Donnerstag, 4. September 2014

Vom Glück der Ignoranz



Der Mensch ist den geistigen Anforderungen, für die er evolutionär geschaffen wurde, entwachsen.

Homos teilten sich vor 100.000 Jahren den Lebensraum der Erde; mit Homo sapiens in Afrika, Homo neanderthalensis in Europa und Homo erectus in Asien. Überlebt hat alleine Homo sapiens.
Einst durch klimatische Veränderungen gezwungen seinen angestammten afrikanischen Lebensraum zu verlassen, wanderte Homo Sapiens in alle anderen Kontinente aus.  
Diese Erkenntnisse gelten durch moderne Genetik, welche die Untersuchung von Stammbäumen aus Mitochondrien-DNA möglich machte, als gesichert.
Dir großen Wanderungswelle gelangen nur dank klimatischer Schwankungen, die beispielsweise während Eiszeiten den Meeresspiegel so senkten, daß Homo sapiens durchs Rote Meer latschen konnte oder später über die zugefrorene  Beringstraße von Russland aus mal bei Frau Palin vorbeigucken konnten.

Das heutige menschliche Hirn ist eine Ausrüstung, um Kälte und Nahrungsknappheit zu trotzen. Erst wenn man die Nähnadel erfunden hat und sich mit Tiersehnen Felle zu warmer Kleidung zusammen nähen kann und darüber hinaus auch noch weiß wie man Feuer macht, kann so ein nackter Affe wie wir in Sibirien zurechtkommen.

Das Leben als Sammler und Jäger kann man gut meistern mit unserer genetischen Ausstattung.
Es muss allerdings nicht gelingen, wie der Homo neanderthalensis beweist, der offenbar mindestens genauso klug wie wir war, aber dennoch verschwand.
Wir wissen (noch) nicht warum eigentlich.
Vielleicht wurden die Neandertaler vom aggressiveren Homo sapiens als Nahrungsmittelkonkurrent gekillt.
Konkurrenten loszuwerden ist eine genetisch sinnvolle Strategie. Das kann man an Löwen beobachten, die jeden Gepard und jeden Wildhund, den sie erwischen können sofort totbeißen. Ein Gepard frisst rund hundert Gazellen im Jahr und diese Viecher würde das Löwenrudel lieber selbst fressen.
Simple Logik.

Auf diesem Niveau denkend kann der moderne Mensch seine biologischen Grundbedürfnisse – Fressen und Reproduzieren – erfolgreich befriedigen.
Die Nachkommenschaft muß genau wie bei Karnickel oder Ratte den Gefahren entsprechend zahlreich sein.
Deswegen will der Mensch andauernd poppen. Er weiß noch aus früheren Jahrtausenden, daß immer mal wieder ein Balg ersäuft, totgeschlagen oder aufgefressen wird. Entsprechende Redundanzen braucht man.

Mit der Hirnentwicklung haben wir es leider etwas übertrieben.
In den letzten Jahrhunderten wurden wir immer unabhängiger von den Zwängen der Umwelt.
Man entwickelte Zentralheizung, Penicillin und Jacketkronen. In der Folge starben viel zu wenige Kinder und die Alten hielten sich noch Dekaden nach dem Ende ihrer Fruchtbarkeit am Leben fest.
Wir wurden immer mehr, überforderten unsere Umwelt und machten uns zunehmend gegenseitig Probleme.
Unglücklicherweise ist das menschliche Hirn sogar so groß, daß es all diese Probleme auch noch wahrnehmen kann.

Um das Elend um uns herum aushalten zu können, ist es zwingend notwendig den Informationszufluss radikal zu minimieren.
Bis vor 500 Jahren war auch das noch leicht. Spätestens seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, als Reisen immer schneller wurde und sich Informationen durch Telegraphie und Rundfunk ausbreiteten, wurde das schöne einfache, sorgenfreie Leben nahezu unmöglich.
Das Wissen um ferne Länder erzeugt außerdem Begehrlichkeiten.
So ein Menschenhirn ist seiner ursprünglichen Funktion; nämlich dafür zu sorgen, daß man GENÜGEND zum Überleben hat, ebenfalls entwachsen.
Genügend zum Überleben genügt dem modernen Menschen bei Weitem nicht mehr.
Es muß immer mehr, immer mehr und immer mehr sein.
Und dieses mehr fehlt an anderer Stelle.
Die Folgen sehen wir überall in der Welt. Öl, Wasser, Ackerland, Gold, Seltenerdmetalle oder Gas sind heiß umkämpft.
In dieser brutaler werdenden Welt entwickelte sich bizarrerweise gleichzeitig auch Empathie.

