Montag, 1. Juni 2026

Impudenz des Monats Mai 2026

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Deutschlands Konservative, Wirtschafts- und Energielobbyisten, die Superreichen, Klimawandelleugner und Grünenhasser sind nach einem Jahr Merz endlich kollektiv bei der Erkenntnis angekommen, die ich schon viele Jahre zuvor vertrat: Merz kann es einfach nicht, ist intellektuell zu mangelhaft ausgestattet. Man darf ihn nicht wählen und keineswegs zum Kanzler machen.

Vor der Bundestagswahl 2025 vertrat ich eine kleine Minderheit, die dringend dafür plädierte, wir sollten die Scholz-Habeck-Regierung behalten. Nun ist daraus eine Mehrheit geworden, die endlich einsieht: Wir waren vorher besser dran und hätten nicht CDUCSU wählen sollen. Aber wie alle Kassandras, empfinde ich beim „I told you so“ keine Befriedigung. Zu deprimierend ist das Desaster, das diese Bundesregierung anrichtet, zu katastrophal sind die Folgen für Deutschlands Zukunft. Aber was tut man nun mit dieser Erkenntnis, die inzwischen 80% der deutschen Wähler teilen: „Merz ist der schlechteste Bundeskanzler aller Zeiten“?

Die Antwort ist klar; man wägt alle Optionen ab, die es nun gibt, um eine bessere Bundesregierung zu bekommen. Das sind grob skizziert fünf Optionen.

·        Kabinettsumbildung; also Austausch einiger Minister

·        Merz-Substitution durch einen anderen CDUCSU-Promi

·        Neuwahlen

·        Koalitionsbruch

·        Minderheitsregierung

Eine Kabinettsumbildung ist theoretisch denkbar, aber eher unwahrscheinlich und würde auch wenig verbessern.

Die anderen vier Optionen wurden unter anderem in diesem Blog seit vielen Monaten immer wieder durchdekliniert und verworfen. Sie sind a) hoch unwahrscheinlich, b) verfassungsrechtlich schwierig und würden vor allem, c) zu einer weiteren Verschlechterung der Lage führen. Mehr AfD, mehr Chaos.

Die seriösen Journalisten sehen es genauso. Die allgegenwärtigen Kanzlertausch-Spekulationen sind blanker Unsinn.

[…] Es gibt sie natürlich, diese Sehnsucht. Je mehr sich die Fehler häufen, je spürbarer die Unzufriedenheit wird, je tiefer die Umfragewerte sinken, desto größer wird die Sehnsucht nach der rettenden Lösung. Wenn diese Koalition sich derart verzettelt und verhakt, warum nicht weg damit? Wenn dieser Kanzler wieder und wieder den richtigen Ton nicht trifft, wenn seine Machtmaschine übel stottert und er schmerzlich vermissen lässt, was er an Führung versprochen hat: Warum ihn nicht austauschen? Die seit Wochen wabernden Gedankenspiele reichen von einer Minderheitsregierung bis zur Idee, Friedrich Merz im Kanzleramt durch den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst zu ersetzen. Nur liegt es eben im Wesen der Sehnsucht, dass sie nicht gestillt wird. […] Um mit der Minderheitsregierung zu beginnen: Befreit von den Fesseln einer Koalition soll eine als richtig erkannte Politik mit wechselnden Mehrheiten durchgesetzt werden. Dahinter steht die Sehnsucht nach einer klaren Linie, vorgegeben von einem starken Kanzler. […] Die letzte Minderheitsregierung unter Olaf Scholz bestand aus SPD, Grünen und Volker Wissing, nachdem eine Einigung mit der FDP auf einen Haushalt gescheitert war. Die Restampel war nicht auf Dauer angelegt und konnte es nicht sein. Die Vorstellung, ausgerechnet ein Kanzler auf permanenter Suche nach Mehrheiten könne Stärke zeigen oder gar die reine christdemokratische Lehre durchsetzen, ist aberwitzig. Das gilt immer, aber ganz besonders im aktuellen Bundestag. Mehrheiten gibt es für die Union da nur mit der SPD oder mit Grünen und Linken oder mit der AfD. Wenn die Erinnerung nicht trügt, steht beiden letzteren Varianten neben gewaltigen politischen Differenzen auch ein Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU entgegen.

Vernünftigerweise bleibt Kanzler und Koalition keine andere Wahl, als sich zusammenzureißen

Bliebe die Variante des Kanzlertauschs. […]  In Deutschland gibt es das Grundgesetz. Das legt die Hürden hoch. Gegen seinen Willen kann ein Kanzler nur mit der Mehrheit für einen neuen Kanzler aus dem Amt gezwungen werden, dem konstruktiven Misstrauensvotum. […] Was Deutschland gerade braucht, ist das Gegenteil von Sehnsucht: Realitätssinn.  [….]

(Daniel Brössler, 27.05.2026)

Soweit, die linksliberale Süddeutsche Zeitung. Zum „Balancing“ auch eine Stimme, des erzkonservativen Ex-BILD-Mannes Nikolaus Blome.

[….]  Es sind reale Gespräche, die da auf den Fluren geführt werden, die Berichte stimmen. Die Gespräche handeln von Friedrich Merz' Abgang und Ende, doch sie tun es im Irrealis. Sie bilden eine Realität ab, aber worum es geht, ist unrealistisch: Merz würde nicht abtreten. Hendrik Wüst würde nicht antreten. Die CDU würde zerbrechen. Die SPD Markus Söder nicht wählen. So sagt es nahezu jeder, der trotzdem darüber spricht. Ihr Reden ist keine Verschwörung, sondern Eskapismus oder Triebabfuhr, doch Obacht: Ohne dieses Ventil für die Ratlosigkeit und Verzweiflung wäre in der CDU längst der Kessel geplatzt.  Für bare Münze nehmen das Ganze ausgerechnet jene Milieus und Medien, die ansonsten alle Hervorbringungen der »Berliner Blase« höhnisch verachten. Das ist lächerlich, trotzdem ist damit die Brücke in den politischen Alltagskampf geschlagen: Während sich die AfD die Hände an der »Zündelei« wärmt, könnte das der CDU in Umfragen und bei Wahlen tatsächlich schaden. Und wenn die Kommunikationsbeauftragten des verletzten Kanzlers es auch noch »wüste Spekulationen« nennen, hat das folgenfreie Reden plötzlich doch schon eine Folge gehabt, nämlich einen neuen Eintrag auf des Kanzlers »Glaskinn«-Konto. […..]

(SPON, 01.06.2026)

Kurzum, es geht nicht. Das wird nichts. Wir müssen uns mit Merz abfinden.

Man könnte ihn nur mit politisch äußerst radikalen Methoden loswerden und müsste dann dem Souverän entscheiden lassen. Der Souverän, der uns seit Jahren in allen Umfragen und Wahlergebnissen zeigt, nur eine Richtung zu kennen: Weit nach Rechtsaußen. Der Souverän, der bundesweit die Nazis klar zur stärksten Partei machen will.

Die Verblödung und das unterkomplexe Denken des Souveräns zeigt sich leider inzwischen links und rechts, bei vielen Journalisten aller Couleur, in den rechten Social-Media-Bubbles sowieso. Aber eben auch in meiner „linken Blase:“

Wut kübelt sich über der SPD aus. Sie müsse die Koalition verlassen. Sie müsse sich zu 100% gegen die Union mit allen linken Lieblingsprojekten durchsetzen. Neuwahlen jetzt! Spahn muss weg. Spahn soll die Maskenmilliarden zurück zahlen, Spahn soll vor Gericht. Reiche muss zurücktreten, Reiche soll gefeuert werden. Habeck soll übernehmen, Günther soll übernehmen. Özdemir soll Kanzler werden. Merz muss weg, Merz soll Reiche entlassen. Wir hätten Habeck als Kanzler haben können. Usw usf.

 

Vieles davon ist durchaus wünschenswert. Aber alles davon ist nahezu bis vollkommen ausgeschlossen. Das wird nicht passieren!

Der trotzige unterkomplexe Eskapismus, der dennoch tagtäglich diese simplen Lösungen fordert, ist die Impudenz des Monats Mai 2026.

