Samstag, 12. September 2026

Fieser Franke

In acht Tagen droht der CDU-MeckPomm, immerhin der Kanzlerinnen-Landesverband, in dem Merz liebster Staatsminister Philipp Amthor* als stellvertretender Vorsitzender amtiert, die Vernichtung. Die starke SPD-Ministerpräsidentin Schwesig und taktisch Wählende, die nicht noch einmal die Nazis als stärkste Partei in einem Bundesland erleben wollen, könnten die Nordost-Merzisten unter 5% und damit aus dem Landtag drücken.

*seine eigene Website ist nicht up to date und verortet ihn immer noch als „Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung.“

Das Drama würde im Konrad-Adenauer-Haus nach mehr als bedröppelten Gesichtern verlangen.

[….] Desaströse Umfragen für CDU in Mecklenburg-Vorpommern [….] Die CDU ist schwer angeschlagen. Das Debakel von Sachsen-Anhalt hat die Partei in ihren Grundfesten erschüttert. Doch es könnte noch schlimmer kommen. Denn bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern droht den Christdemokraten ein historisch schlechtes Ergebnis. Selbst der Einzug in den Landtag ist nicht mehr sicher. [….] Die Lage der Partei in dem Bundesland sei nicht schön, sagte Marc Reinhardt jetzt dem Tagesspiegel. Der stellvertretende CDU-Fraktionschef im Schweriner Landtag redete nicht um den heißen Brei herum: „Die Sorge vor dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde ist da.“ Auch der frühere Partei- und Fraktionschef der Landes-CDU, Eckhardt Rehberg, sah angesichts der Lage in den Umfragen „die Gefahr, dass die CDU aus dem Landtag Mecklenburg-Vorpommern herausfällt“. [….] Unterdessen sagte CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters gegenüber Welt-TV, dass sich die Partei durch die zunehmende Zuspitzung des Wahlkampfes und die anhaltende Kritik an der Bundesregierung „in einer ernsten Lage“ befinde. „Wir führen mittlerweile einen Existenzkampf.“ [….]

(Christian Stör, FR, 12.09.2026)




Die Umfragedaten sehen ohnehin ruinös aus für die CDU. Den Wahlkämpfern macht aber insbesondere zu schaffen, wie falsch die Demoskopen vor einer Woche nebenan in Sachsen-Anhalt lagen: Grüne und BSW wurden unterschätzt und die CDU massiv überschätzt. Sie schnitt fünf bis sechs Punkte schlechter ab, als alle Institute prognostiziert hatten.

Bemerkenswert unvorbereitet stand die CDU-Parteiführung da. Ganz offenkundig hatte niemand das Worst-Case-Szenario bedacht. Es gab keine Sprachregelung; nur lange Gesichter. Auch eine Woche später herrscht atemberaubende kognitive Dissonanz bei den C-Chefs:

[….] Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hat Bundeskanzler Friedrich Merz gegen Kritik verteidigt. Sie sehe natürlich, dass die sinkenden Umfragewerte für die Christdemokraten Fragezeichen hinterließen, sagte Hoppermann im Deutschlandfunk. "Aber wir sind auf dem richtigen Weg."  [….]

(Tagesschau, 12.09.2026)

Die CDU verliert 20 Prozentpunkte in Magdeburg, droht in Schwerin aus dem Landtag zu fliegen, den Regierender Bürgermeister-Posten der Hauptstadt an die Linke abzugeben und die Parteigeneralin hält das für den „richtigen Weg!“

Merz bemerkt es vermutlich nicht, weil er nie etwas merkt. Aber sein Kanzlerstuhl wackelt gewaltig.

Mit seinem untrüglichen Gespür für die Schwächen anderer Menschen, vermag es Markus Söder vortrefflich seinen unstillbaren Sadismus zu füttern. Er wird den D-Brüdern nie verzeihen, bei den letzten beiden Bundestagswahlen nicht selbst Kanzlerkandidat gewesen zu sein. Denn in einem steht er Fritze Merz in nichts nach: Auch Söder hält sich selbst zweifelsfrei für den Allergrößten, Allerbesten und Allerfähigsten. Ja, er spielt in der ersten politischen Liga des Bundes mit, aber daß ein anderer das mächtigste Regierungsamt innehat, quält den egomanen Franken über alle Maßen.

