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Sonntag, 16. August 2020

Ausrutscher, Fehler und Unverzeihliches


Überraschung. Politiker, Journalisten und Publizisten, die auf ein Jahrzehnte währendes Berufsleben zurück blicken, in dem sie täglich veröffentlichten und veröffentlicht wurden, also zehntausende nachlesbare Sätze produzierten, haben a posteriori nicht in jedem Fall Recht behalten.
Vielleicht erweisen sich nur 98% oder 99,5% der Aussagen als vernünftig.
Überraschung, jeder ist auch partiell Kind seiner Zeit.
Wer vor hundert Jahren im deutschen Sprachraum lebte, sprach wertneutral von „Mohren“ und „Negern“. Das war allgemeiner Mindset und keineswegs mit der heutigen extrem negative Konnotation verknüpft.
Gerade läuft auf TELE5 die Wiederholung der Erfolgsserie „V - Die außerirdischen Besucher kommen“ aus den frühen 1980er Jahren. Die leicht trashige Science Fiction Serie hat insofern noch ihre Bedeutung, als klare Bezüge auf den Antisemitismus, den Holocaust und das faschistische Nazi-Regime genommen werden. Es geht um Widerstand, Opportunismus oder Mitläufertum. Der männliche Held der Serie, Mike Donovan, der für das Gute kämpft, trifft dabei auf die junge Biochemikerin Juliet Parrish. Er nennt die Anführerin des Widerstands ganz arglos „Schätzen“ oder „Kleines“.
Die Aufmerksamkeit für Misogynie war noch nicht existent.
In der Serie DALLAS aus derselben Zeit, die damals auch in Deutschland ein Straßenfeger war, rauchen fast alle Protagonisten und gießen sich schon vormittags bei jeder Gelegenheit einen Whiskey ein.
Es gab noch kein Gefühl dafür welches Vorbild gezeigt wird, daß Alkoholismus und Nikotinsucht tödliche Krankheiten mit Myriaden Todesopfern jedes Jahr sind.
Es dauerte bis ins 21. Jahrhundert, daß größere Teile der Öffentlichkeit auf den Gedanken kamen, es könne womöglich falsch sein sämtlichen männlichen jüdischen und muslimischen Kindern eine Genitalverstümmelung zu verpassen, bei der für immer das Gefühl verändert wird, bei der es ohne Not zu Penisamputationen und sogar Todesfällen kommt.

Die Zeiten des alten Carl Hagenbeck, der kontinuierlich neue Wildtiere und Menschen in Afrika einfangen ließ, um sie in seinem Hamburger Zoo vorzuführen, sind vorbei.

Es ist keine Hundert Jahre her, daß man hier bei mir vor der Tür in Hamburg entrechtete Menschen in Käfige sperrte und anglotze.

Gerne wurden „Schau-Neger“ auf Jahrmärkten gezeigt. Carl Hagenbeck ließ für seinen Zoo in Hamburg allerlei „wilde Afrikaner“ einfangen und zeigte sie den höchst interessierten Hanseaten in seiner „Völkerschau“.
Den christlichen Besuchern kam es gar nicht in den Sinn, daß es irgendwie unmoralisch sein könnte, neben Löwen und Antilopen auch Hottentotten und Zulus in Käfigen zu zeigen.
Die Körperlichkeit der vielen afrikanischen Völkerschauen in Deutschland faszinierte insbesondere die Frauen in Deutschland - hatten sie doch in der Regel noch nie nackte Männer gesehen.

Blütezeit der Völkerschauen in Europa war zwischen 1870 und 1940. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Teilweise lebten in diesen „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ gleichzeitig über 100 Menschen.
(Wiki)

Tatsächlich konnten die in Hamburg gefangenen Afrikaner noch von Glück reden. Es war nämlich durchaus auch üblich „Neger“ aus praktischen Erwägungen auszustopfen oder des einfacheren Transports halber nur ihre Köpfe auszustellen.
Noch heute lagern in den Kellern der Berliner Charité kistenweise getrocknete Köpfe von Menschen aus allen Gegenden Afrikas.

Heute entwickelt man angesichts dieses Verhaltens Scham.
Die Nürnberger Rassegesetze von 1935 und die Konsequenzen beschämen inzwischen auch die anderen Mächte der Welt, die ein Jahr später fröhlich feiernd zur Olympiade in Berlin erschienen.
Machte ja nichts.
Vermutlich wird sich unsere Scham noch weiter entwickeln.
Ich halte es für wahrscheinlich, daß in 50 Jahren Jugendliche uns Uralte entsetzt fragen werden, wieso man ohne irgendwelche Skrupel mit Nationen Handel trieb, die Frauen steinigten und Schwule aufknüpften.