Es ist keine Hundert Jahre her, daß man hier bei mir vor der Tür in Hamburg entrechtete Menschen in Käfige sperrte und anglotze.

Gerne wurden „Schau-Neger“ auf Jahrmärkten gezeigt. Carl Hagenbeck ließ für seinen Zoo in Hamburg allerlei „wilde Afrikaner“ einfangen und zeigte sie den höchst interessierten Hanseaten in seiner „Völkerschau“.
Den christlichen Besuchern kam es gar nicht in den Sinn, daß es irgendwie unmoralisch sein könnte, neben Löwen und Antilopen auch Hottentotten und Zulus in Käfigen zu zeigen.
Die Körperlichkeit der vielen afrikanischen Völkerschauen in Deutschland faszinierte insbesondere die Frauen in Deutschland - hatten sie doch in der Regel noch nie nackte Männer gesehen.

Blütezeit der Völkerschauen in Europa war zwischen 1870 und 1940. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Teilweise lebten in diesen „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ gleichzeitig über 100 Menschen.
(Wiki)

Tatsächlich konnten die in Hamburg gefangenen Afrikaner noch von Glück reden. Es war nämlich durchaus auch üblich „Neger“ aus praktischen Erwägungen auszustopfen oder des einfacheren Transports halber nur ihre Köpfe auszustellen.
Noch heute lagern in den Kellern der Berliner Charité kistenweise getrocknete Köpfe von Menschen aus allen Gegenden Afrikas.

Heute entwickelt man angesichts dieses Verhaltens Scham.
Die Nürnberger Rassegesetze von 1935 und die Konsequenzen beschämen inzwischen auch die anderen Mächte der Welt, die ein Jahr später fröhlich feiernd zur Olympiade in Berlin erschienen.
Machte ja nichts.
Vermutlich wird sich unsere Scham noch weiter entwickeln.
Ich halte es für wahrscheinlich, daß in 50 Jahren Jugendliche uns Uralte entsetzt fragen werden, wieso man ohne irgendwelche Skrupel mit Nationen Handel trieb, die Frauen steinigten und Schwule aufknüpften.
Blöderweise entwickelt sich diese zunehmende Sensibilität nicht überall gleichzeitig.
Während es mir kalt den Rücken runterläuft, wenn jemand geköpft wird, weil er „ungläubig“ ist, gibt es offenbar genügend Menschen, die gerade das so anziehend finden, daß sie mitmachen wollen.

Wer aber mitmacht, steckt das psychisch nicht mehr so leicht weg.
Myriaden amerikanische Kriegsheimkehrer können ihren eigenen Erinnerungen nur noch durch Suizid endfliehen.

Im Dorf Najib Yan Daud in der afghanischen Provinz Kandahar wurden am Sonntag, den 11. März, zwischen zwei und drei Uhr morgens insgesamt 16 Menschen umgebracht.

 Unter den Opfern waren neun Kinder. Ein US-Unteroffizier mit psychischen Problemen war nach Angaben des US-Militärs der Schütze. Er habe seinen Stützpunkt in der Nacht verlassen, sei zu Fuß in das wenige Kilometer entfernte Dorf gelaufen und in drei Häuser eingedrungen. Dort habe er auf die Bewohner geschossen.
Ermittlungen ergaben später, dass einige Leichen von Kindern Brandspuren aufweisen. Der Täter, laut US-Militär der Staff Sergeant Robert Bales, habe versucht, sie anzuzünden.

Wenn NATO-Soldaten Unschuldige massakrieren, weil sie so verroht sind, daß ihnen sämtliche natürlichen Tötungshemmungen fehlen, sind das selbstverständlich nur Einzelfälle.
 Im a posteriori bedauern sind wir im Westen ja immer ganz groß.

