Samstag, 30. Mai 2020

Im nationalen Abwärts-Taumel


Ja, die böse Globalisierung ist anstrengend und schafft harte Konkurrenz.
Die Leute sind genervt, wenn ihr Fabrikjob wegfällt, weil das von ihnen hergestellte Produkt 4.000 Kilometer entfernt besser und billiger hergestellt werden kann.
Aber wenn sie nicht gerade selbst auf diese Art von der Globalisierung gebissen werden, treiben sie die Globalisierung weiter an, indem sie fleißig billige Produkte aus anderen Teilen der Welt kaufen, die sie sich sonst gar nicht leisten könnten.
50 Millionen Trumpster bejubeln die Attacken ihres cult-leaders auf China und gehen anschließend zu Wal Mart, um sich an dem fast vollständig aus China stammenden Produkten zu erfreuen.

So wie es in Deutschland den Multikulti-Bundesländern mit hohem Migrantenanteil ökonomisch viel besser geht – man vergleiche Hamburg und Sachsen – wählen gerade die Bürger, die kaum etwas anderes als weiße Deutsche um sich herum sehen lieber xenophobe Parteien.
Die AfD wurde bei der Bundestagswahl stärkste Partei in Sachsen und fuhr in Hamburg ihr schwächstes Ergebnis ein.

Typischerweise sind die Staaten mit homogener Bevölkerung, die weniger ökonomische, touristische und kulturelle Kontakte mit dem Rest der Welt haben, in jeder Hinsicht ärmer; oft sogar direkt abhängig von Zahlungen aus dem Ausland oder anderen Regionen.
Die östlichen Bundesländer mit sehr niedrigem Migrantenanteil und sehr hohem AfD-Potential sind gleichzeitig die Nehmerländer aus dem Bundesfinanzausgleich.
Das gleiche Bild in den USA: Die ärmsten Bundesstaaten sind allesamt republikanisch und begeistern sich am meisten für Trumps Mauern und Abschottungspolitik, während die mit Abstand reichsten Bundestaaten wie Kalifornien und New York ethnische und kulturelle Schmelztiegel sind, die demokratisch regiert werden.

Der Impuls auf Abschottung zu setzen, wenn man in ökonomische Schwierigkeiten gerät ist also nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch noch dumm und kontraproduktiv.

Die nationalistisch gesinnten Regierungen zeigen gerade mustergültig ihre Schwierigkeiten.
Nachdem Trump so ziemlich jede internationale Kooperation aufkündigte, Dutzende Verträge brach, Zölle verhängte und gegen Migranten hetzt, geht es bergab. Zuletzt stieg er aus der WHO aus und sorgte dadurch für einen großen Machtgewinn Chinas und torpedierte die internationale Zusammenarbeit bei der Pandemie-Prophylaxe.


Ähnlich verblödet verhielten sich die Briten. Die Regionen des Landes, die am stärksten von Zahlungen aus den EU-Strukturfonds und von europäischen Agrarhilfen profitierten, stimmten für den Brexit; das multikulturelle und wirtschaftlich starke London dagegen.
Genauso war das Wahlverhalten bei den Parlamentswahlen, das den Nationalisten Johnson als Premier bestätigte. Ein Regierungschef, der schon aus Prinzip auf Erkenntnisse anderer europäischer Länder bei der Corona-Bekämpfung verzichtete, seinen nationalen Weg der Herdenimmunität ging und nun ein Vielfaches der Toten aufzuweisen hat.


 Eine der nationalistischsten Regierung Europas sitzt in Warschau; dort wird seit Jahren geradezu mit Schaum vorm Mund gegen Brüssel gehetzt, während man ähnlich wie Budapest besonders viele Zahlungen aus der verhassten EU erhält.

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, der als Marionette des polnischen PiS-Paten und stellvertretenden Sejmmarschalls Jarosław Kaczyński handelt, setzt auf besonders strenge Abschottung in Coronazeiten.
Was unter Seuchenschutzgesichtspunkten sinnvoll erscheinen mag, passt so schön in sein Weltbild. Polen den Polen.

Dabei ist gerade der erstaunliche ökonomische Erfolg Polens gar nicht denkbar ohne die Hilfen aus Brüssel und die offenen Grenzen, die es den vielen fleißigen und findigen polnischen Unternehmern erlauben ihre Produkte und vor allem Dienstleistungen äußerst erfolgreich im westlichen Ausland einzusetzen.

