Was so richtig nervt ist, wenn Vereine es schaffen, die für sie typischen Missetaten, anderen aufzuframen.
Ausgerechnet die CDU, deren Kernkompetenz die Schmutzkampagne ist – „Rote Socken“, „Heizungshammer“, „Kinder statt Inder“, „Drei Exfrauen können nicht irren“, „ Grüne Verbotspartei“ – jammert und jammert, sie sei in Baden Württemberg Opfer einer Schmutzkampagne geworden.
Konservative Christen sind es auch, die maßgeblich die Kriegstreiber und Kinderkiller Putin und Trump unterstützen, sich dabei selbst aber hartnäckig als „Lebensschützer“ oder „Pro Life“ framen, während sie für mehr Tote sorgen. Was für eine sagenhafte Unverschämtheit!
(….) Die US-Frauenunterdrücker haben schon vor Jahrzehnten einen enormen PR-Erfolg erzielt, als sie die Labelung der beiden politischen Positionen als „pro Life“ und „pro Choice“ einführten. Das klingt für jeden so, als ob die „Pro-Life“-Fraktion – zu Deutsch „Lebensschützer“ – vorrangig Abtreibungen minimieren und mehr Embryos zu Babys werden lassen würden.
Genau das ist aber falsch! 200 Jahre Erfahrungen in aller Welt zeigen ganz klar, daß die Abtreibungszahlen genau da drastisch runtergehen, wo ein liberales Recht herrscht, Frauen also gerade NICHT strafrechtlich unter Druck gesetzt werden.
Alice Schwarzer, die in den letzten Jahren immer merkwürdiger wird, stellte im jüngsten Spiegel in einem zum 50. Jahrestag des STERN-Covers „Wir haben abgetrieben“ Tripel-Interview mit Silvia Kontos (Soziologin) und Molli Hiesinger (Studiendirektorin), einige Fakten klar, die Spahn, „Christdemokraten für das Leben“, Trump („There hast o be a punishment“), Lebensschützer und sonstige militante Abtreibungsgegner vielleicht sogar kennen, aber in ihrer perfiden Scheinheiligkeit ignorieren.
[……] Kontos: Ich lag 1965 auf so einem Küchentisch. [……] Am Ende bin ich wirklich bei einer Engelmacherin auf dem Küchentisch gelandet. Die Frau hatte zum Glück eine Abmachung mit einem niedergelassenen Arzt, zu dem man gehen konnte, wenn die Blutung eingeleitet war. Es war die demütigendste Erfahrung, die ich in meinem Leben gemacht habe. Und natürlich haben beide ordentlich die Hand aufgehalten. [……]
Hiesinger: Der Tabubruch war auch deshalb so riesig, weil es nicht nur um Abtreibung ging. Es ging um Sexualität. Die beteiligten Frauen bekannten sich öffentlich dazu, abgetrieben zu haben, und gleichzeitig dazu, eine selbstbestimmte Sexualität zu leben.[……]
Schwarzer: Seriöse Schätzungen gingen für die Bundesrepublik 1971 von einer Million Abtreibungen im Jahr aus. Heute haben wir in Gesamtdeutschland ungefähr 100.000 Abtreibungen. [……] Wir werden weiterhin beschimpft, von der katholischen Kirche und von Reaktionären. Aber niemand hat so für die Abnahme der Abtreibungen gesorgt wie die Feministinnen. [……] Frauen sind aufgeklärter geworden: Sie haben gelernt zu verhüten. Frauen sind selbstbewusster geworden, auch sexuell: Sie tun im besten Fall nur das, was sie auch selber möchten. Frauen sind eigenständiger geworden: Sie haben ihr eigenes Geld. Die Folge: Frauen heute haben ein sehr viel geringeres Risiko, ungewollt schwanger zu werden als früher. Die ungewollte Schwangerschaft ist ja der einzige Grund, warum Frauen abtreiben – in allen Zeiten, in allen Ländern, unter allen Umständen, selbst wenn ihnen dafür die Todesstrafe droht. Eine ungewollt schwangere Frau treibt ab. Es geht beim Recht auf Abtreibung ja nicht darum, ob man abtreibt, sondern nur darum, wie man abtreibt: ob gedemütigt, entmündigt und in Lebensgefahr – oder selbstbestimmt und mit medizinischer Hilfe. [……]
Schwarzer: Der Kern des Abtreibungsverbots ist leider erhalten geblieben: Das ist die Entmündigung der Frauen. In Deutschland haben wir eine absurde rechtliche Konstruktion: Abtreibung ist formal rechtswidrig, wird aber bis zur zwölften Woche nicht bestraft. Wenn eine Frau abtreiben will, muss sie die Bescheinigung eines Experten vorlegen. Das heißt, sie darf nicht selbst entscheiden. Keine Frau darf sagen: Ich treibe ab, und die Gründe gehen euch einen feuchten Kehricht an. [……]
Schwarzer: Selbst katholische Länder wie Irland, Italien, Frankreich haben heute eine uneingeschränkte Fristenlösung. Was ist hier eigentlich los? [……]
SPIEGEL: In Deutschland gehören Abtreibungen nicht zur medizinischen Grundausbildung und werden auch in der Facharztausbildung nicht explizit gelehrt. Ein Fehler?
