Dienstag, 1. April 2014

Impudenz des Monats März 2014



Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Die letzten vier Wochen zeigten wieder einmal eine reiche Auswahl des Wahnsinns und der Dummheit.

In die engere Wahl kamen bellizistische Grüne und grassierende Russophobie der Presse.

Eigentlich war schon alles klar: Russland handelt "aus Schwäche" (Obama), Putin ist ein "Verlierer" (SPIEGEL ONLINE), er lebt in einer "anderen Welt" (Merkel), der Westen muss ihm "Grenzen setzen" ("Frankfurter Allgemeine"). Schon lange waren sich Machthaber und Medien im Westen nicht mehr so einig wie in der Krim-Krise: Der irre Iwan bricht das Völkerrecht, und wir müssen alle fest zusammenstehen.
[….]   Im Angesicht eines angenommenen Feindes lernen wir gerade den Unterschied zwischen einem freien und einem unfreien Pressewesen: In Russland werden die Medien von der Regierung gleichgeschaltet, bei uns übernehmen sie das gerne auch mal selbst. Für den Journalismus wird die Krim-Krise damit zur Sinn-Krise.  Wer es wagte, gegen den Strom der gleichgerichteten Meinung zu schwimmen, bekam vor kurzem noch ein lächerliches Etikett verpasst: "Putin-Versteher". […]

Aber da ich schon so viel über Krim und Co geschrieben habe, bekommt den Titel der Impudenz des Monats die Abschiebungs-Begleitkampagne des Bayerischen Roten Kreuzes.

Wer hätte das gedacht?
Lange hielt ich mich selbst für den größten Zyniker aller Zeiten, aber nein, es gab diesen Monat eine Aktion, die weit über das für mich erträgliche Maß zynisch war. Zu zynisch, viel zu zynisch.

Seht selbst:


                                               
Das durch den FREISTAAT BAYERN geförderte „Rückkehrhilfeprojekt der AWO Nürnberg und BRK Nürnberg-Stadt“ stellt die Abschiebung von „illegalen Menschen“ als tolle Chance dar:

Rückkehr in die Heimat bedeutet

    Verwandte und Freunde wiederzusehen,
    sich im vertrauten Kulturkreis zu bewegen,
    sich in der Muttersprache auszudrücken.

Rückkehr bedeutet auch

    Neubeginn,
    gesellschaftliche Anerkennung und
    die Chance, neue berufliche Perspektiven wahrzunehmen.

Es gibt für mich kaum eine größere moralische Katastrophe als die Abschiebepraxis Deutschlands, bei der jeden Tag in Nacht- und Nebelaktionen Familien auseinander gerissen werden.
Man steckt Kinder, die ihr Leben lang in Deutschland waren, von eben auf jetzt in ein Flugzeug und setzt sie dann in einer Gegend aus, die sie nicht kennen. In einem Land, dessen Sprache sie nicht sprechen.
Es wundert kein bißchen, daß es dabei immer wieder zu Suiziden aus purer Verzweiflung kommt.

Das „Rückkehrbuch“ ist die Bonbon-bunte Spaßversion des NPD-Slogans „Ausländer raus!“. Happy Abschiebung!

Diesen perfiden und ethisch abartigen Vorgang zu bagatellisieren, sogar mit einem Comic schön zu reden und als Spaß in bunten Bildern darzustellen, kann nur vollkommen verdorbenen Charakteren entspringen.
Die Deportation von Kindern zu verniedlichen haut selbst mich Großzyniker um.

Sie sollten sich wirklich schämen, Rotes Kreuz Nürnberg!

Dass die Darstellung als verharmlosend betrachtet werden kann, gesteht [Ulrike Sing, Abteilungsleiterin Soziale Arbeit des BRK Nürnberg] ein, verweist aber auf ihre Funktion als Türöffner. Das Buch werde von den Sozialarbeiterinnen genutzt, um „mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, mit ihnen über ihre Ängste zu sprechen“. „Eine geäußerte Angst ist eine kleinere Angst“, sagt sie. Flüchtlings-Aktivist Weinzierl kritisieret dennoch, dass die Abbildung einer „gut situierten Flüchtlingsfamilie mit eigener Wohnung samt gut gefülltem Spielzeug-Regal an jeder Realität vorbei geht“.
Auch Mesovic möchte nicht daran glauben, dass der Comic hilfreich sein kann. Das Thema der erzwungenen Ausreise lasse sich „kaum pädagogisch adäquat darstellen, weil die dahinter stehende Situation Kindern nicht vermittelbar ist“, so Mesovic, der sich seit über 30 Jahren für Flüchtlinge einsetzt. Er verweist darauf, dass der Verlust von Heimat und Freunden von Kindern als „extrem hart“ wahrgenommen wird und viele nach der Abreise schlicht im Elend landen. Viele Kinder seien nach ihrem erzwungenen Abschied aus ihrem gewohnten Umfeld regelrecht traumatisiert und hegen über Jahre hinweg die Hoffnung, eines Tages nach Deutschland zurückkehren zu können.





