Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Entertainer, Komiker, Drehbuchautor und Schauspieler Al Franken (75), der 2008, am historischen Tag der Obama-Wahl, für die Demokraten zum US-Senator von Minnesota gewählt wurde. Unter anderem schrieb und schauspielerte er für Saturday Night Live, ersann diverse Serien, heimste Emmys ein, hatte seine eigene progressive Al-Franken-Show und setzte sich während seines ganzen Lebens für soziale Gerechtigkeit ein. Es faszinierte mich zu sehen, wie er mit Ende 50 den „Seitenwechsel“ schaffte und eins der höchsten politischen Ämter der USA innehatte, ja mehr noch, zum idealen engagierten und kommunikativ gesegneten US-Senatoren wurde.
Er war definitiv einer meiner Lieblingspolitiker der USA. Die rechten Republikaner und MAGAs hassten Franken selbstverständlich, versuchten ihm mit allen erdenklichen schmutzigen Tricks zu schaden.
2017 kam aber Trumps maximal krimineller Mann für das Schmutzige, Roger Stone ins Spiel und hypte einen Blogbeitrag des Models Model Leeann Tweeden durch die rechte Medienblase. Sie hatte 2006 gemeinsam mit Franken an einem Einsatz bei der United Service Organizations, Inc. (USO) mitgewirkt und behauptet, Franken habe sie während der Proben für einen Sketch gegen ihren Willen geküsst.
Die Anschuldigungen machten enormen Wirbel und am 2. Januar 2018 trat Franken zurück, um Schaden für seine Partei abzuwenden.
Es war schon damals völlig absurd, weil die Vorwürfe wegen eines angeblichen Kusses, während eines Sketches, aus den Reihen der K!nderf!cker des Trump/Epstein-Universums kamen. Der Demokrat musste wegen einer Petitesse gehen, die 100.000-fach schlimmeren Vergehen Trumps blieben bis heute ohne Konsequenzen.
Wie wir heute wissen, war wohl an den Anschuldigungen gegen Franken nichts dran; er bereut seinen Rücktritt.
Aber er verstand 2017, in der Post-MeToo-Ära, wie heikel das Thema war, wie wichtig es ist, Opfern Gehör zu schenken und Täter nicht davon kommen zu lassen, weil es mächtige weiße alte Männer sind. Es darf noch nicht einmal der Anschein erweckt werden.
Die Stimmung gegen ihn war so aufgeheizt, daß er nicht mehr gewinnen konnte, selbst wenn er alle Vorwürfe widerlegen könnte. Er betrachtete sich selbst, seine persönliche Karriere, verglichen mit dem Wohl des Landes und dem Erfolg seiner Partei, als nachrangig. Er fühlte, gehen zu müssen, weil die Epstein-MAGAs niemals aufgehört hätten, gegen ihn zu hetzten. Damit wäre die demokratische Partei immer dem Generalverdacht ausgesetzt, gegenüber Missbrauchstätern ein Auge zuzudrücken. Sie hätte ihre eigenen Anliegen weniger durchbringen können, müsste bei Wahlen Mandatsverluste befürchten.
Absurd, wenn ausgerechnet Trumpisten diese „Anständigkeit“ verlangen, aber die GOP-Wähler tolerieren Pädosexualtäter und Kriminelle als Kandidaten, wählen sie sogar offensichtlich gern. Die demokratischen Wähler nicht; sie solidarisieren sich lieber mit den Opfern und möchten nicht für Männer stimmen, wenn auch nur der Hauch eines Verdachtes besteht.
Franken verhielt sich ehrenhaft im wahren Sinne des Wortes.
In Berlin können wir gerade das Gegenteil beobachten. Auch hier gibt es maximal geheuchelte Vorwürfe von Rechtsaußen gegen das RRG-Lager.
Die vielfach mit antisemitischen Entgleisungen auffallende CDU empört sich über angeblichen Antisemitismus der Linken.