Es ist unredlich mit dem heutigen Wissen rückblickend zu glauben, jeder hätte damals schon erkennen müssen wie verletzend die allgemeine Ignoranz war.
Der Humanismus unterliegt einem evolutionären Prozess.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sich die Menschen in 100 Jahren, sofern es die Rasse dann noch gibt, ähnlich gruseln, wenn sie auf das Verhalten des Homo Sapiens aus dem Jahr 2020 zurückblicken.
Fehlende Tierrechte, Fleischkonsum, rücksichtslose Umweltzerstörung durch Individualverkehr und Flugreisen, Interagieren ohne Hygienemaßnahmen, nationale Egoismen, jeden Tag zehntausende Kinder verhungern lassen, Kriege mit Waffenlieferungen anzufachen, Gefängnisstrafen für Drogenkonsum, Verbot des Suizids, Apparatemedizin, Endlagern von Millionen Senioren, Religionsvertreter in TV-Räten und Ethikkommission, Energiegewinnung durch Steinkohle- und Erdölverbrennung.
Gut möglich, daß man einst so fassungslos auf die heute völlig normalen Dinge sieht, wie wir heute „Schauneger in Hagenbeck“ oder die Nürnberger Rassegesetze.

Wir müssen und jetzt, in der Gegenwart weiterentwickeln; unsere Ansichten und unser Verhalten ändern.
Einige sehen das natürlich früher ein als die große Masse und werden sehr viel Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit leisten.

Wir dürfen uns dabei aber nicht als moralische Herren über die Menschen früherer Jahrhunderte aufspielen und so tun, als ob wir selbst damals anders gehandelt hätten.

Es ist lächerlich Verbote von Fernsehserien aus den 1970ern oder 1980ern zu fordern, weil sie sexistisch wären.
Natürlich sind sie das, weil die ganze Welt es war.
Es ist lächerlich Mark Twain zu verdammen, weil er inflationär den Begriff „Nigger“ gebrauchte. Das Buch „die Abenteuer des Tom Sawyer“ erschien 1876; wie hätten wohl sonst die Schwarzen damals in den US-Südstaaten genannt werden sollen?
Wir lesen Twain heute mit dem Wissen von 2020 und können die Sprache historisch einordnen.
Wir sind gebildet und müssen daher unterscheiden zwischen Zeit-typischer Sprache und beabsichtigtem Rassismus.

Überraschung, der Mensch entwickelt sich weiter und ist lernfähig.
Auch ich habe einst bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Zigaretten geraucht, habe mir keine Sekunde darüber Gedanken gemacht, daß Kinder in meiner Nachbarschaft beschnitten werden und konnte sogar in der Sportumkleide Dutzende andere Jungs ansehen, ohne daß auch nur ein einziges mal der Gedanke an Achsel- oder Genitalbehaarung durch meinen Kopf schwirrte. Es gab damals noch kein Bewußtsein dafür sich jedes Haar am Körper sofort abrasieren zu müssen.

Aber wir entwickeln uns, wenn auch nicht ausschließlich in die richtige Richtung. Gut möglich, daß man in ein paar Hundert Jahren fassungslos auf die tätowierten, glattrasierten und Silikon-implantierten Körper des frühen 21. Jahrhunderts gucken wird.

Wir sollen aufmerksam und aufgeklärt in die Vergangenheit blicken, uns aber nicht aufspielen, als hätten wir es schon immer besser gewußt.

Ich fordere einen liberalen Umgang mit den Verfehlungen der Vergangenheit.

Ja, auch ein Helmut Schmidt hat 1960 womöglich mal einen Satz gesagt, der heute ganz schlecht klingt.
Ja, Kamala Harris hat in ihrem Job als Staatsanwältin vielleicht in dem ein oder anderen Fall zu hart agiert.
Ja, Olaf Scholz hat die G20-Proteste unterschätzt.
Ja, Joe Biden hat in den 1970ern aus heutiger Sicht fragwürdige Ansichten zum „Bussing“ vertreten.

Na und?
Es ist gut sich weiter zu entwickeln.

Nicht zu tolerieren ist allerdings wenn auch im Jahr 2020 noch hunderte Millionen Protestanten einen der schlimmsten Antisemiten aller Zeiten – Martin Luther – folgen, ihre Kirchen und Einrichtungen nach ihm benennen.

Und schon gar nicht darf man heute noch einen Typen Namens Jesus Christus und die Bibel zum moralischen Maßstab erheben.
Dort wird explizit Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und neben vielen anderen Bösartigkeiten mehr auch die Sklaverei eingefordert.
Jesus befürwortete Sklaverei, weil er ein Kind seiner Zeit war.
Wir dürfen aber im Jahr 2020 natürlich nicht mehr Jesus und seinen Ansichten folgen.


God is cancelled

Donnerstag, 28. Mai 2020

Krisenverlierer


Vermutlich wünscht sich kein regierender Politiker eine schwere Krise, die sein Land kräftig durchschüttelt.
Die Risiken werden größer, die Gefahr Fehler zu machen steigt und man wird für alles, das schiefgeht, verantwortlich gemacht.
George W Bush, den man sich angesichts der bestialischen Trump-Performance tatsächlich schon zurückwünscht, obwohl er noch vor zehn Jahren als schlechtester US-Präsident aller Zeiten galt, war mit den beiden Megakrisen während seiner Amtszeit, Terror und Weltfinanz, so total überfordert, daß er das Ansehen der USA ruinierte und in beiden Fällen eine globale Katastrophe anrichtete.
Die beratungsresistente Theresa May war absolut nicht in der Lage das Brexit-Desaster zu managen, Bolsonaro verschlimmert die brasilianische Corona-Krise, Ursula von der Leyen ist in Europas größter Krise ein einziger Totalausfall und Joseph Ratzinger war nie ansatzweise fähig zu begreifen was die Myriaden Kindervergewaltiger in den Reihen seiner Kirche bedeuten.

