Freitag, 13. März 2026

Meine politische Sehnsucht.

Als Polit-Nerd, der sich klar einer Seite des politischen Spektrums zuordnet, gönnt man dem politischen Gegner nicht gern Erfolge, weil man dadurch meist automatisch schlechter dasteht.

Idealerweise decken sich die Interessen der eigenen Karriere, der Partei und des Landes: Logischerweise, weil man persönlich für die Partei antritt, um das Land zu verbessern.

Dieser Dreiklang kann in der Praxis allerdings weit auseinander gespreizt werden, da es weitere mächtige Player gibt: Lobbyismus, Abhängigkeiten, Koalitionen, Ideologie, Desinformation, Wahlkampf, private Animositäten, globale Faktoren. Dadurch kann eine Interessen-Triage notwendig werden.

Wir, vom linken Spektrum, haben eine klare Reihenfolge: Land vor Partei, Partei vor Person. Politiker rechts der Mitte, machen es genau umgekehrt: Privates Interesse vor Partei, Partei vor Land.

Deswegen sind Grüne und Sozis eher von Altruismus geprägt und müssen mit dem Vorwurf ihrer Basis leben, sich zu verbiegen. Ihre grundsätzliche Anständigkeit bringt sie immer wieder dazu, gegen ihr privates und gegen ihr Partei-Interesse für das große Ganze zu stimmen. Auch bekannt als „staatspolitische Verantwortung“ unter der SPD-Minister derzeit besonders leiden, weil sie so extrem undankbar ist und an den Wahlurnen abgestraft wird. Aber auch Grüne (Schuldenbremse mit der alten Bundestagsmehrheit, um Merz zu helfen) und Linke (Geschäftsordnungsänderung für zweiten Kanzlerwahlgang, um Merz zu helfen) fügen sich auf diese Weise Wunden zu. Sie sind zwar Merz in herzlicher Abneigung verbunden, wägen aber ab, daß eine Verweigerung dem Land noch mehr schaden würde und der AfD Auftrieb gäbe.

Konservative hingegen leiden nie unter dieser Form des Altruismus und sind stets bereit, im Zweifelsfall dem Land schwer zu schaden, bevor sie selbst einmal in den sauren Apfel beißen (Brosius-Gersdorf, Hetze der BaWü-CDU gegen den Wahlsieger Özdemir). Daher sind es auch stets weit überwiegend (Dr.-Titelbetrug) oder gar ausschließlich (Maskenprofite in die eigene Tasche) Konservative, die mit unsauberen amoralischen Taten auffallen.

Konservative können sich Affären, Bestechlichkeit und permanentes Lügen wesentlich besser leisten, als Progressive leisten, weil ihre Wähler ihnen achselzuckend Skandale durchgehen lassen, für die grüne oder rote Parteibasen ihre Vertreter längst in die Wüste geschickt hätten – siehe Andreas Stoch und die Pastete.

[….] Wer verbreitet am meisten falsche Fakten? Markus Söder in peinlichem Ranking dabei

Eine Rangliste zeigt, wer besonders viele Falschnachrichten im Internet verbreitet. Neben Verschwörungsideologen und Extremisten taucht auch Bayerns CSU-Chef Markus Söder darin auf. [….]

(Münchner Abendzeitung, 15. März 2024)

Für den konservativen Christen Markus Söder bleibt es ohne Konsequenzen, einer der größten Lügner in der Politik zu sein. Einen Linken, Grünen oder Sozi-Parteichef mit derartig amoralischer Bilanz, hätte die Parteibasis längst aus dem Amt gefegt.

[….] Seehofer und Söder liefern sich seit Jahren ein fast Comic-haftes Duell, sie umschleichen sich, und in schöner Regelmäßigkeit kommt es zum Zusammenstoß. So wie 2012 bei einer nicht sehr besinnlichen CSU-Weihnachtsfeier. Seehofer attestierte dem abwesenden Finanzminister "charakterliche Schwächen" und einen Hang zu "Schmutzeleien". Söder, sagte er, sei von "Ehrgeiz zerfressen". Sie mögen sich überhaupt nicht, so viel ist klar.  [….]

(SZ, 23.11.2017)

Als Linker muss man mit dem permanenten Nachteil der eigenen Anständigkeit leben. US-Demokraten, GB-Labourpolitiker, SPDler und Grünen schlagen niemals so hart zurück, wie sie von den wesentlich skrupelloseren GOPern, Tories, CDUCSUlern getroffen werden. Deswegen sind die aberwitzigen, grotesken Schmutzkampagne-Vorwürfe der CDU gegen die BaWü-Grünen auch so frustrierend: Als Basis-Mitglied wünscht man sich leider oft, die eigene grüne/linke/Sozi-Partei wäre fähig zu solchen Schmutzkampagnen, die ihnen die CDUler andichten. Aber Schmutzkampagnen sind eindeutig die Kernkompetenz der Konservativen.

Es ist sehr frustrierend, einer 16%-Bundestagspartei anzugehören, die bei der letzten Landtagswahl in BaWü 5,5% der Stimmen gewann.

In absehbarer Zukunft wird es aber keine Änderung der deutschen Rechtsdrift mit breiten absoluten schwarzbraunen Mehrheiten geben. Daher wäre ich als Linksgrünversiffter schon glücklich, wenn ich mich wenigstens inhaltlich mit der konservativen Politik auseinandersetzen könnte:

 Faktenbasiert die konservative Reiche-Wirtschaftspolitik, die Konservative Kanzler-Politik, die konservative Weimer-Kulturpolitik, die konservative Wadephul-Außenpolitik kritisieren und erklären, wieso eine linkere Politik besser wäre. Aber noch nicht einmal das wird mir vergönnt, weil offenbar die gesamte C-Regierungsmannschaft zu verblödet ist, um wenigstens konservative Politik zu machen. Stattdessen fallen sie laufend mit peinlichsten Wissenslücken, Widersprüchen und äußerst plumper Lobbyhörigkeit auf:

-      WAAAAAS? Trump macht Alleingänge und hält sich nicht an Absprachen?

