Posts mit dem Label Slkave werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Slkave werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 21. Juli 2025

Pure christliche Bösartigkeit

Wenn es eins gibt, das mich in der Social-Media-Welt ärgert, dann sind es die kontinuierlichen Postings/Memes von der linksliberalen Seite, die danach trachten, rechte Politiker als Scheinchristen zu entlarven. Es wird eine abscheuliche menschenfeindliche Aktion angeprangert und dann der ach so gute Jesus dagegen gestellt, der das doch sicher nicht gewollt habe.

Diese unausrottbar positive Konnotierung des Wortes „christlich“ empfinde ich als drastische Form der Denkfaulheit. 2.000 Jahre Gehirnwäsche wirken nach. Dabei sind schon die zehn Gebote (darin enthalten Religionszwang und Sippenhaft) keineswegs mit Menschenrechten und demokratischen Verfassungen vereinbar.

Deschner brauchte zehn dicke Bände, um die „Kriminalgeschichte des Christentums“ nachzuerzählen: Es ist die tödlichste Ideologie, die es je auf diesem Planeten gab. Die Bibel, Gott und Jesus selbst propagieren Sklaverei, Homophobie, Antisemitismus, Sadismus gegen Kinder, Misogynie und Völkermord. In den letzten Jahrzehnten geriet zudem mehr und mehr die Rolle der christlichen Religion, als größter pädosexueller Täterschutzverein der Erde, ins allgemeine Bewußtsein. Die Kirche stand historisch fast immer an der Seite der Mächtigen und der Verbrecher wider die Menschlichkeit.

Adolf Hitler wurde nie exkommuniziert. Er war ein Katholik. Nach seinem Tod, der völligen Zerstörung Europas, 6 Millionen ermordeter Juden und 60 Millionen Toten insgesamt, ordnete Breslauer Kardinal Adolf Bertram ein feierliches Requiem für Hitler an. Aber wehe, wenn eine Krankenschwester sich als lesbisch zu erkennen gibt, oder jemand den Mitgliedsbeitrag nicht bezahlen kann, oder er zur Roten Armee gehört, die das KZ Auschwitz befreite – da kennt Rom keine Gnade und exkommuniziert.

Das „Wording“ muss endlich umgekehrt werden:

Christlich ist schlecht; Unchristlich ist gut.

Es muss auch endlich Schluss damit sein, Politikern, die sich wie der brutale menschenhassende Sadist Mike Johnson auf ihre Bibel stützen, mit Respekt zu begegnen. Diese Christen haben keinerlei Respekt verdient.


Die Bibel ist ein über Jahrhunderte zusammengetragenes Sammelsurium aus sehr viel Brutalität, offenkundigen Lügen und jeder Menge Widersprüchlichkeit. Es gibt längst Apps, mit der man für jede noch so abwegige Handlung und ihr Gegenteil, den passenden Bibelvers zur Rechtfertigung findet.

SPIEGEL-Leitartikler Schult versucht es besser zu machen, indem er konkreter wird und die Bergpredigt als Maßstab heranzieht, um die CDUCSU zu entlarven.

Netter Versuch, aber schließlich bleibt es das alte Muster: Die Heuchel-Union behaupte nur christlich zu sein, verstoße aber in Wahrheit gegen die „Christlichen Werte“ – Gähn.

[….] Christlich? Nur, wenn es passt

CDU-Politiker wie Jens Spahn berufen sich gern auf die Bergpredigt, aber ihr Umgang mit Frauke Brosius-Gersdorf hat mit christlichen Werten nichts zu tun. Der jüngste Eklat zeigt an, wohin die Partei wirklich steuert. Es ist an der Zeit, die CDU an ihr Grundsatzprogramm zu erinnern. »Unser Kompass ist das christliche Bild vom Menschen«, heißt es auf Seite eins. »Wir sehen immer zuerst den einzelnen Menschen mit seiner unantastbaren Würde und seinen individuellen Fähigkeiten. ... Wir begegnen der Welt in Demut, weil wir wissen, dass wir nicht die letzte Wahrheit kennen.«

Erst im vergangenen Jahr verabschiedeten die deutschen Christdemokraten das neue Programm, aber die Partei tritt dieser Tage auf, als hätte sie ihre christlichen Wurzeln vergessen. Wie führende Politiker der CDU mit Frauke Brosius-Gersdorf, der Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, umgehen, hat nichts mit Nächstenliebe und Demut zu tun.

Begründet wurde die Absetzung der Richterwahl von der Union mit Plagiatsvorwürfen, von denen der Plagiatsjäger selbst sagte, sie seien nicht erhoben worden. Trotzdem forderte die CDU-Abgeordnete Saskia Ludwig die Professorin auf, ihren Potsdamer Lehrstuhl ruhen zu lassen. Auch Ludwig beruft sich gern auf ihr Christentum, die christliche Tugend der Wahrhaftigkeit spielt für sie aber offenbar keine Rolle.

Kanzler Friedrich Merz, bekennender Katholik, äußerte in seiner Sommer-Pressekonferenz zwar Bedauern über die aufgeheizte Atmosphäre und die Diffamierungen, die Brosius-Gersdorf in den sozialen Medien erlebt hat. Eine Mitverantwortung wollte der Kanzler aber nicht sehen.

Die C-Parteien tun so, als hätten sie mit der Hexenjagd gegen die Juraprofessorin nichts zu tun. Dass sie eine Mitverantwortung tragen, weil sie Brosius-Gersdorf als linke Aktivistin bezeichneten und ihre Aussagen aus dem Zusammenhang rissen, gestehen sie nicht ein. Nicht einmal die Gewalt- und Morddrohungen erregen bei Vertreterinnen und Vertretern der C-Parteien Mitgefühl oder Betroffenheit. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sagte, sie erwarte von Brosius-Gersdorf angesichts der Kritik »ein bisschen Resilienz«.[….] Auch der Hauptverantwortliche für die gescheiterte Wahl, Unionsfraktionschef Jens Spahn, inszeniert sich gern als christlicher Politiker. »Christliche Texte wie die Bergpredigt sind für jeden Christen, dem sein Glaube wichtig ist, eine Richtschnur im Leben«, schrieb Spahn 2018 in einem Gastbeitrag für die »Welt«: »Christ und Politiker zu sein, heißt für mich, die Augen und das Herz offen zu halten, sich die eigenen Schwächen und Fehler einzugestehen.« [….] In der Flüchtlingspolitik entfernen sich CDU und CSU gleichermaßen von ihren christlichen Wurzeln. Unvergessen ist Merz’ Behauptung, abgelehnte Asylbewerber »sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine«. Unter seiner Kanzlerschaft werden staatliche Gelder für private Seenotrettung im Mittelmeer gestrichen. Selbst das Kirchenasyl, für viele Flüchtlinge die letzte Hoffnung, ist den C-Parteien nicht mehr heilig.

Sich auf die Religion nur dann zu berufen, wenn es politisch opportun ist, hat nichts mit gelebtem Christentum zu tun, sondern ist Rosinenpickerei. [….] (Christoph Schult, 21.07.2025)

Nein, Schult, die CDU macht es ganz richtig und orientiert sich an den zutiefst bösartigen menschenfeindlichen Werten, die man in der Bibel findet und die 2000 Jahre christliche Kriminalgeschichte ausmachten.

Ob nun Juden abschlachtende deutsche Soldaten mit dem „GOTT WILL ES“ auf dem Koppelschloss, Martin Luthers zutiefst eliminatorischer Antisemitismus, genozidale Conquistadores, kirchliche Inquisitoren, Hexenverbrenner, Kreuzritter – es gibt so viele christliche Vorbilder für die xenophob wütende CDU und CSU. Auf Widersprüche zur Bergpredigt hinzuweisen, zeigt ja gerade, wie erbärmlich das Christentum ist – denn dafür diente die Bibel immer: Im Namen des Guten, der gerechten Sache, Gottes, das wirklich Böse zurechtfertigen.

