Montag, 9. März 2026

Streisand - Teil VI

Zu den Themen, die mich wenig interessieren und bei denen mein Wissen sehr überschaubar ist, gehört das Kino. Als Sozialphobiker gehe ich einerseits sowieso nie ins Kino und andererseits hege ich eine Abneigung gegen künstliche Spannung und insbesondere alles aus dem Hause Marvel. Was immer in den sozialen Medien zu irgendwelchen neuen Filmen erscheint, klicke ich gleich weg und die Algorithmen sind schlau genug das zu bemerken. Solche Inhalte werden mir kaum noch vorgeschlagen, wenn ich die Online-Welt betreten.

Wieso war dann aber vor ein paar Tagen Timothée Chalamet all over in meinen Feeds? Eigentlich kenne ich kaum Jungschauspieler, aber selbst ich weiß wer das ist, weil er a) ultraberühmt ist b) nach meinem Empfinden außergewöhnlich hübsch ist. Viel mehr weiß ich aber nicht über den Mann.

Wie sich herausstellte, wurde er mir von den Algorithmen vor die Nase gespült, weil er sich sehr abwertend über Ballett und Oper äußerte und ich einigen (Hoch-) Kultur-Accounts folge, die sich darüber empörten. „Shut up, Twink“ hieß es von einigen Ballettkompanien.

Der gute Mann hatte, unwissentlich oder nicht, den Streisand-Effekt ausgelöst.

Bisher galten Kirchenfürsten und Friedrich Merz als Könige des Streisand Effektes.

(….) Dabei zeigt sich Dummerle Merz wieder einmal unbelehrbar. Denn mit Hilfe des Streisand-Effekts schoss er sich schon mehrfach kräftig selbst in den Fuß; zum Beispiel bei Strack-Zimmermanns Flugzwerg-Rede.

(…..) Hinzu kommt auch noch seine Unkenntnis des Streisand-Effektes.

(….) Als Barbra Streisand unbeabsichtigt 2003 den nach ihr benannten Effekt inventete, war möglicherweise wirklich noch nicht jedem digital immigrant klar wie der Schwarm des Internets funktioniert.  Mrs. Streisand hatte damals die die Website Pictopia.com verklagt, weil diese zwischen 12.000 anderen Bildern auch ihr Haus veröffentlicht hatte.  Nicht jeder Mensch klickt täglich auf Pictopia und selbst von denen, die es tun, macht sich kaum einer die Mühe nachzuvollziehen, wer die Besitzer der einzelnen Häuser sind.   Nachdem Streisand aber eine 50-Millionen-Dollar-Klage darüber angestrengt hatte, machte der Fall Schlagzeilen, so daß das inkriminierte Bild rasend schnell im Netz verbreitete und nun wirklich jeder wußte in welchem Haus die Kult-Sängerin und demokratische Aktivistin wohnte.  Sie erreichte also das diametrale Gegenteil dessen, was sie wollte. Die Diva lernte daraus und tat es nie wieder. (….)

(Streisand extrem, 28.03.2019)

Wenn man als extrem Mächtiger NICHT möchte, daß eine Stichelei eines kleineren Players bekannt wird, ignoriert man sie. Wenn man hingegen als superreicher Papst und kirchliches Oberhaupt von 1,4 Milliarden Menschen, eine kleine Dreimann-Redaktion in Frankfurt verklagt, bekommen die Titanic-Schmähungen erst die unerwünschte weltweite Aufmerksamkeit. Mehr Eigentor geht nicht.

Durch seine weinerliche Empörung erreichte Merz, daß nicht an Büttenreden interessierte Deutsche wie ich (!) überhaupt erst auf Strack-Zimmermanns garstige Reime aufmerksam wurden. […]

Böse auf der Zwergen-Schar,

die toxisch' Männlichkeit gebar.

Ihr kennt die Zwerge, die ich meine,

mit ihrem Ego nahe der Beine.

Manche dieser Zwergen-Fritzen,

sehe ich in diesem Saale sitzen. […]

Von Bayern schnell ins Sauerland

zum Flug-Zwerg aus dem Mittelstand.

Den wollte zweimal keiner haben,

weil er nur schwerlich zu ertragen.

Noch so ein alter weißer Mann,

der glaubt, dass er es besser kann.  (…)

(Streisand – Teil -IV, 08.02.2023)

Der CDU-Chef, völlig erkenntnisresistent, rennt immer wieder gegen diese Wand. (….)

Aber Chalamet zeigt sich ebenfalls als versierter Streisander. In seinem Bemühen, Oper und Ballett, als irrelevante Künste, für die sich kein Mensch mehr interessiere, darzustellen, erfuhren die klassischen Bühnen weltweit eine Welle der Solidarität. Die wurden nun erst Recht zum Gegenstand des Interesses und haben überall ausverkaufte Häuser.

[….] Mit nur zwei Sätzen hat es Schauspieler Timothée Chalamet geschafft, Opernhäuser auf der ganzen Welt gegen sich aufzubringen. In einem Gespräch  mit Matthew McConaughey – wohlgemerkt ebenfalls Schauspieler – zog der 30-Jährige freimütig über Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen der Kulturbranche her.  »Ich möchte nicht beim Ballett oder an der Oper arbeiten«, lästerte Chalamet. Oder in Bereichen, »über die man sagt, ›Hey, erhaltet diese Sache am Leben‹, obwohl sich niemand mehr dafür interessiert«. Er habe zwar, so fügte Chalamet schnell an, großen Respekt »für alle Opern- und Ballettleute da draußen«. Witzelte dann aber weiter: »Ich habe gerade 14 Prozent meiner Zuschauer verloren.« [….] Die Metropolitan Opera in New York veröffentlichte einen Zusammenschnitt von Mitarbeitenden, die hinter den Kulissen an Produktionen des renommierten Hauses beteiligt sind. Menschen, die Kostüme nähen, Bühnenbilder bauen, Instrumente spielen, dirigieren. Am Ende sieht man ein begeistertes Publikum in einem ausverkauften Konzertsaal. Überschrieben ist das Video mit den Worten »Das hier ist für dich, Timothée Chalamet«.

Die Canadian Opera nahm Chalamets Aussage zum Anlass, eine Umfrage zu starten – und Menschen nach ihren Gedanken zur Oper zu befragen. Zu dem Clip schrieb der Account des Opernhauses: »Ich weiß es nicht, Timmy. Die Zukunft der Oper sieht für uns ziemlich gut aus.«

Ähnlich verfuhr die Staatsoper in Wien, die ebenfalls eine Umfrage vor der eigenen Haustür startete und in Chalamets Richtung hinterherschob: »Betrachte dies als deine persönliche Einladung nach Wien. Unsere Bühne erwartet dich.«  Die Los Angeles Opera veröffentlichte ein Foto einer aktuellen Produktion und schrieb dazu: »Tut uns leid, Timothée Chalamet. Wir würden Ihnen gern Freikarten für Akhnaten anbieten, aber die Veranstaltung ist fast ausverkauft. Es sind noch einige wenige Plätze verfügbar. Wenn Sie sich beeilen.« [….]

(SPON, 07.03.2026)

Eigentlich tappen liberale Künstler nicht so häufig in die Streisand-Falle. Es ist eine Domäne der rechtsextremen Kulturkämpfer wie Wolfram Weimer, der seit seiner Berufung zum Kultur-Staatsminister immer wieder so aggressiv seine Verachtung für Kultur demonstriert, daß er von der gesamten Künstlerszene gehasst wird. Damit fügt er sich immerhin gut ein in die Merzsche C-Mannschaft. Auch Wirtschaftsministerin Reiche wird von Wirtschaftsvertretern verachtet.

[….] Was geschieht in den Läden, die per Verfassungsschutz vom Buchhandlungspreis aussortiert wurden? Einblicke in die wundersame Logik des Kulturstaatsministers Weimer. [….] Bücher können Imperien zum Einstürzen bringen, womöglich sogar aktuelle politische Systeme an den Abgrund schubsen – das ist die These, die dem aktuellen Verdikt des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer zugrunde liegt, über drei linke Buchhandlungen in Göttingen, Bremen und Berlin gebe es „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“. Auf Deutsch gesagt: Dort würden Leute eine Chance sehen, das herrschende System auszuhebeln.

Das ist es, worauf sich der Verfassungsschutz stets konzentriert: nicht auf Straftaten, sondern auf politischen Aktivismus, der – angeblich! – darauf zielt, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beenden. [….]

