Freitag, 17. Juli 2026

Gibt es einen schwulen Andenpakt?

Am dritten Tag der „Leihmutter-Affäre Spahn“ haben sich so ziemlich alle öffentlichen Figuren zur der Causa geäußert.

99% der Artikel und Reels beginnen mit der pronatalen Feststellung, man gönne ihm persönlich sein Glück, gefolgt von einer Lobeshymne über Kinderwunsch, Kinderkriegen, Kinder im Allgemeinen. Nichts wird in Deutschland so hartnäckig positiv geframt, wie die Vermehrung.

Als ob nicht die Überbevölkerung des größte plantare Problem überhaut wäre. Als ob nicht die Familie auch Hort von Missbrauch und Gewalt wäre.

Anschließend wird das Thema Homosexualität abgefrühstückt: Natürlich habe man nichts gegen Schwule und Homosexuelle könnten genauso gute Eltern, wie Heterosexuelle sein.

(Das sehe ich anders! Ich glaube, Schwule und Lesben sind im Durchschnitt bessere Eltern, als Heterosexuelle, weil alle ihre Kinder Wunschkinder sind, die nur geborenen werden, wenn sie wirklich gewollt sind und die Eltern ihnen volle Aufmerksamkeit widmen. Heterosexuelle werden hingegen dauernd auch ungewollt schwanger oder reproduzieren sich lediglich, weil es die gesellschaftlichen Normen von ihnen erwarten. Kinder „passieren“ ihnen durch Unfälle, Suff oder Launen. Auch wenn sie eigentlich gar keine Lust haben, Eltern zu werden. Gleichgeschlechtliche Paare hingegen müssen einen viel höheren Aufwand betreiben, um schwanger zu werden.)

Der dritte immer wieder mitfühlend angesprochene Aspekt, ist das Schicksal der ungewollten Kinderlosigkeit. Gern mit dem Hinweis darauf, es treffe Heteros genauso, wie Homos. Auch Frau/Mann-Konstellationen wären manchmal auf Leihmütter angewiesen.

Alle drei Themen NERVEN MICH, weil sie für den Fall Spahn irrelevant sind. Sie spielen keine Rolle bei der moralischen und politischen Bewertung seines Handelns.

Es geht hingegen um Glaubwürdigkeit, die Heuchelei, daß ausgerechnet ein Politiker, der persönlich, aber auch dessen Partei intensiv dafür streitet, Leihmutterschaft zu kriminalisieren, selbst eine Leihmutter in Anspruch nimmt. Weil er reich und mächtig ist und die Regeln nicht für ihn gelten sollen.

Die Öffentlichkeit wird gerade bei Spahn so getriggert, weil er ein Wiederholungstäter ist, der immer wieder für sich Freiheiten und Sonderrechte herausnahm, die er anderen niemals gönnt. Nun plötzlich reiben sich die Konservativen verwundert die Augen:

Das ist natürlich jetzt blöd, schließlich ist Jens Spahn bekannt für seine absolute Glaubwürdigkeit!  Er ist die Inkarnation der Ehrlichkeit.
Sympathisch und altruistisch. Deswegen ist er ja auch so ungeheuer populär beim Volk.  Man muss ihn einfach lieben!

Inhaltlich ist der Fall klar: Indem die CDU an Spahn festhält, ihn demonstrativ auf dem zweitwichtigsten Posten belässt, betreibt sie wieder einmal massive Wahlkampfhilfe für die AfD und alle demokratieverachtenden Populisten, die sowieso alle Politiker für korrupt und verlogen halten.

Interessanterweise sind die Reihen innerhalb von CDU und CSU nicht sehr geschlossen. Üblicherweise wagt sich niemand mit Kritik an Spahn nach vorn, weil er seit 24 Jahren im Bundestag sitzt und als begnadeter Netzwerker über jeden irgendwelche despektierlichen Informationen im Giftschrank hat. Weil so viele ihm einen Gefallen schulden. Mit ihm will man sich nicht anlegen.

Aber nun könnte eine Welle des Unmuts losbrechen.

[….] Es hatte alles so nett angefangen für ihn. "Ein Baby für Jens Spahn" lautete die Titelzeile der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. "Es ist eine Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung", beginnt die exklusive Homestory im Blatt. Fast eine Seite ist sie lang, große Fotos der lachenden Papas Jens Spahn und Daniel Funke, sein Ehemann.

Einen Tag später ist aus der frohen Botschaft für Jens Spahn ein großes politisches Problem geworden. Denn die beiden haben ihr Kind von einer Leihmutter in den USA austragen lassen. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Und die Union, deren Fraktionschef Spahn im Bundestag ist, will unbedingt, dass das so bleibt.

Zu sagen, dass es in CDU und CSU seit der Nachricht rumort, wäre heillos untertrieben. Unverständnis, Entsetzen, auch Wut – das trifft es eher. Es gibt erste Unionspolitiker, die Spahns Rücktritt fordern. Trotz der Sommerpause, in der sich die Koalition eigentlich Ruhe verordnet hat, wird es brenzlig für Spahn. Ein erfahrener Politiker, der sich nicht namentlich zitieren lassen möchte, sagt t-online: "In der CSU herrscht schiere Fassungslosigkeit."  […]

(Johannes Bebermaier, 17.07.2026)

Interessant ist, wer in diesem Shitstorm nach vorn springt, um für Spahn zu kämpfen.

Der sehr rechte Döpfner-Journalist Paul Ronzheimer macht einen Leihmutterpodcast mit Spahn, der mit enormen Aufwand über alle Springer-Kanäle verbreitet wird.

Der sehr rechte AfD-Anwalt Ralf Höcker springt beim rechtsradikalen „Kontrafunk“ für Spahn in die Bresche.

Natürlich gibt es unter Rechten und Rechtsextremen prozentual genauso viele Schwule, wie überall sonst in der Gesellschaft. Aber es ist schon auffällig, daß sich nun die schwulen ganz Rechten als erstes vor Spahn stellen.

Gibt es womöglich einen schwarzbraunen Homo-Andenpakt, in dem sich erzkonservative Strippenzieher versprochen haben, sich stets öffentlich zu verteidigen und nie um dasselbe Amt zu kämpfen?

Ich will ungern verschwörungstheoretisieren, aber das sind schon erstaunlich viele schwule Rechte/Rechtsextreme, die zusammen klüngeln: Jens Spahn (CDU), Peter Thiel (GOP), Richard Grenell (GOP), sein Ehemann Matt Lashey (GOP), Dave Rubin (rechter Podcaster), Michael Mronz, Daniel Funke, Peter Kurth (CDU/AfD), Stefan Evers (CDU), Hendrick Streeck (CDU), Sepp Müller (CSU), David Berger (AfD), Ralf Höcker (AfD), Paul Ronzheimer (BILD),…

Ronzheimers Springer-Verlag überhäuft jetzt demonstrativ den Rechtsextremen Thiel mit Ehrungen, nachdem dessen geheime Klüngelei mit Jens Spahn ans Licht kam.

[….] Jens Spahn bestätigt Teilnahme an Veranstaltungen von Peter Thiel

Der heutige Unions-Fraktionschef Spahn hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren fünfmal an Veranstaltungen der „Dialog“-Organisation des US-Tech-Milliardärs Peter Thiel teilgenommen. [….]

(Deutschlandfunk, 19.06.2026)

Oder es ist reiner Zufall, daß alle die rechten Skandaloniker ins Spahns Umfeld schwul sind.

Donnerstag, 16. Juli 2026

Politikerverdrossenheitsgenerator Spahn

„Quod licet Iovi, non licet bovi”

 (Was Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt)

Besser als Jens Spahn kann man Politiker- und Demokratieverdrossenheit nicht fördern: Immer wieder fordert und fördert der Mann strenge Regeln mit drastischen Konsequenzen für die Betroffenen. Regeln für andere, die für ihn aber nicht gelten sollen.

