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Freitag, 31. Juli 2026

Spaßvögel

Es gibt wirklich wenig zu lachen in der Welt. Heute vor fünf Jahren starb Martin Perscheid, den ich täglich vermisse. Loriot ist sogar schon 14 Jahre tot, findet aber immerhin in Fritze Merz einen Wiederkehrer.

[….]  Kennen Sie den? Den legendären Sketch, der vor fünf Jahrzehnten zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt wurde und zu den schönsten von Loriot gehört: »Zimmerverwüstung« oder »Das schiefe Bild«?

In der CDU scheinen sie ihn fast alle zu kennen. Die Funktionäre aus Präsidium und Vorstand, die ihn in diesen Tagen per WhatsApp verbreiten. Die Christdemokraten in den Landes- und Bezirksverbänden, in deren Chatgruppen der Sketch kursiert, und natürlich die Parteimitglieder ganz unten, auf der Kreis- und Ortsebene.

»Der Kanzler am Werk« wird dazugeschrieben. Und dann sieht man Loriot als Beamten im Außendienst in Mantel und Anzug im Wohnzimmer auf einem Sessel sitzen. »Sie möchten sich noch etwas gedulden«, vertröstet ihn das Dienstmädchen und stellt das Radio an, aus dem der »Piccolo Bolero« plärrt. Der Beamte muss warten, er langweilt sich, und da fällt ihm auf, dass eines der Bilder schief hängt. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Als er das Bild richten will, fällt ein zweites aus dem Rahmen und das dritte auf den Boden. Er kriecht hinter das Sofa und stößt dabei erst den einen, dann den anderen Beistelltisch um. Er rutscht auf dem Flokati aus, wirft den Couchtisch um, schließlich kracht das Geschirr aus dem Regal, es fällt um, erst das eine, dann das andere, und am Ende taumelt er, den linken Fuß im Flokati verheddert, aus dem verwüsteten Zimmer dem Dienstmädchen entgegen und stammelt: »Das Bild hängt schief.«

Ob das Tragische manchmal komisch sei, wollte der Journalist Gero von Boehm 1986 von Loriot wissen, und der antwortete, es sei sicher benachbart. Der Begriff der Tragik sei nur auf den »Begriff, unschuldig schuldig zu werden«, zurückzuführen, sagte Loriot: »Und das ist natürlich auch komisch. Wenn jemand etwas tut, was er in aller Unschuld tun wollte, und damit etwas Verheerendes anrichtet, ist das hart an der Komik.«

Deshalb wird das kurze Video in der CDU so oft geteilt. Weil nicht nur Tragik und Komik so enge Verwandte sind, sondern auch Komik und Lächerlichkeit. Und ist es nicht tragisch, komisch und gleichzeitig auch ein wenig lächerlich, wie Friedrich Merz den Rücktritt von Fraktionschef Jens Spahn nutzen wollte, seine müde Koalition mit einer großen Kabinettsumbildung endlich in Schwung zu bringen, und stattdessen eine breite Schneise der Verwüstung in seiner Partei hinterließ? [….]  In den vergangenen Tagen haben sie hilflos zusehen müssen, wie sich der Kanzler mit jedem Problem, das er lösen wollte, mindestens zwei neue einhandelte. Wie bei Loriot. Erst fällt das Bild aus dem Rahmen, dann kippt der Beistelltisch um, dann der Couchtisch, das Regal, und am Ende klebt auch noch der Flokati am Fuß. [….]

(Konstantin von Hammerstein, Christian Teevs 30.07.2026, DER SPIEGEL 32/2026)

Die konservative Realsatire ist das Beste, das der Welthumor derzeit zu bieten hat.

Sagenhaft, wie sich Trump und Merz durch die Tagespolitik dilettieren. Da müssen Extra3 und Heute Show nur die Kamera draufhalten und ernten Lachsalven. Das Publikum liegt am Boden und hält sich die Bäuche.

Besonders toll sind ihre religiotischen Brüder aus der Christfluencer Szene, die sich bibeltreu durch Social Media zappen und den erstaunten wichsaffinen Teens und Twens erklären, wie enttäuscht Jesus von ihnen ist, wenn sie mit der Nudel spielen, um ihren Nucleus accumbens und den Hypothalamus mit Dopamin und Oxytocin zu spülen. Gott mag das gar nicht und passt genau auf.

Die bemuskelten NoFab-Influencer aus dem angelsächsischen Sprachraum sind Comedy-Gold! Jedes Mal wenn sich „untenrum“ etwas bei ihnen etwas zu regen droht, reißen sie sich das Shirt vom Leib, schalten die Tiktok-Kamera ein und erzählen ihren horny followern, wie sie in Versuchung geführt werden, aber nun nach sechs Monaten, acht Monaten 14 Monaten, ohne Masturbation natürlich nicht rückfällig werden möchten und daher schnell ins Gym rasten, um sich mit Sport und Bibelkunde über Earpods zu derigieren.

Ihre germanischen Kollegen gehen kopflastiger vor und finden bei der gemeinsamen Exegese den Ausweg aus der Onanie.

Jesus und seine 12 Jünger gingen nicht ins Gym; sie bacchanalisierten ihre Triebe in reinen Männerrunden. Mann trug Kleid und Jesus sorgte für steten Nachschub von Hochprozentigem.

Dieser Form der All-male-Masturbationsprävention, also den antiken Darkroom, möchten wichswidrige US-Christfluencer nun mit frauenfreien Fitnessstudios nachahmen. THE LUST-FREE GYM. In Oklahoma.


[….] Men-only gyms seek to protect Christian men from lust[….] White conservative Christian men are rising up all over the nation to take their place at the top of their families, churches and communities.

We’re witnessing their rise to power through the Rededicate 250 events where men like Mark Driscoll called on young men “to get married, to build your business, to get into politics, and also to in every way empower your church to be the tip of the spear for the fight against evil.” [….] But of course, male-only voting booths, pulpits and annual conferences are one thing. How can men survive the daily grind of being around women and become the warrior kings the Doug Wilsons and Mark Driscolls of the world want them to be?

To reach that peak, the Christian manosphere believes men need to be in top physical and spiritual shape. So one way they’re proposing to accomplish that is through “lust-free” gyms. [….] These stories typically begin with men recounting their past indulgence in pornography, adultery and other vices.

“Why are we men’s only? Who are we?” asks Jeff Hambrecht, founder of Proverbs 27:17 Fitness in Oklahoma City. “In a nutshell, one of the No. 1 places affairs and infidelity occur, cheating, is the gym. Byproduct is someone who had an affair in my previous marriage. Doesn’t work out well for you fellas.” [….]