Aber ein Buchladen? Also ein Unternehmen, das gar nicht selbst Inhalte formuliert, sondern „nur“ Bücher ins Regal stellt und über den Schalter hinüber an interessierte Menschen verkauft? Das soll eigenständig den politischen Status quo gefährden? Es ist eine interessante, bislang in den Berichten des Verfassungsschutzes noch nicht da gewesene Vorstellung. Ebenso wie es eine interessante neue Vorstellung ist, dass nach SZ-Recherchen – in Befolgung des sogenannten Haber-Verfahrens der Bundesregierung, von dem die Republik gerade erst erfahren hat – diese Buchhandlungen in „Nadis“ gesucht worden sind. Das ist das „Nachrichtendienstliche Informationssystem“, die geheime Datenbank der Inlandsspione. [….] Die Vorwürfe, die das Bundesamt für Verfassungsschutz so auf Anfrage Weimers zusammengetragen hat, bleiben dann zwar streng unter Verschluss, aber nicht so streng, dass Journalisten nicht auf Nachfrage doch einiges erzählt bekämen: Einem der drei Läden werde eine Rolle im „Kommunikationsnetzwerk der RAF“ nachgesagt, heißt es etwa.

Vor 30 Jahren, so muss man dazusagen; denn so lange ist die RAF schon aufgelöst. RAF-Kontakte vor 30 Jahren sind natürlich kein ausreichender Grund, jemanden heute noch als Extremisten einzustufen, sonst hätte Joschka Fischer 1998 nicht Außenminister werden können. [….] Bücher können die Welt verändern. Aber Menschen davor abzuschrecken, dass sie Bücher kaufen und verkaufen, weil sie womöglich in Geheimdienstdateien landen könnten – das kann das Land noch viel rascher und zum Üblen verändern.  [….]

(Ronen Steinke, 08.03.2026)

Ja, die drei von Weimer verachteten Buchläden haben nun keine Chance mehr auf das Preisgeld.

[…] Öffentlich ist nicht bekannt, was gegen die drei Läden in Berlin, Bremen und Göttingen vorliegt. Die Betroffenen wollen vor Gericht ziehen. Der Deutsche Buchhandlungspreis für etwa 100 besonders engagierte kleine Buchläden ist mit Preisgeldern von 7.000 bis 25.000 Euro dotiert.

„Wehret den Anfängen – ansonsten werden wir im Handumdrehen ‚amerikanische‘ Zustände haben“, sagte PEN Deutschland-Präsident Matthias Politycki. „Die jeweils regierende Partei kuratiert das kulturelle Angebot, sei's in zeitlicher Abfolge, indem sie die Entscheidungen der Vorgängerregierung revidiert, sei's in räumlicher Hinsicht, indem das kulturelle Angebot von Bundesland zu Bundesland völlig anders bemessen wird.“ Die Meinungsfreiheit umfasse auch die Freiheit der Buchhändler.  [….]

(dpa, 08.03.2026)

Aber auch Dummerle Weimer löste hiermit den Streisand-Effekt aus und belohnt eben jene drei Buchhandlungen, denen er finanziell schaden wollte, mit enormen Umsätzen, die mutmaßlich segensreicher sind, als das Preisgeld es gewesen wäre.

[….]  Danke, Weimer! [….] Eine ältere Frau betritt den Golden Shop. „Ich wollte mal gucken, wie so ein linksextremer Buchladen aussieht“ sagt sie. Sie ist die erste Kundin an diesem Donnerstagvormittag; seit zwei Tagen ist klar, dass der kleine Golden Shop in Bremen den Kulturstaatsminister in Berlin beschäftigt: Am Dienstag hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass Wolfram Weimer drei der ursprünglich 118 ausgezeichneten Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreises ausgeschlossen hat – weil es „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ gegen sie geben soll.

Der Golden Shop ist eine dieser drei Buchhandlungen. Ein 24 Quadratmeter kleiner Raum, Holzdielen, vollgestapelte Büchertische. Wer die knarzende Treppe hochgeht, kommt in einen weiteren, genauso kleinen Raum mit Platten, Graphic Novels, Zines, aber so weit kommt die ältere Kundin heute gar nicht. Sie wird schon unten fündig, kauft ein Buch von Marc-Uwe Kling und geht wieder.

Ausma Zvidrina, die Inhaberin des Golden Shop, telefoniert. Das Telefon hört seit gestern gar nicht mehr auf zu klingeln. Um sie herum türmen sich ungeöffnete Pakete, neben einem Stapel Notizzettel stehen Blumen. Die Zettel sind von Menschen, die irgendwas von ihr wollen, Zvidrina musste sie vertrösten. Die Blumen sind von einem Kunden.

Zvidrina hat heute auch schon Kuchen bekommen und 700 neue Follower*innen auf Instagram. Verlage haben angeboten, ihr Bücher umsonst zu schicken, mehrere Autor*innen haben solidarische Lesungen angekündigt. Sie hat eine Spendendose aufgestellt, für die Anwaltskosten: Die drei linken Buchläden, der Golden Shop, die Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) wollen gegen die Entscheidung aus dem Kulturministerium klagen.

In dem kleinen Laden drängen sich mittlerweile zwölf Menschen. Zvidrinas einziger Kollege ist krank. „Wir sind nur zu zweit. Immerhin können sie uns keine kriminelle Vereinigung anhängen.“ Ein junger Mann kommt mit einem Bildband in der Hand: „Das kauf ich nur aus Trotz.“ „Das ist ein gutes Buch“, sagt Zvidrina, „das darfst du auch einfach so kaufen.“ [….] Zvidrina freut sich sehr über die Solidarität: „Wie scheiße wäre es, wenn wir jetzt alleine wären“. Aber: „Scheiß auf die 7.000 Euro. Wir waren noch nie von Staatsknete abhängig. Es geht hier doch um etwas viel Größeres! Um Kunst-, um Kulturfreiheit!“ Es ist kurz nach Feierabend, zwei ehemalige Kol­le­g*in­nen bringen ihr alkoholfreies Bier vorbei, Zvidrina fällt auf, dass sie heute noch nichts getrunken hat. Sie schließt die Kasse, guckt auf den Tagesumsatz: „Weihnachtsgeschäft“. [….]

(Amanda Böhm, 08.03.2026)

Sonntag, 8. März 2026

SPD überspringt (knapp) die 5%-Hürde!

Heute war ja nicht alles schlecht.

Im Herzen Bayerns, in München, wo Söders Staatskanzlei steht, wurde heute gewählt und der CSU-Mann schaffte es noch nicht einmal in die Stichwahl. Platz 1 ging an die Roten, Platz 2 an die Grünen.

In der drittgrößten bayerischen Stadt Fürth, holte der SPD-Bürgermeister Thomas Jung rund 72% der Stimmen.

[….] Überraschung in Bamberg – Ex-Ministerin Huml verpasst die Stichwahl!

Prognosen zum Ausgang der Oberbürgermeisterwahl in Bamberg galten als äußerst schwierig. Dass Ex-Gesundheitsministerin Melanie Huml für die CSU aber in die Stichwahl einziehen würde, davon waren viele Beobachter überzeugt – und täuschten sich. Die 50-Jährige kam bei der Abstimmung in der oberfränkischen Stadt mit 28,2 Prozent hinter Grünen-Kandidat Jonas Glüsenkamp (30,3 Prozent) und dem SPD-Bewerber Sebastian Niedermaier (29 Prozent) nur auf Platz drei. Ein bitteres Ergebnis für die CSU, war Huml doch Wunschkandidatin von Ministerpräsident Markus Söder.  [….]

(SZ Blog, 08.03.2026)

Florian Hartmann (SPD) wird mit 56,8% Oberbürgermeister von Dachau. Andreas Hügerich (SPD) wird mir 52,4% Erster Bürgermeister von Lichtenfels. Ulrich Proske (SPD) regiert künftig durch seinen 77,9%-Wahlsieg als Erster Bürgermeister Ebersberg. Läuft doch für die Sozis!

Ich erinnere mich gerade an Günter Kunerts Parabel „Das Bild der Schlacht am Isonzo“ von 1968, die viele von uns im Deutschunterricht der achten oder neunten Klasse gelesen haben werden. In meinem Fall war es eine Interpretation als Klassenarbeit. Man kann sich natürlich den einen kleinen Teil einer Geschichte herausschneiden, der einem gut gefällt. Aber das Gesamtbild ist leider anders.

Das Gesamtbild wird für einen Sozi heute maßgeblich vom Totaldesaster in Baden Württemberg bestimmt.  Bärbel Bas und Lars Klingbeil wirken so kläglich, wie es die Stuttgarter Zahlen vorgaben. 5,5% in einem großen Flächenland mit 11,2 Millionen Einwohnern. Spitzenkandidat, Landespartei- und Fraktionschef Andreas Stoch, der bundesweit damit bekannt wurde, nach dem Besuch einer Tafel, seinen Fahrer rüber nach Frankreich zu schicken, um ihm Entenpastete zu besorgen, war erfreulich klar. Er werde den personellen Neuanfang in Partei und Fraktion konstruktiv unterstützen. Natürlich hat er selbst keine Zukunft mehr in der Politik.