 2010: Ein selbst ernanntes Kill-Team – bestehend aus fünf US Soldaten – macht wahllos Jagd auf Zivilisten, präsentiert die Toten wie Trophäen.
Januar 2012: Ein Video geht um die Welt, in dem US Soldaten auf Leichen urinieren.
Februar 2012: Massendemonstrationen. US Soldaten verbrennen Koranbücher. Angeblich versehentlich. Und das in Afghanistan. Alles irre Taten Einzelner? Zeigen diese Vorfälle nicht auch, was Krieg aus Menschen macht?

Die meisten Soldaten sind selbst als Psychowracks noch so freundlich nicht andere Menschen zu erschießen. Sie geben sich dafür dann selbst die Kugel.

Mehr als 200.000 Menschen haben sich seit Beginn der Kriege im Irak und in Afghanistan in Veteranen-Krankenhäusern behandeln lassen - alle wegen PTBS. Diese Zahl veröffentlichte die Tageszeitung "USA Today" im November 2011 unter Berufung auf eine Studie von Veteranen-Vereinigungen. Die Dunkelziffer der Erkrankungen dürfte aber deutlich höher liegen. Scham und Stolz halten noch immer viele Soldaten davon ab, sich professionelle Hilfe zu holen. Das Militär spricht dagegen offiziell von "nur" rund 50.000 PTBS-Fällen.
[…]    Diese können sich in Angstzuständen äußern, in Schlaflosigkeit und Depression. Aber auch spontane Gewaltausbrüche, häusliche Dispute sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch gehören zu den möglichen Folgen einer PTBS-Erkrankung. Seit Jahren beklagen Veteranen-Organisationen steigende Selbstmordraten unter Kriegsheimkehrern mit traumatischen Erfahrungen.   

Das Erstaunliche an den vielen PTBS-Fällen ist das Erstaunen darüber.

Junge Menschen in sinnlose Kriegsszenarien zu versetzen, in denen sämtliche moralischen Grundfesten außer Kraft gesetzt sind, in denen ein bizarrer Rambo-Männer-Kult herrscht, in denen man keine Schwächen zeigen darf und dafür permanent morden muß, soll keine seelischen Schäden verursachen?

Aus dem Homo Sapiens, der durch die Kraft seiner Intelligenz so viel erschaffen konnte, wurde der Homo Demens, der nur durch Rückzug in die Doofheit seine eigene Gewalt aushält.


Die Ausgangsthese der Streitschrift ist prägnant und einprägsam: „Die größte Bedrohung der Menschheit geht nicht von Erdbeben und Tsunamis aus, auch nicht von skrupellosen Politikern, raffgiereigen Managern oder finsteren Verschwörern, sondern von einer einzigartigen weltumspannenden, alle Dimensionen sprengenden Riesenblödheit.“ Um diese These zu untermauern, fährt der Autor schwere Geschütze auf. Bereits im ersten Kapitel macht er klar, dass der Mensch sich zwar selbstherrlich Homo sapiens, der weise Mensch getauft hat, aber wohl doch eher ein Homo demens (der irre Mensch) ist. Und tatsächlich, betrachtet man die Geschichte der Menschheit, die, wie der Philosoph schreibt, vor allem eine Geschichte der Unmenschlichkeit und die blutgetränkt war, dann kann man  kaum behaupten, dass unsere Spezies sich durch Weisheit hervorgetan hätte.

Der Mensch ist inzwischen Dank seiner Intelligenz als Spezies so dumm geworden, daß man es nur noch ertragen kann, wenn man mit größtmöglicher Ignoranz gesegnet ist.

Einer der größten Späße, die sich der christliche Homo Sapiens erlaubt hat, ist es sich selbst als „Krone der Schöpfung“ anzusehen.
Wenn es denn so wäre, daß Gott die Arten geschöpft hätte, ist es schon sehr erbärmlich, daß eine derart destruktive und sadistische Spezies sein Meisterstück gewesen sein soll!
Also wenn DAS Gottes „Krone der Schöpfung“ sein soll, die sich „die Erde untertan machen“ soll, dann sollte man dem Typen keinesfalls weitere Planeten zum Einrichten anvertrauen.

Homo Sapiens ist doch ein triebgesteuertes Monstrum, das so egozentriert auf seine eigenen Körperfunktionen ist, daß es unablässig mit fressen, ficken und scheißen beschäftigt ist. Neben diesen erbärmlich banalen Tätigkeiten ist der Mensch stets noch bemüht die anderen Spezies auszurotten und seine Umwelt in eine gigantische Müllhalde zu verwandeln.

