Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.
Diesmal kann es wirklich nur einen Sieger geben: Die hysterische Medienkampagne gegen eine mögliche Hauptstadt-Bürgermeisterin mit migrantischen Namen.
Große Teile der Hauptstadtpresse drehen völlig frei und tun so, als hätte es noch nie Linke in Landesregierungen gegeben, als würde nun der Stalinismus ausbrechen, als wäre die Enteignung jeder einzelnen Armbanduhr geplant.
Mehr als offensichtlich wird Partei für die ausbeuterischen Mega-Wohnungskonzerne ergriffen, die eben nicht Wohnungen bauen, die eben nicht Geld in die Instandhaltung ihrer Bestandsimmobilien stecken, sondern die Gewinne aus dem System herausziehen und an ihre Shareholder weiterleiten.
Wohnungsunternehmen in öffentlicher Hand investieren einen erheblich höheren Anteil der Mieteinnahmen in die Erhaltung der Substanz und sie schaffen wesentlich mehr neuen Wohnraum. Daher kann man den Ausgang des Volksentscheids Deutsche Wohnen & Co enteignen vor fast genau fünf Jahren nachvollziehen.
[…] Von den knapp 2,5 Millionen Stimmberechtigten beteiligten sich fast 1,8 Millionen (73,5 %) am Volksentscheid. Eine klare Mehrheit von 1.035.950 Stimmberechtigten (59,1 %) befürworteten das Volksbegehren. Dies entsprach 42,3 % der Stimmberechtigten, womit das in Berlin geltende 25-%-Zustimmungsquorum deutlich übersprungen wurde, das Volksbegehren galt damit als angenommen. […] In zehn von zwölf Berliner Bezirken erhielt das Volksbegehren mehr Ja- als Nein-Stimmen. Das Zustimmungsquorum wurde in allen zehn befürwortenden Bezirken übersprungen. Die größte Unterstützung erfuhr das Volksbegehren in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg (75,3 %), Mitte (66,6 %) und Neukölln (64,3 %). […]
Die Umsetzung dieses Volksentscheides entspricht offenkundig immer noch dem Wählerwillen, wie das Rekordergebnis der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl dieses Septembers zeigt.
Die rechte politmediale Bubble kann das nicht akzeptieren und verliert alle Hemmungen.
Der widerlichste Aspekt ist dabei, wie ausgerechnet AfD und CDU, die selbst den höchsten Antisemitenanteil in ihren Parteien verzeichnen, Juden gegen Linke missbrauchen.
(…) Instrumentalisierte, geheuchelte Sorge um die Juden in Deutschland, um finanzielle und parteipolitische Interessen durchzudrücken, ist zutiefst amoralisch.
Das geschieht gerade auf ganz breiter Front durch Top-CDUCSU-Politiker, die sich auf die Linken in Berlin einschießen, um damit eine unterdurchschnittlich antisemitische RRG-Regierung zu verhindern, die im Bundesrat die nötige Mehrheit brächte, um ein AfD-Verbotsverfahren anzustoßen, welches die überdurchschnittliche antisemitische CDUCSU mit allen Mitteln verhindern will. Ausgerechnet die CDUCSU! (….)
(Solidarität mit den Juden, 29.09.2026)
Die elende Heuchelei der Rechten findet auf sechs Ebenen gleichzeitig statt.
1. Die Sorge um die Juden ist ganz offensichtlich nur vorgeschoben; in Wahrheit geht es um den Schutz superreicher Immobilienkonzern-Shareholder.
2. Ausgerechnet Elif Eralp SED-Kontinuität vorzuwerfen die keinerlei Verbindungen zur DDR hat, während die CDU gleich zwei SED-Blockparteien wegfusionierte, ist absurd.
3. Der anschwellende Bocksgesang erreicht nur bei den RotRotGrünen Sondierungen seine ohrenbetäubende Lautstärke, während die CDU zu ihrer Kapitulation vor den Nazis in Sachsen-Anhalt schweigt.
4. Der anschwellende Bocksgesang erreicht nur bei den gegenwärtigen RotRotGrünen Sondierungen in Berlin seine ohrenbetäubende Lautstärke, weil eine Bundesratsinitiative zur Prüfung eines AfD-Verbots droht, während frühere RRG-Regierungen akzeptiert wurden.
