Sonntag, 30. August 2026

Mächtige rechte Schwule

Es war immer, ist und bleibt verdächtig, wenn heterosexuelle Männer ein geradezu manisches Verhältnis zur Homosexualität haben. Wenn sie hysterisch jede angeblich schwule Schwingung wahrnehmen, ihren Geschlechtsgenossen homophiles Verhalten attestieren und sich über alle Maßen empört, angesichts queerer Sichtbarkeit äußern.

Es reicht ein bißchen Küchenpsychologie, um zu ergründen, welche Ängste und Unsicherheiten zu Grunde liegen, wenn jemand so extrem auf eine Form der Liebe reagiert, die ihn (angeblich) nicht betrifft.

Homophobe „Schwule im Schrank“ verdienen Mitleid, weil ihr heimliches Leben, das ständige Unterdrücken von Gefühlen, die ständige Angst vorm Outing anstrengen.

Wenn aber Homophobie zu Schwulenhass wird, handelt es sich nicht mehr um eine Privatangelegenheit, sondern um eine Grausamkeit, die unsere Gesellschaft bekämpfen muss.

Es gibt keine exakten Zahlen, aber um die 40% der obdachlosen Jugendlichen in den USA sind queer. Ihr Anteil liegt also rund viermal höher, als statistisch zu erwarten wäre. Die Gründe dafür liegen natürlich im christlichen Hass; der Homophobie ihrer Elternhäuser. „Family Values“ sind familienfeindliche Werte, die Eltern nicht nur gegen ihre eigenen Kinder aufhetzen, sondern sie buchstäblich aus dem Haus jagen.

Hier handelt es sich bei der familiären Homophobie um eine Form der Grausamkeit gegen Jugendliche, die natürlich keine Privatsache mehr ist, sondern das Eingreifen des Staates erfordert.

Heimlich schwule Männer engagieren sich traditionell gern in extrem schwulenfeindlichen Vereinen, wie der katholischen Kirche oder den US-Republikanern, weil sich als lautstarker Schwulenhasser am sichersten vor Verdächtigungen und Entdeckung fühlen. Die Laufbahn als katholischer Geistlicher erscheint wegen des Zölibats und der Abwesenheit von Frauen gleich mehrfach attraktiv: Man umgeht die skeptischen Fragen, wieso man nicht in einer heterosexuellen Beziehung lebt, kein Interesse an Frauen zeigt und sich vorzugsweise unter gleichgesinnten Männern in Kleidern aufhält.

Im Vatikan ist die Schwulenquote so hoch, daß ganz selbstverständlich rund um den Petersdom Callboys ein- und ausgehen. Jeder ist an den allgegenwärtigen käuflichen Sex unter Männern gewohnt, jeder toleriert es, solange nur alle öffentlich lügen und niemand laut ausspricht, was jeder weiß.

Unter GOP-Toppolitikern ist es etwas schwieriger, weil „Junggesellen“ wie der jüngst verstorbene mächtige US-Senator Lindsey Grahamständig verdächtigt werden schwul zu sein.


 Immer wieder gingen Fälle von männlichen Sexworkern durch die Medien, die mutmaßlich von Graham angeheuert wurden. Selbstverständlich sind private sexuelle Vorlieben Tabu und es verbietet sich, andere Menschen zu outen.

Aber da gibt es eben diese eine Ausnahme; wenn es sich bei dem gegen seinen Willen Geouteten um eine mächtige Person handelt, die dezidiert schwulenfeindliche Politik macht.

Das war bei Graham ganz klar der Fall, wie das GAP - The GLAAD Accountability Project catalogs anti-LGBTQ rhetoric and discriminatory actions of politicians, commentators, organization heads, religious leaders, and legal figures, who have used their platforms, influence and power to spread misinformation and harm LGBTQ people – auflistet.

Ein mächtiger Mann, der über Jahrzehnte, brutal und unmenschlich gegen andere Queere vorging, hat den Schutz seiner sexuellen Privatsphäre verspielt.

Graham war aber beileibe kein Einzelfall. Wöchentlich verstricken sich prominente Republikaner, christliche Anführer und besonders viele MAGAs in schwule und pädophile Skandale.

In einem 80-Minuten Interview mit Luke Beasley sprach Präsidentensohn Hunter Biden das Thema offen an.