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, daß Regierende wie Giuseppe Conte eher unauffällig agieren und in einer großen Krise auf einmal Format zeigen, das man ihnen gar nicht mehr zugetraut hätte.
Angela Merkels Krisenfähigkeiten lassen sich schlecht beurteilen. Sie lässt sich zwar offenkundig nicht nervös machen, taucht aber immer ab, wenn es ernst wird. Rechtsextremismus, Energiewende, Digitalisierung, Bildungsnotstand – all das wurde von ihr schon als große Krisen anerkannt, aber sie packte den Stier nie bei den Hörnern, ließ alles irgendwie laufen und löste daher auch keins der Probleme.

Joe Klein schrieb über das Jahrhunderttalent Bill Clinton, es wäre tragisch, daß er in seiner vergleichsweise ruhigen Amtszeit nicht die Gelegenheit hatte sich richtig zu beweisen. Zweifellos wäre er viel besser mit 9/11 klargekommen, hätte womöglich den freundschaftlich ausgestreckten Arm der Iraner ergriffen und die Welt vereinen können, statt sie wie GWB in feindliche Lager zu spalten und die gesamte muslimische Welt zu entflammen.
Immerhin, Clinton nutzte seine enormen Fähigkeiten, um unter enormen innenpolitischen Feuer das geerbte Etatdefizit in ein gewaltiges Budgetplus zu wandeln, schuf Millionen qualifizierte Arbeitsplätze und stellte das internationale Vertrauen in die USA wieder her.

Schließlich gibt es noch die Genialen, die anders als Clinton durchaus während ihrer Amtszeit mit voller Wucht von Megakrisen getroffen wurden und dann ihre ganze Regierungskunst virtuos entfalteten.
Helmut Schmidts Amtszeit von 1974 bis 1982 dürfte wohl die Unerfreulichste gewesen sein, die ein Bundeskanzler seit 1949 erlebte.
Der Ost-West-Konflikt eskalierte, es kam zu drastischer atomarer Aufrüstung, eine schwere Ölkrise legte die Wirtschaft der westlichen Industrien lahm und Deutschland wurde vom RAF-Terror überzogen.
In allen Fällen behielt er die Nerven, navigierte mustergültig durch schwerste See und vermochte es nicht nur auf europäischer Ebene, sondern sogar global die Kräfte zu bündeln, Initiativen zu starten und vorbildhaft Standards zu setzen. Schmidt schuf die G7, erfand den Ecu, mit dem die Weichen für den Euro gestellt wurden und brachte mit dem Nato-Doppelbeschluss die gesamte nordatlantische Atomverteidigung unter einen Hut. Zudem erkannte er das Potential Chinas, schuf mit seinen vielen Staatsbesuchen im Reich der Mitte den Grundstein für Deutschlands Export und knüpfte wie zuvor kein anderer deutscher Spitzenpolitiker Kontakte zu islamischen Staaten.
Wenig verwunderlich war der geniale globale Denker noch viele Jahre nach seinem Abschied aus dem Amt Vorsitzender des „interaction council“, in dem sich ehemalige Präsidenten und Regierungschefs zusammenfanden, um prophylaktisch künftige Krisen zu analysieren. Jahrelang trafen sich die Allergrößten der Welt unter der Führung des bescheidenen Mannes aus einem kleinen Hamburger Reihenhaus.

[….] Helmut Schmidt made the Council a highly respected organization with his brilliant and visionary leadership as Chairman (1986-1994) and Honorary Chairman (1995-2014). The world was privileged to benefit from the breadth of his knowledge, encompassing economics, geo-strategy, philosophy, history, arts, music and literature.
[….] He was Federal Minister of Defense (1969-72) and Federal Minister of Economics and Finance (1972-74). He began his eight-year term as Federal Chancellor in 1974.
During his chancellorship, he stressed the goal of political unification of Europe. He was also one of the founders of the Economic Summits, begun in 1975 in order to coordinate the policies of the major western states and was the only statesman who took part in all eight summits from 1975-82.  Former honorary chairman of the InterAction Council and of the Deutsche Nationalstiftung. He was co-editor and publisher of the weekly DIE ZEIT.
He received honorary doctorate degrees from numerous institutions of higher learning around the world, including Oxford, Harvard, Leuven, Cambridge, Johns Hopkins, the Sorbonne, Keio, Hamburg and Potsdam. [….]

Natürlich war es vollkommen ausgeschlossen, daß ein schlichtes Gemüt von schmaler Bildung wie Nachfolger Helmut Kohl international so eine Rolle spielen könnte.

