Dienstag, 28. Oktober 2025

Konnte ja keiner ahnen!

Ach, der arme Fritze! Er ist schon ganz erschöpft. Konnte ja niemand ahnen, daß der Job irgendwie schwierig ist!

Er dachte, ein paar knackige Ansagen an Brüssel und weltmännisches Schwurbeln mit Trump, würden reichen für „Germany is back.“

Konnte ja keiner ahnen, daß Europa-Politik etwas komplizierter ist.

Und Trump hält sich gar nicht an Absprachen in der Ukraine-Politik? Konnte ja wirklich niemand ahnen, daß der US-Präsident irgendwie unverlässlich ist.

Der Fritzekanzler ist auch rechtschaffend empört, weil ihn niemand mehr lieb hat. Er dachte, es liefe auf der großen Bühne, genau wie beim Deutschlandtag der JU: Ein paar Pöbeleien gegen die Sozis, etwas Häme gegen die Grünen, ordentlich Verachtung für die armen Schlucker, Hetze gegen Minderheiten und schon liegt einem das Publikum jubeln zu Füßen.

Konnte ja keiner ahnen, daß die doofen Wähler auch Resultate sehen wollen!
 

So ein garstiges Volk. Da muss Fritze erst mal ausruhen. Ein bißchen Chillen. Ist ja auch schon ein älterer Herr.

 

Erst mal golfen, wie sein oranges Vorbild in Washington.

[….]  Kleine Auszeit von den Problemen in Deutschland: Bundeskanzler Friedrich Merz verbringt derzeit ein verlängertes Wochenende auf Mallorca. Es handelt sich um einen privaten Besuch, den der deutsche Regierungschef vorwiegend im Großraum Palma verbringt.

Untergebracht ist der Bundeskanzler in einem der traditionsreichsten Hotels der Insel, dem Castillo Hotel Son Vida hoch über Palma. Die MZ hat ihn am Montagnachmittag (27.10.) kurz nach einer Runde auf dem Golfplatz angetroffen. [….]

(Mallorcazeitung, 28.10.2025)

Konnte ja keiner ahnen, daß Bundeskanzler zu sein, irgendwie anstrengend ist.

Im August chillte der Kanzler zwei Wochen in seinem Ferienhaus am Tegernsee.

Die rechte Wirtschaftswoche ist schon  ganz besorgt um den Kanzler und empfiehlt ihm dringend, sich mehr Auszeiten zu gönnen. Da waren es ja auch schon drei Monate her, daß Fritze zuletzt ausgeruht hatte.

[….] CDU-Chef Friedrich Merz braucht nach dem Wahlkampf und den Koalitionsverhandlungen erst einmal "ein paar Tage Urlaub". Die vergangenen Monate seien "extrem anstrengend" gewesen, sagte der designierte Bundeskanzler der "Bild am Sonntag". "Es wird jetzt Zeit, dass ich in ein paar Tagen zur Ruhe komme."   [….]

(STERN, 13.04.2025)

Und das blöde Geld! Fritzes Haushaltssanierungsplan war doch so gut!

Steuersenkungen für die Superreichen und den Armen ihr Bürgergeld streichen. So fließen zig Milliarden an den Bund.  Damit steigt die soziale Ungleichheit, wie es im Kapitalismus sein muss und kurbelt damit automatisch die Wirtschaft an.

Konnte ja keiner ahnen, daß es bei den Habenichtsen so wenig zu holen gibt und die deutsche Wirtschaft weiter abkackt. 

Die Chinesen nerven auch nur. Da wollte Merz als Kanzler zackig auf Augenhöhe auftreten, fairen Wettbewerb aushandeln und aus Peking die dringend benötigten Seltenen Erden abgreifen. Konnte ja nun wirklich niemand ahnen, daß es sinnvoll wäre, sich von China unabhängig zu machen!


[…] Europa hat den Trend verschlafen

China hat schon vor 15 Jahren seltene Erden monopolisiert und kauft jetzt Elektroschrott aus Europa auf. Neue Partnerschaften sind bitter nötig.

Wie beruhigend, Katherina Reiche ist es jetzt auch aufgefallen. Die Ära der liberalen Weltwirtschaftsordnung sei beendet, teilte die CDU-Wirtschaftsministerin am Dienstag in einer „Grundsatzrede“ mit. Globale Märkte würden nicht mehr vorrangig von ökonomischen, sondern von geopolitischen Interessen bestimmt. Das merke man daran, dass China die Metalle der seltenen Erden monopolisiert habe, um sie als politisches Machtinstrument zu nutzen. Gemein, diese Chinesen! Noch gemeiner: Das machen die schon seit 15 Jahren.   [….]

(Heike Holdinghausen, 28.10.2025)

Was man als Fritzekanzler so alles wissen soll! Konnte ja keiner ahnen, daß es riskant ist, bei Chips, Seltenen Erden, Ibuprofen, Hustensaft, oder Antibiotika vollständig vom Wohlwollen eines fernen autoritären Regimes abhängig zu sein!

Konnte ja keiner ahnen, daß die genialen Industrielobbyisten vielleicht irgendwas außer Acht lassen.

[….] Abhängig von Seltenen Erden - Keine Bestände, kein Recycling

Zwar sind viele Technologieunternehmen in Deutschland abhängig von der extravaganten Metallgruppe. Trotzdem werden sie bislang nicht recycelt.

[….] Kommt die Krise, kommt der Ruf nach mehr Versorgungssicherheit. So warnte der Chef Kfz-Technik des Weltkonzerns Bosch via Nachrichtenagentur Reuters, Seltene Erden würden derzeit zu 95 Prozent in China gefördert, jetzt müsse investiert werden, um diese Abhängigkeit zu verringern. Das war im September 2010.  Heute antwortet Bosch auf die Frage, welche Lagerbestände inzwischen aufgebaut wurden oder wie weit der Konzern in Sachen Substitution und Recycling ist, man könne „nicht wirklich weiterhelfen“, da hauptsächlich Halbzeugnisse und Komponenten eingekauft würden. Ohnehin bestehe nur ein geringer Bedarf an Rohstoffen. Seit 2010 ist nicht viel passiert in Sachen resiliente Lieferkette. Selbst die Datengrundlage ist für ein Thema solcher Bedeutung erstaunlich dünn. Der Bundesverband der Deutschen Industrie etwa hat keine Informationen zur Lagerhaltung Seltener Erden seiner Unternehmen und verweist auf „Händler, die sich vielleicht äußern können“. Das Recycling der 17 Elemente liegt EU-weit immer noch bei etwa 0 Prozent.   […..]

(taz, 28.10.2025)

Konnte ja keiner ahnen, daß eine Recyclingquote von NULL Prozent irgendwie niedrig ist.

Wadephuls China-Besuch abgesagt, Merzens Antrittsbesuch bei Xi auf unbestimmte Zeit vertagt.

[….] Das China-Problem, das Wadephul zur kurzfristigen Verschiebung seiner Reise bewogen hat, ist auch ein Problem des Kanzlers. Angetreten war Merz mit dem Versprechen einer kritischen und selbstbewussten China-Politik. Als Kanzler muss er diese Linie mit wirtschaftlichen und außenpolitischen Zwängen in Einklang bringen. Und zudem setzt China gerade mit seinen scharfen Exportkontrollen für seltene Rohstoffe Europa massiv unter Druck, die Folgen spüren etwa die Auto- und die Rüstungsindustrie.

