Freitag, 16. Januar 2026

Danke, Kai Wegner

Donald Trump denkt vermutlich wirklich, er sei der größte und beliebteste Präsident aller Zeiten. Aber der Crash mit den katastrophalen demoskopischen Werten der realen Welt, triggert ihn offenbar zu immer mehr zerstörerischen Irrsinn.

Mit Machados Nobelpreis in der Hand, „Trump: “Well, she offered it to me…She said, ‘You know, you’ve ended eight wars, and nobody deserves this prize more than in history than you do.’”“, schickt er sich nun ernsthaft an, die NATO zu zerstören und dänisches Territorium militärisch zu erobern.

Nach Venezuela, Kuba und Grönland, will man sich als 52. US-Bundesstaat Island einverleiben.

Es könnte sogar noch deutlich schneller, als gedacht, mit uns allen zu Ende gehen.

Da muss man sich dringend die Zeit nehmen, um die netten Dinge der Politik zu genießen, wenn man nicht völlig verrückt werden will.

Herrlich ist beispielsweise, wie der CDU-Bürgermeister in Berlin im Wahljahr alles daran setzt, RRG zu stärken und sich selbst in eine tiefe Grube einzuschaufeln.

Nach seiner legendären Tennis-Lüge, bringt er es in 45 Minuten beim SPIEGEL-Interview, beim besten Willen nicht über die Lippen, einen Fehler einzugestehen, oder gar Reue zu zeigen.

Er macht es mit jedem Satz, der nicht lautet „Da habe ich Mist gebaut und bitte meine Berliner um Entschuldigung!“ schlimmer.

Das Paradebeispiel eines Politikers, der nicht über den Skandal an sich stolpert, sondern über die Dämlichkeit, wie er anschließend versucht, zu verschleiern, vertuschen, abzulenken, schönzureden. Ähnlich, wie bei Merz (mit dem Wegner leidenschaftlich verfeindet ist), hatte man ihn schon vor seiner Wahl für geistig etwas minderbemittelt gehalten. Aber als Regierungschef beweisen sie eben beide eindrücklich, tatsächlich schlicht und ergreifend, dumm zu sein.

[….] Seit dem Tag, an dem es in Berlin zum längsten Stromausfall seit Ende des Zweiten Weltkriegs kam und Kai Wegner Tennis spielte, ist er in Erklärungsnot.

Solche Krisen bergen für Politiker mitunter Chancen, vorausgesetzt, sie wissen sie zu nutzen. Als 2002 die Elbe und ihre Nebenflüsse in Sachsen über die Ufer traten, zeigte sich der damalige Kanzler Gerhard Schröder dort in Gummistiefeln. Das bescherte dem Sozialdemokraten gute Bilder und kurz darauf möglicherweise die entscheidenden Stimmen beim Wahlsieg über seinen Herausforderer Edmund Stoiber von der CSU.

Wegner hingegen hat sich den grundlegenden Spielregeln der politischen Krisenkommunikation verweigert. Selbst in seiner Partei, der CDU, sind sie fassungslos. Darüber, dass er Sport trieb, während rund 100.000 Berliner ohne Strom und meist ohne Wärme auskommen mussten. Dass er so den Eindruck erweckte, die Sorgen seiner Bürgerinnen und Bürger nicht ernst zu nehmen. Dass Wegner anders als damals Schröder nicht umgehend die Krisenorte aufsuchte.

Seine hilflose Erklärung, er habe beim Tennis »den Kopf freikriegen« wollen, wurde zu einem Running Gag. Die Grünenpolitikerin Ricarda Lang spottete auf X: »Immerhin Kai Wegner hatte am Samstag Netz«. Der Autovermieter Sixt präsentierte ihn als Werbefigur für einen Mercedes der Premiumklasse: »Ganz großes Tennis zum ganz kleinen Preis.« Die Witze über Wegner prägen nun sein öffentliches Bild [….] Kann einer, den die eigene Karikatur inzwischen überstrahlt, jemals wieder als Politiker ernst genommen werden? [….] Wegner zählt auf, wann er erreichbar sei und wie er sicherstellt, dass er nie eine Nachricht verpasst. Etwa wenn er im Fernsehen auftrete. Dann gebe er das Handy seiner Mitarbeiterin. Oder abends im Bett. »Auch nachts bin ich immer zu erreichen«, sagt Wegner, »weil man nie weiß, was passieren kann.« Und natürlich habe er sein Handy dabeigehabt, als er an jenem 3. Januar zwischen 13 und 14 Uhr Tennis spielte.