[….]  Jahrelang ging es mit Polens Wirtschaft bergauf. Dann kam Corona und die Grenzen waren plötzlich zu. Seitdem wissen viele Unternehmer nicht mehr weiter. Die sozialen Folgen sind dramatisch. [….] 
Bereits im April fielen in Polen bereits 153 000 Jobs weg, der stärkste Einbruch seit zwei Jahrzehnten. Bis Jahresende könnten Hunderttausende weitere Polen ihren Job verlieren. Ökonomen befürchten, dass die Arbeitslosenrate von zuvor fünf bis Ende 2020 auf bis zu fünfzehn Prozent explodieren könnte.
Polen verdankte den ungebrochenen Aufschwung der letzten Jahrzehnte vor allem seiner Rolle als Werkbank für deutsche, französische oder englische Firmen. Fast die Hälfte der Wirtschaftsleistung entfällt auf den Export, mehr als zwei Drittel der Ausfuhren auf Unternehmen mit ausländischem Kapital. Über 5000 deutsche Firmen beschäftigten der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer zufolge bis zur Krise 391 000 Polen. [….]  Volkswagen etwa gehört mit Werken in Posen zu den großen Arbeitgebern. Wie viele der fast 11 000 Jobs dort und bei etlichen Autozulieferern bestehen bleiben, weiß niemand. Ähnlich unsicher ist die Lage für Zehntausende Polen in den vor allem für ausländische Märkte arbeitenden Holz- und Möbelfabriken. [….]  Gut die Hälfte der polnischen Wirtschaft entfällt auf Dienstleister, die von der Krise ebenfalls stark betroffen sind. [….]  Hunderttausende Polen mussten seit Mitte März auf ihren Verdienst in Deutschland, England oder Tschechien verzichten und konnten kein Geld mehr in die Heimat schicken. [….] 

Freitag, 29. Mai 2020

Der gefährliche Prolet

Trump kann so gut wie gar nichts; er ist in fast jeder Hinsicht minderbemittelt.

Das gilt für die persönlichen Aspekte
- er ist häßlich, dick, dumm und schlecht im Bett –
für die musische Seite
– er kann nur spärlich lesen und schreiben, spielt kein Instrument, hat einen grauenvollen Protzgeschmack, ist ein dramatisch schlechter Redner und verfügt über keinerlei Gefühl für Ästhetik –
und auch für die geschäftliche Seite
– immer wieder setzte er unternehmerische Vorhaben in den Sand, ging selbst mit Methoden, die als Lizenz zum Geldrucken gelten pleite und musste ständig von seinem Milliardärspapi gerettet werden

Gemessen an den Startbedingungen – er bekam zu absoluten Börsen-Boomzeiten ein Vermögen von seinem Vater – ist er sogar relativ arm.
Im Vergleich zu Selfmade-Milliardären wie Buffett, Gates, Zuckerberg, Kamprad, Bloomberg, Bezos, die mit Nichts anfingen, ist Trumps Vermögen relativ erbärmlich.
 Es ist noch nicht mal sicher, ob er überhaupt noch Milliardär ist.

(……) Trump ist gemessen an seinen Voraussetzungen so etwas wie die traurige Madeleine Schickedanz, die Milliarden erbte, auch einen erklecklichen Teil davon übrig behielt, aber es auch vermochte den größten Teil durch ihre eigene Doofheit zu verlieren, aber sich im Vergleich zur ungefähr gleichaltrigen Susanne Klatten, die ähnlich viel erbte als Jahrhundert-Dödel bei den anderen Milliardären auslachen lassen muss. Klatten setzte ihre Milliarden so ein, daß es immer mehr Milliarden werden, Schickedanz machte das nicht nur nicht, sondern ließ sich die Kohle durch dümmliche Entscheidungen abluchsen.

Trumps Vater Fred war bereits Milliardär, der gewaltige Summen an seine Kinder verschob.

Donald Trump kam in einer Zeit zu hunderten Millionen Dollar als die die Börsen und der Immobilienmarkt derart boomten, daß nach Aussagen von Experten wie Buffett auch ein Schimpanse es geschafft hätte das Geld zu vervielfachen.

