Dienstag, 13. Oktober 2026

Schwarze Kassen

Es ist so unfassbar dreist, wie Fritze Merz und seine CDU ungeniert alle ihre heiligen Versprechen bezüglich der „Brandmauer“ einkassieren!

Im Straßburger Parlament kooperieren sie ganz offen mit den Nazis.

Die CDU-Landtagsfraktion von Sachsen-Anhalt ist so Nazi-affin, daß man ihre Mitglieder nur davon abhalten kann, ihre Arme bei der Ministerpräsidentenwahl von AfD-SSiegmund zu erigieren, indem sie den Landtag ganz verlassen.

[…] Der Plan der CDU ist keine kluge Finte, um politische Gegner auszumanövrieren. Er ist vielmehr ein Beleg dafür, wie existenziell die Not der Christdemokraten ist - dafür, wie groß das Misstrauen in den eigenen Reihen ist: Blieben sie im Raum, könnten ja einige von ihnen in geheimer Wahl für Siegmund stimmen.

Worum geht es? Darum, dass Abgeordnete der stolzen CDU bitte niemanden aus einer rechtsextremen Partei zum Regierungschef wählen. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wer einen Kniff braucht, um dies zu garantieren, steht längst am Abgrund. Der Fluchtplan ist dann allenfalls noch das Sicherstellen, dass niemand einen Schritt weitergeht. [….]

(Tim Frehler, 13.10.2026)

Der Chef dieser CDU verlangt nun allen Ernstes von den Grünen und der SPD, sofort die Sondierungen mit der Linken in Berlin abzubrechen. Dafür benutzt er die größte moralische Keule; den Antisemitismus.

Man kennt das von der CDU, wenn sie ihre eigene Kriminalität vertuschen will. Die Hessen-CDU verbreitete über Jahre die Lüge von den „jüdischen Vermächtnissen“, um die Herkunft ihrer zig Millionen DM Schwarzgeld zu verschleiern. Roland Koch, der CDU-MP im Zentrum der Affäre, wurde damals von der Titanic zum „Hessen-Hitler“ umetikettiert und fungiert heute bezeichnenderweise als engster Berater von Friedrich Merz. Der zweite C-Vorsitzende Markus Söder regiert unterdessen ungerührt mit dem antisemitischen Hobby-Hitler-Imitator Hubsi Aiwanger. Die persönlich multimillionenschweren Rechtsaußen-Männer als Verteidiger der Immobilienlobby gegen die Berliner Mieter.

Das kann nur bedeuten, statt einer linken migrantischen Frau, wieder einen weißen CDU-Mann zum Bürgermeister zu machen. Einen Mann von der, nicht nur insgesamt deutlich antisemitischeren CDU als der Linken, sondern einen Mann, der sich noch vor wenigen Wochen im Wahlkampf selbst schwere antisemitische Ausfälle leistete.

[….] Einig sollte man sich aber dabei sein, wie geradezu unverschämt es ist, dass sich ausgerechnet die CDU und ihr Landesverband Berlin als wichtigster Partner im Kampf gegen Judenfeindlichkeit zu profilieren versuchen. Was allein im vergangenen Jahr in der Partei passiert ist, legt das Gegenteil von Verlässlichkeit nahe.

Am beschämendsten sind die Vorgänge rund um die sogenannte Fördermittelaffäre, in deren Zuge nun gegen die ehemalige Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson wegen des Verdachts der schweren Untreue ermittelt wird. Der parteilosen Politikerin droht eine langjährige Freiheitsstrafe. Sie hatte zu verantworten, dass von rund 2,5 Millionen Euro, die für den Kampf gegen Antisemitismus bestimmt waren, ein Teil an grob unqualifizierte Institutionen ging. In einem Fall profitierte eine CDU-Lokalpolitikerin , die den jüdischen Investor George Soros als »Parasit« antisemitisch geschmäht hatte.

Der Berliner Landesrechnungshof befand, dass die Gelder »evident rechtswidrig« vergeben worden waren. Wedl-Wilson trat zurück, zuvor entließ sie noch einen CDU-Staatssekretär , der beharrlich auf die Rechtswidrigkeit des Vergabeverfahrens hingewiesen hatte. Ein einflussreicher Berliner Politiker der Union hatte in internen Chats Mitarbeiter der Kulturverwaltung, die auf korrekte Prüfverfahren gepocht hatten, als »linke Antisemiten« bezeichnet.

Wer zu Recht auf der Aufarbeitung antisemitischer Ausfälle in der Linkspartei pocht, müsste mit den Vorfällen in den eigenen Reihen eigentlich auf Monate hinaus beschäftigt sein. Doch die CDU weigert sich, ihren eigenen Skandal auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Als Grünenchef Felix Banaszak vor Kurzem bei »Maischberger« die Fördermittelaffäre ansprach, wies ihn die Familienministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende Karin Prien zurecht, er möge doch bitte beim Thema Antisemitismus bleiben. [….]So leistete sich Finanzsenator Stefan Evers (CDU) im Wahlkampf eine unerträgliche Entgleisung. Evers, [….] sagte, er werde sich gegen »jede Menschenfeindlichkeit« einsetzen – »sei es Vermieterfeindlichkeit oder Judenfeindlichkeit«.

Die Krise auf dem Berliner Wohnungsmarkt als Ressentiments gegen Vermieter zu verdrehen und diese gleichzeitig mit der tödlichen Ideologie des Antisemitismus gleichzusetzen – dafür hätte Evers eigentlich von der Parteispitze gemaßregelt werden müssen. Aber es ist nicht passiert, und das ist bezeichnend für die CDU.

Schon 2025, als sie ihr berühmtestes jüdisches Mitglied Michel Friedman vergraulte, indem sie im Bundestag mit Stimmen der AfD ihren Fünfpunkteplan zur Migrationspolitik durchbrachte, kannte die Partei kein Innehalten. In diesen Tagen macht sich nun mit aller Deutlichkeit bemerkbar, dass ihr die intellektuell redliche und politisch kohärente Auseinandersetzung mit Antisemitismus, mit dessen Ursprüngen und Ausprägungen fehlt.

Das zeigt sich im Kleinen – etwa in der Abstimmung im sächsischen Heidenau, wo die CDU gemeinsam mit der AfD ein Verbot von Stolpersteinen zum Gedenken an Naziopfer durchgesetzt hat. Es zeigt sich aber auch im Großen – etwa wenn Bundeskanzler Friedrich Merz von Antisemitismus als »perfidester Form der Ausländerfeindlichkeit« spricht und damit Jüdinnen und Juden geschlossen zu Ausländern erklärt. Dass man jüdisch und deutsch zugleich sein kann, scheint für Merz nicht klar zu sein. Und in welche Tradition er sich mit diesem Denken einreiht, auch nicht. [….]

(Hannah Pilarczyk, 28.09.2026)

  

(….)  Die Priensche CDU ist es, die im Bundestag am Gedenktag zur Auschwitz-Befreiung mit den Nazis zusammen stimmt.

Die Priensche CDU ist es, die den gesichert rechtsradikalen Faschisten in Sachsen-Anhalt die Regierungsverantwortung schenkt.

Die Priensche CDU ist es, die in Berlin 20 Millionen Euro zur Antisemitismusbekämpfung zweckentfremdete und an ihre eigenen Parteifreunde verschob.

Die Priensche CDU und Prien selbst ist es, die massiv Demokratieförderungsprojekte zur Bekämpfung des Antisemitismus streicht.

Die Priensche CDU ist es, die zusammen mit den Nazis das Gedenken an die jüdischen NS-Opfer sabotiert. (….)

(Whataboutism für Prien, Thadeusz und Schuster, 25.09.2026)

taz 13.10.2026
 

Stefan Evers, der Mann, den Grüne und SPD nach Merzens Willen zum CDU-Bürgermeister Berlins machen sollen, installierte als erste Maßnahme nach der Übernahme seiner Spitzenkandidatur demonstrativ Lukas Krieger als CDU-Generalsekretär.

[….] Im Jahr 2016 tauchte ein Video auf, das Krieger als Funktionär der Schüler-Union bei einem Ausflug im lettischen Riga 2005 mit Parteikollegen zeigt. In dem Video wird ein Hakenkreuz-Abzeichen gezeigt, anschließend blickt Krieger in die Kamera und sagt: »Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen, dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind, dass Deutschland deutsch bleibt und wir gegen den jüdischen Bolschewismus durchaus vorgehen.« [….] [….]

(Marten Brehmer 15.07.2026)

Evers, der Mann mit dem offensichtlichen Antisemitismusproblem amtiert übrigens derzeit als Berliner Finanzsenator und zeigt auch auf dem Gebiet Parallelen zu Merz und Koch. CDU-Männer können nicht mit Geld umgehen und produzieren gewaltige Schuldenberge.

[….] Evers (CDU) zufolge sind im nächsten Haushalt rund 4 Milliarden einzusparen. Nur eine Milliarde davon soll über Kredite zu decken sein. [….] Schon vor zwei Wochen hatte der Senat über die Finanzmisere des Landes sprechen wollen, doch die SPD mochte erst an diesem Dienstag darüber reden – vorige Woche tagte der Senat gar nicht. In der Zwischenzeit sickerte ein Papier durch, in dem Evers ein grausig anmutendes Szenario beschreibt. Das Land muss demnach, trotz der 3-Milliarden-Einsparung im aktuellen Budget, im Haushalt 2028 und 2029 jeweils weitere vier Milliarden höherer Ausgaben ausgleichen.  Am Dienstag bekräftigt Evers dabei seine Einschätzung, dass aufgrund bundesrechtlicher Vorgaben nur ein kleiner Teil davon über neue Schulden ausgeglichen werden kann, anders als in den vergangenen Haushaltsverhandlungen. Eine Milliarde Euro Kreditaufnahme hält er den Journalisten gegenüber für möglich, egal ob es sich um Transaktionskredite oder sonst wie etikettierte Kredite handelt. Evers drängte auf grundsätzliche, strukturelle Veränderungen im Haushalt. Wie die genau aussehen, müsse letztlich das Abgeordnetenhaus entscheiden. Seine generelle Einschätzung aber lautet: „Nichts wird ausgenommen bleiben können.“ [….] Nicht nur in der Linkspartei hielt und hält man dieses Szenario auch zumindest teilweise für politisch motiviert – und geeignet, die Linkspartei als Siegerin der Abgeordnetenhauswahl vom Regieren abzuschrecken und Evers selbst mit einer schwarz-grün-roten Koalition den Weg an die Spitze zu ermöglichen. [….]

(Stefan Alberti, 13.10.2026)

Die CDU-affine Grünen-Chefin Brantner möchte offenkundig wirklich diesen CDU-Evers zum Bürgermeister machen und zieht den antisemitisch Auffälligen, Elif Eralp vor. Schande über die Grünen. In der SPD scheint nach dem unanständigen und perfiden Bas-Bashing der CDU allerdings die Jamaika-Neigung deutlich schwächer als bei den Grünen zu sein.

Montag, 12. Oktober 2026

Christencharakterliche Abgründe

Bärbel Bas tritt als Ministerin und SPD-Parteichefin zurück.

Co-Parteichef und Vizekanzler Klingbeil stellt ebenfalls sein Parteiamt zur Disposition. Ende dieses Jahres soll der SPD-Vorstand neu gewählt werden.

Alexander Schweitzer, der regierungserfahrene ehemalige Arbeitsminister und Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, übernimmt Bas‘ Regierungsamt.

Das sind die relevanten politischen Fakten des Tages:

[….]  heute wende ich mich mit einer sehr persönlichen Nachricht an Euch.

Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen.

Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden. Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben.

Deshalb habe ich meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass ich mein Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege. Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen. […] [….]

(Bärbel Bas, 12.10.2026)

[…] Ein Tag wie heute erinnert uns daran: Hinter jedem Amt steht ein Mensch. Bärbel hat ihre Entscheidung in einer persönlichen Nachricht begründet. Die Angriffe, die Bärbel in den letzten Wochen gegen sich ertragen musste, waren unanständig. Solche Angriffe beschädigen die politische Kultur unseres Landes. Ich kann die politische Mitte in unserem Land nur dazu aufrufen, trotz allem gerechtfertigten Streit in der Sache immer eine Kultur des Respekts zu wahren. [….]

(Lars Klingbeil, 12.10.2026)

Aber in Wahrheit wird dieser Rücktritt wieder einmal von der Merz-Charakterfrage dominiert. Er ist zweifelsfrei politisch unfähig, erkenntnisresistent, misogyn, aber eben auch charakterlich zutiefst verdorben. Der Mann hat keinen Anstand und weiß sich nicht zu benehmen.

Obwohl innerhalb der Regierungsbubble seit drei Wochen die dramatischen Vorgänge in der Bas-Familie bekannt sind, hielt es der Kanzler offenbar nie für nötig, sich genauer zu erkundigen, geschweige denn Rücksicht zu nehmen und wurde von dem Rücktritt vollkommen überrascht. Merz also wieder einmal erst ahnungslos („Merz kalt erwischt“) und dann maximal pampig.

Die Merzsche Gefühlskälte, seine Empathielosigkeit, werden zunehmend zum dominierenden Problem dieser Koalition. Er kann es nicht, er kann sich nicht in andere Menschen hineinversetzen und wird nahezu trumpisch von seiner Weinerlichkeit getrieben. Immer geht es nur darum, wie ER sich fühlt.

[….] Ein großes Problem bei Friedrich Merz ist, er sieht sich immer auf der moralisch richtigen Seite und er kann niemals zugeben, dass er etwas falsch gemacht hat. Dieses „christlich“ ist natürlich das Hypermoralischste, also „wir haben uns christlich gegenüber ihr verhalten“  [….] Es interessiert ihn überhaupt gar nicht, ob er die Wahrheit sagt, oder nicht. Er muss nur klar machen, dass er auf der richtigen Seite steht, dass er Recht hat und dass es unmöglich ist, dass das was Bärbel Bas empfindet und sagt, irgendwie richtig sein könnte. Die Perspektive gibt es bei ihm gar nicht. Das machen übrigens Männer sehr gerne, dass sie Frauen sagen, das was sie fühlen, ist falsch. […] Wenn er einmal gesagt hätte, es geht nicht um ihn, es geht um Bärbel Bas, die jemanden verloren hat und trauert – sie hat übrigens auch shcon ihren Mann vor ein paar Jahren verloren – [….] da einfach zu sagen, es tut mir Leid, wenn sie dieses Gefühl hat, es tut mir Leid, falls jemand etwas zu ihr gesagt hat; einfach nur das. Es geht nicht um ihn selbst. Aber das kann er einfach nicht. […]

(Gilda Sahebi, 12.10.2026)

Die Charakterlosigkeit des Kanzler gefährdet seine Regierung inzwischen massiv.

[…] Zudem könnte die Stimmung in der Koalition gerade besser sein, denn das Vertrauen zwischen der SPD und ihrem Koalitionspartner CDU ist in den vergangenen Tagen gesunken. Zu oft hatte die SPD-Spitze den Kanzler gebeten, Anfeindungen und Kritik von CDU-Abgeordneten über die Medien zu unterlassen. Doch der Kanzler konnte das offenbar nicht ausreichend stoppen. Das hat Spuren hinterlassen - und mit dem Rücktritt heute von Bärbel Bas eine neue Dimension. [….]

(Tagesschau, 12.10.2026)

Als klassischer Radfahrer; nach oben (Trump) buckeln, nach unten (Frauen) treten, wird die Briloner Brezel maximal getriggert, wenn Frauen es wagen, IHM, dem großen Mann, zu widersprechen.

[….] Das ist sein Problem. Merz hält sich das rote Tuch vor den Bauch und nimmt jeden Konflikt persönlich. [….] Ende 2022 fühlt sich Merz offenbar von Serap Güler missachtet. Die Kölner CDU-Frau gehört zu einer Gruppe von 20 Abgeordneten, die von der Parteilinie abweichen und beim Chancenaufenthaltsgesetz der Ampelregierung nicht mit Nein stimmen, sondern sich der Stimme enthalten.

Merz ist empört. Als er ihr in jenen Tagen im Bundestag begegnet, stürmt er wutentbrannt durch eine Menge von Abgeordneten auf Güler zu. Mit seinen 1,98 Metern baut er sich ganz dicht vor der zierlichen Frau auf und brüllt sie minutenlang von oben herab an. »Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?«, schreit er.

Güler kämpft mit den Tränen. Eine prominente CDU-Abgeordnete empfindet den Wutausbruch von Merz als so fürchterlich und bedrohlich, dass sie überlegt, dazwischenzugehen. Doch da hat der Fraktionschef schon von seinem Opfer abgelassen. Der Vorfall, der sich wie ein Lauffeuer im Parlament verbreitet, wird das Merz-Bild auch bei den anderen Parteien fortan prägen, vor allem bei den Frauen.

Der Fraktionschef reagiert so heftig auf Güler, weil er sich in seiner Autorität nicht respektiert fühlt. [….] Er redet in jenen Tagen viel mit Parteifreunden, und dann bricht es aus ihm heraus. Seine Verletzungen, sein Frust, seine Wut. [….]

(Konstantin von Hammerstein, 04.05.2026)

Serap Güler schwenkte heute auf AfD-Kurs um und da sie die Merz’sche Wutattacke von 2022 klein und weinend über sich ergehen ließ, verzieh ihr Merz.

Wenn Frauen aber, wie Bas und Schwesig, nicht devot vor Merz kuschen, verliert das Briloner Riesen-Rumpelstilzchen völlig die Contenance.

(….) Es ist nun einmal, sein Kern-Charakteristikum, eine miese Lage durch seine unbedachten, nur um sich selbst kreisenden Gefühle, noch viel mieser zu machen.

[….] Der Empfang ist herzlich, als Manuela Schwesig an einem Donnerstag Ende September zu einem Treffen mit den Ministerpräsidenten ins Kanzleramt kommt. Vier Tage sind seit dem Wahlerfolg der SPD-Frau in Mecklenburg-Vorpommern vergangen, jetzt wollen ihre Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern gratulieren – auch die von der CDU. Daniel Günther aus Schleswig-Holstein nimmt Schwesig in den Arm.

Er müsse sie mal sprechen, sagt der Kanzler, wie sich Teilnehmer erinnern. Doch anders als die Ministerpräsidenten will Merz nicht gratulieren. Er will abrechnen. Sie habe zwar »Die Frau gegen Blau« auf ihre Plakate geschrieben, aber nicht gegen die AfD Wahlkampf gemacht, sondern gegen ihn, den Kanzler, wettert Merz den Angaben zufolge. »Sie haben die demokratische Mitte zerstört«, wird er zitiert.

Schwesig lässt das nicht auf sich sitzen. Sie finde es »unverschämt«, wie er sie angehe, soll sie Merz entgegengehalten haben. Wenn der Kanzler Gesprächsbedarf habe, könne er gern einen Termin mit ihr ausmachen.

Regierungssprecher Stefan Kornelius will die Darstellung nicht kommentieren. Schwesig hingegen sagt dem SPIEGEL: »Das ist kein sachlicher Umgang miteinander. Das lasse ich mir nicht bieten, weder als Ministerpräsidentin noch als Frau.«

In der Situation tut sie etwas, worüber sich Merz noch Tage später echauffiert haben soll. Sie dreht sich um – und lässt den Kanzler einfach stehen.  [….]

(SPON, 08.10.2026)

Merz ist zu emotional für die Politik; er kann es einfach nicht. (…)

(Fehler erkannt, Gefahr nicht gebannt)

Es ist ein misogynes Muster bei Merz. Wie er 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte, wie er Güler anbrüllte, eine Krebskranke anblaffte, eine Kinderärztin bepöbelte, Schwesig anherrschte, auf der trauernden Bas rumhackte, zeigt seine Unanständigkeit. Der Peinlichkanzler verlängert seinen Urlaub von drei auf vier Wochen, ist selbst thematisch nicht im Stoff, meidet selbst die harten Verhandlungsrunden, schreit aber andere an.

Seit knapp zwei Wochen ist Bas‘ familiäre Situation auch öffentlich bekannt, aber Merz drischt auf sie ein.

[…] Später am Tag ist im Kanzleramt ein Treffen zum Thema Rente angesetzt. […] An Klingbeils Stelle fährt sein Vertrauter Böhning ins Kanzleramt. Die fachlich zuständige Arbeitsministerin Bärbel Bas (ebenfalls SPD) ist aus familiären Gründen verhindert und lässt sich von zwei Staatssekretären vertreten. So kommt es, dass Gesundheitsminister Linnemann, Kanzleramtschefin Nina Warken (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf der SPD-Seite nur Staatssekretäre gegenübersitzen.  Der Kanzler, so berichten es mehrere Koalitionäre, ist von der Zusammensetzung der Runde alles andere als begeistert. Er will, dass die für die Zukunft der Koalition entscheidenden Reformen auf höchster Ebene verhandelt werden. […] Statt um die Rente geht es nur noch um die Pflegereform. Die Union will eine Entscheidung. Die SPD-Vertreter sind von der Dringlichkeit irritiert. Man könne die Sache doch auch in den kommenden Tagen besprechen, finden sie. Bei ihnen entsteht der Eindruck, Merz wolle mit dem Kopf durch die Wand.

Der Kanzler selbst ist bei der Runde nicht dabei. Abends nimmt er an einem Dinner zu Ehren des scheidenden Airbus-Aufsichtsratschefs René Obermann teil. Als Merz danach ins Kanzleramt kommt, läuft er den Unions-Unterhändlern über den Weg, die sich gerade zu einer Verhandlungspause zurückziehen wollen. Nachdem sie mit Merz gesprochen haben, heißt es aus Teilnehmerkreisen, sei eine Einigung wieder in weiter Ferne gewesen. Der Kanzler habe auf einem harten Kurs gegenüber der SPD bestanden. […]

(SPIEGEL, 01.10.2026)

Der Sauerländer Simpel amtiert als der passend stinkende Kopf des C-Fisches. Seine niederen Partei-Periöken sind kaum besser.

[…] Dass eine Spitzenpolitikerin ihre Rücktrittserklärung dazu nutzt, den Koalitionspartner anzugreifen, ist ungewöhnlich. Es zeigt, was alles auf die Sozialdemokratin eingeprasselt sein muss. Und wie sehr sie am Ende offenbar darunter gelitten hat. […] Je länger sich die Debatte über Reformen dahinschleppte, desto mehr schien in der Union die Wut auf Bas zu wachsen. Für einige wurde die Sozialdemokratin zum Symbol für alles, was in dieser Koalition schieflief – und damit zur Zielscheibe.

Bas sei eine »Fehlbesetzung«, sagte ein Unionsmann. Er halte ihre Aussagen teilweise für »inakzeptabel«, erklärte der Kanzler. Sie sei eine »Blockiererin«, eine »Sozialstaats-Stalinistin« und leide unter Realitätsverlust, hieß es in den Medien. Zeitweise verging kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo eine kleine oder große Gemeinheit über die Arbeitsministerin stand. […] Dennoch fällt auf, mit welcher Härte sich einige an Bas abarbeiteten. Mit welcher Lust hämische Kommentare in Tastaturen gehackt und spöttische Zitate über die SPD-Chefin verbreitet wurden.

All das nahm zuletzt eine tragische Wendung. Schon seit Wochen war im politischen Berlin bekannt, dass Bas’ Stieftochter schwer krank war. Doch selbst in dieser Zeit rissen die Angriffe nicht ab. […] Der CDU-Politiker Christian von Stetten forderte Mitte September öffentlich den Rücktritt von Bas. Und hochrangige Vertreter der Union beklagten bis zuletzt in Gesprächen mit Journalisten, dass die Ministerin kaum in Berlin sei und den Reformprozess dadurch aufhalte. Da lag Bas’ Stieftochter bereits im Sterben, mindestens die Spitzen von CDU und CSU konnten und mussten davon wissen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Kritik an der Abwesenheit von Bas nicht mehr nur hart, sondern unanständig. Nicht mehr berechtigt, sondern boshaft. […]

(Sophie Garbe, 12.10.2026)

Eine CDU, die sich so benimmt, trägt völlig zu Recht das C im Namen. Sie orientiert sich an einer genozidalen, misogynen, homophoben, folternden, mordenden, Faschisten umgarnenden, Waffen segnenden, Trump- und Putin bejubelnden, antisemitischen, gewalttätigen Ideologie mit 2.000-jähriger Kriminalgeschichte.

[…..] Sozialstaats-Stalinistin. Politische Schizophrenie auf Regierungsniveau. Bärbel Bas muss mal jemand aus dem Bällebad rausholen. Solche und ähnliche Anfeindungen musste sich die SPD-Vorsitzende in den vergangenen Jahren recht häufig anhören. Selbst jetzt, nachdem Bärbel Bas als SPD-Co-Chefin und Arbeitsministerin zurückgetreten ist, hören die Angriffe gegen sie nicht auf. Was ist hier eigentlich los? Sind wir mittlerweile eine Gesellschaft, in der nicht einmal ein derart persönlicher Einschnitt im Leben wie der Tod Anlass bietet, innezuhalten? Um wenigstens für ein paar Tage auf verächtlich machende, verletzende, misogyne Angriffe zu verzichten?

Ohnehin ist es erstaunlich, wie lange Bas stoisch ertragen hat, wie sie als nicht mehr ganz junge Frau infantilisiert und pathologisiert wurde. Das ist eine alte Masche, um Frauen das Leben nicht nur in Spitzenämtern schwer zu machen und sie so lange mit Dreck zu bewerfen, bis sie freiwillig das Feld räumen. Dabei waren wir schon weiter. Doch mit der Rückkehr einer Bro-Culture insbesondere durch die AfD nehmen Frauenverachtung, Frauenhass und die Benachteiligungen von Frauen wieder zu. Die Angriffe gegen Bas kommen daher nicht unerwartet vor allem von rechts außen und der Loser-Partei FDP, aber auch vom Koalitionspartner.

Sachliche Kritik an der Regierungsarbeit ist richtig und nötig, solange sie sich eben auf sachliche Kritik beschränkt. Sobald sie unterkomplex und misogyn wird, scheint die Antriebskraft dahinter nicht Korrektur zu sein, sondern Zerstörungswille. Was gewinnt die Union dabei? Nichts außer dem Bild einer zerrütteten Regierung, von dem die AfD genüsslich profitiert. […]

(Simone Schmollack, 12.10.2026)

So geht christliche Nächstenliebe à la CDU. Das ist Merzismus. Das sind die „Werte“ der Union.

[…] Trotz der privaten Notsituation soll sich der Kanzler über Bas’ mangelnde Präsenz und Erreichbarkeit beschwert haben

In internen Runden wurde Bas von Unionsleuten hart angegangen, der Parteilinken wurde der Reformwillen abgesprochen. Ein Spitzname war: „Bremse Bas“. Und trotz der privaten Notsituation soll sich der Kanzler in einer Journalisten-Runde über Bas’ mangelnde Präsenz und Erreichbarkeit beschwert haben, wird in der SPD bitter bemerkt. [….]

(Georg Ismar, 12.10.2026)

Die CDU hält auch heute nicht inne, tritt nach. Am Schlimmsten heute bezeichnenderweise CDU-Frauen, die genüßlich weiter Salz in Bas‘ Wunden streuen: Anabel Schunke, Kristina Schröder und Franziska Hoppermann. Einfach widerlich. Die ganze Partei ist moralisch völlig verkommen.

[…] Es wäre eine Chance gewesen, den Graben zwischen Union und SPD auf Bundesebene nicht zu vertiefen, sondern eine Brücke zu bauen – aber Friedrich Merz und Franziska Hoppermann haben sich für ersteres entschieden. […] Nicht nur von Bas selbst, auch aus weiten Teilen der SPD war Kritik am Koalitionspartner CDU/CSU nach Bas‘ Rücktritt laut geworden. […]  Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig fand auf X deutliche Worte: „Die Attacken der CDU – trotz ihrer persönlichen schweren Situation – waren unmenschlich und rücksichtslos.“ […] Dann schaltete sich Hoppermann ein: „Ich würde das gerne ergänzen. Das Ministerium hat drei verbeamtete Staatssekretäre und 1400 Mitarbeitende – weil unsere Kritik auch über die Sommerpause war, dass wir auf einen Gesetzentwurf aus diesem Haus warten.“ Soll heißen, mit so vielen Mitarbeitenden dürfte es doch nicht so lange dauern, einen Gesetzentwurf zu formulieren? Was die Generalsekretärin damit genau sagen wollte, blieb offen. […] Auf die angesprochene Schwesig-Kritik antwortete Hoppermann, „dass diese Moralappelle sich auch gerne an die SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen richten können, die gegen die krebskranke Ministerin Ina Scharrenbach einen Untersuchungsausschuss angestrengt haben [sic!].“

Feuer mit Feuer bekämpfen lautet also die Devise. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, Angriffe auf eine Kollegin und Koalitionspartnerin unmittelbar nach einem Schicksalsschlag zu missbilligen, sich im Namen der Partei zu entschuldigen, sich einzugestehen, dass manches vielleicht zu weit ging, und sein Mitgefühl auszudrücken. Gerade vor dem Hintergrund von Bas‘ explizitem Vorwurf der Angriffe aus den Reihen der Union. Und der häufigen Kritik, die Koalition zerfleische sich zu viel gegenseitig in der Öffentlichkeit.

Leider schlägt Hoppermann in genau diese Kerbe. Vergeltung à la „aber die anderen haben angefangen“ trägt nicht zur Einheit einer zerstrittenen Koalition bei. Und selbst wenn ein Untersuchungsausschuss bei einer an Krebs erkrankten Ministerin angestrebt wurde, so rechtfertigt das nicht, andere Ministerinnen im Gegenzug schlecht zu behandeln. […] Zumal der Vergleich hinkt. Gegen NRWs Bauministerin Ina Scharrenbach wurden 2026 Vorwürfe des Machtmissbrauchs, Mobbings und eines belastenden Führungsstils bekannt. Mit den Anschuldigungen befasst sich seit diesem Sommer der von Hoppermann angesprochene Untersuchungsausschuss – auf den die SPD sogar verzichtet hätte, wenn die Landesregierung stattdessen dem Einsatz eines Sonderermittlers zugestimmt hätte, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. […] Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte sagte im Deutschlandfunk, man dürfe sich nicht an Aggressivität und persönliche Verletzungen in politischen Auseinandersetzungen gewöhnen. Er nannte die Kritik an Bas unanständig und pietätlos – genauso kann man auch Hoppermanns Nachtreten an die NRW-Landtagsfraktion ihres Koalitionspartners SPD bezeichnen. […]

(Ines Alberti, 12.10.2026)

Sonntag, 11. Oktober 2026

Welche Partei geht als nächstes unter?

Bill Maher führte am Freitag den wichtigen Neologismus „general assholery“ ein, als er erklärte, wie Studentenverbindungen alles Schlechte verschlechtern.

Ich bin leider auch schon von „general assholery“ befallen, wenn ich an die CDUCSU denke. Den häßlichen Schwestern wünsche ich die Pest an den Hals, weil ich alles, wofür diese Vereine stehen, hasse und verachte. Ich wünsche den Schwarzen genauso den Untergang, wie den Gelben. Die Merz-CDU und Söder-CSU richten national und international so massiven Schaden an, zerstören so massiv Deutschlands Zukunft, daß ich sie nur zu gerne aus der bundesrepublikanischen Gleichung nähme.

Das Gedeihen und Verderben politischer Parteien lässt sich allerdings schlecht prognostizieren.

Nach dem totalen Scheitern der Westerwelle-FDP als Regierungspartei ab 2009 mit Generalsekretär Christian Lindner, flog sie 2013 aus dem Bundestag. Sie verlor knapp zehn Punkte, zwei Drittel ihrer Stimmen von 2009, während Angela Merkel auf 41,5% kletterte. Niemand brauchte diese unfähigen korrupten Lobbyisten mehr.

Aber 2017 war Linocchio auf einmal wieder mit fast elf Prozent im Bundestag. Im Februar 2025 schrumpften sich Lindner Lobby-Luschen rapide wieder unter die 5%-Hürde, verließen den Bundestag und mittlerweile 12 von 16 Landesparlamenten.

Im Frühsommer 2021 waren die Grünen mit 28% demoskopisch klar die stärkste Partei, schoben sich vor die CDUCSU; kurz sah es so aus, als könne die nächste Bundeskanzlerin Annalena Baerbock heißen. Im Juni 2021 lag die SPD bei 14%, jeweils rund zehn Punkte hinter CDU und Grünen. Angela Merkel würde entweder durch Laschet oder Baerbock ersetzt werden. So viel war klar. Ausnahmslos alle Zeitungen machten sich über die SPD lustig, die durch die Nominierung ihres Kanzlerkandidaten Olaf Scholz ihren Untergang besiegelt habe. Der Mann habe keine Chance und solle gar nicht in die TV-Trielle eingeladen werden. Die SPD war am Ende ihrer Geschichte angekommen.

Nur drei Monate später wurden die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl stärkste Partei und Olaf Scholz Bundeskanzler.

Als nächstes waren 2024 Wagenknecht-Linken dran, die bei den Landtagswahlen reihenweise Ergebnisse mit einer Eins vorm Komma holten. 2025 würden sie dramatisch aus dem Bundestag ausscheiden und sich bald auflösen müssen. So sicher war ich mir, daß ich den verbliebenen vernünftigen Nicht-Putinella-Linken dringend empfahl, mit ihren Mandaten zur SPD-Fraktion überzutreten und bei den kommenden Wahlen als Sozis anzutreten. Im September 2024 war das BSW die frische neue Kraft, die in bundesweiten Umfragen bei 15% lag und daher mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der nächsten Bundesregierung angehören würde. An Superstar Wagenknecht käme niemand mehr vorbei.

Heute liegen die Linken trotz CDUCSU-Hasskampagne in allen bundesweiten Umfragen stabil zweistellig; sind in der Hauptstadt stärkste Partei; deutlich vor Grünen, CDU und AfD. Das BSW rangiert unter „Sonstige.“

Hüte Dich vor Prognosen; insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen.

Mir fehlt allerdings immer noch die Phantasie, um mir eine Zukunft für die inhaltlich vakuumierte Geronten-Pöbelpartei, der „letzten Amphore des deutschen Liberalismus“ vorzustellen. Wolfgang Kubicki ist ähnlich zukunftsträchtig, wie VHS-Videorekorder und Faxgeräte.

Viele alternde Journalisten geben sich alle Mühe, die FDP hochzuschreiben. Der Liberalismus dürfe nicht sterben.

Liberalismus ist gut, aber schon lange nicht mehr in der FDP zu finden, sondern bei SPD und Grünen. Die gelbe Pest hingegen ist a) radikal neoliberal, b) nationalistisch-AfD-affin und c) xenophob-populistisch.

All das findet man aber auch bei CDU, AfD, FW und CSU. Die FDP ist sinnlos.

Das Argument, die FDP werde noch für die Demokratie gebraucht, war spätestens am 4. März 2020 hinfällig, als Thomas Kemmerich der sechste Ministerpräsident des Freistaates Thüringen wurde und Kubicki den AFDP-Pakt bejubelte.

Den Hepatisgelben weine ich keine Träne nach und werde feiern, wenn sie im Herbst 2028 in Hessen aus ihrem letzten Parlament fliegt.

Das Ausscheiden der CDU aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, sowie die öffentliche Lyse der CDU-Fraktion von Sachsen-Anhalt, das demoskopische Abrutschen in die Zehner-Zone lässt nun allerdings immer mehr Christ-Kondervative über das Ende ihrer Partei sinnieren.

[…] Das Gebaren der Christdemokraten und von Friedrich Merz macht fassungslos. Die AfD kommt ihrem Ziel, die Kanzlerpartei zu zerstören, näher.

 […] Aber fast noch mehr schmerzt es, der sachsen-anhaltischen CDU dabei zuzusehen, wie sie im Zeitraffer zerfällt. Sie ist eine Partei, die ihren Kompass verloren hat und dem Untergang entgegentrudelt.

Diese unstete Ratlosigkeit, dieses hilflose Herumirren, der unübersehbare Autoritätsverlust des Führungspersonals sind beileibe nicht nur die Probleme eines kleinen Landesverbands. Der CDU fehlt insgesamt eine Strategie im Umgang mit einer autoritär-rechtspopulistischen Partei wie der AfD. Das zeigt sich lokal und überregional.

Es gibt starke Anzeichen, die darauf hindeuten, dass in Sachsen-Anhalt einzelne CDUler die Rechtsextremen in geheimer Wahl mitgewählt haben. Der CDU-Kandidat wurde jedenfalls auch mit Stimmen der AfD gewählt; es soll Absprachen gegeben haben. […] Aber auch im Bund fehlt der CDU eine klare Linie. Als er noch für den Bundesvorsitz kandidierte, hatte Friedrich Merz verkündet, wer mit der AfD zusammenarbeite, dem drohe der Parteiausschluss. Und nun? Vermied er eine solche Ansage. Er äußerte sich nach dem dunklen Dienstag erst einmal 24 Stunden gar nicht, raunte dann, möglicherweise seien die zusätzlichen Stimmen für die Rechtsextremen ein Täuschungsmanöver von wem auch immer, und arbeitete sich überhaupt lieber an der Linkspartei ab, die er für den wachsenden Antisemitismus in Deutschland verantwortlich macht. […] 1933 stimmte die katholische Zentrumspartei, eine der Wurzeln der CDU und in eigentlich scharfer Opposition zur NSDAP stehend, am Ende doch für das „Ermächtigungsgesetz“. Der Rest ist Geschichte.  […..]

(Anna Lehmann, 10.10.2026)

Einerseits erwartete ich von Merz nie etwas anderes als Inkompetenz, Arroganz und Borniertheit. Andererseits staune ich schon noch über die Unprofessionalität.

Als ob die Stärke der AfD in einem Ost-Landtag VOLLKOMMEN ÜBERRASCHEND käme, als ob es bisher noch keine Verkumpelungen von CDUlern mit den Nazis gegeben hätte.

Aber scheinbar kam im Merz/Linnemann/Hoppermann-Konrad-Adenauer-Haus nie einer auf die Idee, sich zu überlegen, wie man darauf reagiert.

Eigentlich hat man für sowas Planungsabteilungen, die für den schlimmen Fälle eine Konzept in der Schublade haben. Aber die CDU watschelt mit verbundenen Augen und zugestopften Ohren einfach dem Abgrund entgegen. Kein Wunder, daß die auch nicht regieren können!

Meine „general assholery“ lässt mich den Untergang der CDU bejubeln. Ich wünsche und gönne Fritze Merz das totale Scheitern.

Aber anders, als bei der FDP halte ich es hier schon für ein valides Argument, bei der soziokulturellen Zusammensetzung des deutschen Souveräns eine konservative, aber demokratische Partei zu benötigen. Das Wählerpotential der spießigen Bürgerlichen, die Unternehmerinteressen und soziale Härten in Politik umgesetzt sehen wollen, ist eindeutig vorhanden. Die können nicht Linke, Grüne, Sozis wählen und sind eher bereit eine nicht demokratische konservativ-braune Alternative zu wählen. Eine Rumpf-CDU für die Amthors und Plosse und Kubans dieser Republik muss es geben, weil sie sich sonst  im Verein Braun33 einschreiben.

Ein totale Zerstörung der CDU kann ich mir rational also nicht wünschen. Irgendwie müssen die homophoben Fossillobbyisten sich fangen.

[…] Abrechnung mit dem Kanzler aus Bayern: Der frühere CSU-Chef Horst Seehofer wirft Merz einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust und verletzende Aussagen vor. […]. Jetzt hat Seehofer den aktuellen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisiert und eine dringende Kurskorrektur angemahnt.

„Friedrich Merz hat durch den Bruch von Wahlversprechen einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten. Das Sofortprogramm von CDU und CSU versprach an erster Stelle eine Senkung der Stromsteuer für alle – passiert ist nichts“, sagte Seehofer der Bild am Sonntag. […] Besonders scharf verurteilte er Merz' Aussagen über die Arbeitsmoral in Deutschland: „Aussagen, dass Deutsche zu wenig arbeiten und zu viel krankfeiern, verletzen die Menschen. Was sagen Sie damit einer Krankenschwester, die ohnehin schon Wochenend- und Nachtschichten schiebt?“, fragte Seehofer.

Der frühere Ministerpräsident von Bayern sprach auch über seine Erfahrungen in seiner oberbayrischen Heimatstadt Ingolstadt, dem Sitz des Autobauers Audi: „Bei Audi erlebe ich Arbeitnehmer, die gerne mehr arbeiten würden, denen man aber stattdessen Aufhebungsverträge anbietet.“ Die „pauschale Sprache“ des Bundeskanzlers gehe daher „völlig an der Realität vorbei“. […]

(Stephanie Munk, 11.10.2026)

Ich gönne Merz jeden Ärger von Herzen. Aber die Partei, die er als Vorsitzender gerade ruiniert, darf nicht vollständig kollabieren.

Samstag, 10. Oktober 2026

Die barbarischen Staaten von Amerika.

Mein Vater war US-Amerikaner, ich habe die US-amerikanische Staatsbürgerschaft (und werde sie leider auch nicht los), aber an das Leben in New York erinnere ich mich so gut wie gar nicht mehr, weil ich noch so jung war, als meine Familie nach Deutschland übersiedelte.

Unser Hausarzt machte sich Sorgen, um meine sprachliche Entwicklung. Bilingualität könne Kindergehirne schaden, man solle darauf achten, nur noch deutsch mit mir zu sprechen. Unglaublich, aber das war damals offenkundig der Wissensstand der Medizin. Für meine Eltern war es gar nicht leicht, weil mein Vater damals kein einziges Wort deutsch sprach und sich meine Eltern untereinander bis zu ihrem Tod nur auf Englisch unterhielten. Nach meiner Erinnerung fühlte ich mich nicht wie ein Ausländerkind, obschon ich durchaus einige englische Begriffe verwendete, von denen ich aber teilweise erst mit 10, 15, oder 20 Jahren Verzögerung begriff, daß es dafür andere deutsche Worte gibt, als die von mir Verwendeten. It is „Grown Ups Hour“ war das Signal für uns Kinder ins Bett zu gehen, „Tesa“ hieß bei uns „Scotch Tape“. „Ice Box“ wurde „Iceschrank“ und so weiter.

Am meisten prägte mich aber die immerwährende Sehnsucht meiner Mutter nach Amerika. Sie war einst aus voller Überzeugung aus dem kleinen, engen, spießigen Deutschland in die USA ausgewandert. In die große weite Welt. In unserer Wohnung, am Auto prangten die ikonischen „I Love New York“-Aufkleber bis heute verwende ich das Lawry's Seasoned Salt, das früher jeder, der in die USA flog, in größeren Mengen in seinem Gepäck für uns nach Hamburg bringen musste.

Mein Vater, der gebürtige Amerikaner, fand es aufregend in Europa zu leben. Er flog zwar regelmäßig in die USA, sagte aber immer demonstrativ „schön, wieder zu Hause zu sein“, wenn man ihn am Hamburger Flughafen in Empfang nahm. Meine Mutter hingegen haderte gemäß der alten „Konvertiten sind die Schlimmsten“-Erkenntnis damit in Deutschland; sie war anders als mein Vater oder ich, keine Amerikanerin durch den bloßen Zufall der Geburt, sondern US-Amerikanerin aus Neigung, obwohl sie nie die Staatsbürgerschaft bekam.

Ich wuchs also mit einem verklärten „in Amerika ist alles besser“-Bild auf und meine Mutter erwartete von mir, als Teenager oder spätestens zum Studieren, ebenfalls in die USA zu gehen. Das hatten meine deutschen Cousins auch alle getan und mir war es durch den US-Pass nun wirklich in die Wiege gelegt.

Aber als ich in das Alter kam, war Ronald Reagan, der global Cowboy, US-Präsident. Mit SDI wollte er den Sternenkrieg entfesseln und läutete die konservative Revolution ein. Meine Schule hatte eine US-Partner-Highschool und alle aus meiner Klasse, die dort waren, berichteten von dem unterirdischen Bildungsniveau. Deutschland sollte mit neuen US-Atomraketen Pershing II übersät werden, ich wurde politisch, ging auf die großen Friedensdemonstrationen und war, wie alle jungen Teenager aufmüpfig, stellte alles in Frage, das meine Mutter vorlebte. Da sie Amerika so liebte, fand ich Amerika natürlich erst Recht scheiße. Die übliche rebellische Phase der Kinder; das wußte sie schon. Aber mit meinem pauschalen „USA = Scheiße“ konnte ich meine Mutter höchst erfolgreich triggern. Nicht nur, weil es das Land traf, das sie so liebte, sondern weil sie zu Recht der Meinung war, ich solle mir das erst mal in Ruhe ansehen, bevor ich urteile. Daher würde sie mich auch finanziell unterstützten, wenn ich dort auf ein College gehen wolle.

Men bedenke, es war die Zeit vor Internet und Klugtelefon, sogar vor dem Kabel-Fernsehen. Über die USA wurde man nur durch Lesen und Reportagen im ZDF und ARD informiert. Von den US-Verwandten kamen Fotos, Briefe und Päckchen. Aber wir sprachen nur sehr selten mit ihnen, weil Ferngespräche astronomisch teuer waren. Richtig kennenlernen konnte man NY nur, indem man dort eine Weile lebte.

Hätte ich das mal getan, denke ich heute. Aber damals war ich viel zu uneinsichtig. Ich konnte nicht zugeben, im Unrecht zu sein und hatte auch wirklich keine Lust dazu.

Spätestens in meinen Twen-Jahren wurde mein Blick differenzierter. Ich begriff, was für eine heterogene Angelegenheit die USA sind, wie ungerechtfertigt es ist, ausgerechnet „die Amis“ über einen Kamm zu scheren. Ich lernte amerikanische Dinge zu schätzen, die sie einfach besser können: Musik, TV. Bis heute ist es undenkbar, daß Deutsche so hochwertige Unterhaltung, wie Sopranos, Breaking Bad, Six Feet Under, House Of Cards, Northern Exposure, Shameless produzieren könnten.

Da meine Mutter und ich längst von den Bäumen heruntergeklettert waren, sprach sie auch mit ehrlicher Empörung über die Gewalttätigkeit in den USA. Die durch Religion und Homeschooling weit verbreitete Verblödung der jungen Amerikaner. Den Waffenwahn, die Amokläufe, die Todesstrafe, die Vorliebe für Cage-Fights, die Akzeptanz von Folter, die geheuchelte Außenpolitik, die militärischen Attacken, auf jede politische Bewegung in der Welt, die einem Reagan oder Bush nicht gefiel.

Wir konnten es einfach nicht fassen, als schließlich, nach einer monatelangen peinlichen internationalen Shitshow, der intellektuelle Al Gore zurückzog und im Januar 2001 der völlig unterbelichtete Depp GWB US-Präsident wurde.

Am 11.September 2001 flogen dann unser aller Herzen der USA zu. Ausgerechnet in unserer Familienheimat, dem von meiner Mutter so heiß geliebten Manhattan. Ausgerechnet in Hamburg hatten einige der Attentäter sich vorbereitet.

Noch erstaunlicher war aber, wie die GWB-Administration es vermochte, in den nächsten anderthalb Jahren die überwältigende internationale Sympathie in ihr Gegenteil zu verkehren. Schließlich geschah das Undenkbare, ausgerechnet die stets so treue Bundesrepublik Deutschland sagte im UN-Sicherheitsrat „Nein“ zu den US-Plänen. Der Kanzler schmiedete Gegenallianzen, der deutsche Außenminister schleuderte den Amis sein berühmtes „Excuse me, I am not convinced“ entgegen. Unheard. Alles wußten es: Washington log. Aber Washington setzte sich  - wieder einmal – über das internationale Recht hinweg, griff den an 9/11 völlig unschuldigen Irak an und schaffte genau das tödliche Chaos, das jeder Experte prognostiziert hatte. Die US-Regierung erfüllte den größten Wunsch der Al Kaida: Es gab weltweit schwere Terrorattacken gegen US-Bürger, das Ansehen Amerikas sank auf den Tiefpunkt.

Der beste Freund meiner Eltern, ein jüdischer schwuler Drehbuchautor in NY, weinte gar in Telefonaten mit meiner Mutter vor Entsetzen über GWB: „What is he doing to our country?“

Das war nun eindeutig eine USA, die noch nicht einmal meine Mutter mehr schönreden konnte.

Meine Eltern starben versöhnt mit den USA, in der Obama-Zeit, mit dem endlich die Barbarei, der Rassismus überwunden zu sein schien.

Was für eine Fehleinschätzung, der auch einer der größten deutschen US-Fans aufsaß: SPIEGEL-Korrespondent Marc Pitzke, der vor über 30 Jahren nach New York auswanderte und sich zu einem so renommierten USA-Experten mauserte, daß er auch in US-Nachrichtensendern als Fachmann auftritt. Es war genau umgekehrt; die Wahl Obamas fachte den tödliche antidemokratische Furor und Rassismus der Christen und Konserevativen erst richtig an!

[…] »Ich glaube, wir haben alle einen großen Fehler gemacht, als Obama gewählt wurde. Alle haben gedacht, jetzt ist es eine neue Ära für Amerika, der Rassismus ist zu Ende.« […]  »Amerika hat einen schwarzen Präsidenten gewählt. Das Land ist jetzt versöhnt und genau das Gegenteil ist eingetroffen.«

»Obama im Weißen Haus, das ist natürlich etwas, was es noch nie gegeben hatte und es war das erste Mal, dass die schwarze Community hier in Harlem, aber nicht nur hier, sondern im ganzen Land, sich anerkannt fühlte, sich gesehen fühlten, dass man endlich tatsächlich mit an die Macht kam und nicht immer nur zusehen musste, wie andere die Macht hatten.«

»Die Obama-Jahre waren so eine falsche Idylle. Wir haben alle gedacht, dass wir diese ganze Zeit nach 9/11, diese Zeit der Verbissenheit und dieses falschen Patriotismus hinter uns lassen können. Und Obama hat aber genau das Gegenteil bewirkt. Nicht durch seine Taten und seine Aktionen, sondern einfach durch seine Präsenz und seine Existenz. Denn mit Obama hat sich der rassistische Unterbau von Amerika erst recht vereint. Und dahinter versteckte sich nicht nur politisches, sondern auch soziales und gesellschaftliches Denken. Dass sie sagen, es kann nicht sein, dass dieses Land von einem Schwarzen begeht wird. Und so entwickelt sich dann die Tea Party. Aus der Tea Party entwickelt sich Trump und die MAGA-Bewegung und dann kippt das alles in die andere Richtung zurück und den Salat haben wir heute noch.« [….]

(Marc Pitzke, SPIEGEL-Korrespondent)

Sein Abgesang auf sein Amerika gehört für mich zu den ganz großen journalistischen Stücken des Jahres. Kraftvolle Untergangsprosa.

[…] Selbst New York City, mein Zuhause, ist manchmal nur noch eine Kulisse der Reminiszenzen, zusammengehalten von Tesa und Sekundenkleber. Der Süden der USA wird bald ein unbewohnbarer Backofen sein, der Westen abgebrannt, die Küste untergegangen, doch der Klimawandel, glaubt man der Regierung, sei ein Schwindel. Verschwörungserzählungen sind das neue Dogma, Realität ist Fake News, Chaos regiert.  Leute verschwinden spurlos, verschleppt in Massenlager oder repressive Schurkenstaaten, die dafür bezahlt werden, in geheimen Deals mit der Trump-Regierung. Familien, Karrieren, Hoffnungen werden zunichtegemacht. Kinder hungern, Kranke sterben, Alte dämmern in Armut. Kapitalismus im Endstadium.

Die Ursünden der Nation sind wieder salonfähig. Rassismus, Sexismus, Homophobie, Geldgier, Patriarchat, religiöser Fanatismus. Am meisten leiden Minderheiten, denen man Menschenrechte nimmt, die sie so hart erkämpft haben. Die Barbarei der Politik sickert ins tägliche Leben, ein psychologischer »Trickle-down-Effekt«. Die Wärme, die ich lange spürte, selbst in den kalten Straßen von New York, die Gemeinschaft und die Hilfsbereitschaft, die uns auch und gerade in harten Tagen aneinandergebunden haben, weichen zusehends den Charakterzügen unseres digitalen Egotrips: Bosheit, Grausamkeit, Gewalt.

Und über all dem (und dem Gesetz) thront Donald Trump, Imperator von eigenen Gnaden, umringt von Hofschranzen, Mitläufern und Oligarchen. […]

(Marc Pitzke, 08.10.2026)

Er kann dort nicht mehr bleiben. 

Ja, ein hochgefährlicher zerstörerischer, debiler, rassistischer Lügner ist US-Präsident und reißt die Welt in den Abgrund. Aber schlimmer ist das große Versagen aller US-Institutionen und insbesondere der republikanischen Partei, die es nicht fertig bringt, den amerikanischen Sauron aus dem Oval Office zu zerren.

Das hässliche Amerika, die gewalttätige Nation ging mit dem Trumpismus in eine echte Barbarei über. Zivilisatorische Errungenschaften werden geschleift, Humanismus abgeschafft.

Trump verbündet sich offen mit dem Kriegsverbrecher Wladimir Putin.

Trump wettert gegen die von Putin angegriffenen und ermordeten Menschen.

Trumpmerica betrachtet das internationale Recht als Feind.

[….] Weitreichende US-Sanktionen Das Weltstrafgericht steht jetzt auf derselben US-Liste wie das Sinaloa-Kartell

Die USA verschärfen ihre Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof. Betroffen sollen künftig auch Unternehmen sein, die Geschäftsbeziehungen mit dem Gericht in Den Haag haben. Droht der Institution das Aus?  [….]

(SPON, 10.10.2026)

Die USA sind die Nation des Bestialismus.

[…] Unter Trump begeben die USA sich auf das Niveau des IS[…] Der Präsident und sein Verteidigungsminister wollen die Erschießung eines Mörders per Livestream übertragen. Sie bestehen also darauf, ihr Land weiter zu verrohen. […] Am 19. August 2014 verbreitete der Islamische Staat ein Video, es war nur dreißig Sekunden lang und etwas verwackelt. Zu sehen war der US-Journalist James Foley, kniend. Dahinter zwei maskierte Männer, einer hielt einen Säbel. Der Henker holte aus, schlug zu. Die Welt war entsetzt. Später sperrten große Plattformen die Kanäle des IS, um die Verbreitung solch barbarischer Propaganda-Videos zu unterbinden. […] Nun wollen die USA selber ein derartiges Video produzieren. Und sie gehen sogar noch weiter: Die ganze Welt soll am 3. Dezember per Livestream verfolgen können, wie Nidal Hasan von einem Erschießungskommando getötet wird. […] Öffentliche Hinrichtungen sind aus Ländern wie Iran oder Saudi-Arabien bekannt - aus Ländern mit einem ohnehin archaischen Rechtsverständnis. In den Verfassungen moderner demokratischer Staaten ist die Menschenwürde als unantastbar verankert - eine Idee, die mit einem Hinrichtungsspektakel nicht zu vereinbaren ist. In den USA verspricht der 8. Zusatzartikel der Verfassung  eigentlich Schutz vor „grausamen und ungewöhnlichen Bestrafungen“.  Das hält Verteidigungsminister Pete Hegseth nicht von seinem Vorhaben ab. Ihm gefällt das Außergewöhnliche und Brutale. „Das haben wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gemacht“, sagt er stolz, und Donald Trump spricht von „endgültiger Gerechtigkeit“. Mit Gerechtigkeit aber hat die Inszenierung einer Hinrichtung als Spektakel nichts zu tun. Wer einen Menschen im Augenblick seines Todes zur Schau stellt, will vor allem eines: seine eigene Grausamkeit demonstrieren. Das war beim IS nicht anders. […] Außenminister Marco Rubio sagte vor kurzem, die nationalen Interessen der USA bildeten die Grenze des Völkerrechts, diese gingen immer vor. Trumps Gönner Elon Musk bezeichnet Empathie als „Schwäche der westlichen Zivilisation“. […]

(Charlotte Walser, 10.10.2026)

Freitag, 9. Oktober 2026

Als alles noch so schön übersichtlich-unsichtbar war.

Früher, als noch nicht die Homos und Emanzen, die Ökos und die Grünen, die Ausländer und die Gastarbeiter, die Atheisten und Chaoten, völlig ungeniert wagten mitzureden, war es viel schöner. Schöner für reiche weiße alte Christenmänner.

Aufklärung, Mitbestimmung, Emanzipation, Bürgerrechte sind daher für Dunkelkatholiken, MAGA-Amis, Fritze Merz und AfD-Wähler gleichermaßen abstoßend. Denn so werden ihre gefühlten Freiheiten von einst eingeschränkt.

Die Freiheit, Frauen zu begrabschen, Frauen sexistisch zu titulieren, sie zu vergewaltigen, ohne daß sie gleich zur Polizei rennen, um sich zu beklagen. Die Freiheit, Frauen vorzuschreiben, was sie zu tun haben, sie zu verprügeln. Die Freiheit, People Of Color zu duzen, sie rumzukommandieren. Die Freiheit, Schwule nach Herzenslust zu beschimpfen und zu verprügeln. Die Freiheit, Kinder übers Knie zu legen; Kinder grün und blau zu schlagen, ohne daß gleich einer das Jugendamt informiert. Die Freiheit, seine vollen Aschenbecher einfach aus dem Autofenster zu entleeren. Ohne von einem Ökopax deswegen angezeigt zu werden. Die Freiheit, vor den Kindern, beim Essen, im Bus, der S-Bahn und im Flugzeug zu rauchen. Die Freiheit, auch mal ein Kind zu vergewaltigen und sich darauf zu verlassen, daß alles vertuscht wird.

Aber alle diese Freiheiten werden die weißen Männer, die mit dem Privilegien-Löffel im Arsch geboren wurden, inzwischen streitig gemacht. Wäre es doch bloß wieder so schön wie früher, als Mann immer automatisch das letzte Wort hatte und niemand widersprach.

Aber jetzt darf Mann ja nichts mehr.

[…] FTC Chair Says He's Proud Of Efforts To Protect 'White American Men From Discrimination'[…] Chairman of the Federal Trade Commission Andrew Ferguson said Thursday he’s proud of the work President Donald Trump’s administration is doing to combat discrimination ― for white men, that is.

At a press conference with Vice President JD Vance about alleged abuses of work visa programs, Ferguson touted the work of U.S. Equal Employment Opportunity Commission Chair Andrea Lucas, a vocal critic of diversity, equity and inclusion.  “I also want to acknowledge the work of Andrea Lucas, who is the chairman of the EEOC,” Ferguson said. “She is the greatest chairman of that institution, since Clarence Thomas back in the 1980s.”

Ferguson then praised Lucas’ work to combat a problem that doesn’t exist.

“On every issue that previous EEOCs refused to touch: protecting white American men from discrimination, protecting American citizens from national origin discrimination ... she has led the EEOC headlong to defend Americans from these abusive practices.”  Lucas has been vocal about helping white men who say they’ve faced discrimination in the workplace.

“Are you a white male who has experienced discrimination at work based on your race or sex?” she said in a video posted to social media last year. “You may have a claim to recover money under federal civil rights laws.” […]

 (HuffPo, 08.10.2026)

Trump, Höcke, Putin, Manfluencer, Andrew Tate, Testosterone-maxxer und die Katholische Kirche kämpfen für den weißen Mann, damit seine Freiheiten wieder exklusive Freiheiten werden, die nicht eingeschränkt werden, nur weil sie anderen schaden. Freiheiten, die frei von Verantwortung sind.

Als der weiße Mann frei davon war, auf Frauen, Kinder, Schwule, Juden, Schwarze, Ausländer, Behinderte, Kranke, Umwelt, Tierwelt, Klima Rücksicht nehmen zu müssen. Als es noch die gute alte Zeit war, die Jugend Joseph Ratzingers, der als Stellvertreter Gottes auf Erden gefragt wurde, wie er sich das Paradies vorstellte, mit dem „Bayern seiner Jugend“ antwortete.

[….] Papst Benedikt hat das Leben nach dem Tod mit seinen Kindheitstagen im Deutschland der 1930er verglichen. "Das Paradies könnte so sein, wie meine Jugend war, so dass ich hoffe, nach Hause zu gehen, wenn ich vom anderen Teil der Welt komme", sagte das Kirchenoberhaupt, der 1927 unter dem Namen Joseph Ratzinger in Bayern geboren wurde, laut der Nachrichtenagentur "Kathpress" am Samstagabend beim Weltfamilientreffens in Mailand. [….]

(Die Presse, 03.06.2021)

Ratzi in jung

Ach, war das damals herrlich in der Nazizeit, ganz ohne Ausländer, Emanzen und Juden. So gefiel es ihm. So betrachtete der Pontifex Maximus als geistiges Oberhaupt von 1,3 Milliarden Menschen das vollkommene Glück. 

Wie in seiner wundervollen Zeit im Studienseminar St. Michael in Traunstein.

[….] Die Kindheit und Jugend verbrachte Joseph Ratzinger in Traunstein, einer Kleinstadt nahe der österreichischen Grenze, 30 km von Salzburg entfernt. In dieser Umgebung, die er selber als "mozartianisch" bezeichnete, erhielt er seine christliche, menschliche und kulturelle Prägung.

[….] Der junge Joseph wurde Zeuge, wie die Nazis den Pfarrer vor der Feier der Heiligen Messe verprügelten.  Gerade in dieser schwierigen Situation sollte er die Schönheit und die Wahrheit des Glaubens an Christus entdecken; [….] Bis September 1944 war er in den Hilfsdienst der Fliegerabwehr eingezogen.  […]

(Der Heilige Stuhl, BIOGRAPHIE SEINER HEILIGKEIT BENEDIKT XVI.)

Es war aber auch paradiesisch im Studienseminar St. Michael in Traunstein!

[…] Wenn Kirchenmänner ihren Zöglingen das Leben zur Hölle machen […] Eine neue Missbrauchsstudie über das Seminar St. Michael in Traunstein zeigt auf, wie diese Einrichtung für manche Zöglinge zu einem Ort körperlicher, seelischer, sexueller und spiritueller Gewalt werden konnte. […] es waren keine erwachsenen Männer, die hier auf den Kirchendienst vorbereitet wurden. Sondern Kinder und Jugendliche, die in der Stadt das staatliche Chiemgau-Gymnasium besuchten und im Seminar oben auf dem Hügel ihre Nachmittage, Abende und Nächte verbrachten – so wie 1939 der junge Joseph Ratzinger, der viele Jahre später zu Papst Benedikt XVI. werden und Traunstein seine „Vaterstadt“ nennen sollte.

Viele[n] der Zöglinge von einst […] haben die Kirchenmänner das Leben hier fast zur Hölle gemacht. So geht es aus einer Studie hervor, mit der das Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik die Gewalt- und Missbrauchserfahrungen ehemaliger Seminaristen aus den Jahren 1960 bis 1990 aufgearbeitet hat. […] Das Bild, das sie aus all dem zusammengesetzt haben, zeigt neben positiven Erfahrungen von Seminaristen auch verschiedene Formen von Gewalt. Von psychischer, körperlicher, sexualisierter und auch von spiritueller Gewalt, mit der Kirchenmänner wie manche Seminarleiter ihre Macht und ihre religiöse Deutungshoheit missbraucht und ihre Zöglinge so in Gefühle von Angst, Schuld, Scham und Sünde gestürzt und in tiefe seelische Krisen getrieben haben. „Die Angst vor der Hölle hat halt immer irgendwo mitgespielt, und es wurde einem auch klargemacht“, sagte ein Seminarist aus den 1970er-Jahren den Studienautoren.

Drohungen, kollektive Bestrafungen für echte oder vermeintliche Verfehlungen Einzelner und eine erniedrigende Behandlung bestimmter Jungen waren laut der Studie einst keine Seltenheit im Seminar. Oft traf es solche Buben, die wenig oder gar keine Berufung zum Geistlichen erkennen ließen. […] Die angeblichen Seelsorger von damals verletzten nicht nur die Seelen der Jungen wie bei Georg Rieperdinger. Auch Ohrfeigen, Kopfnüsse oder Schläge auf den Hinterkopf verabreichten manche Geistliche ihren Schutzbefohlenen immer wieder. Kinder wurden zum Essen gezwungen und mussten schlimmstenfalls ihr eigenes Erbrochenes wieder zu sich nehmen. […] Bei dem jungen und von etlichen Ehemaligen als charismatisch beschriebenen Klosterbruder hatte Koch Hilfe, Trost und Rat gesucht für sich und für einen gleichaltrigen Freund, dem es äußerst schlecht gegangen war in St. Michael. Stattdessen wurde der Mönch plötzlich zudringlich. Für Koch, damals Schüler in der Oberstufe, brach damit eine Welt zusammen. Ein ähnlicher Vorfall wird darüber hinaus aus den 1950er-Jahren über einen Jesuitenpater berichtet.

Das Seminar „hat mich nicht geschützt, hat uns nicht geschützt, nicht auf Hilferufe reagiert“, sagt Koch am Donnerstag. Diese Vernachlässigung aber „war die Grundlage für sexualisierte Gewalt“. […]

(Matthias Köpf, 08.10.2026) 

Da hatten die Priester und Mönchen noch alle Freiheiten im Umgang mit den Kindern. Freiheiten, die ihnen der verdammte Modernismus nun nehmen will.