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Donnerstag, 22. Oktober 2026

Die Wirtschaftsvernichter

Nach den Midterms in 12 Tagen wird das Regieren für Donald Trump noch einmal erheblich schwieriger. Viele US-Journalisten erwarten schon sehr bald eine massive Ausweitung des Irankriegs. Der selbsternannte Friedensnobelpreis-Topkandidat plant offenkundig, mit MOABs im passenden Trump-Tangerine-Teint, die 94 Millionen Menschen des Irans in die Steinzeit zu bomben.

[…] The US military has developed new strike plans that include potentially using the so-called “mother of all bombs” to target Iranian energy infrastructure and nuclear sites should President Donald Trump give the order to resume combat operations either before or after the midterm elections, according to multiple US officials familiar with the matter.

Using the GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast Bomb or MOAB, the largest non-nuclear bomb in the US arsenal, for the first time in the conflict with Iran would mark a notable escalation, even though there are doubts over how effective it would be in accomplishing any of Trump’s stated strategic objectives or tipping the balance of the war, multiple sources familiar with internal military planning discussions about potentially deploying the weapon said.  Trump is facing pressure to bring an end to the deeply unpopular war — as Republicans brace for potential political backlash from voters in the upcoming midterm elections and there is little indication the two countries are close to a negotiated resolution after more than six months of US bombing. […]

(CNN, 16.10.2026)

Unser Fritzekanzler und sein wurstfressender Franken-Trump scheinen die geopolitischen Auswirkungen wieder einmal überhaupt nicht zu begreifen. Der Rest Deutschlands schon: Das Benzin wird teurer. Ich sollte eine Wärmepumpe haben und E-Auto fahren.

[….] Ein erneutes Aufflammen des Iran-Krieges zeichnet sich immer deutlicher ab. Die USA haben eine weitere Flugzeugträgerkampfgruppe und eine amphibische Einsatzgruppe in die Region entsandt. Seit Anfang Oktober haben zudem die Flugbewegungen amerikanischer Tank- und Transportflugzeuge deutlich zugenommen. […] Israelische Analysten gehen in Hintergrundgesprächen ebenfalls davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die nächste Runde des Konflikts beginnt, der die Weltwirtschaft bereits erheblich in Mitleidenschaft gezogen hat. […] Trotz bewaffneter Auseinandersetzungen mit kurdischen und belutschischen Rebellen im Nordwesten und Südosten des Landes sitzen die Revolutionsgarden weiterhin fest im Sattel. Auch das iranische Raketen- und Drohnenarsenal scheint noch schlagkräftig genug zu sein, um in der Region verheerende Schäden anzurichten.  Bei einer erneuten Eskalation dürften zudem die geschwächte, aber weiterhin operationsfähige libanesische Hisbollah und die ohnehin wieder offensiv agierenden jemenitischen Huthis an der Seite Teherans in den Konflikt eingreifen. Der gesamten Region droht damit eine neue Welle der Gewalt und Zerstörung – mit potenziell gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft. [….]

(Jan Jessen, 20.10.2026)

Für die E.ON-Lobbyistin Katherina Reiche sind das gute Neuigkeiten, denn von steigenden Preisen profitieren überdurchschnittlich die Öl-Konzerne, während ihre konservativen Marionetten in den Regierungen, die Steuersäckel für sie öffnen.

[…] 916 Milliarden Dollar: So viel Unterstützung zahlten Regierungen 2024 laut OECD und IEA für Öl, Gas und Kohle. Deutschland subventionierte allein den Verkehr mit 31 Milliarden Euro.   Wo das Geld hinfließt: [……]

(Cleanthinking, 17.10.2026)

Die Merz/Söder/Reiche-Politik führt zu Rekord-Ausschüttungen bei den Fossil-Shareholdern. Mit einer winzig kleinen Nebenwirkung: Sie tötet auch das Leben auf diesem Planeten und läutet das Ende der Menschheit ein. Das sind aus Sicht der Christkonservativen offenkundig durchaus vertretbare Kollateralschäden. Aber sie töten auch die deutsche Wirtschaft; namentlich der vor der asiatischen Konkurrenz in die Knie gehenden deutschen Auto-Industrie, und ihrer Zulieferer.

[…] Friedrich Merz gibt den Retter der deutschen Autoindustrie. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat offenbar auf Druck des Kanzlers seinen Widerstand gegen die Aufweichung des europäischen Verbrenner-Aus aufgegeben. Geht dieser Deal in der EU durch, könnten auch nach 2035 noch neue Benziner und Diesel verkauft werden. Was der Kanzler als Erfolg verkauft, dürfte sich als historischer Fehler erweisen: Den europäischen Autokonzernen drohen neue Verzögerungen beim Anschluss an das Zeitalter der E-Mobilität.  Der Verkauf von Elektroautos nimmt gerade Fahrt auf, auch in Deutschland. Im September war mehr als jeder dritte Neuwagen elektrisch. Ausgerechnet jetzt das Ziel zu verwässern, ist industriepolitisch widersinnig. Europas Hersteller benötigen einen verlässlichen Kurs, damit sie bezahlbare Stromer entwickeln und eigene Batteriefabriken aufbauen können. Stattdessen signalisiert Berlin: Der alte Motor hat doch noch eine Zukunft. […]  Jeder Euro für die nächste Verbrennergeneration fehlt möglicherweise bei Batterien, Software und günstigen E-Auto-Plattformen. Gerade dort muss Europa seinen Rückstand gegenüber China aufholen. Die E-Mobilität braucht ihre ganze Kraft, keine halbherzige Doppelstrategie.  Bis 2035 werden Batterien wohl noch leistungsfähiger und günstiger sein, das Ladenetz viel dichter als heute. Vieles spricht dafür, dass dann kaum jemand noch einen neuen Verbrenner kaufen will. Eine Industriepolitik, die trotzdem auf ihn setzt, schützt keine Arbeitsplätze. Sie gefährdet sie. Der Verkehrsverband T&E warnt deshalb zu Recht: Der vermeintliche Rettungsdeal könnte den Niedergang der europäischen Autoindustrie besiegeln. […]

(Joachim Wille, 16.10.2026)

Merz/Söder/Reiche vernichten aber mit ihrer Fossillobby-Tätigkeit nicht nur die Auito-Industrie, sondern vernichten darüber hinaus auch noch Hunderttausende zukunftsträchtige Arbeitsplätze im Solar/Wind-Bereich. Putin und Xi haben viel zu lachen über den Kanzler-induzierten Suizid der deutschen Wirtschaft.

[…] Der Auto-Deal zwischen Deutschland und Frankreich bedroht laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts bis zu 344.000 neue Jobs in Europa, davon die meisten in Deutschland. […] "Das Beispiel VW zeigt, dass Deutschland als starker Industriestandort besonders profitieren könnte. Wenn die Bundesregierung wirklich Jobs bei VW schützen will, sollte sie aufhören, die geplanten Gesetze zugunsten von Verbrennern zu verwässern", sagte E-Mobilitäts-Referentin Susanne Goetz von "Transport and Environment" den Zeitungen. Das jüngste Auto-Abkommen von Merz und Macron sei an Kurzsichtigkeit kaum zu übertreffen.  [….]

(DTS, 21.10.2026)

Selbst der üblicherweise bei Wahlen nicht mit Schläue agierende Durchschnittsteutone sieht klarer als die Christdemokratischen Verbrenner-Dinosaurier.  E-Autos boomen.

[…] Volkswagen und andere Hersteller bejubeln öffentlich die Rekordaufträge für kleine E-Autos. Beim Kassensturz hinter den Kulissen jedoch vergeht die Freude: Der unerwartete Elektroboom kostet Milliarden. […] Am Ende könnte ausgerechnet Herbert Diess (67) recht behalten. Als damaliger Volkswagen-Chef prophezeite er im Juli 2021 in seiner Strategie „New Auto“, bis 2030 werde jedes zweite verkaufte Auto elektrisch angetrieben. Ein Jahr später war der CEO in Wolfsburg Geschichte. Seine Pläne schienen illusorisch, Elektroautos kamen nur in China wirklich in Schwung.