(baptistnews, 22.07.2026)

Eine tolle Idee, mit der sie schnell viral gingen.

Men-only gyms seek to protect Christian men from having self control and treating women with respect while indulging in homo*rotic Alpha femboy stuff

— Liberaltarian™ (@spatially) July 24, 2026

A bunch of h*rny, sweaty Christian men n*ked in the showers? What could go wrong? pic.twitter.com/HcuigS8HRt

— Maximum atheist (@Maximumatheist) July 23, 2026

Yeah, OK
That’s what’s gonna happen
🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣 pic.twitter.com/pUJfe7GLgy

— @Oh Jeff Fa Fa 🤣 (@convoyparody) July 26, 2026

pic.twitter.com/5MGrjhCo6T

— Ozzdog12-Polar Destroyer creator (@Ozzdog12) July 24, 2026

Y'all should just gouge your eyes out like the Bible tells you to do. https://t.co/tONqjbIBYn

— Sarah Ironside 💙 (@SarahIronside6) July 24, 2026

Oh yeah that’ll definitely prevent any lustful outbreaks thank god https://t.co/NmxUfQJ3Kx

— JJ in NH (@JustJoshinNH) July 23, 2026

Will Grindr be blocked in the gym as well? https://t.co/gsOzZGhg8z

— Pink Pony Club Sandwich 🦄 (@AJSolis9) July 23, 2026

 

Das funktioniert sicher ähnlich gut, wie im Vatikan, wo es bekanntlich auch keine Masturbation und keine Homosexualität gibt!

[….] To join, members must sign strict covenants pledging loyalty to traditional heteronormativity. The solution to avoiding women? Building a lavish, men-only fortress where sweaty, pumped-up guys can lift together, share their deepest vulnerabilities, hit the sauna, and intensely focus on each other’s spiritual and physical growth.

From a queer perspective, it’s absolute comedy gold. In their frantic effort to banish female distraction, these gym bros accidentally engineered the ultimate, high-intensity male bonding club.

Nothing says “strictly straight” quite like carving out a sacred space where men can gather in minimal clothing, admire physical strength, and build radical interpersonal intimacy – all while insisting it’s strictly for Jesus. But hey, if the path to working on their “struggles” requires building a dedicated brotherhood sanctuary complete with post-workout sauna sessions, who are we to judge their journey?  [….]

(TheFightMag, 28.07.2026)

Samstag, 11. Juli 2026

Womit Friedrich Merz seinen Terminplan füllt.

Der Bundeskanzler ist ein vielbeschäftigter Mann. Er kann sich nicht persönlich um jeden Pipifax kümmern. Das Umschmeicheln der Überreichen, immer wieder Trumps Hintern küssen, permanent Arme, Schwache, Kranke, Minderheiten beschimpfen, dauernd zu lügen, kosten viel Zeit.

Busy, busy, busy. Da muss der Fritzekanzler Prioritäten setzten. Wenn 300 Millionen EU-Bürger massiven Ozon-Belastungen ausgesetzt werden und laut Robert-Koch-Institut 5.120 Menschen in Deutschland durch die Juni-Hitzewelle und nicht vorhandene Schutzpläne sterben, ist das eindeutig nicht relevant genug, um die kostbare Aufmerksamkeit des Regierungschef zu erregen. Für die Petitesse twittert sein Social Media-Team nicht!

[….] Nach der Hitzewelle Ende Juni, bei der etwa 4.100 Menschen gestorben sind, fordert die Grünen-Politikerin Lisa Badum einen Gedenktag für die Hitzetoten. „Es geht darum zu zeigen, dass die Klimakrise nichts Abstraktes ist oder nur weit entfernt in Pakistan und Bangladesch stattfindet, sondern bei uns zusätzliche Tote nach sich zieht“, sagte Badum der taz.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) tötete die Hitze in diesem Jahr bereits 4.400 bis 5.800 Menschen, darunter vor allem Menschen über 85. Das sind mehr als doppelt so viele Hitzetote wie im gesamten vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Bei der durch den Klimawandel verschärften Ahrtal-Katastrophe im Jahr 2021 starben 135 Menschen, im Straßenverkehr kam es 2025 zu etwa 2.800 Todesfällen. [….] „Hitzetote sind unsichtbar, sie sterben in ihren Wohnungen oder in Pflegeheimen“, sagt Badum. Um Menschen zu schützen, seien politische Maßnahmen bei Klimaschutz und Hitzeanpassung nötig. „Aber ein Gedenktag ist als Symbol wichtig.“ [….]

(taz, 10.07.2026)

Doofe linksgrüne Spinner. Wie kann man nur so zimperlich wegen ein paar Tausend Toten sein? Dazu kommt dem Chef der Christenpartei kein Satz des Bedauerns über die Lippen.

 


Aber dafür arbeitet die Kanzlerpartei auch intensiv daran, die Erderhitzung durch Blockade der erneuerbaren Energien und Multimilliardengeschenke an die Fossillobby zu beschleunigen. Es sollen noch viel mehr Menschen in Deutschland durch Hitzewellen sterben.


[….] Die Hitzewelle im Juni hat über 5.000 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf eine halbe Milliarde Euro pro Tag. Manchen ist das offenbar nicht genug. [….]

(@michlalbrt.bsky.social, 11.07.2026)

[….] Eigentlich soll Deutschland im Jahr 2045 klimaneutral sein. Doch führende Vertreter aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik fordern nun mehr Zeit: Deutschland solle das europäische Datum 2050 übernehmen.

 

In der Diskussion um die Klimaneutralität Deutschlands werden Rufe nach einem Aufschub um fünf Jahre laut. Das derzeitige nationale Ziel der Dekarbonisierung bis 2045 sei nicht sinnvoll und sollte an das europäische Zieljahr 2050 angepasst werden, forderten unter anderem Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter in der Welt am Sonntag. [….] Nach Ansicht des Chefs der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), Michael Vassiliadis, und des Vorstandsvorsitzenden von RWE, Markus Krebber, würde eine Verschiebung des Zieldatums eine Möglichkeit zur Entlastung der deutschen Industrie nach Jahren der Rezession und Stagnation bieten. [….] Der bisherige deutsche Sonderweg, fünf Jahre vor der Europäischen Union klimaneutral werden zu wollen, mache den Industriestandort nur teurer, ohne dem Klima zu nützen, so Krebber. [….] Auch der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sowie Gitta Connemann, Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung MIT und parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, sprachen sich für eine längere Zuteilung aus. [….]

(Tagesschau, 11.07.2026)

Des Kanzlers Zeitersparnis, indem er die Causa „Hitze“ aussitzt, verschafft ihm genügend Freiraum im Terminplan, damit er sich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern kann.