[….] Agreement that spanking may be needed is much higher among those who attend religious services weekly, at more than 6 in 10, than among those who attend seldom or never, at more than 4 in 10.

Nearly 62% of liberals don’t believe spanking is needed, while nearly 68% of conservatives agree to some extent that it may be. In the middle, 47% of moderates agree.  [….]

(Deseret, 28.10.2021)

Das ist der Signature Move überzeugter Christen, die ihre Kinder schlagen, mit weißen spitzen Kapuzen PoCs lynchen, Ehefrauen vergewaltigen, schwule Söhne aus dem Haus prügeln, Folter und Todesstrafe enthusiastisch befürworten: Sie empfinden sich selbst deswegen gerade eben NICHT als „böse“, sondern besonders gut, weil sie den Willen des Gottes, so wie sie ihn in der Bibel verstehen, ausführen.

Klöckner, Spahn, Dobrindt, Söder und Merz verstoßen nicht gegen „christliche Werte“; im Gegenteil, sie leben christliche Werte sehr konkret aus.

Christliche Werte sind es, wenn die christliche Johnson/Trump-Regierung, lieber 500 Tonnen Notfall-Lebensmittel verbrennen lässt, statt zu versuchen, damit die täglich verhungernden Kinder der Welt zu ernähren.


Christliche Werte sind es, die Menschen in Not noch einen Tritt in den Hintern dazu geben, die sie fortjagen, foltern und abschieben lassen.

[….]  Die katholische Kirche in der Demokratischen Republik (DR) Kongo lehnt die Fortsetzung des Schulbesuchs schwangerer Schülerinnen ab. Die Bischöfe begründen ihre Entscheidung mit Disziplin und Moral.

Das geht aus einem Schreiben der katholischen Bischofskonferenz hervor, aus dem der Sender Radio France Internationale am Donnerstag zitierte. Den Schülerinnen werde der Wechsel an eine staatliche Schule nahegelegt.

Mit der Entscheidung reagiert die Kirche auf ein am Montag veröffentlichtes Rundschreiben des kongolesischen Bildungsministeriums. Aus diesem zitieren mehrere lokale Medien: „Das Ministerium für nationale Bildung ist der Ansicht, dass es keine Rechtfertigung dafür gibt, schwangere Mädchen vom Bildungssystem auszuschließen, wenn sie kein Interesse an einem Schulabbruch bekundet haben.“ Alle Bildungseinrichtungen müssten deshalb den weiteren Schulbesuch ermöglichen. Sanktionen oder ein Ausschluss würde nicht akzeptiert. [….]

(ORF, 18.07.2025)

„Christianity is back“ lobt sich die Trump-Regierung unter dem Jubel der 80 Millionen christlichen Trumpanzees selbst. Christliche Wertvorstellung ermöglichen erst eine Brutalität, zu der Atheisten gar nicht fähig wären.

[….] Pregnant Mother in Tennessee Denied Care for Being Unmarried

The 2025 Medical Ethics Defense Act allows physicians to deny care to patients whose lifestyles they disagree with. [….] Last Thursday, at a town hall in Jonesborough, Tennessee, a 35-year-old woman shared her story: she was denied prenatal care by her physician because they objected to the fact that she wasn’t married, nor did she plan to be. She’d been with her partner for 15 years and they have a 13-year-old child.

While going through her medical history, the physician told her that because she was unwed, they didn’t feel comfortable treating her, because it went against their values and she should seek care elsewhere. At the time of the appointment, the woman believed she was about four weeks into her pregnancy. […]

(Nashville Banner, 20.07.2025)

Samstag, 28. Juni 2025

Kirche und CDU auf der falschen Seite

Immerhin wird die massive Welle der anti-queeren Politik in der Welt und die massive Zunahme der Gewalt gegen Queere inzwischen in den Medien thematisiert.

Natürlich gehöre ich auch zu den Vertretern der GenX, die das Thema für fast erledigt hielten, nachdem in unserer Jugend doch so viel Fortschritte gemacht wurden. Ich bin zwar grundsätzlich pessimistisch, hatte aber nicht erwartet, daß ausgerechnet die Jugend in Deutschland so schwulenfeindlich wird.


Schade, ich hatte tatsächlich mal gehofft, es wäre allgemein erkannt worden, daß Misogynie, Queerphobie, Rassismus, Antiziganismus, Antisemitismus keine Spezialthemen sind, die nur eine kleine Gruppe von Menschen betreffen, sondern uns alle angehen. Ich muss doch keine Frau sein, um zu erkennen, wie falsch Femizide oder Genitalverstümmelung sind. Ich muss doch nicht schwarz sein, um mich gegen Rassismus zu engagieren. Ich muss nicht versklavt sein, um Sklaverei zu verachten.

Aber nein, die Gespenster sind zurück. In vielen Bundesländern wählen große Mehrheiten Parteien mit menschenfeindlicher Agenda.

[….] Die Regenbogenfahnen in den „Pride“-Monaten des Sommers gehören längst zu Deutschlands innerer Ordnung, sie sind eine demokratische und für manche recht einträgliche Sause, bei der vom FC Bayern bis zum Spielzeugbauer Lego so ziemlich alle mitmachen. Der Feiertag mit dem Kurznamen CSD ist eine Institution, vertraut wie Omas Kirschholzwand. Dachte man. Die Gegenwart sieht etwas weniger rosig aus. In Regensburg musste der Umzug zum Christopher Street Day abgekürzt werden, nach einem Drohschreiben. In Gelsenkirchen sagte ein queerer Jugendtreff den Marsch ganz ab. Anschlagswarnung. In Pforzheim tauchten Neonazis auf. Im brandenburgischen Bad Freienwalde griffen Maskierte mit Quarzsandhandschuhen und Stöcken ein Fest für Vielfalt an. Die Polizei? Hatte wohl Wichtigeres zu tun. Im malerischen Wernigerode soll ein 20-Jähriger gedroht haben, er werde zum CSD Leute abknallen, 70 Schuss habe er noch. In seinem Tresor fanden Ermittler Schreckschusswaffen und rostige Munition. Im sächsischen Bautzen rückten schon im vergangenen Jahr Hunderte brüllender Neonazis gegen eine CSD-Parade auf. Jetzt hat die Jagdsaison 2025 begonnen.

Es darf also mal vorsichtig gefragt werden, wo die Reise eigentlich hingeht in einem Land, in dem die Verfassung allen möglichen Minderheiten Schutz garantiert, aber mit Schlägen und Beleidigung zu rechnen hat, wer sich mit Schwulen und Lesben auf die Straße wagt, gerade in kleineren Städten und auf dem Land.  […..]

(Constanze von Bullion, 26.06.2025)

Anständige Menschen, anständige Vereine, anständige Partei positionieren sich jetzt.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Fiedler (*1973), Kriminalhauptkommissar, war von 2018 bis 2021 Vorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter sowie von 2014 bis 2021 dessen Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, zeigte mit seinen Regenbogen-Fingernägeln und einer wunderbaren Rede im Bundestag, wie es geht.

CDU und CSU schlagen sich hingegen auf die Seite der Aggressoren und Hasser, wettern gemeinsam mit den Nazis von der AfD gegen Queere. An der Spitze die homophobe Nummer Zwei im Staat – Julia Klöckner. Zum Mitschämen!

Da möchten auch die Kirchen mit ihrer radikal amoralischen Geschichte nicht fehlen und schlagen sich auf die falsche Seite.

[…] Christliche Fundamentalisten treffen sich während des CSD in der Matthäuskirche

Kritiker verweisen auf die diskriminierende Haltung beteiligter Gruppen gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen. Die evangelische Kirche überlässt den Veranstaltern nicht nur eines ihrer wichtigsten Häuser – hochrangige Kirchenmänner treten dort sogar auf. […] Viele der beteiligten Gruppierungen seien „Teil eines global nach Macht strebenden christlich-fundamentalistischen Netzwerks“. Es gehe ihnen um die „christliche Vorherrschaft“.  Die Kirche, in der die meisten Veranstaltungen des Treffens stattfinden, ist nicht irgendein Gotteshaus. Sankt Matthäus ist die Haupt- und Bischofskirche der lutherischen Protestanten in Bayern. Und der evangelische Geistliche, der bei der Eröffnung am Freitagnachmittag dabei sein wird, ist nicht irgendein Pastor. Thomas Prieto Peral ist Regionalbischof im Kirchenkreis Schwaben-Altbayern, einer der ranghöchsten Repräsentanten der evangelisch-lutherischen Landeskirche.