Montag, 31. März 2014

Notposting


(Heute leider nur zehn Minuten Zeit)

Ich hasse, verabscheue und verachte Hitler- und Auschwitz-Witze; dasselbe gilt eigentlich für NS-Vergleiche aller Art.

Dabei ist die höchste Form der Perfidie, wenn Nachkömmlinge der Täter-Seite sich selbst, oder gar die ehemaligen Nazi-Opfer mit NS-Vergleichen überziehen.
Es stellt sich ja generell immer mehr die Frage, ob es überhaupt noch Tabus gibt, oder ob man alles darf.
Geht es um eine Form der Kunst, wenn also beispielsweise in einer Plastik oder einer Installation ein Hakenkreuz benutzt wird, bin ich schon offener für eine Verwendung von NS-Metaphorik.
Benutzt man aber Nazi-Vergleich ohne doppelten Boden, nämlich tatsächlich als politische Aussage, hat man sich selbst disqualifiziert.
Das fällt für mich in die Kategorie „Das tut man nicht!“

Es gibt Dinge, die rutschen einem anständigen Menschen eben NICHT raus - weder heimlich, noch am Stammtisch, noch öffentlich, noch auf dem Klo.

 Die menschliche Selbstdisqualifikation zeigen die Beispiele Stoiber (Warnung vor „durchmischter und durchrasster Gesellschaft“), Martin Hohmann (Juden seien “Tätervolk” ), Oettinger (Hans Filbinger “war Gegner des NS-Regimes”) Rüttgers („Kinder statt Inder“, „faule Rumänen“), Koch (Bsirskes Reichenkritik sei “eine neue Form des Sterns auf der Brust”), Jenninger (“Faszinosum” des Nationalsozialismus ), Laschet (über Kinderkrippen: „Das erinnert mich wirklich an jemanden, der bei einer anderen deutschen Diktatur gesagt hat: Das war alles gar nicht so schlimm, die haben wenigstens die Autobahnen gebaut“), FJ Strauß (über Jusos: “schlimmsten Nazi-Typen in der Endzeit der Weimarer Republik”), Kohl (Goebbels-Gorbatschow-Vergleich, über Thierse: “schlimmster Präsident seit Hermann Göring”) und Hans Werner Sinn (“In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 “hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager“)

Nun ja, es gibt auch Nazisprüche, die nicht zwingend die häßliche braune eigene Seele zeigen, sondern womöglich nur überbordender Doofheit geschuldet sind.

Schäuble über die Klagen gegen die Vorratsdatenspeicherung: “Wir hatten den größten Feldherrn aller Zeiten’, den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten.”)

Christian Wulff über Managergehälter: "Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogromstimmung verbreiten")

Aber Stoiber Multi-Warnung vor einer „durchmischten und durchrassten Gesellschaft“ ist eben nicht zu entschuldigen.

Nach so einem Klopfer kann man nur zurücktreten und von der politischen Bühne verschwinden.

Das gilt auch für den Piraten.

Martin Delius, Abgeordneter der Berliner Piratenpartei, ist einer der inzwischen ziemlich vielen „Einzelfälle“, der etwas raugehauen hat, das einem eben NICHT rausrutscht.

Martin Delius hatte in einem Spiegel-Interview gesagt, 
der Aufstieg der Piratenpartei verlaufe "so rasant wie der der NSDAP zwischen 1928 und 1933".

Keine Toleranz der Intoleranz. Kein Kleinreden des Rechtsextremismus.

Was sich heute Schäuble geleistet hat, gehört für mich zu den schlimmsten Entgleisungen, die ich in meinem politischen Leben erlebt habe.