Kein amtierender deutscher Politiker hat sich ungestraft selbst so die Taschen vollgestopft, wie Jens Spahn. Keine Konsequenzen für ihn.

Kein amtierender deutscher Politiker hat ungestraft so viele Steuermilliarden verplempert, wie Jens Spahn. Keine Konsequenzen für ihn.

Kein amtierender deutscher Politiker zeigt so ungeniert seine Heuchelei, wie Jens Spahn bei seiner Familienplanung. Keine Konsequenzen für ihn.

Der Mann, der sich als konservativer Christ, als Gesundheitsminister und CDU-Vertreter strikt gegen Leihmutterschaft einsetzt, bekommt ein Kind von einer Leihmutter. Weil er reich ist. Weil er über dem Gesetz steht. Weil er mit jeder miesen Nummer durchkommt.

[…] Spahn gegen Leihmütter

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Forderung der FDP nach einer zumindest teilweisen Legalisierung der Leihmutterschaft zurückgewiesen. Durch das im Embryonenschutzgesetz festgelegte Verbot habe der Gesetzgeber im Interesse des Kindeswohls die Eindeutigkeit der Mutterschaft gewährleisten wollen, heißt es in der Antwort von Spahns Ministerium  [….]

(SZ, 06.04.20)

Immerhin sind diesmal alle sauer – von ganz links bis ganz rechts. Die Konservativen in der CDU, die Kirchenvertreter, die Linksgrünversifften:

[….]  Der evangelische Theologe und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, nannte es „bedenklich, wenn einer der mächtigsten Menschen der Republik sich in diese rechtliche Grauzone begibt“. Öffentliche Personen wie Spahn hätten auch eine öffentliche Verantwortung: „Es bleibt ein Gefühl der Betrübnis, dass sich jemand da etwas herausnimmt, weil er das Geld, die Position, die Möglichkeit dazu hat“, sagte der Erlanger Theologie-Professor dem Evangelischen Pressedienst. „Ich tue mich schwer mit der hier offenkundigen Diskrepanz zwischen dem Politiker, der Regeln für andere mitgestaltet, und der Privatperson, die das überhaupt nicht schert.“ [….]

(SZ, 16.07.2026)

Da es sich um einen der ihren, einer der Superreichen handelt, gratulieren die erzkonservative Bundestagspräsidentin Klöckner und der erzkonservative Bundeskanzler Merz. Sie treten nur nach unten.

[….]  Grünen-Bundestagsabgeordnete und Ärztin Paula Piechotta (39) ist sauer und sagt in BILD: „Spahn als Politiker verbietet Millionen Deutschen in ihrem Privatleben, was er sich selbst gönnt. Das ist klassische Doppelmoral und einer von vielen Gründen, warum ganz Deutschland Jens Spahn hasst. Man duldet ja auch keinen SPDler in der Bundesregierung, der zu Hause Zimmermädchen unter Mindestlohn beschäftigt.“ […]

Erst vor vier Monaten, als die von Spahn bezahlte Leihmutter längst schwanger war, applaudierte er auf dem CDU-Bundesparteitag der Feststellung: „Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft – auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.“

 Ein strenge Regel für den Plebs mit Kinderwunsch, über die sich Spahn ganz selbstverständlich hinwegsetzt, wenn es ihn persönlich betrifft.

[….] „Nach dem Bundesbeauftragen für Sucht und Drogen, Prof. Dr. Hendrik Streeck, ist nun der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, über eine Leihmutterschaft Vater geworden. Beide sind nicht nur prominente Vertreter der CDU, sondern haben darüber hinaus auch wichtige politische Funktionen inne. Deshalb geht ihre private Entscheidung über ihre persönliche Lebenssituation weit hinaus. Noch vor wenigen Jahren hat Jens Spahn sich gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. Wäre es da nicht nur konsequent, bei sich dieselben Maßstäbe anzulegen, die man auch für die Bürger anlegt? Beide Politiker haben durch ihr Verhalten – wenn auch ungewollt – dem Ansehen unserer Rechtsordnung einen erheblichen Vertrauensverlust zugefügt, da sie den Eindruck erwecken, dass für unsere politischen Entscheidungsträger offenbar andere Maßstäbe gelten als für den Bürger.“ […]

(Susanne Wenzel, Christdemokraten für das Leben)

Die besonders Konservativen und besonders Christlichen in der CDU sind genervt von Spahn, weil er sonst immer auf ihrer Seite steht.

[….] Hubert Hüppe hat sich schon als Bundestagsabgeordneter intensiv mit dem Thema beschäftigt. Heute ist er Chef der Senioren-Union. »Wir haben als CDU den klaren Beschluss des Bundesparteitages, dass wir Leihmutterschaft ablehnen«, sagte Hüppe dem SPIEGEL. »Die CDU war die Partei, von der man sagte, dass sie bei dem Thema am deutlichsten ist.«

Er sei »persönlich geschockt« gewesen von der Nachricht über Spahns Elternschaft, so Hüppe. »Ich hatte gehofft, das würde nicht stimmen. Natürlich kann ich verstehen, dass jeder Mensch den Wunsch auf ein Kind hat, auch homosexuelle Paare, aber es geht darum, ob man Frauen instrumentalisiert.«  [……]

(SPON, 16.07.2026)

Es ist wie bei Trump, wie bei Merz und eben auch bei Spahn: Ich wundere mich schon lange nicht mehr darüber, daß sie sind, wie sie sind. Daß sie täglich neue Ungeheuerlichkeiten produzieren. Aber ich staune immer noch, wie ungehindert sie damit durchkommen. Daß sie niemand stoppt, die Bürger sie nicht abwählen, ihre Parteien sich nicht gegen sie wenden.

[….] Dass Jens Spahn und sein Ehemann jetzt ein Kind haben, ist grundsätzlich eine schöne Nachricht für die beiden. Das gilt unabhängig davon, wie dieses Kind auf die Welt gekommen ist. [….] Wie sie jedoch zu ihrem Glück gekommen sind, ist politisch und moralisch verwerflich. Heuchlerisch wird es, wenn Spahn dies als private Angelegenheit abtut, obwohl er politisch jahrelang gegen die Möglichkeit der Leihmutterschaft stand. Ein Kind »auf Bestellung« ist in Deutschland verboten. Spahn und sein Mann haben ihren Sohn von einer Leihmutter in den USA austragen lassen, was dort rechtlich möglich ist. Auch der biologisch nicht verwandte Elternteil des Babys kann in Deutschland dann als Vater anerkannt werden.

»Homosexuelle sind keine schlechteren Eltern als Heterosexuelle«, sagt das Paar der »Bild«-Zeitung – was richtig ist, aber nichts mit der Leihmutterschaft zu tun hat. Auch heterosexuelle Paare nutzen diese Option. Es gibt zahlreiche andere Modelle, wie gleichgeschlechtliche Paare ein Kind bekommen können. Denkbar wäre eine Adoption oder eine Co-Parentschaft — für schwule Männer etwa mit einem lesbischen Pärchen. [….] Spahn selbst und seine CDU stemmen sich deswegen seit Jahrzehnten gegen eine Legalisierung. »Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht«, schrieb Spahn 2015 im »GQ«-Magazin, als der italienische Designer Domenico Dolce mit Elton John über die Frage in einen öffentlichen Streit geriet. [….] Zumal es nicht das erste Mal ist, dass Spahn den Eindruck vermittelt, für ihn gälten andere Regeln als für andere. Man denke nur zurück an das Jahr 2020, als der damalige Gesundheitsminister öffentlich wegen der Pandemie vor geselligen Treffen warnte, zugleich aber an einem privaten Spendendinner in Leipzig teilnahm. [….]

(Tim Lehmann, Spon, 16.04.2026

Lehmann spricht einen weiteren besonders verwerflichen Spahn-Move an: Die falsche Instrumentalisierung von Homophobie.

Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Jussie Smollett, Gil Ofarim, Nikolas Puschmann, Frauen, die Vergewaltigungsvorwürfe erfinden und eben auch Jens Spahn.

(….) Aber es ist keine Petitesse, die Ofarim in Leipzig unterlief, sondern eins der größten moralischen Tabus überhaupt, welches weltweit für Aufmerksamkeit sorgte. Um Aufmerksamkeit für sich zu generieren, andere Menschen fälschlich der Vergewaltigung, Homophobie, des Antisemitismus zu bezichtigen, verdient einen besonderen Platz in der Hölle, Nicolas Puschmann!

(….) Gestern kam es zum Prozess und es kam erheblich schlimmer als erwartet. Puschmann begab sich offenbar auf Ofarim-Smollett-Pfade!

Er war volltrunken, aggressiv und unangenehm. Den gesamten homophoben Aspekt dachte er sich aus. Als er einen Platzverweis kassierte, rastete er komplett aus, pochte auf seine Prominenz und schrie:  Das lasse ich mir von einer fetten Sau, die noch nie im Leben gefickt hat, nicht bieten!

[….] Christian Lange ist der Verteidiger des Security-Chefs und sagt aus, dass sein Mandant am 03. Dezember 2021 zum Weihnachtsmarkt gerufen wurde, weil zwei Personen einen Wasserschlauch abgerissen hätten: Puschmann und sein Begleiter wurden dann dort angetroffen und passten auf die Beschreibung. Daraufhin habe er einen Platzverweis ausgesprochen. Es kam zum Streit und sein Mandant habe in Notwehr gehandelt: „Er hat ihn nicht mit der Faust geschlagen, sondern hat ihn lediglich mit der Hand von sich gestoßen und das in Notwehr, nachdem seitens des Anzeigenden nach ihm geschlagen worden ist.“ [….] Renata Behneke hat einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt und wird hautnah Zeugin der Auseinandersetzung zwischen Nicolas Puschmann und dem Sicherheitsbeauftragten. Im RTL-Interview erinnert sie sich: „Der Herr Puschmann hat sich daneben benommen. Er war stark alkoholisiert und wollte den Platz nicht verlassen und hat den Security-Mann aufs übelste beleidigt.“

Außerdem erzählt Renata Behneke: „Herr Puschmann sagte immer wieder. ‘Du weißt nicht, wer ich bin’ und hat ihn als fette Wanze betitelt“. Der Angeklagte soll dabei sehr ruhig geblieben sein: „Der Security-Mann hat immer gesagt, mir egal wer du bist - wer sich nicht benimmt, verlässt den Platz“. Dann soll Nicolas Puschmann den Sicherheitsbeauftragten angegriffen haben. „Herr Puschmann hat seine letzte Kraft genommen und ist auf den Security los, der sich dann letztendlich gewehrt hat. Und Herr Puschmann ist dann gestürzt.“  [….]

(RTL, 24.01.2023)

Der Security-Mitarbeiter wurde selbstverständlich freigesprochen und erwägt zivilrechtliche Schritte, weil er als vermeidlich Homophober keine Job mehr in Hamburg bekam.

Ich hoffe, es gibt einen besonderen Platz in der Trash-TV-Hölle für Puschmann. Er hat es allen echten Opfern von homophober Gewalt schwerer gemacht, weil nun alle homophoben Blogs, Kirchen, AfD-Politiker den Fall Puschmann als Argumentations-Ass zu ziehen werden, damit man den Opfern nicht glaubt.

Schande über Puschmann! Pfui!

(…..)   Einen ähnlichen Bärendienst leistete Gil Ofarim, der sich in Leipzig gekränkt fühlte, weil er am CheckIn des Westin Luxushotels nicht sofort als Superpromi erkannt wurde, darauf anfing rumzupöbeln, die Lobby verlies, draußen seinen David-Stern hervorkramte und über seine Social-Media-Kanäle jammerte, er sei antisemitisch beleidigt worden.

[….]  Doch der Musiker lässt sich nicht beruhigen, im Gegenteil. Folgt man der Darstellung der beiden Hotelangestellten, wird er nun ausfallend und redet sich in Rage. Ein Zeuge in der Lobby beschreibt Ofarim später gegenüber der Polizei als »frech«. Der Künstler sei an diesem Abend der einzige Gast gewesen, der sich über den langsamen Check-in beschwert habe. Videoaufnahmen zeigen, wie Ofarim im Streit mit den Armen gestikuliert und sich beidhändig auf dem Schalter aufstützt. Laut Sophie G. spricht er von einer »Frechheit«. Schließlich droht Ofarim, den Vorgang online zu thematisieren, das werde dann viral gehen – so schildern es sowohl Markus W., als auch seine beiden Kolleginnen sowie zwei Gäste direkt hinter dem Musiker. Vermutlich ist es jener von den Kameras festgehaltener Moment, in dem Ofarim die Hände mit schwungvollen Bewegungen ineinanderklatscht, wohl begleitet von den Worten: »Dann geht das auf Facebook und Instagram, bamm, bamm, bamm.«  [….]

(DER SPIEGEL, 31.03.2022)

Was für einen Bärendienst erweist Ofarim damit den Juden, die tatsächlich unter antisemitischen Anfeindungen leiden. Ihnen wird nun aber etwas weniger geglaubt werden.

[….] Als Gil Ofarim erklärte, er sei antisemitisch angegangen worden, glaubte auch ich ihm. Heute weiß ich es besser. Das bedeutet aber nicht, dass Menschen, die Diskriminierung beklagen, nicht geglaubt werden sollte – im Gegenteil.  [….]

(Samira El Ouassil, 07.04.2022)

Ähnlich katastrophal verhielt sich der schwule, schwarze Schauspieler Jussie Smollett, der eine schwulenfeindliche Attacke auf sich inszenierte, um als Opfer Ruhm und Schlagzeilen zu bekommen.

[….]  Schauspieler Jussie Smollett zu 150 Tagen Gefängnis verurteilt. Er soll eine homophobe Attacke auf sich selbst vorgetäuscht haben: Nun muss Schauspieler Jussie Smollett für knapp fünf Monate in Haft – und eine hohe Geldsumme zahlen. [….]

(SPON, 11.03.2022)

Erbärmlich! Was für einen Bärendienst erweist Smollett Myriaden Schwulen in den USA, die wirklich homophob angefeindet werden und deren Berichten man nun skeptischer gegenüberstehen wird.

Im Sexualstrafrecht ist die „Falschbeschuldigung als Vergewaltiger“ regelrecht zum Mythos geworden, auf den sich tatsächliche Vergewaltiger nur allzu gern beziehen. (…)

(Bärendienste, 12.04.2022) (….)

Die „Schwulenkarte“ zu ziehen, um die Kritiker seiner Heuchelei in eine homophobe Ecke zu drängen, ist hochgradig verwerflich. Da herrscht Einigkeit von BILD bis SZ, von CSU bis Linke, von FAZ bis taz.

Da herrscht Einigkeit vom PP-Verschwörungstheoretiker bis EMMA. Das erlebt man auch nicht alle Tage.

[….] Nachdem Hendrik Streeck (CDU) ein Baby von einer Leihmutter gekauft hat, hat nun auch Jens Spahn in den USA geshoppt. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die CDU hatte sich den Kampf dagegen auf die Fahnen geschrieben. Und nun? [….]

„Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht. Aber wie sagte der große Franz Beckenbauer: ‚Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.‘“ – Das sagte Daniel Funke, der Ehemann von Jens Spahn, der BILD-Zeitung.

[….] Es geht nicht um Elternschaft! Es geht um Menschenhandel, Herr Spahn!

