Mittwoch, 7. August 2024

Im braunen Sumpf

Zweimeter-Mann-Müller, *1947, erlebte schon Höhen und Tiefen. Stieg zum Bischof von Regensburg auf. Galt als unbeliebtester Bischof Europas, weil er eisern pädosexuelle Geistliche förderte und brutal gegen die Missbrauchsopfer seiner Pfaffen vorging.

Allein Wikipedia beschreibt 15 Großskandale um seine Person.

Müller war der Abschaum in Soutane, selbst seiner Brüder im Bischofsamte gruselten sich vor ihm, weil er auf persönlicher und charakterlicher Ebene spielend den Woelki-Unsympathen-Level unterschritt, so daß jeder in seiner Diözese versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen. Ein derartig gehasster und menschlich abstoßender Mann, erregte natürlich Aufmerksamkeit in Rom. Der mächtigste Pädophilen-Beschützer der Welt persönlich schritt ein und ernannte ihn zum Leiter der Inquisitionsbehörde. Als frisch gebackener Kurienerzbischof war Gerhard Ludwig Müller ab 2012 nicht nur Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Präsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission, sondern gehörte zusammen mit Benedictus PP. XVI und Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone zum mächtigsten Trio der 1,4 Milliarden Katholiken.

Ratzis Nachfolger Franzi wollte nach seiner Machtübernahme im März 2013 Kontinuität mit dem noch lebenden Nebenpapst demonstrieren und erhob Müller im Februar 2014 zum Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Sant’Agnese in Agone.

Allerdings bemerkte der argentinische Einlunger recht schnell die toxische Persönlichkeit seines Glaubenspräfekten. Entlassen konnte er ihn nicht, ohne einen Ratzi-Gänsi-Aufstand nebenan im Kloster Mater Ecclesiae zu provozieren.

Seit 2017 ging es wieder stetig bergab. Die erste fünfjährige Amtszeit als Leiter der weltweiten Inquisitionsbehörde war abgelaufen und Bergoglio dachte gar nicht daran, ihn länger als irgendwie nötig in seiner Nähe zu behalten.

Müller mutierte endgültig zum rechtsextreme, Nazi-affinen Verschwörungstheoretiker, Covidioten und radikalen Schwulenhasser.

Insbesondere seit Razi passenderweise an Müllers Geburtstag, dem 31.12.2022 starb.

[…..] Die völlig entmenschten Posen, mit denen bei der Inaugurationsfeier der Olympischen Spiele LGBT-Ideologen nicht nur das Letze Abendmahl Jesu, sondern auch ihre eigene Menschenwürde verhöhnten, knüpfen offensichtlich an die Kampagne der Jabobiner zur Entchristlichung Frankreichs an. Auf dem Zenit dieser anti-kirchlichen Raserei ließen am 10. November 1793 die Französischen Revolutionäre eine nackte Frau als Göttin Vernunft in die Pariser Kathedrale Notre Dame einziehen und auf dem Altar ihre sexuellen Perversionen demonstrieren. Blasphemische Obszönitäten gegen die Religion sind untrennbar verbunden mit der physischen und psychischen Gewalt gegen die Christgläubigen. […..] Die Woke-Ideologie im Westen hat ausdrücklich atheistische Wurzeln, ist durch und durch vom Hass auf Jesus Christus geprägt und übelster Hetze gegen die katholische Kirche zerfressen. Sie äußert sich in der Diskriminierung der Christen in gewalttätigen Worten und Handlungen bis zu den Justiz-Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn z.B. durch Gerichtsbeschluss den Eltern ihre eigenen Kinder weggenommen werden, wenn diese die Verstümmelung der Genitalien ihrer Kinder nicht zulassen – alles unter dem Euphemismus „Selbstbestimmung des eigenen Geschlechts“. […..] Sie merken nicht, dass sie die Ehre Frankreichs, das als Land und Kultur alles dem Christentum verdankt, in dem Schmutz haben ziehen lassen und selbst noch in einem Anfall geistiger Umnachtung daran mitwirkten. Die Verachtung der Religion und des Gewissens führt notwendig in Psychoterror und Gewalt. […..] Die Verhöhnung des Abendmahls durch geistig entwurzelte und psychisch schwer gestörte Akteure, ihre Anstifter und Geldgeber war ein Akt des geistigenTerrorismus, der auf ihre Urheber zurückschlägt. „Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder und gebiert am Ende mit all seinem Unheil den Despotismus“ , waren die letzten Worte Pierre Verniauds, des Führer der Girondisten auf dem Schafott. […..]

(Gerhard Ludwig Kardinal Müller, 29.07.2024)

Müller mag auch in der katholischen Welt für Kopfschütteln sorgen und gilt in der Kurie als ungefähr genauso beliebt wie Fußpilz oder Mundfäule.

Aber in einem Punkt bleibt er ein klassischer Kleriker mit denselben Vorlieben, wie seine Amtsbrüder: Die Raffgier.

[….] Doch nun legt ein Bericht des US-Portals "The Pillar" nahe: Die Unstimmigkeiten könnten weniger mit Glauben zu tun gehabt haben - dafür umso mehr mit Geld.

