Das ist ja unerhört, tobt Trump im Weißen Haus. Da
beleidigt, bedroht, beschimpft und erpresst man die doofen NATO-Idioten in
Europa jahrelang und dann wollen sie auf Zuruf nicht sofort aufspringen, um
einen den Hintern zu küssen!
[…..] Donald Trump macht in dieser dritten Woche
seines Kriegs gegen Iran eine banale Erfahrung. Wer über Monate seine
Verbündeten beschimpft, sie bedroht und lächerlich macht, wer geradezu das
Verbündetsein an sich negiert – der bekommt womöglich eines Tages zu hören:
Danke, gleichfalls.
»Dieser Krieg ist nicht
Angelegenheit der Nato«, sagt der deutsche Kanzler.
»Wir werden uns nicht in
einen ausgeweiteten Krieg ziehen lassen«, sagt
der britische Premier.
»Wir sind nicht involviert
in Militäroperationen in der Straße von Hormus«, sagt Italiens Außenminister.
»Dies ist nicht Europas
Krieg«, sagt die EU-Chefdiplomatin.
»Wir werden kein Schiff in
die Straße von Hormus schicken«, sagt
die australische Verkehrsministerin. [….] Immer wieder haben von
Trump beunruhigte Europäer gewarnt, »America first«, der Leitspruch seiner
MAGA-Bewegung, bedeute in Wahrheit: »America alone«. Gemeint war, dass die
Verbündeten sich nicht mehr auf ihre Schutzmacht USA verlassen könnten. Doch
nun bekommt Trump die Kehrseite seines Unilateralismus zu spüren. »Ein Glück,
dass der Präsident seine Verbündeten nicht mit Zöllen oder Drohungen, Grönland
zu überfallen, vergrault hat«, schreibt
sarkastisch das konservative »Wall Street Journal« in seinem Leitartikel.
[….]
(Cornelius Dieckmann, 17.03.2026)
Man wünscht es sich so. Aus tiefster Seele. Würden die
Europäer doch endlich Trump kollektiv den Mittelfinger zeigen, ihm die
Benutzung der Europäischen Stützpunkte (Ramstein!) verbieten und den US-Tech-Cronies
(Amazon, Meta, X) den Zugang zu unserem 500-Millionen-Konsumentenmarkt
abdrehen.
Aber heute rudert Merz im Bundestag zurück und umgarnt Trump
bereits wieder.
[….] »Solange der Krieg andauert, werden wir
uns daran nicht beteiligen, in der Straße von Hormus mit militärischen Mitteln
eine freie Schifffahrt zu gewährleisten«, sagte der Kanzler noch am Montag.
Jetzt vor dem Bundestag
macht er aber auch deutlich, welche Öffnungsklauseln in dieser Formulierung
angelegt sind. Zum einen schließe das »ausdrücklich nicht aus, dass wir mit
diplomatischen Mitteln auf eine schnelle Beendigung des Krieges hinwirken«. Merz
verweist auf die Reise von Außenminister
Johann Wadephul in die Region in der vergangenen Woche.
Zum anderen, so der Kanzler
weiter, schließe seine bisherige Haltung auch nicht aus, »dass wir nach Ende
der Kampfhandlung unseren Beitrag dazu leisten, eine Friedensordnung in der
Region aufzubauen«. Das ist recht breit gefasst, allerdings stellt Merz klar,
dass Deutschland sich dann auch einer »Debatte über die freie Schifffahrt, etwa
in der Straße von Hormus, nach Kriegsende nicht verschließen« werde. Und wohl
auch nicht einer multinationalen Mission, die Seewege zu sichern, durch die
normalerweise ein Fünftel des täglichen weltweiten Ölbedarfs verschifft wird. Es ist ein Zeichen an Donald Trump, das Merz
hier setzt, und damit die Botschaft auch unmissverständlich klar ist, spricht
der Kanzler sie noch einmal aus. »Wir wollen nicht, dass dieser Krieg zur
Belastung für die transatlantische Partnerschaft wird«, sagt Merz und
bekräftigt. »Diese Partnerschaft wollen wir, und wir brauchen sie.« [….]