Auch das political animal Gerd Schröder wuchs eher mit seinen Aufgaben.
Im diametralem Gegensatz zu Merkel setzte er seine Anliegen durch, schuf exzellente bilaterale Beziehungen, erledigte endlich die Zwangsarbeiterentschädigung, stieg in die Ehe für alle ein, reformierte das Sozialsystem und managte natürlich die gewaltige Oderflut perfekt, während sein Konkurrent Stoiber baden ging.
Im aufziehenden Irak-Krieg übernahm er die internationale Führung aller Nationen, die den Krieg verhindern wollten und das folgende Desaster klar erkannten – im Gegensatz zur gesamten CDU, die Feuer und Flamme für die Kriegsbeteiligung Deutschlands war und auch im Gegensatz zu Außenpolitikexperten wie Peter Scholl-Latour, der prophezeite, Deutschland könne sich im UN-Sicherheitsrat gar nicht gegen GWB stellen, da Schröder dann als einziger an der Seite Syriens stünde und völlig isoliert wäre.
PSL unterschätzte das Verhandlungsgeschick Schröders und Fischers, die es im Laufe eines Jahres vermochten so viele Sicherheitsratsmitglieder auf die Seite Deutschlands und Frankreich zu ziehen, daß am Ende die USA und BB isoliert waren.

Ohne diese Megakrisen wäre Schröder womöglich unter dem gewaltigen Trommelfeuer fast der gesamten deutschen Presse 2002 nicht wiedergewählt worden.

In Krisen kann man sich profilieren und wachsen.
Davon zeugen die gewaltigen Zustimmungswerte für so unterschiedliche Personen wie Conte, Söder oder Andrew Cuomo.

Und dann gibt es natürlich noch die Totalversager, die ohnehin schon miserabel agieren und im Lichte der Krise noch kläglicher als ohnehin schon agieren.

Hier können Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans als extreme Negativbeispiele gelten, die nicht nur als Führungskräfte keinerlei Orientierung geben, sondern ihrer Partei zusätzlich massiv schaden.

(…..) Wie sich herausstellte, sind die Digitalboys Klingbeil und Kühnert genauso unfähig. Keineswegs konnten sie die Partei zu einer angesagten modernen Twitter-Tiktok-Insta-Partei machen, die auf junge Leute anziehend wirkt.
Dabei bin ich mit Klingbeil seit dem Amtsantritt Eskens und Borjans durchaus versöhnt, da er als einziger lautstark politisch gegen AfD, aber auch Schwarzgelb vorgeht und in den klassischen Medien bemerkenswert bemerkbar dagegenhält.
Das wäre eigentlich die Aufgabe des Bundestagsfraktionsvorsitzenden und der Bundesparteivorsitzenden, aber alle drei erwiesen sich bekanntlich als TOTALAUSFALL.
Also liebe SPD; ihr habt mehrere Aufgaben. Da ist einerseits das Regieren. Das klappt hervorragend. Die Minister sind ein ganz großes Plus und viele Landesregierungschefs – Tschentscher – brillieren ebenfalls.
Das zweite Standbein ist die parlamentarische Arbeit, die siehe Causa Högl/Bartels/Kahrs ein einziger Trümmerhaufen ist. (…..)

Unfassbar wie sie zusammen mit Fraktionschef Mützenich ohne Not eine ganze Kaskade von Parteiaustritten auslösten und profilierteste Amtsträger davonjagten.

(…..) Die Regierungsarbeit der SPD ist also nicht das Problem; es sind die von der schwer debakuliernden Bundesspitze zu verantwortenden legislativen und personellen Probleme.
Im Gegensatz zu Kühnert und der zu 50% verblödeten Parteibasis wußte jeder SPD-Parlamentarier, der schon einmal mit Saskia Esken zusammengearbeitet hatte, daß sie auf ganzer Linie untauglich ist. Als Bundestagsabgeordnete schaffte sie es von allen ihren Kollegen abgelehnt zu werden.
Nun sitzt sie als Parteichefin inmitten der Fraktion und es bricht das zu erwartenden völlige Chaos aus, weil die tumbe badische Hinterbänklerin hoffnungslos überfordert ist. Borjans kann wenigstens mit der Entschuldigung dienen kein Abgeordneter zu sein und daher auch nie dabei gewesen zu sein, als die Sozi-Tölpel in Berlin spektakulär dafür sorgen, daß gleich drei erfolgreiche und beliebte SPD-Politiker hinwarfen und mit dem Sauhaufen nichts mehr zu tun haben wollten: Susanne Gaschke, Hans-Peter Bartels und Johannes Kahrs.

Esken und Nawabo geben aber noch keine Ruhe. Ihr neuester Coup ist es den mit Abstand beliebtesten und bekanntesten Sozialdemokraten, der mit Sicherheit auch die größten Chancen als Kanzlerkandidat 2021 hat, abzusägen und stattdessen auf denjenigen zu setzen, der stets nur im Dunkeln agiert, nahezu unbekannt ist gerade bei der Causa Kahrs seine völlige Unfähigkeit bewies.

Seit Wochen liest man nur noch kopfschüttelnde Berichte über die SPD-Führung.
Olaf Scholz ist gerade DER Macher in Deutschland, der herausragende Krisenmanager, während die CDU weder einen Vorsitzenden noch einen Kanzlerkandidaten hat.
Olaf Scholz ist der natürliche Kanzlerkandidat und hätte jetzt die grandiose Gelegenheit als solcher zu glänzen und damit die desorientierte CDU und CSU, in der niemand weiß wer eigentlich die Partei führen könnte, geschweige denn, wer als Nachfolger Merkels kandidieren soll, zu beschämen.