5. Die Fixierung auf den angeblichen Antisemitismus der Linken, kaschiert den viel ekelhafteren und offeneren Antisemitismus in den Reihen der CDU und CSU und AfD.
6. Der gerade in Deutschland extrem wichtige Kampf gegen den Antisemitismus, wird von der CDUCSUAFD entwertet, indem sie Israel-Kritik mit Antisemitismus gleichsetzen.
Die oben genannten Punkte sind unter anderem in diesem Blog so vielfach ausgebreitet und belegt worden, daß ich sie an dieser Stelle nicht noch einmal ausführen will.
Etwas anderes rückt für mich zunehmend in den Fokus: Merz, Söder, Evers und ihr rasender Partei-Mob brechen offenkundig die Brücken zu den demokratischen Parteien ab.
Selbst wenn alle Grünen und alle SPDler im Berliner Abgeordnetenhaus
· den Wählern den Stinkefinger ins Gesicht halten wollten,
· den offensichtlichen Wählerwillen konterkarierten wollten,
· den „Deutsche Wohnen enteignen“-Bürgerentscheid mit Füßen trampeln wollten,
· die eindeutige Wahlsiegerin in die Opposition verdammen wollten,
· den Berliner Wählern damit massiven Anlass zu Frust und Demokratieverdrossenheit geben wollten,
· eine Koalition der Wahlverlierer bilden wollten,
hätte das Loser-Bündnis nur eine extrem knappe 79-Stimmen-Merheit (absolute Mehrheit liegt bei 77; RRG hat 91 Stimmen), die angesichts der Verletzungen durch die CDU wohl kaum zusammenkäme. Vier junge Grüne Abgeordnete schlossen bereits kategorisch aus, einen CDU-Bürgermeister zu wählen.
Wenn der ultrakonservative Stefan Evers, der sich selbst schwer antisemitisch äußerte, den antisemitischen Skandalpolitiker Lukas Krieger als CDU-General installierte und dessen Reinickendorfer CDU-Bezirk mit den Nazis koalieren will, tatsächlich in einer Jamaika-Koalition Berliner Bürgermeister werden möchte, müsste er nun mit Engelszungen reden, den Grünen und Sozialdemokraten Angebote machen, sich vertrauenswürdig zeigen. Er müsste werben, enorme Zugeständnisse machen, da die CDU allein viel schwächer als Rot und Grün zusammen ist. Er müsste vom ganz hohen Ross runterklettern, jeden Tag persönlich einen Blumenstrauß an Graf und Krach liefern. (….)
(Der toxische Geist geht nicht zurück in die Flasche, 18.10.2026)
Mit der Medienkampagne gegen Elif Eralp sollen CDU-AfD-Koalitionen als eine Art Notwehr-Option vorbereitet werden. Schon jetzt stimmen immer wieder CDU-Abgeordnete gegen die demokratischen Kräfte und demonstrativ mit den antidemokratischen AfD-Nazis– unter dem dröhnenden Schweigen des Parteichefs und der CDU-Zentrale.
[….] Deutschland steht kopf, seit Tagen schon. Ein drohendes Linksbündnis in Berlin bereitet vielen Menschen große Sorge. Wird es an der Frage scheitern, ob eine Hinterbänklerin in der Linken-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses Platz nimmt oder nicht? [….] Das könnte sein, denn solche Dinge werden seit Wochen zu nationalen Schicksalsfragen aufgeblasen. Und das sagt mehr über den Zustand des deutschen Journalismus und die Priorität mancher Bundespolitiker als über die Berliner Linkspartei, deren Spitzenkandidatin Elif Eralp oder die Berliner Landespolitik insgesamt. [….]
Es ist wie ein Fieber, das immer mehr um sich greift. Wie wenig Sympathien selbst der Spiegel für ein Linksbündnis hegt, hat er deutlich gemacht, indem er eines vermeintlichen Scoops willen einen groben Vertrauensbruch beging. Aber er ist mit seiner Abneigung nicht allein. Die Bild-Zeitung, „NIUS“, der Berliner Tagesspiegel und diverse Bundespolitiker von CDU, CSU und SPD, ja sogar manche Grüne trommeln seit Wochen gegen Rot-Grün-Rot in Berlin. [….] Umsonst, es hat nichts genutzt: Die Mehrheit der Berliner Wählerinnen und Wähler hat nicht auf diese warnenden Stimmen gehört und der Linken in Berlin – trotz aller von Anfang an schrillen Antisemitismus-Vorwürfe – zu einem Erdrutschsieg verholfen. [….] Die narzisstische Kränkung, dass die Berliner Wählerinnen und Wähler partout nicht auf sie gehört haben, ist womöglich ein Grund dafür, warum manche Hauptstadt-Journalisten nun einfach noch lauter aufdrehen. [….] Schon vor der Wahl hatte es Robin Alexander als Skandal bezeichnet, dass „in der Stadt, wo der Holocaust geplant wurde“, eine Vanessa Emde für die Linke überhaupt antrete – er machte die Lokalpolitikerin dadurch erst bundesweit bekannt.
Nach der Wahl donnerte Jörg Thadeusz in den ARD-„Tagesthemen“, ein Linksbündnis in Berlin komme einem Verrat an den Opfern von Auschwitz gleich, warum auch immer, und beendete seine bizarre Brandrede mit dem nationalistisch gemeinten Ausruf „Am Israel Chai“ – „Lang lebe Israel“.
Und der Welt-Kolumnist Harald Martenstein mutmaßte, die Motive weiblicher Linken-Politiker, sich mit Palästinensern zu solidarisieren, könnten womöglich sexueller Natur sein. Über diese sexistische Entgleisung und den Missbrauch des Holocausts zu politischen Zwecken, um ihn gegen die Linke in Stellung zu bringen, empörten sich wiederum nur wenige. Denn für deutsche Top-Journalisten gelten bekanntlich andere Maßstäbe als für Berliner Lokalpolitiker. [….] Statt sich darüber zu empören, dass die aktuelle, zumindest in Teilen rechtsradikale israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu wie auch die Mehrheit der Opposition dort eine Zweistaatenlösung, die seit Jahrzehnten international eingefordert wird, kategorisch ablehnt, empört man sich lieber über eine einzelne, völlig einflusslose Abgeordnete in einem Landesparlament, die angesichts dieser Realität für eine Einstaatenlösung eintritt und keine ritualisierten Glaubensbekenntnisse ablegen will.
Und statt die deutsche Nibelungentreue zu einem Israel infrage zu stellen, dessen Regierungschef in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das als Staat sogar wegen Völkermord angeklagt ist, werden lieber jene angefeindet, die es wagen, leise oder auch laute Zweifel am Sinn dieser Staatsräson vorzubringen und die nicht so recht glauben, dass das die richtige Lehre aus der deutschen Geschichte sein soll. [….]
Mein SPIEGEL-Abo habe ich seit 43 Jahren und werde es auch im Gegensatz zu Max Czollek behalten, weil die Vorteile und die guten Autoren immer noch überwiegen.
Als SPIEGEL-Leser kommt es immer mal wieder vor, sich heftig über das Magazin zu ärgern. Bisher brachten mich die endlosen IM-Attacken in den 1990ern auf Manfred Stolpe und Gregor Gysi, sowie zehn Jahre später die massive, von Gabor Steingart ausgehende Kampagne, gegen die rotgrüne Bundesregierung am meisten zur Weißglut. Die SPIEGEL-Redaktion hatte sich völlig verrannt und wollte unbedingt „linke“ Politiker zu Fall bringen.
Die gegenwärtigen Angriffe auf Elif Eralp halte ich sogar für noch schlimmer, weil mit der Verhinderung Eralps als Bürgermeisterin, direkt die antisemitische Hauptstadt-CDU – man denke an die judenfeindlichen Entgleisungen des CDU-Generalsekretärs Lukas Kriegers, des Parteichefs Stefan Evers und des CDU-Remigrations-Ideologen Ulrich Vosgerau – ins Amt gehoben werden soll.
Von Elif Eralp sind keine antisemitischen Äußerungen bekannt. Die antisemitischen Äußerungen des CDU-Bundesvorsitzenden schon: Stichworte „Judenfahne“, „Drecksarbeit“, „Juden sind Ausländer“. Das wird hingegen kaum skandalisiert.
Stattdessen werden die Berliner Linken zur antisemitischen Gefahr aufgeblasen.
Wenn die Anti-RRG-Medien doch nur halb so viel Engagement gegen den Nazi-Durchmarsch der AfD in Sachsen-Anhalt aufbrächten!


















