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Dienstag, 10. Februar 2026

Kieler Kirchen Krawall

Die Heuchelei der Kirchen ist mir selbstverständlich seit Jahrzehnten wohl vertraut, erstaunt mich aber dennoch immer wieder auf’s Neue.

Sie inszenieren sich als göttlich, supranational und fühlen sich dem gemeinen Volk moralisch derartig überlegen, daß normale Gesetze für sie keine Geltung haben.

Kündigungsschutz? Streikrecht? Arbeitsrecht? Diskriminierungsverbot?

Pah, das soll alles nicht für kirchliche Firmen gelten. Sie dürfen, Lesben, Juden, Geschiedene, Konfessionslose feuern, oder sie gar nicht erst zu Vorstellungsgesprächen zulassen. Das kirchliche Arbeitsrecht steht ihnen feudales Arbeitgeberverhalten zu.

Und wenn ihre Geistlichen Kinder quälen, misshandeln, demütigen und vergewaltigen, geht das schon in Ordnung. Der Staatsanwaltschaft oder Polizei wird es nicht gemeldet. Schon allein, weil nicht sichergestellt sein könne, daß Staatsanwälte den Sexualstraftätern gegenüber wohlwollend eingestellt sind. Am Ende ergreifen die noch Partei für die Opfer, statt weiter auf den sexuell missbrauchten Kindern rumzutrampeln, wie es in der eigenen Kirchengerichtsbarkeit geschieht.

(….) Wie immer wenn ein deutscher Kardinal stirbt, stehen von links bis rechts alle Toppolitiker zusammen und überschütten den Dahingeschiedenen mit Lob. Daß die Hardcore-Katholikin Nahles den Kardinal aus ihrem Heimatbundesland verehrt und lobpreist ist wenig überraschend.

Als Sozialdemokrat höre ich das dennoch nicht gern. Klar, verglichen mit Mixa oder Overbeck war der ABBA-Fan Lehmann relativ sympathisch. Misst man ihn aber an objektiven rechtlichen und moralischen Maßstäben, ist er auch nur ein homophober, misogyner K1nderfick€rförderer. Priester, die in seinem Bistum kleine Jungs vergewaltigt hatten, wollte er lieber weiter Kinder ficken lassen als sie der Staatsanwaltschaft zu übergeben, weil Lehmann befürchtete die staatlichen Stellen könnten sich auf die Seite der Opfer, statt auf die Seite der Täter stellen. Als der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Kardinal Lehmann einmal gefragt wurde, warum denn vor 2010 so viele Bischöfe, die Kenntnis von kind€rfi<kende Kaplanen hatten, nicht zur Staatsanwaltschaft gegangen wären, antwortete der Kirchenfürst ganz jovial, daß nicht alle Staatsanwaltschaften den Kirchen freundlich genug gesonnen wären. 

Seit wann dürfen eigentlich Kriminelle sich ihre Ankläger aussuchen, bzw entscheiden gar nicht erst zur Rechenschaft gezogen zu werden, weil der Richter nicht lieb genug ist?

Im Jahr 2007, also fünf Jahre nach den päpstlichen Leitlinien zum Kindesmissbrauch, die vorsahen pädophil übergriffige Priester zu melden, hatte der Mainzer Kardinal erklärt, wieso er sich nicht daran halten müsse – die Staatsanwaltschaften gefielen dem Herren im roten Kleid nicht.

O-Ton Karl Kardinal Lehmann:

„Die Staatsanwaltschaften in verschiedenen Städten sind auch recht verschieden. Soweit her mit der Objektivität allein ist es dann auch wieder nicht.“

Täterschutz kommt vor Opferhilfe. Das ist der Kern der Religionen: Wir sind besser als die und dürfen das, was die noch lange nicht dürfen. Im klaren Widerspruch zur Verfassung kassieren die Kirchen ab.

 (Das ist dreist, 15.08.2013)

Andrea Nahles ist da ebenfalls auf der Seite der Bischöfe. Sie bejubelte auch den obersten Kind€rfi(kervertuscher Ratzinger im Bundestag. Ein paar Myriaden sexuell missbrauchte und verprügelte Kinder sind ihr ganz offensichtlich viel weniger wichtig als der Machterhalt der Multimilliarden-Organisation RKK.

In all den Dekaden als Kirchenfürst förderte Lehmann Priester, die Kinder brutal misshandelten.

Der langjährige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Karl Kardinal Lehmann hat es offenbar vorgemacht, indem er gar aus dem Ausland Pädophile in sein Bistum holte und sie im Schnellverfahren zu Priestern machte.
Im Mai 1992 war im Schweizerischen Polizeianzeiger ein Haftbefehl der Kantonspolizei Freiburg gegen einen kinderbefummelnden Mann ergangen. Zeugen haben von "Griffen an die Genitalien" berichtet. An dem Freiburger Gymnasium, wo er als Deutschlehrer tätig war, hatten betroffene Schüler in großen Lettern "Orat et masturbat" und "Master of masturbation" auf die Fassade geschrieben.
DIESEN Mann, der nach Informationen des SPIEGEL in der Schweiz wegen des Verdachts auf "Unzucht mit Kindern" zur Fahndung ausgeschrieben war, bat Kardinal Lehmann nach Mainz wo er einen 12-Monatigen Schnellkurs im Priesterseminar belegte.
Nach dem was man inzwischen über Vorgänge in Priesterseminaren weiß – St. Pölten läßt grüßen – ist es nicht verwunderlich, wie schnell sich der Kind€rf!cker unter Katholiken wohlfühlte.
Im Oktober 1992 wurde er Diakon und dann 1993 vom Kardinal persönlich zum Priester geweiht.

(Tammox 20.04.2008) (….)

(Der Schmerzensmann und die SPD-Katholibanin, 11.03.2018)

Ihre moralische Überlegenheit leiten die Kirchisten von einem imaginären Skydaddy ab, dessen Existenz sie allerdings in 2.000 Jahren nie nachweisen konnten, während seine Nichtexistenz längst bewiesen ist: Das ist Theodizee.

Das Christentum ist ein Herrschaftsinstrument, welches dazu dient, die Massen zu disziplinieren und der Klerikerkaste die Taschen zu füllen. Dazu bedient sich die größte transnationale Pädosex-Organisation der Erde einem Jenseits-Versprechen, welches sie nie einlösen muss. Die Kirchen entscheiden, wer Christ ist und dadurch ewig leben darf. Dementsprechend fungiert die Exkommunikation als schwerste Strafe, weil sie die Menschen zu ewiger Höllenqual verurteilt.

Einst sprachen die Kirchenfürsten dafür noch ein „Pfui! Pfui! Pfui!“ aus. 

(….) Absolut großartig, wie die katholische Kirche einst half, den expressionistischen Maler Max Ernst (1891-1976) weltberühmt zu machen.

Nachdem ihn die Nazis als „entartet“ brandmarkten, übernahm nach dem Krieg nahtlos die katholische Kirche seine Verdammung.

Insbesondere das Gemälde Rückkehr der schönen Gärtnerin brachte sie in Wallung. Hitler hatte das Original zerstören lassen, aber Ernst malte es in den 1960ern neu.

Bekanntlich sah die RKK bis heute nie einen Grund den Katholiken Adolf Hitler zu exkommunizieren.

Bei Ernst legten sie andere Maßstäbe an.

Sein Gemälde "Die Jungfrau Maria verhaut den Menschensohn vor drei Zeugen: André Breton, Paul Eluard und dem Maler des Bildes" von 1926 verziehen sie ihm auch 40 Jahre später nicht. 

 [….] ERNST: Ja, und ich bin dann in Köln exkommuniziert worden

SPIEGEL: Nachdem Ihr Vater Sie verflucht hatte.

ERNST: Der hatte mich sowieso schon mehrmals verflucht. Aber dann war eine Katholikenversammlung im Gürzenich in Köln, und da hat ein Repräsentant des Erzbischofs eine Rede über diesen Sittenverfall gehalten und am Ende erklärt: "Der Maler Max Ernst ist aus der Kirche ausgeschlossen, und ich rufe die Versammlung auf zu einem dreimaligen "Pfui." Da haben die dreimal pfui gerufen, und damit war ich aus der Kirche ausgeschlossen. [Das Gute an der Kirche ist, daß sie so gar nicht lächerlich wirkt – T.] Das hatte noch ein Gutes: Meine jüdische Frau in Köln -- die Scheidung kam kurz hinterher -- beklagte sich andauernd, daß sie für mich noch Kirchensteuer bezahlen mußte, und drängte mich, aus der Kirche auszutreten. Nun kam das ganz von selbst, [….]

(SPIEGEL, 23.02.1970

Den Bischof kennt heute keiner mehr. Ernst ist immer noch ein Superstar. (….)

(Gute Konservative, 26.09.2018)

In Wahrheit hängt die Exkommunikation von der Zahlungsmoral der Schäfchen ab.

Ablass, Reliquienhandeln, Kirchensteuer – man muss die Bischöfe reich machen, um in den Himmel zu kommen. Das ist der eigentliche und sehr pekuniäre Kern des Christentums. In Deutschland treibt der Staat als Inkassounternehmen der Hitler-Konkordatskirchen deren Mitgliedsbeiträge ein und vollführt automatisch in einem simplen Verwaltungsakt beim Ortsamt (gegen eine Bearbeitungsgebühr von 20-40 Euro) de facto die Exkommunikation. Das Wohl der Menschen, deren kostbare Seele, interessiert keinen Geistlichen. Die kümmern sich gar nicht erst darum und bleiben dem Kirchenaustritt fern. Wer nicht mehr zahlen will, kommt in die Hölle. Das kann die Sachbearbeiterin im Landratsamt erledigen. Dafür muss nicht erst ein Vikar von den Messdienerchen weggeholt werden.

