Dienstag, 12. Mai 2026

CDU Richtung Keller

Marc Raschke verbreitete gestern einen Drei-Sekunden-Merz-Clip von vor einem Jahr: Der Sauerländer wird auf dem Weg zum Kanzleramt von Reportern umringt, ein Photograph gerät ins Stolpern, bleibt an einer Absperrung hängen und fällt buchstäblich in einer Armlänge Abstand zum CDU-Riesen auf den Rücken. Merz geht ungerührt weiter, schüttelt abfällig den Kopf, ja macht sogar eine zynisch Bemerkung.

Raschke erkennt darin einen „Laschet-Moment“.

[…] Es sind Momente wie dieser hier, in denen sich der #Charakter eines Menschen zeigt: Ein #Mensch droht zu fallen, er stürzt dann tatsächlich. Und der andere Mensch? Sieht den Gestürzten, schüttelt aber nur den Kopf, während er an ihm vorbeiläuft. Und zuckt nicht einmal, um dem am Boden Liegenden zu helfen. Stattdessen bleibt die Hand in der Tasche.

Würde man diese Geschichte einfach so ohne weitere Infos erzählen, würde man sagen: „Wow, was ein Ar…“ Und man würde anhand dieser #Geschichte erklären, wie unsoziales und menschenverachtendes Verhalten aussieht.

Nun ist dieser Vorfall jedoch mit Friedrich Merz neben dem Kanzleramt passiert, der seelenruhig an einem Gestürzten vorbeiläuft. Und man möchte sagen: Symbol für sein #Menschenbild! - Spötter nahmen Merz in Kommentaren in Schutz: Merz könne sich nicht bücken, weil er mangels Rückgrat ein Korsett tragen müsse.

Es war einer dieser vielen „#Laschet-Momente“, die Merz sammelt wie andere Leute Bierkrüge oder Briefmarken.  [….]

(Marc Raschke, 11.05.2026)

Daß er nicht den geringsten Reflex zeigt, um jemanden zu helfen, der zu Boden fällt, oder wenigstens kurz guckt, ob es dem gut geht, bezeugt einerseits den miesen Charakter des Kanzler und andererseits seine Dummheit. Ein intelligenterer Menschen mit genauso sadistischem Charakter, hätte vielleicht die PR-Gelegenheit erkannt, sich als sympathischer Mensch zu inszenieren, der demonstrativ vor Kameras stehen bleibt, sich als hilfsbereite Person beweist.

Immer wieder mal sammeln Popmusiker, Schauspieler, Politiker enorme Pluspunkte, wenn sie zufällig in solche menschelnden Situationen geraten, sich aus der Rolle des Superstars lösen und blitzartig zu einem empathischen Normalmensch werden.

Friedrich Merz fehlt dazu aber die emotionale Intelligenz.

Aber es passt in das lange bekannte Bild von ihm; es ist seine natürliche Attitüde, sich über Ärmere und Schwächere zu erheben, sie zu demütigen, Sadismus auszuleben.

 [….] Das Urteil, das seine Fraktionskollegen über Friedrich Merz fällten, war hart, teilweise vernichtend. Nach dessen Abgang von der Spitze der Unionsfraktion nannte ein mächtiger Landesgruppenchef Merz' "Neigung zur Dogmatik und zur Sturheit" als eine zentrale "politische Schwäche". Er berichtete von "ausgeprägter Eitelkeit und auch einer Neigung (…) zur Selbstdarstellung" und von Merz' Unfähigkeit, gute Leute "an sich zu binden".

Als Merz den Fraktionsvorsitz der Union 2002 nach nur 31 Monaten verlor, hatte er zahlreiche Abgeordnete gegen sich aufgebracht. Während sich heute die meisten CDU-Anhänger an einen brillanten Rhetoriker und glänzenden Analytiker erinnern, waren viele in der Fraktion vor 16 Jahren unzufrieden mit dem Chef. Selbst einstige Förderer sprachen ihm damals grundlegende politische Fähigkeiten ab.

Nachlesen lässt sich das in einer bislang unbekannten wissenschaftlichen Arbeit, die 2005 verfasst wurde und Zeit Online vorliegt.   […..]

(Tagesspiegel, 27.11.2018)

Der Mann ist charakterlich zutiefst verdorben. Daher mögen ihn selbst seine Mitarbeiter, die ihn als Politiker bewundern, nicht.

Er zeigt zudem keinerlei Lernfähigkeit. Als Spätsechziger nimmt er die alte Rolle als Fraktionschef wieder auf, lässt aber keinerlei Anzeichen von Einsicht, oder gar Altersmilde erkennen. Er genießt es immer noch, die Kollegen niederzumachen. Insbesondere, wenn es Frauen sind, oder gar eine Migrantin, wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler.

[…..] Zwischen Merz und Güler hat es einige Male gekracht, vor allem wenn es um das Thema Migration ging. So kritisierte sie ihn beispielsweise, nachdem er Anfang vergangenen Jahres Söhne von Migranten als »kleine Paschas« bezeichnet hatte. Ende 2022 kam es zu einem echten Eklat. Es ging damals um das Chancenaufenthaltsgesetz der Ampel, mit dem man geduldeten Asylbewerbern einen sicheren Aufenthalt ermöglichen will. Die Union war dagegen, aber 20 Abgeordnete stimmten nicht mit Nein, sondern enthielten sich der Stimme, unter ihnen Serap Güler.

Merz bezichtigte die Abweichler, einen kleinen Aufstand zu proben. Im Plenarsaal nahm er sich seinerzeit Güler vor, in Gegenwart zahlreicher konsternierter Augen- und Ohrenzeugen. Mit erhobenem Zeigefinger baute sich der Fast-Zwei-Meter-Mann vor der deutlich kleineren Kollegin auf und schleuderte ihr entgegen: »Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?« Seine Wut richtete sich gegen die Abgeordnete, weil er sie als treibende Kraft vermutete. Es war wie eine Bestrafung.  […]

(Florian Gathmann, 27.04.2024)

Merz selbst hingegen agiert - da gibt es starke Parallelen zu seinem Freund Donald Trump - dünnhäutig. Er teilt gern aus, kann aber überhaupt nicht einstecken.

[…]  Wenn sich die Grünen gegen Pöbeleien und Anfeindungen juristisch wehrten, war das Unionspolitikern immer ein Thema wert. Hier werde mit Kanonen auf Spatzen geschossen, so oft der Tenor. Doch offenbar soll auch Friedrich Merz umfangreich gegen Beleidigung vorgegangen sein. In seiner Zeit als Unionsfraktionschef soll Merz seit 2021 Hunderte Strafanträge wegen mutmaßlicher Beleidigungen gestellt oder mitverfolgt haben, berichtet die »Welt am Sonntag«  unter Berufung auf Strafanträge, Ermittlungsakten und Anwaltsschreiben.

Merz ging offenbar systematisch gegen Kritiker in sozialen Medien vor. In mindestens zwei Fällen führten diese Strafanträge zu Hausdurchsuchungen, darunter bei einer schwerbehinderten Rentnerin im Rollstuhl, die Merz als »kleinen Nazi« bezeichnet haben soll. Trotz ihres sofortigen Geständnisses wurde ihr Mobiltelefon beschlagnahmt, berichtet die Zeitung. […]

(SPIEGEL, 08.12.2025)

Friedrich Merz fehlt es nicht nur an emotionaler Intelligenz, sondern genauso an intellektueller Intelligenz. Nach 70 Lebensjahren, Jahrzehnten in Politik und Wirtschaft, ist sein ökonomisches Verständnis bemerkenswert unterkomplex. Er versteht die allermeisten Probleme Deutschlands gar nicht.


Ein Jahr im Amt des Kanzlers bewies diese erstaunliche Borniertheit nur noch mehr. Er begreift es nicht, er will es nicht begreifen, er kann es nicht begreifen.

Sein ganzes Wesen reduziert sich auf Missgunst und Schimpfen.

Ökonomische Zusammenhänge sind für den Sauerländer Simpel viel zu komplex.

Nun sind, wie Wirtschaftsexpertin Ulrike Hermann völlig richtig feststellt, die durchschnittlichen Wähler keineswegs schlauer als Merz und billigen der CDU, trotz der diametral entgegengesetzten Empirik, hartnäckig die größte Wirtschaftskompetenz zu.

Daher geht es gerade mit Deutschland ganz klar bergab. Der von der Fossillobby vorgegebene Kurs, den Reiche, Linnemann, Spahn, Söder und Merz strikt verfolgen, erweist sich, wie zu erwarten, nicht nur als ökologisches, sondern auch ökonomisches Desaster.

Ein kluges Wahlvolk könnte die Zeichen erkennen und würde bei den Landtagswahlen breite rotgrüne Mehrheiten wählen, um der Bundes-Kleiko zu signalisieren, wohin die Reise gehen soll. Leider haben wir kein schlaues Wahlvolk, sondern hauptsächlich Halbidioten, die zwar wahrnehmen, daß es mit Merz nicht funktioniert, aber daraus nicht die richtigen Schlüsse ziehen können, sondern nun den einzigen Weg beschreiten, der es NOCH schlimmer macht. Sie rennen zu den Nazis!

So langsam beginnen Panik und Hysterie in der Union, nachdem immer offensichtlicher wird, dass Merz und Dobrindt einerseits die eigenen Truppen halbieren, aber anderseits die Nazis auf Rekordgröße aufblasen. 

 

Umso erstaunlicher die kognitive Dissonanz, mit der sich die CDUCSU jeder Erkenntnis verweigert und partout nicht einsehen will, daß sie durch Plagiieren der AfD nur die AfD stärkt.

Montag, 11. Mai 2026

Altern – Teil II

Keine Kinder und Enkelkinder zu haben, empfinde ich als Segen, wie ich gestern ausführte.

Kein Tag, an dem ich nicht erneut mit weit aufgerissenen Augen aktuellsten Moves unserer Anführer Trump, Merz, Putin, Netanjahu, Erdoğan entgegen sehe und denke, „das wird uns noch schneller in den Abgrund führen“.