Müller soll einen Tisch bestellt haben für mehrere Zehntausend Euro - und den alten, an dem schon Joseph Ratzinger Konferenzen geleitet haben soll, im Gegenzug an einen befreundeten, in Bayern ansässigen Möbelbauer und Antiquitätenhändler verkauft haben. Doch in dieser Geschichte geht es um mehr als die Frage, inwiefern ein Kurienkardinal über das Mobiliar seiner Behörde verfügen kann. Bereits 2015 hatte die "Bild"-Zeitung von einer Razzia im Vatikan berichtet, bei der Fahnder des Wirtschaftssekretariats im Schreibtisch von Müllers Verwaltungsleiter Monsignore Mauro Ugolini 20.000 Euro Bargeld gefunden hätten, versteckt hinter einer alten Dose für Wiener Würstchen.

Laut "The Pillar" war damals deutlich mehr Bargeld im Umlauf oder landete auf Privatkonten. Von "surrealen" Szenen ist dort zu lesen. So sollen Beamte des Glaubensdikasteriums versucht haben, Tausende Euro Bargeld in Plastiktüten aus dem Büro verschwinden zu lassen, als die Prüfer des vatikanischen Wirtschaftssekretariats kamen.

Insgesamt spricht der Bericht von Hunderttausenden Euro, die "entweder veruntreut, nicht ordnungsgemäß dokumentiert oder anderweitig nicht verbucht worden waren". Allein 200.000 Euro sollen demnach auf Kardinal Müllers Privatkonto gelandet sein. Der soll das dem Bericht zufolge mit einem "Schreibfehler" bei den Kontonummern erklärt haben.

Woher das Geld stammt, ist unklar. Der Bericht bezieht sich auf mehrere informierte Quellen, die davon ausgehen, dass es sich dabei nicht um großzügige Geldspenden handelte, sogenannte Bustarella, sondern um einen Teil der Verwaltungseinnahmen aus kanonischen Fällen, also auch aus einer Art Bearbeitungsgebühr für Fälle von klerikalem sexuellem Missbrauch von Minderjährigen oder aus kanonischen Eheschließungsfällen.  [….]

(BR, 03.08.2024)

Dienstag, 6. August 2024

Waltz versus Weird

Eine FRAU als US-Präsidentin? Also das könnte den erzkonservativen Amerikanern wirklich zu schräg und zu liberal sein, befürchteten die Demokraten. Deswegen sollte der Vizepräsidentschaftskandidat ein möglichst bodenständiger weißer Mann sein, um den armen überforderten Wählern den Östrogenschock abzumildern.

So ein handfester Kerl an ihrer Seite würde die typisch weibliche Emotionalität und Hysterie im Regierungsalltag kompensieren können; so die strategischen Überlegungen. Denn ein Mann kann ist von Natur aus fähig, ein Anführer zu sein. Auch wenn er keinerlei Erfahrung auf internationaler Bühne hat, während die Spitzenkandidatin bereits als vier Jahre als US-Senatorin und vier Jahre in der US-Regierungsadministration gearbeitet hatte.

Also entschied sich die Demokratin für den weißen, weißhaarigen, bodenständigen Tim. Ein demokratisches Urgestein mit freundlichem runden Gesicht, der aufgrund seiner Herkunft dabei helfen sollte für die Dame auf dem Ticket den sogenannten „rustbelt“ zu gewinnen. Denn in der Industrieregion der Staaten Illinois, Indiana, Michigan, Ohio, Pennsylvania waren die eigentlich urdemokratischen Wähler unzufrieden mit dem bisherigen demokratischen Amtsinhaber und drohten zu den populistischen TrumpliKKKans überzulaufen.

Das war 2016. Hillary Clinton entschied sich für den damals 58-Jährigen Tim Kaine; ehemaliger Gouverneur von Virginia.

Blöderweise ging der Plan gründlich schief.

Der nette VP-pick Tim war zwar allen sympathisch, bewirkte aber nichts an der Wahlurne. Trump gewann Michigan, Indiana, Ohio, Pennsylvania und sogar Wisconsin. Clinton wurde zwar an den Küsten, insbesondere in Kalifornien so stark gewählt, daß sie insgesamt drei Millionen Stimmen mehr, als Trump bekam. Aber er wurde dank des radikal Republikaner bevorzugendem Wahlrechts US-Präsident.

Acht Jahre später stellt sich die Situation so dar:

Eine FRAU als US-Präsidentin? Also das könnte den erzkonservativen Amerikanern wirklich zu schräg und zu liberal sein, befürchteten die Demokraten. Deswegen sollte der Vizepräsidentschaftskandidat ein möglichst bodenständiger weißer Mann sein, um den armen überforderten Wählern den Östrogenschock abzumildern.

So ein handfester Kerl an ihrer Seite würde die typisch weibliche Emotionalität und Hysterie im Regierungsalltag kompensieren können; so die strategischen Überlegungen. Denn ein Mann kann ist von Natur aus fähig, ein Anführer zu sein. Auch wenn er keinerlei Erfahrung auf internationaler Bühne hat, während die Spitzenkandidatin bereits als vier Jahre als US-Senatorin und vier Jahre in der US-Regierungsadministration gearbeitet hatte.

