Dienstag, 5. Februar 2019

Abstoßungskräfte.


Verzweifelt suchen die Kirchisten der westlichen Welt Anschluss an die Jugend zu bekommen.
Online-Segen, twitternde Päpste und Gebetsautomaten sollen dem Mitgliederschwund entgegenwirken.
Das funktioniert nicht nur schlecht, sondern bewirkt offenbar das Gegenteil.
Wir Atheisten werden immer mehr.
Ich behaupte, die Kirche hat kein Vermittlungs- oder Vermarktungsproblem, sondern ein Personalproblem.
Seien wir mal ehrlich: Alle jungen Gläubigen sind Freaks.
Wenn sie öffentlich auftreten, wartet man immer auf die Männer im Weißen Kittel.
Kirchen verwenden viel Mühe darauf die Attraktiven und Sympathischen nach vorn zu schieben, aber auch wenn sie sich noch so modern geben, indem sie oberkörperfrei ihre makellose Jugendlichkeit zeigen und dazu rappen, bleiben sie Freaks.


(…..) Endlich Sonntag, danke Gott All day churchen - Vollzeitjob Wir geh'n raus und spreaden Love Worhship mit dem Squad. Aha. Und sie gaffen, wenn wir spacken und toben Wir sind die Kinder von dem Papi da oben Sind am Chillen mit den Churchies - was bitte stört sie? (…..)  Bruda Gott ist so gut! Ja, Er ist Nummer 1, Nummer 2, Nummer 3, Nummer 4 Wir ballern diesen Sound direkt vor deiner Tür Schalabanda-Clique, der Track explodiert Wir sind unashamed - irgendwelche Fragen? „Was sind das für Kids ey Das ist doch ein Witz ey Sie lesen die Bibel und machen daraus ein Mixtape" (….)


Ich bin sicher, es gibt Menschen, die so etwas mögen.
Aber eben keine Menschen mit Geschmack oder Gehirn.

Christlich engagierte Laien sind allesamt unsympathisch, verblödet, oder beides.
Die Usual Suspects, die durch den deutschen Blätterwald und die Talkshows rauschen, um gegen Frauen, Schwule und Atheisten zu hetzen, liegen auf der Sympathieskala zwischen Fußpilz und Wurzelbehandlung: Christa Mewes, Hedwig Beverfoerde, Birgit Kelle, Gabriele Kuby, Matthias Matussek, Martin Lohmann.
Der kleine fanatische Jung-Katholiban Rudolf Gehrig, Der Christ des Tages - Teil LXII, schreibt inzwischen fleißig katholische Kolumnen und arbeitet beim erzreaktionären katholischen TV-Sender EWTN als Reporter.


Ob so einer die Massen für den katholischen Glauben zurück gewinnt?


Die Profi-Kirchisten, die geistlichen Oberhäupter im Bischofsrang bemühen sich ebenfalls eifrig darum die Gläubigen abzuschrecken.
Beispiel USA. Staat für Staat klären Staatsanwälte auf wie viele Myriaden Kinder von katholischen Priestern sexuell missbraucht wurde.
In Pennsylvania waren es mindestens 300 Priester, in Illinois molestierten 700 Geistliche über viele Jahrzehnte Kinder. Die Opferzahl geht in die Zehntausende. Bis heute versucht die RKK zu vertuschen.

[…..] Im US-Bundesstaat Illinois haben sich möglicherweise weit mehr katholische Geistliche des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht als bisher bekannt. In einem am Mittwoch (Ortszeit) in Springfield veröffentlichten Bericht der zuständigen Generalstaatsanwältin Lisa Madigan ist die Rede von mehr als 690 beschuldigten Priestern und Diakonen. […..]

Natürlich sind die Dunkelziffern viel höher, da viele Opfer aus Scham und viele Täter aus Bosheit schweigen.
Als dritter Bundesstaat präsentiert nun Texas Zahlen.