[….] Der SPD-Fraktionsvorsitzende Mützenich soll laut dem Magazin „Cicero“ nach den Plänen der Parteispitze Kanzlerkandidat werden und für die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl 2021 antreten. „Cicero“ beruft sich auf Informationen aus Führungskreisen der Partei. Mützenich sei der Wunschkandidat der Parteivorsitzenden Esken und Walter-Borjans. Die Kandidatur des 60-Jährigen soll demnach bis zum Herbst und noch vor dem Parteitag der CDU entschieden werden, auf dem diese wiederum ihren Kanzlerkandidaten bestimmen will. [….]

Inzwischen glaube ich nicht einmal mehr, daß Nowabo und Esken Linke sind.
Ihr radikal parteischädliches Verhalten kann man sich eigentlich nur noch damit erklären, daß sie CDUCSU-UBoote sind, die gezielt eingeschleust wurden, um die Chancen der SPD zu ruinieren.

[….] Die Partei hat zwei Vorsitzende, die nach außen keinerlei Strahlkraft entwickeln. Nun droht die SPD auch bei der Kür eines Kanzlerkandidaten oder einer -kandidatin zu versagen. Hat man die Wahl schon verloren?
In der SPD rächt es sich gerade bitter, dass die Genossen vor einem halben Jahr mehr an sich gedacht haben als an die Zukunft ihrer Partei. Nach einer quälenden Vorsitzsuche schoben sie im Dezember per Mitgliedervotum Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die Spitze, zwei Leute, die es für überflüssig erachteten, eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten aufzustellen. Dafür sei die SPD zu schwach. [….] So muss sich heute niemand darüber wundern, dass die SPD in den Umfragen weiterhin bei traurigen 15 Prozent feststeckt. Sie muss zusehen, wie ihr die Union in der Wählergunst geradezu enteilt. Mehr noch, die SPD - auch das ist eine Spätfolge der Vorsitzwahl vom Dezember - scheint mittlerweile kaum mehr in der Lage zu sein, die K-Frage für sich schlüssig und überzeugend zu beantworten. [….]
Mützenich ist vieles - aber ein Kanzlerkandidat? [….] Scholz hat die nötige Regierungserfahrung. Er genießt Ansehen in der Bevölkerung. Er hat bewiesen, dass die Partei sich auf ihn verlassen kann. In der Corona-Krise hat er als Krisenmanager weiter an Statur gewonnen. [….]

Montag, 20. April 2020

Bis ins letzte Glied verrottet


In außergewöhnlichen Krisen können nicht nur die Regierungschefs, sondern insbesondere auch die Familien der Staatsoberhäupter eine enorme Rolle spielen, indem sie zu Identifikationsfiguren und Mutmachern werden.

Christian X., von 1912 bis 1947 König von Dänemark vermochte es nicht nur heimlich die Rettung von 7.000 dänischen Juden zu decken, indem sie heimlich ins sichere Schweden gebracht wurden, sondern zeigte seinem Volk während der deutschen Nazi-Besatzung auch welchen Widerstand er leistete, indem er hoch zu Ross durch die Straßen Kopenhagens ritt, sich dem gewöhnlichen Leuten zeigte, bis er 1943 von den Deutschen unter Hausarrest gestellt wurde.

Noch berühmter wurde die britische Königin Elisabeth, 1900-2002, Ehefrau von King George VI., die Mutter der heutigen Queen, die morgen 94 Jahre alt wird und seit 68 Jahren Königin ist.
Als England mitten im zweiten Weltkrieg unter schwerem Beschuss stand und zweitweise einer nahezu unüberwindlichen deutschen Übermacht entgegenstand, bekniete die Churchill-Regierung sie mit den Kindern ins sichere Kanada zu fliehen; schließlich war ihr Mann auch Kanadisches Staatsoberhaupt.
Aber die störrische Schottin aus allerhöchstem Adel dachte gar nicht daran.
 “The princesses cannot go without me, I cannot go without the King and the King will never go!” („Die Prinzessinnen können nicht ohne mich gehen, ich kann nicht ohne den König gehen und der König wird niemals gehen.“)
Unermüdlich tauchten Elisabeth und George an den von deutschen Bomben zerstörten Orten auf und sprachen der Bevölkerung Mut zu. Legendär ist ein weiteres Zitat nachdem ein Bombardement Londons auch den Buckingham Palace traf:
 “I am almost glad we have been bombed. Now I feel I can look the East End in the face.”
 („Ich bin beinahe froh, dass wir bombardiert worden sind. Nun habe ich das Gefühl, dem East End ins Gesicht sehen zu können.“)

Christian und Elisabeth hatten keinerlei Regierungsverantwortung, sie präsidierten bloß, bzw waren angeheiratet.
Aber ihre Rolle im Weltkrieg kann gar nicht unterschätzt werden, weil sie ein demoralisiertes Volk aufrichteten, Mut und Hoffnung spendeten.