Die Reise des Außenministers hätte nützlich sein können, um das Terrain zu sondieren. Wadephul wollte drei große Konfliktthemen ansprechen: die chinesische Unterstützung für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Chinas Drohungen gegen Taiwan sowie die Exportbeschränkungen für Seltene Erden, die für die deutsche Industrie zu erheblichen Lieferengpässen führen. Offenbar aus Verärgerung über kritische Äußerungen Wadephuls sollten dem Außenminister außer einem Treffen mit seinem Amtskollegen keine relevanten Termine gewährt werden. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Wadephul sowie der CDU-Vorsitzende Merz eine „Außenpolitik aus einem Guss“ proklamiert hatten. Wird Wadephul düpiert, richtet sich das auch gegen den Kanzler.  […..]

(SZ, 28.10.2025)

Naja, man kann stattdessen ja auch telefonieren. Konnte ja niemand ahnen, daß China ein schwieriger Verhandlungspartner sein könnte, der sich nicht gern von Deutschland Vorschriften machen lässt. Daß bei den Erneuerbaren Energien, Elektromotorisierung, Software und KI Lichtjahre voraus ist.

Konnte ja keiner ahnen, daß man sich langfristig um gute Gesprächskanäle zu China bemühen muss, wie es die SPD seit Willy Brandt und insbesondere Helmut Schmidt tut, der bis zu seinem Tod, im Reich der Mitte als hochkompetenter Gesprächspartner geschätzt wurde. Die SPD führt unter der Leitung Mützenichs einen aktiven Parteien-Dialog mit Xis Wahlverein. Daher hatte Olaf Scholz durchaus Einfluss in China und Lars Klingbeils Antrittsbesuch in China wird in zwei Wochen stattfinden.

[….] Offiziell reist Klingbeil zum vierten chinesisch-deutschen Finanzdialog nach Peking.  Klingbeil wird allerdings auch Gespräche im Rahmen des seit 1984 bestehenden Parteiendialogs zwischen der SPD und der Kommunistischen Partei Chinas führen. „Nach einem turnusgemäßen Treffen im vergangenen Jahr in Deutschland wird ein nächstes Treffen des Parteiendialogs im November in China stattfinden“, sagte eine SPD-Sprecherin der Süddeutschen Zeitung. Alle Themen der Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschaft, Handel und Menschenrechte würden von der SPD angesprochen.

In der SPD betont man einen traditionell guten Draht nach China. Hier sieht man es auch so, dass das Drängen von Kanzler Olaf Scholz bei Staatschef Xi Jinping dazu geführt habe, dass dieser den russischen Präsidenten Wladimir Putin vom Einsatz von Nuklearwaffen im Ukraine-Krieg abgehalten habe. In der SPD-Bundestagsfraktion ist der frühere Fraktionschef Rolf Mützenich der Hauptberichterstatter für die China-Politik. Er plädiert für Dialog auf Augenhöhe statt Belehrungen, da die Welt sich in einem enormen Umbruch befinde. […..]

(SZ, 28.10.2025)

Konnte ja keiner ahnen, daß es irgendwie bedeutsam sein könnte, zur zweitgrößten Industrienation der Welt, von der man hochgradig abhängig ist, Gesprächskanäle zu unterhalten.

Wie jetzt; ach, die CDU hat auch solche Kanäle? Das muss ja ein totaler Depp sein, der das leitet, wenn man dennoch derartig düpiert wird. Wer was das denn?

[….] Einen Parteiendialog gibt es auch zwischen der CDU und Chinas KP. Als Außenpolitiker dafür zuständig war früher auch der jetzige Außenminister Wadephul.  […..]

(SZ, 28.10.2025)

Montag, 27. Oktober 2025

Kirche, stets schadsbereit

Im SZ-Magazin berichtet ein Altersgenosse, ein deutscher Mann, wie er in den 1980ern pubertierend bemerkte, sich zu Männern hingezogen zu fühlen.

Das kam in meinem Freundeskreis damals auch vor. In dem Fall schlief derjenige fürderhin mit anderen Jungs, man sagte ihm „herzlichen Glückwunsch“, freute sich über seine immer facettenreicher werdende Clique.

Der SZ-Protagonist wuchs aber nicht im liberalen Hamburg, sondern einem konservativen Provinzkaff auf. Also tat er das naheliegende: Sich verleugnen und Theologie studieren.

[….] »Ich bin schwul, ich war auch schon immer schwul – und musste 46 Jahre alt werden, bis ich diesen Satz aussprechen konnte. 20 Jahre meines Lebens war ich mit einer Frau zusammen, 17 davon verheiratet, wir haben drei Kinder zusammen. Wir haben uns auch geliebt, aber rückblickend war es eine Vernunftehe. [….] In dieser konservativen Gesellschaft und vor allem im Wertesystem meiner Eltern war das undenkbar. In der Welt, in der ich aufwuchs, war man nicht schwul. Schon in der Jugend habe ich gelernt mich zu verleugnen, [….] In den 90er Jahren  begann ich evangelische Theologie zu studieren [….] Tief in mir merkte ich aber, dass die Gefühle, die ich empfand, nichts Geschwisterliches an sich hatten, nur den Gedanken konnte ich nicht zulassen. Ich spürte damals eine tiefe Angst, Theologie und Homosexualität schienen mir unvereinbar. [….] Während unserer Ehe gab es immer wieder Momente, in denen ich auf einmal Sympathien für Männer entwickelte, mich von Ihnen angezogen fühlte. Darunter habe ich extrem gelitten. Ich versuchte alles Mögliche, um diese Gedanken und Fantasien loszuwerden – Meditation, Beten, weiß der Himmel was. Ein Seitensprung wäre ein absolutes No-Go für mich gewesen. Ich fühlte mich wie ein Gehetzter. Immer war da ein leiser Druck in mir, eine Ahnung, dass etwas nicht zusammenpasste. Aber es schien mir zu bedrohlich, mich wirklich mit mir selbst und diesem undefinierten Gefühl auseinander zu setzten – zu viel stand auf dem Spiel: Familie, Kinder, Kirche. Das war eine ungemeine Last für mich.  Heute denke ich, dass mein Theologiestudium anfangs auch eine Art Flucht war: Damals stand ich selbst eher auf der konservativen Seite, Homosexualität war ein moralisches Unding und sowieso Sünde. Ich begab mich also in einen sicheren Bereich und ich musste mich nicht weiter mit mir selbst auseinandersetzen. [….] Irgendwann machte mein Körper nicht mehr mit: 2017 wurde mir ein Burn-Out diagnostiziert, ich ging in eine Klinik. [….] Als mir bewusst wurde, dass ich anfing Suizidgedanken zu haben, erzählte ich es meiner Frau[….] ich hatte damals eine große Angst vor homophoben Anfeindungen, auch den Kindern gegenüber. [….] Innerhalb der Kirche erlebte ich, wie unterschiedlich man mit dem Thema Homosexualität umging: Es gab Begegnungen, die mich an meine Grenzen brachten und mich an der Kirche zweifeln ließen. [….]

(SZ Mag, 25.10.2025)

Wieder einmal ein Paradebeispiel für die Benefits des Christentums, der Religion, der Kirche: „Sich verleugnen, tiefe Angst, Druck, Bedrohung, ungemeine Last, Burnout, Klinik, Suizidgedanken, Scham, Zweifel“ – das ganze große Nächstenliebe-Paket!

