Sonntag, 5. Dezember 2021

Die Papst-Kirche weist die Richtung

Es sind schwierige Zeiten, zwischen Tod und Triage, zwischen Lockdown und Lamento.

Bei dieser Art existentieller Fragen kann die Kirche leider auch nicht helfen und hält sich zurück.

Dennoch bieten insbesondere die Katholiken eine wertvolle Orientierungshilfe; gerade in der Weihnachtszeit, wenn die Menschen überlegen, wie viel Geld sie wofür ausgeben sollen oder müssen. Mit Geld kann man Sinnvolles tun, muss in diese Bereichen großzügig sein. Geld kann man aber auch verschwenden und sollte sich dabei möglichst bremsen.

Ein praktisches Beispiel, wäre ein sexuell missbrauchtes Kind, das über Jahre von Priestern vergewaltigt und geschlagen wurde, so daß es lebenslange schwere Traumata davon trägt, niemals glücklich wird und keine Beziehungen führen kann. So einem Opfer Schmerzensgeld zu zahlen, ist für die Kirche gar keine sinnvolle Ausgabe und sollte möglichst knapp ausfallen. Die sind ja eh psychisch hinüber. Lohnen sich da die Ausgaben überhaupt?

[…..] Ein Bischof bekommt B8, ein Erzbischof oder Kardinal erhält mindestens B9. Nach der aktuellen Besoldungstabelle sind das monatlich für B8 11.373,67 EUR, B9 12.051,37 EUR, B10 14.197,53 und B11 14.749,49 EUR     […..] Bei den Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen kommen aber Zuschläge aus Rom hinzu, so daß Letztere leicht auf 15.000,00 EURO monatlich kommen. Brutto oder netto muss man in diesem Fall nicht fragen, da die Gottesmänner fast völlig von Steuern und Abgaben befreit sind. (…..)

(Bischofsleid, 08.03.2020)

Wie viel soll nun ein Mensch, der als Kind jahrelang grausam vergewaltigt und gequält wurde, maximal als Schmerzensgeld bekommen können, ist seit 2010 die Frage innerhalb der RKK.

Ja, das ist wirklich so, unfassbar, aber wahr: Kanzlerin, Bundesrichter, Justizminister und Länder finden es völlig normal, daß die Täter selbst darüber entscheiden, ob und wie viel Schmerzensgeld sie für eine Tat zahlen möchten, wenn sie ein Menschenleben komplett zerstört haben.

Zunächst dachte der Missbrauchsbeauftragte Bischof Ackermann an 5.000,- maximal.  Also etwa ein Wochengehalt eines Bischofs für perfide brutale, manchmal hundertfache Vergewaltigung.

Für diese „besonders schweren Fälle“, wenn also ein Kind Jahre lang systematisch gefoltert und sexuell missbraucht wurde, so daß es als Erwachsener dauerhaft psychisch so geschädigt war, daß es arbeitsunfähig und auf Therapie angewiesen war, sollten dann bis zu 50.000,- Einmalzahlung möglich sein.

Immerhin gute drei Monatsgehälter der Täter. Natürlich nur symbolisch, denn kein Täter muss tatsächlich aus eigener Tasche bezahlen. Keinem Bischof wird ein Cent abgenommen. Das Geld machen die Generalvikare irgendwie locker. […..] Aber da in diesem grandiosen deutschen System die Täter selbst entscheiden dürfen, ob sie überhaupt irgendetwas bezahlen, die Opfer gar nicht erst gehört werden müssen und die Merkel-Regierung sich devot zurückhält, bleibt es eine Entscheidung der Bischofskonferenz. Dort sitzen Franzis Beste – Woelki, Heße und Co.  Und als Gottes Abgesandte wissen sie was zu tun ist.

[….] Bischöfe gegen höhere Schmerzensgelder für Missbrauchsopfer! Maximal 50.000 Euro erhalten Missbrauchsopfer von der katholischen Kirche. Kritiker finden den Betrag »lächerlich niedrig«. Die Bischöfe wollen an der Praxis aber keine grundlegenden Änderungen vornehmen. [….]

(SPON, 23.09.2021)

Während die deutsche katholische Kirche bei den Missbrauchs-Opfern möglichst knauserig agiert, gilt für die Missbrauchs-Täter aus ihren Reihen die umgekehrte Maxime. Sie müssen die volle finanzielle Solidarität erfahren. Da darf nicht gespart werden.

[…..] Das Erzbistum Köln hat in den vergangenen drei Jahren rund 2,8 Millionen Euro für Gutachter, Medienanwälte und Kommunikationsberater ausgegeben. An Betroffene sexuellen Missbrauchs zahlte das Erzbistum dagegen nur 1,5 Millionen Euro - es ist die Gesamtsumme seit 2010. Am Wochenende hatte das Erzbistum die Zahlen veröffentlicht. […..] Markus Hofmann, dessen Amt als Generalvikar derzeit ruht, der aber im Erzbistum weiterhin als Verwaltungschef fungiert, führte die Posten in einer offiziellen Mitteilung weiter aus: Demnach hätten die zwei juristischen Hauptgutachten insgesamt 1,27 Millionen Euro gekostet. […..] Das erste unabhängige juristische Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) soll nach Informationen der Katholischen Nachrichten-Agentur aus Kirchenkreisen 757 500 Euro gekostet haben. Das zweite Gutachten von der Kanzlei Gercke habe mit 516 200 Euro zu Buche geschlagen. Für weitere rechtliche Beratung gab man dann noch 588 000 Euro aus, teilte Generalvikar Hoffmann mit. Auch eine Krisen-PR-Agentur, Ewald und Rössing, schaltete das Erzbistum ein, sie bekam 820 000 Euro. […..] "Erbärmlich und unverfroren" nannte Matthias Katsch von der Betroffenenorganisation "Eckiger Tisch" diese Summen, angesichts "lächerlicher 1,5 Millionen Euro in zehn Jahren" für die Opfer im Erzbistum. […..]