Doch die Situation hat sich in den vergangenen Monaten urplötzlich gedreht. Auf der Autoshow in Paris Mitte Oktober jubelte VW-Markenchef Thomas Schäfer (56), für die frisch vorgestellten elektrischen Kleinwagen des Konzerns seien schon fast 150.000 Bestellungen eingegangen. Der Autobauer kommt beim Run auf VW ID.Polo, Škoda Epiq und Cupra Raval kaum hinterher. Wer einen elektrischen Polo bestellt, muss rund zwölf Monate warten.

Das Ergebnis: Die Diess-Prognose könnte Realität werden, wie sich intern in den Systemen abzeichnet. „Im Auftragseingang liegt der Elektroanteil aktuell bei 40 Prozent“, sagt ein Mächtiger aus dem Konzern. Ein anderer Entscheider erwartet, schon 2028 die 40 Prozent auch bei den wirklich verkauften E-Fahrzeugen zu erreichen. Die Wende ist in der Branche fast allgegenwärtig. BMW verkaufte nach einem mauen Elektrostart 2026 im dritten Quartal plötzlich jedes dritte Auto in Europa mit Batterieantrieb. Mercedes meldet seine E-Modelle für 2026 ausverkauft. […] „Wir suchen gerade verzweifelt nach Möglichkeiten, wieder mehr Verbrenner zu verkaufen“, sagt ein ranghoher Vertriebler. In den Schauräumen stünden sich Benziner und vor allem Diesel „die Reifen eckig“, berichtet ein VW-Händler. […]

(Manager Magazin, 22.10.2026)

Samstag, 17. Oktober 2026

Konservative können einfach nicht mit Geld umgehen.

Trickle Down ist das einzige Finanzkonzept der CDUCSUAFDP: Die weitere massive Konzentration bei dem 1% der Superreichen.

Superreiche, die durch ein paar Millionen mehr auch nicht mehr Zahnbürsten kaufen, öfter essen gehen, regelmäßiger Theater besuchen.

Die Milliarden landen auf Offshore-Konten, in Steueroasen, werden der deutschen Wirtschaft entzogen, schwächen den Konsum, lassen die Nachfrage einbrechen.

Lohnerhöhungen für die sprichwörtliche Krankenschwester oder den Busfahrer, Bürgergeld, Mittel für die Bedürftigen, werden hingegen nahezu vollständig verkonsumiert und fließen als Nachfrage-Boost direkt in die deutsche Wirtschaft.

Schwarze, Braune und Gelbe begreifen das nicht und sorgen seit Jahrzehnten für die schwache Binnenkonjunktur in Deutschland.

Markus Söders Ehefrau Karin ist Erbin der 300 Mio-Umsatz-Firma Baumüller; er selbst ist der schärfste Kritiker der Erbschaftssteuer. Seine Landesregierung verschont systematisch superreiche Erben, denen >26 Millionen Euro leistungsloses Einkommen durch puren Zufall in den Schoß fällt.

[…] 6,7 Milliarden Euro Erbschaft- und Schenkungsteuer wurden allein in Bayern seit 2021 bei sehr großen Betriebsvermögen erlassen – weitere könnten folgen, zeigt eine SPD-Anfrage. Nun beraten Verfassungsrichter: Ist das gerecht gegenüber Privatvermögen?

Beim Thema "Steuererlasse für Superreiche" gerät der Münchner SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn in Fahrt: "Während Normalverdiener brav Steuern zahlen, wird in der Champagneretage alles durchgewunken." Seine Kritik begründet der SPD-Politiker mit aktuellen Zahlen, die er beim Finanzministerium erfragt hat: Von 2021 bis Mitte 2026 haben die Finanzämter in Bayern bei sehr großen Vermögen knapp 6,7 Milliarden Euro Schenkung- und Erbschaftsteuer erlassen.

In 37 Fällen betraf der teilweise oder komplette Steuererlass eine Schenkung oder ein Erbe in Höhe von 26 bis 90 Millionen Euro, in 43 Fällen von mehr als 90 Millionen Euro. Nur ein Antrag wurde abgelehnt, 33 werden noch bearbeitet – die Gesamtsumme könnte somit noch steigen. Jetzt schon entfällt gut die Hälfte der Fälle und erlassenen Steuer auf Bayern: Bundesweit waren es laut Statistischem Bundesamt von 2021 bis Ende 2025 elf Milliarden Euro (139 Fälle).

Möglich macht das die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung: Wird ein Betriebsvermögen von mehr als 26 Millionen Euro verschenkt oder vererbt, kann die Steuer teilweise oder ganz wegfallen. Voraussetzung: Der Erbe oder Beschenkte muss nachweisen, dass er zum Stichtag die Steuer nicht aus verfügbarem privaten Vermögen bezahlen kann.

Im Internet werben spezialisierte Kanzleien damit, dass sich ein "Vermögen von einer Milliarde Euro steuerneutral übertragen" lasse.  [….]

(BR, 07.10.2026)

Der Chefbayer ist es auch, der unbedingt die deutsche Autoindustrie komplett zerstören will, um die Gewinne der Fossilkonzerne zum Schaden von Umwelt, Klima und Wirtschaft zu maximieren.

Zusammen mit dem Fritzekanzler und der unsäglichen Wirtschaftsschrumpfungsministerin Reiche gibt er Deutschlands Zukunft den Rest.

[….] Es gehört zu den Binsenweisheiten der Ökonomie, dass man Geld nur einmal ausgeben kann, das gilt auch in Krisenzeiten.  Autohersteller zum Beispiel können ihre Milliardengewinne in Hochtechnologie investieren, in Elektromobilität, in ihre Zukunft. Sie können einen Teil des Geldes ebenso gut an ihre Aktionäre verteilen. Das löst dann zwar keine Probleme, aber es macht vielleicht einige Menschen, die ohnehin schon reich sind, am Ende noch ein wenig reicher.

Womit man bei Volkswagen ist, einem Konzern, der wegen massiver Sparpläne und fragwürdiger Kommunikation gerade dabei ist, Tausende Beschäftige gegen sich aufzubringen. [….]  VW hat zwischen 2021 und 2025 satte 28 Milliarden Euro Dividenden an seine Aktionäre verteilt. Selbst dann noch, als längst klar war, dass Tausende Jobs gestrichen werden müssen und ganze Werke auf der Kippe stehen. Zu einer Zeit, in der intern bereits von einer existenzgefährdenden Krise die Rede war. Obwohl der VW-Gewinn 2025 um 44 Prozent einbrach, wurden noch im Juni Dividenden in Höhe von insgesamt 2,6 Milliarden Euro beschlossen. [….] Hauptnutznießer der Milliardendividenden sind die Familien Porsche und Piëch, die über ihre Holding Porsche SE 53,3 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien an dem Konzern halten. [….]

(Thomas Fromm, 13.07.2026)

Cui Bono? Warum machen sich Söder, Merz und Reiche so extrem für eine Politik stark, die so klar zukunftsfeindlich ist? Die Antwort ist leicht: Die Superreichen mit ihrem Supereinfluss auf Medien und konservative Parteien werden superreicher.

[….]  Saudi Aramco, BP, Shell und Co. Ölkonzerne erzielen zwischen Irankrieg und Hitzewellen 93 Milliarden Dollar Gewinn

Acht der größten Ölkonzerne haben ihre Gewinne im Frühjahresquartal im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Die neuen Zahlen heizen die Debatte über eine Übergewinnsteuer an. [….]

(SPIEGEL, 05.08.2026)

In der linkeren Medienblase wird immer noch gerätselt, ob CDUCSUAFDP diese enorme Konzentration der Megavermögen, auf Kosten von Gesellschaft, Klima, Wirtschaft und Zukunft, wider besseres Wissen betreiben, weil sie so gut von der entsprechenden Lobby bezahlt werden. Oder ob sie tatsächlich so dumm sind, zu glauben, mit dem Aus für die Erbschaftssteuer und ewigen Verbrennermotoren werde Deutschland global wettbewerbsfähiger. Nach 18 Monaten Merzkanzlerschaft glaube ich an letztere Erklärung. Er ist tatsächlich noch wesentlich dümmer, als wir alle dachten. Aber die Beweggründe sind letztlich irrelevant. Die Wirkung der Unionspolitik ist so toxisch, daß Deutschland meines Erachtens bereits alle relevanten Kipppunkte überschritten hat. Unsere Verblödung, der technische Rückstand auf den Rest der Welt, unsere sozialen und demokratischen Verwerfungen sind nicht mehr reparabel. Der Merzismus stieß Deutschland final in den globalen Orkus. Entweder stirbt Homo Demens durch KI, Pandemie, Krieg, Hitze ganz aus oder aber Deutschland wird eine verödete Kolonie, die mit harter Hand aus Asien verwaltet wird.

