Montag, 14. Oktober 2019

Rechte Reflexe


Kaum etwas hat der CDU so sehr bei Wahlen geholfen wie das immer wieder von Medien papageisch nachgeplapperte Mantra von der „Sozialdemokratisierung der CDU“.
Es gäbe kaum noch Unterschiede zur SPD; daher regiere Kanzlerin Merkel auch am liebsten mit den Sozis.

Tatsächlich haben die drei Grokos Vorteile im Vergleich mit der den schwarzgelben Jahren (2009-2013). Das liegt aber nicht an größerer inhaltlicher Übereinstimmung mit der SPD, sondern daran, daß die FDP so extrem unprofessionell, unvorbereitet und unverlässlich agierte. Sie war ein reiner Spielball ihrer Finanziers, reagierte ohne Konzepte, zankte sich mit der CSU.
Außerdem war die Mehrheit, insbesondere im Bundesrat mit der SPD größer.
Staatspolitisch ist es also vorteilhaft für Merkel mit der SPD und ihren hochqualifizierten, verlässlichen Ministern zu regieren – auch wenn die inhaltlichen Unterschiede gewaltig sind. Die SPD will ein völlig anderes Gesundheitssystem, fordert andere Drogen-Politik, steht bei Ehe-, Staatsbürgerschafts- und Mietrecht konträr zu Union.
Die SPD steht für ein ganz anderes Unternehmenssteuersystem, möchte Vermögenssteuern einführen, Erbschaftssteuern erhöhen, Sozialleistungen ausbauen. Sogar in der Europa-Politik gibt es drastische Unterschiede. Stichworte Macron und EU-Reform. Die SPD-EU-Abgeordneten stimmten nicht für die deutsche Kommissionspräsidentin von der Leyen, verlangen eine Abkehr von der radikalen Austeritätspolitik und deutlich restriktivere Rüstungspolitik.
Es gibt kaum noch Politikbereiche, die zwischen SPD und Union nicht heftig umstritten sind. Paradoxerweise verabscheuen die Wähler genau diesen Streit innerhalb der Groko und beklagen gleichzeitig den Mangel an Streit, weil es gar keine Unterschiede mehr zwischen CDU und SPD gäbe. Was für ein Unsinn. Es gibt keine Sozialdemokratisierung der CDU.

Ich halte das für fahrlässig, falsch und für eine enorme Wahlkampfhilfe für die AfD.
Gauland muss sich nur genüsslich zurücklehnen und die Konservativen einsammeln, wenn sogar prominente Bewerber um den CDU-Bundesvorsitz dieses Sozialisierungs-Mantra nachäffen.

[….]  Friedrich Merz hat im Wettstreit um den CDU-Vorsitz vor einer Sozialdemokratisierung der Partei gewarnt. "Wir müssen doch nicht alle Positionen übernehmen, die die Sozialdemokraten richtig finden", sagte der frühere Unionsfraktionschef am Dienstag bei einer Regionalkonferenz seiner Partei in Böblingen.
Die Frage sei, ob die CDU auch in Zukunft eine liberale, konservative und auch sozialen Überzeugungen Platz gebende Partei sein wolle. Merz erhielt für seine Rede großen Applaus. Der langjährigen CDU-Vorsitzenden, Kanzlerin Angela Merkel, war vom konservativen Flügel wiederholt vorgeworfen worden, die Partei nach links gerückt zu haben.
Merz sagte, die CDU müsse offen zugeben, dass sie in den vergangenen Jahren "unbequeme Fragen" der Gesellschaft nicht mehr im ausreichenden Maß aufgenommen habe. Die CDU-Positionen seien nicht mehr deutlich genug gewesen. [….]

Der Multimillionär, Blackrock-Manager mit gleich zwei Privatflugzeugen, der Geringverdiener empfiehlt zur Vorsorge vor der Altersarmut in Aktien zu investieren, ist hier wie so oft völlig auf dem Holzweg.
Sein fortgesetztes Irrlichtern ist fatal für seine Partei, aber insbesondere auch demokratieschädlich, weil es zu Wahl-Apathie und Parteien-Verdrossenheit führt, sowieso die Rechtsextremen stärkt.

Linke Sozis oder Ex-Sozis aus der anderen Seite, die sich lautstark darüber beklagen Olaf Scholz betreibe die gleiche Politik wie Schäuble liegen natürlich genauso falsch und betreiben damit ebenfalls nur antidemokratische Wahlwerbung für die AfD.

