Mittwoch, 31. Juli 2019

Total surreal

Neulich überlegte ich, ob ich nicht noch mal versuchen sollte die Serie „Homeland“ zu gucken, auch wenn ich zuletzt den Eindruck hatte, die Storyline hätte das Stadium „absolut hanebüchen“ bereits überschritten.
Ich ging also in Staffel 6; Carrie Mathison ist nicht mehr bei der CIA und Peter Quinn, der große Superheld der Serie liegt mit Hirnschaden und vielen anderen schweren Verletzungen darnieder.
Das hasse ich natürlich, wenn die Starken und Guten in Dramaserien zermatscht werden.
Carrie wird zur heimlichen außenpolitischen Beraterin der Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Keane, die sogar gewählt wird. Als President-elect entgeht sie nur durch Carrie und Peter einem ausgeklügelten Mordanschlag und ist so dankbar, daß Carrie nun offiziell Senior Advisor der Präsidentin wird.
Währenddessen brodelt es natürlich noch in allerlei anderen Handlungssträngen; ein CIA-Fiesling bedroht Carrie, indem er das Jugendamt manipuliert ihr ihre Tochter wegzunehmen. Nachdem alle Versuche scheitern die Kleine wiederzubekommen, tut sie schließlich das, worauf der Zuseher schon lange wartete. Sie nutzt ihren persönlichen engen Draht zur Präsidentin der USA, der sie das Leben gerettet hat und die mutmaßlich auch nur durch ihre entscheidende Hilfe Präsidentin wurde.
M‘am, können sie für mich einen Anruf machen, damit ich meine Tochter wieder bekomme?
Präsidentin Keane wird wütend, lehnt empört ab. Ihr Amt wäre nicht dafür da persönliche Gefallen zu tun, es sei illegal und daher auch eine Zumutung sie überhaupt um so etwas zu bitten.

Sicherlich die richtige Antwort eines integren Amtsinhabers.
Keane hatte Recht; sie konnte gar nicht helfen und anständige Regierungschefs verhalten sich so.
Mich erinnerte das an einen extrem peinlichen Auftritt des unglücklichen Lothar Vosseler, der während der Regierungszeit seines Halbbruders Gerd Schröder verzweifelt versuchte Vorteile aus dieser Verwandtschaft zu ziehen.
Er zog zu diesem Zweck sogar in das trashige RTL-II-Big-Brother-Haus, in dem er den anderen Zimmertemperatur-IQ-Insassen sofort die Jammerplatte auflegte „ich habe kein Geld und keinen Job und dabei ist mein Bruder Bundeskanzler“.
Die tätowierten verkrachten Existenzen um ihn herum waren erstaunt und entsetzt. Das könne ja wohl nicht angehen. Gerd Schröder müsse ja wirklich mies sein, wenn er als so reicher und mächtiger Mann nicht seinem eigenen Bruder eine gute Absicherung als Beamter verschaffe.
Dabei hatte ihn White-Trash-Lothar in seiner ganzen Blödheit zielsicher in eine No-Win-Situation gesteuert.
Ganz Deutschland kannte inzwischen die Alki-Jammergestalt, die ständig neue Aushilfsjobs annahm, immer wieder scheiterte und sich öffentlich beklagte.
Vosseler nicht durch seine Bundeskanzlerpower zu helfen, ließ Schröder als hartherzigen Bruder dastehen, der vor Millionen Zuschauern von BB-Bewohnern niedergemacht wurde.
Ihm tatsächlich mit einem staatlichen Job zu helfen, wäre aber noch viel schlechter angekommen, weil das nun einmal Amtsmissbrauch gewesen wäre.
Die einzig verbliebene Möglichkeit, nämlich seinem gescheiterten Halbbruder rein privat mit privatem Geld zu helfen, war aber ebenfalls verbaut, weil der Idiot Vosseler ständig zur Presse rannte und diese Familieninterna ausplauderte.
Schröder und die fiktive Präsidentin Keane machten in dieser privaten Angelegenheit alles richtig.
 Mein nutzt sein Amt nicht zur Bereicherung aus und betreibt auch keinen Nepotismus.
Daß Ministerpräsident Daniel Günther ohne demoskopische Konsequenzen damit durchkommt nepotistisch zu agieren – er ließ kurz nach seiner Wahl zum MP seinen Bruder entgegen aller Gepflogenheiten zum Vizedirektor des Landtags befördern – kann ich mir nur mit der relative Bedeutungslosigkeit Schleswig-Holsteins und der Verblödung der Wähler erklären.

Unnötig zu erwähnen, aber in Trumps Weißen Haus gibt es nicht einmal Spuren rudimentären Anstandes.
Der Verfassung, ethische Regeln oder das Strafgesetz kennt IQ45 gar nicht. Und falls er doch etwas davon gehört haben sollte, kümmert er sich nicht drum.

Vollkommen ungeniert leitet er Steuergelder in sein persönliches Vermögen um, lässt sich und seine Kinder bestechen, seine Schwiegereltern einbürgern und versorgt in Paradebeispielen des Nepotismus Tochter und Schwiegersohn mit wichtigen Regierungsposten.

Gewaltenteilung kennt er nicht und versucht immer wieder aktiv die Unabhängigkeit des Justiz zu unterminieren.