(…) Die gegenwärtigen Angriffe auf Elif Eralp halte ich sogar für noch schlimmer, weil mit der Verhinderung Eralps als Bürgermeisterin, direkt die antisemitische Hauptstadt-CDU – man denke an die judenfeindlichen Entgleisungen des CDU-Generalsekretärs Lukas Kriegers, des Parteichefs Stefan Evers und des CDU-Remigrations-Ideologen Ulrich Vosgerau – ins Amt gehoben werden soll.
Von Elif Eralp sind keine antisemitischen Äußerungen bekannt. Die antisemitischen Äußerungen des CDU-Bundesvorsitzenden schon: Stichworte „Judenfahne“, „Drecksarbeit“, „Juden sind Ausländer“. Das wird hingegen kaum skandalisiert.
Stattdessen werden die Berliner Linken zur antisemitischen Gefahr aufgeblasen. (….)
(Impudenz des Monats Oktober 2026)
Eine sagenhafte Dreistigkeit der CDU, die sich gerade in Berlin ungeniert an die Nazis ranwanzt.
[….] Die Brandmauer der Berliner CDU zeigt immer mehr Risse [….] Vor allem in den Bezirken wächst die Bereitschaft, mit den Rechtsextremen zusammenzuarbeiten.
Für den Grünen Pascal Grothe ist die Lage klar: „Die CDU ist gerade dabei, der AfD eine Tür nach der anderen zu öffnen“, sagt er. Grothe ist neu gewähltes Mitglied des Abgeordnetenhauses. [….] Bei der Wahl holten die Rechtspopulisten insgesamt 16, 2 Prozent der Stimmen und liegen damit knapp hinter der CDU. Ihre Fraktion ist damit auf 29 Mitglieder angewachsen. [….] Ein Parlamentarier, der selbst in der AfD besonders auffällt, ist der neu gewählte Abgeordnete Julian Adrat, Jahrgang 1990. Als der RBB ihn damit konfrontierte, dass er vorbestraft sei, antwortete Adrat, davon wäre er überrascht. Das sei ihm selbst „ein bisschen neu“.
Adrat wurde zweimal verurteilt, [….] Die Staatsanwaltschaft teilte mit, es sei „nicht nachvollziehbar“, dass Adrat seine eigenen Verurteilungen nicht bekannt seien. Adrat ist Künstler, auf X postet er regelmäßig radikale Inhalte. [….] „Sie wollen uns wirklich ersetzen“, schrieb Adrat und bezog sich damit offenkundig auf eine rechtsextreme Verschwörungstheorie, die besagt, dass weiße Menschen verdrängt werden würden. In seinem Podcast spricht er von „Transgenderismus“, der „ausgerottet“ gehöre. [….] [….] Im Berliner Parlament stimmen nicht nur AfD-Abgeordnete für einen Kandidaten der extremen Rechten[….] Martin Trefzer, der – gemäßigte – Kandidat der AfD, wurde abgelehnt. Doch dass er mit 40 Stimmen deutlich mehr erhielt als die seiner Fraktion, sorgte im Plenarsaal für wütende Reaktionen.
CDU-Fraktionschef Stefan Evers wies zwar sofort darauf hin, dass es bei einer geheimen Wahl unmöglich sei, zu sagen, wer Trefzer die Stimmen gab – aber er bestreitet nicht, dass zumindest einige davon aus der CDU gekommen sein müssen. [….] AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker [….]: „Natürlich habe ich mich gefreut“, sagt sie der SZ, „das zeigt, dass die Brandmauer mitten in der CDU steht“.
Mindestens zwei der mächtigen Berliner CDU-Kreisverbände zeigen genau das. In Reinickendorf wählte die CDU den AfD-Kandidaten für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters; er verfehlte die Mehrheit. [….] Komplizierter ist die Lage in Marzahn-Hellersdorf. Die AfD ist hier so stark, dass alle Fraktionen zusammen sich auf einen Gegenkandidaten einigen müssten. Die lange dominante CDU liegt hinter der Linken. CDU-Kreisverbandsvorsitzender Mario Czaja hatte schon früh gesagt, er sehe den Gestaltungsauftrag für den Bezirk nun bei der Wahlsiegerin. [….]