Es ist richtig, in den 29 Jahren, die Frau Merkel nun Bundesministerin/Oppositionsführerin/Parteichefin/Kanzlerin ist, wurden einige Uralt-Positionen der CDU abgeräumt: Wehrpflicht, Atombegeisterung und Homohass zum Beispiel.

Aber es ist völlig absurd anzunehmen, mit einer anderen Parteiführung hätte sich die CDU in drei Dekaden keinen Millimeter bewegt.
Anders als Merz und Gauland, Spahn und Meuthen, Maaßen und Otte, Pantel und Bosbach suggerieren, wäre die CDU mit Positionen der 1980er Jahre heute vollkommen unwählbar und marginalisiert.
Damals stand sie für Strafbarkeit von Homosexualität, Abtreibungsverbot, die dienenden Rolle der Frau in der Ehe, bedingungslose Treue zur USA, Hass auf Russland, verwöhnte Alt-Nazis auf Vertriebenen-Tagungen und hielt jeden Gedanken an Umweltschutz für gemeingefährlich.
Die CDU hatte großes Glück, daß die Wähler in den 29 Jahren Merkel die vergleichsweise wenigen Änderungen der Programmatik immerhin glaubten, so daß auch urbane Menschen CDU wählten.
Außerdem hatte die CDU das Glück, daß durch Merkels große Wahlerfolge, ihren kontinuierlichen Machterhalt die innerparteilichen Kritiker von vorgestern verstummten.

In Wahrheit sind CDU-Basis und JU nämlich noch deutlich rechtsgerichteter als die ohnehin schon schwer mit der SPD kämpfenden CDU-Parlamentarier.
Sie hassen Ausländer, wollen zum Hitlerischen Blutrecht bei Staatsbürgerschaftsfragen zurück. Klimawandelleugner werden als Referenten in die CDU-Fraktion eingeladen, die Drogenpolitik ist ein steinzeitlicher Strafrechtsansatz, der seit Jahrzehnten gescheitert ist.
Sie weigern sich etwas gegen Steuerflucht zu unternehmen und blockieren bis heute effektive Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Da Annegret Kramp-Karrenbauer sehr viel erfolgloser als Merkel ist, bekommt sie diese unangenehmen Strömungen aus dem letzten Jahrhundert direkt ins Gesicht.
Dabei ist sie selbst eine stramme Katholikin, die gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen agitiert, ätzende Witze über Minderheiten reißt und sich nun auch noch als Anhängerin soldatischer und nationaler Symbole inszeniert.
Aber selbst diese konservative Katholikin von gestern ist der Basis noch nicht AeffDeisch genug.

 [….] Das, was Annegret Kramp-Karrenbauer in Saarbrücken zu bewältigen hatte, war ein besonders anstrengender Hindernislauf. Und weil die CDU-Vorsitzende angestrebt haben wird, danach endlich mal wieder so richtig gut dazustehen, muss sie erkennen: Ziel verfehlt.
[….] Sehr viele Junge in der Union trauen ihr nicht zu, CDU und CSU erfolgreich in den nächsten Bundestagswahlkampf zu führen.
Da ist außerdem der Jubel der JU für Friedrich Merz. [….]  Gerade in der zunehmend konservativen JU trauern ihm bis heute etliche Anhänger nach. Und so beklatschte der Nachwuchs ihn in Saarbrücken frenetisch - wohl wissend, dass auch das als Kritik an der Parteichefin verstanden werden muss, zumal Merz bei allen möglichen Gelegenheiten gegen sie stichelt. [….]

Nein, diese CDU ist genauso wenig soizialdemokratisiert, wie die SPD christdemokratisiert ist.
Immer mehr ostdeutschen CDU-Größen wollen mit der AfD kooperieren, in 18 Kommunen gibt es bereits CDU-AfD-Kooperationen.