DAS ist neu! Damit konnte der Fritzekanzler wirklich nicht rechnen.  Klar, daß er völlig überrascht ist!

[….] Kanzler überrascht von Trumps Ölsanktionswende

Friedrich Merz hat seine Kritik am Entschluss der USA bekräftigt, die Ölsanktionen gegen Russland zu lockern. Merz berichtete, dass es am Mittwoch eine Videokonferenz der G7-Staaten gegeben habe. »Und sechs von sieben Staaten waren der Meinung, dass wir die Sanktionen nicht lockern sollten«, sagte er.

Offenbar hatten die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan versucht, Donald Trump davon abzuhalten, die Sanktionen zu lockern. Offensichtlich ohne Erfolg. Der Kanzler kündigte an, am Wochenende mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über die Ölsanktionswende der USA sprechen zu wollen.

Merz zeigte sich irritiert über den Alleingang der USA. »Wir waren heute Morgen ein wenig überrascht«, sagte er über die US-Entscheidung, Ölsanktionen gegen Russland befristet auszusetzen. »Russland profitiert davon«, sagte Merz. »Wir sollten mehr Druck auf Russland ausüben.« [….]

(SPON, 13.03.2026)

-      Reiche ist verblüfft von Öl- und Gaspreisanstiegen, die Deutschland dank ihrer Fehlpolitik voll treffen. Daher merzt sie nun den Sachverstand im eigenen Ministerium aus.

[…..] Nach einem SPIEGEL-Bericht über die Durchsuchung von E-Mail-Konten im Bundeswirtschaftsministerium  wächst die Kritik an Amtsinhaberin Katherina Reiche (CDU). »Die Durchsuchungen von Mailpostfächern im BMWE sind Ausdruck eines desaströsen Klimas im Reiche-Ministerium«, sagte Linkenfraktionsvize Janine Wissler dem SPIEGEL. »Das zur Schau gestellte Misstrauen gegenüber den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern reiht sich in eine ganze Serie entsprechender Berichte  ein – und zeichnet ein schlimmes Bild des Arbeitsklimas unter Reiche«, so Wissler weiter.

Sachverstand werde im Reiche-Ministerium offenbar eher als Bedrohung gesehen, wenn es um die Durchsetzung von Lobbyinteressen gehe, kritisierte die Linkenpolitikerin. »Statt die eigenen Leute zu bespitzeln, wären gute Gesetzentwürfe nötig«, sagte sie. Die Ministerin müsse sich etwa zum Ausbau erneuerbarer Energien bekennen sowie eine tragfähige industriepolitische Strategie im Kampf gegen die Krise vorlegen. »Bislang allerdings werden lediglich die fossilen Ideen des Neoliberalismus wieder aufgewärmt – zum Nachteil der Mehrheit der Bevölkerung und, wie es scheint, auch gegen das eigene Personal«, so Wissler. […..]

(SPON, 13.03.2026)

-      Kulturstaatssekretär Weimer hat es sich in Rekordzeit mit der gesamten Kulturszene so verdorben, daß er sich bei kulturellen Ereignissen gar nicht mehr blicken lässt.

[…] Chronik eines Desasters

Ein Kulturstaatsminister, der zur Buchmesse die Buchbranche geschlossen gegen sich aufbringt, hat ein Problem. Und ist selbst eines. Wie es dazu kam. […] Ein Kulturstaatsminister, der auf einer Buchmesse nur pflichtschuldig empfangen wird – das ist in der Vergangenheit schon mal vorgekommen. Doch ein Kulturstaatsminister, der auf dieser Kulturveranstaltung mit solch massiven Protesten rechnen muss, dass er lieber gleich Veranstaltungen absagt und sogar streichen lässt, so wie das Wolfram Weimer bei der Vergabe des Buchhandlungspreises praktiziert – das gab es bislang noch nie.

Es ist ein kulturpolitisches Desaster. Weimer hat es sich voll und ganz selbst zuzuschreiben.  […]

(Dirk Knipphals, 13.03.2026)

-      Ministerin Warken weiß auch 70 Jahre nach der „Suez-Krise“ immer noch nicht, wo dieser politisch bedeutendste Kanal der Erde liegt und glaubt, China wäre durch die Straße von Hormus zu erreichen. In Warkens Kopf liegt China also irgendwo auf irakischem Festland.

[….] Bei Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) klang das so, als sie vom Krieg in Iran sprach: „Wir behalten die Situation im Persischen Golf genau im Blick.“ Es wäre wohl gut gewesen, wenn Warken auch eine Karte in den Blick genommen hätte.  Die Gesundheitsministerin redete in einem Interview darüber, ob trotz des Krieges noch genügend Medikamente nach Europa geliefert werden. „Durch die Straße von Hormus fahren normalerweise auch Schiffe mit Ladungen aus Indien und China, die für die Arzneimittelversorgung und -produktion unverzichtbar sind“, sagte Warken dem Nachrichtenportal Politico. „Durch eine längere Blockade würden sich die Wege um Afrika herum deutlich verlängern, was durchaus zu Verzögerungen und gewissen Preisanhebungen führen kann.“

Das sind kuriose Äußerungen der Ministerin, die in der Gesundheitsbranche mit Verwunderung gelesen wurden. Denn die Handelsroute von Indien und China nach Europa führt gar nicht durch die Straße von Hormus. Die ist gewissermaßen ein Sackbahnhof der Seeschifffahrt. Wer dort hineinfährt, muss auch wieder herausfahren [….]

(Bastian Brinkmann, 11.03.2026)

-      Wadephul verwechselt Kenia und Äthiopien.