Also entschied sich die Demokratin für den weißen, weißhaarigen, bodenständigen Tim. Ein demokratisches Urgestein mit freundlichem runden Gesicht, der aufgrund seiner Herkunft dabei helfen sollte für die Dame auf dem Ticket den sogenannten „rustbelt“ zu gewinnen. Denn in der Industrieregion der Staaten Illinois, Indiana, Michigan, Ohio, Pennsylvania waren die eigentlich urdemokratischen Wähler unzufrieden mit dem bisherigen demokratischen Amtsinhaber und drohten zu den populistischen TrumpliKKKans überzulaufen.

Das ist 2024. Kamala Harris entscheidet sich für den 60-Jährigen Tim Walz; Gouverneur des US-Bundesstaates Minnesota.

Mein Favorit wäre Pete Buttigieg gewesen, weil ich bewundere, wie ausdauernd er zu rechtspopulistischen Trump-Medien pilgert und tapfer im FOX-Feindesland seine Sicht der Dinge darstellt. Es ist aber die einzige Möglichkeit, in die GOP-Blase einzudringen.

Aber ich verstehe natürlich, wie stark Ethnie, Geschlecht und sexuelle Orientierung berücksichtigt werden müssen.

Die vielen Gründe, die für und wider Whitmer, Shapiro und Kelly sprachen, sind bekannt und valide. Ich traue der geballten Wahlkampfstrategen-Brainpower im Harris-Lager mit ihrem umfangreichen demoskopischen Material durchaus zu, besser als ich beurteilen zu können, welcher VP-Pick am 05.11.2024 am hilfreichsten ist.

Zudem unterstreiche ich einen Punkt, der in den letzten Tagen richtigerweise in den US-Medien zirkulierte.
Trump hält sich für einen unfehlbaren Politgott, ist völlig beratungsresistent. Er nimmt ohnehin keinen Vizepräsidenten ernst. Es zählt nur die bedingungslose Loyalität. Anders als Pence, soll JD Vance, ohne zu zögern auch die perfideste Kriminalität Trumps enthusiastisch unterstützen.

Bei Harris ist es ganz anders; sie hat vor, nach einem Wahlsieg zumindest vier Jahre eng mit dem VP zusammenzuarbeiten, mit ihm die schwierigsten Probleme diskutieren zu können. Da braucht sie jemanden, mit dem „die Chemie stimmt“. Sie müssen sich wirklich mögen. Das trifft offenbar eher auf den hemdsärmeligen Walz, als auf den hochintelligenten und ebenso ehrgeizigen Shapiro zu.

Die demokratischen Pundits sind bereits von Walz begeistert, weil er für die klassischen sozialen gewerkschaftlichen Themen eintritt.

So schlecht kann Harris‘ Entscheidung nicht sein, denn die QTrumpliKKKans quieken hysterisch auf; sind schwer getroffen.

[…..]  Kamala Harris hat sich einen exzellenten Vizepräsidentschaftskandidaten ausgesucht. Tim Walz, der Gouverneur von Minnesota, hat in kürzester Zeit bewiesen, dass er ein schlagfertiger Redner ist, die Parteibasis der Demokraten begeistern kann und im Wahlkampf funktioniert. Noch vor wenigen Tagen hatte ihn kaum jemand auf dem Zettel, erst übers Wochenende stieg er in den Kreis der Favoriten auf, am Ende schien kaum noch ein Weg an ihm vorbeizuführen. Das allein schon ist eine große Qualität in dem kürzesten Wahlkampf der jüngeren Geschichte. Harris brauchte jemanden, der auf Knopfdruck liefert.

Trotzdem ist die Entscheidung erstaunlich, denn es hätte womöglich einen noch besseren Kandidaten gegeben: Josh Shapiro. Dessen Heimat Pennsylvania ist der größte zu erobernde Swing State bei der Wahl am 5. November. Der Weg ins Weiße Haus führt für Harris mit großer Wahrscheinlichkeit nur über diesen Bundesstaat. Shapiro ist nicht nur der Gouverneur von Pennsylvania, sondern dort auch über die Parteigrenzen hinweg beliebt. Die Möglichkeit, ihn bei dieser Wahl als Running Mate ins Boot zu holen, war ein Geschenk, das man eigentlich nicht ablehnen kann. Harris hat es trotzdem getan.  […..]

(Boris Herrmann, 06.08.2024)

Trump und Vance hingegen agieren nur noch WEIRD. Werfen wie aufgeregte Hühner mit Dreck um sich. Nachdem Trump vor einem Saal voller schwarzer Journalisten eine Rassismus-Tirade von sich gab, rannte er zum Nazi-Streamer Adin Ross, der damit populär wurde, an zuvor von Nazi-Männern befurzten Sitzen zu riechen – Nein, das denke ich mir nicht aus.

[….]  Donald Trump braucht im US-Wahlkampf derzeit jede Unterstützung. Dabei scheint ihm jedes Mittel recht. Von einem Neonazi-Streamer ließ er sich reich beschenken. [….] Am Montag (5. August) ließ er sich in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida vom bekannten US-Streamer und bekennenden Trump-Unterstützer Adin Ross (23) besuchen und „interviewen“. Das Geschehen wurde per Livestream dokumentiert und ist auf dem YouTube-Kanal von Ross zu finden, wo der umstrittene Streamer derzeit (6. August) rund 4,5 Millionen Abonnenten hat.