Da ist zum Beispiel dieser hyperreiche junge Deutschrusse Alexander Zverev: 66 Millionen Dollar nahm er bisher durch Preisgelder ein und vermutlich noch mehr Geld durch seine Werbepartnerschaften mit Adidas, Rolex, Head oder Richard Mille. Ganz nach Merzens Geschmack, zahlt Zverev, wie es sich für einen deutschen Multimillionär gehört, gar keine Steuern! Indem er sich, wie so viele CDU-affine Megareiche in eine Steueroase abgesetzte; in seinem Fall Monaco.

Aber es gibt noch viel mehr, das den Bundeskanzler so für den Tennisspieler einnimmt: Die Frauen. Seit fünf Jahren führt er eine Partnerschaft mit der CDU-Influencerin Sophia Thomalla.

12 Jahre war Thomalla Mitglied der CDU, trat aber aus, als ihr die Weiber in der CDU zu woke wurden und es wagten, Vergewaltiger und Missbrauchstäter zu kritisieren.

[….] Während Markus Söder einst Franz Josef Strauß verehrte, fiebert so mancher junger Konservativer heute mit Sophia Thomalla mit. Statt Strauß-Poster überm Bett gibt’s heute Instagram-Likes, schließlich trat die Influencerin und Moderatorin vor rund zwölf Jahren der CDU bei. Doch schon bald könnten die Likes von Junge-Union-Mitgliedern schwinden: Die 34-Jährige hat öffentlich ihren Austritt aus der Partei bekannt gegeben.

Ausschlaggebend waren für das 34-jährige It-Girl offenbar nicht etwa der jüngste rhetorische Rechtsdrall von Parteichef Friedrich Merz. Wohl auch nicht die jüngsten Wahlergebnisse in Bayern und Hessen oder die Steuer- oder Wirtschaftspolitik der Union. Thomalla ärgerte sich stattdessen vor allem über den Umgang der CDU mit der Causa Rammstein. Eben jener Band, deren Frontman Till Lindemann sich derzeit schweren Machtmissbrauchsvorwürfen ausgesetzt sieht, diese jedoch bestreitet.

Das Fass zum Überlaufen brachte wohl ein frauenpolitischer Abend der Bundestagsfraktion von CDU und CSU. Die Christsoziale Dorothee Bär und die Christdemokratin Julia Klöckner diskutierten diese Woche über »Gewalt gegen Frauen – Das Schweigen brechen«. Dazu luden sie auch Shelby Lynn ein, die in den vergangenen Monaten besonders schwere Anschuldigungen gegen Rammstein und deren Sänger Till Lindemann erhoben hat. Lynn rechnete an dem Abend umfassend mit Machtstrukturen ab, die »weiße Cis-Männer« bevorzugten, wie unter anderem die »Berliner Zeitung « schrieb.

Thomalla schien das gar nicht zu passen. Sie, die von 2011 bis 2015 mit Lindemann liiert war, schrieb nun auf Instagram: »Den immer größer werdenden Realitätsverlust mancher Politiker möchte ich nicht weiter mittragen.«   [….]

(SPON, 12.10.2023)

Thomalla befindet sich auf der CDU-Linie von 1997, als Friedrich Merz die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe im Bundestag ablehnte! Merz findet sie toll und macht Wahlwerbung für den Verfassungsbrecher.

"Friedrich Merz ist jemand, der endlich was macht" jubiliert Zverevs Freundin im Frühstücksfernsehen. Hauptsache „Ausländer raus“!

[…] "Er geht das Risiko ein. Die SPD macht das, was sie am besten können: absolut gar nichts, sie schauen nur zu. Ich finde es bei Friedrich Merz gut, dass er sich endlich mal was traut."

Dass die Union im Bundestag zur Durchsetzung ihrer Vorschläge zur Migrationspolitik eine Mehrheit mit der AfD in Kauf genommen hat, findet Sophia Thomalla in Ordnung. Von Scholz' SPD hält Thomalla gar nichts: "Man hat sich klar gegen die Asylwende ausgesprochen. Das dann bedeutet: Wer das Thema Migration verändern will, muss Schwarz oder Blau wählen, was eine beschissene Wahl ist, wenn man zur CDU allein die AfD zur Alternative hat, die ja alle verhindern wollen."  [….]

(AZ, 25.02.25)

Bei ihrem neuen Freund ist die Dame mit dem Merzschen Frauenbild genau richtig.

[….] Zwei Ex-Freundinnen hatten in der Vergangenheit schwere Vorwürfe gegen Zverev erhoben:

·        2020 hatte ihm Olga Scharipowa physischen und mentalen Missbrauch vorgeworfen. Zverev wies das zurück, vor Gericht landete der Fall nicht. Nach drei Jahren teilte die Spielervereinigung ATP mit, dass eine unabhängige Untersuchung keine ausreichenden Beweise für die Vorwürfe gefunden habe.

·        Brenda Patea, die Mutter seines Kindes, hatte Zverev vorgeworfen, sie im Mai 2020 nach einem Streit im Treppenhaus an die Wand gedrückt und »kräftig« gewürgt zu haben. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten verhängte einen Strafbefehl gegen Zverev. Gegen die Geldstrafe von 450.000 Euro legte Zverev Einspruch ein. Im Juni 2024 endete der Fall nach drei Prozesstagen ohne Urteil. Details zur außergerichtlichen Einigung wurden nicht bekannt gegeben. Eine Sprecherin des Gerichts sagte: »Die Wahrheit bleibt offen.« Es gilt die Unschuldsvermutung.  [….]

(SPON, 10.06.2026)

Ein Mann nach dem Geschmack des Kanzlers. Er weiß mit Frauen UND Geld umzugehen. Und jammert nicht, wenn es mal etwas zu warm wird.

[….] Alexander Zverev steht im Wimbledon-Finale – und bekommt hohen Besuch. Bundeskanzler Friedrich Merz reist nach London. [….]

schon klingelt das Telefon seines Managers.

Am anderen Ende der Leitung: Bundeskanzler Friedrich Merz. „Er hat bei meinem Manager angerufen und gesagt, er komme mit seiner Frau vorbei. Also wird er da sein, wenn nicht gerade irgendwas Außergewöhnliches passiert“, sagte Zverev nach dem Halbfinale [….]

