Donnerstag, 5. Februar 2026

Alter weißer Mann-Sorgen

Da ich ein alter weißer Mann bin, fremdele ich immer mehr mit „den Jugendlichen“, ihren Moden, Vorlieben und der modernen Technik. So erging es sicherlich auch allen vorherigen Generationen. Allerdings gehöre ich genau zu der Übergangsgeneration, die noch vollständig analog erwachsen wurde, aber anders, als meine Elterngeneration, noch nicht alt genug ist, um sich der Digitalisierung zu entziehen.

Da ich ein alter weißer Mann bin, ist es in meine DNA eingebrannt, sich täglich durch ausführliche Zeitungs- und Magazin-Lektüre zu informieren. Der Deal dabei ist, sich für erwiesenermaßen seriöse Gatekeeper zu entscheiden, die einem dich relevanten Ereignisse einerseits berichten, andererseits aber auch so analysieren und kommentieren, daß ein echter Mehrwert gegenüber der schlichten Information der 20Uhr-Tagesschau entsteht.

Der SPIEGEL war über Dekaden das investigative Medium schlechthin. Die Hamburger enthüllten die ganz großen Skandale, waren sensationell gut in der Politik vernetzt und verfügten zudem über ihre legendäre riesige Dokumentationsabteilung, so daß man sich auf den Wahrheitsgehalt absolut verlassen konnte. Zudem gab es jede Woche mindestens einen Artikel, über den man laut lachen musste, weil die genialen Sprachakrobaten so wunderbare Worte für absurde Vorgänge fanden; gern flankiert von subtilen Botschaften durch die Foto-Auswahl.

Da ich ein alter weißer Mann bin, hatte ich in meinem  Leben schon viele Abonnements. Montags lag der SPIEGEL im Briefkasten, aber Donnerstag wurde es richtig voll, weil dann auch ZEIT, STERN und von 1993-2000“ meine Lieblingszeitung „DIE WOCHE“ herangeschleppt wurden.

Den STERN gab ich wegen Irrelevanz und Boulevardisierung schon Ende der 1990er auf. Die Woche ging in die Insolvenz. Sehr schmerzhaft war meine Kündigung des ZEIT-Abos im Jahr 2014, aber di Lorenzos Religiotenkurs ließ mir keine Wahl.

Es gab aber einen Wandel von den Wochenmagazinen zur Tagespresse. Investigativ wurden FR und insbesondere die SZ, immer stärker.

Da ich ein alter weißer Mann bin, sind für mich Tageszeitungsabos eine Selbstverständlichkeit. Als Student bezog sich sogar neben der taz auch zwei Jahre die FAZ. Für die regionale Komponente das biedere „Hamburger Abendblatt“ aus dem gräßlichen Springer-Verlag (2014 Verkauf an FUNKE) und die linkere, lustigere, aber boulevardeske „Hamburger Morgenpost“. Schließlich will ich über Baustellen, Geschäftseröffnungen, Konzerte und Todesfälle informiert sein.

Beschämenderweise gibt es ausgerechnet im großen Medienstandort Hamburg keine gute überregionale Zeitung. Daher habe ich seit mindestens 30 Jahren ein SZ-Abo. Zwar ist Bayern das mir habituell, politisch fernste Bundesland, aber „die Süddeutsche“ ist nun einmal die beste überregionale Zeitung in Deutschland; da beißt die Maus keinen Faden ab.

Mit der „Mopo“, die immer wieder verkauft und abgespeckt wurde, ging es qualitativ kontinuierlich bergab; Anfang 2024, als die Umstellung auf eine wöchentliche Ausgabe angekündigt wurde, machte ich den Absprung. Auch die taz erscheint nicht mehr in gedruckter Form. So sind nur noch Abla und SZ als tägliche Lektüre übrig.

Da ich ein alter weißer Mann bin, prallte die gesamte Wucht der Internet-Informationen erst auf mich, als ich schon ein kritischer Erwachsener war. So ging ich sehr skeptisch an die Sache heran und checke genau die Seriosität der Quelle.

Da ich ein alter weißer Mann bin, verfalle ich natürlich in Depressionen angesichts der Medienkompetenz der jüngeren Generation, der es egal ist, woher Informationen stammen. Da werden Meldungen geteilt, die von Focus Online, Welt oder den Netzfrauen kommen. Alles soll aber kurz, knapp, leicht verständlich und bunt sein.

Da ich ein alter weißer Mann bin, schimpfe ich, verweise auf politische Ausrichtungen und Glaubwürdigkeit der Medienhäuser im Hintergrund, meckere wenn dubiose INSA-Umfragen für NIUS zitiert werden.

Da ich ein alter weißer Mann bin, rufe ich gebetsmühlenartig dazu auf, sich mindestens ein kostenpflichtiges Abo als vernünftige Nachrichtenquelle zu leisten.

Da ich ein alter weißer Mann bin, könnte auch ausflippen, wenn ich die weit verbreitete Gratismentalität erlebe, die sich täglich im Verdammen von Paywalls manifestiert.

Seriöser Journalismus ist aber nicht „bei Wikipedia nachgucken“ und irgendeinen Artikel von facebook abschreiben. Journalismus muss gelernt werden und kostet viel Mühe. Journalisten können nicht umsonst arbeiten.