Für Trump war das Interview augenscheinlich ein echter „Wohlfühl-Termin“. Keine kritischen Fragen und ein eigens proklamierter „Interviewer“, der ihm quasi ehrfürchtig zu Füßen lag und dabei noch reich beschenkte. Eine Rolex-Uhr und ein Tesla-Cybertruck, foliert mit dem ikonisch anmutenden Trump-Konterfei nach dem gescheiterten Attentat auf ihn, sind nun in Trumps Besitz.

Die Vita und politische Gesinnung von Ross schien Trump offenkundig ganz und gar nicht zu interessieren. Der US-Streamer ist kein unbeschriebenes Blatt. Er hat unter anderem schon Nick Fuentes, einen rechten Extremisten und Holocaustleugner aus den USA, in einem Livestream als Gast gehabt.  […..]

(FR, 06.08.2024)

Montag, 5. August 2024

Elb-CDU von Sachsen bis Hamburg gleich rechtsextrem.

 Ole von Beust gilt als der klassische Vertreter einer liberalen Großstadt-CDU.

Schließlich wurde er im roten Hamburg Bürgermeister und bildete eine schwarz-grüne Koalition – so die Bundesperspektive.

Aus der Lokalperspektive war es Beusts Lebenswandel. Obschon er 2001, als er zum Bürgermeister aufstieg, offiziell noch als „Junggeselle“ galt und nicht öffentlich über seine Sexualität gesprochen wurde, wußte dennoch so gut wie jeder, daß er schwul war und sein ebenfalls schwuler CDU-Parteifreund Roger Kusch in seiner Wohnung lebte.

Man musste dafür wenig spekulieren, denn Beust und Kusch bewegten sich ganz offen in der Schwulenszene und es spricht für die damalige Presse, daraus kein Thema konstruiert zu haben.

Verglichen mit den erzkonservativen, knochentrockenen, militärisch wirkenden vorherigen Hamburger CDU-Spitzenkandidaten Jürgen Echternach und Hartmut Perschau, waren Kusch und Beust auffällig anders, moderner.

Als Bürgermeister von 2001-2010 widersprach Beust seiner Portraitierung als linksliberaler CDU-Außenposten nicht, weil es ihm das half im linken Hamburg Wahlen zu gewinnen.

Dennoch war die Darstellung völlig falsch. Beust wurde nur deswegen Bürgermeister, weil er nach Wahlverlusten für seine Partei so dreist war, den faschistisch-populistischen Kokser und Sexisten Roland Schill zu seinem Stellvertreter zu machen, jeden Anstand fahren ließ und seine Heimatstadt auf Bundesebene für Jahre blamierte.

Seine Politik war stramm rechts. Gegen den überwältigenden Willen der Hamburger trat er eine Privatisierungsorgie los, unter der wir bis heute leiden. Seinen Freund Roger Kusch machte er zum Justizsenator, obwohl Kusch im September 1998 als Helmut Kohls Ministerialrat die illegalen „Bundeslöschtage“ verantwortete, um die schwarzen CDU-Kassen vor Rotgrün zu verschleiern.

Kusch driftete als Beusts „schwarzer Scheriff“ so weit nach rechts ab, bis er 2006 von seinem Freund und Vermieter entlassen wurde. Kusch trat aus der CDU aus und warf Merkel als eine Art frühe Ein-Mann-AfD vor, die Partei „in kräftigen Schritten nach links“ zu führen und „Deutschland spürbar in eine sozialistische Gesellschaft“ umzuwandeln.

Die Hamburger Grünen drifteten damals ebenfalls zu weit rechts stehenden CDU-Fanclub ab. Die schwarzgrüne Koalition ab 2008 war also keineswegs ein liberales Projekt.  Die Grünen standen für Brechmitteleinsatz, Abschiebungen und die Grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk agierte als Wissing-Vorläuferin streng im Sinne der CO2-Lobby.

(……) Die vorher amtierende CDU-Alleinregierung hatte nicht nur grünes Licht für den Baubeginn des gigantischen Vattenfall-Steinkohlekraftwerks Moorburg gegeben, sondern auch noch den Betreiber dazu verpflichtet die Europaweit größte CO2-Schleuder doppelt so groß wie geplant zu bauen.

Die Grünen liefen Sturm dagegen, plakatierten im 2008er Wahlkampf „KOHLE VON BEUST“ und versprachen ihren Wählern eine Abkehr von dem gigantischen Klimakiller-Projekt.

Nur vier Monate nach ihrem Amtsantritt vollführte Hajduk eine der spektakulärsten Umfall-Aktionen in der Geschichte der Bundesrepublik, in dem sie am 30.09.2008 die Betriebsgenehmigung für das Klimamonster erteilte. (….)

(Hajduks Nemesis, 05.09.2020)

Als seinen CDU-Bürgermeister-Nachfolger baute Beust ausgerechnet den rechtesten der ganzen Truppe auf: Christoph Ahlhaus.

Das hatte aber sein Gutes, denn die grün-schwarze Ahlhaus-Koalition war derartig ultrakonservativ und unfähig, daß sie vorzeitig zerbröselte und mit einer absoluten SPD-Mehrheit 2011 spektakulär unterging.

Die Hamburger CDU wurde in der Post-Beust-Ära so offen rechtspopulistisch, wie die Kollegen von der Sachsen-CDU.

