Posts mit dem Label USA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label USA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 24. September 2026

Whataboutism für Prien, Thadeusz und Schuster

Der kriminelle Benjamin Netanjahu säße mit hoher Wahrscheinlichkeit im Gefängnis, wenn ihn nicht seine Immunität als Regierungschef schützte. Seine Ehefrau Sara und sein rechtsradikaler Sohn Jair stehen ihm kaum nach und könnten ebenfalls im Knast landen.

Der Israelische Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit klagte ihn 2019 wegen Bestechlichkeit, Betrugs und Untreue in jeweils drei Fällen an: Der „Bezeq-Affäre“, der „Jediʿot-Affäre“ und der „Sara Geschenk-Affäre.“

Die meisten Völkerrechtler glauben zudem, er sei als Regierungschef verantwortlich für einen Genozid an den Palästinensern. Südafrika reichte 2023 Klage vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Israel ein. Der Internationale Strafgerichtshof erließ 2024 einen Haftbefehl gegen Netanjahu wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Seither eskalierte Netanjahu immer weiter. Seine rechtsradikalen Minister geben abscheulichste eliminatorische Äußerungen öffentlich von sich, mit denen sie ihren perfiden Sadismus, ihre Freude am Töten, nicht verhehlen.

Angesichts des Grauens in Gaza, wandelte sich Bibisrael zum Paria der Weltgemeinschaft. Wenn Bibi in der UNO spricht, zeigen die Delegierten, wie sie ihn verachten.

Als Freund Israels bereitet es mir geradezu physische Schmerzen, was Netanjahu seinem Land antut, wie er Israels Ansehen vollkommen ruiniert, jedes Vertrauen in den Staat zerschlug. Viele Israelis sehe es ebenso und wanderten aus, so daß es in Goa, den USA, Australien und vielen europäischen Hauptstädten wachsende Gemeinden liberaler Exil-Israelis gibt. Unglücklicherweise hat das fatale Folgen für die in Israel verbleibenden Staatsbürger, die immer mehr nach rechts rücken, da die Liberalen wegziehen, immer mehr fanatische Siedler aus der Diaspora kommen und sich die Ultraorthodoxen vermehren wie die Karnickel.

Einen eindrucksvollen Beleg für das desaströse Wirken Netanjahus bietet der Meinungsumschwung bei Israels engstem Verbündeten, den USA. Hier war die tiefe Freundschaft zu Israel über Jahrzehnte Staatsraison, Israel war in der gesamten amerikanischen Bevölkerung enorm beliebt und konnte sich auf die bedingungslose Unterstützung beider Parteien verlassen. Das ist vorbei.

Die bekannten jüdischen Polit-Influencer der USA – Brian Tyler Cohen, Aaron Parnas, Matt Bernstein, Josh Greene, Dash Dobrowski, David Pakman – sind allesamt entsetzt von Israels Politik und der Netanjahu-Regierung. Sie alle stellen sich ausdrücklich hinter die Forderung Zohran Mamdanis, den Israelischen Ministerpräsidenten in NY verhaften zu lassen.

Deutschland sollte angesichts der Geschichte nicht ausgerechnet an der Spitze der internationalen Israel-Kritiker stehen. Aber demonstrativ ganz stumm zu bleiben und Israel weiter Waffen zu liefern, ist feige, peinlich und dumm.

[….]  Der Saal applaudiert – bis auf die Delegation aus Berlin. Wie feige. […] Der heutige israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat schon 2017 seinen „Entscheidungsplan“ veröffentlicht. Die einfache Losung darin: Sieg durch Siedlung. Mehr Siedlungen sind gleich mehr Land sind gleich weniger Palästinenser. Den Palästinensern bleiben demnach drei Wege: sich unterwerfen, auswandern oder bekämpft werden. […] Die Welt sieht hin. Deutschland sieht weg. Und merkt nicht, wie allein es ist.

Wie alleine, das zeigte der erste Tag der UN-Generaldebatte in New York. Die Kritik an der Siedlungspolitik im Westjordanland und an der Zerstörung im Gazastreifen zog sich am Dienstag durch den Saal. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Zweistaatenlösung vor unseren Augen auflöst“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. Die Delegierten applaudierten. Die deutsche Delegation um Außenminister Johann Wadephul (CDU) nicht.

Dabei bekennt sich Berlin sonst stets zur Zweistaatenlösung. Doch wenn jemand ausspricht, dass diese gerade zerstört wird, rührt die Bundesregierung keine Hand. Nicht einmal für leichten Beifall. […]

(Sina-Maria Schweikle, 23.09.2026)

Ich schäme mich außerordentlich für Merz, Söder und Klöckner, für die deutschen Bibi-Fanminister Prien, Dobrindt und Wadephul, die nach Jerusalem pilgern, um Israels Politik zu adeln.

Es spricht also alles dafür, maximal über Israels Politik verärgert zu sein, Israelische Regierungsmitglieder zu sanktionieren. Von einer demokratischen Zivilgesellschaft erwarte ich heftige Proteste gegen die Zerstörung Gazas.

All das rechtfertigt aber keinen Antisemitismus. Antisemitismus ist niemals zu rechtfertigen. Aber man kann scharfe Israel-Kritik durchaus ohne Antisemitismus anbringen. Beides lässt sich trennen. Es kann nicht überraschen, wenn im Eifer der Emotionen, gerade bei Menschen mit palästinensischen Wurzeln, die notwendige Grenze immer mal wieder überschritten wird. Ich halte das für menschlich verständlich. Aber Profi-Politikern darf das niemals passieren.

(….) Es ist falsch, Israel-Kritik und Judenhass zu verquicken. Es gibt in Israel viele Bibi-Kritiker und es gibt unter den Israelischen Staatsbürgern viele Atheisten, aber auch Christen und Muslime.  Dummerle Merz weiß das natürlich nicht.   (….)  Merz plappert bar jeder Grundkenntnis antisemitische Codes von der „Judenfahne“ nach.

[….] Totalausfall von Friedrich Merz: [….]

Der CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hat mit gleich mehreren Äußerungen in seiner letzten Wahlkampfrede für Empörung gesorgt. Unter anderem bezeichnete er die israelische Fahne als „Judenfahne“ und verbreitete Lügen über die Demonstrant:innen, die gerade im ganzen Land gegen rechts auf die Straße gehen. Nicht nur in den sozialen Medien hagelte es Kritik.  Wörtlich stelle Merz in seiner Rede bei der Wahlkampf-Abschlussveranstaltung in München die rhetorische Frage, wo der „Aufstand der Anständigen“ geblieben sei, „als in diesem Land Palästinenserflaggen geschwenkt wurden, ‚From the River to the Sea‘ gesungen wurde, als Judenfahnen, als Fahnen des Staates Israel verbrannt wurden?“ [….] Die Berliner Grünen-Politikerin Bettina Jarasch kommentierte das am Wahlsonntag auf X: „‚Judenfahnen‘, Herr @FriedrichMerz? Echt jetzt? Noch alle Tassen im Schrank?“, schrieb die Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der vergangenen Landtagswahl in der Hauptstadt. […] Laut der International Holocaust Remembrance Alliance stellt es eine Form von Antisemitismus dar, den Staat Israel mit dem Judentum gleichzusetzen. In rechtsextremen Kreisen ist es weit verbreitet, die israelische Fahne als „Judenfahne“ zu bezeichnen. [….]

(Daniel Bax, 23.02.2025)

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der Mann, der sich von Amtswegen auskennen sollte, debakuliert sogar noch peinlicher als sein Herr. […] [….]  (….)
(Wieso ich mich so sehr für Deutschland schäme, 18.08.2025)

Wir, die deutschen Wähler, wußten das alles und schickten dennoch Fritze Merz ins Kanzleramt.

Und ja, selbstverständlich ist es doppelt unfair, alle Israelis für Bibi und sein Kabinett in Haftung zu nehmen. Darüber hinaus auch noch alle Juden für Israel in Haftung zu nehmen.