Homo demens ist dabei auch noch so verblödet und wenig selbstreflektiert, daß er sich auch noch selbst das Leben versaut, indem er jeden Tag 100.000 Individuen der eigenen Sorte an Hunger verrecken läßt, sich gegenseitig mit Kriegen überzieht und mittels Radioaktivität und Chemischen Abfällen permanent neue Krankheiten entwickelt.

Die ganze Doofheit des Menschen zeigt sich eigentlich am besten daran, daß er sich Religionen ausdenkt, in denen allmächtige Götter Homo Sapiens „nach seinem Ebenbild“ geformt haben und ihn damit zum „Herrn über alle anderen Tiere“ erhoben hätte.
Was für eine dümmliche Egomanie.

Selig sind nur die Dummen, denen es erspart bleibt zu wissen.

Wissen im 21. Jahrhundert ist unerträglich. Verständlich, daß man sich da die Kugel geben will.

Alle 40 Sekunden ein Suizid
Mehr als 800 000 Menschen nehmen sich weltweit jedes Jahr das Leben, schreibt die WHO im ersten umfassenden Suizid-Bericht. Präventionsmaßnahmen gibt es nur in wenigen Ländern, häufig werden Fälle tabuisiert.
Auf jeden Suizid kommen 20 Versuche, wie es in dem am Donnerstag in Genf veröffentlichten ersten "Welt-Suizid-Report" heißt. […] In dem 100 Seiten starken Bericht stecken zehn Jahre Forschungsarbeit aus Ländern der ganzen Welt. Alle 40 Sekunden tötet sich dem Bericht zufolge irgendwo auf der Welt ein Mensch. 2012 lag die Suizidrate in elf Staaten bei mehr als 20 Fällen pro 100 000 Einwohner, darunter Guyana, Tansania, Kasachstan, Litauen sowie Nord- und Südkorea. Auch in den USA ist die Rate mit 19,4 erschreckend hoch. Der weltweite Durchschnitt betrug 11,4.

Mittwoch, 3. September 2014

Weinen mit Jaschke und Fehrs.



Die Meldungen über die Kirchenmitgliedszahlen gleichen sich seit Wochen.
Beinahe täglich trudeln aus einem anderen Bistum neue Rekord-Austrittszahlen ein. Wahrlich gute Neuigkeiten!

Die Zahl der Kirchenaustritte steuert auf einen neuen Höchststand seit dem Jahr 2000 zu. „Im ersten Halbjahr hat es in der Nordkirche möglicherweise einen Anstieg um 50 Prozent und mehr gegeben“, sagte Kirchensprecher Frank Zabel in Schwerin. So hätten die Kirchenkreise für Hamburg 60 Prozent gemeldet, der Kirchenkreis Altholstein mit Kiel mehr als 50 Prozent. Die Angaben stammten von den Kirchenkreisen, komplette Zahlen für die Nordkirche lägen noch nicht vor.

Am anderen Ende der Republik sieht es genauso aus.

Die Zahl der Kirchenaustritte in der Landeshauptstadt München steigt im Vergleich zum Vorjahr massiv.
Allein in den ersten acht Monaten sind rund 9100 Menschen aus der evangelischen und katholischen Kirche ausgetreten. Das teilte eine Sprecherin des Kreisverwaltungsreferates auf Anfrage mit. 2013 hatten im gleichen Zeitraum etwa 6900 Menschen in München die Kirche verlassen. Die höchste Zahl der Austritte gab es bislang im vergangenen Januar (rund 1400). Die Deutsche Bischofskonferenz und das Evangelisch-Lutherische Dekanat in München wollten zu den Zahlen keine Stellung beziehen.
(dpa 03.09.2014)

Die Gründe für diese erneute Austrittswelle sind wenig rätselhaft.
Die Kirchen zocken den Staat finanziell ab, belügen das Volk massiv und präsentieren sich dem Volk heuchlerisch, herzlos (Pille danach, Homoehe, Sterbehilfe, etc) oder sogar moralisch abartig. Dafür steht beispielsweise der päpstliche Schutz für Kinderficker wie Erzbischof Wesolowski.