Mit dem Unterschied, daß man in Dresden damit ins Ministerpräsidentenamt gewählt wird, während insbesondere der ultrarechte Hamburger CDU-Landeschef Christoph Ploß seine Partei auf 11% abwirtschaftete, indem der Reichelt-Knecht und TERF systematisch Nazis in die CDU holt.

Die Grüne Begeisterung für die CDU mag auch damit zusammenhängen, daß die Hamburger Ploß-CDU derartig weit nach Rechtsaußen gerückt ist. So bleibt mehr Platz für konservative Grüne, die aber nicht so weit gehen möchten, gleich die schwarzbraune AfD-affine Elb-CDU zu wählen.

Der 37-Jährige CDU-Landesvorsitzende Ploß stammt aus dem völkischen JU-Milieu der braunsten Art.

(….) Das CDU-Schätzchen der Woche ist aktuell der JU-Kreischef Alexander Weiss. Gegen den 22-jährigen Jungpolitiker wird wegen ausländerfeindlicher Äußerungen ermittelt. "Niggerschlampe" soll der Jurastudent eine südländisch aussehende Kommilitonin beschimpft haben und sie dann mit Bierdeckeln beworfen haben. Zudem, so die Vorwürfe, soll Weiß "Nicht-Arier" als "eine Schande für das Juristentum" bezeichnet haben.
Für den aktiven CDU-Funktionär kann es gar nicht braun genug sein - Im Internetportal "StudiVZ" ist der Jungpolitiker, der im vergangenen Juni an der Heinrich-Hertz-Schule (Winterhude) Abitur gemacht hat, zudem offensichtlich unter anderem Mitglied in den Gruppen "Gegen Inländerfeindlichkeit durch Ausländer" und "Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten" - eine Anspielung auf den Einmarsch der Nazis im Zweiten Weltkrieg. (…)

(Hamburger Jungs, Teil II, 22.03.2008)

(….) Da mieft es noch gewaltig.
Kürzlich erst mußte sich die Hamburg-CDU auf öffentlichen Druck (und nicht etwa aus eigener Einsicht) vom Junge Union-Bezirkschef Alexander Weiß, der eine Kommilitonin als "Niggerschlampe" und "Nicht-Arier" bezeichnet hatte trennen.
Nun ist schon wieder so ein tiefbrauner Schleimpropfen im Personal der CDU-Jugend ans Tageslicht gekrochen:
Patrick Schlemmer, der Vize-Chef der Schüler-Union in Altona. Er ist bei der Bezirksversammlungswahl im Februar für die rechte DVU angetreten. Die CDU will das alles aber gar nicht vorher gewußt haben.
Na so eine Überraschung - hatte doch Patrick Schlemmer die "asoziale Politik" von Bürgermeister von Beust kritisiert und unter anderem gesonderte Schulklassen für Ausländer gefordert.
Außerdem ist Patrick Schlemmer der Sohn von DVU-Landeschef Günther Schlemmer, stand auf Platz sechs der Landesliste und trat auch bei der Wahl zur Bezirksversammlung für die Rechts-Partei an.
"Wie tief ist der braune Sumpf in der Jungen Union?" ätzt sie sozialdemokratische Jugend. Mit Entsetzen hat der Juso-Landesvorstand auf die Nachricht reagiert, dass das führende Mitglied der Hamburger DVU, Patrick Schlemmer, seit über einem halben Jahr als stellvertretender Kreisvorsitzender der Altonaer Schüler-Union amtiert. Dazu der Juso-Landesvorsitzende Danial Ilkhanipour: “Nachdem es bereits in den letzten Wochen zu heftigen Vorwürfen gegen den Vorsitzenden der Jungen Union Nord kam, stellt dieses einen absoluten Tiefpunkt innerhalb der politischen Kultur in Hamburg dar.
Die Grünen stört das offenbar weit weniger. (…)

(Nun wächst zusammen, was nicht zusammengehört, 09.04.2008)

(…) Eben jene GAL koaliert auch freundlich mit der CDU, deren bräunliche Jugend-Truppe sich Gestalten wie den JU-Kreischef Alexander Weiss leistet.
[….]  Neuester Vorfall:
Die JU Hamburg lud den ultrarechten Felix Menzel zu einem Seminar im "Ludwig Erhard Haus", bei dem er unter dem Motto "Mit gleichen Waffen zurückschlagen" die "Konservativ-Subversive Aktion" (KSA) Agitationstechniken des braunen Mobs erklärte.
Der politisch Kacke-farbene Menzel ist Mitbegründer der revanchistischen "Pennale Burschenschaft Theodor Körner", Leitspruch: "Deutsch und frei! Kühn und treu".
Die JU sog den braun-national miefenden Handlungsleitfaden gierig auf und setzte die neuen Rüpel-Methoden bereits in destruktiver Weise gegen eine Veranstaltung der Initiative „Eine Schule für alle“ ein.  (….)

(Groundhog day, 15.10.2008)

Der Bundestagsabgeordnete Ploß ist umtriebig. Nach nur drei Tagen im Amt gelang ihm ein Coup, auf den er sichtlich stolz ist.
Er holte die ehemalige Schleswig-Holsteinische AfD-Chefin Ulrike Trebesius in die CDU.  Nun wächst zusammen was (zum Beispiel auch in Thüringen) zusammengehört.  Deutlicher kann man wohl nicht sagen wo es hingehen soll, als wenn man als erste Amtshandlung ehemalige AfD-Größen heim ins Reich holt.