[…] The teasing followed Biden’s more pointed recent venture into queer politics. During a July appearance on the “I’ve Had It” podcast, he argued that Washington was controlled in part by a Republican “closetocracy” — closeted politicians who turn their internal conflict into anti-LGBTQ+ vitriol. “Everybody knows there is this closeted gay mafia, largely Republican, that exists in Washington, D.C.,” Biden said, as The Advocate previously reported. He argued that the politicians’ sexualities were relevant because their alleged hypocrisy affected how they wielded power.  [….]

(them, 28.08.2026)

Papst Ratzi sprach von der „Homo-Mafia im Vatikan“. Offenbar gibt es so etwas auch in Trumps GOP; die „Republican closetocracy”, eine leider höchst destruktive und gefährliche Gruppe, deren offenkundig schwule Mitglieder eben nicht so locker wie der (heterosexuelle) Hunter Biden mit dem Thema umgehen, sondern brutale queerfeindliche Politik umsetzen.

Bei republikanischen Großveranstaltungen bricht regelmäßig die schwule Sexdating-App Grindr wegen Überlastung zusammen, weil all die closeted Gays der radikal homophoben GOP, miteinander rammeln, wie die Karnickel.

[…] Love – or at least a spike of users on the gay dating app Grindr – was reportedly in the Milwaukee air this week while the Republican National Convention was in town.

Over 1,000 users reported a Grindr outage in the Milwaukee area around 4 p.m. on Tuesday, according to Downdetector, a website that collects online service status information.

The Grindr app also allegedly experienced problems in the Cream City on Thursday— the fourth and final day of the RNC — as well as in Chicago, Los Angeles, and New York. However, Grindr's official status updates show there hasn't been an outage since May.  […]

(Newsweek, 19.07.2024)

Mike Johnson, der nach Trump und Vance drittmächtigste Mann der USA, scheint eine Schlüsselfigur zu sein und fällt mit besonders radikalem öffentlichen Schwulenhass auf – so wie einst Mike Pence.

[….] Speaker of the House Mike Johnson’s homophobic and transphobic views can’t be overstated. He backed a measure barring transgender people from using bathrooms aligned with their gender identity in the U.S. Capitol; he has supported criminalizing gay sex, was an attorney for the far-right Alliance Defending Freedom, defended “gay conversion therapy” organizations like Exodus International; and the Human Rights Campaign dubbed him the “most anti-equality” speaker in U.S. history. Even Meghan McCain called the Trump ally a “raging homophobe.”

But his anti-LGBTQ+ beliefs and Johnson’s more than 25-year marriage to a woman, with whom he shares four children, haven’t stopped years of gay rumors from spreading about the vocal MAGA supporter.

The search term “Mike Johnson Grindr” started trending in 2025 when an anonymous man went viral on TikTok after making unsubstantiated claims that he had proof Johnson had a private Grindr profile and threatening to make it public unless the Trump administration released the Jeffrey Epstein files. No such evidence was produced. More rumors spread when Johnson admitted that he and his son monitor each other’s porn habits.  […]

(Advocate, 20.08.2026)

Der Mann ist absolut besessen von seinem Hass auf Schwule. Offiziell ist Mike Johnson natürlich weiterhin mit seiner Frau verheiratet, aber tatsächlich lebt der fromme Schwulenhasser mit „seinem Pastor“ in einem Washingtoner Townhouse.

Samstag, 29. August 2026

Konkrete Politik

Meine Verachtung gegenüber Friedrich Merz scheint eben nicht maximal zu sein, da sie erstaunlicherweise täglich immer noch anwächst. Ich fürchte, den justiziablen Bereich zu betreten, wenn meine Gefühle und Wünsche für ihn tatsächlich in Worte fasse.

Nun ist aber „Wut gegen die da Oben“ und pauschale Ablehnung das Geschäft der Populisten. Dagegensein ist leicht. Dagegensein ist leicht, wenn man nur ein diffuses „mir soll es besser gehen“ in die Waagschale legt und die Ziele (Gerechtigkeit, Wohlstand) allgemein bleiben. Schwer ist es, konkrete Ziele zu benennen und einen realistische Weg aufzuzeigen, wie das gelingen soll.

Das beste Beispiel ist der heiße Krieg in der Ukraine: AfD, BSW und teilweise bedauerlicherweise auch die Linke, sind gegen den Krieg, stören sich an den gewaltigen Ausgaben für Waffen.

Putinella Wagenknechts Epigonen gehen soweit, die ganz große antisemitische Keule rauszuholen, um sich als Friedensfreunde zu inszenieren.

Das sind perfide Methoden, denn wer, außer der Rüstungsindustrie und ihren Profiteuren, wünscht sich keinen Frieden in der Ukraine? 