Als im sich vergangenen Jahr evangelikale Gruppierungen Ende Juni in der Münchner Olympiahalle trafen, hatte Prieto Peral den LGBTIQ-feindlichen Hauptredner der „Glaubenskonferenz“ noch als „Spalter“ bezeichnet und selbst ein Grußwort beim Münchner Christopher Street Day gesprochen. Am heutigen Freitag besucht der Regionalbischof dagegen das Treffen in der Matthäuskirche. Damit unterstütze er „Netzwerke, über die diese ‚Spalter‘ weiter an Einfluss gewinnen. Wie passt das zusammen?“ fragt Fundi-Watch in einem offenen Brief. […] […] An dem Treffen in der Münchner Matthäuskirche und im Haus des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) sind auch Freikirchen beteiligt, die keine Probleme damit haben, wenn auf einer ihrer Veranstaltungen unter dem Jubel der Gläubigen eine neue Bücherverbrennung gefordert wird: „Bücher, die falsche Lehren verbreiten, Bücher, die falsche Theologie verbreiten“. Oder wenn ein anderer Prediger offen Geschichtsrevisionismus betreibt: „I want Deutsche to be proud of being Deutsche. Who cares about history?“ […]

(Martin Bernstein, 27.06.2025)

Samstag, 21. Dezember 2024

Abschied vom Humanismus

Mordlust, Sklaverei, Judenhass, Vergewaltigungen, Rache, Frauenverachtung, Sex mit Kindern, Brutalität, Prügelstrafen – all das gehört zu den „Werten“ der primitiven Hirtenkulturen, die sich (wenig überraschend) in den Regeln der Bibel finden. Im Alten Testament ist es der eifersüchtige und zutiefst sadistische Rachegott, der nicht nur Ungläubige massakrieren lässt, sondern von seinen Anhängern auch verlangt, ihre eigenen Kinder zu töten.

Die Brutalität und der Menschenhass der Bibel sind so bestialisch, daß sogar die christlich-konservativen Texaner das Buch verbieten.

[….] Welche Bücher Kinder und Jugendliche in texanischen Schulen ausleihen können, darüber tobt in dem US-Bundesstaat schon länger ein Kulturkampf. Beispielsweise flog vor rund einem Jahr ein Comic aus den Schulbibliotheken, weil dieser einen Kuss zwischen jungen Menschen zeigt – eine frühere Schülerin behauptete, das Werk habe sie in die Pornosucht getrieben.

Zu der Zeit trat auch ein Gesetz mit Namen HB 900  in Kraft, unterzeichnet vom republikanischen Gouverneur Greg Abbott: »Ein Anbieter von Bibliotheksmaterial muss eine kontextuelle Analyse des Materials vornehmen, um festzustellen, ob das Material sexuelles Verhalten in einer Weise beschreibt, darstellt oder darstellt, die offensichtlich anstößig ist«, heißt es darin. [….] Nicht darunter fallen dürfte nach Ansicht vieler Verfechter des Gesetzes wohl das bekannteste aller Bücher – die Bibel. Dass HB 900 darauf anwendbar sein könnte, fiel allerdings nun dem Leiter eines Schulbezirks auf: In einer E-Mail an Eltern schrieb Darryl Flusche aus dem Canyon Independent School District, das Gesetz erlaube es nicht, den vollständigen Text der Bibel zur Verfügung zu stellen. Bücher mit »sexuell explizitem Inhalt« seien den Bestimmungen zufolge nicht mehr erlaubt. [….] Dass sich im Anschluss daran die texanische Politik eingeschaltet haben muss, legen die lokalen Medienberichte ebenfalls nahe. [….] »Nachdem wir vom Abgeordneten Patterson eine Klarstellung bezüglich des Bibliotheksinhalts erhalten hatten, haben wir die Richtlinien neu bewertet.« Die Bibel sei nun in allen Bibliotheken des Schulbezirks verfügbar. [….]

(SPON, 21.12.2024)

Pfaffen reden sich an dieser Stelle gern mit Jesus heraus. Mit ihm sei etwas Neues gekommen. Nächstenliebe und Friede. Das Alte Testament sei zwar etwas harsch, aber mit dem Neuen Testament, kämen die christlichen Überzeugungen.

Klingt ganz gut, weil das Christentum erst mit dem Juden Jesus entstand und er insofern ein Religionsstifter war. Aber das ist Augenwischerei, da Jesus, Gott und der HeiGei eins sind. Die zutiefst menschenverachtenden Aussagen des AT finden sich auch im NT, werden nicht nur von Jesu Jüngern, sondern auch von ihm selbst gefordert.

Ephesians 5:22-24   Wives, submit to your husbands as to the Lord. For the husband is the head of the wife as Christ is the head of the church, his body, of which he is the Savior. Now as the church submits to Christ, so also wives should submit to their husbands in everything.

Exodus 21:20-21     If a man beats his male or female slave with a rod and the slave dies as a direct result, he must be punished, but he is not to be punished if the slave gets up after a day or two, since the slave is his property.

1 Peter 2:13 Submit yourselves for the Lord’s sake to every authority instituted among men.

2:18   Slaves, submit yourselves to your masters with all respect, not only to those who are good and considerate, but also to those who are harsh.

Leviticus 25:44-45

          Your male and female slaves are to come from the nations around you; from them you may buy slaves. You may also buy some of the temporary residents living among you and members of their clans born in your country, and they will become your property.

 

Der im 21. Jahrhundert weiterhin anhaltende Bibel-Hype, liegt darin begründet, daß sie gekauft und stolz präsentiert, jedoch nicht gelesen wird. Gläubige Christen wissen nicht, was in dem Buch steht, an das sie so stark glauben.

Das „Quran Project“, bei dem Youtuber einen Koran-Umschlag um die Bibel wickeln und empörten Christen die vermeidlichen Koran-Texte vorlesen, wurde tausendfach überall in der christlichen Welt wiederholt. Christen reagieren schockiert und verlangen ein Koran-Verbot, wenn sie Jesu‘ Worte hören, die sie für den Koran halten. Unnötig zu erwähnen, daß Muslime den Koran genauso wenig kennen, wie Christen die Bibel.

Mt 5; 21-22 (Hölle für Beleidigung) Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, der soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder der seinem Bruder auch nur zürnt soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.

Mt 10; 14 (Vernichtung bei Abweisung von Missionaren) Wenn man euch aber in einem Haus oder in einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg und schüttet den Staub von euren Füßen. Amen, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorra wird es am Tage des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.

Mt 10;34 (Aufruf zu Unfrieden) Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.

Mt 12; 35 (Nur gute und böse Menschen) Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil er Gutes in sich hat, und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil er Böses in sich hat.

Mt 13; 37 (Gleichnis vom Sämann, Menschen als Unkraut) Er antwortete: Der Mann der den guten Samen säht, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut, das sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei der Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt.

Mt 15; 22 (Mitleid nur mit Israeliten) Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr Du Sohn

Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine

Jünger zu ihm und baten: Befreie sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

Mt 25; 41-42 (Ewige Hölle für unterlassenen Hilfe) Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist.

Denn ich war hungrig und ihr habt mir nicht zu essen gegeben; ...

Hebr 12; 6 (Züchtigung ist Liebe) Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat.

Eph 5; 22 (Nachrangige Stellung der Frau) Ihr Frauen, ordnet euch den Männern wie dem Herrn (Christus); denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; ...