Er habe das Telefon in der Tennishalle auf die Seitenbank gelegt, »wo die Tennistasche steht«, und dafür gesorgt, dass es nicht auf stumm, sondern auf laut gestellt war. »Wenn das Handy da liegt«, versichert Wegner, »hört man es selbstverständlich. Ich bin dann immer mal wieder zur Bank gegangen und habe nachgesehen: Gibt es eine Nachricht? Ist was passiert? Gibt es was Neues?« [….] Dass Wegner nicht gleich am Samstag in die betroffenen Stadtteile fuhr, fiel schnell auf. Zu Beginn der Krise erklärte er, er habe sich zu Hause »in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne«. Er habe sich »weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren«. Was Wegner nicht erwähnte, war die Tennisstunde. [….] Er hätte »da als King rausgehen können und müssen« , schrieb später ein Parteifreund in einer internen Chatgruppe. Stattdessen sei das alles ein »kommunikatives Desaster«.[….] Der Regierende Bürgermeister hätte nicht die Aufgabe, »vor Ort zu sein«, habe der DRK-Mann gesagt, sondern müsse sich informieren und organisieren. Außerdem, sagt Wegner, hätte er vor Ort keine Handyverbindung gehabt, weil am Samstag im Berliner Südwesten das Mobilfunknetz ausgefallen war. »Ich hätte dort nicht telefonieren können.«

Auf die Idee, dass ihn seine Tennisstunde einholen würde, kam er an jenem Tag anscheinend nicht. Oder darauf, dass es vielleicht weniger angreifbare Möglichkeiten gegeben hätte, um sich abzulenken. [….] Weder die Tennisstunde inmitten der Notlage noch seinen Umgang damit will Wegner als Fehler bezeichnen. [….]

(Wegner im SPIEGEL-Gespräch, 15.01.2026)

Ein echtes Highlight der politischen Torheit; ich habe mich großartig amüsiert und empfehle diesen Text zukünftigen Politikstudenten als Negativbeispiel. Hier können sie lernen, wie man es auf keinen Fall machen sollte.

Einen Tag später, scheint Wegner aber noch nicht zufrieden zu sein, sich coram publico dermaßen in den Fuß geschossen zu haben. Daher legt er flugs noch einmal an und durchlöchert mit seiner verbalen Polit-Flinte auch seinen anderen Fuß.

[….]  Spendenaktion für Obdachlose untersagt Berlin hat den Kaffee auf

Mit der sogenannten Kaffeewette wollen Berliner Bezirke Geld für die Kältehilfe für Obdachlose sammeln. In diesem Jahr aber wird das nichts. [….] Nun hat Wegners Senatskanzlei noch eine Möglichkeit ausgemacht, viele Berlinerinnen und Berliner gegen sich aufzubringen. Dabei geht es um Kaffeespenden für Obdachlose.

Der Einzelhändler Michael Lind rief 2019 in Berlin-Neukölln die sogenannte Kaffeewette ins Leben. Das Prinzip dahinter ist simpel. Die Bezirke rufen die Berlinerinnen und Berliner dazu auf, Kaffeepäckchen zur Unterstützung lokaler Kältehilfeeinrichtungen zu spenden. Jeder Bezirk, der es schaffte, mindestens 500 solcher Päckchen zu sammeln, erhielt von Einzelhändler Lind und mehreren Partnern 2500 Euro zusätzlich für die Kältehilfe im jeweiligen Bezirk. [….] Berlins Regierender Bürgermeister Wegner will die Aktion stoppen. »Die Senatskanzlei informierte die Berliner Bezirke darüber, dass nach der Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters der Verdacht auf Käuflichkeit oder Bestechlichkeit bestünde«, teilt das Bezirksamt Neukölln mit. [….] Initiatoren und Unterstützer der Kaffeewette sind trotzdem erzürnt. Einzelhändler Lind wehrt sich gegen den Vorwurf, er mache mit der Kaffeewette Werbung für sich. »Ich mache das nicht und wollte das nie«, sagte er laut »Berliner Morgenpost« . Er sei massiv enttäuscht von dem Verbot so kurz vor dem Start. [….] Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sprach von einem Schlag ins Gesicht für engagierte Unternehmen und Bürger, die ein Zeichen des Zusammenhalts hätten setzen wollen. »Es geht darum, dass die Kältehilfe gestärkt wird. [….] »Der Regierende Bürgermeister findet diesen Ansatz ausdrücklich gut.«

So gut, dass er ihn verbietet. [….]

(Florian Pütz, 16.01.2026)

Großartig, Wegner! Immer weiter so! Bin gespannt, womit er morgen nachlegt!