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Merz beim Hamburger meldet. Nach Zverevs French-Open-Triumph Anfang Juni hatte der CDU-Politiker bereits zum Hörer gegriffen. Drei Tage nach dem Paris-Sieg, bei einem Termin in Herzogenaurach, meldete sich der Kanzler telefonisch. „Er hat sich sehr über den Sieg gefreut und gesagt, dass er das Match auch gesehen und mitgefiebert hat. Das finde ich toll, damit hatte ich nicht gerechnet“, sagte Zverev damals gegenüber Bild. Nun soll aus dem Telefonat ein persönliches Treffen werden – auf der größten Bühne des Tennissports. [….] Doch Zverev hat beim Treffen mit Merz noch eine ganz persönliche Angelegenheit im Sinn. Seine Großmutter Natalia Fateeva, 78 Jahre alt und beim French-Open-Triumph in Paris noch lautstark in der Box dabei, kann das Wimbledon-Finale nicht verfolgen. Ihr Visum ist abgelaufen, sie musste nach Sotschi zurückkehren. [….] „Sie hat leider einen russischen Pass. Vielleicht kann er mit einem Reisepass oder einem längeren Visum für sie helfen, und dann kann sie etwas länger bleiben, aber sie musste nach 90 Tagen zurück“, sagte Zverev laut Bild. [….]

(FR, 11.07.2026)

Merz ist nicht dafür bekannt, gegenüber Ausländern, die mit ihren Aufenthaltstiteln hadern, großzügig zu sein.

Aber mit Zverevs Geldbeutel und seiner vorbildlichen Polizeiakte….

Freitag, 10. Juli 2026

So war das ja nun nicht gemeint, Herr Wegner!

Als ich gestern mit dem Berliner Lügenmeister und der Hauptstadt-CDU abrechnete, wollte ich meine Empörung zum Ausdruck bringen.

Daß der Tennis-spielende Hobbypolitiker meinen Blog liest und daraufhin gleich seine Kandidatur und seine Karriere in die Tonne tritt, hatte ich aber NICHT beabsichtigt! 

[….] „Meine Damen und Herren, als ich vor sieben Jahren CDU-Landesvorsitzender wurde, haben alle gesagt: „Das schafft er nicht, das wird er nicht hinkriegen, der wird nicht CDU-Landesvorsitzender.“ Das war 2019 und ich bin CDU-Landesvorsitzender geworden. Dann haben viele gesagt: „Der wird nicht Spitzenkandidat.“ Bin ich dann doch geworden. Viele haben nicht geglaubt, dass ich Regierender Bürgermeister werde. Und ich bin Regierender Bürgermeister geworden.

Und in diesem Amt war mir immer wichtig, dass ich der bleibe, der ich bin. Und, dass ich authentisch bleibe. Das war mir das Wichtigste. Dieses Amt ist mir eine große Ehre. [….] Es war mir eine große Ehre, in den letzten drei Jahren für die Berlinerinnen und Berliner Politik zu machen. Und dabei waren die Menschen für mich immer im Vordergrund, immer im Mittelpunkt. [….] Ich bin stolz darauf, was wir in dieser Koalition gemeinsam erreicht haben. [….] Ich habe Ihnen gesagt, mir war immer wichtig, derjenige zu bleiben, der ich bin. Und mir war immer wichtig, authentisch zu sein. Ich habe in den letzten Tagen festgestellt, dass ich mit den wichtigen Themen – mit den Themen, die für die Berlinerinnen und Berliner wichtig sind, mit den Themen, die wir erfolgreich hinbekommen haben, aber auch mit den Themen, die in der Zukunft anstehen, – nicht mehr durchdringen.

Ich kriege es nicht mehr hin, Botschaften zu senden, weil eine andere Debatte alles überlagert. Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht. Und ja, glauben Sie es mir, ich ärgere mich am meisten darüber. [….] Aber meine Damen und Herren, wenn ich feststelle, dass ich mit den Themen, die entscheidend sind für die Menschen, nicht mehr durchdringe, dann muss es Konsequenzen geben. [….]  Ich möchte, dass diese Partei in den Wahlkampf zieht, um ein Linksbündnis unter Führung der Linkspartei zu verhindern. Es geht jetzt darum, die Mitte in dieser Stadt zu stärken, dass eben nicht Linksextremisten die Führung in dieser Stadt übernehmen.

Und deswegen werde ich heute Abend den Kreisvorsitzenden sagen, dass ich von einer Spitzenkandidatur Abstand nehme, dass ich nicht erneut als Spitzenkandidat zur Verfügung stehe. [….]

(Kai Wegner, 10.07.2026)

SCHEISSE!
Wegner war so eine tolle RRG-Wahlkampfunterstützung. Ein Garant dafür, erneut einen RRG-Senat zu installieren. Daher wünschte ich mir, dass er bleibt und die CDU weiter in den Keller zieht!

Geradezu mustergültig hatte Wagner die politische Skandal-Grundregel coram publico exerziert: Man stürzt nicht über den eigentlich Skandal, sondern über die dilettantischen Versuche, sein Versagen anschließend zu vertuschen.

Hätte er im Januar nach seinem legendären Tennisspiel einfach alles zugegeben, wäre er dem heute finalisierten Desaster entgangen:

Liebe Berliner, bitte entschuldigt meine Instinktlosigkeit. Ich habe die Dramatik des Stromausfalls unterschätzt und dachte, die Kollegen hätten das im Griff. Da unterlag ich eine gewaltigen Fehleinschätzung und hätte mich natürlich von Anfang an persönlich kümmern müssen.

So eine Erklärung brachte Kai Münchhausen aber nicht über die Lippen, sondern log. Log immer wieder. Über Monate.

Wegner zog die Staatskanzlei und sogar das Kanzleramt in seine Lügenmärchen hinein.

Potzblitz und Donnerschlach! Spahn, Frei und Merz haben gelogen?
Ich bin so überrascht.
Und enttäuscht.
Das hätte ich von diesen grundehrlichen, altruistischen und ehrenhaften Vorbildpolitikern niemals für möglich gehalten!
Und ich dachte, auf den moralischen Anstand der Top-CDUCSU-Vertreter könne man sich absolut verlassen!

[….] Für die Berliner CDU soll es ein Befreiungsschlag sein. Kai Wegner, die lame duck einer Partei, die in drei Jahren an der Spitze des Senats vor allem Stillstand, aber auch Chaos und Skandale produziert hat, zieht sich von der Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl zurück. Regieren will er aber bis zum Wahltag am 20. September weiter. An seine Stelle soll der bisherige Finanz- und seit kurzem auch Kultursenator Stefan Evers treten, wie die Kreisvorsitzenden am Freitagabend entschieden.

Dass die CDU mit diesem Move aus ihrem Stimmungstief hinauskommt – die jüngste Umfrage sah sie nur noch bei 17 Prozent – muss bezweifelt werden. Zum einen ist das Problem der Partei deutlich größer als die Personalie Wegner, zum anderen steht die nun gefundene Lösung nicht für einen neuen Aufbruch.

