Es gab in der BRD immer, sowohl Nazis in der
außerparlamentarischen Opposition, als auch einen schmierig-braunen Rand in CDU.
In der CSU erst Recht (Norbert Geis, Johannes Singhammer, Peter Ramsauer)
(….) Über Jahrzehnte gab es verstreut über die
gesamte Unions-Bundestagsfraktion diese richtig braunen Hardliner, die
Ausländer nicht ausstehen konnten, Frauen nicht die gleichen Leistungen
zutrauten und Schwule für pervers und kriminell hielten.
Bayern, aber auch die
Landesverbände BW, Hessen, Berlin und Sachsen brachten solche Typen in das
Parlament.
Es gab eine beachtliche „Stahlhelm-Fraktion“,
die sich auch zuverlässig gegen Umweltschutz und außenpolitische Entspannung
einsetzte.
Heinrich Lummer, Martin
Hohmann, Alfred Dregger, Erika Steinbach, Manfred Kanther, Frank Steffel, Arnold Vaatz,
Wilfried Böhm, Ute Granold und Katherina Reiche.
Legendär die Aussprüche der sogenannten Stahlhelm-Fraktion in der CDU:
"Die Rückkehr der Ausländer in ihre Heimat darf nicht die Ausnahme,
sondern muss die Regel sein", so Alfred Dregger, Chef der Hessen-CDU 1982.
Es sei "nicht unmoralisch zu fordern, dass der uns verbliebene Rest
Deutschlands in erster Linie den Deutschen vorbehalten bleibt". Oder der
frühere CDU-Innenminister Manfred Kanther 1996: Es sei unzulässig, ein Land als
Einwanderungsland zu definieren, nur "weil viele Menschen versuchen, ihren
Zutritt unter unberechtigter Berufung auf politische Verfolgung zu
erzwingen". Das dichtbesiedelte Deutschland, so Kanther, habe "nie
Bedarf" gehabt, "leere Räume mit Menschen zu füllen".
(Spon 02.02.2006)
Die Rechten und
Nationalkonservativen in der Union mosern kontinuierlich seit Merkel
Parteichefin ist. So sicher wie das Amen in der
Kirche melden sich alle paar Monate ein paar versprengte CDUler und beklagen
den Verlust des konservativen Profils, einen Ausverkauf der Werte und das
Ausfransen am rechten Rand.
Zu den usual suspects gehört
natürlich der TV-Lügner Wolfgang Bosbach, der
maßgeblich den rechten „Berliner Kreis“ in der CDU installierte. (….)
(Alleinstellungsmerkmal CSU, 02.07.2016)
Unter den Zehntausenden Abgeordneten, die in
bundesrepublikanischen Parlamenten saßen, waren diese faschistoiden
Totalausfälle glücklicherweise eine Minderheit. Solche Vögel wie Erika
Steinbach, Norbert Geis oder Heinrich Lummer sollten zwar lieber nicht im
Bundestag zum allgemeinen Mitschämen aktiv (gewesen) sein, wurden aber von der
Parteiführung gezielt eingesetzt, um den braunen Rand der Gesellschaft –
Antisemiten, Vertriebenenverbandsfunktionäre, Nationalisten, Frauenhasser – an sich
zu binden. Sie fristeten ihr Dasein als schrille Hinterbänkler, die zwar als
Stimmvieh geduldet wurden, aber bitte nicht zu sehr in der Öffentlichkeit
stehen sollten. Manchmal muckten sie frustriert auf, wurden kurz eingenordet
und waren wieder still.
(….) Davon kriecht fast jedes
Jahr irgendeine Gruppierung an die Medien.
Die heißen mal Lummer, mal
Kanther, mal Hohmann. Immer wieder versuchten es angebräunte Hessen-CDUler:
Kristina Schröder, Erika Steinbach und natürlich der langjährige Wiesbadener
Fraktionsvorsitzende Christean Wagner als Mit-Initiator des Berliner Kreises in
der Union.
Es gab den ehemaligen
Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, den Brandenburger Innenminister Jörn
Schönborn, den Thüringer Landesvorsitzenden Mike Mohring, fast die gesamte
AfDNPD-affine Sachse-CDU und natürlich immer wieder der kameraverliebten Lügner
Wolfgang Bosbach.
Im Berliner Kreis sind heute
insbesondere noch Philipp Lengsfeld, der Sohn der nach Rechtsaußen
abgedrifteten Verschwörungstheoretikerin Vera Lengsfeld, die Düsseldorferin
Sylvia Pantel, sowie diverse Sachsen (Veronika Bellmann, Arnold Vaatz, Steffen
Flath) aktiv.
Und nun haben sie den radikal
islamophoben deutschen Leitkulturler Jens Spahn an der Spitze.
Immer wieder kündigen sie
einen konservativen Aufbruch an, schaffen es aber meist nicht Manifeste und
Programme zu Papier zu bringen.
Ihre Forderungen sind
schließlich auch weniger programmatisch, denn tumbes „dagegen sein“.
Gegen Schwule, gegen
Ausländer, gegen Atheisten, gegen den Islam, gegen Sozialleistungen.
In schöner Regelmäßigkeit
erheben diese traurigen dunklen Gestalten ihr verwesendes Haupt (…)
(Schwarzbraune Zwergchen, winzige, 09.04.2018)
2016 konnte ich mir aber noch nicht vorstellen, daß
Extremisten wie Reiche, Merz und Spahn in die allermächtigsten Partei- und
Regierungspositionen aufrücken, weil ihre kruden Ansichten systematisch
normalisiert wurden.
Dabei handelt es sich auch um ein erschreckendes
Presseversagen. Wie in den USA. Dort bieten die Medien seit einer Dekade diesen
Demokratiezersetzern ein Plattform, um sie öffentlich lügen lassen, weil nun
einmal viele Bürger diese Lügen auch glaubten.
Das hat selbstverständlich Folgen. Ein Jahr seiner
zweiten Amtszeit reichte Trump aus, um die US-Demokratie de facto abzuschaffen
und das mächtigste Land der Welt in eine faschistische Autokratie umzuwandeln,
in der Fakten und Verfassung irrelevant geworden sind.
Menschenrechte abgeschafft, Pressefreiheit verhöhnt, Gewaltenteilung
niedergewalzt.
Die Faschismusbeschleuniger in Deutschland findet man
leider nicht nur bei Gotthardt und Döpfner, sondern auch in den
Talkshow-Redaktionen Miosga, Maischberger und Lanz.
[….] Immer wieder taucht
das Argument auf, man müsste AfD-Leute in Talkshows einladen, weil die ja
gewählt seien und der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen
Grundversorgungsauftrag habe, der alle relevanten politischen Kräfte abbilden
müsse. Lasst uns da mal kurz raufschauen.
Dieses Argument setzt voraus, dass es sich um Akteure handelt, die
innerhalb des demokratischen Rahmens operieren. Die AfD wird vom
Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Das
ist kein Detail. Es verändert die gesamte Argumentationsgrundlage.
Der Grundversorgungsauftrag
leitet sich aus derselben Verfassung ab, zu deren Schutz der Verfassungsschutz
existiert. Wenn die eine Institution sagt, diese Partei arbeitet gegen die
Grundordnung, kann die andere nicht so tun, als sei das irrelevant.
Wer sich auf die Verfassung
beruft, um verfassungsfeindliche Kräfte auf Augenhöhe zu empfangen, hat die
Verfassung nicht verstanden. Abgesehen davon wollen die AfD-Leute ja eh die
Sender abschaffen. Wenn man sie nicht einlädt, käme man ihnen also nur entgegen.
Gern geschehen! [….]
(Lorenz Meyer, 08.02.2026)
Was Strobl-TV da immer wieder abliefert, ist mehr als
frustrierend. Der Urnenpöbel kommentiert fleißig live zu Miosgas
Fasche-Präsentation und 99% der Stellungnahmen schlagen sich auf Chrupallas Seite.
Wieder ein paar Prozentpunkte mehr für die gesichert rechtsextremen
Verfassungsfeinde – Dank der ARD!
(….) Als überzeugter und enthusiastischer
Verfechter des ÖRR, bin ich natürlich umso frustrierter, wenn ausgerechnet die
politischen Aushängeschilde, nämlich die prominenten Abend-Talkshows im ZDF und
bei Strobl-TV, so sehr bei ihrem Informationsauftrag versagen: Seit Jahren
puschen sie rechtsradikale Narrative, lassen Hetzer und Covidioten, genau wie
wissenschafts-antagonistische Ideologen von CDU, FDP und CSU unwidersprochen
plappern.
Besonders perfide ist es, wenn
Caren Miosga das Brandolini-Gesetz in Extremform nachspielt:
Sie lässt Weidel unwidersprochen dreiste Lügen behaupten und reicht Tage
später, wenn niemand mehr hinguckt und ihre giftigen Falschinformationen längst
in den Hirnen abgespeichert sind, einen Faktencheck nach. Der erreicht dann
aber niemanden mehr. (….)
(Presseversagen, 09.02.2025)
Auf einer anderen Ebene zeigt zeitgleich RTL das gleiche Brandolini-Muster beim Dschungelcamp,
indem man ungeniert für Quote und Kohle Gil Ofarim lügen lässt.
Wenigstens gibt es die großartige Anja Rützel, die dieses
Jahr für ihre IBES-Berichterstattung den Grimme-Preis hochverdient.
[….] Inzwischen findet diese Nebenhandlung im
Digitalen statt, was praktisch ist, weil viel mehr Leute mitspielen können.
Jürgen Milski zum Beispiel, der früher als Moderator bei Call-in-Sendungen auf
keinen Fall systematisch Leute abgezockt hat und unbedingt als moralische
Instanz gehört werden muss, macht regelmäßig Videos auf Instagram über Ariel.
Auch Gils Anwalt ist oft dort zu sehen.