Das Vorgehen Russlands gegenüber der Ukraine erinnert Wolfgang Schäuble offenbar an den Expansionsdrang Nazi-Deutschlands. "Solche Methoden hat schon der Hitler im Sudetenland übernommen", erklärte der Finanzminister am Montag bei einer öffentlichen Veranstaltung in seinem Ministerium. "Das kennen wir alle aus der Geschichte."
Schäuble bezog sich dabei auf Argumente, die die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin als Rechtfertigung für die Annexion der Krim anführt. Konkret geht es um die Behauptung, russischstämmige Bürger der Ukraine würden bedroht. Ähnlich argumentierten 1938 die Nazis, als sie vorgaben, "Volksdeutsche" in den tschechoslowakischen Randgebieten schützen zu müssen.
Schäubles Bemerkung fiel vor rund 50 Schülern aus Berlin auf einer Veranstaltung des EU-Projekttags 2014 der Bundesregierung.

UN- FASS-BAR.

Ausgerechnet Schäuble, der aus der ganz braunschwarzen BW-CDU-Ecke kommt, in der die NS-Größen Kiesinger und Filbinger zu höchsten Ehren gelangten und es immer breite Überschneidungen mit rechtsextremen Gruppen gab – Stichwort „Weikersheimer Kreis“, wo man Verbindungen zwischen CDU und Nationalsozialisten pflegt – ausgerechnet dieser Schäuble, überzieht den Präsidenten des Landes, das mit Abstand am meisten unter den Nazis gelitten hat – mehr als 20 Millionen Russen wurden von Deutschen im Zweiten Weltkrieg ermordet – mit Hitler-Vergleichen.

Da bleibt mir die Spucke weg.
Der Mann muss SOFORT entlassen werden.

Die rückgratlose Kanzlerin wird das wohl nicht tun, aber immerhin fühlte sie sich selbst in dieser hochgradig antirussisch aufgeheizten Stimmung bemüßigt Putin beizuspringen und Schäuble zu rügen.

Und selbst die Bundeskanzlerin geht auf Distanz zu ihrem Kabinetts-Routinier. Auf Schäubles historischen Exkurs angesprochen sagte Angela Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall im Kanzleramt: "Ich betrachte den Fall der Annexion der Krim als einen für sich stehenden Fall. Und da habe ich schon alle Hände voll zu tun, denn es handelt sich ganz eindeutig um einen Verstoß gegen das internationale Recht, und das ist das, was heute zählt, und daran halte ich mich."

WÄRE Schäuble ein halbwegs integrer Politiker, würde er selbst zurücktreten.
Aber das ist wohl bei einem CDU-Mann eine absurde Hoffnung.



Sonntag, 30. März 2014

Erste Bilanzen



Russland, Renten, Rassismus – so könnte man die ersten drei Monate der Merkel-Gabriel-Koalition alliterierend zusammenfassen.

Aus meiner Sicht war das äußerst schwach, was meine Sozen vollbracht haben.

Nahles‘ Rentenkampagne ist ein extrem teurer Fehler. Dreistellige Milliardensummen rausprassen, damit zu Zeiten des Fachkräftemangels 61-Jährige aus dem Arbeitsmarkt gezogen werden? Und das alles einseitig zu Lasten der Angestellten, während Unternehmer, Beamte, Bundestagsabgeordnete und Co nichts dafür zahlen müssen.
 Das ist dumm, teuer, ungerecht und zukunftsniederträchtig.

Steinmeiers einseitige Faschisten-freundliche und Russland-feindliche Politik bezüglich der Ukraine halte ich für gefährlich. Und was ist das für ein grotesker Witz Russland, das sich eine Halbinsel einverleibt hat, deren Bevölkerung das aber mit überwältigender Mehrheit so wollte, zu strafen, indem der chinesische Präsident Xi umschwärmt und umgarnt wird?
Zur Erinnerung; China annektierte 1950 Tibet und die Tibeter wollten das definitiv nicht! Im Zuge dieser gewaltsamen Tat starben hunderttausende Tibeter, die sich wehrten. Auf der Krim hingegen fiel nicht ein Schuß. Aber Putin ist böse und deswegen wendet sich die deutsche Bundesregierung nun demonstrativ an China.

Und was soll man von dem xenophoben Mist halten, der mit der für ganz wenige Menschen aufgehobenen Optionspflicht verbunden ist?

