Zum Glück lebe ich nicht in Baden Württemberg!
Da fiele es mir gar nicht so leicht am nächsten Sonntag zu wählen.
Meine grundsätzliche linksgrünversiffte Ausrichtung zieht eine RRG-Koalition immer einer grünschwarzen oder schwarzgrünen Koalition vor.
Und da ich seit 1990 ein SPD-Parteibuch habe, wähle ich im Zweifelsfall immer lieber rot als grün.
Die Parteien können sich in verschiedenen Landesverbänden sehr unterschiedlich präsentieren. Grüne sind mir vielfach sympathisch, außer in drei Ländern: Saarland, Hamburg und BW. Lange Zeit hielt ich die Grünen in Hamburg für die Schlimmsten. Aber ich denke, die rechtspopulistischen Schwurbel-Eso-Grünen in Stuttgart sind sogar noch schlimmer. Ungeheuerlicherweise entschied sich der Landesverband nach den Wahlen vom 14.02.2021 für die Fortführung der CDU-Koalition, obwohl es ein rechnerische Alternative links von braun und schwarz gibt. Der erzkonservative Hardcore-Katholik und ZdK-Aktivist Kretschmann wollte lieber mit der CDU, als mit der SPD regieren. Für jede anti-migrantische Schweinerei (Abschieben in angeblich „sichere Herkunftsländer“), Anschaffung von Thiels Nazi-Software Palantir, Votum gegen den Prüfauftrag für ein AfD-Verbot, hoben die Olivgrünen Schwurbelschwaben ihr Hände. Spitzenkandidat Cem Özdemir wandert sogar noch weiter nach rechts außen, umgarnt den Sexisten Manuel Hagel und überlegt, den rechtspopulistischen Rassisten Boris Palmer zum Landesminister zu machen.
Die BW-Grünen könnte ich de facto nicht wählen. Die SPD ist die richtige Partei für die Landtagswahlstimme in Stuttgart am 08.03.2026.
Sinnvollerweise wählt man aber nicht nur nach Parteiprogramm, sondern auch taktisch – in Abhängigkeit vom zuletzt prognostizierten Sitzverteilungsbild.
Das ist eine unangenehme Ausgangslage für SPD-Linksgrünversiffte, da eine RRG-Mehrheit beim besten Willen nicht in Reichweite ist. Die SPD wird blamabel zwischen sieben und zehn Prozent gemessen. Das ist leicht erklärbar, weil die Machtoption fehlt. SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch, 55, 2013-2016 Kultusminister des Landes Baden-Württemberg, kann nicht Ministerpräsident werden. Seine Partei wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der nächsten Landesregierung angehören. Zudem brockte er sich in den letzten Tagen die ultrapeinliche Entenpastete-Mini-Affäre ein. Politisch und inhaltlich würde ich für die SPD stimmen, aber wahltaktisch betrachtet, ist es eine verlorenen Stimme.
Wichtiger wäre es, die etwas schwächere Linke zu wählen, die zwischen fünf und sieben Prozent krebst und damit nicht sicher die 5%-Hürde schafft. Man könnte also dabei helfen, eine laute soziale Oppositionsstimme im Landtag zu sichern. Minister stellen wird die Linke aber nicht. Um die Regierungsmehrheit mitzugestalten, ist auch eine Stimme für die Linke verloren.
Ganz anders sieht es bei den Grünen aus, weil sich überraschend ein Kopf-an-Kopf-Rennen herausbildet.
[…] Umfragen zeigen, dass der Vorsprung der Christdemokraten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz schwindet. Beide Landtagswahlen dürften zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen werden. […] auf dem CDU-Bundesparteitag in Stuttgart, gab sich der Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März, Manuel Hagel, ebenfalls sehr siegesgewiss: „Wir müssen diese Wahlen nicht nur gewinnen, wir werden diese Wahlen auch gewinnen.“ Nun, eine Woche später, schlägt die demonstrative Zuversicht in Nervosität um. Denn der komfortable Vorsprung, den die CDU in Umfragen in den beiden Bundesländern hatte, schmilzt rasant dahin. Dabei machen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz den Auftakt in einem Jahr, in dem auch noch die Landesparlamente in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt werden. Friedrich Merz kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass die Ergebnisse in Stuttgart und Mainz seine Stellung als Parteichef und Kanzler stärken werden.
In Baden-Württemberg haben die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir zu einer rasanten Aufholjagd angesetzt. Noch im Oktober 2025 lag die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel in einer Umfrage des Instituts Insa stolze 14 Prozentpunkte vor den Grünen. Inzwischen sind sie der CDU so nahe gekommen, dass man auf der Zielgeraden des Wahlkampfs erstmals ernsthaft von einem völlig offenen Wahlausgang sprechen kann. […] Dazu kommt: Laut Politbarometer wünschen sich 47 Prozent der Baden-Württemberger Cem Özdemir als Nachfolger seines Parteifreunds Winfried Kretschmann. Der Grünen-Politiker regiert das Land seit 2011, seit 2016 mit der CDU als Juniorpartner. Der 77-Jährige tritt nun aber altersbedingt nicht mehr an. Nur 25 Prozent favorisieren dagegen Manuel Hagel als den nächsten Ministerpräsidenten. Der Christdemokrat hat nicht nur mit seiner mangelnden Bekanntheit zu kämpfen, in dieser Woche holte ihn auch ein altes Fernsehinterview ein. […]
Im Gegensatz zur Linken und Sozis, verfügen die Grünen also nicht nur über eine Machtoption, sondern es kommt auch um jede Stimme an. Wer im Foto-Finish vorn liegt, wird Regierungschef. Das generiert viele Leihstimmen von Linken und Sozis, die möglicherweise die Grünen gar nicht mögen, aber selbstverständlich lieber Cem Özedemir in dem reichen Bundesland als Ministerpräsidenten sehen, wenn die Alternative ein pädo-sexistischer Rechtsaußen von der CDU ist.
[…] Seit Tagen schon geht das acht Jahre alte Video von Manuel Hagel viral. 59 Sekunden, in denen der aktuelle CDU-Spitzenkandidat vielsagend grinsend erzählt, wie er als Politiker mal einen Termin in einer Realschulklasse hatte und dort zu 80 Prozent Mädchen saßen: »Da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen«, schiebt er hinterher . »Ich werd’s nie vergessen, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen …« Höhö, macht Hagel, höhö, macht der Moderator, und steigt mit ein: »Die wird jetzt rot zu Hause, wenn die das sieht.« Es wirkt, als fänden erwachsene Männer minderjährige Teenagerinnen eben ganz geil.
Und ja, an der Stelle darf gern zur Kotztüte gegriffen werden. Eva wird zu dem Zeitpunkt maximal 16 Jahre alt gewesen sein, eher jünger. Manuel Hagel hingegen war 29. Unangebracht? Eklig? I wo! Hagel fühlte sich mit seinen Witzchen offenbar so sicher, dass er sie nicht etwa fernab der Öffentlichkeit mit anderen Kumpels in einer stinkenden Umkleidekabine austauschte – sondern in einem Interview. Vor Publikum, mit einer Kamera in seinem Gesicht.
Nun war das alles schon 2018. Das macht es nicht besser, zeigt aber erfreulicherweise auch, dass solche onkeligen Sprüche heute nicht mehr toleriert werden. Und immerhin hat sich Hagel auch bereits dafür entschuldigt, den Witz für »Mist« erklärt, wofür ihm damals schon – und jetzt kommt’s – seine »Frau direkt den Kopf gewaschen hat«.
Womit wir unsere Handflächen zum zweiten Mal kollektiv an die Stirn klatschen können.
Ernsthaft jetzt? Was für eine Non-Pology. Könnten erwachsene, gestandene Männer – die sich übrigens anmaßen, ein ganzes Bundesland führen zu wollen – bitte damit aufhören, sich bei sexistischen Totalausfällen hinter den Rockzipfeln der Frauen in ihrem Leben zu verstecken?! Nach dem Motto: Ich war ein Flegel, schon klar, aber Boys will be Boys, und außerdem hat mich meine Frau doch schon zurechtgewiesen, und wenn die weiterhin mit mir verheiratet ist, kann ich so schlimm doch gar nicht sein.
Hallo?! Wir Frauen sind doch kein feministischen Alibi für jeden Hans-Dieter, der sein Mundwerk nicht im Griff hat! Das ist ja die gleiche Logik wie wenn der Sprecher des Bundeskanzlers sagt: Merz habe kein Problem mit Frauen – er hat schließlich selbst eine.
Ach sooo, na dann!
Warum kam Hagel nicht etwa SELBST drauf, dass der Spruch total daneben war? Warum kam er nicht SELBST drauf, dass das kein nett gemeintes Kompliment war, sondern er damit junge Teenage-Mädchen – streng genommen also Kinder – sexualisiert hat und wie tief die Selbstverständlichkeit solcher ekligen Sprüche offenbar auch in seinem Kopf verwurzelt war? Warum war er es nicht SELBST, der ganz ohne seine Ehefrau recherchiert, gelesen und verstanden hat, dass Gewalt gegen Mädchen und Frauen nicht mit Schlägen, sondern mit schmierigen Schenkelklopfern beginnt? […]
(Alexandra Zykunov, 27.02.2026)
Bin ich ein Cem Özedemir-Fan? - Nein! Würde ich mir Cem Özdemir als Ministerpräsident aussuchen? – Nein?
Ist Cem Özdemir das kleinere Übel aller realistischen Machtoptionen? Ja!
Möchte ich lieber Özdemir als Hagel? - Verdammt noch mal ja!
Ich halte es sogar für überlebenswichtig, daß die Merz/Spahn/Reiche-Lügen-Union nach ihrem katastrophalen Teuer-Heizen-Totalangriff auf Klimaschutz und Wissenschaft einen Dämpfer erhält und nicht die Ablösung des ersten und einzigen grünen MP als Bestätigung der Killer-Politik im Konrad-Adenauer-Haus verbucht wird. Hagel darf nicht gewinnen!
Leider ist die die Stimmung sehr rechts. Leider ist BW ein rechtes Land. Leider sind die Journalisten überwiegend rechts. Leider treibt Social Media die Wähler nach rechts. Einziger Lichtblick: Die CDU ist ziemlich blöd. Auch die Bundes-CDU schreckt Wähler ab.
[…] In Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz liegt die Union auf einmal nur noch jeweils einen Prozentpunkt vor den Konkurrenten. Angesichts dieses Negativtrends scheinen plötzlich Niederlagen in beiden Ländern möglich zu sein. Dabei hatte die CDU Erfolge bereits eingepreist.
Man werde die Wahlen gewinnen, hatte Friedrich Merz den beiden Spitzenkandidaten beim Bundesparteitag vom Rednerpult aus zugerufen. Denn die CDU sei „ein Fels in der Brandung, eine Partei der Verlässlichkeit und eine Partei der Führungskraft“. Das ist erst eine Woche her. Doch jetzt hat sich die Lage für die Union dramatisch verändert. […] In Baden-Württemberg lag die CDU zeitweise mehr als zehn Prozentpunkte vor den Grünen. In Rheinland-Pfalz waren es in der Spitze immerhin sechs Punkte Vorsprung vor der dort regierenden SPD. So einen Vorsprung kann man nicht verspielen, sollte man meinen. Doch die Union hat es getan. Ausgerechnet die Machtmaschine CDU hat Wahlkampf verlernt. […] Manuel Hagel ist der fünfte Spitzenkandidat bei fünf Landtagswahlen; bei den vergangenen vier waren Günther Oettinger, Stefan Mappus, Guido Wolf und Susanne Eisenmann angetreten. Es dürfte selbst in der CDU kaum jemanden geben, der die fünf Namen aus dem Stegreif richtig aufsagen kann. […] In Rheinland-Pfalz sieht es kaum besser aus. Dort ist Gordon Schnieder bereits der vierte Spitzenkandidat bei fünf Landtagswahlen. […] Merz hat auf dem Parteitag auch gesagt, man lasse sich „nicht von den Mäklern und Defätisten in diesem Land herunterziehen“. In den beiden Bundesländern hat sich die CDU aber selbst heruntergezogen. Das zeigt sich am Beispiel Manuel Hagel besonders gut. Statt sich zu profilieren, hat er auf einen aalglatten Wahlkampf gesetzt. Nur nirgends anecken. […]






















