Also, ich wurde ganz kurz nach den Boomern geboren und gehöre schon zur „GenX“, aber die doofe „GenZ“ kann das natürlich nicht unterscheiden und schiebt tumb jeden, der älter als sie selbst ist, in die Boomer-Schublade.
Interessant finde ich, wie negativ „Boomer“ konnotiert wird. Gern in der Schreibweise „B00mer“, mit der Doppel-Null, um an ein Klo zu erinnern. Mich amüsiert der triumphale Tonfall, mit dem ich als Boomer abgekanzelt werde.
Erstens ist das eine völlig willkürliche Kategorisierung, zweitens bin ich gar kein Boomer und drittens fühle ich mich ohnehin grundsätzlich nicht durch Pauschalurteile beleidigt. Das impliziert schließlich schon das Wort „Pauschal“, daß man eben nicht den konkreten Einzelnen meint.
Deswegen schimpfe ich auch über „die Amerikaner“, oder „die Ossis“, oder „die Bayern“ oder „die Christen“, weil man damit ganz pauschale Eigenschaften bei einer Gruppe verorten kann, ohne jedes Individuum persönlich zu meinen.
Natürlich können einzelne Ossis oder Bayern ganz wunderbare Menschen sein.
Also nur zu, ich lade herzlich dazu ein, über Hamburger, Amerikaner, Boomer oder GenXer herzuziehen – daran ist sicher vieles richtig, aber ich fühle mich garantiert nicht persönlich beleidigt!
That said, finde ich aber, daß uns GenXBoomern Unrecht getan wird. Wohlwissend, daß das genau die Klischee-Antwort ist, die ein Boomer-Kritiker der GenZ erwartet: Alte Weiße Männer, die nicht reflektieren und sich selbst fabelhaft finden. Und ich bin dieser alte Mann in dem Sinne, daß ich wenig Kontakt zur GenZ/GenAlpha habe; mich sogar innerlich bereits davon verabschiedet habe, die Moden und Verhaltensweisen der Jungen zu verstehen. Ist das angenehm, bei irgendeinem mir unverständlichen Irrsinn auf Social Media nur die Augen zu rollen und nicht mehr, wie früher, automatisch zu versuchen, das Phänomen zu ergründen und zu verstehen, sondern einfach mit „das muss ich nicht mehr wissen“ abzuwinken.
Aber selbst, wenn man wie ich, ohnehin kein gesteigertes
Interesse an der jüngeren Generation hat und auch kaum mit ihr in Kontakt
kommt, weil man keine Kinder hat und keinem Beruf nachgeht, in dem man
zwangsläufig mit vielen jungen Menschen kollidiert, läuft man nicht mit völlig
geschlossenen Augen durch die Welt.
Ich beobachte selbstverständlich in der Öffentlichkeit Verhaltensweisen, höre
zu, wenn mir andere von ihren Kindern erzählen und lese auch von wesentlich
kundigeren Personen, was Teens und Twens von heute auszeichnet.
Die Rückkehr der klassischen Geschlechterrollen mit dem bestimmenden, beschützenden Mann und den devoten Frauen, die ihn immer erst um Erlaubnis fragen, wird schon seit Jahren von Kolumnistinnen, wie Anja Rützel, Annika Brockschmidt oder Samira El Ouassil beschrieben.
[….] Zum Verständnis, falls Sie im Gegensatz zu mir ein Leben außerhalb von Datingformaten haben: Der eben genannte Kandidat Aleks »der maskuline Mann« Petrović war zweimal in dem Treuetestformat »Temptation Island V.I.P.«, eine buchstäbliche Insel der Versuchung , auf welcher Paare getrennt voneinander, umringt von attraktiven Singles und in Partysituationen gesteckt, sich gegenseitig ihre standhafte Unverführbarkeit beweisen wollen. Bei Petrovićs erstem Besuch der Temptation-Insel klappte das nicht so gut, er verließ seine damalige Freundin für eine der dortigen Single-Frauen, in die er sich im Rahmen des Experiments verliebt hatte, seine jetzige Ex-Verlobte Vanessa Nwattu. Nachdem Petrović und Nwattu drei Jahre später erneut auf die Treueinsel gingen, um sich als neues Paar ihrer Unverbrüchlichkeit zu vergewissern, musste Vanessa den maskulinen Mann Aleks aufgrund seiner nervenzersetzenden Unaushaltbarkeit und geschlechtsdiskrimnierenden Gemeinheit verlassen.