Umso wichtiger ist es, im sterbenden Zeitungsmarkt, Bezahlabos zu pflegen.

Da ich ein alter weißer Mann bin, kommt mir das ohnehin entgegen, da ich viel lieber auf Papier lese, weil ich so konzentrierter aufnehme, gegebenenfalls anstreichen, kommentieren und aufheben kann.

Da ich ein alter weißer Mann bin, freute ich mich über Dekaden auf die gedruckten Zeitungen, die morgens auf die Fußmatte vor meine Wohnung gelegt wurden.

Seit Juli 2025 scheitert aber die FUNKE-Logistik an der Zustellung. Sie schaffen es nicht mehr, mir die Zeitungen regelmäßig zu liefern. Ich habe alles versucht und kam sogar bis zum Abendblatt-Chefredakteur persönlich durch, der mir mit höchstem Bedauern mitteilte, es sei mittlerweile unmöglich zuverlässige Zeitungsausträger zu finden. Niemand wolle den Job noch machen.

So wurde ich letztlich zu meinem größten Bedauern gezwungen, zum Jahreswechsel meine Abonnement des Druckausgaben zu kündigen.

Es folgen einige Preisinformationen.


Für das VOLL-Abo HH Abendblatt zahlte ich ~840 Euro im Jahr, 70 Euro pro Monat.
Für das SZ-VOLL-Abo rund 1.150 Euro.


(Die gedruckte SZ kostet in Bayern 84 Euro/Monat, für mich in Hamburg 86€/Monat = 1.032 Euro im Jahr.
DAZU kommen noch mal 110 Euro für den EPaper-Zugang. Das sind 9,50 Euro im Monat. Also zahlte ich für mein SZ-Abo insgesamt 1.142 Euro im Jahr.)

Der SZ-Digitalzugang ist aber NUR so billig, wenn man schon die gedruckte SZ hat.
Allein kostet die digitale SZ (nach 12 Monaten) sechs Mal so viel, nämlich 50 Euro pro Monat, also 600 Euro im Jahr (abzüglich 4% Skonto, wenn man Voraus zahlt.)

 Das reine Digital-Jahresabo HAMBURGER ABENDBLATT kostet 480 Euro im Jahr.

(Mit Print-Ausgabe waren 840 Euro)


Das reine Digital-Jahresabo SÜDDEUTCSHEN ZEITUNG kostet  600 Euro im Jahr.

(Mit Print-Ausgabe waren es 1.142 Euro)

Ich höre jetzt viel Entsetzen über die Preise:

1.150 auf einen Schlag, klingt nach sehr viel.

Schon klar, daß sich viele das nicht leisten können und wollen.

Anderseits erscheint die SZ sechs Mal in der Woche.

Das sind 312 Ausgaben.

Über 300 dicke Zeitungen, in denen kaum Mist steht. Das sind jeden Tag hunderte Artikel. Also Zigtausende im Jahr, auf die ich alle jederzeit kompletten digitalen Zugriff habe.

Dafür muss der Verlag ein Heer von Kolumnisten und Reportern unterhalten, die in der ganzen Welt recherchieren, in allen großen Ländern vor Ort Büros haben und eben nicht, wie die kostenlos-Hobbyschreiberlinge im Netz, irgendwo abschreiben.

Redaktionsbüros müssen unterhalten werden, Reisen und Spesen finanziert werden.

Für seriösen Journalismus finde ich den Preis nicht teuer, wenn man bedenkt, daß bei den allen die Auflagen wegbrechen. Der Süddeutsche Verlag verkauft keine Millionen Zeitungen mehr am Tag. Also MUSS ein Abo immer teurer werden.

Nur wird es bedauerlicherweise so teuer, daß immer mehr Leute sich das gar nicht leisten können. Ein Teufelskreis. Je weniger Abonnenten, desto teurer für den einzelnen, desto mehr springen ab, desto teurer.

Die SZler versuchen natürlich entgegen zu wirken, indem sie lauter Schnupperangebote und reduzierte Abos bieten. Nur für das Wochenende.

Oder digitaler Zugang ohne das EPaper. Es gibt diverse Möglichkeiten, um es etwas billiger zu haben.

Mein Geheimtipp: Öffentliche Bücherhallen! Dort bekommt man mit einem Bücherei-Ausweis Zugriff auf alle Inhalte hinter den Paywalls.

Da ich ein alter weißer Mann bin, frustriert mich der Ausblick auf die Zukunft der Presse und unserer Informationsgesellschaft. Die Hoffnung auf Verbreitung von Medienkompetenz habe ich vollständig aufgegeben. Es dominieren TikTok und Dschungel-Ariel erklärt dem RTL-Publikum, wieso die Erde eine Scheibe ist und daß die Mondlandung ein Fake war. Hat sie auf Tiktok gelernt.

Der SERIÖSE Journalismus wird zu teuer und daher aussterben.

Bis uns irgendwann nur noch KI, Musks Grok und rechte Hetzprotale von Bezos, Mark und Musk und Springer versorgen.

Das Wahlvolk verkommt zur verblödeten manipulierbaren Masse, die das abnickt, was Lobbyisten möchten, um ihre Taschen zu füllen.

Da ich ein alter weißer Mann bin, erscheint es mir essentiell für die Demokratie, Journalismus staatlich zu unterstützen. Steuerfreiheit oder großzügige direkte Zuschüsse vom Steuerzahler an die Redaktionen.

Aber wie könnte man sicherstellen, die Mittel nur an seriöse Redaktionen auszuzahlen?

NIUS und SPRINGER und 100 Pseudo-Hetzer der „alternativen Medien“ sollten nichts kriegen.

Da ist politischer Streit vorprogrammiert.

Am ÖRR sieht man, wie CDU-Strobl Einfluss nimmt auf das Programm.

Würden die großen Zeitungshäuser staatlich gefördert, wäre das Geschrei groß!

Schon jetzt glauben die Ossis der Tagesschau nicht und brüllen Journalisten der Regionalsender wegen der öffentlichen Finanzierung „Staatsfunk“, „Haut ab!“ und „Lügenpresse“ entgegen.

Währenddessen erweisen sich Brüssel und Berlin als zu schwach, um den Fakenews-Attacken aus Moskau und von Trumps Tech-Bros einen Riegel vorzuschieben.

Also sind wir AM ARSCH!

Mittwoch, 4. Februar 2026

Nein, daran sollten wir uns nicht gewöhnen!

Dschungel-Ariel nervt den IBES-Kosmos ganz gewaltig, weil sie es wagt, Mitcamper Gil Ofarim jeden Tag auf seinen Leipziger Prozess anzusprechen. Es müsse doch auch mal gut sein, finden alle anderen RTL-Kakerlakenfresser. Und überhaupt, was bilde die sich eigentlich ein mit ihren gerade mal 22 Jahren, über die höher gestellten reifen Männer zu urteilen?

[…] welch durch und durch unangenehmes Klima in der zwischen Dschungel und Raab gesandwichten »Stunde danach« inzwischen kultiviert wird.

Dort scheint die vollumfängliche Gil-Rehabilitierung seit Tagen vollzogen, die offensichtlichen Widersprüche in seiner Schweigeschwur-Erzählung etwa werden nicht angesprochen, stattdessen kürt man ihn zum »Camper des Tages«. Man müsse »diesen jungen Mann« – Gil ist 43 Jahre alt – »auch mal in Ruhe lassen« dröhnte etwa Talkgast Mario Basler sichtlich erregt, denn er performe doch so gut in den Prüfungen. […] Erschreckend ist vor allem, wie ungehemmt und -hindert die wechselnden Studiogäste Ariel fast schon dämonisieren dürfen. »Guck dir diesen Blick an, wie ein Teufel!«, sagt Claudia Effenberg. »Sie ist einfach abgrundtief böse«, sagt Lutz van der Horst. Basler bezeichnet Ariel wechselweise als »Waschpulver« und »die Kleine«, ausgerechnet Thorsten Legat fordert von ihr »Contenance und Niveau« sowie Ehrfurcht vor der »gehobenen Klasse von Leuten«, die mit ihr im Camp säßen, eine merkwürdige Aschenputtel-Fantasie. […]

(Anja Rützel, 01.02.2026)

Man muss „die Dinge auch mal gut sein lassen“ erscheint hier gleichermaßen als wohliger Allgemeinplatz, wie auch als Todschlagargument. Aber es ist schließlich Gil Ofarim, der gegen eine kolportierte Rekordgage die größtmögliche Öffentlichkeit sucht. Primetime, RTL, erfolgreichste Reality-Show.

Aber es ist keine Petitesse, die Ofarim in Leipzig unterlief, sondern eins der größten moralischen Tabus überhaupt, welches weltweit für Aufmerksamkeit sorgte. Um Aufmerksamkeit für sich zu generieren, andere Menschen fälschlich der Vergewaltigung, Homophobie, des Antisemitismus zu bezichtigen, verdient einen besonderen Platz in der Hölle, Nicolas Puschmann!

(….) Gestern kam es zum Prozess und es kam erheblich schlimmer als erwartet. Puschmann begab sich offenbar auf Ofarim-Smollett-Pfade!

Er war volltrunken, aggressiv und unangenehm. Den gesamten homophoben Aspekt dachte er sich aus. Als er einen Platzverweis kassierte, rastete er komplett aus, pochte auf seine Prominenz und schrie:  Das lasse ich mir von einer fetten Sau, die noch nie im Leben gefickt hat, nicht bieten!

[….] Christian Lange ist der Verteidiger des Security-Chefs und sagt aus, dass sein Mandant am 03. Dezember 2021 zum Weihnachtsmarkt gerufen wurde, weil zwei Personen einen Wasserschlauch abgerissen hätten: Puschmann und sein Begleiter wurden dann dort angetroffen und passten auf die Beschreibung. Daraufhin habe er einen Platzverweis ausgesprochen. Es kam zum Streit und sein Mandant habe in Notwehr gehandelt: „Er hat ihn nicht mit der Faust geschlagen, sondern hat ihn lediglich mit der Hand von sich gestoßen und das in Notwehr, nachdem seitens des Anzeigenden nach ihm geschlagen worden ist.“ [….] Renata Behneke hat einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt und wird hautnah Zeugin der Auseinandersetzung zwischen Nicolas Puschmann und dem Sicherheitsbeauftragten. Im RTL-Interview erinnert sie sich: „Der Herr Puschmann hat sich daneben benommen. Er war stark alkoholisiert und wollte den Platz nicht verlassen und hat den Security-Mann aufs übelste beleidigt.“

Außerdem erzählt Renata Behneke: „Herr Puschmann sagte immer wieder. ‘Du weißt nicht, wer ich bin’ und hat ihn als fette Wanze betitelt“. Der Angeklagte soll dabei sehr ruhig geblieben sein: „Der Security-Mann hat immer gesagt, mir egal wer du bist - wer sich nicht benimmt, verlässt den Platz“. Dann soll Nicolas Puschmann den Sicherheitsbeauftragten angegriffen haben. „Herr Puschmann hat seine letzte Kraft genommen und ist auf den Security los, der sich dann letztendlich gewehrt hat. Und Herr Puschmann ist dann gestürzt.“  [….]

(RTL, 24.01.2023)

Der Security-Mitarbeiter wurde selbstverständlich freigesprochen und erwägt zivilrechtliche Schritte, weil er als vermeidlich Homophober keine Job mehr in Hamburg bekam.

Ich hoffe, es gibt einen besonderen Platz in der Trash-TV-Hölle für Puschmann. Er hat es allen echten Opfern von homophober Gewalt schwerer gemacht, weil nun alle homophoben Blogs, Kirchen, AfD-Politiker den Fall Puschmann als Argumentations-Ass zu ziehen werden, damit man den Opfern nicht glaubt.

Schande über Puschmann! Pfui!

(…..)   Einen ähnlichen Bärendienst leistete Gil Ofarim, der sich in Leipzig gekränkt fühlte, weil er am Check In des Westin Luxushotels nicht sofort als Superpromi erkannt wurde, darauf anfing rumzupöbeln, die Lobby verlies, draußen seinen David-Stern hervorkramte und über seine Social-Media-Kanäle jammerte, er sei antisemitisch beleidigt worden.

[….]  Doch der Musiker lässt sich nicht beruhigen, im Gegenteil. Folgt man der Darstellung der beiden Hotelangestellten, wird er nun ausfallend und redet sich in Rage. Ein Zeuge in der Lobby beschreibt Ofarim später gegenüber der Polizei als »frech«. Der Künstler sei an diesem Abend der einzige Gast gewesen, der sich über den langsamen Check-in beschwert habe. Videoaufnahmen zeigen, wie Ofarim im Streit mit den Armen gestikuliert und sich beidhändig auf dem Schalter aufstützt. Laut Sophie G. spricht er von einer »Frechheit«. Schließlich droht Ofarim, den Vorgang online zu thematisieren, das werde dann viral gehen – so schildern es sowohl Markus W., als auch seine beiden Kolleginnen sowie zwei Gäste direkt hinter dem Musiker. Vermutlich ist es jener von den Kameras festgehaltener Moment, in dem Ofarim die Hände mit schwungvollen Bewegungen ineinanderklatscht, wohl begleitet von den Worten: »Dann geht das auf Facebook und Instagram, bamm, bamm, bamm.«  [….]

(DER SPIEGEL, 31.03.2022)

Was für einen Bärendienst erweist Ofarim damit den Juden, die tatsächlich unter antisemitischen Anfeindungen leiden. Ihnen wird nun aber etwas weniger geglaubt werden.

[….] Als Gil Ofarim erklärte, er sei antisemitisch angegangen worden, glaubte auch ich ihm. Heute weiß ich es besser. Das bedeutet aber nicht, dass Menschen, die Diskriminierung beklagen, nicht geglaubt werden sollte – im Gegenteil.  [….]

(Samira El Ouassil, 07.04.2022)

Ähnlich katastrophal verhielt sich der schwule, schwarze Schauspieler Jussie Smollett, der eine schwulenfeindliche Attacke auf sich inszenierte, um als Opfer Ruhm und Schlagzeilen zu bekommen.

[….]  Schauspieler Jussie Smollett zu 150 Tagen Gefängnis verurteilt. Er soll eine homophobe Attacke auf sich selbst vorgetäuscht haben: Nun muss Schauspieler Jussie Smollett für knapp fünf Monate in Haft – und eine hohe Geldsumme zahlen. [….]

(SPON, 11.03.2022)

Erbärmlich! Was für einen Bärendienst erweist Smollett Myriaden Schwulen in den USA, die wirklich homophob angefeindet werden und deren Berichten man nun skeptischer gegenüberstehen wird.

Im Sexualstrafrecht ist die „Falschbeschuldigung als Vergewaltiger“ regelrecht zum Mythos geworden, auf den sich tatsächliche Vergewaltiger nur allzu gern beziehen. (…)

(Bärendienste, 12.04.2022) (….)

Als Schöffe am Amtsgericht bin ich immer derjenige, der für Verständnis plädiert und offen für mildernde Umstände ist.

Aber es gibt natürlich Grenzen, wenn es nicht um Drogenvergehen, oder Sachschäden geht, sondern menschliche Opfer zu beklagen sind. Der Mann, der von Ofarim in Leipzig fälschlich des Antisemitismus bezichtigt wurde, bekommt bis heute Morddrohungen, musste vor dem Mob aus seiner Wohnung fliehen, während der Täter nun „beim RTL“ seine Primetime-Heldenreise antritt und eine hohe sechsstellige Gage kassiert.

Mein Dank an Ariel, daß wenigstens eine Person das vor den Kameras kritisiert.

Der Spiegel, 31.01.2026

Gegenüber den christlichen Kirchen und konservativen Parteien fühle ich mich wie Ariel. Ich kann, will und werde nicht verstehen, wie man sexuelle Übergriffe auf Kinder so gelassen akzeptiert.

(….) Das größte Erstaunen löst in mir immer noch die enorme Toleranz religiöser und konservativer Menschen gegenüber pädos€xueller Gewalt aus. Es scheint geradezu ein Signature Move von Priestern und Rechten GOPern zu sein, sich missbräuchlich an Kindern zu vergreifen. Dabei war es doch mal das ultimative Tabu. So verachtenswert, daß die Kinderf**ker sogar im Gefängnis von Mördern und Vergewaltigern verachtet wurden. Aber das ist vorbei. In den letzten Jahren produzierten die beiden großen christlichen Konfessionen weltweit derartig viele Kindesmissbrauchsfälle, daß sie den Trumpschen Bullshit-Status erreichten.

Die Menschen nehmen es achselzuckend hin. So sind sie eben, die Geistlichen. So sind sie eben, die US-Republikaner. Deswegen tritt man nicht mehr aus der Kirche aus, deswegen verliert man keine politischen Ämter.

Solche Meldungen schaffen es kaum noch in die Zeitungen, geschweige denn auf die Titelseiten.

Ist halt so. [….]

(E*steinisierung der Nachrichtenmoral, 27.01.2026)

Die Ungeheuerlichkeiten, die aus dem neuesten Schwung der Epstein-Akten zu uns strömen, werden hier erstaunlich achselzuckend hingenommen. Der US-Präsident ein pädophiler Vergewaltiger? Macht ja nichts.

Diese enorme Kinderf!ck€r-Toleranz gegenüber den christlichen Kirchen, erlebt man schließlich auch jeden Tag in der deutschen Politik, in der deutschen Presse.

Massenhafter Kindesmissbrauch und die aktives Vertuschung, bleiben ohne Konsequenzen. Die Opfer werden im Stich gelassen, die Kirchenoberen weiter mit Steuergeld zugeschüttet.

[….] Wer sich durch den 950 Seiten schweren Abschlussbericht des interdisziplinären Verbunds „Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland“ (ForuM) kämpft, ist schockiert: Es gibt 2.225 Betroffene, 1.259 Beschuldigte und eine hohe Dunkelziffer.

Mehr als drei Jahre lang loteten WissenschaftlerInnen, koordiniert durch die Hochschule Hannover, die schwärzesten Abgründe aus. Was sie herausfanden und 2024 veröffentlichten, lässt keine Zweifel: Nicht nur die katholische Kirche hat tiefe Schuld auf sich geladen, flächendeckend und strukturell.

Veränderung ist gefordert. Aber genau damit tut sich die evangelische Kirche ebenso schwer wie die katholische. Das jüngste Indiz für diese Trägheit: Der Rücktritt von Nancy Janz als Betroffenen-Sprecherin des Beteiligungsforums „Sexualisierte Gewalt“ in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ihres Sozialverbandes Diakonie. Seit Mitte 2022 hatte sie diese Position inne.  [….]

(Harff-Peter Schönherr, 04.02.2026)

Hätten wir doch bloß eine politische Ariel im Bundestag, die jeden Tag die Damen und Herren auf der Regierungsbank gewaltig mit diesem Thema nervt. Die ihnen erklärt: Das kann man eben nicht mal gut sein lassen.

Dienstag, 3. Februar 2026

Wenn der Souverän zu schwach ist

Falls ich jemals die Vorstellung von einer funktionierenden Demokratie mit einem schwarmschlauen Souverän hatte, ist das lange her.

Ich erinnere mich an den Gemeinschaftskundeunterricht in der 11. oder 12. Klasse, als es um den Systemvergleich BRD-DDR ging, unsere Lehrerin um Charakteristika, die wir damit assoziierten bat, die sie an die Tafel schrieb. Ich steuerte „Apathie“ auf der Demokratie-Seite bei, erntete abschätzige Blicke. Aber meine Lehrerin gab mir Recht und bat mich, das zu erläutern.

Damals kannte ich noch nicht den von Georg Schramm erfundenen Begriff „Urnenpöbel“, ahnte nicht welche Manipulations- und Ablenkungs-Möglichkeiten Privatfernsehen und Internet einst bieten werden.

Aber ich kannte die BILD, die Springer-Presse, hatte schon bei den Themen, die mich damals umtrieben – Volkszählung, Nachrüstung, Atomkraft – erlebt, auf welche massives Unwissen man bei Wählern stieß. Helmut Kohl und seine dicken konservativen Minus-Minister produzierten Skandale und Peinlichkeiten, während damals auf SPD-Seite hochseriöse faszinierende Figuren die politische Alternative bildeten. Dennoch wählte das Volk tumb 16 Jahren immer Kohl.

Schwarzgelb musste erst die Einkommensteuer auf 56% hochschrauben, die deutsche Einheit massiv verkacken und mit dem zukunftsnegierenden Rumwurschteln einen derartigen Reformstau anrichten, daß 1998 endlich genügend deutsche Michel aufwachten und die Vorstellung von Kohl in seinem 20. Amtsjubiläum verwarfen.

Linke Wähler sind in Deutschland a) strukturell in der Unterzahl und b) extrem aufmerksam und kritisch gegenüber ihren eigenen Leuten. Daher werden CDUler erstens eher zu Kanzlern und gewählt und bleiben zweitens auch länger im Amt, weil deren Wähler schon zufrieden sind, wenn nicht die Linken regieren.

Kohl, Roland Koch, Silvio Berlusconi, Angela Merkel wurden immer und immer wieder gewählt; mussten den Laden erst nachhaltig ruinieren, um abgewählt zu werden. (Merkel rettete sich durch ihren Verzicht 2021. Sie wäre aber, wenn sie gewollt hätte, sicher auch noch mal gewählt worden, hätte aber spätestens 2013 aufhören sollen.)

Meine US-amerikanischen Landsleute haben bekanntlich am 05.11.2024 Donald Trump wieder zu ihrem Präsidenten gewählt und beide Kammern des Kongresses mit Trumpanzee-absoluten Mehrheiten versehen. Die Jungwähler interessierten sich nicht genügend, um überhaupt abzustimmen und die Erstwähler wußten nichts über Trumps erste Amtszeit, hielten ihn als Business-Man aber für kompetenter, um die US-Wirtschaft anzukurbeln, als eine schwarze Frau! Es braucht schon sehr viel Apathie, um das Verhalten zu erklären.

USA Wahl 2020

Immerhin, nach zehn Jahren ganz oben auf der politischen Bühne, wird langsam auch für die ganz Doofen der Todeskuss des Donald sichtbar. Everything Trump touches dies.

Merz, Reiche und die anderen bornierten Fossil-Epigonen profitieren ebenfalls von der strukturell konservativen Wählerschaft und die Manipulation durch rechte Medien, russische Bots, Social-Media-Algorithmen. Die Stimmung ist gnadenlos rechts. Auf Bundesebe und in 14 von 16 Bundesländern zeigen alle Umfragen breite CDUCSU/AfD-Mehrheiten. In Bayern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen die schwarzbraunen Umfragemehrheiten bei ~70%.

Was soll man von einem Souverän halten, wenn sieben von zehn Menschen ihr Heil bei Höcke, Merz und Söder suchen? 

Immerhin hilft auch hier die generelle politische Unfähigkeit der Konservativen auf die Sprünge.

Rechte können einfach nicht mit Geld umgehen und verstehen nichts von Wirtschaft! Wenn sie regieren, führen sie die Nation immer in Rezession und Rekordschulden – das ist eine allgemeine Regel, die auch auf Großbritannien und die USA zutrifft.


Merz ist das Paradebeispiel für diese Regel, indem er auf primitives Trickle-Down und Kosum-Killer-Methoden setzt, weil er denjenigen, die ihre Einkommen in die Nachfrage stecken, Geld wegnimmt und es dafür den Superreichen gibt, die es in Steueroasen außer Landes schaffen. Das funktioniert nicht und ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich widerlegt. Frech schwurbelnd sagt Wirtschaftsstaatssekretärin Connemann dazu, „auch Wissenschaftler irren sich!“

Immerhin könnte die generell CDU/Tories/GOP-Doofheit dem Souverän ein bißchen auf die Sprünge helfen. 

 

Pünktlich zur heißen Phase der Landtagswahlkämpfe in Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg, geben Merzens Mannen alles, um ihre Partei unsympathisch zu machen.


[….] Die Deutschen gönnen sich Lifestyle-Teilzeit, feiern zu oft krank und bekommen zu viele Geldgeschenke vom Staat: Das ist der Vorwurf, mit dem Teile der Union gerade eine heftige Debatte über Leistungsbereitschaft und Leistungskürzungen losgetreten haben. Es geht um Fleiß, Faulheit und kostenlose Zahnarztbehandlungen. Und das kurz vor den ersten wichtigen Landtagswahlen in diesem Jahr. Ein klassisches Eigentor?

Hilft die Fleißdebatte den CDU-Wahlkämpfern – oder schadet sie ihnen? Einer, der eine ganz klare Antwort darauf hat, ist Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels und damit innerparteilicher Gegenspieler des Wirtschaftsrats: „Jeder Wahlkämpfer für die CDU in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz muss sich auf die Zähne beißen angesichts solcher Ideen und Debatten.“ So wie es derzeit laufe, dürfe man sich nicht wundern, dass bei den Umfragen für die Union bundesweit bei 27 Prozent eine gläserne Decke eingezogen sei.

Zahnarzt selbst zahlen? Schnieder findet das „absurd“

Doch was denken die CDU-Wahlkämpfer selbst? Anruf in Mainz, wo Gordon Schnieder am 22. März gegen die SPD gewinnen und Regierungschef von Rheinland-Pfalz werden will. Der CDU-Spitzenkandidat ist maximal genervt. Die Forderung nach der Streichung von staatlichen Zahnarztleistungen weist er umgehend zurück. „Wir kriegen Deutschland nur nach vorne, wenn alle 80 Millionen mitmachen“, sagt Schnieder. „Mit der aktuellen Debatte verlieren wir viele Bürgerinnen und Bürger, die sich zu Recht Sorgen darüber machen, ob sie ihren Zahnarztbesuch nun privat zahlen müssen oder nicht. Diese Forderung ist absurd und rettet im Übrigen unsere Wirtschaft nicht.“ [….] Auch in Baden-Württemberg löst die Fleißdebatte Unmut aus. Unter Spitzenkandidat Manuel Hagel versucht die CDU, die Grünen am 8. März aus dem Ministerpräsidentenamt zu verdrängen – aktuell liegt sie mit 29 Prozent vorne. Möglich, dass sozialpolitisches Scharfschießen auch den Christdemokraten an der Basis im Ländle eher schadet. [….]

(HH Abla, 03.02.2026)

So gruselt sich sogar das konservative FUNKE-Abendblatt.

Viel Hoffnung kann man beim CDUAfD-affinen deutschen Volk nicht haben. Aber wenn Merz, Connemann und Reiche noch ein bißchen auf die Wähler einprügeln….

Montag, 2. Februar 2026

Bis alles in Scherben fällt

Rick Wilson, ehemaliger prominenter Republikaner-Stratege, begleitet uns nun schon seit einem knappen Jahrzehnt, als gewichtiger Trump-Kritiker. Sein Buchtitel aus dem August 2018 wurde zum geflügelten Wort:

[…] From Rick Wilson—longtime Republican strategist, political commentator, Daily Beast contributor—the #1 New York Times bestseller about the disease that is destroying the conservative movement and burning down the GOP: Trumpism.

Includess an all-new chapter analyzing Trump’s impact on the 2018 elections.

In the #1 New York Times bestselling Everything Trump Touches Dies, political campaign strategist and commentator Rick Wilson delivers “a searingly honest, bitingly funny, comprehensive answer to the question we find ourselves asking most mornings: ‘What the hell is going on?’ ( Chicago Tribune). The Guardian hails Everything Trump Touches Dies, saying it gives, “more unvarnished truths about Donald Trump than anyone else in the American political establishment has offered. Wilson never holds back.” Rick mercilessly exposes the damage Trump has done to the country, to the Republican Party, and to the conservative movement that has abandoned its principles for the worst President in American history.  […..]

(Bücher.de)

Mutmaßlich sah Wilson Ende 2018 noch nicht voraus, daß der orange Zerstörer aus Wut über ein ihm nicht genehmes Wahlergebnis, zum Ende seiner ersten Amtszeit, einen bewaffneten Mob auf das Kapitol hetzen würde. Eine rechtsradikale Meute, die der Nummer Drei im Staat, Speaker Pelosi, auf den Schreibtisch kackte und die Nummer Zwei im Staat, Vizepräsident Pence, lynchen wollte.

Das zweite Impeachmentverfahren war damit zwingend. Es war der Paradefall, für den die Verfassung diese Möglichkeit vorsah.

Aber nach vier Jahren des Trumpismus, war die republikanische Partei bereits gestorben, hatte den Boden der Verfassung längst verlassen und die Metamorphose zu einer morbiden Sekte abgeschlossen. Undenkbar, sich gegen ihren allmächtigen Messias zu stellen. Zwar sprachen sich einige GOPer, während des Angriffs, als mehrere Polizisten getötet wurden und sie um ihre Leben zitternd unter ihre Sitze gekrochen waren, gegen Trump aus. Aber es dauerte nur wenige Tage, bis Graham und McCarthy wieder nach Mar A Lago pilgerten, um vor ihrem Abgott auf die Knie zu fallen.

Während der Biden-Präsidentschaft, vermochte es der hochkriminelle Rassist auch die letzten paar ehrlichen Mitglieder seiner Partei politisch zu töten. Er zerstörte nachhaltig das Vertrauen in die US-Institutionen: Die Presse, den Kongress, das Justizsystem. Everything Trump Touches Dies.

Mit dem Project 2025 trat er als Abrissbirne auf Steroiden seine zweite Amtszeit an.

Tödlicher denn je, grabscht er nun alles an, um es sterben zu lassen:
Die Kultur, die Politik, die internationale Handelsordnung, die regelbasierte Diplomatie, die NATO, das Völkerrecht, die UN, Grönland, Venezuela.

In den USA wird es sehr konkret. Alles, das er sich vornimmt, wird vergiftet, stirbt, wird niedergerissen. Everything Trump Touches Dies.

Der Garten des Weißen Hauses, Jacky Kennedys Rosengarten planiert, der gesamte Ost-Flügel des Gebäudes niedergerissen. Todesschwadronen marodieren durch demokratisch regierte Städte und töten wahllos Zivilisten. Sein Todeskuss betrifft natürlich auch die Kultur: Steven Colbert wird abgesetzt, Jimmy Kimmel wurde abgesetzt, musste aber wegen des Zuschauerboykotts gegen ABC zurückgenommen werden. Trumps 211 Milliarden Dollar schwerer Kumpel Larry Ellison wird in seinem Auftrag Warner Bros. Discovery (WBD) by Paramount/Skydance töten. CBS wurde auf GOP gedreht, gehört zu David Ellisons Paramount Skydance Corporation. Auch CNN ist Teil von Warner Bros. Trump-kritische Stimmen sind längst ausgemerzt. Don Lemon, über viele Jahre das bekannteste Gesicht von CNN, wurde als lautstarker Trump-Kritiker gefeuert und vor wenigen Tagen als freier Journalist von Trumps ICE verhaftet.

