Sonntag, 25. Januar 2026

Kippt es, kippt es, kippt es jetzt?

Taz, Süddeutsche Zeitung, Spiegel etc sind heute voll mit Minneapolis-Reportagen und Kommentaren, die alle quasi aussagen, JETZT habe es Trump aber wirklich übertrieben, JETZT reiche es den Amis, JETZT wendeten sie sich ab.

Das klingt extrem plausibel. JETZT muss doch die Bevölkerung auf die Barrikaden gehen, jetzt müssen sich selbst ein paar GOPer aufraffen, sich gegen ihren irren orangen Messias stellen. 

Sonst gehe das Land unweigerlich zu Grunde. Bürgerkrieg, Ende der Demokratie, ökonomischer Crash.

[…] In Minneapolis geht es um mehr als Proteste. Wenn weitere Schüsse fallen, sind die Folgen für die USA unvorhersehbar. Es wird kein Happy End geben. Gewiss hatten die Menschen von Minneapolis und alle, die rund um die Welt Anteil nehmen, gehofft, dass Renee Nicole Good die letzte BürgerIn war, die in den Straßen der einst so friedlichen Stadt sterben musste. Doch die Hoffnung war von Anfang an naiv. Der Mord an Adam Pretti hatte etwas Zwangsläufiges.

Der Widerstand in Minneapolis und in anderen Städten der USA hat gezeigt, dass viele Menschen nicht dazu bereit sind, das Terrorregime von ICE hinzunehmen. Mit Mut und Kreativität stemmen sich die redlichen Menschen der USA Trumps Schergen entgegen – unter Inkaufnahme enormer persönlicher Risiken.  

Die andere Seite hat wiederum deutlich gemacht, dass sie den Tod unschuldiger Zivilisten nicht nur billigt, sondern zu provozieren bereit ist. Die Reaktion von Heimatschutzministerin Kristi Noem auf den Tod von Good war nicht, einen Schritt zurückzutreten, sondern das Opfer zu verleumden und noch mehr gewaltbereite Söldner zu schicken.

Die Tatsache, dass jemand wie Adam Pretti, ein offenbar friedliebender Krankenpfleger, mit einer Waffe in Minneapolis herumlief, spricht Bände. Die Menschen fühlen sich schutzlos ausgeliefert und haben das Gefühl, sich selbst verteidigen zu müssen. Zustände wie im Wilden Westen. Wie selbst der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey sagte: „Unsere Polizei könnte sich gegen ICE stellen. Aber wir haben weder die Mannschaftsstärke noch die Waffen.“ Es gibt keine Ordnungsmacht mehr.  [….]

(Sebastian Moll, 25.01.2026)

Die Bilder der ICS-Morde gehen um die Welt und sind so unerträglich, daß es ICE-Barbi Noem und dem bärtigen Thiel-Epigonen J.D. zunehmend schwer fällt, ihre völlig abstrusen Lügen zum Tathergang unter das MAGA-Volk zu bringen. Zu offensichtlich handelt es sich um Mord. Um Hinrichtungen.

Memes definieren für das empörte Volk die Begriffe „Todeschwadron“ und „Gestapo“.

[…] Es ist nicht so, dass es weiterer Beweise gebraucht hätte für das unverhältnismäßige und in höchstem Maße fragwürdige Vorgehen von ICE und Border Patrol. Spätestens seit Renée Good in Minneapolis erschossen wurde, ist auch klar, dass die paramilitärisch anmutenden Einheiten rechtsstaatliche Grenzen überschreiten und dabei von den politisch Verantwortlichen gedeckt werden.

Aber es hört einfach nicht mehr auf. Es wird immer schlimmer. Selbst bei Liam, einem kleinen Kind, rechtfertigt die Trump-Regierung das Vorgehen von ICE. Selbst in einem Fünfjährigen sieht sie nicht primär das Kind, den verletzlichen Menschen. Die USA haben sich weit von dem entfernt, was einst als minimaler Konsens galt. […]

(Charlotte Walser, 24.01.2026)

Aber an dem Punkt waren wir schon so oft.

Nach den Impeachments, nach den Prozessen, nach dem Sonderermittler, nach dem Chaos der ersten Amtszeit, nach seinem offensichtlichen physischen und mentalem Verfall, nach dem sechsten Januar 2021.

Aber nichts passierte. Die Reichen, die Mächtigen, die Medien, die Techkonzerne stehen zu ihm. Die fanatische Trumpanzee-Basis steht zu ihm und deswegen übt er seine legendäre Superpower über jeden republikanischen Abgeordneten aus. Sie alle müssen, auch in noch so sicheren republikanischen Wahlkreisen/Staaten, durch die parteiinternen Primaries und können dort von Trump nach Belieben ausgeschaltet werden. Diese Methode ist so effektiv, daß selbst hochrangige Urgesteine mit legendären Namen, wie Liz Cheney, im ultrakonservativen Wyoming problemlos politisch erledigt wurde. Trump macht die Superreichen superreicher und die setzen ihre Supermacht für ihn ein.

Alle verbliebenen Republikaner in politischen Ämtern sind öffentlich 100 prozentige Trump-Loyalisten. Bis auf die wenigen Ausnahmen, die sich ohnehin entscheiden, das Parlament verlassen (Klan-Mum MTG), oder nicht mehr zur Wiederwahl antreten.

Mir fehlt inzwischen jeglicher Glaube an ein gutes Ende für die US-Demokratie.

Alle Institutionen der Verfassung und Presse versagen; das Volk ist zu schwach, wird zu wenig von der Welt unterstützt. Eine Welt aus erbärmlichen EU-Kriechern, die weiterhin den großen orangen Hintern küssen.

Um den Trumpismus zu bezwingen, bräuchte es einen US-Generalstreik und brutale internationale Sanktionen. Einreiseverbote, Importverbote, Handelsverbote, die EU-Bazooka und selbstverständlich gehören Musk und Zuckerberg hierzulande abgeschaltet.

Das wird teuer für uns, wird im Alltag sehr unkomfortabel. Zu teuer. Und so wählen wir aus Angst vor dem Tod, den Selbstmord.

Daß Merz und seine Minister offiziell weiter X benutzen und die Europäer brav zur Fußball-WM zu Trumps Füßen antanzen, würden zukünftige Generationen nie verstehen – wenn es sie denn gäbe. Tatsächlich beendet die Welt von 2026 gerade die menschliche Zivilisation.