 [….] Im US-Staat Texas werden Hunderte katholische Priester sexueller Übergriffe auf Kinder beschuldigt. Der Erzbischof von Houston, Kardinal Daniel DiNardo, sprach von „einer schweren Krise der Kirche“. Die mutmaßlichen Taten reichen bis in die 1940er-Jahre zurück.
Die „New York Times“ hatte am Freitag berichtet, dass 286 Priester aus 14 Diözesen in Texas glaubhaft beschuldigt wurden. [….]

Ganz grob berechnet: Inkl. Dunkelziffer 300 Kinderfickerpriester pro Staat. Bei einer durchschnittlichen Opferzahl von 50 Kindern pro Geistlichen in 50 Dienstjahren sind das 750.000 vergewaltigte Kinder in den USA.

Ich kann ohnehin nicht verstehen wie man Geistlicher der RKK werden kann, begreife also Bischöfe erst Recht nicht.
Aber wer auch nur halbwegs bei Verstand ist, würde doch annehmen, daß ausgerechnet ein texanischer Bischof angesichts dieser aktuellen Zahlen in Sack und Asche geht, demütig um Verzeihung bittet und außerordentlich kleinlaut agiert.

Aber weit gefehlt.


Joseph E. Strickland, Bischof von Tyler wird aggressiver denn je und lädt seinen Schwulenhass auf der heterosexuellen fünffachen Mutter und neunfachen Großmutter Nancy Pelosi ab.

[….] Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses und langjährige Spitzenpolitikerin der Demokratischen Partei, wird von US-Bischof Joseph E. Strickland (Foto), als „sogenannte katholische Politikerin“ bezeichnet. Auf Twitter schrieb der Bischof von Tyler (US-Bundesstaat Texas) wörtlich zu einem Artikel über Pelosis Behauptung aus dem Jahr 2015, dass die Homo-„Ehe“ mit der katholischen Lehre übereinstimme: „Noch eine sogenannte katholische Politikerin. Dieses Statement ist häretisch. Eine Ehe, die der katholischen Lehre entspricht, wird zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen, Basta...“. Bischof Strickland verlinkte auf den Artikel in „LifeSiteNews“ aus dem Jahr 2015, in dem sich Pelosi im Zusammenhang mit dieser Frage als treue Christin und „Mainstream-Katholikin“ beschrieb. 
In einem weiteren Tweet dankte Strickland Papst Franziskus für seine klare Aussage, dass Abtreibung kein „Menschenrecht“ ist. Der Bischof schrieb wörtlich: Wenn einer Person nicht erlaubt wird, geboren zu werden, werden alle anderen Menschenrechte irrelevant. Die Abtreibung eines Kindes in jeder Entwicklungsstufe ist MORD und damit der ultimative KINDESMISSBRAUCH… es ist nicht christlich und noch weniger katholisch, dieses Grundwahrheit zu verneinen.“ […..]

You cannot make that shit up.
Ein Fürst des größten transnationalen Kinderfickervereins, der just in seiner Zuständigkeit hunderte übergriffige Sex-Täter einräumen muss, belehrt die demokratische Nummer Drei im Staate darüber was der viel schlimmere Kindesmissbrauch ist?
Mir fehlen buchstäblich die Worte, um das zu kommentieren.

Die ehemalige Nummer Drei der Weltkirche, Kardinal Müller, der als Bischof von Regensburg aktiv dafür sorgte, daß pädosexuelle Straftäter erneut Kinder zugeführt bekamen und erneut vergewaltigten, der alles dafür tat, um sadistische Prügelpater bei den Domspatzen zu schützen, geht noch einen Schritt weiter und bringt ausgerechnet die Humanisten, die in 200-Jähriger hartnäckiger Arbeit Kinder-, Frauen und Schwulenrechte der Kirche abtrotzten in Zusammenhang mit Nazis.