Schwarzer: Verrückt! Dazu kommt, dass Ärzte nach ihrer Ausbildung im Namen ihrer persönlichen Überzeugung das Recht haben, Abtreibungen zu verweigern.
Kontos: Das ist unterlassene Hilfeleistung. [……]
(SPIEGEL, 05.06.2021)
Was für eine Ungeheuerlichkeit, daß im Jahr 2021 Frauen rechtlich als so minderbemittelt angesehen werden, daß der Staat ihnen keine selbstständige Entscheidung zutraut, sie dazu zwingt sich von (zumeist kirchlichen Stellen) beraten zu lassen und Ärzte noch nicht einmal über den medizinischen Vorgang informieren dürfen.
Das Ganze auch noch wohlwissend, daß der juristische Druck auf Frauen in so einer Situation zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen führt, weil sie eben NICHT frei entscheiden können, sondern für den Fall, daß sie kein Kind wollen rechtzeitig anfangen müssen sich um Beratungen und Behördengespräche zu kümmern. Absurd, perfide, ewiggestrig und heuchlerisch (….)
(Ohne Uterus über Leute mit Uterus befinden, 09.06.2021)
Auch Kriege werden geführt, weil Christen es wollen.
Trump, der gleich in den ersten Iran-Kriegstagen 165 kleine Mädchen einer Grundschule in Minab killte, wurde bereits durch das Ende von USAID zum Massenmörder. 200.000 Kinder getötet durch einen Federstrichs Trumps. So gefällt es den selbst ernannten PRO-LIVE-Lebensschützer-Christen, die sich für Trump begeistern. So will es ihr Gott.
Die Lebensschützer, ProLifer der USA, die sich im Heiligen Eifer gynäkologische Eingriffe verbieten, sorgen für immer mehr elend verblutende Schwangere, denen medizinische Hilfe verweigert wird.
[….] Mindestens fünf Schwangere sind in den USA gestorben, weil sie in Bundesstaaten lebten, in denen besonders strenge Abtreibungsgesetze herrschen. Die Ärzte verweigerten offenbar eine angemessene Behandlung als es Komplikationen gab.
Ihre zwei kleinen Söhne und ihr Mann Hope Ngumezi trauern um Porsha Ngumezi, 35 Jahre alt. Sie freute sich auf ihr drittes Kind, ihr Mann hoffte schon auf eine Tochter. Noch vor der ersten ärztlichen Kontrolle begann die Schwangere zu bluten. Sie suchte Hilfe bei der Notfallaufnahme eines Spitals in der texanischen Millionenstadt Houston. Dort wurden die Blutungen stärker.
Ein Tod, der sehr einfach zu vermeiden gewesen wäre. Zu diesem Schluss kommt Pro Publica, eine gemeinnützige Journalismus-Organisation, die den Leidensweg von Porsha Ngumezi minutiös aufarbeitete und von mehreren Fachärztinnen und -ärzten beurteilen ließ. Es ist bereits die fünfte Tragödie dieser Art, die Pro Publica in einer Serie über die Folgen der Aufhebung des Rechts auf Abtreibung dokumentiert. Alle fünf Frauen lebten in Staaten mit strengen Abtreibungsverboten und erlitten Komplikationen während der Schwangerschaft. Allen fünf Frauen hätte ein Routineeingriff geholfen, der ihnen verweigert wurde.