Zu bekunden, Merz müsse weg, Reiche solle zurücktreten und das auch noch als Todschlagargument zu verwenden („ich finde sowieso die ganze Bundesregierung scheiße“), zeigt unfreiwillig den Kern unserer Mega-Weltkrise aus: Obschon Informationen allgemein zugänglich sind, werden sie nicht ausreichend genutzt. Menschen verweigern das Denken, wollen sich komplexen Fragen und unangenehmen Wahrheiten nicht stellen. Sie beschäftigen sich lieber mit Fußball und „GNTM“, als mit Klimapolitik. Sie verschließen die Augen vor der Zukunft. Sie springen auf einfachste Lösungsvorschläge an, die keineswegs irgendeinen Bezug zur Realität haben müssen. Deswegen wurde Trump gewählt, deswegen ist die AfD stärkste Partei in Deutschland.  Die Rechten wählen so, weil sie moralisch ohnehin verdorben sind und sich für Dekonstruktion und Bosheit gegenüber Schwächeren begeistern. Die Linken sind moralisch viel besser aufgestellt, glauben an ein solidarisches Miteinander. Aber sie äußern sich im Netz ähnlich unterkomplex.

Habeck soll Kanzler werden. Aber das wird nicht passieren!

Und selbst wenn Reiche aus irgendeinem Grunde ihr Ministeramt verlöre, stünden CDU und CSU für eine ebenso katastrophale Fossillobby-Politik. Merz, Söder, Spahn und Linnemann denken nicht anders. Sie würden keinen Habeck als Reiche-Nachfolger einsetzen. Wenn aber die CDUCSU nach Neuwahlen nicht mehr zu entscheiden hätte, weil sie nicht mehr stärkste Partei wäre, hätten wir nur ein noch viel größeres Desaster, weil mit der AfD eine Kraft, die den menschengemachten Klimawandel bestreitet, das Sagen hätte und die Erneuerbaren Energien, so wie ihr Idol Trump, rückabwickeln würde.

Merz ist derzeit – bedauerlicherweise – unsere beste Option. Er wird den Kurs der Bundesregierung nicht ändern. Das wäre höchsten theoretisch denkbar, wenn bei allen anderen Wahlen, das Volk klare rotgrüne Mehrheiten wählte, um der CDU zu zeigen, daß eine ganz andere Sozial- und Klimapolitik gewünscht ist. Rheinland Pfalz und Baden Württemberg haben aber, genau wie alle Umfragen zu den noch anstehenden Landtagswahlen, das diametrale Gegenteil gezeigt: Das Volk wendet sich klar den Fossillobbyknechten und den Beschützern der Ultrareichen zu.

Wer darauf mit sinnlosen Simpel-Sätzen wie „Reiche-Rücktritt jetzt!“ reagiert, zeigt zwar seinen völlig gerechtfertigten Frust, aber auch sein mangelndes Verständnis. Sein unterkomplexes Denken. Seinen Eskapismus in Form von einfachen Lösungen, die sowieso nie funktionieren.

Was wäre aber ein better-Case-Szenario?

Auf Einsicht der Rechten brauchen wir nicht zu hoffen. CDUCSUAFDP werden nie eine vernünftigere Haltung zu Fossilenergie oder Migration oder finanzieller Gerechtigkeit einnehmen. Idealerweise würden aber die Linken ganz allgemein, (gemeint sind alle, die links von Merz stehen), eine realistischere Betrachtungsweise annehmen. Es kann nur in einer RRG-Konstellation eine bessere Bundesregierung geben und das funktioniert keinesfalls, indem sich Linke und Grüne auf die SPD einschießen. Indem man Klingbeil und Bas höhnisch „Verrat“ vorwirft und ihren Untergang herbeiwünscht; sich sogar, wie die Grünen mehr und mehr selbst der Merz-CDU als Mehrheitsbeschaffer andient. ALLE „Linksgrünversifften“ müssen endlich aufhören, sich gegenseitig zu bekriegen, sondern sich immer gegen die Rechte verbünden. Auch mit gemeinsamen Wahllisten, um keine Prozentpunkte unter der 5%-Hürde liegen zu lassen. Gerade jetzt muss die so schwer unter Druck stehende SPD von Linken und Grünen unterstützt werden! Nur wenn der Wähler sieht, daß RRG-Politiker erfolgreich sind und koalitionsfähig sind, entstehen Machtoptionen. Nur dann haben sie Chancen, wieder mehr gewählt zu werden.

Nur dann könnten bei der Bundestagswahl 2029 genügend Menschen zudem Schluss kommen, CDUCSUAFDP in die Opposition zu schicken.

Aber das ist ein unwahrscheinliches Szenario.

Nikolaus Blome rät Merz dazu, jetzt schon für 2029 zu verzichten, damit er freier und mutiger entscheiden kann.

[….] Wenn es aus Gründen (s.o.) keinen neuen Kanzler gibt, dann muss der alte neu werden, sich »neu erfinden«, was für ein fürchterliches Wort.

Das geht. Man muss dazu aus der Not bürgerliche Tugenden machen: Verantwortung über das Pflichtschuldige hinaus, Mut, Einsicht und vor allem: sich selbst hintanstellen und einer Sache dienen wollen. In diesem Geist könnte der Bundeskanzler seine Entscheidung vorziehen, ob er 2029 für eine weitere Amtszeit antreten will, darauf öffentlich verzichten – und die eine Amtszeit mit dem einen Projekt verknüpfen: die historisch republikerhaltenden Reformen.

Er könnte sich demonstrativer als jeder deutsche Regierungschef vor ihm von der Unterstellung freimachen, »die da in Berlin« klebten alle an ihren Sesseln und trauten sich aus Angst um die Wiederwahl nie mehr etwas Großes. Mit einem Zug wäre Friedrich Merz ein anderer, ein anderer Kanzler.   […..]

(SPON, 01.06.2026)

Ich wage zu bezweifeln, ob das funktioniert und traue Merz ohnehin nicht die menschliche Größe zu so einem Schritt zu.

Für etwas realistischer halte ich die Ansicht, daß gerade der Generalverschiss des Merz, ihm Mut einhauchen könnte.

Eine Kleiko, die gemäß des Mottos „ist der Ruf erst ruiniert, regiert es sich ganz ungeniert“ zu sinnvoller Politik fände?

Auch nicht sehr wahrscheinlich, angesichts der handwerklichen Unfähigkeit und der  ideologischen Verblendung in der Union. Aber immerhin besser als Impudenz des Monats Mai-Eskapismus.

Sonntag, 31. Mai 2026

IOC-Kelch geht an Hamburg vorbei

Es geschieht wahrlich selten genug, fast nie, daß ich mich über politische Wahlergebnisse irgendwo in der Welt freuen kann. In den allermeisten Fällen schlage ich die Hände vor dem Kopf zusammen.

Was für ein Zufall, daß ausgerechnet meine beiden Heimatstädte Hamburg (RotGrün!) und New York (Mamdani!) zu diesen löblichen Ausnahmen gehören.

Im Gegensatz zu den Kielern, den Münchnern und RheinRuhrern, sagten die Hamburger heute NEIN DANKE zum IOC-Kommerz-Irrsinn.

[….] Mit einer deutlichen Mehrheit von rund 55% haben die Hamburger*innen gegen eine Hamburger Bewerbung Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 gestimmt. Mit 50% hatte Hamburg im nationalen Vergleich gegenüber München (42%) und NRW (33%) die mit Abstand höchsten Wahlbeteiligung.

Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg: 

„Mit dem zweiten Nein hat Hamburg ein Zeichen für Fairplay und Teamgeist bei den Spielregeln der Olympischen Spiele gestimmt. Dieses Ergebnis zeigt: Die Hamburger*innen lieben ihre Stadt und lassen sich nicht von einer Millionen Euro teuren Werbekampagne hinter die Fichte führen. Die Versprechungen des Senats waren zu unglaubwürdig: Olympia als Heilserzählung für alles, was der Senat nicht auf die Reihe bekommt, eine magische Geldquelle für Hamburgs Bauprojekte beim Bund und auf einmal ‚stabile Mieten‘, obwohl Olympia ein Mietentreiber ist. Unglaubwürdig war auch das Finanzkonzept, bei dem die milliardenschweren Kosten für Sicherheit und den Bau eines Leichtathletikstadions einfach weggelassen wurden. Dieses Votum sollte der Hamburger Politik eine Lehre sein: Die Menschen in der Stadt wollen kein weiteres Leuchtturmprojekt. Die Hamburger*innen wollen bezahlbare Mieten, gut ausfinanzierte soziale Einrichtungen, Sportplätze, Universitäten und Schulen und sie wollen nicht, dass Grundrechte wie Barrierefreiheit von einem Megaevent wie Olympia abhängig gemacht werden. Diese Probleme muss der Hamburger Senat jetzt angehen. Wir stehen für Gespräche über Hamburgs Zukunft zur Verfügung.“[….]