Was wäre dem armen Mann alles erspart geblieben, welch unbeschwertes Leben hätte er führen können, wenn es keinen Religion gäbe! Oder wenn er einfach nur das Glück gehabt hätte, unter säkularen Humanisten, fernab des kirchlichen Einflusses, aufzuwachsen.

Vier Dekaden später bemühen sich Kirchisten immer noch darum, jungen Männer emotionales Gepäck aufzulasten, indem sie ihnen Qualen und Schuldgefühle einreden.

[….]  Der No Nut November steht wieder vor der Tür [….] Oft wird die Challenge humorvoll und ironisch gehandhabt – als Gegenentwurf zu übersexualisierten Online-Kulturen. Die Challenge kann sie auch eine Gelegenheit sein, die eigene Sexualität und die Beziehung zum eigenen Körper zu reflektieren. Ein bewussterer Umgang mit Sexualität oder Online-Inhalten kann nämlich durchaus das Wohlbefinden steigern – durch Selbstkontrolle, Achtsamkeit und Routineänderung. [….] Dabei wird aber auch viel Humbug verbreitet – etwa vom "Dopamin-Reset[….] Hinter diesen Mythen steckt oft die "NoFap"- oder "Anti-Porn"-Bewegung, die oft christlich-fundamentalistisch motiviert ist – und insbesondere queere Sexualität als durchweg negativ darstellt. Die "NoFap"-Bewegung propagiert, sich das ganze Jahr über nicht selbst zu befriedigen. US-Forschende untersuchten 2023, was diese Gruppe mit Männern macht. Das Ergebnis: Wer sich in "NoFap"-Foren herumtreiben, leiden eher unter Depressionen oder Suizidgedanken .  Auch einige Teilnehmer des No Nut November berichten, dass sie während ihres rubbelfreien Monats immensen Druck verspürt hätten und kaum an andere Dinge hätten denken können, weil sie so gestresst gewesen seien. Insbesondere in diesem Fall ist klar: Für die eigene Gesundheit tut ein Teilnehmer nichts, ganz im Gegenteil. [….]

(AMB, 27.10.2025)

Im fernen Rom, im Petersdom, schaltete sich der 1928 geborene Exorzist Kardinal Ernest Simoni Troshani, in den Kampf gegen Wichser und Homos ein:

Troshani


[…..]  „Bitte den Gott des Friedens, dass er Satan unter unseren Füßen zertritt, damit er die Menschen nicht mehr gefangen halten und der Kirche schaden kann. Bringe unsere Gebete vor das Angesicht des Allerhöchsten, damit uns die Barmherzigkeit des Herrn schnell zu Hilfe kommt und du den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und Satan ist, ergreifen kannst. … Wir vertreiben euch, jeden unreinen Geist, jede satanische Macht, jeden Angriff des höllischen Widersachers, jede Legion, jede teuflische Gruppe und Sekte, im Namen und durch die Macht unseres Herrn Jesus Christus.“ [….]

(Kardinal Troshani, 26.10.2025)

Burke (mit rotem Deckel)

Schachmatt, Pimmelfreunde aller Art!

[….] Something else happened yesterday at the Summorum Pontificum Traditional Latin Mass in the Basilica of St Peter (October 25, 2025) that strikes me as significant. Among the well-known prelates in attendance at the Latin Mass celebrated by His Eminence Raymond Cardinal Burke was the renowned exorcist, Cardinal Ernest Simoni Troshani, who at 97 years of age stood at the pulpit and positively thundered an Exorcism prayer composed by Pope Leo XIII back in 1890. [….] Cardinal Simoni is an Albanian cardinal, born October 18, 1928, [….] Momentous things are happening, friends. This is a war between God and Satan, and many have only recently begun to understand the scope of it. So let us join this Holy War with the tools and the armor of God’s soldiers. Keep offering prayers of reparation and petition, that God will protect us and Holy Mother Church against the fires of Hell. [….]

(Michael J. Matt, 26.10.2025)


Sonntag, 26. Oktober 2025

Was mich doch noch an der USA wundert.

Das ist fast unnötig zu erwähnen: Die Demokratie in den USA ist vorbei. Trumps Project 2025 hat jetzt schon sehr erfolgreich die Gewaltenteilung zerschlagen. Richter und DOJ handeln nach Trumps persönlichen Befehlen, der Speaker Mike Johnson richtet sich als „Trump’s Puppy“ ein, würde nie wagen, nie zulassen, daß die Legislative der Exekutive widerspricht.

[….] President Donald Trump has been heard privately joking that he believes he can easily manipulate House Speaker Mike Johnson, according to sources quoted by The New York Times.

“I’m the speaker and the president,” the MAGA leader is understood to have said, according to the newspaper. Citing two people with knowledge of his remarks, the Times further notes that Johnson’s conduct in office over the past several weeks, amid an ongoing shutdown, has done little to disabuse Trump of that notion, or anyone else. Some people fear the shutdown may prove to be the longest and most damaging on record.  [….]

(Yahoo News, 25.10.2025)

Trump wird, sofern er nicht vorher tot umfällt, nicht freiwillig von der Macht ablassen. Er darf laut US-Verfassung 2028 nicht zu einer dritten Amtszeit antreten, wird es aber entweder dennoch tun, oder aber die Wahlen ganz abschaffen.

 

Unter Trump geht es mit der USA drastisch bergab; Amerika wird zum „Failed State“.


Für die Trumpfamilie wird die kollabierende Nation zu einem Selbstbedienungsladen.

[…] »Trump tut nicht mal mehr so, als gebe es eine Trennung zwischen der Präsidentschaft und seinen Geschäften«

Geld, Geschenke, Deals: Wie kein anderer US-Präsident bereichert sich Donald Trump im Amt. Hier erklärt Korruptionsexperte Noah Bookbinder, welche Tricks Trump nutzt und wieso ihn niemand hindert.

Dass Donald Trump an der US-Präsidentschaft verdient, ist kein Geheimnis. Trotzdem ist das Ausmaß atemberaubend. Das Wirtschaftsmagazin »Forbes« hat ausgerechnet  , dass er allein in den letzten neun Monaten um gut drei Milliarden Dollar reicher geworden ist – »das lukrativste Jahr seines Lebens«.

Trumps Interessenkonflikte gehen weit über das hinaus, was in der ersten Amtszeit zu beobachten war. Damals kassierte er meist ab, als Bittsteller für viel Geld in seinen Liegenschaften logierten. Diesmal nutzen Trump und seine Familie ein Potpourri an Deals, Tricks und Gegenleistungen , um ihre Konten zu füllen.

Immobilien spielen weiter eine Rolle: So will Trump den G20-Gipfel 2026 in seinem Golfklub bei Miami abhalten . Hinzu kommen Kryptogeschäfte  und Memecoins; eine Medienfirma, die vielen Investoren Verluste einfährt, nur den Trumps nicht; internationale Deals , etwa in Vietnam und Riad; ein neuer Privatklub in Washington (Einstiegsgebühr 500.000 Dollar ); eine Boeing 747 im Wert von 400 Millionen Dollar, die ihm Katar »geschenkt« hat ; zweistellige Millionensummen, die US-Medienkonzerne an seine künftige Präsidentenbibliothek überwiesen haben ; und endlose Merchandises, markiert mit »Trump« – Bibeln, Armbanduhren, Turnschuhe, Parfüm, Billig-Smartphones aus China.