[…..] Die frühere schleswig-holsteinische AfD-Landesvorsitzende Ulrike Trebesius ist der Hamburger CDU beigetreten. Das bestätigte ein Parteisprecher am Mittwochabend. Zuvor hatte das „Abendblatt” darüber berichtet. Trebesius war 2014 auf AfD-Ticket ins EU-Parlament gewählt worden. Gemeinsam mit Parteigründer Bernd Lucke hatte sie die AfD 2015 verlassen und die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch gegründet, zu deren Generalsekretärin und Bundesvorsitzenden sie später gewählt wurde. Vor zwei Jahren war die heute 50-Jährige aus der inzwischen in LKR (Liberal-Konservative Reformer) umbenannten Partei ausgetreten.  „Es muss der Anspruch der CDU sein, Personen wie Ulrike Trebesius eine politische Heimat zu bieten”, sagte Hamburgs neuer CDU-Vorsitzender Christoph Ploß dem „Abendblatt”. „Die CDU war immer dann erfolgreich, wenn sie christlich-soziale, liberale und konservative Strömungen vereint hat.” […..]

(Kölnische Rundschau, 30.09.2020)

Dem Übertritt der AfD-Landesvorsitzenden Ulrike Trebesius in die Elb-CDU folgte nun der nächste Ploß-Coup. Mit dem Raffke Jörn Kruse holte er den nächsten Ex-AfD-Chef in die CDU. Natürlich direkt in seinen CDU-Kreisverband Nord.

[….] Der frühere Hamburger AfD-Vorsitzende Jörn Kruse ist der CDU beigetreten. Das bestätigte Kruse am Mittwoch. Aufgenommen wurde der 73-Jährige vom CDU-Kreisverband Hamburg-Nord, dessen Vorsitzender CDU-Landeschef Christoph Ploß ist. "Der CDU-Kreisvorstand Hamburg-Nord, dem alle Strömungen und Vereinigungen der CDU angehören, hat einstimmig entschieden, Professor Jörn Kruse in die CDU aufzunehmen", teilte der Verband mit.  […]

(NDR, 31.08.2022)

Die Richtung, in die es für die CDU geht, ist offensichtlich.

Ploß nahm sich nun ein Beispiel an seinem Parteibundeschef Merz, der schon vor Jahren den verfassungsfeindlichen Faschisten die Hand ausstreckte.

„Ich hätte längst einen Bundestagsvize der AfD gewählt“

(Fritz Merz 06.07.2019)

Auch AfD-Fanboy Ploß will die Verfassungsfeinde in das Bundestagspräsidium holen.

[…..] Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß hat sich offen dafür gezeigt, der AfD einen Vizeposten im Präsidium des Bundestags zuzugestehen. »Die im Deutschen Bundestag inzwischen leider übliche Praxis, die AfD aus dem eigentlich fraktionsübergreifenden Bundestagspräsidium fernzuhalten, erfüllt mich mit Sorge«, schreibt der frühere Hamburger CDU-Chef in einem Gastbeitrag für den »Stern«. Bei den Ablehnungen der AfD-Vertreter gehe es »offensichtlich nicht mehr um die zur Wahl stehenden Personen, sondern darum, einer Partei ein ihr laut demokratisch beschlossener Geschäftsordnung zustehendes Recht zu verwehren«, so Ploß. […..] Die SPD weist den Vorstoß von Ploß scharf zurück. »Wieder einmal übernimmt die CDU alle Argumente der AfD«, sagte Katja Mast, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, dem SPIEGEL.  [….]

(SPON, 12.10.2023)

Der Ploß-Nachfolger Thering macht es genauso und holte die extrem antisoziale Kämpferin gegen die Stadtteilschulen Treuenfels-Frowein in die Partei, um sich endgültig zum Büttel der superreichen Elbvorortler zu machen.

[…..]   Hamburgs CDU-Chef Dennis Thering ist eine Überraschung gelungen. Die fraktionslose FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein ist zur CDU gewechselt und soll bei der Bürgerschaftswahl Listenplatz zwei bekommen.

"Ich freue mich sehr, dass uns als CDU Hamburg ein wirklicher Coup gelungen ist. Das wird die CDU auf jeden Fall stärken, nach vorne bringen", sagte Thering. Anna von Treuenfels-Frowein habe am Donnerstagmorgen ihren Beitritt zur CDU erklärt. Die 62-Jährige trat aus der FDP aus und soll bei der anstehenden Bürgerschaftswahl auf Listenplatz 2 der CDU kandidieren - gleich hinter Thering, dem Spitzenkandidaten.  […..]

(NDR, 11.07.2024)

Die Trumperisierung der Hamburger CDU hat allerdings ihren Preis: Wer immer noch über rudimentären Anstand verfügt, muss den völkischen Gender-besessenen Laden verlassen.

