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Donnerstag, 6. August 2026

Weswegen die CDUCSU nichts gegen den Klimawandel tun wird

Das RKI musste seine Zahlen schon wieder nach oben korrigieren.

[….] Das Robert Koch-Institut hat seine Schätzungen zu Hitzetoten angepasst: Während der extremen Hitze Ende Juni sind demnach deutlich mehr Menschen gestorben. Das RKI spricht nun von 9.600 Sterbefällen allein Ende Juni.

Infolge der extrem heißen Woche Ende Juni sind in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) deutlich mehr Menschen gestorben als bisher angenommen. Das RKI geht in seinem aktuellen Wochenbericht von 9.600 hitzebedingten Sterbefällen zwischen dem 22. und 28. Juni aus. Zuvor hatte das Institut mehr als 5.000 hitzebedingte Todesfälle geschätzt.

In Deutschland lagen die Temperaturen in diesen Tagen vielerorts um die 40 Grad. Insgesamt erhöht sich die geschätzte Zahl der hitzebedingten Sterbefälle bis zum 26. Juli damit auf 11.900. Das sind mehr Fälle als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016.  Den bisherigen Höchststand verzeichnete das RKI im Jahr 2018 mit fast 9.000 Sterbefällen im gesamten Jahr.  [….]

(Tagesschau, 06.08.2026)

Fritze und seine C-Minister verharren dazu im schmollenden Schweigen und demonstrieren damit, wie vollkommen egal ihnen 12.000 tote Deutsche sind. Dabei kann Merz durchaus auch schnell und spontan reagieren, Forderungen formulieren und Taten ankündigen. Allerdings nur, wenn man, wie bei der CSD-Attacke, irgendwie „den Ausländern“ die Schuld in die Schuhe schieben kann. Selbst im Fall Fernandes-Ulmen, als der Täter ein weißer, in Rheinland-Pfalz geborener Deutscher mit dem Namen „Christian“ war, vermochte es der Sauerländer Simpel im Bundestag, die Ausländer als Schuldige auszumachen.
Die Erderhitzung eignet sich hingegen weniger zu xenophober Hetze. Daher sagt der Kanzler nichts. Das wäre ihm ohnehin unmöglich, weil er dann zugeben müsste, welchen Irrtümern die CDU-Politik unterliegt und daß die Grünen Recht hatten. Das bringt er nicht über die Lippen, egal, ob 10.000, 100.000 oder eine Million Deutsche an der Hitze verrecken.

Moralische Gründe, von seiner „Morgen geht die Welt nicht unter“-Rhetorik runterzukommen, kennt der Windräder-hassende Verbrenner-Fan ohnehin nicht.

Wer im Gegensatz zu mir, noch irgendetwas Positives von Merz erwartet, mag allerdings annehmen, die enormen ökonomischen Schäden, könnten die schwarzen Minister hervorlocken, irrt ebenfalls.
Fast 500 Millionen Euro kostet einen Hitzetag die deutsche Wirtschaft.

Die austrocknenden Flüsse werden vermutlich dieses Jahr das gesamte Wachstum Deutschlands auf Null setzen.

[….] Die niedrigen Pegelstände deutscher Flüsse haben massive Folgen für die Wirtschaft: Bleibt die Binnenschifffahrt auf dem Rhein länger eingeschränkt, könnte das ohnehin kleine Wirtschaftswachstum zunichte gemacht werden, warnt das IW.   0,4 Prozentpunkte weniger Wirtschaftswachstum - so lautet die Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) angesichts des Niedrigwassers in deutschen Flüssen. Damit könnte das Niedrigwasser nach Einschätzung des IW das Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr zunichte machen. Immerhin rechneten die meisten Experten schon vor den sinkenden Pegelständen in Flüssen wie Rhein, Donau und Elbe nur mit einem Wachstum von etwa einem halben Prozent.

IW-Ökonom Thilo Schäfer formuliert es in einem Interview mit der Bild wohl auch deshalb so drastisch: Ein "längerer Ausfall der Schiffbarkeit auf dem Rhein könnte das ganz klitzekleine Pflänzchen Wachstum, das wir haben, komplett ersticken."

Und Schäfer ist längst nicht der Einzige, der vor den wirtschaftlichen Folgen der geringen Pegelstände warnt. Auch Stefan Kooths, Direktor der Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), sagte schon Ende Juli: "Insgesamt könnten die Effekte stark genug sein, um das Bruttoinlandsprodukt allein im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent zu dämpfen. Man kann den Wertschöpfungsausfall grob auf ein bis zwei Milliarden Euro im dritten Quartal beziffern." [….] 

(Tagesschau, 04.08.2026)

Weiteren ökonomischen Schaden werden die vertrockneten Felder mit massiven Ernteausfällen für die deutschen Landwirte verursachen.

Bauernhöfen droht ein Massensterben. Zweifellos werden dadurch 2026 auch die Lebensmittelpreise deutlich steigen, was ebenfalls den Verbrauchern schwer zu schaffen machen wird.

Man könnte in der Tat meinen, auch eine Grünen-hassende Klimawandel-Leugner-Partei, die sich selbst als „wirtschaftskompetent“ betrachtet (rätselhafterweise), müsste sich mit diesen katastrophalen Einflüssen auf die deutsche Ökonomie befassen.
Stattdessen urlaubt Merz und schweigt.

Dafür gibt es aber 93 Milliarden gute Gründe.

[….] Saudi Aramco, BP, Shell und Co.: Ölkonzerne erzielen zwischen Irankrieg und Hitzewellen 93 Milliarden Dollar Gewinn[….] Während der Irankrieg tobte und Hitzewellen Menschen und Tieren in Europa und anderswo Probleme bereiteten, haben acht der größten Ölkonzerne zwischen April und Juni Gewinne in Höhe von knapp 93 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Das geht aus einem Bericht hervor, für den der britische »Guardian « die Quartalszahlen der Firmen auswertete. Gegenüber den knapp 50 Milliarden Dollar aus dem Vorjahreszeitraum hätten sie ihre Gewinne zusammengerechnet fast verdoppelt, heißt es.

Dem »Guardian« zufolge erzielten die acht Ölkonzerne – Saudi Aramco, BP, Shell, Equinor, TotalEnergies, Eni, Chevron und ExxonMobil – im Frühjahrsquartal jede Minute einen Gewinn von mehr als 700.000 US-Dollar. Ihre Marktbewertungen seien insgesamt um rund 600 Milliarden Dollar auf über drei Billionen Dollar gestiegen. Das Quartal ist das erste vollständige, nachdem die USA und Israel den Irankrieg begonnen hatten, was die weltweiten Ölpreise auf Höchststände von mehr als 126 Dollar pro Barrel steigen ließ. [….] Dabei seien die 14 größten Verursacher von CO₂- und Methanemissionen für 30 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. Dazu zählt das Forscherteam unter anderem Saudi Aramco, Gazprom, ExxonMobil, Chevron, die National Iranian Oil Company, BP und Shell. [….] [….]

(SPIEGEL, 05.08.2026)

Die Klima- und Menschen-zerstörenden Ölkonzerne sind Geldmaschinen, die uns alle nicht nur ins totale Verderben führen, sondern vorher auch noch das Geld aus der Tasche ziehen.

Mit 93 Milliarden Dollar Gewinn, kann man eine gewaltige Lobby-Armee beschäftigen und viele CDUCSUler einkaufen. Die 9.000 in einer Juni-Woche krepierten Deutschen hatten sicher nicht so viel Geld.

Mittwoch, 5. August 2026

Ukraine-Eskalation

Man macht es sich fast immer viel zu einfach, wenn man mit dem Wissen von heute, Jahre zurück liegende Entscheidungen kritisiert.

Natürlich kann man a posteriori oft beurteilen, was damals falsch gemacht wurde.

Aber oft wird man automatisch dazu verlockt, anzunehmen, man hätte es früher genauso klar erkannt.

Deswegen gucken die Leute so gern Quizshows mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Während der Fragestellung rätseln sie ähnlich, wie der in all seiner Ahnungslosigkeit vorgeführte Kandidat. Mit der Verkündigung der richtigen Antwort, ist aber der Zustand des Nichtwissens ausradiert. Man kann sich nun nicht mehr vorstellen, die falsche Antwort gegeben zu haben. Es ist ein psychologischer Schutzmechanismus, anschließend zu glauben, man hätte es auch schon kurz vorher gewußt. Das aktiviert das Belohnungssystem im Nucleus accumbens mit einem kleinen Dopaminschub, man fühlt sich schlauer, als der Depp im TV, der (auch) nicht vorher richtig tippte.