Betrachtet man die vollkommen irren schwer bewaffneten Trumpisten, die nach vier Wochen eingeschränkter Kontaktregelungen ganz ohne Hunger, Zerstörungen und Krieg schon randalierend durch die Straßen ziehen, wird umso deutlicher wie wichtig ein Identität-stiftender Faktor sein kann während eine Nation verunsichert grübelt.
Trump, der soziopathische Spalter kann selbstverständlich nicht dieser Faktor sein, weil er eben so feige und empathielos wie bösartig ist.

Es wäre eine gute Gelegenheit im Streit zwischen Weißem Haus und den Gouverneuren, während der blamablen Schuldverschiebungsorgien von Präsident auf Kongress, für Trumps Familie aus dem Schatten der Politik zu treten und endlich auch mal etwas für die hunderten Millionen zu leisten, die ihre Reisen und Sicherheitsmaßnahmen kosten.
Allein Melania verursachte mit ihrer anfänglichen Weigerung nach Washington zu ziehen und der damit verbundenen Monate langen Total-Abriegelung des Trump-Towers und großer Teile der 5th Avenue einen ökonomischen Schaden, der womöglich in die Milliarden geht.
Natürlich ist von Trumps erwachsenen nepotistischen, raffgierigen, vollkommen verblödeten Versager-Gören nichts Gutes zu erwarten.
Schwiegersohn Jared reklamierte dementsprechend auch die nationale Reserve von medizinischer Ausrüstung als seinen persönlichen Besitz, goss also weiter Öl ins Feuer.

Und Melania?
Die Frau, die bei dem Besuch der Kinder, die ihr Mann an der Grenze in Käfige einsperrte, eine Jacke mit dem legendären Rückenaufdruck "I really don't care, do you?" trug, sich bei der Rede zur Nation grinsend an der Seite des zutiefst rassistischen Verschwörungstheoretikers Rush Limbaugh zeigte und ihm persönlich die höchste amerikanische Ehre, die Medal of Freedom umhängte, sich schon lange vor den politischen Ambitionen ihres Mannes an dessen widerliche Birtherkampagne beteiligte, indem sie auch ohne ihn in Talkshows zutiefst rassistisch gegen Obama hetzte und auch als First Lady als Hetzerin auffiel?

Nun, diese Melania ist keineswegs ein Opfer ihres Mannes, sondern genauso moralisch verkommen.
Das zeigt sie auch in der Corona-Krise deutlich.

[…..] Die Lage in den USA spitzt sich zu. Das Land ist auch in der Corona-Krise stark gespalten. Zum Teil schwer bewaffnete Protestler demonstrieren gegen die Schutzmaßnahmen. Angeheizt von US-Präsident Donald Trump.
Dass die First Lady Melania Trump jetzt auf Twitter mit privater Zerstreuung Punkte sammeln will, stößt bei vielen Kritikern auf wütende Reaktionen.
[…..] Am Freitag postete sie ein Worträtsel auf Twitter, natürlich mit patriotischem Hintergrund. „Während man Zeit mit der Familie verbringt, ist das ‚Weiße-Haus-Worträtsel‘ ein toller Weg, mit seinen Liebsten zusammen zu kommen, während man sein Wissen über das Weiße Haus testet“, schrieb Melania Trump als Erläuterung. […..]
„Oh super, wir haben Wörterrätsel bekommen, aber keine Tests“, antwortete eine Userin mit sarkastischem Unterton.
[…..]  Eine andere Userin belässt es nicht bei ironischen Anspielungen. Sie ist ganz offensichtlich stinkwütend. „Ist das ein Witz? Dein Ehemann zettelt einen Bürgerkrieg in unserem Land an und du willst, dass wir uns hinsetzen und Worträtsel lösen???!!!“ […..]

Donnerstag, 2. Januar 2020

Politikerbilder


Wenn Umweltkatastrophen, verheerende Unglücke oder Terroranschläge eine Nation treffen, spielen die Bilder eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Für die Regierung gilt es dann den Spin unter Kontrolle zu bekommen, eine eigene Storyline zu entwickeln, um den Opfern gerecht zu werden, den Wiederaufbau zu ermöglichen, das Land zusammen zu halten.
Dazu gehören die obligatorischen Bilder der Spitzenpolitiker am Unglücksort.
Der Regierungschef muss sich selbst ein Bild machen, als ob er ein Feuerwehr-Kapitän wäre, der anschließend professionell die Rettungsarbeiten leitete.
Das ist natürlich ganz großer Blödsinn. Wenn der Politikertross mit Sicherheitsleuten und Journalisten im Schlepptau am Unglückort einfällt, behindert das die Ersthelfer/Ärzte/Feuerwehrleute. Richtig arbeiten können sie erst wieder, wenn die Regierungsvertreter wieder abgehauen sind und ihre Selbstvermarktungsbilder für die Nachrichtensender im Kasten haben.
Man sollte meinen, daß bei der enormen Bedeutung der heutigen Medien jemand mit den Ressourcen einer Regierung entsprechende hochkompetente PR-Fachleute zur Verfügung hat.
Der Tenor, mit dem über ein Ereignis berichtet wird, ist schließlich oft wichtiger als das Ereignis selbst.