Markus Weinberg, 2021 Spitzenkandidat der Hamburger CDU für die Bundestagswahl, 2005-2021 Mitglied des Bundestags, ehemaliger familienpolitischer Sprecher der CDUCSU-Bundestagsfraktion und ehemaliger Landesvorsitzender der CDA, 38 Jahre CDU-Mitglied, trat heute aus der Ploß-Thering-Partei aus.
Für halbwegs rationale Menschen ist in der populistischen Merz-CDU kein Platz mehr.

[….]  CDU-Größe Weinberg wirft hin – auch wegen Hamburger Parteifreunden

Er fährt mit einer hippen E-Vespa statt mit Verbrenner-SUV durch die Stadt, wohnt (ohne Trauschein) mit Frau und zwei Kindern in Ottensen, ist St. Pauli-Fan und kämpft schon sein Leben lang für die Schwachen in der Gesellschaft. Bisher war das für Marcus Weinberg (57) kein Widerspruch zu seinem Parteibuch. Doch das hat sich geändert. Der ehemalige Spitzenkandidat der CDU Hamburg tritt aus seiner Partei aus. Und alle fragen sich: Wechselt der Sozialpolitiker jetzt zu den Grünen?  […..]

(MoPo, 05.08.2024)

Protofaschist Ploß wird Weinberg kaum nachweinen.

[….] Jetzt tritt Marcus Weinberg nach 38 Jahren Mitgliedschaft aus der Partei aus – ein Paukenschlag für die Hamburger CDU. Die Entscheidung habe er sich lange und reiflich überlegt, erzählte er dem Hamburger Abendblatt.

Als Grund nannte der 57 Jahre alte Lehrer im »Hamburger Abendblatt« inhaltliche Differenzen und eine fehlende Identifikation mit dem aktuellen Kurs der Partei. Der CDU-Landesverband bestätigte den Austritt.

»Meine gesellschaftliche Haltung, die auf Zusammenhalt und Solidarität statt auf Populismus und Polarisierung setzt, mein Politikverständnis, das auf Ausgleich und eine politische Gesamtverantwortung allen Menschen gegenüber statt auf eine verengte Wählerklientelpolitik setzt, waren immer unverzichtbare Voraussetzungen zur Bindung an die CDU«, sagte Weinberg dem Abendblatt. »Diese Bindungselemente als Identifikation sind nicht mehr mit der heutigen CDU so, dass sie für mich tragfähig sind.«   […..] Heute erkenne er bei der gesellschaftspolitischen Haltung und beim Auftreten der CDU »Linien und Ausrichtungen, die nicht meine sind.« Empört sei er über den Generalsekretär Carsten Linnemann, der mehr als 100.000 Menschen das Bürgergeld streichen will, weil sie angeblich nicht bereit seien, eine Arbeit anzunehmen. In Hamburg bemängelt er unter anderem, dass das Konzept der liberalen Großstadtpartei beerdigt wurde. Die Unterstützung für ein Gender-Verbot hält er auch für einen Fehler, so Weinberg gegenüber dem Abendblatt. […..]

(SPON, 05.08.2024)

Herr Polenz folgt womöglich bald.

Sonntag, 4. August 2024

Stimmung aus der Ferne

Meine Verwandten und Bekannten in den USA (Ohio, Georgia, New York) bestätigen in den letzten Tagen alle, wie froh sie über die Kandidatur von Kamala Harris sind. Erst nach dem Ausstieg Bidens aus dem Präsidentschaftswahlkampf, merkt man so richtig, wie sehr der alte Sturkopf die Demokraten lähmte und welchen Schaden er der Partei anrichtete. 

Als Biden und Harris vorgestern auf Militärflughafen Joint Base Andrews erschienen, um die freigekauften Geiseln aus Russland und Belarus zu empfangen, war ich im ersten Moment irritiert und fragte mich, wieso da ein weißhaariger Geront klapperig umherstakst, bis mir einfiel, daß Biden immer noch als US-Präsident amtiert.

Ich bin gedanklich schon ganz bei Harris.

Die Umfragen drehen sich, Trump blamiert sich sogar noch mehr als üblich, sein „VP-pick“ ist ein Totalausfall und das Wahlkampfgeld sprudelt auf die demokratischen Konten.

Was soll da noch schief gehen am 05.11.2024?

Aber es gibt zwei Probleme:

Einerseits befinden sich in meiner US-Blase nur Demokraten. Mit meinen republikanischen Cousins in Kalifornien habe ich mich (selbstverständlich) überworfen und spreche schon seit Jahren nicht mehr mit dem gesamten Familienzweig.

Andererseits ist die Perspektive aus Europa immer zu sachlich und setzt fälschlicherweise halbwegs rationales Handeln der US-Wähler voraus.

Die Stimmung in NY, wo ich wähle, ist irrelevant. Dort steht das Ergebnis schon fest. Wunder des US-Wahlrechts: Mein Kreuz auf dem Wahlzettel hat keine Power.

In Georgia und Ohio ist es anders. Das sind wichtige Swingstates; dort können wenige Tausend Stimmen über den US-Präsidenten entscheiden. Und dort teilt man meinen europäischen Optimismus (noch?) nicht. Die allgemeine Stimmung ist zu schlecht, die Wähler sind zu schlecht informiert und die guten Bidenomics-Daten kommen beim einfachen Volk nicht an.

Der republikanische Hetze gegen Frauen, Einwanderer, Queere und POCs fällt auf fruchtbaren Boden.