Aber niemand kann davon überrascht sein, daß genau das passiert. Bibi Netanjahu gilt als der international am meisten gehasste Regierungschef. Natürlich strahlt das auf das Image aller Israelis aus, gefährdet alle Juden in der Welt, auch wenn sie als säkulare Staatsbürger Netanjahu verachten und in London leben. Oder wenn sie gar keine Verbindungen zum Staat Israel haben und als atheistische Deutsche Dein ganz normaler Nachbar sind. (….)
(Antiamerikanismus, Antisemitismus, Islamophobie, 14.04.2026)

Es existiert viel zu viel Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft. Die übelsten judenfeindlichen Stereotype aus finsterste NS-Zeiten sind in allen Parteien zu Hause – am meisten bei AfD und CDU, am wenigstens bei den Linken.

Es verstört zutiefst, wenn CDU-Ministerin Prien, Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden und der Ungeheuerlichste von allen, Jörg Tadeusz vom RBB, im Land Berlin eine Regierung der CDU fordern und das ausgerechnet mit linkem Antisemitismus begründen.

[….] Nach dem Linken-Wahlsieg in Berlin übt der Zentralrat der Juden scharfe Kritik: Er warnt SPD und Grüne vor einer Regierungszusammenarbeit und sieht den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Gefahr.

Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin warnt der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, Grüne und SPD davor, der Partei zur Regierung zu verhelfen. „SPD und Grünen muss klar sein: Wer der Linken Berlin den Weg in eine Landesregierung und damit ins Rote Rathaus ebnet, gefährdet unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und das jüdische Leben in der Hauptstadt“, teilte Schuster mit. Es zeige sich „ein systematisches Muster“, bei dem Antisemitismus in Teilen der Partei verharmlost und „als vermeintlicher politischer Aktivismus getarnt“ werde, so Schuster.   [….]

(STERN, 22.09.2026)

  

[…]  Bildungsministerin Prien hat die SPD und die Grünen vor einer Zusammenarbeit mit der Linken in Berlin gewarnt.

"Jüdinnen und Juden können sich in Berlin nicht mehr sicher fühlen", wenn Spitzenkandidatin Eralp Regierende Bürgermeisterin der Stadt werde, so Prien in der ARD-Sendung maischberger.  Die CDU-Politikerin mit jüdischen Wurzeln bezog sich dabei auf den Umgang der Linken mit Vorwürfen wegen Antisemitismus. Sie erwarte nun Klarheit von Grünen und SPD "gegenüber einer radikalen Linken, die es hier in Berlin gibt. [….]

(Tagesschau, 22.09.2026)

[….] Der Beitrag, der wirklich Angst gemacht hat, war der Kommentar von Jörg Thadeusz vom RBB in den Tagesthemen. Ob die Parteispitzen von SPD und Grünen wirklich zum nächsten Gedenken an die Befreiung von Auschwitz erscheinen wollten, fragte er rhetorisch, „wenn sich Vertreter ihrer Parteien in Berlin mit dieser Linkspartei verbünden“. Und dann verwendete Thadeusz, der sich selbst als Teil der „vernünftigen Mitte“ bezeichnete, wie nebenbei die Parole „Wehret den Anfängen“ – um vor einer Berliner Landesregierung unter Elif Eralp zu warnen.

Für Thadeusz und andere Teile des „vernünftigen“ Bürgertums sind offenbar die Linken die neuen Nazis. Das ist eine Zäsur. Und zwar nicht nur, weil genau dieses Bürgertum den Nationalsozialismus einst ermöglichte, indem es wegsah, tolerierte, mitmachte. Oder, weil im Holocaust auch Zehntausende Kommunist:innen, Sozialist:innen, Anarchist:innen und Sozialdemokrat:innen ermordet wurden. Sondern weil es den Grundkonsens der Bundesrepublik angreift, mit den Lehren aus Auschwitz verantwortungsvoll umzugehen.  [….]

(Timm Kühn, 23.09.2026)

Eine sagenhafte Unverschämtheit! Insbesondere von CDU-Mitglied Prien, die in der Nachfolgepartei der Hitler-Enabler aktiv ist. Die Partei, die einen NSDAP-Mann als Kanzler und Parteivorsitzenden (Kiesinger) wählte und den NS-Verbrecher und Wegbereiter der „Nürnberger Rassegesetze“ Hans Globke als zentrale Figur im CDU-Bundekanzleramt einsetzte. Zehn Jahre war er Kanzleramtschef. Das stört Prien nicht, aber sie wütet gegen die SPD, die gegen Hitler stimmte, sie wütet gegen die Linken, deren Vorgänger von den Nazis ins KZ gebracht wurden.

Priens Partei ist nach der AfD die antisemitischste des Bundestags. Ihr eigener Parteichef und Bundeskanzler fällt immer wieder mit ungeheuerlichen antijüdischen Stereotypen auf. Nicht die Linken, nicht die Grünen, nicht die Sozis.

Der CDU-Generalsekretär Lukas Krieger in Berlin faselt NS-Sprech.

[….] In dem Video wird ein Hakenkreuz-Abzeichen gezeigt, anschließend blickt Krieger in die Kamera und sagt: »Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen, dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind, dass Deutschland deutsch bleibt und wir gegen den jüdischen Bolschewismus durchaus vorgehen.« [….] [….]

(Marten Brehmer 15.07.2026)

Schämen Sie sich gar nicht, Prien?

[….] Es brauchte nicht lange, bis der braune Mist dann jetzt bei der CDU an die Oberfläche gespült wurde. Das Internet vergisst halt nicht. Da ist etwa der heutige #Generalsekretär der CDU-Berlin, der - noch etwas jünger - in einem Video sagte, dass man gegen den „jüdischen Bolschewismus“ vorgehen und sich darum kümmern müsse, dass Deutsche in Deutschland auch erkennbar seien.

Auch kam jetzt heraus, dass in #Sachsen die CDU mit der A*D zusammen verhindert hat, dass Stolperstein für das Gedenken an jüdische Opfer des #Holocaust verlegt werden. Und wenig überraschend, da aus diverser Forschungsarbeit zum Thema #Antisemitismus bekannt: Laut einer Bertelsmann-Studie aus 2025 ist fast jeder dritte CDU-Anhänger der Meinung, #Juden hätten auf der Welt zu viel Einfluss; bei Anhängern der Links-Partei „nur“ jeder fünfte.

Inzwischen ist es so weit, dass jüdische Berliner:innen (darunter die bekannten Autorinnen Eva Menasse und Deborah Feldman und die Philosophin Susan Neiman) in einem offenen Brief die Angriffe auf die Linkspartei kritisieren und vor allem die „#Instrumentalisierung“ von Antisemitismus für parteitaktische Spielchen anprangern. Müssen wir uns mal vorstellen: Im Land der Täter hat es Rechtsdeutschland also so weit getrieben, dass Jüdinnen und Juden, die sie durch die bizarre Debatte in Bedrängnis gebracht haben, aufstehen und „Stop!“ rufen.

Auch die Intellektuelle Marina Weisband, die als Jüdin mit großem #Unverständnis auf die Debatte schaut, schreibt auf BlueSky, das sei alles „so offensichtlich vorgeschoben, dass es beleidigend ist.“ Und weiter: „Haben wir denn nicht genug ertragen, dass wir jetzt auch noch für CDU-Politik herhalten müssen?“ Man müsse sich klar machen, dass der Schutz von Juden nicht der Grund für diese Angriffe auf die Linke sei. „Von Rechts ist es der Schutz von Großkonzernen mit viel #Immobilienbesitz. Und von weiter Rechts ist es der Schutz vor einer RRG-Mehrheit, die ein A*D-Verbotsverfahren ermöglicht.“

Je mehr man darüber nachdenkt, desto schäbiger ist es: #Rechtsdeutschland opfert einmal mehr die Unversehrtheit von Jüdinnen und Juden für seine eigenen Macht-Interessen. Und parallel dazu nimmt gerade in #Sachsen-Anhalt die erste gesichert rechtsextremistische Landesregierung Gestalt an. […]

(Marc Rschke, 24.09.2026)

Die Priensche CDU ist es, die im Bundestag am Gedenktag zur Auschwitz-Befreiung mit den Nazis zusammen stimmt.