 Michael Bloombergs brutale Abrechnung mit Trump dürfte den Gescholtenen besonders getroffen haben, da Bloomberg 12 mal so reich ist wie Trump.

Ein noch dickerer Fisch ist Warren Buffett, mit derzeit 63 Milliarden drittreichster Mensch der Welt. Dagegen wirkt Trump, der 324-reichste Mensch der Welt geradezu ärmlich.

Nahezu sein gesamtes Vermögen ist in dem von ihm aufgebauten und geleiteten Investment-Unternehmen Berkshire Hathaway angelegt, dessen größter Aktionär er selbst ist. Aktuell (August 2015) hält er immer noch knapp 19 % der Gesellschaftsanteile, obwohl er seit 2006 kontinuierlich Aktien für Spenden verkauft. Ohne diese Spenden hielte er knapp 31 % und wäre mit 108,8 Milliarden US-Dollar mit Abstand der reichste Mensch der Welt. Die Aktie seines Unternehmens ist die teuerste an der Börse zu kaufende Aktie der Welt.
(Wikipedia)

Buffett verachtet Trump und setzt sich intensiv für Hillary Clinton ein.

Ein schlechter Geschäftsmann und ein ungeeigneter Präsidentschaftskandidat allemal: Der US-Milliardär Warren Buffett hat sich bei einem Wahlkampfauftritt mit der Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, über den Immobilienmogul Donald Trump lustig gemacht und ihm mangelnde Befähigung als Geschäftsmann vorgeworfen. Außerdem verdächtigte er ihn dubioser Steuerpraktiken.
Buffett machte sich darüber lustig, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat immer wieder bankrottgegangen sei. "Ich habe wirklich nie einen anderen Geschäftsmann kennengelernt, der mit seinen Pleiten angibt", sagte der 85-Jährige. Zudem setzte sich Buffett kritisch mit Trumps Börsengang im Jahr 1995 auseinander. In den damaligen Zeiten hätte ein Affe, "der einen Pfeil auf die Börsenseite geworfen hätte, im Schnitt 150 Prozent erzielt", spottete Buffett. Doch die Investoren, die damals auf Trumps Hotels und Casinos gesetzt hatten, hätten über die Jahre einen Verlust von 90 Prozent gemacht.

Kapitalismus kaputt. (….)

Twitter-Boss Jack Dorsay ist mit einem Vermögen von knapp fünf Milliarden Dollar mehr als doppelt so reich wie Trump.

[…..] Mr Trump’s fortune has fallen by $1bn in just a month and he has dropped from 715th on the list to 1001st place, according to Forbes.
As of 1 March, Forbes valued Trump’s net worth at $3.1bn. After markets took a turn due to the coronavirus pandemic, the president’s fortune was recalculated to an estimated $2.1bn.
The drop is primarily through a collapse in the value of commercial real estate — the bulk of the Trump fortune — as well as falls in the value of residential real estate, hospitality holdings, licensing and golf courses. […..]

Trump kann gemessen an den Jahrzehnten, die er schon auf dem Golfplatz verbrachte, noch nicht mal gut golfen.

Beim Golfen nutzt Trump aber eine Fähigkeit, die ihm auch in der Politik und im Wirtschaftsleben hilft: Er ist vollständig scham- und skrupellos.
Daher kann er meistens viel mehr als seine Konkurrenten/Mitspieler/Gegenkandidaten von Erpressungen, wüsten Drohungen und Lügen profitieren.
Schlägt er einen Golfball weit abseits in einen Sandbunker, legt sein bezahlter Caddy noch nicht mal besonders heimlich einen gleich aussehenden Ball in eine viel bessere Abschlagsposition. Der oder die Mitspieler merken das sogar in der Regel, da Trump sogar zu doof zum Betrügen ist.
Aber niemand begehrt gegen ihn auf, weil seine Rache fürchterlich wäre. Früher konnte er widersprechende Golfkonkurrenten aus dem Club werfen lassen oder ihre Familien bedrohen, Als US-Präsident muss er das nicht einmal mehr, weil sein Amt derartig machtvoll ist, daß niemand es riskiert sich mit ihm anzulegen.

