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Samstag, 9. Oktober 2021

Unternehmerisches Versagen

Zu den faszinierendsten urbanen Legenden gehört die (nahezu im Wochentakt von ihm selbst widerlegte) Darstellung des Friedrich Merz als Wirtschaftsexperte.

In Wahrheit ist der Jurist ökonomisch so ahnungslos, daß er von richtigen Experten kontinuierlich ausgelacht wird.

Grüne, Linke und Sozis führen ihn immer wieder in Talkshows vor, wenn er etwas besonders Idiotisches von sich gibt und seine eklatanten ökonomischen Wissenslücken offenbart.

[…] Doch dann rauscht ein Shitstorm durchs Netz. Wirtschaftspolitiker, Ökonomen und Vertreter des Wahlvolkes sind entsetzt von mangelndem Sachverstand oder einfach empört. Er biete Merz "ein kurzes Briefing in Sachen Geldsystem und Staatsfinanzen" an, "sollte nicht länger als ein Jahr dauern, bis wir Sie so fit haben, dass Sie wieder mitreden können", twittert der Ökonom Maurice Höfgen, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag arbeitet. "Ist schon fast lustig, dass der 'Wirtschaftsexperte Merz' keine Ahnung von wirklich grundlegender Ökonomie zu haben scheint", ein anderer. "Die alte Nummer, den Menschen große Angst vor angeblichen Schulden machen", ärgert sich ein Nutzer.  "Ohgottohgott, dieser Mann tritt in meinem Wahlkreis an. @FriedrichMerz, kommen Sie doch mal rüber in die Altstadt, ich leih' Ihnen meinen Bofinger", bietet jemand an. Auf die "Grundzüge der Volkswirtschaftslehre" von Peter Bofinger verweist auch der Linken-Fraktionsvize Fabio De Masi, er twittert ein Bild des Lehrbuchs. "Ist das die neue Wirtschaftskompetenz?", fragt er. Und, an Merz gerichtet: "Wissen Sie eigentlich, was eine Liquiditätsfalle ist? Sie scheinen da was verwechselt zu haben." - "Oh Lord Keynes!" […..]

(SZ, 26.04.2021)

Die einstigen Wirtschaftsparteien der Union, die so tief gesunken sind, daß sie einen lügenden Blender (Guttenberg), einen hoffnungslos Überforderten, der wegen Lustlosigkeit zurücktrat (Glos) und nun sogar Altmaier zum Wirtschaftsminister machten, sind ökonomisch so verblödet, daß sie noch nicht mal mehr merken wie hanebüchen ihre Aussagen sind und sich selbst für brillant halten. Der klassische Dunning-Kruger-Effekt.

[…..] Genüsslich schiebt die Süddeutsche noch nach, dass Merz schon öfter mit wirtschaftswissenschaftlich zweifelhaften Ratschlägen aufgefallen sei, vor einem Jahr z.B. mit dem Hinweis, man dürfe Fleisch nicht zu teuer machen, weil Lebensmittel eine geringe Preiselastizität haben. Da hätte er nun wirklich einmal überlegen sollen, was er sagt. Wirtschaftspolitiker/innen, die keine Ahnung haben, aber glauben, sie zu haben, haben möglicherweise noch etwas anderes: ein erhöhtes Risiko, dem Dunning-Kruger-Effekt zum Opfer zu fallen. Die anderen lassen sich vielleicht doch eher von Expert/innen beraten. [….]

(Science Blog, 27.04.2021)

Wenn eine ökonomische Laiin wie Angela Merkel, die ihre Politik stets so verstand, den dreistesten Industrielobbyisten und CDU-Parteispendern ihre Wünsche zu erfüllen, muss man sich nicht über ihre ahnungslosen Minister wundern.

Die CDU-Kanzlerin überwies beispielsweise Steuergelder in zweistelliger Milliardenhöhe an gescheiterte Atomenergiekonzerne; lief auf Zuruf der Deutschen Autoindustrie bei jeder klimapolitischen Maßnahme der EU, sofort nach Brüssel, um die hoffnungslos veraltete Verbrennertechnik tonnenschwerer deutscher Limousinen zu fördern.

Merkel schickte ihren einstigen Adlatus Ronald Pofalla, einen der Ahnungslosesten aus dem wirtschaftspolitischen Tal der Ahnungslosen, in den Vorstand der Deutschen Bahn.

Als zuständiger Verkehrsminister agiert die Inkarnation einer Comedy-Witzfigur „der Ondy“ Scheuer, der bar jeder ökonomischen Kompetenz bekanntlich eine halbe Milliarde Steuergelder an die Mautkonzerne verdaddelte, aber nun angesichts der vielen Milliarden, die Minister-Greenhorn Spahn bei Maskendeals versenkte, immerhin nicht mehr die größte finanzpolitische Pfeife des Kabinetts ist.

Mit solchen Unions-Politikern als Aushängeschildern für die angebliche Wirtschaftskompetenz, muss man sich nicht wundern, daß in konservativen Kreisen der Staat als schlechter Unternehmer gilt und der Privatisierung das Wort geredet wird.