Kirchliche Moral, das ewige Leben, die ewige Seele, sachgerecht reduziert auf ein Formular und 20 Euro.

Aber ausgerechnet dieser Kirche, mit diesem erbärmlich-raffgierigen Menschenbild, welches die Entscheidung über ewige Höllenqual nicht einmal der Mühe eines Gesprächs unterzieht und alles an den Staat delegiert, passt es nicht, wenn dieser Akt online erledigt werden kann. So hatte es Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt vorgesehen.

Für 20 Euro im Standesamt nach dem

Gesetz über den Austritt aus Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts in Schleswig-Holstein (Kirchenaustrittsgesetz - KiAustrG) vom 8. Dezember 1977.

Das ist passend um über das ewige Leben zu befinden.
Daran störte sich keine Kirche über die letzten 50 Jahre. Aber Online? Pfui! Pfui! Pfui!

[…..] Ein Versuch der Stadt Kiel, Bürokratieabbau plastisch darzustellen, ist gründlich schiefgegangen. In einem Instagram-Video warb die Stadtverwaltung dafür, Termine beim Standesamt per Online-Videosprechstunde zu erledigen, statt persönlich aufs Amt zu kommen – als Beispiel hatte sie sich aber ausgerechnet Kirchenaustritte ausgesucht. Nach heftiger Kritik der Kirchen hat die Stadt das Video gelöscht.

»Es ist sehr befremdlich, dass eine Verwaltung öffentlich den Kirchenaustritt bewirbt«, sagte die Leiterin des katholischen Büros Schleswig-Holstein im Erzbistum Hamburg, Beate Bäumer, den »Kieler Nachrichten«. Auch die Protestanten zeigten sich wenig erfreut. Ein Austritt aus der Kirche sei »kein neutraler Vorgang wie eine Ummeldung oder ein neuer Personalausweis, sondern berührt sehr persönliche Fragen von Glauben, Zugehörigkeit und Lebensgeschichte«, sagte der Landeskirchliche Beauftragte der Nordkirche beim Land, Pastor Wilko Teifke, dem Blatt. […..] Inzwischen ist das Video bei Instagram wieder verschwunden. Es sei gelöscht worden, »um weitere Irritationen zu vermeiden«, sagte eine Sprecherin der Stadt der »Bild«-Zeitung. […..]  Laut den »Kieler Nachrichten« hat das Standesamt in Kiel pro Jahr mit 4000 Kirchenaustritten zu tun, die Anmeldung ist weiterhin möglich. Auch andere Verwaltungsdienstleistungen stehen bereits online zur Verfügung. […..]

(SPON, 09.02.2026)

Mittwoch, 2. April 2025

Bibis Buddys

Beliebt war Bibi Netanyahu bei seinen internationalen Kollegen noch nie. Mal ganz abgesehen von seiner extrem destruktiven Politik, ist der Mann auch persönlich eine Pest, der man kein Wort glauben darf, wie zwei Präsidenten einmal unabsichtlich enthüllten.

[… ] In einem vertraulichen Gespräch mit US-Präsident Barack Obama hat Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy über den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hergezogen. "Ich kann ihn nicht mehr sehen, er ist ein Lügner", soll Sarkozy nach übereinstimmenden Angaben von Mithörern des Gesprächs über Netanjahu gesagt haben. Obama habe ihm geantwortet: "Du bist ihn leid, aber ich habe jeden Tag mit ihm zu tun!"  Zu der Veröffentlichung des diplomatisch heiklen Gesprächsausschnittes kam es durch eine Panne beim G-20-Gipfel in Cannes Ende der vergangenen Woche. Das Organisationsteam sendete dabei den eigentlich nur für die Übersetzer bestimmten Ton der Unterhaltung auf einem Kanal, der auch von Journalisten verfolgt werden konnte.   [….]

(Zeit, 08.11.2011)

Hier sprechen keine Israel-Feinde! Die USA sind traditionell der engste Verbündete Israels. Sarkozy wiederum kommt aus der gleichen konservativen Parteienfamilie und ist auch bei den Themen Korruption und Justizärger ein Bruder im Geiste.

Wie Kollege Trump, wird Bibi immer extremer, lügt immer mehr und verstrickte auch seine Familie in Korruption und andere kriminelle Machenschaften. Wie Trump, dient ihm das Amt des Regierungschef in erster Linie dazu, um nicht in den Knast zu kommen.

Netanyahu aber übertrifft seinen orangen Freund in Washington sogar noch in einem Aspekt: Er wird wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza auch von der internationalen Justiz gesucht. Der Internationale Strafgerichtshof erstellte im November 2024 einen Haftbefehl gegen den 75-Jährigen Rechtsextremisten.

[….] Agnès Callamard, die internationale Generalsekretärin von Amnesty International, kommentierte die Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofs wie folgt:

"Die Mühlen der internationalen Justiz haben endlich diejenigen eingeholt, die mutmaßlich für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Palästina und Israel verantwortlich sind. Die heutigen Haftbefehle sind ein historischer Durchbruch für die Gerechtigkeit. Sie müssen der Anfang vom Ende der allgegenwärtigen Straflosigkeit sein, die im Zentrum der Menschenrechtskrise in Israel und im besetzten palästinensischen Gebiet steht.

Ministerpräsident Netanjahu ist nun offiziell ein gesuchter Mann. Nach seiner Anklage sowie der Anklage von Yoav Gallant und Mohammed al-Masri, allgemein bekannt als Mohammed Deif, dürfen die Mitgliedsstaaten des IStGH und die gesamte internationale Gemeinschaft nicht ruhen, bis diese Personen vor den unabhängigen und unparteiischen Richter*innen des IStGH stehen. Es darf keinen 'sicheren Hafen’ für Personen geben, die mutmaßlich Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.

Mit diesen Haftbefehlen bringt der IStGH den unzähligen Opfern endlich auch eine echte Hoffnung auf Gerechtigkeit und stellt das Vertrauen in den universellen Wert internationaler Rechtsinstrumente und der Justiz wieder her. Wir fordern nun alle IStGH-Mitgliedstaaten und Nicht-Vertragsstaaten, einschließlich der USA und anderer Verbündeter Israels, auf, ihre Achtung vor der Entscheidung des Gerichts und den universellen Grundsätzen des Völkerrechts zu zeigen, indem sie die vom IStGH gesuchten Personen verhaften und ausliefern.

Hohe Beamte für ihre zahlreichen Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen, ist ein entscheidender Schritt zur Beendigung der anhaltenden Rechtsverletzungen in Israel und dem besetzten palästinensischen Gebiet. Dies könnte dazu beitragen, die fortgesetzte Enteignung und Unterdrückung der Palästinenser*innen unter Israels rechtswidriger Besatzung und Apartheid zu bekämpfen. 

Die Haftbefehle des IStGH gegen Netanjahu und Gallant enthalten eindeutige Anklagen wegen Kriegsverbrechen, die 'schwere Verstöße’ gegen die Genfer Konventionen darstellen. Jeder Staat der Welt ist verpflichtet, unabhängig von der Nationalität des Täters oder des Opfers, diejenigen vor Gericht zu stellen, denen solche 'schweren Verstöße’ zur Last gelegt werden."

Amnesty International erwartet auch von der deutschen Bundesregierung ein klares Bekenntnis zum IStGH unter anderem indem die gesuchten Personen verhaftet werden, wenn sie sich in Deutschland aufhalten.  […]

(Amnesty International, 22.11.2024)

Für Bibi, der bereits 1996 das erste Mal Premierminister wurde und seither Anklagen sammelte, wie andere Menschen Briefmarken, fallen Petitessen wie internationales Recht, kaum ins Gewicht. Gerade droht wieder einmal zu Hause erheblich mehr Justiz-Ärger.

[….] Zum Regieren bleibt Benjamin Netanjahu wenig Zeit in diesen Tagen. Denn Israels Premierminister steht nicht mehr nur wegen Korruption in Tel Aviv vor Gericht; zugleich nimmt noch eine andere Affäre unter dem Stichwort „Katargate“ enorm Fahrt auf. Wenn er es zwischendurch trotzdem schafft, einen neuen Chef des Inlandsgeheimdienstes auszuwählen, dann muss er das nur 24 Stunden später wieder zurücknehmen. In Israel herrscht derzeit ziemliches Chaos. [….] Was sich da gerade zusammenbraut über dem Land, ist ein Krieg mit äußeren Feinden plus einer Staatskrise im Innern, wo die Regierung die Justiz zum Gegner erklärt hat. Mittendrin steht Netanjahu, für den es bei den Kämpfen im Äußeren ebenso wie im Innern vor allem ums eigene politische Überleben geht. [….] Um diese Gemengelage aufzudröseln, fängt man am besten beim vorläufigen Ende an, bei der bösen Posse um den Chefposten beim Inlandsgeheimdienst Schin Bet. Vor Kurzem hatte Netanjahus Regierung den bisherigen Leiter Ronen Bar gefeuert wegen „Mangels an Vertrauen“. Das Oberste Gericht hat diese Entlassung mit einer einstweiligen Verfügung ausgesetzt. Für den 8. April ist eine Anhörung angesetzt wegen mehrerer Petitionen, in denen Netanjahu bei Bars Entlassung ein Interessenkonflikt vorgeworfen wird. Unter Bars Führung nämlich ermittelt der Schin Bet zusammen mit der Polizei, ob Geld aus Katar an enge Vertraute des Premiers geflossen ist. [….] [….]