[….] Kardinal Müller warnt vor "antichristlichem Tsunami"
Kardinal Gerhard Ludwig Müller macht sich Sorgen um die Zukunft des Christentums. Beim Begegnungstag von "Kirche in Not" in Köln warnte er vor einem Kampf gegen den christlichen Glauben und brachte den Atheismus mit Vernichtungsideologien in Verbindung.
Gegenwärtig werde ein Kampf gegen den Glauben an Christus "generalstabsmäßig organisiert und international durchgeführt in dem von einzelnen Staaten und NGO's finanzierten Programm der Ent-Christianisierung der vom christlichen Glauben geprägten Kulturen", erklärte Kardinal Müller in einem Vortrag anlässlich des Pater-Werenfried-Jahresgedenkens. Ziel sei eine Auslöschung des Gottesglaubens zugunsten einer "materialistische[n] Konsumhaltung". 
Die Anfänge eines solchen "antichristlichen Tsunamis" sei in der Aufklärungsphilosophie des 18. Jahrhunderts und dem damit verbundenen "Humanismus ohne Gott" zu verorten. Den Atheismus brachte Müller dabei mit Vernichtungsideologien in Verbindung: "Während man in den politischen Atheismen den sicher erwarteten Tod der Religion durch die Ausrottung ihrer Anhänger beschleunigen will, wird in den liberalen Kreisen der natürliche Tod der Religion in Kürze erwartet", so der damalige Regensburger Bischof und spätere Vorsitzende der Vatikanischen Glaubenskongregation. [….]

KANN MAN SICH NICHT AUSDENKEN

Die RKK-Größen vergessen aber, daß durch Internet und soziale Medien solche abartigen Ausfälle überall bekannt werden.
Und das hat Konsequenzen.

[….] Kirchen verlieren in Berlin massiv Mitglieder
Die Zahl der Austritte ist um 21 Prozent angestiegen. [….]
Knapp 900.000 Mitglieder zählten die evangelischen und römisch-katholischen Kirchen in Berlin im Jahr 2017, damit gehörte jeder vierte Berliner einer der beiden größten christlichen Gemeinden an. Jedoch, ihre Zahl sinkt rapide. Nachdem 2017 rund 14000 Menschen die beiden größten Konfessionsgemeinschaften verlassen hatten, waren es im Vorjahr beinahe 17000. Die Steigerungsrate der Kirchenaustritte lag damit in Berlin bei 21 Prozent. [….]

Immer weiter so. Nur Massenaustritte können die in der Berliner Politik radikal überrepräsentierten hardcore-Religioten wie Brinkhaus, Nahles, Griese, Thierse, Kauder, AKK, Steinmeier, Göring-Kirchentag beeindrucken.


Montag, 4. Februar 2019

Gerd Schröder geht um


Nichts triggert die Cortisol-Produktion in den Hirnen vermeidlich linker Sozialdemokraten so sehr wie Meinungsäußerungen des letzten SPD-Kanzlers.
Man kann niemand so leidenschaftlich hassen wie denjenigen, den man mal liebte.
Dieser Typ, der in Niedersachsen zweimal die absolute Mehrheit für die SPD holte und im Bund 41% erzielte.
41% Schröder versus 14% Nahles.
Dazwischen liegen politisch gesprochen nicht nur Welten, sondern Galaxien.
Oh, wie sie den Altkanzler für seine sagenhaften Erfolge hassen und pawlowsch sabbernd „Gas-Gerd“ und „Putin-Freund“ ausspeien.
Im Jahr 2019 ist der INF-Vertrag zerstört und wir stehen unmittelbar vor einem neuen atomaren Wettrüsten in Europa. Kaum noch vorstellbar, daß eben dieser Putin als Regierungschef als Freund auf Deutsch vor dem Bundestag sprach, daß Berlin und Moskau gemeinsame Kabinettssitzungen abhielten, ihre pazifistische Außenpolitik (gegen den Irakkrieg) koordinierten, daß sich die Regierungschefs so gut verstanden, daß sie Geburtstage und Weihnachten privat zusammen verbrachten, daß der russisch-deutsche Handel blühte. Eine echte Freundschaft zwischen Russen und Deutschen entstand. Deutsche Schweinezüchter zogen auf russische Steppen, das Hamburger Partyvolk strömte zu den Weißen Nächten der Partnerstadt St. Petersburg, russische Schriftsteller und Musiker ließen es sich in Berlin gutgehen.