Voller Dankbarkeit muß ich in diesem Zusammenhang immer wieder den effektivsten Agenten der Konfessionslosen erwähnen:
Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst; niemand hat so gekonnt tausende zahlende Mitglieder aus der RKK gejagt wie er.
Üblicherweise verkraftet eine große Organisation ein schwarzes Schaf. Man muß es nur schnell loswerden.
Nicht so die RKK, in der sich die maßgeblichen Vorgesetzten – nämlich der ehemalige Metropolit der Kölner Kirchenprovinz Kardinal Meisner und der Chef der Inquisitionsbehörde Kardinal Müller – demonstrativ vor TVE stellen.
Die RKK ist bis heute noch nicht mal in der Lage festzustellen wo sich der Skandal-Bischof eigentlich aufhält. Sitzt er womöglich immer noch in seinem Zig Millionen teuren Palast?

Niemand hat Tebartz-van Elst gesehen.
Der Geistliche zieht um, nach Regensburg. Im September solle es so weit sein, hatte seine persönliche Sprecherin im Sommer erklärt. Wann genau? Stephan Schnelle, Sprecher des Bistums Limburg, zuckt mit den Achseln: "Wir wissen es nicht." Und wo ist er jetzt? Achselzucken. Niemand hat den Mann gesehen, der nicht nur sein Bistum, sondern die gesamte katholische Kirche in Deutschland in eine Krise gestürzt hat. Vielleicht ist er in seiner Wohnung und packt Kisten. Vielleicht ist er in Urlaub.

Am 23.10.2013 hatte Franz die Reißleine gezogen und den inzwischen weltweit in den Schlagzeilen ausgelachten Prasserbischof aus dem Verkehr gezogen.
Beinahe ein Jahr später herrscht immer noch das totale Chaos in Limburg. Nur eins ist sicher: Der deutsche Steuerzahler muß die 6.000 Euro Ruhegehalt für den 54-Jährigen zahlen. Bis zu seinem Lebensende.
Die Kirche läßt es weiter schwelen, benennt keinen Nachfolger, sagt nicht was mit dem 31 Millionen Euro teuren Bischofssitz passieren soll.

Streit bis hin zur Feindseligkeit gab es um den Mann, der ein offenkundig autoritäres Regime in Limburg pflegte, die Unwahrheit sagte, über seinen Flug nach Indien und die Kosten seines Bischofssitzes. Gläubige verließen in Scharen die Kirche, Mitarbeiter sind verletzt und erschüttert, haben Vertrauen verloren, in die Führung und die Institutionen. [….Administrator Bischof Manfred] Grothe richtet sich darauf ein, länger an der Lahn zu bleiben. Im kleinen Kreis habe er selbst gesagt, dass die Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Bischofs wohl frühestens im Herbst 2015 beginnen könnten, erzählen Leute, die mit den Dingen vertraut sind. [….] Etliche Mitarbeiter weigern sich, wie es heißt, das Haus zu betreten, in denen sie von Tebartz oder dessen Leuten einst geschurigelt wurden. Der Ton muss sehr rau gewesen sein. Die Art und Weise, wie Tebartz und der inzwischen ebenfalls ausgeschiedene Generalvikar Franz Kaspar mit Priestern und Angestellten umgegangen seien, "war nicht nur verletzend, es war demütigend", beschreibt der Limburger Gemeindepfarrer Hubertus Janssen, inzwischen im Ruhestand, die einstige Lage. […]
Kritiker wie er, Pfarrer Janssen, der Frankfurter Stadtdekan Johannes von Eltz und einige andere, die das System Tebartz unerträglich fanden und schließlich auch öffentlich seinen Rücktritt forderten, haben selbst verstörende, auch schmerzende Erfahrungen mit ihrer Kirche gemacht. Man warf ihnen Nestbeschmutzung vor, Kirchenhass, Geltungssucht. […]

Leider haben wir in Hamburg keinen Auskehrer wie TVE, aber glücklicherweise ist die Hansestadt verglichen zur urkatholischen Erde in Limburg ohnehin weitgehend konfessionslos.
Wie überflüssig Kirchen-Fürsten sind, beweisen die beiden derzeitigen Top-Kleriker Hamburgs, Bischöfin Kirsten Fehrs und Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, heute in einem gemeinsamen Interview.

