Mittwoch, 7. April 2021

Hamburger Grüne schießen den Vogel ab.

Wenn irgendwo noch allerletzte Zweifel herrschten, ob man im September bei der Bundestagswahl trotz ihres schwurbel-esoterisch-homöopathischen-konservativen Flügels „Die Grünen“ wählen sollte, so sind diese seit dem freiwilligen Stuttgarter Kotau vor der CDU ausgeräumt.

Eine derartig kirchentreue, konservative Lobbypartei wie Kretschmanns Grüne kann man nicht wählen.

Die SPD ist nie freiwillig in ein Bündnis mit der Union gegangen, tut dies nur unter heftigen Schmerzen zum Wohle des Landes, wenn es beim besten Willen rechnerisch keine andere Alternative gibt.

Und nein, auch 2005 gab es diese Möglichkeit nicht.

Zwar lagen rein mathematisch SPD (222 Sitze), PDS (54) und Grüne (51) mit 327 Stimmen über der absoluten Mehrheit von 308. Aber Oskar Lafontaine hatte damals als bezahlte Hure der rechts-verblödeten BILD-Zeitung derartig gegen seine ehemalige Partei SPD gehetzt, die PDS/WASG auf Totalopposition getrimmt, daß so viele PDS-Abgeordnete kategorisch ausschlossen für einen rotgrünen Kandidaten zu stimmen, daß die Kanzlermehrheit vollständig außer Reichweite war. Nur durch diese Verweigerung, war die SPD gezwungen in die Rolle des Juniorpartners zu schlüpfen (obwohl die CDU/CSU gerade mal vier Sitze mehr hatte) und das Kanzleramt aufzugeben.

Die Grünen hingegen wechseln, wenn es irgendwie rechnerisch geht, freiwillig, trotz linker Mehrheiten und wie wir in mehreren Hamburger Bezirken erleben konnten, trotz bestehender erfolgreicher SPD-Grünen-Koalition in ein Bündnis mit der CDU, weil ihren eigenen Angabe zu Folge mehr Gemeinsamkeiten mit Hamburgs rechtsnationaler Burschenschaftler-CDU haben.

Jeden Tag, der in Hamburg vergeht, beklage ich das letzte Bürgerschaftswahlergebnis, welches dazu führte, daß die Grünen in der neuen, alten rotgrünen Koalition einen zusätzlichen Senatorenposten bekamen.

Das führte letztlich dazu, daß mit Anna Gallina eine hoffnungslos in Affären verstrickte Laiin Justizsenatorin wurde, die noch nicht mal daran zurück zu treten, als die Staatsanwaltschaft das zweite Ermittlungsverfahren gegen sie einleitete. Nun ist sie, die noch nicht mal eine Stunde Jura studierte oberste Dienstherrin der Behörde, die gegen sie ermittelt.

Und das ist noch Gold gegen das Chaos, das Verkehrssenator Anjes Tjarks veranstaltet.

Ich kann ohne den geringsten Zweifel sagen, daß der grüne fahrradfanatische Harcore-Christ der schlechteste Verkehrssenator ist, den ich in meinem ganzen Leben beobachtete. Dagegen ist sogar der Scheuer-Ondi ein Genie.

Man darf aber nicht die sogenannte „Kernkompetenz“ der Grünen, die Umwelt vergessen, obwohl nach dem Jahrhundertdesaster der Grünen Umweltsenatorin Anja Hajduk klar ist, wovon die Grünen gar nichts verstehen.

(……) Die vorher amtierende CDU-Alleinregierung hatte nicht nur grünes Licht für den Baubeginn des gigantischen Vattenfall-Steinkohlekraftwerks Moorburg gegeben, sondern auch noch den Betreiber dazu verpflichtet die Europaweit größte CO2-Schleuder doppelt so groß wie geplant zu bauen.

Die Grünen liefen Sturm dagegen, plakatierten im 2008er Wahlkampf „KOHLE VON BEUST“ und versprachen ihren Wählern eine Abkehr von dem gigantischen Klimakiller-Projekt.

Nur vier Monate nach ihrem Amtsantritt vollführte Hajduk eine der spektakulärsten Umfall-Aktionen in der Geschichte der Bundesrepublik, in dem sie am 30.09.2008 die Betriebsgenehmigung für das Klimamonster erteilte. (….)

