Freitag, 18. September 2026

Sorgen in Austin

Texas ist so amerikanisch, daß es immer wieder ernsthafte separatistische Bestrebungen gibt, da den Texanern der Rest der USA zu liberal, zu woke; eben zu unamerikanisch wird.

Man sagt nicht nur „alles in Texas ist größer“, sondern der Staat selbst ist riesig.

Der Lone Star State ist flächenmäßig mit knapp 700.000 km2 (doppelt so groß wie Deutschland) die Nummer Zwei nach Alaska. Ebenfalls an Nummer Zwei (hinter Kalifornien mit 40 Millionen Einwohner) rangiert man mit 29 Millionen Texanern hinsichtlich der Bevölkerungszahl.

Einen weiteren zweiten Platz erreicht Texas mit 2,7 Billionen Dollar BIP bei der Wirtschaftskraft und spielt damit in etwa in der Liga Frankreich.

Beim BIP/Kopf reicht es noch zum guten Mittelfeld, in der Lebenserwartung nur noch zu Platz 32/50.

Bemerkenswert ist die fast 100 Jahre alte Entscheidung, sich von den anderen US-Stromnetzen zu trennen und ein autarkes texanisches Netz zu unterhalten, so daß bei Stromengpässen der notorisch maroden Südstaaten-Netzen keine Hilfen der anderen Bundesstaaten möglich sind.

Insbesondere ist Texas aber eine politische Größe für die Trumpublikaner. 270 Stimmen beträgt die magische Anzahl, die ein Kandidat im „electoral college“ erreichen muss, um US-Präsident zu werden. Allein 40 „the winner takes it all“-Stimmen hat Texas zu vergeben. Das letzte mal demokratisch wählten die Texaner im Jahr 1976 für Jimmy Carter; im folgenden halben Jahrhundert gewann immer der GOP-Kandidat: Reagan, Bush, Dole, Bush, McCain, Romney, Trump, Trump, Trump. Seit 1995 wurden immer republikanische Gouverneure gewählt. 

Der letzte nicht republikanisch US-Senator aus Texas war im Jahr 1993 der nur wenige Monate amtierende Bob Krueger.

Und so stellte Texas für die letzten GOP-Männer GWB und Taco immer eine sichere Bank dar.

Ein erster Schock für die Republikaner ereignete sich 2018, als der liberale Demokrat Beto O’Rourke gegen Ted Cruz bei dem Kampf um den US-Senatoren-Posten auf 48,3% zu 50,9% heran kram. Beto O’Rourke versuchte dann 2022  Texanischer Gouverneur zu werden; unterlag aber mit 43,8%. 2024 gewann der hochumstrittene korrupte Lügner Cruz gegen Colin Allred erneut mit 53%.

Aber es ziehen zunehmend jüngere urbane Menschen aus reichen blue states wie Kalifornien, wegen der niedrigeren Lebensunterhaltungskosten nach Texas. Außerdem entstehen viele Job ist in der Solarkraft- und Windenergiebranche, weil erneuerbare Energien trotz der Fossilbeschwörungen der rechtsextremen texanischen Politiker enorm wachen, da das alte Stromnetz marode ist, die Sonne sehr viel scheint und sich mit regenerativen Energien mehr Geld verdienen lässt.

Ganz langsam verändert sich Texas vom solid red state in Richtung violett.

Die ständigen Mass-shootings, die Kriege, die Homophobie, die Korruption, die massakrierten Schulkinder, die notorische Pädosexualität der texanischen GOPer stören die Bewohner des Lone Star States nicht.  Aber die explodierenden Benzin- und Lebensmittelpreise stoßen sauer auf, so daß Donald Trump mittlerweile selbst in Texas unbeliebt ist.

[….] Trump's approval rating is net negative in Texas, according to pollster calculations. Though Trump is not on the ballot, midterms are usually seen as a referendum on the presidency.

Morning Consult rolls up its poll results over a three-month period to calculate the state approval rating. Surveys conducted April 1-June 30 found 45% of registered voters in Texas approve of Trump's job performance, compared to 52% who disapprove.

The Economist uses weekly YouGov polls to make projections of the state-level approval ratings. In Texas, Trump is also in the red by a margin of 22 percentage points, according to The Economist.

Trump's average approval rating nationally sits at 38% approval and 59% disapproval as of Aug. 27, according to the New York Times polling aggregator.  [….]

(USA Today 27.08.2026)

Was jahrelang unvorstellbar war, könnte am 03.11.2026 eintreten; daß nämlich der junge fromme frische Demokrat James Tallarico gegen den skandalumwitterten GOP-Amtsinhaber und Trumpisten Ken Paxton gewinnen könnte.

[….]  Im TV gestrichenes Interview von Jimmy Kimmel erreicht zehn Millionen YouTube-Aufrufe

Jimmy Kimmel erhob schwere Vorwürfe gegen die US-Medienaufsicht, weil sein Interview mit dem Demokraten James Talarico nicht im Fernsehen ausgespielt wurde. Im Internet interessierte der Clip jedoch enorm.

Wer Unliebsames unterdrückt, macht es manchmal umso bekannter: Nach angeblichen Drohu
ngen der US-Medienaufsicht Federal Communications Commission (FCC) hatte US-Moderator Jimmy Kimmel das Interview mit dem Senatskandidaten der Demokraten in Texas, James Talarico, aus seiner TV-Show gestrichen – und bei YouTube veröffentlicht. Mehr als zehn Millionen Mal wurde das 21-minütige Gespräch seither dort aufgerufen, deutlich häufiger als andere Clips aus der jüngsten Zeit, wie etwa das Interview mit dem Schauspieler Andrew Garfield (1,1 Millionen Aufrufe).
[….]

(SPON, 15.09.2026)

Auch der ultrarechtsradikale langjährige Texanische Gouverneur Greg Abbott muss um sein Amt fürchten.

[….] Republikanische Hochburg wackelt: Hinojosa führt erstmals in Umfrage gegen Gouverneur Abbott

Texas-Gouverneur Abbott gerät unter Druck: Neue Umfragen zeigen die Demokratin Hinojosa im Aufwind – und ein Rennen, das enger wird als je zuvor.

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sieht sich laut zwei neuen Umfragen zum Gouverneursrennen, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, einer zunehmend hart umkämpften Herausforderung durch die demokratische Abgeordnete des Bundesstaatsparlaments Gina Hinojosa gegenüber. Texas galt lange als republikanische Hochburg, scheint jedoch bei den diesjährigen Zwischenwahlen zu einem stärker umkämpften Staat zu werden.

Demokraten hoffen, dass die sinkenden Zustimmungswerte von Präsident Donald Trump ihnen ermöglichen könnten, das politische Schlachtfeld im November zu erweitern. Texas unterstützte Trump 2024 zwar noch mit einem Vorsprung von 14 Punkten und hat seit den 1990er-Jahren keinen Demokraten mehr in ein landesweites Amt gewählt, doch die Dynamik verschiebt sich langsam.  [….]

(FR, 18.09.2026)