Donnerstag, 29. Januar 2026

Parallelrealität.

Rätselhaft, einfach rätselhaft, wie gestandene Journalisten immer noch den „Außenkanzler Merz“ preisen können. Heute stellt sich SPIEGEL-Hauptstadtbüroleiter Roland Nelles vor ihn und bescheinigt dem Fritzekanzler „ich finde, Friedrich Merz findet die richtigen Antworten, indem er darauf setzt, daß Deutschland, daß Europa selbstbewusster gegenüber Donald Trump auftreten muss.“

Worin erkennt Nelles dieses deutsche und europäische Selbstbewußtsein?

Darin, daß Merz aus Angst vor Weißen Haus stumpf an seinem Musk-Account festhält?

Darin, daß Merz das Zünden der Handelsbazooka verhinderte?

Darin, daß Merz Trumps Anti-Windmühlenwahn teilt und auf US-LNG setzt?

Darin, daß Merz ihm öffentlich vertraut, die Vorgänge in Minneapolis ehrlich aufzuklären?

Darin, daß Merz‘ Fraktionschef Trump attestiert, bei Grönland „einen Punkt zu haben“?

Darin, daß Merz persönlich immer wieder Brüssel schwächt?

(….)  Mehr denn je, kommt es in dieser dramatischen Lage auf das bevölkerungsreichste und ökonomisch stärkste EU-Land an. Bedauerlicherweise wird es allerdings gerade von mutlosen, unerfahrenen, servilen Untertanen-Geistern regiert, die dem US-Aggressor liebesdienerisch signalisieren, ohnehin sofort zu kapitulieren.

So lädt man Trump, Rubio, Miller und Bannon regelrecht dazu ein, sich die lukrativsten Stücke aus der EU zu reißen.

Musk, der nach Trump gefährlichste US-Amerikaner, der rechtsradikale Rassist und Kinderp*rn*-Verbreiter, wird immer noch von Merz und seinen Minister hofiert, indem sie Regierungs-Accounts auf seiner antidemokratischen Hetzplattform X unterhalten.

WIESO kriecht die EU vor Musk? WIESO hat die Bundesregierung noch Accounts bei so einem Typen?

Falls es in 50 oder 100 Jahren noch Menschen geben sollte, die ein Bildungssystem unterhalten, wird es verdammt schwer, im Geschichtsunterricht zu erklären, wieso Merz und Wadephul bis zum Schluss, Elon Musk und Trump die Füße küssten.

A posteriori stand schon Neville Chamberlain ziemlich blöd da, wenn im Historiker-Seminar über die Ursachen des zweiten Weltkrieges gesprochen wurde.  Möglicherweise werden Merz und von der Leyen ihn eines Tages in den Schatten stellen. (…)

(Rechte deutsche Kriecher, 10.01.2026)

Die falschen Merz-Narrative sind extrem hartnäckig.

Er ist der „Außenkanzler“, obwohl gerade da seine größten Schwächen liegen.

Er ist der „Klartextkanzler“, obwohl er sich nahezu täglich um Kopf und Kragen redet, weil er einfach losplappert, ohne die Konsequenzen zu bedenken.

Er ist der „Wirtschaftsfachmann“, obwohl er spektakulär dabei versagt, die zusätzlichen 1.000 Milliarden Euro sinnvoll in die Zukunft zu investieren und alle seine Prognosen an der Realität zerschellen. Herbst der Reformen?

Obwohl seine Wirtschaftspolitik und seine Wirtschaftsministerin offenkundige Merz-Total-Ausfälle sind.

[…] Schlechte Nachrichten sind nicht weniger bitter, nur weil sie mit Ansage daherkommen. Deshalb muss man die Befunde aus dem Jahreswirtschaftsbericht, den Ministerin Katherina Reiche am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat, als das benennen, was sie sind: katastrophal. […] Die Konjunkturprognose wurde erneut nach unten korrigiert – und selbst das mickrige Prozent Wachstum, das nun für 2026 noch erwartet wird, ist kein nachhaltiges. Es ist gespeist aus dem Schuldenberg, den die Regierung unter dem Eindruck der veränderten geopolitischen Lage anhäuft. […] Die Bürokratie erstickt die Unternehmen, die Infrastruktur ist marode, das Bildungssystem chronisch unterfinanziert, die Fortschritte bei der Digitalisierung lachhaft.