Deswegen ist es leicht, heute festzustellen, man hätte gleich im Februar 2022 der Ukraine Taurus, schwere Panzer und Raketen liefern müssen.

Nun wissen wir aber, wie erstaunlich die Ukraine gegen das auf dem Papier übermächtige Russland durchhält.

2022 ahnte das niemand. Keiner der wirklichen Militärexperten und schon gar nicht die Millionen Hobbystrategen zu Hause.

Wir alle dachten nicht daran, daß Putin viereinhalb Jahre später immer noch weit von Kiew entfernt stehen könnte und viele Hunderttausende tote russische Soldaten zu beklagen hätte.

Das lässt sich zum großen Teil auf Fähigkeiten des Ukrainischen Militärs zurückführen, die aber erst im Laufe des Krieges entwickelt wurden. Im Februar 2022 hielten wir Deutschland für ein Hightechland, welches der armen rückständigen Ukraine zwar Ersatz für ihre eigenen rostigen antiken Panzer liefern könne, aber dann bestünde die große Gefahr, Putin zu sehr zu reizen, so daß er den Krieg eskaliere. Daher der elegantere Weg: Die hochspezialisierten schlauen deutschen Offiziere sollten die dummerhaften Ukrainer, die nichts vom Krieg verstünden, ausbilden, damit diese sich gegen die moderne Armee Russlands selbst verteidigen könnten.

Eine Menge kapitaler Fehleinschätzungen. Tatsächlich ist eher die deutsche Bundeswehr ein untauglicher Schrottplatz mit unerfahrenen Soldaten. Die Ukraine verfügt heute hingegen nicht nur über die stärkste Armee Europas, mit der sie klar unsere Schutzmacht ist. Die Ukraine, nicht die USA!

 Ukrainische Soldaten und Offiziere verfügen über so viel Knowhow bei der Drohnen- und Raketenabwehrtechnik, daß sie als Berater der Trillionen-reichen Golfmonarchien angeheuert wurden, nachdem Bibi und Taco den Iran angriffen.

Die Deutsche Bundeswehr hat mehr Geld zu Verfügung, als die Ukrainische Armee. Das ist aber auch alles. Wie sind schwächer und dümmer.

Aber die frisch ins Amt gestartete Ampel machte damals auch vieles richtig, das heute verdrängt und natürlich nicht geschätzt wird.

Es war notwendig und strategisch meisterlich von Olaf Scholz, stets die anderen NATO-Staaten und Europäer ins Boot zu holen. Es wäre der Worst Case gewesenen, wenn es Putin damals gelungen wäre, die Westeuropäer auseinander zu dividieren. Außerdem verfügten damals nur die USA über unbedingt benötige Aufklärungstechnologie und Munition. Umso bedeutender, wie Scholz den engen Schulterschluss zu Joe Biden suchte.

Es war ebenfalls richtig, nicht sofort schweres Gerät aus Bundeswehrbeständen in die Ukraine zu liefern, weil das damals beim Deutschen Volk absolut nicht vermittelbar gewesen wäre. Niemand wollte sich damals mit dem Gedanken anfreunden, in einen direkten Konflikt mit Russland zu geraten.

Schon die Lieferung von Kleinwaffen wurde 2022 so argwöhnisch beäugt, daß es einen Aufstand gegen die Ampel mit triumphierenden Russland-Freunden (BSW, AfD, Kretschmer) gegeben hätte, wenn Scholz damals schon „alles“ gen Osten geschickt hätte. Gegen die russischen Soldaten, von denen schon einmal, an gleicher Stelle, 27 Millionen durch deutsche Waffen getötet wurden!

Die Befürchtungen des damaligen SPD-Kanzlers, schwerere, modernere Waffen würden zu einer Eskalation des Konflikts führen, andere Länder mit hinein ziehen, bestätigte sich ebenfalls.

Zweifellos IST der Krieg mittlerweile eskaliert. Die Ukraine trifft Ziele im Herzen Russlands, versenkt russische Handelsschiffe, stellt eine echte Bedrohung für die Russen dar. Aber der schwer getroffene und sicher auch durch den militärischen Misserfolg gedemütigte Putin, eskaliert entsprechend. 
Er brachte es fertig, die russische Wirtschaft gegen die inzwischen drastischen EU-Sanktionen zu immunisieren, neue Bündnisse zu schließen – BRICS, China, Trump, Nordkorea – die Waffenproduktion deutlich effektiver zu machen, als die Europäische.

Eine russische Schattenflotte agiert weltweit und die Luftschläge treffen immer perfider Wohngebiete, töten gnadenlos ukrainische Zivilisten.

Selbstverständlich wurde der Krieg, genau wie von Scholz antizipiert, längst in die westeuropäischen Länder getragen. Wir befinden uns bereits mitten in einem hybriden Krieg mit Russland, das unsere Infrastruktur und unsere Demokratie massiv angreift.

Das wird nicht weniger werden und Deutschland kann sich kaum verteidigen. Die meisten kennen das Wort „Kritis“ gar nicht und taugliche Konzepte zum Schutz derselben existieren nicht.

[….] Am Flughafen Leipzig wird neben einem ukrainischen Transportflieger eine Drohne mit Sprengstoff gefunden, der Flugverkehr war in der Nacht zu Mittwoch unterbrochen. Die Polizei schließt einen gezielten Sabotageakt nicht aus.

Der Flughafen Leipzig ist in der Nacht zum Mittwoch womöglich nur knapp einer Katastrophe entgangen. Kurz vor Mitternacht war zunächst ein „unbekanntes Flugobjekt“ in der Nähe des Flughafens gesichtet worden. Anschließend sei ein verdächtiger Gegenstand nahe der Südpiste gefunden worden. Die Bundespolizei habe diesen mit einem Sprengstoffroboter begutachtet, teilte die Polizeidirektion Leipzig am Morgen mit.

Nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR handelte es sich bei dem entdeckten Objekt tatsächlich um eine präparierte Drohne. Sie soll sich in unmittelbarer Nähe eines Transportflugzeugs der ukrainischen Antonow-Airlines befunden haben, von denen sich gestern vier Flieger auf dem Feld befanden. Ein Mitarbeiter des Flughafens soll die Drohne entdeckt haben. Wie aus einer vertraulichen Lagemeldung der Polizei hervorgeht, sei an dem Gerät eine „unbekannte Masse“ angebracht gewesen, bei der es sich womöglich um Sprengstoff handele. In der Masse habe sich „ein Zünder“ befunden.

Der Flughafen Leipzig gilt als Drehscheibe für Rüstungsgüter

Derweil haben die Ermittler im Laufe des Mittwochs festgestellt, dass es sich bei der Masse tatsächlich um Sprengstoff handelte. Nach Informationen von SZ, NDR und WDR verlief ein erster Test auf Nitrate erfolgreich. Nitrate können ein Hinweis auf Sprengstoff sein. Zudem fanden die Experten bei einer weiteren Untersuchung Spuren vom PETN und Semtex. Eine hochexplosive Mischung, wie sie auch das Militär nutzt. Das Gemisch ging nur deshalb nicht hoch, weil der Zünder offenbar abgerissen war. Auch das haben die Untersuchungen der Ermittler ergeben.  […..]

(Süddeutsche Zeitung, 05.08.2026)

Heute wissen wir, wie die Ukraine „im Spiel“ bleibt. Und helfen dabei finanziell, weil das unsere westeuropäische Sicherheit garantiert.

So lange ein heißer Krieg gekämpft wird, Myriaden Russen, Ukrainer und Nordkoreaner sterben, ist der Kreml beschäftigt. Solange wird er vermutlich nicht auch noch Litauen oder Polen angreifen.

Aber bis heute gibt es kein Rezept und keine Zielvorstellung der EU, was eigentlich passieren soll, wenn irgendwann einmal die Waffen schweigen. Niemand spricht aus, wie Sicherheitsgarantien aussehen könnten. Denn dafür müsste die Ukraine de facto der NATO beitreten und genau das ist bei vielen NATO-Mitgliedsstaaten auf gar keinen Fall durchsetzbar. Daher setzen wir auch einen möglichst langen teuren Krieg für Putin.


Ein Krieg, der aber eben NICHT auf demselben Niveau verharrt, sondern kontinuierlich weiter eskaliert.  Jetzt mag Kiew militärische überraschend gut dastehen, aber Putin hat noch viele weitere gemeine Giftpfeile im Köcher. Aufgeben wird Russland ganz offensichtlich auch nicht.

[….] Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill hat den Bau der russischen Atombombe religiös begründet. „Russlands Atombombe entstand auch durch die Gebete des hl. Seraphim von Sarow“, sagte er laut dem Portal OrthodoxTimes am Wochenende bei einem Gottesdienst.

[….] In seiner Predigt bezeichnete Patriarch Kyrill den heiligen Seraphim von Sarow als Russlands spirituellen Beschützer. Der Heilige habe dazu beigetragen, den orthodoxen Glauben in einer Zeit zu bewahren, die von der Ausbreitung des Atheismus geprägt war.

Sarow spielte für das sowjetische Atomprogramm eine wichtige Rolle, erklärte der Patriarch: „Die Wissenschaftler, die hier in Sarow gearbeitet haben, haben unsere russische Atombombe entwickelt, die den Feind daran gehindert hat, Pläne zur Zerstörung und Versklavung unseres Vaterlandes umzusetzen.“ Durch die Arbeit von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Arbeitern sei Russland Gottes Gnade und Barmherzigkeit offenbart worden, so der Patriarch weiter. [….] Kyrill bezog sich auf Gespräche mit russischen Physikern und Wissenschaftlern und sagte, viele von ihnen glaubten, dass „die Entwicklung einer so mächtigen Waffe an diesem Ort kein Zufall war, sondern zum Teil durch die Gebete unseres verehrten und gottesfürchtigen Vaters Seraphim von Sarow zustande kam.“ [….]

(ORF, 04.08.2026)

Putin könnte noch zehn oder 15 Jahre Präsident bleiben. Oder morgen tot umfallen. Wie es nach ihm in Russland weiter geht, vermag aber niemand zu sagen. Wir wissen es einfach nicht. Es kann durchaus noch schlimmer kommen für Westeuropa.

Montag, 3. August 2026

Eigentore und Eigentorheiten

Die rechte und die linke Blase sortieren sich.

Während meine linksgrünversiffte Polit-Kamarilla auf Bluesky, 90% ihrer Zeit damit verbringt, auf die SPD einzudreschen, gelegentlich aber auch Abweichler bei Grünen und Linken verachtet, schießen sich die Großsprecher der konservativen Blase auf Merz und die CDU ein.

Selbst die beiden größten Fritzekanzler-Fans, die Chefredakteure von T-Online und des Hamburger Abendblattes, die anderthalb Jahre den Sauerländer Simpel medial den Hintern mit Küssen übersäten, geraten neuerdings ins Straucheln. Das epische Merzsche Versagen lässt sich nicht mehr schönreden.

[….] Schwennicke: Weil er sich völlig verkalkuliert hat. Und Merz fatalerweise auch, als Spahn ihn informiert hat, viel zu spät. Da hätte er sofort sagen müssen: schön für dich. Aber das war’s. Statt ihm zu gratulieren, wie er es sagte, in der ersten Einlassung.

Haider: Eigentlich war die Situation doch ein Glücksfall für Merz: So konnte er den Mann abräumen, dem er sowieso nicht besonders vertraute und dem man immer eine eigene Agenda unterstellen muss. Denn alle, die Spahn gut kennen, haben immer gesagt, dass er die Ambitionen aufs Kanzleramt trotz einiger Rückschläge nicht aufgegeben hat.

Schwennicke: Bis bekannt wurde, dass Spahn in den USA Vater geworden ist, schien es ein politischer Glücksfall für Friedrich Merz zu sein. Dann wurde es ein Unglücksfall.

Haider: Weil Merz zu viel wollte? Der Reihe nach: Für Thorsten Frei ist der Abschied aus dem Kanzleramt eine Befreiung, und für Merz die Chance, dort jemanden zu haben, der für den Job besser geeignet ist – und der ihn auch will.

Schwennicke: Kann man auch anders sehen. Das ist hier wie da Koordination. Und im Kanzleramt hat Thorsten Frei in der Disziplin nicht reüssiert, bin gespannt, ob ihm das als Fraktionschef gelingt. [….]

Haider: Bleibt die Sache mit dem Bundesverkehrsminister. Hat Merz so wenig Gefühl für die eigene Partei, dass ihm so etwas passieren kann?

Schwennicke: Das ist offenbar der Fall. Sagen seit Jahr und Tag auch die Leute, die nah an der CDU dran sind.

Haider: Und das bedeutet was?

Schwennicke: Dass er jetzt ein richtig großes Problem hat. Mit ihm sind die Umfragen im Keller. Und er hat viele gegen sich aufgebracht. Ganz gefährliche Mischung. [….]

(Hamburger Abendblatt, 01.08.2026)

Die Kollegen vom erzkonservativen CDU-Jubelblatt „Wirtschaftswoche“ treten den Fritzekanzler frustriert in die kolumnische Tonne.

[….] Die CDU wird aus diesem Sommer daher nicht anders herauskommen, als sie ihn hineingegangen ist. Aber der Prozess ihrer Selbstentfremdung wird sich noch einmal beschleunigen.  Zumal Friedrich Merz weder den Deutschen noch dem Politikbetrieb in Berlin, zuallerletzt seiner eigenen Partei erklären kann, was er mit seinen Personalentscheidungen eigentlich bezweckt. Alles wirkte von Anfang an, als sei Merz versehentlich einer Anordnung von Dominosteinen zu nahe gekommen. [….]

Ergebnis eins: Kein neues Regierungsmitglied fühlt sich glücklich versetzt, niemand brennt für seine neue Aufgabe.

Ergebnis zwei: Allerorten Kopfschütteln über die Stillosigkeit des Kanzlers, seine Anstandsschwäche, sein Chefgehabe.

Ergebnis drei: Wer bisher politisch nicht recht glücklich wurde mit Merz in der Union, in der Fraktion, dürfte sich spätestens nach des Kanzlers Abfertigung Patrick Schnieders auch aus persönlichen Gründen zum gelegentlichen Loyalitätsentzug aufgerufen fühlen. [….]

 Nicht er, Friedrich Merz, hat auf die CDU gewartet, um sich noch einmal politisch zu profilieren, sich an die Spitze der Gralsgemeinschaft setzen zu dürfen. Sondern die CDU auf ihn, den lang und still Mitleidenden: um das Phlegma der Merkel-Jahre zu überwinden, sich programmatisch zu erneuern, so sieht er es wohl. [….] Das Kernproblem von Friedrich Merz ist, dass er in diesem Sinne nicht unternehmerisch genug agiert. Dass er seiner Partei vorsitzt und als Bundeskanzler amtiert. Aber dabei weder die CDU führt noch das Land regiert. Weil es ihm an Autorität mangelt. Weil er das politische Handwerk nicht gelernt hat. Und weil er offenbar keine Berater hat, die  ihn herausfordern, strategisch und industriepolitisch zu bedenken, dass es die alte, flache Wirtschaftswelt, in der er gedanklich groß geworden ist, nicht mehr gibt. Das vor allem. [….] CEO Friedrich Merz? Schön wär’s. Der Kanzler hat noch nicht mal im Ansatz eine Vorstellung davon entwickelt, wie er das exportorientierte Deutschland-Unternehmen in einer Welt zu situieren gedenkt, die nicht mehr von offenen Märkten, Seewegen und rechtssicherer Regelhaftigkeit geprägt sein wird, sondern von Rohstoffkonkurrenz, Zöllen und Handelshemmnissen, politisch scharf gestellten Abhängigkeiten und nationalkapitalistischen Egoismen. [….] Stattdessen erwecken Merz und Reiche jeden Tag den Eindruck, dass die Gegenwart ihnen enteilt. [….]

(Dieter Schnaas, 02.08.2026)

Nikolaus Blome, Linken-Fresser und notorisches SPIEGEL/BILD-Enfant terrible des dumpf-bürgerlichen Milieus geht sogar einen Schritt weiter. Für ihn gilt das kapitale Versagen als Kanzler bereits als so nachhaltig bewiesen, daß er einen vorzeitigen Merz-Rücktritt längst fest einplant und an den Gescheiterten keine Worte mehr verschwendet. Stattdessen sorgt er sich um das jämmerliche Verhalten der anderen CDU-Führungsfiguren und fragt sich, wie mit solchen Heulsusen in der Post-Merz-Zeit regiert werden kann.

[….] Keine Frage: Von gutbürgerlicher Warte aus möchte man dem handelnden Personal den Hosenboden strammziehen. Wann endlich werden wir, bitte, wieder von Profis regiert?

Die Unzulänglichkeiten des Bundeskanzlers sind hinlänglich begutachtet, sie sind mitunter erschreckend in Umfang und Unberechenbarkeit. Schlimm genug ist das, aber für einen Moment: geschenkt. Wenn nämlich eines nicht so fernen Tages die Geschichte des Scheiterns dieses Kanzlers und seiner Koalition zu schreiben sein sollte, wird man an etwas deutlich Größerem nicht vorbeikommen: wie viel Mimimi und wie wenig Disziplin wichtige CDU-Milieus und -Parteitage heutzutage in den Knochen haben. O tempora, o mores, was würden Helmut Kohl oder Wolfgang Schäuble zu dieser vergurkten Vorabendserie sagen? [….] Neuerdings hingegen wollen sich auch die Bürgerlichen so feste fühlen, als wären sie Claudia Roth mit Kloß im Hals – und genau das wird zum eigentlichen, überaus realen Problem. Der geschasste Verkehrsminister erhebt bebend die Stimme, zeiht den Kanzler eines »unwürdigen Zustandes« und schwänzt seine letzte Kabinettssitzung, Fußstampferchen auf den Boden. [….]

(Blome, Spon, 03.08.2026)

Es mag altmodisch sein, aber ich habe nicht viel Spaß daran, auf das eigene Lager einzudreschen und arbeite mich lieber an den Rechten ab.

Der CDUCSU-FW-AFDP-Block („Schwarz“) einerseits und RRG („Rot“) andererseits, sind für mich eben nicht zwei irgendwie gleichberechtigte politische Interessenvertreter, die beide ehrenhaft ihre jeweiligen Klientel bedienen.

Schwarz steht für Destruktion, Rot für Konstruktion. Schwarz schadet den Bürgern, der Umwelt, treibt Menschen in den Tod, ruiniert unsere Zukunft. Rot versucht diese Schäden abzuwenden; die Lebensgrundlagen von Flora, Fauna und Mensch zu erhalten.

Schwarz lobbyiert für die Mächtigen und Superreichen und wendet brutale Methoden gegen Schwache und Minderheiten an. Rot lobbyiert für die Schwachen und Bedürftigen und versucht die planetenzerstörende Raffgier der Multimilliardäre einzuhegen.

Merz und Reiche sind nicht irgendwelche Schwarzen, die zufällig eine Politik betreiben, die mir nicht gefällt. Ob ICH es mag, ist völlig irrelevant. Aber sie richten irreparablen Schaden für alle an!

[….] Entsetzen über Merz' Solidarität mit Meloni [….]  Im Migrationschaos von Ceuta sprang die Bundesregierung den rechten Kritiker*innen der spanischen Regierung bei. Der Unmut darüber wächst. [….] An der Reaktion der Bundesregierung auf das Migrationschaos in Ceuta gibt es immer mehr Kritik. Nicht nur Grüne und Linke sind entsetzt darüber, dass Kanzler Friedrich Merz (CDU) einen Brief unterzeichnet hat, der die spanische Regierung massiv angreift. Auch in der mitregierenden SPD gibt es Unmut. [….]  Auf ähnliche Weise haben auch die Türkei und Belarus in den letzten Jahren schon versucht EU-Staaten unter Druck zu setzen. Die damals betroffenen Länder wie Griechenland oder Polen erfuhren stets große Solidarität der anderen EU-Staaten, selbst wenn sie die Migrant*innen mit brutalster Gewalt zurücktrieben. Das ist dieses Mal anders. Obwohl die spanischen Behörden die Lage schnell unter Kontrolle hatten, schlug der Regierung von Premier Pedro Sanchez weiterhin massive Kritik entgegen.

Besonders hervorgetan hat sich dabei die rechtsextreme italienische Ministerpräsidentin Georgia Meloni. Einen von ihr initiierten Brief mit scharfer Kritik an Sanchez, unterzeichnete neben 21 anderen EU-Staatschefs auch Bundeskanzler Merz. Und das, obwohl der Verdacht naheliegt, dass es Meloni vor allem um Selbstinszenierung und einen Angriff auf das progressive Projekt von Sanchez geht. Dessen Regierung setzt zwar gegenüber Geflüchteten teils weiterhin auf Abschottung, beschloss zuletzt aber auch die Regularisierung von hunderttausenden Menschen, die bislang ohne legalen Aufenthalt in Spanien gelebt hatten.

Entsprechend groß ist nun bei der Opposition in Berlin das Befremden über die Haltung der Bundesregierung. Der innenpolitische Sprecher der Grünenfraktion, Marcel Emmerich, sagte der taz, die Reaktion der Bundesregierung, sei „weder souverän noch europäisch“. Und weiter: „Es ist beschämend, wie wenig die vielen Todesopfer, darunter Kinder, für die Bundesregierung eine Rolle spielen.“ Dass sich die EU-Länder so schnell gegeneinander aufbringen lassen, „spielt den Feinden der europäischen Idee in die Hände“. [….]

(Frederik Eikmanns, 03.08.2026)

Es ist nur eins der üblichen täglichen Beispiele: Fritze Merz kann es einfach nicht, durchschaut die Dinge nicht, handelt impulsiv, denkt nicht nach und zertrampelt daher, wie Loriot beim Bilderrichten, unsere Lebensgrundlagen.

Wer nach den Merzschen Personal-Kabalen auf eine Verbesserung des Regierungshandwerks hofft, wird enttäuscht werden.

Die wichtigsten beiden Posten, um einen unfähigen Kanzler zu stabilisieren, sind der Kanzleramtsminister und der Fraktionschef.

Beide müssen intern und extern für die Kanzlerpolitik werben, frühzeitig Widerstände antizipieren, ausräumen und Mehrheiten organisieren.

Der eine wirkt mehr hinter den Kulissen, kümmert sich um renitente Kabinettsmitglieder, Lobbyisten, Koalitionäre und Ministerpräsidenten. Der andere steht mehr im Rampenlicht und organisiert Mehrheiten in der Legislative; hat aber mit denselben Interessengruppen wie der andere zu tun.

Frei war loyal, aber auch kamerasüchtig und bedauerlicherweise unfähig als Koordinator. Spahn war illoyal, kamerasüchtig, aber dafür fähig, die CDUler unter seine Knute zu bekommen.

Weswegen Frei nun Spahns Job besser machen sollte, obwohl die neue Aufgabe genau die gleichen Fähigkeiten, wie die Alte erfordert – Fähigkeiten, die Frei nicht hat – bleibt Merzens Geheimnis.

Es ist offensichtlich: Wieder einmal hat die Briloner Bratpfanne die Dinge nicht zu Ende gedacht.

Mit Warken könnte Merz noch mehr auf die Nase fallen. Er lässt verbreiten, er traue ihr die schwere Koordinierungsaufgabe im Kanzleramt zu, da er beeindruckt gewesen wäre, wie sie als Gesundheitsministerin die Sparvorgaben in einem ersten Reformpaket mit unangenehmen Kürzungen durchgesetzt hätte.

Was Merz nicht begreift, sind die Hintergründe des „Warken-Erfolges.“

Kurz nachdem sie fachlich völlig ahnungslos und überraschend ins Gesundheitsministerium gesetzt wurde, wurde der hochbrisante Masken-Bericht der Sonderbeauftragten Margaretha Sudhof fertig, der den damals schwer angeschlagenen Jens Spahn hätte den Kopf kosten können. Warken entschied sich gegen Transparenz, für Klüngelei, um den mächtigen Spahn zu schützen.

[….] Sudhof habe ihre Arbeit Ende April 2025 beendet, heißt es aus dem Gesundheitsministerium, das einzelne Fragen zum Fall auf Anfrage nicht beantworten und "einzelne Auszüge Ihnen vorliegender Unterlagen (…) nicht kommentieren" wollte. Zur Beauftragung von Fiege verweist das Gesundheitsministerium auf frühere Stellungnahmen.

Schutz des Parteikollegen?  Seit Januar erhielt der Bericht nach Angabe von Personen, die mit der Sache vertraut sind, keine inhaltlichen Veränderungen mehr. Dennoch weigert sich das Gesundheitsministerium unter der neuen Ministerin Nina Warken (CDU) bis heute, den Bericht dem Bundestag vorzulegen. "Frau Warken möchte den Bericht zur Maskenaufarbeitung unter Verschluss halten, um Jens Spahn vor dem Ende seiner politischen Karriere zu schützen", glaubt die Haushaltspolitikerin der Grünen, Paula Piechotta.  [….]

(Tagesschau, 06.06.2025)

Seither schuldet Spahn Warken einen großen Gefallen, den er mit ein Jahr später erwiderte, indem er seine alten Kenntnisse aus seiner Gesundheitsministerzeit und seinen enormen Einfluss in der Fraktion nutzte, um Warken gut aussehen zu lassen. Es war Spahn, der alle Widerstände gegen das Warken-Gesetz ausräumte und die Mehrheiten organisierte. Warken allein wäre gescheitert. Man kennt die Zusammenhänge im politischen Berlin eigentlich. Nur Merz hat es wieder einmal nicht mitbekommen und hält Warken nun für eine Superheldin.


Freitag, 31. Juli 2026

Spaßvögel

Es gibt wirklich wenig zu lachen in der Welt. Heute vor fünf Jahren starb Martin Perscheid, den ich täglich vermisse. Loriot ist sogar schon 14 Jahre tot, findet aber immerhin in Fritze Merz einen Wiederkehrer.

[….]  Kennen Sie den? Den legendären Sketch, der vor fünf Jahrzehnten zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt wurde und zu den schönsten von Loriot gehört: »Zimmerverwüstung« oder »Das schiefe Bild«?

In der CDU scheinen sie ihn fast alle zu kennen. Die Funktionäre aus Präsidium und Vorstand, die ihn in diesen Tagen per WhatsApp verbreiten. Die Christdemokraten in den Landes- und Bezirksverbänden, in deren Chatgruppen der Sketch kursiert, und natürlich die Parteimitglieder ganz unten, auf der Kreis- und Ortsebene.

»Der Kanzler am Werk« wird dazugeschrieben. Und dann sieht man Loriot als Beamten im Außendienst in Mantel und Anzug im Wohnzimmer auf einem Sessel sitzen. »Sie möchten sich noch etwas gedulden«, vertröstet ihn das Dienstmädchen und stellt das Radio an, aus dem der »Piccolo Bolero« plärrt. Der Beamte muss warten, er langweilt sich, und da fällt ihm auf, dass eines der Bilder schief hängt. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Als er das Bild richten will, fällt ein zweites aus dem Rahmen und das dritte auf den Boden. Er kriecht hinter das Sofa und stößt dabei erst den einen, dann den anderen Beistelltisch um. Er rutscht auf dem Flokati aus, wirft den Couchtisch um, schließlich kracht das Geschirr aus dem Regal, es fällt um, erst das eine, dann das andere, und am Ende taumelt er, den linken Fuß im Flokati verheddert, aus dem verwüsteten Zimmer dem Dienstmädchen entgegen und stammelt: »Das Bild hängt schief.«

Ob das Tragische manchmal komisch sei, wollte der Journalist Gero von Boehm 1986 von Loriot wissen, und der antwortete, es sei sicher benachbart. Der Begriff der Tragik sei nur auf den »Begriff, unschuldig schuldig zu werden«, zurückzuführen, sagte Loriot: »Und das ist natürlich auch komisch. Wenn jemand etwas tut, was er in aller Unschuld tun wollte, und damit etwas Verheerendes anrichtet, ist das hart an der Komik.«

Deshalb wird das kurze Video in der CDU so oft geteilt. Weil nicht nur Tragik und Komik so enge Verwandte sind, sondern auch Komik und Lächerlichkeit. Und ist es nicht tragisch, komisch und gleichzeitig auch ein wenig lächerlich, wie Friedrich Merz den Rücktritt von Fraktionschef Jens Spahn nutzen wollte, seine müde Koalition mit einer großen Kabinettsumbildung endlich in Schwung zu bringen, und stattdessen eine breite Schneise der Verwüstung in seiner Partei hinterließ? [….]  In den vergangenen Tagen haben sie hilflos zusehen müssen, wie sich der Kanzler mit jedem Problem, das er lösen wollte, mindestens zwei neue einhandelte. Wie bei Loriot. Erst fällt das Bild aus dem Rahmen, dann kippt der Beistelltisch um, dann der Couchtisch, das Regal, und am Ende klebt auch noch der Flokati am Fuß. [….]

(Konstantin von Hammerstein, Christian Teevs 30.07.2026, DER SPIEGEL 32/2026)

Die konservative Realsatire ist das Beste, das der Welthumor derzeit zu bieten hat.

Sagenhaft, wie sich Trump und Merz durch die Tagespolitik dilettieren. Da müssen Extra3 und Heute Show nur die Kamera draufhalten und ernten Lachsalven. Das Publikum liegt am Boden und hält sich die Bäuche.

Besonders toll sind ihre religiotischen Brüder aus der Christfluencer Szene, die sich bibeltreu durch Social Media zappen und den erstaunten wichsaffinen Teens und Twens erklären, wie enttäuscht Jesus von ihnen ist, wenn sie mit der Nudel spielen, um ihren Nucleus accumbens und den Hypothalamus mit Dopamin und Oxytocin zu spülen. Gott mag das gar nicht und passt genau auf.

Die bemuskelten NoFab-Influencer aus dem angelsächsischen Sprachraum sind Comedy-Gold! Jedes Mal wenn sich „untenrum“ etwas bei ihnen etwas zu regen droht, reißen sie sich das Shirt vom Leib, schalten die Tiktok-Kamera ein und erzählen ihren horny followern, wie sie in Versuchung geführt werden, aber nun nach sechs Monaten, acht Monaten 14 Monaten, ohne Masturbation natürlich nicht rückfällig werden möchten und daher schnell ins Gym rasten, um sich mit Sport und Bibelkunde über Earpods zu derigieren.

Ihre germanischen Kollegen gehen kopflastiger vor und finden bei der gemeinsamen Exegese den Ausweg aus der Onanie.

Jesus und seine 12 Jünger gingen nicht ins Gym; sie bacchanalisierten ihre Triebe in reinen Männerrunden. Mann trug Kleid und Jesus sorgte für steten Nachschub von Hochprozentigem.

Dieser Form der All-male-Masturbationsprävention, also den antiken Darkroom, möchten wichswidrige US-Christfluencer nun mit frauenfreien Fitnessstudios nachahmen. THE LUST-FREE GYM. In Oklahoma.


[….] Men-only gyms seek to protect Christian men from lust[….] White conservative Christian men are rising up all over the nation to take their place at the top of their families, churches and communities.

We’re witnessing their rise to power through the Rededicate 250 events where men like Mark Driscoll called on young men “to get married, to build your business, to get into politics, and also to in every way empower your church to be the tip of the spear for the fight against evil.” [….] But of course, male-only voting booths, pulpits and annual conferences are one thing. How can men survive the daily grind of being around women and become the warrior kings the Doug Wilsons and Mark Driscolls of the world want them to be?

To reach that peak, the Christian manosphere believes men need to be in top physical and spiritual shape. So one way they’re proposing to accomplish that is through “lust-free” gyms. [….] These stories typically begin with men recounting their past indulgence in pornography, adultery and other vices.

“Why are we men’s only? Who are we?” asks Jeff Hambrecht, founder of Proverbs 27:17 Fitness in Oklahoma City. “In a nutshell, one of the No. 1 places affairs and infidelity occur, cheating, is the gym. Byproduct is someone who had an affair in my previous marriage. Doesn’t work out well for you fellas.” [….]