(Nolympia Hamburg, 31.05.2026)

Maudrichs Ton zeigt, wieso ich mir darüber hinaus Triumphgeheule erspare.

Diese erneute Klatsche ist eben auch eine heftige Niederlage des RotGrünen Senats und des Bürgermeisters Tschentscher. (Klimaentscheid!) Meine SPD hatte massiv für das Monsterevent geworben, mir täglich Jubel-Mails mit OlympiJA-Veranstaltungen geschickt.

Die politische Lage in Deutschland und der Welt ist aber viel zu düster, viel zu dramatisch, viel zu sehr von einem permanenten Kurs nach Rechtsaußen geprägt. Hier kann man sich nicht erlauben, eine der wenigen Regierungen links der CDU, mit einem wirklich guten Bürgermeister, zu beschädigen.
Ich gönne diesem Senat nicht nur durch meine parteipolitische Brille jeden Erfolg, sondern halte es auch essentiell für unsere Demokratie, daß eine linke, in diesem Fall rotgrüne, Landesregierung zeigt, Wirtschafts- und Finanzpolitik wesentlich besser als die CDU-Destruktionstruppe Reiche-Merz-Linnemann-Spahn zu beherrschen. Daß man aus Unzufriedenheit mit der Merz-Regierung eben keineswegs noch rechter, sondern ganz im Gegenteil, linker wählen muss.

Umso mehr schmerzt es, wie sehr sich SPD und Grünen zusammen mit CDU, FDP, Wirtschaftslobbyisten, Medien und Sportfunktionären verrannt haben. Natürlich macht jeder Politiker Fehler und ich werde deswegen keinesfalls mit der Hamburger SPD brechen. Aber so eine Fehleinschätzung erstaunt schon sehr, wenn man sie das zweite Mal macht. Schon 2015 sagten die Hamburger bei einem Referendum um die Bewerbung beim hochkorrupten IOC nein. Schon einmal stellte sich der Sportbund als völlig unfähig heraus, schon einmal wurde die Stadtstimmung völlig verkehrt antizipiert.

Hamburg steht geradezu sprichwörtlich für Understatement. Der Drang, international zu prahlen und zu protzen, ist an der Alster wesentlich geringer ausgeprägt, als in Bayern oder Berlin.  Olympische Spiele passen nicht an Elbe und Alster. Wir haben die Nase gestrichen voll von Großprojekten.

Ob 2036, 2040 oder 2044 die politische Großwetterlage überhaupt noch so ist, daß man ein derartiges Monsterevent stattfinden lassen kann, wage ich zu bezweifeln.

Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio mussten wegen der Pandemie abgesagt werden. Die Durchführung mit einem Jahr Verspätung unter Corona-Bedingungen geriet zum Desaster. Ein Vierteljahrhundert später, wird es garantiert noch viel heißer, viel kriegerischer und in jeder Hinsicht gefährlicher.

Selbst wenn es noch „Spiele“ 2040 oder 2044 geben sollte, halte ich einen Austragungsort in Deutschland für unwahrscheinlich. Möglicherweise werde ich es ohnehin nicht mehr erleben. Aber definitiv sicher, werde ich es nicht in Hamburg erleben.

Dabei ist der vierwöchige Spuk der Spiele das kleinste Problem. Das eigentliche Desaster sind die jahrelangen nationalistischen Wallungen, die thematische Verengung, Bauarbeiten, Staus, Kosten und CO2-Emissionen vorher.

Alle 698 Stimmbezirke sind ausgezählt. Landeswahlleiter Oliver Rudolf verkündet im Anschluss das vorläufige Ergebnis des Referendums. 
Ja-Stimmen: 293.819. Nein-Stimmen: 357.911. Damit ist nach dem vorläufigen Ergebnis das Bürgerschaftsreferendum abgelehnt worden“, sagte Rudolf.

(HH MoPo, 31.05.2026)

Ich könnte jetzt lange aufzählen, was die Befürworter falsch gemacht haben. Aber ich will nicht nachtreten, um RotGrün nicht weiter zu beschädigen. Ich hoffe vielmehr, diese politische Groß-Eselei wird bald vergessen.

Umso erbärmlicher verhalten sich Hamburger Journalisten, die selbst seit Monaten massive Propaganda „für die Spiele“ betrieben haben und nun mit der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses, die Schuld allein beim Senat abwälzen und den Mantel des Schweigens über ihr eigenes Totalversagen ausbreiten.

[….] Zweimal Nein, zweimal eine Klatsche für den rot-grünen Senat. Damit ist klar: Die Spiele kommen nicht nach Hamburg, das Thema ist tot. Die aktuelle Politikergeneration hat sich die Finger verbrannt – und auch den Kontakt zu einem Teil der Bevölkerung verloren.  [….] Die Befürworter sollten selbstkritisch analysieren, warum die Menschen den vielen Versprechungen und Vorteilen, die Olympia ihnen angeblich beschert hätte, nicht folgten.  [……]

(Mathis Neuburger, HH MoPo, 31.05.2026)

Noch eine Woche zuvor hatte der stellvertretender Chefredakteur Neuburger in seiner Zeitung die Werbetrommel rühren lassen.

Seit Monaten wird die Bewerbungskampagne in der MoPo als gemeinsames Projekt aller Kräfte hochgejubelt.

Nach der 55%-Ablehnung wird der Schwarze Peter nur SPD und Grünen in die Schuhe geschoben, als hätte die Mopo nicht genauso für das fatale Projekt getrommelt.

Das erzkonservative, größere Hamburger Abendblatt, das stets als großer Befürworter auftrat und mit seinen prahlerisch-nationalistischen Argumenten abschreckte, heuchelt, wie zu erwarten, noch viel mehr als die MoPo.

Hier macht sich Chefredakteur Haider auf perfide Weise einen schlanken Fuß und bricht das ganze Desaster auf eine rein parteipolitische Ebene hinunter.

Als hätten nicht gerade sein rechter FUNKE-Verlag, seine Zeitung, seine CDU, die Wirtschaft und Sportfunktionäre genauso im Boot der Befürworter gesessen.

[….] Das klare Signal an den Senat: Hamburg will nicht mehr sein, als es ist

Hamburg. [….] Was für ein schöner Abend für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und das Münchner Kampagnen-Team, was für ein Desaster für den Hamburger Senat, der mit ganzer Kraft für ein Ja der Bevölkerung gekämpft hat, aber die Mehrheit anders als bei der Bürgerschaftswahl nicht auf seine Seite ziehen konnte. Trotz einer Millionen Euro teuren Kampagne, trotz Zigtausender Wahlplakate, unzähliger Veranstaltungen und einem Bürgermeister Peter Tschentscher, den man leidenschaftlich wie selten erlebt hat. [….] Und dann das. Hamburg will Olympia nicht, ganz anders als Kiel (Zustimmung 63 Prozent), Köln/Rhein-Ruhr und München (jeweils 66 Prozent), und es ist Zeit, sich zu fragen, woran das liegt. [….]

Womit wir bei der Frage sind, warum die Parteien der Mitte, vor allem der rot-grüne Senat, die Wahl um Olympia gegen die politischen Ränder verloren haben. Neben den Linken war auch die AfD gegen die Hamburger Bewerbung, und kann sich jetzt, eigentlich zum ersten Mal so richtig bei uns in der Stadt, als Sieger fühlen. Das wird vielen nicht gefallen, aber das ist genauso ein Teil der politischen Realität, wie die Tatsache, dass der Senat sich zum zweiten Mal bei einer wichtigen Frage für die Zukunft Hamburgs nicht hat durchsetzen können: erst der Klimaentscheid, jetzt Olympia.

Der Hamburger Senat kann nicht so weiterregieren wie bisher [….]