[….] Auweia, Herr Wadephul!

Im Rahmen Ihrer Afrikareise posteten Sie online Fakten über Äthiopien und wählten als Hintergrund die zwar sehr schöne, aber halt in Kenia liegende Skyline Nairobis.

Zuerst dachten wir uns nichts bei diesem Lapsus, bis uns einfiel, was noch mal genau Ihr Job ist. Passen Sie also bloß auf, dass Ihnen solche Fehler in Zukunft nicht in heikleren Situationen unterlaufen: Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn der deutsche Außenminister Nordmazedonien und Griechenland verwechselt! Oder die Himmelsrichtungen durcheinanderbringt und Kim Jong-un zur Wiederwahl als südkoreanischer Ministerpräsident gratuliert. Oder welche politischen Verwerfungen Sie auslösen könnten, indem Sie in einem unbedachten

Moment aus Versehen Franken und Bayern durcheinanderbringen!

Glaubt, dass das Ihr politisches Aus bedeuten würde: [….]

(Titanic 3/2026)

-Wadephul kennt nicht die Reisewarnungen seines eigenen Ministeriums.

[….] Minister Ahnungslos. Zehntausende Deutsche sind wegen des Irankriegs gestrandet, sie hoffen auf Hilfe der Bundesregierung. Doch Außenminister Johann Wadephul kennt nicht einmal die Empfehlungen der eigenen Beamten.

Johann Wadephul ist das Gesicht der Bundesregierung in den Medien, wenn es um Aufklärung über den USA-Israel-Iran-Krieg geht. Und er weiß eigentlich, was von einem Außenminister in Zeiten wie diesen erwartet wird: Orientierung in der Krise, Verlässlichkeit im Wort, Schutz der eigenen Bürger im Ausland.

Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf Iran aber erlebt das Land einen Minister, der die falschen Signale sendet: Ungeduld statt Souveränität, Rechthaberei statt Ausgleich.

Als klar wurde, dass mehr als 30.000 Deutsche in der Region rund um Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate festsitzen – in Hotels, an Flughäfen, teils auch auf Kreuzfahrtschiffen –, füllten sich die sozialen Medien mit Videos von Menschen, die plötzlich mit einer neuen Wirklichkeit konfrontiert waren: explodierende Drohnen am Urlaubshimmel, gestrichene Verbindungen.

Wadephul hätte die Botschaft aussenden müssen: Wir kümmern uns um euch. Stattdessen wirkte er genervt.

Sein Signal war ein anderes: Wer trotz »formeller Reisewarnung« des Auswärtigen Amts in ein Land reist, muss die Konsequenzen selbst tragen. Der deutsche Staat kann da nicht helfen, die Tourismusunternehmen sind gefragt. Urlauber können dann etwa bereits gebuchte Reisen stornieren.

[….] Das Problem an Wadephuls Botschaft, von der er auch auf hartnäckige Fragen der »heute-journal«-Moderatorin Marietta Slomka nicht abwich: Es gab die formelle Reisewarnung gar nicht. Jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt, als die Urlauber sich auf den Weg machten. Es gibt sie erst seit dem Tag des Angriffs der Amerikaner und Israelis auf Iran, also seit dem 28. Februar 2026 auch für die Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai gehört.

Die Deutschen in Dubai haben also das Recht, sich an ihre Regierung zu wenden und um Hilfe zu bitten, niemand hat unverantwortlich gehandelt. Nicht die Anbieter von Pauschalreisen, nicht die Individualtouristen.

Nur das Auswärtige Amt. Wadephul musste sich auf X entschuldigen: »Ich bedaure den Irrtum im ›heute-journal‹ gestern.« [….]

(Swantje Karich, 03.03.2026)

Dabei wissen wir es doch längst: Das Merz-Kabinett bildet die mit Abstand schlechteste Bundesregierung aller Zeiten. Es gibt wirklich keinen Grund, das täglich von allen C-Ministern auf’s Neue untermauern zu müssen!

Wie soll man sich inhaltlich mit den Konservativen auseinandersetzen, wenn diese intellektuell derartig überfordert sind, daß sie gar nicht erst dazu kommen, konservative Politik zu machen?

Donnerstag, 12. März 2026

Schatten aus der Vergangenheit

Atheist war ich von Geburt an, weil jeder Mensch als Atheist geboren wird.

Die lokale religiöse Ideeologie wird Kindern erst durch ihre Eltern aufgezwungen.

Kinder, die zufällig im Oman oder Saudi-Arabien geboren werden, macht man zu Muslimen. Malteser oder Philippinos zu Katholiken und wer das Licht der Welt in einer israelischen Siedlung im Westjordanland erblickt, wird als orthodoxer Jude gelistet. Es handelt sich um religiöse Zwangsrekrutierungen. Diesen Mitgliedschaften entkommt man nicht so leicht. Eine Taufe ist genauso wenig rückgängig zu machen, wie eine Genitalverstümmelung.

Ich hatte das Glück, nach meiner Geburt Atheist zu bleiben, weil meine Eltern schon Atheisten waren, die mich nicht taufen ließen.

Im Laufe meines Lebens, kam es zu einigen Eskalationsstufen, die mich in radikale Opposition zu Christentum und Kirche brachten.

Skeptisch wurde ich schon als kleineres Kind, weil ich meine Oma sehr liebte, die aber eine verkrümmte linke Hand hatte, weil sie als Linkshänderin als kleines Mädchen von den Pfaffen immer wieder Stockhiebe auf die Finger erhielt. Man wollte ihr die teuflische Linkshändigkeit austreiben. Der Teufel ist links.