20 Jahre später hassen wir uns wieder. Deutsche Soldaten stehen als NATO-Verstärkung in den Baltischen Staaten unmittelbar vor der russischen Grenze, es herrschen strikte Wirtschaftssanktionen und wir installieren wieder Atomraketen gegeneinander.

Wir urteilen nun moralisch und nicht pragmatisch.
Daher lehnen wir die Erinnerungen an das goldene deutsch-russische Zeitalter unter Schröder empört ab. Dieser Gas-Gerd.

Schröder teilt zu allem Übel auch noch gegen Andrea Nahles und Kevin Kühnert aus.
Die Seele der sozialdemokratischen Facebookgruppen kocht über.
Dieser Putin-Freund! Ist der nicht überhaupt schon das fünfte mal verheiratet?

Die gegenwärtige Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD hat dabei allen Grund ihren Vorvorvorvorvorvorvorgänger (Schröder, Müntefering, Platzeck, Beck, Müntefering, Gabriel, Schulz) zu fürchten.

Aus zwei Gründen.

1.) Gerhard Schröders Anmerkungen aus dem aktuellen SPIEGEL sind alle richtig.

„Wohl schon ein biss­chen. Ich habe im­mer ver­sucht, in kur­zen Sät­zen zu spre­chen und nicht aus­zu­wei­chen. Die Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin hat neu­lich ge­zeigt, wie man es nicht ma­chen soll­te. Sie wur­de ge­fragt, wie sie zum Tem­po­li­mit steht. Und an­statt zu sa­gen, ich bin da­für oder da­ge­gen, sagt sie, man wer­de ei­nen Plan vor­le­gen in der Re­gie­rung, und man müs­se die Din­ge im Ge­samt­zu­sam­men­hang se­hen. Solch eine Spra­che kommt so ver­klau­su­liert und so ängst­lich da­her, dass sie kei­nen be­wegt. Da muss man sich dann auch nicht wun­dern, wenn ei­nen nie­mand mehr ver­steht.“
(Gerd Schröder, 02.02.2019)


[….] SPIEGEL: Wir ha­ben den Ein­druck, der gan­zen SPD ist die Spra­che ver­lo­ren ge­gan­gen. Ist das »Bät­schi« von Par­tei­che­fin An­drea Nah­les ein Er­satz für Ihre »Fla­sche Bier«?

Schrö­der: Das sind Ama­teur­feh­ler. Sie war da­mals zwar noch nicht Vor­sit­zen­de, aber so drückt man sich ein­fach nicht aus. Übri­gens kann Schlam­pig­keit auch im Klei­dungs­stil au­ßer­or­dent­lich kon­tra­pro­duk­tiv sein, ins­be­son­de­re bei SPD-Wäh­lern. Da­mit mei­ne ich nicht Frau Nah­les, aber das muss man wis­sen. Die Vor­stel­lung, dass SPD-Wäh­ler es am liebs­ten hät­ten, wenn man mit ei­nem Ka­pu­zen­pul­li zum Par­tei­tag geht, ist ein Feh­ler. Ge­ra­de un­se­re Leu­te er­war­ten, dass wir ver­nünf­tig auf­tre­ten. [….]
Schrö­der: Mit So­zi­al­po­li­tik al­lei­ne nicht. Wenn uns nicht eine Mehr­heit der Men­schen öko­no­mi­sche Kom­pe­tenz zu­bil­ligt, wer­den wir nicht wie­der den Kanz­ler stel­len. Wer glaubt, dass die SPD er­folg­reich ei­nen Kanz­ler­kan­di­da­ten ohne die­se Kom­pe­tenz auf­stel­len könn­te, der irrt.
SPIEGEL: Hat An­drea Nah­les die­se öko­no­mi­sche Kom­pe­tenz?
Schrö­der: Ich glau­be, das wür­de nicht mal sie selbst von sich be­haup­ten.
SPIEGEL: Wer hat sie dann?
Schrö­der: Je­mand wie Olaf Scholz hat schon be­wie­sen, dass er was von Wirt­schaft ver­steht. Und er hat er­folg­reich Ham­burg re­giert. Gu­tes Re­gie­ren ist Vor­aus­set­zung für ei­nen er­folg­rei­chen Po­li­ti­ker, es reicht aber nicht. Man muss es auch nach au­ßen kom­mu­ni­zie­ren.
SPIEGEL: Was ist mit Sig­mar Ga­bri­el?
Schrö­der: Sig­mar Ga­bri­el ist viel­leicht der be­gab­tes­te Po­li­ti­ker, den wir in der SPD ha­ben. Er ist nur in der Par­tei ein paar Leu­ten zu fest auf die Füße ge­tre­ten. [….]
(DER SPIEGEL, 06/19)