Aber was passiert, wenn wir keine Waffen mehr liefern? Was kommt danach, wenn der schreckliche Zustand des Schießens endet? Kapitulierte die Ukraine aufgrund ihrer Auszehrung und Waffenknappheit, spricht leider alles für eine  Verschlechterung der Lage. Die Falken des Kremls könnten sich bestätigt fühlen und den naheliegenden Schluß ziehen, nun weitere Länder an ihrer Westseite anzugreifen. Außerdem wären Rache-Massaker an der Ukrainischen Zivilbevölkerung wahrscheinlich. Deswegen kann man sich ein Ende der Kämpfe nur wünschen, wenn belastbare Sicherheitsgarantien für die Ukraine implementiert werden. Sicherheitsgarantien, von denen bisher niemand weiß, wie die aussehen könnten.

Solange aber keiner der selbsternannten Friedensengel von Alice Schwarzer über das BSW bis zu Alice Weidel, eine Million schwer bewaffnete UN-Blauhelme aus dem Hut zaubern kann, die sich kostenlos und dauerhaft in der Ost-Ukraine stationieren lassen, wird es nichts mit dem schnellen Frieden.

Leider verhält es sich mit dem Bundeskanzler Merz ganz ähnlich. So sehr ich mir wünsche, er möge irgendwie verschwinden, als Politiker scheitern, zurücktreten, weggemobbt, ersetzt, abgewählt werden, so wenig taugt das Szenario, wenn man etwas weiter, als bis zur Nasenspitze denkt.

Die schwarzrote Sitzmehrheit im Bundestag beträgt 328 von 630.

Es sind also nur 12 Stimmen mehr als die Kanzlermehrheit, die Merz bekanntlich beim ersten Anlauf verfehlte. Damals verfügte er aber über eine frische Legitimation, da er als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl die meisten Stimmen bekommen hatte. Die Sozialdemokraten achten das Votum des Souveräns, auch wenn sie den Sauerländer Simpel persönlich nicht ausstehen können. 

Merz bleibt aber laut unserer Verfassung so lange im Amt bis ein anderer Kandidat eine Kanzlermehrheit von mindestens 316 Stimmen erreicht. Aber ohne Neuwahlen wäre das nahezu ausweglos, da derjenige sich nie dem Votum des Volkes stellte – „er/sie stand „nicht auf dem Wahlzettel“. Zudem gab es in der SPD-Fraktion nach dem Mai 2025 schwere Verletzungen durch die CDU (Frauke Brosius-Gersdorf!), die nicht dazu beitragen dürften, erneut einen C-Kanzler zu wählen. Für noch gravierender halte ich die Frustrationen innerhalb der C-Fraktion. Die „Junge Gruppe“ der CDUCSU, bestehend aus 18 Abgeordneten, grollt der eigenen Parteiführung. Eine weitere Gruppe will grundsätzlich nicht mehr mit der SPD koalieren und streckt lieber die Fühler zu den Nazis aus. Hinzu kommen Spahn und seine Getreuen, deren Sinn nach Rache steht.

Ja, es wäre schön, wenn Merz einfach „weg“ wäre. Aber die SPD kann die Koalition nicht aufkündigen, weil es in diesem Bundestag keine andere mögliche Kanzlermehrheit ohne die Nazis gibt.

Bleiben also Neuwahlen, die aber erst Recht keine Option sind, weil alle Umfragen jetzt schon ganz eindeutig die Nazis weit vorn sehen.

Fänden Wahlen auch noch im Zuge einer zweiten frühzeitig gescheiterten Regierungskoalition satt; erst Ampel, dann Kleiko; hätten die Nazis noch viel mehr Munition, um gegen „die Altparteien“ zu hetzen. Sie kämen locker auf über 30%.

Kein vernünftiger Mensch kann sich das wünschen.

Daher bleibt einem Linksgrünversifften wie mir nur eine realistische Option: Ich muss mit geballten Fäusten in der Tasche Merz und seiner Regierung Erfolg wünschen. Eine höchst unangenehme Position, weil ebenso offensichtlich ist, wie grundfalsch die Weichenstellungen von Reiche, Prien und Dobrindt sind.

Nun kann die SPD aber die schwersten CDUCSU-Fehler abwenden und auch einen Teil der Regierungsarbeit gestalten. Hubig und Schneider und Pistorius machen einiges richtig. Zudem wird extrem viel Geld ausgegeben.

Mit viel Phantasie ist als ein kleines Wirtschaftswachstum und eine allgemeine Stimmungsaufhellung vorstellbar.