Der Mann, der das alles in Blick hält, ist Noah Bookbinder. Der Chef der Watchdog-Gruppe Citizens for Responsibility and Ethics in Washington (CREW) führt die ultimative Checkliste der Korruption. Zum Ende von Trumps erster Amtszeit veröffentlichte CREW einen Bericht  über 3737 Interessenkonflikte, ein aktueller Report  ist noch viel umfassender.  […]

(Ein Interview von Marc Pitzke, 25.10.2025)

In Trumpmerica wird die Transformation zur Schilda-Kakistokratie weitgehend achselzuckend hingenommen. Es gibt keine Streiks, die Justiz ist verstummt, die Presse auf Linie gebracht.

Die Washington Post, während Trumps erster Amtszeit noch mutig unter dem Motto „Democracy dies in Darkness“ unterwegs, wurde von Eigentümer und Trump-Großspender Jess Bezos zu einem Trump-Jubelblatt umgeformt. Harris-Freundliche Kommentare durften nicht mehr erscheinen und nun preist die einst so renommierte Zeitung den irren korrupten Demokratiezerstörer. Eine einzige Schande.

[….] Bezos’s Washington Post jumps to the defense of Trump’s new ballroom: ‘A shot across the bow at NIMBYs everywhere’

The newspaper’s editorial board argued in an op-ed that other presidents have also left their mark on the White House.  [….]

(Rhian Lubin, Sunday 26 October 2025)

Bis hier hin bin ich – leider – nicht überrascht.

Aber bisher dachte ich, die US-Amerikaner hätten aufgrund ihrer vergleichsweise kurzen Nationalgeschichte und des Fehlens alter Herrscherfamilien, einen extremen Faible für ihre (vergleichsweise wenigen) nationalen Symbole. Die Fahne, Mount Rushmore und eben das Weiße Haus.

Ich hätte nicht gedacht, daß sie die totale Zerstörung des Eastwings und des emotional verklärten Rosengartens von Jackie Kennedy einfach so hinnehmen.

Ich hätte mehr Protest erwartet. Aber in den großen Medien ist das kaum ein Thema.

Es ist offensichtlich, daß Trump das Weiße Haus in das Trump-House verwandelt, um für immer zu bleiben.





Samstag, 25. Oktober 2025

Er kann nichts, rein gar nichts

Wer sich in den letzten Jahren ein bißchen intensiver mit Politik beschäftigte, kann nicht über das Merz-Desaster überrascht sein.

Leider interessieren sich die allermeisten Wähler nicht für die Zukunft und den Zustand ihrer Nation. Sie verweigern beharrlich, sich adäquat zu informieren. BILD und rechte Tiktok-Schnipsel tun es doch auch. So war es den rechten und reichen Kräften möglich, Merz als großartigen Redner, Wirtschaftsexperten und zuletzt auch als begnadeten Außenkanzler zu framen.

Auf diese drei Säulen stützen die Nius/Springer/Burda/Funke-Speichellecker ihren aufgeblasenen Megamerz zur Errichtung Rechtsaußen-Deutschlands.

Zu blöd, daß nach nur fünf Regierungsmonaten alle drei Popanz-Stützen für jedermann sichtbar in sich zusammengekracht sind.

Die Wirtschaft schmiert unter Merz ab. Alle ökonomischen Kennzahlen drehen nach unten. Er steht damit immerhin in schlechter CDU-Tradition, die immer wieder gnadenlos die Weichen in die falsche Richtung stellte.

 

Merz ist rhetorisch retardiert, kann sich nicht richtig ausdrücken.

Immer offensichtlicher wird auch sein außenpolitisches Unvermögen.

Nichts ist in Deutschlands globaler Situation 2025 so wichtig, wie ein enger Zusammenhalt Brüssels. Einzeln würden die EU-Staaten gnadenlos zwischen antidemokratischen Autokratien Russland, China und den USA aufgerieben.

Dummerle Merz liefert sich aber einen Kleinkrieg mit von der Leyen, bremst Brüssel aus. Wieder einmal ist es eine Kombination aus dem polternden Wesen und der sagenhaften Borniertheit des Fritzekanzlers. Er begreift die internationalen Zusammenhänge gar nicht.

(….) Für keinen EU-Staat ist die EU ökonomisch so essentiell, wie für den Mega-Exporteur Deutschland. Berlin müsste am meisten auf Einigkeit in Brüssel dringen.

Dummerle Merz hingegen macht das Gegenteil, blockiert EU-Vorhaben, kritisiert die Kommission öffentlich. (…)

(Wie Merz die EU zerstört, 06.08.2025)

Die rechten Redaktionen versuchen angestrengt, ihren Lieblingskanzler weiterhin als internationale Größe darzustellen. Aber das gelingt immer weniger. Zu offensichtlich wird die Merz-Regierung in den relevanten Hauptstädten als dampfluderndes Leichtgewicht wahrgenommen.

Peking will demonstrativ gar nicht erst mit Wadephul, dem Abgesandten des neuen deutschen Kanzlers „Lang Dumm“, reden. Zu irrelevant.


        [….] Außenpolitisches Desaster: Wadephuls China-Reise kurzfristig abgesagt

Der CDU-Außenminister wollte am Sonntag nach China fliegen – doch daraus wird nichts. Denn China stellt kaum Gesprächspartner zur Verfügung.

[….] Peking habe außer einem Treffen des Ministers mit seinem Kollegen Wang Yi keine hinreichenden weiteren Termine bestätigt, begründete Kathrin Deschauer, die Sprecherin des Auswärtigen Amts, die Verschiebung. Das kann man wohl als deutliches Zeichen werten.

„Dabei gibt es gerade in diesen Tagen eine Vielzahl von Themen, die wir mit der chinesischen Seite gerne besprechen wollen“, fügte Deschauer hinzu. Auch wenn die Bundesregierung die deutsche Wirtschaft und deren Lieferketten diversifiziere und die Wettbewerbsfähigkeit stärke, „wollen wir mit China zusammenarbeiten“. Gleichzeitig bereiteten den deutschen Unternehmen Handelsbeschränkungen vor allem in den Bereichen seltene Erden und Halbleiter große Sorgen.

Die Sicherheit Asiens und Europas sei zudem eng mit miteinander verbunden. „Unser Interesse ist, dass China dazu beiträgt, einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine zu erreichen“, ergänzte sie. Kein anderes Land habe so viel Einfluss auf Russland wie China. „Wir sind weiter sehr daran interessiert, uns partnerschaftlich zur gesamten Themenpalette auszutauschen. Wir bedauern sehr, dass es in den nächsten Tagen entgegen gemeinsamer Planungen kurzfristig dazu keine persönliche Gelegenheit geben wird.“ [….] Wadephul wäre das erste Mitglied der aktuellen Bundesregierung gewesen, das China besucht. Eigentlich sollte er einen Besuch des Bundeskanzlers vorbereiten. Jetzt wird sich wohl auch dieser weiter verzögern. Der Außenminister hatte zuvor bereits Antrittsbesuche in Japan und Indonesien absolviert. Dass die erste Reise in die Region nicht China galt, dürfte man in Peking zur Kenntnis genommen haben.

Pekings verschärfte Exportkontrollen auf seltene Erden haben große Sorge bei deutschen Unternehmen ausgelöst. [….]

(Sabine am Orde, 24.10.2025)

Der CDU-Irrelevantling im Außenministerium fügt sich ins Bild. Sein Chef debakuliert währenddessen durch Brüssel.