[….] Regierungen zahlen fossile Subventionen trotz aller Abbauzusagen weiter [….] OECD und IEA zählten für 2024 gemeinsam 916 Milliarden Dollar fossile Subventionen, elf Prozent weniger als die 1.031 Milliarden von 2023. Den Rekord hält das Jahr 2022, als viele Regierungen in der Energiekrise die Preise für Strom, Gas und Kraftstoffe deckelten.

Allein die Konsumentensubventionen nach IEA-Methode überstiegen 2022 erstmals eine Billion Dollar und fielen 2023 auf 620 Milliarden. Die OECD führt den Rückgang bis 2024 auf auslaufende Krisenhilfen zurück: Deren Kosten sanken von 164 Milliarden Dollar 2022 auf 58 Milliarden 2024.

Gut 84 Prozent der Haushaltskosten im OECD-Inventar betrafen 2024 den Verbrauch, zwölf Prozent die Förderung. Auf den Verkehr entfielen mit 114 Milliarden Dollar die meisten Hilfen, als einziger Sektor verzeichnete er einen Zuwachs. Laut OECD zielt der Großteil der Verbrauchshilfen nicht auf die Bedürftigsten, die Regierungen verbilligen Energie für alle.

Der IWF beziffert für 2024 explizite Subventionen von 725 Milliarden Dollar, 0,6 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Die impliziten Subventionen belaufen sich auf 6,7 Billionen Dollar oder 5,8 Prozent. Drei Viertel davon gehen auf Luftverschmutzung und Klimawandel zurück. In seinem Update von 2023 hatte der Fonds für 2022 sieben Billionen Dollar oder 7,1 Prozent der Weltwirtschaftsleistung errechnet.

Deutschland zahlt fossile Subventionen vor allem über Steuervergünstigungen im Verkehr und Entlastungen für die Industrie. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zählt für 2024 klimaschädliche Subventionen von 66,2 Milliarden Euro, davon 31,3 Milliarden im Verkehr.

Das Umweltbundesamt hat seine Studie „Umweltschädliche Subventionen in Deutschland“ zuletzt 2021 aktualisiert, mit Daten für 2018. Damals summierte das Amt 65,4 Milliarden Euro, 47 Prozent davon im Verkehr. Auf Diesel erhebt der Bund laut UBA 18,41 Cent je Liter weniger Energiesteuer als auf Benzin. Das UBA wertet die Summe als Untergrenze, weil Landesprogramme fehlen.  [……]

(Cleanthinking, 16.10.2026)

Der deutsche Wahn zur Vermögenskonzentration und Maximierung sozialer Ungleichheit wird trotz aller gegenteiligen Erkenntnisse stumpf weiter exerziert. Mit diebisch-debiler Lust an der Zerstörung, zerrockern C-Minister die Industrie.

[….]  Merz' Verbrenner-Deal könnte den Niedergang der Autoindustrie besiegeln [….]

Friedrich Merz gibt den Retter der deutschen Autoindustrie. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat offenbar auf Druck des Kanzlers seinen Widerstand gegen die Aufweichung des europäischen Verbrenner-Aus aufgegeben. Geht dieser Deal in der EU durch, könnten auch nach 2035 noch neue Benziner und Diesel verkauft werden. Was der Kanzler als Erfolg verkauft, dürfte sich als historischer Fehler erweisen: Den europäischen Autokonzernen drohen neue Verzögerungen beim Anschluss an das Zeitalter der E-Mobilität.  Der Verkauf von Elektroautos nimmt gerade Fahrt auf, auch in Deutschland. Im September war mehr als jeder dritte Neuwagen elektrisch. Ausgerechnet jetzt das Ziel zu verwässern, ist industriepolitisch widersinnig. Europas Hersteller benötigen einen verlässlichen Kurs, damit sie bezahlbare Stromer entwickeln und eigene Batteriefabriken aufbauen können. Stattdessen signalisiert Berlin: Der alte Motor hat doch noch eine Zukunft. [….]

(Joachim Wille, 16.10.2026)

Bundeskanzler Merz ist der feurige Balrog an der Kehle Deutschlands. Er brennt alles nieder. Mit dem einen Zweck, daß die Megareichen, auf dem sicheren Weg in die Apokalypse, noch einmal richtig tanzen können.

[….] Dem Staat fehlt Geld. So weit, so bekannt. Doch während intensiv darüber diskutiert wird, wer steuerlich ent- und wer zumindest nicht weiter belastet werden darf, bleibt eine Gruppe fatalerweise völlig unbehelligt: diejenigen, die gar nicht erst in die Staatskasse einzahlen oder sich schlimmer noch illegal daraus bedienen. Allein durch Steuerhinterziehung entsteht Deutschland jährlich ein geschätzter Schaden von 100 Milliarden Euro. Hinzu kommen weitere rund 100 Milliarden durch Geldwäsche.

Die Debatten um den Haushalt und notwendige Reformen verliefen sicherlich ganz anders, stünde dieses Geld zur Verfügung. Trotzdem behandelt der Staat Wirtschaftskriminalität erstaunlich nachlässig. Statt die bereits gestohlenen Milliarden zurückzuholen und dafür zu sorgen, dass Wirtschaftskriminelle uns nicht weiter ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, werden vor allem die vergleichsweise geringfügigen Vergehen von Sozialhilfeempfänger:innen mit aller Härte geahndet. Der Eindruck drängt sich auf: Der Staat misst mit zweierlei Maß.  […]

(Anne Brorhilker, 04.06.2026)

Dienstag, 16. Juni 2026

Der Weltzerstörer.

Da gibt es eigentlich keine zwei Meinungen mehr:
Obamas Irandeal, der Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA), von 2015, gemeinsam ausgehandelt von den fünf ständigen UN-Sicherheitsratsmitgliedern, der EU und Deutschland mit dem Iran, erforderte enorm viel Expertenwissen und war besonders bedeutend, weil es sich nicht nur um Absichtsbekundungen handelte, sondern ein Überprüfungsmechanismus implementiert wurde.

Völlig überraschend konnten Trumps Golf-Kumpel und sein Schweigersohn NICHT innerhalb von 24 Stunden in Pakistan einen viel besseres Abkommen erzielen.

US-Präsident Trump kündigte den JCPOA 2018 aus drei Gründen:

Erstens, weil er wahnsinnig dumm ist.

Zweitens weil er rasend vor Eifersucht, manisch jeden Erfolg Obamas zerstören muss.

Drittens, weil er ein Rassist ist, der einem schwarzen Präsidenten seine eingebildete „White Supremacy“ beweisen will.

Unnötig zu erwähnen, aber selbstverständlich richtete der orange Verbrecher damit ein Desaster an.

Aber, es gibt kein Desaster, das Trump nicht noch wesentlich verschlimmern könnte. Und so griff er gemeinsam mit seinem kriminellen Kumpel Bibi Netanjahu den Iran an. Er diagnostizierte mehrfach die totale Vernichtung der Iranischen Waffensysteme, das Ende der Iranischen Atompläne, eine Übergabe des waffenfähigen Urans an die USA und einen Regimechange.

Er erreichte schließlich, das diametrale Gegenteil, weil die Trump-Administration, im Gegensatz zu den vorherigen US-Regierungsmannschaften, über keinerlei Expertise verfügt, ja nicht einmal die Geographie kennt.

[….] »Fußweg nach Iran möglich« Trump verortet Katar völlig falsch

Donald Trump erklärt dem Emir von Katar die »gefährliche Position«, in der sich dessen Land befinde. Nur hat er keine Ahnung, wo genau es liegt. Es ist nicht der erste geografische Fehltritt des US-Präsidenten.

US-Präsident Donald Trump führt Krieg in Nahost, doch seine geografischen Kenntnisse in der Region sind mindestens mangelhaft: Erneut verortete er den Staat Katar am Persischen Golf fälschlicherweise als Nachbarland Irans mit gemeinsamer Landgrenze. »Sie können direkt über die Grenze gehen, also sind Sie in einer viel gefährlicheren Position«, sagte Trump zu Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani am Rande des G7-Gipfels im französischen Évian.