Der Kanzler selbst bleibt aber ein großer Unsicherheitsfaktor, wie Ulrike Herrmann oder Melanie Aman nicht müde werden, zu betonen.

Selbst wenn die Bundesregierung lernt, sich besser abstimmt, eingroovt, Erfolge vorweisen kann, besteht immer die Möglichkeit, daß der Kanzler (wie bei der Kabinettsumbildung) ganz allein durch seine sagenhafte Unfähigkeit alles wieder zerstört. Er kann es einfach nicht und dadurch wird jeder einzelne Auftritt zu einem enormen Risiko. Die vier besten Wochen hatte die Koalition, als er im Urlaub war.

Nun tritt er bedauerlicherweise wieder öffentlich auf und steuert zielsicher die größten Fettnäpfe an, in die er mit Wonne bauchklatschert.


Einfach schauerlich, wie er bei RTL auf eine Kinderärztin losging.

[…] Merz ist dünnhäutig, herablassend und belehrend. Sein Auftritt bei RTL war an #Fremdscham kaum zu überbieten. Man fragt sich nur noch, wann die CDU ihn stürzt. Bzw. wann die CDU stürzt, da eben nicht nur der Chef dieser Partei das Problem ist. Merz behandelt Bürger am Tisch, als seien sie kleine Kinder, denen er mal ordentlich die Leviten lesen müsse. Seine #Körpersprache: zunächst verschränkte Arme, wenn er trotzig wird. Dann im nächsten Moment den Kopf kiebig nach vorne gelehnt - und los geht die Tirade aus Meckerei und Mimimi.

Merz vollzieht z.B. sehr virtuos das Kunststück, sich in einem Satz zu widersprechen. Er habe angeblich bei der Stadtbilddebatte nicht Migrant:innen gemeint, sondern die „#Verwahrlosung der Innenstädte“. Warum sollen wir dann die Töchter fragen? Weil die Angst vor Müllpapier in der Ecke haben?

Merz habe die #Stadtbild-Debatte nie „an der Hautfarbe festgemacht“, das hätten ihm die #Medien so in den Mund gelegt. Im gleichen Atemzug spricht er dann von einem „erheblichen überdurchschnittlichen Ausländeranteil“ bei der Kriminalität. Halten wir fest: Merz würde seinen #Rassismus nicht mal erkennen, wenn er hupend und blinkend mit Feuerwerk vor ihm stehen würde.

Noch nie gab es das, dass man sich einen #Regierungschef zurück in den Urlaub wünscht. Bei Merz ist das anders. Wie er eine Kinderärztin anblafft, die sich wirklich seit Wochen gegen den Wahnsinn stemmt, den seine #CDU im #Gesundheitswesen anstellt. Wie er dann eine andere Frau am Tisch im RTL-Studio „mansplained“, dass sie quasi keine Ahnung von Kriminalitätszahlen habe.

Merz ist dermaßen abgehoben - er fliegt gefühlt 24/7 sein Privatflugzeug. Aber wie heißt es in der #Fliegerwelt so schön? Runter kommen sie alle mal. […]

(Marc Raschke, 28.08.2026)

 

Und Merz wäre nicht Merz, wenn er es nicht schaffte, seine Grube anschließend noch tiefer auszuheben. 

[….] Der Streit zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der Kinderärztin Bea Merscher endete offenbar nicht vor den Kameras. Schon während der RTL-Sendung "Am Tisch mit Friedrich Merz" waren beide heftig aneinandergeraten. Nach der Aufzeichnung kam es nach Darstellung Merschers zu einer weiteren Konfrontation.  Beim anschließenden Fototermin habe Merz ihr vorgeworfen, ihre Aussagen in der Sendung seien "straffällig" gewesen, erzählte die 39-Jährige der "Bild"-Zeitung. Merscher schlug dem Kanzler demnach dennoch ein weiteres Treffen vor. Seine Reaktion beschreibt sie so: "Er lachte mich aus!"

Merscher ließ nach eigenen Angaben nicht locker. Sie habe Merz darauf hingewiesen, dass sie bald ohnehin in Berlin sei – bei einer von ihr angemeldeten Demonstration in der Nähe des Kanzleramts. Doch auch darauf habe Merz ablehnend reagiert. "Ganz sicher nicht!", soll der Kanzler gesagt haben.

