Sonntag, 29. März 2026

NATO ohne USA

An der totalen Unfähigkeit der C-Minister im Merz-Kabinett kann kein Zweifel mehr bestehen.

Die vage Hoffnung auf Restvernunft – nach der die konservativen Damen und Herren zwar absolut nicht das tun, das ich für richtig halte, aber doch irgendeine Form der Strategie verfolgen und nicht aktiv Deutschland schaden wollen – hat sich bedauerlicherweise mittlerweile völlig zerschlagen. Die C-Truppe tölpelt schildbürgerartig durch die Politik.

Es ist tatsächlich eher Doofheit als Bosheit, die unsere Bundesregierung auszeichnet.

Selbst Joe Wadephul, der anfangs noch als halbwegs zurechnungsfähiger Pol im Gegensatz zu den Vollzeit-Lunatics (Spahn, Dobrindt, Klöckner) galt, zeigt immer deutlicher, wie verwirrt und abgekoppelt von jeder Realität er agiert.

Vorgestern verpuffte sein Restverstand coram publico, als er nach dem Treffen mit dem kleinfüßigen, in XXL-Galoschen watschelnden, interventionistischen Orbán-Unterstützer Rubio feststellte, man ziehe nun wieder mit der USA an einem Strang.

[….] Spannungen mit den USA "konnten ausgeräumt werden"

Zuletzt war das deutsch-amerikanische Verhältnis angespannt. Nach dem G7-Treffen sei das nun erledigt, sagte Außenminister Wadephul in den tagesthemen. Auch über die Kriegsziele der USA herrsche jetzt mehr Klarheit.

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt wiederholt die deutsche Regierung wegen ihrer Haltung im Iran-Krieg kritisiert. Nach seinem Treffen mit Amtskollege Marco Rubio beschrieb Außenminister Johann Wadephul in den tagesthemen die Stimmung dennoch als positiv. Man sei sich beim Treffen der G7-Außenminister bei Paris "freundschaftlich" begegnet.

Und die Beschwerden von Trump? "Das konnte ausgeräumt werden", so Wadephul. Deutschland habe ein großes Interesse an einem guten Verhältnis zu den USA und einer gemeinsamen Gestaltung von Außen- und Sicherheitspolitik.  [….]

(Tagesschau, 27.03.2026)

Man kann nur rätseln, aus welcher Parallelwelt der deutsche Außenminister diese hanebüchenen Erkenntnisse nimmt. Der arme Mann ist ganz offensichtlich schwer verwirrt. „Spannungen ausgeräumt“ und „freundschaftlich“ bedeutet in der echten Realität:

[….] Trumps Wutausbrüche treffen die Nato ins Herz [….] Die Mitgliedsstaaten des Bündnisses wurden vor dem Krieg am Golf nicht einmal gefragt, jetzt sollen sie helfen. Ihre Weigerung verstärkt einen gefährlichen Zug des US-Präsidenten. [….] Seit Trump seinen Krieg gegen Iran begonnen hat, ist er wütend auf die europäischen Nato-Verbündeten, auch auf Kanzler Friedrich Merz. [….] Vor allem aber verstärkt Europas Weigerung, den USA am Golf militärisch – oder auf irgendeine andere Art – beizustehen, zwei Vorurteile bei Trump, die ohnehin tief sitzen und die für das transatlantische Verhältnis brandgefährlich sind. Erstens: Wenn Iran nicht Europas Krieg ist, dann ist die Ukraine auch nicht Amerikas Krieg. Zweitens: Wenn die europäischen Nato-Länder den USA nicht helfen, dann müssen die USA auch den Europäern nicht helfen. [….] Die Tatsache, dass Trump diese beiden Sätze in Variationen seit Tagen immer wieder von sich gibt, mal in Reden, mal auf seiner Plattform Truth Social – Stichwort: „Feiglinge“ –, zeigt, wie fest sie sich in seinem Kopf eingenistet haben. Rationale Argumente helfen da gar nichts. Dass die Ukraine das Opfer eines Überfalls wurde, dass die USA und Europa dem Land mithin bei der Verteidigung gegen Russland helfen, während Trump sich ohne Rücksprache mit den Verbündeten zum Angriff auf Iran entschlossen hat – geschenkt. Dass es dem Moskauer Machthaber Wladimir Putin nicht um den Donbass geht, sondern um die Zerstörung der amerikanischen Weltordnung – ebenfalls geschenkt. Dass die Nato ein defensives Bündnis ist, das seine Mitglieder schützen, nicht die Meerenge von Hormus freikämpfen soll – nun, siehe oben. [….]

(Hubert Wetzel, 29.03.2026)

Anders als Wadephuls Phantastereien suggerieren, ist Trumpmerica eben nicht unser Freund, sondern ein gefährlicher Player, der machtvoll die rechtsextremen EU-Feinde unterstützt, Kriege anzettelt, die Weltwirtschaft ruiniert, Putin massiv hilft und die NATO de facto schon fast KO geschlagen hat.

Trump kann zwar nicht eigenmächtig aus der NATO austreten; dafür bräuchte es einen Kongressbeschluss oder zumindest einen 2/3-Mehrheit im US-Senat.

Aber als Oberbefehlshaber der US-Army kann er das Verteidigungsbündnis von innen zerstörten, indem er den Artikel 5 schleift. Das ist keine Theorie mehr, sondern längst im Kreml angekommen: Du kannst Dir das Baltikum holen, Polen oder die Türkei bombardieren. Mich stört es nicht.

 

[….] Trump gegen Europa – der Nato droht der Todesstoß

Warum die unverhohlenen Drohungen des US-Präsidenten gefährlicher sind, als viele glauben.  Donald Trump spricht über die Nato inzwischen nicht mehr wie über eine Ehe, in der es knirscht. Sondern wie über eine Beziehung, aus der er innerlich längst ausgezogen ist.

Weil die europäischen Verbündeten sich (völlig zu Recht) weigern, an der Seite der USA und Israels militärisch in den seit vier Wochen tobenden Irankrieg einzusteigen [….], steigert sich der zunehmend dünnhäutiger werdende Präsident in eine Wut-Sprache hinein, die nicht mehr bloß beleidigt, sondern vorbereitet: „Wir müssen nicht für die Nato da sein.“

Zuvor hatte er die Mitgliedstaaten „Feiglinge“ geschimpft und das Bündnis ohne Amerika als „Papiertiger“ verhöhnt. In nächtlichen Tiraden auf seinem Online-Pranger „Truth Social“, da, wo sich täglich der wahre, ungefilterte Trump präsentiert, stellte er in Großbuchstaben fest: „Die USA brauchen nichts von der Nato. Aber vergesst niemals diesen sehr wichtigen Moment.“ Ein Mafiapate, der sich von einer anderen „crime family“ betrogen fühlt, klingt nicht anders.

Seine Forderung, bei der Sicherung von Hormus mitzuhelfen (einem Unternehmen, das dem Pentagon zur Stunde viel zu gefährlich ist), sei ein Test gewesen. Das ausgestellte Zeugnis – nicht bestanden – verband der Präsident mit einer diffusen Drohung: „Ich glaube, das wird sie teuer zu stehen kommen.“ Sie, die Europäer. Angesichts des „großen, fetten, schönen Ozeans“, der laut Trump zwischen Amerika und Europa liegt, müssen in Brüssel die Alarmglocken schrillen, wenn Trump mit Sätzen wie diesen nachlegt: „Warum sollten wir für sie da sein, wenn sie nicht für uns da sind?“ Das ist die Umkehrung des Bündnisgedankens in eine Schutzgeldlogik. Hilfe wie ein Termingeschäft – nur noch gegen sofortige Gegenleistung. Damit rührt Trump an den Kern von Artikel 5, also das Versprechen kollektiver Verteidigung, auf dem das Bündnis seit 1949 ruht. [….] Wie Trump wegen Iran das ganze Bündnis zur Disposition stellt, hat eine bedrückende Dynamik. EU-Diplomaten in Washington sagen hinter vorgehaltener Hand, Trump habe die Nato mit dem Iran-Konflikt „in der Praxis bereits funktionsunfähig gemacht“. [….]

(Dirk Hautkapp, Abendblatt, 30.03.2026)

Deutschland darf sich nicht von seinem offenkundig irrlichternden Außenministerin eine Scheinsicherheit führen lassen. Der große Bruder USA ist Geschichte. So wie die EU neue Handelspartner sucht (Mercosur, Australien), muss sich die Rest-NATO um die verbleibenden Freunde in der Welt bemühen (Neuseeland, Japan, Südkorea, Australien, Island, Grönland) und Trumpamerica die Milchzähnchen zeigen. Natürlich sind wir militärisch vergleichsweise schwach. Aber auch Mäusebisse können der Riesenkatze USA wehtun, indem wir beispielsweise die US-Basen in Europa schließen. Auch der Alpha-Alkoholiker Hegseth braucht die US-Basis Ramstein mit ihrem riesigen Militärkrankenhaus. Und dieser fanatische rechtsextreme Verschwörungstheoretiker ist ganz sicher nicht unser Freund; da kann Joe Wadephul noch so abstruse Idiotien von sich geben.