Von Katar aus könnte man nach Iran »buchstäblich laufen«, sagte Trump. Von »jedem anderen Ort« müsse man nach Iran fliegen, nur von Katar aus sei der Fußweg möglich.

Katar ist eine Halbinsel am Persischen Golf, die nur an Saudi-Arabien grenzt. Der Rest des kleinen Landes ist von Wasser umgeben. Die Luftlinie nach Iran beträgt an der schmalsten Stelle, getrennt vom Persischen Golf, etwa 200 Kilometer. Iran grenzt unter anderem an den Irak, die Türkei, Afghanistan und Pakistan. [….] Trump hatte schon vor und während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident mit Fehlern und Ausrutschern in Geografie für Gesprächsstoff gesorgt. Belgien bezeichnete er einmal als Stadt, Albanien verwechselte er mit Armenien und das afrikanische Namibia nannte er »Nambia«.  [….]

(Spon, 16.06.2026)

Die Weltgegend rund um den Iran spielt allerdings auch gerade gar keine Rolle für die USA.  Man kann wirklich nicht erwarten, dass sich ein US-Präsident damit beschäftigt, wo der Iran liegt und welche Nachbarländer er hat!

Selbstverständlich kannte auch niemand die strategische Bedeutung der Straße von Hormus und so schickte der Iran die Ökonomien der Industriestaaten auf Talfahrt, hob die Energiepreise in den USA auf solche Höhen, daß Trump im tiefsten demoskopischen Keller hockend, vor der Teheraner Führung auf die Knie fiel und ihnen alles gab, wovon sie vorher kaum zu träumen wagten.

[….] Trump kapituliert: Sein „Iran-Deal“ ist nicht nur für Israel ein Debakel[….] Die USA und der Iran haben eine eineinhalbseitige Absichtserklärung unterschrieben. Um diese zu erhalten, musste der US-Präsident viele Zugeständnisse machen. [….] Donald Trump hat (scheinbar) mit einem ersten Iran-Deal ein Problem gelöst, das er selbst verursacht hat: Die Straße von Hormus soll wieder für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet werden. Das wäre eine Voraussetzung, damit der Öl-Preis in den kommenden Monaten weltweit wieder fallen kann.

Doch alleine für diese vage Zusicherung (Teheran behält sich weiter vor, Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen zu erheben) musste der US-Präsident unglaubliche Zugeständnisse machen, der in seinem Wahn ursprünglich „nichts anderes, als die bedingungslose Kapitulation” des Iran akzeptieren wollte. Nun geben die USA sofort zwölf Milliarden an eingefrorenen iranischen Geldern frei, und während der für drei Monate geplanten Verhandlungen noch einmal denselben Betrag. Dazu kommt ein „Wiederaufbaufonds” von 300 Milliarden Dollar, den aber nicht die USA, sondern die mit den USA verbündeten Golfstaaten bezahlen sollen, wie Vize-Präsident JD Vance erklärte. Der Iran müsse sich dafür aber an seine „Verpflichtungen” halten. Die USA haben für Trumps Krieg bisher etwa 70 Milliarden Dollar ausgegeben. [….] Statt also die Chance zu nutzen, das mittelalterlich-religiöse Regime in Teheran zu beseitigen – wie es Trump einst auch den Iranern versprochen hat – werden die Mullahs erst einmal mit Sanktionserleichterungen belohnt. [….] Über das ballistische Raketenprogramm der Mullahs wird noch nicht einmal verhandelt. Und auch ein mögliches Atomprogramm – einer der Gründe für den Beginn des Kriegs – kommt in der Vereinbarung kaum vor[….]

 Trump hat den Mullahs Werkzeuge an die Hand gegeben, die sie vorher gar nicht hatten. Das macht sie in der Region mittelfristig mächtiger, als sie es je waren. Dazu kommt: Trump zerrüttet – ähnlich wie in Europa – die Bündnisse in der Region. Dass die USA die Golfstaaten nicht wirklich militärisch schützen konnten, konnte jeder sehen. [….]

(Christian Burmeister, 16.06.2026)

Trump reißt Bibi gleich mit den Abgrund. Der selbsternannte größte Freund Israels, hat Israel brutal geschadet durch seine Doofheit.

Bernd Dörries, SZ, 16.06.2026

[….] Das Abkommen der USA mit Iran wird in Israel als Katastrophe gesehen. Die Partnerschaft zwischen Netanyahu und Trump ist wohl beendet. [….]  Netanyahu steht als Verlierer da. Als Größenwahnsinniger, der den Nahen Osten neu gestalten wollte, es aber nicht mal schaffte, seinen Partner Donald Trump bei der Stange zu halten. [….] Das Regime in Iran dagegen steht gestärkt da; es hat von den USA Konzessionen erpresst. Im Gegenzug für die Öffnung der Straße von Hormus darf es, sobald die Vereinbarung tatsächlich in Kraft tritt, wieder sein Öl verkaufen, erhält eingefrorene Vermögenswerte zurück. Fast vergessen scheint, dass das Regime gerade noch als Paria galt, nachdem es Tausende Demonstranten ermordet hatte. [….] Schon jetzt kann man also sagen: Netanyahu hat das Versprechen nicht erfüllt, die Gefahr einer iranischen Atombombe langfristig zu bannen. [….] Ein Kollateralschaden ist zudem die Allianz zwischen Israel und den USA. Trump hat sich bei der Aushandlung des Abkommens über den Widerstand Israels hinweggesetzt und offenbar sogar den Libanon in die Waffenruhe eingeschlossen – was Netanyahu bis zuletzt zu verhindern versuchte. [….] In Israel ist die Meinung über das zwischen Iran und den USA geschlossene Abkommen einhellig: Eine »Katastrophe« sei es, eine »totale Kapitulation«, ein »strategischer Tiefpunkt«, eine »Gefahr für Israels Sicherheit«. »Schlechter Deal« lautete am Sonntag die Schlagzeile der Tageszeitung »Yedioth Aharonoth«. Der Journalist und Netanyahu-Lautsprecher Amit Segal zitierte einen anonymen »sehr hochrangigen israelischen Offiziellen«, üblicherweise ein Codewort für den Premier, bereits am Freitag mit den Worten: Der Deal sei »Shit«.[….]  

(Juliane von Mittelstaedt, 16.06.2026)

Der ökonomische Zwerg Iran gewinnt gegen den planetaren Primus USA.

Trump setzt seine allergrößte Macht ein; das US-Militär, und holt sich von dem Paria-Staat am Golf eine blutige Nase ab. Immerhin dienen die Fälle Kanada und Grönland/Dänemark, sowie jetzt auch der Iran, als Beispiel, wie man mit dem irrlichternden senilen US-Präsidenten umgeht: Mit Widerstand und Härte.

[….] Das Fiasko in Iran verändert den Blick auf Trump. [….] Das angekündigte Abkommen zwischen Teheran und Washington ist höchstens ein Kompromiss. Der US-Präsident hatte keine andere Wahl mehr. Für die Europäer könnte darin eine Chance liegen. [….] [….] Trump hasst ja bekanntlich solche Gipfeltreffen: zu viele Leute, zu lange Gespräche, alles zu multilateral. Er muss also bei Laune gehalten werden, sonst reist er wieder ab – oder er reist gar nicht erst an. Die Franzosen haben deshalb unter anderem den Klimawandel aus dem Gipfelprogramm genommen: Den mag Trump nicht. Entwicklungshilfe mag er auch nicht, darum ließ man auch die weg.

Alle nehmen dieses infantile Gehabe des mächtigsten Mannes der Welt hin. Weil er eben der mächtigste Mann der Welt ist und sich auch so aufführt. Den soll man nicht brüskieren, dem widerspricht man nicht einmal, wenn er lügt. Trump behauptet jetzt, dass sein Rahmenabkommen mit Iran ein großer Erfolg sei, ein Sieg, ganz fantastisch. Er behauptet, sein Abkommen sei viel besser als das „schreckliche Abkommen“, das damals, 2015, „Barack Hussein Obama“ unterzeichnet habe und das den Iranern angeblich den Weg geöffnet hätte zur Atombombe. [….] Trump bleibt Trump, und Einsicht ist nicht seine größte Tugend. Aber vielleicht hört jetzt das jämmerliche Hofieren auf. Es bringt ohnehin nichts. [….]

(Oliver Meiler, 16.06.2026)

Einer allerdings begreift es nicht. Unser Fritze.