 Mit der Ankündigung Lars Klingbeils als nächstem Interviewgast, schlich sich urplötzlich dieses Gefühl bei mir ein: Das ist ein Desaster, wie die SPD unter seiner Führung in sich zusammensackt, bei den Mitglieder Agonie auslöst. Er wird jetzt, wie einst Oskar Lafontaine den Rücktritt von allen Ämtern erklären. Oder er geht auf totale Konfrontation zur CDUCSU, verlangt ultimativ einen Kurswechsel in der Energie- und Sozialpolitik unter Androhung. Das kann doch nicht so weitergehen, bis die SPD ganz verschwindet. Aber das war eben mein Gefühl. Ein Vizekanzler darf sich selbstverständlich nicht von Frust und Gefühlen leiten lassen, sondern muss Realist sein; er muss alle Aspekte, das größere Bild, im Auge behalten. Und da bleibt die es leider dabei: Die SPD muss in der verhassten Merz-Koalition mit den katastrophal wirtschaftsfeindlichen Lügnern Spahn und Reiche bleiben. Wir müssen mitmachen, auch wenn Merz uns geradewegs in den Abgrund führt. Es ist zwar fürchterlich, rückständig, falsch und kaum erträglich, aber tatsächlich immer noch besser, als alle realistischen Alternativen.

Die Erklärungen für das 5%-Desaster, die Tim Klüssendorf und seine Sozi-Freunde bemühten, sind zutreffend: Die SPD kam mit prognostizierten 8-10% unter die Räder, weil sie ohnehin nicht die geringste Machtoption hatte. Aber bei der enormen Polarisierung des Özdemir-Hagel-Wahlkampfs, des Kopf-an-Kopf-Rennens um den Ministerpräsidentenposten einer ohnehin oliven Koalition, konnten die (wenigen) SPD-Wähler eben doch das Ergebnis maßgeblich beeinflussen. Selbst Vollblut-Sozis und Özdemir/Palmer-Verächter wie ich, hätten unter den speziellen Umständen Grün gewählt, um Hagel zu verhindern. 

Das schrumpfte die SPD auf den letzten Metern von ~9% auf ungefähr 5%, das raubte den Linken drei Prozentpunkte. 

Auf der anderen Seite drückte es auch die Grünen-hassenden FDP-Fans in ihrem Stammland auf 4,x%. Ihre Leihstimmen gingen an den sexistischen rechtskonservativen Religioten Hagel, weil sie unter allen Umständen einen migrantischen Grünen verhindern wollten. 

Den Effekt sehen wir immer, wenn der Wahlkampf auf zwei Parteien, Kopf an Kopf, hinausläuft. Dann wird unserer Verhältniswahlrecht zu einem gefühlten Mehrheitswahlrecht. Tim Klüssendorf hat auch Recht mit seinem Hinweis auf den Wahlkampf zwischen SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer und CDU-Bundesverkehrsministerbruder Gordon Schneider.

[….] Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: CDU und SPD im Endspurt fast gleichauf

Die Wahl in Rheinland-Pfalz am 22. März wird aller Voraussicht nach zu einer neuen Regierung führen, da die FDP schwächelt. Eine Neuauflage der Ampel ist unwahrscheinlich. SPD und CDU streiten darum, wer den nächsten Ministerpräsidenten stellen darf. [….] Kurz vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März 2026 holt die Regierungspartei SPD laut Umfragen weiter auf. Der ohnehin kleine Vorsprung der CDU ist zuletzt noch einmal leicht geschrumpft. Doch weil die FDP in der jüngsten Umfrage im Auftrag des SWR nur noch unter „Sonstige“ geführt wird und die Grünen bei neun Prozent gesehen werden, ist eine weitere Runde für die amtierende Ampel-Koalition von Ministerpräsident Alexander Schweitzer wohl vom Tisch.  [….]

(Anke Petermann, 07.03.2026)

SPD-Andreas Stoch zu wählen, ist taktisch nahezu sinnlos. Daher wählten Linke und Sozis vielfach grün. SPD-Alexander Schweitzer zu wählen, ist taktisch hingegen absolut sinnvoll, so daß durchaus Leihstimmen von Linken und Grünen zu erwarten sind, um einen Ministerpräsidenten Schnieder zu verhindern.

Politisch nicht seriös, aber psychologisch hilfreich, ist es, sich die eigenen Wunden zu lecken, indem man den Schaden der Gegner ins Auge nimmt.

Ja, die CDU hat gut fünf Prozentpunkte hinzugewonnen, die SPD hat gut fünf Prozentpunkte verloren, die Grünen haben gut zwei Prozentpunkte verloren – im Vergleich zum Kretschman-Rekordergebnis von 2021. Aber wenn man durch die BW-Umfragen der letzten zwei Jahre scrollt, lag die Hagel-CDU stets mit riesigem Abstand vor den Grünen: Mindestens zehn Punkte, manchmal uneinholbar scheinende 16 Punkte. Daher hatte das Konrad Adenauer-Haus von den angepeilten fünf Landtagswahlsiegen 2026, den Urnengang von BW als den einfachsten und sichersten betrachtet. Ein Ministerpräsident Hagel im tiefschwarzen Schwabenland nach dem Abgang des überpopulären Kretschmanns, gegen einen Migranten, war fest eingeplant. Und schon damit scheiterten Linnemann und Merz spektakulär. Bei den nächsten Landtagswahlen – Rheinland-Pfalz am 22.03., Sachsen-Anhalt am 06.09. 26, Berlin und MeckPomm am 20.09.26 – wird es viel schwerer für die CDU, zumal dann mit recht hoher Wahrscheinlichkeit durch extrem steigende Öl- und Gaspreise, sowie die internationalen Groß-Kriege, in Kombination mit der katastrophal falschen ökonomischen und energiepolitischen Weichenstellung des Merz-Kabinettes, die deutsche Wirtschaft abschmieren dürfte.

Mit der Einschätzung liegt der Urnenpöbel ja richtig: Die CDU kann es nicht.

Und es gibt ein weiteres positives Ergebnis dieser Landtagswahl: Nicole Büttner, CEO des KI-Beratungsunternehmens Merantix Momentum und DAX-Konzern-Beraterin, muss sich eine Glatze rasieren.


Dabei galt auch hier BW als absolute FDP-Hochburg als kleinste Hürde. In den Umfragen der folgenden Landtagswahlen liegen sie zwischen 2% und „unter der Nachweisgrenze“.

Es geschieht der hepatitisgelben Pest, die uns mit ihrer perfiden Ampel-Sabotage erst die toxischen Reiche-Merz-Regierung einbrockte, nur Recht, wenn sie endgültig aus dem deutschen Parteiensystem getilgt wird.

Samstag, 7. März 2026

Iranische Zukunft

Nach einer Woche Iran-Krieg gibt es immer noch keinerlei Gewissheit, wohin sich die Sache entwickelt. Wird das Ayatollah-Regime stürzen? Wird Israel das Chaos im Nahen Osten nutzen, um weitere Gebiete unter seine Kontrolle zu bringen? Werden die ultrareichen antidemokratischen Golfmonarchien so empfindlich unter den Einbrüchen des Tourismus leiden, um Druck auf Washington auszuüben, den Beschuss einzustellen? Werden Israel und den USA tatsächlich viel eher die Abfang-Raketen ausgehen, als dem Iran die Angriffsraketen, weil Letztere viel einfacher und billiger zu produzieren sind? 

Wird der in Israel sehr populäre Angriff, dem vor zwei Jahren extrem unbeliebten Netanjahu, tatsächlich die Wiederwahl einbringen? Könnte sich die öffentliche Meinung gegen Bibi wenden, wenn die legendäre Luftabwehr versagt und es viel mehr zivile Todesopfer in Israel gibt? Bleiben die Analysten bei dem Narrativ, mit Teherans Streben nach der Atombombe, wurde das eigene Ende eingeläutet? Oder wird die Lehre nicht vielmehr, ganz im Gegenteil, lauten ‚wer keine Atomwaffen hat, geht unter‘ und somit für immer mehr Länder bedeuten, dem Beispiel Pakistans und Nordkoreas zu folgen? Atomwaffenprogramme massiv zu forcieren? 

Wird die Supermacht China, die viel mehr als die USA auf Öl- und Gas-Importe vom Golf angewiesen ist, weiter stillhalten? Oder werden sich Xi und Putin mehr und mehr auf die Seite Teherans schlagen, weil sie ihre geopolitischen Interessen schützen wollen?

Mündet die Aktion dann doch im dritten Weltkrieg?

Haben die (vage geschätzten) 70% der Iraner, die sich ein Ende ihres Regimes wünschen, nun die einzige Chance für Generationen, sich zu erheben, wie es der irre Kriegsherr Trump behauptet? Oder wird die Opposition durch den Bombenhagel gerade komplett lahmgelegt? Verliert Trump in absehbarer Zeit das Interesse an diesem Krieg; erklärt ihn, völlig unabhängig von der Faktenlage, zu einem enormen Sieg und überlässt den Nahen Osten dem Chaos? 