[….] Grünen-Stadtrat Martin Oehmichen ist empört: "Zwischen der CDU und der flüchtlingsfeindlichen, völkischen und tendenziell rassistischen Partei AfD bestehen in Radebeul kaum Berührungsängste", sagt er dem Tagesspiegel. Bereits zur konstituierenden Stadtratssitzung nach der Kommunalwahl im Frühjahr habe die CDU ohne Not der AfD die Zusammenarbeit angeboten. "Ohne Rücksicht auf Verluste arbeitet der blau-schwarze Haufen zusammen", sagt Oehmichen: "Es ist einfach nur gruselig."
Ein AfD-Mann lobt die "konspirative" Zusammenarbeit.
Radebeul - ein Beispiel unter Dutzenden. Das Portal "Endstation Rechts" listete zahlreiche weitere Fälle von Kooperationen auf: Chemnitz, Pirna, den Kreisrat von Mittelsachsen. In Chemnitz wurde um die Besetzung des Jugendhilfeausschusses gestritten. Vertreter von freien Trägern oder Wohlfahrtsverbänden, die mitunter bereits in dem Gremium saßen, gingen leer aus. Das galt als Erfolg der CDU, die aus den Reihen von FDP, AfD und der rechtsextremen Lokalpartei "Pro Chemnitz" unterstützt wurde. [….]

Es ist vollkommen absurd Angela Merkel für die Einführung der „Ehe für alle“ in Deutschland zu feiern, so wie das in den USA geschah.
Zwei Männer können nicht wegen, sondern trotz Angela Merkel heiraten.
Merkel stimmten immer dagegen; genau wie ihre Nachfolgerin im CDU-Parteivorsitz.
Möglicherweise war Merkel dennoch froh das Thema los zu sein, weil sie befürchtete, eine weitere Ablehnung schade ihrer Partei bei den Städtern.

Aber wenn es nach dem Parteivolk der Christenunion geht, sollte man das Rad wieder zurückdrehen.
Sowohl die CDU-Bildungs- wie auch die CDU-Verteidigungsministerin hetzen immer noch gegen gleichgeschlechtliche Paare; diese würden Kinder schaden, die bei ihnen aufwüchsen.
Echte Homohasser haben immer noch ihre Heimat in der C-Partei der AKK.

[….] Homohasser sitzt für CDU im Chemnitzer Stadtrat
Der CDU-Politiker Kai Hähner bezeichnete Schwule und Lesben als "abnormal" und behauptete, der CSD verleite Kinder zur Homosexualität – nun gelang ihm der Einzug ins Stadtparlament.
[….] "Leben Sie, wie Sie wollen, im Privaten und lassen Sie andere mit Ihrer Abnormalität in Ruhe", schrieb der sächsische Christdemokrat wörtlich (queer.de berichtete). Weiter hieß es in der Reaktion auf ein Radiointerview mit einem Mitglied des CSD-Vereins: "Durch Ihre öffentlichen Auftritte und das Zuschaustellen Ihrer Lebensweise gilt Homosexualität inzwischen als 'trendy'. Und somit verleiten Sie Jugendliche, die sich in einer sexuellen Findungsphase befinden." Schließlich drohte Hähner: Sollten bereits Kinder mit dem Thema Homosexualität in Berührung kommen, wolle er "der erste sein, der die Verantwortlichen dafür vor Gericht bringt".
[….] Für seine Entgleisung aus dem Jahr 2010 hat sich der Kommunalpolitiker bis heute nicht entschuldigt. Gegenüber dpa gab sich Kai Hähner damals lediglich "überrascht, was das für Wellen geschlagen hat". [….] Auch neun Jahre später zeigt er wenig Reue. "Ich habe ein anderes Familienbild", erklärte der neue Stadtrat am Samstag gegenüber dem Boulevardblatt "Morgenpost". [….]

Sonntag, 13. Oktober 2019

Bischöflicher Bullshit.


Michael Schmidt-Salomons und Carsten Frerks großartige kleine Schrift „Die Kirche im Kopf Von „Ach Herrje!“ bis „Zum Teufel!““ ist nun auch schon 12 Jahre auf dem Markt und hat nichts an ihrer  Aktualität eingebüßt.

Noch immer dominieren christliche Motive die Alltagssprache – Oh Mein Gott! -, noch immer wird „christlich“ als ultimativ positiv konnotiert und Unangenehmes, als „unchristlich“ gebrandmarkt.
Was für eine unchristliche Uhrzeit, ruft man aus, wenn man gezwungen wird sehr früh aufzustehen. Was soll der Quatsch? Sind Gläubige etwa als Langschläfer bekannt?