Leihmutterschaft ist in Deutschland gesetzlich verboten – aber das scheint Jens Spahn nicht zu stören. Könnte er sich eigentlich auch eine Niere im Iran kaufen? Dort ist Organhandel auch nicht verboten. Mal konkret: Darf ein deutscher Politiker die deutsche Rechtslage ohne Probleme und mit Rückendeckung seiner Partei, ja vom deutschen Bundeskanzler unterlaufen? Scheinbar ja. Noch dazu darf er sich von der Bild-Zeitung bejubeln lassen. „Gott freut sich über jedes Kind.“ Der Zynismus kennt keine Grenzen!

Da kauft also der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein Kind. Ausgerechnet ein Mitglied von den Parteien, die sich den Kampf gegen Leihmutterschaft im Koalitionsvertrag ausdrücklich auf die Fahnen geschrieben haben und dafür eintreten, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten bleibt – weil es Menschenhandel ist. [….] Laut UN nimmt Leihmutterschaft weltweit zu. Der globale Markt wurde 2023 auf fast 15 Milliarden Dollar geschätzt und soll bis 2033 die 100 Milliarden erreichen. Leihmütter erhalten davon in der Regel zwischen zehn und 25 Prozent der Gesamtzahlung. Die kann in der Ukraine bei 30.000 Euro liegen oder in den USA bei 120.000 Dollar. Der größte Teil des Geldes geht an Agenturen und Anwälte. [….] Spahn und sein Mann ziehen nun die „Homosexuellen-Karte“. „Homosexuelle sind keine schlechteren Eltern als Heterosexuelle“, sagen sie der BILD.

Doch darum geht es nicht. Es geht nicht um schwule Eltern. Es gibt auch Heterosexuelle, die Kinder bei Leihmüttern kaufen.

Es geht nicht um Elternschaft! Es geht darum, dass Frauen und Kinder zur Ware gemacht werden, Herr Spahn! Es geht um Menschen, die bestellt und verkauft werden. [….]

(Annika Ross, EMMA, 15.07.2026)

Beim Thema Leihmutterschaft, die meiner Ansicht nach legalisiert gehört, aber von Emma-Feministinnen und rechtskonservativen Christen gleichermaßen abgelehnt wird, geht es keineswegs um Homosexualität oder Heterosexualität. Spahn könnte mit einer Frau verheiratet sein und handelte gleichermaßen moralisch verkommen, wenn er sich über die Regeln für andere hinwegsetzt.

Sein Schwulsein ermöglicht ihm allerdings, mit seinen falschen Anschuldigungen, noch tiefer zu sinken.

Ich verachte und verabscheue Jens Spahn. Ich wünsche ihm kein persönliches Glück. Ich halte sein politisches Wirken für fatal und demokratieschädigend. Er schadet dem Volk, er schadet Deutschland mit fast allem, das er tut. Mir fällt nur ein Aspekt von Spahns Persönlichkeit ein, gegen den ich wirklich gar nichts habe: Daß er rein zufällig schwul ist.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Relikte aus grauer Vorzeit

Der walisische „Professor des Raps“ Ren Gill, womöglich der begabteste Musiker der Gegenwart, vermag es, fundamentale Zusammenhänge poetisch zu verbalisieren. Der religiös geprägte Bibelkenner sagt in seinem Song „Seven Sins“, wie Menschen aus ihren Schmerzen, Ängsten und Ungewissheiten Religionen ersannen.

[….]  Empires tumble - rubbles and dust

The universe shrinks and the planets combust (Bla)

In God we trust

God tied a noose to his neck and he walked to the edge and he jumped

Angels wept

I bear witness watching the whole thing unfold from my bed

A bed where I never deep rest

A bed where I'm always depressed

A bed with a human oppressed

A bed for the tomb where I slept

A bed in this room that's a womb for this mess

Sick boi, bitten by a tick boy*, tell me how it feels to be buried while you breathe (Bla)

Stones and sticks, boy, pain is a gift, boy, hard to make a stand when you crawl on your knees and I kneel

I kneel at the altar of my own disease and I beg

I begged the sky for mercy, mercy never came, life did me dirty

Thirty-three and hurting, cursing

Jesus died at thirty-three and still, my sins are lurking

Gears are turning, future stays uncertain

Surgeon incision, murder ambition

(Fear of the unknown preserves a religion

Denounce the gods where my body went missing) [….]

(Seven Sins by Ren)

*(Mit 19 Jahren erkrankte Ren durch einen Zeckenbiss schwer an Lyme-Borreliose, die 13 Jahre nicht erkannt und fehldiagnostiziert wurde, ihn barbarisch leidend mit extrem hohen Dosen Psychopharmaka fütterte und Autoimmunkrankheiten auslöste.


Wie die 3.000 bis 5.000 Religionen der Menschheit aus der Not geboren wurden, weil man von unerklärlichen Leiden und Unglücken heimgesucht wurde, erscheint psychologisch nachvollziehbar.

Mit dem Siegeszug der Wissenschaft, der sich stets erweiternden Erkenntnis, der allgemeinen Bildung, verschwanden die meisten Religionen von diesem Planeten.

Wissen ist der Feind des Glaubens, je dümmer, desto religiöser.

Die weltweit erfolgreichste Religion, das Christentum, vermochte sich insbesondere deswegen so stark in der menschlichen Kultur festzusetzen, weil sie 1.000 Jahre „finsteres Mittelalter“ prägte, in dem Klugheit bestraft und Erkenntnis getötet wurde. Aufklärer, Heliozentristen, Wissenschaftler wurden von der herrschenden religiotischen Klasse getötet, verbrannt, verbannt.

Wären die Kirchen nicht global so erfolgreich damit gewesen, die Klügsten zu töten, die besten Denker zu massakrieren, andere Kulturen auszurotten, hätten wir womöglich schon um 900 n. Chr. den Buchdruck gehabt, 1.000 n. Chr. Mädchen in Schulen, Frauen in Universitäten geholt, 1.200 n. Chr die Industrialisierung erlebt und wären 1.500 n. Chr. zum Mond geflogen.

Vielleicht wären im Jahr 2.000 globale Probleme, wie Überbevölkerung, Klimaerhitzung, Krieg und Krankheit längst überwunden worden.

Nicht alle Religionen wirken gleichermaßen toxisch auf des Volk. Es liegt in der Natur der Sache, daß polytheistische Systeme toleranter sind.

Der Tiefschlag für die menschliche Entwicklung dürfte der Monotheismus sein, der rund 1.400 Jahre vor der Geburt Jesu, von Pharao Echnaton und seiner noch berühmteres Frau Nofretete erfunden, aber anschließend auch wieder zerschlagen wurde.

Endgültig durchsetzen konnte sich der Monotheismus mit den Abrahamitischen Ideologien, von denen drei bis heute als „Weltreligionen“ angesehen werden.

In ihnen befindet sich eine derartig starke Intoleranz durch den „Wir sind besser als ihr“-Gedanken, daß viele Jahrhunderte Krieg, Massenmord und Genozid ermöglicht wurden. Die Zugehörigkeit zu einer der abrahamitischen Religionen erfordert Despektierlichkeit gegenüber Anders- oder Nichtgläubigen. Die kann sich bestenfalls in Desinteresse äußern, erscheint aber auch in Form von Intoleranz und kann bis zum massenhaften Mord-Zwang eskalieren. Auch hier erwiesen sich die christlichen Kirchen als Brutalste unter Brutalen: Auto-Dafés, Hexenverbrennung, Inquisition, Missionierung, Kolonialisierung, weltweiter Sklavenhandel, Kreuzzüge, Genozide, Holocaust – stets im Namen des Herren.

Und wir sind nicht damit fertig; auch heute bringen Christliche Strukturen Kriegstreiber und Killer, wie Trump, Hegseth, Graham oder Putin hervor: Gewaltherrscher, die ihre Machtbasis im Christentum haben.

[….]  Ab dem Alter von 30 Jahren sollen in den USA künftig die Testosteronwerte von Soldaten getestet werden. Dies werde im Rahmen einer bereits bestehenden jährlichen Gesundheitsuntersuchung stattfinden, kündigte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in einem Video auf der Plattform X an.

[….]  Hegseth begründete die Maßnahme damit, dass der „einzelne Kämpfer“ immer der wichtigste taktische Vorteil der USA sein werde. Er sprach von einer „heiligen Pflicht“, diesen Vorteil zu bewahren. Deshalb müsse man ständig nach neuen Wegen suchen, um die Leistungsfähigkeit und langfristige Gesundheit der Soldaten zu optimieren, folgerte Hegseth.  […..]

(HH MoPo, 15.07.2026)

Das Judentum ist mit rund 15 Millionen Anhängern eine Zwerg-Religion in der apokalyptischen Triade des Abrahamismus. Muslime (1,9 Milliarden) und Christen (2,3 Milliarden) spielen in einer ganz anderen Liga, weil Juden eine höchst sympathische Besonderheit aufweisen: Sie missionieren nicht, zwingen keine Un- oder Andersgläubigen auch jüdisch zu werden. Sie kolonisierten nie, führten nie Angriffskriege, um durch Zwang zu bekehren.

Wer von sich aus zum Judentum konvertieren möchte, wird der Tradition entsprechend, zunächst mehrfach abgewiesen.

Ich rechne es dem Judentum ohne jeden Sarkasmus hoch an, daß es mich in keiner Weise je dazu zwang, mich ebenfalls jüdischen Religionsregeln zu unterwerfen.

Im atheistischen, weit überwiegend konfessionsfreien Hamburg, darf ich am Karfreitag nicht tanzen oder bestimmte Kinofilme sehen, weil die Christen in Deutschland immer noch so mächtig sind, ihre abstrusen Bräuche auch der Mehrheit der Ungläubigen aufzuzwingen. Widerlich.

Juden sind für mich ganz klar die Nettesten unter den drei monotheistischen Groß-Ideologien von heute.

Das heißt aber selbstverständlich nicht, daß gläubige Juden unter sich, besonders die Orthodoxen und erst recht die Ultraorthodoxen, nicht auch völlig gaga agieren. Der Pleonasmus „Ultraorthodox“ beinhaltet schon den Wahnsinn, der bedauerlicherweise politisch im Netanjahu-Kabinett prominent vertreten ist.

[….] Das israelische Parlament hat gestern Abend in dritter und letzter Lesung ein Gesetz verabschiedet, das das Studium religiöser Texte zu einem „Grundwert des jüdischen Volkes und des Staates Israel“ erklärt und ihm damit eine Art Verfassungsrang einräumt. In der Praxis wird das Gesetz dazu dienen, ultraorthodoxen Juden mehr Möglichkeiten zu geben, den Militärdienst zu verweigern.  In den letzten beiden Lesungen stimmten 63 Knesset-Abgeordnete für den entsprechenden Gesetzentwurf, 52 waren dagegen.   [….]

(ORF, 13.07.2026)

Der Hightech-Staat Israel, weltweit führend bei Software-Entwicklung und biogenetischen Techniken, liefert sich dem antiwissenschaftlichen Mittelalter aus.

[….] „Schande!“ rufen Oppositionsmitglieder am Dienstag in der Knesset im Chor dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu entgegen. Bei der Abstimmung selber ist dieser dann nicht anwesend. Und am Dienstagabend verabschiedet seine rechtsreligiöse Regierung dann ohne ihn das umstrittene Gesetz.

Es geht, wie so oft in diesen Tagen in Israel, um die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe. Dem verabschiedeten Gesetz zufolge können Strenggläubige nun nicht mehr festgenommen werden, wenn sie sich dem Wehrdienst entziehen. [….] Das Gesetz ist Teil einer ganzen Reihe von Vorhaben, die die Regierung noch vor der Sommerpause der Knesset und vor den Parlamentswahlen Ende Oktober durchbringen will. Viele davon sind Zugeständnisse an die ultraorthodoxen Koalitionspartner Netanjahus. Einen Tag vor dem Gesetz zur Einberufung wurde etwa das sogenannte Thora-Gesetz beschlossen, das das Studium religiöser Texte offiziell zu einem „Grundwert des jüdischen Volkes und des Staates Israel“ erklärte. [….] Die Auseinandersetzung um die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe sorgt schon seit Jahren für Wirbel. In den letzten Monaten hat sich die Situation zugespitzt. Immer wieder blockierten die Strenggläubigen in ihrer klassischen Kluft – schwarze Anzüge und Hüte, weiße Fäden an ihren Hosenbeinen – wichtige Straßen und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei.

Unter liberalen und säkularen Israelis stoßen die Proteste auf großen Unmut, genauso wie die in den letzten Tagen verabschiedeten Gesetze. In ihren Augen trügen sie, die Liberalen und Säkularen, die selber oder deren Kinder als Sol­da­t*in­nen dienen, die Kosten für die zahlreichen Kriege, während die Regierung ihre schützende Hand über die Ultraorthodoxen halte.

Auch das israelische Militär kritisiert das Gesetz scharf. Es stehe „eindeutig in Widerspruch“ zu dem, was die israelische Armee benötige, sagte Militärchef Eyal Zamir. Derzeit gelten schätzungsweise 72.000 ultraorthodoxe Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren als wehrpflichtig. Die Armee hat in den letzten Monaten wiederholt betont, dass sie angesichts der anhaltenden Kriege an mehreren Fronten dringend 12.000 neue Rekruten benötige.  [….]

(Judith Poppe, 15.07.2026)

Der Religiotenkampf zwischen Liberalen, Rechtsextremen, Militärs und Ultraorthodoxen in Israel dürfte weitergehen.

[…] Erst gestern hatte Israels Parlament ein Gesetz verabschiedet, das Ultraorthodoxe faktisch von der Wehrpflicht befreit - jetzt stoppt der Oberste Gerichtshof es vorerst. Ultraorthodoxe Politiker sind empört.

Es ist ein Paukenschlag, der Israel in eine tiefe Verfassungskrise stürzt: Nur wenige Stunden, nachdem das israelische Parlament ein umstrittenes Schutzgesetz für ultraorthodoxe Wehrdienstverweigerer verabschiedet hatte, kassierte der Oberste Gerichtshof die Regelung per einstweiliger Verfügung wieder.  [….]

(Tagesschau, 15.07.2026

 

Dienstag, 14. Juli 2026

Kriminelle in Hamburg

Was passiert eigentlich in dem einzigen Bundesland, das seit 16 Jahren kontinuierlich stabile linke, also rote, bzw rotgrüne Mehrheiten ausweist, mit der Kriminalität?
Immerhin gibt es in diesem, seit 2011 links der CDU regierten Bundesland, erhebliche soziale Brennpunkte, eine der höchsten Migrantenquoten, eine sichtbare Drogenszene und gewaltige Einkommensunterschiede.

Immerhin wird in diesem Stadtstaat die Tagesspresse fast ausschließlich von rechten Medien betrieben. Es gibt keine liberale oder linke regionale Tageszeitung. Die hiesige rechte Presse versteht es seit Jahrzehnten meisterlich, die Angst vor Kriminalität zu schüren, Misstrauen zu säen und Aggressionen auszulösen. Das Springersche Meisterstück gelang 2001, als der rechtsradikale Erpresser und Kokser Roand Schill mit einer unverantwortlichen Hetzkampagne zum Bürgermeister hochgeschrieben wurde.

Immerhin handelt es sich um das Bundesland, welches kontinuierlich wächst und seine Bevölkerungszahl in 40 Jahren von gut 1,5 Millionen Einwohnern (1985: 1.579.884; 1986: 1.571.267) auf gegenwärtig fast zwei Millionen (2024: 1.920.236) erhöhte.

[…] Damit ist Hamburg eines der drei einzigen Bundesländer mit steigenden Zahlen. Die beiden anderen sind Berlin und Bremen. Mit Ausnahme des Jahres 2022 steigen die Zahlen seit vielen Jahren in Hamburg kontinuierlich, während sie bundesweit sinkt. [….]

(NDR, 16.06.2026)

Immerhin beanspruchen die Hamburger von heute erheblich mehr Wohnfläche pro Person, als früher.

[….] Nach Ende des Zweiten Weltkrieges verfügten Hamburgerinnen und Hamburger im Durch­schnitt über 8,3 Quadratmeter Wohnfläche je Person. Ende 2023 standen der Hamburger Bevölkerung dagegen durchschnittlich 38,8 Quadratmeter pro Person zur Verfügung. Die Wohnfläche pro Person stiegt damit in diesem Zeitraum um mehr als 30 Quadratmeter, so das Statistikamt Nord anlässlich des achtzigsten Jahrestages des Kriegsendes.

Rechnerisch teilten sich bei Kriegsende 5,2 Menschen eine Wohnung. Bis Ende 2023 sank der Wert auf durchschnittlich 1,9 Menschen pro Wohnung. Aktuell lebt in rund jeder zweiten Wohnung nur eine Person.

Die Gesamtzahl der Wohnungen sank während des Krieges stark: Für das Jahr 1939 werden 552 500 Wohnungen in der Statistik ausgewiesen. Ende 1945 gab es noch 267 500 Wohnungen. Die Hansestadt verlor also während des Zweiten Weltkrieges über die Hälfte ihres Wohnungsbestandes; allein im Juli 1943 wurden 274 300 Wohnungen zerstört.

Ende 2023 gab es rund 998 400 Wohnungen in Hamburg. Somit gibt es in der Hansestadt aktuell rund 730 900 Wohnungen mehr als Ende 1945 (plus 273 Prozent).

Die Bevölkerungszahl Hamburgs stieg zwischen 1946 und 2023 von 1,4 Mio. auf fast 1,9 Mio. Menschen. Der Zuwachs beträgt 31,9 Prozent. [….]

(Statistik Nord, 77/2025)

Immerhin handelt es sich um eine Stadt, die nicht unendlich viele zu urbanisierende Wiesen und Felder zur Verfügung hat. Wir müssen mit dem Platz auskommen, der da ist. Auf derselben Fläche wurden also seit Kriegsende nicht nur 730.000 zusätzliche Wohnungen gebaut, sondern die Menschen verbrauchen auch noch mehr Wohnfläche pro Kopf. Und es sind 600.000 Menschen mehr, die auch noch zu allem Übel, inzwischen immer mehr und immer größere Autos besitzen.

Nach einem Höchststand von 818.000 PKWs (2021) liegen wir gegenwärtig bei etwa 804.000 Privat-Autos in Hamburg. Insgesamt sind in Hamburg 950.000 Fahrzeuge zugelassen. Es ist eine gewaltige Zunahme. 1970: ca. 241.500 Pkw, 1980: ca. 463.000 Pkw, 1990: ca. 678.800 Pkw, 2010: ca. 767.000 Pkw.

Immerhin drängen sich in diesem Bundesland Menschen und Autos so dicht zusammen, wie nie.

[…] Hamburg ist und bleibt eine wachsende Stadt. Auch im vergangenen Jahr ist die Zahl der Einwohner weiter gestiegen. Das teilte das Statistikamt Nord am Donnerstag mit. Ende Dezember 2025 haben demnach genau 1.869.473 Menschen in Hamburg gelebt. Das sind 6908 Personen oder 0,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit setzt sich der Wachstumstrend seit mehr als 20 Jahren weiter fort.

Bevölkerungszuwachs, obwohl Sterbefälle Geburten übertreffen

Grund für den Bevölkerungsanstieg ist ein Überschuss an Zuzügen. Mehr als 91.300 Menschen zogen 2025 nach Hamburg, während nur rund 82.800 die Stadt verließen. Damit überstieg das Plus durch Zuwanderung mit etwa 8500 Personen klar das Minus durch Abwanderung.  [….]

(Abla, 09.07.2026)

Müssten sich nicht so viele Menschen auf begrenztem Raum immer mehr an die Kehle gehen? Und dann fehlt auch noch die „harte Hand“ eines CDU-Bürgermeisters oder CDU-Innensenators.

Seit 2011 regieren hier doch die „Linksgrünversifften“, die Luschen, die nicht so „Tough on crime“ sind. Das bejammert die schwarze und braune Opposition in der Bürgerschaft stets in großer Einigkeit.

Wenn da bloß nicht die Fakten wären, die die CDU-Erzählung so stören!

Seit 2011, als Olaf Scholz die rote absolute Mehrheit in Hamburg holte, geht die Kriminalität kontinuierlich zurück und befindet sich gegenwärtig auf den niedrigsten Stand seit 1980.

[….] Gewalt, Raub, Diebstahl – Zahl der Straftaten in Hamburg sinkt weiter.

Halbjahreszahlen der Polizei liegen dem Abendblatt vor. 5,9 Prozent weniger [….] Die Zahl der angezeigten Straftaten ist in Hamburg im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut deutlich zurückgegangen. Sie sank stadtweit um 6500 auf 103.300. Das sind immer noch rund 570 Straftaten pro Tag, entspricht aber einem Rückgang um 5,9 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.

Erfreulich ist auch die Entwicklung in den sieben Bezirken, besonders in Hamburg-Mitte mit den Kriminalitätshochburgen St. Pauli und St. Georg. In dem Bezirk mit Drogenelend am Hauptbahnhof und dem Kiez lag das Minus immerhin bei 3,2 Prozent. Das geht aus den Halbjahreszahlen der Polizei hervor, die in die Kriminalstatistik (PKS) für 2026 einfließen und dem Abendblatt vorliegen. Demnach ist die Gewaltkriminalität um 269 Fälle oder 6,4 Prozent gesunken. [….] Die Zahl der 2026 hamburgweit erfassten Raube sank um mehr als 13 Prozent auf 913, die der Diebstähle um rund 3000 auf 40.000. [….]

(Abendblatt. 13.07.2026)

RotGrün kann es eben.

[…..] Weniger Einbrüche, weniger aufgebrochene und gestohlene Autos, weniger geklaute Fahrräder: Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Innensenator Andy Grote sind ziemlich zufrieden mit der Arbeit der Hamburger Polizei im vergangenen Jahr. Das Risiko, in Hamburg Opfer einer Straftat zu werden, ist so gering wie zuletzt 1980. Die Zahl der erfassten Straftaten sinkt, die Aufklärungsquote steigt.   [….]

(Die ZEIT, 07.02.2019)

Hamburg schaffte seit 2015 insgesamt 52.000 Unterbringungsplätze für Flüchtlinge.

Gegenwärtig leben 44.000 anerkannte Flüchtlinge in der Stadt.

Mit diesen Zehntausenden Menschen aus anderen Kulturen, sank die Kriminalität in Hamburg weiterhin deutlich.

[…] "Das Risiko, von einer Straftat betroffen zu sein, liegt damit auf einem historisch niedrigen Niveau", so Innensenator Andy Grote (SPD). Besonders hob der Innensenator den Rückgang bei der Zahl der Gewaltdelikte um rund fünf Prozent auf 8.514 Fälle vor. Ein Drittel davon wurde demnach allein auf St. Pauli und St. Georg begangen. Dort kommt es auch zu den meisten Raubtaten. Immer öfter spielen gerade auf St. Pauli Alkohol und Drogen eine Rolle. [….] Laut der Statistik wurden 2025 bei registrierten Straftaten weniger Messer und Schusswaffen eingesetzt als im Vorjahr. Bei 261 Straftaten wurde ein Messer eingesetzt - das entspricht einem Rückgang um knapp 35 Prozent. Bei 262 wurde eine Schusswaffe eingesetzt - das bedeutet einen Rückgang um etwa 12 Prozent.  […]

(NDR, 12.02.2026)

Deutschland und Israel.

Ich verstehe es wirklich! Deutschlands historische Schuld gegenüber dem Israelischen Volk, dieses Verbrechen apokalyptischen Ausmaßes, wird die Beziehungen beider Staaten für immer „unnormal“ sein lassen und das ist auch gut so. Gerade jetzt, da die allerletzten Zeitzeugen sterben, müssen wir Nachkommen Verantwortung übernehmen: Der Holokaust darf niemals in Vergessenheit geraten und dieses Tätervolk hat dafür zu sorgen, daß sich so ein Genozid niemals wiederholt.

Für mich ist das eine absolute Selbstverständlichkeit. Gerade auch, weil ich weder persönlich, noch familiär eine direkte Schuld trage. Ich wurde erst Jahrzehnte nach der Wannseekonferenz geboren, habe erst seit zweieinhalb Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Väterlicherseits gehöre ich zu dem „Befreiervolk“ USA. Meine Vorfahren waren Soldaten der US-Army, die gegen Hitler in den Krieg zogen.

Aber ich lebe ich Deutschland, habe auch deutsche Wurzeln und bin daher schockiert und deprimiert, weil Deutschland bei seinen beiden historischen Verpflichtungen versagt.

Die Erinnerungskultur wird sträflich vernachlässigt, Gedenkstätten verfallen. Unter deutschen Jugendlichen herrscht verstörende Unkenntnis über Deutschlands Vergangenheit in den 1930er und 1940er Jahren. Jugendliche machen sich über die Millionen Opfer lustig, amüsieren sich in den Gedenkstätten, treiben die Mitarbeiter zur Verzweiflung.

[….] Ein Selfie im Verbrennungsofen

Anfeindungen gab es in Buchenwald immer. Doch jetzt treten vor allem Jugendliche in der Gedenkstätte offen rechtsextrem auf, verlachen die Verbrechen der Nazis und stören die Ruhe der Toten. Was kommt da auf die Gesellschaft zu? [….] Sie sind zu zweit, eine junge Frau und ein junger Mann. Sie legen ihre Westen an und stecken ihre Walkie-Talkies ein. Sie sehen die Gruppen, die nun losgehen, zum Tor des ehemaligen Häftlingslagers. Der junge Mann zieht an seiner Zigarette, die junge Frau sagt: „Heute ist heftig.“ [….] Es ist Frühling, der Himmel steht ohne eine Wolke über Buchenwald. Tag für Tag besuchen Menschen die KZ-Gedenkstätte, hier oben auf dem Ettersberg, gleich neben Weimar gelegen. Und eigentlich ist es doch ein gutes Zeichen, dass der Andrang groß, das Interesse ungebrochen ist. Aber etwas ist neu. Es sind die Präventionsteams, die seit einigen Monaten auf dem Gelände unterwegs sind. Mitarbeiter, die im Blick haben, wie Besucher sich verhalten. Die eingreifen, wenn passiert, was seit ein paar Jahren immer öfter passiert: dass Leute offen rechtsextrem auftreten. Dass sie die Ruhe der Toten stören und das Gedenken ihrer Qualen verachten. [….] Anna und Leon. So sollen sie heißen in dieser Geschichte.  Anna und Leon sind viel gewohnt, und natürlich, Angriffe auf ihre Arbeit gab es in Buchenwald immer. Hakenkreuze, ungelenk in Baumrinden geritzt. SS-Runen, flüchtig auf Wegweiser gesprayt. In den Jahren vor der Pandemie musste die Gedenkstätte ungefähr einmal im Monat einen Vorfall der Polizei melden. Aber jetzt? Jetzt erstattet sie fast jede Woche Anzeige. Besucher posieren vor dem Lagertor, den Arm zum Hitlergruß gehoben. Besucher klettern in die Verbrennungsöfen, posten Fotos davon auf Instagram. Häme in ihren Gesichtern, Herzen in ihrer Timeline.   Oft sind es Jugendliche, die das machen. Die, denen die Zukunft gehört. Und oft sind KZ-Gedenkstätten gesellschaftliche Seismografen. Orte, an denen sich abzeichnet, welche Druckwellen durchs Land gehen. Was also bricht sich Bahn, wenn junge Menschen die Verbrechen der Nazis verlachen?  [….]

(Süddeutsche Zeitung, 25.05.2026)

Wir versagen aber auch, zweitens, bei dem „das darf sie nicht wiederholen“-Anspruch. In mehreren Bundesländern wollen über 40% Nazis wählen. Eine Partei, die sich genau am hundertsten Jahrestag des NSDAP-Parteitag zum Erinnerungsparteitag trifft, um zu hetzten und Gewalt zu säen.

[….] Die AfD hält ihren zweitägigen Bundesparteitag auf dem Messegelände ab. Der Erfurter AfD-Bundesparteitag findet genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Reichsparteitag vom 3. und 4. Juli 1926 im nahgelegenen Weimar statt. Der Dresdner Historiker Jörg Ganzenmüller erklärte, die AfD sende mit dem Termin ein Signal der Verbundenheit an die rechtsextreme Szene, der die Geschichte der NSDAP geläufig sei.  […]

(Deutschlandfunk, 04.07.2026)

Ganz offen ventiliert Bernd Höcke, die zentrale Figur der Partei, immer wieder Passagen aus Hitlers „Mein Kampf“, plagiiert NS-Parolen.

Die Konservativen und Christen der Deutschen Politik, nähern sich, ebenfalls wie vor 100 Jahren, den Nazis an. Sie kooperieren auf immer mehr Ebenen mit ihnen, übernehmen ihre politischen Programmpunkte, stimmen sich im EU-Parlament ab. Setzen Nazi-Forderungen um. Mit dem Schleifen des Asylrechts und partiell klar gesetzeswidriger Migrationspolitik, beweisen CDUCSU, FDPFW, aber bedauerlicherweise auch Teile der SPD und der Grünen, daß sie nicht aus der Deutschen Vergangenheit gelernt haben. Daß sie es nicht besser machen wollen, nach den Erfahrungen vor 100 Jahren, als Deutschland Millionen Menschen vertrieb, die oft nirgends Aufnahme fanden und daher in den Tod gingen.

Es ist so eine Schande, die Deutschland sich erlaubt!
Deutschland, mit einem Bundeskanzler, der immer wieder rechtsextreme xenophobe Narrative bedient und dabei unverfroren die Öffentlichkeit anlügt, um Hass und Missgunst auf Migranten und Minderheiten zu lenken.

[….] Darum ging’s beim Publix Thursday mit dem Juristen Ronen Steinke (Süddeutsche Zeitung). Ein Beispiel: Im Wahlkampf behauptete Friedrich Merz, abgelehnte Asylbewerber:innen würden Deutschen die Zahnarzttermine wegnehmen. Nachweislich falsch. Trotzdem: Ein Gesetz gegen Desinformation würde wohl kaum zuerst Merz treffen. […..]

(Publix)

Ich schäme mich so für Deutschland. Ich schäme mich so für die deutschen Wähler. Ich schäme mich so für den Bundeskanzler. Ich schäme mich so für den Innenminister. Ich schäme mich so für das deutsche Versagen gegenüber seiner historischen Verantwortung.

Deutschland ist das letzte Land, das mit moralisch erhobenen Zeigefinger andere Nationen belehren darf. Deutschland ist das letzte Land, das vom hohen Ross ausgerechnet Israel belehren darf.

Es gilt aber, Israel, die Juden, den Staat Israel, die Politik Israels, die Netanjahu-Regierung, die rechtsextremen rassistischen Israelischen Minister, die genozidale Kriegsführung, die Morde an Myriaden Kindern und Zivilisten zu unterscheiden. Das ist aber durchaus möglich.

(….) Im linken politischen Spektrum fühle ich mich oft, wie der letzte Israel-Freund; drösele immer wieder auf, wie streng Kritik an der Israelischen Regierung von Antisemitismus zu trennen ist. Ich verweise auf die enormen Proteste der Israelischen Zivilgesellschaft gegen Netanjahu; schon das zeigt, wie unredlich es ist, Israel und Bausch und Bogen zu verurteilen. Rechtsextreme, wie Linksextreme, lügen, wenn sie über das Scheinverbot der Israelkritik lamentieren. Das gehört in den schwurbeligen Propagandakasten der untersten Moralkategorie. Die Schublade, in der Katharina Reiche von „Wärmepumpenzwang“ lügt, in der Merz von „Gender-Zwang“ lügt, in der Söder von „Veggie-Zwang“ lügt.  (….)

(Deutscher Israel-Sonderweg, 21.05.2025)

(….)   Viele Rechtsextreme, viele Idioten und leider auch zu viele engagierte Linke, blamieren sich, seit die Hamas am 07.Oktober 2023 mehr als 1.400 Israelis massakrierte und rund 250 Menschen als Geiseln verschleppte, mit verstörenden Aussagen.

Möglicherweise gab es schon beim Jom Kippur-Krieg 1973, oder dem Sechstagekrieg von 1967 so abwegige deutsche Meinungen dazu. Aber glücklicherweise gab es damals noch kein Internet, so daß nicht jeder Depp seine irrelevanten Ansichten publizierte.

Ich möchte 20 Axiome zur Nahost-Meinungsäußerung in Deutschland nennen, die ich mir nicht etwa gerade selbst ausdenke, sondern seit Jahrzehnten rauf und runter gebeten werden. Aber offensichtlich dennoch immer weniger gehört werden.

1.   Niemand ist gezwungen sich zu positionieren.

2.   Niemand muss Nahost-Experte sein.

3.   Kritik an Israelischer Politik ist nicht verboten.

4.   Politisches Handlungen der Jerusalemer Regierung zu kritisieren, ist nicht antisemitisch.

5.   Einzelne Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland für Netanyahus Handlungen zu beschimpfen, ist antisemitisch.

6.   Die Hamas ist nicht identisch mit den Palästinensern.

7.   Ein nach 1945 geborener Deutscher ist nicht Schuld am Holokaust.

8.   Die Deutschen Bürger sind aber dafür zuständig, den Holocaust nicht zu vergessen und ihn nicht zu wiederholen.

9.   Für die historischen Leiden des jüdischen und des palästinensischen Volkes ist Deutschland sehr stark mitursächlich und sollte deswegen auf internationaler Ebene nicht ausgerechnet am Lautesten kritisieren und den moralischen Zeigefinger schwenken.

10.Hamas-Terror, der zum Beispiel beinhaltet, die deutsche Geisel Shani Louk, nackt zur Schau zu stellen, sie zu vergewaltigen, foltern, köpfen, zu zerstückeln und mit solchen Taten im Netz zu prahlen, ist eben nicht mit den Aktionen Israelischer Soldaten zu vergleichen.

11.Wenn man auf Social Media Israel beschimpft und dafür seinerseits kritisiert wird, bedeutet das nicht „man darf ja gar nichts mehr sagen“.

12.Meinungsfreiheit in Deutschland bedeutet nicht das Recht, seine Meinung immer widerspruchslos kund zu tun.

13.Wenn deutsche Juden nur unter besonderem Schutz in Schulen oder Synagogen gehen können, ist das nicht ihre Schuld, sondern eine elende Schande für die deutsche Gesellschaft.

14.Empathie für die getöteten Kinder im Gaza-Streifen zu empfinden, bedeutet nicht, israelfeindlich zu sein.

15.Empathie für die von der Hamas gefolterten und getöteten Israelis zu empfinden, bedeutet nicht, alle Palästinenser zu hassen.

16.Die internationale Gemeinschaft verlangt nicht von Fritze Meier in der Fußgängerzone von Buxtehude, eine Lösung des Nahostkonfliktes aus dem Ärmel zu schütteln.

17.Nicht jeder Deutsche muss über historisches Fachwissen verfügen.

18.Wer historische Vergleiche bemüht, sollte aber die Fakten kennen.

19.Deutsche Rechtsradikale, die mit ihrem extremen Hass auf Migranten und Muslime Stimmungen machen, sind nicht automatisch Israel-Freunde.

20.Die Kriegsverbrechen Putins rechtfertigen selbstverständlich nicht, 80 Jahre rückwirkend den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. (….)

(Historisch aufgeladene Zeiten, 04.11.2023)

Die besondere Verantwortung Deutschlands, unser Versagen an den eigenen Ansprüchen, kann natürlich nicht bedeuten, unsererseits jedes Verbrechen der Israelischen Regierung nicht nur zu decken, sondern auch, wie Wadephul, Merz, Klöcker und Dobrindt, aktiv andere Länder davon abzuhalten, Konsequenzen zu ziehen.

Dieser kollektive deutsche-konservative Netanjahu-Kniefall muss aufhören!

[….] Gewalt im Westjordanland: Ein Verbot von Importen aus Israel darf kein Tabu mehr sein[….] Die Bundesregierung weist seit Jahrzehnten darauf hin, dass der Siedlungsbau völkerrechtswidrig ist. Die Frage ist, ob diesen Worten auch die richtigen Taten folgen. Am heutigen Montag hätte die Bundesregierung die Chance, das unter Beweis zu stellen.

In Brüssel findet die 4191. Tagung der EU-Außenminister statt, und ganz oben auf der Agenda steht ein Thema: Israel. Konkret hat die EU-Kommission Vorschläge ausgearbeitet, wie politisch auf das Vorgehen der israelischen Regierung reagiert werden kann. Dazu gehört auch ein endgültiges EU-Importverbot für Waren aus den illegalen Siedlungen.

Die Bundesregierung sollte ihre Blockade aufgeben und sich nicht länger daran beteiligen, Gebieten, die von Extremisten vorangetrieben werden, zu wirtschaftlichem Erfolg zu verhelfen. Die Datteln, den Wein oder den Honig aus den völkerrechtswidrigen Siedlungen brauchen wir nicht. [….] Beim Importstopp aus den Siedlergebieten verweisen deutsche Politiker dann auf die Geschichte. Das sei doch schon fast wie »Kauft nicht bei Juden«, lautet das wiederkehrende Argument.  Doch der Vorwurf greift zu kurz. Berechtigt wäre er angesichts anderer Vorstöße etlicher EU-Länder, die das EU-Assoziierungsabkommen mit Israel gänzlich aussetzen wollen oder von linken Gruppierungen, die den vollständigen Boykott israelischer Waren fordern. Es ist richtig, dass die Bundesregierung das blockiert.

Der Unterschied liegt auf der Hand: Der vollständige Boykott würde sich gegen den israelischen Staat und dessen Gesellschaft insgesamt richten – also auch gegen die israelische Opposition und die Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft.

Bei den illegalen Siedlungen in den besetzten Gebieten aber ist die Lage anders: Weil sie einem Frieden für Israel und der Zweistaatenlösung entgegenstehen, sind sie langfristig eine Gefahr für die Sicherheit Israels. [….] Die Botschaft des Importstopps wäre klar: Die Siedlungspolitik der israelischen Regierung und die Gewalt radikaler Siedler im Westjordanland blieben nicht länger ohne Folgen. Die europäische Politik würde sich aus ihren Widersprüchen befreien. Allen voran Friedrich Merz.   [….]

(Timo Lehmann, SPON, 13.07.2026)