Die Priensche CDU ist es, die den gesichert rechtsradikalen Faschisten in Sachsen-Anhalt die Regierungsverantwortung schenkt.

Die Priensche CDU ist es, die in Berlin 20 Millionen Euro zur Antisemitismusbekämpfung zweckentfremdete und an ihre eigenen Parteifreunde verschob.

Die Priensche CDU und Prien selbst ist es, die massiv Demokratieförderungsprojekte zur Bekämpfung des Antisemitismus streicht.

Die Priensche CDU ist es, die zusammen mit den Nazis das Gedenken an die jüdischen NS-Opfer sabotiert.

[….] Stadträte von AfD und CDU wollen die Verlegung sogenannter Stolpersteine in Heidenau im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Zukunft ablehnen. In einem fraktionsübergreifenden Beschlussantrag gemeinsam mit dem »Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie« (BOD) fordern Vertreter der beiden Parteien, Stolpersteine »im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich« künftig abzulehnen. [….] Viele Bürger, Angehörige und Initiativen würden diese Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als »nicht angemessen« empfinden, heißt es weiter. [….] Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) äußert sich in einem offenen Brief  entsetzt über den Antrag und fordert die Stadträte der CDU auf, ihre Beteiligung zurückzuziehen. »Die geplante Einrichtung eines unspezifischen Gedenkortes auf dem Friedhof birgt die Gefahr, Erinnerung räumlich auszulagern und so aus der alltäglichen öffentlichen Wahrnehmung zu verbannen.«

Die Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, Ekaterina Kulakova, warnte in der »taz«, dass ein solcher zentraler Gedenkort nicht dem Erinnern diene, sondern dem Vergessen. [….] Die Geschäftsführerin der Stiftung, Katja Demnig, reagierte laut »Sächsischer Zeitung«  fassungslos auf den Vorstoß aus Heidenau. Es sei wichtig, dass im öffentlichen Stadtbild an die Menschen erinnert werde, die dort »gelacht, gewirkt und gelebt« hätten und deren normales Leben dort auf einen Schlag beendet worden sei. Ein Gedenken auf einem Friedhof am Stadtrand hält sie für ein »absolutes No-Go«.  […..]

(SPON, 24.09.2026)

Schämen Sie sich, Prien!

Wer im Sinne der Juden in Berlin denkt und den Antisemitismus bekämpfen will, muss die CDU von der Regierungsbank schubsen und auf RotRotGrün setzen.

Mittwoch, 23. September 2026

Schummeln oder Schande

Die Midterms, also die US-Kongresswahlen genau zwei Jahre nach einer Präsidentenwahl, sind fast immer ein riesiges Problem für den Amtsinhaber, weil die Enttäuschten ihrem Ärger Luft machen, aber aufgrund der traditionell niedrigeren Wahlbeteiligung, die Fans des Präsidenten zu Hause bleiben.

Deswegen hielt ich es auch immer für den Kardinalfehler Barack Obamas, in seinen ersten beiden Amtsjahren so sehr auf Konsens zu setzen. Es schien, als wolle er alles versuchen, um die von der Wahl eines schwarzen US-Präsidenten mit exotischem Namen geschockten Republikanern, zu überzeugen, nicht der Antichrist zu sein. Er warb um sie, versuchte Gräben zuzuschütten, wollte die politische Spaltung Washingtons überwinden. Um der gemeinsamen Sache Willen, solle man an einem Strang ziehen.

Um starke „bipartisan“ Zeichen zu setzen, berief er mit Veteranenminister Robert A. McDonald, Verkehrsminister Ray LaHood, sowie den Verteidigungsministern Robert

Gates und Chuck Hagel sogar vier Republikaner in sein demokratisches Kabinett.

Um seine Kompromissbereitschaft zu demonstrieren, schonte er die GOP, indem er für seine wichtigsten Vorhaben nicht die im November 2008 gewählte überwältigende demokratische Kongressmehrheit – 59% im House, 60% im Senat – nutzte.

Aber natürlich erreichte er damit bei den Konservativen gar nichts. Obamas Kompromiss-Signale wurden als Schwäche gewertet und gnadenlos ausgenutzt.

Nach zwei Jahren verloren die Demokraten bei den Midterms 64 Sitze im House und gleich sieben US-Senatoren. Nun hatten die Republikaner in einer Kammer die Möglichkeit zur Totalblockade und nutzen diese reichlich. 

Auch Donald Trump erlebte zwei Jahre, nachdem er 2016 mit knapp drei Millionen Stimmen WENIGER als Hillary Clinton zum US-Präsidenten gewählt wurde, bei seinen ersten Midterms ein Desaster.

Die Demokraten bekamen 10 Millionen Stimmen mehr, gewannen 41 Sitze im House dazu und damit erstmals nach acht Jahren wieder eine Mehrheit; 235:200 Stimmen.

Bei den Senatswahlen verzerrt das absurde US-Mehrheitswahlrecht die Ergebnisse besonders extrem: Die Demokraten erhielten 18 Millionen Stimmen mehr, lagen sagenhafte 20% vor den Republikanern, die damit sogar ihre Mehrheit von 53% auf 55% ausbauen konnten.

In sechs Wochen finden Trumps zweite Midterms statt. Diesmal könnte es noch deutlich übler für ihn ausgehen, als 2018, weil das Volk höchst unzufrieden mit der Wirtschaft ist. Enorme Preissteigerungen und Rekord-Dieselpreise treffen seine Kernwählerschaft besonders hart: Trucker, Farmer, Ungebildete, Bluecollar-Worker, Niedrigverdiener.

Selbst für die Dümmsten wird offenkundig, was Trumps vollmundige Versprechen – Preissenkungen an Tag Eins seiner Präsidentschaft, Ukrainekrieg in 24 Stunden beenden, wert waren; nämlich nichts! 

Die MAGAnomics sind ein totaler Fehlschlag; Krankenkassenbeiträge steigen um bis zu 1.300 Dollar im Monat, die Hypotheken werden teurer, Shopping bei Wal Mart unbezahlbar.

Die Umfragedaten für die GOP sind desaströs.

Seine persönlichen Zustimmungswerte im freien Fall. Das vielleicht größte Alarmzeichen sind dabei die beiden Wählergruppen, die ihm vor zwei Jahren den Wahlsieg bescherten: Unabhängige, die nicht an Kamala Harris‘ Wirtschaftskompetenz glaubten und Latinos.

Aber sie wenden sich nun massiv ab.

All das spricht natürlich für einen demokratischen Erdrutschsieg; eine perfect blue wave, bei der die Mehrheit in beiden Kongresskammern zurück geholt wird.

Aber die Republikaner sind vorbereitet. Das Wahlsystem bevorteilt sie ohnehin extrem. Rechnerisch können sie bis zu ZEHN PROZENTPUNKTE hinten liegen und dennoch die Wahlen gewinnen.

 Gerrymandering und votersuppression machen es möglich. Republikanischen Bundestaaten erließen hunderte neue Wahlgesetze, um die Stimmabgabe demokratischer Wähler zu verhindern.

[….] Die Dirty Tricks der Demokratie - Wahlmanipulation in den USA

Seit der Präsidentschaftswahl 2020 wurden in den USA, zumeist von Republikanern, hunderte Gesetzentwürfe eingebracht, die vielen Bürgern das Wählen noch schwerer machen sollen. Die Furcht vor einem Verlust der Demokratie ist groß.

Gestritten wird um Standorte von Wahllokalen, Öffnungszeiten, Ausweispflichten, Möglichkeiten zur Briefwahl. In Georgia ist es künftig sogar eine Straftat, Wählern in einer Warteschlange Wasser zu geben. Experten vom Brennan Center for Justice sprechen von einem "Programm zur Wahlsabotage“.