[….] Europa führen? Doch nicht so leicht

Von wegen »Germany is back«: Friedrich Merz wollte in Europa eine herausragende Rolle übernehmen, aber mit wichtigen Anliegen dringt der Kanzler kaum durch. Und dann behauptet er auch noch Dinge, die nicht stimmen. [….] Der Ausgang des EU-Gipfels am Donnerstagabend  wirft die Frage auf, ob der Bundeskanzler seinem eigenen Führungsanspruch gerecht wird. Ob er das politische Handwerk der internationalen Diplomatie wirklich so gut beherrscht, wie es ein Außenkanzler eigentlich beherrschen müsste.

In der abschließenden Pressekonferenz verhedderte sich Merz in Detailfragen. Es wirkte so, als wisse er nicht genau, wovon er spricht. Und beim wichtigsten Thema dieses Treffens, der Nutzung eingefrorenen russischen Gelds für die Ukraine, gab es keine Einigung, obwohl Merz sich sehr dafür eingesetzt hatte. [….] Drei Themen sind Merz besonders wichtig. Es sind Themen, bei denen es kaum vorangeht.

1. Geld für die Ukraine [….] In den vergangenen Wochen versuchten Merz und sein Team, die Skeptiker zu überzeugen. Offensichtlich ohne Erfolg. Vor allem Belgien, wo das russische Geld lagert, hat massive Zweifel. [….] Merz, der sich zuvor klar zur Idee bekannt hatte, das russische Vermögen als Absicherung für Kredite an die Ukraine zu nutzen, äußerte plötzlich Verständnis für die belgische Position. Er würde dieselben Argumente gegen den Vorschlag vorbringen, wenn er belgischer Regierungschef wäre, sagte er. Die Skeptiker dürften sich bestätigt sehen. [….] 

2. Handelsabkommen Mercosur [….]

Merz wirbt dafür, und tatsächlich haben sich Länder wie Frankreich, die vehement gegen das Abkommen waren, wohl etwas bewegt. Aber Merz stellte es am Donnerstagabend so dar, als sei die Einigung schon fix.

»Es gibt aus den Mitgliedstaaten jetzt keine Vorbehalte mehr«, sagte der Kanzler vor der Presse. »Es ist erledigt. Es ist durch.«

Umgehend widersprachen andere Regierungschefs. EU-Ratspräsident António Costa stellte klar: »Wir haben darüber nicht diskutiert. Wir haben keine Entscheidungen getroffen.« Es schien ein bisschen so, als sei Merz auf einer anderen Veranstaltung gewesen. Offenbar wollte der Kanzler unbedingt einen Erfolg verkünden. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten lediglich über einen technischen Termin zum Mercosur-Abkommen abgestimmt. Merz hat das offenbar falsch verstanden. In Brüssel heißt es, solch ein Ausrutscher wäre Angela Merkel, Olaf Scholz oder gar Helmut Kohl, dem großen Vorbild von Merz, wohl nie passiert. [….]

3. Bürokratieabbau

Merz drängt vehement darauf, dass die Europäische Union Regularien zurücknimmt und sie verbessert, um Unternehmen Bürokratieaufwand abzunehmen. [….] Die große Überraschung am Mittwoch: Die EU-Koalition aus EVP, Sozialdemokraten und Liberalen hatte keine Mehrheit, um das Lieferkettengesetz abzuschwächen. Die Fraktionen im Parlament machen sich nun gegenseitig Vorwürfe, wie es dazu kommen konnte.

Merz verschärfte am Donnerstag den Konflikt. Zwar ging er nicht ausdrücklich auf die Sozialdemokraten ein, wohl aus Rücksicht gegenüber dem Koalitionspartner, aber er nannte diese Entscheidung »inakzeptabel«. »Das ist eine fatale Fehlentscheidung, und die muss korrigiert werden«, forderte der Kanzler. Damit brachte er etliche Abgeordnete gegen sich auf. Parlamentspräsidentin Roberta Metsola, die wie Merz’ Union der EVP angehört, warnte Merz davor, die Unabhängigkeit des Parlaments infrage zu stellen. [….] Umso erstaunlicher ist es, dass der Kanzler immer wieder großspurig Erfolge in Aussicht stellt, die dann doch nicht eintreten. Unterschätzt er, wie komplex europäische Politik ist? Fehlt ihm womöglich noch das nötige Wissen? [….] So bleibt am Ende dieses langen Gipfeltages der Eindruck von einem Kanzler, der auf europäischer Bühne zwar Entschlossenheit vermittelt, aber weder in den Details noch in den Formulierungen sicher ist. [….]

(SPON, 24.10.2025)

Er kann es einfach nicht. Merz fehlt es ebenso an charakterlicher Reife, wie an intellektueller Kraft für das Regierungsamt. Wäre der Sauerländische Regierungs-Azubi intelligent und patriotisch, erwiese er seiner Nation einen Dienst und schriebe sein Rücktrittsgesuch an Steinmeier.

Aber noch nicht mal dafür reicht es beim  Fritzekanzler. Da gibt es selbst von Strobl-TV ein Daumen Runter.

[….] Bundeskanzler Merz hat beim EU-Gipfel mit deutlichen Worten nicht gespart. Doch nur zu schimpfen reicht nicht. Erst recht, wenn Deutschland dadurch im Kreis der EU-Mitglieder plötzlich allein dazustehen droht. [….] Merz haut verbal auf den Tisch. Wer allerdings zu hart zuschlägt, verletzt sich leicht selbst. Es ist ja immer sehr leicht, auf die Brüsseler Bürokratie zu schimpfen, wie auf die Jugend, die nicht mehr richtig arbeiten will. Ein Klischee, für das man auf jeden Fall ein Kopfnicken erntet. Aber so einfach ist es nicht. [….] Am Ende ist Deutschland auch nur ein Mitglied von 27. Gemessen an den vollmundigen Ankündigungen des Bundeskanzlers hat dieser Gipfel nur ein paar Krümel gebracht. [….]

(Tagesschau, 25.10.2025)

Mir tun Schröder, Merkel und Scholz Leid; es muss brutal sein, sich diese Stümperei anzusehen.

Freitag, 24. Oktober 2025

Partei-Pauschalitäten

Zugegeben; ich habe einige grenzwertige Vorlieben. Ein Schulfreund wirft mir zum Beispiel regelmäßig vor, freiwillig Mathe als Abi-Prüfungsfach gewählt zu haben und darüber hinaus, im Grundstudium vier, statt der vorgeschriebenen zwei Mathescheine gemacht zu haben. Das sage ja wohl alles.

Ich muss mir den Schuh wohl anziehen und so erntete ich von besagtem Kumpel nur ein kopfschüttelndes „war ja klar“, als er mir einst beim Umzug half und ihm dabei ein Stoß mit handgeschriebenen Tabellen entgegenfiel, die ich in meinen Twen-Jahren als Sumo-Fan erstellte, nur weil ich akribisch die Ergebnisse und Ränge aller 40 Rikishi nach jedem der sechs Japanischen Turniere im Jahr ordentlich eintrug. Kann doch sein, daß man mal ein halbes Jahrhundert später nachvollziehen will, mit welchen Resultaten im Nagoya Basho der Makuuchi-Division von 1996 die Maegashira und Sanyaku zu Komusubi, Sekiwake, Ōzeki und Yokozuna promoviert wurden!

Der Spaß fiel leider dem doofen Internet zum Opfer. Wozu aufwändig Tabellen und Statistiken niederschreiben, wenn alles immer mit wenigen Klicks aufzurufen ist?