Das wäre schon schlimm genug, richtig bedenklich aber ist, wie das Land auf die Lage reagiert. Dass Deutschland Reformen braucht, war ja auch vor Reiches Bericht bekannt. Dennoch war die öffentliche Debatte in den vergangenen Monaten mitnichten von der Suche nach den konstruktivsten Ideen für mehr Wachstum dominiert. Deutschland hielt sich stattdessen mit Neiddebatten auf.  Die Bundesrepublik stritt zuletzt – kleiner Überblick des Grauens – über Bürgergeld, Renten, das „Stadtbild“ und Teilzeitarbeit. All diese Debatten sind von Missgunst getrieben. Sie tragen das Gefühl in die Gesellschaft, dass die einen die anderen abzocken würden; und zuverlässig wähnt sich absolut jeder, ob arm oder reich, alt oder jung, in der Gruppe der Übervorteilten. […] Um eine echte Wende zu schaffen, muss sich dieses Land kompromisslos der Zukunft verpflichten. Das bedeutet: Bildung muss die höchste Priorität bekommen. Gut ausgebildete Menschen sind die beste Investition, die ein Land tätigen kann. Sie sind die Grundlage für spätere Innovationen, Firmengründungen und Arbeitsplätze. Die zweite Priorität muss dem gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land gelten. Es gibt viele Faktoren, die das Wirtschaftswachstum beeinflussen – auf diese beiden Punkte aber haben der Kanzler und seine Regierung maßgeblich Einfluss. Es wird Zeit, dass sie ihn nutzen. […]

(Angelika Slavik, 28.01.2026)

Mittwoch, 28. Januar 2026

25:2

Neues von den akademisch-kriminellen Mauschlern bei den Konservativen.

Es hat wieder jemanden erwischt. Wer sich bei CDUCSU oder AFDP engagiert, bringt a priori eine gewisse moralische Verkommenheit mit.

Menschen mit Anstand, die sich selbstlos der Allgemeinheit und der Solidarität verpflichtet sehen, gehen natürlich eher zu Grünen und Sozis.

Wer hingegen egoistisch denkt, seinen eigenen Vorteil sucht, sich gern über andere erhebt, wer diskriminiert und Gelegenheiten sucht, die eigenen Taschen vollzustopfen, ist bei schwarzgelbbraun richtig.

Ihre Kommilitonen, ihre Doktorväter und ihre Universitäten zu betrügen, ist für Rechte daher nur ein Kavaliersdelikt. Für Schwarze und Gelbe ist es ein NoLose-Spiel.

So ein Doktortitel macht sich gut beim Wähler und falls man doch beim Schummeln erwischt wird, kann man in CDUCSUFDP dennoch weiter Karriere machen – siehe von der Leyen, Scheuer, Huber, Djir-Sarai.

Es wird Zeit, mal wieder durchzuzählen.

(….)  Mit penetranter Ehrlichkeit macht man sich das politische Leben schwer. Honoriert wird es schon gar nicht. Die größten Lügner wie Schäuble oder von der Leyen sind die beliebtesten Minister überhaupt.  Eine echte Konservativen-Domäne ist aber das Erschleichen von Titeln. 

Dr.-Titel zu Erschummeln ist nicht selten. Als ich das letzte Mal zusammenfasste, kam ich auf 14, bzw 12 Namen:

Siegfried Haller (SPD) (?) Leiter des Leipziger Amtes für Jugend, Familie und Bildung
Uwe Brinkmann (SPD) ehemaliger Juso-Chef Hamburgs
Karl-Theodor von und zu Guttenberg (CSU) ehemaliger Polit-Gott
Veronica Saß (Parteilos?) Edmund Stoibers (CSU) Tochter
Silvana Koch-Mehrin (FDP) Europaabgeordnete
Jorgo Chatzimarkakis (FDP) Europaabgeordneter
Margarita Mathiopoulos (FDP), Westerwelle-Beraterin
Bijan Djir-Sarai (FDP) Bundestagsabgeordneter
Kai Schürholt (CDU) Bürgermeisterkandidat Landau
Matthias Pröfrock (CDU) Landtagsabgeordneter BW
Andreas Kasper (CDU), viele regionale Parteiämter in NRW

Bernd Althusmann (CDU), ehemaliger Niedersächsischer Kultusminister und Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK)
Roland Wöller (CDU) Sachsens Kultusminister
Johannes Hahn (ÖVP) EU-Kommissar für Regionalpolitik

A posteriori aus der Liste herausnehmen werde ich hiermit Siegfried Haller (kein Politiker) und Veronica Saß (kein politisches Amt; sie kann ja nichts dafür wer ihr Vater ist).
(Nicht mitgezählt sind bisher die nicht unbedingt selbstgeschriebenen Promotionen:
Für die bürgerliche Aura der größeren Kompetenz wird einiges getan. So schmücken sich ungleich mehr Konservative mit Dr.-Titeln.
Natürlich sind fast alles sogenannte „Klasse 2-Promotionen“, wie die von Ministerin Kristina Schröder (Hilfe von ihrem Bundestagsmitarbeitern) , Staatssekretär Ole Schröder (Kristinas Ehemann, promovierte an einer dubiosen Fern-Uni in Südafrika in Jura) und Guido Westerwelle (Fern-Uni Hagen, möglicherweise mit größerer Hilfe seines Vaters), bei denen zum einen nicht sicher ist wer alles daran mitgewirkt hat und bei denen zum anderen niemals auch nur in Erwägung gezogen wurde eine akademische Laufbahn damit zu begründen.)

Damit steht es nun offiziell 11:1 beim Dr.-Fälschen für Schwarzgelb. 

Rot hat lediglich einen Fall (und auch das ist ein sehr unbekanntes Parteimitglied). [……]  Bisher kapitulierte lediglich Uwe Brinkmann (der von allen Erwischen am wenigstens plagiierte) ohne Umschweife und gab den Dr.-Titel schuldbewußt ab.

(Tammox 2011)

Dazu kommen der Berliner CDU-Abgeordnete und ehemalige Bürgermeisterkandidat Frank Steffel („Bimbos, Kanaken, Mongos“).

Hinzuzufügen sind inzwischen noch der CSU-Bezirksrat Dominic Stoiber, der Sohn des berühmten Edmunds.

Der spektakulärste Fall ist sicher die plagiierte Direktpromotion der Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die heute noch den Titel „Prof.“ führt, aber in Wahrheit als höchsten akademischen Abschluß ihr Abitur vorzuweisen hat. 

Im März 2013 gesellte sich der CSU-Landrat Jakob Kreidl* aus Miesbach zu den anderen CDU/CSU/FDP-Titelbetrügern.

Ebenfalls seinen Titel los ist der xenophobe Andreas Scheuer („Wer betrügt, der fliegt!“)

Inzwischen schaffte es Ursula von der Leyen (CDU) ihre mangelhafte Dr.-Arbeit zu retten, obwohl sie nachweislich weite Teile plagiierte, weil rein zufällig ihr Ehemann in der Kommission saß, die den Fall untersuchte. Ich zähle sie aber dennoch als 17:1.

Die Universität Gießen bescheinigte der Promotionsarbeit von Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) „ein wissenschaftliches Fehlverhalten gemäß Satzung.“ Er muss nacharbeiten, darf die Titel aber behalten. (Es bleibt bei 17:1)

CSU-Generalsekretär Martin Huber verlor seinen Doktortitel, hatte offenbar großflächig abgeschrieben. (18:1)*

Die Uni Kassel entzog dem hessischen Sozialstaatssekretär Wolfgang Dippel (CDU) endgültig den Titel; auch er hatte im großen Maßstab plagiiert.(19:1)

Der österreichische Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) brachte es auf „Seitenweise Plagiate und einen fast zur Gänze abgekupferten Theorieteil“. (20:1)

Noch einmal Österreich; auch der konservative Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (ÖVP) schrieb seine Dissertation ab, so daß ihm der Doktortitel entzogen wurde. (21:1)

Ganz knapp davon kommt eine weitere erzkonservative Österreichische Ministerin, die es sich, wie Scheuer, mit einem „Dr.Bratislava“ leicht gemacht hatte.

[….] Ex-Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) dürfte auch ihren an der Slowakischen Technischen Universität (STU) in Bratislava erworbenen PhD-Titel behalten dürfen. Die Überprüfung der Plagiatsvorwürfe gegen ihre Dissertation läuft zwar noch, selbst bei einer Bestätigung ist aber mit einer Aberkennung des Titels nicht zu rechnen. „Plagiatsjäger“ Stefan Weber zeigte sich fassungslos.  […]

(ORF, 30.09.2021)

 (Es bleibt bei 21:1)

Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Florian Graf, schummelte so heftig, daß er gar nicht mehr die Prüfung abwartete und seinen Doktor-Titel freiwillig zurückgab. (22:1)

Als Bundesfamilienministerin war Franziska Giffey (SPD) wegen des drohenden Titel-Entzuges zurückgetreten; stellte sich später, ohne Titel, zur Wahl als Berliner Bürgermeisterin und gewann. (22:2)

Der aktuellste Fall trifft wieder die CDU.

[….] Uni Gießen will CDU-Europaparlamentarier Simon Doktortitel entziehen. Der Europaabgeordnete Sven Simon soll bei seiner Dissertation »in wesentlichem Umfang vorsätzlich getäuscht« haben. Das könnte den CDU-Politiker seinen Doktortitel kosten.  [….]

(SPON, 07.11.2022)

Damit steht es 23:2

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber da die Doktorentzugs-Zahl der Konservativen mehr als 1.000% über der, der Linken liegt, dürfte eindeutig belegt sein, welche politische Ausrichtung deutlich mehr dem akademischen Betrug zugeneigt ist.

(23:2, 07.11.2022)

Das zweite Dutzend voll, machte die Berliner Verkehrssenatorin Schreiner.

(….) Einer der schrillen Namen, den man weit über die Grenzen seiner Zuständigkeit hinaus kennt, ist Manja Schreiner, die 1978 in Wismar geborene Juristin, die nach Stationen als Arbeitgeber-Lobbyistin, vor genau einem Jahr im Senat Wegner Berliner Verkehrssenatorin wurde.  Eine echte Fanatikerin, der Verkehrspolitik im Grunde genauso egal ist, wie das Wohl Berlins.  Aber sie findet die Grünen scheiße und zerschlägt mit großer Freude alles, was ihre grüne Vorgängerin auf den Weg brachte. Fahrräder raus, Autos rein, lautet ihr einziges Motto. Sie ließ sogar fertig gestellte Radwege nachträglich übermalen, um die Flächen dem Autoverkehr zuzuschlagen.

Ihre 2007 verfasste Doktorarbeit ließ Schreiner nun stolpern. Drei von vier Seiten hatte sie abgeschrieben.

[….] Die Universität Rostock begründete den Entzug des Doktortitels nun mit dem Ausmaß an nicht ausreichend gekennzeichneten Textübernahmen in ihrer Dissertation. Die Quantität der Fehler und ihre qualitative Gewichtung ließen den Fakultätsrat zu dem Schluss kommen, dass das Werk den Ansprüchen an eine wissenschaftliche Arbeit nicht genüge, teilte das Gremium der Juristischen Fakultät am Dienstag mit: "Daher hätte Frau Schreiner der Doktorgrad nicht verliehen werden dürfen. Der Fakultätsrat hat daher einstimmig beschlossen, den Doktorgrad wieder zu entziehen."  Zuerst war der Vorwurf im Fachmagazin "Neue Juristische Wochenschrift" aufgetaucht. Der Frankfurter Rechtsprofessor Roland Schimmel hatte in einem Artikel über sogenannte "Bauernopfer" in akademischen Schriften Schreiners Arbeit als Beispiel genannt. Als "Bauernopfer" werden Textübernahmen aus anderen Arbeiten bezeichnet, bei denen die Quelle zwar genannt wird, aber beispielsweise nicht klar gekennzeichnet ist, in welchem Umfang Text übernommen wurde. Danach hatten Fachleute auf der Plattform Vroni-Plag Wiki die Doktorarbeit analysiert und nach eigenen Angaben "zahlreiche und umfängliche Plagiatsbelege" gefunden. Auf der Website heißt es, mehr als zwei Drittel der Seiten enthielten Plagiatstext, auf 13 Seiten machten die problematischen Stellen mehr als 75 Prozent des Textes aus. Hauptsächlich gehe es dabei um "Bauernopfer", teilweise aber auch um "Komplettplagiate".  […..]

(RBB, 30.04.2024)

Offenbar ein derart drastischer Fall, daß Schreiner neben ihrem akademischen Titel gleich auch noch das politische Amt abgab.

Damit steht es nun 24:2 beim Titelbetrug für die Rechten! (….)

(24:2, 30.04.2024)

Heute sind wir wieder bei den Ossis und sogar eine politische Ebene höher. Der Ministerpräsident von Thüringen steht als akademischer Betrüger da.

[…] Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) soll nach Angaben der Staatskanzlei in Erfurt seinen Doktortitel verlieren. Dies habe die Technische Universität Chemnitz Voigts Anwaltskanzlei mitgeteilt, sagte eine Regierungssprecherin und kündigte an, dass der Regierungschef gegen die Entscheidung der Philosophischen Fakultät vor dem Verwaltungsgericht klagen wolle. […] Voigt promovierte im Jahr 2008 mit der – größtenteils in den USA erarbeiteten – Doktorarbeit »Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. George W. Bush gegen John F. Kerry«. Doktorvater ist der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eckhard Jesse, der für sein umstrittenes Bild des Hufeisens für Links- und Rechtsextremismus bekannt wurde. Vorwürfe, dass Voigt in seiner Doktorarbeit unsauber gearbeitet haben soll, kamen in der Zeit des Wahlkampfs vor der Landtagswahl 2024 auf. Die private Quadriga Hochschule in Berlin führt Voigt zudem als Professor. […] Damals kündigte die Technische Universität Chemnitz an, einen Plagiatsvorwurf gegen Voigt prüfen zu wollen. Damals hatte der als Plagiatsjäger bekannte österreichische Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber die Universität via E-Mail darüber informiert, dass er in der Dissertation Voigts 46 Plagiate gefunden habe. [….]

(SPON, 28.01.2026)

Das ist das 25:2!

Die Abstumpfung gegenüber der akademischen CDU-Skandale scheint allerdings ähnlich weit fortgeschritten, wie die Toleranz der Rechten gegenüber Kindesmissbrauch. Man muss schon länger googeln, um etwas zum Voigt-Skandal zu finden. Keine Konsequenzen, kein Rücktritt, keine Kritik. Nur Achselzucken. Akademisches Betrügen ist nun einmal vollakzeptiert unter Top-CDUlern.

Dienstag, 27. Januar 2026

E*steinisierung der Nachrichtenmoral.

Es wird immer anstrengender und psychedelischer, täglich den vielen neuen News-Strängen hinterher zu scrollen, zu lesen, zu verifizieren und natürlich abzuwägen, welche Aspekte man gezielt ignoriert.  So lieferte mir Annika Brockschmidt auf Bluesky in geschriebener Form eine sachliche Beschreibung der Morde an Rene Good und Alex Pretti.

 

Die Tatvideos, die seither meine Social-Media-Feeds fluten, gucke ich mir nicht an, weil ich bewußt entscheide, mich nicht damit zu quälen und auch nicht gegenüber Gewalt abstumpfen will. Es ist gut, daß die Videos existieren und trotz des massiven Shadowban bei Musk und Meta gesehen werden, weil sie damit das Narrativ der US-Regierung untergraben. Aber mir genügt die einmalige Informationen über den Hergang.

Die Trumpsche Methode, flood the zone with shit, um stets die Nachrichten zu dominieren und nach Belieben von unangenehmen Themen abzulenken, funktioniert leider nur zu gut. Die Factchecker kommen nicht hinterher. Die Bullshitter gewinnen immer gegen die Seriösen.

Das Schulterzucken der seriösen Medien und der politischen Klasse gegenüber den täglich neuen ungeheuerlichen Angriffen Trumps, ist ebenso fatal und gefährlich, wie verständlich. