Freitag, 11. September 2026

Autoritätsverfall

So tief bin ich vielleicht noch nie gesunken. Vor drei Tagen war es soweit. Nach dem CDU-Desaster von Magdeburg, saß der unbeliebteste Bundeskanzler aller Zeiten zur Generaldebatte über den Kanzler-Etat im Bundestag und wirkte, während er von feixenden Nazis mit Häme überzogen wurde, so bedröppelt, daß ich Mitleid mit ihm bekam. Es wirkte, als hätte der Mann nach vollen 70 Jahren ohne jede Selbstzweifel; sieben Dekaden Überzeugung, der Klügste, Schönste und Beste zu sein, urplötzlich einen Moment der Erkenntnis gehabt: Also hörte sein „Ich“ nach 70 Jahren außer dem dominanten „Es“ das erste mal ein „Über-Ich“ mit der brisanten Frage „Und wenn ich nun doch nicht DER ALLERGEISTE bin?“

Aber nach drei Mikrosekunden war es wieder vorbei mit meinem Mitgefühl, als mir einfiel, wie höhnisch Merz über Olaf Scholz hergefallen war.

Wie er xenophobe Attacken ritt, queere Belange mit maximaler Arroganz als Zirkuszelt bewertete, so ziemlich auf jede Minderheit eindrosch, die meisten Bevölkerungsgruppen beleidigte und dem Ausland wieder „den häßlichen Deutschen“ präsentierte.

Aber so abstoßend die Merzsche Persönlichkeit auch auf sein Volk wirken mag, sie spielt verglichen mit dem eigentlichen Problem keine Rolle: Merz versteht einfach nichts von Politik! Er stellt seine bundeskanzlerischen Vorhaben immer noch kein bißchen in Frage. Er will dabei bleiben, die dringend benötigten Migranten aus Deutschland zu verjagen, die Binnenkonjunktur abzuwürgen, indem er den Menschen, die ihr Geld in die Läden tragen, die Mittel entzieht. Für ihn steht es weiterhin außer Frage, den Klimaschutz zurück zu drehen, den Wünschen der Fossillobby zu entsprechen und im Akkord küssend, jeden Milliardärshintern zu umkreisen.

Merz würde wirklich gern seine Politik besser und emotionaler verkaufen. Das gelingt ihm aber nicht nur nicht, weil er nicht kommunizieren kann und völlig empathielos ist, sondern weil sein Politik-Produkt einfach beschissen ist. Da nützen die beste Werbekampagne und der beliebteste Verkäufer nichts: Jedes Jahr über 80 Milliarden Euro für klimakillende fossile Energieträger aus Deutschland rauszuwerfen und darüber hinaus mindestens 60 weitere Milliarden den Energiekonzernen in die Hintern zu schieben, damit der Verbrauch von toxischen Erdaufheizungsprodukten gefördert wird, statt auf kostenlose und klimaschonende Techniken zu setzen, ist schlicht und ergreifend sagenhaft blöd. Da nützt ein hübsches rotes Schleifchen um Reiche herum auch nichts.

[….] Die Generaldebatte zeigt einmal mehr: Die AfD träumt vom Abriss der Demokratie. Umso mehr bräuchte es einen Kanzler, der eine eigene Erzählung dagegen stellt. Doch Merz liefert sie immer noch nicht.

Es ist ... ja, was eigentlich? Ärgerlich, traurig, bitter, beängstigend, enttäuschend? Jedes dieser Attribute passt auf das, was sich da im Bundestag abgespielt hat. Ein Kanzler, der ganz offensichtlich ratlos und hilflos mit dem Rücken zur Wand steht. Der es nicht fertiggebracht hat, eine Rede zu halten, die eines Kanzlers würdig ist. Eine Erzählung zu liefern, endlich zu sagen, wo er denn eigentlich das Land hin regieren will. [….]

Und der Kanzler? Reagiert dünnhäutig und bietet selber nichts an. Dabei hat er doch am Montag noch gesagt, er will es anders, besser machen als bisher. Er wolle die Menschen erreichen, auch mit Emotionen. Davon aber war nichts zu hören und wenig zu spüren. [….] Zwar gibt Merz in seiner Rede sogar zu, den Sinn der Reformen bisher nicht erklärt zu haben, gesteht das sogar als Fehler ein - lässt dann aber die Gelegenheit verstreichen, genau das zu tun. Und all das unter dem unerträglichen Gebrüll und Gejohle der AfD-Fraktion. [….]

(Tagesschau-Kommentar von Sabine Henkel, 09.09.2026)

Besser kann es nur werden, wenn Merz alle C-Mitglieder aus der Bundesregierung entlässt, sich selbst ebenfalls vom Kanzleramt fernhält und eine inhaltliche 180°-Wende eingeschlagen würde.

Natürlich fehlt dem Briloner Blindgänger die intellektuelle Kraft, um das zu begreifen und so reitet er tumb das längst verstorbene Kanzlerschaftspferd weiter in den Orkus.

Auch seinen CDU-Epigonen fehlt sie Einsicht, um den Satz „wir lagen mit allem falsch, Reiche hat versagt, wir müssen Habeck zurückholen“ auszusprechen. Aber ihre Politantennen empfangen wenigstens die Information, daß ihr eben noch angehimmeltes Sauerland-Idol aus den neoliberalen frühen 1990ern, die Prokura verlor.

So rüffelte der CDU-Bundesvorsitzende öffentlich den Kohlekraft-Fetischisten und Fraktion-Vize Sepp Müller. Dieser möge sich zurückhalten und Noch-MP Sven Schulze keine Messer in den Rücken rammen.

Der Mann aus Dessau ließ Merz allerdings wissen „ist mir doch egal, was du willst“ und stürzte sich erst Recht in den Kampf um die Macht in der Landespartei. Als sein Intimfeind Schulze in einem maximal absurden Stunt, als amtierender Ministerpräsident in einer Kampfanstimmung auch noch mit 8:7 Stimmen den Fraktionsvorsitz  errang, ging der Unterlegene zu Markus Lanz und pestete los.

[…]  Der stellvertretende Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Sepp Müller, hat sich über die ersten Personalentscheidungen seiner Partei nach der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt enttäuscht gezeigt. Mit Blick auf den noch amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU), der am Dienstag von der Fraktion zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt wurde, sagte Müller in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz: »Es ist ein fatales Signal, wenn man am Abend zuvor sagt, man macht den Weg frei für einen Neuanfang.« [….] Müller sagte, seine Partei liege in Trümmern. Die Glaubwürdigkeit fehle. Müller gilt als dezidierter Gegner Schulzes und vertritt die Auffassung, dass jegliche Zusammenarbeit mit der Linken die CDU zerreißen würde.  [….]

(Zeit, 09.09.2026)

Ebenso bezeichnend für den Zusammenbruch der Merzschen Autorität ist eine Nachwirkung der von ihm völlig verhunzten Kabinettsumbildung, die den dezidierten gesundheitspolitischen Ahnungslosen Linnemann zum Gesundheitsminister hochjazzte. Nun brauche Merz blitzartig einen neuen Generalsekretär und berief die Hamburgerin Franziska Hoppermann.

Seinem Markenzeichen entsprechend, die Konsequenzen nicht zu antizipieren, hatte er vergessen zu ergründen, wie die Personalie wohl im Stab des Generalsekretariats ankam: Nämlich sehr schlecht. Linnemanns Vize, die stellvertretende CDU-Generalsekretärin Christina Stumpp, kann Hoppermann nicht ausstehen. Die beiden Frauen hassen sich wie die Pest.
Also ging Merz zu ihr, um sie rauszuschmeißen, damit seine neue Personalie Hoppermann nicht beschädigt wird.

Da kam der 70-Jährige Bundeskanzler, der Regierungschef der drittgrößten Industrienation der Erde und CDU-Bundesparteivorsitzende also zu der 38-Jährigen Frau aus der zweiten Reihe und diese sagte ihm: „Nö, ist mir doch egal was du willst, ich bleibe!“

Der Sauerländer Simpel war so verdattert, daß er sie am nächsten Tag ein weiteres mal aufforderte, ihren Posten zu räumen und wieder drehte sie ihm nur eine lange Nase. Die CDU im Hühnerhaufenmodus. Das Personal tanzt auf den Tischen und ignoriert die Wünsche des Bosses.

Immerhin, nach all den Querelen scheint Merz es heute doch geschafft zu haben, die junge Schwäbin niederzuringen:

[…]  Sie wehrte sich vehement: Kanzler Merz drängt prominente CDU-Politikerin zum Rückzug[….] Die CDU hat in diesem Sommer schon einige, eher außergewöhnliche Personaldebatten erlebt, aber diese toppt das Bisherige: Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz wollte seine stellvertretende Generalsekretärin Christina Stumpp loswerden. Doch die 38-jährige Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg weigerte sich zunächst, ihren Posten aufzugeben.

Am Freitagabend kam dann die Pressemeldung aus der CDU-Parteizentrale: Demnach wird Stumpp ihr Amt am 21. September niederlegen. Der Parteivorsitzende Friedrich Merz werde den Parteigremien als Nachfolger den Bundestagsabgeordneten Michael Hose aus Thüringen als kommissarischen stellvertretenden Generalsekretär vorschlagen. [….] Zuerst hatte  Table.Briefings über die Causa Merz und Stumpp berichtet. Darin hieß es, der Parteichef und die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hätten die Ablösung Stumpps beschlossen - und Merz habe ihr bereits vor Tagen nahegelegt, zurückzutreten. [….] Doch sie blieb: Sie sei weiterhin „stv. Generalsekretärin der CDU Deutschlands“, teilte Stumpp auf der Plattform X mit. Die Behauptung, dass sie ihren Posten aufgebe, sei „unzutreffend“. [….] Für ihre Weigerung, ihren Posten aufzugeben, nannte Stumpp zuvor auch formale Gründe. Nach Informationen von Table.Briefings erklärte sie in einer Telefonschalte mit den CDU-Generalsekretären von Bund und Ländern, sie sei vom Parteitag gewählt und werde im Amt bleiben. Politische Beobachter werteten dies allerdings als ein weiteres Indiz, dass die Autorität des CDU-Vorsitzenden Merz beschädigt ist. [….]

(Die Schwäbische, 11.09.2026)

In den Hauptstädten der Welt wird man sich ausschütten vor Lachen über die Kaspereien im Inneren der Merz-Partei.

Donnerstag, 10. September 2026

Polen ist verloren

Italien, Polen, Irland, Malta sind die katholischsten Länder Europas. Mein polnisch-stämmiger Vater sagte immer ‚alle Polen sind Katholiken, auch die Ungläubigen‘.

In einem, in der Tat so kulturkatholisch geprägten Land, wie Polen, ist es gar nicht so leicht festzustellen, wie hoch der Katholikenanteil tatsächlich noch ist und wie viele von ihnen den Glauben auch praktizieren.

Sicher sagen kann man aber, daß Polen seit 1978 und der spektakulären Wahl Karol Józef Wojtyłas zum Papst, als 99,9% der Polen vor Stolz platzten, enorm viel passiert ist.

Polens Wirtschaft wächst seit zwei Jahrzehnten stärker als die Deutsche. Die Polen sind all das, was Deutsche nicht sind: Jung, gut gebildet, optimistisch und digital. Polen boomt.

Für Andrzej Domański (*1981), Tusks Superminister für Finanzen und Wirtschaft,  sind das goldene Zeiten. Für die Katholische Kirche gilt das Gegenteil. Gebildete, selbstbewußte, optimistische Menschen sind Gift für Religionen, die muffige patriarchalische Vorschriften einer primitiven Hirtenkultur verkaufen.

Von nahezu 100%, sank der Katholikenanteil auf gegenwärtig rund zwei Drittel. Die Polen gucken genauer hin, was ihre Pfaffen treiben, sind weniger eingeschüchtert, lassen sich nicht mehr für dumm verkaufen. Schlechte Zeiten für barocke Kleriker, die Wasser predigen, während sie bei Wein, Mann und Gesang bacchanalisieren. 

Da es in Polen besonders viele Pfarreien und besonders viele Geistliche gibt, sind auch die pädosexuellen Übergriffe auf Messdiener und schwulen Sexpartys unter Priestern häufig Thema in den Medien.

[….] Für die katholische Kirche ist die Angelegenheit maximal peinlich. Eigentlich sollen ihre Priester enthaltsam leben und sich ganz auf Gott konzentrieren, deshalb verbietet das sogenannte Zölibat katholischen Geistlichen die Ehe. Nicht weniger rigoros verhält sich der Vatikan zur gleichgeschlechtlichen Liebe: Homosexualität widerspreche dem Willen Gottes, so die Linie Roms, auch wenn es ein offenes Geheimnis ist, dass auch Männer der Kirche Sex miteinander haben. Doch in Polen wird ein Fall jetzt zum Aufreger – und das nur wenige Wochen vor der Parlamentswahl.

Anlass für die öffentliche Debatte ist eine Sexparty unter katholischen Priestern, die mit einem medizinischen Notfall endete. Das berichtet die Zeitung "Gazeta Wyborcza" unter Berufung auf einen der Partygäste. Demnach feierten die Geistlichen ihre Orgie in Dąbrowa Górnicza im Süden des Landes in einer kirchlichen Dienstwohnung. Auch ein Sexarbeiter sei angeheuert worden. "Die ganze Veranstaltung war rein sexueller Natur, die Teilnehmer nahmen alle Potenzmittel", zitiert die Zeitung ihre anonyme Quelle. "Dann geriet alles außer Kontrolle und der Sexarbeiter verlor das Bewusstsein." [….]. Fest steht nur, dass ein herbeigerufenes Rettungsteam zunächst nicht zu ihm durchkam: Wohl aus Furcht vor dem Skandal ließen die Priester die Sanitäter nicht ins Gebäude. Diese mussten erst die Polizei rufen, die den Helfern den Weg frei machte zu dem ohnmächtigen Sexarbeiter. [….]

Er bete dafür, dass Pfarrer Tomasz Z. von seiner sexuellen Orientierung geheilt werde, schreibt Bischof Kaszak weiter. Allein dieser Satz zeigt das extrem konservative Weltbild der katholischen Kirche in Polen. In Deutschland sind sogenannte Konversionstherapien zur "Behandlung" von Homosexualität seit 2020 verboten. Heikel ist die außer Kontrolle geratene Priesterorgie aber nicht nur für die polnische Kirche, die sich nach außen gerne als Hüterin einer strengen Sexualmoral darstellt. [….]

(T-online, 25.09.2023)

Das Suffraganbistum Sosnowiec wurde erst 1992 von Wojtyła gegründet, der es aus Teilen Erzbistümer Częstochowa und Krakau sowie des Bistums Kielce zusammenschusterte und es neben dem Bistum Radom dem Metropoliten von Tschenstochau unterstellte.

[….] Schwulenclubs und Leichenfunde

Es ist nicht der erste Skandal, der Sosnowiec, eine mittelgrosse Diözese im Südwesten des Landes, erschüttert. Im Jahr 2010 war der Interimsrektor des Priesterseminars von Sosnowiec in eine Auseinandersetzung in einem Schwulenclub verwickelt, blieb jedoch über ein Jahr lang in seinem Amt, auch nachdem der Fall in den polnischen Medien bekannt wurde.

Im März 2023 wurde die Leiche eines 26-jährigen Diakons mit Wunden entdeckt, die ein Verbrechen implizierten. Laut der örtlichen Staatsanwaltschaft soll ein 40-jähriger Priester für den Mord an dem Diakon verantwortlich gewesen sein – der Mann nahm sich daraufhin das Leben. Laut der Staatsanwaltschaft hätten die beiden seit einiger Zeit eine turbulente Beziehung geführt, wobei der Priester dem Diakon Drohbotschaften geschickt habe.  […]

(20 Minuten, 26.10.2023)

Wacław Tomasz Depo, der gegenwärtige Erzbischof von Częstochowa, empfand aber wenig Freude an den Skandalnudeln seiner schwul-fidelen Suffragandiözese Diecezja sosnowiecka, deren Bischof Kaszak seine Karriere Ende 2023 unrühmlich gegen die Wand steuerte.

[….] Mit nur 59 Jahren ist Bischof Grzegorz Kaszak zurückgetreten – zuvor sorgte eine angebliche Sexparty für Schlagzeilen. Ein Priester berichtet nun von einem moralischen Verfall der Diözese "seit vielen Jahren".

Das südpolnische Bistum Sosnowiec (Sosnowitz) steckt laut dem Warschauer Philosophieprofessor und katholischen Priester Andrzej Kobylinski in einer schweren Krise. [….] Papst Franziskus hatte am Dienstag den Amtsverzicht Kaszaks akzeptiert. [….] "Der moralische Verfall der Diözese dauere seit vielen Jahren an", so Kobylinski. "Man kann nur Mitleid mit den Gläubigen in Sosnowiec haben, dass sie in den vergangenen Jahren mit solch ungeheuren Sittenskandalen des Klerus im Bistum zu kämpfen hatten." Es müsse geklärt werden, warum sich Kaszak so lange im Amt habe halten können, so der Professor der Warschauer Kardinal-Wyszynski-Universität. [….]

(Katholisch, 25.10.2023)

Die ersten 30 Jahre der Diözese mochte das Prälaten-Rudelbumsen, Priesterseminaristen-Vergewaltigen und K1nderf1ck€n noch ungestört möglich gewesen sein für die südpolnische Geistlichkeit. Aber im Social Media-Zeitalter mit einer immer selbstbewußteren Bevölkerung, konnten Kaszak und Co ihren gut 600.000 Schäfchen (Katholikenanteil 94%) immer weniger Begeisterung entlocken.

2024 ernannte Bergoglio Artur Ważny zum neuen Bischof von Sosnowiec.

Als langjähriger bischöflich beauftragter Exorzist hätte Ważny eigentlich subtilere Methoden wählen können, um den Pädosexsumpf seiner 162 Pfarreien auszutrocknen. Stattdessen setzte er aber sehr profan eine Kommission ein. 

[….] Der neue Bischof des kriselnden polnischen Bistums Sosnowiec, Artur Wazny, hat noch vor seinem Amtsantritt am vergangenen Wochenende eine unabhängige diözesane Kommission eingerichtet, die den Missbrauch durch Kleriker in dem südpolnischen Bistum untersuchen soll. Laut einem Bericht des Internetportals ucanews.com von Dienstag soll es sich um die erste derartige Untersuchungskommission in der katholischen Kirche Polens handeln. Zur Begründung für seinen Schritt erklärte Wazny, dass es ihm "um die Wahrheit" gehe. Ohne Wahrheit seien die Liebe und die Mission der Kirche nicht möglich. Ziel müsse es sein, die Wahrheit zu erlangen, "auch wenn es sehr schmerzhaft ist, denn wir werden mit der Tatsache konfrontiert, dass bestimmte Dinge geklärt, bereinigt, gesühnt, bereut und neu begonnen werden müssen".

Laut dem Bericht ernannte Wazny eine pensionierte Staatsanwältin aus Kattowitz zur Vorsitzenden der Untersuchungskommission, auch dies sei für die Kirche in Polen eine Premiere. Zudem sollten dem Gremium auch Experten für weltliches und kirchliches Recht, für Geschichte und Archivwissenschaften, für Psychologie und Psychotherapie sowie für Kommunikation angehören.  [….]

(Katholisch, 27.06.2024)

Das hatte aber schon seine Gründe, die priesterlichen Perversionen lieber zu verschweigen, zu vertuschen und zu verleugnen. Findet zumindest ein heute 64-Jähriger Priester aus Sosnowitz, der nun die nächsten 14 Jahre im Knast sitzen wird.

Dabei hatte er „Glück“, denn die Staatsanwaltschaft hätte ihn gern für länger weggesperrt.

[….] Wegen sexuellen Missbrauchs von sieben Minderjährigen und Besitzes von Kinderpornografie ist ein Priester in Polen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Die am Mittwoch vom Bezirksgericht im südpolnischen Sosnowiec verhängte Strafe ist nach Angaben der örtlichen Staatsanwaltschaft eine der härtesten, die in dem Land je in Sexualstrafverfahren gegen einen Geistlichen erging. Das Gericht sah insgesamt neun Übergriffe zwischen 2008 und 2024 als erwiesen an, berichtet die Nachrichtenagentur KNA.

Der Richter untersagte dem Priester zudem lebenslang jede berufliche oder sonstige Tätigkeit, bei der er mit Kindern zu tun hätte. Der 64-jährige Verurteilte muss den Opfern laut dem noch nicht rechtskräftigen Urteil insgesamt rund 90.000 Euro Entschädigung zahlen. Er hatte als Gemeindepfarrer gearbeitet und an Schulen Religion unterrichtet. [….] Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess nach eigenen Angaben eine noch härtere Strafe gefordert. Einzelheiten nannte sie aber nicht, weil das Gericht die Öffentlichkeit vom gesamten Verfahren ausschloss.  [….]

(Kathpress, 10.09.2026)

Mittwoch, 9. September 2026

Zukunft abgekürzt.

Die Jugend in den frühen 1980ern, ab dem Sommersemester 1988 an der Uni, Ende der 1990 bekamen die meisten meiner ehemaligen Mitschüler Kinder. In den 2010nern starben meinen Freunden die Eltern weg. Nun sind wir, Ende Boomer/Anfang GenX, kurz vorm Rentenalter. Einige wenige hatten Jobs, in denen sie sehr viel verdienten und sind finanziell gut abgesichert. Die Mehrheit stellt sich auf Schmalhans im Alter ein, gruselt sich vor einsamer Abhängigkeit in völlig überlasteten Pflegeeinrichtungen. Es muss nicht unbedingt besser sein, Kinder und Enkel zu haben, weil man sich darum sorgt, ihnen zur Last zu fallen. Außerdem gibt es diverse Altersgenossen, die jetzt schon mit teilweise erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen leben. Man ist in diesem „irgendwas ist immer“-Alter. Die Gesundheitschecks werden unheimlicher, weil es immer wahrscheinlicher wird, daß Probleme gefunden werden. Mit meinem 25 Jahren altem Auto fahre ich auch nicht mehr unbeschwert zum TÜV.

Als ich letztes Jahr auf der Straße hinschlug, weil ich offenbar zu senil bin, um sicher zu gehen, wurde mein Knie geröntgt. Da Bild klemmte schon auf dem Lichtboard, als ich auf die junge Orthopädin wartete. Nach meinem Laienverständnis sah ich keine Knochenverletzungen, aber merkwürdige Frakturkallus-artige Wucherungen, die mir Sorge bereiteten. Als die Ärztin kam, entwarnte sie; „nichts gebrochen“. Auf meine besorgte Frage, was das für eigenartige Wölkchen wären, winkte sie ab „ach, das sind nur ganz normale Ablagerungen IN IHREM ALTER!“

Klar. Aus Sicht einer Anfang-30erin bin ich ein Wrack. Aber andererseits sollten statistisch noch ein paar Dekaden Lebenszeit übrig sein, auch wenn immer mehr Symptome auf eine baldige Überschreitung meines Mindesthaltbarkeitsdatums hinweisen. Natürlich, Joghurt, Quark und Nudeln sind nach dem Ablauf des MHD immer noch genießbar. Ich habe noch das Schimpfen meiner Mutter im Ohr, wenn ich als Generation Überfluss, Lebensmittel mit dem Erreichen des MHD in den Müll werfe.

Also, man kann den abgelaufenen Reis natürlich noch essen, aber dabei entwickelt sich ein latentes Unbehagen. Unterbewußt schmeckt man nach, ob das wirklich noch gut ist. Genauso geht es mir, bei dem Gedanken, die nächsten Male zu Nullen.

Offensichtlich leben viele dann immer noch, aber ob das noch so toll schmeckt?

Besser wird es jedenfalls nicht.

Allerdings gibt es global erhebliche Anzeichen für eine deutliche Abkürzung unser aller und natürlich damit auch meiner Restlaufzeit.

2020 erinnerte uns an die durchaus reale Gefahr einer Pandemie, die wirklich jedes menschliche Leben ausrottet. Die Chancen, einer globalen Seuche zu erliegen, steigen, weil wir mehr werden, uns enger auf die Pelle rücken, von Algorithmen systematisch zu Covidioten verblöden, die sich Impfungen und Masken verweigern und natürlich durch immer mehr rechtsextreme Gaga-Regierungen, die wie die USA aus der WHO austreten, Virologen die Forschungsmittel entziehen, Gesundheitsbehörden schließen. Ein gefährlicher Spinner und Verschwörungstheoretiker ist jetzt US-Gesundheitsminister, die Amis lassen sich weniger Impfen und die Regierungspartei klagt Dr. Fauci an.

2022 der Ukraine-Krieg, 2023 die Hamas-Attacke mit der darauf folgenden Vernichtung Gazas, 2026 der Beginn des US-Krieges gegen den Iran. Der hybride Krieg Russlands gegen Westeuropa, der Beginn der Kriegsphase Null auf deutschem Boden und erst Recht ein mental inzwischen vollkommen unzurechnungsfähiger US-Präsident, der als Oberbefehlshaber mit dem Atomkoffer in der Hand Wutanfälle bekommt; machen einen Weltkrieg, womöglich einen Atomweltkrieg, sehr viel wahrscheinlicher. Das Two-Theater-Szenario, also ein simultaner Angriff Chinas auf Taiwan und Russlands auf das Baltikum wird rückt näher. Persönlich würde ich einen schnellen Tod in einem nuklearen Pilz natürlich bevorzugen. Für die Flora und nicht humanoide Fauna wäre es allerdings sehr unfreundlich.

Sehr sicher ist der Klimakollaps, von dem wir 2026 einen ordentlich Vorgeschmack in Deutschland erlebten. Schon jetzt sterben jedes Jahr weltweit Hunderttausende an den Folgen der Erderhitzung. Nur wir Reichen in den Industriestaaten können uns mit technischen Hilfsmitteln noch etwas länger am Leben erhalten. Selbst wenn die Menschheit heute vollkommen damit aufhörte, klimaschädigende Gase in die Lust zu blasen, würde sich die Erde noch 15-20 Jahre weiter aufheizen; so lange dauert es, bis die kritische Schicht um die Erdoberfläche erreicht ist.

Aber wir hören nicht nur nicht damit auf, das Klima zu zerstören. Wesentliche Player – USA, Deutschland, Russland – gehen diametral in die falsche Richtung, fördern massiv die Verbrennung fossiler Energieträger, bremsen die erneuerbaren Energien aus.

Der Hitzetod kommt also bestimmt und wird dramatische Migrationsbewegungen auslösen, wenn immer mehr Landstriche austrocknen und unbewohnbar werden. Das wird kein angenehmer Tod, der aber in Nordeuropa mit den entsprechenden finanziellen Mitteln vielleicht noch bis zu 20 Jahre auszusitzen ist, bis alles komplett zusammenbricht.

Aber es gibt Hoffnung! Vielleicht entkommen wir der Zombi-Apokalypse durch Pandemie, dem russischen Raketenbeschuss und der klimatischen Verglühung bei 50°C! Das bleibt uns nämlich alles erspart, wenn hyperkomplexe KI bis Ende der Dekade Homo Sapiens als die Gefahr erkennen, der er ist und uns einfach ausrottet.

Dafür spricht vieles, wie der KI-Guru Nate Soares erklärt.

[….] Soares: Es ist nicht so, dass diese Systeme uns hassen. Wir sind ihnen nur egal. So wie Ameisen uns Menschen egal sind. Wir bemühen uns nicht, Ameisen zu töten. Wir bauen nur manchmal unsere Sachen dorthin, wo Ameisen leben.

ZEIT: Aber wie könnte KI in der Lage sein, alle Menschen zu töten oder überhaupt einen Menschen?

Soares: Man muss sich klarmachen, wie sich die Menschheit entwickelt hat. Uns hat niemand eine Waffe in die Hand gedrückt. Die Primaten, die wir einst waren, haben Waffen entwickelt und sind schließlich bei Atombomben angekommen. Diese Macht, aus fast nichts etwas aufzubauen, mit dem man die Welt kontrollieren kann, sitzt im Kopf. Und genau diese Fähigkeit versuchen die KI-Firmen gerade zu automatisieren. Das ist das erklärte Ziel von Leuten wie Elon Musk und Sam Altman: automatisierte Fabriken, die Roboter bauen, die automatisierte Fabriken bauen.

ZEIT: Aber noch mal: Um der Menschheit ernsthaft gefährlich werden zu können, müsste sie Fähigkeiten entwickeln, die heute kaum vorstellbar sind. Wie genau kommt sie dorthin?

Soares: Das ist ungefähr so, als würde man im Jahr 1800 fragen, wie das Militär der Zukunft aussieht. Ein Wissenschaftler von damals wüsste bereits, wie viel Energie in Schwarzpulver steckt, also würde er sich vielleicht vorstellen, dass die Kanonen der Zukunft zehnmal stärker sein werden als seine. Das stimmt, damit hätte er ungefähr die Feuerkraft eines Panzers vorausgesagt. Aber auf die Vorhersage, dass es eine Bombe geben wird, die eine ganze Stadt auslöschen kann, käme er wohl nicht, sie klänge verrückt. Aber sie wäre wahr.

ZEIT: Wie könnte ein KI-Äquivalent der Atombombe aussehen?

Soares: KI könnte zum Beispiel den Gen-Code knacken. Wir können heute schon DNA auslesen und sogar verändern. Aber wir wissen nicht genau, wie sich die Aminosäureketten zu Proteinen falten. KI kann das schon heute besser als Menschen berechnen. Und wenn sie noch intelligenter wird, könnte sie es so gut können, dass sie neue Lebensformen erschaffen kann. Dann schickt sie vielleicht eine DNA-Sequenz an ein Labor und lässt sie synthetisieren. Das Röhrchen schickt sie zu irgendeinem Menschen und sagt ihm: Zerbrich das draußen. Und dann haben wir eine selbstreplizierende, von der KI gesteuerte Spezies. Wie gesagt, die KI macht das nicht, weil sie uns hasst, aber danach wäre sie nicht mehr auf Menschen angewiesen. Die neue Spezies gedeiht und verbraucht mit der Zeit alle Ressourcen, bis für uns nichts mehr übrig bleibt.   [….]

(ZEIT, 26.08.26)

Die Aussicht auf einen baldigen Tod aller Menschen wird gerade sehr viel wahrscheinlicher.

Das könnte schnell gehen.

[…]  Ein Forscher hat mit dramatischen Worten seinen Job bei Anthropic gekündigt und behauptet, dass die KI-Firma genauso wie OpenAI – wo er vorher gearbeitet hat – nicht verantwortungsvoll handle. „Die Menschen, die KI entwickeln, sind fest davon überzeugt, dass die uns bis zum Ende des Jahrzehnts auslöschen könnte“, schreibt der 27-Jährige namens Jacob Coxon auf dem Kurznachrichtendienst X. „Keine andere menschliche Aktivität ist so gefährlich“, schreibt er weiter. Während man die enorme Gefahr bei OpenAI nicht verstanden haben möge, sei das bei Anthropic anders, erklärt er: „Doch sie befinden sich in einem Wettlauf, um als Erste anzukommen und sie glauben, dass niemand sonst verantwortungsvoll handeln wird.“ Deshalb meinten sie, das Risiko eingehen zu müssen.

Laut den Beiträgen auf X und einem ausführlichen Artikel beim Wall Street Journal hat sich der 27-jährige Brite auf das Training neuer KI-Modelle mit riesigen Datenmengen spezialisiert. Gegenüber der US-Zeitung hat er demnach erklärt, dass viele seiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen die Begriffe „Crunchtime“ und „Endgame“ („Endspiel“) benutzen, wenn sie über die Richtung der Branche sprechen. „Wir steuern auf viele der pessimistischsten dieser Szenarien zu, bei denen die Lage bereits Ende nächsten Jahres außer Kontrolle geraten könnte“, zitiert das Wall Street Journal noch. Auf X schreibt er noch, dass eine Koordinierung möglich scheine und „Warnschüsse“ wie der automatisierte Hackerangriff auf Hugging Face Vereinbarungen wahrscheinlicher gemacht hätten. [….]

(Martin Holland, 09.09.2026)

Dienstag, 8. September 2026

Lethargie in Berlin

Man wünscht sich weniger Populismus und Aktionismus von „der Politik“.

Man hätte lieber Politiker, die mit kühlem Kopf entscheiden, die erst einmal nachdenken, bevor sie irgendwelche vorschnellen martialischen Ansagen in die Welt hinausmerzen.

Noch erstaunlicher sind aber jahrelange Ignoranz und Untätigkeit in Berlin. Der vorgestrige, wieder sehr sehenswerte Presseclub zum Thema „Drohnen, Sprengstoff, Sabotage: Wie reagieren auf Russlands Angriffe?“ wies erstaunt daraufhin, wie seit sechs Jahren, spätestens ab dem Februar 2022 landauf, landab gefordert wird, Deutschland müsse eine Drohnenabwehr aufbauen. Fähig werden, Drohnen nicht nur zu erkennen, sondern auch zu stoppen. Das Zuständigkeitschaos müsse dringend beendet werden.

Geschehen ist aber so gut wie nichts. Nach anderthalb Jahren im Amt hat der zuständige Innenminister nur eine markige Ansage, aber keine Taten vorzuweisen.

„Laut einer Analyse, die dem WDR, NDR und der SZ vorliegt, haben die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern allein im laufenden Jahr 165 Sabotageverdachtsfälle registriert.“ Die Bundesregierung reagiert darauf mit einem knackigen Schulterzucken. Ihr gelang es nicht, auch nur eine einzige dieser Drohnen abzufangen. Nur ein couragierter Busfahrer, der zufällig am Leipziger Flughafen spazierte, konnte bisher eine der hunderten russischen Drohnen mit einen geschickten Fußkick abfangen.

[….] Am Flughafen Leipzig/Halle stoppte kein Abwehrsystem die Sprengstoff-Drohne, sondern ein Mann im Nachtdienst. Jetzt ermittelt die Bundesanwaltschaft.

Ein Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle hat eine mit Sprengstoff bestückte Drohne mit einem Fußtritt aus der Luft geholt. Nach Angaben des sächsischen Landeskriminalamts bemerkte er das Fluggerät in der Nacht zum Mittwoch auf der Start- und Landebahn "Südpiste". Es befand sich demnach nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Die Bundespolizei untersuchte den Gegenstand anschließend mit einem Sprengstoffroboter und entfernte den Zünder.  [….]

(T-online.de, 06.08.2026)

Ein ähnliches Bild beim Klimaschutz und der gleichzeitig notwendigen Klimaanpassung. Zu den 15.000 Hitzetote dieses Sommers in Deutschland schweigt der Kanzler. Offenbar sieht niemand im Kanzleramt Handlungsbedarf. Keine Notwendigkeit Kindergärten, Schulen, Altersheime, Pflegeeinrichtungen, Kurkliniken und Krankenhäuser mit Klimaanlagen auszustatten. Wo andere Länder, wie Frankreich, längst gehandelt haben, herrscht in Deutschland einfach nur Lethargie.

Die Großstädte Paris, London, Kopenhagen werden massiv transformiert.

Sogar Warschau wurde in den letzten Jahren großflächig entsiegelt und mit Bäumen bepflanzt, um die Bewohner vor Hitze zu schützen und die Lebensqualität zu verbessern.

[….]  Bäume. Auf einmal ist die Innenstadt voll davon. Links und rechts der Marszałkowska wechseln sich Laubbäume mit Blumenbeeten und Büschen ab. In der Mitte wurde eine weitere Allee aus Ulmen und Linden angelegt, sie begleitet die Straßenbahn. Neben dem breiten Fußweg verläuft nun auch ein großzügiger Radweg. Die Autofahrer mussten Platz abgeben, jeweils zweispurig in jede Richtung dürfen sie trotzdem noch fahren.

Und es gibt Sitzbänke. Alle paar Meter. Ganz klassische, manchmal einzelne Stühle, dann wieder ganze Sitzlandschaften. Alle besetzt. Als hätten knapp zwei Millionen Hauptstadtbewohner nur darauf gewartet, sich endlich mal im trubeligen Zentrum gegenüber vom Warschauer Kulturpalast in den Schatten neuer Bäume setzen zu können. Die neu gepflanzten Bäume sind bis zu zehn Meter hoch und können schon allein stehen, ohne Stützen.

Gefühlt begegnet man täglich einer neuen Pflanze [….]

(Viktoria Großmann, 30.08.2026)

Nur in Merzland passiert rein gar nichts. Wie auch bei Wärmepumpen, E-Mobilität und Digitalisierung, reagiert Berlin mit maximaler Schläfrigkeit auf die sich rasant verändernde Welt.

Friedrich, der Lethargische tut nichts. Jedenfalls nicht, das Notwendige.

Da passt es perfekt ins Bild, wie Deutschlands Schüler im internationalen Vergleich weiter massiv verblöden, weil die notwendigen Investitionen ins Bildungssystem ausbleiben.

[….] Das Smartphone, speziell: Social Media ruiniert die Lesekompetenz, die Schere zwischen stärkeren und schwächeren Schüler*innen vergrößert sich – und was dabei alles andere als hilfreich ist: ein früh aussortierendes Schulsystem. Das sind vielleicht die bemerkenswertesten Ergebnisse der neuen Pisa-Studie der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD. Deutschland schneidet in den drei getesteten Feldern Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz, wie auch schon bei der letzten Pisa-Erhebung 2022, in etwa beim Durchschnittswert der rund 90 teilnehmenden Länder ab – am schlechtesten mit Platz 26 in Mathematik.

Allerdings sind die Ergebnisse so schlecht wie noch nie: Rund 20 Prozent der 15-Jährigen erreicht in allen drei getesteten Kompetenzen nicht mal mehr ein Basisniveau – also etwa das Verstehen einfacher Texte. In den Naturwissenschaften liegt man erstmals seit 2006 knapp unter dem OECD-Durchschnitt.

„So schlecht wie noch nie“, fasste Studienleiter Samuel Greiff von der Technischen Universität München die Ergebnisse am Dienstag zusammen. In Mathematik bedeuteten fehlende Basiskompetenzen etwa, dass „Jugendliche keine einfache Prozentrechnung mehr durchführen können, zum Beispiel, um herauszufinden, ob sich ein Rabatt im Supermarkt lohnt“.

„Ohne Zweifel besorgniserregend“ nannte auch Bildungsministerin Karin Prien (CDU) die Ergebnisse. Aus deutscher Sicht sei insbesondere beunruhigend, dass es einen anhaltend stabilen „Trend nach unten“ gebe und „die soziale Schere weiter aufgehe“. [….] Am größten sind die Leistungsunterschiede – sprich: am ungerechtesten sind die Schulsysteme – in Luxemburg und den USA. Aber auch Deutschland kommt nicht gut weg: [….] Als Gegenbeispiel nennen die Bildungsforscher*innen Finnland oder Island, wo die Schulwahl fast überhaupt keinen Einfluss auf das Abschneiden der Jugendlichen hat. In beiden Ländern lernen Kinder, im Gegensatz zum deutschen Schulsystem, lange gemeinsam.

Ein bisschen Licht im langen Pisa-Schatten 2025 wollte die Bildungsministerin dann aber doch noch erkennen: Anders als vor 25 Jahren sei man „nicht mehr überrascht“ von den schlechten Ergebnissen und wisse, was zu tun sei. [….] 

(Anna Klöpper, 08.09.2026)

Super. Immerhin keine Überraschung. Wir wissen seit 25 Jahren, wie dysfunktional das deutsche Bildungssystem ist. Da können wir also beruhigt weiterhin untätig die Hände in den Schoß legen.


Noch ein Thema, das beim Kanzler der Milliardäre und Fossillobbyisten keine Priorität genießt. Dieser Kanzler kann es einfach nicht.

Mit sicherem Griff ins Klo sucht er die falschen Themen und vernachlässigt das wirklich Wichtige.

[….] Bildung muss endlich Priorität haben[….] Deutsche Schülerinnen und Schüler schneiden im Lesen und Rechnen schlechter ab denn je. Für Bund und Länder gibt es keine Ausreden mehr. Denn im Ausland läuft es besser. [….] Das ist bedenklich. Denn es bedeutet, dass es eine historisch hohe Zahl an Kindern im Land gibt, die im Alltag oder im späteren Berufsleben erhebliche Probleme haben dürften. Und dass im Bildungssystem in seiner jetzigen Form zu viele Talente verloren gehen, auf die Deutschland aber nicht verzichten kann. Die Wirtschaft im demografischen Wandel braucht gut gebildeten Nachwuchs, klar. Aber vor allem benötigt unsere Gesellschaft aufgeklärte junge Menschen, die die Demokratie mit Leben füllen.

Die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie sind besonders deshalb erschreckend, weil sie alles andere als überraschend kommen, sie schreiben einen klaren Trend fort: Zieht man Linien zwischen den deutschen Testwerten von 2012 bis 2025, dann fallen diese seither konstant ab. Die entscheidende Frage ist also: Warum haben die zuständigen Politiker es so lange nicht geschafft, dieses einfache Liniendiagramm richtig zu interpretieren und entsprechend zu handeln? [….]

(Vinzent-Vitus Leitgeb, 08.09.2026)

Montag, 7. September 2026

Merz müsste weg

Innerhalb der CDU ist der Groll über ihren Kanzler und Bundesvorsitzenden angeschwollen. Man ist noch habituell obrigkeitshörig, noch zu sehr Kanzlerwahlverein, um wie Sozis oder Grünen offen und leidenschaftlich die eigene Parteiführung in Frage zu stellen. Aber auch wenn die CDUler nur tuscheln und kaum einer mit seiner Kritik namentlich genannt werden will; besteht doch Konsens über die wahlkampfschädliche Wirkung des Chefs. Er verschreckt die Leute, ist charakterlich und intellektuell von seinem Job überfordert. Er bringt kaum einen öffentlichen Auftritt unfallfrei über die Bühne, weil er manisch Grobheiten herausposaunt, ohne die Folgen zu bedenken. Insbesondere lernt er aber nicht dazu.

Insofern, ja, hätte die obrigkeitsaffine CDU gern einen anderen Oberen.

Damit sind aber gleich mehrere Probleme verbunden:

Erstens:

Zunächst einmal ist die verfassungsrechtliche Stellung des Kanzlers ziemlich stabil. Die Partei kann nicht einfach, wie in GB eine neue Person auf den Schild heben. Merz bleibt im Amt, bis ein anderer die nötige Kanzlermehrheit erreicht hat, die bekanntlich schon in viel besseren Zeiten verfehlt wurde.

Es ist mit unserem Grundgesetz und bei den knappen Mehrheitsverhältnissen nur sehr schwer möglich einen Kanzler „auszutauschen“, erst Recht, wenn dieser sich für unersetzlich hält und nicht gehen will.

Zweitens:

Die Lage ist so traurig, daß sich gar kein CDU-Nachfolger anbietet, um die trübe Suppe der trüben Tassen der trüben Koalition in diesen trüben Zeiten auszulöffeln. Günther wird von der Hälfte der Bundestagsfraktion verachtet, bekäme niemals die Stimmen der CSU oder der jungen Rechtsaußen (Ploß, Kuban, Plum, de Vries, Bosbach, Krieger, Ludwig, Linnemann, Amthor). Der kontrollierte und risikoscheue Wüst würde nicht sein behagliches Düsseldorf verlassen, um in der Berliner Schlangengrube zu spielen.

Drittens:

Auch wenn Merz und Hoppermann es nicht begreifen, die „CDU-Reformpolitik“ für völlig richtig halten, die nur besser kommuniziert und „emotionaler“ vermittelt werden müsse, schwant womöglich einigen, daß es die hochungerechte Sparpolitik selbst, die massive Umverteilung von Unten nach Oben, das Anbiedern bei Donald Trump, die Unterstützung Netanjahus, der dreiste Lobbyismus für die Fossilkonzerne, das Rückdrehen der Klimapolitik, die kategorische Verweigerung der Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens, die Verteuerung des Deutschlandtickets, die Benzinpreise, das sture Festhalten an der Zweiklassenmedizin, die Blockade von Reichen- und Vermögenssteuer, die Parteinahme zugunsten der VERmieter, die Kürzungen im Gesundheitssystem selbst sind, die den „emotionalen Menschen“ missfallen. Was nützt schon ein anderer CDU-Kanzler, der die gleiche Politik weiterführt?

[….] Auch nach der Wahl in Sachsen-Anhalt will Staatsminister Philipp Amthor offenbar am Reformkurs der schwarz-roten Bundesregierung festhalten. »Jetzt die Reformen infrage zu stellen, wäre die völlig falsche Antwort auf das Wahlergebnis«, sagte der im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen Verantwortliche im Deutschlandfunk. [….]  Thorsten Frei sieht ungeachtet der dramatischen Verluste seiner Partei bei der Landtagswahl keine Alternative zum Reformkurs der Bundesregierung. »Wir haben einen enormen Reformbedarf in Deutschland und deshalb wäre es eine falsche Schlussfolgerung zu glauben, man könnte um diese Reformen herumkommen«, sagte der Chef der Unionsfraktion im Bundestag. [….]

(Sven Scharf, 10.11 Uhr) [….] Nun kommt Merz auf seine eigene Rolle zu sprechen. Die Unzufriedenheit mit der Bundespolitik gilt als ein Hauptgrund für das starke AfD-Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Eine zentrale Rolle spielt dabei Merz selbst, der im Wahlkampf selbst von vielen Parteifreunden als Hindernis statt als Booster wahrgenommen wurde.

Merz sagt, er werde an seinem Reformkurs festhalten. Dass man Reformen nicht nur rational begründen, sondern auch emotional vermitteln müsse, sei eine gemeinsame Aufgabe, der er sich stelle. »Wir müssen versuchen, ich selbst auch, die Menschen in ihrer ganzen Emotionalität zu erreichen.« Merz sieht sich in der Rolle, diese Aufgabe umzusetzen: »Ich bin entschlossen, diese Verantwortung wahrzunehmen.«   [….]

(SPIEGEL, Newsblog, Benjamin Schulz, 07.09.2026, 13:52)

Dafür ist der große Empath aus Brilon ja genau der Richtige: Um den Pöbel in seiner ganzen Emotionalität zu erreichen.

Viertens

Die falsche Politik mit falschen Leuten in einer geopolitisch dramatisch schwierigen Zeit umzusetzen, wird auch kein wesentlich fähigerer Kanzlerdarsteller als Merz erfolgreich und zur Zufriedenheit seiner Untertanen umsetzen können. Begriffe wie „der Wählerwille“ oder „der Regierungsauftrag“ werden zwar geradezu inflationär gebraucht, um Positionen mit Totschlagskraft zu legitimieren, aber sie sind auch großer Unsinn. Es gibt weder „den Wähler“, noch den einen Willen. Nicht nur Wähler verschiedener Parteien wollen verschiedene Dinge, sondern sogar die Wähler derselben Partei wollen diametral andere Dinge. Ich habe die SPD gewählt und möchte das Ende des Staatskirchenleistungen, die legale aktive Sterbehilfe und bitte ganz schnell die Dienstleistung der Finanzämter als Inkasso-Unternehmen für die hyperreichen Kirchen abstellen. Das wollen viele Sozialdemokraten im Bundestag aber gerade nicht.

Es gibt auch nicht „den Regierungsauftrag“, von dem Siegmund, Chrupalla, Schulze, Söder und viele andere mehr, heute faseln. Jeder Wähler beauftragt eine andere Partei mit anderen Absichten. Sofern keine absolute Mehrheit vorliegt, sind die  Abgeordneten beauftragt, eine Koalition zu bilden. Keine Stimme ist weniger wert als die andere. Sollten Linke, CDU, Grüne, SPD und BSW eine Ministerpräsidentenmehrheit zusammen bekommen, spräche daraus genauso „der Wählerauftrag“, wie aus jeder anderen Mehrheit.

Auch im Berliner Bundestag muss also, anders als die CDU glaubt, keineswegs ein alternder CDUler, die falsche Merz-Politik weiterführen.

Es wäre viel effektiver und besser für Deutschland, man bildete ohne Neuwahlen, eine neue Regierung aus CDU ohne die 44 CSU-Abgeordneten, SPD und Grünen unter einem liberaleren CDU-Mann, der die unsinnige Fixierung auf illegale Dobrindtsche migrantenfeindliche Taliban-Umkuschelungspolitik beendet.

Die Grünen haben 85 Abgeordnete; ohne die Söderischen Querulanten stiege damit die Koalitionsmehrheit von 12 auf „53 Stimmen über den Durst“.

Es wäre ein Befreiungsschlag. Es könnte durchregiert werden. Ohne lähmenden monatelangen Wahlkampf. Ohne daß unweigerlich eine gewaltige Nazi-Mehrheit in den Bundestag einzieht. Habeck rein, Reiche raus. Rechtskonservative Nörgler (Ploß, Kuban, Plum, de Vries, Bosbach, Krieger, Ludwig, Linnemann, Amthor) hätten keine Blockademacht mehr.  Daß dieser Gedanke so unrealistisch erscheint, zeigt wie regierungsunfähig die gesamte CDU in Wahrheit ist – ob nun Merz an der Spitze steht oder ein anderes Unionsschwergewicht.

Fünftens

Ja, eine echte Lichtgestalt an der Spitze, ein Sympath, der weite Teile des gemeinen Volks begeistert, könnte tatsächlich die gesamte Politik aus der Agonie ziehen, die Stimmung im Land vollkommen verändern.

Wie wir wissen, gibt es solche begnadeten Polit-Talente, die weit über Partei-Grenzen geliebt werden, ja sogar international ausstrahlen.

John F Kennedy, Rabin, Zoran Đinđić, Nelson Mandela, Anwar El-Sadat, Helmut Schmidt, Bill Clinton.

In neuerer Zeit sind es Justin Trudeau, Jacinda Ardern, Pedro Sánchez, Rob Jetten, Sadiq Khan, Abdul El-Sayed und als absoluter Polit-Superstar Zohran Kwame Mamdani, der seit dem 01.01.2026 die größte Stadt der USA regiert und inzwischen nicht nur seine neun Millionen direkten Untertanen elektrisiert, sondern in der gesamten USA gefeiert wird.

Attraktive junge Politiker, halb so alt wie Merz, die mit Social Media aufgewachsen sind, über Empathie verfügen, vor Ideen und Optimismus sprühen und dabei Leichtigkeit vermitteln, Selbstironie und Humor einsetzen, können den Unterschied machen.

[….] New York City Mayor Zohran Mamdani (D) is facing some steep challenges more than seven months into his historic tenure, but New Yorkers show no sign of souring on him.  A Siena College poll out last week found that 69 percent of New York City voters had a favorable view of Mamdani, a notable jump from 58 percent in June. The latest figure narrowly topped his previous high from January, when 68 percent of New Yorkers held a favorable view of their new mayor. His numbers dipped to 56 percent in March before rebounding this month, even as Mamdani has consistently polled above his recent predecessors.

Mamdani has brought the strong communication skills and political instincts he displayed on the campaign trail to City Hall, helping him retain public support as he navigates the challenges of governing. But the first seven months of Mamdani’s mayoralty have not been without hiccups. [….]

(The Hill, 18.08.2026)

Idealerweise stellten CDU und SPD auch einen Jetten und Mamdani zur Wahl. Gut möglich, daß die uns aus dem Sumpf ziehen könnten, daß sie die AfD alt aussehen ließen.

Das Problem daran ist nur, daß solche Megatalente mit so einem Charisma ohnehin selten sind und im deutschen Bildungssystem ohne die angelsächsische Debattenkultur auch nicht herausgebildet werden.

Wir haben solche Leute nicht.

Mamdani ist 34, Jetten 39.

Wir haben Staatssekretär Amthor, 33, 

und Tilman Kuban, 39.

Da können wir auch Merz weiter debakulieren lassen.

 

Sonntag, 6. September 2026

Zwei Wochen Gnadenfrist

Friedrich Merz ist ein elender Feigling. Wenn es gegen Schwächere, Ärmere, Minderheiten, Frauen geht, wird er laut und teilt kräftig aus.

Drohen ihm selbst Kritik und Vorwürfe, versteckt er sich zu Hause hinter Charlottes Rockzipfeln und läßt Franziska Hoppermann den Beschuss durch unangenehme Fragen abfangen.

Für das demokratische Desaster von Sachsen-Anhalt, die zivilisatorische Niederlage der Ex-DDR 36 Jahre nach Einheit gibt es viele Ursachen. Und einen Hauptgrund: Merz.

[….] „Wir können wieder 40 Prozent erzielen und die AfD halbieren“, sagte Friedrich Merz vor einigen Jahren. Heute lässt sich konstatieren: Unter Merz als Kanzler hat sich die CDU in Sachsen-Anhalt halbiert und die AfD liegt deutlich über 40 Prozent. Schadenfreude ist nicht angebracht: Denn nicht nur Merz und seine CDU haben verloren, sondern wir alle.

Die Wahl von Sachsen-Anhalt ist ein Desaster für Deutschland. Fast jeder Zweite hat eine Partei gewählt, die Neonazis ein Zuhause gibt, eine Sprache der Gewalt lebt und die Grundlagen unseres Staates ablehnt, außen- wie innenpolitisch. Die sich Moskau unterwerfen und Deutschland aus NATO und EU lösen will. Die offen die „Remigration“ von Menschen fordert, die hier teils seit Generationen leben. Die Journalisten bedroht und ein revisionistisches Geschichtsbild propagiert, in dem Nationalsozialismus und Holocaust nur noch Randaspekte sind.  [….]

(Mathis Neuburger, 06.09.2026)

Weite Teile der ostdeutschen Bevölkerung sind offenkundig nicht mit demokratischen Werten kompatibel.

Sie wählen bewußt und trotz des enormen aufklärerischen Einsatzes der Medien, Parteien, Prominenten und Influencern den Faschismus.

Nazis zu wählen, ist moralisch noch verwerflicher als vor 90 Jahren, weil wir inzwischen genau wissen, wie das ausgeht.

Zudem sind offenkundig die Hälfte der Ossis Vaterlandsverräter. Während Russland Deutschland attackiert - Russischer Außenminister spricht von »Beginn eines echten Krieges« - ergreifen sie Partei für Putin.

[….] Der sachsen-anhaltische Verfassungsschutz hat den Landesverband der AfD 2023 als gesichert rechtsextrem eingestuft. Wenn der Inlandsgeheimdienst diese Einschätzung veröffentlicht, ist er sich also sicher, dass eine Organisation verfassungsfeindlich agiert. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht wird die AfD klar als »die größte Bedrohung für die Demokratie in Sachsen-Anhalt« bezeichnet, weil die Partei die extremistischen Positionen der Neuen Rechten in die Gesellschaft hineintrage.

Zu diesen weltanschaulichen Positionen gehört insbesondere das völkische Konzept das »Ethnopluralismus«: Demnach soll es ethnisch weitestgehend homogene Staaten geben, »Volksfremde« werden als Störfaktor angesehen und pauschal abgewertet oder dämonisiert. So schrieb etwa der Landesvorsitzende Martin Reichardt 2023 zu einem Messerangriff in Stendal, dass dort »vom Establishment gerufenen Fachkräfte für Messerstecherei« aktiv seien. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender und einer der maßgeblichen Köpfe hinter dem Wahlprogramm, erklärte 2018, das DFB-Team sei keine echte Nationalmannschaft, sondern eine »bunt zusammengewürfelten Söldnertruppe der Deutschland-AG«. Er sprach davon, dass in der Mannschaft »Türken mit deutschem Pass« spielen – brachte damit also zum Ausdruck, dass für ihn Deutsche mit Migrationshintergrund keine vollwertigen Mitglieder des Volkes sind.

Die AfD-Forderung nach »Remigration«, also dem massenhaften Abschieben oder Verdrängen von Menschen mit Migrationshintergrund, ist unmittelbar mit dieser völkischen Idee verbunden. Dieses Gedankengut zeigt sich deutlich im aktuellen Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt, wo die Partei etwa fordert, »kulturfremde und inländerfeindlichen Massenmigration« zu beenden und das Anwerben »kulturfremder Fachkräfte« kritisiert. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund glaubt auch an die »planmäßige Ersetzung der deutschen Bevölkerung durch Migranten«, eine rechtsextreme Verschwörungserzählung. […]

(Eva Bräth, SPON, 06.09.2026)

Die Linke Spitzenkandidatin Eva von Angern hat vollkommen Recht: „Die CDU hat die AfD so stark gemacht, bei der Debatte über die Rente oder die Krankenversicherung. Das waren ja keine Reformen, das waren Sozialkürzungen.“

Merz, Söder, Dobrindt und Linnemann setzen das in praktische Politik um, was die AfD fordert. CDU und CSU machen Nazi-Themen salonfähig. Sie versuchen täglich das Stinktier AfD zu überstinken (frei nach Markus Blume).

Seit zehn Jahren passiert bei Wahlen in Deutschland genau das, was alle Wissenschaftler, auch die der eigenen Konrad-Adenauer-Stiftung, gebetsmühlenartig wiederholen: Die Leute wählen das Original. Indem Schwarze und Gelbe die braunen Themen aufnehmen, stärken sie nur Braun.

Mit ihrem migrantophoben Kurs, der nicht nur moralisch unanständig und geschichtsvergessen ist, sondern auch noch massiv die ökonomischen Interessen Deutschlands untergräbt, schob die Kanzlerpartei 82.000 ihrer Wählerstimmen von 2021 rechtrüber zu den Nazis.

Putinella Wagenknechts Epigonen scharen sich bereits um die AfDer, um die braunen Hintern mit Küssen zu bedecken.

[…] Nach dem Wahlsieg der AfD hat sich die BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig bereit erklärt, in einzelnen Punkten mit der AfD zusammenzuarbeiten. Sie nannte etwa die Energiepolitik. Sollte die AfD nicht an der Regierung beteiligt werden, sei das "völlig undemokratisch" sie nicht in irgendeiner Form an der Regierung zu beteiligen.  [….]

(Tagesschau, 06.09.2026)

Der CDU-Ministerpräsident Sven Schulze betätigt sich ebenso als Wahlhelfer für Rechtsaußen, indem er den Faschismus normalisiert. Er gratuliert als erstes den Nazis zum Wahlsieg, sagt, das sei "kein Schwarzer Tag", sondern Demokratie.

Kein Wunder, daß Weidel, Siegmund, Höcke und der wie immer mit Grammatik und Vokabeln kämpfende Malergeselle Chrupalla, gar nicht mehr aufhören können, zu grinsen und zu lachen.

Glimpflich davon gekommen sind SPD und Grüne, die sogar dazugewannen. Beide hatten noch vor wenigen Wochen um den Einzug ins Landesparlament gebangt, gingen nun aber mit rund 9% über die Ziellinie. Die Linke enttäuschte. Dazu passten die Auftritte ihres Personals.

Der Lichtblick des Abends ist Tim Klüssendorf. Sympathisch, ehrlich und konstruktiv.

Pantisano leider völlig drüber.

Zur Wahrheit gehört natürlich auch, daß die „taktisch Wählen-Kampagne“ ganz offenkundig zog. Wähler, die eigentlich der Linken oder der CDU nahestehen, haben gezielt ihre „second best option“ angekreuzt, um einen Nazi-Ministerpräsidenten zu verhindern.

Franziska Hoppermann schockiert als realitätsnegierender Totalausfall: Schulze solle nicht mit "den Linksextremen" reden, befand sie in der ARD; diese hätten ein „massives Antisemitismusproblem“. Merz hingegen schade der CDU nicht.

Der Kollaps der CDU war von alles demoskopischen Instituten prognostiziert worden; die Kanzlerpartei werde auf 23,x% abstürzen hieß es in den vergangenen Wochen immer wieder. Daß Schulze jedoch sogar in den 17,x%-Keller durchrauschte, verdankt er klar seinem Bundesparteichef, der zwei Wochen zu früh aus dem Urlaub kam und damit leider sein einmonatiges Schweigen abbrach.

Der Sauerländer Simpel blamierte sich über alle Maßen im Wahlkampf, indem er darauf bestand, mehrfach in Sachsen-Anhalt aufzutreten, aber seiner eigenen Partei so schrecklich peinlich war, daß sie ihn in geschlossene Räume verbannte und strikt von den Bürgern abschirmte. Unglücklicherweise konnten sie ihn nicht ganz wegsperren und so trat er bei RTL auf, um sich larmoyant und aggressiv noch unmöglicher zu machen. Als Krönung bepöbelte er eine Kinderärztin als „Nutznießerin des Gesundheitssystems“ und provozierte damit einen bis heute anschwellenden Shitstorm des medizinischen Personals.


Hunderte gut verdienende, sehr hart arbeitende Ärzte, die üblicherweise nicht die Öffentlichkeit suchen, wenden sich in Social Media-Videos bebend vor Empörung direkt gegen den Kanzler.

Merz zeigt, wie üblich, seine ganze Borniertheit und denkt gar nicht daran, mit seiner Bitte um Entschuldigung zu deeskalieren.

Er ist, gewollt oder ungewollt, der beste Wahlkämpfer für die AfD.

Ja, die Bundesregierung steht vor enormen Schwierigkeiten, die gesamte Bundesregierung ist historisch unbeliebt. Aber den mit Abstand größten Unmut ruft die Merz-Partei hervor.

Nur 23% der über die Bundesregierung Verärgerten „ärgern sich am meisten“ über die SPD. Der Maximalversager Merz dreht also seiner eigenen Partei im Osten den Saft ab.

[…] Sie braucht eine Stunde null, einen Neuanfang und der beginnt bei Friedrich Merz. Er ist offenkundig der falsche Mann in diesem Amt in diesen Zeiten. CDU und CSU müssen sich überlegen, ob sie mit ihm weitere Wahlkämpfe riskieren wollen.  [….]

(Dirk Kurbjuweit, 06.09.2026)

Aus Kurbjuweit spricht hier viel (verständliches) Wunschdenken. Es ist aber in  unserem Grundgesetz und bei den knappen Mehrheitsverhältnissen nur sehr schwer möglich einen Kanzler „auszutauschen“, erst Recht, wenn dieser sich für unersetzlich hält und nicht gehen will.

Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, daß der 70-Jährige Infantilo aus Brilon morgen Moral und Anstand entdecken wird. Merz wird möglicherweise verbal Verantwortung übernehmen, aber er wird keine Taten folgen lassen.

Durchaus möglich, ja geradezu unausweichlich, erscheinen mir weiter abstürzende Bundesumfrage-Werte für die CDUCSU. Der innerparteiliche Druck auf den Kanzler könnte gewaltig anschwellen, wenn die Zahlen für die Bundes-Sonntagsfrage mit einer „1“ beginnen. Viele Bundestagsabgeordnete zittern jetzt schon um ihre Jobs ab 2029 und bekommen bei ihren Besuchen in den Wahlkreisen von der Basis jedes Mal einen Satz heiße Ohren. Der Wunsch, Merz vor 2029 wegzumobben wird immer stärker werden.

Das wird aber noch nicht morgen passieren.

Erstens ist die Lage so traurig, daß sich gar kein CDU-Nachfolger anbietet, um die trübe Suppe der trüben Tassen der trüben Koalition auszulöffeln.

Zweitens ist noch völlig unklar, wer zukünftig in Magdeburg regieren wird. Ich fürchte, es wird Siegmund sein. Möglicherweise kommt aber Schulze doch irgendwie zu einer Mehrheit. Dem will niemand vorgreifen.

Drittens drohen in 14 Tagen die nächsten Desaster für die CDU. Mutmaßlich ein einstelliges Ergebnis in Schwerin, welches im Lichte einer unerwartet starken SPD, noch trauriger im KA-Haus wirken dürfte. Dazu kommen noch einmal herbe Verluste für die Hauptstadt-CDU. Bis dahin wird man im Merz-Vorstand vermeiden, gänzlich in den Hühnerhaufen-Modus zu wechseln.

Ab dem 21.09.2026 garantiere ich für nichts mehr.

Den Migranten, Queeren, Grünen und allen anderen von der AfD bedrohten Gruppen, gilt meine größte Sorge und meine Sympathie. Durch den confidence booster von heute, werden die Nazis noch aggressiver werden.

Natürlich ist es immer wichtig, daß die Anständigen vor Ort bleiben, um sich gegen die abscheulichen rechtsradikalen Putin/Trump-Fans zu stemmen. Aber sollte Schulze sein Amt verlieren und die braune Pest in die Staatskanzlei einziehen, wäre dieser ehrenhafte Kampf verloren. Dann kommt bitte rechtzeitig zu uns in die westlichen Bundesländer! Hier schätzen wird Euch. Hier seid Ihr zwar nicht sicher, aber sicherer. Noch.

Irgendwann werden wird aber alle auswandern müssen. Der Urnenpöbel Deutschlands ist einfach zu toxisch.