Allgemein gilt das natürlich nicht, denn auch Unternehmen im Staatsbesitz können hervorragend geführt werden, innovativ agieren und finanziell prosperieren, wenn man entweder kompetente Politiker in die Aufsichtsräte schickt oder fähig ist, gute Chefs zu finden. Im Gegensatz zum Irrglauben der CDU/FDP/CSU-Politiker gilt bei Versorgern, Krankenhäusern, Flughäfen, Transportunternehmen oder Firmen mit hoheitlichen Aufgaben (z.B. Bundesdruckerei. KfW, Flugsicherung, Museen, Universitäten, Theater, Gästehaus Petersberg) nicht ausschließlich das betriebswirtschaftliche Ergebnis als Erfolgskriterium.

Schließlich ist auch die Privatwirtschaft keineswegs gefeit vor inkompetenten Deppen in der Chefetage, die Milliarden versenken und einst gesunde Unternehmen in den Ruin treiben. Wie viele Billionen Euro mussten aus Steuermitteln aufgebracht werden, um die „Banken zu retten“, weil die „notleidenden Banker“ in ihrer Hybris, Inkompetenz und Gier so abwegige windige Finanzprodukte um den Globus jagten, daß 2008 alles zusammenbrach?

Beispiele für privatwirtschaftliches Großversagen sind Wolfgang Urban, der von 2000 bis 2004 KarstadtQuelle ruinierte und Thomas Middelhoff, der die Milliarden von Madeleine Schickedanz in Luft auflöste.

Merkels Finanz-Idol Josef Ackermann, den sie zu privaten Geburtstagssausen im Kanzleramt bewirtete, machte aus der einst mächtigsten Bank der Welt, der Deutschen Bank, einen schwächlichen Übernahmekandidaten, der chronisch rote Zahlen schreibt. Daimler-Chef Jürgen Schrempp, verkündete 1998 die „Hochzeit im Himmel“, als er die Fusion eines der damals größten Konzerne mit Chrysler verkündete.

Nach wenigen Jahren musste alles rückabgewickelt werden, Schrempp hatte 74 Milliarden Dollar versenkt. Als er schließlich 2005 als Daimler-Chef zurücktrat, stieg die Aktie um zehn Prozent – so glücklich waren die Anleger, den weltgrößten Kapitalvernichter loszuwerden.

Mannesmann, einer der größten Röhrenhersteller mit 130.000 Mitarbeitern, wurde im Jahr 2000 von den berüchtigten Chefs Klaus Esser (Vorstand) und Joachim Funk (Aufsichtsrat) ausgelöscht. Es kam in den folgenden Jahren zu einem spektakulären Prozess gegen die Chefs und DB-Boss Ackermann.

Der Baulöwe Jürgen Schneider, auch ein Liebling der C-Parteien, ruinierte seinen Konzern 1994 in einer sagenhaften Milliardenpleite, tauchte unter, wurde schließlich gefasst und musste für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Die Liste lässt sich abendfüllend fortsetzen, fast immer war es unternehmerisches Totalversagen, das die einst gesunden Unternehmen Arcandor, Schlecker, Galeria Kaufhof, Praktiker, Woolworth, Air Berlin, Walter Bau, Edscha, Tempton, Wirecard vom Markt verschwinden ließ.

Das gilt auch für den regionalen Maßstab. In Hamburg verschwanden beispielsweise im Jahr 2014 die 73 Max Bahr Baumärkte mit 3.200 Mitarbeitern und im Pandemie-Jahr 2020 übernahm sich die Bäckerkette Dat Backhus mit 100 Filialen und über 1.000 Mitarbeitern. Immerhin, in diesem Fall scheint es bergauf zu gehen, nachdem die bosnische Familie Hastor für 63 Millionen Euro den Rest aufkaufte und nun wieder Schwung in die Läden bringt.

Unternehmer sind nicht zwangsläufig gute Unternehmer, weil sie staatsfern sind und privat geführt werden.  Ich behaupte, im Staatsbesitz würden viele Unternehmen gar nicht erst durch abenteuerliche Gier in Schieflage geraten. Vorausgesetzt, mach schickt nicht gerade Scheuer oder Pofalla, um sie zu führen.

Unternehmer, die wie die Besitzer der Krankenhauskonzerne, Milliarden Euro Gewinne aus dem System ziehen, jetzt aber an dramatischer Personalknappheit leiden, weil sie selbst keine Krankenschwestern und Pfleger ausbilden, sollten sich in Grund und Boden schämen.

Die Zeitungen sind in diesen Tagen voller positiver Vibes aus der Kultur- und Gastroszene. Hotels gehen wieder in den Normalbetrieb, Touristen kommen, Theater spielen wieder.  Besonders gut läuft es für die 2G-Gastronomen, die ihre Häuser wieder wie vor der Pandemie besetzen können und von bewirtungswilligen Gästen überrannt werden.  Nicht alle können das und müssen sich noch mit halbem Umsatz und halber Gästezahl bei 3G beschränken, weil sie wie Tim Lang, der Betreiber der schicken Eppendorfer „Botanic District Bar“ neun Monate, nachdem der Corona-Impfstoff vorhanden ist, im Oktober 2021 (sic!) noch zu viele ungeimfte Mitarbeiter haben, die nicht einsetzbar sind. Mitarbeiter, die noch nicht mal verblendete Seuchenfreunde sind, die sich grundsätzlich nicht impfen lassen wollen. Es wurde schlicht vergessen. Neun Monate lang.