Ich stehe aber immer noch darauf, Tabellen und Listen zu lesen.
Daher war ich ziemlich begeistert, als ich gestern mit gehöriger Verspätung (weil ich altersbedingt völlig vergessen hatte, rechtzeitig zu bestellen) „Kürschners Volkshandbuch Deutscher Bundestag, 21. Wahlperiode“ hier eintraf. Der Band erschien schon im Juni und wird, neben vielen anderen Informationsmaterialien,  kostenlos von der Bundestagsverwaltung verschickt. Wieder ein Band für meine Sammlung. Wieder 630 neue Bilder mit den dazugehörigen Lebensläufen.

Statt meine Privat-Statistiken selbst zu erstellen, gibt es hier exakte vorgefertigte Daten. Schon im Vorwort erfahre ich:


[….]  Wenn der Bundestag „das Volk“ repräsentiert, lohnt sich ein Blick auch auf seine neue Zusammensetzung. 400 der 630 Abgeordneten gehörten bereits der letzten Legislatur an, 230 Mandatsträger sind neu hinzugekommen. Der Frauenanteil ist gegenüber der vorherigen Wahlperiode leicht gesunken – von 34,8 auf 32,4 Prozent. Besonders hoch liegt er bei den Grünen (61,2 Prozent) und der Linken (56,2 Prozent), gefolgt von SPD (41,7 Prozent) und 29 größerem Abstand CDU/CSU (22,6 Prozent). Am geringsten ist er in der AfD-Fraktion – dort liegt der Frauenanteil bei nur 11,8 Prozent.

Die AfD-Fraktion ist mit durchschnittlich 50,7 Jahren am ältesten, gefolgt von CDU/ CSU (48,3 Jahre). Jünger sind Grüne (42,3 Jahre) und Linke (42,2 Jahre). Die größte Altersgruppe stellen die 50- bis 59-Jährigen. 32 Abgeordnete sind jünger als 30, acht älter als 70. Alterspräsident ist Gregor Gysi von der Linken. Er eröffnete als dienstältester Abgeordneter mit mehr als 30 Jahren im Bundestag die konstituierende Sitzung – bis zu einer Änderung der Geschäftsordnung 2017 war es der jeweils lebensälteste MdB.

In soziologischer Hinsicht ist der Bundestag noch weit weniger repräsentativ.

179 Parlamentarier kommen aus dem öffentlichen Dienst, die meisten in dieser Gruppe arbeiten im Bereich Verwaltung und Lehre. 124 Volksvertreter sind bei politischen und gesellschaftlichen Organisationen tätig, waren also zuvor bei Parteien oder ihren Fraktionen beschäftigt, Mitarbeiter von Abgeordneten oder etwa in einer Gewerkschaft beschäftigt. 119 Bundestagsabgeordnete sind im  weitesten Sinne in der Wirtschaft tätig, die größte Gruppe im Handel, Handwerk, Gewerbe oder der Industrie, die zweitgrößte bei Banken, Sparkassen und Finanzdienstleistern. 107 Abgeordnete sind in sogenannten freien Berufen tätig, davon 75 als Juristen oder Steuerberater. Sieben Personen sind bereits im Ruhestand, 13 noch in der Ausbildung.

„An Juristen und Lehrern mangelt es uns weniger“, kommentierte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner die Zusammensetzung. Der typische Abgeordnete ist männlich, Akademiker, um die fünfzig, ohne Migrationshintergrund. Frauen, Arbeiter und Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind unterrepräsentiert. [….]

(Kürschner 2025, s. 28 f) 

Der Fritzekanzler gehört zu den 10 ältesten Abgeordneten, in der Gysi ein Exot ist.
Alte sind rechts, Junge sind links. Wie im richtigen Leben, so auch im Bundestag.

Auch die Studienfächer und Berufe entsprechen den Politiker-Klischees. 

[….] Studienfächer:

[….] Arabistik 1

Archäologie 1

Architektur, Design 3

[….] Chemie, Biochemie 2

Energie-, Elektrotechnik 9

[….] Gesundheits-, Pflegewissenschaften 1

[….] Lehramt, Dipl.-Lehrer(in) 25

Literaturwissenschaften 3

[….] Politikwissenschaften, Internationale Beziehungen 99

Polonistik 1

[….] Raum-, Stadtplanung 3

Rechts- und Staatswissenschaften 162

[….] Soziologie, Sozialwissenschaften 30

[….] Verwaltungswissenschaften 25

Veterinärmedizin 2

Volkswirtschaft 36

Wirtschaftswissenschaften 19

Zahnmedizin 1

Berufe der Abgeordneten

Unselbstständige Tätigkeiten

1.1 Öffentlicher Dienst

.1 Verwaltung 62

.2 Polizei 7

.3 Justiz 8

.4 Bundeswehr, Bundespolizei 9

.5 Kommunale(r) Wahlbeamter/Wahlbeamtin 24

.6 Bildung, Lehre, Forschung 25

Hochschulangehörige 12

Lehrer 18

Sonstiges 1

[….] 1.2 Politische und gesellschaftliche Organisationen,

Mitarbeiter bei Abgeordneten

.1 Parteien und Fraktionen 60

.2 Gewerkschaften, Arbeitnehmerorganisationen 8

.3 Mitarbeiter bei Abgeordneten 44

[….].1 Handwerk, Handel, Gewerbe, Industrie 74

.2 Land- und Forstwirtschaft 4

.3 Banken, Sparkassen, Finanzdienstleister 15

[….] 2.2 Freie Berufe

.1 Rechts-, wirtschafts- und steuerberatende Berufe 75

.2 Medizinische bzw. heilkundliche Berufe 4 [….]

(Kürschner 2025, s. 295 f)

Die CDUCSU-Fraktion besteht homogen aus Juristen. Die Grünen sind alle Akademiker, besonders gern Politologen. Die AfD ist nicht nur die älteste, sondern auch mit Abstand die ungebildetste Fraktion. Hier gibt es kaum studierte Menschen. AfD-Abgeordnete sind zu einem Drittel Polizisten, einem Drittel Soldaten und einem Drittel Kaufleute/Handwerker. Die Linke besteht zur Hälfte aus Akademikern, dazu kommen aber noch bunt gemischt junge Leute in Ausbildung, Aktivisten oder Gewerkschaften.

Ähnlich heterogen sieht es bei den Sozis aus, unter denen es traditionell viele Politologen und Lehrer gibt, aber auch Handwerker, eine Pflegekraft, so wie habilitierte Wissenschaftler.

Ach ja, unter den ganzen alten uniformierten AfD-Männern, gibt es eine kleine Unterblase, in der die Storchenartigen sitzen. Radikal-christliche, extrem homophobe, ausländerhassende, dunkelkatholische alternde Furien. Man findet sie in der freien Wildbahn unter den Namen Beverfoerde, Kuby, Kelle, Mewes, Oldenburg.