Trump, der Twitter-Präsident ist noch nicht mal ein guter Twitterer. Seine Tweeds sind nicht geistreich, seine Quellen dubios, die Informationen sind weitgehend alle erlogen und das ganze wird auch noch in primitiver Grammatik und Rechtschreibfehlern in fast jedem Satz präsentiert. Dabei ist der Mann wie seine gesamte Familie auch noch völlig humorlos und unfähig zur Selbstironie.
Ein durchschnittlicher Beauty-Content-Creator aus Bielefeld betreibt seinen Twitter-Account professioneller und geistreicher als Donald J. Trump, aka @realDonaldTrump.
Aber als globale Gefahr aus dem Oval Office bringt er es dennoch auf 80 Millionen Follower und somit zu einem äußerst wertvollen Kunden und Multiplikator.

Instagram, Youtube, Facebook, Twitter und Co verstehen sich nicht als Medienhäuser, die für die von ihnen transportierten Inhalte verantwortlich wären.
Sie profitieren davon juristisch nicht haftbar gemacht werden zu können. Es obliegt ihrem privaten Geschmack, welche Regeln sie den Nutzern vorgeben.
Traditionell wird der Begriff der Meinungsfreiheit in den USA sehr weit gefasst. Man darf fast alles öffentlich sagen, Hakenkreuze tragen, Hass verbreiten.
In Amerika darf man dem Nationalsozialismus frönen, drastische Gewaltdarstellungen verbreiten und Rassismus predigen.
Für deutsche Vorstellungen ist das genauso eigenartig wie die Tatsache, daß ausgerechnet der weltgrößte Porno-Produzent USA öffentlich eine sagenhafte Prüderie auslebt.
Wer es auf Facebook wagt ein Foto zu posten, auf dem auch nur weit im Hintergrund und ganz klein eine entblößte weibliche Brust zu sehen ist, fliegt raus. Amis reagieren nach wie vor vollkommen hysterisch auf Nacktheit. Nippel und Penisse darf es auf Facebook genauso wenig wie im TV geben.
Im nationalen Fernsehen sind viele gängige Schimpfworte wie das berühmte weltweit gebräuchliche „F*CK“ nicht nur tabuisiert und werden weggebeept, sondern es hagelt auch empfindliche Geldstrafen bis 325.000 Dollar pro Verstoß von der TV-Zensurbehörde FCC. So geschehen als Bono im Jahr 2003 den Gewinn des Golden Globes für U2 "f*cking brilliant" nannte.

Donald Trump ist so ein vulgärer Prolet – grab’em by the pussy – daß er eigentlich für amerikanische Medien und insbesondere die selbsternannten Moralapostel der GOP untragbar ist.


Aber sie sind natürlich alle Heuchler und halten sich selbst nicht an die moralischen Maßstäbe, die sie von anderen verlangen. Trump ist reich und mächtig, also wird er von Erzkonservativen und Evangelikalen bewundert.

Es ist erbärmlich wie Twitter Trump dabei gewähren lässt mit dreist Lügen Hass und Gewalt zu fördern.
Nachdem die Plattform schließlich doch zwei Trump-Tweets mit einem Factcheck versah und einen Weiteren als Gewaltverherrlichung kennzeichnete, tut Trump das was er immer unter Druck tut:
Er zieht die nukleare Option, stößt maximale Drohungen aus, greift zur allergrößten Keule, die er hat, um den Kontrahenten mit Gewalt zur Aufgabe zu zwingen.
Daher bedrohte er gleich alle sozialen Medien, kündigte an ihr Geschäftsmodell zu zerstören.

[…..] Twitter hat eine Aufklärungsdrohne geschickt, Donald Trump hat mit einer Atombombe geantwortet. So lassen sich die Ereignisse der vergangenen Tage in der Kriegsrhetorik des US-Präsidenten zusammenfassen. Nachdem Twitter eine der zahlreichen falschen Behauptungen Trumps mit einem Faktencheck versehen hatte, drohte dieser dem Unternehmen mit drastischen Konsequenzen. Das kommt regelmäßig vor, doch diesmal machte er die Ankündigung wahr: Kurz darauf unterzeichnete Trump ein Dekret, das längst nicht nur auf Twitter abzielt. Es könnte das Netz, wie wir es kennen, für immer verändern. […..]