Zwei Vertraute des Premiers namens Jonatan Urich und Eli Feldstein wurden [….]  festgenommen unter dem Verdacht, zwei Herren zugleich gedient zu haben: Israel und Katar. Sie sollen aus Doha Geld bekommen haben, um das Image des Emirats in Israel zu verbessern. [….] Die Nachricht von der Festnahme seiner beiden Mitarbeiter erreichte Netanjahu in jenem Tel Aviver Gerichtssaal, in dem er sich gerade wegen möglicher Korruption in drei anderen Fällen zu verantworten hat. Seit 2020 schon läuft dieser Prozess, und er wird von Netanjahu und seinen Anwälten nach Kräften verschleppt. [….]

(Peter Münch, SZ, 02.04.2025)

Der rechtsfaschistische Antidemokrat bestrebt, wie seine Freunde in Washington und Budapest, die Gewaltenteilung zu schleifen, um Justiz und Presse unter seine Kontrolle zu bekommen. Aber insbesondere die Justiz wehrt sich in Israel erfolgreicher, als in Ungarn oder den USA. Sie setzt auch dem amtierenden Premier zu.

[….] Netanjahu steht derzeit wegen Korruption vor Gericht und muss mehrmals pro Woche für Befragungen erscheinen. Im sogenannten Katargate wurde der Premier bisher nur als Zeuge geladen. Ob er auch als Verdächtiger befragt wird, steht noch aus. Dennoch macht Netanjahu öffentlich Stimmung: Seine beiden Vertrauten, erklärte er, würden von der Polizei als „Geiseln“ gehalten. Die Aussage wurde in Israel heftig kritisiert – werden doch derzeit weiter 59 Menschen, davon mutmaßlich noch 24 am Leben, tatsächlich als Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Und ein Deal, um sie zu befreien, ist derzeit kaum in Sicht. Netanjahu spricht außerdem von einer „Hexenjagd“. [….]

(taz, 02.04.2025)

Dem heimischen Ärger durch nette Auslandsreisen zu entfliehen, kommt für Bibi kaum noch in Frage, da die 125 Länder, die Mitglieder des IStGH sind, verpflichtet sind, Bibi zu verhaften, sobald er deren Staatsgebiet betritt. Willkommen ist Netanyahu nur noch in Schurkenstaaten, mit denen er nicht zufällig gerade Krieg führt. Da kann man nicht allzu wählerisch sein und so lässt er es sich gerade bei dem Antisemiten Orbán gut gehen.

[….] Es hat immer etwas Historisches, wenn Benjamin Netanjahu nach Ungarn kommt. Als er 2017 anreiste, war er der erste israelische Ministerpräsident nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, der das Land besuchte. Besonders wird auch sein Besuch von diesem Mittwoch an sein, wenngleich aus anderen Gründen. Denn gegen Netanjahu gibt es einen internationalen Haftbefehl. [….] Theoretisch müsste Netanjahu also festgenommen werden, sobald er in Budapest aus dem Flugzeug steigt.

Praktisch hat der ungarische Regierungschef Viktor Orbán den Haftbefehl jedoch von Anfang an abgelehnt, weil er seiner Ansicht nach politisch motiviert ist. Und nicht nur das: Orbán lud Netanjahu auch nach Ungarn ein. [….] Der Haftbefehl, so Orbán, werde für Netanjahu „keine Konsequenzen“ haben.  Das kann Orbán auch deswegen so leichtherzig sagen, weil derzeit noch eine rechtliche Grauzone existiert. Israel hat, wie es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin heißt, Rechtsmittel gegen den Haftbefehl beim IStGH eingelegt, und die Prüfung dauert noch an. Solange darüber nicht entschieden wurde und die Mitgliedstaaten aus Den Haag kein Rechtshilfeersuchen für die Verhaftung bekommen, muss Netanjahu nicht festgenommen werden. [….] In den USA hatte Präsident Donald Trump Anfang Februar, kurz nach dem Besuch von Benjamin Netanjahu im Weißen Haus, Sanktionen gegen Mitarbeiter des Strafgerichtshofs in Den Haag verhängt. Sie beinhalten Einreiseverbote in die USA und könnten das Einfrieren von Vermögen zur Folge haben. Die USA haben das Gericht genauso wie Israel nicht anerkannt. In Ungarn ist das offiziell anders, auch in Deutschland. Doch selbst hier hatte der künftige CDU-Kanzler Friedrich Merz kurz nach der Bundestagswahl angekündigt, „Mittel und Wege“ zu finden, um Netanjahu dennoch in Deutschland zu empfangen – wie auch immer diese dann aussehen mögen. Wenn der Haftbefehl in Deutschland rechtswirksam wird, dürfte es für Merz schwierig werden, sich über Strafverfolgungsbehörden hinwegzusetzen. Aus dem IStGH kommt auf SZ-Anfrage der allgemeine Hinweis, es sei nicht die Sache einzelner Staaten, über die Rechtmäßigkeit der Gerichtsentscheidungen zu befinden. [….]

(SZ, 02.04.2025)

Es gibt sie also noch, Bibis Buddys, die genauso korrupt und rechtsextrem wie er sind und den internationalen Haftbefehl ignorieren, weil ihnen internationale Rechtsstaatlichkeit nichts bedeutet: Orbán, Trump und demnächst auch Merz.

Zum Mitschämen:

[…] Mit seiner ausgesprochenen Einladung an den israelischen Regierungschef stellt sich Friedrich Merz bewusst in eine Reihe mit Autokraten. Und die SPD guckt zu. [….] Benjamin Netanjahu wird bei seinem Besuch in Ungarn nicht festgenommen [….] Klar, Autokraten, die Autokraten schützen – da ist niemand überrascht. Immerhin ist Viktor Orbán konsequent, bei ihm gilt gleiches Unrecht für alle. Nicht nur Netanjahu, sondern auch Wladimir Putin wird von ihm nicht dem Gericht in Den Haag ausgeliefert.

Das Schweigen der Bundesregierung, die sonst sehr gerne scharfe Worte in Richtung Orbán schickt, spricht Bände. [….] Jetzt, da der Koalitionspartner in spe Friedrich Merz den mutmaßlichen Kriegsverbrecher auch nach Deutschland eingeladen hat, wird es ein solches Bekenntnis von den Sozialdemokraten erst recht nicht mehr geben.  Wenn der künftige Bundeskanzler sagt, er werde Wege finden, um die Festnahme zu verhindern, sind sich Rechtsexperten einig: Diese Wege gibt es, aber sie sind illegal. Insbesondere, weil sich die Bundesregierung zur Frage einer Putin-Festnahme deutlich positioniert hatte, muss sie den Fall Netanjahu laut Einschätzung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages gleich behandeln. Merz reiht sich mit seiner Ansage wissentlich hinter den Autokraten Trump und Orbán ein. [….]

(Pauline Jäckels, 02.04.2025)

Legal, illegal, scheißegal – so lautet das Motto der CDUCSU-Korrupties, die mit Amthor, Bareiß und Spahn demonstrativ juristisch dubiose Typen in die Koalitionsverhandlungen schickten. Was soll man anderes erwarten von einer Partei, die einen überführten Lügner und tief in Parteispendenskandale verstrickten Wolfgang Schäuble zum Bundesfinanzminister machte? Es gibt aber, anders als von Jäckels dargestellt, durchaus prominente Stimmen in der SPD, die Merzens angekündigten internationalen Rechtsbruch nicht hinnehmen wollen.

[….] Der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich fordert von CDU-Chef Friedrich Merz mit Blick auf die geplante Koalition von Union und SPD eindeutige Festlegungen zum künftigen Umgang mit Israels Premier Benjamin Netanjahu. „Friedrich Merz muss endlich klarstellen, dass Deutschland den Haftbefehl gegen Netanjahu vollziehen würde, sollte der israelische Ministerpräsident unser Land besuchen wollen“, [….] „Wir dürfen nicht zulassen, dass Vertreter unseres Staates mit Viktor Orbán auf eine Stufe gestellt zu werden“, sagte Mützenich. Zu dem geplanten Besuch Netanjahus in Ungarn sagte er, vor dem Hintergrund der erneuten Offensive im Gazastreifen und der katastrophalen humanitären Lage dort sei die Reise unangebracht und provokativ. Ebenso sei die Erklärung, dass die ungarische Regierung den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Netanjahu nicht vollstrecken werde, „ein schwerwiegender Verstoß gegen nationales und internationales Recht“. [….]  Deutschland habe sich von Anfang an für den unabhängigen Gerichtshof eingesetzt, um Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verbrechen der Aggression zu ahnden. „Gerade Deutschland muss die Institution und dessen Mitarbeiter unterstützen und legitimieren“, appellierte Mützenich an Merz. […]

(Georg Ismar, 02.04.2025)

Samstag, 28. September 2024

Belgische Ohrfeige

Überall aus der Welt misshandeln und vergewaltigen katholische Geistliche Kinder. Vor allem kleine Jungs, aber auch junge Erwachsene und Mädchen sind nicht vor ihnen sicher. Die Kinder werden sexuell und finanziell ausgebeutet, zum Lustobjekt degradiert. Sie werden Opfer des Systems Kirche, in dem Pater und Nonnen, Priester und Vikare, Nonnen und Bischöfe, Pfarrer und Diakone ihren tiefsitzenden Sadismus an Kindern befriedigen.

Es ist ein genuin christliches System, welches die Täter schützt und die Opfer mit immer neuer Perfidie quält.

Die Protestanten sind nicht besser. Die Aufarbeitung der massenhaften Vergewaltigung kleiner Jungs beim CVJM Lüdenscheid zeigt, wie bis heute auch die netten Damen an der Spitze der EKD die Aufklärung blockieren und die Opfer im Stich lassen. Die Bischöfinnen und Pröbstinnen, die Top-Laienvertreterinnen zeigen, daß weder Konfession, noch Geschlecht daran hindern, systematisch Kinder zu foltern.