Ein Prachtexemplar ist Martina Kempf, die ihren offiziellen Lebenslauf für den Kürschner, wie folgt beschreibt:

[….] Martina Kempf; Volljuristin; 79206 Breisach am Rhein – * 31. 3. 1964 Wertheim; ev.-freikirchlich; verh., 3 Kinder – 1983 Abitur am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Wertheim. Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen, Berlin und Köln, anschl. Rechtsreferendariat, 2. Jur. Staatsexamen 1993 in Düsseldorf, 1993/94 Qualifikationslehrgang „Umweltschutzexpertin Europa“ in Bonn bei Environmental Protection Services GmbH. Ab 1994 für etwa ein Jahr Umweltbeauftragte bei Fa. Zippe Industrieanlagen GmbH in Wertheim und anschließend für einige Jahre Unternehmensberaterin für Umweltmanagement für kleine und mittelständische Unternehmen. Buchveröffentlichung Martina Kempf: „Frauenfeindlich – Wie Frauen zur Ungeborenentötung gedrängt werden“, Gerhard-Hess-Verlag 2012, weitere Buchbeiträge, 1992/2008 Mitgl. der ÖDP, 2009/13 Mitgl. der AUF-Partei (Arbeit, Umwelt, Familie – Christen für Deutschland), seit 2013 Mitgl. der AfD. Co-Vors. des Vereins Vertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten in der AfD (VAdM), seit 2025 Präsidentin des Landesschiedsgerichtes der AfD Baden-Württemberg, 2015/18 Bundesvorstandsmitgl. der Christen in der AfD (ChrAfD). Seit 2019 Mitgl. Stadtrat Breisach, 2019/24 Kreisrätin im Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald. Delegierte im Bundesfachausschuss Familie der AfD, Schriftführerin im Landesfachausschuss Außen- und Sicherheitspolitik der AfD Baden-Württemberg. Mitgl. Bund der Vertriebenen und der Sudetendeutschen Landsmannschaft. – MdB seit März 2025.

Landesliste Baden-Württemberg

E-Mail: martina.kempf@bundestag.de  [….]
(Kürschner 2025, s. 149 f) 

Ach du braune Neune!

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Verschlimmbessern

Die Arroganz, mit der öffentliche Personen versuchen, ihre Skandale zu verschleiern ist immer wieder enorm. Statt gleich alles zuzugeben und um Entschuldigung zu bitten, streiten sie ab, setzen auf Salami-Taktik und halten so die negative Berichterstattung kontinuierlich aufrecht.

Politiker stürzen selten über den Skandal selbst, sondern fast immer über ihre eigene Doofheit, beim Umgang mit dem Skandal.

Der Rassist Merz wird wegen seiner relativen Alternativlosigkeit nicht so schnell stürzen, aber sein Stadtbild-Goebbels-Stunt zeigt mustergültig, wie sich jemand unnötig immer weiter in den Abgrund bohrt.

Der Fritzekanzler schrumpfte seine eigene Wahlsieger-Partei in Rekordzeit auf Platz Zwei hinter den Nazis, ist persönlich unbeliebter, als jeder Kanzler im ersten Regierungsjahr und sollte gewarnt sein: Er verfügt schließlich über jede Menge Erfahrung damit, wie er durch unbedachte Dummschwätzerei die AfD boostet und selbst blamiert dasteht.

Er konnte lange genug beobachten, bekam es lange genug immer wieder von Wissenschaftlern vorgetragen, wie seine AfD-Imitation nur der AfD hilft und die CDU schrumpft. Allein, er ist schlicht intellektuell zu minderbemittelt, um das zu begreifen. Dieser Kanzler ist ganz offensichtlich nicht die hellste Kerze auf der Torte.

Und so greift der Sauerländer Sitzenbleiber immer wieder zum Benzinkanister, wenn er das Feuer löschen will. Er ist zu dämlich dazu, um auch nur in einem Statement seinen Rassismus abzulegen.

[…..] Merz' neue Stadtbild-Erklärungen: Nicht minder rassistisch […..]

Merz kam nicht etwa auf die Idee, sich bei all den Menschen, die sich von seiner Aussage ausgegrenzt fühlen, zu entschuldigen. Stattdessen formulierte er seinen rassistischen Blick auf Migrant*innen weiter aus: „Heute sind Menschen mit Migrationshintergrund ja ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Arbeitsmarktes“, las Merz vom Sprechzettel ab – „wir können auf sie eben gar nicht mehr verzichten.“ Probleme bereiteten vor allem diejenigen, „die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus haben und nicht arbeiten“.

Es gibt also die „guten“ Ausländer*innen, nämlich all jene, ohne die Deutschland leider gar nicht im globalen Wirtschaftswettbewerb bestehen kann. Daneben gibt es aber auch die „schlechten“ Ausländer*innen, also alle, auf die der deutsche Wirtschaftsstandort verzichten kann, weil sie nicht genug wirtschaftlichen Nutzen bringen.

Sie dienen dann als Sündenbock, um rechte Wähler*innen zu gewinnen. Die Gleichung, die Merz hier aufmacht, wonach die Daseinsberechtigung von Migrant*innen an ihrem Nutzen gemessen wird, ist nicht minder rassistisch als die ursprüngliche Aussage. […..]

(Pauline Jäckels, 23.10.2025)


Man warf dem hochbelesenen und hochintelligenten Kanzler Scholz stets vor, seine Worte zu sehr abzuwägen. Und so freut sich der rechte Schmierenjournalismus – bis hin zur völlig abgedrifteten ZEIT – über den vermeidlich Klartext-dampfplaudernden Fritzekanzler.


Sie drücken sich um eine simple Erkenntnis: Das Sauerländer Kanzler-Leichtgewicht ist ein rhetorischer Totalausfall. Es ist sein Signature Move, irgendeinen Quatsch pathetisch in die Welt zu blasen und die nächsten Tage damit beschäftigt zu sein, alles wieder einzufangen.

[….] Der Bundeskanzler wollte was mit Migration sagen. Nur was? [….]Mit seiner „Stadtbild“-Aussage versagt Friedrich Merz auf dem zentralen Feld der Politik: der Sprache. Das ist beunruhigend. [….]Vielleicht aber auch nicht, vielleicht meinte er Shisha-Bars und Dönerläden, junge Frauen mit Kopftuch oder Familien, die im Park grillen. [….]Für welches der komplexen Probleme wären Abschiebungen die Lösung? Oder ging es ihm um andere Migrationsaspekte? Unter dem Begriff wohnen viele Themen, nicht zuletzt der Schutz zugewanderter Personen vor rechtsextremer Gewalt und Deportationsfantasien. Aber Merz hält sich nicht mit Detailfragen auf, sondern begnügt sich mit Geraune. Bekanntlich schlug auch der Versuch, ihn zu mehr Genauigkeit zu bitten, fehl. Da verwies er auf unsere Töchter, die wüssten schon, was er meint. Allerdings bekleidet derzeit keine Tochter das Amt des Bundeskanzlers, sondern ein Mann, dessen wichtigstes Instrument qua Amt die deutsche Sprache ist.

Seine Äußerung ist nicht deswegen irritierend, weil er etwas Neues ausgesprochen hätte, sondern weil er die Republik bei einem wichtigen Thema lange, lange rätseln und deuten lässt. Alle werden unfreiwillig Teilnehmer eines Heidegger-Seminars, in dem der Dozent auf den Tisch klopft und fragt: „Wo ist hier das ist?“ [….]Möchte er alle Männer abschieben? Das Fazit in der Jugendsprache unserer Töchter: kP. Keinen Plan.

[….]Damit diskreditiert sich der Kanzler auf dem zentralen Feld der Politik – der Sprache. Gerade die jungen Menschen hören da genau hin, ohne auf eine respektvolle und präzise Sprache zu achten, kommt man bei Menschen unter 30 nicht weit. Schon ist das „Stadtbild“ zum ironischen Zitat avanciert, zum Meme, und statt dem Bundeskanzler aufmerksam zu folgen, lachen sie ihn aus. Ohne Zustimmung der nachfolgenden Generationen hat seine Politik aber keine Zukunft. Auch das klassische Unionspublikum im Mittelstand und in den Familienbetrieben oder im Handwerk wird ratlos zurückgelassen. Man möchte planen, investieren, sich vergrößern – wie soll das gehen, wenn jede Ansage morgen wieder revidiert wird?