Zugleich bemühen sich immer mehr Aktivisten vom rechten Rand um Posten in den Wahlämtern. "Dieser Kampf muss gewonnen“, sagt der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon. Man werde sich das Land "Dorf für Dorf zurückholen“.  [….]

(WDR, 2022)

Trump und seine GOP-Jünger werden mit Sicherheit versuchen zu betrügen.

[…] Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist zum ersten Mal seit Beginn ihrer Wahlbeobachtung nicht zu einer US-Bundeswahl eingeladen worden.

Washingtons Entscheidung zu den Midtermwahlen im November sei eine »deutliche Abkehr von einer bewährten demokratischen Praxis« und stehe »nicht im Einklang mit den Verpflichtungen« der OSZE-Teilnehmerstaaten, erklärte die Organisation am Mittwoch.  Seit 2002 waren OSZE-Beobachter eigenen Angaben zufolge bei insgesamt zwölf Wahlen auf US-Bundesebene im Einsatz, darunter sechs Kongresszwischenwahlen. »Ich bedauere die Entscheidung der Vereinigten Staaten zutiefst«, so der Präsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, Pere Joan Pons. [….]

(SPON, 23.09.2026)

Mit allen kriminellen Mitteln wird sich der orange Autokrat gegen faire und Wahlen wenden. Die apathischen Amerikaner machen es mit, weil sie die Demokraten auch nicht mögen.

Die Unzufriedenheit mit Trump mag maximal hoch sein, aber da die Amerikaner nie die Kraft fanden, ihn aus dem Amt zu verbannen, hat er nun die Mittel in der Hand, sich erfolgreich gegen eine Abwahl zu sperren.

Samstag, 19. September 2026

Der Erektionskontrolleur

Sie waren vorgewarnt und so hielt die gleichgeschlechtliche Kopulations-App Grindr  bei der  2026 Republican National Convention “Trumpapalooza”, am 09. Und 10. September 2026, diesmal dem Ansturm all der closeted GOPer (Gay Old Party) stand. So gerade eben.

Die Parteitagsregie machte es der Homobumshilfe allerdings zusätzlich schwer, indem sie bei einer Hetz-Collage gegen den liberalen und ultra-erfolgreichen Polit-Blogger Hasan Piker, unter Myriaden öffentlich zugänglichen Fotos das einzige, das ihn in Unterhosen zeigt, herausfischten.

[….] Hasan Piker was shocked to discover his bulge was on display for everyone to see at the Republican National Committee's midterm convention.

A photo of the left-wing political commentator posing in his underwear was shown on a more than 25-foot-tall display screen in front of a convention center full of conservative politicians in Dallas, Texas, on Sept. 9.

Piker reacted to the RNC using his nearly nude selfie on opening day of the convention while watching footage of the event on a livestream.

“Oh my god, what is going on? No, no, no, no, ” the popular influencer said.

"Nooo!" he added while laughing. "They f*cking posted the meat pic! Nooo! Yo! They posted the meat pic at the f*cking Trumpalooza!” [….]

(Ariel Messman-Rucker Sep 10, 2026)

Die chronisch untervögelten GOPer wurden spitz, wie Nachbars Lumpi und begannen kollektiv nach Piker-Nacktbildern zu googeln. 

[….] For many analysts, the Republicans’ attempt to discredit the activist backfired. Jessica Tarlov, a Democratic political strategist, said on the program The Five on conservative Fox News that the moment amounted to ”a bunch of betas standing around looking at a half-naked socialist.” A huge number of internet users did not miss it, either. Google searches for “Hasan Piker shirtless” rose 5,000%.  […..]

(Marita Alonso, 16.09.2026)

Lindsey Graham ist zwar tot, aber er war bei Weitem nicht die einzige Klemmschwester der Republikaner.

(….) Graham war aber beileibe kein Einzelfall. Wöchentlich verstricken sich prominente Republikaner, christliche Anführer und besonders viele MAGAs in schwule und pädophile Skandale.

In einem 80-Minuten Interview mit Luke Beasley sprach Präsidentensohn Hunter Biden das Thema offen an.

[…] The teasing followed Biden’s more pointed recent venture into queer politics. During a July appearance on the “I’ve Had It” podcast, he argued that Washington was controlled in part by a Republican “closetocracy” — closeted politicians who turn their internal conflict into anti-LGBTQ+ vitriol. “Everybody knows there is this closeted gay mafia, largely Republican, that exists in Washington, D.C.,” Biden said, as The Advocate previously reported. He argued that the politicians’ sexualities were relevant because their alleged hypocrisy affected how they wielded power.  [….]

(them, 28.08.2026)

Papst Ratzi sprach von der „Homo-Mafia im Vatikan“. Offenbar gibt es so etwas auch in Trumps GOP; die „Republican closetocracy”, eine leider höchst destruktive und gefährliche Gruppe, deren offenkundig schwule Mitglieder eben nicht so locker wie der (heterosexuelle) Hunter Biden mit dem Thema umgehen, sondern brutale queerfeindliche Politik umsetzen. (….)

(Mächtige rechte Schwule, 31.08.2026)

Natürlich weiß ich nicht, ob der mit seinem „Pfarrer“ zusammenlebende Mike Johnson schwul ist, ob JD Vance erotische Gefühle für Sofas hegt, ob Donald Trump von seiner Ivanka träumt, oder ob der Kriegsminister Hegseth homophilen Gedanken nachgeht.

Aber ganz offensichtlich mag Pete Hegseth keine Frauen, blockiert ihre Beförderung und ist stattdessen geradezu besessen von muskulösen Männerkörpern. Er verlangte gleich am Anfang seiner Amtszeit von den Offizieren, sie müssten schlank sein und sich die Bärte abrasieren.

Im Juli 2026 legte er nach und empfahl, seine Kämpfer mit Testosterontherapien zusätzlich zu bemuskeln.

[…] US-Verteidigungsminister Pete Hegseth will sicherstellen, dass die Soldaten über "die richtigen Testosteronwerte" verfügen. So könnten sie Bestleistung erbringen. […] Wenn US-Soldaten 30 geworden sind, sollen künftig ihre Testosteronwerte getestet werden. Dies werde im Rahmen einer bereits bestehenden jährlichen Gesundheitsuntersuchung stattfinden, kündigte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in einem Internet-Video an.

[…] Hegseth begründete die Maßnahme damit, dass der "einzelne Kämpfer" immer der wichtigste taktische Vorteil der USA sein werde. Er sprach von einer "heiligen Pflicht", diesen Vorteil zu bewahren. Deshalb müsse man ständig nach neuen Wegen suchen, um die Leistungsfähigkeit und langfristige Gesundheit der Soldaten zu optimieren, folgerte Hegseth.  [….]

(Deutsche Welle, 16.07.2026)

Von pummeligen oder sonstigen nach seinem Geschmack unsexy Soldaten will Trumps Krieger verschont bleiben. Die dürfen ihm noch nicht einmal unter die Augen kommen.

[….] Schmale Taille ist Pflicht: Pentagon will offenbar nur »makellose« Soldaten bei anstehender Rede von Pete Hegseth[…] Für jene Soldaten, die an der »State of the Force«-Rede von Verteidigungsminister Pete Hegseth am 30. September teilnehmen, hat das Pentagon offenbar genaue Vorstellungen. Laut einem Bericht des »Wall Street Journal«  wies das US-Verteidigungsministerium seine Kommandeure an, Soldaten nur unter bestimmten Voraussetzungen für die Teilnahme an der Rede zu nominieren.