Trump persönlich übernahm die Leitung der renommiertesten US-Kulturinstitution, der wir die ikonischsten Auftritte verdanken. Und tötete sie in Rekordzeit.

 […] In all der Hybris seiner zweiten Amtszeit versucht der Präsident, mit Bauprojekten seiner Regentschaft Ewigkeit einzuhauchen. So machen es autoritäre Herrscher seit Jahrtausenden.

Im Frühjahr vergangenen Jahres, frisch ins Weiße Haus eingezogen, kündigte Donald Trump an, dass die Residenz der US-Präsidenten unbedingt um einen Ballsaal erweitert werden müsse. Wie bisher bei Staatsempfängen Zelte aufzubauen, sei der Größe der Nation unwürdig. Im Sommer hieß es dann, die unaufdringliche Fassade des sogenannten East Wing, wo der Bankettsaal geplant wurde, bliebe von den Neubauplänen unberührt. Im Herbst war der East Wing weg, abgerissen auf Anordnung Trumps.

Das sollte eine Warnung sein angesichts der Ankündigung des Präsidenten, das Kennedy Center in Washington für zwei Jahre zu schließen und umzubauen, ein Kulturzentrum für Oper und Theater, für Konzerte und Performances, unweit des Weißen Hauses. Nach diesen zwei Jahren wird von dem Kennedy Center, wie man es kennt, nichts mehr übrig sein, wenn man Trump nicht hindert. […] Denn das Kennedy Center ist nicht nur ein in Beton gegossenes Monument zu Ehren des ermordeten Präsidenten. Es ist Symbol für ein Amerika, das sich nach dunklen Zeiten seiner besseren Seiten erinnern wollte, das versuchte, mit der Bürgerrechtsbewegung, die historische Schuld von Sklaverei und Diskriminierung aufzuarbeiten, das sich von einer in weiten Teilen borniert-rassistischen, weißen Nation in eine multi-ethnische, weltoffene Gesellschaft verwandeln wollte. Genau das weiß Trump, deshalb will er das Monument dieses anderen Amerikas schleifen. Und genau deshalb darf das nicht passieren. […]

(Reymer Klüver, 02.02.2026)

Tödlich wird die Nähe zu Trump auch für seine engsten Alliierten. MTG, über Jahre sein treuestes Fan-Girl, ist politisch tot.

[…] Die frühere republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene hat die MAGA-Bewegung um Donald Trump scharf kritisiert und sich damit endgültig vom US-Präsidenten abgewendet. Die lange als treue Trump-Anhängerin bekannte Politikerin aus Georgia bezeichnete die gesamte „Make America Great Again“-Kampagne als Täuschung.  [….]

(FR, 02.02.2026)

Trumps Einsatz für republikanische Wahlkämpfer, wie die Texanerin Leigh Wambsganss, tötet politische Ambitionen.

 […] Bei einer Nachwahl im konservativen Texas siegt überraschend der Kandidat der Demokraten. Und das, obwohl zuvor der US-Präsident ausdrücklich die republikanische Kandidatin empfahl - oder gerade deswegen?

Eigentlich hätte das alles ziemlich glattlaufen müssen für Leigh Wambsganss. Die Nachwahl für einen Sitz im texanischen Senat, bei der Wambsganss als Kandidatin der Republikaner angetreten war, fand schließlich in einem absolut verlässlich republikanischen Senatswahlbezirk statt. So dachte man jedenfalls – bis zum vergangenen Wochenende.

In dem Bezirk, der vor allem die konservativen Suburbs nördlich der Großstadt Fort Worth abdeckt, hatte Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch mit gut 17 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Wambsganss, eine im wörtlichen Sinne bestens vernetzte Kandidatin, die für die christlich, nationalistische Mobilfunkfirma Patriot Mobile arbeitet und sich auf ihrer Kampagnen-Website als „bewährte konservative Kämpferin“ präsentierte, schien ihrem demokratischen Gegenkandidaten Taylor Rehmet auch sonst weit überlegen zu sein. Rehmet, ein 33 Jahre alter Politik-Neuling, hatte für seinen Wahlkampf gerade einmal 70 000 US-Dollar zu Verfügung. Bei Wambsganss war es in etwa die zehnfache Summe. Sie wurde außerdem vom republikanischen Partei-Establishment in Texas tatkräftig unterstützt, inklusive des Gouverneurs Greg Abbott. Was sollte da also noch schiefgehen?

Nun, am vergangenen Freitag, einen Tag von der Wahl, mischte sich dann noch US-Präsident Donald Trump in das Rennen ein. Offenbar wollte er helfen. „Ihr könnt diese Wahl für Leigh gewinnen, sie hat meine komplette und totale Unterstützung“, schrieb er auf Truth Social. Im Nachhinein stellt sich die Frage, ob dies für die Kampagne von Wambsganss womöglich der Kuss des Todes war.

Der Demokrat Rehmet hat diese Nachwahl jedenfalls nicht nur gewonnen. Er siegte mit 14 Prozentpunkten Vorsprung und hat Wambsganss damit regelrecht deklassiert. Die unmittelbaren Reaktionen in US-Medien changierten zwischen einem „Schock“ für die Republikaner und einer „Demütigung“ für Trump. […]

(Boris Herrmann, 02.02.2026)