[….]  Wenn Lang an allen seiner sechs Öffnungstage 2G anwenden würde, würde sich das für ich wirtschaftlich lohnen. Aber er hat ein Problem: „Wir haben nicht genügend durchgeimpfte Mitarbeiter, um sechs Tage lang G2 anzubieten. Deshalb haben wir zunächst diese Lösung gewählt. Die Mitarbeiter von uns, die noch nicht geimpft sind, werden dann weiterhin an 3G-Tagen eingesetzt.“ [….] Konstantin Petersen wird ab dem 14.10. zunächst nur von Montag bis Mittwoch hier arbeiten. [….] „Ich hatte mir vorher gar keine großen Gedanken über die Impfung gemacht. Deshalb bin ich ein bißchen spät dran“, sagt Petersen. [….]

(Abendblatt, 09.10.21)

Seit August gilt im Hamburg die 2G-Option und Gastronomen beginnen nach zwei Jahren Pandemie, nach 9 Monaten BioNTech, Mitte Oktober, ihre Mitarbeiter zu fragen, ob sie geimpft sind?

Unternehmerisches Totalversagen.

Ausgerechnet in der Gastronomie fällt denen nicht früher ein, daß sie geimpfte Kellner brauchen?

Mittwoch, 26. August 2020

Oben geboren, oben geblieben.


Die Zeit der Aufsteiger-Biographien à la Gerd Schröder, als es ein Junge aus ärmlichsten, prekären Verhältnissen – die ungebildete Mutter war allein erziehend und versorgte als Putzfrau fünf Kinder  - über den zweiten Bildungsweg zum Bundeskanzler bringen konnte sind vorbei.
Heute entscheiden fast ausschließlich Papas Portemonnaie und Papas Kontakte darüber, ob es ein Kind in die höchsten Kreise schafft. Teure Privatschulen, Elite-Internate, internationale Unis – dazu Polo, Golf, Segeln und natürlich die richtigen Clubs, die richtigen „alten Herren“, die passenden Schickimicki-Ferien.
In einen DAX-Vorstand kommt man nur, wenn die Eltern auch schon steinreich waren.

Die USA galten hingegen lange als echte Meritokratie. Ein Land, in dem man es aus eigener Kraft ganz nach oben schaffen konnte. Tatsächlich sind die sozialen Schichten in den USA durchlässiger. Auch aus einfachen Verhältnissen kommend, kann man eine Top-Bildung bekommen und wer an den Ostküsten-Elite-Unis seinen Abschluss macht, wird auch weiter aufsteigen.
Die vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Zeiten sind aber auch in den Staaten nicht mehr rosig. Die Erwerbseinkünfte sind kontinuierlich geschrumpft. Heute kann eine Mittelklassefamilie mehr in einem schönen Haus mit Garten allein vom Lohn des Vaters leben.
Heute müssen alle ran; es reicht nicht mehr, daß die Frau mitverdient, sondern sie haben auch Zweit- und Drittjobs. Und selbst dann wird es schwer die teuren Collegegebühren aufzubringen.

Es gibt in den USA und erst Recht in Deutschland nur einen Weg Multimillionär zu werden: Man muss die Millionen durch ehrliche Abstammung erben.
Mit Adelstitel und Millionen auf dem Konto, mit großen Villen und berühmten Vätern gelang es Ursula von der Leyen genau wie Karl-Theodor Baron von und zu Guttenberg in die höchsten Partei- und Politikkreise aufzusteigen, obwohl bei ihnen akademisch Schmalhans angesagt war und die Promotionen entsprechend zusammengeklaut waren.

Wäre Karl-Theodors Mutter Putzfrau gewesen, wäre er nicht mit einer Gräfin Bismarck verheiratet, hätte keine 800 Millionen Euro auf dem Konto und hieße Kevin Schulze statt Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg, könnte ihm so eine dreiste Schummelei und Großlüge wie bei seinem Dr.-Titel-Betrug gesellschaftlich das Genick brechen.
Hieße die EU-Kommissionspräsidentin Ebru mit Vornamen und ihr Vater wäre ein aus Anatolien stammender Fabrikarbeiter, hätte die endlose Kette ihrer Skandale als Ministerin sie ebenfalls längst in die Arbeitslosigkeit befördert. Aber schon ihr Vater hatte einen Top-Job in Brüssel, war Ministerpräsident und fast CDU-Kanzlerkandidat, sie spricht mehrere Sprachen, ist bestens vernetzt. Dann fällt man nach oben.
Mit endlosen Adelstiteln und neunstelligen Beträgen auf dem Konto benötigt man keine Armen-Sprüche wie „Ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Arme“, weil man gar nicht erst fällt.

Nach seinem Aus aus der Bundesregierung im Jahr 2011 kaufte sich Guttenberg eine repräsentative Villa für drei Millionen Euro in Connecticut und trat fürderhin „Distinguished Statesman“ (Angesehener Staatsmann) in den besten Kreisen auf.
Symbolbild
als

Wenig überraschend betrachtete der Bayerische Baron Anstand und Legalität weiterhin lediglich als optional und versilberte seine Kontakte in die Bundesregierung mit dubiosesten Partnern aus der Halbwelt.

Ein KTG kann nicht bescheiden oder demütig. Herr Hochwohlgeboren gehört zur internationalen Finanz- und Macht-Elite. So einer bäckt grundsätzlich keine kleinen Brötchen. Warum auch? Selbst Angela Merkel, der er Schimpf und Schande bereitete, ist immer noch so geblendet von seinem Multimillionen-Glanz, daß sie sich artig nach seinen Wünschen richtet.

[….] Der Name des ehemaligen Verteidigungsministers tauchte gleich bei zwei großen Politaffären auf: der umstrittenen Lobbyarbeit des CDU-Abgeordneten Philipp Amthor für das New Yorker Start-up Augustus Intelligence. Und beim Zusammenbruch des milliardenschweren Finanzdienstleisters Wirecard. Am 3. September 2019 wurde Guttenberg sogar für beide Unternehmen im Kanzleramt vorstellig.
Nur scheibchenweise rückte die Regierung mit Details über das sonderbare Treffen mit Angela Merkel raus, ließ aber den genauen Inhalt des Gesprächs offen. Jetzt bringen Dokumente aus der Regierungszentrale etwas mehr Licht ins Dunkel. Am Abend jenes 3. September um 20:04 Uhr leitete das Büro von Guttenberg eine Nachricht ans Kanzleramt weiter. Darin bedankte er sich bei der "lieben Angela" für "das gute Gespräch heute! Eine Freude, Dich so guter Dinge zu sehen." Weiter schrieb er: "Hier die Adressen der beiden A.I. Herren der Firma Augustus Inc."
[….] Guttenberg war damals Investor und Direktor der Firma Augustus, die auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz unterwegs ist. In der Nachricht verschickte er die Mailadressen von zwei deutschen Gründern von Augustus, "für Frau Christiansen". Gemeint war offenbar Eva Christiansen, eine der engsten Mitarbeiterinnen der Kanzlerin und Leiterin der Abteilung für Digitalpolitik. Guttenberg beendete seine Nachricht an die Kanzlerin mit den Worten: "Herzlichst Stets Dein Karl-Theodor".[….]  Wie sich einige Wochen später erst durch SPIEGEL-Recherchen herausstellte, wurde Karl-Theodor zu Guttenberg an jenem 3. September nicht nur in Sachen Augustus im Kanzleramt vorstellig, sondern auch für den mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister. Mit Erfolg: Auf Merkels China-Reise, die wenige Tage nach dem Termin im Kanzleramt begann, brachte sie die Pläne von Wirecard zur Sprache, nach China expandieren zu wollen. Und das, obwohl schon zu dieser Zeit eine Reihe von Untersuchungen zu Bilanzmanipulationen des Dax-Konzerns liefen. [….] Im Falle von Wirecard hat die Regierung [….] eingeräumt, dass Merkel die geplante Übernahme des chinesischen Zahlungsdienstleisters AllScore Payment Services auf ihrer Reise thematisiert hatte. [….] Guttenbergs Beratungsfirma Spitzberg Partners war "mit Unterbrechungen zwischen 2016 und 2020" für Wirecard tätig, wie der ehemalige Verteidigungsminister gegenüber dem SPIEGEL erklärte. Für die geplante Expansion nach China wurde Spitzberg Partners im Finanzministerium und Kanzleramt vorstellig. [….]

Die adeligen Superreichen sind in ihren erzkonservativen Kreisen unkaputtbar.
An ihnen bleibt nichts haften, sie stehen über dem Gesetz.

Fabio di Masi von der Links-Fraktion des Bundestages ist insofern eher niedlich, wenn er KTG angreift. Es wird nichts nützen. Guttenberg ist wie ein Mercedes mit der eingebauten Vorfahrt ab Werk. Er muss sich nicht an Gesetze und Paragrafen halten wie wir gewöhnlichen Menschen.

[….] „Die Bundeskanzlerin kann sich nicht länger wegducken. Der Bundestag wurde getäuscht“, kommentiert Fabio De Masi, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE, Enthüllungen über den Austausch der Bundeskanzlerin mit Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg über die Unternehmen Augustus Intelligence und Wirecard. De Masi weiter:
„Die Bundeskanzlerin muss erklären, warum das Bundeskanzleramt mir das Gespräch in einer parlamentarischen Anfrage verschwiegen und nur eine angeblich unbeantwortete E-Mail von Herrn Guttenberg am 3. September 2019 eingeräumt hat. Eine Informationsfreiheitsanfrage zu der E-Mail von mir wurde mir bis heute nicht beantwortet. Ferner muss die Bundeskanzlerin beantworten, ob sie in China neben Wirecard auch für Augustus Intelligence im Auftrag von Herrn Guttenberg Klinken putzte. Die Aussageverweigerung gegenüber dem Parlament ist rechtlich unhaltbar und ein faktisches Eingeständnis des Lobbying für Augustus Intelligence.
Für die Geheimniskrämerei gibt es nur drei sinnvolle Erklärungen: Erstens, es sollte keine zusätzliche Aufmerksamkeit auf das zum Zeitpunkt meiner parlamentarischen Anfrage noch unbekannte Gespräch zwischen Guttenberg und der Bundeskanzlerin gelenkt werden, bei dem Guttenberg die Kanzlerin auch zugunsten von Wirecard lobbyierte. Zweitens, die Bundeskanzlerin sollte nicht zu eng mit der Firma Augustus Intelligence in Verbindung gebracht werden, die offenbar ein Rohrkrepierer und ein Reiseveranstalter für Philipp Amthor und den ehemaligen Chef des Verfassungsschutzes Maaßen war. Drittens, es gibt Verbindungen zwischen den Hochstaplern von Wirecard und Augustus Intelligence oder weitergehende Erkenntnisse der Nachrichtendienste.
Die Begründung, man habe nur für Wirecard lobbyiert, weil es sich eben um einen DAX-Konzern handele und das ganze Ausmaß der Vorwürfe unbekannt gewesen sei, ist nicht haltbar, sofern die Kanzlerin auch für die seltsame Bude Augustus Intelligence lobbyierte.
[….] Es gäbe zahlreiche Mittelständler in Deutschland, für die sich die Bundeskanzlerin in China einsetzen könnte, anstatt für Unternehmen mit hoher krimineller Energie. Es ist beängstigend, dass der Felix Krull der deutschen Politik, Herr Guttenberg, mit seinen zwielichtigen Kunden offenbar weitgehenden Einfluss auf die Wirtschaftsförderung der Kanzlerin in China nehmen kann. Die Bundeskanzlerin sollte daher selbst in einem Untersuchungsausschuss zu Wirecard Rede und Antwort stehen und beantworten, ob sie sich ebenso für Augustus Intelligence in China eingesetzt hat.“ [….]

Dienstag, 25. August 2020

Neues vom Raffgier-Erzbistum


Ein halbes Dutzend Schulen zu schließen war für Hamburgs Erzbischof Heße weniger eine Frage der laufenden Kosten.
Er schielte auf die enormen Grundstückspreise und hoffte richtig abzukassieren mit dem Bauland, das ihm die Stadt extra für die Bildungseinrichtungen überlassen hatte.
Daher war das Erzbistum auch a priori nicht bereit mit den betroffenen Schülern und vielen Initiativen, die finanziell aushelfen wollten, zu sprechen.

In Hamburg ist es der Erzbischof Heße selbst, der Schülern die Tür vor der Nase zuknallt, ihre Schulen schließt, weil er die Grundstücke lieber profitabel verticken will. Bis ihn der rotgrüne Senat stoppte.

(…..) Und nun ist das Erzbistum not amused. Ganz offensichtlich wollte es mit den von der CDU auf Kosten der Hamburger Bürger geschenkten Filetgrundstücken ordentlich die Kassen klingeln lassen, statt sie weiterhin gemeinwohlorientiert zu nutzen.
Zu blöd, daß zwischenzeitlich die Farben des Landesregierung wechselten und der SPD-Bürgermeister Tschentscher das finanzielle Wohl der Multimilliarden-Organisation RKK nicht als vorrangig vor den Interessen der Hamburger Bürger betrachtet, so wie es Heße mutmaßlich erwartete.
So hat der Erzbischof also nicht nur die Schulen, die immerhin auch eine Einnahmequelle waren, geschlossen und weite Teile der Katholikenschaft Hamburgs gegen sich aufgebracht, sondern  sein eigentlicher Plan, sich damit finanziell gesundzustoßen, ist nun ebenfalls Makulatur. (….)

Das Erzbistum ist bis heute weder lernfähig, noch einsichtig.
Offenbar versuchen die frommen Männer erneut ihre soziale Verantwortung loszuwerden, um mit rasant gestiegenen Grundstückpreisen Reibach zu machen.

Neues Opfer der hanseatischen Katholiken ist die Pflegeschule des Krankenhauses Groß-Sand in Hamburg-Wilhelmsburg.
Es ist ja bekannt, daß wir in Deutschland eine derartige Pflegekräfte-Schwemme haben, daß niemand noch mehr Krankenschwestern oder Altenpfleger gebrauchen kann.
Außerdem haben wir in Hamburg insgesamt genau eine Pflegeschule im Großraum Harburg-Bergedorf; da kann man sie doch ebenso gut schließen.

[…..] Die Krankenpflegeschule am katholischen Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg wird Anfang Oktober geschlossen. Hamburg verliert damit die einzige Krankenpflege-Schule südlich der Elbe. Der Schritt stößt bei den Betroffenen und den Hamburger Behörden auf Bedauern und Unverständnis.
Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler seien aus allen Wolken gefallen, als die Schließungspläne verkündet wurden, erzählt eine Betroffene NDR 90,3. Die Schule sei im Quartier etabliert, hätte akademisch überdurchschnittliche Absolventinnen und Absolventen und wurde sich finanziell quasi selbst tragen. […..]

Es ist daher auch ganz unverständlich wieso ausgerechnet in den eher sozial schwachen südlichen Stadtteilen Menschen den Pflegeberuf erlernen wollen.
Haben die denn noch nie von der Friedrich-Merz-Alternative gehört? Statt umständlich so einen Pflege-Unsinn zu lernen, könnten sie doch lieber in Hedegefonds und Private Equity investieren. Wissen das die Migranten auf der Veddel etwa nicht?

