Samstag, 30. Mai 2026

Tatsächlich Kubicki

 „Putin und Habeck haben eine ähnliche Überzeugung davon, dass der Staat, der Führer, der Auserwählte, besser weiß als die Menschen, was für sie gut ist.“

Kubicki, 21. März 2023.

Als ich eben durch die Newsportale scrollte und diese Meldung sah,...

....dachte ich in der allerersten Sekunde, es handele sich um den neuen FDP-Generalsekretär.

Aber das sollte dieser sympathische Gelbbraune hier werden: Der bayerische FDP-Rechtsaußen Martin Hagen.

Das kann man schon mal verwechseln; so nahe wie sich die AfDP inzwischen selbst ist.

Hagen jedenfalls passt zu seinem Chef.

Du Eierarsch, dir werde ich das zeigen!

Kubicki zu Merz, 23. April 2026.

Es ist sicher subjektiv, wie man die verschiedenen Meinungsbildner empfindet.

Für mich gibt es drei verschiedene Welten, die bei unterschiedlichen Themen, sehr unterschiedlich große Schnittmengen bilden:

1.   Die Welt der klassischen Medien; also Zeitungen, Magazine, TV.

2.   Mein persönliches Umfeld aus Freunden, realen Internetbekannten und all denen, mit denen ich draußen auf der Straße spreche.

3.   Die Social Media Blasen, in denen ich mich politisch bewege und informiere.

Beim Thema FDP divergieren diese drei Welten stark.

1 liebt die FDP, fürchtet ständig, sie könne ganz verschwindet, tut alles dafür, um sie wieder über fünf Prozent zu pumpen. 2 hat die FDP längst abgehakt, zeigt kein Interesse. 3 hasst die hepatisgelbe Pest und wünscht ihr einen möglichst baldigen totalen Untergang.

Ich flirte für mein Leben gern, künftig aber sicher nicht mehr mit Kolleginnen von Ihnen. Denn ich möchte vermeiden, dass eine Journalistin, die ich anflirte, dies später als sexuellen Übergriff versteht und anprangert.“

Kubicki, 27. Januar 2013.

1 und 3 bilden oft Antagonisten. Nachdem die Rechtsextremen und Verschwörungstheoretiker schon seit vielen Jahren gegen den „Staatsfunk“ und die „Lügenpresse“ polemisieren, ziehen zehn Jahre später zunehmend auch die Linken nach, die dem „ÖRR“, oder auch „Strobl TV“ die Pest an den Hals wünschen und inzwischen alles bezweifeln, das aus der Tagesschau kommt.

Ich halte das für höchst problematisch und verteidige jeden Tag die klassischen Medien, plädiere vehement für Bezahljournalismus. Man soll sich Abonnement von

seriösen  Zeitungen/Magazinen leisten und ein gut finanzierter öffentlich rechtlicher Rundfunk ist immens wichtig. Ja zur Gebührenfinanzierung!

Umso bedauerlicher, wenn Politik tatsächlich zu viel Einfluss nimmt, wenn ARD/ZDF-Nachrichtensendungen Sane-Washing betreiben. Wenn Sender rechten Influencern den roten Teppich ausrollen, in den Talkshow-Redaktionen verheerendes False Balancing inszenieren. Niemand ärgert sich darüber mehr als ich. Aber das ist noch kein Grund, das Kind mit dem Bade auszuschütten! Wir haben immer noch Extra3, Heute Show, Panorama, Monitor, ZDF Magazin Royal, Reschke Fernsehen, Presseclub, Phönix-Runden und jede Menge hochwertiger Reportagen und Dokumentationen im TV.

Ich würde in Berlin zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock. Ich bin inzwischen zum dritten Mal verheiratet, und ich will auf keinen Fall auch diese Ehe ruinieren.“

Kubicki, 18. März 2010.

Aber diese absurde FDP-Betrachtung durch die rosarote Brille muss endlich aufhören. 

Natürlich hätte ich liebend gern die linksliberale 1970er FDP mit Hamm-Brücher, Matthäus-Maier, Flach, Baum, Hirsch, Schuchardt zurück. Aber diese Partei existiert nicht mehr. Sie starb schon 1982 beim Genscher/Lambsdorff-Putsch, wurde erneut durch Westerwelle/Möllemann getötet, durch Rösler zu Grabe getragen und von Christian Lindner/Dürr beerdigt.

Ich gönne der FDP gar nichts mehr. Ich finde es noch nicht einmal „honorig“, wie Strack-Zimmermann heute versuchte, die stinkende schwefelgelbe Leiche zu erwecken. Sie kommt Jahre zu spät. Aus so einer Partei muss jeder anständige Mensch längst ausgetreten sein. 

[…] Um kurz nach vier an diesem Samstagnachmittag ist Wolfgang Kubicki dann doch gewählt. Aber Erleichterung oder gar Begeisterung? Der neue FDP-Chef verzieht in der ersten Delegierten-Reihe keine Miene, als die Parteitags-Regie das Ergebnis verkündet. Fast stoisch nimmt er die Gratulation seiner Frau Annette Marberth-Kubicki entgegen, die ihn innig küsst. […] Seitdem der nordrhein-westfälische FDP-Chef Henning Höne vor zwei Wochen seine Bewerbung für den Bundesvorsitz zurückzog und sich hinter Kubicki einreihte, war dieser ein Kandidat ohne Konkurrenz. Würde er ein ordentliches, ein gutes oder ein sehr gutes Ergebnis einfahren? […] Aber vielleicht hätte Kubicki das Parteitagsmotto »Wo Freiheit ist, ist alles möglich« ernster nehmen sollen. […] 14.30 Uhr ist es, als zunächst der Kieler Fraktionschef Christopher Vogt seinen schleswig-holsteinischen Landsmann für den Bundesvorsitz vorschlägt. Das war geplant. Aber dann geht der frühere nordrhein-westfälische Parteichef Joachim Stamp ans Rednerpult – und schwuppdiwupp hat Kubicki eine Gegenkandidatin: Er schlage Marie-Agnes Strack-Zimmermann aus Düsseldorf vor, sagt Stamp. Rasch verstummen die Gespräche im Saal.  Eine Sensation. Damit hat in dem Tagungshotel im Südosten Berlins niemand gerechnet, auch nicht NRW-Landeschef Höne und sein Generalsekretär Moritz Körner. Außer den 33 Delegierten, die satzungsgemäß für die Last-Minute Kandidatur der Europa-Abgeordneten unterschrieben haben. […] Strack-Zimmermann, so jedenfalls erklärt sie ihre überraschende Bewerbung, möchte der Partei an diesem Samstag nicht nur einen Wettbewerb um die Nachfolge des scheidenden Parteichefs Christian Dürr bieten. »Ich will auch ein Zeichen setzen«, sagt sie. […] Strack-Zimmermann ist die Galionsfigur des progressiven Lagers in der FDP, das mit Kubickis Kandidatur von Beginn an ein Problem hatte. […] die Progressiven hatten keine Alternative zu Kubicki mehr. Zuletzt richtete sich ihr Unmut zunehmend auf Kubickis designierten Partner Hagen. Er arbeitete die vergangenen Jahre als Geschäftsführer der konservativen Denkfabrik R21, in den Tagen vor dem Parteitag wurden ihm vor allem Äußerungen zum Umgang mit der AfD vorgehalten. […] Dass Kubicki schließlich mit fast 60 Prozent der Stimmen vorn liegt, ist unter diesen Umständen ein ziemlich gutes Ergebnis. Das Gleiche gilt für die 58 Prozent, mit denen Hagen am Abend zum Generalsekretär gewählt wird. […]

(Florian Gathmann, 30.05.2026)

Der AfD-Appendix FDP ist unwählbar für Demokraten und sollte dringend aus unserer Parteienlandschaft verschwinden.

Wir werden unsere eigenen Entscheidungen, unsere Anträge in Parlamenten nicht davon abhängig machen, wer zustimmt, weil wir das, was wir wollen, für richtig und gut halten. Die Brandmauer steht auch nicht in der Verfassung.“

Kubicki zum Umgang mit der AfD, ntv, 28. Mai 2026.

[…] Wolfgang Kubicki wollte, dass ein Ruck durch die FDP geht. Wach auf, liebe Partei, uns gibt es noch! Stattdessen geht jetzt ein Riss durch die FDP. Die Anhänger von Kubicki stehen seinen Gegnern mit zusammengekniffenen Augen gegenüber. Das Misstrauen wächst. Das ist Kubickis Schuld. Und die von Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Kubicki hat der FDP einen polarisierenden Richtungsentscheid aufgezwungen. Seine Kandidatur strahlte aus: Nur eine konservativ-liberale Ausrichtung kann die Partei noch retten, das sozial-liberale Gedöns kann weg. Und die Mitglieder im Zweifel auch. Außerdem kokettierte er damit, dass die Brandmauer zur AfD eine Idee von gestern sei. Das reizte Marie-Agnes Strack-Zimmermann so sehr, dass sie im Geheimen einen Plan entwickelte, um Kubicki als Parteichef doch noch zu verhindern: Sie kandidierte überraschend. Plötzlich mussten die Delegierten wählen: entweder Kubickis Krawallkurs, der Wähler von der AfD zurückgewinnen soll – oder Strack-Zimmermann, die auch gerne austeilt, aber für eine kosmopolitische Ausrichtung steht. […] Den Kampf um den Parteivorsitz hat Kubicki gewonnen. Aber die Partei steht nicht hinter ihm. Die Progressiven in der FDP sind Strack-Zimmermann dankbar. Weil sie fast 40 Prozent der Stimmen gegen Kubicki bekommen hat, ist für alle sichtbar, dass die Rechtsliberalen die Partei nicht übernommen haben. […] Als Vorsitzender müsste Kubicki die FDP jetzt wieder zusammenführen. […] Allerdings ist Kubickis Ruf in der FDP das Gegenteil. Er gilt als der Stänkerer, der öffentlich andere Liberale beschimpft. […]

(Bastian Brinkmann, 30.05.2026)

Es reicht wirklich, Medien. Schweigt die hepatisgelbe Pest tot.

Freitag, 29. Mai 2026

Kräftig auf die größten Haufen scheißen.

Wer Summen über den Freibeträgen erbt, zahlt Erbschaftssteuer.

Da kommt einiges zusammen bei den an die nächste Generation vermachten Vermögen um die zehn oder 15 oder auch 20 Millionen Euro.

Wer aber mehr als 26 Millionen erbt, ist fein raus: Er darf beim Staat eine „Verschonungsbedarfsprüfung“ beantragen und hat gute Chancen ohne Abgaben davon zu kommen. Die Mittleren und Ehrlichen bestraft man, die Großen lässt man laufen. Merzens Kanzleramtschef Thorsten Frei verteidigt das soeben gegenüber der Expertin Julia Friedrichs in der Illner-Talkrunde. Nicht mit Argumenten, aber dafür mit umso mehr sinnfreien wolkigen Allgemeinplätzchen. 

[….] Thorsten Frei liefert Textbausteine statt konkreter Antworten

Rahmenbedingungen, Wachstumspfad – und jede Menge Herausforderungen: Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) macht den Talk bei »Maybrit Illner« zum Phrasenbingo. [….] Die anderen Gäste und die Moderatorin haben es nicht geschafft. Kanzleramtschef Thorsten Frei ließ sich einfach nicht dazu bringen, sich von seinen Textbausteinen zu verabschieden. Er sprach davon, dass man sich »auf die Schwerpunkte der Herausforderungen, die wir jetzt haben, konzentrieren« wolle.

Dass es darum gehe, »auf den Wachstumspfad« zurückzukehren und die »Rahmenbedingungen für das Leben der Menschen« zu verbessern. Er sprach von großen Aufgaben. Unangenehmen Entscheidungen. Einer Phase hoher Anspannung. Und noch mal von Herausforderungen. Und das war nur der Anfang seiner Redebeiträge. [….]

(SPON, 29.05.2026)

Natürlich will die CDU keinesfalls ihre steinreichen Spender verärgern und verteidigt eisern die Privilegien der Superreichen, die es gewöhnt sind, sich jeder Solidarität zu entziehen.

 (….) Wer richtig viel Geld hat und daher bei seinem Tod (oder vorab bei Schenkungen) hunderte Millionen oder gar Milliarden zu verteilen hat, berechnet den Teil, der ans Finanzamt abgezwackt werden muss, nicht nach der Otto-Normalverbraucher-Formel:

(Erbe – 20.000 €) mal 0,3 = 36.600 €.

Für Superreiche gilt eine Spezialformal für den Betrag, den Herr Lindner abbekommt:

ErbeSchickimickisteuertrickser mal 0% = 0 Euro

So machte es BMW-Erbin Johanna Quandt, als sie zu Lebzeiten Milliarden an ihre Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt übertrug.

So machten es die Brüder Theo und Karl Albrecht, als sie Dutzende Milliarden steuerfrei an ihre Kinder Karl Albrecht jr. und Beate Heister, bzw Berthold und Theo Albrecht. jr. verschoben.

So machten es Friede Springer und Matthias Döpfner, als die alte Konservative dem jungen Erzkonservativen Milliarden schenkte. Über die eingangs genannte alte Dame, die von ihren 142.000 Euro tatsächlich fast 30% Steuern an den Staat zahlte, kann Döpfner nur herzlich lachen.

[….] Verlegerin Friede Springer (78), die Witwe von Unternehmensgründer Axel Springer, teilte am 24. September 2020 mit, für wen sie sich als ihren Nachfolger entschieden hat. Der Glückliche heißt Mathias Döpfner und ist bislang Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE. Er hat von ihr 4,1 Prozent Konzernaktien für 276 Millionen Euro gekauft. 2,8 Prozent gehörten ihm schon vorher. Zusätzlich bekam er von seiner Gönnerin ein Aktienpaket von 15 Prozent geschenkt – ein in diesem Umfang einmaliger Vorgang. Die großzügige Gabe ist rund eine Milliarde Euro wert, Döpfners Kapitalanteil an der Gesellschaft europäischen Rechts (SE) liegt danach bei 21,9 Prozent. Für solche Transaktionen sind grundsätzlich hohe Einkommen- und Schenkungssteuern fällig. Dazu haben die Dame und der Herr aber keine Lust. Frau Springer hatte deshalb eine Woche vor dem Verkauf besagte 4,1 Prozent an ihre Friede-Springer-Stiftung übertragen. Die ist als gemeinnützig anerkannt und muss weder Schenkungs- noch Einkommenssteuer zahlen. Döpfner hat seine Anteile formal von der Stiftung gekauft, der Fiskus geht leer aus.  Bei ihm selbst war es etwas komplizierter. Da die Schenkung außerhalb der Familie geschah, wäre der höchste Steuersatz von 50 Prozent fällig. [….] Aber für reiche Leute finden sich fast immer Um- und Auswege. In diesem Fall sind das die sogenannten Poolverträge. Friede Springer hat Döpfner nicht nur 15 Prozent Aktien geschenkt, sondern ihm auch das Stimmrecht für ihre verbleibenden Anteile von rund 22 Prozent eingeräumt. Der Manager kontrolliert damit mehr als 44 Prozent und kommt über die 25-Prozent-Schwelle. Und deshalb kann er eine »Verschonungsbedarfsprüfung« beantragen. Wenn sein Privatvermögen kleiner ist als der fällige Steuerbetrag, kann dieser erlassen werden. So wird es wohl kommen, da sind sich alle Beobachter einig. [….] Der Topmanager – zugleich Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) – ist ja kein armer Mann. Im vergangenen Jahr hat er Schätzungen zufolge rund 6,6 Millionen Euro Gehalt, 2,1 Millionen Versorgungszulagen und 15 Millionen Euro Boni kassiert. Dazu kommen künftige Dividenden: Mit seinen knapp 22 Prozent Kapitalanteil hätte Döpfner im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Euro einstreichen können.  Übrigens hat der Trick in ähnlicher Form schon vor acht Jahren funktioniert. Im August 2012 verschenkte die Verlegerin ein Aktienpaket von 2,8 Prozent im Wert von 73 Millionen Euro an ihren Mathias. Auch dafür musste er kaum Schenkungssteuer bezahlen, wie der Deutsche Steuerberaterverband damals vermutete. [….]

(Verdi, 15.10.2020)

Döpfner und Springers Vorgehen ist sowohl asozial, als auch im höchsten Maß ungerecht. Superreiche betrügen den Staat mit legalen Tricks, die aber Ärmeren nicht zur Verfügung stehen, um Milliarden.

Hinzu kommt aber der staatszersetzende Aspekt. Denn die Dame, die 36.600 Euro an das Finanzamt überwies und es bisher auch ganz richtig fand, das zu tun, fühlt sich nun von Finanzpolitikern, die den Döpfner-Coup ermöglichen, verschaukelt und verliert das Vertrauen in unseren Staat.  (…)

(Die Gelben und die Reichen, 21.04.2023)

Unter besonderem Schutz der CDUCSU stehen in der Wohnraum-Krise auch die Immobilienbesitzer, in deren Taschen reichlich staatliches Geld geleitet wird.

Wer sich eine kleine Wohnung kauft, eine vermögensbildende Maßnahme, die für Normalverdiener inzwischen fast unmöglich geworden ist, wird zur Kasse gebeten, indem er Grunderwerbsteuer zahlt. Die beträgt je nach Bundesland bis zu 6,5%.

Es sei denn natürlich, man ist superreich und erwirbt riesige Gebäude oder ganze Wohnungspakete. Dann ist ein Grunderwerbs-Sharedeal möglich, so daß gar keine Steuern anfallen. Auch hier das gleiche Prinzip: Die Mittleren abkassieren. Die Superreichen pampern.

Besser als selber zahlen, ist es Immobilien zu erben. Auch die unterliegen dann der Erbschaftssteuer. Es sei denn, man erbt mehr als 300 Wohnungen. Dann kann man von lästigen Erbschaftssteuern verschont bleiben.

[….] taz: Sie argumentieren, es gebe ungerechte Ausnahmen bei der Besteuerung von Erbschaften und Immobilien. Zum Beispiel?

Beck: Wer mehr als 300 Wohnungen erbt, muss heute keine Steuer zahlen. Diese Regelung hat null Sinn. Es gibt keine plausible Begründung dafür. Die Grenze von 300 Wohnungen muss weg.

taz: Will der Gesetzgeber größere Unternehmen vielleicht nicht durch zu hohe Zahlungen gefährden?

Beck: Ich nehme an, da hat sich eine Lobby durchgesetzt. Warum sollen Erben von 299 Wohnungen Erbschaftsteuer abführen, solche ab 300 aber nicht? Das ist doch verrückt. Übrigens kann die Steuer auch gestundet und in Raten überwiesen werden. Das wollen wir stärken, so bringt sie Erben auch von Betriebsvermögen nicht in Schwierigkeiten. Wohlgemerkt: Das Familienheim zu erben ist steuerfrei, und das soll auch so bleiben.   [….]

(Katharina Beck, Interview in der taz, 04.09.2025)

Ich denke, wir haben das Prinzip verstanden: Abkassieren bei den Normalos; Megareiche bevorzugen.

Selbstverständlich haben diese von CDU, CSU, FDP, AfD, FW eisern verteidigten Ausnahmeregelungen zugunsten der Überreichen Konsequenzen.

[….] Wer mehr als 100 Millionen Dollar besitzt, gilt als superreich. In Deutschland gehören Tausende Menschen dazu - Tendenz steigend, wie eine Studie zeigt. Zusammen mit den Multimillionären halten sie über die Hälfte des Finanzvermögens.

Rund 5.000 Superreiche besitzen nach Berechnungen der Boston Consutling Group (BCG) mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland. Der Unternehmensberatung zufolge ist die Zahl der Menschen, die hierzulande mehr als 100 Millionen Dollar besitzen, 2025 um rund 1.100 gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Ihnen gehören 27,3 Prozent des Finanzvermögens von 12,4 Billionen Dollar, also knapp 3,4 Billionen Dollar. Das zeigt der aktuelle "Global Wealth Report".[….] Danach profitierten Superreiche im vergangenen Jahr vor allem von Gewinnen an den Aktienmärkten. Bis 2030 werde ihr Anteil am deutschen Finanzvermögen auf 29 Prozent steigen, prognostiziert BCG. [….]

(Tagesschau, 27.05.2026)

Selbstverständlich könnte man in Deutschland die Steuergesetze fairer gestalten, so daß auch die Ultrareichen in die Solidargemeinschaft eingebunden werden.

Wer Superreiche besteuern will, darf nicht CDUCSU & AFD wählen.


Das tut aber gemäß aller aktuellen Umfragen die absolute Mehrheit der Deutschen!
(Außer in den Stadtstaaten) Die Wähler selbst entscheiden also zu Gunsten der Umverteilung von unten nach oben. Eine RR- oder RRG-Mehrheit ist nirgends sichtbar.
Mit 16% ist die SPD in dieser Bundesregierung natürlich nicht in der Position gegen den anderslautenden Wählerwillen – die CDUCSU ist doppelt so stark – Vermögenssteuern durchzusetzen.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Wie werden wir weniger?

Nie war es offensichtlicher als heute: Homo Demens zerstört seine eigenen Lebensgrundlagen, wandelt das Klima in eine für ihn selbst toxische Umwelt um.

Wir sind nicht nur viel zu viele, sondern auch viel zu dumm.

Denn eine umweltschonendes Wirtschaften ist möglich, man kann Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen, ohne klimazerstörende Gase zu erzeugen. 

Aber wenn die größte und die drittgrößte Industrienation der Welt, sich in freien Wahlen radikale Fossillobbyisten als Regierungschefs aussuchen, die buchstäblich gegen Windmühlen kämpfen, mit all ihrer Macht für das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle kämpfen, obwohl die besseren, gesünderen Techniken sogar billiger sind, muss man Massensterben in unserer gegenwärtigen Fauna und Flora nicht nur befürchten, sondern akzeptieren. Es geschieht bereits. Das Massensterben stört uns aber nicht. Die ökonomischen Folgen der Erhitzung schon.

Das Verschwinden des Homo Sapiens von dieser Erde, wäre kein Verlust, sondern ein Segen. Aus kosmischer Perspektive, bliebe dem Planeten noch genügend Zeit, um wie in den Milliarden Jahren zuvor, andere Lebensformen auszuprobieren.

Willkommen Klimatod, Pandemie, Atomkrieg.

Aus humaner Perspektive, mit einer Lebenserwartung von maximal hundert Jahren, erscheint die eigene Vernichtung hingegen nicht sehr rosig, nur weil in 100 oder 800 Millionen Jahren vielleicht mal wieder irgendwas auf zwei Beinen auf dieser blauen Kugel umherkraucht.

Aus humaner Perspektive ist es wünschenswert, diese Zivilisation zu erhalten.

Zumal anders, als bei einem globalen Exitus durch Pandemie, durch 5% Erderhitzung oder radioaktives Fallout auch Tiere und Pflanzen massenhaft stürben.

(….) Siebeneinhalb Milliarden Individuen sind einfach zu viel, wenn man so einen gewaltigen Ressourcen-Verschleiß aufzuweisen hat.   Wir roden die letzten Wälder, treiben den Meeresspiegel hoch, lassen die Gletscher schmelzen, verseuchen die Böden, trocknen Seen aus, verdrängen so effektiv andere Tierarten, daß täglich mehrere aussterben.  Wir erodieren, planieren und asphaltieren Gebirge, buddeln Kohle aus, pumpen Gas und Öl aus der Tiefe, generieren Ozonloch und CO2-Hüllen.

Homo Sapiens lebt auf Kosten der anderen Spezies.

Homo Sapiens vermehrt sich inzwischen nahezu ungehindert.

Pro Jahr werden es 83.686.000 Menschen mehr, das sind 229.277 Menschen pro Tag; 159 Menschen pro Minute und 2,7 Menschen pro Sekunde.  Ein paar von denen kann man aushalten, aber ein Zehntel würde locker ausreichen. 750 - 800 Millionen betrug die Gesamtweltbevölkerung Ende des 18. Jahrhunderts. Die Eine Milliarde-Menschen-Marke wurde 1804 geknackt. Reicht das nicht?

Schon damals konnten wir Ebenbilder Gottes bekanntlich Kriege, Genozide und Ausbeutung ganzer Kontinente vollbringen, weil es genug Soldatennachschub gab, weil die Frauen im Durchschnitt so viele Söhne hatten, daß sie es hinnahmen, daß ab und zu einer davon „auf dem Feld der Ehre“ zerhackt oder zerfetzt wurde.

Der enorme Bevölkerungsdruck, die Verzehnfachung der Menschen in 200 Jahren führte aber zu noch viel mehr Konflikten, Kampf um Ressourcen, Massenmigrationen, Fluchtwellen.

In den Teilen der Welt, die ein sehr geringes Bevölkerungswachstum ausweisen, oder gar wie Deutschland, Japan, Südkorea und die baltischen Länder (Fertilitätsrate bis 1,3) schrumpfen, ist die Kriegsmüdigkeit hingegen recht ausgeprägt.

Verständlich, denn wenn man/frau bloß ein Kind hat, geht es ihm einerseits ökonomisch besser, so daß es weniger wahrscheinlich auf die Idee kommt Soldat zu werden und andererseits sind die Eltern auch protektiver, lassen ihre Kindern weniger gern in den Krieg ziehen.

Länder mit den höchsten Fertilitätsraten – Gaza 4,9 Jemen 5,0 Ruanda 5,3 Kongo 5,8 Uganda 6,1 Somalia 6,3 Ost-Timor 6,3 Afghanistan 6,4 – sind offenbar auch besonders unfriedlich, weil die enorme Kinderzahl die Ressourcen erschöpft, Konkurrenz entsteht und Eltern auch eher mal den Tod eines ihrer Blagen verkraften.

Wir brauchen also weniger Menschen und daher weniger Nachwuchs.

Es ist wohl auch kein Zufall, daß die Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte auch die mit den geringsten Geburtenraten sind. (…..)

(Menschenmassen, 14.10.16)

Das schrieb ich vor zehn Jahren, inzwischen sind wir schon 8,3 Milliarden Individuen.

Das rasante Weltbevölkerungswachstum darf nicht so weitergehen.

[….]  Zu Beginn der Landwirtschaft, etwa 8000 v. Chr., betrug die Weltbevölkerung ungefähr 5 Millionen. Über den 8.000-jährigen Zeitraum bis 1 n. Chr. wuchs sie auf 200 Millionen (einige schätzen 300 Millionen oder sogar 600, was darauf hindeutet, wie ungenau Bevölkerungsschätzungen früher historischer Perioden sein können), mit einer Wachstumsrate von unter 0,05 % pro Jahr.

Mit der industriellen Revolution kam es zu einer gewaltigen Veränderung: Während es die gesamte Menschheitsgeschichte bis etwa 1800 gedauert hatte, bis die Weltbevölkerung eine Milliarde erreichte, wurde die zweite Milliarde in nur 130 Jahren (1930) erreicht, die dritte Milliarde in 30 Jahren (1960), die vierte Milliarde in 15 Jahren (1974) und die fünfte Milliarde in nur 13 Jahren (1987).

·        Allein im 20. Jahrhundert ist die Weltbevölkerung von 1,65 Milliarden auf 6 Milliarden Menschen angewachsen.

·        Im Jahr 1970 gab es auf der Welt etwa halb so viele Menschen wie heute.

·        Aufgrund sinkender Wachstumsraten wird eine erneute Verdopplung nun über 200 Jahre dauern.  [….]

(Worldometer 2026)

Der einzig wirklich humane Weg, die für Fauna und Flora so toxische Bevölkerungsexplosion zu hemmen, wäre ein freiwilliger, auf Vernunft basierender Antinatalismus. Das wird sich aber niemals durchsetzen, weil wir als Spezies dazu viel zu dumm, zu egoistisch und zu religiös sind.

(….) Acht Milliarden Menschen sind viel zu viel für diesen Planeten. Diese Massen produzieren so viel Schmutz und Wärme, daß im Rekordtempo Fauna und Flora ausgerottet werden. Im Anthropozän sterben aber nicht nur die anderen Spezies, sondern der dominante Parasit Homo Demens selbst, wird im Kampf um die knappen Ressourcen zum Opfer. Im Gegensatz zu anderen Tieren, die so viel fressen und so viel töten, wie sie müssen, agiert Homo Demens vollkommen ungehemmt. Er killt zum Vergnügen, rafft viel mehr an sich, als er braucht, verteilt die Ressourcen grotesk ungerecht und vernichtet auf dem Altar des Kapitalismus gewaltige Lebensmittelmengen. Diese Spezies insgesamt ist für mich die unsympathischte Tierart überhaupt.

Dieses Pauschalurteil gilt aber nicht für das Individuum, welches (zumindest aus humaner Perspektive) sehr interessant und erstaunlich sein kann.

Daher gehe ich gar nicht so weit, alle Menschen ausrotten zu wollen. Nein, ich bin für die Menschen und würde mir ihr langfristiges Überleben auf der Erde wünschen.

Damit die unangenehmen Erscheinung der Menschenmasse nicht auftreten, sollte ihre Gesamtzahl aber auf ein Prozent der heutigen Zahl begrenzt sein. Statt acht Milliarden Einzelexemplaren, also 80 Millionen. Oder sagen wir, aufgerundet: 100 Millionen Menschen auf diesem Planeten.

Es gab Zeiten der Erdgeschichte, als Homo Sapiens auf wenige Tausend Exemplare geschrumpft war. Das nenne ich dünn besiedelt. Aber bei 100 Millionen, die noch dazu durch das Internet alle miteinander vernetzt wären, sollte es genügend Auswahl geben, um Gleichgesinnte zu treffen und überall zu siedeln. Wir würden aber nicht mehr die Meere leerfischen und die Atmosphäre mit Stickoxiden und CO2 verpesten. Wir könnten sogar Autos mit Verbrennungsmotor fahren, Flugzeuge mit Kerosin betreiben, im Wohnzimmer einen hübschen gekachelten Steinkohleofen verwenden. Bei 99% weniger Individuen wäre der ökologische Fußabdruck keine Größe mehr, mit der die Umwelt nicht fertig würde. Keine überfüllten Strände, verstopften Straßen, saubere Flüsse, überall gedeihende Fauna und gesunde Luft.

Paradiesisch. Aber wie reduziert man von acht Milliarden, also 8.000 Millionen Menschen auf 100 Millionen Menschen, ohne Seuchen, Kriege oder Naturkatastrophen? (….)

(Weniger Menschen bitte, 13.10.2022)

Immerhin gibt es Erfahrungen mit der enormen Regenerationskraft der Natur, wenn man den Faktor Mensch reduziert.

Das bewiesen Dschingis Khan und seine Nachfolger im frühen 13. Jahrhundert.

[….]  1206 ernannten ihn die Fürsten der Steppenvölker zum »Dschingis Khan«, danach zog er mit der wohl größten Kavallerie aller Zeiten weiter und terrorisierte das benachbarte Riesenreich China und die Regionen des heutigen Usbekistans und Turkmenistans. [….] Dass die mongolischen Horden im Laufe des 13. Jahrhunderts ganze Menschenmassen umbrachten, wirkte sich auch auf das Weltklima aus, wie eine Studie zeigt, an der das Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg beteiligt war. Es fehlten zunehmend Menschen in Asien und Europa, die die Felder und Äcker hätten bestellen können, und auf riesigen Landflächen wuchs wieder Wald. Hunderte Millionen Tonnen Kohlendioxid wurden auf diese Weise gebunden, die Erderwärmung wurde gebremst. »Nicht einmal der Schwarze Tod, also die verheerende Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts, hatte derartig einschneidende Auswirkungen auf das Klima wie die Mongoleneinfälle«, sagt Wemhoff. [….]

(SPIEGEL, 25.05.2026)

Es folgten Pandemien zum Nutzen der Natur.

Die Deutschen schafften eine ähnliche Renaturierung durch den 30-Jährigen Krieg.

Ohne den Heiligen Bonifatius, „Apostel der Deutschen“, auch kein Dreißigjähriger Krieg (von 1618 bis 1648), der als vermutlich verheerendster Religionskrieg Mitteleuropa entvölkerte.

"Hans Philipp Goßmann von Spachbrücken zu Tod geschlagen. Hans Gerhards schwangeren Frauen die Rippen entzweigeschlagen, dass sie bald gestorben. Jakob Hans Frau zu Tod geschändet. Hans Simon mit dem Gemächt ufgehängt und vollends erschlagen ... Summa: 18 Personen", endet die "Schadensliste", die man nach einem Überfall der kaiserlichen Soldaten auf das hessische Reinheim im Mai 1635 bei der zuständigen Obrigkeit einreichte.

Der Dreißigjährige Krieg zeigt sich in solchen Beispielen als Krieg schlechthin: erschlagene, gefolterte, vergewaltigte Unbeteiligte. Ausgebrannte Städte, verwüstete Dörfer, kahlgefegte Äcker. Hungersnöte, Seuchenzüge. Wer da noch lebte, lebte nicht mehr lange: "Wir Leut leben wie die Tier, essen Rinden und Gras", heißt es in einem Bibeleintrag aus den zerstörten Dörfern der Schwäbischen Alb gegen Ende des Krieges. Man ernährte sich von Eicheln und Kleie, briet Ratten, Katzen, Hunde und krepierte Pferde. [….]

(Cora Stephan 09.02.2013)

In den letzten Tagen habe ich mich mal wieder etwas genauer in den 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648) hineingelesen.
Es war bekanntlich der schwerste Religionskrieg, der jemals in Europa tobte.
Protestanten und Katholiken haben so lange aufeinander eingedroschen, bis das „heilige römische Reich deutscher Nationen“ entvölkert und verwüstet war.
Die Hälfte der Deutschen Gesamtbevölkerung wurde massakriert oder fiel Seuchen zum Opfer, die Zivilisation wurde um 100 Jahre zurück geworfen.
Die Bauernhöfe waren verwaist, der Viehbestand nahezu komplett ausgerottet.
Der Mega-Religionskrieg bescherte uns Begriffe wie „magdeburgisieren“.
Magdeburg war damals eine von den Bischöfen unabhängige Stadt mit 30.000 - 40.000 Einwohnern, die versuchte neutral und friedlich zu bleiben.
Das gefiel den Katholiken natürlich überhaupt nicht und so schickt im April 1631 die katholische Majestät Kaiser Ferdinand II den kaiserlichen Befehlshaber Tilly, der die Stadt bis auf die Grundmauern zerstört und seine Truppen anschließend so lange plündern, morden und vergewaltigen läßt, daß nach einer Zählung aus dem Jahr gerade noch 468 Magdeburger leben.
Es war aber auch nicht alles schlecht am 30-Jährigen Krieg.
Da es weit über 200 Jahre brauchte, bis die Bevölkerungszahl wieder auf den Stand vom Beginn des 17. Jahrhunderts angestiegen war, kam es zu einer großartigen Verwaldung der ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Die menschengemachte Monokultur verschwand zugunsten eines intakten Ökosystems aus Urwäldern.

Und wer hat Schuld am 30-Jährigen Krieg?  Dazu gibt es selbstverständlich ein ganzes Bündel Ursachen aus unterschiedlichen Machtinteressen.
Zwei Hauptschuldige will ich aber hervorheben.
Erstens der tiefsitzende Menschenhass der Horrorreligion des Katholizismus.
Es war die katholische Kirche, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollte und mit ihrer Marionette Ferdinand II ganz Europa rekatholisieren wollte.

Das Restitutionsedikt war eine von Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629 erlassene Verordnung, mit der ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände der Status quo des geistlichen Besitzstands im Reich wieder auf den Stand des Jahres 1552 gebracht werden sollte. Es setzte damit die katholische Interpretation des Augsburger Religionsfriedens (1555) durch.
(Wikipedia)

Die RKK war dermaßen blutrünstig, daß sie selbst nachdem schon der halbe Kontinent verwüstet war erbittert Propaganda gegen diejenigen betrieb, welche auch nur an einen Frieden dachten.
Insbesondere die Jesuiten und der Pater am Kaiserlichen Hof, Johannes Weingarten empörten sich ab dem Jahr 1633 über den katholischen Heerführer Wallenstein, der "den Krieg vernachlässige“ und nicht mehr die rechte Lust verspürte Protestanten zu massakrieren.
Als auch noch Gerüchte auftauchten Wallenstein wolle Friedensverhandlungen beginnen, hetzten die katholischen Geistlichen so gegen den Kriegsmüden, daß sie seine Ermordung durchsetzen konnten.

Die zurückhaltende Art seiner Kriegführung während des zweiten Generalates [Wallensteins], seine Friedenspolitik und die dadurch hervorgerufene Sorge um den Triumph der katholischen Idee ließen am Hofe bald eine starke Partei gegen ihn erstehen, an der Spitze der Sohn des Kaisers, der spätere Ferdinand III. Sie gewann im Laufe der Zeit einen entscheidenden Einfluß auf den schwachen und schwankenden Kaiser, zumal in ihr Männer wie der bayerische Kurfürst, der böhmische Oberste Kanzler Slawata, die Jesuitenpatres Lamormaini, der Beichtvater, und Weingartner, der Hofprediger, mit Leidenschaft gegen Wallenstein wirkten.
(Uni Giessen.de) (……)

(Historische Parallelen 31.21.2011)

Die Methoden Tilly und Dschingis Khan erscheinen relativ unerfreulich.

Aber immerhin würde die Menschheit überleben.  Die Methoden Merz, Reiche und Trump sind hingegen gesamt-toxisch. Wenn wir uns immer mehr vermehren und auf ewiges Wirtschaftswachstum auf Kosten der Natur setzen, werden wir alle ausgerottet.

Mittwoch, 27. Mai 2026

Die alten Methoden sind besser – Teil II

Vom Glück der frühen Geburt berichtete ich vorgestern. Der analoge Mensch kapiert mehr: Auf Papier gedruckte Texte werden besser verstanden, man lernt effektiver, wenn man mit der Hand schreibt, Zusammenhänge bleiben nachhaltiger im Gedächtnis, wenn man nicht kontinuierlich das Klugtelefon zur Nachhilfe benutzt.

Das Textverständnis, das Schreiben wird ausgefeilter, wenn man viele gedruckte Texte liest. Das Stilgefühl geht verloren, wenn man KI-generierte Texte konsumiert und immer nur kleine Zusammenfassungen konsumiert.

An dieser Stelle sei ein Artikel aus dem vorletzten SPIEGEL empfohlen, der erklärt, wieso KI und Large Language Models (LLMs) nicht in der Lage sind, witzig zu sein.

Selbstverständlich wird die KI nicht aufzuhalten sein, selbstverständlich kommen die Zeiten nicht zurück, in denen jeder mit der Hand schrieb und man nur auf Papier gedruckte Informationen verarbeitete.

Ich glaube ohnehin nicht an eine noch wesentlich länger währende Zukunft des Homo Sapiens. Das nächste Jahrhundert wird diese Spezies meiner Ansicht nach nicht erleben.

Als Antinatalist, der mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, kommt mir das entgegen. Wer sich hingegen um den Fortbestand seiner eigenen egoistischen Gene sorgt, oder sich womöglich schon reproduziert hat, sieht das mutmaßlich anders.

Vielleicht irre ich mich und die Menschheit wird in hundert Jahren prosperieren; ich werde es sicher nicht erleben. Aber wenn es so käme, wären die „digital immigrants“, die letzten Vertreter des analogen Zeitalters ausgestorben. Die Menschen werden nicht vergleichen können und daher keinen Verlust empfinden, wenn niemand mehr alle Rechtschreibregeln beherrscht, mit einem Füller schreiben kann, auf stilistische Feinheiten in Texten reagiert.

Es wird Lebensqualität verloren gegangen sein, die niemand vermissen wird.

Dazu gehört für mich auch Musikverständnis. Es ist eine Unsitte, daß durch die allgegenwärtigen Streamingdienste heute jeder Song nur zwei Klicks entfernt ist und in Sekundenbruchteilen beurteilt wird, ohne den Sänger, den Produzenten, das Album, das Konzept, das Cover zu kennen. Ich alter Sack glaube ernsthaft, daß deswegen so viel zeitgenössische Musik so schlecht ist. Es wird für den ganz schnellen Erfolg einzelner kurzer Stücke produziert. Eingängliche Bass-lines, die Hooks werden primitiver.

„Konzeptalben“ sterben aus, weil ohnehin nur noch einzelne Schnipsel „zu meiner playlist geadded“ werden. Zum Glück gibt es für Dinosaurier wie mich noch genügend Musiker, die sich dem Trend widersetzen, so daß ich immer wieder Neues entdecken kann, das mich erfreut.

Aber ich empfinde viel Wehmut für die Zeiten, als man sich neue Popmusik noch mit erheblich mehr Mühe erarbeitete und sie daher auch viel mehr würdigte. Es war nicht alles über die Ohrstecker verfügbar, sondern erforderte technischen und logistischen Aufwand!

(….)  Schon bevor ich 16 wurde, [und noch keinen eigenen Plattenspieler hatte] kaufte ich mir Schallplatten, beispielsweise genau vor 40 Jahren, zum Erscheinungsdatum im März 1983, „The Hurting“ (Tears for Fears), die ich aber meinem Alter entsprechend keinesfalls immer in Gegenwart meiner Mutter im Wohnzimmer hören wollte. Also fuhr ich mit meiner Schallplatte und Leercassetten zu meiner liebsten Schulfreundin, die bereits einen eigenen Plattenspieler besaß und ließ mir dort alles überspielen. So wie ich schon zuvor meine Lieblingsmusik in der Zeit; Helen Schneider, Kate Bush, David Bowie, Depeche Mode und The Cure; immer auf Cassette umformatieren musste, um sie in meinem Zimmer hören zu können.

Eine Single-Platte kostete sechs D-Mark, Langspielplatten an die 20 DM. Kein Pappenstiel für Taschengeld-abhängige Jung-Teenager. Man musste darauf sparen. Zudem war es nicht unbedingt leicht, die Objekte der Begierde überhaupt zu bekommen. Zunächst einmal musste man sich durch Zeitschriften informieren und dann mit Bus und Bahn durch die Stadt fahren, die wenigen guten Plattengeschäfte aufsuchen, in die Alben reinhören und hoffen, daß noch ein Exemplar da war. Das erforderte oft viele Anläufe, viele Stunden Bahnfahrt und viele vergebliche Stunden Stöberei.

Für die Generation Klugtelefon mag das extrem umständlich klingen, aber der Gedanke kam mir logischerweise nie, weil ich es nicht anders kannte. Auch a posteriori möchte ich die Erfahrung nicht missen, da wir unsere neuen Schätze eben auch wie einen echten Schatz schätzten. Ich erinnere mich an eine Verabredung mit einer Mitschülerin, die vorher noch nie bei mir war, so daß ich üblicherweise einigen Aufwand betrieben hätte, um es ihr angenehm zu machen. An dem Tag bekam ich aber die lang ersehnte „The Head in the Door“ (The Cure, 1985), so daß ausführliche Untersuchungen des Covers, Lesen der Texte und ununterbrochenes Hören notwendig wurde.

Ich weiß noch genau, wie ich mich entschuldigte, nicht fragen zu können, was meine Besucherin gerne hören würde, aber nun müsse ich nun einmal ununterbrochen „in between days“ und „close to me“ hören. Aber selbstverständlich akzeptierte sie das, da es ihr auch immer so mit einer neuen Platte ginge; damit beschäftige man sich über Tage intensiv.(……..)

Heute gehöre ich zu den Alten, die sogar noch älter sind, als meine Eltern zu dem Zeitpunkt, als ich sie erstmals nicht mehr als totale Autorität akzeptierte.

Akustische Verbrechen wie Max Giesinger und Philipp Poisel können heute geschehen, weil die universelle, billige und superschnelle Verfügbarkeit jeder Musik das Urteilsvermögen der jungen Generation zerstört haben.

Daß ich vor 40 Jahren ein großen Aufwand für eine neue Schallplatte trieb und mich tagelang intensiv nach dem Kauf damit beschäftigte, korrespondierte mit den Ebenen der Plattenfirmen und der Künstler. Schallplatten waren ihre Haupteinnahmequelle und dementsprechend viel Mühe steckten auch die Musiker in ein neues Album. Sie wußten, es würde von jedem Käufer auf Herz und Nieren geprüft. Heute kommt das Geld durch Konzerte und Merchandising rein. Ein Popmusiker ist nicht mehr auf die Verkaufszahlen seiner CDs angewiesen. 12 ausgefeilte Songs aufwändig zu produzieren, ist pure Verschwendung. Ein radiotauglicher Track reicht. Der Rest wird lieblos zusammengesampelt, um das Album zu füllen. Die Konsumenten downloaden ohnehin nur das eine Lied. Da alle vernetzt sind, mögen ohnehin alle dasselbe. Social Media nivelliert die Jugend nicht nur optisch, sondern auch in jeder anderen geschmacklichen Hinsicht. (…….)

(Die Alten von heute, 07.04.2023)

Weil die enorme Arbeit, die Musiker in ein Album stecken, ohnehin nicht mehr gewürdigt werden, sind Vinyl-Platten und CDs kaum noch ein wirtschaftlicher Faktor. GenZ versteht nicht, wieso man 20 Euro oder mehr für ein haptisches Ding ausgeben soll, wenn die darauf gepressten Töne ohnehin quasi kostenlos zur Verfügung stehen.

Daher beschwert sich GenZ auch laut lamentierend über Paywalls für ausgezeichneten Journalismus. Ihre ausgeprägte Gratis-Mentalität ist nichts anderes, als eine widerliche Missachtung der Leistung, des Könnens, der Mühe, der Arbeit Dritter.

Presseartikel haben aber eben nicht die gleiche Qualität, wenn sie ein Praktikant durch KI und Wikipedia zusammenbastelt – verglichen mit einem investigativen Journalisten, der recherchiert und alles nach dem Zwei-Quellen-Prinzip überprüft.

So wandert guter Journalismus heute in die Nische und wird immer teurer. Oder stirbt aus. Ein Alptraumszenario, denn so steht es Algorithmen und KI frei, das Volk nach Belieben zu manipulieren.

Musiker, die nicht verhungern wollen, suchen sich andere Einnahmequellen. Merchandising und Mega-Tourneen, wenn man schon berühmt ist. Anderenfalls Patreon und OnlyFans.

Man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Aber es nimmt gelegentlich erbärmliche Formen an, wenn alte und wirklich nicht gesunde Künstler aus purer Geldnot zu Tourneen und Auftritten gezwungen werden, weil über die Tonträger kein Cent mehr reinkommt.

Aber auch die ganz großen Stars stoßen an Grenzen in einem System, das ohne Plattenverkäufe läuft und somit eine permanente Geringschätzung der Hörer für ihre Stars darstellt. Konzerttickets werden derartig teuer, daß selbst die ganz Großen sie nicht mehr alle loswerden.

[…] Sein erster Tourstopp in Europa ist nicht ausverkauft. Ist Harry Styles schon in seiner »Flop-Era«? […] Was, wenn niemand kommt?

Keine Sorge, Harry: Natürlich kam jemand! Und doch wurde vor dem Auftakt seiner »Together Together«-Tour in Amsterdam getuschelt. In nahezu jeder Kategorie gab es am Tag des Konzerts noch Tickets zu kaufen. Auf TikTok berichteten  Fans , sie hätten aus »Produktionsgründen« bessere Plätze zugewiesen bekommen. Andere klagten, sie würden ihre Karten nicht mehr  loswerden  – und wenn, dann deutlich unter dem Originalpreis.  [….]

(SPIEGEL, 18.05.2026)

Megastar Styles wird es verkraften. Seine Tour findet statt, in Amsterdam gibt er gleich zehn Shows.

Andere müssen klammheimlich ihre gesamten Tourpläne begraben.

[…] Live-Konzerte in den USA kosten Fans oftmals ein kleines Vermögen. Immer häufiger sagen Künstler ihre Auftritte ab. Möglicherweise liegt das an schlechten Verkaufszahlen. […] In den USA gibt es schon einen neuen Begriff für das Phänomen: Das "blue dot fever" - das Blaue-Punkte-Fieber - gehe um. Das Phänomen ist benannt nach den blauen Punkten, mit denen Ticketplattformen freie Sitze markieren. Die These: Mehr Konzerte würden abgesagt, weil nicht genug Tickets verkauft worden seien. Nur wenige Acts räumen das freimütig ein, so wie die Pussycat Dolls. Sie gaben für die kürzlich abgesagten US-Konzerte ihrer Revival-Tour halbwegs deutlich zu: Man habe sich den US-Teil der Tour ehrlich angesehen und alle bis auf ein Konzert gestrichen. Die Konzerte in Europa hingegen finden statt.

Musiker wie Meghan Trainor, Post Malone oder Zayn Malik nannten dagegen andere Gründe für kurzfristige Absagen. Fans und Experten spekulieren trotzdem, ob Ticketverkäufe eine Rolle gespielt haben. […] Die Theorie von Musikjournalist Chris Willman: Topstars wie Billie Eilish oder Taylor Swift könnten zwar fast jeden Preis verlangen, aber wer nicht in der absoluten Top-Liga spiele, verkalkuliere sich schneller mal - mit der Höhe der Ticketpreise, der Größe der Halle oder der Zahl der interessierten Fans, sagte er bei Entertainment Tonight.

Die Konzertpreise in den USA sind hoch: Im Schnitt zahlt man mittlerweile für erfolgreiche Künstler nach Pollstar-Daten mehr als 130 US Dollar pro Ticket, für Superstars sind ein paar Hundert Dollar keine Seltenheit - und bei begehrten Tickets bestimmt immer öfter die Nachfrage den Preis, das sogenannte dynamic pricing. […]

 (Tagesschau, 25.05.2026)