(Hajduks Nemesis, 05.09.2020)

Das Steinkohlekraftwerk Moorburg, Europas größte CO2-Drecksschleuder, welches auf Wunsch des schwarzgrünen Senats sogar doppelt so dreckig ausfiel, wie ursprünglich von Vattenfall geplant:  CO2-Ausstoß von 8,5 Millionen Tonnen jährlich. Der von der grünen Senatorin Hajduk genehmigte Schadstoffausstoß beträgt je 7850 Tonnen Schwefeldioxid und Stickoxiden sowie 785 Tonnen Feinstaub pro Jahr. Daneben dürfen bis zu 3,2 Tonnen Blei, 1,2 Tonnen Quecksilber, 1,0 Tonnen Arsen, 0,6 Tonnen Cadmium und 0,6 Tonnen Nickel in die Atmosphäre abgegeben werden.

Der eigentliche Signature-Move der Grünen in Hamburg ist aber ihr unzähmbarerer inneren Drang Straßenbäume zu fällen. Sie scheinen Bäume jeder Art zu hassen und rücken ihnen mit Kettensägen auf den Pelz – natürlich ohne anschließend neu zu pflanzen.

Der Grüne Jens Kerstan, Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, verfolgt nun einen Plan, der selbst in Schilda als zu absurd abgelehnt würde.

Kerstans Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUE) ließ schon 2020 verkünden, nun im großen Maßstab Bäume und Büsche aus Namibia (sic!) in Hamburg zu verbrennen.

Das käme beiden Nationen zu Gute, da Afrika bekanntlich unter zu viel Bäumen leide und diese dringend loswerden müssen.

(Nein, ich versichere noch einmal; ich denke mir das nicht aus!)

[….] In Namibia und anderen südafrikanischen Ländern ist die Verbuschung der Savanne ein großes ökologisches Problem. Das Gestrüpp zerstört Lebensräume für Tiere und Landwirtschaftsflächen und entzieht dem Boden Wasser. Seit vielen Jahren wird vor Ort versucht – auch mit Unterstützung deutscher und internationaler Entwicklungshilfe – eine Verwertung des Buschholzes in Gang zu setzen. Aber die vorhandenen und jährlich nachwachsenden Mengen sind so groß, dass nur ein kleiner Teil dort sinnvoll verwertet werden kann (z.B. zur Energienutzung, als Viehfutter oder zur Holzkohleherstellung). [….]

(BUE, Mai 2020)

Da schlagen wir doch zwei Fliegen mit einer Klappe, denkt sich offenbar der Grüne Senator: Die Hamburger Grünen können ihrem Drang frönen Bäume zu vernichten und den Namibiern wird dabei geholfen ihr Land von der lästigen Natur zu befreien und baldmöglichst alles zu betonieren und planieren.

In Namibia wachsen jedes Jahr 14 Millionen Tonnen Holz nach, von denen man aber maximal drei Millionen Tonnen selbst zur Energiegewinnung nutzen könne. Die häufigen Dornakazien dienen zwar ungezählten Tieren als Biotop, aber abhacken und verbrennen ist doch eher nach dem Geschmack der Hamburger Grünen.

Zumal Namibia ja quasi nebenan liegt.

[….] Es ist nicht der schnellste Weg von Namibia nach Hamburg, Luftlinie 8500 Kilometer nach Windhuk und über das Meer an die Walfischbucht noch weiter. Andererseits besitzt diese Hansestadt natürlich einen Welthafen und hat weltgewandte Ideen. Sollte dieses Projekt also tatsächlich zur Anwendung kommen, dann wird namibisches Buschholz regelmäßig auf Schiffe verladen, an die Elbe gefahren und in Hamburger Kraftwerken verbrannt, damit es die Hamburger warm und die Namibier ein Problem gelöst haben. […..]

(Peter Burghardt, SZ, 07.04.2021)

Ein durchschnittliches Frachtschiff braucht etwa 25 Tage von Hamburg bis Südafrika.