Ein klassischer Fall von Trump.
Er hat nämlich gar nicht die Autorität dazu; dafür braucht es das Repräsentantenhaus.
Außerdem ist er zu dumm und ungebildet, um die Konsequenzen seiner Drohung zu bedenken.

[…..]  Es zeigt sich in Trumps Erlass ein beispielloser Angriff auf die Tech-Elite des Silicon Valley: Rechtzeitig vor der Wahl zettelt er einen Streit um die Frage an, ob die speziellen Rechte, die die Social-Media-Giganten bei der Veröffentlichung von Inhalten genießen, eingedämmt werden könnten. […..] Es geht um die großen Fragen der amerikanischen Demokratie im Social-Media-Zeitalter: Wie weit reicht das Recht auf Meinungsfreiheit im Netz? Darf der Präsident der Vereinigten Staaten dort irreführende Behauptungen verbreiten? Oder müssen Twitter und andere Plattformen die Botschaften ihrer Nutzer korrigieren oder sogar entfernen, wenn sie nachweislich falsch sind? [….] In den USA sind private Unternehmen wie Twitter oder Facebook durch die Section 230 des "Communications Decency Act" davor geschützt, für die Informationen, die Dritte auf ihren Plattformen verbreiten, haftbar gemacht zu werden. Wäre Twitter verantwortlich für Schäden seiner Nutzer, würde es rasch in Grund und Boden geklagt. "Section 230 ist der Grund, warum Twitter überleben kann", sagt Li. […..]

Was Trump offenbar gar nicht versteht: Die Abschaffung der Section 230 würde zwar Facebook, Twitter und Co sehr schaden. Aber in der Folge müssten sie sehr viel strenger moderieren, factchecken und löschen.
Also genau das, was Trump verhindern will.
Würden alle Tweets auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht, schadete das natürlich ausgerechnet Trump und seinen rechten Alliierten am Allermeisten, die sie mit Abstand am meisten lügen und hetzen.

Zudem ist Trump aber auch noch ein sehr schlechter Pokerer. Er glaubt mit seinem Amt und seinen 80 Millionen Twitter-Followern Jack Dorsay seine Bedingungen diktieren zu können, weil der Twitterchef es nicht riskieren könnte so einen Kunden zu verlieren.
Dorsey weiß aber nur zu genau, daß Trump viel mehr zu verlieren hat, da Twitter in der Tat de facto ein Monopol ist. Trump braucht die Plattform noch mehr als die Plattform ihn braucht.

Und so zeigen die Tech-Chefs diesmal Rückgrat, stellen sich gegen Trump.
Sogar Facebook-Besitzer Mark Z., der sich sonst bedingungslos von Trump benutzen lässt, stellt sich auf Dorseys Seite.

[….] Die Reaktion der möglicherweise betroffenen Unternehmen ist deutlich und einstimmig. Twitter nannte das Vorgehen von Trump reaktionär. Damit werde die Zukunft der Meinungsäußerungen im Internet bedroht. Eine Sprecherin von Google erklärte, mit der Verordnung werde die amerikanische Wirtschaft beschädigt. Ein Sprecher von Facebook warnte, die Verordnung werde dazu führen, dass die Netzwerke alles zensieren würden, was irgendjemanden beleidigen könnte. [….]

Donnerstag, 28. Mai 2020

Krisenverlierer


Vermutlich wünscht sich kein regierender Politiker eine schwere Krise, die sein Land kräftig durchschüttelt.
Die Risiken werden größer, die Gefahr Fehler zu machen steigt und man wird für alles, das schiefgeht, verantwortlich gemacht.
George W Bush, den man sich angesichts der bestialischen Trump-Performance tatsächlich schon zurückwünscht, obwohl er noch vor zehn Jahren als schlechtester US-Präsident aller Zeiten galt war mit den beiden Megakrisen während seiner Amtszeit, Terror und Weltfinanz, so total überfordert, daß er das Ansehen der USA ruinierte und in beiden Fällen eine globale Katastrophe anrichtete.
Die beratungsresistente Theresa May war absolut nicht in der Lage das Brexit-Desaster zu managen, Bolsonaro verschlimmert die brasilianische Corona-Krise, Ursula von der Leyen ist in Europas größter Krise ein einziger Totalausfall und Joseph Ratzinger war nie ansatzweise fähig zu begreifen was die Myriaden Kindervergewaltiger in den Reihen seiner Kirche bedeuten.

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, daß Regierende wie Giuseppe Conte eher unauffällig agieren und in einer großen Krise auf einmal Format zeigen, das man ihnen gar nicht mehr zugetraut hätte.
Angela Merkels Krisenfähigkeiten lassen sich schlecht beurteilen, Sie lässt sich zwar offenkundig nicht nervös machen, taucht aber immer ab, wenn es ernst wird. Rechtsextremismus, Energiewende, Digitalisierung, Bildungsnotstand – all das wurde von ihr schon als große Krisen anerkannt, aber sie packte den Stier nie bei den Hörnern, ließ alles irgendwie laufen und löste daher auch keins xder Probleme.

Joe Klein schrieb über das Jahrhunderttalent Bill Clinton, es wäre tragisch, daß er in seiner vergleichsweise ruhigen Amtszeit nicht die Gelegenheit hatte sich richtig zu beweisen. Zweifellos wäre er viel besser mit 9/11 klargekommen, hätte womöglich den freundschaftlich ausgestreckten Arm der Iraner ergriffen und die Welt vereinen können, statt sie wie GWB in feindliche Lager zu spalten und die gesamte muslimische Welt zu entflammen.
Immerhin, Clinton nutzte seine enormen Fähigkeiten, um unter enormen innenpolitischen Feuer das geerbte Etatdefizit in ein gewaltiges Budgetplus zu wandeln, schuf Millionen qualifizierte Arbeitsplätze und stellte das internationale Vertrauen in die USA wieder her.

Schließlich gibt es noch die Genialen, die anders als Clinton durchaus während ihrer Amtszeit mit voller Wucht von Megakrisen getroffen wurden und dann ihre ganze Regierungskunst virtuos entfalteten.
Helmut Schmidts Amtszeit von 1974 bis 1982 dürfte wohl die Unerfreulichste gewesen sein, die ein Bundeskanzler seit 1949 erlebte.
Der Ost-West-Konflikt eskalierte, es kam zu drastischer atomarer Aufrüstung, eine schwere Ölkrise legte die Wirtschaft der westlichen Industrien lahm und Deutschland wurde vom RAF-Terror überzogen.
In allen Fällen behielt er die Nerven, navigierte mustergültig durch schwerste See und vermochte es nicht nur auf europäischer Ebene, sondern sogar global die Kräfte zu bündeln, Initiativen zu starten und vorbildhaft Standards zu setzen, Schmidt schuf die G7, erfand den Ecu, mit dem die Weichen für den Euro gestellt wurden und brachte mit dem Nato-Doppelbeschluss die gesamte nordatlantische Atomverteidigung unter einen Hut. Zudem erkannte er das Potential Chinas, schuf mit seinen vielen Staatsbesuchen im Reich der Mitte den Grundstein für Deutschlands Export und knüpfte wie zuvor kein anderer deutscher Spitzenpolitiker Kontakte zu islamischen Staaten.
Wenig verwunderlich war der geniale globale Denker noch viele Jahre nach seinem Abschied aus dem Amt Vorsitzender des „interaction council“, in dem sich ehemalige Präsidenten und Regierungschefs zusammenfanden, um prophylaktisch künftige Krisen zu analysieren. Jahrelang trafen sich die Allergrößten der Welt unter der Führung des bescheidenen Mannes aus einem kleinen Hamburger Reihenhaus.

[….] Helmut Schmidt made the Council a highly respected organization with his brilliant and visionary leadership as Chairman (1986-1994) and Honorary Chairman (1995-2014). The world was privileged to benefit from the breadth of his knowledge, encompassing economics, geo-strategy, philosophy, history, arts, music and literature.
[….] He was Federal Minister of Defense (1969-72) and Federal Minister of Economics and Finance (1972-74). He began his eight-year term as Federal Chancellor in 1974.
During his chancellorship, he stressed the goal of political unification of Europe. He was also one of the founders of the Economic Summits, begun in 1975 in order to coordinate the policies of the major western states and was the only statesman who took part in all eight summits from 1975-82.  Former honorary chairman of the InterAction Council and of the Deutsche Nationalstiftung. He was co-editor and publisher of the weekly DIE ZEIT.
He received honorary doctorate degrees from numerous institutions of higher learning around the world, including Oxford, Harvard, Leuven, Cambridge, Johns Hopkins, the Sorbonne, Keio, Hamburg and Potsdam. [….]

