Die CDU ist eine große Partei.
Die Regierungspartei der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde.
Die CDU hat 350.000 Mitglieder, stellte sechs von zehn Bundeskanzlern, die Hälfte der Bundespräsiden, regiert acht von 16 Bundesländern (+ Söder) und dominiert als stärkste Fraktion auch den Bundestag: 208 von 630 Sitzen. (CDU: 164, CSU: 44)
Daß unter so vielen Menschen auch allerlei Pfeifen zu finden sind, zumal es sich um eine obrigkeitshörige Ressentiment-Partei handelt, halte ich für völlig normal. CDU-Mitglieder verfügen alle über einen Grund-Cringe. Schon auf meinem Gymnasium in den 1980ern konnte ich die JU-Mitglieder äußerlich erkennen. Das sind auch phänotypisch eindeutig zuzuordnende Menschen, die so nicht in anderen Parteien vorkommen. Kuban, Amthor und Spahn sieht man die CDU an; sie könnten nicht bei der SPD oder den Grünen sein.
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Felix Behnke CDU Hamburg |
CDUler sind sozial etwas unbeholfen sind nicht von ungefähr überdurchschnittlich häufig in etwas aufgedunsener Version in (schlagenden) Studentenverbindungen zu finden, in denen sie viel Bier saufen, einen bizarren Uniform-Kult kultivieren, um damit ihre chronische Untervögelung zu kompensieren.
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| Kuban |
Dabei geht es mir gar nicht um politische Inhalte, sondern um die Art Mensch, die charakterliche Unbeholfenheit mit Blenden und Netzwerken aufwiegt. So einer kann (theoretisch) intelligent und politisch rein inhaltlich kompetent sein. Aber in der Kommunikation mit dem Wahlvolk und der Außenwirkung droht stets Unheil, weil ihm Empathie und Witz fehlt.
Aber auch das kann man in den Griff bekommen; schließlich sind Bundespolitiker keine Einzelkämpfer. Sie haben ein Team von Mitarbeitern. Ministerien verfügen über PR-Abteilungen, wichtige Politiker haben persönliche Sprecher, für den Bundeskanzler agiert ein ganzes Presseamt.
Ein 70-Jähriger muss wirklich nicht mit den aktuellen Jugendsprech auf Tiktok vertraut sein. Aber er muss fähig sein, das zu erkennen und Profis mit entsprechenden Kenntnissen finden, um das für ihn zu übernehmen.
Jeder Mensch kann sich mit der groben Küchenschere selbst das Haupthaar kürzen. Allerdings wird das Ergebnis in 98% der Fälle katastrophal aussehen. Daher hat der liebe Gott den Beruf des Friseurs erfunden. Sofern man nicht in der Pampa unter einem Stein lebt oder total verarmt ist, läßt man seine Rübe daher von einem Profi gestalten.
[….] Ende August wurde bekannt, was Bundeskanzler Friedrich Merz seit seinem Amtsantritt für Kosmetiker, Visagisten und Friseure abgerechnet hat: 12.501,30 Euro. Das Kanzleramt musste die Ausgaben öffentlich machen, […]
Ich möchte eine arbeitsfähige Bundesregierung haben, die nicht ungepflegt international auftritt. Daher beklage ich mich nicht über derartige Kosten und befürworte die Anschaffung funktionierender moderner Regierungsjets und Dienstwagen. Es wird in unserer realen Neidgesellschaft immer einen Aufschrei geben, das sei alles viel zu teuer oder unnötig. Ganz egal, ob die Kosten 50% niedriger oder 20% höher wären.
Aber wieso lassen sich CDU-Politiker nicht effektiver bei ihrer Pressearbeit beraten? Hat Merz überhaupt Berater? Was macht Stefan Kornelius beruflich? Wie kann es möglich sein, daß niemand den Kanzler davon abhalten kann, dreimal pro Woche mit maximal verwirrenden und empörenden Schnellschüssen vorzupreschen („Wir müssen die Privatversicherungen abschaffen“), nur um anschließend all seine Unterlinge ausschwärmen zu lassen, um zu erklären, der Kanzler habe das, was er gesagt habe, so nicht gemeint („CDU stellt PKV nicht in Frage“).
Natürlich war Amthors Strandkorb-Aktion nichts anderes als eine Einladung zum Shitstorm auf das Kanzleramt.
Philipp Amthor sitzt nun neun Jahre im Bundestag, ist schwer skandalerprobt (Augustus Intelligence-Lobbyismus-Affäre). Muss er nicht inzwischen begriffen haben, wie triggernd er wirken kann? Wieso hat er nicht längst jemanden mit dem Kommunikationsgespür, das ihm selbst fehlt, eingestellt? Es handelte sich immerhin eine ZDF-Doku, an der die CDU aktiv mitwirkte. Wieso wurden die Bilder freigegeben? Wieso schrillten während der Aufnahmen nirgends die Alarmglocken? Weshalb hat niemand verhindert, daß diese Petitesse zum Skandal aufgeblasen wird, über den nun whole social Media lacht?
[….] Jens Spahn ist auch seinen neuen Job schon wieder los. Der CDU-Politiker hat erst vor Kurzem sein Amt als Fraktionschef aufgeben müssen, weil er mit seinem Partner ein Kind von einer Leihmutter in den USA austragen ließ. Das widersprach nicht nur der Parteilinie, sondern auch dem, was Spahn selbst wiederholt als seine Überzeugung ausgegeben hatte.