Drei Frauen in Texas und zwei Frauen in Georgia haben demnach mit dem Leben dafür bezahlt, dass das Oberste Gericht des Landes 2022 die frühere Rechtsprechung des Supreme Court umstieß und dabei das nationale Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch aufhob. Seitdem kann jeder US-Bundesstaat Abtreibungen selbst regulieren; in 13 sind sie inzwischen verboten. Darunter ist Texas, dessen Gesetz selbst für Opfer von Vergewaltigung und Inzest keine Ausnahme macht. [….]
Da insbesondere mehr schwarze Frauen sterben, feiern sich die Lebensschützer-Christen in den USA.
[…] Frauen in US-Staaten mit Abtreibungsverbot haben ein fast doppelt so hohes Risiko, während der Schwangerschaft oder Geburt zu sterben. Besonders betroffen sind Schwarze. Ein Überblick.
Seit dem 1. Januar 2025 leben in den USA rund 62,7 Millionen Frauen und Mädchen in Bundesstaaten, die Abtreibungen verboten haben.
Eine Analyse der Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC von 2019 bis 2023 durch das Gender Equity Policy Institute (GEPI) zeigt nun: Frauen in diesen Staaten haben ein deutlich höheres Risiko, während der Schwangerschaft, Geburt oder kurz nach der Entbindung zu sterben, verglichen mit Frauen in Staaten, in denen Abtreibungen legal und zugänglich sind.
Das Sterberisiko für Mütter ist in Staaten mit Abtreibungsverbot ist demnach fast doppelt so hoch. In Louisiana ist die Wahrscheinlichkeit sogar dreimal höher als in Staaten, die den Zugang zu Abtreibungen unterstützen. [….]
Eine weitere Möglichkeit Menschen durch seinen Glauben und sein Gottvertrauen zu töten, besteht in der fanatischen Wissenschaftsfeindlichkeit der Prolifer/Lebensschützer.
[….] Religiöser Wahn statt Arzt: Eltern lassen 21-jährige Tochter mit Down-Syndrom sterben[….] Es ist ein durchaus hartes Urteil, aber die Verurteilten nehmen es scheinbar ungerührt entgegen: Das Landgericht in Frankfurt verurteilte am Dienstagnachmittag (3. März) wegen Totschlags durch Unterlassen einen 64 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs und seine gleichaltrige Ehefrau zu einer von sechseinhalb Jahren. Die 32 Jahre alte Tochter der beiden wird wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. [….] Nach Überzeugung der Kammer waren die Eltern für den Tod ihrer 21 Jahre alten Tochter im Oktober 2016 verantwortlich. Sie hatten die Tochter, die das Down-Syndrom hatte und an Diabetes und anderen Krankheiten litt, jahrelang in dem gemeinsam bewohnten Haus in Ehringshausen im Lahn-Dill-Kreis gepflegt [….] Beide sind Mitglieder einer evangelikalen Freikirche und haben wohl selbst dafür recht unorthodoxe Ansichten. In dem ansonsten total vermüllten Haus fanden sich Riesenvorräte an abgepacktem Trinkwasser – wofür auch immer – sowie Videofilme eines afrikanischen Wunderheilers. Offenbar glaubten sie, dass ihre Tochter wenn nicht medizinisch, dann vielleicht spirituell geheilt werden könne.
Nachbarn hatten den Vater nachts manchmal dabei beobachtet, wie er „betend, tanzend und singend“ durch das Haus gelaufen sei. Die Mutter glaubte wohl, die Trisomie 21 ihrer Tochter sei „eine Strafe Gotts für die Sünden ihrer Ahnen“ – einer ihrer Vorfahren war offenbar Freimaurer. [….] (Steffen Behr, 10.03.2026)
Tod durch Lebensschutz. Framing aus der Hölle.



