Merschers Darstellung wird von Oliver Bernt gestützt, der ebenfalls an der RTL-Diskussion teilgenommen und Merz dort kritisiert hatte. In einem Instagram-Video bestätigt Bernt die Schilderungen der Ärztin. [….] Merscher nimmt ihre Aussagen nicht zurück. "Zu den Aussagen stehe ich immer noch", sagte sie der "Bild". Merz’ Haltung sei "realitätsfern". Der Kanzler könne ihrer Ansicht nach nicht verstehen, "wie es ist, auf 25 Euro angewiesen zu sein". Ihr Fazit nach dem Aufeinandertreffen fällt entsprechend aus: "Man erwartet nichts und wird trotzdem enttäuscht!"  […]

(T-Online, 29.08.2026)

Was ist Merz nur für ein charakterlicher Totalausfall!

Aber vor allem:  Wie kann er nur nach anderthalb Jahren im Amt und homöopathischen Beliebtheitswerten immer noch nicht kapieren, wie unmöglich er sich öffentlich macht, wenn er auf Schwächere eindrischt und seine Larmoyanz inszeniert? Natürlich FÜHLT er so, aber jeder Politiker, mit einem höheren IQ als Zimmertemperatur, würde sich zusammenreißen und das nicht mehr laut aussprechen! Aber Merz ist nach Lage der Dinge, das Beste, das wir realistischerweise als Kanzler haben können. 

Freitag, 28. August 2026

Wie sich der Blick auf Trump veränderte.

Das gehört zu den Dingen, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann: Vor elf Jahren, als sich Donald Trump um die GOP-Präsidentschaftskandidatur bewarb, hielt man dieses Ansinnen für einen PR-Stunt. 

Der notorische Pleitier und Frauenheld suchte offenbar nach medialer Aufmerksamkeit, um seine Marke „Trump“ noch bekannter zu machen. Er würde aber schnell die Lust verlieren und ohnehin, ob der offensichtlichen Chancenlosigkeit, bald aus dem Vorwahlprozess ausscheiden. Was hatte der pöbelnde Rüpel bar jedes politischen Wissens, schon einem Vollprofi wie Jeb Bush, aus der Doppelpräsidenten-Dynastie, entgegenzusetzen?

Nahezu täglich produzierte er so ungeheuerliche Lügen, Vulgaritäten und Attacken weit unter der Gürtellinie, daß er nun aber wirklich aus dem Rennen ausscheiden müsse. Andere, wie zB John Edwards, hatten schon für viel kleinere Affären ihre Karriere endgültig beenden müssen.

Aber es gab auf der politischen Bühne auch noch nie einen Menschen, der dermaßen selbstverliebt und gleichzeitig so völlig schamlos war. Er blieb einfach und faszinierte durch dieses ostentative Ignorieren aller politischen Gepflogenheiten, immer mehr primitive US-Amerikaner. Nachdem der Favorit Jeb Bush aus dem Rennen ausgeschieden war, erschien seine offizielle Nominierung erstmals möglich. 

  

Ich diskutierte damals mit meine US-amerikanischen Verwandten/Freunden, ob wir Trump oder Cruz mehr hassen, wer beim Wahlvolk unbeliebter wäre und ob der Texaner oder der New Yorker als Präsident gefährlicher wäre.

Damals fürchtete ich mich mehr vor Ted Cruz, hielt ihn für gemeiner, weil er intelligenter als Trump ist.

Potus Trump würde, ähnlich wie GWB, gar nicht so recht verstehen, was vor sich geht, viel urlauben und golfen und als Kasper zu PR-Terminen erscheinen, während die USA eigentlich von den Routiniers des republikanischen Establishments regiert werden würde. Und das müsse gar nicht schlecht sein, betonten konservative Analysten.

Und dann kam der Tag, als der unwahrscheinliche Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl von 2016 satte 2,5 Millionen Stimmen weniger als Hillary Clinton bekam und damit die Wahl gewann.

Trump trat sein Amt genauso unvorbereitet an, wie wir alle es erwartet hatten.

Trump benahm sich genauso schlecht, wie wir alle es erwartet hatten.

Trump war genauso dumm, wie wir alle es erwartet hatten.

Unerwartet war aber das Ausmaß seiner Gefährlichkeit.

Unerwartet war die Instabilität der politischen Institutionen der USA.

Unerwartet war, wie es Trump trotz einer unendliche Kette politischer Peinlichkeiten gelang, auch die selbstbewußtesten Alphamänner der Partei auf Linie zu bringen. 

Die US-Senatoren Rubio, Vance, Graham, Cruz, die sich alle selbst für Präsidentenmaterial halten/hielten und Trump extrem scharf attackiert hatten, krochen schließlich alle in seiner toxischen Flatulenz-Wolke umher und können gar nicht mehr damit aufhören seinen Hintern zu küssen.