Die bis heute hartnäckig positiv konnotierten Nonnen erweisen sich sogar als besonders pervers. Die Friedensnobelpreisträgerin von 1979, Mutter Teresa, 2016 von Bergoglio heiliggesprochen, war eine äußert heuchlerische extreme Sadistin, die mit sagenhafter Perfidie Frauen physische Schmerzen zufügte, um sie „dem leiden Christi“ näher zu bringen.

Überall in der Welt erweisen sich von Nonnen geführte Kinderheime a posteriori als Folterlager, in deren Umgebung hunderte Baby- und Kinderskelette im Boden stecken, die von den „Schwestern“ ermordet und heimlich verscharrt wurden.

Christliche Kinderheime basieren buchstäblich auf Leichenbergen.

Diese Verbrecherorganisation handelt aber nicht im luftleeren Raum. Möglich werden die hunderttausendfachen sexualsadistischen Übergriffe erst durch die kollektive Kirchenunterstützung der Religiösen, die Geistliche verehren, statt sie anzuklagen.

Karl Kardinal Lehmann, ein Mann, der pädoperverse Verbrechen an Kindern ermöglichte und die Täter vor den Behörden schützte, wurde nicht etwa als Mittäter angeklagt und sozial geächtet, sondern von links bis rechts von allen Parteien in den höchsten Tönen gelobt. Eine real existierende SPD-Vorsitzende bewunderte ihn öffentlich. Erst Säkularisierung Atheismus machten es möglich, durch staatliche Untersuchungskommissionen den Kinderfic**rsumpf der Kirchen zu beleuchten. Erst nachdem die Diözesen Jahrzehnte Zeit hatten, ihre Akten zu säubern. In den USA mußten einige Bischöfe Konkurs anmelden, nachdem sie zu Schadensersatz verdonnert wurden. In Deutschland droht das nicht, weil insbesondere die CDUCSU die Kinderf**ker vor Konsequenzen schützt. Die milliardenschweren Bistümer kommen mit freiwillig geleistete Peanut-Beträgen als Schadensersatz davon, weil kaum jemand den Mut von Tommy Shelby und Polly Gray aufbringt, den Nonnen und Paffen entgegen zu treten, um die Kinder zu schützen.

Wer wüßte all das besser, als Jorge Bergoglio, der brutale Kindervergewaltiger wie George Pell zu seinem engsten Beratern beförderte und intensiv darauf achtet, die Strukturen, in denen Pädokriminelle ungestört gedeihen können, zu erhalten?

Bergoglio ist, wie seine Vorgänger, der Pate der Perversen, der die Kinderquäler beschützt.

Er kann das tun, weil er der Papst ist. Dadurch ist er märchenhaft reich und mächtig, wird grundsätzlich nur mit Samthandschuhen und voller Ehrfurcht angefasst.

Daß Politiker in Regierungsverantwortung ihn auf die Opfer ansprechen, kennt er nicht. Insofern war es eine besonders unschöne Begegnung, als er in Brüssel aufschlug, dort auf das ultrakatholische Königspaar traf und sich dann Frechheiten vom Regierungschef anhören musste.

[……] Auch Belgien ist von Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche erschüttert worden. Bei einem Besuch von Papst Franziskus kritisierte Ministerpräsident De Croo nun das Kirchenoberhaupt. Der Papst reagierte sichtlich bewegt.

Belgiens Ministerpräsident Alexander De Croo hat konkrete Schritte von Papst Franziskus zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche gefordert. Worte genügten nicht, sagte der liberale Politiker bei der Begrüßung des Pontifex im Schloss Laeken in Brüssel. "Sie setzen sich für Gerechtigkeit ein. Aber es liegt noch ein langer Weg vor uns", sagte De Croo.

Seine Worte fielen für eine Begrüßung ungewöhnlich scharf aus. Der Regierungschef sagte: "Die Menschenwürde muss an erster Stelle stehen, nicht die Interessen der Institution." Die Opfer müssten gehört und in den Mittelpunkt gestellt werden, sie hätten ein Recht auf die Wahrheit. "Die Gräueltaten müssen anerkannt werden. Und es muss für Gerechtigkeit gesorgt werden." Auch Belgiens König Philippe forderte die Kirche in seiner Rede auf, die Bemühungen entschlossen und unermüdlich fortzusetzen.

Nach den Worten von De Croo und König Philippe wich das Oberhaupt der katholischen Kirche überraschend vom Redemanuskript ab und bezeichnete den Missbrauch in der Kirche als Schande. "Die Kirche muss sich schämen und um Vergebung bitten und versuchen, alles zu tun, damit so etwas nicht wieder passiert." Zwar gebe es auch in anderen Umfeldern wie in der Familie, im Sport und in der Schule viele Fälle von Missbrauch, doch die Kirche müsse sich unabhängig davon ihrer eigenen Verantwortung bewusst sein. Auch für ein einziges Opfer müsse die Kirche um Vergebung bitten. […..]

(Tagesschau, 27.09.2024)

Dabei sollte es doch ein Heimspiel sein, was sich schon an den offiziellen Fotos zeigt. Man sieht Königin Mathilde neben dem Papst stehen und beide tragen ein weißes Kleid.

Eigentlich verlangt Gottes Stellvertreter auf Erden, daß niemand außer ihm in seiner Anwesenheit weiß tragen darf. Schon gar nicht mindere Weibsbilder.

Nur sieben Frauen von acht Milliarden Menschen auf der Erde verfügen über das „Privilège du blanc“.

[…..] Das Recht, bei einem Papstbesuch die Kleiderfarbe Weiß zu tragen, hat sogar einen eigenen Namen: Das sogenannte "privilége du blanc" oder "privilegio del bianco". Übersetzt bedeutet das: Das "Vorrecht des Weißen". Diese Tradition gestattet weiblichen Angehörigen eines katholischen Könighauses, sich bei einer Papstaudienz, einer Heiligsprechung oder einer Papstmesse im Vatikan ganz in Weiß zu kleiden. Diese Regelung gilt aber nur für Königinnen oder Prinzessinnen katholischer Adelshäuser aus Italien, Belgien und Luxemburg. Ihnen allen wurde der Titel “katholische Majestät” verliehen. Das sind neben Fürstin Charlène von Monaco, Königin Sophia von Spanien, Königin Letizia von Spanien, Königin Paola von Belgien und Königin Mathilde von Belgien sowie Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg und Prinzessin Marina von Neapel. Allesamt sind sie katholisch. Anderen weiblichen Adeligen, selbst wenn sie katholisch sind, wie etwa aus dem britischen Königshaus oder dem Fürstentum Liechtenstein, wird dieses Vorrecht nicht gewährt.  [….]

(Katholisch.de)

Und nun das – ausgerechnet bei einer der sieben weißen Damen bekommt Jorge so einen fiesen Tritt in die Eier.

[….] Papst Franziskus hatte sich seinen Besuch in Brüssel womöglich anders vorgestellt: Premier Alexander De Croo und König Philippe haben schon in ihren Begrüßungsreden ungewöhnlich harte Kritik geübt. [….] Indonesien, Papua-Neuguinea, Ost-Timor und Singapur: Papst Franziskus setzte sich bei seiner Südostasienreise Mitte September vergnügt bunte Federhüte auf, schaute sich Tänze an, scherzte und predigte. Sein Besuch in Belgien hat für Franziskus dagegen nun deutlich ungemütlicher begonnen. Sowohl der belgische Premierminister Alexander De Croo als auch König Philippe kritisierten die Kirche in ihren Reden für einen Papstbesuch ungewöhnlich scharf.

Philippe hieß Franziskus im Königsschloss in Laeken bei Brüssel willkommen. Dann sagte der König an Franziskus gerichtet, dass die Kirche »viel zu lange« gebraucht habe, um die Skandale rund um den sexuellen Missbrauch anzugehen. Er forderte die Kirche auf, »unablässig« daran zu arbeiten, die Verbrechen zu sühnen und den Opfern zu helfen.

Premierminister De Croo äußerte sich noch deutlicher. »Worte allein reichen heute nicht mehr aus. Wir brauchen auch konkrete Schritte«, sagte De Croo: »Die Opfer müssen gehört werden. Sie müssen in den Mittelpunkt gestellt werden. Sie haben ein Recht auf Wahrheit. Untaten müssen anerkannt werden.« Weiter sagte De Croo: »Wenn etwas schiefläuft, können wir keine Vertuschung akzeptieren.«   […..]

(SPON, 27.09.2024)

Donnerstag, 28. Dezember 2023

Erinnerungskultur.

Nach der Zeitungslektüre von heute, muss ich den gestrigen Schäuble-Faden noch einmal aufnehmen. Sicher, wenn ein Mensch nach einem langen öffentlichen Leben stirbt, kann man in der ersten Retrospektive Milde walten lassen und muss nicht ausgerechnet dessen schlimmste Seite überbetonen.

Aber gibt es nicht Grenzen? Müssen auch die Grünen und die Linken, wie zB Baerbock und Pau, Schäuble-Lobhudelei-Verklärungen auf Instagram und X absetzen? Es waren schließlich keine Petitessen, die Wolfgang Schäuble in seinen fünf Dekaden politischer Destruktivität anrichtete. Damit meine ich nicht nur, daß er der größte Förderer der rechtsradikalen Hetzer Merz, Spahn und Amthor war, die nun ihrerseits wie Mühlsteine der Finsternis an Deutschlands Hals hängen.

Bei toten alten frommen Erzkonservativen fällt die Verklärung drastisch aus.

Der Rollstuhl half.

