Im Zuge des Beefs zwischen Prevost und Trump, konnte man viel über die Rolle des Katholizismus bei den MAGAs lesen.
Die Vordenker der ultrarechten „Christian nationalists“, Peter Thiel und Stephen Bannon insbesondere, haben den Katholizismus als Vehikel entdeckt, um ihre radikal reaktionäre menschenfeindliche und antidemokratische Agenda voran zu treiben. So konnte Thiel seinen politischen Ziehsohn J.D. Vance dazu bringen, zum Katholizismus zu konvertieren, sich für einen Agustinus-Experten zu halten und auf dieser Basis den Papst zu attackieren.
[….] Neu ist aber die unmögliche Situation, in die sich der US-Vizepräsident selbst gebracht hat – und damit auch seine Regierung, die mit immer schrilleren Bezügen zum Christentum auffällt. Da ist Verteidigungsminister Pete Hegseth, der mit einem gefälschten Bibelzitat aus dem Film »Pulp Fiction« hantiert. Oder Trumps spirituelle Beraterin Paula White-Cain, die ihren Präsidenten in der Karwoche mit Jesus Christus verglich. Aber bei niemandem zeigt sich das grundsätzliche Missverständnis zwischen Politik und Theologie so deutlich wie bei JD Vance. Erst 2019 ist der Republikaner zum Katholizismus konvertiert. [….] Seit ein paar Jahren hat eine Strömung der neuen subversiven amerikanischen Rechten den Katholizismus zunächst als provokative Attitüde entdeckt. Ausgerechnet die coolen Kids von der Lower East Side in Manhattan schmückten sich mit dem Label »Trad Cath« , »traditionell katholisch«. Um die vermeintlich woke-liberale Hegemonie zu verstören, kokettierten sie mit traditionellen Familienbildern und stürzten sich lustvoll auf die reaktionärsten Strömungen, die im Katholizismus zu finden waren. […] Typen wie der Techmilliardär Peter Thiel, der seine ganz eigene Geschmacksrichtung von »Vibe-Katholizismus« entwickelt hat. […] Peter Thiel ist kein Fan des Papstes, den er für zu »woke« hält. Zugleich hält der Hobbytheologe gern Vorträge über sein Konzept vom Antichristen (der seiner Meinung nach Züge der Klimaaktivistin Greta Thunberg trägt). [….]
Vance nahm die Rolle des Papstes gleichzeitig zu ernst und nicht ernst genug. [….] Vance aber wurmte es offensichtlich, dass ihm die oberste Autorität in Glaubensdingen nicht recht gab. [….] Das Problem ist: Der Papst ist kein beliebiger Pastor in irgendeiner protestantischen Freikirche, mit dem man über die richtige Auslegung einer Bibelstelle diskutieren kann. Vance verrannte sich, als er dem Oberhaupt der katholischen Kirche empfahl, in theologischen Fragen »vorsichtig« zu sein, in unerhörtes Terrain. [….] Aber Vance hatte sich immer noch nicht tief genug eingebuddelt. Als Nächstes wies er den Papst großmütig auf die fast tausendjährige Geschichte des Konzepts des »gerechten Krieges« hin. Das Konzept geht unter anderem auf ebenjenen Augustinus zurück, den Vance als seinen Schutzpatron verehrt – womöglich hielt er sich deshalb für ausreichend kompetent. Doch wie Vance wissen müsste, da er dem Papst zu dessen Inauguration zwei Augustinus-Ausgaben geschenkt hat, ist Leo XIV. einer der größten Augustinus-Experten auf dem Planeten. [….]
(Matern von Boeselager, 25.04.2026)
OK, in diesem Fall ging es schief, den katholischen Umhang zu benutzen, weil Prevost US-Amerikaner ist, bei dem Thema keine Auseinandersetzung scheut und weil Vance dumm wie Bohnenstroh ist.
Davon mal abgesehen, ist der Katholizismus eine durchaus naheliegende Wahl, um in der dunkel-abrahamitischen, misogynen, homophoben, antisemitischen und xenophoben Republikaner-Welt, einen „seriösen“ Anstrich zu bekommen. Schließlich war die Kirche die längste Zeit ihrer 2000-Jährigen Geschichte katholisch und wurde von mächtigen weißen Männern geprägt, die sich Frauen/Ungläubigen/Kindern/Schwulen/Dunkelhäutigen/Sklaven gegenüber für superior hielten. Und halten.
Über die MAGA-und GOP-Schiene gewinnt die katholische Kirche enormen Einfluss in der US-Politik, weil es die katholischen Stimmen waren, die maßgeblich Donald Trump über die Ziellinie trugen. Darunter sehr viele Latinos, die am allermeisten unter dem ICE-Terror leiden und schon seit 2015 permanent von Trump dämonisiert werden. Eigentlich sollte die GOP keine einzige Latino-Stimme bekommen, aber der Katholizismus, mit seiner Homophobie und dem radikalen Kampf gegen schwangere Frauen, überwog bei der Wahlentscheidung 2024.
[….] Eine wachsende Minderheit in den USA sieht den Einfluss von Religion steigen. 37 Prozent äußerten diese Einschätzung in einer vom Pew Research Center in Washington veröffentlichten Umfrage.
Das sind 19 Prozentpunkte mehr als 2024, kurz vor Beginn der aktuellen Trump-Regierung. 17 Prozent sprachen sich dafür aus, das Christentum zur Staatsreligion zu erklären, das ist ein Anstieg um vier Prozentpunkte. Zwischen Parteigängern der regierenden Republikaner und der Demokraten zeigen sich erhebliche Unterschiede.
75 Prozent der Republikaner bekundeten eine positive Sicht auf den öffentlichen Einfluss von Religion, doppelt so viele wie Anhänger der Demokratischen Partei (38 Prozent). Dass bei der Gesetzgebung die Bibel im Zweifelsfall größeres Gewicht als die Volksmeinung haben sollte, meinten 45 Prozent der Republikaner gegenüber 13 Prozent der Demokraten. 27 Prozent der Republikaner befürworteten eine christliche Staatsreligion. [….]
Für mächtige weiße heterosexuelle Männer ist der Dunkelkatholizismus eine prima Sache. Damit kann man die Frauen zurück an den Herd drängen, auf das Kinderkriegen reduzieren, Schwulenrechte streichen und drakonische Strafen durchsetzen.
Für Frauen/Queere stellt sich die Sache anders dar.
[…] Amerikas junge Frauen wenden sich zunehmend vom Glauben ab. Inzwischen bezeichnen sich bereits 43 Prozent der unter 30-jährigen Amerikanerinnen als nicht religiös.
Der Anteil der nicht religiösen jungen Frauen (von 18 bis 29 Jahren) hat seit 2013 stetig zugenommen – von 29 auf 43 Prozent (2025). Der Begriff (im Original: none) umfasst Atheisten, Agnostiker und andere, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören. Ein Großteil dieses Zuwachses resultiert aus einem Rückgang der Religionszugehörigkeit bei jungen Frauen aus ethnischen Minderheiten (Women of Color). Dagegen blieb der Anteil der nicht religiösen jungen Männer im selben Zeitraum bei 35 Prozent stabil.
Zu diesen Ergebnissen kommt die jetzt veröffentlichte Studie Census of American Religion 2025 des Public Religion Research Institute (PRRI) in Washington, D. C. Über alle Geschlechter hinweg identifizierten sich demnach 9 Prozent der unter 30-Jährigen in den USA als nicht religiös.
Eine bedeutende Rolle bei der Abwendung junger Frauen von den Kirchen spielen die traditionellen Geschlechterrollen in konservativen Glaubensgemeinschaften, sagt die PRRI-Direktorin Melissa Deckman. "Ich glaube, wir erleben gerade einen frontalen Zusammenstoß: Viele jüngere Frauen legen ihre religiöse Selbstbezeichnung ab, weil sie die Ansichten konservativer und lautstarker Kirchen nicht unterstützen."
Während die Frauen gehen, drängen junge Männer mit christlich-fundamentalistischen Überzeugungen – die sogenannten "Theo Bros" – zunehmend an die Öffentlichkeit. Einige Wortführer der Bewegung fordern in den sozialen Medien sogar eine Abschaffung des Frauenwahlrechts. Beobachter vermuten deshalb auch einen erhöhten Zulauf junger Männer zu den Kirchen. Dem widerspricht Deckman: Nach ihrer Ansicht sei es unwahrscheinlich, dass dieser Trend viele Menschen in die Kirchen locken wird. […]
Kein Wunder, für Frauen ist die Rolle, die ihnen abrahamitische Ideologien
zubilligen, reichlich suboptimal. Es war mir schon immer ein Rätsel, was Queere
und Frauen an einer Religion finden, die sie generell als minderwertig
gegenüber heterosexuellen Männern ansieht! AUSTRETEN! Heten auch!