(Paul-Anton Krüger, 18.03.2026)
Wollen wir? Wirklich? Also ich sicher nicht. Aber in
einem Punkt hat der Bundeskanzler Recht: Wir brauchen die USA. Wir brauchen
die USA leider immer noch, weil wir Deutschen, wir EUler, wir Europäer, leider
auch 12 Jahre nach der russischen Krim-Annexion, zehn Jahre nach der ersten
Wahl Donald Trumps, vier Jahre nach dem Beginn des Ukraine-Krieges, anderthalb
Jahre nach der zweiten Wahl Trumps, immer noch zu dumm und unfähig sind, eigene
Rüstungskapazitäten, eigene Geheimdienstfähigkeiten, eigene Software
herzustellen. Was viel kleinere, oder ökonomisch viel schwächere Länder
(Israel, Iran, Russland, Ukraine), längst hinbekommen, schaffen wir einfach
nicht: Massenproduktion von Drohen oder Artilleriemunition. Fast vier Jahre
nach Kriegsbeginn, übernimmt die Ukraine die Herstellung in der Ukraine. Die EU
konnte nie ihre Versprechen einhalten.
[….] Die Ukraine hat nach
wie vor einen Riesenbedarf an großkalibriger Munition. Der Import aus den
Partnerländern alleine kann den Bedarf nicht decken. Daher ist das Land
bestrebt, über möglichst viele Produktionsoptionen vor Ort nutzen zu können.
Auch wenn diese in der Ukraine natürlich jederzeit ein Ziel russischer Angriffe
werden können. Viel wurde in den letzten Monaten über den Aufbau der
Rheinmetall-Produktionsstätte gesprochen. Jetzt hat auch die Czechoslovak Group
(CSG) die lizenzierte Produktion von großkalibriger Munition in der Ukraine
aufgenommen.
Die Produktion erfolgt in
Kooperation mit dem ukrainischen Partner von CSG, Ukrajinska Bronetechnika
(Ukrainian Armor), dem die Gruppe eine Produktionslizenz, technisches Know-how
und zentrale Komponenten zur Verfügung gestellt hat. Das Projekt markiert einen
weiteren Meilenstein in der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der
tschechischen und der ukrainischen Verteidigungsindustrie und stärkt die
Fähigkeit der Ukraine, einen Teil ihrer Artillerie-Munition aus eigener
Produktion zu decken, so CSG bei der Bekanntgabe. […..]
(Soldat und Technik,
06.11.2025)
Die EU muss Munition immer noch in den USA kaufen, weil
auf dem Weltmarkt kaum noch etwas zu bekommen ist und wir in Europa selbst
einfach zu träge sind, um die Produktion anzukurbeln.
[….] Es mangelt nicht an
Versprechen, der Ukraine mehr Munition zu beschaffen. Doch Einkäufe auf dem
Weltmarkt sind kompliziert. Der Sicherheitsexperte Rafael Loss erklärt, woran
das liegt und was für die Europäer daraus folgt. [….]
tagesschau.de: Gibt es
Schätzungen, wie groß Bestände es bei der 155-Millimeter-Artilleriemunition
sind?
Loss: Es gibt keine
verlässlichen Schätzungen. Man kann in die Auftragsbücher der verschiedenen
Rüstungsunternehmen blicken und sich einen gewissen Überblick darüber
verschaffen, was zum Beispiel in Europa oder Nordamerika produziert wird, wie
viel über die letzten 30 Jahre produziert wurde, wie viel vielleicht auch für
Übungen oder andere Einsätze genutzt wurde. Aber das ergibt keine verlässliche
Gesamtevaluation.
Deswegen wird Europa nicht
darum herumkommen, die Produktion von Artilleriemunition und auch von allen
anderen Rüstungsgütern zu erhöhen. Hierzu haben sich die westlichen Staaten zu
spät entschieden - und es geht auch nur langsam voran. [….] Es dauert,
bis eine neue Munitionsfabrik den Betrieb aufnehmen kann und ihre volle
Kapazität erreicht. Da sind die Bearbeitungszeiten für Bauanträge zu neuen
Fabriken. Vormaterialien müssen beschafft werden. Sie brauchen Fachleute für
die enorm komplizierte Produktion. Man braucht die Räumlichkeiten, in denen die
Munition gelagert wird. Und dann muss die Munition an den Ort gebracht werden,
wo sie hin soll und dort in Bunkeranlagen gelagert werden.
Für das neue Munitionswerk
in Unterlüß wurde im Februar der Spatenstich gesetzt - fast zwei Jahre nach
Beginn der russischen Vollinvasion. Rheinmetall, das dort schon einen Standort
betreibt, schätzt, dass es mindestens zwölf Monate dauert, bis die Produktion
anläuft - und dann sicherlich noch mal zwei Jahre, bis die Produktion ein
volles Niveau erreicht.
tagesschau.de: Dann
sprechen wir über das Jahr 2027 [……]
(Tagesschau, 20.03.2024)
Die Unfähigkeit Europas, lange gewonnene Erkenntnisse in praktische
Politik umzusetzen, spottet jeder Beschreibung. Wir wissen seit Jahrzehnten,
wie extrem abhängig wir von Medikamentenlieferungen aus China und Indien sind.
