Samstag, 20. Juni 2026

Wissenschaft vs Schwurbelschaft

Vor zwei Wochen hatte ich eine Katarakt-Operation; links gucke ich nun durch eine künstliche monofokale asphärische Zeiss-Intraokularlinse.

Ich bin etwas früh dran und war zugegebenermaßen etwas schockiert über die Diagnose und die Notwendigkeit einer Augenoperation.

Mein Vater allerdings war noch früher dran, erkrankte in den 1980ern am Grauen Star und wurde fast blind. Wir fürchteten alle um sein Augenlicht und er reiste sogar in seine alte Heimat New York, um mit den führenden Ophthalmologen zu sprechen.

Schließlich wagte er die OP in einem großen Hamburger Krankenhaus. Dort musste er fast zwei Wochen liegen, weil das Nahtmaterial und die großen Wunden genau beobachtet wurden.

Seither gab es aber Quantensprünge in der Augenheilkunde. Wissenschaftliche Forschung machte es möglich, daß inzwischen eine Million Katarakt-OPs pro Jahr in Deutschland durchgeführt werden. Fast alle ambulant. Der Eingriff dauert 10 Minuten. Wenn man möchte, erledigt der Femto-Laser alles in einer 1986 unvorstellbaren Schnelligkeit und Präzision. Es muss nicht mehr genäht werden.

Komplikationen gibt es fast nie. Nach der OP bekommt man noch schnell einen Kaffee und einen Keks, um sich von der Anästhesie zu erholen und kann nach Hause gehen. Gnade der späten Geburt.

Wie der Eingriff technisch funktioniert, wußte ich genau, aber dennoch litt ich vorher an diffuser Angst. Spritzen und Schnitte INS AUGE habe ich nicht so gern.

Wie sich herausstellte, verstand aber die Anästhesistin ihr Handwerk und schaltete mich mit Propofol und Midazolam soweit aus, daß ich zwar noch ansprechbar war und grob mitbekam, was passierte, aber alles völlig entspannt hinnahm. Im Handumdrehen saß ich mit lauter anderen Augenpflaster-Menschen, von denen ich klar der Jüngste war, im Kaffee-Raum. Der Schlamassel begann anschließend; ich entwickelte jede erdenklichen Komplikation und Medikamentenunverträglichkeit.

Seither musste ich jeden einzelnen Tag zur Nachbehandlung/Kontrolle in die Augenarztpraxis. (Es ist kein Rätsel, was passiert ist, aber die Details führen an dieser Stelle zu weit.)

In der Praxis reagiere ich meiner Natur entsprechend, jeden Morgen beim Hereinkommen und beim obligatorischen Termin-Machen für den nächsten Tag, mit Witzen. Der junge Mann am Counter mit dem Termin-Programm, den ich schon länger kenne und mit dem ich auch schon öfter gequatscht habe, blickte mich auf einmal sehr ernst an und suggerierte, ich trüge auch selbst einen Teil der Schuld. Ob ich denn nicht wisse, daß jeder Mensch in einer persönlichen Frequenz schwinge, die sein Schicksal beeinflusse? Mit zu lockeren Sprüchen könne ich negative Schwingungen auslösen, die das Universum veranlassten, meine Heilung zu verhindern.

Natürlich weiß ich, was eine Inselverarmung ist, wie selektiv Menschen verblödet sein können. Das wurde von Michael Schmidt-Salomon in seinem hochempfehlenswerten „Keine Macht den Doofen“ anschaulich beschrieben.

[….]  Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.

 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).

Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen. [….] 

(Keine Macht den Doofen, s.42f)

Natürlich arbeiten auch im medizinischen Bereich Menschen mit Inselverarmungen, aber immer, wenn mir einer begegnet, den ich schon länger kenne und als vernünftig einschätzte, bin ich auf’s Neue verblüfft. Die massenhafte Vermehrung der Covidioten nach dem Beginn der Impfkampagnen 2020/21, haben leider noch mal die Schleusentore weit geöffnet. Die Schwurbler haben ihre Scham abgelegt und posaunen ungefragt den größten Unfug in die Welt hinaus.

Es gibt aber keine „alternativen Fakten“! Es gibt genauso wenig „alternative Medizin“, wie „alternative Physik“ oder „alternative Mathematik“.

Wenn Taco und RFK so etwas verbreiten, zeigt das nur ihre sagenhafte Dummheit und nicht etwa eine Alternative zu mathematischen Gesetzen.


[….] "Er versteht nicht mal Grundlagen-Mathematik." Dieses harsche Urteil löst in vielen traurige Erinnerungen an die Schulzeit aus. Für US-Präsident Donald Trump ist diese Kritik hingegen kein Schnee von gestern, sondern hochaktuell.