[…..] Schäuble aber räumte selbst einmal ein, dass ihm das Image des Politikers, der einen schweren Schicksalsschlag erlebt und überlebt hat, womöglich sogar nützte. Seine berühmte Rede vor dem Bundestag 1991, wo er für Berlin als künftige Hauptstadt plädierte, sei vielleicht auch deswegen so gut angekommen, weil er damals „im Rollstuhl noch viel erbarmungswürdiger“ ausgesehen habe als heute, sagte er mal in einem Fernseh­interview. Diesem blassen, schmalen Mann im Rollstuhl traute man nichts Unedles zu, er wirkte visionärer als die Bonn-Verfechter, die an Pendlerstress und Umzugskosten durch eine mögliche Verlagerung der Hauptstadt dachten. […..]

(Barbara Dribbusch, 28.12.2023)

Ähnliches Schönreden haben wir in Deutschland beim Tod des Kinderf*cker-Förderers Karl Kardinal Lehmann erlebt, der von links bis rechts in den höchsten Tönen gelobt wurde.  Offensichtlich sieht es die veröffentlichte Meinung immer noch als lässliche Sünde an Priester auf kleine Jungs zu hetzen, die diese vergewaltigen und dann anschließend die Täter nicht nur vor Strafverfolgung zu schützen, sondern ihnen neue Opfer zuzuführen.

(….) Sicherlich war Lehmann im deutschen Episkopat netter und freundlicher als die meisten anderen.  Aber bevor man ihn über den grünen Klee lobt, sollte man doch auch die Fakten berücksichtigen. Die sind aber eindeutig: Lehmann war ein Top-Lobbyist einer zutiefst antihumanen und raffgierigen Organisation.

[….] Kardinal Lehmann wettert erneut gegen Homo-"Propaganda"[….]

Nach Auffassung des 77-Jährigen muss es möglich sein, dass Lesben und Schwule verantwortlich in Einrichtungen der katholischen Kirche tätig sind – allerdings nur unter einer Voraussetzung: "Wenn sie mit ihrer Homosexualität nicht öffentlich Propaganda machen", so der Kardinal. Ist ein Coming-out schon "Propaganda"?

Ein Fortschritt? Wohl kaum. Die Aussage Lehmanns gibt nichts anderes als den Status quo wider. Versteckt lebende Schwule und Lesben bleiben schon jetzt in kirchlichen Einrichtungen weitgehend unbehelligt. Wagen sie es jedoch, sich etwa zu verpartnern, wird selbst die Putzfrau in einem Krankenhaus oder eine Erzieherin in einem Kindergarten entlassen. [….]

(Micha Schulze, 06.10.2013)

[….] Kardinal Lehmann sieht Parallelen von 800 Babyleichen und deutschen Kliniken

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sieht in dem Massengrab im irischen Tuam mit fast 800 Babyleichen Parallelen zur Praxis in deutschen Kliniken. Er kenne „den abschätzigen Umgang mit ungeborenem Leben nach dem Tod“ aus Gesprächen mit Krankenschwestern, die entgegen aller gesetzlichen Bestimmungen zur Assistenz bei Abtreibungen bereit sein mussten, schreibt der Mainzer Bischof in einem Beitrag für das Magazin „Cicero“ (Juliausgabe). „Wer redet bei uns über solche Unmenschlichkeiten? Ich denke etwa an die Behälter mit abgetriebenen Föten für die kosmetische Industrie.“ [...]

(Radio Vatican, Juni 2014)

Frau Nahles, ich wünsche mir eine Parteivorsitzende, die so einen Mann nicht überschwänglich lobt. (….)

(Der Schmerzensmann und die SPD-Katholibanin, 11.03.2018)

In der seit gestern aufwallen posthumen Schäuble-Manie findet man fast keine anderen Stimmen; es scheint als sei die veröffentlichte Meinung gleichgeschaltet. Es gibt ein beherrschendes homogenes Narrativ vom intelligenten, integren Europäer.

Eine der wenigen Ausnahmen ist die, wie immer großartige, Ulrike Herrmann.

[…..] Trotzdem war es ausgerechnet Schäuble, der Europa fast zerstört hätte – durch seine engstirnige Sparpolitik in der Eurokrise. Sie hat einen Schaden von Hunderten Milliarden Euro hinterlassen und zugleich die AfD gestärkt. Schäuble war von 2009 bis 2017 CDU-Finanzminister. Kaum hatte er sein neues Amt angetreten, fiel im Frühjahr 2010 auf, dass die drei Eurostaaten Griechenland, Portugal und Irland völlig überschuldet waren. […..]  Schäuble übertrieb es mit seiner Besserwisserei. Im Süden Europas, inklusive Frankreichs, wurde er dadurch zum Inbegriff des arroganten Deutschen.

Schäuble war Jurist und mit ökonomischen Problemen überfordert. In der Eurokrise agierte er nach dem Motto: Wer Schulden hat, ist schuld. Also war für ihn klar, dass Griechen, Portugiesen, Spanier und Italiener für ihre Kreditberge bestraft und zur Sparsamkeit gezwungen werden mussten. Doch die permanente Kürzungsorgie brachte nichts: Da die Wirtschaft in den Krisenländern einbrach, wurden die Schulden noch größer und nicht etwa kleiner. Vor allem Griechenland erlebte einen beispiellosen Absturz, sodass am Ende etwa 25 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos waren. Im Januar 2015 kam dann die linkspopulistische Syriza an die Macht, weil sie versprochen hatte, den harten Sparkurs zu beenden. Neuer Finanzminister wurde Yanis Varoufakis, der sich an keinerlei diplomatische Konventionen hielt. Unter anderem schnitt Varoufakis heimlich Sitzungen mit, und diese Aufnahmen belegen eindeutig, dass die heutige EZB-Chefin (damals Direktorin des Internationalen Währungsfonds) Christine Lagarde und Schäuble genau wussten, dass die Sparprogramme für Griechenland ein Desaster sind. So räumte Lagarde beim ersten Treffen mit Varoufakis ein: „Sie haben recht. Die Vorgaben können nicht funktionieren. Aber Sie müssen verstehen, dass wir zu viel in dieses Programm investiert haben. Wir können es nicht aufgeben.“ Auch Schäuble sagte ganz offen, dass das Sparprogramm „schlecht“ für Griechenland sei. „Es ist nicht gut fürs Wachstum.“ Aber Schäuble hatte längst andere Pläne. Er wollte die Griechen dazu bringen, vorübergehend die Eurozone zu verlassen. „Sie müssen es nicht als einen Grexit sehen“, erklärte er Varoufakis. „Betrachten Sie es als eine Pause.“ […..]  Schäuble stellte sich den Euro also wie die Drehtür eines Kaufhauses vor: Man tritt ein, wieder aus, und irgendwann wieder ein. Doch so funktioniert die Gemeinschaftswährung nicht. Wären die Griechen zur Drachme zurückgekehrt, und sei es für kurze Zeit, wären sie sofort zum Spielball der Finanzmärkte geworden. Die Spekulanten hätten gegen die Drachme gewettet, sodass ihr Kurs ins Bodenlose gefallen wäre. […..]  Zum Glück kam es nicht zum „Grexit“, aber Schäubles Drohung reichte völlig, um europaweit Chaos zu stiften und Milliardenschäden zu hinterlassen. Sobald es nämlich denkbar wurde, dass ein Land die Eurozone verlassen könnte, begannen sich die Anleger zu fragen, ob noch andere Eurostaaten gefährdet sein könnten. Also begannen sie, ihre Papiere aus Italien, Spanien und sogar Frankreich abzustoßen, was wiederum die Zinsen für diese Länder in die Höhe trieb. […..] Doch Schäuble blieb stur. Dabei war seine Position unlogisch: Er war gern Finanzminister eines „Exportweltmeisters“, aber ein Überschuss im Außenhandel ist nur möglich, wenn anderswo ein Defizit existiert. Deutschland lebte davon, dass andere Länder Schulden machten, aber genau diese Schulden wollte Schäuble bestrafen.

 Internationale Ökonomen waren entsetzt, wie ahnungslos Schäuble in seinem Grexit-Wahn agierte. Der US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman urteilte damals: „Schäuble lebt in einem Paralleluniversum. Niemand glaubt diesen Unsinn in den internationalen Organisationen.“ Da Schäuble die Eurokrise unablässig verschärfte, drängte sich bei vielen Deutschen der Eindruck auf, dass der Euro nicht funktionierte – was Gratiswerbung für die AfD war. 2013 wurde sie als Anti-Euro-Partei gegründet und zog 2017 erstmals mit 12,6 Prozent der Stimmen in den Bundestag ein. […..] Schäuble war beliebt bei den Deutschen, aber er hat dem Land und Europa schwer geschadet. […..]

(Ulrike Herrmann, 28.12.2023)

Die Bereitschaft, einen Ultrakonservativen wie Schäuble sofort schönzufärben und als edlen Mann umzuetikettieren, macht es noch einmal verständlicher, wie Deutsche mit politischen Verbrechern in der eigenen Familie, im Freundeskreis verfahren konnten. Wenn man schon einen Fremden, den man nicht persönlich kennt, trotz seiner Missetaten, so grundlos und enthusiastisch verehrt, funktioniert das bei denjenigen, zu denen man persönliche, emotionale Bindungen hat, erst Recht.

Wehrmachtssoldaten, Kinder-fi**ende Pfaffen, Nazis, Stasi-Offiziere, SED-Kader, NSDAP-Funktionäre, KZ-Aufseherinnen, SS-Truppen, Nazi-Richter, Gestapo-Beamte.

Alles nette Menschen.



Samstag, 4. März 2023

Was einen Atheisten richtig aufregt.

Wenn ich mich über Parteien oder Kirche oder Politiker äußere, geschieht das auf Basis frei zugänglicher Informationen. Ich lese Zeitungen und Bücher, sehe mir Politmagazine im Fernsehen an, beziehe Newsletter, werfe natürlich auch einen Blick auf Social Media.