Die zweitgrößte Stadt Deutschlands, die schönste Stadt der Welt aus Sicht vieler, die hier leben: Das reicht. Die mangelnde internationale Bekanntheit der Stadt Hamburg, die dabei deutlich hinter Berlin, München oder Frankfurt liegt, scheint viele Hamburgerinnen und Hamburger nicht zu stören. Im Gegenteil. Sie möchten anscheinend nicht, dass die Stadt bekannter wird, dass sie versucht, eine Weltstadt zu werden. [….]

(Lars Haider, 31.05.2026)

An Erbärmlichkeit ist das Olympia-Lobby-Organ Abendblatt kaum zu überbieten.

Haider und sein Stellvertreter Iken hatten intensiv PR gemacht. Letzterer empörte sich sogar in einem Leitartikel darüber, daß seine Olypische-Spiele-Bewerbungs-Lobhudelei so viele kritische Kommentare bekam.

[….] Zumindest eins muss der Kolumnist konstatieren: Olympische Sommerspiele stoßen in der Gunst der Leserbrief- und E-Mail-Schreiber ungefähr auf so viel Gegenliebe wie Kopfläuse, Knöllchen oder Knoblauchatem. Viele Hamburger wünschen sich die Spiele dorthin, wo der Pfeffer wächst, nur nicht an die Elbe. Wie viele es am Ende sind, wird das Referendum am 31. Mai zeigen. Ich verspreche, auch um mein Mailfach zu entlasten: Es werden keine weiteren Argumente folgen, warum ich dafür bin. [….] Mehr bewegt mich, warum so viele kluge und sympathische Menschen dagegen sind. [….] Während das Nein und der Widerstand hochgeschätzt sind, gilt jedes Ja als verdächtig, naiv, ja gekauft. Wer möchte schon Ja-Sager sein, wenn er als kritischer Kopf durchgehen kann? Dagegen sein ist sexy. Und oft erfolgreich. Jede Bürgerinitiative, jeder Verein, jede Partei des Neins kann sich auf den heldenhaften Kampf gegen vermeintlich übermächtige Gegner berufen. Wir erzählen die Geschichte von David gegen Goliath in Endlosschleife. David ist sympathisch. Der bloße Widerstand adelt seine Träger als kritischen Geist, selbst wenn es nur um den Eigennutz geht. Er wird Teil einer großen Rettergeschichte: die Rettung des Grünstreifens, des Viertels, der Stadt oder gleich der ganzen Welt.  [….]

(Kommentar von Matthias Iken, Stv. Chefredakteur, 11.04.2026)


Heute ist das alles vergessen. Die Grünen und die Roten sind allein Schuld, so die Linie des Funke-Blattes.

Vor drei Wochen analysierten die beiden Abendblatt-Chefs noch, wie sich die Stimmung massiv zu Gunsten der OlympiJa-Kampagne drehe.

Und heute heißt es vorwurfsvoll, der Senat habe die Stimmung sträflich falsch eingeschätzt: was für ein Desaster für den Hamburger Senat, schreibt Haider.

Was für ein Desaster für das Hamburger Abendblatt.

Samstag, 30. Mai 2026

Tatsächlich Kubicki

 „Putin und Habeck haben eine ähnliche Überzeugung davon, dass der Staat, der Führer, der Auserwählte, besser weiß als die Menschen, was für sie gut ist.“

Kubicki, 21. März 2023.

Als ich eben durch die Newsportale scrollte und diese Meldung sah,...

....dachte ich in der allerersten Sekunde, es handele sich um den neuen FDP-Generalsekretär.

Aber das sollte dieser sympathische Gelbbraune hier werden: Der bayerische FDP-Rechtsaußen Martin Hagen.

Das kann man schon mal verwechseln; so nahe wie sich die AfDP inzwischen selbst ist.

Hagen jedenfalls passt zu seinem Chef.

Du Eierarsch, dir werde ich das zeigen!

Kubicki zu Merz, 23. April 2026.

Es ist sicher subjektiv, wie man die verschiedenen Meinungsbildner empfindet.

Für mich gibt es drei verschiedene Welten, die bei unterschiedlichen Themen, sehr unterschiedlich große Schnittmengen bilden:

1.   Die Welt der klassischen Medien; also Zeitungen, Magazine, TV.

2.   Mein persönliches Umfeld aus Freunden, realen Internetbekannten und all denen, mit denen ich draußen auf der Straße spreche.

3.   Die Social Media Blasen, in denen ich mich politisch bewege und informiere.

Beim Thema FDP divergieren diese drei Welten stark.

1 liebt die FDP, fürchtet ständig, sie könne ganz verschwindet, tut alles dafür, um sie wieder über fünf Prozent zu pumpen. 2 hat die FDP längst abgehakt, zeigt kein Interesse. 3 hasst die hepatisgelbe Pest und wünscht ihr einen möglichst baldigen totalen Untergang.

Ich flirte für mein Leben gern, künftig aber sicher nicht mehr mit Kolleginnen von Ihnen. Denn ich möchte vermeiden, dass eine Journalistin, die ich anflirte, dies später als sexuellen Übergriff versteht und anprangert.“

Kubicki, 27. Januar 2013.

1 und 3 bilden oft Antagonisten. Nachdem die Rechtsextremen und Verschwörungstheoretiker schon seit vielen Jahren gegen den „Staatsfunk“ und die „Lügenpresse“ polemisieren, ziehen zehn Jahre später zunehmend auch die Linken nach, die dem „ÖRR“, oder auch „Strobl TV“ die Pest an den Hals wünschen und inzwischen alles bezweifeln, das aus der Tagesschau kommt.

Ich halte das für höchst problematisch und verteidige jeden Tag die klassischen Medien, plädiere vehement für Bezahljournalismus. Man soll sich Abonnement von

seriösen  Zeitungen/Magazinen leisten und ein gut finanzierter öffentlich rechtlicher Rundfunk ist immens wichtig. Ja zur Gebührenfinanzierung!

Umso bedauerlicher, wenn Politik tatsächlich zu viel Einfluss nimmt, wenn ARD/ZDF-Nachrichtensendungen Sane-Washing betreiben. Wenn Sender rechten Influencern den roten Teppich ausrollen, in den Talkshow-Redaktionen verheerendes False Balancing inszenieren. Niemand ärgert sich darüber mehr als ich. Aber das ist noch kein Grund, das Kind mit dem Bade auszuschütten! Wir haben immer noch Extra3, Heute Show, Panorama, Monitor, ZDF Magazin Royal, Reschke Fernsehen, Presseclub, Phönix-Runden und jede Menge hochwertiger Reportagen und Dokumentationen im TV.

Ich würde in Berlin zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock. Ich bin inzwischen zum dritten Mal verheiratet, und ich will auf keinen Fall auch diese Ehe ruinieren.“

Kubicki, 18. März 2010.

Aber diese absurde FDP-Betrachtung durch die rosarote Brille muss endlich aufhören. 

Natürlich hätte ich liebend gern die linksliberale 1970er FDP mit Hamm-Brücher, Matthäus-Maier, Flach, Baum, Hirsch, Schuchardt zurück. Aber diese Partei existiert nicht mehr. Sie starb schon 1982 beim Genscher/Lambsdorff-Putsch, wurde erneut durch Westerwelle/Möllemann getötet, durch Rösler zu Grabe getragen und von Christian Lindner/Dürr beerdigt.

Ich gönne der FDP gar nichts mehr. Ich finde es noch nicht einmal „honorig“, wie Strack-Zimmermann heute versuchte, die stinkende schwefelgelbe Leiche zu erwecken. Sie kommt Jahre zu spät. Aus so einer Partei muss jeder anständige Mensch längst ausgetreten sein. 

[…] Um kurz nach vier an diesem Samstagnachmittag ist Wolfgang Kubicki dann doch gewählt. Aber Erleichterung oder gar Begeisterung? Der neue FDP-Chef verzieht in der ersten Delegierten-Reihe keine Miene, als die Parteitags-Regie das Ergebnis verkündet. Fast stoisch nimmt er die Gratulation seiner Frau Annette Marberth-Kubicki entgegen, die ihn innig küsst. […] Seitdem der nordrhein-westfälische FDP-Chef Henning Höne vor zwei Wochen seine Bewerbung für den Bundesvorsitz zurückzog und sich hinter Kubicki einreihte, war dieser ein Kandidat ohne Konkurrenz. Würde er ein ordentliches, ein gutes oder ein sehr gutes Ergebnis einfahren? […] Aber vielleicht hätte Kubicki das Parteitagsmotto »Wo Freiheit ist, ist alles möglich« ernster nehmen sollen. […] 14.30 Uhr ist es, als zunächst der Kieler Fraktionschef Christopher Vogt seinen schleswig-holsteinischen Landsmann für den Bundesvorsitz vorschlägt. Das war geplant. Aber dann geht der frühere nordrhein-westfälische Parteichef Joachim Stamp ans Rednerpult – und schwuppdiwupp hat Kubicki eine Gegenkandidatin: Er schlage Marie-Agnes Strack-Zimmermann aus Düsseldorf vor, sagt Stamp. Rasch verstummen die Gespräche im Saal.  Eine Sensation. Damit hat in dem Tagungshotel im Südosten Berlins niemand gerechnet, auch nicht NRW-Landeschef Höne und sein Generalsekretär Moritz Körner. Außer den 33 Delegierten, die satzungsgemäß für die Last-Minute Kandidatur der Europa-Abgeordneten unterschrieben haben. […] Strack-Zimmermann, so jedenfalls erklärt sie ihre überraschende Bewerbung, möchte der Partei an diesem Samstag nicht nur einen Wettbewerb um die Nachfolge des scheidenden Parteichefs Christian Dürr bieten. »Ich will auch ein Zeichen setzen«, sagt sie. […] Strack-Zimmermann ist die Galionsfigur des progressiven Lagers in der FDP, das mit Kubickis Kandidatur von Beginn an ein Problem hatte. […] die Progressiven hatten keine Alternative zu Kubicki mehr. Zuletzt richtete sich ihr Unmut zunehmend auf Kubickis designierten Partner Hagen. Er arbeitete die vergangenen Jahre als Geschäftsführer der konservativen Denkfabrik R21, in den Tagen vor dem Parteitag wurden ihm vor allem Äußerungen zum Umgang mit der AfD vorgehalten. […] Dass Kubicki schließlich mit fast 60 Prozent der Stimmen vorn liegt, ist unter diesen Umständen ein ziemlich gutes Ergebnis. Das Gleiche gilt für die 58 Prozent, mit denen Hagen am Abend zum Generalsekretär gewählt wird. […]

(Florian Gathmann, 30.05.2026)

Der AfD-Appendix FDP ist unwählbar für Demokraten und sollte dringend aus unserer Parteienlandschaft verschwinden.

Wir werden unsere eigenen Entscheidungen, unsere Anträge in Parlamenten nicht davon abhängig machen, wer zustimmt, weil wir das, was wir wollen, für richtig und gut halten. Die Brandmauer steht auch nicht in der Verfassung.“

Kubicki zum Umgang mit der AfD, ntv, 28. Mai 2026.

[…] Wolfgang Kubicki wollte, dass ein Ruck durch die FDP geht. Wach auf, liebe Partei, uns gibt es noch! Stattdessen geht jetzt ein Riss durch die FDP. Die Anhänger von Kubicki stehen seinen Gegnern mit zusammengekniffenen Augen gegenüber. Das Misstrauen wächst. Das ist Kubickis Schuld. Und die von Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Kubicki hat der FDP einen polarisierenden Richtungsentscheid aufgezwungen. Seine Kandidatur strahlte aus: Nur eine konservativ-liberale Ausrichtung kann die Partei noch retten, das sozial-liberale Gedöns kann weg. Und die Mitglieder im Zweifel auch. Außerdem kokettierte er damit, dass die Brandmauer zur AfD eine Idee von gestern sei. Das reizte Marie-Agnes Strack-Zimmermann so sehr, dass sie im Geheimen einen Plan entwickelte, um Kubicki als Parteichef doch noch zu verhindern: Sie kandidierte überraschend. Plötzlich mussten die Delegierten wählen: entweder Kubickis Krawallkurs, der Wähler von der AfD zurückgewinnen soll – oder Strack-Zimmermann, die auch gerne austeilt, aber für eine kosmopolitische Ausrichtung steht. […] Den Kampf um den Parteivorsitz hat Kubicki gewonnen. Aber die Partei steht nicht hinter ihm. Die Progressiven in der FDP sind Strack-Zimmermann dankbar. Weil sie fast 40 Prozent der Stimmen gegen Kubicki bekommen hat, ist für alle sichtbar, dass die Rechtsliberalen die Partei nicht übernommen haben. […] Als Vorsitzender müsste Kubicki die FDP jetzt wieder zusammenführen. […] Allerdings ist Kubickis Ruf in der FDP das Gegenteil. Er gilt als der Stänkerer, der öffentlich andere Liberale beschimpft. […]

(Bastian Brinkmann, 30.05.2026)

Es reicht wirklich, Medien. Schweigt die hepatisgelbe Pest tot.

Freitag, 29. Mai 2026

Kräftig auf die größten Haufen scheißen.

Wer Summen über den Freibeträgen erbt, zahlt Erbschaftssteuer.

Da kommt einiges zusammen bei den an die nächste Generation vermachten Vermögen um die zehn oder 15 oder auch 20 Millionen Euro.

Wer aber mehr als 26 Millionen erbt, ist fein raus: Er darf beim Staat eine „Verschonungsbedarfsprüfung“ beantragen und hat gute Chancen ohne Abgaben davon zu kommen. Die Mittleren und Ehrlichen bestraft man, die Großen lässt man laufen. Merzens Kanzleramtschef Thorsten Frei verteidigt das soeben gegenüber der Expertin Julia Friedrichs in der Illner-Talkrunde. Nicht mit Argumenten, aber dafür mit umso mehr sinnfreien wolkigen Allgemeinplätzchen. 

[….] Thorsten Frei liefert Textbausteine statt konkreter Antworten

Rahmenbedingungen, Wachstumspfad – und jede Menge Herausforderungen: Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) macht den Talk bei »Maybrit Illner« zum Phrasenbingo. [….] Die anderen Gäste und die Moderatorin haben es nicht geschafft. Kanzleramtschef Thorsten Frei ließ sich einfach nicht dazu bringen, sich von seinen Textbausteinen zu verabschieden. Er sprach davon, dass man sich »auf die Schwerpunkte der Herausforderungen, die wir jetzt haben, konzentrieren« wolle.

Dass es darum gehe, »auf den Wachstumspfad« zurückzukehren und die »Rahmenbedingungen für das Leben der Menschen« zu verbessern. Er sprach von großen Aufgaben. Unangenehmen Entscheidungen. Einer Phase hoher Anspannung. Und noch mal von Herausforderungen. Und das war nur der Anfang seiner Redebeiträge. [….]

(SPON, 29.05.2026)

Natürlich will die CDU keinesfalls ihre steinreichen Spender verärgern und verteidigt eisern die Privilegien der Superreichen, die es gewöhnt sind, sich jeder Solidarität zu entziehen.

 (….) Wer richtig viel Geld hat und daher bei seinem Tod (oder vorab bei Schenkungen) hunderte Millionen oder gar Milliarden zu verteilen hat, berechnet den Teil, der ans Finanzamt abgezwackt werden muss, nicht nach der Otto-Normalverbraucher-Formel:

(Erbe – 20.000 €) mal 0,3 = 36.600 €.

Für Superreiche gilt eine Spezialformal für den Betrag, den Herr Lindner abbekommt:

ErbeSchickimickisteuertrickser mal 0% = 0 Euro

So machte es BMW-Erbin Johanna Quandt, als sie zu Lebzeiten Milliarden an ihre Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt übertrug.

So machten es die Brüder Theo und Karl Albrecht, als sie Dutzende Milliarden steuerfrei an ihre Kinder Karl Albrecht jr. und Beate Heister, bzw Berthold und Theo Albrecht. jr. verschoben.

So machten es Friede Springer und Matthias Döpfner, als die alte Konservative dem jungen Erzkonservativen Milliarden schenkte. Über die eingangs genannte alte Dame, die von ihren 142.000 Euro tatsächlich fast 30% Steuern an den Staat zahlte, kann Döpfner nur herzlich lachen.