2. Thess 1; 6--10 (Unverhältnismäßige Strafe, Vergeltung)

Denn es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, denen mit Bedrängnis zu vergelten, die euch bedrängen, euch aber, den Bedrängten zusammen mit uns Ruhe zu schenken, wenn Jesus, der Herr, sich vom Himmel her offenbartmit seinen mächtigen Engeln in loderndem Feuer. Dann übt er Vergeltung an denen, die Gott nicht kennen und dem Evangelium Jesu, unseres Herrn, nicht gehorchen. Fern vom Angesicht des Herrn und seiner Macht und Herrlichkeit müssen sie sein, mit ewigem Verderben werden sie bestraft,..

Joh 3; 8 (Teufel) Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an.

Offb 21; 8 (Hölle für diverse Vergehen)

Aber die Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und die Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner - ihr Los wird der See von brennendem Schwefel sein. Dies ist der zweite Tod.

Offb 4-20; ( Dies ist eine einzige Orgie von Gewalt und Machtphantasien. Selbst nachzulesen)

Religion funktioniert nur mit dummen, oder zumindest desinteressierten Menschen.

Wer die Bibel, den Koran aufmerksam liest, wer in der Kirche oder der Moschee wirklich genau zuhört, wird zwangsläufig zum Atheisten.

Mk 16;16 (Verdammung Ungläubiger) Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet, wer aber nicht glaubt, wir verdammt werden.

Mk 16; 17 (Exorzismus) Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden;

Röm 1; 28-32 (Diffamierung Ungläubiger, Verurteilung zum Tod) Und da sie sich weigerten, Gott anzuerkennen, lieferte sie Gott einem verworfenen Denken aus, so dass sie tun was sich nicht gehört: Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen. Sie erkennen, dass Gottes Rechtsordnung bestimmt: Wer so handelt verdient den Tod...

Hebr 10; 31 (Furchtbarer Gott) Es ist furchtbar in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.

Es brauchte 200 Jahre Aufklärung, um humanistische Werte gegen den erbitterten Widerstand der Christen durchzusetzen. Aber die Christliche-Konservativen gaben nie auf, kämpfen auch heute noch mit aller Macht gegen Gleichstellung, Frauen-, Trans- oder Schwulenrechte. Sie wollen ihre Kinder schlagen, ihre Frauen vergewaltigen und nach Herzenslust diskriminieren. Und sie schaffen es, das Rad zurück ins Mittelalter zu drehen.

Da nehmen sich Trump und Merz nicht viel. Beide firmieren schließlich ausdrücklich als Christen in der Politik, werden von Christen gewählt.

[…] Kritisch hat Donald Trump der LGBTQ-Gemeinde schon immer gegenübergestanden. Während des Wahlkampfes hat bei Trump und seinen republikanischen Kollegen die Ablehnung aber neue Dimensionen angenommen. Besonders hart wird das Misstrauen des künftigen US-Präsidenten Transgender-Menschen treffen. Nicht-binäre Menschen müssen sich darauf einstellen, dass ihnen die Krankenversicherung gestrichen wird. Zudem will Trump Schulen und Universitäten, die Geschlechtsumwandlungen dulden, den Geldhahn abdrehen. Eine Flut von Zivilprozessen, die bis zum Obersten Gerichtshof gehen könnten, erscheint unvermeidlich. [….] Trumps Kampfansage an Transgender-Menschen würde auch Empfänger staatlicher Sozialleistungen treffen. Sowohl Medicare (die Gesundheitsvorsorge für Rentner) als auch Medicaid – die Krankenversicherung für ärmere Haushalte – finanzieren seit zehn Jahren einige Behandlungen für nicht-binäre Personen. Zudem verbietet der Affordable Care Act (ACA) – auch als Obamacare bekannt – die Diskriminierung von Transgender-Personen. Davon aber lässt sich Trump nicht beirren. Er will durchsetzen, dass die staatlichen Versicherungsprogramme sämtliche Behandlungen, die Geschlechtsumwandlungen fördern, einstellen. [….]

(Peter deThier, FUNKE Medien, 21.12.2024)

Trumps deutsche Fans bei den Christenparteien, also insbesondere Linnemann, Spahn und Scheuer, adaptieren den gruppenbezogenen Menschenhass, der sich sowohl in ihrer Religion, als auch im Trumpismus wiederfindet, inzwischen soweit, daß sie Menschenrechte nicht nur beim Asylrecht abschaffen wollen, sondern generell zur Disposition stellen.

[….] Ein Austritt Deutschlands aus der Europäischen Menschenrechtskonvention: Im Gespräch mit der britischen Zeitung "The Times" hält der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn das für ein denkbares Szenario. Aus seiner Sicht müsse die Konvention einen "gewissen Nutzen" für Deutschland haben.  […..]

(Monitor, 20.12.2024)

Rechte sollen nur für christliche weiße Cis-Männer gelten. Wie schon bei Jesus.

1. Kor 6; 22 (Fluch) Wer den Herrn nicht liebt, der sei verflucht!

1. Kor. 7; 20-21 (Sklaverei) Jeder soll in dem Stand bleiben, in dem ihn der Ruf Gottes getroffen hat. Wenn Du als Sklave berufen wurdest, soll dich das nicht bedrücken. Auch wenn Du frei werden kannst, lebe lieber als Sklave weiter.

1 Kor 11; 7-9 (Rang der Frau) Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.

Hebr 10; 26-29 (Todesstrafe für Abfall vom Glauben) Denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, gibt es für diese Sünden kein Opfer mehr, sondern nur die Erwartung des furchtbaren Gerichts und ein wütendes Feuer, das die Gegner verzehren wird. Wer das Gesetz des Mose verwirft, muss ohne Erbarmen auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen hin sterben. Meint ihr nicht, dass eine noch viel härtere Strafe der verdient, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten, das Blut des Bundes, durch den er geheiligt wurde, verachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?

Donnerstag, 29. Juni 2023

Eins Komma Fünf Millionen weniger

Der ZdK-Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Söding hatte heute die eher unangenehme Aufgabe, sich im Morgenmagazin Dunja Hayali zu stellen, die ein paar Antworten zu den neuesten Mitgliedszahlen stellte.

Der prominente Exeget hatte es mit den schlimmsten Zahlen der Katholischen Kirchengeschichte zu tun.

522.821 zahlende Mitglieder nahmen im Jahr 2022 aktiv ihren Hut. Damit trat nahezu jede Minute ein Mensch aus der Katholischen Kirche aus.

[….] Insgesamt 522 821 Katholikinnen und Katholiken haben der Kirche im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt, teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn mit. Im bisherigen Rekordjahr 2021 waren es 359 338 Menschen.

Rechnet man Todesfälle mit dazu, hat die katholische Kirche deutschlandweit 763 000 Mitglieder verloren. Auf der Haben-Seite stehen rund 160 239 Eintritte durch Taufe, Übertritt oder Wiederaufnahme. Damit gehören noch 20,9 Millionen Menschen der katholischen Kirche an, das entspricht 24,8 Prozent der Bevölkerung. [….]

(Annette Zoch, 29.06.2023)

Sogar im frommen Bayern sagten 153.586 Mitglieder der Kirche Byebye.

380.000 Menschen verließen 2022 lebendig die Evangelische Kirche, hinzu kommen 365.000, die tot ausfielen.

Zusammen mit den katholischen Kollegen, konnten die deutschen Kirchen also allein im Jahr 2022 rund 1,51 Millionen Menschen aus ihren Mitgliedslisten streichen.

Man könnte also annehmen, daß Zentralkatholik Söding einen Funken Zerknirschung oder Besorgnis bei seinem Fernsehauftritt zeigen würde. Schließlich zerbröselt sein Lebenswerk gerade vor seinen Augen. Seit Jahrzehnten brütet er über der Bibel, verfasste viele Dutzend Bücher zum Thema, engagiert sich rund um die Uhr für den katholischen Glauben und im Rentenalter angekommen, zeigen ihm gleich 763.000 Katholiken auf einmal den Mittelfinger.

Aber weit gefehlt. Der 67-Jährige Familienvater verzog nicht einmal das Gesicht, gab sich tiefenentspannt. Schließlich verzeichneten alle großen Organisationen Schwund. Dazu kämen auch hausgemachte Probleme bei den Katholiken, aber daran arbeite man ja jetzt und werde sich ändern. Den 523.000 Ausgetretenen hatte er nichts zu sagen, kein Wort des Verständnisses oder Bedauerns. Dabei ist Söding noch nicht mal einer der Oster-Ackermann-Heße-Woelki-Fraktion, über den man sich ärgern würde. Er wirkt ganz nett, leidet nur ganz offensichtlich unter völligem Realitätsverlust, wenn er ernsthaft annimmt, man sei auf einem „guten Weg“ und demnächst strömten die Menschen wieder in Scharen in die RKK.

Als Atheist kann ich nur DANKE sagen!

Die katholischen Geistlichen arbeiten weiterhin aktiv daran, die Mitglieder immer schneller zu verjagen und die katholischen Laien scheinen alle auf Valium zu sein.

Ich habe also keinen Grund, zu befürchten, die Kirche könnte sich wirklich ändern und wieder attraktiver werden.

Sicher, die Weltkirche wächst stark, aber nur dort, wo Armut, Unbildung und Doofheit herrscht. Je höher das Bildungsniveau einer Gesellschaft, desto mehr Menschen wenden dem Religiotismus den Rücken zu.

Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang, daß noch nicht einmal gewaltige Großkrisen wie Krieg, Corona und Klimakollaps etwas daran ändern.

Schließlich nehmen die Kirchen für sich in Anspruch, Trost zu spenden, für die Seelsorge prädestiniert zu sein.

Pandemie, Hyperinflation, Atomkriegsangst, Russischer Überfall auf die Ukraine am 24.02.2022.

Mehr Apokalypse in einem Jahr war bisher kaum denkbar – was sollten das für goldene Zeiten für eine jenseitige Organisation sein, die „sinnstiftend“ die Antworten zu geben meint, die Wissenschaft oder Politik nicht kennen.

Aber weit gefehlt. Obwohl es dermaßen krachte, zog es die Menschen eben nicht auf der Suche nach Trost in die Gotteshäuser, sondern auf die Bezirksämter, um den Pfaffen die rote Karte zu zeigen.

Mutmaßlich wird der Ausstiegstrend immer stärker werden, da die verbissen an ihren Privilegien und Reichtümern festhaltenden Kleriker ganz offensichtlich außerstande sind, zu begreifen, wieso sie so verdammt unsympathisch sind.

[…] Nach Einschätzung des Religionssoziologen Ebertz befindet sich die Kirche in einem Teufelskreis. Die Gründe dafür, dass die Mitglieder in Scharen wegliefen, verstärkten sich gegenseitig und führten zu einer Abwärtsspirale, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Mitgliederschwund beginne mit immer knapper werdenden personellen und finanziellen Ressourcen, wodurch die Qualität der kirchlichen Angebote leide.

Die Führungsriege habe keine positive Idee, wie die Kirche in der Zukunft aussehen solle, sagte Ebertz. Stattdessen bekämpfe man sich gegenseitig auf offener Bühne und spreche sich das Katholischsein ab. Zudem schaffe es die katholische Kirche nicht, die Menschen, die ein Interesse an ihren Angeboten haben, einzubinden, sagte er.  Diese Probleme allerdings sehe man in der katholischen Kirche gar nicht, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftige. Ein Blick von außen, der dringend notwendig sei, sei unerwünscht, kritisierte Ebertz. Die Kirche sei wie ein Karussell, das sich immer weiterdrehe, und niemand sehe die Menschen, die draußen stünden und mitfahren oder es erneuern wollten.  […]

(Kirche und Leben, 29.06.2023)

Also noch einmal, Danke, Danke, Danke Woelki, Ackermann, Marx, Gänswein, Bergoglio – Ihr schaltet Euch zuverlässig selbst den Saft ab.

Gut so, denn das Produkt, das Ihr immer noch zu verkaufen versucht, ist nicht zu retten. Dafür müsste man erst einmal den Katechismus und die Bibel wegwerfen.

Welcher Mensch des Jahres 2023, der auch nur über Verstandesrudimente verfügt, soll denn für solche „Heiligkeiten“ zahlen?

1.Samuel 18,27

Da machte sich David auf und zog hin mit seinen Männern und erschlug unter den Philistern zweihundert Mann. Und David brachte ihre Vorhäute dem König in voller Zahl, um des Königs Schwiegersohn zu werden. Da gab ihm Saul seine Tochter Michal zur Frau.

Lukas 14,26

Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern, dazu auch sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein.

Richter 19,29

Als er nun heimkam, nahm er ein Messer, fasste seine Nebenfrau und zerteilte sie Glied für Glied in zwölf Stücke und sandte sie in das ganze Gebiet Israels.

Hesekiel 23,20

Wieder packte sie die Gier nach ihren früheren Liebhabern, deren Glied so groß war wie das eines Esels und die so brünstig waren wie ein Hengst.

Psalm 137,9

Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert!

1.Petrus 2,18

Die Sklaven sollen sich voll Ehrfurcht ihren Herren unterordnen, nicht nur den gütigen und freundlichen, sondern auch den unberechenbaren.

Tröstende Worte, vor allem für Sklavenbesitzer.

2.Mose 35,2

(...) Am siebenten Tag (...) sei für euch Sabbat, ein Ruhetag, heilig dem HERRN. Wer an diesem Tag arbeitet, soll sterben.

5.Mose 25,11-12

Wenn zwei Männer in Streit geraten sind und die Frau des einen kommt ihrem bedrängten Mann zu Hilfe und packt den andern bei den Hoden, dann dürft ihr kein Mitleid mit ihr haben; ihr müsst ihr die Hand abhacken.

4.Mose 31,17

Tötet alle Kinder, die männlichen Geschlechts sind, und alle Frauen, die schon mit einem Mann Verkehr gehabt haben!

Matthäus 10,34

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

Montag, 27. Februar 2023

Der mühsame Fortschritt aus der christlichen Umklammerung

Deutschland ist, wie fast alle anderen Europäischen Länder, natürlich eine christliche Nation. In dem Sinne, daß die christliche Kirche rund 1.500 Jahre allein ihre Wertvorstellungen durchdrücken konnte und damit auch ihre intoleranten anti-humanistischen Vorstellungen einer primitiven Hirtenkultur in das weltliche Recht einpflegte. 

Sklaverei, insbesondere in der deutschen Form der Leibeigenschaft, mit dem netten christlichen „Ius prima Noctis“, also dem Recht des Lehensherrn, bei jeder Eheschließung zuerst mit der Frau zu kopulieren, wurde erst im Zuge der Aufklärung im frühen 19. Jahrhundert abgeschafft. Im Königreich Bayern 1808, im Königreich Hannover 1833, im Großherzogtum Hessen 1813, Fürstentum Lippe 1809, Herzogtum Oldenburg 1814, Preußen 1811, Sachsen 1832, usw.

Das Frauenwahlrecht konnten die Kirchen bis 1918 verhindern.

Die Nürnberger Rassegesetze endeten erst 1945 mit dem Sieg der Alliierten über Deutschland. Volle Bürgerrechte bekamen deutsche Juden mit dem Grundgesetz 1949.

Und mit unserer wunderbaren deutschen Verfassung durften Frauen weder ohne Zustimmung des Mannes eine Arbeitsstelle annehmen, noch ein Konto eröffnen. Sie durften sogar in der Ehe straflos vergewaltigt werden.

Wussten Sie, [….] dass eine Ehefrau bis in die 50er Jahre hinein nicht ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten durfte? Unglaublich, aus heutiger Sicht, dass wir diese Rechte erst seit ein oder zwei Generationen besitzen. Denn für uns sind das Recht auf Arbeit sowie das Wahlrecht mittlerweile selbstverständlich.  [….] Die Möglichkeit zu arbeiten und selbst über das eigene Leben zu entscheiden war in der Jugend unserer Eltern und Großeltern noch alles anderes als selbstverständlich. Großmutters Satz "Das hätte es früher nicht gegeben!" ist in vielen Fällen leider traurige Wahrheit.