Der Bundeskanzler nimmt coram publico Anlauf, um tief in Trumps Anus zu tauchen. Man kann es kaum ertragen, die Bilder zu sehen. Zum Mitschämen, der Sauerländer Simpel.

[….] Die Szene hat großes Fremdschampotenzial. Sie spielt sich am Dienstagvormittag beim G7-Gipfel ab, in Évians-les-Bains, gelegen in Frankreich, am Südufer des Genfer Sees. [….] Gerade hat Donald Trump den Saal betreten, nun drängen sich die Händeschüttler um den US-Präsidenten. [….] Als die anderen von Trump ablassen und sich zu ihren Plätzen begeben, nähert sich Merz noch einmal, fasst Trump am Arm und holt dann rasch aus einer Aktenmappe einen flachen Gegenstand, eingewickelt in Papier. Es ist das Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft, auf dem Rücken beflockt mit dem Namen Trump und der Nummer 47. Weil Trump der 47. Präsident der USA ist. Nachdem er bereits der 45. war. Es soll ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk sein, Trump ist gerade 80 geworden.

Merz steht da also und hält Trump das Trikot hin, wie ein Kellner dem Gast im Restaurant die Weinflasche präsentiert. [….] Trump nickt gnädig und gibt Merz die Hand. Dann nimmt er das Trikot und bedeutet Merz, er solle noch kurz bleiben, um für Fotos zu posieren.

Trump bleibt sitzen und hält die Rückseite des Jerseys für die Kameras hoch. Merz steht daneben, eine Hand auf der Rückenlehne von Trumps Stuhl, und nickt eifrig. Wie der Klassenstreber, der dem Lehrer ein Geburtstagsgeschenk überreicht hat, bezahlt vom eigenen Taschengeld.

Dann ist zumindest diese Szene vorbei. Doch der Gipfel der Schmeichelei geht weiter. [….] Und Merz? Mit einer Mischung aus Unterwürfigkeit und Geduld hatte er es erstaunlich lang geschafft, einen einigermaßen guten Draht zu Trump zu halten – bis er sich beim Besuch einer Schule despektierlich über Trumps Irankrieg ausließ [….] und damit Trumps Zorn erregte: Merz wisse nicht, wovon er rede, kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht gehe. [….] Zumindest kann man es als gutes Zeichen werten, dass Trump das Deutschlandtrikot vor die Kameras hielt. [….]

(SPON, 16.06.2026)

Donnerstag, 2. April 2026

Westen kaputt

Aus, Schluss, vorbei. Es hat einfach keinen Sinn mehr, sich verzweifelt an die schönen Zeiten der transatlantischen Partnerschaft zu klammern. Als Westeuropa und Nordamerika zusammen eine politische und militärische Einheit bildeten, als sie die Sehnsuchtsorte des globalen Südens waren. Als Washington der verlässliche Freund war, auf den man sich verlassen konnte, als man sich staunend an der kulturellen und ökonomischen kraft orientierte. Als die USA der Sehnsuchtsort der jungen Europäer waren. Als „der Westen“ die ERSTE Welt war, die nach Belieben die Zweite und Dritte dominierte.

Voll von Freunden war mir die Welt,   Als noch mein Leben licht war;

Nun, da der Nebel fällt,  Ist keiner mehr sichtbar.

So kam ich zu meinem US-Pass, weil meine Mutter als junge Frau die Nase voll hatte von der engstirnigen Adenauer-Erhard-Zeit, nach New York auswanderte und einen Amerikaner heiratete.

Es holperte natürlich immer mal. Kein Wunder. Denn die USA und Europa sind trotz der gemeinsamen Wurzeln sehr unterschiedlich. Das sollte man allerspätestens im November 2000 begriffen haben, als der intellektuelle Blindgänger George W. Bush, dem zweifellos hochqualifizierten und erfahrenen Al Gore vorgezogen wurde. Für die meisten Europäer war das nicht nachvollziehbar.

Aber wer die USA gut kannte, wunderte sich schon vor einem Vierteljahrhundert wenig, über den anti-intellektuellen Impetus des rural America. Die wollten keinen Typen, der Bücher liest, sich um globale Probleme kümmert und sich mit Details der politischen Probleme ferner Länder auskennt, von denen die meisten Amerikaner kaum jemals gehört hatten. Lieber einen Typen, der wie sie ist.

Welche Folgen es hat, einen Idioten ins Weiße Haus zu schicken, erlebte man bei den illegalen GWB-Kriegen, die 2003 zum Bruch mit der halben EU führten.

Michael Moore erklärte mir 2002 bei einer Lesung im Hamburger CCH, die US-Amerikaner sollten keine Kriege gegen Länder führen dürfen, die sich nicht auf einer Weltkarte finden können. Es war bitter unironisch, denn das legendär schlechte US-Schulsystem führt genau dazu: Geographie ist der Erzgegner der Masse der Amerikaner. Kaum einer kennt den Unterschied zwischen Ländern und Kontinenten, fast niemand kann auf einer Blindkarte erkennen, wo der Irak oder gar Afghanistan liegt. US-Highschool-Abgänger sind erheblich unterbelichteter als deutsche Abiturienten. Nach dem College destilliert sich allerdings eine Schicht aus Studenten der US-Elite-Unis hinaus, deren Niveau klar höher als das deutscher Universitäten ist. Daraus rekrutieren sich die vielen US-Nobelpreisträger und Top-Intellektuellen, die allerdings genau über den Hindukusch und Golf Bescheid wissen. Hochgebildete US-Amerikaner, die so weit weg vom gewöhnlichen Dorfbewohner in Texas oder Kansas oder South Carolina sind, daß sie von der breiten Masse misstrauisch betrachtet werden. Lesen ist verdächtig. Reisen ist verdächtig. Fremdsprachenkenntnis ist verdächtig.

Mit Trump II ist die Lage vollends eskaliert. Das größte Problem dabei ist nicht, daß Trump noch wesentlich dümmer und ungebildeter als GWB ist.

Das größte Problem ist auch nicht, daß Trump schwere mentale Probleme hat und dementsprechend idiotisch-impulsiv regiert. Das größte Problem ist, daß er es vermochte, seine Partei und alle Mitarbeiter intellektuell und moralisch zu kastrieren.

Niemand widerspricht ihm, niemand hält ihn auf, niemand stellt sich in den Weg. Es meldet noch nicht einmal jemand Bedenken an. Es gibt absolut nichts, das zu irrsinnig wäre. Die erbärmlichen Kabinettskriecher in den grotesk-großen Trumpschuhen lobpreisen und feiern ihn immer.

Auch und gerade, wenn er die USA, die Weltwirtschaft und den Frieden in die Tonne tritt.

[….] "Liberation Day"-Bilanz Trumps Zollkrieg entlarvt sich als Eigentor

Ein Jahr nach seinem "Liberation Day" sieht die Bilanz für US-Präsident Trump ernüchternd aus. In der Industrie sind Jobs weggebrochen und Trump muss amerikanischen Familien erklären, warum alles teurer wird. […]

(Constantin Röse, ARD-Finanzredaktion, 02.04.2026)

Aber der bisher größte Anschlag auf den Weltfrieden und die Weltwirtschaftsordnung erfolgte durch Trumps, weder durchdachten, geschweige denn durchgeplanten, Iran-Krieg, der sich nach fünf Wochen bereits als derartiges Desaster entpuppt, daß Trump hysterisch mäandernd versucht, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Dummerle Merz ging zunächst mit und stellte sich artig Arsch-küssend an die Seite des orangen Wüterichs.

Aber der Rest Europas scheint sich nun endgültig gegen Washington zu stellen.
Spanien, Italien und Österreich verweigern bereits Überflugrechte oder die Verwendung der US-Basen auf ihrem Staatsgebiet. Andere machen klare Ansagen.

[….] Dem US-Präsidenten warf Macron zugleich ein "Aushöhlen" der NATO vor. Der Wert der Allianz basiere auf dem Vertrauen der Mitgliedstaaten. "Wenn man jeden Tag Zweifel an seinem Engagement nährt, dann höhlt man die Substanz aus", so der französische Präsident.

Macron reagierte damit auf Trumps jüngste Aussagen in der britischen Zeitung The Telegraph. Darin hatte er die NATO erneut als "Papiertiger" bezeichnet und angedeutet, dass er einen Austritt der USA aus dem Militärbündnis ernsthaft prüfe.