[…..]  Diese Enzyklopädie für freie Geister und solche, die es werden wollen, nimmt auf vergnüglich-böse Weise die „Kirche im Kopf“ aufs Korn. Analysiert werden Begriffe, Komplexe, Redewendungen, die oftmals erst auf den zweiten Blick ihre religiöse Herkunft verraten. Das Lexikon erklärt, warum im christlichen Kulturkreis angeblich „alles Gute von oben kommt“, warum „Christstollen“ keine Katakomben im alten Rom sind und weshalb „Gott immer bei den stärksten Bataillonen ist“ („Heiliges Kanonenrohr!“).
Dabei setzen die Autoren auf eine wohldosierte Rezeptur aus Information und Witz – denn sie sind überzeugt, dass es nicht ausreicht, die einfältige Saga vom dreifaltigen Gott allein mit vernünftigen Gegenargumenten zu entkräften. Nur wer am Ende über die halsbrecherischen intellektuellen Verrenkungen des Christentums lachen kann, hat es wirklich verstanden. [….]

Wer stolz seine sexuelle Enthaltsamkeit betont, nennt es „mönchisch“ – obwohl wir alle längst wissen, daß katholische Geistliche weit überdurchschnittlich oft Kinder sexuell missbrauchen.
Geistliche werden automatisch als „Würdenträger“ bezeichnet. Schon ein einfacher Pfarrer gilt als „Hochwürden“, bei der deutschen Bischofskonferenz treffen sich Eminenzen und Exzellenzen.
Dabei wissen wir alle längst, daß diese feine Gesellschaft ein weltweites Kindersex-Netz schützt.
Niemals wird man in einer normalen deutschen Zeitung oder einer Nachrichtensendung – von ganz links bis ganz rechts – Freude über Kirchenschließungen oder Mitgliederschwund vernehmen.
Der Rückgang des Christentums wird konsequent immer nur bedauert.
Dabei ist es ganz im Gegenteil, ein Zeichen der Bildung, der Prosperität, der Aufklärung und Selbstbestimmung, wenn Gotteshäuser schließen.
Je höher der Anteil der Atheisten in einer Gesellschaft, desto niedriger die Kriminalität und desto glücklicher die Bevölkerung.

[….] Das Glück der Welt ist in Nordeuropa zu Hause – diesen Eindruck zumindest vermittelt der seit 2012 jährlich vom „Sustainable Development Solutions Network“ (das Netzwerk „Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung“) veröffentlichte Weltglücksreport.
Finnland führt, wie auch im vergangenen Jahr, die Liste der glücklichsten Länder an. Dänemark landet dieses Mal auf Platz 2, Norwegen auf Platz 3, gefolgt von Island und den Niederlanden. [….]

Das Ranking der Glücklichsten korreliert perfekt mit dem Ranking des höchsten Atheistenanteils.

In den zehn gläubigsten Nationen ist hingegen das Glück sicher nicht zu Hause.


In den besonders gläubigen Nationen gibt es auch wenig Grund, um glücklich zu sein, da die Kriminalität ebenfalls kausal an Religion gekoppelt ist.

[….] Die wichtigsten Ergebnisse des Global Peace Index 2019:
    Island, das keine eigene Armee besitzt, behält seinen Status als friedlichstes Land der Erde, den es bereits seit 2008 innehat.
    Europa ist auch im GPI 2019 die friedlichste Region der Erde: In den Top Ten finden sich sechs europäische Staaten. [….]
    Dennoch bleiben der Nahe Osten und Nordafrika erneut die am meisten von Konflikten und Gewalt betroffenen Regionen. [….]
    Die USA ist weiter abgerutscht –  von Rang 121 auf 128.
[….] Die 10 am wenigsten friedlichsten Länder im Global Peace Index 2019
[….] 153. Pakistan
154. Russland
155. Demokratische Republik Kongo
156. Libyen
157. Zentralafrikanische Republik
158. Somalia
159. Irak
160. Jemen
161. Südsudan
162. Syrien
163. Afghanistan [….]

Betrachtet man nur die Tötungsrate wird das Bild noch extremer – die 20 Nationen mit dem größten Möderanteil sind allesamt überdurchschnittlich katholische/christliche Länder, während die glücklichen skandinavischen Nationen einen Tötungsrate (Zahl der Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner und Jahr) von unter 1 aufweisen.


Die Menschen, zumindest in den deutschen Großstädten, werden zu klug für den religiösen Unsinn.
Es gab in den letzten Dekaden weltweit Studien über den Einfluß von Religion auf die Menschen.
Die Wissenschaftler Jordan Silberman, Miron Zuckerman und Judith A. Hall von der University of Rochester werteten dieses Jahr 63 Studien aus und konnten klar zeigen, daß ungläubige Menschen tatsächlich intelligenter sind als Religiöse.
Das ist auch erwartbar und in sich logisch, da es Intelligenz erfordert nachzufragen und Zweifel anzustellen, statt einfach zu glauben was behauptet wird.

[…..] Realistischerweise sollten wir davon ausgehen, dass sich hinter dem Auf und Ab der Evolution kein göttlicher Heilsplan verbirgt, sondern nur das blinde Walten von Zufall und Notwendigkeit. Wenn der Mensch tatsächlich von Anfang an von Gott als “Krone der Schöpfung” geplant gewesen wäre, wie der Papst meint, so müsste man sich doch fragen, warum “Gott” zum Erreichen dieses Ziels einen so verrückten Weg eingeschlagen hat: Warum, bitteschön, erschuf er zunächst a.) eine unglaubliche Vielfalt an Dinosauriern, die über Jahrmillionen die Erde beherrschten, dann b.) einen Riesen-Asteroiden, den er vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlagen ließ, damit c.) die Dinosaurier wieder aussterben, um so d.) einigen rattengroßen Säugetieren Platz zu machen, aus denen sich e.) einige Millionen Jahre später die aufrecht gehende Affenart Homo sapiens entwickeln konnte? Ein Gott, der sich so seltsam verhalten würde, würde eher einem intergalaktischen Mister Bean gleichen als einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen Wesen. Kein Unternehmen dieser Welt würde einen Designer mit einer solch verheerenden Kosten-Nutzen-Bilanz einstellen. [….]

Wir sollten uns also grundsätzlich immer und überall über den Rückzug von Religion, das Schließen von Gotteshäusern und die Abkehr von Abrahamitischen Ideologien freuen.

Es reicht aber nicht das nur wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen, sondern jeder ist dazu aufgerufen zumindest auf Ehrlichkeit zu achten und Geistliche, die uns immer wieder das Gegenteil der oben genannten Tatsachen verkaufen wollen, zur Ordnung zu rufen.

Ganz besonderen Unsinn gibt gerade der Regensburger Bischof Voderholzer von sich.

[….] Die Zehn Gebote sind unverzichtbarer Bestandteil der politischen Kultur Europas.
Diese Ansicht vertrat der katholische Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.
(…)  „Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote“, sagte Voderholzer. Sie schützten die Unversehrtheit des Lebens, Ehe und Familie sowie das Eigentum und den guten Ruf eines Menschen. Wo sie missachtet würden, sei die Menschlichkeit in Gefahr. „Wer die Gebote Gottes nicht beachtet, beleidigt nicht den großen und heiligen Gott, sondern er schadet sich selbst“, so Voderholzer. „Um es in einem Bild zu sagen: Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“
Die Zehn Gebote hätten auch das europäische Verständnis der Grundrechte geprägt. So habe das Prinzip der Menschenwürde seine Begründung in der Vorstellung, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen habe und in Jesus Christus selber Mensch geworden sei. Nur vor diesem Hintergrund sei dieses Prinzip verständlich.“ […..]

Es verwundert wenig, daß die christliche Website IDEA den Bischof mit diesen offensichtlichen Lügen davonkommen lässt.

Aber entweder kennen sie die zehn Gebote nicht oder sie sie haben noch nie etwas von Menschenrechtskonvention und Grundgesetz gehört.
Gleich die ersten drei Gebote sind verfassungswidrig.
1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.

Religionszwang, Sippenhaft und Frauendiskriminierung.
Darauf ist also Herr Voderholzer stolz.