Das technische Knowhow, um Hustensaft und Aspirin herzustellen, stammt dabei
aus Europa. Aber die Produktion wirft zu wenig ab, daher hat niemand Lust dazu.
Notwendig wären politische Vorgaben, um eine unabhängige europäische
Grundversorgung zu garantieren. Aber die Gesundheitsminister und Parlamente
versagen kollektiv. Anfang 2020 merkte schließlich jeder einzelne Bürger, wie
fatal unsere totale Abhängigkeit bei einfachen Hygieneartikel aus Asien ist:
Sterile Krankenhaus-Verbrauchsartikel, Handschuhe, Masken, Desinfektionsmittel.
Möglicherweise kostete uns dieser Mangel Myriaden Menschenleben. Er kostete auf
jeden Fall viele Milliarden Euro, die Gesundheitsminister Spahn sinnlos
verschleuderte. Die Erkenntnis war klar: Wir müssen Handschuhe und Masken in
Europa herstellen, um in zukünftigen Krisen und Pandemien, nicht wieder in
China betteln zu müssen.

Und tatsächlich, eine kurze Zeit, wurden Masken in
Bosnien gefertigt. Aber das war etwas teurer als in China. Also beerdigte man
das Projekt und verlagerte die gesamte Fertigung wieder nach China.
Nun, nach Trumps Iran-Abenteuer das Déjà-vu: Einweghandschuhe
und Schutzkittel werden knapp, aber SECHS JAHRE NACH CORONA gibt es keinerlei
Produktionsmöglichkeit in Deutschland.
[….] Ein Schreiben macht
gerade in der Medizinbranche die Runde – und weckt bei manchen alte
Erinnerungen. Der chinesisch-südkoreanische Chemiehersteller LG Bohai Chemical
hat vergangene Woche gegenüber seinen Kunden Force majeure erklärt. Das heißt:
Durch höhere Gewalt fühlt man sich nicht mehr an Lieferverträge gebunden.
Begründung: Die Blockade
der Straße von Hormus im Zuge der Irankrise habe die Versorgung mit Naphtha und
Ethylen – den zentralen Grundstoffen für die Produktion von Medizinprodukten
aus Kunststoff – stark gestört.
Für Europas Krankenhäuser
könnte das weitreichende Folgen haben.
[….] Michael Koch kennt
solche Signale. Der Produkt-Projektmanager beim Medizingroßhändler Medika
Medizintechnik im fränkischen Hof verfolgt die Lage seit Wochen mit wachsender
Sorge. »Wir haben dreimal die Woche Krisensitzungen«, sagt Koch. »Sechs von
zehn Hersteller aus China nehmen momentan keine Bestellungen mehr an – weil das
Rohmaterial wieder gehandelt wird wie zu Coronazeiten. Wer am meisten zahlt,
kriegt es.«
Das betrifft vor allem
Einweghandschuhe. Aber auch bestimmte Schutzkittel, Drainagen, Absauger,
Vliesstoffe – kurz: alles, was aus Kunststoff gefertigt wird oder bei dessen
Herstellung Rohöl oder Gas eine Rolle spielen. Kochs Schätzung: rund 70 Prozent
des gesamten Verbrauchsmaterials in einer Klinik. [….] Das Tragische:
Die Situation war absehbar. Im Frühjahr 2020 kollabierte die globale
Lieferkette für medizinische Schutzausrüstung innerhalb weniger Wochen wegen
der Coronapandemie. Handschuhe, Kittel, Masken – alles wurde knapp, teuer, war
teils gar nicht mehr erhältlich. Sechs Jahre später hat sich an der
strukturellen Abhängigkeit kaum etwas verändert. »Wir haben gar nichts aus
Corona gelernt«, sagt Koch. Im Gegenteil: Europa sei noch abhängiger geworden. [….]
Einzig Frankreich sticht hervor: Dort hat der Staat etwa gezielt eine eigene
Handschuhproduktion gefördert und öffentliche Ausschreibungen so gestaltet,
dass europäische Produkte bevorzugt werden können. In Deutschland fehlt eine
vergleichbare Industriepolitik nahezu vollständig. [….]
(Martin Müller, 18.03.2026)