Unbestreitbar ist Wegner zuletzt zur Belastung für die Partei geworden, das liegt vor allem an seinem Umgang mit dem Stromausfall und den Lügen, mit denen er sein Nicht-Handeln zu verschleiern versuchte. Für einen Kandidaten, der sich für die Zukunft bewirbt, ist Glaubwürdigkeit jedoch die zentrale Währung.

Es gibt zudem wenig, womit Wegner werben könnte: Die Bilanz seiner Regierungszeit muss lauten: Es ist nichts passiert. Berlin ist nicht sauberer, nicht sicherer, nicht mobilitätsfreundlicher, nicht bezahlbarer geworden. Zwar gibt es wieder Bürgeramtstermine, doch das reicht nicht. Wegner hat der Stadt keinen Stempel aufgedrückt, er wird bald vergessen sein.

Doch die verlorenen drei Jahre sind nicht allein sein Werk, sondern des gesamten schwarz-roten Senats. Nicht zuletzt steht dafür auch Stefan Evers. Als Finanzsenator hat dieser einen Haushalt aufgestellt, der viel Schaden angerichtet hat: Ohne Kompass wurden Kürzungen angekündigt, die mit den Betroffenen im sozialen oder kulturellen Bereich kaum kommuniziert, dann unter Druck zum Teil wieder zurückgenommen wurden. Doch die finanziellen Reserven der Stadt sind aufgebraucht.  [….]

(Erik Peter, 10.07.2026)

Nun tritt also der konservative Linken-Hasser Evers für die Berliner CDU als Bürgermeisterkandidat an. Schade.

Für den amtierenden Regierungschef hätten sich so schön Wahlkampfplakate angeboten.

GRINSENDES EISBEIN oder LÜGEN HABEN WENIG HAARE

[….] Auch in der eigenen Partei schütteln einige den Kopf über ihn. »Lügen haben wenig Haare«, heißt es in der Berliner CDU nach dem Bekanntwerden der neuesten Vorwürfe. Manche nennen Wegner, so wird kolportiert, »das grinsende Eisbein«. Ein Schwergewicht der Berliner CDU mit viel Erfahrung sagt dem SPIEGEL: »Kai Wegner hat sich immer durch politischen Instinkt ausgezeichnet – aber der hat ihn seit Januar verlassen.«  [….]

(SPON, 09.07.2026)

WITZFIGUR MIT TENNISSCHLÄGER

[….] Kai Wegner hätte als Reformer der chaotischen Berliner Verwaltung in die Stadtgeschichte eingehen können. Stattdessen wurde er zur Witzfigur mit Tennisschläger.  [….]

(Andreas Niesmann, 10.07.2026)

Die Hauptstadt-CDU wird nun alles geben, um Wegner schnell zu vergessen. Wird sich als einsichtige Partei hinter den neuen Mann stellen.

Aber es bleibt peinlich für die CDU, daß sie Wegner mit 93% zum Spitzenkandidaten wählten, NACHDEM schon all sein dreisten Lügen aufgeflogen waren. Sie hängen alle mit drin.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Das rechtsreaktionäre Spiel

Nun muss ich leider meiner Abrechnung mit dem Trumpschen Fußball-Spektakel, noch ein Kapitelchen hinzufügen.

Nein, natürlich habe ich immer noch keine einzige Minute eines Spiels gesehen und werde auch nicht in eine sportliche Beurteilung einsteigen. Es interessiert mich auch nicht, wer Bundestrainer war, ist, bleibt, oder wird. Aber selbstverständlich halte ich die überbordende Schlagzeilenfülle zu dem Thema für absurd, angesichts der Megaprobleme der menschlichen Zivilisation, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Wenn sich Volk, Politik und Medien den „Leistungen“ einzelner Bällchentreter widmen, statt die tödlichen Auswirkungen der Klimakrise anzugehen, versteht man, wieso unsere Zivilisation dem Untergang geweiht ist.

Diese Meldung….

[….] In dem seit mehr als vier Jahren andauernden Ukrainekrieg sind einer Studie zufolge mehr als zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder als vermisst gemeldet worden. »Die kombinierten russischen und ukrainischen Verluste haben zwei Millionen überschritten«, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) in Washington. Den Großteil der Verluste tragen demnach die russischen Streitkräfte.

Seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 hat die russische Armee der Studie des CSIS zufolge rund 1,4 Millionen Verluste verzeichnet. Davon seien zwischen 400.000 und 450.000 russische Soldaten getötet worden. Die ukrainischen Streitkräfte hätten im selben Zeitraum hingegen zwischen 525.000 und 625.000 Verluste erlitten, darunter zwischen 125.000 und 150.000 Tote.  Die Zahl der russischen Todesopfer in der Ukraine sei "mehr als viermal so hoch wie alle US-Todesopfer in sämtlichen Kriegen seit dem Zweiten Weltkrieg zusammen«, heißt es in der CSIS-Studie. Zudem sei das Verhältnis von russischen zu ukrainischen Verlusten in der ersten Jahreshälfte 2026 vermutlich auf etwa acht zu eins gestiegen. [….]

(SPON, 02.07.2026)

….geht heute in den News unter zwischen all den Nagelsmann-Überschriften.

Die Millionen Opfer des Ukraine-Krieges überlässt man hingegen Bohlen und Putinella.

Nur, um sich einem moralisch untragbaren milliardenschweren Funktionärs-Event zu widmen, welches homophobe und misogyne Attacken fördert.


[….] Häusliche Gewalt und Fußball: Der Spieltag als Albtraum [….] Fußball kann aber auch Todesangst bedeuten. Studien in England zeigen, dass häusliche Gewalt an Spieltagen zunimmt. "Ich hatte Angst um mein Leben - ich dachte, er bringt mich um", erinnert sich Emma Bray. Sie hat selbst erlebt, wie ihr Ex-Partner Fußball als Ausrede nutzte, um ihr gegenüber gewalttätig zu werden, körperlich und emotional. [….] Emma ist kein Einzelfall. Die Nationale Statistikbehörde im Vereinigten Königreich schätzt die Zahl der Betroffenen von häuslicher Gewalt auf über 2,1 Millionen. Dass während eines Fußballspiels die Fälle in England steigen, haben in den vergangenen Jahren verschiedene Studien nachgewiesen - etwa in Manchester.

Wissenschaftler haben dort mithilfe von Polizeidaten die Auswirkungen von fast 800 Spielen von Manchester City und Manchester United ausgewertet. Das Ergebnis: Nach einem Spiel steigt die Zahl der gemeldeten Vorfälle an - in den ersten vier Stunden um fünf Prozent, alle zwei Stunden. Der stärkste Anstieg zeigt sich nach zehn bis zwölf Stunden. 16 Stunden nach einem Spiel verschwindet der Effekt. [….]