Die Veranstaltung am 30. September folgt ein Jahr nach einer ähnlichen Rede, zu der Hegseth die obersten Generäle und Admirale des Landes an einer der größten Basen des US Marine Corps versammelt hatte. Damals polterte er, es dürfe »keine bärtigen Typen« oder »dicken Generäle« mehr geben. […] In einer am Dienstag an Kommandeure der Armee gesendeten E-Mail, die der Tageszeitung vorliegt, sucht das Pentagon nach Soldaten, die bestimmte »körperliche Anforderungen« erfüllen. Sie müssten etwa dem von der Armee festgelegten Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße entsprechen, die Fitnesstests der Armee bestehen und eine »makellose« äußere Erscheinung sowie »einwandfreie Pflege- und Uniformstandards (ohne Ausnahme)« aufweisen.

Ferner würden einige Kandidaten ausgewählt, die die Gelegenheit erhalten, gemeinsam mit dem 46-jährigen Verteidigungsminister zu trainieren. Diese müssten über eine »nachgewiesene Führungsqualität und professionelle Persönlichkeit« verfügen. […]

(SPON, 16.09.2026)

Das Aussehen seiner Soldaten – jung, schlank, muskulös, bartlos, fit – zu optimieren, reicht dem Chef-GOPer aber immer noch nicht.

In einer neuen Richtline befasst sich das Pentagon nun mit der Libido und Erektionsfähigkeit der US-Soldaten. Ja, ich weiß, nach all den Jahren, meint man immer noch, solche Meldungen müssten Satire-Redaktionen entspringen. Aber es ist die Trump-Realität.

Der Kampf gegen schlaffe Penisse wird zur echten Obsession des US-Kriegsministers.

[….] The initiative, first announced in a July memo by Defense Secretary Pete Hegseth, is part of the agency’s Warfighter Performance Optimization program, which Hegseth announced in May.

On Sept. 3, the Pentagon temporarily rescinded its published clinical guidance for a new, mandatory testosterone-deficiency screening policy, with an official telling Reuters, [….] According to the new document’s executive summary, symptoms of low testosterone include “reduced libido, loss of spontaneous morning erections, erectile dysfunction, diminished energy and physical performance, impaired concentration, reduced muscle mass, and depressed mood.”  [….]

(Air Force Times, 18.09.2026)

Das Wahlrecht für Frauen hält Hegseth für verzichtbar, lieber kümmert er sich um die Morgen-Erektionen seiner Krieger.

[….] The Pentagon has released new guidance requiring male troops 30 and older to be screened for low testosterone, including questions about libido, erectile dysfunction and “loss of spontaneous morning erections.”  […]

(Meidas Toch 19.09.2026)

Unverständlicherweise scheint der US Penisminister trotz seiner vorbildlichen Themensetzung irgendwie ein bißchen unbeliebt zu sein.

Freitag, 18. September 2026

Sorgen in Austin

Texas ist so amerikanisch, daß es immer wieder ernsthafte separatistische Bestrebungen gibt, da den Texanern der Rest der USA zu liberal, zu woke; eben zu unamerikanisch wird.

Man sagt nicht nur „alles in Texas ist größer“, sondern der Staat selbst ist riesig.

Der Lone Star State ist flächenmäßig mit knapp 700.000 km2 (doppelt so groß wie Deutschland) die Nummer Zwei nach Alaska. Ebenfalls an Nummer Zwei (hinter Kalifornien mit 40 Millionen Einwohner) rangiert man mit 29 Millionen Texanern hinsichtlich der Bevölkerungszahl.

Einen weiteren zweiten Platz erreicht Texas mit 2,7 Billionen Dollar BIP bei der Wirtschaftskraft und spielt damit in etwa in der Liga Frankreich.

Beim BIP/Kopf reicht es noch zum guten Mittelfeld, in der Lebenserwartung nur noch zu Platz 32/50.

Bemerkenswert ist die fast 100 Jahre alte Entscheidung, sich von den anderen US-Stromnetzen zu trennen und ein autarkes texanisches Netz zu unterhalten, so daß bei Stromengpässen der notorisch maroden Südstaaten-Netzen keine Hilfen der anderen Bundesstaaten möglich sind.

Insbesondere ist Texas aber eine politische Größe für die Trumpublikaner. 270 Stimmen beträgt die magische Anzahl, die ein Kandidat im „electoral college“ erreichen muss, um US-Präsident zu werden. Allein 40 „the winner takes it all“-Stimmen hat Texas zu vergeben. Das letzte mal demokratisch wählten die Texaner im Jahr 1976 für Jimmy Carter; im folgenden halben Jahrhundert gewann immer der GOP-Kandidat: Reagan, Bush, Dole, Bush, McCain, Romney, Trump, Trump, Trump. Seit 1995 wurden immer republikanische Gouverneure gewählt. 

Der letzte nicht republikanisch US-Senator aus Texas war im Jahr 1993 der nur wenige Monate amtierende Bob Krueger.

Und so stellte Texas für die letzten GOP-Männer GWB und Taco immer eine sichere Bank dar.

Ein erster Schock für die Republikaner ereignete sich 2018, als der liberale Demokrat Beto O’Rourke gegen Ted Cruz bei dem Kampf um den US-Senatoren-Posten auf 48,3% zu 50,9% heran kram. Beto O’Rourke versuchte dann 2022  Texanischer Gouverneur zu werden; unterlag aber mit 43,8%. 2024 gewann der hochumstrittene korrupte Lügner Cruz gegen Colin Allred erneut mit 53%.

Aber es ziehen zunehmend jüngere urbane Menschen aus reichen blue states wie Kalifornien, wegen der niedrigeren Lebensunterhaltungskosten nach Texas. Außerdem entstehen viele Job ist in der Solarkraft- und Windenergiebranche, weil erneuerbare Energien trotz der Fossilbeschwörungen der rechtsextremen texanischen Politiker enorm wachen, da das alte Stromnetz marode ist, die Sonne sehr viel scheint und sich mit regenerativen Energien mehr Geld verdienen lässt.

Ganz langsam verändert sich Texas vom solid red state in Richtung violett.

Die ständigen Mass-shootings, die Kriege, die Homophobie, die Korruption, die massakrierten Schulkinder, die notorische Pädosexualität der texanischen GOPer stören die Bewohner des Lone Star States nicht.  Aber die explodierenden Benzin- und Lebensmittelpreise stoßen sauer auf, so daß Donald Trump mittlerweile selbst in Texas unbeliebt ist.

[….] Trump's approval rating is net negative in Texas, according to pollster calculations. Though Trump is not on the ballot, midterms are usually seen as a referendum on the presidency.

Morning Consult rolls up its poll results over a three-month period to calculate the state approval rating. Surveys conducted April 1-June 30 found 45% of registered voters in Texas approve of Trump's job performance, compared to 52% who disapprove.

The Economist uses weekly YouGov polls to make projections of the state-level approval ratings. In Texas, Trump is also in the red by a margin of 22 percentage points, according to The Economist.

Trump's average approval rating nationally sits at 38% approval and 59% disapproval as of Aug. 27, according to the New York Times polling aggregator.  [….]

(USA Today 27.08.2026)

Was jahrelang unvorstellbar war, könnte am 03.11.2026 eintreten; daß nämlich der junge fromme frische Demokrat James Tallarico gegen den skandalumwitterten GOP-Amtsinhaber und Trumpisten Ken Paxton gewinnen könnte.

[….]  Im TV gestrichenes Interview von Jimmy Kimmel erreicht zehn Millionen YouTube-Aufrufe

Jimmy Kimmel erhob schwere Vorwürfe gegen die US-Medienaufsicht, weil sein Interview mit dem Demokraten James Talarico nicht im Fernsehen ausgespielt wurde. Im Internet interessierte der Clip jedoch enorm.

Wer Unliebsames unterdrückt, macht es manchmal umso bekannter: Nach angeblichen Drohu
ngen der US-Medienaufsicht Federal Communications Commission (FCC) hatte US-Moderator Jimmy Kimmel das Interview mit dem Senatskandidaten der Demokraten in Texas, James Talarico, aus seiner TV-Show gestrichen – und bei YouTube veröffentlicht. Mehr als zehn Millionen Mal wurde das 21-minütige Gespräch seither dort aufgerufen, deutlich häufiger als andere Clips aus der jüngsten Zeit, wie etwa das Interview mit dem Schauspieler Andrew Garfield (1,1 Millionen Aufrufe).
[….]