2.)Gerd Schröder wird gehört.

Was er sagt hat nicht nur Hand und Fuß, sondern er verfügt über die Gabe Aufmerksamkeit zu erregen. Positiv wie negativ. Insbesondere die, die ihn nicht mögen reagieren empfindlich wie Seismographen auf jeden seiner Sätze.
Er hat die Fähigkeit sich so auszudrücken, daß seine Botschaft inhaltlich bei den meisten Menschen ankommt.
Nahles hingegen plappert ein derartig von der Realität entferntes Politiker-Sprech, daß sie es selbst mit ihrem fatalen Hang zu Vulgarität, Lautstärke und Infantilismus kaum noch schlimmer machen kann.
Sie ist als Parteivorsitzende so unfähig, daß selbst echte Politjunkies sie sofort vergessen.
Ich muss Minutenlang googeln bis ich wieder vergegenwärtigt hatte, was Nahles nach dem letzten Mega-Koalitionskrach und den katastrophalen Landtagswahlergebnissen von sich gab. Erst hieß es immer „Neustart“, dann aber hatte sich die Parteibürokratin etwas Neues ausgedacht, nämlich einen „konkreten Fahrplan für die Koalition“. Oder war es „Arbeitsplan“?
Und was war noch mal der Unterschied zu allen vorherigen Absichtserklärungen? Was steht im Koalitions-Fahrplan anderes als im Koalitionsvertrag?

Das ist Nahles. Schon nach zwei Monaten ist längst alles vergessen, was sie gesagt hat. Wie viele von hundert Menschen auf der Straße könnten beantworten, was in Nahles‘ „konkreten Koalitionsfahrplan“ steht?
Weiß auch nur eine Woche später noch jemand welche Position die SPD-Umweltministerin zum Tempolimit vertritt?

Schröder hingegen ist so einprägsam, daß man noch 20 Jahre später genau weiß was er meinte.

Ja, Koalitionen müssen Kompromisse machen.
Aber das kann man kommunizieren und muss sich nicht feige wegducken, bzw mit wolkigem Blabla wegreden.
Obwohl es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, traute sich die SPD nicht.
OK, kann man machen, aber dann muss man laut und deutlich sagen: „Wir sehen es anders, aber der Fortbestand der Groko ist uns wichtiger, weil…“
Doch ausgerechnet während die SPD das erste mal von einer Frau geführt wird, traut sie sich nicht eine feministische Position einzunehmen.
Ist die Partei etwa Opfer der fanatischen Religiotie der Nahles?

[…..] Eigentlich ist es irre: Eine letztlich semantische Frage führt im 21. Jahrhundert eine Große Koalition beinahe an den Rand des Zusammenbruchs. Und alles nur, weil Menschen seit zwei Jahren laut dafür kämpfen, dass das, was 1933 für die Nazis "Werbung für Abtreibung" war, heute als "Information über Abtreibung" gelten sollte.
[…..]  die neue Debatte über Abtreibungen" dokumentierte teils den grandios rumeiernden Zustand der SPD, die noch vor einem Jahr den Paragrafen knallhart ganz streichen wollte. Und zeigte zudem, wie überholt das Frauenbild wirkt, das hinter dem Gesetz steckt. Im Zuge von #MeToo eigentlich kaum noch vorstellbar. […..]   Sieht man davon ab, dass Philipp Amthor sich beharrlich um Anne Wills Fragen nach seinem Engagement für jenen populistischen Verein "Durchblick" herumgedrückt hat, als ob ihm diese Leute auch peinlich wären ("Ich bin keine Projektionsfläche für alles, was im Lebensschutz passiert"); und ignoriert man, dass er der Frauenärztin Kristina Hänel vorhielt, sie sei wissentlich Wiederholungstäterin und erst einmal grundsätzlich für Abtreibungen (was sie beides fix als falsch entlarvte), dann muss man sagen: Wenn man Amthor beim Wort nehmen kann, könnten Parlamentsdebatten rund um Frauenrechte in Zukunft weniger reißerisch ablaufen. […..] 