Kirsten Fehrs: Ich bin von Herzen gern evangelisch. Für mich bedeutet die evangelische Kirche die Möglichkeit, in Freiheit und im Gespräch mit anderen den christlichen Glauben zu leben. […]

Weihbischof Jaschke: […] Natürlich sind die evangelischen Christen intensiv am Vorbereiten der Feier des Reformationsjubiläums im Jahr 2017. Auch wir Katholiken sind dabei, aber wir denken bei aller großen Bedeutung der Reformation auch an schlimme Verletzungen und Belastungen auf allen Seiten.[…] Wir können einander sehr wehtun. Wir gehen nicht genügend achtsam miteinander um. […]

Fehrs: Es gab einige ökumenische Aufbrüche beim Feierabendmahl während des Kirchentages, die Mut gemacht haben, aber ohne Fortsetzung blieben. Ich sehe derzeit nicht, wie wir als Protestanten die Annäherung beim Abendmahl voranbringen könnten.

Jaschke: Wir Katholiken respektieren immer die Entscheidungen der Einzelnen beim Hinzutreten zur Kommunion. Aber ein kirchenoffizielles gemeinsames Abendmahl bleibt für uns entscheidend mit der auch sichtbaren Einheit der Kirche verbunden. Das bleibt ein wunder Punkt: schmerzhaft und beschämend für uns alle. […]

Fehrs: […] Gerade jetzt, wo die Welt tobt und wir wahrhaftig einen Kriegssommer erleben, haben wir eine humanitäre Pflicht zu helfen. Denken wir an die Kämpfe in Gaza, in der Ukraine, in Syrien und Irak. Oder an die Schrecken der beiden Weltkriege, derer wir jetzt gedenken. […] Gemeinsame Friedensgebete der Weltreligionen wie jüngst hier in Hamburg geschehen setzen ein Zeichen. Da fühle ich mich mit Hans-Jochen Jaschke Seite an Seite. […]

Das Bischofssprech ist so von Naivität und verengten Horizont geprägt, daß man keinerlei Befürchtungen haben muß irgendein Konfessionsloser könnte aufgrund der massiven Werbeversuche des Hamburger Abendblattes für die Kirche auf die Idee kommen in den Verein einzutreten.
Sie bringen nichts Neues, sind bar jeder Konstruktivität und baden in selbstzufriedener Larmoyanz.


Dienstag, 2. September 2014

Umschalten auf Hühnerhaufenmodus.


Das war schon eigenartig, ausgerechnet den Mann, der als Generalsekretär die FDP vom historischen 15%-Höchststand nach der Bundestagswahl im Jahr 2009 auf 5% herabwirtschaftete, nach der Bundestagswahl 2013 als neuen Vorsitzenden einzustellen.

Lindners Bilanz ist nach einem Jahr ungefähr so wie es zu erwarten war:
Bei der Europawahl am 25.05.2014 rauschte die FDP um 7,6 Prozentpunkte in den Keller auf 3,4%.
Bei den Landtagswahlen in Sachsen am 31.08.2017 gaben Lindners östliche Epigonen 5,2 Prozentpunkte ab und schlugen bei 3,8% auf.
Die 5%-Hürde ist überall außer Reichweite.
Keine bundesweite Umfrage sieht die FDP bei mehr als drei Prozent und für die nächsten beiden Landtagswahlen am 14.09.2014 sehen Demoskopen die Blaugelben bei etwa zwei Prozent. Nach derzeitigem Stand dürfte es bei der folgenden Landtagswahl – am 15.02.2015 in Hamburg – genauso ausgehen.
In Bremen (dort wird im Mai 2015 gewählt) ist die FDP gar nicht mehr messbar.

Zeit, daß die letzten Ratten das sinkende Schiff verlassen.
Das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik gibt es keinen einzigen FDP-Minister mehr nachdem die Sächsischen Minister in die APO geschickt wurden.
Gerade mal 60.000 Stimmen holten die Hepaptitisgelben im ganzen Land; also 20.000 Stimmen weniger als die ebenfalls an der 5%-Hürde gescheiterte NPD.
Spitzenkandidat Holger Zastrow erklärt unfreiwillig warum das so ist: ER findet die FDP einfach fabelhaft, fleißig und erfolgreich. Er ist stolz die Ehre der FDP verteidigt zu haben. Man wundert sich in welcher Parallelwelt solche Menschen leben.

Gibt es die FDP eigentlich überhaupt noch?

Ja, aber dazu muß man aktiv suchen.
Und dann findet man nur noch mehr Gründe, um dieser Rudimentärpartei einen baldigen Tod zu wünschen.
Gaucks entsetzliche Rede zum gestrigen 75. Jahrestages des Angriffskrieges auf Polen, dem am Ende 20-25 Millionen Sowjetbürger zu Opfer fielen – darunter der ältere Bruder Putins und viele seiner Onkel und Tanten, die in Leningrad ausgehungert wurden – die der peinlichste Bundespräsident aller Zeiten dazu nutze, um Russland anzuschwärzen, wird auf dem FDP-Portal ausdrücklich gelobt:

Zur Kritik an der gestrigen Rede von Bundespräsident Joachim Gauck erklärt der Vizepräsident des Europäischen Parlaments und Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament FDP-Präsidiumsmitglied ALEXANDER GRAF LAMBSDORFF:
„Die Kritik des Vorsitzenden der Linkspartei an der Danziger Rede von Bundespräsident Gauck über Russland zeigt einmal mehr, wie gefährlich die Linkspartei in der Außenpolitik irrlichtert. Der Bundespräsident hat genau den richtigen Ton getroffen: prinzipienfest und pragmatisch. Wir haben in Deutschland, Polen und Europa nach wie vor ein großes Interesse an Partnerschaft und guter Nachbarschaft mit Russland, darauf hat Gauck ausdrücklich hingewiesen.

Einige FDPler in Hamburg suchen mehr als eine Dekade nachdem Westerwelle/Möllemann die Partei auf mit antisemitischen Sprüchen garnierten Lobbyismus reduzierten nun das Heil in einer Neugründung.

Hamburger Liberale wollen eine neue Partei gründen. Eine Gruppe von Politikern um den kürzlich zurückgetretenen stellvertretenden Landesvorsitzenden Najib Karim und den ehemaligen Zweiten Bürgermeister Dieter Biallas will noch in diesem Monat zu einer Art Vor-Gründungsversammlung einladen. Die Gruppe wolle an die sozialliberale Phase der FDP vor 1982 anknüpfen, sagte Biallas.
Die Initiative fällt in eine kritische Zeit: Mitte Februar muss sich die Hamburger FDP bei einer Bürgerschaftswahl behaupten – schafft sie es nicht, könnte das Totenglöckchen für die heutigen Liberalen läuten.

Ein Plan, der immerhin etwas besser ist, als der Vorschlag der FDP-Bundesvizevorsitzenden Strack-Zimmermann nur den Namen zu ändern.

Die Erfolgsaussichten einer solchen linksliberalen Neo-FDP dürften gegen Null gehen – aber vielleicht ziehen sie noch mal ein bis zwei Promille der Rest-FDP-Stimmen auf sich.

Grund genug für den neben Lindner zweiten starken Mann in der FDP hysterisch zu werden und damit zu demonstrieren wie desolat sein Laden tatsächlich ist.

FDP-Vize Kubicki ätzt gegen Partei-Neugründung
In Hamburg bahnt sich die Gründung einer neuen liberalen Partei an. Dieser Abgrenzungsversuch von der FDP wird nach Ansicht des stellvertretenden Bundesvorsitzenden Wolfgang Kubicki keinerlei Einfluss auf die Gesamtpartei haben. "Das ist eine rein regionale Erscheinung, die viel damit zu tun hat, dass große Verletzungen entstanden sind im Zusammenhang mit der Aufstellung der Landesliste zur Bürgerschaftswahl", sagte der Kieler FDP-Fraktionschef am Dienstag. […] "Ich glaube nicht, dass diese Partei stark reüssieren wird", sagte Kubicki. […] "Ich wünsche allen Beteiligten eine gute Reise; aber sie wird keinen großen Widerhall finden, weil vielen in meiner Partei die handelnden Personen ja bekannt sind." […]

Nachdem der Hamburger Vize-Vorsitzende der FDP, Najib Karim, schreiend weggelaufen ist, lag es nun an der Vorsitzenden Sylvia Canel die Elb-Liberalen für die Bürgerschaftswahlen im Februar 2015 zusammen zu halten.
Sie tat, was man als FDP-Vorsitzende tun sollte:
 Zurücktreten und Parteibuch wegwerfen.