(SPON, 15.09.2026)

Auch der ultrarechtsradikale langjährige Texanische Gouverneur Greg Abbott muss um sein Amt fürchten.

[….] Republikanische Hochburg wackelt: Hinojosa führt erstmals in Umfrage gegen Gouverneur Abbott

Texas-Gouverneur Abbott gerät unter Druck: Neue Umfragen zeigen die Demokratin Hinojosa im Aufwind – und ein Rennen, das enger wird als je zuvor.

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sieht sich laut zwei neuen Umfragen zum Gouverneursrennen, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, einer zunehmend hart umkämpften Herausforderung durch die demokratische Abgeordnete des Bundesstaatsparlaments Gina Hinojosa gegenüber. Texas galt lange als republikanische Hochburg, scheint jedoch bei den diesjährigen Zwischenwahlen zu einem stärker umkämpften Staat zu werden.

Demokraten hoffen, dass die sinkenden Zustimmungswerte von Präsident Donald Trump ihnen ermöglichen könnten, das politische Schlachtfeld im November zu erweitern. Texas unterstützte Trump 2024 zwar noch mit einem Vorsprung von 14 Punkten und hat seit den 1990er-Jahren keinen Demokraten mehr in ein landesweites Amt gewählt, doch die Dynamik verschiebt sich langsam.  [….]

(FR, 18.09.2026)

Mittwoch, 9. September 2026

Zukunft abgekürzt.

Die Jugend in den frühen 1980ern, ab dem Sommersemester 1988 an der Uni, Ende der 1990 bekamen die meisten meiner ehemaligen Mitschüler Kinder. In den 2010nern starben meinen Freunden die Eltern weg. Nun sind wir, Ende Boomer/Anfang GenX, kurz vorm Rentenalter. Einige wenige hatten Jobs, in denen sie sehr viel verdienten und sind finanziell gut abgesichert. Die Mehrheit stellt sich auf Schmalhans im Alter ein, gruselt sich vor einsamer Abhängigkeit in völlig überlasteten Pflegeeinrichtungen. Es muss nicht unbedingt besser sein, Kinder und Enkel zu haben, weil man sich darum sorgt, ihnen zur Last zu fallen. Außerdem gibt es diverse Altersgenossen, die jetzt schon mit teilweise erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen leben. Man ist in diesem „irgendwas ist immer“-Alter. Die Gesundheitschecks werden unheimlicher, weil es immer wahrscheinlicher wird, daß Probleme gefunden werden. Mit meinem 25 Jahren altem Auto fahre ich auch nicht mehr unbeschwert zum TÜV.

Als ich letztes Jahr auf der Straße hinschlug, weil ich offenbar zu senil bin, um sicher zu gehen, wurde mein Knie geröntgt. Da Bild klemmte schon auf dem Lichtboard, als ich auf die junge Orthopädin wartete. Nach meinem Laienverständnis sah ich keine Knochenverletzungen, aber merkwürdige Frakturkallus-artige Wucherungen, die mir Sorge bereiteten. Als die Ärztin kam, entwarnte sie; „nichts gebrochen“. Auf meine besorgte Frage, was das für eigenartige Wölkchen wären, winkte sie ab „ach, das sind nur ganz normale Ablagerungen IN IHREM ALTER!“

Klar. Aus Sicht einer Anfang-30erin bin ich ein Wrack. Aber andererseits sollten statistisch noch ein paar Dekaden Lebenszeit übrig sein, auch wenn immer mehr Symptome auf eine baldige Überschreitung meines Mindesthaltbarkeitsdatums hinweisen. Natürlich, Joghurt, Quark und Nudeln sind nach dem Ablauf des MHD immer noch genießbar. Ich habe noch das Schimpfen meiner Mutter im Ohr, wenn ich als Generation Überfluss, Lebensmittel mit dem Erreichen des MHD in den Müll werfe.

Also, man kann den abgelaufenen Reis natürlich noch essen, aber dabei entwickelt sich ein latentes Unbehagen. Unterbewußt schmeckt man nach, ob das wirklich noch gut ist. Genauso geht es mir, bei dem Gedanken, die nächsten Male zu Nullen.

Offensichtlich leben viele dann immer noch, aber ob das noch so toll schmeckt?

Besser wird es jedenfalls nicht.

Allerdings gibt es global erhebliche Anzeichen für eine deutliche Abkürzung unser aller und natürlich damit auch meiner Restlaufzeit.

2020 erinnerte uns an die durchaus reale Gefahr einer Pandemie, die wirklich jedes menschliche Leben ausrottet. Die Chancen, einer globalen Seuche zu erliegen, steigen, weil wir mehr werden, uns enger auf die Pelle rücken, von Algorithmen systematisch zu Covidioten verblöden, die sich Impfungen und Masken verweigern und natürlich durch immer mehr rechtsextreme Gaga-Regierungen, die wie die USA aus der WHO austreten, Virologen die Forschungsmittel entziehen, Gesundheitsbehörden schließen. Ein gefährlicher Spinner und Verschwörungstheoretiker ist jetzt US-Gesundheitsminister, die Amis lassen sich weniger Impfen und die Regierungspartei klagt Dr. Fauci an.

2022 der Ukraine-Krieg, 2023 die Hamas-Attacke mit der darauf folgenden Vernichtung Gazas, 2026 der Beginn des US-Krieges gegen den Iran. Der hybride Krieg Russlands gegen Westeuropa, der Beginn der Kriegsphase Null auf deutschem Boden und erst Recht ein mental inzwischen vollkommen unzurechnungsfähiger US-Präsident, der als Oberbefehlshaber mit dem Atomkoffer in der Hand Wutanfälle bekommt; machen einen Weltkrieg, womöglich einen Atomweltkrieg, sehr viel wahrscheinlicher. Das Two-Theater-Szenario, also ein simultaner Angriff Chinas auf Taiwan und Russlands auf das Baltikum wird rückt näher. Persönlich würde ich einen schnellen Tod in einem nuklearen Pilz natürlich bevorzugen. Für die Flora und nicht humanoide Fauna wäre es allerdings sehr unfreundlich.

Sehr sicher ist der Klimakollaps, von dem wir 2026 einen ordentlich Vorgeschmack in Deutschland erlebten. Schon jetzt sterben jedes Jahr weltweit Hunderttausende an den Folgen der Erderhitzung. Nur wir Reichen in den Industriestaaten können uns mit technischen Hilfsmitteln noch etwas länger am Leben erhalten. Selbst wenn die Menschheit heute vollkommen damit aufhörte, klimaschädigende Gase in die Lust zu blasen, würde sich die Erde noch 15-20 Jahre weiter aufheizen; so lange dauert es, bis die kritische Schicht um die Erdoberfläche erreicht ist.

Aber wir hören nicht nur nicht damit auf, das Klima zu zerstören. Wesentliche Player – USA, Deutschland, Russland – gehen diametral in die falsche Richtung, fördern massiv die Verbrennung fossiler Energieträger, bremsen die erneuerbaren Energien aus.

Der Hitzetod kommt also bestimmt und wird dramatische Migrationsbewegungen auslösen, wenn immer mehr Landstriche austrocknen und unbewohnbar werden. Das wird kein angenehmer Tod, der aber in Nordeuropa mit den entsprechenden finanziellen Mitteln vielleicht noch bis zu 20 Jahre auszusitzen ist, bis alles komplett zusammenbricht.

Aber es gibt Hoffnung! Vielleicht entkommen wir der Zombi-Apokalypse durch Pandemie, dem russischen Raketenbeschuss und der klimatischen Verglühung bei 50°C! Das bleibt uns nämlich alles erspart, wenn hyperkomplexe KI bis Ende der Dekade Homo Sapiens als die Gefahr erkennen, der er ist und uns einfach ausrottet.

Dafür spricht vieles, wie der KI-Guru Nate Soares erklärt.