Etwa 14 Jahre nach der Geburt zündete die nächste Stufe, als ich den Konfirmandenunterricht besuchte, der mir von Mitschülern als perfekte Geldquelle angepriesen wurde. Ein paar Wochen Langweile nachmittags beim Pfaff und dann dicke Geld-Umschläge bei der Konfirmation. Ein auch Ungetauften zugänglicher Weg; da man bei der Konfirmation auch unmittelbar vorher noch getauft werden können – alles in einem Abwasch.

(….) Ich wollte wissen was es mit der Bibel und dem Glauben auf sich hatte, konnte mir aber kein Gehör verschaffen, weil allen anderen Konfirmanden schon ab der ersten Stunde ausschließliche diskutierten wie sie ihre zukünftigen Reichtümer, die es zur Konfirmation hageln würde, zu verprassen gedächten.

Der Lehrer war desinteressiert, die Schüler waren desinteressiert.

Der einzige, der sich tatsächlich für die Kirche und ihre Bedeutung interessierte war ich. Und ich fragte.  Das gefiel dem Gemeindehelfer gar nicht. Ich solle an Gott glauben und ihn nicht hinterfragen.

Einige Wochen später erhielt meine Mutter einen Anruf von Pfarrer M. Ihr Sohn sei für den Konfirmandenunterricht ungeeignet, weil er alles hinterfrage.

So schnell kam also das „Aus“ für meine Kirchenkarriere.

Immerhin hatte der Pastor damals eine richtige Eingebung.

Ich tauge wirklich nicht dazu blind Dogmen zu folgen. (…)

(Es soll halt nicht sein, 13.07.2016)

Wenige Jahre später; so etwa im Oberstufen-Alter traten ein halbes Dutzend hochgradig abstoßende katholische Top-Kleriker in mein Leben, die mir den politischen Aspekt der Religion nahebrachten. Ich lernte die ungeheuren Privilegien der Kirchisten kennen, ihre Finanzströme, den exklusiven Zugang zu Regierungen, die massive Einmischung auf Bildungs- und Gesundheitssysteme, ihre homophobe, misogyne Propagandamacht. Ich begann, mein Umfeld darüber aufzuklären, wieso der Staat als Inkassounternehmen die Kirchenmitgliedsbeiträge eintreibt und wir Steuerzahler Bischofsgehälter und Theologenausbildung finanzieren. Meine Kronzeugen und Posterboys waren der Kurt Krenn (1936-2014), Hans Hermann Groër (1919-2003), Johannes Dyba (1929-2000), Johannes Joachim Degenhardt (1936-2002), Joseph Höffner (1906-1987) und Walter Mixa (*1941).

Mixa

(….) Viel Aufklärung erfuhr ich in der Prä-Wendezeit, als Lea Rosh ihre legendären monothematischen „Freitagsnacht“-Talkshows zum Thema Kirche machte.

Da lernte man drei Menschen wirklich kräftig zu hassen: Den stets bis zum Bersten vollgefressenen, immer breitbeinig im Sessel rumlümmelnden Weibischof Krenn, die ZdK-Aktivistin Rita Waschbüsch (CDU) und eben jene evangelische Fundamentalistin Elisabeth Motschmann, geborene Elisabeth Charlotte Baronesse von Düsterlohe.

Die Theologin ist Mitglied des Kuratoriums der Lebensrechtsbewegung „Stiftung Ja zum Leben“ und agitiert leidenschaftlich gegen sexuelle Selbstbestimmung, Feminismus und selbstverständlich auch die Homoehe.

Wer sich schon in einem ähnlich greisen Alter wie ich befindet, wird sich vermutlich an die ersten monothematischen Talkshows erinnern, die es in den deutschen dritten Fernsehprogrammen gab.
Meiner Ansicht nach sind die besten religionskritischen Sendungen überhaupt Lea Roshs „Freitagnacht“-Ausgaben (ab 1988 auf SFB) gewesen.
Interessanterweise übernahmen den Part der Kirchen-Basher die Religiösen selbst, die in ihrem bräsigen Allmachtswahn gar nicht merkten, wie sie sich lächerlich machten.  Damals lernte ich Medienikonen wie Kurt Krenn kennen.


Für immer in Erinnerung wird mir bleiben, daß sich Jutta Dithfurth einst zurücklehnte und sinngemäß sagte:

 „Lieber Bischof, so wie sie reden fügen sie der Kirche schweren Schaden zu und vertreiben die Mitglieder. Ich möchte dazu gar nichts weiter sagen, da mir das sehr recht ist!"

 
Eine besonders oft auftauchende Gästin war eine damals phänotypisch 79-Jährige verhärmte Hardcore-Protestantin namens Elisabeth Motschmann mit Topffrisur und Sprachfehler.(….)
(Zurück in die Vergangenheit, 10.05.2015)

Die nächste Eskalationsstufen erfolgte 2002, als das, was sehr gut informierte Kirchenkritiker immer wußten (Kardinal Groërs sexuelle Attacken auf kleine Jungs waren seit 1995 publik) schließlich aus den USA auf die Titelzeilen drang.

[….] 2002 machte der „Boston Globe“ öffentlich, dass im Erzbistum Boston Tausende Kinder und Jugendliche missbraucht worden waren, allein gegen einen Priester lagen 200 Beschuldigungen vor. Die Bistumsleitung hatte die Geistlichen versetzt und versucht, Gerichtsakten unter Verschluss zu halten. Der Erzbischof von Boston trat 2002 zurück. 2009 veröffentlichte Irlands Regierung einen Bericht über sexualisierte Gewalt in katholischen Einrichtungen.  [….]

(DLF, 16.01.2020)

Die evangelischen und katholischen Bischöfe in Deutschland schwiegen und vertuschten weiterhin. Bis sie 2010 von den Canisius-Enthüllungen aufgeschreckt wurden und seither jedes deutsche Bistum als K1nders€x-El Dorado entlarvt wurde.