Ich bin aber kein Journalist, schon gar kein Investigativer. Ich bin kein Ermittler oder Forscher. Ich führe keine Interviews, stelle keine Fragen auf Pressekonferenzen, nehme nicht an Hintergrundrunden teil und verfüge über keinerlei Geheimdienst-Erkenntnisse. Vermutliche wende ich überdurchschnittlich viel Zeit auf, um Hintergrundartikel zu lesen, aber ich verfüge über kein Herrschaftswissen. Alles, das ich über Kirche und Politik weiß, kann jeder wissen.

Als ich vor etwa 30 Jahren begann, am Revers Buttons mit einem durchgestrichenen Kreuz zu tragen, wurde ich gelegentlich angesprochen, was ich denn gegen die Kirche hätte. Die täten doch so viel Gutes.

Da musste viel Aufklärung betrieben werden. Natürlich wissen die allermeisten Leute nichts über Kirchengeschichte oder Theologie. Das ist nicht anders zu erwarten, weil das offenbar als irrelevant erachtet wird.  Aber ich fand es immer erstaunlich, daß der deutsche Durchschnittsmichel rein gar nichts über die grundlegende Kirchenfinanzierung weiß. Die Kirchensteuer ist bloß ein Vereinsmitgliedsbeitrag, den aber der Staat trotz der grundgesetzlich vorgeschriebenen Trennung von Staat und Kirche, als Inkassounternehmen für die Kirche eintreibt. Die vielen sozialen Einrichtungen der Kirche werden natürlich nicht mit der Kirchensteuer bezahlt, sondern von uns, dem Staat. Die Bundesländer bezahlen die Bischofsgehälter und die theologische Ausbildung. Die Bistümer hingegen horten gewaltige Milliardenschätze, die in Aktien oder Immobilien angelegt sind und raffen alle Gewinne an sich, da sie zudem auch noch von allen Steuern befreit sind.

Ob im Jahr 2023 endlich die Erkenntnis in der breiten Masse angekommen ist? Ich bezweifele es. In meiner atheistischen Medienblase weiß natürlich jeder, daß nicht die Gläubigen oder der Vatikan die 13.000 Euro Monatsgehalt für Kardinal Marx und Kardinal Woelki bezahlen, sondern die Bundesländer Bayern und NRW, also auch Atheisten, Muslime und Hindus.

Extrem unerfreulich war für mich das Canisius-Jahr 2010, als scheinbar überraschend für eine größere Öffentlichkeit die Missbrauchsfälle der RKK bekannt wurden. Mir war es schleierhaft, wie man das nicht wissen konnte.

Das Thema Misshandlungen hunderttausender Kinder in christlichen Heimen war schon in den 1970ern ein großes Thema. Ulrike Meinhof setzte sich dafür ein; es gehörte zu den Gründungs-Essentials der Studentenbewegung und später auch der RAF, Jugendliche aus der Hölle zu befreien.

Ich schreibe das nicht aus Sympathie für die RAF, sondern um darzulegen, wie prominent das Thema war.

Der erste große weltöffentliche Megasexskandal waberte rund um den Bostoner Priester John Geoghan (* 4. Juni 1935; † 23. August 2003), der 2001 als Massenkinder**cker aufflog. Der Boston Globe berichtete im Januar 2002 ausführlich über seinen obersten Chef Bernard Francis Kardinal Law, der voll im Bild über seine Kinderfic**nden Priester war, sie aber vor der Justiz schützte und ihnen neue Opfer zuführte. Im Dezember 2002 war der Druck so gewaltig geworden, daß der mächtige US-amerikanische Kardinal zurücktreten musste. Inzwischen bohrte aber die US-Presse in allen anderen Diözesen und fand überall von Priestern sexuell missbrauchte Kinder.

Auch in Deutschland gibt es guten Journalismus. Es wurde über den die Weltkirche erschütternden Megaskandal gesprochen. Der Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger wurde, lange bevor er 2005 selbst Papst wurde, öffentlich für die Machenschaften angegriffen. Sehr bekannt wurde beispielsweise ein Video, in dem der Panzerkardinal einen Reporter wütend auf die Finger schlug. This is unerhört, meckerte der Chef der Inquisition als er auf den Megakinderf**ker Pater Marcial Maciel angesprochen wurde.

Acht Jahre später, 2010, nachdem längst der SPIEGEL, die Süddeutsche Zeitung, Monitor und Panorama über die pädosexuellen Monster in Soutane berichtet hatten…

Bischof Kurt Krenns Augiasstall St Pölten war schon Ende der 1980er ein Thema.

Hans Hermann Kardinal Groër griff so selbstverständlich kleinen Jungs zwischen die Beine, daß er bereits 1995 abberufen wurde.

Die Kindersex-Abscheulichkeiten in Bischof Müllers Regensburg wurden spätestens 2008 in breiter Öffentlichkeit diskutiert.

…erdreistete sich beispielsweise Weihbischof Andreas Laun bei Sandra Maischberger zu erklären, man habe als RKK nichts gegen den sexuellen Missbrauch tun können, weil man vor 2010 nichts davon wußte. Und außerdem solle man mal „genauer bei den Evangelen hinsehen“.

[…] "Wir haben das Problem nicht in diesem Ausmaß", sagte im Jahr 2002 der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann, in einem Interview mit dem Spiegel. Kurz zuvor hatte der Boston Globe die Vertuschungsstrategie der Erzdiözese Boston beim Umgang mit Missbrauchstätern aufgedeckt, Hunderte weitere Fälle von sexuellem Missbrauch durch US-amerikanische Priester kamen ans Licht. "Warum soll ich mir den Schuh der Amerikaner anziehen, wenn er mir nicht passt?", sagte Lehmann damals. Man dürfe nicht so tun, als kämen diese Delikte en masse vor: "Gegen diesen Verdacht wehre ich mich ganz entschieden, auch im Namen und zum Schutz vieler untadeliger Priester." […]

(Annette Zoch, 04.03.2023)

Vor genau fünf Jahren starb Kardinal Lehmann, der langjährige Vorsitzende der Bischofskonferenz. Er wurde hartnäckig von jedem gemocht, obwohl längst bekannt war, daß er selbst besonders viel Dreck am Stecken hatte, immer wieder Pädosexpriester auf Kinder losließ und die Täter vor der Justiz schützte. Oberkatholibanin Andrea Nahles nahm aber auch 2018, nach acht Jahren breiter öffentlicher Aufklärung, keinerlei Anstoß daran, massenhaft Kinder zu quälen und sexuell zu missbrauchen. Wie alle anderen Politikpromi-Katholiken trat sie genüßlich auf den Opfern herum, als sie Lehman lobpreiste.

[….] Kardinal Lehmann war ein großer Menschenfreund und Reformer, der in der Gesellschaft breite Akzeptanz und durch sein Wirken und seine Sprache Gehör gefunden hat. Er erkannte im Laufe seines bewegten Lebens die Zeichen der Zeit und plädierte früh für eine Weiterentwicklung der Kirche im Geiste der Ökumene. Er suchte stets das Verbindende statt das Trennende und prägte damit das Bild seiner Kirche und des Bistums in Mainz. [….]

(Andrea Nahles, 11.03.18)

Zu dem Zeitpunkt war seit 16 Jahren über den Massenkindesmissbrauch berichtet worden, seit sieben Jahren war der breiten Öffentlichkeit bekannt, was Lehmann sich zu Schulden kommen lassen hatte.

(….) Sicherlich war Lehmann im deutschen Episkopat netter und freundlicher als die meisten anderen.

Aber bevor man ihn über den grünen Klee lobt, sollte man doch auch die Fakten berücksichtigen. Die sind aber eindeutig: Lehmann war ein Top-Lobbyist einer zutiefst antihumanen und raffgierigen Organisation.

[….] Kardinal Lehmann wettert erneut gegen Homo-"Propaganda"[….]  Nach Auffassung des 77-Jährigen muss es möglich sein, dass Lesben und Schwule verantwortlich in Einrichtungen der katholischen Kirche tätig sind – allerdings nur unter einer Voraussetzung: "Wenn sie mit ihrer Homosexualität nicht öffentlich Propaganda machen", so der Kardinal.

Ist ein Coming-out schon "Propaganda"?

Ein Fortschritt? Wohl kaum. Die Aussage Lehmanns gibt nichts anderes als den Status quo wider. Versteckt lebende Schwule und Lesben bleiben schon jetzt in kirchlichen Einrichtungen weitgehend unbehelligt. Wagen sie es jedoch, sich etwa zu verpartnern, wird selbst die Putzfrau in einem Krankenhaus oder eine Erzieherin in einem Kindergarten entlassen. [….]

(Micha Schulze, 06.10.2013)

[….] Kardinal Lehmann sieht Parallelen von 800 Babyleichen und deutschen Kliniken

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sieht in dem Massengrab im irischen Tuam mit fast 800 Babyleichen Parallelen zur Praxis in deutschen Kliniken. Er kenne „den abschätzigen Umgang mit ungeborenem Leben nach dem Tod“ aus Gesprächen mit Krankenschwestern, die entgegen aller gesetzlichen Bestimmungen zur Assistenz bei Abtreibungen bereit sein mussten, schreibt der Mainzer Bischof in einem Beitrag für das Magazin „Cicero“ (Juliausgabe). „Wer redet bei uns über solche Unmenschlichkeiten? Ich denke etwa an die Behälter mit abgetriebenen Föten für die kosmetische Industrie.“ [...]

(Radio Vatican, Juni 2014)

Frau Nahles, ich wünsche mir eine Parteivorsitzende, die so einen Mann nicht überschwänglich lobt. (….)

