Montag, 22. Juni 2026

Was ist echt?

Zehn Jahre fragten wir uns, was Putin wohl gegen Trump in der Hand haben könnte.

Gerüchte über „Pee-Tapes“ machten die Runde: IQ45-47 sollte demnach aus rassistischem Hass auf Obama, das Moskauer Hotelzimmer ausgemacht, in dem dieser einst übernachtete und russische Prostituierte darauf urinieren lassen haben.

Der KGB habe das heimlich aufgezeichnet und nun drohe Putin dem orangen Debilen permanent mit Veröffentlichung des peinlichen Materials.

Eine tolle, bei Verschwörungstheoretikern beliebte Story, für die es allerdings nicht die geringsten Belege gibt.

Menschen, die sich professionell mit Trump beschäftigen, winken ab:

Putin hätte so ein Erpressungsvideo gar nicht nötig. Der extrem ungebildete, aber auf Schmeicheleien versessene Trump, ist für einen klugen, geheimdienstlich ausgebildeten Mann, ohnehin leicht zu lenken. Dazu kommt Trumps ehrliche Bewunderung für die Machtfülle des Russen, dessen Reichtum und die goldene Pracht des Kremls, gegen die das Weiße Haus wie eine ärmliche Berghütte wirkt.

Beide teilen zudem gemeinsame Ziele: Sie verachten Klimaschutz und setzen auf Fossil-Energie, sie wollen beide die EU schwächen und aufspalten, sie hassen beide die Ukraine, lehnen beide den internationalen Gerichtshof, sowieso ganz allgemein Menschenrechte ab. Schließlich verfolgt Trump schon seit Jahrzehnten erhebliche finanzielle Interessen in Russland. Immer wieder wurde ihm mit russischen Millionen aus der Klemme geholfen.

Die beiden Männer ziehen ohnehin in so vieler Hinsicht an einem Strang; da braucht Putin gar keine Druckmittel.

Sollte sich so ein „Pee-Tape“ tatsächlich in den Händen russischer Dienste befinden, wäre es spätestens 2026 ohnehin wertlos geworden. Trumps Cronies würden es bei einer Veröffentlichung empört als „KI-Fälschung“ brandmarken und damit Erfolg haben, weil jeder inzwischen um die KI-Möglichkeiten weiß.

Bis vor ganz kurzer Zeit galten Fotos und Videos als Beweise. „Roll the tape“ hieß es triumphierend in News-Sendungen, wenn ein Gast log und man den Zuschauern das belegen wollte. Das wird immer noch gemacht, aber in naher Zukunft aufhören, weil es für jeden ein Kinderspiel sein wird, solche Videos täuschend echt zu fälschen.

Ich bin gar kein KI-Experte, achtete aber bei den ersten KI-generierten Bildern sehr genau auf die typischen plumpen Fehler (sechs Finger an einer Hand, etc). Aber die Phase ging schnell vorbei. Inzwischen kann ich als Laie oft nicht mehr sagen, was echt, und was gefälscht ist. Also muss ich im Zweifelsfall davon ausgehen, es mit computergenerierter virtueller Realität zu tun zu haben.

Vor einigen Monaten chattete ich mal über längere Zeit mit einem sehr prominenten Menschen, der einfühlsam auf einen Kommentar von mir eingegangen war. Ich konnte kaum glauben, daß DER wirklich mit MIR redet, zeigte einigen Freunden den Chatverlauf, aber alle kamen zu dem Schluss, das müsse echt sein.  Schließlich erzählte er mir, er plane in Absprache mit seinem Management ein Treffen in London mit 12 Menschen, von denen er glaube, sie verstünden ihn wirklich, um ein Brainstorming für seine zukünftigen Projekte zu machen. Dazu wolle er mich auch einladen, weil wir so eine gute Verbindung hätten. Er übernehme selbstverständlich alle Kosten, aber aus steuerrechtliche Gründen müsste ich erst mal in finanzielle Vorleistung gehen. Erst da wurde mir klar, im Begriff zu sein, einem Online-Betrug aufzusitzen.

Inzwischen bin ich ganz froh, als KI-Muffel, einmal fast in so eine Falle gelaufen zu sein, weil ich mir vorher nicht vorstellen konnte, wie „gut“ diese Chatbots sind. Obwohl ich von Anfang an skeptisch war und mich umhörte, ob das vielleicht gefälscht sein könnte, hielten es alle für echt. Erst, als ich Geld überweisen sollte, hatte ich Klarheit.

Die vielen Nigerianischen Prinzen, die mir per Email Millionen schicken wollen und all die großbusigen paarungswilligen Damen, die mir auf Facebook privat-messages schreiben, weil sie mein Profil so interessant finden, daß sie mich unbedingt mal treffen möchten, fand ich immer eher amüsant plump und fragte mich immer, wer so doof ist, darauf hereinzufallen. Aber in meinem Digital-Immigrant-Alter muss ich nun noch eine höhere Skepsis und Vorsicht an den Tag legen.

Politik ist immer noch der Bereich, in dem ich mich hauptsächlich bewege und dort werde ich täglich mit bizarren Zitaten und schockierenden Aussagen konfrontiert.

Da Trump und Reiche und Vance und Merz und Söder täglich zunehmend ungeheuerliche Dinge von sich geben, taugt das „eigene Gefühl“ leider kaum noch zur Beurteilung der Echtheit. Die Realität ist verrückter, als jede Satire.

Eine Zitat-Kachel mit einem Merz-Antlitz, unter das kursiv eine Aussage von ihm montiert wurde, taugt natürlich gar nichts mehr. Bei Trump erst Recht nicht, weil ihm alles und jedes zuzutrauen ist.

Die einzige Chance der Verifizierung ist die Quelle. Wer verbreitet das Zitat?

Ist es ein mir bekanntes seriöses Medium? Vielleicht gar eine Plattform, die sich wie „Correctiv“ oder „Volksverpetzer“ auf Faktenchecks spezialisiert hat?

Heute jubelte man mir bei Bluesky diese quellenlose Kachel unter.

Kann DAS echt sein?

Kann der Fritzekanzler tatsächlich so blöd sein, nachdem schon alle Comedians Witze darüber reißen, er habe inzwischen jeden, außer Kleinkinder beleidigt, auch noch gegen Kinder und Behinderte auszuteilen, während er immer noch eisern die Superreichen verteidigt, die nun wirklich keine Vermögenssteuer zahlen könnten, denn „die Zitrone ist ziemlich ausgequetscht“.

Mega-Reiche beschützen und stattdessen auf behinderte Kinder eindreschen?

Nein, oder? So bekloppt kann doch nicht einmal der unbeliebteste Bundeskanzler aller Zeiten sein, oder?

Doch kann er! Das Zitat ist tatsächlich echt.

[….] Kanzler Merz will Einsparungen bei Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und Unterhaltsvorschuss prüfen lassen

Bundeskanzler Merz will zur Entlastung der Kommunen mehrere Sozialprogramme prüfen lassen. [….] Konkret benannte der CDU-Politiker die Gesetze für Unterhaltsvorschuss, Jugendhilfe und die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Merz sagte, es gebe in den Bereichen eine Kostenexplosion für die Kommunen. Er äußerte sich optimistisch, in den kommenden Tagen eine Einigung mit den Ländern zu erzielen.

Sozialverbände kritisieren mögliche Einsparungen in den von Merz benannten Bereichen. Sie erklärten mehrfach, dass die Kostensteigerungen nicht auf die Gesetze an sich zurückzuführen seien und warnten vor den gesellschaftlichen Folgen von Kürzungen. [….]

(Deutschlandfunk, 22.06.2026)

Nein, also die Milliardäre sind wahrlich ausgequetscht, wie Zitronen. Die können nichts mehr abgeben. Aber diese Behinderten leben doch ins Saus und Braus! Da ist laut des Christen-Kanzlers noch ordentlich was zu holen!

Sonntag, 21. Juni 2026

Konsum, Verbraucher, Nachfrage

Das gehört zu den vielen Dingen, die mir meine Mutter nicht glauben würde, wenn sie, wie Phönix aus der Asche, zum Leben erweckt würde und mich fragte, was seit ihrem Tod so in der Welt passiert sei.

Am TIMES SQUARE in Manhattan, der teuersten und schicksten Gegend der Welt, stehen New Yorker stundenlang um den Block an, um bei ALDI billige NoName-Produkte zu kaufen!


Meine Eltern glaubten noch, Discounter nach deutschem Vorbild hätten in den USA keine Chance, weil die US-Amerikaner Service-versessen sind, eine gewaltige Auswahl von Markenprodukten erwarten und alles show-artig präsentiert bekommen wollen, statt sich ihre Waren selbst aus aufgestapelten Lieferboxen zu pulen.

Das war auch über Jahrzehnte so. Aldi gibt es seit 1975 in den USA und führte dort ein Schatten-Dasein in den Provinz-Nestern.

Aber völlig unfähige republikanische Politiker, die seit Dekaden den Mindestlohn einfrieren ($7,25 = €6,32 seit 2009), Trillionen Dollar zu den Superreichen schaufeln, eine Preisexplosion verursachen, weil sie immer noch an die längst widerlegte Trickle-Down-Theorie glauben, haben es möglich gemacht: Selbst im Mutterland der Binnennachfrage, dem stärksten Konsumland der Erde, geht den Verbrauchern die Luft aus und sie müssen jeden Cent dreimal umdrehen, mehrere Jobs annehmen.

Das zwingt die mittelständische Wirtschaft in die Knie, kleine Einzelhändler gehen reihenweise pleite. Profiteure der Krise gibt es dafür am ganz untersten und ganz obersten Rand: Discounter wie Aldi und Lidl, die mit für die USA ungewohnten Konzepten, die Preise der Branchenriesen deutlich unterbieten.

Ganz oben die Superluxusbranche, die ihren Kundenstamm aus dem reichsten 1% der Gesellschaft generiert, das dank der Trumpschen Umverteilung nur so im Geld schwimmt.

Die Ausgangslage in Deutschland ist ganz anders als in den USA.

Deutsche haben eine extrem hohe Sparquote, legen Billionen Euro zurück und knausern bei den täglichen Ausgaben, während der durchschnittliche US-Bürger gar nichts auf der hohen Kante hat und alles ausgibt.

Dadurch gibt es in den USA kontinuierlich eine gewaltige Binnennachfrage, die für ausländische Anleger so attraktiv ist, daß sie unfassbare Geldberge nach Trumpistan verschieben. Daher kann sich die USA auf Dauer gewaltige Handelsdefizite leisten.

Das Gegenteil in Deutschland; hier ist die Binnennachfrage extrem schwach und wird von einer historischen Importschwäche kompensiert. Weil die Verbraucher kein Geld für Lebensmittel ausgeben mögen, wurde Deutschland zum Mutterland der Discounter. 

Aber so wie das US-System an seine Grenzen kommt und selbst die extrem konsumfreudigen Amerikaner zum Sparen zwingt, bricht auch das Angebots-orientierte, auf Exportüberschüssen basierende deutsche System zusammen:
Kein billiges Gas mehr durch russische Pipelines, Gewaltige Mehrausgaben für Verteidigung, technologischer Rückstand, Ausfall des Mega-Absatzmarktes China.

In dieser Situation muss eine Bundesregierung viele Dinge gleichzeitig anschieben. Die wichtigsten sind:

1.   Unabhängigkeit vom Import fossiler Energieträger, indem auf erneuerbare Energien gesetzt wird.

2.   Massive Bildungsinvestitionen, um international wieder den technologischen Anschluss zu finden.

3.   Willkommenskultur, um Deutschland für Zuwanderer attraktiv zu machen.

4.   Deutliche Stärkung des Binnenkonsums, indem man die Menschen mit mehr Geld ausstattet, die es auch wirklich in die Läden tragen; also die untere Hälfte der Einkommenspyramide. 

Unglücklicherweise sind Reiche, Spahn, Linnemann, Söder und Merz vollkommen verblödet und machen in jeder Hinsicht genau das Falsche. 

Die Folgen sind klar: Trotz der 1000 geliehenen Milliarden Euro, steuert Deutschland in die Rezession.

[…] Konsumstimmung in Deutschland: Die Menschen sparen, wo sie können.

Wer in diesen Tagen durch deutsche Innenstädte läuft, der könnte meinen, es sei schon Hochsommer. Sonderangebote und Rabatte weit und breit. Den gesetzlich geregelten Sommerschlussverkauf gibt es seit Jahren nicht mehr. Der Handel veranstaltet inzwischen einen freiwilligen Schlussverkauf – eigentlich erst Ende Juli. »Bei Rabatten gibt es inzwischen leider fast eine Dauerschleife. […] Viele Menschen kaufen sehr sparsam ein. Ob Kleidung, Lebensmittel oder Deko: Hauptsache günstig. Sonderangebote sind besonders begehrt.

Je nach Produktkategorie werden bis zu 74 Prozent der Kaufentscheidungen von Rabatten beeinflusst. Das zeigt eine Studie der Boston Consulting Group (BCG). […] Die Stimmung hat sich demnach weiter verschlechtert. 64 Prozent bewerten die wirtschaftliche Lage negativ. Verbraucher achten stärker auf Preise als vor einem Jahr. »Verbraucher wägen heute insgesamt stärker ab, wofür sie ihr Geld ausgeben«, sagt BCG-Konsumgüterexpertin Karin von Funck. […] Laut einer repräsentativen Kantar-Umfrage wird vor allem bei Bekleidung, Gastronomie sowie bei Kino-, Konzert- und Clubbesuchen gespart. […] Der finanzielle Druck ist groß. 81 Prozent müssen laut Umfrage vermehrt darauf achten, wie viel sie ausgeben. Zwei Drittel sorgen sich darum, mit ihrem Geld nicht mehr auszukommen. 44 Prozent konsumieren weniger als im Vorjahr. Als Gründe nennen sie meist steigende Verbraucherpreise sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten.

Im »Sorgen-Ranking« des Marktforschers YouGov sind finanzielle und wirtschaftliche Probleme auf den ersten Platz vorgerückt – vor Einwanderung und Gesundheit. Kunden greifen bei Produkten des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln immer häufiger zu Sonderangeboten. […] 

Den Einzelhandel schmerzt die Sparsamkeit der Kunden. Die Unternehmen hadern mit der Rabattflut. Je niedriger die Preise, desto weniger verdienen sie. »Wer dauerhaft mit hohen Preisnachlässen arbeitet, riskiert eine Entwertung seiner Marke und sinkende Profitabilität«, sagt BCG-Expertin von Funck. […] IFH-Handelsexperte Kai Hudetz sieht einen »Verlust der Mitte«. Das Preiseinstiegssegment sowie Premium- und Luxusangebote gewinnen demnach, mittlere Preislagen haben zunehmend Schwierigkeiten.

Jeder sechste Einzelhändler in Deutschland fürchtet laut der Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts inzwischen um seine Existenz, so viele wie nie zuvor. Die Zahl der Insolvenzen liegt nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. […]

(SPON, 19.06.2026)

Das kommt eben davon, wenn Kanzler und Wirtschaftsministerin rein gar nichts von Marktwirtschaft verstehen und nur die widerlegten neoliberalen Trickle Down- Märchen der Milliardäre nachplappern, statt sich um Löhne, Nachfrage und Binnenkonsum zu kümmern.

Die CDU dreht Deutschland ökonomisch den Saft ab.

Samstag, 20. Juni 2026

Wissenschaft vs Schwurbelschaft

Vor zwei Wochen hatte ich eine Katarakt-Operation; links gucke ich nun durch eine künstliche monofokale asphärische Zeiss-Intraokularlinse.

Ich bin etwas früh dran und war zugegebenermaßen etwas schockiert über die Diagnose und die Notwendigkeit einer Augenoperation.

Mein Vater allerdings war noch früher dran, erkrankte in den 1980ern am Grauen Star und wurde fast blind. Wir fürchteten alle um sein Augenlicht und er reiste sogar in seine alte Heimat New York, um mit den führenden Ophthalmologen zu sprechen.

Schließlich wagte er die OP in einem großen Hamburger Krankenhaus. Dort musste er fast zwei Wochen liegen, weil das Nahtmaterial und die großen Wunden genau beobachtet wurden.

Seither gab es aber Quantensprünge in der Augenheilkunde. Wissenschaftliche Forschung machte es möglich, daß inzwischen eine Million Katarakt-OPs pro Jahr in Deutschland durchgeführt werden. Fast alle ambulant. Der Eingriff dauert 10 Minuten. Wenn man möchte, erledigt der Femto-Laser alles in einer 1986 unvorstellbaren Schnelligkeit und Präzision. Es muss nicht mehr genäht werden.

Komplikationen gibt es fast nie. Nach der OP bekommt man noch schnell einen Kaffee und einen Keks, um sich von der Anästhesie zu erholen und kann nach Hause gehen. Gnade der späten Geburt.

Wie der Eingriff technisch funktioniert, wußte ich genau, aber dennoch litt ich vorher an diffuser Angst. Spritzen und Schnitte INS AUGE habe ich nicht so gern.

Wie sich herausstellte, verstand aber die Anästhesistin ihr Handwerk und schaltete mich mit Propofol und Midazolam soweit aus, daß ich zwar noch ansprechbar war und grob mitbekam, was passierte, aber alles völlig entspannt hinnahm. Im Handumdrehen saß ich mit lauter anderen Augenpflaster-Menschen, von denen ich klar der Jüngste war, im Kaffee-Raum. Der Schlamassel begann anschließend; ich entwickelte jede erdenklichen Komplikation und Medikamentenunverträglichkeit.

Seither musste ich jeden einzelnen Tag zur Nachbehandlung/Kontrolle in die Augenarztpraxis. (Es ist kein Rätsel, was passiert ist, aber die Details führen an dieser Stelle zu weit.)

In der Praxis reagiere ich meiner Natur entsprechend, jeden Morgen beim Hereinkommen und beim obligatorischen Termin-Machen für den nächsten Tag, mit Witzen. Der junge Mann am Counter mit dem Termin-Programm, den ich schon länger kenne und mit dem ich auch schon öfter gequatscht habe, blickte mich auf einmal sehr ernst an und suggerierte, ich trüge auch selbst einen Teil der Schuld. Ob ich denn nicht wisse, daß jeder Mensch in einer persönlichen Frequenz schwinge, die sein Schicksal beeinflusse? Mit zu lockeren Sprüchen könne ich negative Schwingungen auslösen, die das Universum veranlassten, meine Heilung zu verhindern.

Natürlich weiß ich, was eine Inselverarmung ist, wie selektiv Menschen verblödet sein können. Das wurde von Michael Schmidt-Salomon in seinem hochempfehlenswerten „Keine Macht den Doofen“ anschaulich beschrieben.

[….]  Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.

 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).

Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen. [….] 

(Keine Macht den Doofen, s.42f)

Natürlich arbeiten auch im medizinischen Bereich Menschen mit Inselverarmungen, aber immer, wenn mir einer begegnet, den ich schon länger kenne und als vernünftig einschätzte, bin ich auf’s Neue verblüfft. Die massenhafte Vermehrung der Covidioten nach dem Beginn der Impfkampagnen 2020/21, haben leider noch mal die Schleusentore weit geöffnet. Die Schwurbler haben ihre Scham abgelegt und posaunen ungefragt den größten Unfug in die Welt hinaus.

Es gibt aber keine „alternativen Fakten“! Es gibt genauso wenig „alternative Medizin“, wie „alternative Physik“ oder „alternative Mathematik“.

Wenn Taco und RFK so etwas verbreiten, zeigt das nur ihre sagenhafte Dummheit und nicht etwa eine Alternative zu mathematischen Gesetzen.


[….] "Er versteht nicht mal Grundlagen-Mathematik." Dieses harsche Urteil löst in vielen traurige Erinnerungen an die Schulzeit aus. Für US-Präsident Donald Trump ist diese Kritik hingegen kein Schnee von gestern, sondern hochaktuell.

In den vergangenen Monaten blamierte er sich bereits. [….] Und nun folgt also die oben formulierte vernichtende Kritik, sie kommt von einer renommierten Wirtschaftswissenschaftlerin. Denn Trump hat sich mal wieder verrechnet. [….] In den vergangenen Tagen erklärte Trump mehrmals, wie er die Preise für Medikamente in den USA massiv senken will, teils um das Zehnfache. Ein hehres Ziel, keine Frage. Die Zahlen schinden Eindruck. Und doch schafft es Trump erneut nicht, sich mit der Realität zu begnügen, sondern lügt seinen Erfolg noch größer.

Am Montag betonte er: Die Medikamentenpreise sollen um "1000 Prozent, 1200 Prozent, 1300 Prozent, 1400 Prozent" oder noch mehr sinken. Mathematisch ist diese Aussage eine Unmöglichkeit, schlicht Unsinn.

Denn senken kann man einen Preis um höchstens 100 Prozent. Kostet ein Medikament 10 Euro und man senkt den Preis um 10 Euro, senkt man ihn um 100 Prozent. Die Prozentzahl bezieht sich immer auf den Ausgangswert, dieser liegt eben bei 100 Prozent. Mehr geht nicht, denn das Produkt wäre in diesem fiktiven Szenario bereits kostenlos.   [….]

(Dariusch Rimkus, 23.12.2025)


Ein besonders bizarres Beispiel faktenwidriger Wirrnis liefert heute der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker und AfD-Berater David Berger, indem er auf seinem PP-Blog einen der größten Spinner der faschistoiden Szene loslässt:
David Cohnen.

[….] Irgendwo verortet zwischen Werteunion und AfD kämpft ein Mann seinen Kampf für eine Gesellschaft wie früher, und seine Waffe sind Tausende Mails an Fremde. David Cohnen ist Polit-Spammer. [….] Willkommen in der Welt von david_cohnen@gmx.de, in der ständig von der Gefahr durch Überfremdung geraunt wird, die CDU durch Merkel unwählbar geworden ist und er nach einer Alternative zu Parteien sucht, die nicht die Interessen des deutschen Volkes vertreten. [….] Denn David Cohnen belästigt massenhaft Deutsche mit unerwünschten Mails. Er ist so etwas wie der nigerianische Prinz. Die Betrügermasche mit der Aussicht auf eine Erbschaft war früher Dauergast in Postfächern, jetzt wandert David Cohnen in die Postfächer ein. [….] Aber wer ist David Cohnen? Genug E-Mail-Adressen, ihn das zu fragen, gibt es ja. Allerdings kommt von keiner eine Antwort. [….]  Die Spuren des Mannes, der so engagiert seine Meinung unters Volk bringt, reichen weiter zurück. Im Februar 2013 ging es für ihn unter einem Artikel von focus.de los, als er die niedrige Geburtenrate in Deutschland kommentierte. [….] [….]

(Lars Wienand, 29.12.2021)

Für den klerikalfaschistischen PP-Lügenblog „analysiert“ Cohnen nun die Parteipolitischen Umfragedaten der letzten fünf Jahren und extrapoliert sie maximal antiwissenschaftlich bis zum Jahr 2036.

[….] Das gemeinsame Kurvenmodell zeigt eine starke Divergenz der langfristigen Entwicklungen:

·        Die AfD entwickelt den stärksten Aufwärtstrend.

·        CDU und SPD verlieren kontinuierlich an Zustimmung.

·        Die Grünen stabilisieren sich und wachsen leicht.

·        Die FDP verbleibt auf niedrigem Niveau.

·        Die Linke etabliert sich nach ihrem Niveauwechsel oberhalb der SPD.

·        Das BSW stabilisiert sich im Bereich um 3 %.

Die Untersuchung stellt keine Prognose dar. Sie ist vielmehr eine grafische und mathematische Fortsetzung der beobachtbaren Kurvenformen unter der Annahme, dass deren jeweilige Grundrichtung erhalten bleibt. [….]

(PP, 20.06.2026)

Sie kennen keine Scham mehr.

Selbstverständlich hat das mit seriöser Demoskopie rein gar nichts zu tun. Niemand kann Wahlergebnisse auf 0,5 Prozentpunktegenau in zehn Jahren prognostizieren.

Bemerkenswert in Cohnens „Berechnung“ ist sein Trumpsches Scheitern an einfacher Prozentrechnung.

AfD, CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP und BSW erreichen bei David Berger im Jahr 2036 gemeinsam 127,4%!

Ein Wunder!

Freitag, 19. Juni 2026

Wie soll man das als US-Amerikaner aushalten?

Natürlich weiß ich, wie Abhängigkeiten innerhalb der Republikanischen Partei funktionieren, wie der gemeinsame Hass auf Schwule, Schwarze, Migranten, Gebildete, Atheisten und Demokraten zusammenschweißt, wie die Furcht Vorwahlen zu verlieren, die Parteimitglieder zittern lässt.

Aber dennoch; wenn der eigene kultisch verehrte Anführer der Wirtschaft, dem Land und dem internationalen Ansehen tagtäglich so offensichtlich schadet; müßten sich nicht doch mal genügend Kongress-Abgeordnete finden, die ein Impeachment unterstützen? 


Nein, offensichtlich nicht. Sämtliche GOP-Abgeordnete haben operativ ihr Rückgrat entfernen lassen und sich anschließend stolz selbst die Testikel mit einer Kneifzange abgeknipst.

Über den verbrecherisch-debilen Charakter Donald Trumps und seiner Familie können keinerlei Zweifel mehr bestehen. Diese Tatsachen habe ich voll akzeptiert.

Aber auch nach zehn Jahren fällt es mir immer noch schwer zu begreifen, wie scheinbar mühelos IQ47 damit durchkommt. Wie er Medien und Justiz spielend als seine Werkzeuge einsetzt. Die Wirtschaft schlägt sich auf ohnehin auf seine Seite und selbst die üblicherweise lautesten Linksliberalen, die Künstler und Schauspieler in Hollywood, halten devot ihren Mund. Kein Trump-Kritik bei den Oscars. Fast jeder ordnet sich feige dem faschistischen Regime unter.

Wie soll man das als US-Amerikaner aushalten?

Die einzige Möglichkeit, den Schmerz zu lindern, besteht darin, andere stellvertretend und wortgewaltig den Frust herauszubrüllen.

Für mich erledigen das am besten Jonathan Pie:


und Luke:


Eine Wohltat!

 

Donnerstag, 18. Juni 2026

Brandmauer abgebrannt.

Die CDUCSU erreicht einen neuen außenpolitischen Tiefpunkt.

Wer bei Youtube  „Send them back EU“ in das Suchfenster eingibt, bekommt haufenweise rechtsradikale Accounts präsentiert – von der AfD, FPÖ oder beispielsweise der Reform UK – die grölend jubelnde Nazis und Konservative zusammen feiern sieht.


Europas Rechtsradikale im Glück, weil sie die EVP unter dem Vorsitz des CSU-Mannes Manfred Webers vollständig auf Faschismus-Linie brachten.

[….] Die #CDU/CSU machen mit den Rechtsextremisten im #EU-Parlament erneut gemeinsame Sache und stimmen für so genannte „Return Hubs“. Das ist ein beschönigender Begriff für „Konzentrationslager“ in Drittstaaten, in denen Menschen eingepfercht werden und in denen Asyl- und #Menschenrechte nicht überprüfbar sind. - Ein schwarzer Tag für #Europa. Und ein weiterer Kipppunkt für die CDU/#CSU  [….]

(Marc Raschke, 17.06.2026)

Alle Schwüre, die der Kanzler und CDU-Parteivorsitzende zur Abgrenzung zu den Nazis leistete, sind nun endgültig Makulatur. Friedrich Brüning lügt und reicht den Faschisten die Hand. Mit dem seit 100 Jahren bekannten Ergebnis: Schrumpfung der Konservativen, Salonfähigkeit der menschenrechtswidrigen Themen, immer stärker werdende Nazis, Bröckeln der Demokratie.

[…] Auf der Dachterrasse des EU-Parlaments in Straßburg sollen Sicherheitsbeamte am Mittwoch eine Feier zur neuen EU-Abschiebepolitik von AfD-Vertretern und anderen extrem rechten Abgeordneten beendet haben. Wie es aus dem Parlament heißt, habe der Sicherheitsdienst des Parlaments offenbar wegen der Lautstärke die Zusammenkunft aufgesucht, dann sei die Feier »schnell zu Ende« gewesen. Linke Politiker sprechen von einer »Abschiebeparty« der Rechtsextremen. […] Am Donnerstag gab es im Plenum im Zusammenhang mit der Feier am Vorabend eine Beschwerde. Ein Abgeordneter beklagte den hohen Alkoholkonsum extrem rechter Parlamentarier in der Plenarwoche. […] »Dass Rechte ihren Rassismus mit Alkohol auf der Dachterrasse des EP feiern, ist einfach nur eklig«, sagte Linksfraktionschef Martin Schirdewan dem SPIEGEL. Bei dieser Ansammlung von »Menschenrechtsfeinden darf die AfD natürlich nicht fehlen und zecht fröhlich mit ihren Kumpels mit«. Durch solche Ereignisse »wird die Würde des Parlaments massiv beschädigt, und deshalb fordere ich die Parlamentspräsidentin Metsola auf, solche rassistischen Events in Zukunft konsequent zu unterbinden«.

»Hinter dem Slogan ›Send them back‹ steckt eine rassistische Ideologie«, sagte der Grünenabgeordnete Erik Marquardt. »Es ist widerwärtig zu feiern, dass bald minderjährige Migranten ins Gefängnis gesteckt werden können.« Parlamentspräsidentin Metsola sollte »solche Veranstaltungen umgehend unterbinden«.[…]

(Timo Lehmann, 18.06.2026)

In der Innenpolitik war es schon länger offensichtlich. Nun aber zeigen die CDU-Politiker Merz und Wadephul auch außenpolitisch völlig ungeniert den Schulterschluss mit Faschisten.

Während sich Angela Merkel heute demonstrativ mit dem Demokraten Barack Obama trifft, unterwirft sich Merz willig dem Demokratiezerstörer Trump.

Die Merz-CDU kennt weder Scham noch Berührungsängste.

[…] Und plötzlich klang es im Hohen Haus der Europäischen Union wie auf einer Demonstration von Rechtsextremisten: »Send them back! Send them back!« wurde am Mittwoch gerufen, mitten im Sitzungssaal des EU-Parlaments. […] Wenige Sekunden zuvor hatten die Konservativen im Europarlament, zu denen auch CDU und CSU gehören, gemeinsam mit Rechten, Liberalen und anderen Abgeordneten die schärfsten Abschieberegeln  in der Geschichte der EU beschlossen. […] Die rechtsextreme ESN-Fraktion, in der die AfD die größte Gruppe ist, hatte den Änderungen zugestimmt – und erhob sich jubelnd von ihren Plätzen. Die AfD-Abgeordneten Arno Bausemer, Alexander Jungbluth, Irmhild Boßdorf und Siegbert Droese skandierten mit. […]  Sicher, sie durften im Vorfeld die Neuregelungen mit beraten, auch das war schon eine Grenzüberschreitung seitens der Konservativen, aber entscheidend waren die Rechtsextremisten bei dieser Entscheidung auf europäischer Ebene nicht.

Sie feierten dennoch. Denn sie feierten die Inhalte. Und darüber sollten, ja müssen sich die Konservativen, die immer wieder betonen, dass sie mit der völkischen, rassistischen und menschenverachtenden AfD aus Deutschland nichts zu tun haben wollen, Gedanken machen.

Gibt es ein Hadern, ein Nachdenken, wenn Rechtsextremisten die neue Richtlinie feiern, als hätten sie ihr eigenes Programm umgesetzt? Und wenn sie die Würde des hohen Hauses so beschädigen?

Bei CDU und CSU ist bislang nichts dazu zu hören. […] Doch während die CDU und CSU die Migrationspolitik auf Bundes- und auf europäischer Ebene massiv verschärfen, ist die AfD so erfolgreich wie nie zuvor, könnte ab Herbst das erste Mal auf Länderebene regieren.

Verwunderlich ist das nicht. Die Politik der Union hat die AfD zuletzt normalisiert. Denn sie hat, wenn auch ungewollt, das fatale Signal an ihre Wählerschaft gesendet, dass die AfD recht haben könnte – ausgerechnet bei ihrem Hauptthema Migration.

Dabei sollte man meinen, dass auch bei der Union inzwischen angekommen ist, dass ihr Plan, die AfD zu halbieren oder zumindest einzuhegen, indem sie besonders harte Migrationspolitik macht, nicht aufgeht. […]

(Ann-Katrin Müller, 18.06.2026)

Die stolze Demonstration von Gemeinsamkeiten mit den Nazis häuft sich bei CDUCSU-Toppolitikern gerade auffällig.

[…] CDU-Europaabgeordnete fordern zusammen mit der AfD die EU-Kommission auf, den Gewässerschutz zurückzufahren. Lob gibt's von der Pharmalobby. […] Konservative, Rechte und extrem Rechte im EU-Parlament haben die EU-Kommission aufgefordert, eine ambitionierte Wasserschutzregel abzuschwächen. Mit der sogenannten Kommunalbwasserrichtlinie, abgekürzt als „Karl“ bekannt, sollen sogenannte Mikroschadstoffe aus dem Abwasser geholt werden, darunter auch Ewigkeitschemikalien (PFAS).

Im Kern geht es bei Karl darum, dass Pharma- und Kosmetikkonzerne die Verbesserung von Kläranlagen mitbezahlen sollen, „Herstellerverantwortung“ genannt. Denn Karl verpflichtet Klärwerke, die das Abwasser von mehr als 150.000 Menschen säubern, zu einer neuen, vierten Reinigungsstufe, die Mikroschadstoffe und PFAS aus dem Wasser filtern soll. […] Das EU-Parlament hat sich nun dafür ausgesprochen, die Herstellerverantwortung so lange auszusetzen, bis die Auswirkungen der Richtlinie „umfassend überprüft“ sind. Dafür stimmte ein großer Teil der konservativen EVP inklusive der Unionsabgeordneten sowie die drei Fraktionen rechts der EVP, darunter auch die meisten AfD-Abgeordneten im EU-Parlament. Gegen die Aufweichung von Karl stimmten vor allem Sozialdemokrat*innen, Grüne und Linke. […] Ohne die Herstellerverantwortung „landet die Rechnung allein bei Kommunen, Verbrauchern und dem Mittelstand“, warnt Karsten Specht vom VKU. […] (Jonas Waack, 18.06.2026)

Der CDU-Außenminister imitiert ebenfalls deutlich sichtbar nationalistische Trump-Politik.

[…] Mit der »Rheinischen Post« sprach der CDU-Politiker über die Friedensbemühungen in der Ukraine und den Mittleren Osten. Wirkliche Neuigkeiten hatte Wadephul da nicht zu verkünden, aber dann lenkte die Interviewerin das Gespräch auf mögliche Konsequenzen aus der gescheiterten deutschen Kandidatur für einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

[…] Wadephul wurde gefragt, was er zu Forderungen sage, Deutschlands Gelder für die Uno zu kürzen. […] Dann aber fügte Wadephul hinzu: »Natürlich wird sich der Bundestag im Haushalt einzelne Engagements genauer anschauen. Es kann nicht sein, dass wir einer der größten Beitragszahler sind und bei manchen Entscheidungen, auch im personellen Bereich, nicht berücksichtigt werden.« […] Das klingt wie eine Drohung, die deutschen Beiträge zurückzuschrauben oder zumindest zu überprüfen. Eine bemerkenswerte Kurskorrektur. […] […] Scharfe Kritik kam aus der Opposition. Die außenpolitische Sprecherin der Grünenfraktion im Bundestag, Deborah Düring, sagte dem SPIEGEL: »Dass sich Union und Wadephul nach der verlorenen Wahl immer noch wie beleidigte Leberwürste aufführen, ist unwürdig.« Statt mit Kürzungen bei den Uno-Beiträgen zu drohen, müsste Deutschland die Vereinten Nationen gerade jetzt auch finanziell stärken. »Denn das multilaterale System, von dem wir seit Jahrzehnten profitieren, steht durch Donald Trump, Wladimir Putin und Autokratien weltweit unter Beschuss. Wir müssen jetzt mehr denn je als verlässlicher Partner auftreten«, so Düring. […] Ob Wadephuls Klagen über mangelnde Repräsentation die Sympathiewerte Deutschlands wieder erhöhen, darf bezweifelt werden.  [….]

(SPON, 18.06.2026)

Zum Mitschämen. Statt an der Seite der Demokraten zu stehen und die Faschisten zu bekämpfen, rutschen CDUCSU der AfD auf allen Vieren schleimspurziehend hinterher.

Mittwoch, 17. Juni 2026

Mannschaftssport

Sechs Wochen Fußball-WM bei Trump haben echte Vorteile für mich.

(….)  Bekanntlich interessiere ich mich nicht für Sport und finde daher Olympische Spiele oder Fußball-WM immer ganz angenehm: Da präsentieren die Zeitungen große Sport-Strecken. In der SZ gibt es täglich sechs oder acht Seiten Sonderberichterstattung zu den Olympischen Spielen, die ich gleich ungelesen auf den Stapel für die Altpapiertonne wandern lasse.  Die täglich auf mich einprasselnde Informationsflut ist ohnehin nicht zu bewältigen; da bin ich froh über jeden Artikel, den ich auslassen kann. Wenn es gleich mehrere Seiten am Stück sind, umso besser. [….]

In der Idiotie-Hierarchie der Sportarten stehen für mich die Tiersportarten ganz oben, weil die Pferde natürlich gequält werden und es ökologisch vollkommen absurd ist, eine Flotte von Jumbo-Jets zu chartern, um sedierte Spring- oder Polopferde um die ganze Welt zu fliegen.
Anschließend kommen alle Mannschaftssportarten, weil es bei ihnen generell nicht um messbare sportliche Leistungen, sondern um Nationalismus geht.
Hoch absurd und an dritter Stelle der Sportidiotie sind die Tätigkeiten, die wie Formel1 oder Hochsee-Segeln oder Bobfahren nur für Multimillionäre möglich sind, weil das Sportgerät völlig unbezahlbar ist.

Generell erscheint mir Wintersport, Platz 4, eine Umdrehung absurder als die sommerlichen Aktivitäten, weil Trickski-Pisten, Bobbahnen oder Skiflugschanzen völlig unnatürlich sind, nicht nur zig Millionen Dollar kosten, sondern im höchsten Maße energiefressend und klimaschädlich sind. (….)

(Im Slope-Curling-Wahn, 09.02.2022)

(….)  Grundsätzlich finde ich Mannschaftssportarten abartiger als Individualsport, da immer eine nationalistische Komponente hineinspielt.

Der Fan kann sich bei Dutzenden verschiedenen Mitspielern nicht nach Sympathie orientieren, sondern feuert entlang der Staatsbürgerschaft an.

Widerlich und unsportlich.

Fußball interessiert mich so wenig wie die meisten anderen Sportarten, ist mir aber unsympathischer als die meisten, da er das Mediengeschehen so sehr dominiert. Von internationalen Newssender, über soziale Medien und renommierte überregionale Zeitungen bis zum trashigen Lokalblatt  - keiner verzichtet darauf Fußballmeldungen an prominenter Stelle zu bringen.

Damit wird mustergültig die Unfähigkeit des Menschen zum Gutsein demonstriert.

Statt sich auf wesentliches wie den Welthunger, Kriege, Massenflucht, Trump, Brexit und Klimakatastrophe zu konzentrieren, verschwendet Homo Demens seine Ratio damit einem eher primitiven Ballspiel zu folgen. (….)

(Wenn wir den Kampf gegen rechts ernst nehmen…, 16.10.2019)

Für Mannschaftssportarten begeistern sich primitivere Fans.

 […] Ich finde Fußball doof. Nein, ich finde Fußball grässlich – und ungemein langweilig. Ein Reigen alter Männer steht am Rand und schreit herum, viele mehr oder weniger junge Männer rennen auf einer Wiese herum, erst alle nach links, dann Ballverlust, dann wieder nach rechts, Ballverlust, wieder nach links.

[…] Fußballgucken finde ich, ist Ödnis in Vollendung, die überflüssigste Sache der Welt. Dann doch lieber Minigolfspielen, oder Monopoly, und das ist schon ganz schön schlimm öde.

Wer meine, wie ich finde, einzig vertretbare Grundeinstellung zum Fußball hat, bekommt ganz viel Lebenszeit geschenkt. Ganze Wochenenden verplempern Fußballbegeisterte an diese ungemein primitive Sportart. Dekaden an sinnlos verbrachter Lebenszeit kommen da zusammen.

[…] Dieses Spiel ist unästhetisch und ordinär. Schon der Klang, wenn der Ball getreten wird, macht mich übellaunig. Es ist ein zutiefst ordinäres Geräusch, es klingt so ähnlich wie die Schläge von Bud Spencer in den alten Prügelfilmen mit Terence Hill. Die Spieler haben keine Manieren, tun sich absichtlich weh, sind nicht nur furchtbar verschwitzt, sondern oft auch noch sehr verdreckt und vom Regen pitschenass und rotzen dauernd auf die Wiese. Manchmal sogar ins Nackenhaar eines Gegners. Das ist so unappetitlich. […]

(Christoph Schwennicke, 28. April 2013)

Da in Mannschaftssportarten Nationalismus und Rassismus beheimatet sind, fehlen Misogynie, Antisemitismus und Homophobie natürlich auch nicht.

(….) Nur die Macht der Masse erlaubt es dem Fußball weiterhin gesellschaftspolitisch hundert Jahre zurück zu hängen.

Frauen spielen de facto keine Rolle, es gibt nach wie vor weltweit keinen einzigen geouteten schwulen Spitzenspieler, weil das Fußballer-Milieu dumpf-intolerant ist, es wird dem Rassismus gefrönt und in jedem Stadion sind die Fanblocks von Nazis und Hooligans durchsetzt.

[….] Da darf man Schwule hassen, Schwarze mit Affenlauten diskriminieren, sexistisch rumgrölen, sich prügeln und natürlich auch antisemitisch poltern. (…)

(Wenn wir den Kampf gegen rechts ernst nehmen…, 16.10.2019)

Männer in Mannschaftssportarten stecken in einem bizarren Schwulenhass fest, weil sie ganz offensichtlich immer noch fürchterlich unter dem Klischee leiden, sie könnten sich in der Mannschaftskabine oder beim gemeinsamen Duschen „anstecken“. Hat man einen offen schwulen Mitspieler, steigt in ihrer schlichten Gedankenwelt die „Gefahr“ selbst auch für schwul oder für einen Homo-Toleranten gehalten zu werden, was gerade in der Welt der oft extrem religiösen Profi-Mannschaftssportler, immer noch einen schweren Makel darstellt.

[….] Christliche Baseball-Spieler protestieren gegen Pride-Spiel

 [….] Beim jährlichen "Pride Night"-Spiel des Baseball-Erstligateams San Francisco Giants am Freitag ist es zu einer sichtbaren Protestaktion durch mehrere Spieler des eigenen Teams gekommen. Vier der fünf Pitcher (Bällewerfer) weigerten sich entweder, die offiziellen Kappen mit dem in Regenbogen­farben gestalteten Vereinslogo zu tragen, oder versahen diese mit handschriftlichen religiösen Botschaften, die gegen queere Menschen gerichtet waren.

Die Pitcher Landen Roupp und JT Brubaker und der Reliever (Ersatzbällewerfer) Ryan Walker schrieben gut sichtbar den Verweis auf einen Bibelvers im Ersten Buch Mose (Verse 11-16 oder 12-16) auf die Vorderseite ihrer Kappen, direkt neben das Regenbogen-Logo. In dem Bibelvers verbündet sich Gott mit Noah nach der Sintflut und gibt dem Überlebenden den Regenbogen als Zeichen: "Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde", heißt es in Vers 13. Das Zitat steht als sichtbares Versprechen Gottes, dass die Erde nie wieder durch eine Flut zerstört wird. In der christlich-konservativen Community in den USA wird genau dieser Verweis gezielt genutzt, um zu signalisieren, dass der Regenbogen rein als religiöses Symbol Gottes zu verstehen sei – und queere Menschen das eigentlich göttliche Symbol missbrauchten. [….] Kritik gab es auch vom offen schwulen kalifornischen Landessenator Scott Wiener: Er erklärte, dieser Protest der christlichen Spieler sei besonders hinterhältig gewesen, weil er ausgerechnet am zehnten Jahrestag des Massakers im queeren "Pulse"-Nachtclub mit 49 Toten vorgefallen sei. "Um es klarzustellen: Diese Spieler hätten den Regenbogen-Bibelvers an jedem der anderen 364 Tage des Jahres zitieren können", schrieb der in San Francisco lebende Politiker auf X. [….] Auch in Deutschland haben sich christliche Sportler in der Vergangenheit abfällig über queere Menschen geäußert. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Felix Nmecha teilte etwa 2023 ein transphobes Video eines amerikanischen Rechtsextremisten.

Da er ein guter Spieler ist, redete sein neuer Verein Borussia Dortmund die Queerfeindlichkeit seines Star klein [….]

(Queer.de, 16.06.2026)

Zum Glück finde ich solche Mannschaftssportarten ohnehin langweilig und würde das auch nicht angucken, wenn es sich um lauter aufgeklärte progressive sympathische Herren handelte. Es kostet mich also gar nichts, diese hochkorrupte Infantino/Trump-Fußball-WM zu boykottieren.

Aber bei den zig Millionen deutschen Fans muss man eine enorme Toleranz der Intoleranz diagnostizieren. Die Wahl der extrem homophoben Gastgeber-Länder Russland, Katar und Trumpistan spricht für sich.

Dienstag, 16. Juni 2026

Der Weltzerstörer.

Da gibt es eigentlich keine zwei Meinungen mehr:
Obamas Irandeal, der Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA), von 2015, gemeinsam ausgehandelt von den fünf ständigen UN-Sicherheitsratsmitgliedern, der EU und Deutschland mit dem Iran, erforderte enorm viel Expertenwissen und war besonders bedeutend, weil es sich nicht nur um Absichtsbekundungen handelte, sondern ein Überprüfungsmechanismus implementiert wurde.

Völlig überraschend konnten Trumps Golf-Kumpel und sein Schweigersohn NICHT innerhalb von 24 Stunden in Pakistan einen viel besseres Abkommen erzielen.

US-Präsident Trump kündigte den JCPOA 2018 aus drei Gründen:

Erstens, weil er wahnsinnig dumm ist.

Zweitens weil er rasend vor Eifersucht, manisch jeden Erfolg Obamas zerstören muss.

Drittens, weil er ein Rassist ist, der einem schwarzen Präsidenten seine eingebildete „White Supremacy“ beweisen will.

Unnötig zu erwähnen, aber selbstverständlich richtete der orange Verbrecher damit ein Desaster an.

Aber, es gibt kein Desaster, das Trump nicht noch wesentlich verschlimmern könnte. Und so griff er gemeinsam mit seinem kriminellen Kumpel Bibi Netanjahu den Iran an. Er diagnostizierte mehrfach die totale Vernichtung der Iranischen Waffensysteme, das Ende der Iranischen Atompläne, eine Übergabe des waffenfähigen Urans an die USA und einen Regimechange.

Er erreichte schließlich, das diametrale Gegenteil, weil die Trump-Administration, im Gegensatz zu den vorherigen US-Regierungsmannschaften, über keinerlei Expertise verfügt, ja nicht einmal die Geographie kennt.

[….] »Fußweg nach Iran möglich« Trump verortet Katar völlig falsch

Donald Trump erklärt dem Emir von Katar die »gefährliche Position«, in der sich dessen Land befinde. Nur hat er keine Ahnung, wo genau es liegt. Es ist nicht der erste geografische Fehltritt des US-Präsidenten.

US-Präsident Donald Trump führt Krieg in Nahost, doch seine geografischen Kenntnisse in der Region sind mindestens mangelhaft: Erneut verortete er den Staat Katar am Persischen Golf fälschlicherweise als Nachbarland Irans mit gemeinsamer Landgrenze. »Sie können direkt über die Grenze gehen, also sind Sie in einer viel gefährlicheren Position«, sagte Trump zu Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani am Rande des G7-Gipfels im französischen Évian.

Von Katar aus könnte man nach Iran »buchstäblich laufen«, sagte Trump. Von »jedem anderen Ort« müsse man nach Iran fliegen, nur von Katar aus sei der Fußweg möglich.

Katar ist eine Halbinsel am Persischen Golf, die nur an Saudi-Arabien grenzt. Der Rest des kleinen Landes ist von Wasser umgeben. Die Luftlinie nach Iran beträgt an der schmalsten Stelle, getrennt vom Persischen Golf, etwa 200 Kilometer. Iran grenzt unter anderem an den Irak, die Türkei, Afghanistan und Pakistan. [….] Trump hatte schon vor und während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident mit Fehlern und Ausrutschern in Geografie für Gesprächsstoff gesorgt. Belgien bezeichnete er einmal als Stadt, Albanien verwechselte er mit Armenien und das afrikanische Namibia nannte er »Nambia«.  [….]

(Spon, 16.06.2026)

Die Weltgegend rund um den Iran spielt allerdings auch gerade gar keine Rolle für die USA.  Man kann wirklich nicht erwarten, dass sich ein US-Präsident damit beschäftigt, wo der Iran liegt und welche Nachbarländer er hat!

Selbstverständlich kannte auch niemand die strategische Bedeutung der Straße von Hormus und so schickte der Iran die Ökonomien der Industriestaaten auf Talfahrt, hob die Energiepreise in den USA auf solche Höhen, daß Trump im tiefsten demoskopischen Keller hockend, vor der Teheraner Führung auf die Knie fiel und ihnen alles gab, wovon sie vorher kaum zu träumen wagten.

[….] Trump kapituliert: Sein „Iran-Deal“ ist nicht nur für Israel ein Debakel[….] Die USA und der Iran haben eine eineinhalbseitige Absichtserklärung unterschrieben. Um diese zu erhalten, musste der US-Präsident viele Zugeständnisse machen. [….] Donald Trump hat (scheinbar) mit einem ersten Iran-Deal ein Problem gelöst, das er selbst verursacht hat: Die Straße von Hormus soll wieder für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet werden. Das wäre eine Voraussetzung, damit der Öl-Preis in den kommenden Monaten weltweit wieder fallen kann.

Doch alleine für diese vage Zusicherung (Teheran behält sich weiter vor, Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen zu erheben) musste der US-Präsident unglaubliche Zugeständnisse machen, der in seinem Wahn ursprünglich „nichts anderes, als die bedingungslose Kapitulation” des Iran akzeptieren wollte. Nun geben die USA sofort zwölf Milliarden an eingefrorenen iranischen Geldern frei, und während der für drei Monate geplanten Verhandlungen noch einmal denselben Betrag. Dazu kommt ein „Wiederaufbaufonds” von 300 Milliarden Dollar, den aber nicht die USA, sondern die mit den USA verbündeten Golfstaaten bezahlen sollen, wie Vize-Präsident JD Vance erklärte. Der Iran müsse sich dafür aber an seine „Verpflichtungen” halten. Die USA haben für Trumps Krieg bisher etwa 70 Milliarden Dollar ausgegeben. [….] Statt also die Chance zu nutzen, das mittelalterlich-religiöse Regime in Teheran zu beseitigen – wie es Trump einst auch den Iranern versprochen hat – werden die Mullahs erst einmal mit Sanktionserleichterungen belohnt. [….] Über das ballistische Raketenprogramm der Mullahs wird noch nicht einmal verhandelt. Und auch ein mögliches Atomprogramm – einer der Gründe für den Beginn des Kriegs – kommt in der Vereinbarung kaum vor[….]

 Trump hat den Mullahs Werkzeuge an die Hand gegeben, die sie vorher gar nicht hatten. Das macht sie in der Region mittelfristig mächtiger, als sie es je waren. Dazu kommt: Trump zerrüttet – ähnlich wie in Europa – die Bündnisse in der Region. Dass die USA die Golfstaaten nicht wirklich militärisch schützen konnten, konnte jeder sehen. [….]

(Christian Burmeister, 16.06.2026)

Trump reißt Bibi gleich mit den Abgrund. Der selbsternannte größte Freund Israels, hat Israel brutal geschadet durch seine Doofheit.

Bernd Dörries, SZ, 16.06.2026

[….] Das Abkommen der USA mit Iran wird in Israel als Katastrophe gesehen. Die Partnerschaft zwischen Netanyahu und Trump ist wohl beendet. [….]  Netanyahu steht als Verlierer da. Als Größenwahnsinniger, der den Nahen Osten neu gestalten wollte, es aber nicht mal schaffte, seinen Partner Donald Trump bei der Stange zu halten. [….] Das Regime in Iran dagegen steht gestärkt da; es hat von den USA Konzessionen erpresst. Im Gegenzug für die Öffnung der Straße von Hormus darf es, sobald die Vereinbarung tatsächlich in Kraft tritt, wieder sein Öl verkaufen, erhält eingefrorene Vermögenswerte zurück. Fast vergessen scheint, dass das Regime gerade noch als Paria galt, nachdem es Tausende Demonstranten ermordet hatte. [….] Schon jetzt kann man also sagen: Netanyahu hat das Versprechen nicht erfüllt, die Gefahr einer iranischen Atombombe langfristig zu bannen. [….] Ein Kollateralschaden ist zudem die Allianz zwischen Israel und den USA. Trump hat sich bei der Aushandlung des Abkommens über den Widerstand Israels hinweggesetzt und offenbar sogar den Libanon in die Waffenruhe eingeschlossen – was Netanyahu bis zuletzt zu verhindern versuchte. [….] In Israel ist die Meinung über das zwischen Iran und den USA geschlossene Abkommen einhellig: Eine »Katastrophe« sei es, eine »totale Kapitulation«, ein »strategischer Tiefpunkt«, eine »Gefahr für Israels Sicherheit«. »Schlechter Deal« lautete am Sonntag die Schlagzeile der Tageszeitung »Yedioth Aharonoth«. Der Journalist und Netanyahu-Lautsprecher Amit Segal zitierte einen anonymen »sehr hochrangigen israelischen Offiziellen«, üblicherweise ein Codewort für den Premier, bereits am Freitag mit den Worten: Der Deal sei »Shit«.[….]  

(Juliane von Mittelstaedt, 16.06.2026)

Der ökonomische Zwerg Iran gewinnt gegen den planetaren Primus USA.

Trump setzt seine allergrößte Macht ein; das US-Militär, und holt sich von dem Paria-Staat am Golf eine blutige Nase ab. Immerhin dienen die Fälle Kanada und Grönland/Dänemark, sowie jetzt auch der Iran, als Beispiel, wie man mit dem irrlichternden senilen US-Präsidenten umgeht: Mit Widerstand und Härte.

[….] Das Fiasko in Iran verändert den Blick auf Trump. [….] Das angekündigte Abkommen zwischen Teheran und Washington ist höchstens ein Kompromiss. Der US-Präsident hatte keine andere Wahl mehr. Für die Europäer könnte darin eine Chance liegen. [….] [….] Trump hasst ja bekanntlich solche Gipfeltreffen: zu viele Leute, zu lange Gespräche, alles zu multilateral. Er muss also bei Laune gehalten werden, sonst reist er wieder ab – oder er reist gar nicht erst an. Die Franzosen haben deshalb unter anderem den Klimawandel aus dem Gipfelprogramm genommen: Den mag Trump nicht. Entwicklungshilfe mag er auch nicht, darum ließ man auch die weg.

Alle nehmen dieses infantile Gehabe des mächtigsten Mannes der Welt hin. Weil er eben der mächtigste Mann der Welt ist und sich auch so aufführt. Den soll man nicht brüskieren, dem widerspricht man nicht einmal, wenn er lügt. Trump behauptet jetzt, dass sein Rahmenabkommen mit Iran ein großer Erfolg sei, ein Sieg, ganz fantastisch. Er behauptet, sein Abkommen sei viel besser als das „schreckliche Abkommen“, das damals, 2015, „Barack Hussein Obama“ unterzeichnet habe und das den Iranern angeblich den Weg geöffnet hätte zur Atombombe. [….] Trump bleibt Trump, und Einsicht ist nicht seine größte Tugend. Aber vielleicht hört jetzt das jämmerliche Hofieren auf. Es bringt ohnehin nichts. [….]

(Oliver Meiler, 16.06.2026)

Einer allerdings begreift es nicht. Unser Fritze.

Der Bundeskanzler nimmt coram publico Anlauf, um tief in Trumps Anus zu tauchen. Man kann es kaum ertragen, die Bilder zu sehen. Zum Mitschämen, der Sauerländer Simpel.

[….] Die Szene hat großes Fremdschampotenzial. Sie spielt sich am Dienstagvormittag beim G7-Gipfel ab, in Évians-les-Bains, gelegen in Frankreich, am Südufer des Genfer Sees. [….] Gerade hat Donald Trump den Saal betreten, nun drängen sich die Händeschüttler um den US-Präsidenten. [….] Als die anderen von Trump ablassen und sich zu ihren Plätzen begeben, nähert sich Merz noch einmal, fasst Trump am Arm und holt dann rasch aus einer Aktenmappe einen flachen Gegenstand, eingewickelt in Papier. Es ist das Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft, auf dem Rücken beflockt mit dem Namen Trump und der Nummer 47. Weil Trump der 47. Präsident der USA ist. Nachdem er bereits der 45. war. Es soll ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk sein, Trump ist gerade 80 geworden.

Merz steht da also und hält Trump das Trikot hin, wie ein Kellner dem Gast im Restaurant die Weinflasche präsentiert. [….] Trump nickt gnädig und gibt Merz die Hand. Dann nimmt er das Trikot und bedeutet Merz, er solle noch kurz bleiben, um für Fotos zu posieren.

Trump bleibt sitzen und hält die Rückseite des Jerseys für die Kameras hoch. Merz steht daneben, eine Hand auf der Rückenlehne von Trumps Stuhl, und nickt eifrig. Wie der Klassenstreber, der dem Lehrer ein Geburtstagsgeschenk überreicht hat, bezahlt vom eigenen Taschengeld.

Dann ist zumindest diese Szene vorbei. Doch der Gipfel der Schmeichelei geht weiter. [….] Und Merz? Mit einer Mischung aus Unterwürfigkeit und Geduld hatte er es erstaunlich lang geschafft, einen einigermaßen guten Draht zu Trump zu halten – bis er sich beim Besuch einer Schule despektierlich über Trumps Irankrieg ausließ [….] und damit Trumps Zorn erregte: Merz wisse nicht, wovon er rede, kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht gehe. [….] Zumindest kann man es als gutes Zeichen werten, dass Trump das Deutschlandtrikot vor die Kameras hielt. [….]

(SPON, 16.06.2026)