Union und SPD haben es versäumt, ein Ausrufezeichen für Integration zu setzen, eines, vor dem steht: Gut, dass ihr da seid, auch wenn eure Eltern einst aus der Türkei oder Indien kamen! Integration ist auch Vertrauenssache. Mit einer Staatsbürgerschaft auf Abruf vermittelt der Staat das Gegenteil. Der vorgelegte Gesetzentwurf ist – bei allen Verbesserungen zum bisherigen Bürokratie-Irrsinn – zu wenig. Auch wenn er vielen Doppelstaatlern künftig den Gang zum Amt ersparen wird.
[….] Will man Deutsch-Türken wirklich dafür bestrafen, dass sie aus Karrieregründen für einige Jahre nach London, Wien oder New York gehen – und damit ihre Kinder nicht in Deutschland leben? Nach dem jetzigen Kompromiss würde genau dies geschehen. Müsste man nicht umgekehrt um sie werben?
Solche Fälle werden immer häufiger: Die Menschen studieren in Paris, arbeiten in Singapur und lernen ihren Partner in Mexiko kennen. Genauso ziehen Migranten nach Deutschland und heiraten. Es sind die allzu menschlichen Folgen der Globalisierung, des Zusammenwachsens in Europa, die Kinder mit zweierlei Wurzeln hervorbringen. Wer die Internationalität akzeptiert, die heutige Bewegungsfreiheit über Grenzen hinweg genießt, muss auch Menschen mit zweitem Pass als Normalität zulassen. Und wenn sie am Ende Hans-Murat heißen.
(Roland Preuss, SZ vom 29.03.2014)

Und die CDU-Bilanz?
Außer den EU-feindlichen und generell xenophoben Hetzreden aus der CSU und der CDU-Thüringen ist da nichts, das man beurteilen könnte, da die Unionsminister nahezu kollektiv die Arbeit verweigern. Das Beispiel Merkel macht Schule. Während sich die SPD-Minister sofort ins Zeug legten und mit allen Mitteln immerhin versuchten Wahlversprechen umzusetzen (wenn auch teilweise mit grotesken Ergebnissen), legen die Unionskollegen die Hände in den Schoß und gucken zu wie sich als einzige Ursula von der Leyen in die Presse bringt. Allerdings natürlich immer nur durch Worte und nie mit Taten – aber das kennt man ja von ihr aus den vorherigen Ministerämtern auch nicht anders.
Während Nahles, Gabriel, Schwesig, Steinmeier und Maas geradezu rotieren schlafen die CDU/CSU-Minister noch.
Oder hat irgendjemand schon irgendeine kleinste Regierungstätigkeit von Johanna Wanka, Christian Schmidt oder Alexander Doofbrindt bemerkt?
Ich wage zu bezweifeln, daß mehr als ein Prozent der Bevölkerung überhaupt wissen wer für die Union am Kabinettstisch sitzt.
Falls die zufälligerweise vor drei Monaten von Außerirdischen durch täuschend echt wirkende Strohpuppen ersetzt worden sein sollten, hätte das bisher noch niemand feststellen können.

Die rechtslastigen Journalisten des Schlages „Springer“ werden schon nervös und sprechen von einem „Siegeszug der Sozialdemokraten“.

Knapp 100 Tage nach Regierungsantritt beginnt die erste heiße Phase der Gesetzgebung. Auf vielen Gebieten hat die SPD ihre Vorstellungen umgesetzt
Die ersten Gesetzentwürfe der Großen Koalition sind auf dem parlamentarischen Weg. Weitere werden in den nächsten Wochen folgen. Die Abgeordneten, egal welcher Partei, zitieren nun gern das Strucksche Gesetz: Nichts kommt so aus dem Bundestag, wie es hineinkam. Die Hoffnung, dass sich im Gesetzgebungsverfahren einiges ändert, hat vor allem die Union. Die SPD hat bisher die Debatte bestimmt, die Entwürfe verraten ihre Handschrift. Nachdem die Union die Wahl gewonnen hatte, setzte sich die SPD schon bei den Koalitionsverhandlungen in auffälligen Punkten durch. Nun scheint es bei den Gesetzen ähnlich zu laufen. Das Abendblatt zeigt wie und wo….[….]