Und genauso verbalisiert es Trump hochzufrieden auch öffentlich: They all kiss my ass.

In den folgenden zehn Jahren arbeitete ich mich täglich an Trump ab, überzog ihn mit allen Verwünschungen und Beschimpfungen, die mir verbal zur Verfügung stehen. Unterdessen wurde der gewindelte Geront kontinuierlich immer gefährlicher, vermochte es sogar, in den vier Jahren nach seiner verlorenen Wahl 2020 immer toxischer zu werden, der US-Demokratie immer mehr Schaden zuzufügen.

Spätestens nach dem 20.Januar 2025 dürfte klar sein, daß wir mit Donald Trump den toxischsten Parasiten der menschlichen Zivilisation erleben. Er zerstört alles: Demokratie, Frieden, die Weltgesundheit, das Klima, die Nato, die internationalen Institutionen, das Verhältnis zu den US-Alliierten, das Bildungssystem, die US-Army, ja sogar die Gebäude, Denkmäler, Naturschutzparks bis hin zum Weißen Haus, dessen gesamter Ostflügel niedergerissen wurde.

Mit vier Aspekten kann man Trumps destruktives Verhalten erklären:
Dummheit, Bösartigkeit, Psychose, Senilität.

Auf ihn trifft alles zu; in den letzten zehn Jahren stellte sich nur die Frage, wie stark was davon jeweils sein Handeln bestimmt. Und natürlich, wie man ihn stoppen und zur Rechenschaft ziehen könnte. Man hatte Hoffnungen auf die Demokraten, das Parlament, die Presse, die Impeachments, die Justiz und schließlich die Wähler gesetzt. Alle versagten, alle prallten an dem Teflon-Kriminellen ab.

Nach so langer Zeit, möchte ich heute das ewige Analysieren der Trumpschen Bösartigkeit beenden. Es hat keinen Sinn. Seine fanatischen Jünger mögen seine Borniertheit, seinen Egoismus, seine Lügen nicht erkennen. Aber für jeden Menschen bei Verstand, ist es vollkommen offensichtlich, daß Trump mental nicht geeignet ist, US-Präsident zu sein. Er ist nicht nur eine theoretische Gefahr für die USA und die Welt, nein er setzt sein Zerstörungswerk schon lange in der Praxis um. Darüber kann es keine zwei Meinungen mehr geben.

Ich wäre inzwischen sogar möglicherweise bereit, ihm Strafunmündigkeit einzuräumen, weil er geistig einfach zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Statt Prozessen und Knast, tut es auch eine Gummizelle in einem Pflegeheim.

Das ganz große Drama Amerikas und der Welt, ist für mich nicht mehr die Tatsache, daß Trump amtiert, sondern die Schande der Republikanischen Partei, die ihn über ein Impeachment oder Artikel 25 absetzen könnte und es nicht tut, sondern lieber sehenden Auges, die Nation in die Hölle stürzen lässt.

Donnerstag, 27. August 2026

Militärisches Alptraumszenario

Kriege sind einfach großartig – für die Rüstungsindustrie! Wenn minütlich Munition im Wert von Millionen verschossen wird, klingeln bei den Konzernen die Kassen. Die Trump-Familie und ihre Cronies, die das Insiderwissen schamlos ausnutzen und rechtzeitig entsprechende Aktien kaufen oder sich direkt bestechen lassen, werden märchenhaft reich.

[….] Die 100 weltweit größten Rüstungskonzerne haben 2024 Rekordeinnahmen von 679 Milliarden US-Dollar (etwa 585 Milliarden Euro) verzeichnet. Deren Umsatz aus dem Verkauf von Waffen und militärischen Dienstleistungen sei im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2023 um 5,9 Prozent gestiegen, hieß es in einem am Montag vom schwedischen Friedensforschungsinstitut Sipri veröffentlichten Bericht.

Überdurchschnittlich stark legten demnach die Umsätze der deutschen Rüstungskonzerne zu. Die vier deutschen Unternehmen in der Sipri-Rangliste Rheinmetall, Diehl, ThyssenKrupp Marine Systems und Hensoldt steigerten ihre Einnahmen aus Waffengeschäften um 36 Prozent auf 14,9 Milliarden Dollar (12,9 Milliarden Euro).  […..]