(SZ, 05.12.2021)

Auch Bergoglio, der Vereinschef der 1,3 Milliarden Katholiken, leistet dieser Tage wieder eine wertvolle moralische Orientierungshilfe.

Seit seiner Inthronisierung im Jahr 2013 zeigte er immer Milde und Großzügigkeit, wenn es um seine Kinder-fi**enden Geistlichen ging. Messdiener sexuell zu missbrauchen, Kinder schlagen, quälen, sexuell ausbeuten sind für den Franzl  verzeihliche Sünden.

Tausende heimlich verscharrte kanadische Kinderleichen wurden inzwischen auf den Grundstücken katholischer Einrichtungen ausgebuddelt.

(….) Ein Abscheulichkeits-Maximum erreichte die kirchliche Kinderfolter im 19. und 20. Jahrhundert in Kanada. Dort wurden in 139. katholischen Einrichtungen rund 150.000 indigene Kinder gefoltert und tausende davon umgebracht.   Im Mai 2021 entdeckte man in der westkanadischen katholischen „Residential School“ bei Kamloops (British Columbia), die bis 1978 betrieben wurde, 215 Kinderleichen, die die Geistlichen einfach heimlich verscharrt hatten.  Wenige Wochen später, der nächste Fund. Diesmal waren es 751 anonyme Kindergräber bei einem katholischen Kinderheim in der Provinz Saskatchewan. (….)

(Wenn das Mitleid aufgebraucht ist, 05.07.2021)

Wann immer ein Priester, Bischof oder Kardinal diesbezüglich auffiel, verminderte oder erließ Bergoglio dessen Strafe, lehnte Rücktrittsangebote (Heße, Woelki, Marx) ab. Einige der größten Widerlinge, wie Müller und Pell, erhob Bergoglio sogar demonstrativ zu Kardinälen, beförderte sie innerhalb der Kurie auf absolute Top-Positionen.

Und warum auch nicht? Müller hatte nur aus Liebe und Fürsorglichkeit, seinen Pädpopriestern, neue Kinder als Vergewaltigungsopfer zugeführt und diejenigen, die es wagten sich zu beschweren massiv gedroht. Er war eben voller Nächstenliebe – für die Täter.

Und Pell überhaupt als Sextäter zu beschreiben, ist infam. Er hatte seinen Penis schließlich immer nur ganz kurz in die Kinder gesteckt. Das war doch einfacher „Blümchensex“. Daß die sich überhaupt beschweren…..

(……)  Pells Anwalt erklärte die Unschuld seines Mandanten mit der Dauer des Analverkehrs. Der habe nur sechs Minuten angehalten und sei damit juristisch nahezu irrelevant: „plain and vanilla penetration sex“!

Ein paar Messdienern mal seinen Penis in den Mund zu schieben, konnte er sich da wohl erlauben – so glaubte Pell. […..] (….) George Pell AC, 77, Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche […..], der hochrangigste australische Katholik aller Zeiten, ist unschuldig, hat keine Kinder vergewaltigt und ist nur Opfer einer linken Hetzjagd! […..] Gottes Top-Mann beharrt vehement auf seiner völligen Unschuld und von „sexuellem Missbrauch“ oder „Vergewaltigung“ kann gar nicht die Rede sein, weil es nämlich nur „plain and vanilla penetration sex“ mit einem 12-Jährigen und einem 13-Jährigen war. Nur sechs Minuten lang erzwang Pell den Analverkehr, wie sein Verteidiger Robert Richter beschwichtigend erklärte.

Das wäre nun wirklich nur Blümchensex. Wo ist also das Problem? Und dafür sechs Jahre Haft? Für sechs Minuten? […..]

(Rechtsextreme Toleranz, 13.03.2019)

Jorge Bergoglio kann aber auch anders.

Kleine Jungs zu vergewaltigen, stört ihn nicht sehr, da drückt er alle Augen, inklusive Hühneraugen, zu.

Bei dem Pariser Erzbischofs Michel Aupetit zog Franzi aber andere Saiten auf. Verständlicherweise. Denn Aupetit ließ sich etwas viel Schlimmeres als mehrfache Kindesvergewaltigung zu Schulde kommen. Er hatte eine Affäre mit einer Frau! Und dann auch noch einer bereits Erwachsenen! Pfui Teufel. Liebe zum anderen Geschlecht? Mit diesen amoralischen schwanzlosen Ungeheuern? Die das auch noch freiwillig und ohne Zwang tat? Das geht zu weit!

[…..] Straftaten decken? Okay. Etwas mit einer Frau haben? Geht gar nicht.   […..] Das Erzbistum Paris befindet sich - wie die gesamte Kirche Frankreichs - im Krisenmodus. Im Oktober hatte eine unabhängige Untersuchungskommission vorgerechnet, dass von den 1950er-Jahren an schätzungsweise mehr als 216 000 Kinder und Jugendliche in Frankreich von Klerikern missbraucht wurden. […..] Zum Verhängnis wurde dem Erzbischof aber nun etwas anderes: eine plötzlich aufgetauchte Mail von 2012, die nahelegt, dass er einst ein einvernehmliches Verhältnis mit einer erwachsenen Frau hatte. Aupetit wies dies zurück, räumte aber ein "mehrdeutiges Verhalten" ein. […..] Der Papst ahndet einen Verstoß gegen die Enthaltsamkeit von Priestern schärfer als die Vertuschung von sexuellem Missbrauch. Zu diesem Eindruck kann man zumindest kommen, wenn man einige weitere Personalentscheidungen aus jüngerer Zeit anschaut. Hamburgs Erzbischof Stefan […..]  darf im Amt bleiben. […..] Kardinal Rainer Maria Woelki, dem Missbrauchsbetroffene durch seinen Umgang mit der Aufarbeitung Retraumatisierung vorwerfen, […..] behält […..] sein Amt. Oder, zurück nach Frankreich: Ein erstes Rücktrittsgesuch von Kardinal Philippe Barbarin, dem Erzbischof von Lyon, lehnte Franziskus sogar ab. Der Mann stand wegen Vertuschungsvorwürfen immerhin vor einem weltlichen Gericht. […..] Es ist eine schwer zu ertragende Doppelmoral. Papst Franziskus verschärft die Krise der Kirche. [….]

(Annette Zoch, SZ, 04.12.2021)

Samstag, 4. Dezember 2021

Säxit Now - Teil II

Hinterher ist man immer schlauer.

Daher wirkt man intelligent und kompetent, wenn man zu einem in den Brunnen gefallenen Kind a posteriori analysiert, was man wann besser anders gemacht hätte, um die gegenwärtige Katastrophe zu vermeiden.

Insofern ist es müßig, 32 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer nostalgisch zu sinnieren, welche dramatischen Fehler die Kohl-Regierung mit ihren CDU/CSU/FDP-Blitzbirnen aneinander reihte. Ja, sicher, die Situation war so überwältigend, daß Schwierigkeiten unvermeidlich waren. Aber genau wie die jetzigen Corona-Situation, stolperten nicht alle so blind wie die handelnden Unions-Minister in die Situation, sondern es gab kluge Köpfe, die a priori richtig analysierten, warnten, rieten und deren Prognosen sich als richtig herausstellten. Schmidt, Pöhl, Lafontaine, von Dohnanyi sahen schon 1989 klar.

Es war wie so oft in finanzpolitischen und ökonomischen Fragen: Die sozialdemokratische Sicht stellt sich als richtig heraus, während Konservative und Liberale auf Voodoo-Ökonomie setzen, von unten nach oben umverteilen und den Etat ruinieren.

Mein persönlicher Blick auf die „Wiedervereinigung“ blieb in all den Jahrzehnen unverändert: Den Begriff lehne ich ab, weil das „Wieder“ auf das Vorherige, also Hitlers „Deutsches Reich“ verweist. Etwas, an das ich garantiert nicht anknüpfen wollte.

Ich war von Anfang an gegen den Beitritt der DDR zur BRD, weil es ein Konstruktionsfehler sein musste, absolut alles in Ostdeutschland abzuwickeln und in West-Standards zu pressen. Man hätte den Weg des Verfassungskonvents weitergehen sollen, ein neues Grundgesetz verabschieden sollen, welches das Beste aus beiden Welten vereint, so daß sich auf die DDR-Bürger wiederfinden. Die BRDler hätten damals viel lernen können über Kinderbetreuung, Gleichberechtigung, Abtreibungsrecht und dafür die verstaubten Regelungen aus dem Westen abschaffen sollen.

Der ganze Unsinn des Beitritts zeigte sich im Bereich Spionage. Natürlich betrieben beide Staaten Spionage, spionierten sich insbesondere gegenseitig aus. Die Job-Beschreibung der Agenten war genau die gleiche. Der Unterschied bestand nur daran, daß der Geheimdienst Ost sehr erfolgreich war und international anerkannt wurde, während der Geheimdienst West notorisch erfolglos war. Wir steckten dann die Ost-Spione ins Gefängnis, wickelten die Stasi-Auslandsaufklärung ab und behielten die Deppen vom BND. Mit dem zu erwartenden Misserfolg. Bis heute werden BND-Agenten von Mossad, CIA und Co ausgelacht. Die Bundesregierung muss bei den Amerikanern betteln, um Informationen über Terrorgefahren zu erhalten. Die Unfähigkeit der deutschen Dienste wurde zuletzt beim peinlichen Zusammenbruch Afghanistans sichtbar.

In Westdeutscher Großmannssucht addierten Sportfunktionäre die DDR-Medaillen zu den ihrigen und Franz Beckenbauer verkündete der Welt völlig ohne Ironie, es täte ihm Leid, aber die deutschen Sportler wären nun für Jahrzehnte unschlagbar.

Dieser auch gesamtdeutsche Größenwahn bezog sich erst recht auf die ökonomische und finanzielle Kraft „Großdeutschlands“, war und ist mir bis heute zutiefst unsympathisch.

Man kann mit größerem Gewicht in der Staatengemeinschaft auch mehr erreichen, wenn man sich klug anstellt, so wie die Schröder-Fischer-Regierung, die ausgezeichnete Beziehungen zu den europäischen Nachbarn etablierte.

Man kann aber auch wie Schäuble und Kauder verleitet werden, die anderen Europäer durch das deutsche Stimmen- und Finanzgewicht zu vergewaltigen und steht nun nach 16 Jahren Merkel als unbeliebter Riese da, dem in vielen Hauptstädten herzlich misstraut wird.

Es war und ist außerdem verrückt, sich ständig auf die „gleichen Lebensverhältnisse“ innerhalb Deutschlands kaprizieren. Die Homogenität der Bevölkerung ist nicht nur, nicht erstrebenswert, sondern ein Innovationshemmnis. Aus kulturellen Unterschieden erwächst Kreativität. Wieso sollte ein Hamburger Hafen-Logistiker die gleichen Lebensverhältnisse wie ein Senn auf der schwäbischen Alp oder ein Fränkischer Trachtenfabrikant haben? Als Hamburger Jung, meinetwegen auch „Fischkopp“, verbindet mich genauso viel oder wenig mit einem Rheinländischen Karnevalisten, wie mit einem Thüringer Skispringer. Die sächsische Staatsregierung soll ebenso ihren Eigenarten frönen, wie die Saarländische Landesregierung oder der Bremische Senat.

Von Anfang an erwartet, waren die Eigentümlichkeiten Sachsens, das wegen der topographischen Lage kein West-Fernsehen empfangen konnte und daher schon zu DDR-Zeiten als „Tal der Ahnungslosen“ verspottet wurde. Es gibt allerlei historische Besonderheiten, die zu einem generellen sächsischen Minderwertigkeitskomplex führten. So war Sachsen unter August, dem Starken, der in Personalunion auch König von Polen war, einst kulturelles Zentrum Europas. Die Dresdner Prachtbauten zeugen noch heute davon.

Aber ausgerechnet die ärmlichen Nachbarn im Nordosten, die verhassten Preußen in ihrem kargen dünn besiedelten Land, diese Emporkömmlinge, schwangen sich militärisch und kulturell zu den ganz großen Siegern auf, dominierten Sachsen immer mehr, erhielten 1871 gar die Kaiserwürde, während die Dresden einfach vom Deutschen Reich verschluckt wurde. Die Wettiner Nachfolger des legendären August, des Starken (*1670, †1733, Kurfürst, Herzog von Sachsen, sowie ab 1697 König von Polen-Litauen) mußten ganz kleine Brötchen backen, während die Hohenzollern den Kaiser stellten.

Heftige nationale Komplexe weist die sächsische Volksseele auf.

Nationale Traumata überkompensieren müssen auch die immer wieder hin und her verschobenen Polen, die in ihrer Geschichte von den Hohenzollern, den Habsburgern, den Wettinern und den Russen regiert wurde. Die Türken, Österreicher, Spanier, Portugiesen und Engländer verloren sogar Weltreiche.

Während Spanier und Portugiesen dies aber gut verkrafteten, wird der k.u.k.-Monarchie, dem osmanischen Reich und dem britischen Empire auch heute noch intensiv nachgetrauert. Erst Recht in Sachsen.

Besser wurde es nicht mehr. In der DDR schließlich dominierte das ferne Ost-Berlin Sachsen so klar, daß sich zum Minderwertigkeitskomplex auch noch eine unerträgliche Larmoyanz ausbildete.

Diese Mischung aus Wut und Weinerlichkeit und ewigen Verlieren wurde zu dem sächsischen Signature-Move schlechthin.

Zur Berechtigung des pauschalen Begriffs „Jammer-Ossi“ hier klicken.

Die „Jammer-Sachsen“ sind aber deutlich schlimmer als die normalen „Jammer-Ossis“.

Daraus entstand all das Widerliche, für das man sich in ganz Deutschland schämt: Montagsdemos, Pegida, AfD, Übergriffe auf Flüchtlingsheime, Covidiotie, Inzidenz-Weltmeister.

Sachsen ist jetzt das peinlichste Bundesland Deutschlands.

(….)  Die PEGIDA-Stadt Dresden, Hochburg des Rechtsextremismus und der AfD, vormals „Tal der Ahnungslosen“ sorgt beinahe täglich für negative Schlagzeilen. Die bizarre Beziehung der Dresdner zu den britischen Bombenangriffen vor 72 Jahren ist legendär.

[….] Antonie Rietzschel: Ein zentraler Punkt des Mythos Dresden sind die Opferzahlen - als 2008 eine Historikerkommission zu dem Ergebnis kommt, dass durch die Bombardierung 25 000 Menschen getötet wurden, gibt es unter den Dresdnern einen Aufschrei. Warum?

Prof Malte Thießen: Die hohe Opferzahl war lange der Beweis der Einzigartigkeit dieses Angriffs und somit der Beweis für die Einzigartigkeit dieses Orts. In keiner anderen Stadt gab und gibt es einen solchen Wettlauf um die höchsten Opferzahlen. 25 000 Tote sind viel. Aber bei der Bombardierung von Hamburg starben 34 000 Menschen, das spielt dort nicht so eine starke Rolle. In Dresden dagegen läuft man durch die Stadt und plötzlich ist die Zahl an die Wand gesprüht und jeder Dresdner weiß, was damit gemeint ist. [….]

(SZ 12.02.2015)

Obwohl Berlin und Hamburg viel mehr zerstört wurden, halten die Dresdner eisern nicht nur an der Vorstellung fest, daß sie am meisten abbekommen hätten, sondern daß sie auch noch völlig unschuldig gewesen wären.

Eine durch und durch absurde Idee. Der tiefsitzende Judenhass der Dresdner ist durch Victor Klemperers „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“ dokumentiert. Alle 5.000 Dresdner Juden wurden in der Nazizeit umgebracht. Bei der Reichstagswahl von 1933 errang die NSdAP in Dresden-Bautzen 43,6 %. (Zum Vergleich: Berlin 31%, Hamburg 38%, Köln 30%)

Während der Kriegsjahre gab es tausende KZ-Häftlinge in Dresdner Außenlagern, zB in der Schandauer Straße 68 in Dresden-Striesen. Darunter hunderte Kinder, die vor den Augen der Dresdner Zwangsarbeit leisten mußten.

[….] Im Oktober 1944 werden in Dresden insgesamt drei Außenlager für weibliche Häftlinge errichtet: zwei für die Zeiss Ikon AG (im Goehle-Werk und in Dresden-Reick), eines in der Universelle Maschinenfabrik. Alle Häftlinge kommen aus dem KZ Ravensbrück. Ein erster Transport mit 500 Frauen im Oktober 1944, weitere 200 im Februar 1945. Deutsche politische Häftlinge, »Asoziale« und »Zigeunerinnen« sind in der Mehrheit, daneben lettische, russische, serbische und tschechische Frauen. 685 Häftlinge werden in den Firmenunterlagen am 26. März 1945 als »entlassen« verzeichnet. […..]

(KZ Gedenkstelle Flossenbrück)

Ein anderes direkt in Dresden gelegenes KZ war die sogenannte „SS Pionierkaserne“

Außenlager Dresden (SS-Pionier-Kaserne)  Juni 1942 bis 15. April 1945. Das am längsten bestehende Flossenbürger Außenlager und das erste in Dresden. Die ersten Gefangenen sind Bauhandwerker – vor allem Deutsche, daneben wenige polnische, russische und tschechische Häftlinge. Später kommen Slowenen, Italiener, Franzosen sowie Häftlinge aus vier weiteren Ländern hinzu. Häufig werden Gefangene nach Flossenbürg rücküberstellt. Im Dezember 1943 sind 198 Männer in der SS-Pionierkaserne, Ende Februar 1945 noch 120.

(Gedenkstätte Flossenbrück)

Schon 1933 wurden in Sachsen insgesamt 20 frühe KZs errichtet. In der Jugendburg Hohnstein bei Dresden wurden schon März 1933 etwa 400 Kinder inhaftiert.

Selbstverständlich gab es solche Verbrechen auch in vielen anderen deutschen Städten, aber keine andere deutsche Großstadt betrachtet sich im Jahr 2017 immer noch so hartnäckig als unschuldiges Opfer.

 [….]  Dresden ist eine traumzauberhaft schöne Stadt und ein Sehnsuchtsort selbst für jene, die hier schon immer lebten. Dresden hat aber auch, das muss man so sagen: heftig einen an der Waffel; eine manifeste narzisstische Störung. Dazu gehört der Wahn, in der zweifellos schönsten aller Städte zu leben, jener mit der höchsten Hochkultur und dem meisten Prunk der Geschichte. Diese Sehnsucht nach Superlativen hört leider nicht auf beim Gedenken an die Zerstörung durch Briten und Amerikaner am 13. Februar 1945. Die Erinnerung in der maßgeschneiderten und bei Weitem nicht geschichtsklitterfreien Dresdner Spezialversion ist längst als Opfermythos bekannt: Kein zweiter Ort sei so sinnlos zerbombt worden wie das angeblich unschuldige Dresden, nirgendwo sei das Leid so groß gewesen.  Diese verdrehte und verkürzte Sicht ist das Ergebnis von Missbrauch, der teilweise Jahrzehnte überdauerte. Noch die Nazis gingen mit der Zerstörung Dresdens lieber Mitleid heischen, als den von deutschem Boden ausgehenden Krieg endlich zu beenden, zum kleinen Restwohl des eigenen Volkes. Der sonst bis zur Lächerlichkeit bemüht antifaschistischen DDR schien der Untergang Dresdens als Narrativ gegen die Anglo-Amerikaner brauchbar zu sein, deutsche Schuld hin oder her. Und nach der Wiedervereinigung witterten Rechtsextreme neue Zugriffsmöglichkeiten auf den Jahrestag. Es begannen zersetzende Jahre mit Aufmärschen, zankenden Politikern, kopfloser Bürgerschaft. [….]

 (Cornelius Pollmer, SZ vom 14.02.2017)

Anlässlich der grandiosen und beeindruckenden Bus-Installation des Dresdner Syrers Manaf Halbouni zeigen Dresdner wieder wie verkommen und verstockt sie sind. Nein, nicht alle Dresdner sind so, aber die PEGIDA nicht zustimmenden Bürger lassen es desinteressiert geschehen, wehren sich nicht gegen Neonazis, wie es in anderen Städten der Fall ist.

Die Skulptur stößt in gewissen Teilen der Dresdner Bevölkerung auf Kritik. Mit "Schande, Schande" und "Der Schrott muss weg"- Rufen störten rechte Demonstranten am Dienstag die Einweihung des Kunstwerks. Die AfD und die Pegida-Bewegung, die seit Oktober 2014 in Dresden fast wöchentlich auf die Straße geht und Stimmung gegen Muslime, Flüchtlinge, Politiker und Medien macht, hatten die Kunstaktion bereits im Vorfeld kritisiert und unter anderem als "Missbrauch der Kunstfreiheit", "Schrottplatz" und "Schande" bezeichnet.

(dpa 07. Februar 2017)

Wie so oft zeigt sich Dresden noch fieser und noch rechter als andere ostdeutsche Städte. (….)

(Dumpf und Dunkel, 23.02.2017)

32 Jahre nach der „deutschen Einheit“ kann man mit Sicherheit eins sagen: Die Richtung in Sachsen stimmt nicht.

Das Bundesland wird nicht ziviler oder demokratischer oder erwachsener, sondern immer verblödeter und extremistischer.

Die Pandemie zeigt Sachsen mit seiner Inzidenz von 1.200 von seiner schlimmsten Seite. Große Teile der Bevölkerung sind nicht nur unbelehrbar, sondern werden immer aggressiver

Mit so einem Volk ist eine „Einheit“ leider nicht möglich.

Zuletzt griffen sie zu Fackeln, Forken und Mistgabeln, um wie ihre KKK-Vorbilder in Alabama um 1900 die Sozialdemokratische Gesundheitsministerin zu lynchen.

[…..] Nach dem Fackelaufmarsch einiger Dutzend Rechtsextremisten vor dem Wohnhaus von Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) haben etliche Politikerinnen und Politiker den Vorfall scharf verurteilt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach in Erinnerung an die Kampforganisation der NSDAP von »Methoden, die hat die SA erfunden«. Solchen Demonstranten müssten die Behörden entschieden entgegentreten. »Gegen die werden wir uns als wehrhafte Demokratie zu erweisen wissen.« […..] Auch Köpping selbst fand deutliche Worte. Sachliche Kritik an den Coronamaßnahmen sei völlig legitim, sagte sie, »ich bin immer gesprächsbereit. Fackelproteste vor meinem Haus aber sind widerwärtig und unanständig.« Rund 30 Gegner der Coronapolitik hatten am Freitagabend laut rufend mit Fackeln, Trommeln und Plakaten vor dem Zuhause der Ministerin im sächsischen Grimma protestiert, bis sie die Polizei alarmiert hatte. […..] Köpping sagte, sie wisse, dass dies keine Proteste seien, sondern organisierte Einschüchterungsversuche von Rechtsextremisten und Verschwörungsgläubigen, die leider viel zu oft vorkämen – vor Arztpraxen, an Impfzentren und Krankenhäusern, gegenüber Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und anderen engagierten Menschen. Nicht selten endeten solche Einschüchterungsversuche gewalttätig. Dies sei gefährlich für jeden Einzelnen und für den Zusammenhalt. […..]

(SPON, 04.12.2021)

Für mich als Hamburger erscheinen die Sachsen auch deshalb so unangenehm, weil wir in vielfacher Hinsicht solidarisch sind.

Hamburg ist Partnerstadt Dresdens, Hamburg schickte in den 1980ern und 1990ern massenhaft Care-Pakete nach Dresden. Hamburg ist Geberland beim Bundesfinanzausgleich, Sachsen ist Nehmerland. Hamburg nimmt derzeit die ungeimpften Corona-Intensivpatienten auf, derer Sachsen nicht mehr Herr wird. Seit 32 Jahren bekommen die Hanseaten als Gegenleistung aber nur Dresdner Messer in den Rücken.

Ich habe es satt. Schluss mit der Einheit. SÄXIT NOW!

(….)  Nahezu täglich wird man als armer Alt-Wessi mit neuen Horrorfilmchen aus Sachsen, dem failed state konfrontiert. Ich kann sie nicht leiden, die Sachsen. (….)

(Säxit Now, 02.06.2016)

Sollen die Sachsen doch zusehen, wie sie allein klar kommen. Ganz ohne die Berliner Bundesregierung, die sie so sehr hassen; ganz ohne das Geld aus Hamburg, das sie so sehr wegen all der Migranten und Geimpften verachten.


Freitag, 3. Dezember 2021

Der Christ des Tages – Teil XCV

Religion funktioniert natürlich nicht immer.

Wenn es den Menschen gut geht, wenn sie wenig Sorgen haben, brauchen sie keine Religion.

Wenn Menschen in Problemen stecken, aber gebildet sind, brauchen sie auch keine Religion.

Natürlich ist es objektiv eine Katastrophe, wenn man einen Tsunami oder ein schweres Erdbeben erlebt. Ist man aber gebildet genug, um etwas mit dem Begriff „Plattentektonik“ anfangen zu können, flüchtet man sich bei einem Erdbeben auch nicht in die Arme der Kirche.

Besonders schlecht für die Kirche ist es, wenn ein hoher Bildungsgrad der Bevölkerung mit großer sozialer Sicherheit in der Gesellschaft zusammenkommt. Das erleben wir in Nord- und West-Europa, in Nordamerika und Australien. Da nimmt der Einfluss der Religion rapide ab. In diesen Ländern müssen Religionen schon einiges unternehmen, um den Menschen wenigstens moralische Probleme, Schuldgefühle und Missgunst einzureden.

Ideale Hebel sind in dem Fall Hetze gegen Un- und Anders-Gläubige, sowie die Verdammung von Sexualität.

Da sexuelle Triebe nahezu omnipräsent sind, ist es zur Erzeugung von Schuldgefühlen außerordentlich effektiv, diese völlig natürlichen Triebe zur Sünde zu erklären. Die katholischen Beichtstühle wären ziemlich leer, wenn nicht all die masturbierenden Jungs ab dem Kommunionsalter zu Sündern gemacht würden. Uneheliche Liebespaare, gleichgeschlechtlich Verliebte, quasi alle Menschen mit sexuellen Phantasien, werden so in die Arme der Kirche gelockt. Klein Fritzchen findet seine Mitschülerin Klein-Annika attraktiv? Das verbindet die Kirche mit „Jesus starb für unsere Sünden“.

Großer Mist ist natürlich, wenn Klein Fritzchen seinen erste Ejakulation erlebt, ein Elternteil das herausfindet und ihn nicht sofort beschimpft, ihm Schuldgefühle einredet und zur Beichte schleppt, sondern achselzuckend sagt: „Ja, das ist völlig natürlich. Freu‘ Dich drüber und mach weiter so.“

Wenn es sich zu allem Übel auch noch um ein gebildetes Elternhaus handelt, in dem die Kinder all ihre Fragen beantwortet bekommen – wieso kann ein Vogel fliegen, warum geht nachts die Sonne unter, weshalb ist Uropa nicht mehr da, woher kommen die Kinder? – ist die Kirche raus aus dem Spiel.

Wie soll sie mit ihren altbackenen misogynen homophoben Moralvorstellungen (kein vorehelicher Sex, keine Kondome, das Weib schweige in der Gemeinde, macht euch die Erde untertan) Zugriff auf die modernen gebildeten Teenager bekommen?

Außergewöhnliche Schwierigkeiten, wie drohende Kriege oder eine Pandemie, kommen für die Religiösen wie gerufen. Denn nun werden die Bürger wieder auf breiter Front so verunsichert, daß sie anfälliger für die Leute mit den allgemeinen Antworten sind.

Die beiden großen organisierten Kirchen in Deutschland waren natürlich zu bräsig und dämlich, um das zu verstehen. Im Lockdown, als alle im Schockzustand waren, hätten sie die ideale Gelegenheit gehabt, sich als Erklärer und Versteher, respektive als stabiler Ankerpunkt zu inszenieren. Stattdessen schwiegen die Bischöfe erst mal und rutschten dann in die Rolle der kleinteiligen Nervensägen, die egoistisch und verbohrt, um ihre Partikularinteressen feilschten. Für die Gottesdienste verlangten sie eine Extrawurst; wollten nicht von Teilnehmerbeschränkungen tangiert werden. Deutsche Kirchen sind so berechenbar. Erst mal ich. Bloß kein höheres Schmerzensgeld an die sexuell missbrauchten Kinder zahlen, als unbedingt nötig, bloß keinen Cent aus Kirchenmitteln für die Flutopfer spenden, sich bloß nicht mit den Querdenkern anlegen und all den Verzweifelten, die ihre Angehörigen im Krankenhaus oder Pflegeheim nicht besuchen durften, hatten die Kirchen erst recht nichts zu sagen.

US-Amerikaner sind da einfach mutiger.

Der Gründer des christlichen US-Senders „Daystar Television Network“, Marcus Lamb, ist der heutige Christ des Tages Nr. 95.

Lamb, (* 07.10.1957 † 30.11.2021), betrieb mit seinem Daystar das zweitgrößte christliche Mediennetzwerk der Welt und wußte wie man mit den Covid19-Nöten der US-Amerikaner umgeht.

Nachdem schon über eine halbe Millionen seiner Landsleute an der Seuche gestorben waren und der neue Präsident Biden Pläne für eine partielle Impfpflicht erwog, witterte der fromme Lamb seine Stunde. Impfen wäre Sünde. Er klagte und machte seine Sendergruppe zum Treffpunkt für Pandumbics und Covidioten aller Art.

[….]  Throughout the pandemic, Daystar has hosted prominent anti-vaccine voices, including Robert F. Kennedy Jr., who was barred from Instagram for spreading misinformation about the COVID-19 vaccine. On the network's website, Daystar called vaccines the "most dangerous thing" children face, and Daystar filed a petition to block President Joe Biden's vaccine rule from going into place.  In a court filing Daystar filed alongside the American Family Association, the two nonprofits called implementing a vaccine mandate a "sin against God's Holy Word." A rule from the Occupational Safety and Health Administration (OSHA) requires employees at companies with at least 100 employees to be vaccinated against COVID-19 or submit to weekly testing and wear a face mask when around other employees.  Daystar argued in the court filing that they have a "religious objection" to forcing employees to "test their conscience" about getting vaccinated. If the company was required to implement the policy, they claimed they would "wound the consciences" of employees and "potentially cause them to sin." [….]

(Newsweek, 30.11.2021)

Der Pfingstchrist verdiente mit dieser Methode prächtig, wurde zum Multimillionär mit einem Privatjet.

Glücklicherweise mendeln sich diese Religioten aber gelegentlich selbst aus der Evolution aus.

[….]  In den USA ist der Fernsehpriester und Impfgegner Marcus Lamb an den Folgen von Covid-19 gestorben. Zusammen mit seiner Frau hatte er sein Millionenpublikum vor der "tödlichen Gefahr durch eine Impfung" gewarnt. 

Erneut ist in den USA ein impfkritischer TV-Prediger an Corona gestorben: Marcus Lamb, 64 Jahre alt, Gründer des christlichen Fernsehsenders "Daystar". "Schweren Herzens geben wir bekannt, dass Marcus Lamb, Präsident und Gründer von Daystar Television Network, nach Hause gegangen ist, um beim Herrn zu sein", schrieb der Sender auf Twitter. Laut der "New York Times" hatte der Fernsehpriester regelmäßig die Wirksamkeit von Corona-Impfungen bezweifelt. Zudem hätten er und seine Frau Joni, ebenfalls Moderatorin, Verschwörungstheorien verbreitet. Im Frühjahr behaupteten sie, das Vakzin sei tödlich. Stattdessen riet das Paar seinen Zuschauern "zu beten" Kurz vor Lambs Tod hatte Joni Lamb dem Sender NBC zufolge gesagt: "Beten Sie dafür, dass seine Lunge von Covid befreit wird, und beten Sie, dass sein Sauerstoffspiegel ansteigt, damit wir ihn nach Hause bringen können."  [….]

(STERN, 03.12.2021)

Die Evolution schlug leider erst zu, als er schon enormen Schaden angerichtet hatte, 64 Jahre alt war und bedauerlicherweise schon drei Kinder hatte, die seine Gene weitergeben können.

 Außerdem gibt es noch unzählige weitere, das Land verblödende US-amerikanische TV-Prediger. Noch viel zu tun für Omikron.

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Missinterpretierte Umfragen

Als Geront aus dem letzten Jahrtausend, gehöre ich noch zu den Menschen, die einen Festnetz-Telefonanschluss haben und auch weit überwiegend benutzen. Da kommt es gelegentlich vor, daß man von einem Umfrage-Institut angerufen wird.

In meinem Leben gibt es einige blinde Flecken; zu den Themen kann ich nicht weiterhelfen. So wurde ich schon zweimal zum Thema Radio angerufen. Aber ich besitze nicht nur gar kein Radio, sondern hasse akustisches Hintergrund-Gesabbel so sehr, daß ich Geschäfte sofort wieder verlasse, wenn Radio läuft. Das betrifft übrigens auch Lesungen, Podcasts oder Hörbücher.

Bei politischen Themen lasse ich mich aber gern befragen, weil mir a) die schlecht bezahlten Callcenter-Mitarbeiter leidtun, ich mich b) dabei inhaltlich sehr kompetent fühle und ich c) versuche, die Gelegenheit zu nutzen, um die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Das tue ich beispielsweise, indem ich meine Absicht bekunde, bei der nächsten Wahl die SPD anzukreuzen und behaupte, zuletzt CDU gewählt zu haben.

Abgesehen davon, daß ich gar kein Wahlrecht habe, wäre ein SPD-Stammwähler für Demoskopen langweilig.

Wechselwähler, die sogar das konservative Lager verlassen, sind eine bedeutendere Tendenz.

Leider sind die Fragen meistens unterkomplex formuliert. Insbesondere, wenn man es mit größeren Online-Portalen zu tun hat. Man denke nur an Civey oder Wahl-O-Mat.

Da kommt es immer wieder vor, daß ich eine Frage nicht so, wie ich es eigentlich meine, beantworte, weil das falsch interpretiert würde.

Klickt man bei „Soll das deutsche Asylrecht beibehalten werden?“ auf „Nein“, denkt der Wahl-O-Mat, man sei AfD-affin, wolle keine Asylanten im Land haben.

Ich bin aber eher dafür, das Asylrecht abzuschaffen, weil ich ganz links bin und die allgemeine Niederlassungsfreiheit und Grenzöffnung anstrebe. Dann müsste niemand mehr einen Asylantrag stellen, weil er ohnehin in Deutschland bleiben darf, wenn er möchte.

Ein  bekanntes Problem in Umfragen ist es, das Interesse an Religion und Kirche mit Religiosität gleichzusetzen.

Bei mir ist aber das diametrale Gegenteil der Fall. Ich interessiere mich seit Jahrzehnten brennend für alle religiösen Themen, beschäftige mich damit jeden Tag, schreibe darüber, habe eine halbe Bibliothek zu dem Thema. Und genau deswegen bin ich Atheist. Und zwar hardcore; kein irgendwie Zweifelnder oder Agnostiker. Ich bin sicher, daß Religion sehr schädlich und Gottesglaube Humbug ist.