(Der Schmerzensmann und die SPD-Katholibanin, 11.03.2018)

Als der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Kardinal Lehmann einmal gefragt wurde, warum denn vor 2010 so viele Bischöfe, die Kenntnis von kinder**ckende Kaplanen hatten, nicht zur Staatsanwaltschaft gegangen wären, antwortete der Kirchenfürst ganz jovial, daß nicht alle Staatsanwaltschaften den Kirchen freundlich genug gesonnen wären.   Seit wann dürfen eigentlich Kriminelle sich ihre Ankläger aussuchen, bzw entscheiden gar nicht erst zur Rechenschaft gezogen zu werden, weil der Richter nicht lieb genug ist?    Im Jahr 2007, also fünf Jahre nach den päpstlichen Leitlinien zum Kindesmissbrauch, die vorsahen pädophil übergriffige Priester zu melden, hatte der Mainzer Kardinal erklärt, wieso er sich nicht daran halten müsse – die Staatsanwaltschaften gefielen dem Herren im roten Kleid nicht.

O-Ton Karl Kardinal Lehmann:

„Die Staatsanwaltschaften in verschiedenen Städten sind auch recht verschieden. Soweit her mit der Objektivität allein ist es dann auch wieder nicht.“

Täterschutz kommt vor Opferhilfe. Das ist der Kern der Religionen: Wir sind besser als die und dürfen das, was die noch lange nicht dürfen. Im klaren Widerspruch zur Verfassung kassieren die Kirchen ab.

 (Das ist dreist, 15.08.2013)

Im Jahr 2023, also 28 Jahre nach Groer, 21 Jahre nach Law, 13 Jahre nach Canisius und 5 Jahre nach Lehmanns Tod, ergibt eine weitere Studie für die Öffentlichkeit völlig Überraschendes: Karl Kardinal Lehmann war moralisch genauso verkommen.

Wer hätte das bloß ahnen können?

[…] Doch posthum fällt nun ein Schatten auf das Lebenswerk des Kardinals, der im Jahr 2018 im Alter von 81 Jahren in Mainz gestorben war: Beim Umgang mit Missbrauchsfällen in seinem Bistum sei Lehmann "seinem eigenen Anspruch zu keiner Zeit gerecht geworden" - so lautet das harte Urteil des Regensburger Rechtsanwalts Ulrich Weber, der am Freitag im Auftrag des Bistums Mainz eine Untersuchung vorgelegt hat.

Weber […] unterteilte die Bischofszeit Lehmanns in drei Phasen: Von "Abwehren und Vortäuschen" in den Anfangsjahren über "Herausreden und Verteidigen" von 2002 bis 2009 bis zum "Eingestehen und Bewältigen" nach 2010. […]

Insgesamt kamen Weber und sein Co-Autor Johannes Baumeister am Ende auf 401 Betroffene und 181 Beschuldigte. Während sie dem amtierenden Mainzer Bischof Peter Kohlgraf echten Aufarbeitungswillen attestieren, fällt ihr Urteil über die Bischöfe Albert Stohr (1935 bis 1961) und Hermann Volk (1962 bis 1982) ähnlich verheerend aus. […]

Die Studie für Mainz, aber auch die Mitte Februar für das Bistum Essen vorgestellte Untersuchung des Münchner IPP-Instituts, weiten außerdem den Blick auf die Rolle der Gemeinden: Pfarrgemeinden, so sagt es Ulrich Weber, hätten mit einer Solidarisierung mit Beschuldigten und der Diskreditierung von Opfern eine Aufklärung erschwert und weitere Vorfälle ermöglicht. […]

(Annette Zoch, 04.03.2023)

Natürlich, ich verstehe; gläubige Katholiklen verdrängen das Thema, wollen nicht gern daran erinnert werden, daß sie ein Kinderfic*ersystem unterstützen und finanzieren. Sie lesen nicht jeden Bericht und wollen mit den missbrauchten und gefolterten Kindern nicht konfrontiert werden, weil es unangenehme moralische Fragen aufwirft, die nur zu einem Ergebnis führen können: SOFORT AUS DER KIRCHE AUSTRETEN.

Aber nach 20 Jahren immer noch überrascht sein? Es erfordert schon enorme Dreistheit, immer noch zu behaupten, man habe gar nichts gewußt über Lehmann und Co.

Freitag, 2. Dezember 2022

Sex, Natur und Kirche  

Die umjubelte Ratzinger-Rede vor dem Bundestag am 22.09.2011 war für die fromme Katholikin Andrea Nahles ebenso, wie für den frommen Volker Beck, eine grandios genutzte Gelegenheit, sich nicht nur bis auf die Knochen zu blamieren, sondern auch noch der ganzen Welt ihre moralische und intellektuelle Unterbelichtung zu demonstrieren.

Noch niemals zuvor hat ein religiöses Oberhaupt vor dem Deutschen Bundestag gesprochen. Dafür gab und gibt es gute Gründe. Das Grundgesetz formuliert im Blick auf Religionen ein fundamentales Verfassungsgebot: Es verpflichtet den Staat deutlich zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität. Das heißt, der Staat muss sich in religiösen und weltanschaulichen Fragen strikt unparteiisch verhalten.
[…] Diese privilegierte Hervorhebung durch den Bundestag wird auch als eine Zurücksetzung anderer Religionen und Weltanschauungen verstanden werden. Deshalb ist dieser Auftritt ein Fehler und mit der Neutralität des Staates unvereinbar. Zudem schafft er einen falschen Präzedenzfall für die Zukunft.
(Rolf Schwanitz in der FTD 21.09.2011)

Der Grünen Schwulenaktivist sprang zu standing Ovations auf, um dem radikal misogynen und homophoben Holocaustleugner-Fan und Kinderfic**r-Förderer zu applaudieren. Die Rote Sozialdemokratin fabulierte in diametraler Umkehrung des vom Papst Gesagten, er haben sich für den Naturschutz ausgesprochen.

Das arme pfälzische Dummerle hatte nicht die geringste Ahnung, was der philosophische Begriff des päpstlichen Naturrechts bedeutet, fand offenbar „Naturrecht“ und „Naturschutz“ fangen beiden mit Natur an und meinen dann auch das gleiche. Dabei bedeutet Ratzis mittelalterlich-frühneuzeitliche Naturrechtslehre, daß grundlegende Werte wie Sklaverei, Minderwertigkeit der Frau, Verdammung von Homosexualität „naturgegeben“ sind und sich daher einer demokratischen Gesetzgebung entziehen. Daraus abgeleitet, können Masturbation, PID, Verhütung, Abtreibung, Kondome, Frauenordination, Toleranz gegenüber Ungläubigen, keinesfalls durch weltliche Parlamente gerechtfertigt werden.

Ratzinger ist ein Fanatiker, der niemals vor dem Bundestag Rederecht bekommen haben dürfte.

Der Umgang mit den Missbrauchsfällen durch die Kirche, das gezielte Verstecken der Täter und die Einschüchterung der Opfer zeigen deutlich die Missachtung unseres Staates und unserer Gesetze. Dafür trägt der Papst die Verantwortung. Es ist ein schlimmer Affront für die Opfer dieses verbrecherischen Handelns, aber auch für jeden rechtschaffenen Bürger, wenn der Hauptverantwortliche für dieses kriminelle Verhalten der Kirche jetzt im Deutschen Bundestag reden darf. Wie sollen wir das unseren Kindern erklären, wenn wir sie zu Anstand und Rechtstreue erziehen wollen? Was sollen die vielen Bürger, die gerade wegen dieses Papstes und seiner erschreckenden Moral aus der Kirche ausgetreten sind, von unseren Volksvertretern halten?
(Offener Brief an die Bundestagsabgeordneten des GBS-München)

Wenn Naturforscher beobachten, wie Primaten masturbieren, Schildkröten oder Pinguine dem Homosex frönen, bedeutet das eben gerade nicht im päpstlichen Sinne „naturgegeben“ und somit zulässig.

In der verqueren vatikanischen Vorstellung bedeutet die „grundlegende Natur der Dinge“ genau das Gegenteil: Dass sich etwas eben nicht aufgrund aktueller Meinungen oder Erkenntnisse ändern ließe.

Die metaphysische Verklärung des Naturrechts, der auch Dummerle Nahles aufsaß, ist keineswegs harmlos. Genauso wenig ist „Natürlichkeit“ an sich für einen zivilisierten Menschen erstrebenswert.

(….)  Die Zivilisation ist aber unnatürlich. Deswegen bekommen in Hamburg Menschen mit Grauem Star eine Cataract-Operation. Wie am Fließband werden in einem kleinen ambulanten Eingriff neue Linsen eingesetzt und dabei auch gleich die Kurzsichtigkeit korrigiert.

Wir lassen der Natur eben nicht ihren Lauf, sondern greifen ein. Wir implantieren Zähne, passen Hochleistungshörgeräte und Cochlea-Implantate an, setzen Defibrillatoren und Pacemaker in die Brusthöhle, entfernen Tumore aus Prostata und Dickdarm. All das ist völlig unnatürlich und in der Geschichte der Menschheit sehr neu. Aber der evolutionäre Humanismus verlangt solche technischen Korrekturen an der natürlichen Biologie.

Dementsprechend wollen wir auch Kindersterblichkeit in Deutschland möglichst nicht akzeptieren – auch wenn das ein natürlicher Ausleseprozess wäre.

In vielen moralischen Aspekten ist Unnatürlichkeit überlegen.

Das betrifft den Beginn genauso wie das Ende des Lebens, welches wir mit Opiaten und Morphinen erheblich angenehmer gestalten, als es natürlich wäre.(…)

(Wunschkinder, 22.12.2015)

In dieser päpstlichen Weltsicht ist Sex eine ekelige Angelegenheit, die man eigentlich besser unterlassen soll und die man keinesfalls zum Vergnügen tun darf. Erlaubt ist Geschlechtsverkehr ausschließlich in der heterosexuellen Ehe zum ausdrücklichen Zweck der Fortpflanzung. Das bedeutet: Kein Oralsex, kein Analsex, kein Sex während der unfruchtbaren Tage, kein Sex während der Schwangerschaft, kein Sex nach dem Klimakterium und ganz bestimmt kein Sex mit Verhütungsmitteln. Selbstredend schließt das auch vorehelichen Sex, gleichgeschlechtlichen Sex oder Sex ganz allein aus.