Wir trauern seit zwei Tagen um die 30 Krefelder Affen, die mit ihrem Affenhaus durch Silvesterfeuerwerk verbrannt sind.
Wir trauern gar nicht um 4.000 im völligen Elend frierende Kinder auf Lesbos, verschwenden keinen Gedanken an über 3.000 Flüchtlinge, die 2019 im Mittelmeer ertrunken sind und auch die 500 Millionen in Australien verkohlten Tiere spielen in der teutonischen Gefühlswelt des gemeinen Germanen derzeit keine Rolle.

[…..] Around 480 million animals are feared to have died in the bushfires sweeping Australia, including nearly a third of the koalas in New South Wales's main habitat.
Ecologists at the University of Sydney estimate around 480 million mammals, birds and reptiles have been killed, directly or indirectly, by the devastating blazes since they began in September, The Times reported.
This includes almost 8,000 koalas, which are believed to have burnt to death on the state’s mid-north coast. […..]

Wir konzentrieren uns emotional nicht auf die Affen, weil das schlimmer als die Australische Katastrophe ist, oder weil uns menschliche Schicksale auf Lesbos als harmloser erscheinen.
Nein, wir wägen gefühlig zu Gunsten der Krefelder Primaten ab wegen der Berichterstattung. Alle Boulevardsender, BILD und Morgenpost, die sozialen Medien deklinieren das Thema rund um die Uhr durch. Wir haben die heulenden Stamm-Zoobesucher beim Kerzen-Anzünden gesehen, die einzelnen Affen vorgestellt bekommen und die abgebrannte Ruine gesehen.
Menschliches Mitleid funktioniert nur mit Bildern und nicht durch abstraktes Wissen.
Ein Regierungspolitiker wäre absolut naiv sich nicht über die Macht der Bilder bewußt zu sein und das zum Guten, oder aber auch zur Eigen-PR zu verwenden.

Verblüffenderweise ist aber eine professionelle PR-Abteilung nicht ausreichend, Der Toppolitiker benötigt außerdem Empathie und eine scharfen Instinkt für mediale Situationen.

Angela Merkel beispielsweise ist sich stets über die Macht der Bilder bewußt. Sie weiß immer ganz genau wo die Kameras stehen, sie kennt jeden Fotographen und kontrolliert immer die Situation. Seit vielen Jahren passieren ihr keine peinlichen unvorteilhaften Aufnahmen mehr, wie sie in ihren ersten Jahren als Bundesministerin unter Kohl noch üblich waren.
Aber sie ist nicht fähig Emotionen zu verbreiten und verkalkuliert sich beim Umgang mit aufgewühlten Menschen. Daher meidet sie solche Situationen und lässt sich so gut wie nie an Unglückorten blicken.
George W. Bush war so ein Mittelding. Ihm unterliefen heftige mediale Fauxpas. Für immer wird ihm anhängen, wie er im August 2005 nach der Megakatastrophe des Hurrikans Katrina nur mit dem Flugzeug über New Orleans flog. Es stimmte zwar was er sagte, sein Präsidententross hätte die Rettungsarbeiten nur behindert. Aber GWB hatte überhaupt nicht den verheerenden Eindruck einkalkuliert, densein Gesicht, das Gesicht des Multimillionärs und US-Präsidenten hinter dem Fenster eines Superluxusflugzeugs machte, wenn er in hohen Sphären über den Bitterärmsten schwebt, die gerade alles verloren haben.
Anders war es allerdings beim 9/11-Terroranschlag.
Damals produzierte er die richtigen Bilder, als er mit Feuerwehrjacke mitten im Chaos auf ein Auto kletterte und über Megaphon das Land zum Zusammenhalt aufrief. Nie wieder hatte er so hohe Zustimmungswerte.
Sein Nachfolger Barack Obama war sehr viel besser als Nationentröster. Er traf sich nach allen Mass-Shotings mit den Opfern, hörte zu, war emotional und fand stets die richtigen Worte.
Unübertroffener Meister dieser Disziplin war allerdings Bill Clinton, der wie kein anderer sowohl im direkten Gespräch mit Bürgern, als auch mit Menschenmassen, Mobs, Trauernden umgehen kann. Ein Jahrhunderttalent, der alle beeindruckte und überzeugte, die er persönlich traf.
Ich nehme an, daß er sehr viel Zeit damit verbracht hat seiner Frau zu erklären, wie er das eigentlich anstellt. Hillary Clinton ist ebenfalls hochintelligent und wird es rational sicherlich verstanden haben, ist aber dennoch in dieser Disziplin unfähig.
Justin Trudeau kann ebenfalls nahezu perfekt medialen Spin erzeugen, Bilder produzieren und mit Menschen im direkten Gespräch agieren.
Schon vor seiner ersten Wahl zum Regierungschef kannte die Welt die Bilder, wie er mitsamt Kind und Kegel fröhlich feiernd bei Pride-Märschen zwischen Myriaden Schwulen feierte.
Natürlich kennen allen anderen liberalen oder linken Politiker auch das LGBTI-Wählerpotential und gehen ebenfalls zu CSDs. Aber auch wenn man Olaf Scholz natürlich abnimmt, daß er LGBTI-Anliegen ernsthaft fördert, merkt jeder, daß er dort fremdelt. Wie die meisten. Daher nützen vielen Politikern CSD-Auftritte herzlich wenig, außer sie sind wie Claudia Roth langjährige deutliche Unterstützer oder sie strahlen so eine Freude aus wie Trudeau.

2002 trat inmitten des Bundestagswahlkampfes die Oder über die Ufer und verursachte eine der schwersten deutschen Überschwemmungskatastrophen seit der Hamburger Sturmflut 1962.
Hier war es Gerd Schröder, der mit untrüglichem Instinkt die Situation und Berichterstattung beherrschte.
Jeder sah die Bilder des Bundeskanzlers in Gummistiefeln, der zusammen mit „Deichgraf Platzeck“ durch den Oderbruch stapfte.
Unions-Kanzlerkandidat Stoiber, dessen Bundesland ebenfalls stark betroffen war, kapierte die Situation hingegen überhaupt nicht. Stoibers legendäre Stammelei und Abgehobenheit wurden im Vergleich zu Schröder so extrem, daß man sein Fernbleiben von den Überflutungsgebieten allgemein als wahlentscheidend ansieht. Gut möglich, daß er 2002 Bundeskanzler geworden wäre, wenn er Schröders Talent für Massen-Empathie gehabt hätte.

Jacinda Ardern, die (wie Jens Stoltenberg nach dem Massaker von Utøya) im März 2019 mit Kopftuch bei den Angehörigen des schweren Terroranschlages von Christchurch erschien, produzierte weltweit ikonographische Bilder.
Sie machte alles goldrichtig, verließ ihre Rolle als Regierungschefin und erschien als Freundin, als Trösterin, als eine von den um die 50 Toten Trauernde.

 [….]Wie kann man auf Menschen zugehen, die fassungslos, wütend und traurig zurückbleiben? Was können wir ihnen sagen und wie können wir ihnen Trost und Geborgenheit spenden? Auch Politiker*innen stehen vor dieser Herausforderung, gerade die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. Seit Oktober 2017 hat die 37-Jährige das Amt inne. Am Samstag reiste sie nach Christchurch, ins Canterbury Refugee Center, um dort Menschen aus der muslimischen Gemeinde zu treffen. Dabei trug sie ein schwarzes Kopftuch. Ardern hat viel richtig gemacht in den letzten Tagen.
Von manchen deutschen Politiker*innen kann man dies hingegen nicht behaupten: „Egal gegen wen sich Hass, Gewalt und Terror richten, am Ende sterben Menschen, verlieren Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder“, twitterte etwa die CDU-Bundesvorsitzende und mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Kanzlerkandidatin ihrer Partei Annegret Kramp-Karrenbauer. Nein, es ist nicht egal, gegen wen sich der Hass und Terror richtet. Mucad Ibrahim und Ara Parvin wurden aus einem bestimmten Grund ermordet: Ein 28-jähriger Australier tötete sie, weil er diese Menschen, ganz unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Biografien, die lediglich ihr Glauben vereint, für seine Feind*innen hielt. [….]
Im Gegensatz zur debakulierenden AKK ist Ardern auch ein absolutes Naturtalent, die nicht nur in der Situation brillierte, sondern auch in der Folgezeit optimal agierte. Sie erklärte hart, daß sie den Namen des Attentäters niemals aussprechend werde, initiierte ein gewaltiges Waffenrückgabeprogramm in Neuseeland und vermochte es tatsächlich das multikulturelle Land mehr denn je zu einen.
Man bekommt Gänsehaut, wenn man sieht wie damals von Rockergangs über Maori bis zu Sportlern und weißen Internatsjungs mit dem traditionellen Haka den muslimischen Opfern Respekt gezollt wurde. Das ist auch Arderns Verdienst.


Unnötig zu erwähnen, daß der völlig empathielose Psychopath Trump all das was Premierministerin Ardern richtig machte, grundsätzlich falsch macht.
Er geht golfen, wenn Katastrophen passieren und wenn er sich nach Terroranschlägen oder Shootings blicken lässt, spricht er nur von sich selbst bedauert sich, oder macht irgendetwas völlig Erratisches wie die die Zuhörer mit Küchenpapierrollen zu bewerfen.
Daher sind seine Beleibtheitswerte auch chronisch im Keller.
Es mag reichen, um wiedergewählt zu werden, aber er stößt große Teile der Bevölkerung stark ab, während GWB, Clinton oder Obama in solchen Situationen 90% Zustimmung erhielten.

Katastrophal benahm sich in der Katastrophe auch der ultrakonservative Australische Premier John Morrison, der zum Beginn der derzeitigen Megabrandkatastrophe, die seinen gesamten Kontinent trifft, erst mal nach Bali in den Familienurlaub fuhr und sich anschließend hartnäckig weigerte einen Zusammenhang zwischen Erderwärmung und der Kohleindustrie anzuerkennen. Die Kohleförderer, die rein zufällig seine Partei großzügig unterstützen.

Heute ließ er sich endlich auch bei Brandopfern sehen. Zu spät. Es ging ihm wie Trump in Baltimore. Keiner wollte ihn mehr sehen, man rief ihm nach, er solle sich verpissen.
Ganz schlechte PR-Gene.