Anders als deutsche Bischöfe, hatte ich das Thema schon lange vor 2010 stets auf dem Schirm. Nicht durch Undercover-Recherche, sondern aus allgemein zugänglichen Quellen. Man konnte längst alles wissen, aber die Kleriker taten alles, um die K!d€rf!ck€r in ihren Reihen zu schützen, die Opfer weiter zu malträtieren.

(…..) In einem Interview hatte Bischof Bernardo Álvarez Afonso Homosexualität und Päderastie gleichgestellt und behauptet, dass Minderjährige nicht immer schuldlos an sexuellem Missbrauch seien:

"ES GIBT13-JÄHRIGE KNABEN, DIE DAS SOGAR WÜNSCHEN
WENN DU NICHT AUFPASST, PROVOZIEREN SIE DICH."

Das sind die Töne, die immer aggressiver werden und bei einer Massendemo von über 100.000 Katholiken gegen die sozialistische Regierung letzten Sonntag in Madrid zu hören waren. Schließlich sind Spaniens Katholiken fest in der Hand von ultrafundamentalistischen Theo-Cons um den einflussreichen Erzbischof von Madrid, Antonio María Rouco Varela.

Wir kennen das ja auch von deutschen Kardinälen:
Wenn Katholiken pädophil sind und kleine Kinder mißbrauchen sind nicht etwa sie selbst schuld sondern nach katholischer Lesart entweder die Opfer selbst, oder deren Mütter - wie es Kardinal Degenhardt erkannte:

„WENN JUNGE MÄNNER STÄRKER MIT DER PFLEGE VON KLEINKINDERN BETRAUT SIND UND DABEI NACKTE ENTBLÖSSTE KÖRPER STÄNDIG SEHEN; SIE BERÜHREN UND SAUBER MACHEN MÜSSEN, IST DIE GEFAHR GROSS, DASS SIE BEGIERDEN NICHT WIDERSTEHEN KÖNNEN. DER VIELE KÖRPERKONTAKT MIT DEM JUNGEN KINDE BEI DER PFLEGE WÜRDE IHNEN SICHER OFT ZUM VERHÄNGNIS WERDEN.
UND DESWEGEN STELLEN WIR FEST; DASS AUCH DIESE KONSEQUENZ; DASS VÄTER HAUSMÄNNER WERDEN, AUCH NEGATIVE ASPEKTE HAT!“  (…)

(Tammox, 07.01.2008)

(….)  Der berüchtigte Kardinal Groer konnte sich bekanntlich in seine Senilität flüchten, als er hoch in den 80ern sogar krebskranken Jungs im Krankenhaus in die Unterhosen griff.   Fällt die Option „Alzheimer“ als Entschuldigung aus, sind katholische Pädophile keineswegs genötigt Reue zu zeigen oder gar ehrlich zu sein.
Nein, dann kann immer noch bagatellisiert und verharmlost werden, wie es Bischof Krenn tat, als in seinem Priesterseminar 40.000 Pornodateien gefunden wurden und Bilder auftauchten auf denen zu sehen war, wie die angehenden Priester in prä-petting’schen Stellungen mit ihren Lehrern posierten.
Krenn bewertete dies als „Bubenstreiche“.
Bernardo Álvarez Afonso und Kardinal Degenhardt
wiesen die Schuld gleich den Opfern oder deren Müttern zu.
Verfolgt man den Blog „abusetracker“ sieht man, daß auch heute keinerlei Dreistheit gescheut wird, wenn Priester ihre Taten erklären.
Soeben erklärte der bereits fünfmal wegen pädophiler Übergriffe auf kleine Jungs angeklagte Priester Desmond Laurence Gannon in Melbourne, er habe einem 11-Jährigen nur ein paar „Anatomie-Stunden“ geben wollen, als er ihn wieder und wieder belästigte: (…)

(Tatmuster, 13.06.2009)

Wenn Katholiken pädophil sind und kleine Kinder mißbrauchen sind nicht etwa sie, die Täter, schuld, sondern nach katholischer Lesart entweder die Opfer, oder deren Mütter - wie es Kardinal Degenhardt erkannte:

[…] „Junge Frauen sind gleichberechtigt und fordern eine Beteiligung ihrer Männer an der häuslichen Tätigkeit ... Und da liegen die Gefahren für junge Männer, ... daß sie ihren Trieben nachher nicht mehr standhalten können. Wenn junge Männer stärker mit der Pflege von Kleinkindern betraut sind und dabei nackte, entblößte Körper ständig sehen, sie berühren und saubermachen müssen, ist die Gefahr groß, daß sie ihren Begierden nicht widerstehen können. Der viele Körperkontakt mit dem Kind bei der Pflege würde ihnen sicher oft zum Verhängnis werden. Und deswegen stellen wir fest, daß auch diese Konsequenz, daß viele Väter Hausmänner werden, auch negative Aspekte haben kann.“  […..]

(Kardinal Degenhardt 1994)

 Kaum ein deutscher Kleriker war so beliebt - ich zitiere Wikipedia über die Trauerfeier Degenhardts.

 Die Beisetzung im Hohen Dom zu Paderborn fand am 3. August 2002 in Anwesenheit von neun Kardinälen (Henrik Gulbinowicz (Breslau), Karl Lehmann (Mainz), Franticzek Macharski (Krakau), Joachim Meisner (Köln), Joseph Ratzinger (Rom), Leo Scheffczyk (München), Adrianus Simonis (Utrecht), Georg Sterzinsky (Berlin) und Friedrich Wetter (München)), über 60 (Erz-)bischöfen aus aller Welt und zahlreichen staatlichen Gästen statt. Allein der Einzug der zahlreichen Würdenträger in den Hohen Dom dauerte 20 Minuten.   Den größten Beisetzungsfeierlichkeiten, die Paderborn je in seiner Geschichte erlebt hat, stand als Legat von Papst Johannes Paul II. Joseph Kardinal Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., vor, kurz bevor dieser Dekan des Kardinalskollegiums wurde (27. November 2002). Eine unübersehbare Zahl von Gläubigen gab Degenhardt in dem vom Fernsehen live übertragenen Pontifikalrequiem das letzte Geleit. …

32 Jahre, nachdem ich das Degenhardt-Zitat aus dem SPIEGEL ausgeschnitten und an meine Küchenwand gepinnt hatte, holt es die RKK doch noch ein.