(BR, 01.12.2025)

Nach dem Umsatz-Rekordjahr 2025 gibt es nichts Schöneres, als einen weiteren Krieg, wie dem im Februar 2026 von Bibi und Taco angezettelten Iran-Krieg, den das Mullah-Regime aufgrund der sagenhaften Blödheit Washingtons de facto gewonnen hat.

Für die Menschen, die da lebten, wo all die Waffen einschlagen, ist es nicht ganz so schön.

Wenn die Opfer des Krieges keine weißen Christen sind, interessiert es Deutschland traditionell wenig. Merz und Wadephul machen bis heute keine Anstalten, Israel (wegen Gaza) oder die USA (wegen Iran) zu sanktionieren. Im Gegenteil, die Israelis machten "die Drecksarbeit" für die westlichen Verbündeten, lobte der christliche Fritzekanzler.

Die Ukraine, mit ihren weißen Todesopfern kümmert ihn schon und man darf annehmen, der 70-Jährige Großvater aus dem Sauerland, würde sich auch über lettische, estnische oder litauische Opfer grämen.

Genau das wird leider immer konkreter. Schon seit Jahren wird spekuliert, Putin könne „zu Testzwecken“ einen nordöstlichen NATO-Staat angreifen. Um 2030 wäre er militärisch bereit.

Offenkundig passiert das insbesondere deswegen bisher nicht, weil seine Armee viel stärker, als von ihm erwartet, in der Ukraine gebunden ist. Solange der russisch-ukrainische Krieg „heiß“ ist, sind die NATO-Staaten einigermaßen sicher.

Aus Kreml-Sicht darf aber nicht zu viel Zeit verstreichen, weil Europa aufrüstet und die Gefahr besteht, aber Januar 2029 seine besten Verbündeten zu verlieren: Donald Trump. Potus #48 könnte sich als NATO-treuer und Moskau-kritischer entpuppen. Spinnt man den Gedanken weiter, sollte Putin sein „Baltikum-Experiment“ nicht erst in fünf, sondern in ein bis zwei Jahren starten.

Genau dafür scheint es offenkundig so konkrete Hinweise zu geben, daß der CIA-Chef Radcliffe persönlich nach Moskau flog.

[….] Rätsel um Geheimbesuch: Warum die mysteriöse Moskaureise des CIA-Chefs so brisant ist [….]  Erst US-Präsident Donald Trump plapperte den prominenten Passagier am Mittwoch aus. [….] Doch der Besuch eines CIA-Chefs in der russischen Hauptstadt ist alles andere als Routine. Solche Reisen werden nur in geopolitischen Notlagen unternommen – zuletzt im November 2021, als William Burns, der damalige Direktor, nach Moskau flog, um den Machthaber Wladimir Putin persönlich davor zu warnen, die Ukraine militärisch zu überfallen. [….] Am Mittwochabend meldete  das »Wall Street Journal« schließlich unter Berufung auf informierte Kreise, Ratcliffe habe Russland gewarnt – und zwar vor einem Angriff auf einen Nato-Staat. Zuvor hatte die Zeitung über neue Erkenntnisse der US-Geheimdienste berichtet : Man fürchte, Putin wolle den Zusammenhalt der Allianz »in den nächsten Jahren« mit einer begrenzten Attacke auf ein Mitgliedsland testen. Die Szenarien reichten von einem Cyberangriff bis zur »Landinvasion in kleinem Maße«, »wahrscheinlich« in einem baltischen Staat. [….] Das Horrorszenario eines russischen Angriffs auf die Nato scheint noch weit hin. Doch Trump nahm die Hinweise darauf wohl so ernst, dass er den CIA-Direktor nach Moskau schickte – seine Delegation war die hochrangigste dort seit acht Monaten. [….] Die Lage scheint sich zugespitzt zu haben. »Normalerweise schicken die Amerikaner einen so hochrangigen Beamten nicht unangekündigt kurzfristig nach Moskau, es sei denn, es stimmt etwas nicht«, sagte  John Foreman, Ex-Militärattaché Londons in Moskau, dem Sender Radio 4. Die frühere US-Vizegeheimdienstchefin Beth Sanner malte sich Ratcliffes Botschaft so aus: »Wir wissen, worüber ihr nachdenkt, und ihr lasst es lieber sein«, sagte  sie dem »Wall Street Journal«.[….]

(Marc Pitzke, 27.08.2026)

Ob der Kreml sich vor US-Drohungen fürchtet, darf bezweifelt werden. Denn der Iran-Krieg spielt nicht nur den Rüstungskonzernen in die Hände, die ihre Produktion immer mehr hochfahren und immer mehr verdienen, sondern auch dem Kreml.

