Freitag, 25. September 2020

Verantwortungslos

Das Schöne an Deutschland für die römisch-katholische Kirche sind die indolenten staatlichen Stellen.

Hunderttausende Kinder wurden ihren Müttern entzogen und in kirchliche Heime zur Zwangsarbeit, zum Verprügeln und sogar für Medikamententests geschickt.

Aber niemand zieht die RKK zur Rechenschaft. Die Regierung hält still, das Parlament denkt nicht daran die seit 1919 in der Weimarer Reichsverfassung und später ins Grundgesetz übernommene Aufgabe von der Ablösung der Kirchenfinanzierung auszuführen und die Justiz sieht weg.

Das gleiche Bild beim myriadenfachen sexuellen Missbrauch Jugendlicher und Kinder durch katholische Geistliche.


Keine staatlichen Kommissionen, die nachbohren, wie in anderen Ländern. Die Opfer müssen nicht gehört werden und falls doch mal Schmerzensgeld bezahlt werden sollte, dürfen sich die Täter selbst überlege wie viel sie freiwillig zahlen. Kein Richter spricht ein Urteil, die vergewaltigten Kinder, deren Leben oft zerstört wurde, haben ohnehin nichts zu melden.

Am allerbesten ist aber, daß die Verantwortlichen ganz oben, die den sexuellen Gewalttätern immer wieder neue Kinder-Opfer zuführten, die Vergewaltiger vor Veröffentlichung ihrer Taten schützen, noch nicht mal angeklagt werden.

Papst-Bruder, Kardinal Müller, Erzbischof Heße, Papst Ratzinger – sie alle konnten systematisch Kinder quälen lassen, ohne irgendwelche Konsequenzen zu fürchten.

Bischof Ackermann aus Trier, der Missbrauchsbeauftragte der DBK, der in seiner Diözese ebenfalls Kindervergewaltiger schützte, sieht auch im September 2020 keinen Anlass für die Schreibtischtäter persönliche Konsequenzen zu ziehen, da in der katholischen Kirche „eine andere Kultur“ herrsche.

[…..] Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann sagte katholisch.de, Rücktritte seien bei den Beratungen der Bischöfe kein Thema gewesen. "Wir haben in der Kirche eine andere Kultur als in der Politik. Wer zurücktritt, vollzieht zwar ein großes Symbol und macht den Weg frei für einen Nachfolger, aber gleichzeitig ist er dann auch aus der Verantwortung heraus", sagte er. […..]

(Annette Zoch, 25.09.20)

Ebenso argumentieren mutmaßlich auch Mafia-Dons, die nach ein Massenmorden nicht ihren Chefposten räumen wollen.

Allerdings gilt für alle Regeln der Kirche gleichzeitig auch das Gegenteil – wenn es gerade opportun ist.

Bei schwereren Delikten; wenn es also nicht „nur“ um die massenhaften sexuellen Missbrauch an Kinder geht, sondern in die Kasse gegriffen wurde, tritt Täter doch „aus der Verantwortung heraus“. Beim Geld verstehen katholische Kleriker, anders als bei ihren gequälten Messdienern offenbar keinen Spaß.

Papst Franzl, der sich sonst so großzügig und mild gegenüber seinen Pädofreunden zeigt, wird dann schon mal laut.

[….] Die letzte Audienz mit Franziskus soll "laut" und "hart" gewesen sein, ein "Schocker" gar. So schildern es die italienischen Zeitungen, die in der Regel gut informiert sind über die Hergänge hinter dem vatikanischen Gemäuer. Der einst mächtige Kardinal der Heiligen, Giovanni Angelo Becciu, muss gehen - wegen einer profanen Geschichte um Geld und vielleicht auch um Gier. In der formalen Sprache des Bulletins des Heiligen Stuhls heißt es, der Papst habe den Rücktritt des Präfekten der Heiligenkongregation hingenommen und ihn von allen Rechten seines Kardinalsstandes enthoben. [….]  Becciu wurden wohl ein Immobiliengeschäft in London und Zuwendungen mit Kirchengeld an seine drei Leibsbrüder Tonino, Francesco und Mario zum Verhängnis.   [….] 2014 investierte der Vatikan Hunderte Millionen Euro in eine ehemalige Lagerhalle des britischen Kaufhauses Harrods in London. Vermittelt hatte den überteuerten Kauf ein schillernder italienischer Financier, der Besitzer der Immobilie. Es sollten Luxuswohnungen entstehen, dafür also setzte Becciu das Geld für die Armen ein. Nach dem Brexit brach der Immobilienmarkt ein, in den Konten der Kirche klaffte ein riesiges Loch. [….]

(SZ vom 26.09.2020)