Wir Amerikaner und Deutschen in Europa tut also gut daran, weiterhin das Allerschlimmste für die US-Wahlen zu erwarten. Zumal der orange Despot eine Niederlage niemals akzeptieren wird und seine fanatischen Jünger zu landesweiter Gewalt auffordern wird.

Bis dahin genieße ich aber ein paar angenehme Artikel, die mich dennoch träumen lassen.

[……]  I promised you a blueprint and a strategy that, beginning today, working together, we can use to actually, once and for all, end the career of a political arsonist, the man who attempted to overthrow the duly-elected government of the United States of America, the 34-time convicted felon, self-admitted sexual abuser, and one-time Dean of Trump University: Donald J. Trump.   [……]

(Michael Moore, 04.08.2024)

[…..] Der wunde Punkt von Trump ist nicht in erster Linie, dass er politisch inakzeptabel wäre. Die Melange aus scharfer Anti-Einwanderungsrhetorik, Protektionismus und militärischer Zurückhaltung ist enorm populär, das zeigen alle Umfragen. Seine große Schwäche ist, dass er und die »MAGA«-Bewegung wie eine Freakshow wirken.

Eine Truppe, die immer mehr zum Magneten für Verschwörungstheoretiker, Glücksritter und Hochstapler wird und nun mit J.D. Vance auch noch einen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten hat, der sich in rechten Krawallshows dazu hinreißen ließ, kinderlose Frauen als »Katzenladys« zu bezeichnen, die das Land in den Ruin trieben.

Der Ärger der Republikaner, dass die Demokraten sie nun einfach als »weird« bezeichnen, zeigt, wie treffend das Wort ist.   […..]

(René Pfister, 04.08.2024)

[…..]  Vor der US-Wahl: Trumps Sprachpatzer sorgen für Spekulationen über seine geistige Fitness

Medienberichten zufolge stolperte Trump bei einer Wahlkampfkundgebung in Atlanta über bestimmte Formulierungen. Er sprach „wrecking“ als „reckting,“ „mobs“ als „marbs“ aus und sagte „place“ statt „police“, bevor er sich korrigierte. Diese Ausrutscher lösten in den sozialen Medien Spekulationen über seine kognitiven Fähigkeiten aus. Einige Nutzer in den sozialen Medien bezeichneten die Aussetzer als „Pannen“ und äußerten Bedenken hinsichtlich Trumps Alter und geistiger Fitness.

Bei der Kundgebung behauptete Trump außerdem weiterhin fälschlicherweise, er habe Georgia 2020 gewonnen, einen Staat, den er gegen den späteren US-Präsidenten Joe Biden verloren hatte. Er nannte Biden „einen so schlechten Präzedenzfall“ statt „Präsident“, bevor er sich korrigierte und sagte, Harris sei „eine Person mit niedrigem IQ“. [….]

(Jekaterina Jalunina, 04.08.2024)

[….] “Excited..energized..honored..proud” - that’s how our delegation to the Democratic National Convention is feeling after casting our votes to nominate Kamala Harris as the Democratic candidate for President this year.[….]

(Martha McDevitt-Pugh, International Chair, Democrats Abroad, 04.08.2024)

[….] Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass der Wahlkampf in den USA mit der Kandidatin Kamala Harris ganz von vorne begonnen hat, dann hat diesen Beweis nun Donald Trump erbracht. Indem er nämlich versucht, dass für den 10. September fest vereinbarte TV-Duell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten beim Sender ABC wieder abzusagen. Es ist ein nahezu unerklärlicher strategischer Fehler Trumps.

Seine Zusage sei hinfällig, argumentiert er sinngemäß, weil er nun gegen Harris antreten müsse, statt wie ursprünglich gedacht gegen Joe Biden. Im Lager der Demokraten dürften sie das mit großer Freude zur Kenntnis nehmen. Denn die Botschaft, die Trump damit aussendet, ist ja vor allem eine Respektsbekundung vor Kamala Harris. Man könnte auch eine Spur von Angst hineindeuten.  […..]

(Boris Herrmann, 04.08.2024)

[….]  Für Kamala Harris, die bei der Wahl im November Donald Trump schlagen will, ist es das wichtigste Thema überhaupt. Sie hat sich immer für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ausgesprochen, als erste Vizepräsidentin besuchte sie eine Abtreibungsklinik.

Eine große Mehrheit der US-Bevölkerung hat sie dabei hinter sich. 63 Prozent finden laut einer Umfrage des Pew Research Center, dass Abbrüche in allen oder den meisten Fällen legal sein sollten. Unter den Anhängern der Demokraten sehen das 85 Prozent so, unter jenen der Republikaner immerhin 41 Prozent.

Für Trump ist das gefährlich. Immer wieder hat er damit angegeben, dass er persönlich das historische Supreme-Court-Urteil »gekillt« habe , das von 1973 an landesweit Abtreibungen ermöglicht hatte. In »Roe gegen Wade« hatte das Gericht festgestellt, dass das Recht auf Abbrüche von der US-Verfassung gedeckt ist. Erst die Ernennung dreier konservativer Richter durch Trump führte zu der Mehrheit im Supreme Court, die das Urteil 2022 wieder kippte.  […..]

(DER SPIEGEL, 03.08.2024)