[…..] Hochseeschiffe emittieren deshalb große Mengen von Schwefeloxiden, Feinstaub, Stickoxiden und Ruß. Diese Stoffe sind hochgiftig und schädigen sowohl die Umwelt als auch die menschliche Gesundheit. Stickoxide (als Vorläufer von bodennahem Ozon) und Ruß tragen zudem erheblich zum Klimawandel bei, Ruß ist sogar als der zweitstärkste Klimatreiber nach CO2 anerkannt. Zudem sterben allein in Europa jährlich etwa 50.000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Schiffsabgase.   Und als wäre es nicht schlimm genug, dass der Schiffstreibstoff so schmutzig ist, dass er an Land als Sondermüll entsorgt werden müsste – es werden auch Unmengen davon verbraucht: Ein mittelgroßes Schiff von 12.000 TEU (Twenty-foot Equivalent Unit, Frachteinheit) verbraucht bei voller Ladung 300 Tonnen Schweröl pro Tag. Eine Studie der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation schätzt, dass im Jahr 2007 213 Millionen Tonnen Schweröl durch die internationale Schifffahrt verbraucht wurden – das sind fast 600.000 Tonnen am Tag. […..]

(Nabu)

Also selbst bei einem mittleren Schiff – wir sprechen nicht von der EVER GIVEN – würden 25 mal 300 = 7.500 Tonnen Schweröl verbrannt, um eine Ladung voller Dornakazien in die Hansestadt zu bringen.

Und so will der GRÜNE Senator Hamburgs Klimabilanz verbessern, indem dann anschließend die Namibischen Bäume in Hamburg zu CO2 verbrannt werden. Genial.

Man versteht gar nicht wieso Umweltschützer nun schon wieder etwas zu kritisieren haben an den findigen Grünen.

[….]  Keine Verbrennung von Buschholz aus Namibia in Hamburger Kraftwerken!  Breiter Protest aus der Zivilgesellschaft gegen das Vorhaben der Hamburger Umweltbehörde[….]  In einer gemeinsamen Stellungnahme sprechen sich Organisationen der Zivilgesellschaft und Wissenschaftler*innen gegen Pläne aus, Hamburger Kraftwerke wie das Heizkraftwerk Tiefstack mit Buschholz aus Namibia zu befeuern. [….]  Wegen des langen Transportweges und vor allem wegen Veränderungen der Landnutzung in Namibia wäre diese Form der Energieversorgung nicht klimaverträglich.   Das geplante Projekt ist auch nicht sozial gerecht, da der weitaus größte Teil der Wertschöpfung außerhalb Namibias stattfinden würde. Infolge einer Industrialisierung der Buschholz-Ernte würden zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet. Profitieren würden in erster Linie Konzerne im globalen Norden, indem sie Maschinen und Transportfahrzeuge verkaufen und sich mit Rohstoffen versorgen könnten. [….]  Die angestrebte „Partnerschaft“ wird ausgerechnet mit Namibia gesucht, einem Land, das zwischen 1884 und 1915 als Deutsch-Südwestafrika unter deutscher Kolonialherrschaft stand.   „Der rot-grüne Senat in Hamburg soll das Projekt einer Biomasse-Partnerschaft mit Namibia stoppen. [….] 

(Robin Wood, 08.10.2020)

Die Umweltschützer am südlichen Ende der Welt sehen es ähnlich.

[…..] Gretchen Kohrs von der Organisation Earth Life im namibischen Windhoek ist trotzdem nicht begeistert. Das Holz, so sagte sie dem Deutschlandfunk, solle man doch lieber vor Ort verwenden, zum Beispiel für Schulmöbel und Holzhäuser. Und ein Kraftwerk vor Ort, das schon in Planung sei, sei geeigneter als eines in der fernen Hansestadt. Nach Angaben von Kohrs deckt Namibia seinen Strombedarf zu 60 Prozent mit dreckigem Kohlestrom aus den Nachbarländern. Zudem seien in Namibia 11.000 Menschen in der Holzkohleproduktion beschäftigt. Ein Teil dieser Arbeitsplätze könne durch den Holzexport gefährdet werden.   Auch den Nutzen für das globale Klima zweifelt sie an. "Büsche sind eine wichtige Kohlenstoffsenke", so Kohrs in einer Pressemitteilung. "Sie dürfen daher nur gezielt geerntet werden, was bei einem Export sehr großer Holzmengen nicht garantiert werden kann." [….]

(GEO, 03.12.2020)

Und wieder sehne ich mich in die schöne Zeit der SPD-Alleinregierung 2011-2015 zurück, als Olaf Scholz zusammen mit der Loki-Schmidt-Stiftung im großen Maßstab die zuvor von schwarzgrün gefällten Straßenbäume neu pflanzte und die sozialdemokratische Umweltsenatorin Jutta Blankau tatsächlich für die Umwelt arbeitete und nicht Bäume zum Verbrennen aus Südafrika kommen ließ.