Außer Sanchez und Carney, sehe ich niemanden an der Spitze, die ich auch nur mit minimaler Hoffnung auf Besserung assoziiere.

Dabei stellt das Beschimpfen der Führungsfiguren auch nur einen billigen Weg zur Wutkanalisierung dar, der den totalen Clusterfuck, in dem sich Homo Sapinens derzeit befindet, nicht auflöst.

Es sind eben nicht (nur) DIE Parteien, DIE sozialen Medien oder DER ÖRR Schuld, dass wir uns Richtung 1933 bewegen, sondern WIR, das Volk selbst. Wir sind schlecht informiert, leichtgläubig, missgünstig, phlegmatisch und borniert. Wir könnten viel schlauer wählen, wenn wir genauer hinguckten und etwas intensiver nachdächten, was unsere Wahl- und Kauf-Entscheidungen für Konsequenzen haben.

Niemand ist gezwungen, sich bei der BILD, bei Nius, in einer AfD-FB-Blase oder dubiosen Tiktok-Kanälen zu informieren.

Aber die fortschreitenden Generalverdummung ist ein sich selbst verstärkendes System, in dem Vernunft, Besonnenheit und Selbstreflexion an den Rand gedrängt werden und dafür Dreistheit und Lüge ins Zentrum rücken.

Ich sehe keinen Ausweg und das ist angesichts der demoskopischen Katastrophe in Deutschland, der sicheren Altersarmut und der Klimaüberhitzung auch gut so. Möge des das Ende der Menschheit schnell kommen und mir ein langes unerfreuliches Siechtum ersparen.

Leider gilt aber immer noch Murphys Law. Wenn ich also ab sofort keinen Gedanken mehr an die Zukunft verschwende und JETZT alles verprasse, das ich habe, werde ich natürlich uralt und werde meine Unvernunft fürchterlich bereuen. 

(….) Ich ärgere mich darüber, mich Dekaden über das Plastikschrott-Regal geärgert zu haben. Wieso habe ich nicht all die Jahre mit einem optisch ansprechenden Regalsystem gelebt? Wozu sparen, wenn irgendwann eh keine Lebenszeit mehr übrig ist?
Das dachten sich weltweit auch Millionen Menschen, als sich 1910 der Halleysche Komet ankündigte, um das Leben auf der Erde zu vernichten. Viele hörten auf zu arbeiten und verkauften alles, das sie hatten. Das erschien nur sinnvoll: Wenn man eh nur noch ein paar Wochen oder Tage zu leben hat, dann besser nicht Trübsal blasen, sondern sich endlich das leisten, was man schon immer wollte. Die menschliche Zivilisation mit „Koks und Nutten“ ausklingen lassen. Das hat sicher Spaß gemacht.

Blöd war es nur, als der giftig tödliche Komet vorbeiflog und man immer noch lebte – allerdings total pleite.

[….] Bei seiner Wiederkehr im Jahr 1910 löste der Halleysche Komet sogar eine weltweite Massenpanik aus. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Astronom William Huggins bei Untersuchungen festgestellt, dass sich im Licht von Kometenschweifen die Spektrallinien für Kohlenstoffverbindungen nachweisen ließen. Unter anderem wurden auch Spuren von Cyan gefunden, das in der Verbindung mit Kalium das hochgiftige und tödliche Gas Zyankali ergibt.

Als es nun so aussah, dass die Erde 1910 in den riesigen Schweif des Halleyschen Kometen geraten würde, waren die Menschen wochenlang in Panik. In Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) standen 100.000 Menschen in Nachtgewändern auf den Dächern, in Chicago verstopften die Hausbewohner alle Tür- und Fensterfugen mit Lappen, und Papst Pius X. verurteilte das Hamstern von Sauerstoffflaschen. Alle Welt fürchtete den Tod durch Giftgas.

Als der Komet dann vorüberzog, zeigten die Messgeräte nicht die geringste Spur von Cyanid: Die Gasdichte von Kometenschweifen ist viel zu gering.   [….]

(Planet Wissen 2019)

Wenn der kurzperiodische 1P/Halley im Jahr 2061 wiederkehrt, bin ich ohnehin mit hoher Wahrscheinlichkeit längst von dieser irren Affenkugel abgereist. Der Periheldurchgang wird also meine persönliche finanzielle Situation kaum beeinflussen. Ich mutmaße allerdings, daß in35 Jahren menschliches Leben auf diesem Planeten ohnehin kaum noch möglich sein wird. Vielleicht unter großem Elend, oder für die wenigen Superreichen, die sich schon jetzt abseits der Bevölkerungszentren, gerne auf Privatinseln, gewaltige autarke Bunkeranlagen bauen lassen, in denen sie atomaren Fallout, Pandemien oder höllisch-heiße Außentemperaturen aussitzen können, während draußen die Zombiapokalypse tobt.

Es wird schon im reichen Norddeutschland mutmaßlich äußerst unangenehm, wenn Fritze Merz seine Drohung wahrmacht, bis zum Jahr 2033 zu amtieren. (…)
(Hier bricht sowieso alles zusammen, 20.02.2026)

Klar, Morbus Belgicum, ein selbstbestimmtes Ende, würde ich bevorzugen, aber darauf kann man sich nicht verlassen. Zu viele Menschen, die das auch immer vor hatten, verpassten den Zeitpunkt oder wurden zu plötzlich lahmgelegt.

Ein Plan B für den fatalen Fall des eigenen Überlebens muss her. Und zwar schnell.

Wenn der Kalk erst rieselt, wenn man immobil daliegt, ist es zu spät, Pläne zu schmieden. Und es sind keine Abkömmlinge vorhanden, die für mich eine Entscheidung treffen werden.

Es gibt Menschen, die bis an ihr Lebensende völlig autark bleiben, keine massiven mentalen oder physischen Einschränkungen erleiden, in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und schließlich relativ plötzlich sterben. Das ist aber der best case und sehr selten.

Der weit überwiegende Teil in unseren Breiten, wird im Alter auf Hilfe angewiesen sein. In meinem Fall also Hilfe, die von außen kommen müsste und die ich zu bezahlen habe. Eine Variante, die aber auch vielen Eltern/Großeltern lieber ist, weil sie es ihren Nachkommen nicht zumuten mögen, sich aufzuopfern. Das gilt natürlich nicht mehr bei Alzheimer oder Demenz.

Die selbstorganisierte, selbstfinanzierte und professionelle Hilfe, wäre also der Königsweg. Tatsächlich habe ich schon Pflegeeinrichtungen gesehen, in denen man in wunderbaren Zwei- oder Dreizimmer-Apartments lebt und jeden erdenklichen Service in Anspruch nehmen kann.

Kleiner Nachteil: Das geht los ab 10.000 Euro im Monat und wird garantiert in Zukunft noch wesentlich teurer, weil Pflegepersonal kaum noch zu finden ist.

Ich könnte abendfüllend von den grauenhaften Zuständen in „normalen“ Alten- und Pflegeheimen berichten.

Es gibt in einigen durchaus auch glückliche Bewohner, die es mögen, gemeinsam zu essen, mit Schlagermusik bespaßt zu werden, Ansprachen des Pfaffs zu lauschen und Weihnachten zu feiern.

Bedauerlicherweise bin ich dafür inkompatibel.

Die einzig mögliche Alternative scheint mir zu sein, mit Gleichgesinnten ein kleines eigenes „Heim“ aufzumachen, indem man zusammen legt, mit einem halben Dutzend Freigeistern eine Immobilie anschafft, in der jeder sein eigenes Reich hat.

Es gäbe allerlei Synergieeffekte. Ein gemeinsames Auto würde ausreichen, man teilt die Gebäudekosten, könnte Einkäufe zusammen legen. Idealerweise finanziert man zusammen eine oder mehrere Hilfspersonen, die so deutlich überdurchschnittlich verdienen und so wenige Stunden am Tag arbeiten, daß sie nie in Stress geraten.

Natürlich ginge das nur bis zu einem gewissen Morbiditätsgrad.

Lange vor dem präfinalen Stadium müsste man abreisen.

Natürlich erfordert das viel Planung und erhebliche finanzielle Mittel.

Niederschwelliger wäre eine „Alten-WG“.

[….] Mit über 80 Jahren in eine WG ziehen? Es ist nicht so, dass Margot Rückert sich das unbedingt ausgesucht hätte. „Manchmal schaue ich mich um und frage mich: Ist das alles, was mir geblieben ist?“ Sie macht eine Bewegung, die ihr Zimmer umschließt – zwei Sessel, ein Schrank, ein Bett und ein Regal, auf dem sie alkoholfreien Sekt lagert, den sie ihren Besuchern ausschenkt. Die Tochter hat ihr das Zimmer eingerichtet. Schöne, weiße, neue Möbel, aber eben nicht ihr Zuhause, nicht ihr Haus im hessischen Rodgau mit Garten. Heim aber könne sie nicht mehr, sagt Rückert. Sie sei mehrfach gestürzt. Es kann jederzeit wieder passieren.

Also muss Margot Rückert mit 86 Jahren noch mal ganz neu anfangen. „Ich versuch’ das bisschen Leben, das ich noch habe, gut zu gestalten“, sagt sie. Dafür, das wird schnell klar, ist die Pflege-WG kein schlechter Ort. Margot Rückert ist dort umsorgt wie in einem Pflegeheim. Und sie lebt trotzdem wie in einer normalen Wohnung mitten im Ort, mit Klingel und Haus-Nachbarn, von denen sie schon zahlreiche kennengelernt hat. Die Tochter ist nicht weit.

Neun alte Menschen bewohnen das weitläufige Apartment im unterfränkischen Randersacker. Bis zu zwölf dürften es laut Gesetz werden. Sie bilden eine sogenannte ambulant betreute Wohngemeinschaft (abWG) – eine Wohnform, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. 588 solcher Einrichtungen gab es 2024 in Bayern. [….]

(Nina von Hardenberg, SZ, 10.05.2026)

Ich bin zu sozialphobisch für so eine Wohnform. Aber besser als ein Pflegeheim erscheint sie mir schon.

[….] Nicht mehr die eigene Wohnung, aber auch kein großes Heim: Pflege-WGs schließen eine Lücke im System.  Sie können gerade für kleinere Ortschaften attraktiv sein, die ihren betagten Mitbürgern ermöglichen wollen, in ihrer Gemeinde alt zu werden und nicht für den letzten Lebensabschnitt fortziehen zu müssen.

Fünf Frauen und vier Männer teilen sich in der WG in Randersacker eine Wohnküche, eine Sofaecke und die Terrasse. Ein Ehepaar ist gemeinsam eingezogen, ihre zwei privaten Räume haben sie als Wohn- und Schlafzimmer eingerichtet. Für den Platz in der WG zahlen die Bewohner je nach Zimmergröße 2800 bis 2900 Euro aus eigener Tasche –  etwas weniger als im Schnitt für einen Heimplatz anfallen. [….] Eine Pflege-WG ist keine Studenten-WG: Die Bewohner hier sind alle hochbetagt oder krank, viele sind dement.  Das macht das Zusammenleben manchmal schwierig. „Es gibt wenige, mit denen man reden kann“, sagt Margot Rückert. Sie geht darum oft nach draußen. Manche Bewohner könnten in ihrer Demenz böse werden, sagt auch eine andere Bewohnerin, die frühere OP-Schwester Karin König. Sie kommt trotzdem zurecht. Sie habe früher als Krankenschwester und Verkäuferin gearbeitet: „Ich hatte noch nie Probleme mit Menschen.“ [….]

(Nina von Hardenberg, SZ, 10.05.2026)

Ich schon. Lieber Atomweltkrieg.

Sonntag, 10. Mai 2026

Altern – Teil I

Wer in seinen Zwanzigern Kinder bekommt, dadurch gezwungen ist, seine Individualität etwas runterzuschrauben, weil man Verantwortung übernimmt, um sich um die Bedürfnisse seiner Ableger zu kümmern; wer entsprechend in seinen Fünfzigern Enkel generiert und damit gleich in mehrere Nachfolgefamilien involviert ist, altert auf natürliche Weise.

Derjenige nabelt sich automatisch mehr von den eigenen Eltern und Großeltern ab, weil sich der Fokus stark auf den eigenen Nachwuchs richtet.

Über Jahrzehnte habe ich das in Alters- und Pflegeheimen beobachten können: Die wirklich vereinsamten Geronten haben Kinder, die wiederum eigene Kinder haben, um die sich vordergründig gekümmert wird. Das ist „natürlich“ und insofern ist es naheliegend; Oma im Heim zu vernachlässigen.

Wer kinderlose Kinder hat, pflegt in der Regel einen viel engeren Kontakt zu ihnen, wird viel häufiger besucht. Es mag auf den ersten Blick überraschend sein, aber am wenigsten leiden in Pflegeheimen kinderlose Alte unter Einsamkeit, weil sie ihr ganzes Leben über gelernt haben, Kontakte außerhalb der Blutsverwandtschaft zu pflegen und generell selbstständiger sind.

Jeder Kinderlose kennt das Phänomen aus seinem Freundeskreis: Wenn die Altersgenossen mit Nestbau beginnen und Babys aus den Geburtskanälen pressen, werden sie schlagartig langweilig, sind für alle möglichen Unternehmungen nicht mehr zu haben und drehen sich thematisch nur noch um den eigenen Nachwuchs. Kaum eine junge Mutter, kaum ein junger Vater versteht, wie uninteressant die physischen und mentalen Mini-Entwicklungsschritte ihrer Brut für andere sind. Baby-Bilder sind wie Dia-Abende der 70er und 80er: Reiner Egoismus, den man nur aus Höflichkeit mitmacht, aber möglichst vermeidet.

Selbstverständlich sind nicht alle jungen Eltern Idioten. Einige ahnen durchaus, wie wenig Enthusiasmus die Themen Windelmarken, Kitasuche, „Schnuller – ja, oder nein“ und „auf Töpfchen gehen“ bei feuchtfröhlichen Runden unter Twens auslösen, die sich bisher gegen Nachwuchs entschieden.

Daher wenden sie sich gezielt anderen jungen Eltern zu, die sie schon in ihren Geburtsvorbereitungskursen massenhaft kennenlernen und bilden ganz neue soziale Strukturen.

Junge Eltern nerven! Und es wird schlimmer, weil Smartphone und soziale Medien so viele Möglichkeiten bieten, sich selbst zu inszenieren. Zudem werden Geschlechtsverkehr und Gebären medial und politisch extrem gehyped. Keine Partei, die sich nicht selbst als besonders familien- und kinderfreundlich feiert.

Nach meiner Beobachtung sind aber gerade die heute über 70-Jährigen, die ihre eigenen Kinder über alles lieben, besonders kritisch, weil sie vor einem halben Jahrhundert zwar häufiger Kinder bekamen, aber das Kinder-Haben entsprechend selbstverständlicher war und nicht 24/7 als Großtat inszeniert werden musste.

Als Kinderloser beobachte ich immer mehr zarte Versuche der Gesellschaft, sich Freiräume zu suchen. Man bekommt Einladungen mit dem Hinweis „Adults only“, geht in entsprechende Restaurants, bucht Urlaube in Hotels, die nicht von Kleinkindgeschrei gestört werden. Das geschieht natürlich in aller Stille, weil der Shitstorm sicher ist. Wehe dem Wirt, der eine säugende Mutter bittet, nicht coram publico ihre Brüste zu zeigen, um das Gör anzulegen. Wehe dem Gastronomen, der ab 20 Uhr nur noch über 14-Jährige einläßt.

Das muss Ärger geben, weil sich jemand diskriminiert fühlt. Weil es unfreundlicherweise auch die Eltern trifft, deren Kinder keine Nervensägen sind.

Als Kinderloser weiß ich; der PR-Streit ist nicht zu gewinnen. Man verlange niemals offensiv, eine kinderfreie Umgebung, sondern meide sie auf subtilere Weise.

Erstaunlich an der Fortpflanzerei, ist die bis heute anhaltende Darstellung der Familie als „Normal-Model“ als „Keimzelle der Gesellschaft“, das Bedauern, welches Singles und Kinderlosen entgegen gebracht wird.

Dabei sind Single-Haushalte ein Zeichen von Wohlstand und persönlicher Entfaltung. Je reicher die Menschen sind, desto mehr von ihnen leben allein. Offenbar strebt man nach Individualität und Unabhängigkeit, die man sich aber oft nicht leisten kann.


[…] Hamburg ist eine echte Single-Hochburg! In mehr als der Hälfte aller Haushalte lebt nur eine Person. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein für das Jahr 2025.

In 55,4 Prozent aller Hamburger Haushalte lebte im vergangenen Jahr demnach nur eine Person. Außerdem gibt es nur in rund jedem sechsten Haushalt Kinder. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass der Anteil der Haushalte mit Kindern ziemlich konstant blieb. Insgesamt gab es in Hamburg rund 1.078.000 Haushalte, davon sind 598.000 Single-Haushalte. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr konstant.  […]

(MoPo, 05.05.2026)

Wohnen ist teuer. Haushalte mit Kindern sind eine extrem Minderheit, auch wenn sich medial und politisch alles um sie dreht.

Über 55% Single-Haushalte. Über 82% kinderlose Haushalte!

[…] In rund jedem sechsten Hamburger Haushalt leben Kinder

In Hamburg gab es im Jahr 2025 rund 1 078 000 Haushalte. In rund jedem sechsten dieser Haushalte (17,5 Prozent) lebten Kinder, so das Statistikamt Nord. Gegenüber dem Vorjahr blieb der Anteil der Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren nahezu konstant (minus 0,2 Prozentpunkte). […]

(Statistik informiert … Nr. 74/2026)

Wir sind eine riesige Mehrheit, werden aber als bedauernswerte Ausnahmen betrachtet.

Angesichts der weltpolitischen Lage, kann ich nicht oft genug betonen, wie dankbar ich bin, keine Nachkommen zu haben, um die ich mich sorgen muss.

Klimatod, Atomkrieg, Pandemie, Rechtsextremismus, Autokratie – es wird sehr übel werden. Ich bin glücklich, meine Familiengene als letzter auf diesem Planeten zu vertreten.

Aber als Kinderloser war ich, so lange meine Eltern lebten, selbst zu 100% Kind, habe beide gepflegt.

Anschließend sprang ich direkt in die Gerontenperspektive.

Ich alterte nicht natürlich, wie diejenigen, die nach und nach Eltern, bzw Großeltern werden. Die Phase des „normalen Erwachsenen“ ging an mir vorbei.

Ich fühlte mich viele Jahrzehnte als Angehöriger der jungen Generation und wechselte abrupt; auch bedingt durch physische Verfallserscheinungen; in die greise Generation. Aber gut. Das ist auch besser so, während noch viel Greisere – Putin, Merz, Trump, Bibi – den Planeten abfackeln und es ohnehin keine Zukunft gibt.

Samstag, 9. Mai 2026

Damals wie heute.

So wie deutsche Großeltern es schwer hatten, ihren Enkeln zu erklären, weshalb sie sich für Adolf Hitler begeisterten, die NSDAP wählten, nicht nur tatenlos zusahen, wie Juden deportiert wurden, sondern sich sogleich raffgierig um deren zurückgelassene Besitztümer rissen, begeistert die Abschaffung der Demokratie feierten und ihm willig in den apokalyptischen Untergang folgten; werden auch die Amerikaner von heute einst kaum erklären können, wieso sie zweimal Trump wählten und zusahen, wie er Demokratie und Gewaltenteilung zertrampelte, die Welt ins Chaos stürzte, Millionen Menschen quälte und vertrieb, während er sich und seine Cronies hemmungslos bereicherte. Wie er buchstäblich ein goldenes Kalb von sich selbst errichtete, zu dem seine Jünger betend pilgerten

Eine frappierende Parallele zu Deutschland in den 1930ern ist die Begeisterung der Kirchen und religiösen Anführer für die irre demokratiezerstörende Führerfigur.

Trump wäre ohne die Evangelikalen und Katholiken nie Präsident geworden.

 Hitler hätte es ohne die religiöse Zentrumspartei nie zum Kanzler gebracht und wäre nicht an der Macht geblieben, wenn die Christen sich widersetzt hätten.

Dabei waren damals wie heute die wahnhaften, größenwahnsinnigen Züge mehr als offensichtlich.

[….] Es ist nicht schwer, den cäsaristischen Führerfiguren der Gegenwart psychiatrische Diagnosen zuzuordnen. Die Frage ist, ob es erlaubt und ob es hilfreich ist.

Zu Beginn von Trumps erster Amtszeit veröffentlichten 27 der bekanntesten US-amerikanischen PsychiaterInnen und PsychologInnen einen Sammelband mit dem Titel „Wie gefährlich ist Donald Trump?“ („The Dangerous Case of Donald Trump: 27 Psychiatrists and Mental Health Experts Assess a President“, deutsch 2017). Bereits damals wiesen sie auf Trumps bösartigen Narzissmus mit einem Mangel an Schuldbewusstsein und einer Neigung zur „Wirklichkeitssabotage“ hin.

Philip Zimbardo und Rosemary Sword bescheinigten in ihrem Beitrag zum Buch Trump einen „zügellosen oder extremen Gegenwartshedonismus“, welchen man mit Hilfe eines Time Perspective Inventory sogar messen könne. Eine geordnete Zeitperspektive zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sei in Trumps Fall außer Balance geraten oder zerbrochen. Emotional unreife Erwachsene bleiben in der für Kinder normalen Gegenwartsfixierung hängen und produzieren dadurch eine Fülle von Widersprüchen. „Entscheidungen werden aufgrund unmittelbarer Reize getroffen.“ Dazu gehört auch die Übernahme unüberprüfter Informationen und plötzlicher Einfälle.

Wenn man sich heute über das „erratische Element“ in Trumps Politik wundert, dann muss man der über zehn Jahre alten Diagnose und Prognose der psychologischen ExpertInnen eine hohe Treffergenauigkeit zuerkennen.  [….]

(Klaus Ottomeyer, 09.05.2026)

Aber auch im Deutschland des Jahres 2026 laufen die Demokraten mehrheitlich den xenophoben Klimawandelleugnern hinterher, wählen Merz, Söder und Reiche, erfreuen sich ihrer Lust an der Destruktion.

Auch unsere Enkel könnten uns eines Tages fragen, wieso wir das geschehen ließen, den Fossilwahn mitmachten.

Allerdings existierte in den 1960ern, 1970ern, 1980ern, 1990ern noch eine Gesellschaft, welche der Tätergeneration all diese unangenehmen Fragen stellen konnte.

Natürlich nicht gern, denn man sah in Oma die vorbildliche mutige fleißige „Trümmerfrau“, die alles aufgebaut hatte und blendete aus, daß es dieselbe Oma war, die kurz zuvor erst dem zujubelte, der alles zerstörte. Die Kriegsgenration hatte Deutschland nicht nur wieder aufgebaut, sondern vorher eigenhändig ganz Europa zerstört. Der Opa in der Wehrmacht gehörte nicht zu den ehrenhaften Soldaten, während nur eine kleine Elite der SS die Verbrechen beging. Nein, es waren „ganz normale Deutsche“, es war die Wehrmacht selbst, die verbrecherisch handelte.

Nachvollziehbarerweise stellte man diese Fragen nicht so gern den eigenen Eltern, den eigenen Großeltern, die man liebt und die in den meisten Fällen auch nicht von selbst darüber sprechen.

Zum Glück werden die 2060 oder 2070 geborenen Jahrgänge diese unangenehmen Fragen nicht stellen müssen.

Wie konntet ihr damals Höcke wählen? Wie konntet ihr für Trump stimmen, wieso habt ihr den Klimawandel nicht Anfang des 21. Jahrhunderts verhindert, wenn ihr doch schon Jahrzehnte davon wußtet? Wieso seid ihr nicht in Generalstreik gegangen, als Trump Millionen Bürger jagen ließ, die unabhängige Justiz und Pressefreiheit abschaffte? 

Wie konntet ihr so irre sein, nach Merz auch noch Spahn und Weidel zu Kanzlern zu machen, statt demokratisch zu wählen, als es noch ging? 

Diese Fragen werden zukünftige Generationen kaum stellen müssen, weil es gar keine Menschen mehr geben wird. Wir rotten uns gerade selbst aus und haben es nicht besser verdient.

Vermutlich wird es aber noch Rechenzentren und KIs geben, die immerhin über genügend Daten verfügen werden. Dem Internet sei Dank, wird diesmal unser Untergang detailliert dokumentiert.

Die KI wird möglicherweise verstehen, was 2026 los war, als die frommen Amerikaner buchstäblich um das goldene Trump-Kalb in den Untergang tanzten.

Als erwachsener Mann des Jahres 2026, als Augenzeuge, kann ich nämlich kaum glauben, wie unfassbar verblödet meine Generation ist. Obwohl ich es mit eigenen Augen sehe.

[…] Auf Trumps Golf-Platz in Florida steht jetzt eine riesige goldene Statue des US-Präsidenten. Manche erinnert das an den Tanz ums Goldene Kalb und Götzendienst. […]  Ein Geistlicher in den USA hat seine Einweihungszeremonie für eine fast fünf Meter große goldene Statue von US-Präsident Donald Trump verteidigt, für die er heftig kritisiert worden war. Er sei „verblüfft“ darüber, wie schnell einige Menschen das Standbild Trumps, das auf dessen Golfplatz in Florida aufgestellt wurde, mit einem „Goldenen Kalb“ oder „Götzendienst“ in Zusammenhang gebracht hätten, erklärte der evangelikale Pastor Mark Burns am Freitag im Onlinedienst X.

Burns, ein Verbündeter des 79-jährigen Präsidenten, hatte am Mittwoch eine Zeremonie zur Einweihung der Statue auf dem Gelände des Golfclubs Doral geleitet. Die Statue zeigt Trump mit erhobener Faust – seine berühmte Geste, die nach einem Attentatsversuch auf ihn im Juli 2024 auf einem Foto verewigt wurde.

„Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Dies ist kein Goldenes Kalb“, erklärte Burns. […]

(taz, 09.05.2026)

No hope for the human race.

Freitag, 8. Mai 2026

Jensus Iunius Spahnus

Immerhin einmal, ein einziges Mal in seiner politischen Laufbahn, lag Joachim-Friedrich Martin Josef Merz, geb. 1955, nicht falsch: Er mag Jens Spahn nicht, vertraut ihm nicht. Also gehörte sein ehemaliger Konkurrent um den Parteivorsitz nicht zu seinem engeren Wahlkampfteam 2025 und spielte zunächst nur eine untergeordnete Rolle in den Koalitionssondierungen mit der SPD.

Vor der Bundestagswahl schien der ehemalige Bundesgesundheitsminister vorläufig in einer politischen Sackgasse zu stecken. Seine Minister-Bilanz war absolut verheerend, ständig poppten neue Skandale, mehr von ihm verplemperte Milliarden, weitere persönliche Bereicherungen auf. In der Führung der Oppositions-CDU spielte er keine Rolle, verfügte über kein mächtiges Amt mehr.

Er brauchte aber politische Macht, um medial vorzukommen, da er in den gut zwei Jahrzehnten seiner Bundestagskarriere sein größtes Handicap immer mehr kultivierte:
Niemand mag ihn. Spahn verfügt über einen beeindruckend abstoßenden Charakter, der ihn gleichermaßen in der äußerem Wahrnehmung zu einem der unbeliebtesten Politiker der Bundesrepublik macht, als auch im inneren Zirkel der CDUCSU-Fraktion toxisch wirken lässt. Er hat keine persönlichen Freunde in der Partei. Seine Kollegen, die täglich mit ihm arbeiten, misstrauen ihm auf ganzer Linie, trauen ihm jede Niedertracht zu, rechnen immer damit, von ihm hintergangen zu werden.

Aber Spahn ist auch der geborene Strippenzieher, der ausgebuffte Hinterzimmer-Akteur, der bienenfleißig kompromittierende Informationen sammelt und mutmaßlich über den wirkungsvollsten Giftschrank in der gegenwärtigen Politik verfügt. Jeder schuldet ihm irgendetwas, von überall kann er Gefallen einfordern, Loyalität erzwingen und nach Belieben erpressen, weil er irgendwas gegen jeden in der Hand hat.

So natterte er sich während der CDUCSU/SPD-Koalitionsverhandlungen ganz tief ins Geschehen, machte sich für Merz unentbehrlich, indem er all die finanzpolitischen Details parat hatte, von denen der garstige Linnemann und Merz noch nie gehört hatten.

Er wurde schnell so wichtig, daß die Hauptstadtpresse, in deren Hinterzimmer Spahn natürlich auch intensive Kanäle etablierte, seinen Namen bei den Spekulationen um die Ministerämter ventilierte. Zunächst schien nur Merzens größter Fanboy Linnemann gesetzt.  

Finanzen, Wirtschaft, Energie – der General hatte freie Auswahl. Aber als beim Feilschen mit der wesentlich intelligenter verhandelnden SPD, Linnemanns Lieblingsposten immer mehr gerupft wurden und er überraschend seinen Verzicht verkündete, war der Weg für Spahn frei.

Eine Horrorvorstellung für Friedrich Merz, der den schwulen Masken-Dealer keineswegs permanent im Kabinett an seiner Seite wissen wollte.

So entstand die Idee, ihn zum Merz-Nachfolger als CDUCSU-Koalitionsvorsitzenden wegzuloben, bzw hochzuloben. Mutmaßlich hatte Spahn es von Anfang an darauf angelegt, geschickt über Bande gespielt und den Tölpel Merz ausmanövriert.

Vielleicht wäre er auch gern Wirtschaftsminister geworden. Wahrscheinlicher ist aber, daß er nach dem totalen Desaster, welches er vier Jahre unter Merkel in der Exekutive angerichtet hatte, seine Neigungen als Vollzeitstrippenzieher lieber in der Legislative ausleben wollte. Merz war so froh, Spah nicht im Kabinett zu wissen, daß er ihn nur zu gern als Fraktionschef empfahl.

Dabei überhörte der legendär beratungsresistente Merz die Warnungen aus der Partei: Spahn könne man nicht vertrauen, Spahn als Fraktionsführer wäre nicht der Kabinettsdisziplin, nicht der Richtlinienkompetenz unterworfen. Könne sich als Allrounder in alles einmischen. Befände sich auf dem klassischen CDU-Sprungbrett ins Kanzleramt. Kohl, Merkel, Merz waren alle Fraktionsvorsitzende, bevor sie Kanzler wurden, weil das Amt im konservativen Universum wichtiger als jeder Ministerposten ist.

Merz hätte es also selbst am besten wissen sollen, aber dennoch ignorierte er alle Einsprüche. Er ist nun einmal nicht die hellste Kerze auf der Torte.

Ein Jahr später sind genau die worst-case-Szenarien eingetreten, vor denen der Sauerländer Simpel gewarnt wurde: Er als Kanzler steht mit dem Rücken zur Wand, rangiert demoskopisch auf einer Stufe mit Fußpilz und Mundfäule, während sich Chaos-Agent Spahn zum eigentlich starken Mann mauserte. 

[….] Seine Vertrauten hatten Merz schon vor der Regierungsbildung davor gewarnt, ausgerechnet dem Machtpolitiker Spahn ein so machtvolles Amt anzuvertrauen. Und damit einem Mann, der aus seinen eigenen Kanzlerambitionen nie einen Hehl gemacht hat. Doch Merz denkt hierarchisch. Oben schlägt unten, glaubt er. Für ihn war klar, dass er als Kanzler und Parteichef selbstverständlich oben sein würde.

Dabei misstraut auch er Spahn offenbar schon lange, so wie Spahn schon lange Merz misstraut. In den vergangenen Monaten hat der Kanzler nun erleben müssen, wozu der Fraktionschef in der Lage ist. Während er selbst und seine Regierung im Strudel von Fehlern, Missmanagement, übertriebenen Versprechungen und Missverständnissen unterzugehen drohten, präsentierte sich ausgerechnet Spahn als einer der wenigen Erwachsenen in der Koalition, als Profi der Macht, als Hort der Stabilität.

Im Kanzleramt glauben nicht wenige, dass Spahn das Chaos der vergangenen Wochen nicht nur genutzt habe, sondern dass er es über seine guten Verbindungen zur Springer-Presse womöglich sogar angefeuert haben könnte. Merz, so heißt es aus seiner Umgebung, vermute wenigstens schon lange, dass »Bild« und »Welt« ihn aus dem Amt schreiben wollten.

Wie auch immer – selbst im Umfeld des Kanzlers hält man Spahn nach seiner überzeugenden Wiederwahl für den eigentlichen Krisengewinnler. Die Machtbalance zwischen dem Kanzler und seinem Fraktionschef habe sich damit ein Stück weit verschoben, weg von Merz, hin zu Spahn. Was das bedeute? Wenn man das nur wüsste. Spahn stellt sich gegen Zusammenarbeit mit »dieser AfD«

Und Merz? Der habe, so glaubt man in seinem Umfeld, aufmerksam registriert, wie Spahn die Abgeordneten in den vergangenen Wochen umgarnt habe. Wie er für jeden ein offenes Ohr gehabt habe, wie er sich mit allen immer wieder zusammengesetzt habe, wie er seine langjährige Koalitionserfahrung als früherer Staatssekretär und Minister systematisch ausgespielt habe. Und so die Fraktion hinter sich brachte, obwohl viele dort ihn persönlich nicht mögen würden.

Zugleich gelte die mögliche Alternative, der Merz-Vertraute und Kanzleramtsminister Thorsten Frei, in der Fraktion neben dem Kanzler inzwischen als Hauptschuldiger der Chaoswochen. Am Ende habe Merz gar nicht anders gekonnt, als Spahn wieder vorzuschlagen. […]

(Der SPIEGEL 20/2026, s. 24)

Gern hätte Merz Spahn endgültig gefeuert, seine Macht als Parteichef und Kanzler demonstriert, indem er einen loyaleren Fraktionschef (Dobrindt oder Frei) durchgepaukt hätte. Spahn wäre der perfekte Sündenbock für das desaströse erste Regierungsjahr geworden und hätte die dringend notwendige Kabinettsumbildung katalysieren können.

Aber Merz ist dem 25 Jahre jüngeren Rivalen beim Strippenziehen hoffnungslos unterlegen, erlebte eine dramatische Machtdemonstration. Nun ist Spahn der starke Mann.

Es spricht viel für eine AfD-affine Hinterzimmer-Seilschaft aus Daniel Funke, Döpfner, Poschardt, Reichelt und anderen, die daran arbeiten, Merz frühzeitig zum Abdanken zu bringen, um Spahn zum Kanzler zu promovieren. Die Bedingungen sind noch unklar. Würde er bloß in der bestehenden Koalition den Vorgänger subsituieren? Eine Minderheitenregierung anführen? Eine Tolerierung durch die AfD aushandeln? Eine förmliche CDUCSU/AfD-Koalition bilden? Neuwahlen ohne Brandmaueraussage anstreben und sich dadurch quasi vom Wähler in eine schwarzbraune Verbindung zwingen lassen? Jede der Varianten ist mit enormen Risiken beschwert. Aber Spahn hält sich zumindest alle Optionen offen.

[….] Spahn stellt sich gegen Zusammenarbeit mit »dieser AfD«

Immer wieder wird behauptet, Jens Spahn bereite die Annäherung der Union an die AfD vor. Der Unionsfraktionschef hat diesen Vorwurf nun in einem Interview zurückgewiesen. Mit bemerkenswerter Wortwahl. Spahn stellt sich gegen Zusammenarbeit mit »dieser AfD«

Der Satz ist insofern interessant, als Spahn »dieser AfD« sagte statt »der AfD«. Rein semantisch lässt er die Möglichkeit offen, mit einer AfD zusammenzuarbeiten, die sich eben nicht verhält wie »diese AfD«. Ob Spahn seine Worte in diesem Sinne gemeint hat oder es sich lediglich um eine sprachliche Unschärfe handelt, führte er in dem Gespräch nicht weiter aus.  [….]

(SPON, 08.05.2026)

Donnerstag, 7. Mai 2026

Christliches Merz-Weltbild

Wieso diese Bundesregierung von unten nach oben umverteilt, ist klar: Merz und seine CDU halten die Superreichen für die wesentlichen „Leistungsträger“ der Ökonomie, während sie Armen als unnütze Schmarotzer ansehen, die Energie aus dem System abziehen.

[….] Merz: „Leistungsträger nicht weiter bestrafen“

Zu den „nächsten Brocken“ in der Reformagenda gehöre die Einkommenssteuerreform und da gebe es einen „Dissens“ mit der SPD, die eine höhere Belastung der Spitzenverdiener wolle. Das würde aber Personengesellschaften, den Mittelstand und das Handwerk treffen, so Merz. Das könne man sich nicht leisten. „Ob wir da zu einem gemeinsamen Weg finden, ist offen.“

Schon jetzt kämen Spitzenverdiener mit dem Steuersatz von 45 Prozent, Kirchensteuer und Soli auf eine Belastung von 50 Prozent: „Da geht nicht mehr.“ Es gehe nicht an, die „Leistungsträger noch weiter zu bestrafen.“ Rund 50 Prozent des Steueraufkommens komme jetzt bereits von den zehn Prozent der am besten Verdienenden.  [….]

(Christoph Link, Funke, 06.05.2026)

Es ist die bekannte bornierte barbarische Weltsicht, in der nur das Geldvermögen als „Leistung“ zählt, in der Ehrenamtliche, Sozialarbeiter, Pfleger, Krankenschwestern, Gärtner, Alte, Kranke, Kinder, Obdachlose, Behinderte wenig bis nichts zählen, da sie keine Leistung erbringen.

An dieser Stelle ist es müßig, die enormen gesellschaftlichen Leistungen der Nicht-Superreichen hervorzuheben – man denke beispielsweise an einen im Akkord arbeitenden rumänischen Erntehelfer in deutschen Spargelfeldern oder eine polnische Pflegerin, die 24/7 einen Bettlägerigen zu Hause umsorgt: Merz und seine CDU-Periöken werden es nie begreifen, nie anerkennen.

Eine Perspektive, die erstaunlich wenig in der öffentlichen Diskussion vorkommt, ist die aus der „praktischen Wirtschaft“, also aktiven Familienunternehmern, Handwerksbetrieben, Einzelhändlern, persönlich haftenden Betriebsinhabern, Dienstleistern, die sich von ihren eigenen Lobbyverbänden fernhalten, nicht an Börsen notiert sind und nicht durch die parteipolitische Brille sehen.

Im engeren Bekanntenkreis meiner Eltern gab es einen sehr erfolgreichen Unternehmer, der zu den klassischen „ehrbaren Hamburger Kaufleuten“ gehörte. Für ihn war es völlig selbstverständlich, morgens als erstes im Geschäft zu sein, als letztes zu gehen und ohne zu jammern immer zu arbeiten. Über Faulpelze konnte er sich fürchterlich aufregen, hielt den Sozialstaat natürlich für viel zu ausufernd, kannte all die Negativbeispiele von Transferleistungsempfängern, die jedes Schlupfloch ausnutzen, um auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung auszuschlafen. Ich habe mehrfach mit diesem Unternehmer heftig diskutiert, weil er meines Erachtens enorm übertrieb und unzulässige Verallgemeinerungen anstellte.

Andererseits war er ein klassischer ökonomischer „Leistungsträger“, der Arbeitsplätze schaffte, sich immer vor seine Mitarbeiter stellte und in der Firma sehr gemocht wurde. Es gab aber eins, das ihn noch viel mehr aufregte, als schmarotzende HartzIV-Empfänger: Kapitalisten! Aktiengesellschaften. Verantwortungslos Manager, die nur auf die Gewinne der Shareholder schielen, nie selbst an einem Werktisch standen und Unternehmen in die Pleite reiten konnten, nur um anschließend ungeschoren weiter zu ziehen. Da wurde er richtig laut vor Wut. Den größten Zorn erregten Erben, die keine Lust hatten, wie ihre Vorgängergenerationen hart zu arbeiten, den ganzen Bums an Heuschrecken  verkauften und fürderhin auf einer Luxusyacht um die Welt zu schippern. „Die müssten alle 99,9% Erbschaftssteuer bezahlen“ zürnte er! Erbschaftssteuer sollte erlassen werden, wenn Kinder das Unternehmen selbst über viele Jahre weiterführten und die Arbeitsplätze erhielten. Aber nur dann! Kein Schlupflöcher.

Er ging mit gutem Beispiel voran und gestaltete sein eigenes Testament so, daß seine Söhne zwar die Firma selbst weiterführen könnten, sich aber Jahrzehnte beweisen müssen. Entscheiden sie sich gegen die Firma, würde sie automatisch in eine Stiftung überführt und die Kinder leer ausgehen.

Ich kenne keine empirischen Daten, glaube aber, daß viele klassische kleinere Unternehmer genauso denken. Man schwelgt nicht im Luxus, für den man nichts geleistet hat, soll sich gefälligst selbst anstrengen und vom Staat keine Knüppel in den Weg gelegt bekommen.

Ihr Feindbild sind weniger Grüne oder SPD, sondern die Klattens, Quandts, Reimanns, Schickedanz‘, Heisters, denen Milliarden einfach in den Schoß fielen, die einfach durch ihr Reich-Sein immer reicher werden, ohne einen Finger zu rühren, während sie sich gleichzeitig der Solidarität entziehen, indem sie Heere von Anwälten Doppelstiftungsmodelle ersinnen lassen und Politiker direkt bezahlen.

Denn bei dieser sehr kleinen Schicht der Ultrareichen gehen durch Steuerflucht und Steuerbetrug die ganz großen Summen für den Staat verloren.

[…] Deutschland hat mehrere Behörden, deren Aufgabe es ist, Steuerhinterziehung aufzuklären. Trotzdem entgehen dem Staat geschätzt bis zu 200 Milliarden Euro pro Jahr, weil Steuern nicht gezahlt werden. Wo also sind die Lücken bei deren Arbeit? Neben fehlender Vernetzung von Behörden, Zuständigkeitswirrwarr und fähigen Mitarbeitern an den richtigen Positionen ist vor allem der politische Wille zur Strafverfolgung entscheidend.   [….]

(DLF, 14.01.2026)

Meines Erachtens würden die meisten Unternehmer es sehr begrüßen, wenn die Merz-Bundesregierung Multimilliarden-schweren Deutschen, die selbst nicht arbeiten und sich in Liechtensteiner oder Schweizer Steueroasen geflüchtet haben, den Krieg erklärte.

Ich glaube nicht, daß windige Milliardenjongleure, wie Rene Benko, Wirecard-Marsalek/Braun oder Augustus Intelligence Sympathien bei der 1517 geründeten Hamburger Versammlung ehrbarer Kaufleute VEEK genießen.

Quandt, Flick, Wirecard, Augustus Intelligence genießen aber die volle Wertschätzung von CDU, CSU und FDP, die sich nur zu deren Büttel machen lassen.

Diese Art der verantwortungslosen globalen Überreichen bestimmt die konservative Agenda und hat sich längst von sozialen Themen entkoppelt. Sie agieren antihuman und amoralisch. Aus dieser Blackrockigen Perspektive stammt Merzens Verachtung für Arme, für Schwache, für Minderheiten und verstärkt auch für Behinderte, Kranke, Pflegebedürftige.

[….] Friedrich Merz (CDU) sorgte auf dem Kommunalkongress des Deutschen Städte- und Gemeindebunds für Empörung. Er nannte die Ausgaben für die Jugend- und Eingliederungshilfe für „nicht länger akzeptabel“. Der Verein Kooperation Behinderter im Internet e. V. (kobinet), der sich dem Geschehen rund um die Behindertenpolitik widmet, spricht von einem „Schlag ins Gesicht für Menschen mit Behinderung“. Auch vom Sozialverband Deutschland (SoVD) kommt Gegenwind. Trotz Defizit von 25 Milliarden Euro: Merz will Ausgaben für Menschen mit Behinderung kürzen [….]

(FR, 27.06.2025)

  

[…] Der CDU-Gesundheitspolitiker und Drogenbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck hat die Frage aufgeworfen, ob hochbetagten Menschen noch besonders teure Medikamente verordnet werden sollten.

Es brauche in der medizinischen Selbstverwaltung "klarere und verbindliche Leitlinien, dass bestimmte Medikamente auch nicht immer ausprobiert werden sollten - es gibt einfach Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente auch nicht mehr einfach so benutzen sollte", sagte er in der Talksendung "Meinungsfreiheit" des Senders Welt TV. [….]

(Tagesschau, 14.11.2025)

[…] Die Krisenerzählung der CDU hat ein neues Thema: Die Behinderten werden immer frecher. Sie wollen doch nur »unser« Geld. Das hat Kristina Schröder in der »Welt« behauptet, unter der Überschrift »Was wir uns künftig nicht mehr leisten können«. Behinderung ist bei Schröder weit gefasst, sie reicht von ADHS über Autismus bis zur schweren körperlichen Behinderung – alle diese Menschen brauchen Hilfe und Assistenz, manche sogar rund um die Uhr. Und manche fahren sogar in den Urlaub mit einer »Reiseassistenz«, die vom Staat bezahlt werde, weiß Schröder zu berichten.

Unter Angela Merkel war Schröder einst Familienministerin, heute ist sie im Vorstand einer rechten Denkfabrik. Da kümmert sie sich um »politische Wertentscheidungen«, wie sie es in ihrem Text für die »Welt« nennt. Die sollen ihrer Meinung nach »wenigstens einigermaßen konsistent zu Entscheidungen in anderen Bereichen« sein. Denn was schlecht ist, kann auch gern noch schlechter werden: Wenn man die hilflosen Alten ins Pflegeheim steckt, weil es zu teuer sein soll, sie zu Hause zu betreuen, warum steckt man die Behinderten nicht auch ins Heim? Ist einfach billiger. […]

(Christof Meueler, 17.12.2025)

[….] Während um den 5. Mai 2026 herum behinderte Menschen und ihre Verbündeten über 500 Protestaktionen und Veranstaltungen durchführen und sich vor allem gegen die Einschränkung ihrer Rechte und Unterstützungsleistungen wehren, kommt von Bundeskanzler Friedrich Merz keine Entwarnung. Ganz im Gegenteil, vor kurzem hat dieser die geplanten Einschnitte bei der Eingliederungshilfe und der Hilfen für Kinder und Jugendliche gerechtfertigt und auf eine "Kostenexplosion" hingewiesen, die vor allem diese Hilfen verursachen. "Bundeskanzler Friedrich Merz hat geplante Einschnitte bei den staatlichen Hilfen für Kinder, Jugendliche und behinderte Menschen verteidigt. Eine 'Kostenexplosion' bei Aufgaben wie Eingliederungshilfe, Sozialhilfe, Pflege und Unterhaltsvorschuss trage zum Milliardendefizit bei Städten und Gemeinden bei, sagte der CDU-Chef bei einer Veranstaltung mit Bürgerfragen in Salzwedel", heißt es in einem Bericht auf msn.  [….]

(Kobinet, 04.05.2026)

[….] Merz sagt "Das können wir auf Dauer nicht finanzieren" und will massive Einsparungen in der Behindertenhilfe, deren Rechtsanspruch auf Hilfe er einschränken möchte.

Was er für finanzierbar hält und zu diskutieren verweigert, ist die 1995 trotz Rechtsnorm ausgesetzte Vermögensteuer wieder einzuführen.  [….]

(Guido Kühn, 07.05.2026)

Was ich von diesen CDU-Positionen halte, kann ich nicht ausformulieren, da mir dazu keine genügend potenten Kraftausdrücke bekannt sind.

Aber ich kann meinen Ärger über schlecht informierte Linke, Grüne und Sozis formulieren, die nun wieder pawlowsch empört auf die „christlichen Werte“ der CDU verweisen. Das sei doch unchristlich vom CDU-Parteichef.

  Nein! Nein, verdammt, das passt sogar perfekt in die christliche Ideologie!

Das IST Christentum! Schluss mit dem Sane-Washing dieser destruktiven Religion!

[…] Über geistig behinderte Kinder meinte Luther, man müsse "derartig missgeborene Kinder ertränken". Behinderte allgemein stigmatisierte er als „wahre Teufel“. (Anm.: In den Tischreden 4513/5207 bezeichnet Luther (geistig) behinderte Kinder als ein vom Satan in die Wiege gelegtes, seelenloses Stück Fleisch (massa carnis). (4) Das klingt mehr als zynisch, sind jedoch die Worte eines sehr gebildeten Mannes, dem in Deutschland bis heute viele Straßen, Plätze und Denkmäler gewidmet sind. Fairerweise muss dem hinzugefügt werden, dass geistig oder körperlich Beeinträchtigte in der Gunst ihrer Mitmenschen im ausgehenden Mittelalter nicht gerade hoch standen. Um es ganz vorsichtig auszudrücken.  […]

(hpd, 07.06.2012)

Für Gott = Jesus = der Heigei war die Angelegenheit schon tausende Jahre zuvor klar:

Und der HERR redete mit Mose und sprach: 17 Sage zu Aaron: Wenn einer deiner Nachkommen in künftigen Geschlechtern einen Fehler hat, der soll nicht herzutreten, um die Speise seines Gottes zu opfern. 18 Denn keiner, an dem ein Fehler ist, soll herzutreten, er sei blind, lahm, mit entstelltem Gesicht, mit irgendeiner Missbildung 19 oder wer einen gebrochenen Fuß oder eine gebrochene Hand hat 20 oder bucklig oder verkümmert ist oder wer einen Fleck im Auge hat oder Krätze oder Flechten oder beschädigte Hoden hat. 21 Wer nun unter Aarons, des Priesters, Nachkommen einen Fehler an sich hat, der soll nicht herzutreten, zu opfern die Feueropfer des HERRN; denn er hat einen Fehler. Darum soll er sich nicht nahen, um die Speise seines Gottes zu opfern. 22 Doch essen darf er die Speise seines Gottes, vom Hochheiligen und von den heiligen Gaben. 23 Aber zum Vorhang soll er nicht kommen noch zum Altar nahen, weil ein Fehler an ihm ist, dass er nicht entheilige, was mir heilig ist; denn ich bin der HERR, der sie heiligt. 24 Mose aber sagte dies zu Aaron und zu seinen Söhnen und zu allen Israeliten. 

(3. Mose, 21)

Merz gefällt das.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Druck im Kessel

Klimapolitisch ist zu Reiche, Merz, Spahn alles gesagt.

Sie alle wissen selbst es selbst: Atomkraft wird nie zurückkommen, Verbrenner-Motoren sind eine Sackgasse, Erneuerbare sind konkurrenzlos billig und nachhaltig, die Netze und Batteriespeicher müssen massiv ausgebaut werden.

CDUCSU in Deutschland, GOP in den USA handeln in der Hinsicht allerdings kontrafaktisch, schaden ihren Ländern mit ihrem Fossil-Wahn massiv.

[….] Das von der Union vorangetriebene Heizungsgesetz geht nicht zusammen mit dem Klimaschutzgesetz. Doch wen stört es schon, dass sich die Erde erwärmt. [….] Einen absichtlichen Widerspruch zwischen zwei Gesetzen schaffen CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und ihre Union. Im Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes eliminieren sie das Enddatum für fossile Brennstoffe wie Erdgas und Erdöl in Heizungen. Angepeilt ist bislang der 31. Dezember 2044. Gleichzeitig legt das Bundes-Klimaschutzgesetz weiterhin das Ziel der Treibhausgasneutralität auf 2045 fest. Was gilt denn nun?

Die Bedeutung dieser Gesetzesänderung ist kaum hoch genug einzuschätzen. Die Union räumt auch die Regelung ab, dass neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbarer Energien zu betreiben sind. Stattdessen soll dem Erdgas später mehr Biogas beigemischt werden – 60 Prozent ab 2040. Zahlen für danach sucht man im Entwurf vergebens. So lautet die Logik: Alte und neue Öl- und Gasheizungen können zeitlich unbeschränkt weiter Erdöl und Erdgas verfeuern. [….] So [….] untergräbt die Union mit ihrem neuen Heizungsgesetz das Klimaschutzziel 2045. Sie konterkariert damit drei Jahrzehnte Politik gegen die Klimaerwärmung. Und die schwache SPD macht das mit, teils zähneknirschend, teils achselzuckend. Klima ist eben nicht ihre Kernkompetenz.  [….]

(Hannes Koch, 06.05.2026)

Weshalb die konservativen Klimakiller so eine destruktive Politik betreiben, weiß jeder: Sie werden buchstäblich von der Fossillobby bezahlt und sie sind moralisch viel zu unanständig, um jemals zuzugeben, sich auf dem Holzweg zu befinden, während die Roten und die Grünen, der verhasste Robert Habeck völlig richtig lagen. Niemals könnten Söder oder Merz das zugeben.

Fossilkraftwerke und erst Recht Nuklearkraftwerke zu bauen, sprengt die Kosten für Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen um ein Vielfaches. Sie sind Zielscheiben für Terroristen, stellen eine permanente ökologische Gefahr dar und werden erst im Betrieb richtig teuer. Einmal am Netz, muss pausenlos Kohle, Gas, Öl, Uran nachgekauft werden. Hauptsächlich von Schurkenstaaten, die man dadurch reich macht.

81 Milliarden Euro gibt Deutschland auf diese Weise jedes Jahr für Umweltzerstörung aus. 81 Milliarden Euro in die Taschen der Fossilkonzerne. 81 Milliarden Euro, mit denen verdammt viel Lobbyismus betrieben werden kann, um diese aberwitzigen Summen weiter fließen zu lassen. 81 Milliarden Euro, die Gas-Kathys Roboteraugen leuchten lassen. 81 Milliarden Euro, die aus der deutschen Wirtschaft verschwinden.

Verwendet man hingegen Wind, Wellen, Sonne oder Tidenhub zur Stromerzeugung, ist das nicht nur klimafreundlich, sondern auch kostenlos und unabhängig von Kriegen und sonstigen politischen Großkrisen.

Trumps Iran-Wahnsinn und die Hormus-Blockade verdeutlichen jeden Tag die politischen Gründe für den Umstieg auf Erneuerbare Energien – auch wenn sich Spahn, Söder, Reiche und Merz noch so vehement dagegen wehren.

Für die Energiekonzerne dürfte aber ökonomische Argumente mehr Gewicht haben. Die Verwendung erneuerbarer Energieträger ist nicht nur wesentlich risikoärmer, als herkömmliche Methoden, sondern auch viel billiger. Man kann bessere Geschäfte machen. Das weiß die ultrakapitalistische kommunistische Partei Chinas, die deswegen massiv in Wind- und Solarkraft investiert.

Deswegen wird im erzkonservativen Trump-Staat Texas intensiv auf Solarkraft gesetzt.

Texanische Republikaner in Washington würden es nie laut sagen, weil sie gegen die Parteilinie und die Gebote ihres orangen Messias‘ verstießen, aber Erneuerbare Energie ist einfach wirtschaftlicher und daher das Modell der Zukunft.

[…] Utility-scale solar shines in Texas despite tariffs, federal policy changes

Texas is now the top state for utility-scale solar power generation capacity. However, developers of new solar projects face a changing operating environment, one lacking strong federal policy support but also featuring cost-boosting tariffs on imported solar cells and modules.

Despite these challenges, Texas managed to add just as much solar capacity in 2025 as it did in 2024, although many other states experienced a slowdown

Looking forward, Texas will likely experience strong growth in power demand, with an increasing number of power-hungry data centers and other sources of new demand. A persistent slowdown in new solar capacity could make satisfying that growth more difficult.

Economics, tax incentives boost solar adoption

The economics of installing solar generation significantly improved in the 2010s, driven by larger module size, greater efficiency and economies of scale reducing the cost of modules on a dollar-per-watt basis. This increased investor interest in solar relative to other forms of generating capacity, such as coal, nuclear and natural gas.

Texas, relative to other regions, benefits from factors that improve solar power’s economics, notably many hours of clear, sunny skies bringing high levels of solar irradiance. [….]

(Federal Reserve Bank of Texas, 03.02.2026)

Es sind also viele starke Gründe, die für die Dekarbonisierung sprechen.

Aber selbst wenn Erneuerbare teuer und wirtschaftsschädlich wären, was selbstverständlich eine riesengroße Reiche/Merz-Lüge ist, müsste man sie ausbauen.

Denn das Hauptargument lautet nach wie vor „Rettung von Fauna und Flora auf unserem Planeten“.

Erwärmt sich das Weltklima in dem Ausmaß, das Merz und Trump und Putin und bin Salman möchten, brauchen wir uns nicht mehr um unsere Enkelgeneration zu sorgen, weil es die schlicht und ergreifend nicht mehr geben wird.

Bei 5°C höherer Durchschnittstemperatur auf der Erde, wird die menschliche Zivilisation ausgelöscht.

Derzeit erleben wir weltweit eine 1,5°C-Erhöhung und die Folgen sind bereits verheerend.

[….] Indien leidet unter 47 Grad Hitze: 1,4 Milliarden Menschen droht nächstes Desaster

[….] Die Wetterkarten sind dunkelrot, an manchen Stellen sogar tiefschwarz: Über Indien und Pakistan tobt eine der heftigsten Aprilhitzen seit Jahren. Im südpakistanischen Nawabshah klettert das Quecksilber auf 46 Grad, in Mirpur Khas auf 45. Auch Indiens Norden glüht: Bikaner, Jodhpur und Kota knacken locker die 43-Grad-Marke, in Neu-Delhi sind es 41. [….] Für das kommende Wochenende rechnet das ECMWF-Modell sogar mit Spitzen um 47 Grad. 19 der 20 heißesten Städte der Welt liegen derzeit auf dem Subkontinent. Selbst nachts kühlt es in vielen Regionen kaum noch unter 30 Grad ab. Ein zusätzlicher Killer für Kreislauf und Schlaf. [….]  Knochentrockene Westwinde aus der Wüste pressen ofenheiße Luft in die Region, der Vormonsun fällt komplett aus. Keine Wolken, keine Schauer, keine Abkühlung.

Dazu die brutale Aprilsonne, ein wolkenloser Himmel und eine Schneedecke im Himalaya und in Eurasien, die so schwach ist, dass sie kaum noch reflektiert. Das Ergebnis: eine Backofen-Wetterlage, die sich selbst verstärkt. Jeder weitere Tag heizt den Boden mehr auf, und der gibt die Wärme nachts zurück in die Luft. [….] Was viele übersehen: Die Hitze ist erst der Anfang. Der indische Wetterdienst IMD rechnet für die Monsunsaison Juni bis September nur mit 92 Prozent des langjährigen Mittels, ein deutlich zu schwacher Regen. Grund: El Niño baut sich im Pazifik auf und unterdrückt die Niederschläge. Der Monsun könnte zwar pünktlich an der Kerala-Küste starten. Ab August dürfte er aber spürbar erlahmen, genau dann, wenn Reis, Hülsenfrüchte und Ölsaaten am meisten Wasser brauchen.

Das Doppelpaket aus Glut und Dürre trifft den Subkontinent an seiner empfindlichsten Stelle. Rund 60 Prozent der indischen Bauern hängen am Monsunregen. Fällt er schwach aus, wackeln nicht nur Ernten, sondern auch Lebensmittelpreise weltweit. Strompreise schießen hoch, Trinkwasser wird knapp, Viehbestände leiden. [….]

(Dominik Jung, FR, 30.04.2026)

Dienstag, 5. Mai 2026

Schuldig

An dieser Stelle wollte ich eigentlich Spiegel-Kolumnistin Sabine Rennefanz zitieren, die heute eine Lanze für den armen Fritze Merz bricht. So schlechte Werte habe er wirklich nicht verdient.  Schließlich wären unsere Hauptprobleme viel älter und nicht von ihm verursacht.

Leider sind der SPIEGEL-Server und viele andere Nachrichtenseiten aber down.

Hintergrund sind offenbar die desaströsen demoskopischen Zahlen des Kanzlers zu seinem Einjährigen und die offenkundigen Versuche extrem rechter Meinungsmacher (Springer, NIUS), Merz und seine Kleiko zu Gunsten einer Spahn-Weidel-Variante zu kippen.

[…. ] AfD bei politischer Kompetenz spürbar vor der Union – Merz‘ Beliebtheitswerte im freien Fall […. ] Während die Koalition strauchelt, feiert eine andere Partei ein Drei-Jahres-Hoch. Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt rutscht die schwarz-rote Bundesregierung in einer neuen Umfrage deutlich ab. Union und SPD stecken im Tief und Bundeskanzler Friedrich Merz erreicht im RTL/ntv-Trendbarometer des Meinungsforschungsinstituts Forsa einen neuen Tiefstand bei der Zufriedenheit der Bevölkerung.

Nur noch 13 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden – zwei Punkte weniger als in der Vorwoche. Ende März lag dieser Wert noch bei 23 Prozent. Im Juni 2025, kurz nach Merz’ Amtsantritt, waren noch 42 Prozent zufrieden mit seiner Arbeit.

Selbst unter Anhängern der Union sind inzwischen 53 Prozent unzufrieden mit dem Kanzler, bei der SPD sind es 81 Prozent. Die größte Ablehnung kommt von Wählern der Grünen (90 Prozent), der Linken und der AfD (je 98 Prozent). […. ] Die AfD bleibt damit mit deutlichem Abstand stärkste Kraft – und verzeichnet knapp sieben Prozentpunkte mehr als bei der Bundestagswahl im Februar 2025. Die CDU/CSU verzeichnet mit 22 Prozent den niedrigsten Wert seit Bestehen der schwarz-roten Regierung und liegt damit mehr als sechs Punkte unter ihrem Bundestagswahlergebnis von 28,5 Prozent. […. ]

(Welt, 05.05.2026)

Ganz offen spricht etwa der einflussreiche CDU-Rechtsaußen Christian Freiherr von Stetten aus, die Koalition mit der SPD werde keinesfalls eine ganze Legislaturperiode halten.

[…] Ein mächtiger CDU-Politiker glaubt nicht mehr daran – und sagt das auch ganz offen. Auf dem Zukunftswiesen Summit in Ilshofen antwortete Christian von Stetten auf die Frage einer als Moderatorin aufgetretenen Welt-Journalistin, wie lange die Regierung wohl noch halten werde: „Zumindest keine vier Jahre.“ Auf deren Nachfrage legte er nach: „Ganz sicher nicht.“ Das Video seiner Aussagen verbreitete zunächst die Bild.

Bei dem Zukunftsgipfel, der mit dem Slogan „Zeit für Aufbruch. Zeit, Mut zu zeigen. Zeit, Lösungen zu bauen.“ wirbt, monierte der Vorsitzende vom Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über Schwarz-Rot, es hätten sich zwei gefunden, die sich gar nicht gesucht hätten: „Sie passen am Ende des Tages einfach nicht zusammen. Völlig unterschiedliche Konzepte, und jetzt auch völlig unterschiedliche Reformansätze.“  [….]

(Merkur, 29.04.2026)

Die CDU-Bundestagsfraktion stellt sich gewissermaßen schon darauf ein, indem sie heute demonstrativ die größte innerparteiliche Konkurrenz des Kanzlers und Parteivorsitzenden stärkt.

[….] Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen: Jens Spahn ist mit 86 Prozent zum zweitmächtigsten Mann der #CDU wiedergewählt worden. Spahn, der Milliarden (!) Steuergelder in der Pandemie versenkt und dubiose Geschäfte hat. Jener #Spahn, der unsere Krankenkasse. geschrottet hat, so dass sie nun aus dem letzten Loch pfeifen und keine Rücklagen mehr haben. Und bei uns allen jetzt gekürzt wird.

Jens Spahn ist der Inbegriff eines machtgierigen CDUler, der ohne mit der Wimper zu zucken mit der A*D gemeinsame Sachen macht (siehe #Brosius-Gersdorf) - und sich dann hinstellt, als habe er das alles nicht absehen können. Er ist zugleich ein Abbild der CDU-Fraktion, die offenbar Spahn stärkt, um #Merz zu schwächen. So weit ist es gekommen: Spahn als epischer #Totalausfall und unbeliebtester Politiker des Landes ist in der Lage, Merz zu schwächen. Was sagt das über Merz aus?

Spahn, der Bundesbildungsministerin Prien seinen rechtsradikalen Wachhund (ehemaliger Maskenbeschaffer unter Spahn) an die Seite gestellt hat, damit sie das „#Demokratie Leben“-Programm abwickelt. Spahn, der auch Bundesgesundheitsministerin Warken im Griff hat, die ihm willfährig beim „Akten schwärzen“ im Zuge der #Maskenskandal-Aufklärung (Sudhof-Bericht) geholfen hat.

Dass Spahn wiedergewählt wurde, ist eine totale Bankrotterklärung der CDU. Sie lässt damit einen Blick ins Partei-Innere zu, wie er verheerender nicht sein kann. Denn sag mir, wie schlecht es um die CDU steht, ohne mir zu sagen, wie schlecht es um die CDU steht? Genau, indem die CDU-Fraktion Spahn wiederwählt.

Immerhin: Der freie Fall der CDU in #Umfragen und der massive Respektsverlust in der #Bevölkerung gegenüber der CDU ist (auch) Spahn zu verdanken. Die CDU hat sich mit der Wiederwahl von Spahn (übrigens schlechteres Ergebnis als beim ersten Mal) nun darauf geeignet, weiter sich selbst als Partei gegen die Wand zu steuern; jetzt aber eben mit #Turbo. [….]

(Marc Raschke, 05.05.2026)

Während Rennefanz ihren Merz ob der ihm drohenden Unbill bedauert, legen andere Großjournalisten, wie die Chefradakteure Schwennicke und Haider, oder der SPIEGEL-Kolumnist Hickmann, dem Kanzler lauter kluge Ratschläge zu Füßen, wie er das Ruder nun noch rumreißen könne.

Der arme Mann habe eben keine Erfahrung und nicht geahnt, wie schwer es sein würde, seine vollmundigen Ankündigungen umzusetzen. Seine regelmäßigen Kommunikationskatastrophen entsprängen seiner Ehrlichkeit und Empathie; er wende sich eben dem jeweiligen Publikum – beispielsweise einer Schülergruppe vor ihm – zu, ohne immer daran zu denken, daß auch Donald Trump von seinen Worten erfahren könnte.

Nikolaus Blome und andere wiederum finden es furchtbar unfair, Merz so schlecht zu beurteilen, da doch die linke SPD, die ähnlich der FDP in der Ampel alles blockiere, die alleinige Schuld trage. „CDU pur“ wäre demnach der richtige Weg, aber die ideologischen Linken Bas und Klingbeil, hinderten den armen Kanzler systematisch daran, das Richtige zu tun.

Wenn man sich bei diesen Mittelkonservativen, also den CDU-Fans, die sich aber keine rechts/rechtsextreme Koalition wünschen, umhört, könnten einem die Tränen kommen. Ja schon, Merz sei etwas unerfahren und spreche zu geradeheraus, aber er könne doch nun wirklich nichts dafür, was alles schief liefe.

Fast unnötig zu erwähnen, daß ich diese Perspektive für ganz großen Blödsinn halte.

Aber selbst, wenn es so wäre, daß die Wirtschaft in Deutschland nur deswegen nicht in Schwung käme, weil die linkssozialistischen Sozis, den brillanten Ökonomen Reiche und Merz Sand ins Getriebe streuten, wäre mein Mitleid mit dem Sauerländer Simpel überschaubar. Denn abgesehen von seinen Debakeln in den Politikfeldern Außen, Finanzen, Wirtschaft, Bildung, Digitalisierung, Bauen, Steuern, Kultur und Gesundheit, bleibt eine Bösartigkeit, für die Friedrich Merz zweifellos maßgeblich mitschuldig ist: Das Erstarken der Nazi-Partei und die rechtsextreme Gewaltwelle gegen Minderheiten.

[…] Polizei zählte 2025 so viel rechte Gewalttaten wie seit zehn Jahren nicht mehr

Die deutsche Polizei hat im vergangenen Jahr so viele rechtsmotivierte Gewalttaten festgestellt wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, aus der wiederum die Nachrichtenagentur dpa zitiert. Demnach meldeten die Bundesländer dem Bundeskriminalamt insgesamt fast 1.600 solche Taten. In den meisten Fällen wurde wegen Körperverletzung oder gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Die Zahl der registrierten rechtsmotivierten Straftaten insgesamt ging im vergangenen Jahr dagegen leicht zurück von rund 42.790 auf etwa 42.540.

Der Linken-Innenpolitiker Kocak kritisierte die von der Bundesregierung geplanten Streichungen beim Programm „Demokratie leben!“. Damit würden genau jene Präventions- und Bildungsprojekte abgebaut, die der Bedrohung von rechts entgegenwirken könnten.  [….]

(Deutschlandfunk, 04.05.2026)