Die einzige Ausnahme, die geduldet wird, ist wenn Priester Messdiener vergewaltigen. Das ist nach Kirchenrecht weniger schlimm, weil die missbrauchten Kinder in den Augen des Vatikans praktischerweise gar nicht existieren.

(……) Viel zu viel Aufmerksamkeit wird auch den schweren Religioten geschenkt, die sich immer noch hartnäckig für die Kindermissbrauchs-Organisation RKK einsetzen.    Niemand bei klarem Verstand würde auf Einsicht der Männer wie Müller, Ratzinger, Woelki, Heße, Marx, die sich seit Jahrzehnten bemühen Kinderfic**r zu beschützen und ihr Tun weiter ermöglichen, setzen.   Sie stehen für eine Organisation, die sich bis heute nicht den deutschen Gesetzen unterwerfen will, sondern ausschließlich auf das Kirchenrecht setzt, welches bezeichnenderweise in der Vergewaltigung von Kindern gar keinen Straftatbestand erkennt. Nur der Verstoß gegen den Zölibat wird geahndet.

[…..] Dass Kleriker zu Missbrauchstätern wurden und werden, liegt vielleicht sogar in der inneren Logik der Kirche begründet. Um das zu verstehen, hilft ein Blick ins Kirchenrecht: Kirchenrechtlich wird sexueller Missbrauch bis heute rein vom Priester her gedacht. Kirchenrechtlich gesehen verstößt ein Priester, der sich an einem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen vergeht, gegen das sechste Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen." Und weil der zölibatär lebende Priester mit der katholischen Kirche verheiratet ist, betrügt er lediglich die Kirche. Die Opfer kommen als Geschädigte nicht vor, sie sind gar nicht da.  Aus diesem Grund haben Betroffene von sexuellem Missbrauch in kirchenrechtlichen Verfahren gegen Täter bis heute keinerlei Rechte. Sie können keine Akten einsehen, sie können nicht als Nebenkläger auftreten, sie sind nur Zeugen. Die katholische Kirche könnte etwas dagegen tun, sagt zum Beispiel die Theologin Doris Reisinger: Sie könnte ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in ihren Rechtsnormen verankern; im weltlichen Bereich ist dies etwas völlig Selbstverständliches. Doch wenn sie das täte, müsste sie den Gläubigen auch zugestehen, über ihr Schlafzimmer selbst zu entscheiden. Hier liegt der Knackpunkt: katholische Kirche und Selbstbestimmung des Menschen - das geht offenbar nicht zusammen. […..]

(Annette Zoch, 19.03.2021)

Politikern wie Annette Schavan, Wolfgang Thierse oder Winfried Kretschmann, die sich für so ein Kindermissbrauchssystem engagieren, indem sie sogar im Zentralrat der Katholiken sitzen, kann ich nicht vertrauen. (…….)

(Unsichtbare Vernunft, 25.04.2021)

Nach ratzingerischer und bergoglioner Auffassung, sind Masturbation oder Homosex deswegen falsch, weil der Samen dabei entgegen seiner göttlichen Natur verschwendet wird. Der Same gehört aber ausschließlich in eine Vagina, in deren für Geistliche völlig unverständlichen Anatomie, schon ein befruchtungswilliges Ei wartet, so daß Gott ein neuen Leben schenkt. Das ist der in päpstlichen Augen „natürliche“ Weg des Ejakulats: Zum Leben hin ausgerichtet. Einen neuen Christen schaffen und nicht etwa in einem Kondom oder Taschentuch zu landen. Das wäre die bekannte „Kultur des Todes.“

Eine problematische Sichtweise. Nicht nur, weil es offensichtlich falsch und sogar hanebüchener Unsinn ist, sondern weil Biologie und Natur eben nicht so funktionieren. In der Natur ist das Leben keineswegs heilig. Im Gegenteil, es wird laufend getötet, um zu leben.

Den Christen sei an dieser Stelle ins Stammbuch geschrieben, daß auch die meisten menschlichen Embryonen ganz natürlich absterben, bevor sie geboren werden. Das hat Gott so eingerichtet.

Gott ist somit der größte Abtreiber überhaupt. Letztendlich läßt er 9 Embryos absterben, um ein Kind zu erzeugen

How many embryos and fetuses never make it to birth?  How many babies die in natural childbirth?  How many infants die before reaching age five?  The statistics are not good.  The most hazardous journey of life is the first few months. According to the calculations of Gregory Paul (see his published articles here), who used the best figures from embryology and neonatal doctors, as few as one-quarter of all conceptions avoid reabsorption or miscarriage, and of those fetuses that do make it to full-term, another large percentage die during natural childbirth.  It’s obvious that embryos are not well-designed for making it to infancy.

The female body was not well-designed for childbirth, either, since the ratio of fetal skull size to female hip size doesn’t make for great odds for the mother.  Every year, more than half a million women die in pregnancy or childbirth.  Natural evolution, not religion, explains the tough compromises forced on the human body, and why few embryos make it to infancy and so many mothers die in the process.

Although the odds of a fertilized egg making it to a live birth are less than 1 in 5, another hazardous journey through infancy lies ahead.  Before modern medicine, around 20% of children in England and the United States died before the age of five, and that number was much higher in pre-industrial societies.  For most of the existence of our human species, over the past one hundred thousand years or so, probably only around half of all born babies reached the age of five.

All these poor odds add up to the fact that for most of human existence there had to be 10 pregnancies or more to guarantee the life of a single five year old child.

(John Schock, 27.04.2011)

Wie schwachsinnig die christliche Vorstellung vom natürlichen Sex ist, zeigt sich auch an der Üppigkeit der natürlichen Fortpflanzung.

Die Mondfischdame stößt 300 Millionen Eier ab, wenn sie auf einen Kerl trifft. Dann bekommen sie 300.000.000 kleine Mondfischbabys. Da die Welt aber nicht gerammelt voll mit Mola Molas ist, sondern die riesigen Viecher, im Gegenteil, sehr selten sind, wissen wir auch, was Gott diese Leben wert sind: Nichts. Fast alle werden schnell wieder getötet.

Auch der Homo Sapiens-Mann bekommt ein großes Problem, wenn er kein Leben verschwenden will. Pro Ejakulation werden 30 bis 600 Millionen lebensfähige Spermien ausgestoßen. Landen sie in einer ovulierenden Frau, sterben bei 600 Millionen Schwimmern, immer noch 599.999.999. Wenn Sex katholisch korrekt mit Ehe, Frau und verhütungslos stattfindet, sind die Quoten für das Überleben des einzelnen Spermiums annähernd genauso minimal, als wenn Mann direkt in die Kloschüssel onaniert oder vom 12-Jährigen Messdiener fellationiert wird.

Die Lösung wäre aus katholischer Sicht, wenn Mann es lernte, beim Orgasmus genau ein Spermium abzuschießen.

Die Mormonin Gabrielle Blair fordert bereits das „verantwortungsvolle Ejakulieren“.

Denn Sperma sei eine „gefährliche Waffe“.

[….] Kennen Sie den Film »Natürlich blond«? Reese Witherspoon spielt darin eine Art Barbiegirl, die an die Eliteuniversität Harvard kommt. Und in einer Szene sagt sie genau das, nämlich dass, wenn Männer ihr Sperma beim Masturbieren vergeuden, sie ihre potenziellen Kinder vergeuden. Das wurde vermutlich nicht so ernst genommen von dieser Figur und Männer wollen nicht in die Verantwortung gezogen werden. Aber dieser Gedanke, dass Männer ihr Sperma kontrollieren können und sollten, ist genau derselbe, den ich in meinem Buch vertrete. Wir müssen uns auf das Sperma konzentrieren, nicht das Ei. Wenn eine Frau Sex hat, kann sie in den allermeisten Momenten nicht schwanger werden. Ein Mann hingegen kann eine Frau immer schwängern.  [….] Ich finde es nicht übertrieben zu sagen, dass Sperma eine Waffe ist. Jeden Tag sterben 700 Frauen bei einer Geburt. Und man muss nicht mal den Tod heranziehen; Schwangerschaften sind ein Riesentrauma für den Körper. Ich war sechs Mal schwanger und habe sechs Kinder. Und wenn mich jemand vor ein paar Jahren gefragt hat, ob es schwierige Geburten waren, habe ich immer gesagt, nein, total unkompliziert. In Wahrheit habe ich dauerhafte Narben und alle möglichen Schäden davongetragen. Aber die erkennen wir nicht an. Ich fand schwanger sein schrecklich. Meine Karriere hat gelitten, mein Sozialleben, alles Mögliche. Ich habe es so gewollt, und es ist gut so, aber es hat meinen Körper eben auch dauerhaft verletzt. Aber es ist so normal, das nicht zu sehen und herunterzuspielen. Schwangerschaften reizen aus, was ein menschlicher Körper leisten kann, sie sind gefährlich. Und wir tun so, als wäre es keine große Sache und ein Wunder. Es ist ein Wunder, aber es ist auch verrückt und gefährlich und darüber reden wir nicht. Also, ja, Sperma verursacht Schwangerschaften und diese sind sehr gefährlich. Wir machen Witze über Sperma, aber es kann jemandem das Leben ruinieren, indem es eine Schwangerschaft auslöst. [….]

(Gabrielle Blair, 02.12.2022)

Da gibt es also noch so einiges für die Lehrpläne im Priesterseminar. Das Einzelsperma-Ejakulieren, wird viel zu schlecht beherrscht.