[….] Soares: Es ist nicht so, dass diese Systeme uns hassen. Wir sind ihnen nur egal. So wie Ameisen uns Menschen egal sind. Wir bemühen uns nicht, Ameisen zu töten. Wir bauen nur manchmal unsere Sachen dorthin, wo Ameisen leben.

ZEIT: Aber wie könnte KI in der Lage sein, alle Menschen zu töten oder überhaupt einen Menschen?

Soares: Man muss sich klarmachen, wie sich die Menschheit entwickelt hat. Uns hat niemand eine Waffe in die Hand gedrückt. Die Primaten, die wir einst waren, haben Waffen entwickelt und sind schließlich bei Atombomben angekommen. Diese Macht, aus fast nichts etwas aufzubauen, mit dem man die Welt kontrollieren kann, sitzt im Kopf. Und genau diese Fähigkeit versuchen die KI-Firmen gerade zu automatisieren. Das ist das erklärte Ziel von Leuten wie Elon Musk und Sam Altman: automatisierte Fabriken, die Roboter bauen, die automatisierte Fabriken bauen.

ZEIT: Aber noch mal: Um der Menschheit ernsthaft gefährlich werden zu können, müsste sie Fähigkeiten entwickeln, die heute kaum vorstellbar sind. Wie genau kommt sie dorthin?

Soares: Das ist ungefähr so, als würde man im Jahr 1800 fragen, wie das Militär der Zukunft aussieht. Ein Wissenschaftler von damals wüsste bereits, wie viel Energie in Schwarzpulver steckt, also würde er sich vielleicht vorstellen, dass die Kanonen der Zukunft zehnmal stärker sein werden als seine. Das stimmt, damit hätte er ungefähr die Feuerkraft eines Panzers vorausgesagt. Aber auf die Vorhersage, dass es eine Bombe geben wird, die eine ganze Stadt auslöschen kann, käme er wohl nicht, sie klänge verrückt. Aber sie wäre wahr.

ZEIT: Wie könnte ein KI-Äquivalent der Atombombe aussehen?

Soares: KI könnte zum Beispiel den Gen-Code knacken. Wir können heute schon DNA auslesen und sogar verändern. Aber wir wissen nicht genau, wie sich die Aminosäureketten zu Proteinen falten. KI kann das schon heute besser als Menschen berechnen. Und wenn sie noch intelligenter wird, könnte sie es so gut können, dass sie neue Lebensformen erschaffen kann. Dann schickt sie vielleicht eine DNA-Sequenz an ein Labor und lässt sie synthetisieren. Das Röhrchen schickt sie zu irgendeinem Menschen und sagt ihm: Zerbrich das draußen. Und dann haben wir eine selbstreplizierende, von der KI gesteuerte Spezies. Wie gesagt, die KI macht das nicht, weil sie uns hasst, aber danach wäre sie nicht mehr auf Menschen angewiesen. Die neue Spezies gedeiht und verbraucht mit der Zeit alle Ressourcen, bis für uns nichts mehr übrig bleibt.   [….]

(ZEIT, 26.08.26)

Die Aussicht auf einen baldigen Tod aller Menschen wird gerade sehr viel wahrscheinlicher.

Das könnte schnell gehen.

[…]  Ein Forscher hat mit dramatischen Worten seinen Job bei Anthropic gekündigt und behauptet, dass die KI-Firma genauso wie OpenAI – wo er vorher gearbeitet hat – nicht verantwortungsvoll handle. „Die Menschen, die KI entwickeln, sind fest davon überzeugt, dass die uns bis zum Ende des Jahrzehnts auslöschen könnte“, schreibt der 27-Jährige namens Jacob Coxon auf dem Kurznachrichtendienst X. „Keine andere menschliche Aktivität ist so gefährlich“, schreibt er weiter. Während man die enorme Gefahr bei OpenAI nicht verstanden haben möge, sei das bei Anthropic anders, erklärt er: „Doch sie befinden sich in einem Wettlauf, um als Erste anzukommen und sie glauben, dass niemand sonst verantwortungsvoll handeln wird.“ Deshalb meinten sie, das Risiko eingehen zu müssen.

Laut den Beiträgen auf X und einem ausführlichen Artikel beim Wall Street Journal hat sich der 27-jährige Brite auf das Training neuer KI-Modelle mit riesigen Datenmengen spezialisiert. Gegenüber der US-Zeitung hat er demnach erklärt, dass viele seiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen die Begriffe „Crunchtime“ und „Endgame“ („Endspiel“) benutzen, wenn sie über die Richtung der Branche sprechen. „Wir steuern auf viele der pessimistischsten dieser Szenarien zu, bei denen die Lage bereits Ende nächsten Jahres außer Kontrolle geraten könnte“, zitiert das Wall Street Journal noch. Auf X schreibt er noch, dass eine Koordinierung möglich scheine und „Warnschüsse“ wie der automatisierte Hackerangriff auf Hugging Face Vereinbarungen wahrscheinlicher gemacht hätten. [….]

(Martin Holland, 09.09.2026)

Montag, 7. September 2026

Merz müsste weg

Innerhalb der CDU ist der Groll über ihren Kanzler und Bundesvorsitzenden angeschwollen. Man ist noch habituell obrigkeitshörig, noch zu sehr Kanzlerwahlverein, um wie Sozis oder Grünen offen und leidenschaftlich die eigene Parteiführung in Frage zu stellen. Aber auch wenn die CDUler nur tuscheln und kaum einer mit seiner Kritik namentlich genannt werden will; besteht doch Konsens über die wahlkampfschädliche Wirkung des Chefs. Er verschreckt die Leute, ist charakterlich und intellektuell von seinem Job überfordert. Er bringt kaum einen öffentlichen Auftritt unfallfrei über die Bühne, weil er manisch Grobheiten herausposaunt, ohne die Folgen zu bedenken. Insbesondere lernt er aber nicht dazu.

Insofern, ja, hätte die obrigkeitsaffine CDU gern einen anderen Oberen.

Damit sind aber gleich mehrere Probleme verbunden:

Erstens:

Zunächst einmal ist die verfassungsrechtliche Stellung des Kanzlers ziemlich stabil. Die Partei kann nicht einfach, wie in GB eine neue Person auf den Schild heben. Merz bleibt im Amt, bis ein anderer die nötige Kanzlermehrheit erreicht hat, die bekanntlich schon in viel besseren Zeiten verfehlt wurde.

Es ist mit unserem Grundgesetz und bei den knappen Mehrheitsverhältnissen nur sehr schwer möglich einen Kanzler „auszutauschen“, erst Recht, wenn dieser sich für unersetzlich hält und nicht gehen will.

Zweitens:

Die Lage ist so traurig, daß sich gar kein CDU-Nachfolger anbietet, um die trübe Suppe der trüben Tassen der trüben Koalition in diesen trüben Zeiten auszulöffeln. Günther wird von der Hälfte der Bundestagsfraktion verachtet, bekäme niemals die Stimmen der CSU oder der jungen Rechtsaußen (Ploß, Kuban, Plum, de Vries, Bosbach, Krieger, Ludwig, Linnemann, Amthor). Der kontrollierte und risikoscheue Wüst würde nicht sein behagliches Düsseldorf verlassen, um in der Berliner Schlangengrube zu spielen.

Drittens:

Auch wenn Merz und Hoppermann es nicht begreifen, die „CDU-Reformpolitik“ für völlig richtig halten, die nur besser kommuniziert und „emotionaler“ vermittelt werden müsse, schwant womöglich einigen, daß es die hochungerechte Sparpolitik selbst, die massive Umverteilung von Unten nach Oben, das Anbiedern bei Donald Trump, die Unterstützung Netanjahus, der dreiste Lobbyismus für die Fossilkonzerne, das Rückdrehen der Klimapolitik, die kategorische Verweigerung der Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens, die Verteuerung des Deutschlandtickets, die Benzinpreise, das sture Festhalten an der Zweiklassenmedizin, die Blockade von Reichen- und Vermögenssteuer, die Parteinahme zugunsten der VERmieter, die Kürzungen im Gesundheitssystem selbst sind, die den „emotionalen Menschen“ missfallen. Was nützt schon ein anderer CDU-Kanzler, der die gleiche Politik weiterführt?