Natürlich war es vollkommen ausgeschlossen, daß ein schlichtes Gemüt von schmaler Bildung wie Nachfolger Helmut Kohl international so eine Rolle spielen könnte.

Auch das political animal Gerd Schröder wuchs eher mit seinen Aufgaben.
Im diametralem Gegensatz zu Merkel setzte er seine Anliegen durch, schuf exzellente bilaterale Beziehungen, erledigte endlich die Zwangsarbeiterentschädigung, stieg in die Ehe für alle ein, reformierte das Sozialsystem und managte natürlich die gewaltige Oderflut perfekt, während sein Konkurrent Stoiber baden ging.
Im aufziehenden Irak-Krieg übernahm er die internationale Führung aller Nationen, die den Krieg verhindern wollten und das folgende Desaster klar erkannten – im Gegensatz zur gesamten CDU, die Feuer und Flamme für die Kriegsbeteiligung Deutschlands war und auch im Gegensatz zu Außenpolitikexperten wie Peter Scholl-Latour, der prophezeite, Deutschland könne sich im UN-Sicherheitsrat gar nicht gegen GWB stellen, da Schröder dann als einziger an der Seite Syriens stünde und völlig isoliert wäre.
PSL konnte sich das Verhandlungsgeschick Schröders und Fischers, die es im Laufe eines Jahres vermochten so viele Sicherheitsratsmitglieder auf die Seite Deutschlands und Frankreich zu ziehen, daß am Ende die USA und BB isoliert waren.

Ohne diese Megakrisen wäre Schröder womöglich unter dem gewaltigen Trommelfeuer fast der gesamten deutschen Presse 2002 nicht wiedergewählt worden.

In Krisen kann man sich profilieren und wachsen.
Davon zeugen die gewaltigen Zustimmungswerte für so unterschiedliche Personen wie Conte, Söder oder Andrew Cuomo.

Und dann gibt es natürlich noch die Totalversager, die ohnehin schon miserabel agieren und im Lichte der Krise noch kläglicher als ohnehin schon agieren.

Hier können Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans als extreme Negativbeispiele gelten, die nicht nur als Führungskräfte keinerlei Orientierung geben, sondern ihrer Partei zusätzlich massiv schaden.

(…..) Wie sich herausstellte, sind die Digitalboys Klingbeil und Kühnert genauso unfähig. Keineswegs konnten sie die Partei zu einer angesagten modernen Twitter-Tiktok-Insta-Partei machen, die auf junge Leute anziehend wirkt.
Dabei bin ich mit Klingbeil seit dem Amtsantritt Eskens und Borjans durchaus versöhnt, da er als einziger lautstark politisch gegen AfD, aber auch Schwarzgelb vorgeht und in den klassischen Medien bemerkenswert bemerkbar dagegenhält.
Das wäre eigentlich die Aufgabe des Bundestagsfraktionsvorsitzenden und der Bundesparteivorsitzenden, aber alle drei erwiesen sich bekanntlich als TOTALAUSFALL.
Also liebe SPD; ihr habt mehrere Aufgaben. Da ist einerseits das Regieren. Das klappt hervorragend. Die Minister sind ein ganz großes Plus und viele Landesregierungschefs – Tschentscher – brillieren ebenfalls.
Das zweite Standbein ist die parlamentarische Arbeit, die siehe Causa Högl/Bartels/Kahrs ein einziger Trümmerhaufen ist. (…..)

Unfassbar wie sie zusammen mit Fraktionschef Mützenich ohne Not eine ganze Kaskade von Parteiaustritten auslösten und profilierteste Amtsträger davonjagten.