Wer ein Bündnis eingehe, müsse seinen Verpflichtungen gerecht werden, kritisierte Macron. Man könne nicht jeden Tag das Gegenteil dessen sagen, was man am Vortag gesagt habe. Es wäre sinnvoller, weniger zu reden und sich stattdessen für einen gerechten Frieden einzusetzen. [….]

(Tagesschau, 02.04.2026)

Der lächerliche Prolet im Oval Office reagierte auf seinem gewohnt unterirdischen Niveau, indem er sich öffentlich über Macrons Ehe lustig machte.

[…] Donald Trump kommt bei Emmanuel Macron mit Bitten um Militärhilfe im Irankrieg nicht weiter. Nun versucht es der US-Präsident mit Spott – und provoziert eine Antwort des französischen Staatschefs. […] Die Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem französischen Staatschef Emmanuel Macron nehmen weiter zu. Nachdem Trump über Macrons Ehe gespottet hatte, reagiert dieser nun spürbar genervt: »Die Bemerkungen sind weder elegant noch niveauvoll«, sagte Macron bei einem Besuch in Seoul. »Das verdient nicht mal eine Antwort«, fügte er hinzu.

Hintergrund: Trump hatte sich von europäischen Staaten wie Frankreich um Unterstützung im Krieg gegen Iran erhofft – war dabei jedoch auf Ablehnung gestoßen. In der Folge versuchte es der US-Präsident einmal mehr mit abwertenden Witzen. In einem Video von einem privaten Mittagessen am Mittwoch, das laut der Nachrichtenagentur AFP kurzzeitig auf dem YouTube-Kanal des Weißen Hauses zu sehen war, berichtete Trump in süffisantem Tonfall, wie er Macron vergeblich um Militärschiffe zur Sicherung der Meerenge von Hormus im Irankrieg gebeten habe.

»Ich rufe also Frankreich an, Macron, dessen Frau ihn extrem schlecht behandelt. Er erholt sich noch immer von ihrem rechten Schwinger an den Kiefer«, sagte Trump. Dann wartete er grinsend das Gelächter im Saal ab. […]

(SPON, 02.04.2026)

Es hilft alles nichts. Trumpmerica ist kein NATO-Partner mehr. Es ist bedauerlich, aber nicht mehr zu reparieren. Europa muss die Scheidung einreichen. Auch Merz muss das begreifen.

 […] Pedro Sánchez wollte noch etwas loswerden. Fast 20 Minuten lang hatte der spanische Ministerpräsident im Parlament schon gesprochen, unermüdlich an die schrecklichen Folgen des Irakkrieges erinnert: die 300.000 Todesopfer, die fünf Millionen Flüchtlinge, die wirtschaftlichen Konsequenzen für Europa.

Sánchez erzählte an diesem vergangenen Mittwoch, dass er im Februar 2003 als junger Mann selbst gegen den Krieg demonstrierte, gemeinsam mit Millionen anderen Spaniern. Und er warnte, dass sich der Albtraum von damals nun wiederholen werde. Der Irankrieg, das war an diesem Tag seine Botschaft, sei kein regionales Problem. Er könne verheerende Folgen für die gesamte Welt haben.

Doch zwischen all den großen Fragen brachte Sánchez eine erstaunlich konkrete Information unter. Seine Regierung habe dem amerikanischen Militär nicht nur verboten, die Militärbasen im Land für den Krieg zu nutzen. Man genehmige auch keine Überflüge amerikanischer Bomber und Jets. Jedenfalls nicht, wenn die Flüge dem Irankrieg dienten.

In Spanien fanden die Sätze zunächst kaum Beachtung. Erst Tage später, als die offenbar eigens unterrichtete Tageszeitung »El País« sie aufgriff, gingen sie um die Welt. Spanien sperrt Luftraum für die USA, meldeten die Agenturen. Und in Washington meldete sich Marco Rubio zu Wort.

Die USA hätten sich dazu verpflichtet, Spanien zu verteidigen, sagte der US-Außenminister. Und nun prahlten die Verbündeten sogar damit, seinem Land die Unterstützung zu verweigern. Nach dem Irankrieg müsse man die Nato »neu bewerten«.[…] Das westliche Verteidigungsbündnis durchläuft in diesen Tagen die schwerste Krise seit seinem Bestehen. […] Mittlerweile aber geht es um mehr. Der Krieg gegen Teheran ist für Trump ein strategisches Desaster. Seine Wut darüber lässt er an den Europäern aus – an jenen Partnern, die er vor Kriegsbeginn nicht einmal informierte.

Der Einsatz im Nahen Osten, sagte Trump jüngst im Oval Office, sei »ein Test für die Nato«. Die Europäer müssten nicht helfen, die Straße von Hormus zu öffnen. »Aber wenn ihr es nicht tut, werden wir uns daran erinnern.« Am Mittwoch legte der Präsident in einem Interview nach. Die Nato sei ein Papiertiger. Das wisse auch Putin. Er erwäge ernsthaft, dem Bündnis den Rücken zu kehren.

[…] Bei Trump kommt man mit Argumenten nicht weiter. Im schlimmsten Fall könnte er nun jenen Impulsen nachgeben, die er schon immer in sich trug. […] Die Europäer haben sich viel Mühe gegeben, um das zu verhindern. Beim letzten Nato-Gipfel sagten alle Mitglieder bis auf Spanien zu, ihre Verteidigungsbudgets deutlich anzuheben. Das niederländische Königspaar bespaßte Trump im königlichen Schloss. Nato-Chef Mark Rutte nannte ihn »Daddy«.[…]  

(SPON, 02.04.2026)

Dienstag, 24. Februar 2026

Doubling Down

Zu den Hauptcharakteristika eines echten Trump-Politikers gehören das permanente Lügen, erhebliche kriminelle Energie und die Fähigkeit des „Doubling Down.“

Der Begriff kommt aus dem Black Jack und bedeutet eigentlich, das Risiko zu verdoppeln.

Im Trumpismus veränderte sich die Bedeutung und wird nun verwendet, wenn sich jemand katastrophal blamiert hat und durch weitere Äußerungen/Taten seine Situation noch dramatisch verschlimmert.

Donald Trump selbst ist natürlich der König dieser Disziplin.

Ein gutes Beispiel dafür sind seine Behauptungen über die Senkung der Medikamentenpreise, die er um mehr als 100% drücken will.

Das ist an sich schon doppelt peinlich, weil eine Preissenkung von 100% bedeutet, sein Produkt umsonst abzugeben. Schon das wäre ökonomisch unmöglich.

Darüber hinaus illustriert Trump aber auch, simple Mathematik nicht zu verstehen.

Eine ungeheuerliche Peinlichkeit für ein selbsternanntes Business-Genie. Die einzig verbliebene Option, nach so einer globalen Maximal-Blamage, wäre es, sich ein tiefes Loch zu graben und darin für immer zu verschwinden. Eigentlich.

Aber Trump reagiert auch hier mit doubling down, indem er nun komplett absurde Prozent-Zahlen um sich wirft, damit auch wirklich jeder versteht, daß er ein Vollidiot ist, der nicht den geringsten Schimmer von Prozentrechnung hat.

Oder die Peinlichkeit der Olympischen Spiele. Erst inszeniert sich Trump mit einem AI-Video, als hätte er persönlich das Eishockey Finale gegen Kanada gewonnen. Dann war da noch die unfassbare Peinlichkeit seines FBI-Direktors Kash Patel, der sich komplett enthemmt saufend mit dem Männerteam in der Kabine feiern lässt. 

Was tut Trump? Er doubled down, indem er auch noch das Frauen-Team beleidigt.

[….] Wie Trump und sein FBI-Chef den Olympiasieg entwerten [….] Am Dienstag findet in Washington die State of the Union statt – die jährliche Grundsatzrede von US-Präsident Donald Trump zur Lage der Nation im Kongress – und Trump hat die US-Mannschaft eingeladen. Werden die US-Helden dort erscheinen? Auch das ist derzeit nicht klar.

In den sozialen Medien kursiert ein Video aus der Kabine der Olympiasieger nach deren Finalerfolg gegen Kanada, in dem zu sehen ist, wie Trump per Handy zugeschaltet ist, seine Glückwünsche zum Ausdruck bringt und die Einladung zur State of the Union ausspricht. Zudem waren Videos und Bilder zu sehen, wie FBI-Direktor Kash Patel mit den NHL-Profis in der Kabine feierte.

In den USA muss die Mannschaft viel Kritik einstecken. Für Patels Anwesenheit, der behauptet hat, von der Mannschaft eingeladen worden zu sein, aber vor allem, weil die Spieler einem misogynen Kommentar Trumps nichts entgegensetzten. Es würde ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn geben, wenn er die Frauenmannschaft nicht auch einladen würde. Haha, sehr lustig. Aber wer will es den Spielern in dem Moment des Triumphs verdenken, nichts erwidert zu haben? [….]  Das Finale verlief über weite Strecken sehr fair, die Stimmung auf den Rängen war knisternd. Die Jubelszenen unmittelbar nach der Schlusssirene zeigen, wie wichtig den Profis dieser Sieg war. [….] Mittlerweile wird fast nur noch über die Kabinenparty, das Telefonat mit Trump, das Lachen der Spieler und eine mögliche Reise ins Weiße Haus diskutiert, wie der Instagram-Account des Team USA  zeigt. [….]

(Markus Krämer, 24.02.2026)

Trumps nepotistische kriminelle Cronies, wie Charles Kushner, einer seiner Botschafter aus der Hölle, vermochte es innerhalb weniger Monate als Botschafter in Frankreich, nicht nur mehrfach von der Regierung einbestellt zu werden, sondern sich zur Persona Non Grata zu machen.

[….] Der US-Botschafter in Paris, Charles Kushner, ist nicht zu einer Vorladung im französischen Außenministerium erschienen. »Angesichts dieses offensichtlichen Unverständnisses für die grundlegenden Erwartungen an einen Botschafter« habe der französische Außenminister Jean-Noël Barrot darum gebeten, dass Kushner »keinen direkten Zugang mehr zu Mitgliedern der französischen Regierung erhält«, erklärte das französische Außenministerium. [….]

(SPON, 23.02.2026)

Ein US-Botschafter, dem der Zugang zur französischen Regierung blockiert wird. Das muss man erst mal schaffen.

Das permanente Doubling Down der Trump-Mannschaft flutet die Nachrichtenwelt mit so viel Scheiße, daß niemand mehr in der Lage ist, alles journalistisch aufzuarbeiten.

[….] „Es ist nicht die Aufgabe eines Botschafters, Unruhe in die nationale Politik zu bringen“, erklärte [Belgiens Regierungschef Bart] De Wever. White hat in den vergangenen Wochen eine schwere diplomatische Krise zwischen den USA und Belgien ausgelöst. [….] Die Verwerfungen begannen damit, dass Botschafter White der belgischen Justiz Antisemitismus vorwarf. [….]  

Das Ermittlungsverfahren wurde von einem Antwerpener Rabbi angestoßen, also aus der jüdischen Gemeinde heraus. Das hinderte White nicht daran, von einer „lächerlichen und antisemitischen Strafverfolgung“ zu sprechen. Er forderte auf sozialen Netzwerken den belgischen Staat auf, das Verfahren sofort einzustellen. Er tat das in Großbuchstaben, wie auch sein Chef Donald Trump gerne schreibt. Den belgischen Gesundheitsminister kritisierte White im Übrigen als Trump-Feind und außerdem als unhöflich.

Wie es in solchen Fällen diplomatische Gepflogenheit ist, bestellte das belgische Außenministerium den US-Botschafter ein. White wurde aufgefordert, den belgischen Staat und dessen Institutionen zu respektieren. In früheren Zeiten hätte sich ein Diplomat danach erst einmal ruhig verhalten. Aber in Zeiten von Donald Trump verstehen sich Botschafter offensichtlich als politische Aktivisten ihres Chefs und benehmen sich entsprechend.Die Lage eskalierte vergangene Woche, als Botschafter White auf Conner Rousseau losging, den Chef der flämischen Sozialdemokraten.  Rousseau hatte auf den sozialen Netzwerken geschrieben, das Vorgehen der Trump-Regierung gegen Flüchtlinge erinnere ihn immer mehr an die Hitler-Zeit. White forderte den jungen Sozialdemokraten ultimativ auf, sich zu entschuldigen. Und als der sich weigerte, verkündete der Botschafter: Rousseau dürfe fortan nicht mehr die USA besuchen. Er habe ein Einreiseverbot erwirkt. [….]

Belgien ist nicht das einzige Land in Europa, das sich gerade mit dieser speziellen Form der Trump-Diplomatie konfrontiert sieht. Einen schrillen diplomatischen Kasus leistet sich die US-Regierung auch in Frankreich. Ihr Botschafter in Paris, Charles Kushner, verärgerte die Franzosen [….] Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot verbat sich daraufhin „jede Instrumentalisierung des Dramas für politische Zwecke“. Man habe keine Lektionen zu politischer Gewalt nötig – „schon gar nicht von der reaktionären Internationalen“. [….]  Barrot berief Kushner für ein klärendes Gespräch ein, doch der Botschafter versetzte den Minister. Nun darf er zur Strafe keinen Kontakt mit Mitgliedern der Regierung haben.

Der 71-jährige Immobilienmilliardär Charles Kushner, Vater von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, hatte sich schon im vergangenen Sommer, kaum war er nach Paris gezogen, mit Frankreich angelegt. Er warf Macron vor, zu wenig gegen Antisemitismus im Land zu tun. Auch damals ignorierte er die Vorladung des Quai d’Orsay, des französischen Außenministeriums.

In Frankreich akzeptiert man die moralischen Unterweisungen Kushners auch deshalb nicht, weil er nur dank einer Begnadigung durch Trump überhaupt Botschafter werden konnte. Kushner saß einmal vierzehn Monate lang im Gefängnis. [….]

(SZ, 24.02.2026)

Sonntag, 22. Februar 2026

Drei Trumpsche Botschafter

Von den Myriaden Lügen, die der 45. und 47. US-Präsident bisher von sich gab, dürfte ihm „I hire only the best people“ am meisten auf die Füße fallen. Er versprach es vor seinem Amtsantritt ….

[…] When Donald Trump (sort of) ostracized longtime adviser Roger Stone last August, he made a commitment that has stuck with him ever since.

"I’m going to surround myself only with the best and most serious people," he told our Robert Costa in a phone interview at the time. "We want top of the line professionals."

Stone, who now runs a pro-Trump PAC, "no longer serve[d] a useful function" for Trump's campaign. Moving forward, Trump said: "I really don’t want publicity seekers who want to be on magazines or who are out for themselves. This campaign is not about them."  […]

(WaPo, 30.08.2016)

…und wiederholte es seither immer wieder.

[…] Trump can't hire the 'very best people,' because he's the very worst president

The president balks at any attempt to bring order to his administration. Nobody reasonably intelligent would want to work for him.  [….]

(Robert Schlesinger, 10.12.2028)

Inzwischen haben wir Gewissheit; Trumpismus ist Kakistokratie. Zwar gab es in seinem ersten Amtsjahr noch einige fähige Mitarbeiter und Minister, aber die suchten allesamt das Weite. Als Trump sich anschickte, wiedergewählt zu werden, weigerten sich 40 der 44 hochrangigsten Mitglieder seiner Administration, eine Wahlempfehlung für ihn auszusprechen. Selbst enthusiastische Trump-Fans erkennen also in den allermeisten Fällen, wenn sie einen Blick hinter die Kulissen bekommen und mit ihm zusammenarbeiten, daß dieser Mann ein gefährlicher Krimineller ist, der unbedingt aus dem Weißen Haus ferngehalten werden muss.

In seiner zweiten Amtszeit wird noch nicht mal mehr so getan, als ob fachliche Qualifikation irgendeine Rolle spielen. Völlig groteske Gestalten wie RFK talibanisieren die US-Politik. Trump duldet nicht nur keinen Widerspruch, sondern misst „den Wert“ aller Mitarbeiter nur daran, wie sehr sie ihn loben und sich für ihn demütigen lassen. Prestigeträchtige Botschaftsposten vergibt Trump gegen Bezahlung an rechtsextreme reiche alte Männer.

Drei Beispiele:

Belgien. Bill White, der rechtsradikale Aktivist, hatte sich bei Trump eingeschleimt, indem er dessen Lügen von der „gestohlenen Präsidentschaftswahl 2020“ weiter verbreitete und verlangte, Brian Kemp, den GOP-Gouverneur von Georgia, sowie seinen Lt. General Raffensperger anklagen zu lassen.

White mischt sich im polternden Trump-Stil in ein Strafverfahren gegen drei Mohelim in Antwerpen ein, die ohne Ausbildung an Baby-Penissen herumschneiden und die blutigen Wunden mit dem Mund ablutschen.

[…] Wer als diplomatisch gilt, beweist Taktgefühl und Respekt dem anderen gegenüber. Davon war auf dem diplomatischen Parkett diese Woche nun gar nichts zu spüren.

Da wurde der US-amerikanische Botschafter in Belgien, Bill White, also einbestellt, weil er sich recht undiplomatisch in eine laufende Ermittlung eingemischt hat. Dabei ging es um Beschneidungsriten in der jüdischen Gemeinschaft in Antwerpen - die dürfen in Belgien nur von einem Arzt durchgeführt werden. Details will ich uns hier ersparen. White forderte ein politisches Einlenken und bemühte auf X das Totschlagargument "antisemitisch" und ging damit eindeutig zu weit.

Der US-Botschafter gab aber nicht etwa klein bei, sondern nutzte die diplomatische Sanktion, um seinerseits weiter auszuteilen: Die belgische Regierung habe gefälligst zu verurteilen, dass der Vooruit-Vorsitzende Conner Rousseau in einem Instagram-Filmchen das Vorgehen der ICE-Beamten mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus verglich - und implizit Trump mit Hitler. In Sachen grob fahrlässige Vergleiche stehen sich White und Rousseau in nichts nach. Und das ist alles andere als diplomatisch. Wobei wir nicht verheimlichen wollen, dass Antisemitismus in der belgischen Gesellschaft und der autoritäre Umbau der amerikanischen Gesellschaft ernstzunehmende Probleme sind.

Abgesehen davon, dass die von Trumps Leuten gerne gepredigte "Freedom of speech" von ihnen selbst sehr unterschiedlich ausgelegt wird, lässt das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Diplomaten werden entsandt, um die Interessen ihres Staates und seiner Angehörigen zu schützen - und sie genießen strafrechtliche Immunität. Sie haben aber auch die Gesetze und Vorschriften des Gastlandes zu achten und sich nicht in dessen innere Angelegenheiten einzumischen, Mr. White.  [….]

(Stephan Pesch, 20.02.2026)

Selbst stramm konservative Journalisten sind entsetzt.

[…] Amerikanische Botschafter neigen manchmal dazu, sich in den Ländern, in denen sie auf Posten sind, aufzuführen wie koloniale Vizekönige. […] Aber die von Donald Trump entsandten treiben es besonders bunt. In Deutschland erinnert man sich noch schlecht an einen gewissen Herrn Grenell. Jetzt hat der US-Botschafter in Brüssel sein Gastland im Befehlston angewiesen, eine Ermittlung fallen zu lassen.

Das ist für einen Rechtsstaat nicht akzeptabel. Auch, ja, erst recht, wenn die Intervention von einem Verbündeten kommt, muss man sie entschieden zurückweisen. So hat es Belgiens Außenminister auch getan. […]

(Stephan Löwenstein, FAZ, 19.02.2026)

Israel. Mike Huckabee, rechtsradikaler Pastor der Southern Baptist Convention, war von 1996 bis 2007 Gouverneur von Arkansas. Seine ebenso fanatisch rechtsradikale Tochter Sarah Huckabee Sanders, war von 2017-2019 Trumps Pressesprecherin und amtiert heute ebenfalls als Gouverneurin von Arkansas. Er verfolgt ultraextreme homophobe und misogyne Ziele, die er aus der Bibel ableitet.

[….] Arabische und muslimische Staaten haben empört auf Aussagen des US-Botschafters in Israel, Mike Huckabee, reagiert, wonach der jüdische Staat ein biblisches Recht auf weite Teile des Nahen Ostens habe. In einem Interview hatte ihn der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson gefragt, ob Israel gemäß wörtlicher Auslegung der Bibel das Recht habe, große Teile des heutigen Nahen Ostens zu beanspruchen. Huckabee antwortete: „Es wäre in Ordnung, wenn sie alles nähmen.“ [….] In einer vom saudischen Außenministerium auf der Plattform X veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme verurteilten die Außenministerien mehrerer arabischer und muslimischer Staaten zusammen mit der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), der Arabischen Liga und dem Golf-Kooperationsrat die Äußerungen des US-Botschafters „auf das Schärfste“. Sie äußerten ihre „tiefe Besorgnis“ darüber. Huckabees „gefährliche und hetzerische Äußerungen“ stellten einen „eklatanten Verstoß“ gegen die Grundsätze des Völkerrechts und die Charta der Vereinten Nationen dar. [….]

(SZ, 22.02.2026)

Frankreich. Charles Kushner, Schwiegervater von Trumps Lieblingstochter Ivanka, qualifizierte sich nicht nur durch Nepotismus und sein Milliarden-Vermögen in Trumps Augen als US-Botschafter. Kushner ist zudem kriminell, so wie man es bei Trumps liebt:

[…] Am 30. Juni 2004 wurde Kushner von der Federal Election Commission zu einer Geldstrafe von 508.900 Dollar wegen illegaler Wahlkampfspenden verurteilt. 2005 bekannte er sich im Rahmen eines Vergleichs mit New Jerseys Staatsanwalt Chris Christie in 18 Anklagepunkten wegen illegaler Wahlkampfspenden, Steuerhinterziehung und Zeugenbeeinflussung schuldig. Der Vorwurf der Zeugenbeeinflussung ergab sich aus Kushners Vergeltungsmaßnahmen gegen William Schulder, den Ehemann seiner Schwester Esther, der mit den Bundesermittlern gegen Kushner kooperierte. Kushner heuerte eine Prostituierte an, um seinen Schwager zu verführen und ließ die sexuelle Begegnung zwischen den beiden aufzeichnen und das Band an seine Schwester schicken.  Kushner wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt und verbüßte seine Haftstrafe in dem Federal Prison Camp, Montgomery in Alabama. Nach 14 Monaten wurde er im August 2006 aus der Haft entlassen. Am 23. Dezember 2020 begnadigte Präsident Trump Kushner und annullierte seine Verurteilung nachträglich. […]

(Wikipedia)

Kushner bedankte sich, indem er Millionen für Trumps Wahlkampf 2024 spendete. Der US-Präsident stopft sich aber insbesondere über Kushners Sohn (und seinen Schwiegersohn) Jared die Taschen voll, da dieser in Israel und Gaza Milliarden für die Trumps verdienen will. Also ernannte Trump Charles Kushner zum US-Botschafter in Paris, wo dieser seither extrem unangenehm auffällt.

[…] Paris verwahrt sich gegen Einmischung der „reaktionären Internationalen“

 Die französische Regierung will US-Botschafter Kushner einbestellen, nachdem die US-Regierung Frankreich für gewaltbereiten Linksextremismus kritisiert hatte. […] Wegen US-Äußerungen zum gewaltsamen Tod eines ultrarechten Aktivisten in Lyon will die französische Regierung den Botschafter der Vereinigten Staaten im Land einbestellen. Botschafter Charles Kushner werde wegen eines „Kommentars“ der Botschaft in Paris zu „diesem Drama“ einbestellt, sagte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot am Sonntag gegenüber französischen Medien.

„Wir lehnen jede Instrumentalisierung dieses Dramas (…) zu politischen Zwecken ab“, sagte der Minister. Barrot betonte zudem, Frankreich müsse sich keinerlei „Lektionen“ zum Thema Gewalt gefallen lassen – insbesondere nicht von der „reaktionären Internationalen“. […] Das US-Außenministerium hatte nach dem Tod des 23-jährigen Rechtsextremen Quentin Deranque bei einem Angriff von Linksextremen in Lyon erklärt, gewaltbereiter Linksextremismus nehme in Frankreich zu und stelle eine „Bedrohung der öffentlichen Sicherheit“ dar. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die US-Botschaft in Frankreich verbreitete diese Erklärung weiter.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, Gewalttaten aus dem linksextremen Spektrum hervorzuheben – und sie als größeres Problem als rechtsextrem motivierte Gewalt darzustellen.

Die französische Regierung hatte Botschafter Kushner – den Vater von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner – bereits im vergangenen Sommer einbestellt.   […]

(taz, 22.02.2026)