(….)  Leick und Beyer haben offensichtlich auch Assheuer gelesen. Aber ob sie Dworkin richtig verstanden haben, ist mehr als fraglich.

Dessen Thesen be- oder widerlegen sie nicht, sondern setzen sie einfach voraus.

Ein Atheist muß ja, laut SPIEGEL-Titelgeschichte frustriert davon sein, daß seine Weltsicht so gar keinen Platz für Schönheit und „Erhabenes“ hat. Deswegen sehnt er sich nach Metaphysik.

So einfach ist das.

Als Beleg wird die seit Jahren immer wieder zitierte Bertelsmannstudie herangezogen, nach der große Teile der Gesellschaft religiös sind – auch wenn sie aus der Kirche ausgetreten sind.

Es handelt sich um jene methodisch fragwürdige Studie, in der Interesse am Phänomen Religion mit Religiosität verwechselt wird. Schon Michael Schmidt-Salomon beklagte sich, daß er nach Ausfüllen des Bertelsmann-Fragebogens als hochreligiös gezählt wurde.

Leick und Beyer nehmen es aber nicht so genau mit der Wissenschaft und versteigen sich sogar zu der abstrusen Aussage die Naturwissenschaften wendeten sich von der reinen Vernunft ab, da sie erkannt hätten wie viele „Irrationalismen“ (Laut Dworkin also letztendlich auch „religiöse Phänomene“) die Rationalität bestimmten.

Das, Entschuldigung lieber SPIEGEL, ist natürlich blanker Unsinn.

Vollends grotesk werden Leick und Beyer aber erst, wenn sie Nichtgläubigen ohne überzeugende Herleitung einfach als „religiös“ abstempeln, indem sie ihnen andichten sich unerfüllt zu fühlen. Sie hätten „ein Problem.“ (….)

(Atheismus als Religion, 10.06.2014)

In Umfragen wird aber derjenige, der sich stark für Kirchen interessiert, als „Kirchenfreund“ gezählt. Und so müssen die bekannten deutschen Atheisten wie MSS damit leben, daß ihre Bücher in den Buchhandlungen unter „Theologie“ oder noch schlimmer, unter „Religion“ einsortiert werden.

Vor ein paar Tagen klickte ich mich durch die Civey-Umfrageseite. Mich interessiert die Methode, wie das Online-Institut, das inzwischen der Haupt-Zahlenlieferant des SPIEGEL ist, aus dem Wissen über seine registrierten Fragen-Beantworter, ableitet, ab wann genau eine Antwort als „repräsentativ“ gilt.

Die Masse der Daten – oft beantworten viele Myriaden Menschen eine Fragestellung – sollte eigentlich dazu führen, besonders präzise zu sein.

Interessanterweise ist das aber nicht der Fall. Das konservative Allensbach-Institut, das als einziges ausschließlich auf „Face to Face“ (persönlich-mündliche Befragung von nach Quotenvorgaben ausgewählten Personen) setzt, also auf Telefonumfragen und Online-Methoden verzichtet, kann mit 1.000 Befragten genauer ein Bundestagswahlergebnis prognostizieren, als Civey mit 50.000 Befragten.

Das ist weniger überraschend, als es zunächst scheint, denn wenn man die Befragten kostengünstig allein vor dem Klugtelefon rumklicken läßt, können Antworten missverständlich sein.

Civey beschäftigt sich derzeit sehr stark mit dem Personalgerangel in der CDU.

Immer wieder wurde ich gefragt, wie sich die CDU in Zukunft ausrichten soll, wer der nächste Parteichef werden soll, ob man für Friedrich Merz votieren werde. Dabei wird natürlich automatisch vorausgesetzt, man blicke wohlwollend auf die CDU, wünsche ihr den besten Parteichef, werte gute CDU-Wahlergebnisse als „Erfolg“.

Bei dem Themenfeld plädiere ich immer für Merz, votiere für eine Rückbesinnung auf konservative CDU-Klassiker-Themen. Das mache ich, weil ich Merz für eine katastrophale Fehlbesetzung halte und denke, der erzkonservative, homophobe, misogyne, xenophobe, nationalistische Kurs, kostet die CDU noch viel mehr Stimmen.

Mit Gezeter wider die Homo-Rechte und Cannabis-Legalisierung, gewinnen die Konservativen zwar etwas Zuspruch auf der rechten Seite. Aber da wählt man ohnehin AfD. Die Union wird dann links ein Vielfaches verlieren und weiter abnehmen. Zumal Merz enorme politische und ökonomische Wissenslücken mit sich herumschleppt und jederzeit so garstig werden kann, daß er mit seinen Talkshowauftritten noch mehr CDU-Fans vergrault.

Civey kennt aber nicht die Variante, daß man für einen Parteivorsitzenden votiert, weil man ihr maximal schaden will.

Auch dank meiner Hilfe, generiert Merz derzeit sehr viel Zuspruch. Seine Chancen, nach zwei vollkommen vermasselten Anläufen, beim dritten Versuch, Laschet zu beerben, stehen also ziemlich gut.

Möge er gewinnen und fürderhin als konservative Loose Cannon die CDU/CSU-Fraktion talibanisieren.

Also bitte liebe Linken in den Social Media, freut Euch doch über die Spahns und Amthors und Merze bei den Schwarzen!

Umso besser stehen die Chancen für RotGrün bei der Bundestagswahl 2025.

Ähnlich vehement plädiere ich auch für erzkonservative Kleriker wie Ratzinger, TVE oder Woelki. Ich bin strikt gegen einen Rücktritt von Woelki oder Heße,

Datenanalysten ordnen mich dann als Dunkelkatholiken ein, nach dessen Ansicht eine Rückbesinnung auf konservative Werte, der RKK hilft.

Dabei bin ich nur ein Atheist, der sich dadurch größtmöglichen Schaden für die Katholiken erhofft.