„Die Gleichsetzung von Linke und AfD ist falsch und gerade in Marzahn-Hellersdorf völliger Quatsch“, sagt der Grüne Pascal Grothe. Und mit seiner Partei habe Czaja – anders als mit der AfD – noch gar keine Gespräche geführt. [….]
Unter diesen Umständen, dürfen die demokratisch Anständigen auf keinen Fall der rechts-medialen Hetzkampagne nachgeben. Liebe SPD & Grüne, Ihr MÜSST in Berlin eine RGR-Regierung bilden.
Jamaika kommt nicht in Frage, weil die CDU ein massives Antisemitismus-Problem hat:
CDU-Generalsekretär Lukas Krieger ([….] In dem Video wird ein Hakenkreuz-Abzeichen gezeigt, anschließend blickt Krieger in die Kamera und sagt: »Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen, dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind, dass Deutschland deutsch bleibt und wir gegen den jüdischen Bolschewismus durchaus vorgehen.« [….])
Das größte Hindernis für eine Berliner Regierung links der antisemitischen CDU heißt Vanessa Emde, 45. Ob sie will, oder nicht: Sie ist die Inkarnation aller Shitstorm-Trigger: Queer-feministisch, antikapitalistisch, internationalistisch, trotzkistisches Netzwerk Marx21, Arbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität.
Emde möchte keine Linke Bürgermeisterin, lieber einen AfD-affinen CDU-Evers.
„Lieber richtig in die Opposition als falsch in die Regierung“ sagte sie im Wahlkampf.
Interessant ist das antisolidarische Verhalten Emdes gegenüber ihrer Partei. Ganz im Gegensatz zu Al Franken, denkt sie gar nicht daran, ihre persönliche Karriere hintan zu stellen, wenn es um höhere Ziele und das Wohl allergeht. Sie agiert egoman und gegen die Wähler.
Wenig überraschend, haben das auch die meisten Linken begriffen. Der frühere linke Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi, der wie Al Franken im Jahr 2002 selbst aufgrund einer Petitesse (Bonusmeilen-Affäre) sein Amt aufgab, um Schaden von der Partei abzuwenden, fordert Emdes Amtsverzicht.
[….] Die Linkspartei in Berlin beschließt, die umstrittene Abgeordnete Emde zum Verzicht ihres Mandats aufzufordern. Zusätzlich droht ihr der Fraktionsausschluss. [….] „Wir vertrauen ihr nicht mehr“, erklärten Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer am Freitagabend nach einer Sitzung des Landesvorstands der Hauptstadt-Linken.
Die, der die Spitze der Landespartei nicht mehr vertraut, ist die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde. Mehrfach hatte sie das Existenzrecht Israels geleugnet, hat sich mit Ibrahim Ibrahim fotografieren lassen, einem Sympathisanten des Hamas-Terrors. Emde soll, das hat der Vorstand nun beschlossen, ihr Mandat als Abgeordnete der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus abgeben.
„Sie hat sich wiederholt und bewusst über unsere gemeinsamen Beschlüsse hinweggesetzt“, sagten Wolter und Schirmer am Freitag zur Begründung. Ein Mandat sei keine Ich-AG. „Mandate werden kollektiv errungen: durch die Arbeit und die Stimmen von Kandidierenden, Mitgliedern und der gesamten Partei. Daraus erwächst Verantwortung für das eigene Handeln.“ Am Ende stand die unmissverständliche Ansage der beiden Landeschefs: „Es reicht, genug ist genug.“ [….]
Bedauerlicherweise verfügt die egomane Emde über keinen Sinn für Solidarität und möchte lieber neroesk das RRG-Projekt zur Freude von CDU und AfD und Springer und NIUS abbrennen sehen.
[….] Die Linke-Politikerin Vanessa Emde weigert sich, der Aufforderung ihres Parteivorstands zum Mandatsverzicht zu folgen. „Selbstverständlich werde ich mein Mandat weiter ausüben!“, erklärte sie am Sonntag in einer Pressemitteilung. Die Rückzugsforderung des Landesvorstands weise sie entschieden zurück. „Demokratisch erlangte Mandate sind kein Verhandlungsgegenstand“, so Emde. [….]
Was für eine unangenehme Person!