In einem Livestream mit
einem befreundeten Richter führte er aus, Gil habe die Lüge damals womöglich
deshalb erzählt, weil er sich mittels Autosuggestion selbst davon überzeugt
habe, sie sei wahr. Eine eingeredete Erfahrung, die es aber gar nicht gebe, sei
auch »etwas, das man aus unzähligen Missbrauchsverfahren kennt«, in denen
vermeintliche Opfer nur glaubten, Missbrauch erlebt zu haben, aber in Wahrheit
sei gar nichts passiert. Da staunt man dann doch kurz, weil man dachte, dieser
ganze Gil-im-Dschungel-Großkomplex könnte keine schlimmeren, über eine bloße
TV-Sendung hinausreichenden Signale mehr senden. Diese gedankliche Verknüpfung
ist nicht nur abgrundtief zynisch, sondern gefährlich: Eine Lüge wird mit einem
Verweis auf angeblich »unzählige« eingebildete Missbrauchserfahrungen
relativiert und damit grundsätzliches Misstrauen gegen Betroffene gleich mit
normalisiert.
Man hält das alles nur aus,
wenn man es sich mit der Kommentierung von Rechtsanwalt Alexander Boos
anschaut, der noch weitere irritierende Stellen in diesem Livestream
aufdröselt. Darin nennt Gils Anwalt, der ganz offensichtlich keine
Schweigevereinbarung unterschrieben hat, auch die Summe, die Gil dem von ihm
falsch Beschuldigten habe zahlen müssen: 40.000 Euro seien das gewesen, sagt
sein Anwalt, und deutet an, dass dies doch eine hübsche Summe sei. Dass er die
Zahl später, außerhalb des Streams, auf 20.000 Euro korrigieren muss, war
sicher ein aufrichtiges Versehen und sollte keinesfalls als rhetorisches
Manöver gelesen werden.
»Weil Widerlegen immer mehr
Arbeit ist als Behaupten, gewinnt die Lüge.«
Eine RTL-Sprecherin
erklärte übrigens gegenüber »Bild«, warum man Gils nachweisliche Lügen (etwa
über seine augenscheinlich nicht existente Schweigevereinbarung oder über
seinen nicht existenten Freispruch) unkommentiert lasse: Das Format lasse »alle
Protagonisten unzensiert sprechen« und gebe somit den Zuschauern und
Zuschauerinnen die Möglichkeit, »sich mithilfe der begleitenden
Presseberichterstattung, dem intensiven Diskurs auf Social Media und in
Begleitformaten sowie Diskussionen in ihrem persönlichen Umfeld ihre eigene
Meinung zu bilden und durch Anrufe aktiv in den weiteren Verlauf der Sendung
einzugreifen«. Das macht fassungslos. Erstens, weil es natürlich nicht stimmt,
dass die Moderationen im Dschungel das Verhalten und die Äußerungen der Camper
unkommentiert stehen lassen, sie waren für exakt das kunstvolle Gegenteil
berühmt (und zeigen aktuell auch gegen Ariel, wie meinungsfroh sie sind).
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Zweitens, und das ist viel
wichtiger und dramatischer, ist diese Erklärung eine Gebrauchsanleitung fürs
Postfaktische. Sie delegiert die Verantwortung für das, was man da so
wegsendet, und unterstützt das hochgefährliche Prinzip von »Alle dürfen alles
sagen, Einordnung kommt später irgendwo anders, vielleicht«, das Vertrauen in
Medien und Institutionen erodieren lässt. Sie kippt ihren Zuschauenden einen
Eimer Unwahrheiten vor die Füße und nennt es »unzensiert«, also
Meinungsfreiheit, und sagt: Sieh du mal zu, wie du damit klarkommst und was du
daraus machst – während im Hintergrund Musik läuft, die einem sagt, was man
fühlen soll, und der Schnitt entscheidet, wer glaubwürdig wirkt. RTL verkauft
das als demokratisches Angebot, aber es ist eine Beweislastumkehr: Nicht die
Redaktion muss prüfen, sondern das Publikum muss widerlegen. Weil Widerlegen
immer mehr Arbeit ist als Behaupten, gewinnt die Lüge. Nicht, weil sie
überzeugt – sondern, weil sie bequem ist. Im Dschungelkontext ist es egal, weil
es keine Rolle spielt, wer gewinnt. Wie verheerend die Normalisierung dieser
Praxis im Politischen ist, muss man wohl nicht mehr betonen.
Dass im RTL-Statement
obendrein noch Social Media als kompetente Reparaturwerkstatt imaginiert wird,
die zur faktenorientierten Meinungsbildung taugen soll, ist insofern
tragikomisch, weil auf den offiziellen Dschungelcamp-Kanälen in den letzten
Tagen immer wieder sachlich formulierte Gil-kritische Kommentare wundersam
verschwunden sein sollen, wie User berichten. Und dass die Zuschauenden »durch
Anrufe aktiv eingreifen« sollen, setzt dem komplett desolaten Statement die
Krone auf, weil er Demokratie nur simuliert: Du darfst abstimmen, aber nicht
auf der Basis einer verlässlichen Faktengrundlage. Wann wurde das Dschungelcamp
eigentlich so grundsätzlich unangenehm? [….]
(Anja Rützel, 08.02.2026)
Schande, Schande, Schande über die Fernsehsender und Dank
an Anja Rützel, den Lichtblick in dieser braunen Düsternis.