Wenden sich relevante Teile der MAGA-Bewegung gegen ihn, weil er sein „America first“-Versprechen so drastisch bricht und die Energiepreise explodieren? Oder sind die Republikaner, rechten Medien und Wirtschaftsbosse nach zehn Jahren Trumpismus so in ihrer Rolle als devote Sektenmitglieder gefangen, daß keinerlei Scham und Anstand empfinden können?

[….] Es sind nicht die neun goldenen Protzpokale auf dem Kaminsims im Weißen Haus, die in diesem Moment verstören. Oder der Goldkitsch, mit dem der US-Präsident scheinbar jede freie Stelle des berühmtesten Büros der Welt hat zupflastern lassen. Dort hängt nun so viel Gold an den Wänden, dass durch die Lichtreflexion der ganze Raum in einen matten goldenen Schimmer getaucht wird.

Der Hofstaat gibt sich unterwürfig. Es ist die devote Unterwürfigkeit von Trumps versammeltem Hofstaat, die Friedrich Merz und seine Delegation befremden. Das Stammeln des Finanzministers (»Sir, ich stimme Ihnen zu«), als der Präsident ihm eine Frage stellt. Der US-Handelsbeauftragte, der seinem Chef gegenüber eilfertig beteuert, er habe »alle Macht« gegen einzelne Länder Embargos zu verhängen. Was der mit Wohlwollen quittiert.

Oder die jungen, sichtbar schönheitschirurgisch optimierten blonden Frauen, die im Hintergrund an der Wand stehen und jedes Mal beflissen nicken, wenn der Präsident wieder eine seiner bizarren Erkenntnisse zum Besten gibt. [….] [….] Und dann erzählt Trump eine seiner ältesten Lügengeschichten: Sollen die Iraner doch die Sache selbst in die Hand nehmen, auf die Straße gehen und protestieren. »Aber noch nicht«, sagt Trump, »es fliegen eine ganze Menge Bomben rum.« Ach ja, die Iraner. In Los Angeles gehen sie auf die Straße. »Ich habe doch so viel Gutes für sie getan. Und dann habe ich gesehen, wie diese Frau ein Bild von mir geknuddelt hat. Und in New York gab es auch eine große Demo mit meinen Bildern überall. Die Leute sind so glücklich über das, was wir getan haben.«

Sein Hofstaat blickt den Präsidenten bewundernd an. Die blonden jungen Frauen, die im Hintergrund an der Wand stehen, nicken beflissen. So wie sie auch nicken, als Trump den Reportern nun eine seiner ältesten und bewährtesten Lügengeschichten zum x-ten Mal auftischt.

Es ist die schöne Story von »Barack Hussein Obama«, der angeblich die Sitze aus zwei Boeing 757 ausräumen ließ, um sie dann bis oben bepackt mit grünen Dollarnoten zu den Mullahs nach Teheran zu schicken. Nachdem er mit Iran ein Atomabkommen abgeschlossen hatte. »Ich wusste gar nicht, dass ein Präsident so eine Macht hat«, sagt Trump, »vielleicht versuche ich es auch mal.

Der Hofstaat und die amerikanischen Reporter sind den Irrsinn gewöhnt, den der Präsident täglich vom Stapel lässt. Sie zucken allenfalls mit den Achseln. So ist er eben, der Oberbefehlshaber der mächtigsten Streitmacht der Welt. [….]

(Konstantin von Hammerstein, 04.03.2026, aus DER SPIEGEL 11/2026) 

 


Wird Merz, Spahn und Reiche vielleicht doch noch ihr Verbrennermotor-, Gas/Ölheizungskurs um die Ohren fliegen, wenn die deutschen Wähler merken, wie abhängig sie von internationalen Erdöl/Gas-Preisen sind, während die Sonne konjunkturunabhängig kostenlos scheint und der Wind konjunkturunabhängig kostenlos weht? Wird der Urnenpöbel jemals begreifen, daß Öko-Strom eben nicht „nur“ umweltfreundlich ist, sondern auch höchst wirtschaftsfreundlich? Daß Erneuerbare Energie bereits jetzt ausreichend und billig zu Verfügung stünde, aber nicht entsprechend zum Zug kommt, weil Reiche den Energiekonzernen jährlich weiterhin 80 Milliarden Euro aus den Taschen der Verbraucher auf die Offshore-Konten leiten will und daher nach Kräften Speicherkapazitäten und Netzausbau blockiert?

[….] Die Wirtschaftsministerin zerstört systematisch die Energiewende und sucht die Zukunft in der Vergangenheit. Das ist verantwortungslos. Und der Kanzler sollte sich mal fragen, was die Töchter seiner Töchter dazu sagen.

Toll! Wegen des Iran-Kriegs explodieren die Öl- und Gaspreise. Und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat nichts Besseres zu tun, als mit einem prähistorischen Gebäudemodernisierungsgesetz die Abhängigkeit der Bundesrepublik von fossilen Energien zu betonieren. Gemeinsam mit Jens Spahn erklärte sie die Knechtschaft des Habeck’schen Heizungsterrors für beendet. Die Freiheit und Privatheit im Heizkeller ist nun wiederhergestellt. Herzlichen Glückwunsch! Unbegrenzt können neue Öl- und Gasheizungen eingebaut werden. Dumm nur, dass Trump pünktlich zur Präsentation des Gebäudemodernisierungsgesetzes beweist, dass Öl und Gas mit Freiheit und Modernisierung so viel zu tun haben wie das Verbrennen alter Reifen mit Technologieoffenheit. Kurze Erinnerung: Ökostrom muss durch keine Meerenge von Hormus.

Sogar Heizungsbauer reagieren sauer, dass Eon jetzt wieder Reiche-Beute macht. Mit dem Heizungsgesetz von Robert Habeck hatten sich die Menschen hierzulande gut arrangiert; die Wärmepumpe war ein Renner. Jetzt kommt alles anders. Und Mieter werden die neue Heizungsfreiheit noch verfluchen; dann, wenn die Beimischung von rarem Biogas den Preis für eine warme Wohnung von 2029 an endgültig in die Höhe treibt. Auch Reiches Vorstellungen von Biogasimporten aus der Ukraine sind eher Lachgasträume.

[….] Dass Deutschland bis 2045 klimaneutral sein muss und von 2030 an EU-Klimagesetze greifen, bremste Reiches Heizungshammer derweil nicht. Schon als sie im Vorstand von Westenergie saß, war sie dort als Gas-Kathi bekannt. Kein Wunder also, dass sie Wärmepumpen nicht mag. Im Sommer noch wollte sie zur Sicherung der Stromversorgung bei Dunkelflauten neue, wasserstofffähige Gaskraftwerke bauen lassen. 20 Gigawatt sündhaft teure Gaskraft sollten diese liefern. Die EU-Kommission genehmigte ihr nur etwa zehn Gigawatt – wie zuvor von Habeck beantragt. So bewahrten nur die EU-Regeln Reiche davor, zur Vollgas-Kathi zu werden. [….]

(Hans Well, 06.03.2026)

Ist es nicht etwas albern, wie jetzt Myriaden Trumpgegner und Kriegskritiker Sympathien für den Tod Ali Chameneis (geboren am 19. April 1939 in Maschhad; gestorben am 28. Februar 2026 in Teheran) bekunden, weil dieser ein besonders abscheulicher Massenmörder war, dem die Todesstrafe Recht geschähe?

War dieser Märtyrertod nicht vielleicht ganz in seinem Sinn?

Der Mann, der passenderweise einen Tag vor Hitler Geburtstag hat, war 86-Jährig bereits 37 Jahre oberster Führer. Ohne ihn persönlich gekannt zu haben, gehe ich davon aus, daß er intelligent genug war, zu wissen, daß er nicht ewig herrschen kann. Wir wissen inzwischen, wie weitreichend seine Ernennungsbefehle „bis ins vierte Glied“ für alle iranischen Führungspositionen gingen. Offenkundig dachte er also über sein eigenes Ende nach und war sich auch der Wahrscheinlichkeit bewußt, mit der andere mächtige Stützen des Regimes getötet werden könnten.

Ich bin mir sicher; Trumps Religiosität ist vorgeschoben, um die sich die Unterstützung der Rechten zu sichern. Genauso macht es Putin auch. Sie gehen jeweils ein Bündnis mit den mächtigen Kirchen ein, erfüllen den steinreichen Topklerikern einige Herzenswünsche (in der Regel das Sichern von Pfründen und allerlei menschenrechtswidriges Zeug, um deren Hass auf Minderheiten zu befriedigen) und werden im Gegenzug als weltliche Herrscher unterstützt. Putin frönt dabei durchaus einer imperialen, großrussischen Ideologie, bereichert aber auch sich und seine Sippe, will allmächtiger Zar auf Lebenszeit sein.