Ein wichtiger Faktor der Kommunikation gerade in konservativen Kreisen ist die Verlässlichkeit des Wortes, einem strengen, aber gütigen Vater nachempfunden. Der amerikanische Linguist George Lakoff spricht vom strict father model in der konservativen Kommunikation. Was ist von einem Daddy zu halten, dessen Machtwort für Fragezeichen sorgt? Wohin führt Friedrich Merz das Land? Nutzt er sein politisches Kapital für einen Umbau von Industrie und der Infrastruktur? Oder schwebt ihm ein Freilichtmuseum vor, indem man die Versprechen der Siebzigerjahre, Autobahn und Atomkraftwerke, bestaunen kann? [….]Im direkten Vergleich mit den hohen kommunikativen Standards schneidet ausgerechnet der Mann schlecht ab, der die Richtlinien der Politik vorgibt – und das tut er, so ist es vorgesehen und ein anderes Medium gibt es dafür nicht, mit Worten. Dass Friedrich Merz nicht sagen kann, was er will, hinterlässt ein allemal beunruhigendes Gefühl.  [……]

(Nils Minkmar, 22.10.2025)

Der Fritzekanzler fungiert als klassische Witzfigur und akademisches Anschauungsmaterial. Das Negativbeispiel für Politologen, Germanisten und Ökonomen. Die können noch für Generationen am Beispiel Merz ihren Studenten zeigen, wie man es nicht macht.

Inzwischen musste sich die Sauerländer Sudelzunge gar dem SPD-Vizekanzler beugen. Klingbeil mochte nicht mehr ansehen, wie Merz dauernd die gemeinsame Hütte anzündet und drängte seinen Chef zur Klarstellung. Fast unnötig zu erwähnen, daß Merz erneut versagte.

[….] Eine Woche lässt Bundeskanzler Friedrich Merz die Debatte um seine „Stadtbild“-Äußerungen laufen – dann erklärt er sie doch noch. Offenbar auch auf Drängen des Vizekanzlers. [….]Merz war nach seiner Äußerung, dass es ungeachtet von Fortschritten in der Migrationspolitik „natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem“ gebe, in die Kritik geraten – zum Teil aus der eigenen Partei. Der frühere Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) nannte die Formulierung „zu nebulös“. Andere gingen weiter und warfen Merz vor, ausländerfeindliche Ressentiments zu bedienen. Nach einer CDU-Klausur, von der eigentlich ein Kampfsignal in Richtung AfD ausgehen sollte, beharrte Merz am Montag eher trotzig auf dem Begriff und verwies vielsagend auf die „Töchter“, die man nur fragen müsse. Ungeachtet aller Rückendeckung gaben Merz danach die eigenen Leute zu verstehen, dass er die Debatte endlich befrieden müsse. [….]Man könne auf zugewanderte Arbeitskräfte nicht verzichten, erklärte er, „ganz gleich, woher sie kommen, welcher Hautfarbe sie sind und ob sie erst in erster oder schon in zweiter, dritter oder vierter Generation in Deutschland leben und arbeiten“. [….]

 „Ich möchte in einem Land leben, in dem Politik Brücken baut und Gesellschaft zusammenführt, statt mit Sprache zu spalten“, sagte Klingbeil am Mittwoch auf einem Kongress der Gewerkschaft für Bergbau, Chemie und Energie in Hannover. Er selbst wolle in einem Land leben, „bei dem nicht das Aussehen darüber entscheidet, ob man ins Stadtbild passt oder nicht“, sagte Klingbeil weiter. Er ging damit rhetorisch auf Distanz zu Merz, wobei man den Rüffel im Umfeld des Kanzlers als eher gemäßigt wertete. [….]

(SZ, 23.10.2025)

Völlig erkenntnisresistent. Merz ist durch und durch Rassist. Man kann es ihm 100 mal erklären, was er anrichtet, wie er sich, seiner Partei und seinem Land schadet. Er begreift es einfach nicht. Der Kerl ist dumm, wie Bohnenstroh. Das geht schon in Richtung Trump.

[….] Thema verfehlt, Herr Bundeskanzler [….] Tatsächlich gibt es – nicht in allen, aber in manchen – Innenstädten ein Problem. Dabei geht es nicht, wie Merz sagt, um die Folgen von Migration, sondern um Armut.

Armut macht Menschen obdachlos. Armut kann physische und psychische Krankheiten auslösen oder verschärfen. Armut sorgt dafür, dass Menschen süchtig werden. Armut ist der Grund, warum Menschen betteln. Armut ist einer der Hauptgründe, warum Menschen kriminell werden.

Arme Menschen haben auch kein Geld für den Sportverein, für Netflix und Amazon Prime oder um ihre Abende in Kneipen und Bars zu verbringen. Deswegen treffen sie sich auf öffentlichen Plätzen und an Bahnhöfen. [….]Ihnen sollte geholfen werden, durch gute Sozialpolitik, die Menschenwürde gilt schließlich für alle. Das würde automatisch auch denen helfen, die Angst empfinden, wenn sie am und um Bahnhöfe, in Unterführungen oder an Marktplätzen auf aggressive oder wegen Drogenkonsum kaum ansprechbare Menschen treffen.

Was den Genannten nicht hilft, ist spalterisches Gerede wie das von Merz. Es stellt Menschen mit Migrationshintergrund, die nur aufgrund ihres Aussehens als nicht deutsch wahrgenommen werden, unter Generalverdacht. Und es schürt Angst. [….] Doch anstatt das nach tagelanger Debatte verstanden zu haben und die Gesellschaft zusammenzuführen, schickte Merz dann auch noch die Töchter vor. Die sollte man fragen, um bestätigt zu bekommen, dass »das« ein Problem sei, »spätestens mit Einbruch der Dunkelheit«.

Schlimm genug, dass Merz nicht selbst erklärt, was er meinte. Aber der CDU-Chef insinuiert damit auch noch, dass es bei dem »Problem im Stadtbild« um sexualisierte Gewalt durch Migranten geht, was so nicht stimmt. Daran sind zwei Dinge kritikwürdig: Merz zieht die Töchter oder Frauen vor allem dann heran, wenn es ihm rhetorisch in den Kram passt – und nicht dann, wenn es um konkrete Politik geht, die Frauen wirklich helfen würde.

Und er stärkt mal wieder eine Erzählung der AfD. Denn die Rechtsextremisten sind es, die immer wieder behaupten, Migranten seien quasi alle Sexualstraftäter, und nur die AfD würde Frauen schützen.

Dabei haben Wissenschaftler gut belegt, dass sich Narrative von Rechtsextremisten normalisieren, wenn sie von politischen Akteuren aufgegriffen werden, die als mittig gelten. Und sie haben auch erforscht, dass es sehr schwer ist, diese Normalisierung dann wieder umzukehren. Also eine Partei wie die AfD wieder zu stigmatisieren, wenn man sie oder ihre Thesen einmal nachgeahmt und damit enttabuisiert hat.

Das schadet massiv der Demokratie, die von der AfD attackiert wird. [….] (Der SPIEGEL-Leitartikel von Ann-Katrin Müller, 22.10.2025)