Seit ich 18 bin, wohne ich allein, war und bin bis heute Mieter.
Seit zehn Jahren bin ich auch Vermieter und kenne daher beide Seiten.
2015 stieß ich zufällig in das letzte Zeitfenster, in dem man noch eine Immobilie kaufen konnte, wenn man nicht zufällig steinreich ist. Damals waren die Immobilienpreise noch nicht völlig unbezahlbar und die Kreditzinsen niedrig. Meine „Baufinanzierung“ läuft noch acht Jahre und anschließend steht eine Umschuldung an. Aber ich habe den damals niedrigen Zinssatz bis Ende der Laufzeit festschreiben lassen. Ein „gutes Geschäft“ als Neu-Miethai: Durch die Inflation wird die Abzahlung des Kredits relativ immer billiger, während gleichzeitig die Mieten steigen und ich immer mehr einnehme. Gleichzeitig steigt mein Vermögen kontinuierlich an, weil durch die Tilgung jeden Monat ein bißchen mehr von der Wohnung mir; und ein bißchen weniger der Bank gehört.
Der dritte Pluspunkt ist eine Alters-Sicherung. Die Wohnung ist zwar winzig, zu klein für meine jetzigen Bedürfnisse, aber barrierefrei. In einer insgesamt extrem unsicheren Zukunft, könnte ich dort entweder selbst einziehen und somit mietfrei wohnen, oder aber ich hocke in irgendeiner Form des betreuten Wohnens und hätte ein Extra-Einkommen, wenn der Immobilienkredit abgezahlt ist.
Idealerweise macht man das als weiter so, schafft sich weitere Immobilien an.
Aber während der vergangenen Dekade, veränderten sich alle Kerndaten. Zwar steigen weiterhin die Mieten (gut für die VERmieter), aber die Immobilienpreise stiegen um ein Vielfaches. In Hamburg braucht man bei einer Bestandswohnung nicht mehr 20 Jahresmieten, um den Kauf zu finanzieren, sondern eher 40. Zudem sind die Zinsen höher. Das Geschäft rechnet sich nicht mehr. Es sei denn, man ist aus zufälligen Gründen reich und kann einen enormen Eigenkapitalanteil einbringen.
Die steigenden Immobilienpreise hängen natürlich mit einer Verknappung des Angebotes zusammen.
[….] Zahl fertiggestellter Wohnungen so niedrig wie seit 2012 nicht mehr
Die Daten des Statistischen Bundesamts zeigen ein düsteres Bild vom deutschen Wohnungsmarkt. Der eklatante Mangel, so viel ist sicher, wird so bald nicht abgestellt werden.
In Deutschland wurden im vergangenen Jahr so wenige Wohnungen gebaut wie seit 2012 nicht mehr. Die Zahl der Fertigstellungen brach um 18,0 Prozent oder 45.400 auf 206.600 ein, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit sank sie bereits das zweite Jahr in Folge deutlich: 2024 hatte es einen Rückgang von 14,4 Prozent gegeben, nachdem die Fertigstellungen in den Jahren 2021 bis 2023 bei jeweils rund 294.000 gelegen hatten. Zuvor war die Zahl neuer Wohnungen von ihrem Tiefststand von 159.000 im Jahr 2009 auf den Rekord von 306.400 im Jahr 2020 gestiegen, beflügelt auch durch niedrige Zinsen.
Bundesbauministerin Verena Hubertz sprach von »schlechten Zahlen«. Diese seien das Resultat der vergangenen Krisenjahre. »Rund 206.000 gebaute Wohnungen im letzten Jahr sind zu wenig«, sagte die SPD-Politikerin. »Das ist die ehrliche Botschaft an alle, die heute eine Wohnung suchen.« […..]
Das Angebot schwankt zwischen zwei Problemfeldern:
Neubauten mit dem Vorteil, daß alle energetischen Anforderungen erfüllt sind und auf Jahrzehnte nichts saniert werden muss, die aber so exorbitant teuer sind, daß man sie allein durch Mieteinnahmen nie refinanziert bekommen kann.
Wohnungen aus den 1950ern- 1980ern, die zwar noch halbwegs finanzierbar sind, aber so einen enormen Sanierungsbedarf aufweisen, daß ständige Sonderumlagen für Fassaden, Fenster, Dächer, Heizungen, Leitungen, Fahrstühle, Siele absehbar sind. Das kostet nicht nur Geld, sondern für kleine Privatvermieter auch enorm viel Nerven, weil sie sich auf Eigentümerversammlungen um Sanierungsfahrpläne streiten müssen, die oft daran scheitern, für einige Eigentümer nicht finanzierbar zu sein oder aber keine Handwerker zu finden.
Die Kosten gibt man dabei üblicherweise eben nicht an die Mieter weiter, weil a) die Mietpreisbremse gilt und man b) als Privatvermieter meist ein persönlicheres Verhältnis zu seinem Mieter/Mieterin hat, welches man nicht belasten will.
(Mein Mieter zahlt seit fünf Monaten gar nicht, aber ich scheue mich, mit maximaler juristischer Gewalt gegen ihn vorzugehen, weil ich sein Schicksal kenne und ungern für seine Obdachlosigkeit verantwortlich sein möchte.)
Das katastrophale Image der Vermieter entsteht fast ausschließlich durch Wohnungskonzerne, die natürlich nicht in „Wohnungseigentümergemeinschaften mitmischen und an das extrem komplizierte WEG-Recht gebunden sind, sondern Zinshäuser besitzen, in denen sie ganz allein bestimmen. Zudem gibt es dort keine persönlichen Bindungen, sondern Rendite-Erwartungen. Deren Mieter werden nicht geschont, sondern mit dem maximalen Mietzins belastet.
In diesen Fällen leidet nur der Mieter, während die Shareholder des Konzerns profitieren. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, der sich aber, entgegen des Wunsches vieler Bürger, niemals trauen wird, Großkonzerne mit Hunderttausenden Wohnungen zu sozialisieren.
Und so sitzen wir letztlich alle in der Patsche. Selbst in Hamburg, dem Bundesland, in dem seit der Regierungsübernahme Scholz im Jahr 2011 vorbildlich gebaut wurde, kollabiert inzwischen aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Markt.
[…] Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Hamburg bricht ein
Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2025 fast ein Drittel weniger Wohnungen bezugsfertig[…] Wohnungsmangel und steigende Mieten – das ist seit fast zwei Jahrzehnten ein Dauerbrenner in Hamburg. Selbst der Bau von zeitweise mehr als 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr konnte das Problem bestenfalls eindämmen, aber nicht beseitigen. Seit der Wohnungsbau infolge des Ukraine-Krieges einbrach, hat sich die Lage wieder zugespitzt. Diese neue Zahl belegt das: Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg nur 5976 neue Wohnungen fertiggestellt. Das waren 2343 Wohnungen oder 28 Prozent weniger als 2024 (8319), wie das Statistikamt Nord am Freitag mitteilte.
Nachdem im Jahr 2024 noch eine Steigerung um rund 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2023: 5999 Wohnungen) verzeichnet wurde, war hier und da schon Hoffnung auf eine Trendwende aufgekeimt. Doch das war offensichtlich verfrüht. Ohnehin sagen die Fertigstellungszahlen wenig über die Zukunft des Hamburger Wohnungsmarktes aus. Denn sie beziehen sich auf die Vergangenheit: Bauprojekte, die 2025 fertig wurden, wurden in der Regel etwa zwei Jahre vorher begonnen. […] Für die Zukunft viel entscheidender ist, was seit 2023 genehmigt wurde und noch wird – und das ist zu wenig. Nachdem von 2013 bis 2022 durchgängig immer zwischen 9500 und 13.400 Wohnungen pro Jahr auf den Weg gebracht wurden, brach diese Zahl 2023 auf nur noch 5400 ein. Insofern überraschen die aktuellen Fertigstellungszahlen Experten kaum: Fertig werden kann halt nur, was einige Jahre vorher genehmigt wurde. […]
(Andreas Dey, HH Abla, 23.05.2026)
Ganz offensichtlich wird im Bundeskanzleramt die Brisanz des Themas überhaupt nicht verstanden.
Keine Wohnung zu finden, macht es für Unternehmen umso schwerer Mitarbeiter einzustellen. Wer will in der Innenstadt als Pfleger, Krankenschwester, Busfahrer, Justizangestellter arbeiten, wenn mit dem Gehalt keine Wohnungsmiete bezahlbar ist?
Es wird unterschätzt, welch unglaublichen Frust die Wohnungssuche produziert.
Am Ende lacht nur die AfD, die den Unmut in ihre Hetze-Bahnen lenkt und auf Sündenböcke zeigt.