[….] Auch nach der Wahl in Sachsen-Anhalt will Staatsminister Philipp Amthor offenbar am Reformkurs der schwarz-roten Bundesregierung festhalten. »Jetzt die Reformen infrage zu stellen, wäre die völlig falsche Antwort auf das Wahlergebnis«, sagte der im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen Verantwortliche im Deutschlandfunk. [….]  Thorsten Frei sieht ungeachtet der dramatischen Verluste seiner Partei bei der Landtagswahl keine Alternative zum Reformkurs der Bundesregierung. »Wir haben einen enormen Reformbedarf in Deutschland und deshalb wäre es eine falsche Schlussfolgerung zu glauben, man könnte um diese Reformen herumkommen«, sagte der Chef der Unionsfraktion im Bundestag. [….]

(Sven Scharf, 10.11 Uhr) [….] Nun kommt Merz auf seine eigene Rolle zu sprechen. Die Unzufriedenheit mit der Bundespolitik gilt als ein Hauptgrund für das starke AfD-Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Eine zentrale Rolle spielt dabei Merz selbst, der im Wahlkampf selbst von vielen Parteifreunden als Hindernis statt als Booster wahrgenommen wurde.

Merz sagt, er werde an seinem Reformkurs festhalten. Dass man Reformen nicht nur rational begründen, sondern auch emotional vermitteln müsse, sei eine gemeinsame Aufgabe, der er sich stelle. »Wir müssen versuchen, ich selbst auch, die Menschen in ihrer ganzen Emotionalität zu erreichen.« Merz sieht sich in der Rolle, diese Aufgabe umzusetzen: »Ich bin entschlossen, diese Verantwortung wahrzunehmen.«   [….]

(SPIEGEL, Newsblog, Benjamin Schulz, 07.09.2026, 13:52)

Dafür ist der große Empath aus Brilon ja genau der Richtige: Um den Pöbel in seiner ganzen Emotionalität zu erreichen.

Viertens

Die falsche Politik mit falschen Leuten in einer geopolitisch dramatisch schwierigen Zeit umzusetzen, wird auch kein wesentlich fähigerer Kanzlerdarsteller als Merz erfolgreich und zur Zufriedenheit seiner Untertanen umsetzen können. Begriffe wie „der Wählerwille“ oder „der Regierungsauftrag“ werden zwar geradezu inflationär gebraucht, um Positionen mit Totschlagskraft zu legitimieren, aber sie sind auch großer Unsinn. Es gibt weder „den Wähler“, noch den einen Willen. Nicht nur Wähler verschiedener Parteien wollen verschiedene Dinge, sondern sogar die Wähler derselben Partei wollen diametral andere Dinge. Ich habe die SPD gewählt und möchte das Ende des Staatskirchenleistungen, die legale aktive Sterbehilfe und bitte ganz schnell die Dienstleistung der Finanzämter als Inkasso-Unternehmen für die hyperreichen Kirchen abstellen. Das wollen viele Sozialdemokraten im Bundestag aber gerade nicht.

Es gibt auch nicht „den Regierungsauftrag“, von dem Siegmund, Chrupalla, Schulze, Söder und viele andere mehr, heute faseln. Jeder Wähler beauftragt eine andere Partei mit anderen Absichten. Sofern keine absolute Mehrheit vorliegt, sind die  Abgeordneten beauftragt, eine Koalition zu bilden. Keine Stimme ist weniger wert als die andere. Sollten Linke, CDU, Grüne, SPD und BSW eine Ministerpräsidentenmehrheit zusammen bekommen, spräche daraus genauso „der Wählerauftrag“, wie aus jeder anderen Mehrheit.

Auch im Berliner Bundestag muss also, anders als die CDU glaubt, keineswegs ein alternder CDUler, die falsche Merz-Politik weiterführen.

Es wäre viel effektiver und besser für Deutschland, man bildete ohne Neuwahlen, eine neue Regierung aus CDU ohne die 44 CSU-Abgeordneten, SPD und Grünen unter einem liberaleren CDU-Mann, der die unsinnige Fixierung auf illegale Dobrindtsche migrantenfeindliche Taliban-Umkuschelungspolitik beendet.

Die Grünen haben 85 Abgeordnete; ohne die Söderischen Querulanten stiege damit die Koalitionsmehrheit von 12 auf „53 Stimmen über den Durst“.

Es wäre ein Befreiungsschlag. Es könnte durchregiert werden. Ohne lähmenden monatelangen Wahlkampf. Ohne daß unweigerlich eine gewaltige Nazi-Mehrheit in den Bundestag einzieht. Habeck rein, Reiche raus. Rechtskonservative Nörgler (Ploß, Kuban, Plum, de Vries, Bosbach, Krieger, Ludwig, Linnemann, Amthor) hätten keine Blockademacht mehr.  Daß dieser Gedanke so unrealistisch erscheint, zeigt wie regierungsunfähig die gesamte CDU in Wahrheit ist – ob nun Merz an der Spitze steht oder ein anderes Unionsschwergewicht.

Fünftens

Ja, eine echte Lichtgestalt an der Spitze, ein Sympath, der weite Teile des gemeinen Volks begeistert, könnte tatsächlich die gesamte Politik aus der Agonie ziehen, die Stimmung im Land vollkommen verändern.

Wie wir wissen, gibt es solche begnadeten Polit-Talente, die weit über Partei-Grenzen geliebt werden, ja sogar international ausstrahlen.

John F Kennedy, Rabin, Zoran Đinđić, Nelson Mandela, Anwar El-Sadat, Helmut Schmidt, Bill Clinton.

In neuerer Zeit sind es Justin Trudeau, Jacinda Ardern, Pedro Sánchez, Rob Jetten, Sadiq Khan, Abdul El-Sayed und als absoluter Polit-Superstar Zohran Kwame Mamdani, der seit dem 01.01.2026 die größte Stadt der USA regiert und inzwischen nicht nur seine neun Millionen direkten Untertanen elektrisiert, sondern in der gesamten USA gefeiert wird.

Attraktive junge Politiker, halb so alt wie Merz, die mit Social Media aufgewachsen sind, über Empathie verfügen, vor Ideen und Optimismus sprühen und dabei Leichtigkeit vermitteln, Selbstironie und Humor einsetzen, können den Unterschied machen.

[….] New York City Mayor Zohran Mamdani (D) is facing some steep challenges more than seven months into his historic tenure, but New Yorkers show no sign of souring on him.  A Siena College poll out last week found that 69 percent of New York City voters had a favorable view of Mamdani, a notable jump from 58 percent in June. The latest figure narrowly topped his previous high from January, when 68 percent of New Yorkers held a favorable view of their new mayor. His numbers dipped to 56 percent in March before rebounding this month, even as Mamdani has consistently polled above his recent predecessors.

Mamdani has brought the strong communication skills and political instincts he displayed on the campaign trail to City Hall, helping him retain public support as he navigates the challenges of governing. But the first seven months of Mamdani’s mayoralty have not been without hiccups. [….]

(The Hill, 18.08.2026)

Idealerweise stellten CDU und SPD auch einen Jetten und Mamdani zur Wahl. Gut möglich, daß die uns aus dem Sumpf ziehen könnten, daß sie die AfD alt aussehen ließen.

Das Problem daran ist nur, daß solche Megatalente mit so einem Charisma ohnehin selten sind und im deutschen Bildungssystem ohne die angelsächsische Debattenkultur auch nicht herausgebildet werden.

Wir haben solche Leute nicht.

Mamdani ist 34, Jetten 39.

Wir haben Staatssekretär Amthor, 33, 

und Tilman Kuban, 39.

Da können wir auch Merz weiter debakulieren lassen.