Nun hat der Ex-Fraktionschef auch seinen Sitz im Haushaltsausschuss des Bundestags aufgegeben. Spahn hatte bei der Sitzung des wichtigsten Parlamentsgremiums gefehlt. Begründung war offenbar , er habe sich um sein krankes Kind kümmern müssen. Am selben Tag erschienen Fotos von ihm mit seinem Baby am Flughafen Olbia auf der Ferieninsel Sardinien.
[….] Sein Abgeordnetenkollege Philipp Amthor ist zwar nicht seinen Job los, aber einen Strandkorb. Den hatte sich der Staatsminister im Kanzleramt anliefern lassen, um ihn auf dem Balkon neben seinem Büro aufzustellen. Das Ganze war in der Dokuserie »Inside CDU« des ZDF zu sehen. [….] Es nutzte nix, im Internet brach die übliche Empörungswelle los. Auf Instagram warfen Nutzer Amthor Überheblichkeit vor, einer sprach gar von »spätrömischer Dekadenz im Endstadium«. [….] Spahn begründete seinen Rückzug in einem Schreiben an die Fraktionskollegen damit, dass alles rund um »meine Person aktuell so politisiert ist, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sein wird«. Schuld ist also nicht Spahn selbst, der aus angeblich familiären Gründen seine Pflichten als Abgeordneter nicht wahrnahm und dann auf einer Urlaubsinsel gesichtet wurde. Schuld ist die allgemeine Stimmung, die ihn leider nicht normal arbeiten lässt.Es ist eine absurde Begründung. Aus ihr spricht die Arroganz eines Politikers, der glaubt, sich alles leisten zu können, ohne politisch dafür bezahlen zu müssen. Das funktionierte schon nicht mehr, als bekannt wurde, dass das Ehepaar Spahn eine Leihmutter beauftragt hatte. Ein Fraktionschef mit solch offenkundiger Doppelmoral war für die Unionsabgeordneten zu viel.
Spahn verkörpert die Überheblichkeit der Politik, Amthor ihre Verzagtheit. [….] Jetzt ist in der Partei ein Vakuum. Der CDU-Chef und Kanzler ist noch im Amt, weil seine Gegner sich nicht auf einen Nachfolger einigen können. Wer in der Union Führung sucht, der richtet den Blick nicht auf Friedrich Merz. Solange das so bleibt, reichen Urlaubsfotos und Strandkörbe, um eine einst große Volkspartei zu erschüttern. [….]
Wieso sind da keine Profis am Werk?
Wieso dieser unerträgliche Dilettantismus in der CDU?
Das betrifft erst Recht Jens Spahn, den binnen kurzer Zeit das zweite mal beweist, beratungsresistent zu handeln, indem er wegen Krankheit seine Teilnahme im Haushaltsausschuss absagte, während er in Wahrheit Familienurlaub auf Sardinien machte?
[…. ] Am Ende wurde der Druck dann doch zu groß: Jens Spahn ist auch in dieser Woche wie schon in den Wochen davor wegen seines jüngsten Skandals von seinem aktuellen Amt zurückgetreten. Schon bald dürfte er einen neuen Posten erhalten, von dem er dann nächste Woche zurücktreten wird. […] Eigenen Angaben zufolge will Jens Spahn seine Zeit nun nutzen, um gemeinsam mit seiner Familie zur Ruhe zu kommen, bis er in ein, zwei Tagen einen neuen wichtigen Posten in der Bundesregierung bekommt.
Welchen Job Jens Spahn als Nächstes in den Sand setzen wird, ist noch unbekannt. Klar ist nur, dass er äußerst lukrativ sein und niemand nachvollziehen können wird, warum ausgerechnet Spahn ihn erhält. [….]
Gibt es im dritten Jahrzehnt seiner steilen politischen Karriere immer noch niemanden unter seinen Mitarbeitern, der ihm sagt „du Jens, das könnte jetzt irgendwie schlecht ankommen beim Pöbel“?
[….] Jens Spahn war vergangene Woche am Flughafen von Sardinien fotografiert worden – während der Sitzungswoche im Bundestag. Die Bild hatte das Foto veröffentlicht und dann gelöscht – vorgeblich, weil es in einem privaten Rahmen aufgenommen worden sei. Bei einer Boulevardzeitung, deren Geschäftsmodell die Missachtung von Privatsphäre ist, ist das ein guter Witz. Und es war zu spät. Nicht nur die Öffentlichkeit entrüstete sich über den Kurzurlaub während der Sitzungswoche, auch in der Unionsfraktion verlangten viele Konsequenzen. Diesem Druck gibt Spahn nun nach. Er hat angekündigt, sich auf die Arbeit im Wahlkreis zu konzentrieren. Hoffentlich ist ihm bewusst, dass dieser nicht Sardinien heißt, sondern Steinfurt I – Borken I. [….] Spahn begründet seinen Rückzug damit, dass „normales Arbeiten“ für ihn kaum möglich sei, und macht sich zum Opfer: Nicht sein Blaumachen ist in seinen Augen das Problem, sondern eine angebliche „Politisierung“ – was auch immer das bei einem Politiker sein soll.
Jens Spahn hat seine Karriere auch dem engen Draht zum Springer-Verlag zu verdanken. Beim Streit um seine Leihmutterschaft hoffte er zunächst, er könnte mit Kinderwagenfotos in der Bild die Herzen gewinnen. Nun ist auch sein Abstieg mit der Zeitung verbunden. Ohne das eilig gelöschte Foto vom Flughafen wäre es nicht so weit gekommen. Bei Springer scheint man sich uneins zu sein, ob man Spahn in Zukunft noch braucht, um etwa die schwarz-blauen Träume des Verlegers umzusetzen. Vorerst verliert Springer seinen wichtigsten Mann in der Spitzenpolitik. […]