Zum Einen lenken der Irankrieg und die Hormus-Krise von Putins Überfall auf die Ukraine ab. Zum Anderen passt es bestens zur Putinschen Erzählung gegenüber des globalen Südens: Nato, EU und die USA wären enorme Heuchler mit ihrer Betonung von Recht und Demokratie. Natürlich verfängt das angesichts der Bilder aus Gaza,  des Raketenhagels auf den Iran und der Präsenz der US-Navy mit ihren vollkommen demoralisierten Seeleuten, die aus Frust über ihre eigene Führung über Bord springen. Der Iran-Krieg stärkt BRICS als Gegengewicht zum Dollar-Raum. Trumps Iran-Abenteuer führte zum atomaren MEKKA-Verteidigungsbündnis (Türkei, Saudi Arabien, Pakistan) in direkter Konkurrenz zur NATO. Noch interessanter für Russland ist aber, wie die parallelen Kriege die westlichen Arsenale leeren.

[….] Das US-Militär leidet in Europa offenbar unter einem »mehr als kritischen« Mangel an Raketenabwehrsystemen, der vor allem auf den Krieg von Präsident Donald Trump gegen Iran zurückzuführen ist. [….] Der US-Verteidigungsbeamte erklärte demnach gegenüber der Nachrichtenagentur, der besorgniserregendste Mangel betreffe vorwiegend Patriot-Abfangraketen, mit denen Russlands ballistische Hochgeschwindigkeitsraketen abgeschossen werden könnten. Der Nato-Beamte habe die geringen Bestände an Patriot-Raketen bei den amerikanischen und Nato-Streitkräften in Europa bestätigt. [….] Für die Nato-Länder in Europa könnte das schwerwiegende Folgen haben. Im Falle eines russischen Raketenangriffs, etwa auf ein Militärhauptquartier oder ein Kraftwerk, könnte sich die Nato in einer ähnlichen Lage wie die mit Patriot-Raketen unterversorgte Ukraine befinden und gezwungen sein, »einen Schlag nach dem anderen einzustecken«, zitiert die AP den US-Verteidigungsbeamten.

Und weiter: In Europa verfüge das US-Militär »definitiv« nicht über genügend Patriot-Raketen, um einen möglichen anhaltenden ballistischen Raketenangriff abzuwehren. [….]

(SPON, 27.08.2026)

Im Internationaler Frühschoppen zum Thema „Trumps Schlingerkurs - Chance oder Risiko für Europa?“ gruselte Christoph Schiltz, der Brüssel-Korrespondent der erzkonservativen WELT,(ab ca Minute 53) in seiner Antwort auf eine Zuschauerfrage mit dem Hinweis, es könne die Situation entstehen, in der simultan China Taiwan angreift und Russland einen Nato-Staat attackiert. In dem Fall wären die USA-Kräfte im Pazifik gebunden und Europa wäre mit runtergelassenen Hosen erwischt, während uns zudem die Munition ausgegangen ist. Die Nato spricht von dem „Two Theater“ Szenario.

[….] NATO’s Nightmare

The U.S. and Europe have no clear plan for a joint attack from Russia and China.

Western military planners do not seem eager to talk about their nightmare scenario, much less prepare for it. But they tend to agree on how it would begin: a coordinated, near-simultaneous attack on opposite sides of the planet, in which Russia targets a NATO member in Eastern Europe while China makes its move against Taiwan. The U.S. military would need to react on two fronts at once—three if it remains at war in the Middle East.

Until recently, this possibility sat at the more outlandish end of the threat spectrum, somewhere between a loose nuke and an alien invasion. Synchronized attacks would require a conspiracy too big for Beijing and Moscow to hide. Satellites would see their forces getting into position, giving the United States and its allies time to rally their defenses.

About a year ago, General Alexus Grynkewich, the top NATO commander in Europe, issued a rare public warning about the risk of a two-front war against Russia and China, and he called on European allies to help the U.S. prepare. But when I asked a range of military experts and strategists what the West would do in such a situation, the responses rang surprisingly hollow. Most of them expressed bewilderment and a bit of shame about how little has been done in recent years to study this risk in detail. [….]

(Simon Shuster, August 17, 2026)

Gäbe es Angriffe auf Litauen und Taiwan, während eine völlig unfähige US-Militärführung sich mit leeren Waffenarsenalen in Nahost mit dem Iran beschäftigt, könnten Putin und Xi sich die einst demokratische Welt bald untereinander aufteilen.