[….] Reinhold Harnisch, 1955 in Paderborn geboren, wurde laut eigenen Angaben über vier Jahre lang vom damaligen Leiter des Domchores, Walter Salmen, missbraucht. In der Krypta des Doms, »nahezu täglich« und »in jeder nur erdenklichen Weise«, wie er im Gespräch mit dem SPIEGEL sagt. Sein Fall fand anonymisiert Eingang in die Studie.  Die Übergriffe ereigneten sich demnach zwischen 1964 und 1967 – da war Harnisch neun, zehn, elf und zwölf Jahre alt. Seine Schilderungen, wie Sexualstraftaten im Erzbistum mutmaßlich verschwiegen und vertuscht wurden, sind erschütternd.

»Die Kirche hat meine Vorwürfe über Jahrzehnte abgestritten und verleugnet«, sagt Harnisch. Erzbischof Jaeger und sein Nachfolger Degenhardt hätten während ihrer Amtszeiten strikte Order gegeben, Missbrauchsfälle zu vertuschen. »Ich wurde von Priestern bedroht, man warnte mich, dass ich zu schweigen habe«, erinnert sich Harnisch.

»Wenn du Schweinereien gemacht hast, kommst du ins Heim«

Degenhardt selbst habe ihm in einem Gespräch gesagt, dass er »das personifizierte Böse« sei und nicht in seine Kirche gehöre. Ein Geistlicher aus dem Erzbistum habe ihm geraten, die Füße stillzuhalten: »Lassen Sie es, der Bischof würde Sie vernichten.«  [….]

(Annette Langer, 12.03.2026)

32 Jahre nach den ungeheuerlichen und öffentlichen Degenhardt-Worten zur Kinderpflege, hat nun auch sein Erzbistum, die reichste deutsche Diözese Paderborn, noch mal nachgeforscht. ÜBERRRASCHUNG, der beliebte Kardinal vergewaltigte mutmaßlich auch selbst kleine Jungs.

[…] Eine Studie deckt Missbrauchsfälle aus den Jahren 1941 bis 2002 auf. Mehr als 200 Geistliche haben sich an 489 Opfern vergangen. Der Sprecher einer Betroffenenvertretung äußerte den Vorwurf, dass ein ehemaliger Erzbischof mutmaßlich sexualisierte Gewalt einem minderjährigen Jungen angetan habe. […] Priesching bei der Pressekonferenz ein Interview mit einem Betroffenen schildert, wird es still. Sie erzählt, dass ein Betroffener ihr in einem Interview sagte, dass er anfing zu weinen und zu schreien, als ein Geistlicher vor ihm mastubierte. […] Die Zahlen der Betroffenen und Tätern ist deutlich höher als bisher angenommen. In der Zeit von 1941 bis 2002 gibt es Hinweise auf 210 Geistliche die sich an Kindern vergangen haben. 489 Missbrauchsopfer konnte die Studie ausmachen. "Das Dunkelfeld dürfte aber nochmal größer sein", sagt Priesching, weil sich wahrscheinlich nicht alle bei ihnen gemeldet haben.

Für die Studie hatten die Forschenden uneingeschränkten Zugang zu Kirchenakten und haben zahlreiche Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und kirchlichen Mitarbeitern geführt. In der Studie wurden die Namen der Täter anonymisiert.

Dass es in den Amtszeiten von Jäger und Degenhardt oft gar nicht erst zur Strafverfolgung gekommen ist, liege laut den Wissenschaftlerinnen nicht nur an untätigen Erzbischöfen. Die Kinder hätten oft gar nicht begriffen, was mit ihnen passiert sei und ihnen wurde wohl auch oft nicht geglaubt. […]

Es habe zwar zahlreiche Meldungen an die Erzbischöfe Jäger und Degenhardt gegeben. Die Geistlichen seien allerdings nur innerkirchlich bestraft worden, zum Beispiel durch Versetzungen. Degenhardt hätte außerdem oft Druck auf Betroffene und Familien ausgeübt, um Anzeigen zu verhindern. "Diese Vertuschungsspirale sorgte dafür, dass Täter ungestraft weitermachen konnten", sagt Priesching weiter. […] Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, hatte vor Veröffentlichung der Studie gegenüber dem WDR mitgeteilt, dass es laut ihm weitere Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Degenhardt gäbe. Schon mehrmals wurden Vorwürfe gegen Degenhardt erhoben. Diese wurden im Oktober 2025 von externen Sachverständigen als nicht plausibel eingeordnet.  […]

(WDR, 12.03.2026)

Mittwoch, 11. März 2026

Framing aus der Hölle

Was so richtig nervt ist, wenn Vereine es schaffen, die für sie typischen Missetaten, anderen aufzuframen.

Ausgerechnet die CDU, deren Kernkompetenz die Schmutzkampagne ist – „Rote Socken“, „Heizungshammer“, „Kinder statt Inder“, „Drei Exfrauen können nicht irren“, „ Grüne Verbotspartei“ – jammert und jammert, sie sei in Baden Württemberg Opfer einer Schmutzkampagne geworden.

Konservative Christen sind es auch, die maßgeblich die Kriegstreiber und Kinderkiller Putin und Trump unterstützen, sich dabei selbst aber hartnäckig als „Lebensschützer“ oder „Pro Life“ framen, während sie für mehr Tote sorgen.  Was für eine sagenhafte Unverschämtheit!

(….) Die US-Frauenunterdrücker haben schon vor Jahrzehnten einen enormen PR-Erfolg erzielt, als sie die Labelung der beiden politischen Positionen als „pro Life“ und „pro Choice“ einführten. Das klingt für jeden so, als ob die „Pro-Life“-Fraktion – zu Deutsch „Lebensschützer“ – vorrangig Abtreibungen minimieren und mehr Embryos zu Babys werden lassen würden.

Genau das ist aber falsch!    200 Jahre Erfahrungen in aller Welt zeigen ganz klar, daß die Abtreibungszahlen genau da drastisch runtergehen, wo ein liberales Recht herrscht, Frauen also gerade NICHT strafrechtlich unter Druck gesetzt werden.

Alice Schwarzer, die in den letzten Jahren immer merkwürdiger wird, stellte im jüngsten Spiegel in einem zum 50. Jahrestag des STERN-Covers „Wir haben abgetrieben“ Tripel-Interview mit Silvia Kontos (Soziologin) und Molli Hiesinger (Studiendirektorin), einige Fakten klar, die Spahn, „Christdemokraten für das Leben“, Trump („There hast o be a punishment“), Lebensschützer und sonstige militante Abtreibungsgegner vielleicht sogar kennen, aber in ihrer perfiden Scheinheiligkeit ignorieren.

[……]  Kontos: Ich lag 1965 auf so einem Küchentisch. [……]  Am Ende bin ich wirklich bei einer Engelmacherin auf dem Küchentisch gelandet. Die Frau hatte zum Glück eine Abmachung mit einem niedergelassenen Arzt, zu dem man gehen konnte, wenn die Blutung eingeleitet war. Es war die demütigendste Erfahrung, die ich in meinem Leben gemacht habe. Und natürlich haben beide ordentlich die Hand aufgehalten. [……]

Hiesinger: Der Tabubruch war auch deshalb so riesig, weil es nicht nur um Abtreibung ging. Es ging um Sexualität. Die beteiligten Frauen bekannten sich öffentlich dazu, abgetrieben zu haben, und gleichzeitig dazu, eine selbstbestimmte Sexualität zu leben.[……]

Schwarzer: Seriöse Schätzungen gingen für die Bundesrepublik 1971 von einer Million Abtreibungen im Jahr aus. Heute haben wir in Gesamtdeutschland ungefähr 100.000 Abtreibungen. [……]  Wir werden weiterhin beschimpft, von der katholischen Kirche und von Reaktionären. Aber niemand hat so für die Abnahme der Abtreibungen gesorgt wie die Feministinnen.   [……] Frauen sind aufgeklärter geworden: Sie haben gelernt zu verhüten. Frauen sind selbstbewusster geworden, auch sexuell: Sie tun im besten Fall nur das, was sie auch selber möchten. Frauen sind eigenständiger geworden: Sie haben ihr eigenes Geld. Die Folge: Frauen heute haben ein sehr viel geringeres Risiko, ungewollt schwanger zu werden als früher. Die ungewollte Schwangerschaft ist ja der einzige Grund, warum Frauen abtreiben – in allen Zeiten, in allen Ländern, unter allen Umständen, selbst wenn ihnen dafür die Todesstrafe droht. Eine ungewollt schwangere Frau treibt ab. Es geht beim Recht auf Abtreibung ja nicht darum, ob man abtreibt, sondern nur darum, wie man abtreibt: ob gedemütigt, entmündigt und in Lebensgefahr – oder selbstbestimmt und mit medizinischer Hilfe. [……]

Schwarzer: Der Kern des Abtreibungsverbots ist leider erhalten geblieben: Das ist die Entmündigung der Frauen. In Deutschland haben wir eine absurde rechtliche Konstruktion: Abtreibung ist formal rechtswidrig, wird aber bis zur zwölften Woche nicht bestraft. Wenn eine Frau abtreiben will, muss sie die Bescheinigung eines Experten vorlegen. Das heißt, sie darf nicht selbst entscheiden. Keine Frau darf sagen: Ich treibe ab, und die Gründe gehen euch einen feuchten Kehricht an. [……]

Schwarzer: Selbst katholische Länder wie Irland, Italien, Frankreich haben heute eine uneingeschränkte Fristenlösung. Was ist hier eigentlich los? [……]

SPIEGEL: In Deutschland gehören Abtreibungen nicht zur medizinischen Grundausbildung und werden auch in der Facharztausbildung nicht explizit gelehrt. Ein Fehler?

Schwarzer: Verrückt! Dazu kommt, dass Ärzte nach ihrer Ausbildung im Namen ihrer persönlichen Überzeugung das Recht haben, Abtreibungen zu verweigern.

Kontos: Das ist unterlassene Hilfeleistung. [……]

(SPIEGEL, 05.06.2021)

Was für eine Ungeheuerlichkeit, daß im Jahr 2021 Frauen rechtlich als so minderbemittelt angesehen werden, daß der Staat ihnen keine selbstständige Entscheidung zutraut, sie dazu zwingt sich von (zumeist kirchlichen Stellen) beraten zu lassen und Ärzte noch nicht einmal über den medizinischen Vorgang informieren dürfen.

Das Ganze auch noch wohlwissend, daß der juristische Druck auf Frauen in so einer Situation zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen führt, weil sie eben NICHT frei entscheiden können, sondern für den Fall, daß sie kein Kind wollen rechtzeitig anfangen müssen sich um Beratungen und Behördengespräche zu kümmern.  Absurd, perfide, ewiggestrig und heuchlerisch (….)

(Ohne Uterus über Leute mit Uterus befinden, 09.06.2021)

Auch Kriege werden geführt, weil Christen es wollen.


Trump, der gleich in den ersten Iran-Kriegstagen 165 kleine Mädchen einer Grundschule in Minab killte, wurde bereits durch das Ende von USAID zum Massenmörder. 200.000 Kinder getötet durch einen Federstrichs Trumps. So gefällt es den selbst ernannten PRO-LIVE-Lebensschützer-Christen, die sich für Trump begeistern. So will es ihr Gott.

Die Lebensschützer, ProLifer der USA, die sich im Heiligen Eifer gynäkologische Eingriffe verbieten, sorgen für immer mehr elend verblutende Schwangere, denen medizinische Hilfe verweigert wird.

[….]  Mindestens fünf Schwangere sind in den USA gestorben, weil sie in Bundesstaaten lebten, in denen besonders strenge Abtreibungsgesetze herrschen. Die Ärzte verweigerten offenbar eine angemessene Behandlung als es Komplikationen gab.

Ihre zwei kleinen Söhne und ihr Mann Hope Ngumezi trauern um Porsha Ngumezi, 35 Jahre alt. Sie freute sich auf ihr drittes Kind, ihr Mann hoffte schon auf eine Tochter. Noch vor der ersten ärztlichen Kontrolle begann die Schwangere zu bluten. Sie suchte Hilfe bei der Notfallaufnahme eines Spitals in der texanischen Millionenstadt Houston. Dort wurden die Blutungen stärker.

Ein Tod, der sehr einfach zu vermeiden gewesen wäre. Zu diesem Schluss kommt Pro Publica, eine gemeinnützige Journalismus-Organisation, die den Leidensweg von Porsha Ngumezi minutiös aufarbeitete und von mehreren Fachärztinnen und -ärzten beurteilen ließ. Es ist bereits die fünfte Tragödie dieser Art, die Pro Publica in einer Serie über die Folgen der Aufhebung des Rechts auf Abtreibung dokumentiert. Alle fünf Frauen lebten in Staaten mit strengen Abtreibungsverboten und erlitten Komplikationen während der Schwangerschaft. Allen fünf Frauen hätte ein Routineeingriff geholfen, der ihnen verweigert wurde.

Drei Frauen in Texas und zwei Frauen in Georgia haben demnach mit dem Leben dafür bezahlt, dass das Oberste Gericht des Landes 2022 die frühere Rechtsprechung des Supreme Court umstieß und dabei das nationale Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch aufhob. Seitdem kann jeder US-Bundesstaat Abtreibungen selbst regulieren; in 13 sind sie inzwischen verboten. Darunter ist Texas, dessen Gesetz selbst für Opfer von Vergewaltigung und Inzest keine Ausnahme macht. [….]

(Fabian Fellmann, 05.12.2024)

Da insbesondere mehr schwarze Frauen sterben, feiern sich die Lebensschützer-Christen in den USA.

[…] Frauen in US-Staaten mit Abtreibungsverbot haben ein fast doppelt so hohes Risiko, während der Schwangerschaft oder Geburt zu sterben. Besonders betroffen sind Schwarze. Ein Überblick.

Seit dem 1. Januar 2025 leben in den USA rund 62,7 Millionen Frauen und Mädchen in Bundesstaaten, die Abtreibungen verboten haben.

Eine Analyse der Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC von 2019 bis 2023 durch das Gender Equity Policy Institute (GEPI) zeigt nun: Frauen in diesen Staaten haben ein deutlich höheres Risiko, während der Schwangerschaft, Geburt oder kurz nach der Entbindung zu sterben, verglichen mit Frauen in Staaten, in denen Abtreibungen legal und zugänglich sind.

Das Sterberisiko für Mütter ist in Staaten mit Abtreibungsverbot ist demnach fast doppelt so hoch. In Louisiana ist die Wahrscheinlichkeit sogar dreimal höher als in Staaten, die den Zugang zu Abtreibungen unterstützen.  [….]

(Marcel Kunzmann, 24.04.2025)

Eine weitere Möglichkeit Menschen durch seinen Glauben und sein Gottvertrauen zu töten, besteht in der fanatischen Wissenschaftsfeindlichkeit der Prolifer/Lebensschützer.

[….] Religiöser Wahn statt Arzt: Eltern lassen 21-jährige Tochter mit Down-Syndrom sterben[….] Es ist ein durchaus hartes Urteil, aber die Verurteilten nehmen es scheinbar ungerührt entgegen: Das Landgericht in Frankfurt verurteilte am Dienstagnachmittag (3. März) wegen Totschlags durch Unterlassen einen 64 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs und seine gleichaltrige Ehefrau zu einer von sechseinhalb Jahren. Die 32 Jahre alte Tochter der beiden wird wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. [….] Nach Überzeugung der Kammer waren die Eltern für den Tod ihrer 21 Jahre alten Tochter im Oktober 2016 verantwortlich. Sie hatten die Tochter, die das Down-Syndrom hatte und an Diabetes und anderen Krankheiten litt, jahrelang in dem gemeinsam bewohnten Haus in Ehringshausen im Lahn-Dill-Kreis gepflegt [….] Beide sind Mitglieder einer evangelikalen Freikirche und haben wohl selbst dafür recht unorthodoxe Ansichten. In dem ansonsten total vermüllten Haus fanden sich Riesenvorräte an abgepacktem Trinkwasser – wofür auch immer – sowie Videofilme eines afrikanischen Wunderheilers. Offenbar glaubten sie, dass ihre Tochter wenn nicht medizinisch, dann vielleicht spirituell geheilt werden könne.

Nachbarn hatten den Vater nachts manchmal dabei beobachtet, wie er „betend, tanzend und singend“ durch das Haus gelaufen sei. Die Mutter glaubte wohl, die Trisomie 21 ihrer Tochter sei „eine Strafe Gotts für die Sünden ihrer Ahnen“ – einer ihrer Vorfahren war offenbar Freimaurer. [….] (Steffen Behr, 10.03.2026)

Tod durch Lebensschutz. Framing aus der Hölle.