So galt bis Ende der 50er Jahre das "Letztentscheidungsrecht" des Ehemannes in allen Eheangelegenheiten. Und dieses Recht hatte es in sich: Beruf, Führerschein, Kindererziehung, eigenes Geld und Konto - all das wurde per Gesetz zu Gunsten des Mannes geregelt. So hatte der Ehemann das Recht, über das Geld seiner Ehefrau frei zu verfügen. Und das betraf nicht nur ihr Einkommen, sondern auch das Geld, das sie mit in die Ehe gebracht hatte. Frauen konnten noch nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen. Der Mann konnte sogar den Job seiner Frau ohne deren Zustimmung kündigen.

Diesen Missständen wurde erstmals am 1. Juli 1958 begegnet, als das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf Grundlage des bürgerlichen Rechts in Kraft trat. Mit dem neuen Gesetz wurden unter anderem die Vorrechte des Vaters bei der Kindererziehung eingeschränkt. Es sollte jedoch noch bis zum Jahr 1977 dauern, bis Frauen ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein durften und es keine gesetzlich vorgeschrieben Aufgabenteilung in der Ehe mehr gab.

[….] Frauen durften  [….]  bis 1958 nur dann ihren Führerschein machen, wenn ihr Mann oder ihr Vater die Erlaubnis dazu erteilte.

(Go feminin)

(Ungleichzeitige Entwicklungen, 21.06.2016)

Der Paragraph 175, mit dem Myriaden Männer ins Gefängnis geschickt wurden, weil sie sich verliebt hatten, wurde 1969 gelockert und erst am  11. Juni 1994 gestrichen. Erbärmlich!

Die Prügelstrafe verschwand in den 1970ern; als letztes Bundesland setzte Bayern das Verbot, Kinder grün und blau zu schlagen, im Jahr 1983 um. Schweren Herzens, denn die Bibel fordert ausdrücklich, seine Kinder zu prügeln.

Das Recht, seine Ehefrau straffrei zu vergewaltigen, wurde sogar erst 1997 gegen die Stimmen der meisten CDUCSU-Abgeordneten, zB Friedrich Merz, verändert.

Es dauerte bis 2017, als endlich die in der Bibel verdammten Homosexuellen heiraten durften.

Es ist noch Luft nach oben. Immer noch blockieren Wahnvorstellungen von der männlichen Superiorität und der apokalyptischen „macht euch die Erde unteran“-Haltung den Humanismus.

So wie wir uns heute dafür schämen, erst so spät begriffen zu haben, daß man Menschen nicht dafür, wen sie lieben, ins Gefängnis steckt, oder aufgrund ihrer Genitalien Rechte vorenthält, werden uns in 100 Jahren unsere Nachfahren (sofern wir uns bis dahin nicht ausgerottet haben) dafür verachten, was wir im Jahr 2023 immer noch nicht erkannten.

Es stehen noch viele Trans- und Queerenrechte aus, der Ehebegriff muss erweitert werden, selbstverständlich darf ein Menschen nicht mehr gegen seinen Willen gezwungen werden, unter grauenvollen Schmerzen am Leben zu bleiben. Das Recht auf Suizid muss genau verankert werden, wie die Genitalverstümmelung an Babys illegal werden wird. Man wird sich fassungslos fragen, wie es legal und kostenlos sein konnte, die Umwelt zu zerstören und Tiere in gigantischen Zuchtbetrieben und erbärmlichen Bedingen turbomäßig zu mästen und zu schlachten.

Das deutsche Recht hat noch viel Nachhilfebedarf.

Zum Beispiel dürfen Brüder in Deutschland Sex miteinander haben. Es dürfen Schwestern miteinander Sex haben. Verboten ist aber Sex zwischen Bruder und Schwester. Hier ist tatsächlich heterosexueller Verkehr juristisch schlechter als Homosexueller gestellt. Absurd. Das Inzest-Tabu gehört abgeschafft.

Alle Regelungen, die das Sexualleben erwachsener Menschen von einer vorgeblich höheren moralischen Position aus reglementieren, gehören abgeschafft. Auch der individuelle Drogenkonsum gehört liberalisiert.

Eine höchst abstruse Regelung, der Paragraph 2018, betrifft ebenfalls das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Es ist aber ein Kernanliegen der Kirchen und der Konservativen, Frauen, das Recht über ihren eigenen Körper, vorzuenthalten.

Das ist schon deswegen absurd, weil es die Kirche nichts angeht und keine Christin gezwungen wird, abzutreiben. So wie auch kein Christ durch die „Homoehe“ 2017 gezwungen wurde, seine heterosexuelle Ehe in eine Homosexuelle umzuwandeln.

If you don't believe in gay marriage, you're a dickhead. Because its got nothing to do with you...If you hate gay marriage you know what you should do? Don't marry a gay person.“

(JJ, 2014)

Bei der Frage der Schwangerschaftsunterbrechung wird es aber doppelt absurd, weil die Frauenfeinde aus Kirche und C-Parteien, das Argument vorschieben, sie wollten das Leben an sich schützen, also weniger Abtreibungen erreichen.

Dabei geht bei Liberalisierung der Abtreibungsrechte, die Zahl der Abtreibungen zurück, weil die Frauen nicht mehr unter Druck gesetzt werden.

Der §218 gehört genau wie der §219a ersatzlos gestrichen.

[…] Sind Abtreibungen bald nicht mehr strafbar?

Die Ampel überlegt, den Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Eine Kommission soll in Kürze die Entkriminalisierung durchspielen[…] Die Ampelkoalition hat sich vorgenommen, »Regulierungen für den Schwangerschaftsabbruch außerhalb des Strafgesetzbuchs« zu prüfen. So steht es im Koalitionsvertrag. […] Unter den Mitgliedern ist etwa die Vorsitzende des deutschen Juristinnenbundes, Maria Wersig. Ihr Verein hatte bereits ein Gutachten erstellt, in dem die Juristinnen feststellen, wie der Paragraf 218 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden könnte und anmerken, wie rückschrittlich das deutsche Recht in diesem Punkt ist.  [….]

(SPON, 27.02.2023)

Gegen eine Streichung des §218 gibt es erheblichen Widerstand aus den misogynen Kreisen – Kirche, AfD, CDU, CSU und Marco Buschmann.

Es wird aber wie beim Frauenwahlrecht oder der Leibeigenschaft doch irgendwann passieren. Mögen sich die Christen auch noch so sehr gegen Menschenrechte sperren.

Montag, 11. Oktober 2021

Unangenehme Antiquitäten.

Die USA als sehr junge Nation, die zudem auch noch ohne Adelsfamilien und Fürstenhäuser auskommen muss, sind fasziniert von Traditionen und Antiquitäten.

Mit Stolz, Ehrfurcht und Staunen betonen sie über 100 jährige Gebäude oder Firmen. Auf CNN gibt es ein tägliches Segment Brands that have thrived for 100 years, in denen diese uralten Unternehmen vorgestellt werden.

Meine Cousins in den USA verwenden mit großer Begeisterung, in Anlehnung an historische Beinamen, eine Nummerierung in römischen Ziffern. Das größte Unglück von Albert August I., der nach seinem Großvater benannt wurde und seinen Sohn Albert August II. genannt hat, besteht darin, daß sein Vater anders hieß. Anderenfalls wäre sein Sohn sogar schon ein Albert August IV. Der Vierte ist in den USA schon eine Menge.

In Europa existieren viele über 1000 oder gar 2000-jährige Städte. Hamburg existiert als Siedlung etwa 1.500 Jahre, das Erzbistum Hamburg wurde 832 gegründet. Wir sind also jung im Vergleich zu Aachen oder Augsburg, sogar sehr jung, wenn man auf Rom oder Athen blickt. Für US-Amerikaner sind 1.000 Jahre Geschichte hingegen eine nicht mehr geistig zu erfassende Ewigkeit.