Tja, schade, daß die Sozis so doof sind. Die scheinen ernsthaft noch zu glauben, der Urnenpöbel beurteile Politiker nach ihren Leistungen.

Dabei ist es ganz offensichtlich so, daß der geistig-kataplexe Wähler von jeder Tätigkeit eines Ministers verschreckt wird und nur völlige Starre gutheißt.
Wie zementiert steht die CDU in allen Umfragen fast doppelt so gut da wie die SPD: Deutlich über 40% würden heute CDU wählen, während die SPD so gerade eben mal über die 20% kommt.

Doch damit nicht genug; die offensichtlich urteilsunfähigen Deutschen glauben auch noch die CDU bestimme das Geschehen in der Bundespolitik.

Deutlich mehr Einfluss der Union in der Bundesregierung
Trotz der aktuellen Präsenz dieser Themen ist eine eindeutige Mehrheit aller Befragten (56 Prozent) der Meinung, dass die CDU/CSU in der Bundesregierung mehr Einfluss hat als die SPD (elf Prozent). 30 Prozent glauben, dass beide ungefähr gleich viel Einfluss haben.
Besonders auffällig dabei ist, dass bei den SPD-Anhängern sogar 60 Prozent der Meinung sind, dass die CDU/CSU mehr Einfluss in der Regierung hat als die von ihnen präferierte Partei (elf Prozent; beide gleich 28 Prozent).

Beliebteste Politikerin ist nach wie vor Merkel, die ihre Tatenlosigkeit regelrecht zu ihrem Markenzeichen weiter entwickelt hat.
Diese Methode hat sich aber auch Top-Drei-Politiker Schäuble erfolgreich abgeguckt und weigert sich nun auch in seiner zweiten Amtszeit als Finanzminister, der mit einer 80%-Mehrheit im Parlament ausgestattet ist, hartnäckig die überfälligen Steuerreformen auch nur anzudenken.
Schon unter Schwarzgelb wurde beispielsweise die hochgradig absurde Mehrwertsteuergesetzgebung erst noch weiter kompliziert (Ermäßigung für Teile der Hotelleistungen) und dann trotz aller gegenteiligen Beteuerungen nie wieder angefasst.

So will es der Finanzminister auch bis 2017 halten.

Kraftvolles Nichtstun. Bundesfinanzminister Schäuble will weitere vier Jahre auf Änderungen im Steuerrecht verzichten.
Es hat schon Finanzminister und Finanzministerkandidaten hierzulande gegeben, die wollten steuerpolitisch nicht weniger, als die Welt aus den Angeln zu heben: Der Bierdeckel-Stratege Friedrich Merz (CDU) etwa fällt in diese Kategorie, ebenso der ewige Ministeranwärter Hermann Otto Solms (FDP) mit seinem Traum vom einfachen, niedrigen und gerechten Drei-Stufen-Tarif. Und natürlich auch Angela Merkels kurzzeitiger Schattenressortchef Paul Kirchhof, der die Deutschen mit der Idee eines Einheitssteuersatzes gar in den „Garten der Freiheit“ führen wollte.
Bei Wolfgang Schäuble dagegen besteht keine Gefahr, dass er eines Tages mit diesen Herrn in einem Atemzug genannt werden wird. Der amtierende Bundesfinanzminister nutzte einen Kongress des Handwerksverbands ZDH am Dienstag vielmehr zu einer Grundsatzrede der besonderen Art. Die Botschaft lautete: Von kosmetischen Korrekturen abgesehen, wird in der laufenden Legislaturperiode in der Steuerpolitik genau so viel passieren wie in der vergangenen – nämlich praktisch nichts.
 (SZ vom 26.03.2014)

Schäuble will nicht.
Das deutsche Steuersystem ist besser als sein Ruf [….]   Das Problem ist vielmehr, dass die Abgabenlast ausgerechnet im unteren Einkommensbereich dramatisch ansteigt, dass schon Durchschnittsverdiener mit dem Spitzensteuersatz in Berührung kommen und dass die Steuerlast bei Lohnerhöhungen regelmäßig steigt, obwohl sich die Kaufkraft der Bürger wegen der Inflation gar nicht erhöht.
Die größte Ungerechtigkeit aber ist die Ungleichbehandlungen von Löhnen auf der einen und Kapitaleinkünften auf der anderen Seite – oder, noch pauschaler gesagt, von Leistungs- und leistungslosem Einkommen. Wer jeden Tag ins Büro oder in die Fabrik geht, führt bis zu 45 Prozent Einkommensteuer an das Finanzamt ab. Wer dagegen sein Kapital für sich arbeiten lässt oder erbt, zahlt nur gut die Hälfte – oder gar nichts.
(Claus Hulverscheidt, SZ vom 26.03.2014)

Fast keine Steuern für die Reichsten, dafür maximale Abzüge bei den abhängig Beschäftigten.