[……] Auszubildende und Beschäftigte des Wilhelmsburger Krankenhauses Groß Sand wehren sich gegen die zum 1. Oktober geplante Schließung der Pflegeschule. [……] Die Gesundheits- und Krankenpflegeschule Groß-Sand zeichnet sich insbesondere durch die direkte Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund aus. Sprachbarrieren zu beseitigen und in den kulturellen Austausch zu gehen war stets Teil des Unterrichtskonzepts. [……]  Weder Gespräche mit den Dozentinnen und Dozenten, noch mit den Schülerinnen und Schülern haben im Vorhinein stattgefunden. Eine fundierte Diskussion über die Zukunft der Pflegeschule wurde nicht einmal in Erwägung gezogen“, beklagt Anastasia Stumpf, die 2019 ihr Examen am Groß Sand gemacht hat. […..]

Nun demonstrieren die 55 Azubis auch noch, statt ihrem geschätzten Erzbischof seine Einnahmen einfach mal zu gönnen! Sehr frech.

[……] Unter dem Motto „laut werden“ versammelten sich am Dienstag Nachmittag rund 150 Menschen auf dem Bonifatiusplatz vor der Pflegefachschule des katholischen Krankenhauses Groß-Sand in Wilhelmsburg[……] Die 1958 eröffnete Einrichtung am 1. Oktober zu schließen, sei eine „unternehmerische Entscheidung“, sagt Krankenhaus-Sprecherin Sarah Sieweke. Grund seien „höhere Anforderungen an die IT“ im Zusammenhang mit dem 2017 verabschiedeten Gesetz zur Reform der Pflegeberufe, mit dem seit diesem Jahr die Ausbildung von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger*in­nen zusammengelegt wurde.
Für Mirjam Mikoleit, Leiterin der Pflegefachschule, sind „die genannten Gründe der Geschäftsführung zur Schulschließung nicht nachvollziehbar“. Denn mit der Pflegeberufereform wurden Landesfonds eingeführt, die eine „wettbewerbsneutrale“ Finanzierung dieser Ausbildungsplätze ermöglichen sollen. Auch die Krankenhäuser und die Stadt Hamburg zahlen in diesen Fond ein. Alle laufenden Kosten der Ausbildung werden finanziert, bestätigt Waltraud Jansen, Geschäftsführerin des Ausbildungsfonds Pflege Hamburg. Nur Investitionskosten seien ausgeschlossen.
[……] Dass sich durch die Reform die Bedingungen für die Schulen verbessert haben, bestätigt auch Karlheinz Kruse, Projektleiter der Pflegeberufereform am Hamburger Institut für Berufliche Bildung. Für die technische Ausstattung stünden zudem Mittel aus dem Digitalpakt bereit. [……] Für die Ärzte des Krankenhauses, in dem die praktische Ausbildung stattfindet, wäre die Schließung der Pflegeschule „ein großer Verlust“, sagt der Chefarzt der Chirurgie, Wolfgang Reinpold. [……]

Und die nörgeligen Linken haben auch immer was zu meckern. Wie kommen sie dazu die Argumente des Erzbischofs für die Schließung der Schule zu widerlegen?
Im Zeitalter von Querfront, Aluhüten und Facebook-Blasen sind Fakten und Realität doch nur noch etwas für Versager und weinerliche Gutmenschen.
Ein aufrechter Konservativer hat sich von dem Zwang der Wirklichkeit befreit und kümmert sich lieber darum abzukassieren!

[…..] Die Pflegeschule Groß-Sand soll zum 30.09. geschlossen werden. Als Grund wurde bisher genannt, durch das neue Pflegeberufegesetz und durch die notwendige Digitalisierung entstünden finanzielle Belastungen, die das Bistum als Trägerin nicht schultern könne.
Das Bündnis „Pflegeschule bleibt“ und das Team der Pflegeschule Groß-Sand hatten diese Gründe von Anfang an angezweifelt. Antworten auf eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE bestätigen nun, dass sie damit recht hatten. „Die Argumentation des Bistums ist in allen Punkten widerlegt“, sagt Deniz Celik, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft.
 „Unsere Anfrage zeigt, dass die Kosten der generalisierten Ausbildung vollständig vom Ausbildungsfonds getragen werden. Für die Digitalisierung stehen durch den Pakt für Digitalisierung ebenfalls ausreichende Mittel zur Verfügung.“
Durch die Schließung könnten im Gegenteil sogar finanzielle Rückforderungen auf das Bistum zukommen, denn die Stadt Hamburg hat für die Erweiterung der Pflegeschule bereits Investitionsmittel in Höhe von 817.000 Euro gezahlt.
Celik: „Die Senatsantwort bestärkt unsere Befürchtung, dass die Schließung der Pflegeschule Teil eines Plans des Bistums ist, das Krankenhaus oder bestimmte Fachbereiche zu schließen, und dass die angeblichen Gründe nur vorgeschoben sind.“
Darüber hinaus belegt die Anfrage die exzellenten Leistungen der Pflegeschule, etwa überdurchschnittliche Bestehensquoten und unterdurchschnittliche Abbruchsquoten.
 „Wir können als Stadt auf eine hervorragende Pflegeschule wie Groß-Sand auf keinen Fall verzichten. Im Gegenteil brauchen wir mehr Pflegeschulen, die so erfolgreich ausbilden“, sagt Celik. [……]

SPD und Grüne unterstützen die Pflegeschule; setzen eine Sitzung an.