In ihrer Begeisterung für Historisches betreiben Amerikaner einen bizarren Kult um alles, in dem man sich verewigt. High-School-Jahrbücher, oder College-Abschluss-Feiern und Fotos werden wie Reliquien verehrt.

In meinem Hamburger Gymnasium gab es irgendjemand, der ein „Abi-Heft“ zusammenstellte, aber dafür interessierte man sich wenig. Die Hälfte der Schüler ließ sich ohnehin nicht fotografieren und kümmerte sich nicht um die Nachwelt. Von mir gibt es natürlich auch keine Bilder und das Abi-Heft, das ich damals für 2 DM erwarb, habe ich längst verloren.  An der Uni existierte der Gedanke gar nicht erst. Dort wurde niemals ein Gruppenbild gemacht oder eine Jahreschronik erstellt.

Man kennt es aber aus US-amerikanischen Serien; da läuft es ganz anders. Sogar im lokalen Fast Food-Shop gibt es eine Tafel mit Mitarbeitern des Monats und eine Ahnengalerie der Chefs.

Bei der allgegenwärtigen Rückbesinnung auf die nationale Geschichte, stößt man überall auf Verewigungen früherer Chefs, Firmeninhaber, Präsidenten. Vielfach auf Portraits, aber eben auch auf Geldscheinen, in Monumenten und Statuen.

Diese Galerien all der früheren Dekane an Universitäten oder Chefärzte in Krankenhäusern, sollen die jungen Amerikaner, die dort lernen, inspirieren. Gebannt kann man auf die Großen gucken, die vor einem waren und an die sich die Nachwelt ehrfürchtig erinnert.

Allerdings gilt das nur für weiße Männer.

Denn nahezu alle Ahnen der USA waren weiße, rassistische Männer. Frauen oder gar Dunkelhäutige existieren so gut wir nirgends als sichtbare Vorbilder. Eine subtile und perfide Methode, um kleinen Mädchen oder schwarzen Schülern zu zeigen, wo schon mal nicht ihr Platz sein soll: An der Spitze. Statuen werden nur für weiße Männer erreichtet, die zudem sagenhaft reich, aber möglichst auch Waffennarren und Sklavenhalter waren. Die Andrew-W.-Mellon-Stiftung hat in ihrem MONUMENTS PROJECT die US-amerikanischen Statuen und Standbilder ausgewertet.

[…..] Noch immer stehen 59 [Statuen des Sklaverei-Verfechters] Robert E. Lees in den USA herum. Und sie sind in guter Gesellschaft. Fast 50 000 Statuen sind in verschiedenen Datenbanken erfasst und in historischen Dokumenten erwähnt:[…..]  Fast alle Menschen, denen die Vereinigten Staaten ein Denkmal setzen, sind weiß, fast alle männlich, fast alle waren reich, viele haben eine Waffe in der Hand. Zu den 50 am häufigsten vertretenen Personen gehören elf Präsidenten und zwölf Generäle, darunter auch Lee. Am häufigsten zu sehen: Abraham Lincoln, George Washington und Christopher Columbus, der nie einen Fuß auf das nordamerikanische Festland setzte und dort heutzutage eine enorm umstrittene Figur ist. Die Hälfte der Personen auf der Top-50-Liste versklavte Menschen. Mehr als ein Drittel war in reiche Familien hineingeboren. Mehr als drei Viertel besaßen Land. Nur fünf sind nicht weiß. Gerade einmal drei Frauen schaffen es unter die ersten 50. […..] 

(Süddeutsche Zeitung, 10.10.2021)

Samstag, 3. Juli 2021

Multi-Trigger

Es ist inzwischen eine Binsenweisheit: Die Konservativen in den USA haben mit Donald Trump die letzten Rudimente ihrer Programmatik über den Haufen geworfen.

Amerikaner töten, an Russland ranwanzen, die NATO lächerlich machen, mit Kim Yong Un kuscheln, Staatsdefizit in nie dagewesene astronomische Höhen treiben, Sex-und Pornoskandale, öffentliche Untreue, Freihandelsabkommen kündigen und den Warenverkehr mit immer neuen Zöllen blockieren – all das waren über Jahrzehnte die in Stein gemeißelten Todsünden republikanischer Politik.

Nun bejubeln sie all das, weil es ihr Führer tut.   Rechte kennen keine Sachpolitik mehr, sondern nur noch Hass auf die anderen.  Es muss also das getan werden, was Linke/Demokraten/Liberale nicht wollen.

Europäische Autokraten kopieren diese politisch (leider) erfolgreiche Strategie der Dekonstruktion. Es wird keine aufbauende Idee mehr präsentiert, keine Zukunftsplanung mehr entworfen, sondern nur noch rekapituliert, wogegen man ist, wen man hasst und was man zu verhindern trachtet.

Es ist nämlich einfacher Wähler zu gewinnen, weil man die gleichen Dinge hasst, als skeptische Menschen von einer positiven Idee zu überzeugen.

Wieso hassen aber FN-Franzosen, Pis-Polen, Fidesz/Jobbik-Ungarn, Tory/UKIP-Briten, AFD/Wagenknecht-Deutsche, GOP-Amis, AKP-Türken neuerdings so viel und offensiv?

Der Hass speist sich in fast allen Fällen aus Angst, Unwissenheit und gekränktem Selbstbewußtsein.

Die weltweite Bürgerrechtsbewegung hat den einst so stolzen Konservativen das Rückgrat gebrochen. Über Jahrhunderte konnten sie den Planeten durch Zufälle der Geburt (Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe) dominieren.

Nun wird aber die aus ihrer Sicht natürliche Überlegenheit in Frage gestellt, weil sie lästigerweise all die Menschen, die man immer ohne Gewissensbisse ausnutzen und ausbeuten konnte, respektieren sollen.

Frauen, Schwule, Schwarze, Migranten, Queere, Umweltaktivisten, Sklavenbefreier, Klimaschützer, Feministinnen, Humanisten, Tierschützer, Greenpeace, UNHCR, Robin Wood, Sea-Shepherd, Oxfam, AI, Ärzte ohne Grenzen, Sea-Watch, Extinction Rebellion, Kinderschutzbund, Zentralrat der Juden, SIPRI und viele andere mehr stehen für eine Bedrohung der alten konservativen Weltordnung.

Die Rechten haben Angst vor den Rechten der anderen.

Intellektuell hoffnungslos damit überfordert, sich auf eine multipolare Welt einzustellen, in der neben ihrem eigenen Lebensmodel nicht nur Weitere existieren, sondern man diese auch noch respektieren soll, reagieren sie mit angstbeißen.

Migranten, Schwule, Frauen und Kinder gab es natürlich schon immer. Aber über Jahrhunderte hatten die sich unterzuordnen und öffentlich nicht in Erscheinung zu treten.

GOPer in Texas und Alabama haben nicht unbedingt etwas gegen Latino-Migranten, wenn diese still und artig zu Hungerlöhnen hinter ihnen her putzen, auf den Feldern ernten und ihren Rasen mähen. So wie damals die afroamerikanischen Sklaven auf den Baumwollfeldern.

Wenn sie aber in den Colleges auftauchen, im TV sichtbar werden, Kino-Rollen übernehmen, in Parlament gewählt werden, es sogar zum US-Präsidenten bringen, herrscht bei den Rechten Alarmstufe Rot, weil jeder einzelne eine Bedrohung ihrer exklusiven Welt darstellt.

Das ist der Kern der #MAGA-Bewegung. Die USA soll wieder so werden wie 1950, als Bunte, Queere, Arme, Ausländer nichts zu sagen hatten.    Jede einzelne dieser Eigenschaften, die einen Menschen anders als den heterosexuellen, weißen, rechten, westlichen Mann machen, stellt einen eigenen Trigger dar, der erst Angst und dann Hass auslöst.   Kommen mehrere Trigger zusammen, können Konservative ihren Hass nicht mehr zügeln. Staatssekretärin Chebli ist ein Paradebeispiel dafür und regt CDU, CSU und AFDP fürchterlich auf.