Trump hingegen verfolgt gar keine Ideologie, sondern frönt nur seinen persönlichen Gelüsten, die im wesentlichen seine Geldgier, seinem Sadismus und der Sucht permanent gelobt zu werden, sind.

Ich befürchte, bei Chamenei liegt der Fall aber etwas anders. Er ist der politische und religiöse Ziehsohn Ayatollah Ruhollah Chomeinis. Als Ayatollah war Chamenei mutmaßlich tatsächlich sehr religiös. Das schiitische Märtyrertum, das Prinzip der Taqiya, der heilige Iman Ali, der durch ein Attentat starb, waren Leitlinien für ihn.

Ein friedlicher Tod an Altersschwäche ist dem eigenen Ansehen eher hinderlich.

[…] Der Anschlag auf Khamenei ist eine tiefe Zäsur in der Geschichte des modernen Iran. Er hat einen Mann getroffen, der mit diesem Ende rechnen musste, ja es aus seiner Weltsicht am Ende wohl für unvermeidlich hielt.

[….] Als Khamenei starb, war er der älteste und längstgediente Autokrat des Nahen Ostens. Seit 1989 hat er als Khomeinis Nachfolger alle wichtigen Entscheidungen getroffen, die Iran in seine heutige Lage brachten: Er hat das Land global isoliert und seine Wirtschaft ruiniert. Er hat das von seinem Vorgänger geprägte Herrschaftssystem aufrecht erhalten und ging dabei über Leichen. [….]  Er hat einen der größten und wichtigsten Staaten des Nahen Ostens noch weiter ins Abseits manövriert, Minderheiten in seinem eigenen Land unterdrückt und die Gräben in der Region vertieft.

Nicht alle Menschen in Iran sehen das so, vermutlich selbst heute nicht. Unter den Frommen und in Teilen der schiitischen Geistlichkeit hatte er Rückhalt bis zuletzt. Denn aus diesem Milieu stammte er selbst. [….] Dass Khamenei zuletzt in weiten Teilen der Bevölkerung so verhasst war, hatte mit seiner kompromisslosen Auslegung der Scharia und seiner rigiden Gesellschaftspolitik zu tun. Kein Land außer China vollstreckt so viele Todesurteile wie Iran, selbst Jahrzehnte nach der blutigen Gründungsphase der Islamischen Republik. [….]

(Bernhard Zand, 01.03.2026, aus DER SPIEGEL 11/2026)

Freitag, 6. März 2026

Überflüssige Studien – Teil VI

Also, ich wurde ganz kurz nach den Boomern geboren und gehöre schon zur „GenX“, aber die doofe „GenZ“ kann das natürlich nicht unterscheiden und schiebt tumb jeden, der älter als sie selbst ist, in die Boomer-Schublade.

Interessant finde ich, wie negativ „Boomer“ konnotiert wird. Gern in der Schreibweise „B00mer“, mit der Doppel-Null, um an ein Klo zu erinnern. Mich amüsiert der triumphale Tonfall, mit dem ich als Boomer abgekanzelt werde.

Erstens ist das eine völlig willkürliche Kategorisierung, zweitens bin ich gar kein Boomer und drittens fühle ich mich ohnehin grundsätzlich nicht durch Pauschalurteile beleidigt. Das impliziert schließlich schon das Wort „Pauschal“, daß man eben nicht den konkreten Einzelnen meint.

Deswegen schimpfe ich auch über „die Amerikaner“, oder „die Ossis“, oder „die Bayern“ oder „die Christen“, weil man damit ganz pauschale Eigenschaften bei einer Gruppe verorten kann, ohne jedes Individuum persönlich zu meinen.

Natürlich können einzelne Ossis oder Bayern ganz wunderbare Menschen sein.

Also nur zu, ich lade herzlich dazu ein, über Hamburger, Amerikaner, Boomer oder GenXer herzuziehen – daran ist sicher vieles richtig, aber ich fühle mich garantiert nicht persönlich beleidigt!

That said, finde ich aber, daß uns GenXBoomern Unrecht getan wird. Wohlwissend, daß das genau die Klischee-Antwort ist, die ein Boomer-Kritiker der GenZ erwartet: Alte Weiße Männer, die nicht reflektieren und sich selbst fabelhaft finden. Und ich bin dieser alte Mann in dem Sinne, daß ich wenig Kontakt zur GenZ/GenAlpha habe; mich sogar innerlich bereits davon verabschiedet habe, die Moden und Verhaltensweisen der Jungen zu verstehen. Ist das angenehm, bei irgendeinem mir unverständlichen Irrsinn auf Social Media nur die Augen zu rollen und nicht mehr, wie früher, automatisch zu versuchen, das Phänomen zu ergründen und zu verstehen, sondern einfach mit „das muss ich nicht mehr wissen“ abzuwinken. 

Aber selbst, wenn man wie ich, ohnehin kein gesteigertes Interesse an der jüngeren Generation hat und auch kaum mit ihr in Kontakt kommt, weil man keine Kinder hat und keinem Beruf nachgeht, in dem man zwangsläufig mit vielen jungen Menschen kollidiert, läuft man nicht mit völlig geschlossenen Augen durch die Welt.
Ich beobachte selbstverständlich in der Öffentlichkeit Verhaltensweisen, höre zu, wenn mir andere von ihren Kindern erzählen und lese auch von wesentlich kundigeren Personen, was Teens und Twens von heute auszeichnet.

Die Rückkehr der klassischen Geschlechterrollen mit dem bestimmenden, beschützenden Mann und den devoten Frauen, die ihn immer erst um Erlaubnis fragen, wird schon seit Jahren von Kolumnistinnen, wie Anja Rützel, Annika Brockschmidt oder Samira El Ouassil beschrieben.

[….]  Zum Verständnis, falls Sie im Gegensatz zu mir ein Leben außerhalb von Datingformaten haben: Der eben genannte Kandidat Aleks »der maskuline Mann« Petrović war zweimal in dem Treuetestformat »Temptation Island V.I.P.«, eine buchstäbliche Insel der Versuchung  , auf welcher Paare getrennt voneinander, umringt von attraktiven Singles und in Partysituationen gesteckt, sich gegenseitig ihre standhafte Unverführbarkeit beweisen wollen. Bei Petrovićs erstem Besuch der Temptation-Insel klappte das nicht so gut, er verließ seine damalige Freundin für eine der dortigen Single-Frauen, in die er sich im Rahmen des Experiments verliebt hatte, seine jetzige Ex-Verlobte Vanessa Nwattu. Nachdem Petrović und Nwattu drei Jahre später erneut auf die Treueinsel gingen, um sich als neues Paar ihrer Unverbrüchlichkeit zu vergewissern, musste Vanessa den maskulinen Mann Aleks aufgrund seiner nervenzersetzenden Unaushaltbarkeit und geschlechtsdiskrimnierenden Gemeinheit verlassen.

Seitdem kämpft der Liebeskummernde mit allen Regeln der PR und Fanmobilisierung darum, zu belegen, dass alle schuld an seiner selbstverantworteten Misere seien: der Sender, der Schnitt, die Moderatorin, der Alkohol, die Treuetesterinnen, die Mit-Kandidatinnen von Vanessa, seine Ex-Freundin, also die, die er für Vanessa verlassen hatte, das Publikum, Feministinnen, Vanessas Freundinnen außerhalb des Formats, die Familie von Vanessa, Neider, Hater, Kooperationspartner und natürlich seine Ex-Verlobte Vanessa selbst, denn die hat sich ja schließlich getrennt. Und während ich diesem Realitystar beim Verdrängen, Misstrauen und Beschuldigen einer ihm nicht wohlgesonnenen Gegenwart zuschauen konnte, kam mir ganz plötzlich die Erkenntnis: Friedrich Merz ist der Aleks Petrović der deutschen Politik. [….]

(S. El Ouassil, 23.01.2026)

Vor einigen Monaten gab es in einer Reality-TV-Sendung, in der Pärchen gegeneinander antraten, eine Diskussion um Nacktbilder für den Playboy. Ein altes Thema, das schon zu meiner Jugendzeit eruiert wurde: Ist es moralisch tragbar? Ist es Schund, wie andere Pornographie? Ist es frauenverachtend? Ist es ästhetisch? Ist es Kunst? Der Playboy bekommt offenbar immer noch viele prominente Frauen dazu, sich für das Heft auszuziehen. Ein Grund dafür sind natürlich die enormen Gagen, die hoch in den sechsstelligen Bereich gehen sollen. Soweit, so bekannt.

Nur fragten die GenZ-Damen sich nicht gegenseitig „Würdest du das tun?“, wie man es in den 1980rn getan hätte, sondern deren Partner wurden gefragt „Würdest du das erlauben?“

Ich kann es kaum fassen. Wenn ich im Teenageralter meiner Freundin gesagt hätte, „zieh dich nicht für den Playboy aus, das will ich nicht/erlaube ich nicht“, weiß ich genau, wie sie geantwortet hätte. Nämlich richtigerweise: „Das ist ja wohl nicht deine Entscheidung, sondern es geht um meinen Körper und über den entscheide ich ganz allein!“

Wie konnte es passieren, daß wir vierzig Jahre später wieder in den 1950ern gelandet sind und die Frauen erst mal die Erlaubnis ihres Mackers einholen?