Auch wenn Merz und die Seinen ihr politisches Ende noch nicht erkennen; Söder tut das durchaus und bereitet sich vor. Das ist schon optisch klar zu erkennen. Er greift zu Ozempic und Rasierklinge, zähmt die Wildschwein-artigen Borsten auf seiner Birne, trägt Anzüge, statt ausgebeulter Lumpen. Vor allem aber verkneift er sich sein allerliebstes Hobby: Kein manisches Wurstfressen mehr.

Wenn der bayerische Foodblogger mit den ungepflegten Fingernägeln, seine Zähne nicht mehr in Döner, Big Macs und Bratwürste, sondern in Politik schlägt, besteht Anlass zu größter Sorge im Kanzleramt: Franci ante portas.

Söder will da rein.

Wie immer, verpackt er seine Boshaftigkeiten in Lob mit einer doppelten Bedeutung. Die CSZU stehe zu Merz, ABER…

[…] Für die CSU könne er ausschließen, dass es Wünsche nach einem Kanzlersturz gebe. »Von der CSU auf keinen Fall.« Allerdings könne er nicht für die Schwesterpartei sprechen. »Für die CDU bin ich nicht zuständig, da bin ich nicht der Vorsitzende. Aber für die CSU kann ich das sagen«, so Söder.   Auf die Frage, ob Merz noch der richtige Bundeskanzler sei, antwortete Söder: »Ja, er steht zu den Reformen.«  […]

(SPON, 12.09.2026)

Der fiese Franke ist der Meister des vergifteten Lobs. Immer wieder versucht er, Merz mit toxischem Applaus ins Aus zu treiben.

[….]  Und wenn er bei der großen Schwesterpartei auftritt, schwingt jedes Mal die Frage mit: Teilt Söder gegen den politischen Gegner aus? Oder stichelt er gegen Merz? Noch nicht ganz verziehen haben ihm einige CDU-Granden seinen Auftritt beim Deutschlandtag der Jungen Union im November.

Da hatte er treuherzig versichert, Merz nicht in den Rücken zu fallen im Rentenstreit, nur um sich dann doch auf die Seite der Parteijugend zu schlagen. Tags darauf aber sei es nur noch um die Mütterrente gegangen, sagen führende Christdemokraten, ein Herzensprojekt der CSU, das Milliarden kostet. »Unaufrichtig« und »schäbig« sind noch die freundlicheren Bewertungen.  […] Ein vergiftetes Lob hat Söder noch parat. Er finde es »okay«, wenn der Kanzler »noch freundlicher zur SPD« sei, um den Laden zusammenzuhalten. Aber er wolle dennoch sagen: »Wer hat die Wahl gewonnen? Wer ist die Nummer eins? Das ist die Union, nicht die SPD.« Da brandet Applaus auf bei den Delegierten. Söder spricht vielen aus dem Herzen. Während Merz tags zuvor den Delegierten noch erklärt hat, dass es keine Alternative gebe zu einer Koalition mit den Sozialdemokraten. [….]

(SPON, 22.02.2026)

Der Politsadist Söder versieht seine Loyalitätsbekundungen immer mit einer Spur Arsen, um den Gelobten zu schwächen.

[…]  Mit Blick auf einen etwaigen Kanzler-Wechsel sagte Söder: "Egal, wer jetzt sofort einrücken würde, wenn man die Alternativen durchspielt, der käme erst einmal mit den gleichen Problemen aus – mit einer SPD, die sich mit Reformen schwertut."

Auf die Frage, ob er, Söder, als Nachfolger bereit stünde, sollte Merz hinwerfen, die Vertrauensfrage stellen und diese schiefgehen, antwortete Söder ausweichend mit: "Es ist nicht seine Art, aufzugeben." Auf die Frage, ob die Bundesregierung bis 2029 halte, sagte Söder: "Ich hoffe es."

Söder hatte in den vergangenen Jahren wiederholt durchblicken lassen, dass er sich im Amt des Bundeskanzlers vorstellen könnte. Im Juli hatte er allerdings dem "Handelsblatt" auf die Frage gesagt, ob er noch einmal als Kanzlerkandidat zur Verfügung stehe, soll dies nötig sein: "Dieses Kapitel ist abgeschlossen. Die Frage stellt sich heute nicht - und sie wird sich auch in Zukunft nicht mehr stellen." Dennoch wird Söder vereinzelt in deutschen Medien aktuell mit einer möglichen Merz-Nachfolge in Verbindung gebracht - genauso wie Hendrik Wüst, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. […]

(NTV, 12.09.2026)

Für Söder gibt es nur einen richtigen Mann für das Kanzleramt: Ihn selbst.