[….] Verlegerin Friede Springer (78), die Witwe von Unternehmensgründer Axel Springer, teilte am 24. September 2020 mit, für wen sie sich als ihren Nachfolger entschieden hat. Der Glückliche heißt Mathias Döpfner und ist bislang Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE. Er hat von ihr 4,1 Prozent Konzernaktien für 276 Millionen Euro gekauft. 2,8 Prozent gehörten ihm schon vorher. Zusätzlich bekam er von seiner Gönnerin ein Aktienpaket von 15 Prozent geschenkt – ein in diesem Umfang einmaliger Vorgang. Die großzügige Gabe ist rund eine Milliarde Euro wert, Döpfners Kapitalanteil an der Gesellschaft europäischen Rechts (SE) liegt danach bei 21,9 Prozent. Für solche Transaktionen sind grundsätzlich hohe Einkommen- und Schenkungssteuern fällig. Dazu haben die Dame und der Herr aber keine Lust. Frau Springer hatte deshalb eine Woche vor dem Verkauf besagte 4,1 Prozent an ihre Friede-Springer-Stiftung übertragen. Die ist als gemeinnützig anerkannt und muss weder Schenkungs- noch Einkommenssteuer zahlen. Döpfner hat seine Anteile formal von der Stiftung gekauft, der Fiskus geht leer aus.  Bei ihm selbst war es etwas komplizierter. Da die Schenkung außerhalb der Familie geschah, wäre der höchste Steuersatz von 50 Prozent fällig. [….] Aber für reiche Leute finden sich fast immer Um- und Auswege. In diesem Fall sind das die sogenannten Poolverträge. Friede Springer hat Döpfner nicht nur 15 Prozent Aktien geschenkt, sondern ihm auch das Stimmrecht für ihre verbleibenden Anteile von rund 22 Prozent eingeräumt. Der Manager kontrolliert damit mehr als 44 Prozent und kommt über die 25-Prozent-Schwelle. Und deshalb kann er eine »Verschonungsbedarfsprüfung« beantragen. Wenn sein Privatvermögen kleiner ist als der fällige Steuerbetrag, kann dieser erlassen werden. So wird es wohl kommen, da sind sich alle Beobachter einig. [….] Der Topmanager – zugleich Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) – ist ja kein armer Mann. Im vergangenen Jahr hat er Schätzungen zufolge rund 6,6 Millionen Euro Gehalt, 2,1 Millionen Versorgungszulagen und 15 Millionen Euro Boni kassiert. Dazu kommen künftige Dividenden: Mit seinen knapp 22 Prozent Kapitalanteil hätte Döpfner im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Euro einstreichen können.  Übrigens hat der Trick in ähnlicher Form schon vor acht Jahren funktioniert. Im August 2012 verschenkte die Verlegerin ein Aktienpaket von 2,8 Prozent im Wert von 73 Millionen Euro an ihren Mathias. Auch dafür musste er kaum Schenkungssteuer bezahlen, wie der Deutsche Steuerberaterverband damals vermutete. [….]

(Verdi, 15.10.2020)

Döpfner und Springers Vorgehen ist sowohl asozial, als auch im höchsten Maß ungerecht. Superreiche betrügen den Staat mit legalen Tricks, die aber Ärmeren nicht zur Verfügung stehen, um Milliarden.

Hinzu kommt aber der staatszersetzende Aspekt. Denn die Dame, die 36.600 Euro an das Finanzamt überwies und es bisher auch ganz richtig fand, das zu tun, fühlt sich nun von Finanzpolitikern, die den Döpfner-Coup ermöglichen, verschaukelt und verliert das Vertrauen in unseren Staat.  (…)

(Die Gelben und die Reichen, 21.04.2023)

Unter besonderem Schutz der CDUCSU stehen in der Wohnraum-Krise auch die Immobilienbesitzer, in deren Taschen reichlich staatliches Geld geleitet wird.

Wer sich eine kleine Wohnung kauft, eine vermögensbildende Maßnahme, die für Normalverdiener inzwischen fast unmöglich geworden ist, wird zur Kasse gebeten, indem er Grunderwerbsteuer zahlt. Die beträgt je nach Bundesland bis zu 6,5%.

Es sei denn natürlich, man ist superreich und erwirbt riesige Gebäude oder ganze Wohnungspakete. Dann ist ein Grunderwerbs-Sharedeal möglich, so daß gar keine Steuern anfallen. Auch hier das gleiche Prinzip: Die Mittleren abkassieren. Die Superreichen pampern.

Besser als selber zahlen, ist es Immobilien zu erben. Auch die unterliegen dann der Erbschaftssteuer. Es sei denn, man erbt mehr als 300 Wohnungen. Dann kann man von lästigen Erbschaftssteuern verschont bleiben.

[….] taz: Sie argumentieren, es gebe ungerechte Ausnahmen bei der Besteuerung von Erbschaften und Immobilien. Zum Beispiel?

Beck: Wer mehr als 300 Wohnungen erbt, muss heute keine Steuer zahlen. Diese Regelung hat null Sinn. Es gibt keine plausible Begründung dafür. Die Grenze von 300 Wohnungen muss weg.

taz: Will der Gesetzgeber größere Unternehmen vielleicht nicht durch zu hohe Zahlungen gefährden?

Beck: Ich nehme an, da hat sich eine Lobby durchgesetzt. Warum sollen Erben von 299 Wohnungen Erbschaftsteuer abführen, solche ab 300 aber nicht? Das ist doch verrückt. Übrigens kann die Steuer auch gestundet und in Raten überwiesen werden. Das wollen wir stärken, so bringt sie Erben auch von Betriebsvermögen nicht in Schwierigkeiten. Wohlgemerkt: Das Familienheim zu erben ist steuerfrei, und das soll auch so bleiben.   [….]

(Katharina Beck, Interview in der taz, 04.09.2025)

Ich denke, wir haben das Prinzip verstanden: Abkassieren bei den Normalos; Megareiche bevorzugen.

Selbstverständlich haben diese von CDU, CSU, FDP, AfD, FW eisern verteidigten Ausnahmeregelungen zugunsten der Überreichen Konsequenzen.

[….] Wer mehr als 100 Millionen Dollar besitzt, gilt als superreich. In Deutschland gehören Tausende Menschen dazu - Tendenz steigend, wie eine Studie zeigt. Zusammen mit den Multimillionären halten sie über die Hälfte des Finanzvermögens.

Rund 5.000 Superreiche besitzen nach Berechnungen der Boston Consutling Group (BCG) mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland. Der Unternehmensberatung zufolge ist die Zahl der Menschen, die hierzulande mehr als 100 Millionen Dollar besitzen, 2025 um rund 1.100 gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Ihnen gehören 27,3 Prozent des Finanzvermögens von 12,4 Billionen Dollar, also knapp 3,4 Billionen Dollar. Das zeigt der aktuelle "Global Wealth Report".[….] Danach profitierten Superreiche im vergangenen Jahr vor allem von Gewinnen an den Aktienmärkten. Bis 2030 werde ihr Anteil am deutschen Finanzvermögen auf 29 Prozent steigen, prognostiziert BCG. [….]

(Tagesschau, 27.05.2026)

Selbstverständlich könnte man in Deutschland die Steuergesetze fairer gestalten, so daß auch die Ultrareichen in die Solidargemeinschaft eingebunden werden.

Wer Superreiche besteuern will, darf nicht CDUCSU & AFD wählen.


Das tut aber gemäß aller aktuellen Umfragen die absolute Mehrheit der Deutschen!
(Außer in den Stadtstaaten) Die Wähler selbst entscheiden also zu Gunsten der Umverteilung von unten nach oben. Eine RR- oder RRG-Mehrheit ist nirgends sichtbar.
Mit 16% ist die SPD in dieser Bundesregierung natürlich nicht in der Position gegen den anderslautenden Wählerwillen – die CDUCSU ist doppelt so stark – Vermögenssteuern durchzusetzen.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Wie werden wir weniger?

Nie war es offensichtlicher als heute: Homo Demens zerstört seine eigenen Lebensgrundlagen, wandelt das Klima in eine für ihn selbst toxische Umwelt um.

Wir sind nicht nur viel zu viele, sondern auch viel zu dumm.

Denn eine umweltschonendes Wirtschaften ist möglich, man kann Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen, ohne klimazerstörende Gase zu erzeugen. 

Aber wenn die größte und die drittgrößte Industrienation der Welt, sich in freien Wahlen radikale Fossillobbyisten als Regierungschefs aussuchen, die buchstäblich gegen Windmühlen kämpfen, mit all ihrer Macht für das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle kämpfen, obwohl die besseren, gesünderen Techniken sogar billiger sind, muss man Massensterben in unserer gegenwärtigen Fauna und Flora nicht nur befürchten, sondern akzeptieren. Es geschieht bereits. Das Massensterben stört uns aber nicht. Die ökonomischen Folgen der Erhitzung schon.

Das Verschwinden des Homo Sapiens von dieser Erde, wäre kein Verlust, sondern ein Segen. Aus kosmischer Perspektive, bliebe dem Planeten noch genügend Zeit, um wie in den Milliarden Jahren zuvor, andere Lebensformen auszuprobieren.

Willkommen Klimatod, Pandemie, Atomkrieg.

Aus humaner Perspektive, mit einer Lebenserwartung von maximal hundert Jahren, erscheint die eigene Vernichtung hingegen nicht sehr rosig, nur weil in 100 oder 800 Millionen Jahren vielleicht mal wieder irgendwas auf zwei Beinen auf dieser blauen Kugel umherkraucht.

Aus humaner Perspektive ist es wünschenswert, diese Zivilisation zu erhalten.

Zumal anders, als bei einem globalen Exitus durch Pandemie, durch 5% Erderhitzung oder radioaktives Fallout auch Tiere und Pflanzen massenhaft stürben.

(….) Siebeneinhalb Milliarden Individuen sind einfach zu viel, wenn man so einen gewaltigen Ressourcen-Verschleiß aufzuweisen hat.   Wir roden die letzten Wälder, treiben den Meeresspiegel hoch, lassen die Gletscher schmelzen, verseuchen die Böden, trocknen Seen aus, verdrängen so effektiv andere Tierarten, daß täglich mehrere aussterben.  Wir erodieren, planieren und asphaltieren Gebirge, buddeln Kohle aus, pumpen Gas und Öl aus der Tiefe, generieren Ozonloch und CO2-Hüllen.

Homo Sapiens lebt auf Kosten der anderen Spezies.

Homo Sapiens vermehrt sich inzwischen nahezu ungehindert.

Pro Jahr werden es 83.686.000 Menschen mehr, das sind 229.277 Menschen pro Tag; 159 Menschen pro Minute und 2,7 Menschen pro Sekunde.  Ein paar von denen kann man aushalten, aber ein Zehntel würde locker ausreichen. 750 - 800 Millionen betrug die Gesamtweltbevölkerung Ende des 18. Jahrhunderts. Die Eine Milliarde-Menschen-Marke wurde 1804 geknackt. Reicht das nicht?

Schon damals konnten wir Ebenbilder Gottes bekanntlich Kriege, Genozide und Ausbeutung ganzer Kontinente vollbringen, weil es genug Soldatennachschub gab, weil die Frauen im Durchschnitt so viele Söhne hatten, daß sie es hinnahmen, daß ab und zu einer davon „auf dem Feld der Ehre“ zerhackt oder zerfetzt wurde.

Der enorme Bevölkerungsdruck, die Verzehnfachung der Menschen in 200 Jahren führte aber zu noch viel mehr Konflikten, Kampf um Ressourcen, Massenmigrationen, Fluchtwellen.

In den Teilen der Welt, die ein sehr geringes Bevölkerungswachstum ausweisen, oder gar wie Deutschland, Japan, Südkorea und die baltischen Länder (Fertilitätsrate bis 1,3) schrumpfen, ist die Kriegsmüdigkeit hingegen recht ausgeprägt.

Verständlich, denn wenn man/frau bloß ein Kind hat, geht es ihm einerseits ökonomisch besser, so daß es weniger wahrscheinlich auf die Idee kommt Soldat zu werden und andererseits sind die Eltern auch protektiver, lassen ihre Kindern weniger gern in den Krieg ziehen.

Länder mit den höchsten Fertilitätsraten – Gaza 4,9 Jemen 5,0 Ruanda 5,3 Kongo 5,8 Uganda 6,1 Somalia 6,3 Ost-Timor 6,3 Afghanistan 6,4 – sind offenbar auch besonders unfriedlich, weil die enorme Kinderzahl die Ressourcen erschöpft, Konkurrenz entsteht und Eltern auch eher mal den Tod eines ihrer Blagen verkraften.

Wir brauchen also weniger Menschen und daher weniger Nachwuchs.

Es ist wohl auch kein Zufall, daß die Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte auch die mit den geringsten Geburtenraten sind. (…..)

(Menschenmassen, 14.10.16)

Das schrieb ich vor zehn Jahren, inzwischen sind wir schon 8,3 Milliarden Individuen.

Das rasante Weltbevölkerungswachstum darf nicht so weitergehen.

[….]  Zu Beginn der Landwirtschaft, etwa 8000 v. Chr., betrug die Weltbevölkerung ungefähr 5 Millionen. Über den 8.000-jährigen Zeitraum bis 1 n. Chr. wuchs sie auf 200 Millionen (einige schätzen 300 Millionen oder sogar 600, was darauf hindeutet, wie ungenau Bevölkerungsschätzungen früher historischer Perioden sein können), mit einer Wachstumsrate von unter 0,05 % pro Jahr.

Mit der industriellen Revolution kam es zu einer gewaltigen Veränderung: Während es die gesamte Menschheitsgeschichte bis etwa 1800 gedauert hatte, bis die Weltbevölkerung eine Milliarde erreichte, wurde die zweite Milliarde in nur 130 Jahren (1930) erreicht, die dritte Milliarde in 30 Jahren (1960), die vierte Milliarde in 15 Jahren (1974) und die fünfte Milliarde in nur 13 Jahren (1987).

·        Allein im 20. Jahrhundert ist die Weltbevölkerung von 1,65 Milliarden auf 6 Milliarden Menschen angewachsen.

·        Im Jahr 1970 gab es auf der Welt etwa halb so viele Menschen wie heute.

·        Aufgrund sinkender Wachstumsraten wird eine erneute Verdopplung nun über 200 Jahre dauern.  [….]

(Worldometer 2026)

Der einzig wirklich humane Weg, die für Fauna und Flora so toxische Bevölkerungsexplosion zu hemmen, wäre ein freiwilliger, auf Vernunft basierender Antinatalismus. Das wird sich aber niemals durchsetzen, weil wir als Spezies dazu viel zu dumm, zu egoistisch und zu religiös sind.

(….) Acht Milliarden Menschen sind viel zu viel für diesen Planeten. Diese Massen produzieren so viel Schmutz und Wärme, daß im Rekordtempo Fauna und Flora ausgerottet werden. Im Anthropozän sterben aber nicht nur die anderen Spezies, sondern der dominante Parasit Homo Demens selbst, wird im Kampf um die knappen Ressourcen zum Opfer. Im Gegensatz zu anderen Tieren, die so viel fressen und so viel töten, wie sie müssen, agiert Homo Demens vollkommen ungehemmt. Er killt zum Vergnügen, rafft viel mehr an sich, als er braucht, verteilt die Ressourcen grotesk ungerecht und vernichtet auf dem Altar des Kapitalismus gewaltige Lebensmittelmengen. Diese Spezies insgesamt ist für mich die unsympathischte Tierart überhaupt.

Dieses Pauschalurteil gilt aber nicht für das Individuum, welches (zumindest aus humaner Perspektive) sehr interessant und erstaunlich sein kann.

Daher gehe ich gar nicht so weit, alle Menschen ausrotten zu wollen. Nein, ich bin für die Menschen und würde mir ihr langfristiges Überleben auf der Erde wünschen.

Damit die unangenehmen Erscheinung der Menschenmasse nicht auftreten, sollte ihre Gesamtzahl aber auf ein Prozent der heutigen Zahl begrenzt sein. Statt acht Milliarden Einzelexemplaren, also 80 Millionen. Oder sagen wir, aufgerundet: 100 Millionen Menschen auf diesem Planeten.