(….)  Diese Leute, die David Bergers, NeverforgetNikis, Jürgen Elsässers, Hildmans, Kubischecks, Stürzenbergers, van Laacks, Lengsfelds verfügen über einen unendlichen Vorrat von Hass und Häme.    Die Hetze sprudelt jeden Tag wieder neu aus ihnen heraus und jeder kann ein Opfer dessen werden. Insbesondere auch diejenigen, mit denen sie eben noch Seite an Seite standen.   Die Hetze trifft aber nicht jeden gleich intensiv. Sie haben eine Handvoll „Lieblinge“, die sie über alle Maßen triggern, wenn nämlich viele verschiedene Trigger in einer Person vereint sind.

Zu den Personen, deren Namen nur erwähnt werden muss, um diese rechtsextremen Hetzer pawlowsch zu sabbern und knurren zu bringen gehören George Soros (reich, liberal, Jude, Trump-Gegner, Philanthrop), Claudia Roth (Grün, Frau, bunte Kleidung, LGBTI-freundlich, Menschenrechtsaktivistin), Sawan Chebli (SPD, Frau, Muslima, ärmliche Herkunft, Aufsteigerin), Anetta Kahane (Jüdin, links, Aktivistin, Einsatz für Migranten) und Greta Thunberg (jung, Frau, unangepasst, Klima).

Es sind also insbesondere Frauen, auf die neben den wirklich gefährlichen oben genannten Hetzern auch die bekannten publizistischen Figuren des rechten Randes der Demokratie, also Maaßen, Tichy, Matussek, Broder, Sarrazin, losgehen wie ein Knallfrosch im Nitroglycerin-Bad.

Das lässt sich zweifellos psychologisch mit einer tief verunsicherten Männlichkeit erklären; diese alten konservativen Männer fühlen sich bedroht, wenn eine Frau sich nicht gehorsam in die zweite Reihe einordnet, womöglich aus eigener Kraft gegen Widerstände Karriere macht und auch noch selbstbewußt auftritt.

(…..)  Sawsan Chebli, 40, geboren in Berlin, ist dafür ein Paradebeispiel.

Sie ist Tochter palästinensischer Flüchtlinge, die lange Zeit in Deutschland nur geduldet wurden und sich als Staatenlose vieler Rechte beraubt durchschlugen. Erst mit 15 Jahren bekam Chebli ihren ersten Pass – und damit die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit zehn Geschwistern hauste sie in einem Moabiter Zimmer; insgesamt waren sie 12 arme, ungebildete Kinder. Erst in der Schule hörte sie das erste mal deutsch. Die Chancen standen katastrophal schlecht.

Aber sie ist schlau. Was dann folgte ist nicht das typische Flüchtlingsschicksal:
1999 Abitur am Lessing-Gymnasium.

2004 Abschluss an der FU Berlin als Diplom-Politologin und Expertin für internationale Beziehungen.

2010 bis 2014 war sie Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport

2014 bis 2016 stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts.

2016 ist sie Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund.

2016 Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.

Man ahnt schon, Chebli passt nicht gut in Schubladen. Sie ist überzeugte Muslimin, aber säkular, trägt kein Kopftuch, macht Karriere als deutsche Beamtin. Sie engagiert sich in der SPD, tritt für Frauenrechte ein, hält aber ihr Privatleben radikal aus der Öffentlichkeit fern.    Im Vergleich zu vor Selbstbewußtsein platzenden Politikern des Schlages Spahn, Söder oder Altmaier ist sie scheu und unauffällig.

Aber im Gegensatz zu vielen deutschen Karrierepolitikerinnen ist sie nicht auf den Mund gefallen, vertritt ihre Meinungen auch dort wo es wehtut und inszeniert ganz gern mal ihren Erfolg.

Meiner Ansicht nach ist es das Normalste der Welt, daß eine Frau mit dem Hintergrund zwischen Zurückhaltung und Vorlautheit mäandert.   Ihre Kollegen sehen das scheinbar nicht so; sie wird leidenschaftlich gehasst dafür, daß man sie so schlecht einordnen kann.

[….] Viele ehemalige Kollegen verdrehen bei Erwähnung ihres Namens mindestens die Augen. Chebli erregt Misstrauen, Abneigung, Wut, Neid. Als sie vor eineinhalb Jahren als Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement ins Berliner Rote Rathaus wechselte, gingen bei ihr Morddrohungen ein. Im Netz wurde sie als "trojanisches Pferd der Muslimbrüder" bezeichnet und als "Migranten-Aschenputtel" beschimpft. [….]

(DER SPIEGEL, 13.07.2018)

Zu allem Übel ist die zierliche Staatssekretärin auch noch attraktiv und zieht sich gern sehr schick an.   Weißhaarige Alpha-Männer mit Testosteronüberschuss verwirrt das. Sowas kennt Seehofer nicht aus Bayern. (…….)

(Gutmenschenmob, 22.10.2018)

Ein weiterer Multi-Trigger der verängstigen rechten Kleingeister ist der LINKE Bundestagskandidat Shoan Vaisi.

[…..] In Iran gehöre ich der Minderheit der Kurden an, was allein schon zu Konflikten mit dem Staat führt. Ich bin seit meiner Jugend politisch aktiv, habe mich vor allem für die Rechte von Minderheiten und Frauen eingesetzt. Direkt nach dem Abitur wurde ich wegen meines politischen Engagements vom Staat verfolgt. Am Ende hatte ich die Wahl: Entweder ich würde für viele Jahre in Iran ins Gefängnis gehen und gefoltert werden, oder ich verlasse das Land. So bin ich dann zu Fuß in die Türkei gelaufen und schließlich in Deutschland gelandet. Schnell habe ich mich hier bei den Linken engagiert. In Iran gehörte ich ebenfalls einer linken Gruppierung an. […..]

(S. Vaisi, Spiegel-Interview, 02.04.2021)

Links, Flüchtling, Kurde, Iran – da kommt so einiges zusammen, um Rechte dazu zu bringen mit den Zähnen zu klappern und sich sofort einzunässen.

[……] Shoan Vaisi kandidiert für den Bundestag – „Alptraum“ der Rechten[……] Tareq Alaows wollte eigentlich im September für die Grünen in den Deutschen Bundestag einziehen. Doch als Geflüchteter, der 2015 aus Syrien nach Deutschland kam, zog er derart viel Hass auf sich, dass er im März den Rückzug seiner Kandidatur bekannt gab. Als Grund führte er damals „die hohe Bedrohungslage für mich und vor allem für mir nahestehende Menschen“ auf.    Für viele war Alaows’ Rückzug ein Schock. Auch für den Essener Shoan Vaisi. Doch er fühlte sich dadurch auch angespornt. Nach dem Motto: Jetzt erst recht. „Zwei Tage nach Alaows’ Rückzug habe ich meine Kandidatur für den Bundestag bekannt gegeben“, erzählt der 31-Jährige. [……]  „Die Aufmerksamkeit hat mich positiv überrascht“, sagt Vaisi, der sich in den zehn Jahren seit seiner Ankunft in einem Erstaufnahmelager im hessischen Gießen ein extrem flüssiges Deutsch erarbeitet hat. Überrascht habe ihn, obwohl damit ja leider zu rechnen war, aber auch der Hass, der ihm entgegenschlägt. [……]   Auf Twitter hat Vaisi deshalb zum Thema Hass eine markante Botschaft veröffentlicht: „Die Drohungen gegen Alaows haben gezeigt, wie erschreckend die Vorstellung, dass ein Geflüchteter im deutschen Bundestag sitzt, für die Rassisten in Deutschland ist. Ich möchte ihren Alptraum wahr werden lassen.“ [……]

 (Fabian Scheuermann, FR, 03.07.2021)

Tja, liebe Nazis, mögen Menschen wie Vaisi weiterhin so mutig sein, unsere Kultur und Gesellschaft bereichern, auf daß Ihr braunes Gesochs stets die Hosen voll habt!