Samstag, 29. März 2014

In der Parallel-Realität.



Es gibt Menschen, die unglaublich merkbefreit sind.

Da ist Hoeness, der doch angesichts der neunstelligen Summen, mit denen er in der Schweiz spekulierte, wissen mußte, daß ihm zehn Jahre Knast drohen, wenn er nicht sofort Klarschiff macht und tätige Reue zeigt.
Aber statt sich so klein mit Hut zu machen, saß er dick und zufrieden bis zum Prozessauftakt vor TV-Kameras in Ehrentribünen und dachte gar nicht daran eins seiner Ämter aufzugeben.
Der Richter sagte es dann bei der Urteilsbegründung ganz deutlich; die Gefängnisstrafe habe er sich wirklich ganz allein selbst zuzuschreiben.
Statt zehn Jahren wird der Steuerbetrüger der Monsterklasse allerdings nur circa 18 Monate im Gefängnis sitzen

Oder TVE, der buchstäblich weltweit die katholische Kirche dem Gespött ausgesetzt hatte und für nie dagewesene Austrittswellen verantwortlich zeichnete.
1,2 Milliarden Katholiken – außer einem – erkannten, daß sich TVE so unmöglich gemacht hatte, daß er nie wieder ein Bistum führen können wird.
TVE selbst aber begriff nie in welche Lage er sich manövriert hatte.
Aus seinem Exil ließ er erst mal einen neuen schicken Dienstwagen bestellen.


Zweimal innerhalb von einer Woche; zuerst Montag und noch einmal gestern um 9.45 Uhr, empfing der Papst persönlich TVE zu einer Audienz. Es bedurfte schon einer zweiten eindringlichen Warnung aus dem Munde des Stellvertreters Gottes, bis sich der meistgehasste Bischof der Welt endlich dazu durchringen konnte auch eigene Fehler einzuräumen.
Hungern muß der Mann, der bereits mit 53 Jahren seinen Job los war, allerdings nicht. TVE hat ausgesorgt:

Der Limburger Bischof verdiente während seiner Amtszeit das Gehalt eines B8-Beamten. Das entspricht 9602 Euro brutto. [….]  Tebartz-van Elsts Pension beläuft sich also auf etwa 6700 Euro im Monat.

Und schließlich Annette, die nur 60 mal in ihrer Dissertationsschrift gefälscht und debakuliert hatte. Noch immer will sie nicht begreifen, daß sie damit zur Persona non grata geworden ist und sich nur noch in einem tiefen Loch verstecken kann.


Auch sie ist vollkommen uneinsichtig und hält sich selbst nach wie vor für so fabelhaft, daß sie als Vorbild für die Wissenschaft dienen will.
Entsetzen macht sich in ihrer unmittelbaren Umgebung breit. Die Abiturientin Schavan denkt gar nicht daran sich aus dem Hochschulrat der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) zurück zu ziehen.

 Nachdem Annette Schavan mit ihrer Klage gegen den Entzug des Doktortitels vor Gericht gescheitert ist, kommen aus dem Senat der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) erstmals Rücktrittsforderungen gegen die Hochschulrätin Schavan. "Wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich die Funktion aufgeben", sagt ein Mitglied des Gremiums. "Es wäre für alle einfacher, wenn sie sich zurückziehen würde. Das müsste sie eigentlich einsehen", sagt ein anderes Mitglied.
[….]  Aus mehreren Fakultäten meldeten sich Professoren und Studenten mit Kritik zu Wort. Immer wieder war die Frage zu hören: Wie soll man Studenten angesichts dieser Personalie zu sauberem wissenschaftlichen Arbeiten anhalten? Mehr als 40 Lehrende aus der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften unterschrieben eine Protestnote. Der Deutsche Hochschulverband warf der LMU einen Verstoß gegen den "akademischen Comment" vor.