[….] Claudia Loss, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion mahnt: „Als langjährige Mitarbeiterin stelle ich regelmäßig fest, dass das Krankenhaus Groß-Sand für viele Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger ein wichtiges Stück Identität ist. Die unklare Nachrichtenlage sowie Berichte über eine möglicherweise bevorstehende Schließung des Krankenhauses haben in den vergangenen Wochen für erhebliche Verunsicherung im Stadtteil und bei den Beschäftigten gesorgt. […..]

Wie gemein von Linken, Grünen und SPD!
Und an die Bedürfnisse des Hamburger Erzbischofs, nämlich schön in Ruhe ein paar Millionen zu machen auf dem Rücken der Pflegeschüler, denkt wieder niemand.

Samstag, 22. August 2020

Ressourcen alle und noch so viel Jahr übrig


Mir fehlt es garantiert an Gier, unternehmerischen Geschicks und kaufmännischer Raffinesse, um jemals durch selbstständige Tätigkeit wohlhabend zu werden.
Glücklicherweise benötige ich auch keine Statussymbole und fröne keinen teuren Hobbys. Ich bin seit Jahrzehnten nicht mehr geflogen oder verreist, mein Auto ist wertlos, meine Wohnung zu klein. Keine Kinder, keine Haustiere, kein Ausgehen.

Ein Asket bin ich aber nicht; wie fast alle anderen Normalos stelle ich mir auch gelegentlich vor wie es wäre Lottomillionäre zu sein und über Nacht in unverdientem Reichtum zu schwelgen. Mir fällt eine Menge ein wofür ich Geld ausgeben könnte. In meinem Alltag würde sich aber äußerlich wohl nicht viel ändern. Einen Haufen Geld ließe ich auf dem Girokonto liegen. Einfach, damit es da ist und nicht mehr dieser unangenehme Zustand von „das Geld ist alle, aber es ist noch so viel Monat übrig“ eintritt.
Tahiti-Vanille-Schoten von Safran-Pütter. Die kosten 18,50 Euro pro Stück, oder günstig im 25-Schoten-Glas für 430 Euro. Oder die Raritäten-Sorten von Speicherstadt-Kaffee. Jamaika Clifton Mount Estate für 290 Euro/Kilo.
Lebensnotwendig ist das nicht, aber ich fände es schon schön mir diese Gaumenschmeichler leisten zu können, falls ich gerade Lust habe und nicht nur alle Jubeljahr mal eine Kleinstmenge davon zu probieren.
Das sind nachhaltige Produkte, die nicht auf Kosten der Natur und unter Auspressung der Arbeiter entstehen.
Auf beim Prassen würde ich auf nachhaltige Quellen achten, niemals mein Geld jemand in den Rachen schieben, der dann wie Apple, Bezos, BMW oder den Verdienst der Steuerpflicht entzieht und an die CDU spendet.
Nein, ich würde zu inhabergeführten Firmen mit persönlich haftenden Gesellschaftern gehen und auch bei ihnen nicht kaufen, unter dem Dritte leiden müssen.

(…..)  Die Sache mit den hochwertigen mechanischen Uhren werde ich nie verstehen.
Wieso ausgerechnet diese kleinen mechanischen Zeitnehmer wohl so viel Hass- und Neidgefühle triggern?

Es handelt sich dabei nämlich um Luxus und jeder Luxus ist dadurch definiert, daß es sich um irgendeine Art des Überflusses handelt. Luxus ist gerade das was man nicht unbedingt braucht.
Aber Luxus ist eben nicht exklusiv. Jeder genehmigt sich selbst in irgendeiner Weise Luxus.
Es gibt den Luxus, den man nur aus persönlicher Vorliebe schätzt, den Luxus, der nur dafür da ist andere zu beeindrucken, Luxus, der irgendetwas überkompensiert und natürlich auch alle Mischformen.
  Kaum einer lebt von neutraler Astronautennahrung, sondern bevorzugt Lebensmittel, die ihm persönlich gut schmecken. Auch das ist Luxus, da er unnötig ist.
Luxus sind Markenklamotten, überteuerte Apple-Produkte, Autos, Wohnungen, Reisen, Friseurbesuche, Musik, Kunst. Aber auch Puffbesuche, Drogen oder Restaurants. Mountainbikes, Gleitsichtbrillen, Kreuzfahrten, Flachbildfernseher oder Spielekonsolen.
All das ist überflüssig. Und natürlich braucht auch niemand eine Uhr, die 10.000,- oder 100.000,- oder 1.000.000,- Euro kostet.

Aber wenn ich mir die verschiedenen Formen des Luxus unter ökologischen und sozialen Aspekten ansehe, stechen hochwertige mechanische Armbandchronometer dadurch hervor, daß sie nachhaltig sind und keinen Schaden anrichten.
Fast alle anderen Formen des Luxus sind eine Pest für die Umwelt, verbrauchen unnötig Ressourcen und Energie und beuten zudem auch noch meistens irgendwo Menschen aus.
Jeder Flug ruiniert das Klima, jedes Auto stößt Schadstoffe aus, für iPhones werden Billigarbeiter ausgebeutet, für fast alle Kleidungsstücke gibt es am anderen Ende der Welt Menschen im Elend. Für einen Strauß Rosen aus Kenia, werden landwirtschaftliche Flächen ausgetrocknet und jeweils ein Liter Kerosin in die Atmosphäre geblasen. Jeder Computer und jede Spielekonsole hinterlässt Plastikmüll. Auf Reisen werden Tiere gequält, wird Fleisch gefressen.
Yachten sind durch ihren Schwerölverbrauch abartig, Großwildjagden sind amoralisch, PS-Protz-Autos sind Klimasünden.

Mir fallen tatsächlich nur mechanische Uhren als positives Luxusbeispiel ein. Sie sind absolut nachhaltig, werden quasi gar nicht weggeworfen, weil sie nicht nur ihren Wert behalten, sondern meistens sogar wertvoller werden. Sie verursachen kaum Müll und verschwenden so gut wie keine Rohstoffe, außer einer winzigen Menge Stahl und Edelmetall. (…………)

Vom Lottoreichtum zu träumen ist irrational und naiv.
Das ewig prall gefüllte Bankkonto wird für die meisten Menschen nie Realität werden.
So werden wir weiterhin bange auf den Ultimo warten und jeden Monat auf’s Neue feststellen, daß ein paar Einschränkungen notwendig sind.

Hier steht die soziale Frage als unsichtbarer Elefant im Raum.
Die wirklich Bedürftigen leiden überproportional, weil es keine Verteilungsgerechtigkeit gibt und das Volksvermögen kontinuierlich an das obere 1% der Bevölkerung verschoben wird.
Das ist insofern besonders ärgerlich, weil das zu ändern wäre, wenn dieses eine Prozent nicht übermäßig viel Einfluss erkaufen könnte. Wenn die Wähler einfach mal die Tomaten von den Augen nähmen und die Parteien in die Parlamente schicken, die solche Strukturen nicht noch verfestigen.

Aber das erforderte wieder nachhaltiges Denken und nachhaltiges Handeln, zu dem Homo Sapiens ganz offensichtlich viel zu dumm ist.

Wenn am 14. oder 17. des Monats das Konto leer ist, spürt man immerhin den Druck und muss sich strecken, einschränken, begnügen.

Auf einer höheren und noch viel dramatischeren Ebene spüren wir aber leider noch nicht mal Druck und prassen immer weiter über unsere Verhältnisse.

Die Menschen dieses Planeten haben am 22.08. sämtliche erneuerbaren Ressourcen, die in einem Jahr zur Verfügung stehen, aufgebraucht.
Der „Earth Overshoot Day“ wäre sogar schon am 22. Juli gewesen, wenn nicht Corona weltweit die Reisetätigkeit und Industrieproduktion heruntergefahren hätte.
Wir verbrauchen also doppelt so viel wie wir haben. Die größten Sünder sind dabei Nordamerika, Europa und die Golfstaaten. Die Zeche zahlen zunächst Afrika und Südasien. Dort schlägt die Erderwärmung erbarmungslos zu.
Die globalen Verursacher von Überschwemmungen, Versteppungen, Überfischungen und Landraub können durch ihr Geld die Konsequenzen der Ressourcenverprassung kompensieren. Wir bauen Deiche, Klimaanlagen, importieren Lebensmittel.

[…..]  Der sogenannte Welterschöpfungstag war eigentlich für Ende Juli prognostiziert, doch 2020 ist alles anders: Durch die Corona-Pandemie und den wirtschaftlichen Lockdown hat sich der Ressourcenverbrauch in den meisten Ländern schlagartig verringert. Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland: „Die Corona-Pandemie hat uns die Verletzlichkeit unseres Zusammenlebens und Wirtschaftens gezeigt. Der im Kalender 2020 nur kurz verzögerte Welterschöpfungstag ist keine Trendwende, sondern eine Warnung: Der Verlust von natürlichen Ökosystemen und biologischer Vielfalt bringt nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene Gesundheit in Gefahr. Wir müssen aufhören, die Natur für unseren verschwenderischen Lebensstil zu zerstören. Um unsere Lebensgrundlagen besser zu schützen, brauchen wir zügig Gesetze, die Sorgfaltspflichten für Menschenrechte und Umweltschutz auch entlang von Lieferketten verbindlich regeln.“  […..]
(WWF)

[…..] Bildlich gesprochen lebt die Weltbevölkerung derzeit so, als hätte sie 1,6 Erden zur Verfügung. Die Menschen nutzen die Natur also 1,6-mal schneller, als Ökosysteme sich generieren können. Mit vielfältigen Folgen für die Umwelt, wie u.a. Klimawandel, Artensterben oder schrumpfende Wälder. Noch 1987 fiel der Earth Overshoot Day auf den 19. Dezember. Durch das hohe Konsumniveau in Industrie- und Schwellenländern sowie das schnelle Bevölkerungswachstum ist der Tag im Kalender immer weiter nach vorne gerückt, auch wenn er in dem Ausnahmejahr 2020 durch die Corona-Pandemie einige Wochen nach hinten verschoben wurde.
Damit der Earth Overshoot Day zukünftig später im Jahr stattfindet, sind alle gefragt. Denn jede und jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten: Energie sparen, das Auto öfter stehen lassen, saisonale Lebensmittel und langlebige Produkte mit Recyclingmaterialien kaufen und Abfälle generell vermeiden. Würden beispielsweise allein die Nahrungsmittelabfälle weltweit halbiert, würde der Earth Overshoot Day 11 Tage später stattfinden. Eine Halbierung des CO2-Ausstoßes würde das Datum um 89 Tage verschieben. [….]