(Renée Severin, 23.08.2024)

Die stark ansteigende psychische, sexuelle und physische Gewalt während Fußballmeisterschaften durch die Zuschauer, Fan-Brutalität gegenüber der Familie, korreliert mit der Toleranz gegenüber gewalttätiger Spieler.

Vergewaltiger und Frauenschläger werden weder von Fans, noch von ihren Vereinen oder den internationalen Funktionären adäquat sanktioniert.

[……] Vorwürfe gegen WM-Spieler: Eine Branche schweigt [……] Der Fußball hat ein Systemproblem: Etliche Spieler, denen sexuelle Übergriffe gegen Frauen vorgeworfen werden, spielen auf der größten Bühne, die ihr Sport zu bieten hat. Wo bleibt der Kulturwandel?  [….]

(FAZ, 02.07.2026)

Die moralische Niedertracht der frustrierten deutschen Fußballfans, muss von den Minderheiten und Schwachen unserer Gesellschaft ausgebadet werden. Die Fußball-WM befördert rassistische Ausschreitungen.

[….] Nach dem deutschen Ausscheiden bei der WM häufen sich hierzulande rassistische Gewalttaten. Aus Chemnitz wird von Ausschreitungen berichtet. [….] Für Jonathan Tah steht der Fehlschuss sinnbildlich für das Scheitern. Dass er Deutschland in der Verlängerung mit einem Kopfballtreffer vermeintlich zum Sieg geführt hatte, der nach Videobeweis aberkannt wurde, zählt nach dem Abpfiff kaum noch. Ebenso rückt in den Hintergrund, dass auch Kai Havertz und Nick Woltemade ihre Elfmeter nicht verwandelten. Stattdessen richtet sich der öffentliche Zorn auf Tah. Für viele steht der Schuldige schnell fest – schließlich sei er angeblich „nicht deutsch“. Unter seinem Instagram-Beitrag häuften sich rassistische Beleidigungen und Anfeindungen.

Tah wurde in Hamburg geboren, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater stammt aus der Republik Côte d'Ivoire. Dennoch sprechen ihm einige die Zugehörigkeit zu Deutschland ab. In rechten Kreisen taucht in diesem Zusammenhang oft der Begriff „Passdeutscher“ auf. Von einer „passdeutschen Fußballnationalmannschaft“ sprach die AfD-Bundestagsabgeordnete Christina Baum bereits 2022. Solche Narrative grenzen Spieler mit Migrationsgeschichte aus und schaffen einen Resonanzraum für rassistische Anfeindungen, die sich nach dem Schlusspfiff auch auf den Straßen entladen.

WM-Veranstaltungen werden zu Orten rechtsextremer Anfeindungen. So war es schon beim Spiel gegen die Elfenbeinküste. Beim Public Viewing in Berlin-Friedrichshain skandiert ein Zuschauer rassistische Parolen. Bei einem Autokorso in Kassel wird ein Hitlergruß aus dem Auto mit rechter Symbolik gezeigt. [….] Von einer rassistischen Verfolgungsjagd nach dem deutschen WM-Aus gegen Paraguay wird aus Chemnitz berichtet. [….] Schon während der TV-Übertragung, so das Recherchekollektiv, wurden Menschen rassistisch und antisemitisch beschimpft, Sitzplätze verweigert. [….] [….] Ein Zusammenhang zwischen dem Erstarken rechter Akteure, der politischen Instrumentalisierung des Fußballs und den rassistischen Vorfällen rund um die deutsche Nationalmannschaft liegt nahe. [….]

(Taz, 02.07.2026)

Es ist ein ekelhafter Sport, von dessen abscheulichen Seiten weder Spieler, noch Politiker, noch Funktionäre, noch Fans, noch begleitende Medien freizusprechen sind.

[….] Statt über die wahren Gründe für das blamable WM-Aus zu sprechen, werden Familientage und radelnde Ehefrauen vorgeschoben. Der deutsche Fußball ist und bleibt reaktionär. [….] Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie reaktionär der deutsche Fußball immer noch ist. Ein paar Beispiele aus dem Boulevard gefällig?

    Lothar Matthäus kritisiert die sogenannten Familientage. »Frauen, Familien, alles war dabei«, durfte der Rekordnationalspieler bei der »Bild«-Zeitung erzählen. »Ich weiß nicht, warum man schon von Anfang an die ganzen Familien dabeihaben muss.«

    In anderen Berichten wird Bundestrainer Julian Nagelsmann dafür kritisiert, mit seiner Ehefrau zum Trainingsplatz geradelt zu sein. Und das Quartier in Winston-Salem war langweilig, auch das noch.

    Den erstaunlichsten Take liefert Bob Hanning, ebenfalls in der »Bild«. Hanning, ein Handballfunktionär, kritisiert ebenfalls die Familientage, die an den Tagen nach den Spielen stattgefunden haben, wo ohnehin Rehabilitation angesetzt war. Ausgerechnet der Mann, der 1000 Euro teure Versace-Pullover trägt, verknappt seine Kritik auf »Gucci, Gucci, Cappuccino« . [….] 

Um es an dieser Stelle einmal klar zu betonen: Die Nationalmannschaft hat gegen Paraguay verloren, weil sie ideenlosen, schlecht vorbereiteten und taktisch unzulänglichen Fußball gespielt hat. [….] Die zweite Komponente in dieser Matthäus-Hanning-Erzählung ist umso unerfreulicher: Die Frauen sind schuld, na klar, wer denn auch sonst?

ARD-Expertin Almuth Schult, vierfache Mutter und für einige Wochen in den USA, wurde vor der WM wiederholt gefragt, wie sie Familie und Beruf vereinbart. »Bastian Schweinsteiger wird auch nicht gefragt, wie er seine Kinder betreut«, lautete ihre verärgerte Antwort. [….]

(Marcus Krämer, SPON, 02.07.2026)

Natürlich weiß ich, daß es glühende Fußball-Fans, wie die beiden SPD-Generalsekretäre Kevin Kühnert und Tim Klüssendorf gibt, die ganz sicher nicht in ein homophobes, misogynes, gewalttätiges Raster passen. Die in jeder Hinsicht rühmliche Gegenteile der genannten abscheulichen Fußball-Begleiterscheinungen sind. Wieso sie sich für einen solchen „Sport“ begeistern, bleibt für mich völlig rätselhaft. Ich kann mir das nur mit einer Inselverarmung erklären, die wie bei Religiotie oder Homöopathie, offenkundig auch Fußballfans ergreifen kann.

[….]  Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.

 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).

Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen. [….] 