Hätte ein Homeland-Drehbuchautor das Folgende ausgedacht, würde man es als völlig abstrus konstruiert auslachen und nicht weitergucken.
Rakim Mayers, 30, halberfolgreicher Rapper aus Harlem NY, Künstlername A$AP Rocky wird für das Hip-Hop-Festival "Smash" in Stockholm gebucht, verprügelt aber vorher mit ein paar anderen Rappern einen Teenager. Recht heftig.

[…..] Zuerst in einem Stockholmer Hamburger-Lokal, später auf der Straße. Der 19-Jährige trug Schnitt- und Prellwunden und eine angebrochene Rippe davon. A$AP Rocky und seine Begleiter sagen, die beiden Jugendlichen hätten sie belästigt und provoziert, die Schläge seien Selbstverteidigung gewesen. Der verletzte Jugendliche und der Staatsanwalt sprechen hingegen von exzessiver Gewalt, die von der Gruppe des Musikers ausgegangen sei. Unter anderem hätten sie den 19-Jährigen zu Boden geworfen, getreten und mit einer zerbrochenen Flasche angegriffen. Im Vorfeld waren Videoclips des Vorfalls auch vom Team des Musikers in sozialen Medien gepostet worden, der Staatsanwaltschaft zufolge waren diese Clips allerdings zuvor geschnitten und "gesäubert" worden. […..]

Da Schweden ein Rechtsstaat ist, passiert anschließend das einzig Richtige: Die Staatsanwaltschaft klagt ihn an, stellt ihn vor Gericht.

Mayers jammert sich im Netz aus, so daß Trash-Trulla Kim Kardashian, die dafür berühmt ist einen dicken Arsch zu haben, ihren vollkommen enthirnten Ehemann Kanye West dazu bringt Donald Trump einzuschalten, der sofort mit seiner ganzen Amtsautorität über Schweden herfällt und ein internationale diplomatisch Krise anzettelt.

[…..] Im Fall des in Schweden verhafteten US-Rappers A$AP Rocky hat Präsident Trump den schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven kritisiert. In einem Tweet schrieb der US-Präsident, er sei "sehr enttäuscht" von Löfven und dessen angeblicher Handlungsunfähigkeit ("unable to act"). "Schweden hat die afroamerikanische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten im Stich gelassen", twitterte Trump. Die USA täten so viel für Schweden, doch das gelte nicht in die Gegenrichtung. Schweden solle sich lieber auf sein echtes Kriminalitätsproblem konzentrieren, so Trump weiter. Die schwedische Regierung reagiert eher zurückhaltend auf diese Kritik. [….]

Kann man sich nicht ausdenken.
Nicht nur, daß Trump sein Amt dazu missbraucht einen wandelnden Mega-Silikon-Arsch Gefallen zu erweisen.
Nein, er verzettelt sich auch noch tagelang in dieser Petitesse, während die Welt eine Million dringendere Angelegenheiten hat und zudem versteht er natürlich nicht, daß auch in Schweden die Justiz selbstverständlich unabhängig ist und die Regierung keinesfalls Richtern vorschreiben darf wie sie zu urteilen haben.

[…..] Verhandelt wird im Hochsicherheitssaal des Stockholmer Bezirksgerichts eine Schlägerei in den Straßen von Stockholm am 30. Juni, die sich seither zu einer internationalen Affäre ausgewachsen hat. US-Präsident Donald Trump intervenierte bereits mehrfach bei der schwedischen Regierung. Laut Auskunft des Gerichts hat man den Ort für das Verfahren gewählt, weil er groß genug ist, um dem Publikumsansturm gerecht zu werden. Allein 70 Journalisten von 40 internationalen Medien haben sich akkreditiert.
[…..] Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten im Höchstfall zwei Jahre Haft, allerdings gehen die meisten Beobachter von einem weit milderen Urteil aus. Nicht gerade der Stoff, der gewöhnlich für internationale Verwerfungen sorgt. A$AP Rocky allerdings hat prominente Freunde: Vom Ehepaar Kanye West und Kim Kardashian bis hin zu Justin Bieber empörten sich viele Stars. […..] Und auf Twitter fordern Fans einen Boykott von Ikea, Volvo und Spotify. […..] Die Schweden fühlen sich also zu Unrecht angegriffen. Vor allem erregen sie sich über die Interventionen von US-Präsident Trump, der über Twitter und auch in einem Telefongespräch den schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Lövfen mehrfach aufforderte, A$AP Rocky freizulassen, eine Aufforderung, die dieser unter Verweis auf die Unabhängigkeit der Justiz cool parierte: Er sei "stolz darauf, in einem System zu leben, wo der Ministerpräsident einen Prozess nicht beeinflussen kann", sagte Löfven vor Beginn des Prozesses erneut. Eine Haltung, die Trump wiederum "tief enttäuscht" mit beleidigenden Tweets quittierte, in denen er Schweden attestierte, es habe "die schwarze Gemeinde in den USA im Stich gelassen".[…..]

Trump, der Schutzpatron für die amerikanischen People of Color. Ausgerechnet der schlimmste Rassist, der je ein Amt im modernen Amerika hatte.
You cannot make that shit up. Und ich dachte, die Homeland-Autoren schrieben dem Weißen Haus zu absurde Handlungen zu!