Die bisherige Hamburger FDP-Landesvorsitzende Sylvia Canel hat nach ihrem Rücktritt und ihrem Parteiaustritt den Bundesvorsitzenden Christian Lindner heftig kritisiert. "Ich bin von ihm enttäuscht", sagte Canel. Es gebe einen falschen Korpsgeist in der FDP, mit dem jede Diskussion erstickt werde. "Ich habe das Gefühl, dass man innerhalb der FDP nicht mehr frei sagen kann, was man denkt", sagte sie.
Canel hatte am Montag mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt vom Landesvorsitz und ihren Parteiaustritt erklärt und auf Facebook ausführlich begründet. Die 56-Jährige will sich einer neuen liberalen Partei anschließen, deren Gründungsparteitag noch Ende September stattfinden könnte. [….]

Nach dem Motto „no news are bad news“, bzw „es gibt keine schlechte PR“ brachte sich gestern immerhin Olaf Lauenroth, der ehemalige FDP-Bürgermeisterkandidat Rendsburg-Eckernförde ins Gespräch. Für die FDP sitzt Lauenroth in der Gemeindevertretung des Nachbarortes Fockbek. Hauptberuflich arbeitet er als Steuerberater, der aber offensichtlich nicht recht konfliktfähig ist.

Olaf L. ist […] kandidierte hier 2013 sogar für das Bürgermeisteramt. Sein Slogan damals: „Entschieden, vernünftig, klar.“ [….]
Olaf L. ist außerdem Jäger und besitzt einen Waffenschein. Zu Hause hortet er sechs Gewehre und eine Pistole – eine Beretta. Die nahm er gestern mit zum Finanzamt, mit dem er anscheinend schon länger im Streit lag. Der Grund dafür ist offenbar ein Steuerbescheid, über den sich Olaf L. ärgert.
Gegen 10 Uhr betritt der Politiker gestern die Behörde und sucht den für ihn zuständigen Sachgebietsleiter auf – Wolfgang B. Das Gespräch entwickelt sich zum Streit. Dann dreht Olaf L. durch und greift zur Waffe.
Gleich mehrfach schießt er auf den Finanzbeamten. Mitarbeiter alarmieren Rettungskräfte und die Polizei. Wolfgang B. kommt in eine Klinik, erliegt dort seinen schweren Verletzungen.

Und der Bundeschef?
Lindner tut das, was er seit einem Jahr verspricht. Er bemüht sich krampfhaft Antworten zu geben. Unglücklicherweise sind ihm auch nach einem Jahr des intensiven Nachdenkens darüber keine Antworten eingefallen.
Es gibt eben keine Gründe die FDP zu wählen. Vor einigen Jahren war es für Industrielle und Milliardäre sinnvoll FDP zu wählen, weil die Lobbypartei ihren Interessen in der Bundesregierung durchsetzen. Die FDP ist käuflich und wer viel Geld hat, nutzt das gern.
Aber wenige haben so viel Geld und das Spiel funktioniert auch nur solange die FDP in der Regierung sitzt. Eine käufliche APO ist sinnlos. Also ringt Herr Linder weiterhin mit der Frage nach Antworten.

Positive Antworten geben
Die FDP hat bei der Landtagswahl in Sachsen mit nur 3,8 Prozent der Stimmen den Wiedereinzug in das Parlament verpasst. Die Neuaufstellung der Partei befinde sich trotzdem auf gutem Weg, so FDP-Chef Christian Lindner. Er habe FDP Sachsen-Chef Holger Zastrow eingeladen, sich stärker in die Bundespartei einzubringen. „Wir brauchen seine Überzeugungen“, betonte Lindner vor Medienvertretern.
[…] Lindner stellte klar: „Die FDP wird nicht linksliberal, sondern bleibt umfassend liberal.“ Unter dem gemeinsamen Dach der FDP sei Platz für Sozialliberale und Wirtschaftsliberale, unterstrich er. „Die Nachfolgerin der alten FDP ist die neue FDP.“ Der Fahrplan für den Neustart laufe bis zur Bundestagswahl 2017 – erstmal gelte die ganze Aufmerksamkeit den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg, so Lindner.
[…]  „Wir werden uns nicht auf den Wettbewerb mit der AfD konzentrieren.“ Hauptwettbewerber bleibe die Union. […]