(Keine Macht den Doofen, s.42f)

Mittwoch, 1. Juli 2026

Impudenz des Monats Juni 2026

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Nach einem Jahr Merz, sind unsere schlimmsten Befürchtungen über die Amtsführung der CDUCSU-Promis bestätigt und übertroffen worden.

Auch die Kabinettsfiguren, die man vor der Bundestagswahl im Februar 2025 nicht als Regierungsmitglieder erwartet hatte, passten sich nahtlos in der rechtsideologische Fossillobby-Grauen ein: Reiche, Prien und die „Vier schlimmen Wehs“: Weimer, Wildberger, Warken, Wadephul.

Auf dem CDUCSU-Ticket gab es aus meiner Sicht damals aber immerhin eine tatsächlich positive Überraschung: Stefan Kornelius. Damit hatte ich deswegen nicht gerechnet, weil ich ihn seit 30 Jahren als eine der besten „SZ-Edelfedern“ kenne.

Geboren 1965, studierte er unter anderem an der London School of Economics and Political Science, absolvierte die Henry-Nannen-Schule in Hamburg, arbeitete für die BBC und den Stern, bevor er 1988 zur SZ kam. Vier Jahre war er USA-Korrespondent, anschließend über 20 Jahre Ressortleiter Außenpolitik und seit 2021 Ressortleiter Politik.

Ein hochgebildeter Außenpolitik-Experte, den ich für absolut integer hielt und daher nie für möglich gehalten hätte, daß er für Merz arbeiten würde.

Kornelius ist scharfsinnig. Ich werde ihm ewig dankbar dafür sein, wie er die weltweiten Fehlinterpretationen über Merkels Handeln von 2015 in den US-Medien abräumte:

(….) Wohlmeinende Merkelianer interpretieren die damals offen gehaltenen Grenzen als Merkels christlichen Moment, als den einen Beleg dafür, daß sie auch für ihre Überzeugungen eintrete, wenn es sein müsse.

Aber das ist natürlich kompletter Unsinn. Die Grenzen waren nie zu, also konnte Merkel sie nicht aufmachen. Sie konnte sie gar nicht schließen, wie Stefan Kornelius in wenigen klaren Sätzen darlegt. (….)

(Typisch Deutschland, 16.11.2021)

Ähnlich überraschend war für mich, im Jahr 2010, Steffen Seiberts Berufung als Chef des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung im Amt eines Staatssekretärs. ZDF-Mann Seibert mochte ich vor 2010, war etwas überrascht von seiner Merkel-Bewunderung. Aber Kornelius halte ich für noch wesentlich intellektueller als Seibert. Der sollte nun in den Dienst des völlig unerfahrenen, vorurteilsbelasteten, geistigen Leichtgewichts Merz treten?

Warum bloß?

Ich erklärte es mir einerseits mit journalistischer Neugier; es muss schließlich faszinierend sein, den Betrieb, über den man so lange von außen schrieb, so intensiv und ungefiltert, von innen zu sehen. Andererseits ist es zweifellos eine Ehre, der Sprecher der drittgrößten Industrienation der Erde zu sein, für einen der mächtigsten Männer das Gesicht zu sein. Zudem ist die ungeliebte und aus meiner Sicht fatal falsch agierende Merz-Regierung, als „letzte Patrone der Demokratie“ zum Erfolg verdammt, wenn nicht die braune Pest übernehmen soll. Da kann die zweifellos im Übermaß vorhandene Kornelius-Expertise nur hilfreich sein.

Dachte ich.

Heute erkläre ich Stefan Kornelius zur Impudenz des Monats Juni 2026!

Was für ein intellektueller und moralischer Absturz!

Er hatte doch schon vor Trumps verlorener Wahl gegen Biden so richtig analysiert, was in den USA kaputt ist:

[…..] Die Jahrhundertpräsidentschaft von Donald Trump hat Institutionen spröde werden lassen. Die Exekutive hat das Vertrauen der Bürger verloren, Corona hat ihr den Rest gegeben. Die Legislative hat längst den Anschein der Erhabenheit aufgegeben. Und die Präsidentschaft versöhnt nicht, sie verhöhnt.    Die USA zahlen nun einen beachtlichen Preis für ein hoffnungslos aus der Zeit gefallenes System. Das beginnt beim Wahlrecht, dessen Ungerechtigkeit von niemandem mehr bestritten wird. Das setzt sich fort in einer Administration, die nicht für faire, gleiche und gerechte Wahlen zu sorgen in der Lage ist. Das spiegelt sich in einer Wahlkarte, die durch Manipulation parteipolitisch festgelegt ist. Die Hauptstadt Washington hat mit einer größeren Wählerzahl als Vermont oder Wyoming überhaupt keine Stimme. […..] Die USA, das zeigt der Tod der Richterin Ruth Bader Ginsburg, haben ein Rechtsproblem, ein Strukturproblem, ein Systemproblem. Das sind zu viele Probleme auf einmal, erst recht vor einer Wahl. [……]

(Stefan Kornelius, 22.09.2020)

Und nun assistiert Kornelius als Pressechef dem Mann, der schleimspurziehend um Trumps Hintern kriecht, ihm ein Deutschland-Trikot überreicht und coram publico bettelt, im Team des Faschisten zu spielen?

Der Kornelius, der während der Trump-I-Präsidentschaft das Einknicken der Leyen-Merkel-EU beklagte….

[….] Die EU ist unter deutscher Führung in eine Spirale der Schwächung geraten: Bundesregierung EU-Haushalt

[…..] China, Russland, Türkei, Polen: Die Europäische Union ist nicht mehr dazu fähig, ihre Werte zu verteidigen. […..]

(SZ-Kommentar von Stefan Kornelius, 15.05.2020)

…spricht nun für einen Kanzler Merz, der die EU endgültig zu Kleinholz macht, sich in Washington schweigend an Trump klammert, während dieser den EU-Staat Sapien zerschlägt und schließlich devot Trump die EU-Spaltung anbietet, wenn er nur lieb zu Deutschland wäre.

[….] Besonders ein Statement des Bundeskanzlers stört Campino. Merz habe den Amerikanern signalisiert: "Und wenn ihr mit Europa nichts anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner."

Für den 63-Jährigen sei das ein klarer Verrat: "Er hat das Boot verlassen, das ist unanständig, und das nehme ich ihm richtig übel." Sein Urteil über Merz fällt knapp aus: "Der ist kein guter Europäer." Merz habe "mit manchen Dingen einfach Europa verraten gegenüber Trump, um sich die Gunst von diesem willkürlichen Chaoten zu holen". [….]

(T-online.de, 02.06.2026)

Wie konnte es passieren, daß ein intellektuelles Gewicht, wie Kornelius bei dem geistigen Sauerländer Zwerg derart unter die Räder gerät?


[….]  Ich muss gestehen: Ich finde Tautologien, also eine semantische Redundanz zu rhetorischen Zwecken, ganz toll, denn ich bin ein Fan von Tautologien. Je länger man beispielsweise über Gertrude Steins Gedichtzeile »Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose« nachdenkt, desto mehr Gedanken muss man sich über diesen Satz machen. Dementsprechend begeistert, um nicht zu sagen erfreut, war ich, als auf der Bundespressekonferenz am Freitag Regierungssprecher Stefan Kornelius eine neue Stilblüte für meinen persönlichen Blumenstrauß der Gedankenfiguren gepflückt hatte. Gerade in der politischen Kommunikation erweist sich die Tautologie als betörende Kunstform, da sie dort weder Poetik noch Logik kennt und trotzdem den Rang offizieller Rede behauptet.

Anlass war Friedrich Merz’ schriftliche Bitte an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, eine Regeländerung zu gewähren, nach der »auch nach dem Jahr 2035 ergänzende Übergangstechnologien wie Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, Elektrofahrzeuge mit Range Extendern und hocheffiziente Verbrenner zugelassen werden können«. Es geht also um den Versuch der fossilfreundlichen Regierung, das geplante Verbrenner-Aus doch noch irgendwie zu kippen. Das Wörtchen »hocheffizient« ist in diesem Satz wichtig, denn es ist in diesem Kontext, gelinde gesagt, Bullshit.

Dementsprechend wurde auf der Pressekonferenz vom Journalisten Thilo Jung erfragt, was »hocheffiziente Verbrenner« genau sein sollen. Das Podium schaute etwas ratlos bis hektisch nach links und rechts, auf der Suche nach irgendeiner Person, die das wissen könnte. Der Regierungssprecher Stefan Kornelius gab die Frage dann weiter an den Sprecher des Verkehrsministeriums, Georg Link, dieser zuckte mit den Achseln, gab die Frage damit wortlos zurück an Stefan Kornelius, welcher dann einen Regierungstext vorlas, der allerdings nicht erklärte, was »hocheffiziente Verbrenner« sind, um dann mit den Worten zu schließen: »Ein hocheffizienter Verbrenner ist ein Verbrenner, der hocheffizient ist.« [….]

(Samira El Ouassil, 05.12.2026)

Wenn ein wirklich dummer Mann, wie Merz beispielsweise, den Satz »Ein hocheffizienter Verbrenner ist ein Verbrenner, der hocheffizient ist« sagt, ist das schon unangenehm. Aber wenn ein intelligenter Mann, wie Kornelius, der es besser weiß, so redet, tut es viel mehr weh.

Der Regierungspressesprecher gibt Dinge von sich, für die sich SZ-Politikchef Kornelius in Grund und Boden geschämt hätte.

[….]  Gefragt, ob der Kanzler angesichts der Lage die Hitze nicht zur Chefsache machen sollte, wiegelt Regierungssprecher Stefan Kornelius ab: "Es ist ein extremes Wetter, wir wissen das, und eine Chefsache wird das Wetter nicht ändern. Deswegen glaube ich, müssen wir die Anstrengungen verstärken, das Ineinandergreifen der Maßnahmen."  [….]

(Tagesschau, 29.06.2026)

Ist Kornlius womöglich ein RRG-Agent, der Merz stürzen will, indem er als Chef der  Presseabteilung kontinuierlich völlig verunglückte Merz-Äußerungen lanciert? Wie konnte Kornelius SPRECHER für einen Mann werden, dessen weltweites Markenzeichen es ist, nicht sprechen zu können und kommunikativ täglich auf’s Neue zu verunglücken?

[…] Der Kanzler und die Kommunikation, das ist ein leidiges Thema. Stadtbild-Probleme, Brasilien-Bashing, Pascha-Verunglimpfung – rhetorische Schnitzer ziehen sich durch die politische Karriere des Friedrich Merz (Beispiele aus seiner Amtszeit als Bundeskanzler finden Sie hier).

Jetzt hat der Kanzler schon wieder Ärger, es geht um das deutsche WM-Aus und Merz’ Reaktion darauf. Die hat für, nun ja, Irritationen gesorgt. Und der Versuch, den Schaden anschließend zu begrenzen, ging auch daneben. […]

Um kurz vor halb zwei […] Paraguay steht im Achtelfinale der Fußball-WM, Deutschland ist raus. Die Blamage von Boston ist perfekt, nach einem schwachen und ideenlosen Kick gegen einen eigentlich hoffnungslos unterlegenen Gegner.

Nur gut eine halbe Stunde später, um 1.53 Uhr, wird vom offiziellen X-Account des Bundeskanzlers dessen erste Reaktion verbreitet. »Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel!«, ist da zu lesen. »Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.« […] Das Merz-Urteil (»Einsatz, Teamgeist, Stolz«) geht aber dermaßen an der Wirklichkeit und der allgemeinen Gefühlslage der Fußballnation vorbei, dass ein veritabler Shitstorm über ihn hereinbricht.

In den sozialen Medien wird Merz verhöhnt, die politische Konkurrenz spottet über den Realitätsverlust des Kanzlers, sogar Parteifreunde und Kabinettsmitglieder lassen sich namenlos mit hämischer Kritik zitieren (mehr dazu hier). […]

Schadensbegrenzung[…] Aber wie? […]

Zum einen: Ein zweiter Post soll den ersten auffangen. »Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark[…]

Zum anderen: Die erste Merz-Botschaft wird zum Unfall erklärt, den nicht der Kanzler selbst zu verantworten hat. Der »Tagesspiegel« berichtet am Dienstagnachmittag als Erster, dass der Fehlschuss zu nachtschlafender Zeit ein Versehen war. […]

»Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf«, zitiert der »Tagesspiegel« eine Quelle im Kanzleramt. Am Dienstagnachmittag wird diese Darstellung breiter in den Medien gestreut, von einem »Abstimmungsfehler« ist die Rede, das alles sei »leider sehr ärgerlich« […] Bemerkenswert: In einer ersten Version des »Tagesspiegel«-Berichts ist noch davon die Rede, dass ein »junger Mitarbeiter« den falschen Tweet abgesetzt habe. Später korrigiert die Zeitung ihren Bericht und versieht ihn mit einem Hinweis, dass »der nächtliche Ablauf« zunächst mit einem Detail wiedergegeben worden sei, »zu dem sich unsere Quellenlage inzwischen anders darstellt«. Hatte man im Bundespresseamt Bauchschmerzen bekommen, einem einzelnen Kollegen die Schuld zuzuschieben? So was kommt im Apparat nicht gut an. […]

(Philipp Wittrock, 01.07.2026)