(baptistnews, 22.07.2026)

Eine tolle Idee, mit der sie schnell viral gingen.

Men-only gyms seek to protect Christian men from having self control and treating women with respect while indulging in homo*rotic Alpha femboy stuff

— Liberaltarian™ (@spatially) July 24, 2026

A bunch of h*rny, sweaty Christian men n*ked in the showers? What could go wrong? pic.twitter.com/HcuigS8HRt

— Maximum atheist (@Maximumatheist) July 23, 2026

Yeah, OK
That’s what’s gonna happen
🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣 pic.twitter.com/pUJfe7GLgy

— @Oh Jeff Fa Fa 🤣 (@convoyparody) July 26, 2026

pic.twitter.com/5MGrjhCo6T

— Ozzdog12-Polar Destroyer creator (@Ozzdog12) July 24, 2026

Y'all should just gouge your eyes out like the Bible tells you to do. https://t.co/tONqjbIBYn

— Sarah Ironside 💙 (@SarahIronside6) July 24, 2026

Oh yeah that’ll definitely prevent any lustful outbreaks thank god https://t.co/NmxUfQJ3Kx

— JJ in NH (@JustJoshinNH) July 23, 2026

Will Grindr be blocked in the gym as well? https://t.co/gsOzZGhg8z

— Pink Pony Club Sandwich 🦄 (@AJSolis9) July 23, 2026

 

Das funktioniert sicher ähnlich gut, wie im Vatikan, wo es bekanntlich auch keine Masturbation und keine Homosexualität gibt!

[….] To join, members must sign strict covenants pledging loyalty to traditional heteronormativity. The solution to avoiding women? Building a lavish, men-only fortress where sweaty, pumped-up guys can lift together, share their deepest vulnerabilities, hit the sauna, and intensely focus on each other’s spiritual and physical growth.

From a queer perspective, it’s absolute comedy gold. In their frantic effort to banish female distraction, these gym bros accidentally engineered the ultimate, high-intensity male bonding club.

Nothing says “strictly straight” quite like carving out a sacred space where men can gather in minimal clothing, admire physical strength, and build radical interpersonal intimacy – all while insisting it’s strictly for Jesus. But hey, if the path to working on their “struggles” requires building a dedicated brotherhood sanctuary complete with post-workout sauna sessions, who are we to judge their journey?  [….]

(TheFightMag, 28.07.2026)

Donnerstag, 30. Juli 2026

Wieder einer endgültig verloren.

Daß alle demokratischen Gesellschaften von rassistischen, bornierten, missgünstigen, homophoben, misogynen und sonstigen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit frönenden Arschlöchern durchsetzt sind, wundert mich kein bißchen. Das war vermutlich immer so.

Mit dem Internet, Klugtelefonen, Social Media und Chatbots wurden aber leider sich selbst verstärkende Echokammern geschaffen, in denen sich die früher isoliert und entsprechend verschüchtert lebenden Dorftrottel zusammenrotten, ihre abstrusen Ansichten gegenseitig bestätigen. Die Algorithmen führen ihnen automatisch immer extremerer Ansichten zu, die maximal emotionalisieren sollen. Die rationalen und beschwichtigenden Stimmen sortiert die KI aus, wenn sie merkt, daß sie nicht erwünscht und weggeklickt werden. Und so glaubt der rechtsextreme Dorftrottel bald, er befände sich im Einklang mit allen anderen. Da jeder in seiner Braunblase ebenfalls an Chemtrails, Reptiloiden oder eine „jüdische Weltverschwörung“ glaubt, findet er verständlicherweise das Selbstbewußtsein, diesen Irrsinn auch im realen Leben, jedem auf die Nase zu binden. Erntet er Widerspruch, trägt er das empört zurück in seine Blase, die sich noch mehr emotionalisiert und zu mehr Taten aufheizt.

Deswegen sehen wir weltweit in den Demokratien deutliche Zunahmen der Gewalt gegen Queere, Frauen, POCs, Juden, Muslime, Migranten, Obdachlose, Sinti, Roma und alle anderen, deren Nase der rechten weißten Pest nicht passt.

Auf der journalistischen und publizistischen Ebene gibt es unglücklicherweise eine parallele Entwicklung von einstmals vernünftigen, geschätzten, gelegentlich sogar verehrten Menschen, die durch verschiedene Zufälle in rechte Blasen pieksen, dort ungeahnten Schnittmengen vorfinden, möglicherweise aus Lust an Provokation und Aufmerksamkeit länger als notwendig verweilen, den Zuspruch genießen und immer mehr in die Braunblase gezogen werden. Die Verlockung ist groß, weil man sich dort nicht um die lästigen journalistischen Standards kümmern muss, „Gefühltes“ mindestens gleichrangig mit Fakten ist und kritische Überprüfung der Aussagen nicht mehr stattfindet.

So viele „Gute“ haben wir auf dem Weg schon durch die Sogwirkung des rechten Sumpfes verloren. Niemand kommt da wieder raus, der sich einmal dort hinab begeben hat. Fast alle werden immer radikaler. Viele tauchen und taumeln schon so lange durch exkrementelle Verschwörungsblase, daß wir längst vergessen haben, daß sie mal als seriöse, anständige Menschen in die öffentliche Sphäre eintraten, deren Gedanken man interessiert verfolgte:

Matthias Matussek, Alexander Kissler, Hendryk M. Broder, Boris Palmer, Juli Zeh, Vera Lengsfeld, Christoph Schwennicke, Roland Tichy, Alice Schwarzer, Angelika Barbe, Oskar Lafontaine, Sarah Wagenfeld, Monika Maron, Oswald Metzger, Thilo Sarrazin, Gabriele Krone-Schmalz, Stefan Kornelius, Ulf Poschardt sind nur die, welche mir gerade spontan einfallen.

Fast vergessen auch die Herkunft des arabisch sprechenden Constantin Schreibers, der nach Stationen bei RTL im Jahr 2015 große Bekanntheit erreichte, als er für NTV mit seinen in „Merhaba“-Videos die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge willkommen hieß. Seine Karriere via NDR, wo ich ihn als „ZAPP“-Moderator sehr schätzte, zur größeren Öffentlichkeit bei der Tagesschau, schien vorgezeichnet.

Aber dann stieß er die Tür nach RECHTS auf: Rechtspopulistische Bücher, Tagesschau-Aus, Israel, Axel Springer.

[….] Nach nicht mal einem Jahr kündigt Ex-„Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber seine Trennung vom Axel-Springer-Verlag an. [….]

Schreiber hatte kurz nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day die FDP-Politikerin Karolin Preisler zu Gast, die angab, kurz vor der Tat Hinweise auf den Attentäter an die Polizei weitergegeben zu haben, die nicht reagierte. Also ein schreckliches Behörden- und Führungsversagen, wieder einmal? Schreiber hinterfragte Preislers Schilderungen nicht wirklich, sondern nickte vor allem – und wurde in den sozialen Medien auch von Journalistenkollegen dafür abgewatscht. Denn nicht die Behörden hatten geschlampt, sondern Preisler etwas verwechselt.

Aber Schreiber will eigentlich auf anderes hinaus, nämlich auf Nachrichten in eigener Sache: Schon vor ein paar Monaten habe er sich entschieden, beruflich „neue Wege zu gehen“, sich zum Ende des Jahres von Axel Springer zu trennen. Auf eine SZ-Anfrage an ihn und den Verlag, ob denn die Zeichen schon wieder auf Trennung stehen – nicht mal ein Jahr nachdem er von der ARD zu Axel Springer gewechselt war –, hatte Schreiber zunächst nicht geantwortet, dann aber das Video hochgeladen. Der Verlag selbst reagierte mit einer eher schmallippigen Mail: „Wir bestätigen, dass Constantin Schreiber und Axel Springer die Zusammenarbeit zum 31. Dezember beenden. Er wird sich künftig eigenen Projekten widmen.“ [….]

 Und Schreiber, der bei seinen Kolleginnen und Kollegen der Öffentlich-Rechtlichen etwa schon mit seinen Büchern über den Islam eher angeeckt war, schien froh zu sein, bei Springer nun eine publizistische Heimat gefunden zu haben, in der er sich weltanschaulich womöglich wohler fühlte.