Selbst die konservative WELT, in der die braun-christliche Kristina Schröder als Kolumnistin gegen Frauenrechte wettert, räumt ein, wie schlecht der CDU-Mann aussah. Nur die SPD schaffte es nicht zu profitieren.

[…..] Bei Twitter war Philipp Amthor am Sonntagabend unten durch. Noch während die Sendung lief, machte sich bei dem Kurznachrichtendienst die Häme über den jungen CDU-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern breit. […..] Der Grund für die Häme: Amthor verteidigte in der Talkshow von Anne Will den Kompromiss zwischen CDU und SPD zum viel diskutierten Paragrafen 219a, den das Kabinett am Mittwoch beschließen will. Amthor, der sich selbst als „Lebensschützer“ bezeichnet, ist dafür, dass das sogenannte Werbeverbot für Abtreibungen weiterhin bestehen bleiben soll.
[…..] In der Berliner Regierungskoalition gab es wegen der Initiative gegen das Gesetz bereits Streit. Die SPD spricht sich schon länger für eine Streichung des Paragrafen aus – genauso wie Linke, Grüne und Teile der FDP. Im März 2018 hätte diese Mehrheit im Bundestag den 219a sogar beinahe schon einmal gemeinsam zu Fall gebracht, doch dann schreckten die Sozialdemokraten vor einer offenen Konfrontation mit der CDU zurück.
[…..] Der sozialdemokratischen Familienministerin Franziska Giffey kam in der Talkshow die Rolle zu, die ausgehandelte Einigung zu verteidigen. […..] „Wir sind nun einmal in einer großen Koalition“, sagte die Ministerin nüchtern. [….]

Schröder hätte sich garantiert nicht feige im Willy Brandt Haus versteckt, sondern die öffentliche Diskussion dominiert, den Schwarzen Peter der CDU/CSU zugeschoben.
Nahles hingegen schafft es, die SPD dumm dastehen zu lassen, während die CDU auf der anachronistischen Minderheitenposition beharrt.

Ein bißchen Hoffnung machen die neuen SPD-Positionen bezüglich der „Respekt-Rente“ von Hubertus Heil.
Die CDU tobt und hält dagegen. GUT SO! Das kann den Volksparteien nur helfen, wenn sie klare antagonistische Positionen beziehen.

Ebenso positiv sehe ich den aktuellen Streit zwischen den Parteigenerälen Klingbeil und Ziemiak.
Der Sozi wendet sich klar gegen atomare Aufrüstung in Europa, der CDU-Mann aus Polen hält stramm dagegen und bettelt geradezu um neue US-Atomraketen in Deutschland. GUT SO! Fechtet das aus! Ich habe große Hoffnungen, daß die jeweilige SPD-Position die Populärere ist.

Schade nur, daß Andrea Nahles wie immer völlig abgetaucht ist und zu all dem rein gar nichts zu sagen hat.

Vielleicht tue ich ihr auch Unrecht. Möglicherweise äußerte sich die Doppelchefin doch schon zu diesen Themen.
Aber, siehe oben, sie ist eben Nahles, kann sich nicht ausdrücken und nicht kommunizieren.
Und man vergisst es sofort wieder, wenn sie irgendwas plappert.

Sonntag, 3. Februar 2019

Gott und Genetik.