Die spinnen, die GenZler.  Das weiß ich schon seit Jahren und nun gibt es dazu auch eine dieser überflüssigen Studien, die den offenkundigen Befund noch einmal empirisch bestätigt.

Meine Generation denkt immer noch fortschrittlicher, als die Jugend von heute!

[….] Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März hat sich das Meinungsforschungsinstituts Ipsos mit der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau beschäftigt. Bei einer internationalen Studie kam raus: Junge und ältere Männer haben unterschiedliche Meinungen. 👇

Unter anderem wurde gefragt, ob Ehefrauen ihren Ehemännern gehorchen sollten.

    Das Ergebnis: Etwa jeder dritte Mann aus der Generation Z stimmt dem zu. Männer dieser Generation sind in den Jahren 1997 bis 2012 geboren.

    Bei den Boomern (Jahrgänge 1946 bis 1964) sind es dagegen nicht mal halb so viele Männer, die das denken (13 Prozent).

Nun zum Thema Gleichstellung von Mann und Frau: Wurde dafür im eigenen Land inzwischen genug getan?

    Etwa sechs von zehn Gen Z Männer stimmen dem zu.

    Bei den Boomer-Männern (Jahrgänge 1946 bis 1964) sind es 49 Prozent.

Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat für die Studie mehr als 23.000 Menschen in 29 Ländern befragt, darunter Deutschland, Argentinien, Frankreich, Großbritannien, Japan Indien, Kolumbien, Mexiko, Schweden, Südafrika, Südkorea und die USA.

Studie: Viele Gen Z Männer fühlen sich diskriminiert

Über die Hälfte der Gen Z Männer (57 Prozent) findet außerdem: Die Gleichstellung von Frauen sei bereits so weit gefördert worden, dass jetzt Männer diskriminiert werden würden. Bei den Boomern sind es 42 Prozent, die so denken. [….]

(SWR3, 06.03.2026)

Donnerstag, 5. März 2026

Kirche gegen Menschen

Es gibt tatsächlich eine Kirche, der ich verbunden bin. Nicht ganz direkt persönlich, nicht dem Glauben, nicht den Menschen, nicht der Religion. Aber dem Gebäude. Mitglieder meiner Familie spendeten und stifteten für das Ding, dort fand mein Konfirmandenunterricht statt. Es ist eine kleine Dorf-Kirche, die mir nun schon mehrfach klar signalisierte: Wir wollen dich nicht!

Vor drei Jahren weilte ich noch einmal zu einer Trauerfeier an diesem letzten Ort, an dem ich sein wollte, aber es ließ sich aufgrund privater Verpflichtungen nicht vermeiden. Da ich persönlich eingeladen wurde und entsprechend im Eingang empfangen wurde, konnte mich diesmal immerhin keine Pfäffin rauswerfen.

Als Atheist kann es mir zwar herzlich egal sein, was die örtlichen dörflichen Kirchenvorsteher von mir halten, aber es war wieder einmal lehrreich, persönlich zu erleben, welch maximal unangenehmes Gefühl einem Pfaffen vermitteln können, wenn sie glauben, man gehöre nicht dazu.

Die einzige andere Kirche in Hamburg, zu der ich „einen persönlichen Draht“ habe, ist dass protestantische Ding 300m von meiner Wohnung entfernt, das mich immer Sonntags aus dem Schlaf bimmelt.

Deren Pfäffin agiert auf Social Media genauso aggressiv auf Kritik und holte sofort zum Facebook-Shitstorm auf mich aus, als ich es wagte, sie zu kritisieren. Ihre getreuen Gemeinde-Mitglieder versuchten mich als „Scheinchristen“ zu verunglimpfen und pöbelten, ich solle mich nicht in Gottesdiensten bei denen sehen lassen und könne mir gefälligst eine andere Gemeinde suchen.

Der Ausschluss, die Ächtung, der Bann sind die logische schlimmste Strafe für eine „Wir sind besser als die“-Ideologie, die stets darum bestrebt ist, andere zu exkludieren und als minderwertig zu framen. Hier die Gemeinde, dort die Ungläubigen, die von Gott gehasst werden. Hier Nächstenliebe und dort Fernsten-Hass. Extra Ecclesiam Nulla Salus. Wer nicht zu uns gehört, kommt in die Hölle. Unterwirf dich unseren Regeln, oder du wirst gestraft.

Diese Denk-Blase können sie nicht verlassen und kamen daher auch in meinem Fall lustigerweise gar nicht auf die Idee, ich würde möglicherweise gar nicht so furchtbar darunter leiden, nicht mehr in ihren Gottesdienst zu kommen.

So wie 99% der Hamburger nicht regelmäßig in Gottesdienste gehen.

Aber der harte Kern der Gläubigen frönt offenbar der Bosheit der eigenen Gedanken. Es macht ihnen Freude, diejenigen zu verachten, die ihrer Ideologie nicht so viel opfern. Es erquickt sie, sich vorzustellen, wie sie mit ewigen Leben im Himmel belohnt werden, während die nicht so Frommen für immer in der Hölle schmoren sollen. Religioten sind charakterlich so verkommen, daß sie nur aus Furcht vor der Hölle und nur aus der egoistischen Erwartung für ihre Frömmigkeit belohnt zu werden, GUT sein können. Aus dieser zutiefst verstörenden Moral heraus, halten sie Atheismus für amoralisch, weil die Gottlosen, keinen Grund hätten, gut zu sein!

Altruistische Motive sind ihnen fremd. Solidarisch zu sein, weil es einfach richtig ist, können sie nicht nachvollziehen. Gut sein, können Christen nur bei einer Gegenleistung.

"The Bible should only be one sheet of paper, and on that paper it should say: 'Try not to be a cunt'" - Jim Jefferies

Meinen großen Helden Kardinal Woelki mag ich wesentlich lieber, als die beiden protestantischen Hamburger Pfäffinen, mit denen ich zu tun hatte.

Denn er heuchelt nicht. Er zieht einfach klar Position. Für den Vatikan, für die K!nd€rf!cker, für die mächtigen Männer. Gegen die Opfer, gegen Frauen, gegen Kinder, gegen Minderheiten, gegen Schwule. Liberale Bischöfe, die mit dem „synodalen Weg“ sympathisieren oder gar „schwanzlose Ungeheuer“ zu Geistlichen machen möchten, hasst er offen.

Woelki blickt eher nüchtern auf die Ungläubigen. Er will ihr Geld. Der Herrscher einer der reichsten Diözese der Erde, will sein Milliardenvermögen vermehren

[…..] Matthias Krause: Seit das Erzbistum Jahresabschlüsse in dieser Form veröffentlicht – also ab 2012 – hat es bis 2022 fast immer zweistellige Millionenüberschüsse erwirtschaftet. Im Schnitt 33 Millionen Euro pro Jahr. So konnte das Erzbistum noch Geld für die Zukunft zurücklegen. Allerdings gehen jetzt die geburtenstarken Jahrgänge, die "Babyboomer", in Rente.

Die standen am Ende ihres Berufslebens und haben deshalb statistisch gesehen die höchsten Einkommen aller Jahrgänge gehabt. Jetzt fallen sie mehr und mehr weg, und das zeigt sich auch bei der Entwicklung der Kirchensteuer: Von 2019 bis 2020 war das Kirchensteueraufkommen, trotz sinkender Mitgliederzahl, noch recht stetig angestiegen. […..] Seitdem stagniert es, das zeigt sich auch beim Jahresabschluss: 2023 war es ein Überschuss von fünf Millionen Euro, nun sind es 13,2 Millionen Euro – jedoch laut dem Erzbistum wegen sogenannter Sondereffekte. Dabei war allerdings noch genug Geld da, um 50,4 Millionen Euro in einen Vermögensfonds "Transformation im Erzbistum Köln" zu stecken.

Das Kirchensteueraufkommen des Erzbistums ist gegenüber 2023 um 1,7 Prozent gestiegen – das macht nicht einmal die Inflation wieder wett. Die fetten Jahre sind also vorbei, und daran wird sich wohl auch nichts ändern. […..] Bisher hat das Erzbistum Köln meist sein Eigenkapital vermehren können. Allerdings eignet sich das Eigenkapital bei Kirchen – anders als bei Unternehmen – nicht, um den "Reichtum" eines Bistums zu beurteilen. Frei verfügen kann das Erzbistum im Grunde nur über seine Wertpapiere, Bankguthaben und Kassenbestände.