(…..) Die Regierungsarbeit der SPD ist also nicht das Problem; es sind die von der schwer debakuliernden Bundesspitze zu verantwortenden legislativen und personellen Probleme.
Im Gegensatz zu Kühnert und der zu 50% verblödeten Parteibasis wußte jeder SPD-Parlamentarier, der schon einmal mit Saskia Esken zusammengearbeitet hatte, daß sie auf ganzer Linie untauglich ist. Als Bundestagsabgeordnete schaffte sie es von allen ihren Kollegen abgelehnt zu werden.
Nun sitzt sie als Parteichefin inmitten der Fraktion und es bricht das zu erwartenden völlige Chaos aus, weil die tumbe badische Hinterbänklerin hoffnungslos überfordert ist. Borjans kann wenigstens mit der Entschuldigung dienen kein Abgeordneter zu sein und daher auch nie dabei gewesen zu sein, als die Sozi-Tölpel in Berlin spektakulär dafür sorgen, daß gleich drei erfolgreiche und beliebte SPD-Politiker hinwarfen und mit dem Sauhaufen nichts mehr zu tun haben wollten: Susanne Gaschke, Hans-Peter Bartels und Johannes Kahrs.

Esken und Nawabo geben aber noch keine Ruhe. Ihr neuester Coup ist es den mit Abstand beliebtesten und bekanntesten Sozialdemokraten, der mit Sicherheit auch die größten Chancen als Kanzlerkandidat 2021 hat, abzusägen und stattdessen auf denjenigen zu setzen, der stets nur im Dunkeln agiert, nahezu unbekannt ist gerade bei der Causa Kahrs seine völlige Unfähigkeit bewies.

Seit Wochen liest man nur noch kopfschüttelnde Berichte über die SPD-Führung.
Olaf Scholz ist gerade DER Macher in Deutschland, der herausragende Krisenmanager, während die CDU weder einen Vorsitzenden noch einen Kanzlerkandidaten hat.
Olaf Scholz ist der natürliche Kanzlerkandidat und hätte jetzt die grandiose Gelegenheit als solcher zu glänzen und damit die desorientierte CDU und CSU, in der niemand weiß wer eigentlich die Partei führen könnte, geschweige denn, wer als Nachfolger Merkels kandidieren soll, zu beschämen.

[….] Der SPD-Fraktionsvorsitzende Mützenich soll laut dem Magazin „Cicero“ nach den Plänen der Parteispitze Kanzlerkandidat werden und für die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl 2021 antreten. „Cicero“ beruft sich auf Informationen aus Führungskreisen der Partei. Mützenich sei der Wunschkandidat der Parteivorsitzenden Esken und Walter-Borjans. Die Kandidatur des 60-Jährigen soll demnach bis zum Herbst und noch vor dem Parteitag der CDU entschieden werden, auf dem diese wiederum ihren Kanzlerkandidaten bestimmen will. [….]

Inzwischen glaube ich nicht einmal mehr, daß Nowabo und Esken Linke sind.
Ihr radikal parteischädliches Verhalten kann man sich eigentlich nur noch damit erklären, daß sie CDUCSU-UBoote sind, die gezielt eingeschleust wurden, um die Chancen der SPD zu ruinieren.

[….] Die Partei hat zwei Vorsitzende, die nach außen keinerlei Strahlkraft entwickeln. Nun droht die SPD auch bei der Kür eines Kanzlerkandidaten oder einer -kandidatin zu versagen. Hat man die Wahl schon verloren?
In der SPD rächt es sich gerade bitter, dass die Genossen vor einem halben Jahr mehr an sich gedacht haben als an die Zukunft ihrer Partei. Nach einer quälenden Vorsitzsuche schoben sie im Dezember per Mitgliedervotum Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die Spitze, zwei Leute, die es für überflüssig erachteten, eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten aufzustellen. Dafür sei die SPD zu schwach. [….] So muss sich heute niemand darüber wundern, dass die SPD in den Umfragen weiterhin bei traurigen 15 Prozent feststeckt. Sie muss zusehen, wie ihr die Union in der Wählergunst geradezu enteilt. Mehr noch, die SPD - auch das ist eine Spätfolge der Vorsitzwahl vom Dezember - scheint mittlerweile kaum mehr in der Lage zu sein, die K-Frage für sich schlüssig und überzeugend zu beantworten. [….]
Mützenich ist vieles - aber ein Kanzlerkandidat? [….] Scholz hat die nötige Regierungserfahrung. Er genießt Ansehen in der Bevölkerung. Er hat bewiesen, dass die Partei sich auf ihn verlassen kann. In der Corona-Krise hat er als Krisenmanager weiter an Statur gewonnen. [….]