Seitdem kämpft der Liebeskummernde mit allen Regeln der PR und Fanmobilisierung darum, zu belegen, dass alle schuld an seiner selbstverantworteten Misere seien: der Sender, der Schnitt, die Moderatorin, der Alkohol, die Treuetesterinnen, die Mit-Kandidatinnen von Vanessa, seine Ex-Freundin, also die, die er für Vanessa verlassen hatte, das Publikum, Feministinnen, Vanessas Freundinnen außerhalb des Formats, die Familie von Vanessa, Neider, Hater, Kooperationspartner und natürlich seine Ex-Verlobte Vanessa selbst, denn die hat sich ja schließlich getrennt. Und während ich diesem Realitystar beim Verdrängen, Misstrauen und Beschuldigen einer ihm nicht wohlgesonnenen Gegenwart zuschauen konnte, kam mir ganz plötzlich die Erkenntnis: Friedrich Merz ist der Aleks Petrović der deutschen Politik. [….]
Vor einigen Monaten gab es in einer Reality-TV-Sendung, in der Pärchen gegeneinander antraten, eine Diskussion um Nacktbilder für den Playboy. Ein altes Thema, das schon zu meiner Jugendzeit eruiert wurde: Ist es moralisch tragbar? Ist es Schund, wie andere Pornographie? Ist es frauenverachtend? Ist es ästhetisch? Ist es Kunst? Der Playboy bekommt offenbar immer noch viele prominente Frauen dazu, sich für das Heft auszuziehen. Ein Grund dafür sind natürlich die enormen Gagen, die hoch in den sechsstelligen Bereich gehen sollen. Soweit, so bekannt.
Nur fragten die GenZ-Damen sich nicht gegenseitig „Würdest du das tun?“, wie man es in den 1980rn getan hätte, sondern deren Partner wurden gefragt „Würdest du das erlauben?“
Ich kann es kaum fassen. Wenn ich im Teenageralter meiner Freundin gesagt hätte, „zieh dich nicht für den Playboy aus, das will ich nicht/erlaube ich nicht“, weiß ich genau, wie sie geantwortet hätte. Nämlich richtigerweise: „Das ist ja wohl nicht deine Entscheidung, sondern es geht um meinen Körper und über den entscheide ich ganz allein!“
Wie konnte es passieren, daß wir vierzig Jahre später wieder in den 1950ern gelandet sind und die Frauen erst mal die Erlaubnis ihres Mackers einholen?
Die spinnen, die GenZler. Das weiß ich schon seit Jahren und nun gibt es dazu auch eine dieser überflüssigen Studien, die den offenkundigen Befund noch einmal empirisch bestätigt.
Meine Generation denkt immer noch fortschrittlicher, als die Jugend von heute!
[….] Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März hat sich das Meinungsforschungsinstituts Ipsos mit der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau beschäftigt. Bei einer internationalen Studie kam raus: Junge und ältere Männer haben unterschiedliche Meinungen. 👇
Unter anderem wurde gefragt, ob Ehefrauen ihren Ehemännern gehorchen sollten.
Das Ergebnis: Etwa jeder dritte Mann aus der Generation Z stimmt dem zu. Männer dieser Generation sind in den Jahren 1997 bis 2012 geboren.
Bei den Boomern (Jahrgänge 1946 bis 1964) sind es dagegen nicht mal halb so viele Männer, die das denken (13 Prozent).
Nun zum Thema Gleichstellung von Mann und Frau: Wurde dafür im eigenen Land inzwischen genug getan?
Etwa sechs von zehn Gen Z Männer stimmen dem zu.
Bei den Boomer-Männern (Jahrgänge 1946 bis 1964) sind es 49 Prozent.
Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat für die Studie mehr als 23.000 Menschen in 29 Ländern befragt, darunter Deutschland, Argentinien, Frankreich, Großbritannien, Japan Indien, Kolumbien, Mexiko, Schweden, Südafrika, Südkorea und die USA.
Studie: Viele Gen Z Männer fühlen sich diskriminiert
Über die Hälfte der Gen Z Männer (57 Prozent) findet außerdem: Die Gleichstellung von Frauen sei bereits so weit gefördert worden, dass jetzt Männer diskriminiert werden würden. Bei den Boomern sind es 42 Prozent, die so denken. [….]




