIV. jedoch für Frankreichs Präsidenten keinen Termin eingeräumt. Der Papst persönlich habe angeordnet, die Anfrage abzulehnen. Es solle für Macron vorerst weder eine private Audienz noch eine Audienz im Range eines Staatsbesuchs geben.

Hauptgrund sei die Haltung des Franzosen bei den Themen Abtreibung und Sterbehilfe. Das französische Parlament hatte auf Betreiben Macrons im März 2024 ein »Recht auf Abtreibung« als Grundrecht in die französische Verfassung aufgenommen. Frankreich ist damit ein Vorreiter.

In der derzeit noch anhaltenden politischen Debatte über eine Legalisierung der Sterbehilfe setzt sich Macron massiv für eine Liberalisierung ein.

Papst nennt Schwangerschaftsabbrüche »Vernichtung von Leben«  [….]

(SPON, 21.01.2026)

Unnötig zu erwähnen, daß rigide Verbote, verklemmte katholische Sexualmoral, Blockade von Sexualaufklärung in den Schulen und der Kampf gegen „Planned Parenthood“ zu deutlich mehr Abtreibungen führen.

AfD-Berger hingegen durchschaut die wahren Hintergründe der vatikanischen Francophobie: Die schlimme Brigitte!

[…] Brigitte Macron Problem für das Verhältnis zum Vatikan

Für einen Skandal hatte bereits das Verhalten von Brigitte Macron bei dem Einweihungsgottesdienst der Kathedrale gesorgt. Infovaticana berichtete damals über einen offenen Brief des französischen Priesters Guy Pagès an Papst Leo XIV, in dem er eine kirchliche Intervention wegen eines schweren liturgischen Skandals fordert. Anlass ist die Wiedereröffnungsmesse der Kathedrale Notre-Dame am 8. Dezember 2024, bei der Brigitte Macron in einer Live-Übertragung die Kommunion in die Hand empfing.

Pagès kritisiert, dass die Kommunion öffentlich und kommentarlos ausgeteilt wurde, obwohl Brigitte Macron zivil verheiratet, geschieden und nach kirchlichem Recht nicht sakramental verheiratet sei. Zudem verweist er auf ihre öffentliche Unterstützung von Abtreibung, Euthanasie und LGBT-Positionen. Gemäß dem Kirchenrecht hätte sie daher nicht zur Kommunion zugelassen werden dürfen. Er wirft den Verantwortlichen der Messe vor, ihre Pflicht verletzt zu haben, die Kommunion diskret zu verweigern, um einen öffentlichen Skandal in der französischen Kirche zu verhindern.

Unvergessen natürlich auch das blasphemische Spektakel zur Eröffnung der Olympiade in Paris.  Ein Treffen zwischen Macron und Leo XIV. wäre daher „presque malsaine („beinahe ungesund“) geworden, erklärte Bischof Giovanni Cesare Pagazzi.   […..]

(David Berger, 20.01.2026)

Außerdem ist da noch das Weltverbrechen Kirchenfenster!


[…] Einer der Gründe für das Zerwürfnis zwischen Macron und dem Vatikan soll sein: Der von Macron angeordnete, vom Pariser Bischof willig vollzogene Austausch einiger auch nach dem Brand völlig intakter traditioneller Kirchenfenster in Notre-Dame. Papst Leo XIV. spricht in diesem Zusammenhang von einer schrecklichen „Travestie“. […..]

(David Berger, 20.01.2026)

Der politische Freund Weidels und Storchs brilliert eben nicht nur mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Corona und Klimawandel, sondern weiß auch Weltpolitik richtig zu deuten, weil in seinem "Philosophie Phimose"-Blog die reine Wahrheit gepachtet hat. 

Er kennt daher auch das wahre Wesen Trumps:

Der Mann ist eben "BRUTAL EHRLICH!"

Ja, das stimmt. Ehrlichkeit, Faktentreue und Zuverlässigkeit sind DIE Haupt-Charaktereigenschaften Trumps!

Berger, 22.01.2026

 


Nur die Wahrheit zählt bei dieser Präsidentschaft!

EHRLICH, SYMPATHISCH, GLAUBWÜRDIG!!!

Wer könnte sich dem nicht anschließen?

Mir war nie ein Politiker sympathischer, niemand je glaubwürdiger als dieser US-Präsident.

Aber man sollte auch nicht vergessen, wie enorm gebildet er ist, wie höflich. Und besonders augenfällig immer wieder seine BESCHEIDENHEIT!


[….] Q: what characteristic stands out in your mind?

Conway:  it's one that most of the media never associate with him and I would say it's humility!  with the gravity and responsibility of being president of the United States and commander-in-chief of our armed forces. Sir, I would say that that gravity responsibilities come a great deal of humility. The president understands the awesomeness of this job. [….]

You have a president who understands that there are people in need people who are suffering. People who are relying upon him to keep our country safe and prosperous and there's a great deal of that attaches to that.  [….]

(Kellyanne Conway)

Trump denkt nie an sich; er ist der vollkommene Altruist! Schön, daß die Christen das so klar erkennen und sich daher bereitwillig ihrem orangen Führer unterordnen: