Mittwoch, 28. Oktober 2026

Shit, das hat nicht geklappt.

Ron Dekel wurde bundesweit bekannt, als er dem sachsenanhaltinischen Nazi-Vizeparlamentspräsidenten Tillschneider am Jahrestag des antisemitischen Anschlags von Halle den Zugang zur Synagoge blockierte.

Dafür erfuhr er viel Bewunderung (von mir zum Beispiel), aber eben auch Morddrohungen, denn, wie Guido Westerwelle schon drohend knurrte „es ist Deutschland, hier!“.

 [….] Ron Dekel gehört zu jenen Studenten, die Hans-Thomas Tillschneider den Zugang zur Synagoge in Halle verwehrten. Nun hagelt es Anfeindungen. [….] Die Szene ereignete sich vor der Synagoge in Halle (Saale): Jüdische Studentinnen und Studenten stellten sich einem AfD-Politiker in den Weg. Hans-Thomas Tillschneider, frisch gewählt als Landtagsvizepräsident von Sachsen-Anhalt, war gekommen, um am Gedenken für den Anschlag eines Rechtsextremen am 9. Oktober 2019 dort teilzunehmen.

Die jungen Leute, angereist aus ganz Deutschland, stoppten ihn – und ihr Anführer, ein 24-Jähriger mit dunklen Haaren, blauem Kapuzenpullover und Kippa auf dem Kopf, sagte dem AfD-Politiker, warum. „Wir lassen unser Gedenken nicht kapern. Wir werden nicht Rechtsextremisten noch einmal in unsere Synagoge lassen.“

Für ihn, Ron Dekel, den Kopf der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), hat diese Szene nun ein erstaunliches juristisches Nachspiel: Die Polizei in Sachsen-Anhalt ermittelt gegen ihn, weil er angeblich den AfD-Mann auch noch „Nazi“ genannt habe und dies womöglich eine strafbare Beleidigung darstelle. Er sei „erstaunt“, sagt der Student am Telefon. Und zögert, bevor er weiterspricht. [….] Seither hat er keine ruhige Minute mehr. Im Netz prasselt der Hass von AfD-Anhängern auf ihn ein. Nachdem Tillschneider sich in einer Rede im Landtag über ihn und die anderen Synagogen-Beschützer echauffiert hat, kommen Tausende Kommentare. „Es wurde gefordert, dass ich abgeschoben werde“, erzählt Ron Dekel. Was natürlich absurd ist bei einem Deutschen wie ihm, der in Hamm in Westfalen geboren ist, „da, wo die Züge immer Verspätung bekommen“, wie er sagt. [….] „Die AfD fordert in Sachsen-Anhalt, dass die Staatsverträge mit den jüdischen Gemeinden gecancelt werden“, sagt Ron Dekel, „das würde finanziell den Tod der Gemeinden bedeuten.“ Das mache gerade vielen Angst.  [….]

(Ronen Steinke, 16.10.2026)

Dekel gehört auch zu den Myriaden liberalen Menschen mit Israelischen Pass, die gesternextra für einen Tag nach Israel geflogen sind, um gegen Bibi zu stimmen. Die rechtsradikale gegenwärtige Regierung denkt natürlich nicht daran, Briefwahl zu ermöglichen. Wie die rund 70.000 Gleichgesinnten, die ebenfalls nach dem Wahltag gleich wieder abreisten, ist auch Dekel schwer enttäuscht vom Ergebnis. Er glaubt, es werde nach dem missglückten Versuch, Bibi in die Opposition zu schicken, zu Neuwahlen kommen, bei denen mutmaßlich nicht noch einmal derartig viele liberale Israelis aus dem Ausland extra zur Stimmabgabe einfliegen.

Von außen betrachtet, scheint es völlig unverständlich, wie Netanjahu sich immer noch an der Macht halten kann.

(….) Der kriminelle Benjamin Netanjahu säße mit hoher Wahrscheinlichkeit im Gefängnis, wenn ihn nicht seine Immunität als Regierungschef schützte. Seine Ehefrau Sara und sein rechtsradikaler Sohn Jair stehen ihm kaum nach und könnten ebenfalls im Knast landen.

Der Israelische Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit klagte ihn 2019 wegen Bestechlichkeit, Betrugs und Untreue in jeweils drei Fällen an: Der „Bezeq-Affäre“, der „Jediʿot-Affäre“ und der „Sara Geschenk-Affäre.“

Die meisten Völkerrechtler glauben zudem, er sei als Regierungschef verantwortlich für einen Genozid an den Palästinensern. Südafrika reichte 2023 Klage vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Israel ein. Der Internationale Strafgerichtshof erließ 2024 einen Haftbefehl gegen Netanjahu wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Seither eskalierte Netanjahu immer weiter. Seine rechtsradikalen Minister geben abscheulichste eliminatorische Äußerungen öffentlich von sich, mit denen sie ihren perfiden Sadismus, ihre Freude am Töten, nicht verhehlen.

Angesichts des Grauens in Gaza, wandelte sich Bibisrael zum Paria der Weltgemeinschaft. Wenn Bibi in der UNO spricht, zeigen die Delegierten, wie sie ihn verachten. (…)

(Whataboutism für Prien, Thadeusz und Schuster, 25.09.2026)

Auf die Israelische Jugend, die ihre Informationen von Tiktok und Zuckerberg, sowie den sehr rechten israelischen Medien bekommen, ist kein Verlass. Unfassbare Dreiviertel von ihnen verorten sich selbst als rechtsradikal, wie die Bildungsforscherin Tammy Hoffman im SPIEGEL-Interview erläutert.

[…] SPIEGEL: 74 Prozent der Israelis, die jetzt zum ersten Mal wählen, verorten sich politisch rechts oder mitte-rechts. Heißt das, dass ihnen Frieden nicht mehr wichtig ist?

Hoffman: In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Erziehung zum Frieden immer stärker an den Rand gedrängt worden. Selbst das Wort Frieden kommt kaum noch vor   – in Lehrplänen, im Unterricht und auch in der öffentlichen Debatte. [….] In den vergangenen Jahren ging es viel um militärische Erfolge, Rückschläge und solche Dinge. Dabei sollte der Zweck militärischen Handelns eigentlich immer darin bestehen, eine diplomatische Lösung zu finden, eine Perspektive zum Frieden zu eröffnen.

SPIEGEL: Diejenigen, die in Israel noch für Frieden und Ausgleich auf die Straße gehen, sind im Durchschnitt auffallend alt. Wie kommt das?

Hoffman: Unsere Umfragen zeigen bereits seit zwei Jahrzehnten, dass sich der jüdische Teil der Gesellschaft in eine nationalistischere, rechtere Richtung bewegt. Das ist bei jungen Menschen besonders eklatant, denn sie haben die hoffnungsvolle Zeit in den Neunzigerjahren nicht erlebt, [….] [….] In Israel heißt es gewöhnlich, dass wegen der Sicherheitsprobleme andere Themen wie Wirtschaft, Bildung und Gesundheit zurückstehen müssen. Dass sie beiseitegeschoben werden, weil die Sicherheit Vorrang hat. Aber das ist nicht richtig: Denn die Sicherheitsprobleme verstärken noch die anderen Probleme, etwa wirtschaftliche Zukunftsängste, die diese jungen Menschen mit Gleichaltrigen in anderen Teilen der Welt gemein haben. [….] [….]

SPIEGEL: Wie informieren sich Erstwähler über Politik?

Hoffman: Sie beziehen ihr politisches Verständnis zunehmend, teilweise vollständig, aus TikTok und Instagram, WhatsApp und Telegram. Sie suchen dort nicht aktiv nach Informationen, sondern scrollen, die Inhalte werden ihnen zugespielt. [….]

SPIEGEL: Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir  ist in den sozialen Medien besonders umtriebig, postet ständig neue KI-generierte Videos, in denen er arabische Menschen verhöhnt. Bei Erstwählern steht er in Umfragen besonders gut da. [….]

(SPON, 26.10.2026)

Die bekannten jüdischen Polit-Influencer der USA, mit jeweils vielen Millionen Followern – Brian Tyler Cohen, Aaron Parnas, Matt Bernstein, Josh Greene, Dash Dobrowski, David Pakman – sind allesamt entsetzt von Israels Politik und der Netanjahu-Regierung. Sie alle stellen sich ausdrücklich hinter die Forderung Zohran Mamdanis, den Israelischen Ministerpräsidenten in NY verhaften zu lassen.

Deutschland sollte angesichts der Geschichte nicht ausgerechnet an der Spitze der internationalen Israel-Kritiker stehen. Aber demonstrativ ganz stumm zu bleiben und Israel weiter Waffen zu liefern, ist feige, peinlich und dumm.

Glücklicherweise ist die US-Jugend noch nicht so gehirngewaschen, wie die Israelische. Bei den US-Midterms in sechs Tagen haben linksliberale Kandidaten durchaus Chancen. Gerade weil sie, wie die Vorreiter Mamdani und El Sayed klar gegen Antisemitismus vorgehen, sich immer wieder ausdrücklich auf die Seite der jüdischen Amerikaner stellen, aber genauso deutlich die Politik der Netanjahu-Regierung verurteilen.

Wir hatten einige positive Ergebnisse. Die großen Trump/AfD/Putin-Freunde Geert Wilders, Aleksandar Vučić, Viktor Orbán und Flávio Bolsonaro wurden teilweise überraschend deutlich bei Wahlen besiegt. Die jungen Menschen tanzten vor Freude auf den Straßen. Aber die Serie riss in Israel.

Möge sie nächsten Dienstag wieder aufgenommen werden und Trumps pädokrimineller Rassistengang eine derartig deutliche Niederlage bescheren, daß sie nicht durch Geschrei und Tricks und Betrug ausgehebelt werden kann.

[….] Zum ersten Mal seit 40 Jahren könnte in Texas ein Demokrat in den US-Senat gewählt werden. James Talarico begeistert, hat aber starke Gegner. [….] Es ist ein sonniger Oktobertag in San Antonio, Texas. Vor einer kleinen historischen Konzerthalle stehen an diesem Samstag mehrere hundert Menschen in der Schlange. Sie sind alle hier, um den Hoffnungsträger der Demokratischen Partei in Texas hautnah zu sehen: James Talarico.

Der 36-jährige Landtagsabgeordnete und Pfarramtsanwärter könnte in der kommenden Woche etwas schaffen, was seit fast 40 Jahren keinem Demokraten in Texas mehr gelungen war. Er könnte in den US-Senat gewählt werden.  Grund dafür ist neben seinem Charisma und seinen legislativen Erfolgen auf Landesebene auch sein Glaube. In einem Bundesstaat wie Texas, der teilweise zum sogenannten „Bible-Belt“ der USA gehört, ist Religion immer auch politisch.  In diesem Jahr kommt noch hinzu, dass sein republikanischer Kontrahent im Senatswahlkampf, der aktuelle texanische Justizminister Ken Paxton, nicht gerade Begeisterung unter den Wähler:innen auslöst. Die Unzufriedenheit vieler Wähler mit US-Präsident Donald Trump trägt ihr Übriges dazu bei. […..]

(Hansjürgen Mai, 28.10.2026)

Dienstag, 27. Oktober 2026

Bayerischer Bullshit

Ja, toll Atomkraft. Hurra. Mindestens zehnmal so teuer, wie Strom aus erneuerbaren Quellen, kein Energiekonzern will die Dinger wegen der enormen Risiken noch bauen, es findet sich kein Versicherer mehr, so daß wir Steuerzahler für alle Fukuschima/Tschernobylschen Risiken haften müssten. Bei den Brennelementen begeben wir uns wieder in die Abhängigkeit von Wladimir Putin und falls jemals so ein 50 bis 60 Milliarden Euro teures AKW fertiggestellt würde, müsste man es in unserer immer heißeren und trockeneren Witterung ohnehin meist abgeschaltet lassen, weil es nicht genügend Kühlwasser gibt – siehe Frankreich.

Darüber hinaus bilden Atomreaktoren ein immerwährenden Terroristen-Magnet. Als ob Osama bin Laden nicht gezeigt hätte, was ganz wenige Menschen auf Selbstmordmission mit einem entführten Flugzeug ausrichten können. Nur daß wir 25 Jahren nach 9/11 noch viel leichter zu treffen sind, weil die Drohnenentwicklung so weit fortgeschritten ist und staatliche Terrorplayer wie Russland auf beliebig viele „Wegwerf-Terroristen“ zurückgreifen können.

Es ist so eine Totgeburt. Die Inkarnation des Wahnsinns.

Deswegen wollte Umwelt- und Atomstaatsminister Söder im Jahr 2011 auch unbedingt einen schnelleren Atomkraftausstieg. Stolz verkündete er, Bayern schalte das erste Atomkraftwerk ab.

Stattdessen verfügte er, auf erneuerbare Energien zu setzen, die Photovoltaik „massiv auszubauen“ und  Bayern müsse „Sonnenland Nummer Eins“ werden.

[….] Der Auftritt an diesem Tag ist eine einzige Provokation von Markus Söder. Der Umweltminister der CSU hat sich für diese wichtige Sitzung des bayerischen Kabinetts eine grüne Krawatte umgebunden. So gibt sich Söder seit dem Reaktorunfall von Fukushima, grün bis zum Hals. Jeder soll wissen, wo Söder neuerdings steht. [….] Dass dieser Tag aber zur ersten wirklichen Zerreißprobe für Schwarz-Gelb in Bayern werden sollte, ahnt noch niemand, als sich die Politiker gegen 10 Uhr in der Staatskanzlei versammeln. Es ist Söder, der die Auseinandersetzung auf die Spitze treibt und sogar mit Rücktritt droht, wenn es nicht nach dem Willen der CSU gehen sollte.

Die CSU will spätestens 2022 aussteigen, Parteichef Horst Seehofer hat das jedenfalls so auf der Vorstandsklausur der CSU im Kloster Andechs gegen größte Widerstände durchgesetzt. [….] In dieser aufgeheizten Stimmung meldet sich Teilnehmern zufolge Markus Söder zu Wort, und wirft der FDP vor, Politik gegen Mehrheiten zu machen. Und dann wird er an diesem Vormittag noch sehr deutlich. Sollte sich Bayern auf einen späteren Zeitpunkt für den Atomausstieg als 2022 festlegen, habe "dies tiefgreifende Konsequenzen" für das Kabinett und auch für ihn "ganz persönlich". Es ist eine Rücktrittsdrohung, auch wenn das Wort Rücktritt nicht fällt. [….]

(SZ, 26.05.2011)

Es war natürlich wie immer beim Franken-Trump: Er log. Nur wenige Jahre später hetzte der Öko-Schwätzer von einst gegen Grüne und Sozialdemokraten, die es wagten genau das umzusetzen, das Söder selbst so vehement eingefordert hatte.

Nun verlangte der Bayer das diametrale Gegenteil, vergaß alle seine ökologischen und sicherheitspolitischen Bedenken. Insbesondere demonstrierte er aber seine völlige ökonomische Ahnungslosigkeit.

Schwarze, braune und gelbe Politiker verfügen aber argumentativ über einen enormen Vorteil gegenüber Grünen und Roten: Sie agieren völlig fakten- und moralbefreit. Hemmungslos lügen sie das Blaue vom Himmel runter, während sich die Sozis an die lästige Realität ketten. So verweist Söder auf frei erfundene Studien zu Mini-Kraftwerken.

[….] Ähnlich weltfremd ist eine weitere Idee von Union und FDP: Sie trommeln für eine Renaissance der klassischen Atomenergie per Kernspaltung. CSU-Chef Markus Söder hofft vor allem auf „Minireaktoren“, die er natürlich ebenfalls am liebsten in Bayern erforschen würde. Mini­reaktoren: Dieses Konzept klingt futuristisch, ist aber in Wahrheit uralt. Schon in den 1950er Jahren träumte man vom „Kraftwerk in der Kiste“. Die Kleinreaktoren sollten als Flugzeugantrieb dienen oder als „Babyreaktoren“ Räume heizen. Es kam bekanntlich anders. Diese Art von Minireaktoren wurde nie gebaut, und ein Grund war, dass auch sie strahlenden Atommüll hinterlassen, den niemand in seinem Wohnzimmer oder in der Küche haben wollte. Errichtet wurden stattdessen Großkraftwerke, die sich besser beherrschen ließen. Aber auch dort kam es zu den sattsam bekannten Problemen: Für den deutschen Atommüll gibt es bisher kein Endlager, und zudem wird der Bau neuer Reaktoren immer teurer. Was auch gern übersehen wird: Das Uran würde nur 13 Jahre lang reichen, wenn man den ganzen Globus mit Kernenergie versorgen wollte, um die fossilen Brennstoffe zu ersetzen und weltweit Klimaschutz zu betreiben. Momentan ist die Atomenergie ein Nischenphänomen, das weniger als 5 Prozent des globalen Endenergieverbrauchs abdeckt.  [….]

(Ulrike Herrmann, 12.05.2023)

(….) Söder ist jetzt Vollzeitpopulist, der dringend davon ablenken muss, wie er und seine CSU die Energieversorgungssicherheit Bayerns zerstörten.

Bayerns CSU ist gegen Stromtrassen.

Bayerns CSU ist gegen Genehmigungen von Windkrafträdern.

Bayerns CSU ist gegen Fracking in Bayern.

Bayerns CSU ist gegen Atommüllendlagersuche in Bayern.

Bayerns CSU ist gegen Gasspeicher in Bayern.

Bayerns CSU ist dagegen, daran erinnert zu werden, einseitig auf Putins Gas gesetzt zu haben.

Bayerns CSU ist gegen das Zeigen von Bildern ihrer Ministerpräsidenten Stoiber, Seehofer und Söder, die allesamt nach Moskau pilgerten, um Putins Hintern zu küssen.

Bayerns CSU ist gegen die Erinnerung daran, daß Söder im Jahr 2011 massiv für den Atomausstieg kämpfte. (…)

(Söder verabschiedet sich endgültig von der Politik, 18.04.2023)

Aber was schert Söder sein Geschwätz von gestern?  

[….] Markus Söder ist auch für eine längere Laufzeit der drei verbliebenen AKWs. Er sieht die Kernkraft als Alternative zur Gas-Verstromung. Was ist mit Windkraftanlagen? Bayern hat in der ersten Jahreshälfte gerade mal drei Windräder gebaut. Das geht im Arbeitszeugnis nicht mal als "stets bemüht" durch. Höchstens, wenn es darum geht, anderen vorzuschreiben, wie es richtig geht. Söder sagt immer zu allem: "Von mir aus - aber nicht hier!" Windkraft? "Von mir aus - aber nicht hier!" Atomkraft - samt Endlager? "Von mir aus - aber nicht hier!" Fracking? "Von mir aus - aber nicht hier!" Markus Söder ist für Fracking, aber nur in Niedersachsen. Für Atomkraft, will aber kein Endlager in Bayern und auch keine Windkraft und keine Stromtrassen. Alle Vorteile, aber keine Konsequenzen - was Söder will ist im Grunde die Terrawatt-legende Windmühlsau, die Quadratur des Stromkreises. […..]

(Christian Ehring, ExtraDrei, 06.08.2022)

Das schwarzgelbe Ausstiegsgesetz von 2011, nach dem Ende 2022 die letzten drei Meiler vom Netz gingen, haben nicht etwa die Grünen ersonnen, sondern CDU, CSU und FDP. Markus Söder trommelte am lautesten dafür, schnell und konsequent aus der Kernenergiegewinnung auszusteigen. Söder drohte im bayerischen Kabinett mit Rücktritt, sollte, der Atomausstieg erst nach 2022 erfolgen. Zusammen mit seinen konservativen Freunden war er der größte Anti-AKW-Fanboy.

"Der Atomausstieg wird bis 2022 vollzogen und ist unumkehrbar."

(CSU MP Seehofer, 30.5.2011 über den Fahrplan der schwarz-gelben Koalition zur Energiewende)

"Das Ergebnis ist konsistent und konsequent."

(Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), 30.5.2011 zu den Ausstiegsplänen der Koalition)

"Das größte Modernisierungs-, Innovations-, und Investitionsprojekt für Deutschland seit langem".

(Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), 30.6.2011 im Sender hr-Info zum Atomausstieg und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz)

"da gibt es keinerlei sogenannte Hintertüren, sondern das ist ein ganz transparenter klarer Fahrplan. Ich halte den auch für richtig, insbesondere auch, dass die sieben alten Meiler vom Netz gehen. Hier hat es ja auch schon zu einem frühen Zeitpunkt Stimmen aus der FDP gegeben, die das nahegelegt haben."

(Christian Lindner, 30.5.2011 über den von Schwarz-Gelb beschlossenen Atomausstieg)

"Wenn wir den Aufbau der erneuerbaren Energien maximal beschleunigen und Widerstände gegen Pumpspeicherkraftwerke und Ähnliches überwinden können, dann ist ein Umstieg auch in einem Jahrzehnt denkbar." 

(CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, 6.4.2011)

"Vernunft und der Verantwortung".

(CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, 6.6.2011: Er bezeichnet das beschlossene Ausstiegsdatum 2022 als eine Zahl der..)

"Ich freue mich deswegen, weil es gerade auch mein Vorschlag, der Vorschlag von Horst Seehofer und der Vorschlag der CSU war."

(Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU), 30.5.2011 über den von Schwarz-Gelb beschlossenen Atomausstieg)

Markus Söder fuhr die Energiepolitik gründlich gegen die Wand.

Man kann ihn nicht ernst nehmen und sollte jeden CSU-Kommentar zur Atomenergie erst in dem Moment wieder ernst nehmen, wenn Bayern als Good-Will-Geste und zum Beweis der seriösen Endlagerungsmöglichkeit von hochradioaktiven Millionen Jahre strahlenden Nuklearabfällen, dem gesamten Deutschen Atommüll in Bayern eingelagert hat. Aber ungeniert reitet der manische Wurstfresser das tote Nuklearpferd weiter.

[….] Suche nach Endlager: Bayern will Atomkraft, aber keinen Atommüll. Das darf man Söder nicht durchgehen lassen

Diesen Wettbewerb will niemand gewinnen: Seit fast zehn Jahren prüft die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), wo Atommüll dauerhaft gefahrlos bleiben kann, eine Million Jahre lang, 300 bis 1500 Meter unter der Erdoberfläche. [….] Heute hat die BGE ihren letzten Zwischenstand veröffentlicht. Nun sind weniger als fünf Prozent des Bundesgebietes übrig. Hessen, Berlin und Sachsen sind ebenso aus der Auswahl gefallen wie schon zuvor Rheinland-Pfalz und das Saarland, weil es dort keine Region gibt, die geologisch geeignet ist, um hoch radioaktiven Atommüll aus den abgeschalteten deutschen Kernkraftwerken einzulagern. [….] Bayern aber ist auf der Liste geblieben. Dabei geht es nur um kleine Teile des Bundeslandes. Zuletzt waren nur noch wenige Regionen des Freistaats im Rennen.

Aber selbst das dürfte eine zu große Zumutung für die Landesregierung in München sein. Ein Atommüllendlager im eigenen Bundesland, das kann sich Ministerpräsident Markus Söder so gar nicht vorstellen. »Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geologisch geeigneter Standort für ein Atomendlager ist«, heißt es im Koalitionsvertrag mit den Freien Wählern. [….] Dabei ist Söder ein Atomkraftfan. Den Atomausstieg im April 2023 hat er als »schweren Fehler« kritisiert, wollte sogar den Reaktor »Isar 2« in Eigenregie weiterbetreiben. Auch neuere, kleinere Meiler würde Söder gern in Bayern sehen. Nur mit den strahlenden Folgen will er nicht behelligt werden.

Dabei läuft der wissenschaftliche Auswahlprozess noch. Dass Bayern sich selbst aus der bundesweiten Suche herausnimmt, ist dreist. Das kann, das darf so nicht laufen. [….] Der Müll ist da, produziert in Jahrzehnten der Atomkraftnutzung in beiden Teilen Deutschlands. Derzeit wird er in Deutschland in 16 Zwischenlagern im Land verwahrt. Auch aus Gründen der Terrorabwehr kann das keine dauerhafte Lösung sein. Deutschland braucht ein Endlager. Und Bayern darf sich nicht wegducken bei der Frage, wo dies am besten sein wird.

Auch die von Söder gewollten neuen, kleinere Atomreaktoren würden wieder strahlenden Abfall produzieren. Und auch der müsste irgendwohin. [….] 

(Christoph Seidler, 27.10.2026)

Montag, 26. Oktober 2026

Kirche auf der falschen Seite – wie immer

Ach die armen katholischen Bischöfe. Da haben sie sich wieder einmal mit einem Vergewaltiger und Pädokriminellen zusammengesetzt, den Täter mit ihren Gebeten unterstützt und damit seinen Opfern noch einmal demonstrativ Messer in den Rücken gerammt.

Sie dachten aber, sie täten das nur vor Gott, der zwar alles sieht, aber es achselzuckend geschehen lässt, wenn Kinder sexuell missbraucht, gequält und ausgebeutet werden, wenn sie daran ihr Leben lang psychisch schwer leiden oder aber in den Suizid getrieben werden.


Dem Gott, der beim Missbrauch von Myriaden Kindern zusieht und dann den Täter uralt, mächtig und steinreich werden lässt. Ihn zum US-Präsidenten und Multimilliardär aufsteigen lässt.

Wenn die Sexualtäter eine Hausarbeit schreiben müssen, reicht es ja auch mal mit der Sühne.

Vor dem Gott kamen die US-Bischöfe ins Weiße Haus, um Trump zu preisen. Und vor Trumps Fotographen. Wenn die Bischöfe zehn Tage vor den Midterm-Wahlen, bei denen Trump gewaltig unter Druck steht, zu ihm eilen, während die USA gerade von schweren Kindesmissbrauchs- und Vergewaltigungsskandalen, bei denen sich Trumps Republikaner auf die Seite der Täter stellen, können sie ja nun wirklich nicht ahnen, von dem orangen Mann zu Wahlkampfzwecken missbraucht zu werden.

[…] Zwei Bischöfe haben sich öffentlich für ihre Teilnahme an einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump entschuldigt. Sie werfen dem Weißen Haus vor, ein gemeinsames Gebet politisch instrumentalisiert zu haben.

Am 22. Oktober trafen zwölf katholische Bischöfe im Weißen Haus mit Donald Trump zusammen. Im Oval Office beteten sie für den US-Präsidenten. Das Weiße Haus veröffentlichte ein kurzes Video über die Plattform X, das Margo Martin, Kommunikationsberaterin des Präsidenten, teilte.

Erzbischof Jeffrey Grob von Milwaukee hat jetzt in einer öffentlichen Entschuldigung („public apology“) sein Bedauern über die Teilnahme an dem Treffen ausgedrückt. […] Das Treffen sei von der konservativen Heritage Foundation organisiert worden. Nach einer rund 90-minütigen Besprechung mit verschiedenen Beratern seien die Bischöfe ins Oval Office geführt worden, wo ein gemeinsames Gebet mit dem Präsidenten stattfand. […] Der Erzbischof betont, seine Teilnahme habe keine Unterstützung für Trump, dessen Politik oder Partei bedeutet. Er habe gehofft, Anliegen der Kirche und der Betroffenen direkt vorbringen zu können. Gleichzeitig sei ihm signalisiert worden, dass es sich um eine vertrauliche Begegnung handeln werde. Die Bischöfe hätten einer öffentlichen Verbreitung von Fotos oder Videos nicht zugestimmt. […] In seiner Erklärung räumt Grob Fehler ein. Viele Gläubige hätten den Eindruck gewonnen, die Kirchenvertreter hätten sich kurz vor der US-Präsidentschaftswahl für politische Zwecke vereinnahmen lassen. […] Erzbischof James Golka (Denver) verteidigte dagegen seine Teilnahme an dem Treffen im Weißen Haus, räumte jedoch ein, dass der Termin so kurz vor den Midterms-Wahlen kritische Fragen aufgeworfen habe. Er habe zunächst ein privates Treffen mit Trump erwartet, […] „Ich verstehe, dass viele Menschen das Video […] als Wahlempfehlung aufgefasst haben. Das war niemals meine Absicht“, betonte der Erzbischof. […] 

(Jesus.de, 26.10.2026)

Was? Trump nutzt das katholische Bischofsgebet für ihn politisch aus? DAS war nun wirklich nicht zu erwarten! Der Christ Trump ist doch sonst dafür bekannt, stets ehrlich und altruistisch zu handeln. Nie würde er aus egoistischen Motiven andere ausnutzen!

Wenn aber ein Täter eine Täter-Organisation ausnutzt, geschieht schon einmal etwas göttliche Gerechtigkeit. Möge der katholischen Kirche der USA der Kniefall vor dem orangen Diktator schwer schaden! Mögen sie viele Mitglieder und noch viel mehr Spenden verlieren. Wahre Gerechtigkeit ist das natürlich nicht. Für die Opfer der Pädogewaltpriester und des Pädogewaltpräsidenten kann es nie echte Gerechtigkeit geben.

Aber ein grober juristischer Keil ist schon mal nicht schlecht.

[…] Das katholische Erzbistum New York hat sich mit rund 1.300 Menschen, die ihm sexuelle Übergriffe durch Geistliche und weitere kirchliche Mitarbeiter vorwerfen, auf einen Vergleich über insgesamt 800 Millionen US-Dollar geeinigt. Das berichtet „Vatican News“ am Montag. […] Die Einigung soll die mehrere Jahre dauernden Rechtsstreitigkeiten beenden. Möglich wurden zahlreiche Klagen durch das 2019 verabschiedete Gesetz „Child Victims Act“. Es erleichterte Betroffenen von sexuellem Kindesmissbrauch, auch wegen lange zurückliegender Taten zivilrechtlich vorzugehen. Die Parteien hatten sich bereits im Mai auf einen Rahmen für den Vergleich verständigt. […] Erzbischof Ronald Hicks erklärte in einer E-Mail an Priester seines Erzbistums, er hoffe auf ein gewisses Maß an Heilung und Versöhnung für die Betroffenen. Die Einigung solle es der Erzdiözese ermöglichen, sich wieder stärker auf Seelsorge, Bildung und soziale Arbeit zu konzentrieren. Opferanwalt Jeff Anderson betonte dagegen, die Entschädigung sei kein vollständiger Ausgleich für das erlittene Leid. […] Der Vergleich über 800 Millionen Dollar wäre der zweithöchste bekannte Missbrauchsvergleich einer katholischen Erzdiözese in den USA. Nur das Erzbistum Los Angeles vereinbarte einem Medienbericht zufolge 2024 mit 880 Millionen Dollar eine höhere Summe.  [….]

(PRO, 26.10.2026)

Die Kinders€xorganisation RKK hält bis heute an den bekannten missbrauchsfördernden Strukturen fest, hält öffentlich zu Tätern.

Möge sie finanziell bluten, bis sie wirklich auf den weltlichen Besitz des J€sus Christus von 2.000 Jahren zurück geworfen ist: Ein paar Sandalen und eine Windelhose.

Sonntag, 25. Oktober 2026

Peinlicher geht immer.

Das kann doch niemand mehr aushalten.

Ich habe es so satt, ich habe es so satt, ich habe es so satt: Sich täglich auf’s Neue für den Bundeskanzler schämen zu müssen, der immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Entgleisungen, rüpelhaften Beleidigungen und entwaffnender Dummheit peinlich auffällt.

Ulrike Herrmann kann man in diesem Zusammenhang gar nicht oft genug zitieren.

[….] das darf man einfach nicht vergessen, er hat nie regiert. Er war noch nicht mal Oberbürgermeister (…) und dann will er aber Kanzler werden. (….) Vorher waren alle entweder Ministerpräsident oder Minister, alle hatten Regierungserfahrung. Merz ist der erste, der einfach denkt, ich kann Kanzler werden. Und da muss man auch sagen, dass in aller Härte, da hat die CDU als Volkspartei versagt. Die hat überhaupt nicht ernst genommen, was es heißt, Kanzler zu sein. Also, dass man da einen Profi hinschicken muss und nicht ein Laienschauspieler.

So, und das nächste ist das zweite große Problem von Merz.

Er hat die fatale Neigung, sich selber zu klonen. Also Merz kommt, das ist ja auch okay, aus Brilon, das ist katholische Provinz in Nordrein-Westfalen. So und Carsten Linnemann kommt aus Paderborn, war sein Generalsekretär, jetzt Gesundheitsminister, kommt aus der katholischen Provinz in Nordrein-Westwalen. Jens Spahn kam auch aus der katholischen Provinz in Nordrhein-Westwalen. Also nichts gegen die katholische Provinz in Nordrhein-Westfalen, aber es ist Quatsch zu denken, dass man ganz Deutschland aus dieser Perspektive regieren kann. Der einzige, der da noch so eine Ausnahme war, war dann Torsten Frei. Ja, der war aus der evangelischen Provinz von Baden-Württemberg, aber immer nur Männer, immer nur Provinz, das kann nicht klappen. […]

(Ulrike Herrmann, 11.08.2026)

Aber Merz ist eben nicht nur unerfahrener „Kanzler-Azubi“, denn Azubis lernen stetig hinzu, werden täglich besser. Merz ist das Gegenteil davon. Als Inkarnation der Borniertheit, glaubt er fest daran, bereits alles zu wissen. Er lernt weder dazu, noch lässt er sich beraten. Und so wiederholt er täglich dieselben Fehler.

Es gibt Menschen, die bis ins höchste Alter ihre Perspektiven erweitern, weiser werden. Auch das gelang Merz nie. Er ist ein katholisches Provinz-Gewächs mit einem neoliberalen Mindset aus dem vorherigen Jahrtausend. Klimaschutz, Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien, gesellschaftliche Teilhabe gibt es in seinem Weltbild nicht. Frauen- oder Arbeitnehmerrechte, Umweltschutz sind bei ihm bloß den Gewinn schmälernde Störfaktoren, die es abzuschaffen gilt.

Daher holt er modernde Klischees aus der Mottenkiste, deren Gestank dem Publikum die Sinne raubt, während er selbst die olfaktorische Attacke gar nicht wahrnimmt.

[….] Merz nutzte den Gipfel in Berlin, um die Stärken von Deutschland als Standort hervorzuheben. Dazu nahm der Kanzler Klischees zur Hilfe: "Deutsche gelten als fleißig, gehen früh schlafen und stehen noch vor Sonnenaufgang auf." Der Berufsverkehr sei morgens zwischen 6 und 7 Uhr am stärksten. "Im Urlaub sind wir die Ersten am Strand und legen schon vor dem Frühstück unsere Handtücher aus. Und wenn wir Liefertermine vereinbaren, dann halten wir diese auch ein."

Deutsche seien zuverlässig, berechenbar, präzise und für keine Überraschungen gut, sagte Merz. "Kurz gesagt: Wir sind genau das, was Investoren am meisten schätzen." Das Gute an Klischees sei nämlich, dass sie oft voller Wahrheit steckten.   [….]

(Tagesschau, 20.10.2026)

Es gibt die bekannten drei Politdemenz-Stadien: Erst merken sie selbst, Unsinn von sich zu geben, dann merken es auch die anderen und schließlich merken es nur noch die anderen. Ganz offensichtlich hat die Briloner Bratpfanne längst Stadium Drei erreicht.

Jahr und Tag bepöbelt er sein deutsches Volk als faul, nicht leistungswillig, der Dreitagewoche frönend, sich nach Lifestylefreizeit zu sehnen, viel zu oft krank zu feiern, nur um dann für den milliardenschweren Heuschrecken, die 100 Jahre alten Klischees von den fleißigen unfehlbaren pünktlichen deutschen Arbeitsbienen auszupacken.

Der Fritzekanzler merkt gar nichts mehr.

[…] Friedrich Merz hatte in dieser Woche seine schönen Momente. Er war aber auch so richtig in seiner Welt: Die globalen Wirtschaftsgrößen waren bei ihm zu Gast, rund 200 CEOs und Unternehmenslenker aus dem In- und Ausland, die Entscheider, deren Daumen bei Investitionen hoch- oder runtergeht. [….] Wie peinlich: Der Kanzler wirbt mit Handtüchern auf Poolliegen

Ich war allerdings ein wenig irritiert, dass der Bundeskanzler unsere peinliche Charakterschwäche hervorhob: Die Deutschen, sagte er in seiner Begrüßungsrede, seien superfleißig, superpünktlich. Sogar im Urlaub stünden sie ganz früh auf, um die besten Poolliegen mit Handtüchern zu reservieren.

Mag sein, dass er es witzig meinte. Doch diese Unsitte gehört nicht als Kalauer auf dieses Forum. Es macht uns einfach unsympathisch. Mich hält die Handtuch-Reservierung sogar davon ab, Pauschalurlaube zu buchen, denn Beobachter sprechen von regelrechten Handtuchkriegen. Es ist genauso wie an der Tür zur U-Bahn, wenn sich Fahrgäste so schnell es geht die freien Plätze schnappen, obwohl sie im Büro ohnehin den ganzen Tag sitzen.  [….]

(Brigitta Stauber, Funke, 25.10.2026)

Samstag, 24. Oktober 2026

Der schwarze Staat

Angela Merkel wird deswegen so bejubelt und positiv konnotiert, weil Fritze Merz mit seiner sagenhaften generellen Unfähigkeit, unfreiwillig a posteriori verdeutlicht, welche Talente sie für den Job mitbrachte. Dazu gehörte insbesondere ihre beeindruckende Fähigkeit, öffentlich zu sprechen, ohne dabei Lügen und Beleidigungen auszuspucken, die anschließend von den Mitarbeiten mühsam wieder richtiggestellt werden müssen. Ebenfalls heute kaum noch vorstellbar; Merkel war in der Lage, sich nicht von ihren Emotionen treiben zu lassen, sondern rational zu denken.

Das würde man sich heute auch wieder aus dem Kanzleramt wünschen.

Verklären darf man Merkels Kanzlerschaft natürlich nicht. 16 Jahre an der Spitze zu bleiben, ist eine große parteipolitische Leistung, die Merz niemals erreichen wird.

Für Deutschland und seine Bürger waren die Merkel-Jahre allerdings eine Katastrophe. Wird sind international abgehängt, haben bei allen zukunftsträchtigen Parametern den Anschluss verpasst und durch innenpolitische Bräsigkeit unsere Bildungs-, Gesundheits- und Infrastruktur ruiniert. Es ist im Grunde alles mumifiziert worden. Bundeswehr, internationale Beziehungen, demokratisches Vertrauen.

Merkel konnte gut Wahlen gewinnen und ihre eigene Macht im Kanzleramt sichern. Darin war sie geradezu brillant. Wenn sie nur gewollte hätte, würde sie immer noch regieren, so gut verstand sie es, Volk und Medien einzulullen.

Wie so viele Pariarchen, verstand sie es auch als Matriarchin nicht, rechtzeitig Talente zu fördern. Sie ließ niemanden neben sich groß werden, der ihr nachfolgen konnte. Die Postmerkel-CDU besteht aus politischen Blendern, die alle mehrere Nummern zu klein für das Kanzleramt sind. Ihre Personalpolitik war legendär schlecht. Nehmen wir nur ihre sieben Generalsekretäre Ruprecht Polenz, Laurenz Meyer, Volker Kauder, Ronald Pofalla, Hermann Gröhe, Peter Tauber und Kramp-Karrenbauer.

Insbesondere konnte Merkel keine Bundespräsidenten kreieren. Zwei ihrer CDU- Gewächse scheiterten nacheinander an Unfähigkeit und mussten zurücktreten.

Horst Köhler (CDU) – 01.07.2004 – 31.05.2010 und Christian Wulff (CDU) – 02.07.2010 – 17.02.2012. Nach Wulffs Rücktritt scheiterte sie sogar komplett dabei, einen CDUCSU-Kandidaten durchzusetzen, ließ sich von Siegmar Gabriel übertölpeln und den parteilosen Gauck ins Bundespräsidialamt einziehen. Nur um nach dessen planmäßigen Ende der Amtszeit erneut keinen gemeinsamen CDUCSU-Kandidaten präsentieren zu können, so daß die viel kleinere SPD Frank-Walter Steinmeier durchsetzen konnte und auch seine Wiederwahl 2022 managte.

Durch die weitere SPD-Verzwergung und den massiven Drang des Urnenpöbels, AfD-Nazis in die Parlamente und Bundesversammlung zu schicken, sind inzwischen nahezu alle Macht-Positionen des Staates in CDUCSU-Hand.

Die Mehrheitsverhältnisse in der 18. Bundesversammlung am 30. Januar 2027 mit ihren geboren und gekorenen Mitgliedern verhindern ganz klar eine progressive Kandidatin.

Hier ist also zunächst einmal die CDUCSU gefragt, einen Kandidaten ins Spiel zu bringen, der dann allerdings noch etwa 200 Stimmen von anderen Parteien benötigt. Die CDU sollte also SPD und Grünen schmeicheln. Allerdings kann Merz Personalpolitik noch viel weniger als Angela Merkel, wie er mit seiner völlig misslungenen Kabinettsrochade bewies. Es steht unter dem starken Druck, endlich eine Frau ins Amt zu bringen. Es steht unter dem starken Druck, seiner Partei endlich einmal eine konservative „CDU pur“ Figur zu präsentieren. Dabei darf er aber die die SPD nicht zu stark vor den Kopf stoßen (zB mit Prien oder Klöckner) und sollte auch keine allzu großen Lücken reißen, die er nicht neubesetzt bekommt (zB mit Prien oder Klöckner).

Merz kann das natürlich nicht und eiert in der BuPrä-Frage peinlich herum.

Auch Söder steckt in der Klemme. Sein Parteitag feiert gerade Ilse Aigner. Als CSU-Chef würde er schon gern die erste CSU-Bundespräsidentin der Geschichte durchsetzen. Noch wichtiger ist es ihm, Merz wieder einmal zu demütigen und erneut einen CDU-Präsidenten zu verhindern. Merz hat keine Antwort darauf und windet sich auf dem CSU-Parteitag. Seine Journalistenfreunde bejubeln es bereits: Merz hat es ausnahmsweise immerhin geschafft, die Klappe zu halten und nicht noch mehr Porzellan zu zerschlagen.

[…] Die Falle, die sie für den Bundeskanzler aufgebaut haben, besteht aus mehr als tausend Leuten und ist umrahmt von idyllischen Landschaften: großformatige Bilder aus den bayerischen Bezirken, Zugspitze, Bodensee, Walhalla, Münchner Frauenkirche. […] Anders kann man das ja kaum nennen, was Söder und seine Partei auf ihrem Parteitag zusammengezimmert haben. Die CSU empfiehlt Ilse Aigner, ihre bayerische Landtagspräsidentin, mit wärmsten Worten und vor allem mit Nachdruck als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin. […] Die Frage, wen die Union im Zusammenspiel mit der SPD für das Schloss Bellevue nominiert, ist ja noch völlig offen. Jetzt also, mitten in der Aigner-Ultras-Fankurve in den Münchner Messehallen, soll sich der Kanzler bekennen. Oder doch nicht?

Merz beginnt mit seiner Rede, ganz formal. Lieber Markus Söder, liebe Ilse Aigner. Und dann geht es los, wie auf Knopfdruck. Der Saal erhebt sich, klatscht donnernd, da spricht Friedrich Merz noch keine fünf Sekunden. Schon die Erwähnung des Namens der christsozialen Wunschbundespräsidentin taugt in München also für orgiastische Anwandlungen. Es wird erst nach minutenlangem Applaus wieder ruhiger, lieber Manfred Weber, lieber Theo Waigel, und so weiter.

Doch das war's. Kein Wort über die „P-Frage“, wie CSUler die Sache mit der Präsidentschaft längst nennen. Merz ist nicht in die Falle getappt. Denn jedes Bekenntnis zu Aigner oder gar der Eindruck, bei der Schwester in München würde über diese Personalie entschieden, hätte ihm nur Ärger mit seiner eigenen Partei eingebrockt. Und als Zeichen der Schwäche wäre ihm das auch auszulegen gewesen.  […]

(SZ, 24.10.2026)

Ein starker CDU-Vorsitzender könnte der CSU den Posten gönnen und sich so bayrisches Wohlwollen für seine Kanzlerschaft erkaufen. Merz ist aber schwach und muss befürchten von seinen zürnenden eigenen Leuten gestürzt zu werden, wenn er sich von Söder übertölpeln lässt.

Söder spielt aber, wie immer mit gezinkten Karten. So sehr er seiner Partei mit einer Bundespräsidentin Aigner imponieren und dem Kanzler eins auswischen will: Noch lieber wäre ihm ein Scheitern Aigners. Aus drei Gründen:

·        Er kann sie nicht ausstehen, weil sie sich zu unabhängig von ihm geriert.

·        Ihre Verhinderung würde die CSU-Abgeordneten aufhetzen, so daß Söder im Koalitionsausschuss mit noch mehr Macht im Rücken agieren könnte.

·        Eine CSU-Bundespräsidentin würde nach Staatsproporz-Regeln einen CSU-Bundeskanzler Söder wesentlich unwahrscheinlicher machen. Einer Söder-Kanzlerkandidatur der CDUCSU im Jashr 2029, würden alle CDUler entgegenhalten, bereits eine CSUlerin an der Staatsspitze zu haben.

Es wird Söder nicht unlieb sein, wenn aus Bayern geraunt wird, die unverheiratete Aigner sei womöglich lesbisch und umgebe sich mit problematischen Freundinnen.

Söder setzte schon seinen früheren Konkurrenten Seehofer mit solchen Untergürtellinien-Attacken zu, verwies auf dessen Eheprobleme und eine uneheliche Tochter. Dabei kennt Söder, der selbst eine uneheliche Tochter hat, offenbar keine Schamgrenzen. Ilse Aigners privates Umfeld ist abgesehen, von der Lesbensache, die sie hart dementiert, allerdings tatsächlich problematisch.

[….] Wenn ausgerechnet Ilse Aigner, die beste Freundin der Chemtrail-Influencerin Monika Gruber, vielen auch als 🔵🟤 „Masern-Moni“ bekannt, als Bundespräsidentin gehandelt wird, ahnt man, wie es um dieses Land bestellt ist.

Fotocollage aus sieben Aufnahmen, auf denen Ilse Aigner und Monika Gruber jeweils gemeinsam zu sehen sind. Die beiden Frauen sitzen oder stehen eng nebeneinander, lächeln in die Kamera und wirken vertraut. Die Bilder entstanden bei verschiedenen Anlässen: unter anderem in Veranstaltungsräumen, in einer Kirche, in Innenräumen sowie draußen in einer Parklandschaft.  Ich wurde gefragt, ob es Belege dafür gibt, dass Ilse Aigners Freundin, die Schwurbler- und Wutbürger-Ikonin Monika Gruber, an Chemtrails glaubt. Ob sie daran glaubt? 🤷🏻‍♂️ Dass sie entsprechende Narrative verbreitet und damit ihre 🔵🟤 Bubble bedient, dafür gibt es reichlich Beispiele. Drei davon hier.  […]

(DER Wäller, 24.10.2026)

Söder und Merz richten also bei der Bundespräsidentenwahl gerade gemeinsam ein unangenehmes Chaos an, statt hinter verschlossenen Türen, die so wichtige Personalie zu klären und einen gemeinsamen Vorschlag zu präsentieren.

Sozis, Grüne und Linke haben gemeinsam keine Mehrheit.

Dennoch kann man einen Kandidaten wie Gauck oder Steinmeier durchsetzen, wenn man geschickt die offene Flanke der Schwarzen nutzt und einen (scheinbar) überparteilichen Kandidaten benennt, der so viel öffentlicher Unterstützung generiert, daß es sich die strauchelnden C-Wahlmänner nicht mehr leisten können, den Volksliebling nicht zu wählen.

Ich bleibe bei meinem Vorschlag von vor gut zehn Jahren:
(….) Müller ist eine brillante Denkerin und Rednerin, die aus eigenem Vermögen die Rolle als Bundespräsidentin ausfüllen könnte.

Sie schreibt tagesaktuelle Texte, die dann zum Beispiel 2013 im SPIEGEL erscheinen („Vorschlag eines Exilanten-Museums“) und so kommentiert werden, daß sie dafür gleich einen zweiten Nobelpreis verdient hätte.

Ich unterstütze den Vorschlag Müller mit weiteren Nobelpreisen zu ehren ausdrücklich.  Es sprechen so viele Gründe für Herta Müller als Bundespräsidentin, daß ich nicht verstehe, wie man an andere Kandidaten denken kann.

1) liebe ich diese Frau

2) ist sie keine Politikerin

3) ist sie intelligent und gebildet

4) würde sie als Nobelpreisträgerin ein klares Signal in Richtung "Kulturnation" aussenden

5) ist sie Migrantin

6) kennt sie diktatorische Regime aus eigener Erfahrung und würde im Ausland extrem glaubwürdig Stellung beziehen können

7) könnte sie in der Bundesversammlung durchsetzbar sein

8) ist sie nicht wie damals Köhler oder nun Jutta Allmendinger zu unbekannt

9) ist sie keine Pfäffin wie Gauck, Käßmann oder Lieberknecht

10) ist sie endlich mal kein Mann

11) hat sie mit 62 Jahren das beste Bundespräsidentenalter

12) beweist sie durch ihre Vita ihre Unerschrockenheit und ihren Mut

13) würde sie sich nicht von Parteichefs manipulieren lassen

14) staunte das Ausland über diese Wahl

15) wäre ich endlich mal stolz auf Deutschland. (….)

(Meine Bundespräsidentin, 06.06.2016)

Mein Wunsch wurde nicht erhört. Und so folgen zehn verlorene lahme Steinmeier-Jahre.

(….) Das Amt des Bundespräsidenten ist Mythen-umwoben; die meisten Bundespräsidenten werden absolut zu Unrecht verehrt.

Eine Bundespräsidentin, die im besten Sinne „Elite“ sein könnte, wäre Hertha Müller, die aber bekanntlich keine Chance hatte, weil der völlig überschätzte Steinmeier auf den Schild gehoben wurde. Was für ein Bundespräsidentenwahn mal wieder.

Die Mopo zitiert den Zukünftigen und tut so als ob damit ein neues Zeitalter ausbreche:

„Als Bundespräsident will ich ein Gegengewicht sein zu den Tendenzen der grenzenlosen Vereinfachung“

(Frank-Walter Steinmeier)

Gaucks Nachfolger sollte erst mal sein eigenes Denken auf bedenkliche Vereinfachungen überprüfen. (…)

(Elitenverachtung, 11.01.2017)

Schlaue Grüne und schlaue Sozis könnten außer Hertha Müller oder Hape Kerkeling, sicher weitere parteiunabhängige Kandidaten vorschlagen, die so überzeugend sind, daß sie Eigendynamik entfalten.

Leider haben wir aber nur die RRGler in ihrer realen Dümmlichkeit, die sich schon vor dem Kampf in die Hosen machen, sich vor der CDU in den Staub werfen und gemeinsam signalisieren:


Wir haben keine Würde, keine Ideen und keine politische Kraft. Uns ist die deutsche Staatsspitze egal. Wir wählen einfach, was die Spahn/Dobrindt/Merz-Truppe möchte.

Freitag, 23. Oktober 2026

Schämen für Deutschland – Teil II

Noch nicht einmal drei Jahre bin ich Deutscher Staatsbürger, aber mein Lebens-Schamkontingent scheint bereits aufgebraucht. Dabei kann ich, bedingt durch meine Erststaatsbürgerschaft USA, gewaltige Schammassen bewältigen! Was muss ich mich nicht jeden Tag auf’s Neue für 77 Millionen radikal debile MAGAs schämen, die der Welt die orange Politpest bescherten!

Scham ist ein Gefühl und daher nicht rational zu erklären. Offenbar funktioniert meine Gefühlswelt nicht wie die der meisten Menschen.

Ich empfinde immer wieder starkes Mitleid; leider auch für Typen, die es wirklich nicht verdient haben. Sogar der Fritzekanzler tut mir gelegentlich Leid, wenn ich mir vorstelle, wie er 70 Jahre mit der vollen Überzeugung, der Großartigste überhaupt zu sein, dem einem Lebenstraum nachjagte: Bundeskanzler sein. Aber kaum hat er es endlich, endlich geschafft, passiert das eine, mit dem er nie im Leben rechnete: Es stellt sich raus, daß er ein Depp ist und den Job absolut nicht kann; deutlich gegenüber allen neun Amtsvorgängern abstinkt. Politisch geschieht es dem Sauerländer Simpel zweifellos recht. Aber auf der rein persönlichen menschlichen Ebene ist es wirklich tragisch: Da merkt einer erst im Greisenalter, aber dafür coram publico, wie er sein ganzes Leben einem fatalen Irrtum aufsaß: Er ist gar nicht geiler als die verhasste Frau aus dem Osten, die 16 Jahre in dem Kanzleramt saß, welches doch eigentlich ihm gebührte!

Ich empfinde auch Mitleid, wenn ich Berichte über grausame Tode von Tyrannen wie Gaddafi oder Saddam Hussein oder Ceaușescu lese. Keine Frage, alle drei haben selbst unfassbare Grausamkeiten zu verantworten. Aber ich kann mit der biblischen Auge-um-Auge-Mentalität nichts anfangen und sobald ich mich mit einem Einzelfall beschäftige, fangen meine Spiegelneuronen an, sich auszumalen, welche Schmerzen und Qualen der Gematerte erlebt und derjenige tut mir Leid.

Mein Stolzgefühl hingegen ist völlig verkümmert. Ich bin nie auf irgendeine meiner Leistungen stolz und noch viel weniger, kann ich Stolz für eine zufällige Gruppenzugehörigkeit empfinden. Nationalismus und Patriotismus sind mir völlig fremd; ja so zuwider, daß ich bei Mannschaftssport-Ereignissen mit deutscher oder US-amerikanischer Beteiligung, immer dem Gegner die Daumen drücke. Mit den beiden Flaggen will ich nichts zu tun haben. Ich kaufe mir noch nicht einmal eine Briefmarke, die eine schwarzrotgoldene Markierung aufweist und würde mir eher die Zunge abbeißen, als eine Nationalhymne zu singen.

Ich kann wirklich nichts dafür, zufällig als Mann geboren worden zu sein. Es ist reiner Zufall, daß ich weiß bin. Ich habe mir weder meine Vorfahren, noch den Geburtsort ausgesucht. Meine Pässe entspringen dem puren Zufall. Wieso sollte ich auf irgendetwas, das damit zusammenhängt, stolz sein?

Analog sollte ich auch keine Scham für Merz oder Trump empfinden. Weder ist es meine Schuld, als jeweiliger Staatsbürger unter deren Regierungsgewalt zu fallen, noch hätte ich jemals auch nur im Traum daran gedacht, sie oder ihre Parteien zu wählen. Im Gegenteil; ich habe einige Anstrengungen unternommen, um meine jeweiligen Landleuten zu überzeugen, auf gar keinen Fall für CDU und GOP zu stimmen. Vergeblich. Leider.

Aber hier funktioniert die Ratio nicht. Ich empfinde dennoch täglich Scham für diese Leute. Jedes Mal, wenn sie wieder vor der Presse auftreten, um etwas sagenhaft Dämliches von sich zu geben. Jedes Mal, wenn sie wieder einen Regierungsbeschluss verkünden, der diametral in die falsche Richtung geht. Jedes Mal, wenn sie sich wieder mit ihrer Inkompetenz blamieren. Jedes Mal, wenn sie wieder für Kopfschütteln und Augenrollen bei den internationalen Regierungschef-Kollegen sorgen. Sie sind beide so schrecklich peinlich. Sie sind so erkenntnisresistent und versündigen sich an der Zukunft.

[….] Rechts-außen-Portal »Nius« darf erstmals im Kanzlerflieger mitreisen

Das Portal »Nius« ist für seine Rechts-außen-Kampagnen bekannt. [….] Als Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag zu einem Gipfeltreffen nach Montenegro reiste, nahm er in der Regierungsmaschine mehr als ein Dutzend Journalistinnen und Journalisten mit. Das ist gängige Praxis auf solchen Reisen. Zum ersten Mal flog aber auch ein Mitarbeiter des Portals »Nius« mit – der ehemalige »Bild«-Journalist Ralf Schuler.

Der Vorgang ist bemerkenswert. »Nius« ist das Medium des früheren »Bild«-Chefs Julian Reichelt. Das Portal verbreitet völkische Positionen, hetzt unter anderem gegen Migranten und trans Menschen (mehr dazu hier). […]

(SPON, 23.10.2026)

Der Sauerländer AfD-Verstärker ist so peinlich! Zum Mitschämen.

Geschichtsvergessen und amoralisch.

[…] Deutschland verwehrt afghanischen Ortskräften berechtigte Ansprüche[…] Die Bundesregierung hält sich nur zum Schein an Vorgaben des Verfassungsgerichts und weigert sich, einige wenige besonders gefährdete Menschen aus Afghanistan zu schützen. Das ist über die Maßen zynisch. […] Im Sommer erst hat Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) vom Bundesverfassungsgericht einen schweren Verweis kassiert: Die Bundesregierung, so das Gericht, habe willkürlich gehandelt, als sie Ende 2025 die Aufnahmezusagen Deutschlands von Hunderten nachweislich durch die Taliban gefährdeten Afghan:innen pauschal annullierte und das mit nicht mehr vorhandenem „politischen Interesse“ Deutschlands begründete. Karlsruhe zog die Bremse und verlangte vom Innenministerium (BMI), was selbstverständlich sein sollte: Rechtsstaatlichkeit. Vor der Abkehr von einer Aufnahmezusage müsse jeder Einzelfall geprüft werden. […] Jetzt zeigt sich: Die Bundesregierung hält sich nur zum Schein daran. Von den gut 30 in Pakistan festsitzenden Familien, deren Fälle seit dem Richterspruch überprüft wurden, hat erneut keine einzige Visa für Deutschland bekommen. […] (Ursula Rüssmann, 19.10.2026)

Ich möchte mir ein tiefes Loch in den Boden graben, um darin zu verschwinden.

[…] Sie wollen 170 Euro pro Monat. Ist das zu viel?

Polens Opfer des NS-Regimes wünschen sich eine »humanitäre Geste«, doch dafür hat Deutschland bisher kein Geld vorgesehen. Die Entscheidung zu vertagen, wäre schäbig. [….] Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte »humanitäre Geste« aber ist eine freiwillige Zahlung, über die erst der Sozialdemokrat Olaf Scholz, dann der Christdemokrat Friedrich Merz mit dem liberalkonservativen Regierungschef Donald Tusk sprach, als dieser neu ins Amt kam. Der polnischen Seite schweben etwa 10.000 Złoty pro Jahr und Person vor, etwas mehr als 2.000 Euro. Das macht keine 170 Euro pro Monat. Und doch ist nichts passiert und soll auch nichts passieren. Weder zahlte die alte Bundesregierung unter Olaf Scholz, noch sieht Friedrich Merz dafür Geld vor: Im Haushalt der Bundesregierung für das kommende Jahr sind bisher keine Mittel für die »humanitäre Geste« eingeplant.

»Beeilt euch!«, warnte Tusk eindringlich die Deutschen. Er hat recht: Bei seinem Treffen mit Scholz 2024 war noch von 60.000 Überlebenden in Polen die Rede. Heute sollen es schon weniger als 50.000 sein. Jeden Monat werden es weniger. Die Leute sind alt, und sie sterben. Der deutsche Außenminister drängt auf die humanitäre Geste, der deutsch-polnische Koordinator von der CDU will sie, alle deutsch-polnischen Experten wollen sie. Aber der Kanzler, der am Ende entscheiden muss, überlegt noch.

Hört man sich im Berliner Betrieb um, warum Friedrich Merz zögert, findet man nicht wirklich eine Antwort. Man kann nur rätseln. Ist es das Haushaltsloch, das längst zu einem innenpolitischen Problem geworden ist? Die Sorge, dass es nie reichen wird, was die Deutschen leisten? Dass dann noch mehr Menschen anderswo Entschädigung von den Deutschen fordern werden? Oder ist es die Hoffnung darauf, dass Geschichte irgendwann vergeht?  […]

(ZEIT, Alice Bota, 23.10.2026)

Der häßliche Deutsche! Repräsentiert in 198 cm hagerem Sauerland! Ich schäme mich so dafür!

[….] Deutschland verweigert den Nachfahren der ermordeten Ovaherero und Nama das Mindeste. […] Seit 2021 ist der Genozid an Ovaherero und Nama offiziell anerkannt – die Entschuldigung Deutschlands ist also überfällig.

Der Kolonialismus war keine Randerscheinung, er ist mit der Geschichte der modernen Welt untrennbar verwoben. Er hat zum Wohlstand Europas beigetragen, in dem wir bis heute leben. Wohlstand, der auf unvorstellbaren Verbrechen gründet.

Fünf Jahrhunderte lang haben europäische Mächte Teile Amerikas, Asiens, Ozeaniens und fast ganz Afrika unterworfen. Sie nahmen sich Land, Rohstoffe und Arbeitskraft – fast immer mit Gewalt. Wie viele Menschen der Kolonialismus das Leben gekostet hat, lässt sich nicht genau beziffern. Sicher ist: Es waren viele Zigmillionen. Und die viertgrößte Kolonialmacht war das Deutsche Kaiserreich von 1884 bis 1919. Aus dieser Zeit sind etliche Gräueltaten überliefert, aber am brutalsten ging das Kaiserreich im heutigen Namibia vor. Als Ovaherero und Nama 1904 Widerstand gegen die deutschen Besatzer leisteten, befahl Generalleutnant Lothar von Trotha die Vernichtung. Es war der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Wie aber geht Deutschland, das seine Erinnerungskultur mit einem gewissen Stolz vor sich herträgt, mit diesen Verbrechen um? Irritierend zögerlich. Mehr als hundert Jahre hat es gedauert, bis die Bundesregierung den Völkermord offiziell anerkannte: 2021, in einer Gemeinsamen Erklärung mit Namibia. […] Doch selbst moralisch ist die Erklärung nicht. Eine offizielle Entschuldigung, ausgesprochen vom Bundespräsidenten vor dem namibischen Parlament, ist an ihre Unterzeichnung gekoppelt, und die steht seit fünf Jahren aus. Die Nachfahren der Opfer saßen bei den Verhandlungen nie mit am Tisch. Deutschland verweigert damit das Mindeste. […] wir erleben einen erinnerungspolitischen Backlash, angetrieben von der AfD. Am Mittwoch blieb für zwei Anträge zu einem Völkermord eine halbe Stunde. Ein AfD-Abgeordneter nutzte sie, um die Verbrechen infrage zu stellen, vor den Nachfahren der Opfer.

Ein zweiter Grund dürfte nüchterner sein: Geld. Wer einen Völkermord auch rechtlich anerkennt, haftet dafür und schuldet Wiedergutmachung. Darauf könnten sich auch Nachfahren in anderen früheren Kolonien berufen. Berlin sagt es zwar nicht, aber die Vermutung liegt nah: Sie fürchten einen Präzedenzfall. Eine bittere koloniale Kontinuität: Wieder entscheidet Deutschland, was den Kolonisierten zusteht.

Es ist an der Zeit, mit dieser Kontinuität zu brechen – auch wenn darin ein Dilemma steckt. Würde Berlin der namibischen Regierung vorschreiben, wer für die Ovaherero und Nama verhandelt, wäre das selbst kolonial. Die Nachfahren außen vor zu lassen, ebenso. […]

(Florian Weber, 16.10.2026)

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Die Wirtschaftsvernichter

Nach den Midterms in 12 Tagen wird das Regieren für Donald Trump noch einmal erheblich schwieriger. Viele US-Journalisten erwarten schon sehr bald eine massive Ausweitung des Irankriegs. Der selbsternannte Friedensnobelpreis-Topkandidat plant offenkundig, mit MOABs im passenden Trump-Tangerine-Teint, die 94 Millionen Menschen des Irans in die Steinzeit zu bomben.

[…] The US military has developed new strike plans that include potentially using the so-called “mother of all bombs” to target Iranian energy infrastructure and nuclear sites should President Donald Trump give the order to resume combat operations either before or after the midterm elections, according to multiple US officials familiar with the matter.

Using the GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast Bomb or MOAB, the largest non-nuclear bomb in the US arsenal, for the first time in the conflict with Iran would mark a notable escalation, even though there are doubts over how effective it would be in accomplishing any of Trump’s stated strategic objectives or tipping the balance of the war, multiple sources familiar with internal military planning discussions about potentially deploying the weapon said.  Trump is facing pressure to bring an end to the deeply unpopular war — as Republicans brace for potential political backlash from voters in the upcoming midterm elections and there is little indication the two countries are close to a negotiated resolution after more than six months of US bombing. […]

(CNN, 16.10.2026)

Unser Fritzekanzler und sein wurstfressender Franken-Trump scheinen die geopolitischen Auswirkungen wieder einmal überhaupt nicht zu begreifen. Der Rest Deutschlands schon: Das Benzin wird teurer. Ich sollte eine Wärmepumpe haben und E-Auto fahren.

[….] Ein erneutes Aufflammen des Iran-Krieges zeichnet sich immer deutlicher ab. Die USA haben eine weitere Flugzeugträgerkampfgruppe und eine amphibische Einsatzgruppe in die Region entsandt. Seit Anfang Oktober haben zudem die Flugbewegungen amerikanischer Tank- und Transportflugzeuge deutlich zugenommen. […] Israelische Analysten gehen in Hintergrundgesprächen ebenfalls davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die nächste Runde des Konflikts beginnt, der die Weltwirtschaft bereits erheblich in Mitleidenschaft gezogen hat. […] Trotz bewaffneter Auseinandersetzungen mit kurdischen und belutschischen Rebellen im Nordwesten und Südosten des Landes sitzen die Revolutionsgarden weiterhin fest im Sattel. Auch das iranische Raketen- und Drohnenarsenal scheint noch schlagkräftig genug zu sein, um in der Region verheerende Schäden anzurichten.  Bei einer erneuten Eskalation dürften zudem die geschwächte, aber weiterhin operationsfähige libanesische Hisbollah und die ohnehin wieder offensiv agierenden jemenitischen Huthis an der Seite Teherans in den Konflikt eingreifen. Der gesamten Region droht damit eine neue Welle der Gewalt und Zerstörung – mit potenziell gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft. [….]

(Jan Jessen, 20.10.2026)

Für die E.ON-Lobbyistin Katherina Reiche sind das gute Neuigkeiten, denn von steigenden Preisen profitieren überdurchschnittlich die Öl-Konzerne, während ihre konservativen Marionetten in den Regierungen, die Steuersäckel für sie öffnen.

[…] 916 Milliarden Dollar: So viel Unterstützung zahlten Regierungen 2024 laut OECD und IEA für Öl, Gas und Kohle. Deutschland subventionierte allein den Verkehr mit 31 Milliarden Euro.   Wo das Geld hinfließt: [……]

(Cleanthinking, 17.10.2026)

Die Merz/Söder/Reiche-Politik führt zu Rekord-Ausschüttungen bei den Fossil-Shareholdern. Mit einer winzig kleinen Nebenwirkung: Sie tötet auch das Leben auf diesem Planeten und läutet das Ende der Menschheit ein. Das sind aus Sicht der Christkonservativen offenkundig durchaus vertretbare Kollateralschäden. Aber sie töten auch die deutsche Wirtschaft; namentlich der vor der asiatischen Konkurrenz in die Knie gehenden deutschen Auto-Industrie, und ihrer Zulieferer.

[…] Friedrich Merz gibt den Retter der deutschen Autoindustrie. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat offenbar auf Druck des Kanzlers seinen Widerstand gegen die Aufweichung des europäischen Verbrenner-Aus aufgegeben. Geht dieser Deal in der EU durch, könnten auch nach 2035 noch neue Benziner und Diesel verkauft werden. Was der Kanzler als Erfolg verkauft, dürfte sich als historischer Fehler erweisen: Den europäischen Autokonzernen drohen neue Verzögerungen beim Anschluss an das Zeitalter der E-Mobilität.  Der Verkauf von Elektroautos nimmt gerade Fahrt auf, auch in Deutschland. Im September war mehr als jeder dritte Neuwagen elektrisch. Ausgerechnet jetzt das Ziel zu verwässern, ist industriepolitisch widersinnig. Europas Hersteller benötigen einen verlässlichen Kurs, damit sie bezahlbare Stromer entwickeln und eigene Batteriefabriken aufbauen können. Stattdessen signalisiert Berlin: Der alte Motor hat doch noch eine Zukunft. […]  Jeder Euro für die nächste Verbrennergeneration fehlt möglicherweise bei Batterien, Software und günstigen E-Auto-Plattformen. Gerade dort muss Europa seinen Rückstand gegenüber China aufholen. Die E-Mobilität braucht ihre ganze Kraft, keine halbherzige Doppelstrategie.  Bis 2035 werden Batterien wohl noch leistungsfähiger und günstiger sein, das Ladenetz viel dichter als heute. Vieles spricht dafür, dass dann kaum jemand noch einen neuen Verbrenner kaufen will. Eine Industriepolitik, die trotzdem auf ihn setzt, schützt keine Arbeitsplätze. Sie gefährdet sie. Der Verkehrsverband T&E warnt deshalb zu Recht: Der vermeintliche Rettungsdeal könnte den Niedergang der europäischen Autoindustrie besiegeln. […]

(Joachim Wille, 16.10.2026)

Merz/Söder/Reiche vernichten aber mit ihrer Fossillobby-Tätigkeit nicht nur die Auito-Industrie, sondern vernichten darüber hinaus auch noch Hunderttausende zukunftsträchtige Arbeitsplätze im Solar/Wind-Bereich. Putin und Xi haben viel zu lachen über den Kanzler-induzierten Suizid der deutschen Wirtschaft.

[…] Der Auto-Deal zwischen Deutschland und Frankreich bedroht laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts bis zu 344.000 neue Jobs in Europa, davon die meisten in Deutschland. […] "Das Beispiel VW zeigt, dass Deutschland als starker Industriestandort besonders profitieren könnte. Wenn die Bundesregierung wirklich Jobs bei VW schützen will, sollte sie aufhören, die geplanten Gesetze zugunsten von Verbrennern zu verwässern", sagte E-Mobilitäts-Referentin Susanne Goetz von "Transport and Environment" den Zeitungen. Das jüngste Auto-Abkommen von Merz und Macron sei an Kurzsichtigkeit kaum zu übertreffen.  [….]

(DTS, 21.10.2026)

Selbst der üblicherweise bei Wahlen nicht mit Schläue agierende Durchschnittsteutone sieht klarer als die Christdemokratischen Verbrenner-Dinosaurier.  E-Autos boomen.

[…] Volkswagen und andere Hersteller bejubeln öffentlich die Rekordaufträge für kleine E-Autos. Beim Kassensturz hinter den Kulissen jedoch vergeht die Freude: Der unerwartete Elektroboom kostet Milliarden. […] Am Ende könnte ausgerechnet Herbert Diess (67) recht behalten. Als damaliger Volkswagen-Chef prophezeite er im Juli 2021 in seiner Strategie „New Auto“, bis 2030 werde jedes zweite verkaufte Auto elektrisch angetrieben. Ein Jahr später war der CEO in Wolfsburg Geschichte. Seine Pläne schienen illusorisch, Elektroautos kamen nur in China wirklich in Schwung.

Doch die Situation hat sich in den vergangenen Monaten urplötzlich gedreht. Auf der Autoshow in Paris Mitte Oktober jubelte VW-Markenchef Thomas Schäfer (56), für die frisch vorgestellten elektrischen Kleinwagen des Konzerns seien schon fast 150.000 Bestellungen eingegangen. Der Autobauer kommt beim Run auf VW ID.Polo, Škoda Epiq und Cupra Raval kaum hinterher. Wer einen elektrischen Polo bestellt, muss rund zwölf Monate warten.

Das Ergebnis: Die Diess-Prognose könnte Realität werden, wie sich intern in den Systemen abzeichnet. „Im Auftragseingang liegt der Elektroanteil aktuell bei 40 Prozent“, sagt ein Mächtiger aus dem Konzern. Ein anderer Entscheider erwartet, schon 2028 die 40 Prozent auch bei den wirklich verkauften E-Fahrzeugen zu erreichen. Die Wende ist in der Branche fast allgegenwärtig. BMW verkaufte nach einem mauen Elektrostart 2026 im dritten Quartal plötzlich jedes dritte Auto in Europa mit Batterieantrieb. Mercedes meldet seine E-Modelle für 2026 ausverkauft. […] „Wir suchen gerade verzweifelt nach Möglichkeiten, wieder mehr Verbrenner zu verkaufen“, sagt ein ranghoher Vertriebler. In den Schauräumen stünden sich Benziner und vor allem Diesel „die Reifen eckig“, berichtet ein VW-Händler. […]

(Manager Magazin, 22.10.2026)