Gebäude wie der Kölner Dom, Raumausstattungen oder auch Fahrzeuge können nicht verkauft werden, ohne die Arbeit der Kirche zu beeinträchtigen. Knapp ein Viertel des in der Bilanz ausgewiesenen Wertpapiervermögens dient außerdem als "Wertspeicher" für die Pensions- und Beihilfeansprüche, die sich die Beschäftigten und Pensionäre des Erzbistums bereits erarbeitet haben. Damit ist dieser Teil der Wertpapiere quasi auch unverkäuflich.

Aber: Nach Abzug aller Verpflichtungen gegenüber Dritten hatte das Erzbistum Köln Ende 2024 drei Milliarden Euro zur freien Verfügung. Noch reicher ist meines Wissens nur das Erzbistum Paderborn – übrigens bei weniger Katholiken.

[…..] die Kirchensteuer in Deutschland wird von den Finanzämtern eingezogen. Ein erheblicher Teil der Arbeit bleibt allerdings bei den Unternehmen hängen, die die Kirchensteuern letztlich für die Kirchen einziehen müssen und dafür keine Entschädigung erhalten. Die größte Belastung der Allgemeinheit dürfte allerdings die unbegrenzte steuerliche Absetzbarkeit der Kirchensteuer bei der Einkommensteuer sein.  Etwa zwölf Milliarden Euro Kirchensteuer, die jedes Jahr von der Steuer abgesetzt werden, kosten die Allgemeinheit jährlich vier Milliarden Euro: Denn durch die steuerliche Absetzbarkeit zahlen die Kirchensteuerzahler netto nur etwa acht Milliarden – die restlichen vier Milliarden schießt letztlich der Staat zu. Das ist übrigens weniger, als von den Kirchen – quasi im Gegenzug – für Kitas, Schulen und Caritas – ausgegeben wird.  Beim Erzbistum Köln betrug die Subvention im vergangenen Jahr 222 Millionen Euro, es hat aber "nur" 155 Millionen Euro für Kitas, Schulen und Caritas verwendet. […..]

Wenn alle Kölner Katholiken austreten würden – hätte der Staat unterm Strich sogar mehr Geld zur Verfügung?

Sehr gut erkannt! Hätte 2024 im Erzbistum Köln niemand Kirchensteuer gezahlt, hätte der Staat 222 Millionen Euro mehr an Einkommensteuer eingenommen. Hätte das Erzbistum Köln im Gegenzug nichts für Kitas, Schulen und Caritas ausgegeben, wären dort 155 Millionen Euro weggefallen.

Das hätte der Staat aber mit seinen 222 Millionen Euro Mehreinnahmen ohne Weiteres kompensieren können und hätte noch 67 Millionen Euro übrig gehabt. Es ist also nicht so, dass das Zahlen der Kirchensteuer die Allgemeinheit finanziell entlastet – im Gegenteil. Und Kirchenaustritte belasten die Allgemeinheit auch nicht – sie entlasten sie. […..]

(T-Online Interview mit Matthias Krause, 02.10.2025)

Um das Vermögen der Geldkrake Kirche weiter aufzuhäufen, wendet Woelki nun eine verfeinerte Methode der Hamburger Pfäffinnen an: Er schlägt den Menschen die Kirchentür zwar nicht vor der Nase zu, lässt aber nur noch die rein, die es sich leisten können und bezahlen. Gottes Segen nur noch für Reiche.

Eine konsequente Weiterführung des Reliquien- und Ablasshandels.

[…..]  Katholische Kirche Kölner Dom kostet künftig für Touristen Eintritt

»Vergelt’s Gott« war einmal: Wer den Kölner Dom besichtigen will, wird bald zur Kasse gebeten.

[…..]  Er ist wohl die bekannteste Sehenswürdigkeit Kölns. Für viele Menschen, die in die Stadt kommen, steht ein Besuch auf dem Programm: der Kölner Dom. Das ist auch weiter möglich, allerdings nicht mehr gratis, denn der Kölner Dom kostet für Touristinnen und Touristen künftig Eintritt. Das gab Dompropst Guido Assmann bekannt. […..] 

(SPON, 05.03.2026)

Es passt zu einer Kirche, die „defensive Architektur“ einsetzt, um Arme fernzuhalten.

Obdachlose unerwünscht in der Woelki-Welt. Es ist eine Kirche für Reiche. Wie den Bundeskanzler und andere CDUler, die darum wetteifern, Sozialleistungen zu streichen.

Mittwoch, 4. März 2026

Merz beerdigt uns.

Heute stieß ich auf eins der unendlich vielen Social Media-Phänomene, das ich noch nicht kannte: Touristen gehen in ein modernes Chinesisches Krankenhaus und werden innerhalb von 30 Minuten registriert, diagnostiziert, untersucht, mit Medikamenten versorgt und haben beim Verlassen des Krankenhauses bereits die vollständige Rechnung bezahlt, die auch ohne Versicherung nur wenige Euro beträgt.

Die Modernität und Effizienz sind absolut atemberaubend. Wir können unseren Rückstand niemals aufheben.

Es ist eine der unendlich vielen Geschichten, die uns zeigen, wie hoffnungslos das träge, dysfunktionale, demokratische, rückständige Europa abgehängt ist.

China hat uns technisch längst überholt und enteilt uns in Siebenmeilenstiefeln.

Daneben gibt es noch das nach Fläche mit Abstand größte Land der Welt, das eine nukleare Supermacht ist: Russland. Der dritte Player ist der ökonomische und militärische Riese USA. Als Nummer Vier schiebt sich das bevölkerungsreichts Land des Planeten – Indien – immer mehr in den Vordergrund.

Die kleinen Stümpernationen Europas werden unweigerlich von den genannten drei Großen zerquetscht werden; insbesondere wenn der ökomische Zwerg Russland in dem Power-Block BRICS aufgeht.

Deutschland, Frankreich, Italien, England, Spanien, Belgien, Holland, Polen und die noch Kleineren haben zwei Möglichkeiten:
Entweder in Rekordzeit von China plattgewalzt und kolonialisiert werden. Oder unser unvermeidbares Ende noch etwas länger aufzuschieben, indem wir auf unseren einzig verbliebenen Trumpf setzen: Die EU, also den Zusammenhalt Europas. Das bedeutet gemeinsames Handeln, gemeinsame Außenpolitik, gegenseitige Unterstützung gegenüber China, Russland, USA. Die EU-Staaten müssen miteinander solidarisch sein, Nationalismen abbauen, Kompetenzen an die Brüsseler Zentrale übergeben und endlich die Strukturen so reformieren, daß garstige Ex-Warschauer-Pakt-Staaten als Putin-Uboote nicht mehr mit ihren Vetos Europäische Politik talibanisieren können. Außenpolitisch und militärisch sind wir dann immer noch Zwerge, können bei AI und Software nicht mithalten. Aber wir sind immerhin 450 Millionen Menschen in der EU. Und 750 Millionen in ganz Europa. Wir sind (noch) eine ökonomische Großmacht und verfügen aufgrund unserer Kultur und Demokratie über eine große Anziehungskraft auf Touristen (noch).

Wenn alle Europäer an einem Strang ziehen, sind sie (noch) wichtig genug, um in Washington und Peking gehört zu werden.

Unglücklicherweise tun viele EU-Staaten das diametrale Gegenteil und folgen dem Brexit-Weg ins Verderben. Viel hängt von dem ökonomisch stärksten EU-Land ab, das auch die höchste Bevölkerungszahl hat. Dies wird allerdings unglücklicherweise gerade von Merz, Dobrindt, Reiche und Wadephul regiert, die unermüdlich daran arbeiten, Deutschland und die EU zu schwächen. Uns endgültig auf das technische Abstellgleis zu schieben. Verbrenner-Motor und Ölheizung lautet die CDUCSU-Zukunftsstrategie. Klar, man kennt die Gründe, die C-Politiker agieren als billige willige Fossillobbyhuren. Aber insbesondere beim Bundeskanzler geht das offenkundige Bemühen Deutschland zu schaden, so weit, daß man sich fragt, ob er bereits direkt für Putin/Xi arbeitet. Anderenfalls müsste er sehr sehr dumm sein.

Vor wenigen Tagen, als der Fritzekanzler in China weilte, warb er im ökonomischen Powerhouse nicht etwa für Deutschland, sondern prügelte zur Erheiterung seiner chinesischen Gastgeber auf das Land ein, das er regiert. Die verwenden nun den Bundeskanzler höchst selbst als Kronzeugen für die chinesische Überlegenheit.