[….] Deutschlandfunk:
Sie halten zum Beispiel die zehn Gebote nicht mehr für zeitgemäß. Wie das? Was kann man haben gegen „Du sollst nicht töten, ehebrechen, falsch Zeugnis reden“?
Schmidt-Salomon:
 Nun, man muss sich ja die zehn Gebote dann wirklich im Original-Wortlaut anschauen, und dann stellt man fest, dass schon das erste der zehn Gebote ein Verstoß ist gegen Verfassungsprinzipien. Da wird ja gesagt: „Ich bin ein eifersüchtiger Gott, und jeder der mir Feind ist, dessen Schuld verfolge ich an den Söhnen in der vierten und fünften Generation“. Hier haben wir schon Religionszwang und Sippenhaft. Das sind keine fortschrittlichen Vorstellungen. Und wenn wir das zehnte Gebot nehmen, da werden Frauen gleichgesetzt mit Sklaven und anderen Besitztümern der Männer. Auch das ist sicherlich nichts, was wir im 21. Jahrhundert noch als vorbildlich verstehen würden – was aber auch völlig verständlich ist, denn die zehn Gebote sind auf einer anderen kulturellen Epoche, also auf einem anderen Stand der kulturellen Evolution der Menschheit entstanden. Wir brauchen heute ganz andere Regelungen. Die Welt ist kompliziert geworden und da können wir nicht mit dem archaischen Instrumentarium einer Hirtenkultur an die Probleme der Zeit herangehen. [….]

Samstag, 12. Oktober 2019

Die Ratte, die das sinkende Schiff nicht verlässt.


Hilfe, jetzt ist es schon so weit, daß ich ob des nerosk tobenden Trumps kleine Anflüge von Mitleid mit Mike Pence bekomme.
Der 60-Jährige hatte nach 12 Jahren im Repräsentantenhaus und vier Jahren als Gouverneur von Indiana sehr viel mehr Glück als Verstand, als er plötzlich zum US-Vizepräsidenten aufstieg und ob des großen Altersunterschiedes zum potus davon zu träumen begann dereinst mächtigster Mann der Welt zu werden.
Ein Job, der ihm wahrlich nicht in die Wiege gelegt wurde.

Der mutmaßlich schwule junge fromme Pence wollte zunächst katholischer Priester werden, aber selbst dazu fehlte ihm alles. Insbesondere Intelligenz und Charisma.
Wie so häufig bei lebenslang unterdrückter Homosexualität in extrem gläubigem Umfeld, blieb ihm nur die Kompensation durch Übererfüllung der Frömmigkeit gepaart mit radikaler öffentlicher Homophobie.
Er konvertierte zu der noch radikaleren und homophoben evangelikalen Grace Evangelical Church, heiratete 1985 Karen Sue Batten und stritt fortan gegen LGBTI-Rechte und für Konversionstherapien.
In einem ultrakonservativen Umfeld musste so ein Mann ohne Charisma, aber mit handfester Hass-Agenda nur abwarten bis 2000 der bisherige GOP Mandatsinhaber David M. McIntosh weiter aufstieg, um dessen Sitz im US-Repräsentantenhaus zu erben.
Ebenso verfuhr der schwulenhassende Evangelikale beim nächsten Karriereschritt im Jahr 2013: Er folgte seinem GOPer Buddy Mitch Daniels, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren durfte.
Als Gouverneur konnte er weiterhin kein Charisma generieren, sorgte aber immerhin weltweit für Aufsehen, als er den Erwartungen seiner evangelikalen Basis entsprechend  2015 eins der homophobsten Gesetze der USA, die „Religious Freedom Bill“ unterzeichnete, mit dem Ladenbesitzer mit Verweis auf ihren Glauben Dienstleistungen an Homosexuellen verweigern können.

So ein verklemmter Ultrakonservativer hat eigentlich kaum Chancen auf ein ganz großes Amt auf nationaler Ebene. Er ist weder originell, noch schlagfertig, noch verfügt er über irgendeine Qualifikation, außer daß er wunschgemäß all die absurden Ansichten der ultraradikalen Evangelikalen nachplappert. Da das hinlänglich bekannt ist, zitiere ich an dieser Stelle ausnahmsweise Wikipedia:

„Er fasste seine Überzeugung mit "Ich bin Christ, konservativ, Republikaner - In dieser Reihenfolge" zusammen.
Als Maßnahme gegen illegale Migration stellt Pence die Birthright Citizenship in Frage, die bei einer Geburt innerhalb der Vereinigten Staaten automatisch zur US-Staatsbürgerschaft berechtigt, da Einwanderer dadurch nicht mehr berechtigt werden, durch die Geburt eines Kindes eine dauerhafte Bleibemöglichkeit in den USA zu erhalten. Pence stimmte 2001 für den USA Patriot Act. Außenpolitisch unterstützte er 2003 den Irakkrieg. Pence befürwortet ein Flat Tax-System.
Sein Abstimmungsverhalten im Repräsentantenhaus weist ihn als Abtreibungsgegner und Gegner von LGBT-Gleichberechtigung aus. Pence akzeptiert den weitgehenden Konsens unter Wissenschaftlern nicht, dass die globale Erwärmung durch menschliches Handeln verursacht wird. Er zweifelt wissenschaftlich erwiesene Fakten wie die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens an. Pence befürwortet, dass neben anerkannter Wissenschaft auch Kreationismus in Schulen gelehrt wird und die Schüler selber entscheiden könnten, was richtig ist. Er unterstützt Intelligent Design, das sich gegen die Evolutionstheorie richtet.
Pence ist Anhänger des Prosperity Gospel und somit der Auffassung, dass entsprechend der Vorstellungen zur Prädestination Gottes materieller Reichtum und persönlicher Erfolg (oder aber Misserfolg) ein Beweis für die Gunst (oder Ungunst) Gottes seien, eine bei Anhängern fundamentalistischer Freikirchen verbreitete und gesamtgesellschaftlich umstrittene Ansicht.“

So einer konnte nach den acht vergleichsweise liberalen Obama-Jahren mit bundesweit erlaubter gay marriage keinen Blumentopf gewinnen.
Aber Pence hatte wieder einmal unverschämtes Glück: Die GOP-Präsidentschaftskandidatur lief auf einen Typen hinaus, der in so ziemlich jeder Hinsicht das Gegenteil des biederen, langweiligen, uncharismatischen, vom Lande stammenden Partei- und Kirchen-Soldaten Klemmschwester Pence war:
Trump, der schillernde New Yorker ohne irgendeine Partei- und Regierungserfahrung, der Pornosternchen vögelte, Behinderte nachäffte, von 19 Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde und damit prahlte Pussys zu grabben.
Traditionell versuchen Parteien ein Ticket zu schaffen, bei dem der VP das ausgleicht, was der Spitzenkandidat nicht hat, um so größere Wählerschichten zu erreichen.
Also passte der biedere, ultrafromme GOP-Mann aus der Provinz perfekt.
Die Show, den Wahlkampf, die Finanzierung würde Trump liefern. Pence musste im Gegenzug nur still sein, durfte Trump niemals kritisieren und so durch seine pure Anwesenheit die evangelikalen und katholischen Wähler bei der Stange halten.

Und wer könnte besser durch öffentliches Schweigen und Verschweigen als PR-Aushängeschild dienen als Mike Pence, der seit über 30 Jahren vorgibt so monogam und heterosexuell zu sein, daß er sich strikt an die Graham-Regel hält, die nun auch Mike-Pence-Regel heißt: Niemals mit einer anderen Frau als der Ehefrau in einem Raum sein.

[….] 2002 [….] erklärte der Politiker, er hätte es sich zur Regel gemacht, niemals alleine mit einer Frau außer Karen Pence in einem Raum zu sein oder essen zu gehen. Außerdem würde er bei allen Veranstaltungen, bei denen Alkohol fließe, seine Ehefrau an seiner Seite wissen wollen oder sonst daheim bleiben. [….]

Pence war also der geborene Meister-Hypocrit, der als christlich-evangelikales Feigenblatt bis zur totalen Selbstaufgabe für den Kandidaten stritt, der sich Jahrzehnten mit Miss-Wahlen beschäftigte, immer wieder Pornodarstellerinnen für Sex und ihr späteres Schweigen bezahlte, mehrere Ehefrauen betrog.

Aus den glorreichen Tagen des 2016-Wahlkampfes und des ersten Trump-Kabinetts aus dem Januar 2017 ist fast niemand mehr geblieben außer den Fanatikern Kellyanne Conway und Stephen Miller hinter den Kulissen, sowie des stets stoisch an Trumps Seite stehenden Pence.
Alle anderen Berater, Sprecher, Minister, Beauftragten sind inzwischen schreiend weggelaufen.
Und zum Ende des Jahres 2019 scheinen sich endlich die drei Jahre Schweigen, die totale Selbstverleugnung, die nie dagewesene Heuchelei, das Lügen auszuzahlen: Trump gerät bei dem angedrohten Impeachment und durch seine radikal verrückte und korrupte Außenpolitik derart unter Druck, daß es nun doch nicht mehr ausgeschlossen scheint ihn vor dem Januar 2021 aus dem Amt zu schieben.
Dann könnte das eigentlich Ungeheuerliche und maximal Unwahrscheinliche passieren: Ein verklemmter, vollkommen ungeeigneter und radikal evangelikaler Provinz-Depp, der immer noch behauptet nicht schwul zu sein, könnte zum mächtigsten Mann der Welt werden.