Mein Chemielehrer hat mich vermutlich übermotiviert.
Als Teenager gefiel mir der Chemie-Leistungskurs auch deswegen so gut, weil ich daraus philosophische Erkenntnisse zog.
Proteinbiosynthese, die Vervielfältigung von DNA, die Neurotransmitter, die in den Synapsen des Hirns umherziehen, um bestimmte Reize und Gefühle zu transportieren, die verschiedenen Stoffwechselkreisläufe, die so genial ineinander greifen. Das erklärte menschliche Existenz vollständig.
Und zwar nicht das „Wunder der Existenz“, sondern das eben nicht mystische oder göttliche Leben. Wir sind das Produkt von Evolution und befinden uns mitten im Erkenntnisprozess, wie wir eigentlich funktionieren.
Hat man einmal alle diese biochemischen Prozesse analysiert und verstanden, kann man gezielt Antibiotika herstellen, Schmerzmittel konstruieren und jedes Leiden wissenschaftlich abstellen.
Depression, Ängste? Liegt an einem Serotonin-Mangel im Hirn.
Die medikamentöse Lösung ist sogar besonders elegant, indem man nicht etwa einfach Serotonin, den „Wohlfühl-Botenstoff“ nachkippt und den Körper damit von außen überflutet, sondern ein SSRI, Selective Serotonin Reuptake Inhibitor ansetzt. Ein schlaues Molekül, das in die Synapsen schwimmt und dort genau das Protein außer Gefecht setzt, das eigentlich dafür da ist Serotonin zu zerlegen.
Dadurch wird das körpereigene Serotonin langsamer abgebaut und es verbleiben größere Konzentrationen genau in den Synapsen, in die es gehört, um sich gut zu fühlen.
Genial. Antidepressiva sind eben keine chemischen Keulen, sondern wirken ganz natürlich.

Wie sich herausstellte ist das aber an der Universität doch ein etwas länglicherer Prozess die Techniken zu erlernen und erheblich komplizierter als es in der Schule an der Tafel skizziert war.
Das bekannteste SSRI ist das US-amerikanische Prozac (Fluoxetin) und wird von 20 Millionen Amerikanern regelmäßig genommen.
Depressionen existieren aber immer noch.
Ganz so simpel ist es offenbar doch nicht. Einen Neurotransmitter auffüllen und alles ist gut.

Die Chemie ist mehr als Physik oder Biologie die richtige Naturwissenschaft, um den Menschen zu verstehen. Natürlich sind wir nichts anderes als Chemie. Unsere Gedanken, unsere Gefühle unsere Körper sind Chemie.
Aber komplizierte Chemie. Was macht unsere Persönlichkeit aus?
Was ist Genetik? Was sind Umwelteinflüsse?
Ich muss nur an meinen Vater und seinen Zwillingsbruder denken.
Die Gene sind extrem ähnlich, sie sind unter genau denselben Umständen aufgewachsen und wurden dann zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
In wie weit ist man Sklave der Umstände, der Umwelt, seiner Gene? Ist man überhaupt vollständig für sein eigenes Handeln verantwortlich?
Können schwere Religioten sich überhaupt dagegen wehren, oder sind sie Opfer einer Inselverarmung, sind mit einer genetischen Prädisposition geboren worden, um sich leichtgläubig und unkritisch Kulten anzuschließen?

Wenn Kriminelle sich mit ihrer „schweren Kindheit“ rausreden, fallen BILD und TWITTER über sie her. Andere hätten es auch so schwer gehabt, ohne je kriminell zu werden.
Haben die aber nicht vielleicht einen besseren Gen-Satz mitbekommen?
Hat jemand schon mal in einer der vielen Knast- und Jugendknast-Dokumentation einen Insassen erlebt, der nicht aus zerrütteten Verhältnissen stammt?

Ich habe keine Antwort auf die Frage, welche Faktoren darüber entscheiden, ob man durch eine wirklich miese Kindheit ein bedauerliches kleinkriminelles Würstchen wird, oder bösartig und sadistisch.
Niemand kann genau erklären woher die Jahrtausendbösartigkeit eines Adolf Hitlers kommt.
Aber es ist auch unklar wieso einfache, ungebildete oder auch sehr junge Leute wie die 18-Jährige Marion Dönhoff nach einer Begegnung mit Hitler wußten wie gefährlich er ist, während sich so viele andere verführen ließen.