Ganz so reibungslos wie erhofft gestaltete sich die Zusammenarbeit aber nicht – nach wenigen Monaten gab Springer bekannt, dass der heute 47-Jährige seinen Teilzeit-Dienstsitz in Tel Aviv aufgeben und „künftig aus familiären Gründen aus Deutschland“ arbeiten werde. In dem Video, in dem er seinen endgültigen Abschied vom Verlag bekannt gibt, rekapituliert Schreiber nun, „es war zwar nicht so lang bei Axel Springer, aber es war sehr spannend“ – besonders, als in Israel der Krieg mit Iran ausgebrochen sei und er „das ’ne Zeit lang verfolgen konnte“.

Im Axel-Springer-Haus in Berlin wird sicher nicht jedes Wort aus Schreibers Video auf Zustimmung stoßen, bei der Formulierung „’ne Zeit lang“ dürften aber einige nicken: Dass Schreiber mit seinem Podcast durch Deutschland tourte, während auf Tel Aviv Raketen fielen, stieß nach SZ-Informationen einigen Mitarbeitern sauer auf. [….]

(Moritz Baumstieger, 30.07.2026)

David Berger oder Jürgen Elsässer können Schreiber vermutlich nicht bezahlen. Außerdem sind ihre Plattformen zu klein für sein enorm angeschwollenes Ego.

Gotthardt, Reichelt und NIUS schon eher. Da könnte er, unbelästigt von Fakten, islamophobe Verschwörungstheorien ausbreiten und weiter Aufmerksamkeit genießen.

Schreiber scheint aber von seiner selbst gefühlten Bedeutungsschwere so überwältigt, daß er kaum noch gehen kann. Bald wird vermutlich eine Bundeskanzler-Stelle frei. Zutrauen würde sich Schreiber das.

Podcaster auf eigene Rechnung wird ihm nicht reichen.

Montag, 27. Juli 2026

Der Spin-Terror nach dem Terror

Es ist wieder so ein widerlicher „Tag danach“, an dem das CUI BONO durch die Köpfe geistert. Ein schwerer Anschlag kurz vor wichtigen Wahlen. Welche Partei wird profitieren?

Schon bevor irgendetwas über den oder die mutmaßlichen Täter bekannt wurde, hetzten die usual suspects von ganz rechts außen (Julian Reichelt!), um ihren Honig aus dem Leid der Opfer zu saugen. Es gilt, den „rechten“ Spin zu erzeugen, bevor das Volk womöglich von Fakten verwirrt wird. Alles andere, als Täter von ganz Rechts wäre erstaunlich, weil es sich bei den Opfern um eine schwache, diskriminierte, absolut friedliche Minderheit handelt.

 

(….) Republikaner kämpfen nicht für alle, sondern gegen einzelne. Gegen Schwule, gegen Schwarze, gegen Frauen, gegen Immigranten. Rechts und Links sind nicht zwei Seiten einer Medaille, sondern fundamental unterschiedliche Kräfte.

Es sind auf den ersten Blick viele verschiedene Anliegen, die gesellschaftspolitisch konservativ Tickende verfolgen, aber die Stoßrichtung ist immer gleich: Stark gegen Schwach.

[….] Die angeblich neue Rechte ist die alte. Der lärmende Aufwand, den sie betreibt, um ihre Ansprüche, Antriebe und Ziele zu rechtfertigen oder zu verschleiern mag andere Formen haben als vor 85 Jahren, seine Stoßrichtung führt jedoch genau wie damals ins Antizivilisatorische nach unten. Tatsächlich bietet die Rechte – auch wie damals – keine wirklich politischen Ziele, nichts Konstruktives, keine Bewältigungsversuche der sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Gegenwart, sondern nur Destruktion: Zerstörung, Gewalt, gigantische Fresssucht und letztendlich todessehnsüchtige Vernichtung dessen, was die Rechten nicht verstehen, geschweige denn meistern können. Die neue wie die alte Rechte legen eine barbarische Dummheit und ein gewalttätiges Unvermögen an den Tag, dessen End-Ziel die Beseitigung der Gegner, der „Anderen“, die mörderische Lust, der Lust-Mord ist. Das Pauken-Getöse um angeblich alte Werte, Traditionen, Patriotismus und Nationalismus ist nur Tarnung. Es geht tatsächlich um das primitive „Wir oder sie“, eine Maxime, vor deren endgültiger Konsequenz ihre Vertreter immer weniger zurückschrecken. [….]

(Wolfgang Brosche, 21.05.2017)

Rechtsextremisten suchen sich die Schwächsten als Opfer, Linksextremisten die Stärksten.

(….) Da Rechtsextrem im Gegensatz zu Linksextremen grundsätzlich amoralisch und feige agieren, sind ihre Opfer ausschließlich unter den Schwachen zu finden:
Schwule, Flüchtlinge, Behinderte, Obdachlose. (…..)

(Werte im wahrsten Sinne, 25.09.2016)

Vergleicht man Linksextremismus und Rechtsextremismus, gibt es sehr klare Unterschiede. Während sich die Rechten gewalttätig gegen Minderheiten, Schwache, Verletzliche, Ausgegrenzte und Friedliche wenden, versuchen Linke eben diesen Personenkreis zu schützen und wenden sich, wenn überhaupt, gegen die Starken.  (…..)(CDU unterirdisch, 30.08.2015)  (…)

(Rechts-links, Religiös-atheistisch, 15.12.2023)

Der mutmaßliche Mörder von gestern ist ermittelt und er ist tot. Wenig überraschend handelt es sich bei ihm tatsächlich um einen Rechtsradikalen: Abdul B. aus Berlin.

Er ist rechtsextrem, homophob, ein in Deutschland geborener deutscher Staatsbürger und strebt ein autoritäres Regime ohne Minderheitenschutz an.

Wäre er darüber hinaus blond und blauäugig, könnte sich das bei der Abgeordnetenhauswahl negativ für die AfD, die massiv gegen Queere hetzt, auswirken.

Der Attentäter hat aber einen dunklen Teint und schwarze Haare: In dem Fall ist es genau umgekehrt: Die AfD wird wohl massiv von dem Leid profitieren. Ulf Poschardt, Julian Reichelt, Constantin Schreiber; also die wirklich Untersten der Unteren aus dem Döpfner/Thiel-Dunstkreis, geben alles, um den Opfern die Schuld in die Schuhe zu schieben und die AfD hochzuschreiben: Es wären doch die „Queeriban“ selbst, die den Islamismus bejubelten. Das hätten sie nun davon, wenn man nicht à la AfD alle Migranten rausschmisse.

In genau das Horn versuchen auch Merz, Dobrindt und ihre Parteien zu tuten: Das Attentat bestätige ihren harten Migrantenkurs; also sollten die LGBTIQs gefälligst rechts wählen.

[….] Über den Anschlag auf den CSD in Berlin ist noch längst nicht alles klar. Und trotzdem wird queeres Leid bereits instrumentalisiert. [….] Mutmaßlich ist ein islamistischer Attentäter, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, in eine Menschengruppe am Tiergarten mit einem Auto gefahren. Mindestens eine Person ist gestorben, mehrere schweben noch in Lebensgefahr. Auf sozialen Medien schreiben Rechtsextremisten, dass sie hier mit dem Attentäter „mitgehen können“. Sie vereint der Hass auf LGBTQ+, die Dehumanisierung von Queers ist der gemeinsame Nenner von Islamismus und Rechtsextremismus.

Aufseiten der „Law and Order“-Fraktion in gleich mehreren Parteien sind wenige Stunden nach dem Attentat schon die Rufe nach mehr und neuen Sicherheitsreformen laut geworden. Sie fordern härtere Maßnahmen in der Migrationspolitik, noch mehr Befugnisse und Geld für die Sicherheitsbehörden. Jetzt soll alles nach der Sommerpause im Bundestag schnell gehen, heißt es.

Es sind Politiker*innen, die nun das Leid der queeren Community schamlos für ihre Agenda ausnutzen, während sie die Fördergelder für queere Vereine, Hilfsprojekte und Kulturangebote kürzen oder dazu zumindest nichts sagen. Queere Orte in Berlin und darüber hinaus sind schon seit langer Zeit von homo- und transfeindlicher Gewalt betroffen, sie müssen schließen, weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen können oder Förderprogramme eingestellt werden, AfDler attackieren diese Orte mit queerfeindlicher Rhetorik von der MAGA-Bewegung inspiriert. Rechtsextreme und Islamisten nehmen Bars, Clubs, Buchhandlungen und andere LGBTQ+-Institutionen ins Visier. [….]