In den vergangenen Monaten blamierte er sich bereits. [….] Und nun folgt also die oben formulierte vernichtende Kritik, sie kommt von einer renommierten Wirtschaftswissenschaftlerin. Denn Trump hat sich mal wieder verrechnet. [….] In den vergangenen Tagen erklärte Trump mehrmals, wie er die Preise für Medikamente in den USA massiv senken will, teils um das Zehnfache. Ein hehres Ziel, keine Frage. Die Zahlen schinden Eindruck. Und doch schafft es Trump erneut nicht, sich mit der Realität zu begnügen, sondern lügt seinen Erfolg noch größer.

Am Montag betonte er: Die Medikamentenpreise sollen um "1000 Prozent, 1200 Prozent, 1300 Prozent, 1400 Prozent" oder noch mehr sinken. Mathematisch ist diese Aussage eine Unmöglichkeit, schlicht Unsinn.

Denn senken kann man einen Preis um höchstens 100 Prozent. Kostet ein Medikament 10 Euro und man senkt den Preis um 10 Euro, senkt man ihn um 100 Prozent. Die Prozentzahl bezieht sich immer auf den Ausgangswert, dieser liegt eben bei 100 Prozent. Mehr geht nicht, denn das Produkt wäre in diesem fiktiven Szenario bereits kostenlos.   [….]

(Dariusch Rimkus, 23.12.2025)


Ein besonders bizarres Beispiel faktenwidriger Wirrnis liefert heute der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker und AfD-Berater David Berger, indem er auf seinem PP-Blog einen der größten Spinner der faschistoiden Szene loslässt:
David Cohnen.

[….] Irgendwo verortet zwischen Werteunion und AfD kämpft ein Mann seinen Kampf für eine Gesellschaft wie früher, und seine Waffe sind Tausende Mails an Fremde. David Cohnen ist Polit-Spammer. [….] Willkommen in der Welt von david_cohnen@gmx.de, in der ständig von der Gefahr durch Überfremdung geraunt wird, die CDU durch Merkel unwählbar geworden ist und er nach einer Alternative zu Parteien sucht, die nicht die Interessen des deutschen Volkes vertreten. [….] Denn David Cohnen belästigt massenhaft Deutsche mit unerwünschten Mails. Er ist so etwas wie der nigerianische Prinz. Die Betrügermasche mit der Aussicht auf eine Erbschaft war früher Dauergast in Postfächern, jetzt wandert David Cohnen in die Postfächer ein. [….] Aber wer ist David Cohnen? Genug E-Mail-Adressen, ihn das zu fragen, gibt es ja. Allerdings kommt von keiner eine Antwort. [….]  Die Spuren des Mannes, der so engagiert seine Meinung unters Volk bringt, reichen weiter zurück. Im Februar 2013 ging es für ihn unter einem Artikel von focus.de los, als er die niedrige Geburtenrate in Deutschland kommentierte. [….] [….]

(Lars Wienand, 29.12.2021)

Für den klerikalfaschistischen PP-Lügenblog „analysiert“ Cohnen nun die Parteipolitischen Umfragedaten der letzten fünf Jahren und extrapoliert sie maximal antiwissenschaftlich bis zum Jahr 2036.

[….] Das gemeinsame Kurvenmodell zeigt eine starke Divergenz der langfristigen Entwicklungen:

·        Die AfD entwickelt den stärksten Aufwärtstrend.

·        CDU und SPD verlieren kontinuierlich an Zustimmung.

·        Die Grünen stabilisieren sich und wachsen leicht.

·        Die FDP verbleibt auf niedrigem Niveau.

·        Die Linke etabliert sich nach ihrem Niveauwechsel oberhalb der SPD.

·        Das BSW stabilisiert sich im Bereich um 3 %.

Die Untersuchung stellt keine Prognose dar. Sie ist vielmehr eine grafische und mathematische Fortsetzung der beobachtbaren Kurvenformen unter der Annahme, dass deren jeweilige Grundrichtung erhalten bleibt. [….]

(PP, 20.06.2026)

Sie kennen keine Scham mehr.

Selbstverständlich hat das mit seriöser Demoskopie rein gar nichts zu tun. Niemand kann Wahlergebnisse auf 0,5 Prozentpunktegenau in zehn Jahren prognostizieren.

Bemerkenswert in Cohnens „Berechnung“ ist sein Trumpsches Scheitern an einfacher Prozentrechnung.

AfD, CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP und BSW erreichen bei David Berger im Jahr 2036 gemeinsam 127,4%!

Ein Wunder!