[…] Ein Video von Friedrich Merz bekommt in China viel Aufmerksamkeit. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Konkret geht es um einen Clip, der den Kanzler nach dessen Chinareise bei einem CDU-Wahlkampfauftritt vergangene Woche im hessischen Volksmarsen zeigt. Dort hatte Merz gesagt: „Wir sind einfach nicht mehr leistungsfähig genug. Wenn Sie aus China kommen, meine Damen und Herren, dann haben Sie noch mal deutlicher das Gefühl, dass mit Work-Life Balance und vier-Tage-Woche der Wohlstand in unserem Land auf Dauer nicht zu erhalten ist, da müssen wir jetzt einfach mal ein bisschen mehr tun.“

Die englischsprachige Zeitung „Global Times“, die unter der Schirmherrschaft der Kommunistischen Partei Chinas steht, verbreitete den Videoausschnitt online. Der „FAZ“ zufolge habe sich allein der Hashtag „Der deutsche Bundeskanzler ist nach seiner Rückkehr aus China in Panik“ rund 48 Millionen Aufrufe erzielt.

Chinesische Medien interpretieren die Aussagen von Merz als Beleg für den Erfolg der chinesischen Wirtschaft. Die „Beijing Daily“, ebenfalls eine Zeitung der kommunistischen Partei, schreibt etwa, der Besuch von Merz in China habe „das europäische Verständnis von China aufgefrischt und das falsche Narrativ widerlegt, Chinas Spitzentechnologie werde durch Subventionen, ‚kostengünstige Nachahmung‘ oder gar ‚Plagiate‘ vorangetrieben“. Die Europäer hätten durch die Merz-Reise ein „pragmatisches, unternehmerisches, offenes und integratives China kennenlernen“ können.  […]

(Welt, 03.03.2026)

Wer so einen Kanzler hat, braucht keine Feinde mehr. Es ist – leider – sein Signature Move: Mit Verve das einzige zu zertrampeln, auf das wir noch bauen können – den Europäischen Zusammenhalt. Immer wieder poltert er gegen Brüssel, blockiert und verhindert. Siehe Lieferkettengesetz, siehe Verbrenner-Aus. Der Fritzekanzler kann nicht anders: Alles falsch machen, das man nur falsch machen kann.

Dummerle Merz liefert sich aber einen Kleinkrieg mit von der Leyen, bremst Brüssel aus. Wieder einmal ist es eine Kombination aus dem polternden Wesen und der sagenhaften Borniertheit des Fritzekanzlers. Er begreift die internationalen Zusammenhänge gar nicht.

(….) Für keinen EU-Staat ist die EU ökonomisch so essentiell, wie für den Mega-Exporteur Deutschland. Berlin müsste am meisten auf Einigkeit in Brüssel dringen.

Dummerle Merz hingegen macht das Gegenteil, blockiert EU-Vorhaben, kritisiert die Kommission öffentlich. (…)

(Wie Merz die EU zerstört, 06.08.2025)

Der Staatsmann Emmanuel Macron treibt völlig richtig und konsequent das Label „made in Europe“ voran. Merz grätscht nationalistisch rein, versucht zu blockieren, hintertreibt Macrons Bemühungen.

[…] Erst hat die EU-Kommission ihren Vorschlag immer wieder verschoben. Dann wurde er nach und nach verwässert. Nun könnte er sogar das erklärte Ziel verfehlen, Europas Aufholjagd in der Industriepolitik zu beschleunigen und die wirtschaftliche Unabhängigkeit der EU zu fördern. Die Rede ist vom „Industrial Accelerator Act“, den die EU-Kommission nach quälendem deutsch-französischen Gezerre in Brüssel vorgestellt hat. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er unter der griffigen Formel „Buy European“ oder „Made in Europe“ bekannt geworden.

Die Grundidee ist ebenso simpel wie einleuchtend: Wenn EU-Staaten das Geld der Steuerzahler für öffentliche Beschaffung in die Hand nehmen, dann soll es in erster Linie europäischen Unternehmen und Produkten zugutekommen – und nicht amerikanischen oder chinesischen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat für diese Idee bei einem EU-Sondergipfel im Februar geworben.

Mehr als 1.100 europäische Konzernbosse und Firmenchefs haben einen entsprechenden Aufruf des ebenfalls französischen Industriekommissars Stéphane Séjourné unterschrieben. […]  Friedrich Merz stand von vornherein auf der Bremse. Für ihn sind offene Exportmärkte und „Made in Germany“ wichtiger als „Made in Europe“. Deshalb heißt es jetzt nur noch „Maybe“ – vielleicht. [….]

(Eric Bonse, 04.03.2026)

Der Sauerländer Simpel lässt die deutsch-französische Achse absterben und setzt stattdessen auf die faschistische Trump-Freundin Meloni.

Gestern in Washington versetzte er der EU seinen bisher schwersten Schlag.

[…] Donald Trump droht Madrid, Friedrich Merz stimmt mit ein: Der Auftritt des Kanzlers im Oval Office war beschämend. So kann er Europa nicht führen. […] Friedrich Merz reiste nach Washington, um Donald Trump bei Laune zu halten. Zumindest das hat er geschafft. Erfolgreich war der Besuch trotzdem nicht. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit ließ der Kanzler Spanien, einen EU-Partner, im Stich. Es war ein beschämender Moment, der Merz noch lange nachhängen wird.

Da saß der deutsche Kanzler also und lauschte den Tiraden des US-Präsidenten. Besonders regte sich Trump über jene Länder auf, in denen die USA zwar Militärbasen unterhalten – sie aber für den Angriff auf Iran nicht nutzen durften.

Der britische Premier Starmer (»kein Churchill«) bekam seine Wut zu spüren. Schlimmer noch traf es Pedro Sánchez. Spanien sei ein »schrecklicher« Verbündeter, sagte Trump. Man werde den Handel einstellen, vielleicht sogar ein Embargo verhängen. Und überhaupt: Schon die Verteidigungsausgaben habe Madrid nicht so sehr angehoben, wie er es den Nato-Ländern vorgegeben hatte.

Und Merz? Sagte lange nichts. Erst die Nachfrage eines deutschen Journalisten zwang ihn, Stellung zu nehmen.

Merz hätte Spanien in Schutz nehmen müssen – oder zumindest das Thema wechseln können. Stattdessen stimmte er in die Klage ein. Trumps Angaben seien »korrekt«, sagte er mit Blick auf die Verteidigungsausgaben. Spanien müsse das Ziel akzeptieren. […] America first, EU second. Das war die Linie des Kanzlers in Washington. Deutschland stand an der Seite des »Bully«, nicht an der des Opfers. […] In gewisser Weise ist Merz ein Wiederholungstäter. Im Dezember sagte er in Richtung Washington: »Wenn ihr mit Europa nix anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner.« Ein Ausrutscher, dachte man damals noch.

Merz’ Verrat reißt in Spanien alte Wunden auf. In der Eurokrise zwang Berlin Madrid zu einem Sparkurs, der eine Generation die Zukunftschancen kostete. Seitdem hegt so mancher Spanier den Verdacht, dass die Solidarität in Europa endlich ist – insbesondere dann, wenn deutsche Interessen berührt sind. Merz gibt diesem Gefühl neue Nahrung. […]

(Steffen Lüdke, 04.03.2026)

Die EU und insbesondere Macron springen Spanien zur Seite. Alle sind wütend auf Merz. Wenn man einen Kanzler hat, der so doof ist, daß er sich sogar von dem weltgrößten Doofkopf Trump ausmanövrieren lässt, kann man auch gleich aufgeben. So wird das hier nie mehr was.

[…] Merz war sich also durchaus der Fallstricke bewusst, die ihn erwarten. Und dennoch ist er erneut in die Falle getappt, sich von Trump dabei vereinnahmen zu lassen, wie dieser einzelne Länder gegeneinander ausspielt. Diesmal ließ Merz es zu, dass Trump über das EU-Land Spanien und über Großbritannien herzog, eins der wichtigsten sicherheitspolitischen Partner, während er Deutschland und Merz über den grünen Klee lobte. Wie konnte es dazu kommen? […] Den Klapser von Trump, als der auf eine Frage nach Zöllen für Deutschland scherzhaft sagt: „Wir werden sie hart treffen“, quittiert er noch lachend. Merz bleibt auch unbewegt, als Trump Großbritanniens Premierminister Starmer runtermacht, weil die Briten ihre Basis Diego Garcia zunächst nicht für US-Kampfbomber freigegeben haben – „kein Churchill“ –, und dann Spanien angreift. Seinen Handelsbeauftragten Jamieson Greer, der hinter Vance steht, fragt Trump rhetorisch: „Kann ich ein Embargo verhängen?“ Der: Das sei möglich.

Ein deutscher Journalist fragt Merz, was er davon halte. Der Kanzler könnte jetzt sagen, dass Spanien Teil der EU sei und die EU-Länder eine gemeinsame Handelspolitik betreiben, die auf Freihandel setzt. Aber Merz entscheidet sich dafür, Trump beizupflichten – man müsse Spanien von der 5-Prozent-Rüstungsquote der Nato überzeugen. Trump ist zufrieden. Merz’ Delegation schaut unbewegt, sein Sprecher hat hektische rote Flecken im Gesicht. [….]

(Anna Lehmann, 04.03.2026)

Und ich hielt mal Heinrich Lübke und Helmut Kohl für richtig blöd….