Aus Pence‘ Sicht ist das nicht so abwegig. Alle anderen Trump-Alliierten wie Scaramucci, Hicks, Sanders mussten das sinkende Schiff verlassen, weil sie mutmaßlich noch viele weitere Jahre einen Job benötigen werden und sich nicht erlauben können durch die Nähe zu Trump für den Rest ihres Lebens so vergiftet zu sein, daß sie niemand mehr einstellen würde.
Pence aber hat nichts zu verlieren. Er ist schon 60, EX-Gouverneur und EX-Abgeordneter aus der Provinz, der nichts kann außer nachzurutschen, wenn der über ihm ausfällt.
Das ist seine Chance. Seine einzige. Wenn er Trump verließe und sich damit den donnergrollenden Zorn des tobenden Orangs zuzöge, hätte er keine Chance aus eigener Kraft noch irgendwo irgendetwas zu werden.
Also hält er weiter seinen Mund und leckt Trump artig dessen Füße.

Aber die ultimativen Karrierepläne des VP könnten zerplatzen, weil er immer noch die destruktive und bösartige Seite seines Chefs unterschätzt. Trump erwartet bedingungslose Loyalität, ist aber selbst radikal illoyal zu seinen Mitarbeitern. Gerät er unter Druck, wirft er mit Freude seine Freunde in das gegnerische Waffenfeuer. Er wollte doch Selenskyj gar nicht anrufen, tat das nur auf Wunsch von Rick Perry. Er wollte doch seinen Fixer Rudy gar nicht nach Kiew schicken; das war Pompeo.
Trump ist schiebt immer die Schuld auf andere und so war es auch sein erster Instinkt Pence mit Dreck zu bewerfen, als sich die Impeachmentscheinwerfer auf ihn gerichtet wurden.

Gut möglich, daß es Nero-Trump aus purer Bosheit gelingt bei einem Amtsenthebungsverfahren auch seinen VP mit in den Abgrund zu ziehen.

[….] Mike Pence ist dieser Tage eher selten in Washington. Der US-Vizepräsident tingelt lieber durch die Provinz, um Wahlkampf zu machen.


Doch selbst 1600 Kilometer von Washington entfernt konnte Pence dem Drama in der US-Hauptstadt nicht entkommen: Die Reporter fragten ihn nicht nach Iowas Landwirtschaft, sondern sofort nach der Ukraineaffäre.
[….]  Ob er gewusst habe, dass Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gedrängt habe, gegen seinen demokratischen Rivalen Joe Biden zu ermitteln, wollte NBC-Korrespondent Vaughn Hillyard wissen. "Das ist Ihre Frage" murrte Pence - ohne sie zu beantworten. [….]  Pence [spielt] weiter den unbedarften Loyalisten, eine Rolle, die er perfektioniert hat, seit Trump ihn zum Vize gemacht hat. Doch die Ukraineaffäre bringt nun auch ihn in die Zwickmühle: Entweder hat er tatsächlich keine Ahnung - oder er ist ein Mitwisser. So oder so: Es scheint immer fraglicher, dass er einen Sturz Trumps schadlos übersteht.
Pence ist tiefer in den Skandal verstrickt, als er zugeben will. Trump wies ihn an, nicht an der Vereidigung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Mai teilzunehmen. Erst im September traf er sich mit Selenskyj, um Trumps Forderungen an die Ukraine zu vertreten. Was genau besprochen wurde, bleibt unklar. Unter Strafandrohung haben die Demokraten nun auch von Pence interne Papiere angefordert, um seine Rolle in der Affäre aufzuklären.
[….]  Bisher hielt sich Pence bei allen Skandalen im Hintergrund, doch in der Ukraineaffäre fällt ihm das immer schwerer. Schon wird gemunkelt, dass der Skandal auch ihn stürzen könnte, ob durch Impeachment oder gerichtliche Anklage - ein Schicksal, das einst auch Richard Nixons Vizepräsident Spiro Agnew drohte. [….]