Die queere Community, trans Menschen, Schwule, Lesben, Bisexuelle, Nonbinäre, Dragqueens und -kings und andere queere Stimmen sind die resilientesten Menschen in unserer Gesellschaft. Sie werden jeden Tag aufs Neue mit Herausforderungen konfrontiert: Queerfeindlichkeit, Diskriminierungen in Ämtern, von politischen Parteien, auf dem Arbeitsmarkt, in der Schule oder im Privaten. Sie werden von Extremisten bedroht und verfolgt. [….]

(Mohamed Amjahid, 26.07.2026)


Heute fühlt sich jeder zuständig, dem Tiergarten-Mord seinen Spin zu verpassen.

Daneben gibt es haufenweise Videoschnipsel, in denen Menschen ihre Betroffenheit formulieren. Vieles davon ist sicher ehrlich, zeugt aber auch von Hilflosigkeit und ist weitgehend sinnlos.

Eine der wirklich guten Stellungnahmen stammt von Jason von Juterczenka (Wochenendrebellen).


Besonders ekelhaft und schal klingen heute die CDUCSU-Vertreter, die in den letzten Jahren alles unternahmen, um die Stimmung gegen Queere aufzuheizen und somit letztlich zu dem enormen Anstieg der Gewalt gegen sie, beitrugen.


[….]  Als Menschen unter anderem mit „Wir sind mehr!“ auf die Straße gingen, bezeichnete Merz uns als „Spinner“ und pöbelte, wir hätten „nicht alle Tassen im Schrank“. Was für ein schäbiger, niederträchtiger Charakter muss man sein, um jetzt selbst „Wir sind mehr!“ zu missbrauchen? [….]

(Charles Waldorf, 26.07.2026)


Der Berliner CSD-Anschlag kurz vor den Landtagswahlen passt so perfekt auf die Wahlkampfmühlen von AfD und CDU, daß Social Media vor Verschwörungstheorien überquillt.

Haben islamistische Rechtsextreme mit ihren Brüdern im Geiste von der AfD zusammengearbeitet? War es eine false flag-Operation? Haben russische Dienste einen Useful Idiot über das Internet aufgehetzt? War es einer von Putins „Wegwerf-Agenten“, die dazu dienen sollen, liberale Demokratien zu destabilisieren?

An diesen Gedankenspielen erfreuen sich heute sehr viele. Natürlich gibt es für nichts davon Belege, aber es reicht zu raunen und „nicht ausschließen zu können“.

Viel wichtiger erscheint mir tatsächlich die Cui Bono-Analyse: Wer profitiert von der Nachrichtenlage, wer hat welchen Anteil daran, daß es soweit kommen konnte, mit welchen Methoden versuchen Parteien, sich in ein positives Licht bei der queeren Community zu stellen?

Da sich diese Versuche mit ehrlicher Anteilnahme und guten Absichten vermischen, ist es nicht trivial, die Motive zu deuten.

Wohl aber kann man Heuchelei detektieren und wütend werden, wenn sich ausgerechnet der Fritzekanzler als sensibler Homoprotektor inszeniert.

 [….]  wir müssen uns leider aber auch dringend vor Augen führen: Nicht nur Islamismus und Rechtsextremismus gefährden queeres Leben, auch reale politische Entscheidungen und Aussagen von bürgerlichen, rechtskonservativen Regierungsparteien, die das heute alles natürlich nicht wahrhaben wollen, tragen Stück für Stück zu einem queerfeindlichen Klima bei und zersetzen Schutzräume und staatliche Unterstützung die es, wie wiedermal bewiesen wurde, dringend braucht!!! Deswegen dieses Video als kleine Erinnerung. […]

(Visavieofficial, 26.07.2026)

Das genussvolle Baden im Leid anderer, wie es die Rechtsextremen heute aufführen, die dreiste Anbiederung und Heuchelei der Rechten; wird heute genauso massenhaft  exerziert, wie ich es erwartete.

Unerwartet und umso enttäuschender, kommen für mich heute eine ganze Reihe übel missglückter Stellungnahmen ausgerechnet von der Partei, die sich traditionell als Schutzpatronin der Schwulen und Lesben versteht; den Grünen!
Was war denn das bitte?

[….] Der Anschlag auf den Berliner CSD am gestrigen Abend ist eine entsetzliche Terrortat. Dieser feige Anschlag zielte auf queere Menschen und ihre Freund*innen, die für gleiche Rechte und gegen Hasskriminalität demonstriert haben.  [….]

(Britta Haßelmann und Katharina Dröge)

Was ist das für ein erbärmlich falsches Sprachbild aus der konservativen Mottenkiste?

Die von Max Goldt seit einem Vierteljahrhundert so beklagten Dekorationsadjektive haben Konjunktur wie eh und je:


[….]15.09.01 Susan Sontag kritisiert neben manch anderem, dass sämtliche Kommentatoren die Anschläge als „feige“ bezeichnen. Da hat sie natürlich Recht. Schon Ladendiebstahl erfordert Mut. Wie viel Mut braucht es da erst, ein Flugzeug zu entführen und es gegen ein Gebäude zu steuern. Man kann froh sein, dass die meisten Menschen zu feige sind, um so etwas zu tun. Sicherlich gibt es für die Attentate bessere Dekorationsadjektive, wie zum Beispiel ruchlos oder schändlich, sogar anmaßend wäre treffender als feige. Es geht den Kommentatoren aber nicht um passende Adjektive, sondern um die Souveränität und Flüssigkeit ihres Vortrags. Um diese zu erlangen, sind in der Mediensprache viele Haupt- und Zeitwörter untrennbar an bestimmte Eigenschafts- und Umstandswörter gekettet. So wie Anschläge immer feige sind, werden Unfälle grundsätzlich als tragisch bezeichnet, obwohl es mit Tragik, also einer Verwicklung ins Schicksal oder in gegensätzliche Wertesysteme, überhaupt nichts zu tun hat, wenn jemand gegen einen Baum fährt. Ein solcher Vorgang ist banal – mithin ganz und gar untragisch. [….]

(Zitiert aus: Süddeutsche Zeitung, 13.07.2002)

Noch schlimmer formulierte die von mir sonst so hochgeschätzte Ricarda Lang, die gleich auf den Constantin Schreiber-Zug aufsprang und seine Queeren-Hetze übernahm, der zu Folge alle linksgrünversifften Schwulen eigentlich mit den Islamisten sympathisieren und nun endlich einsehen müssten, daß die Scharia ihnen nicht freundlich gesonnen wäre. 

Hier werden munter Islam, Islamismus, Religionsfreiheit, Migrationspolitik, Integration und Asylrecht in einen rechten Topf gerührt. Genauso wie das rechte Pack, kommt nun auch Ricarda Lang daher.

Hier erklärt Gilda Sahebi der abgedrifteten Lang, auf welchem Holzweg sie sich damit begibt. Sie empfiehlt, sich doch mal unter CSD-Teilnehmern umzuhören, „wie viele von ihnen Islamismus gut finden.“ Die wird man unter Hunderttausenden Teilnehmern wohl an einer Hand abzählen können. Umso schäbiger, daß Ricarda Land ausgerechnet das Thema als Einstieg wählt und der gesamten queeren Community zwischen den Zeilen unterstellt, mit islamistischen Attentätern zu sympathisieren.

Das Gegenteil ist der Fall: Nicht die Opfer des Anschlags, die LGBTIQs, sympathisieren mit dem Islamismus, sondern die Täter, nämlich die homohassenden Rechtsradikalen.

Drittes Negativbeispiel: Konstantin von Notz, der ausgerechnet heute dem Mann zur Seite springt, der die wirklich gefährlichen fanatischen Islamisten, nämlich die Taliban hofiert, ihnen einen Stützpunkt in Berlin einrichtet und Opfer zuführt: Alexander Dobrindt. Ein Grüner macht sich Dobrindts Forderungen zu eigen.

Ist das peinlich, Grüne!