Es gab Zeiten der Erdgeschichte, als Homo Sapiens auf wenige Tausend Exemplare geschrumpft war. Das nenne ich dünn besiedelt. Aber bei 100 Millionen, die noch dazu durch das Internet alle miteinander vernetzt wären, sollte es genügend Auswahl geben, um Gleichgesinnte zu treffen und überall zu siedeln. Wir würden aber nicht mehr die Meere leerfischen und die Atmosphäre mit Stickoxiden und CO2 verpesten. Wir könnten sogar Autos mit Verbrennungsmotor fahren, Flugzeuge mit Kerosin betreiben, im Wohnzimmer einen hübschen gekachelten Steinkohleofen verwenden. Bei 99% weniger Individuen wäre der ökologische Fußabdruck keine Größe mehr, mit der die Umwelt nicht fertig würde. Keine überfüllten Strände, verstopften Straßen, saubere Flüsse, überall gedeihende Fauna und gesunde Luft.

Paradiesisch. Aber wie reduziert man von acht Milliarden, also 8.000 Millionen Menschen auf 100 Millionen Menschen, ohne Seuchen, Kriege oder Naturkatastrophen? (….)

(Weniger Menschen bitte, 13.10.2022)

Immerhin gibt es Erfahrungen mit der enormen Regenerationskraft der Natur, wenn man den Faktor Mensch reduziert.

Das bewiesen Dschingis Khan und seine Nachfolger im frühen 13. Jahrhundert.

[….]  1206 ernannten ihn die Fürsten der Steppenvölker zum »Dschingis Khan«, danach zog er mit der wohl größten Kavallerie aller Zeiten weiter und terrorisierte das benachbarte Riesenreich China und die Regionen des heutigen Usbekistans und Turkmenistans. [….] Dass die mongolischen Horden im Laufe des 13. Jahrhunderts ganze Menschenmassen umbrachten, wirkte sich auch auf das Weltklima aus, wie eine Studie zeigt, an der das Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg beteiligt war. Es fehlten zunehmend Menschen in Asien und Europa, die die Felder und Äcker hätten bestellen können, und auf riesigen Landflächen wuchs wieder Wald. Hunderte Millionen Tonnen Kohlendioxid wurden auf diese Weise gebunden, die Erderwärmung wurde gebremst. »Nicht einmal der Schwarze Tod, also die verheerende Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts, hatte derartig einschneidende Auswirkungen auf das Klima wie die Mongoleneinfälle«, sagt Wemhoff. [….]

(SPIEGEL, 25.05.2026)

Es folgten Pandemien zum Nutzen der Natur.

Die Deutschen schafften eine ähnliche Renaturierung durch den 30-Jährigen Krieg.

Ohne den Heiligen Bonifatius, „Apostel der Deutschen“, auch kein Dreißigjähriger Krieg (von 1618 bis 1648), der als vermutlich verheerendster Religionskrieg Mitteleuropa entvölkerte.

"Hans Philipp Goßmann von Spachbrücken zu Tod geschlagen. Hans Gerhards schwangeren Frauen die Rippen entzweigeschlagen, dass sie bald gestorben. Jakob Hans Frau zu Tod geschändet. Hans Simon mit dem Gemächt ufgehängt und vollends erschlagen ... Summa: 18 Personen", endet die "Schadensliste", die man nach einem Überfall der kaiserlichen Soldaten auf das hessische Reinheim im Mai 1635 bei der zuständigen Obrigkeit einreichte.

Der Dreißigjährige Krieg zeigt sich in solchen Beispielen als Krieg schlechthin: erschlagene, gefolterte, vergewaltigte Unbeteiligte. Ausgebrannte Städte, verwüstete Dörfer, kahlgefegte Äcker. Hungersnöte, Seuchenzüge. Wer da noch lebte, lebte nicht mehr lange: "Wir Leut leben wie die Tier, essen Rinden und Gras", heißt es in einem Bibeleintrag aus den zerstörten Dörfern der Schwäbischen Alb gegen Ende des Krieges. Man ernährte sich von Eicheln und Kleie, briet Ratten, Katzen, Hunde und krepierte Pferde. [….]

(Cora Stephan 09.02.2013)

In den letzten Tagen habe ich mich mal wieder etwas genauer in den 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648) hineingelesen.
Es war bekanntlich der schwerste Religionskrieg, der jemals in Europa tobte.
Protestanten und Katholiken haben so lange aufeinander eingedroschen, bis das „heilige römische Reich deutscher Nationen“ entvölkert und verwüstet war.
Die Hälfte der Deutschen Gesamtbevölkerung wurde massakriert oder fiel Seuchen zum Opfer, die Zivilisation wurde um 100 Jahre zurück geworfen.
Die Bauernhöfe waren verwaist, der Viehbestand nahezu komplett ausgerottet.
Der Mega-Religionskrieg bescherte uns Begriffe wie „magdeburgisieren“.
Magdeburg war damals eine von den Bischöfen unabhängige Stadt mit 30.000 - 40.000 Einwohnern, die versuchte neutral und friedlich zu bleiben.
Das gefiel den Katholiken natürlich überhaupt nicht und so schickt im April 1631 die katholische Majestät Kaiser Ferdinand II den kaiserlichen Befehlshaber Tilly, der die Stadt bis auf die Grundmauern zerstört und seine Truppen anschließend so lange plündern, morden und vergewaltigen läßt, daß nach einer Zählung aus dem Jahr gerade noch 468 Magdeburger leben.
Es war aber auch nicht alles schlecht am 30-Jährigen Krieg.
Da es weit über 200 Jahre brauchte, bis die Bevölkerungszahl wieder auf den Stand vom Beginn des 17. Jahrhunderts angestiegen war, kam es zu einer großartigen Verwaldung der ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Die menschengemachte Monokultur verschwand zugunsten eines intakten Ökosystems aus Urwäldern.

Und wer hat Schuld am 30-Jährigen Krieg?  Dazu gibt es selbstverständlich ein ganzes Bündel Ursachen aus unterschiedlichen Machtinteressen.
Zwei Hauptschuldige will ich aber hervorheben.
Erstens der tiefsitzende Menschenhass der Horrorreligion des Katholizismus.
Es war die katholische Kirche, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollte und mit ihrer Marionette Ferdinand II ganz Europa rekatholisieren wollte.

Das Restitutionsedikt war eine von Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629 erlassene Verordnung, mit der ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände der Status quo des geistlichen Besitzstands im Reich wieder auf den Stand des Jahres 1552 gebracht werden sollte. Es setzte damit die katholische Interpretation des Augsburger Religionsfriedens (1555) durch.
(Wikipedia)

Die RKK war dermaßen blutrünstig, daß sie selbst nachdem schon der halbe Kontinent verwüstet war erbittert Propaganda gegen diejenigen betrieb, welche auch nur an einen Frieden dachten.
Insbesondere die Jesuiten und der Pater am Kaiserlichen Hof, Johannes Weingarten empörten sich ab dem Jahr 1633 über den katholischen Heerführer Wallenstein, der "den Krieg vernachlässige“ und nicht mehr die rechte Lust verspürte Protestanten zu massakrieren.
Als auch noch Gerüchte auftauchten Wallenstein wolle Friedensverhandlungen beginnen, hetzten die katholischen Geistlichen so gegen den Kriegsmüden, daß sie seine Ermordung durchsetzen konnten.

Die zurückhaltende Art seiner Kriegführung während des zweiten Generalates [Wallensteins], seine Friedenspolitik und die dadurch hervorgerufene Sorge um den Triumph der katholischen Idee ließen am Hofe bald eine starke Partei gegen ihn erstehen, an der Spitze der Sohn des Kaisers, der spätere Ferdinand III. Sie gewann im Laufe der Zeit einen entscheidenden Einfluß auf den schwachen und schwankenden Kaiser, zumal in ihr Männer wie der bayerische Kurfürst, der böhmische Oberste Kanzler Slawata, die Jesuitenpatres Lamormaini, der Beichtvater, und Weingartner, der Hofprediger, mit Leidenschaft gegen Wallenstein wirkten.
(Uni Giessen.de) (……)

(Historische Parallelen 31.21.2011)

Die Methoden Tilly und Dschingis Khan erscheinen relativ unerfreulich.

Aber immerhin würde die Menschheit überleben.  Die Methoden Merz, Reiche und Trump sind hingegen gesamt-toxisch. Wenn wir uns immer mehr vermehren und auf ewiges Wirtschaftswachstum auf Kosten der Natur setzen, werden wir alle ausgerottet.