 Auch Trumps toxische Persönlichkeit lässt sich nicht ohne das familiäre Umfeld erklären. Seit Generationen schaffen die Trumps für ihre Söhne die Voraussetzung sich zu besonderen Arschlöchern mit Psychosen zu entwickeln.
 Aber offenbar spielt auch eine starke genetische Komponente eine Rolle, der Ivanas Chromosomensatz wenig entgegenhalten konnte. Alle drei Sprösslinge aus dieser Linie, Don Jr., Eric und Ivanka, gehören zur unangenehmsten Sorte Mensch, die je ersonnen wurde.

Donald Trump selbst weiß nichts über Wissenschaft.
Aber das Weiße Haus verfügt natürlich über einen gewaltigen Mitarbeiterstab und kann so einiges über die besonderen Eigenschaften des Präsidenten erklären.

Böse Zungen hatten Fakenews verbreitet:

[….] Freunde der Trump-Tochter Ivanka berichten, dass die First Daughter Details zur ungewöhnlichen Frisur ihres Vater verraten hatte. Trump habe nach einer Kopfhautverkleinerung eine Haarinsel auf der Mitte seines Kopfes, die von einem buschigen Haarkranz umgeben ist. Die aufwendige Prozedur: „Vom Haarkranz werden alle Enden zur Mitte über die kahlen Flächen gekämmt und mit einem starken Haarspray fixiert.” Auch das Geheimnis der orangen Farbe lüftete Ivanka. Trump benutze das Billigfärbemittel „Just for Men“, um das Grau zu übertünchen. Weil er nicht genügend Geduld für die Einwirkzeit aufbringe, lande er meist bei dem charakteristischen Orange-Ton. [….]

 [….] According to former White House staffer Omarosa Manigault-Newman, there may be a reason why President Donald Trump’s skin has its infamous hue.
In her new tell-all, Unhinged: An Insider’s Account of the Trump White House, Omarosa writes that the President of the United States reportedly has his own tanning bed in the White House and uses it every morning, Us Weekly reports.
“He prefers to do it in the morning so he ‘looks good’ all day,” Omarosa wrote [….] She also claims that he was alone in the room with his tanning bed when he sent the infamous “covfefe” tweet and that a White House staffer was apparently fired over the mishandling of the bed’s delivery when the president moved in, People reports.  [….]

#45 geschminkt und gefärbt?
Kann gar nicht sein.

Sein orange-gesunder Teint ist Produkt seiner hervorragenden Gene!

[…..] In a town where not even the longtime operation of the federal government seems certain, Mr. Trump has adhered to one constant: a conspicuously sun-kissed glow, one that has shone like a stoplight against Washington’s graying backdrop. Much like Warhol’s shock of white hair or Big Bird’s saffron plumage, the president’s vibrant hue is so consistently present and meticulously maintained that it was a culturally embedded representation of him long before he entered politics.
The president’s shade is one that Alec Baldwin, the actor who portrays Mr. Trump regularly on “Saturday Night Live,” recently described as vacillating between a “Mark Rothko orange” and a “slightly paler Orange Crush,” depending on the setting. Which right now is February in Washington.
[…..] The official line from the White House, as with other matters surrounding the president’s physical health and appearance, is that Mr. Trump’s glow is the result of “good genes,” according to a senior administration official who would speak only on the condition of anonymity. [….]


Nun ist das Geheimnis von Trumps Schönheit also gelüftet.
Gute Gene.
Aber das auskunftsreiche Weiße Haus beließ es nicht nur bei dieser Aufklärung sondern konnte durch die Sprecherin der mächtigsten Supermacht der Welt auch noch grundsätzlich erklären, wie Trump überhaupt Präsident wurde:
Es war Gottes Wille!

(Sarah Huckabee Sanders)


In Amerika gelten offenbar doch keine Naturgesetze.
Vergesst Chemie und Spray-Tan, es kommt alles von Gott.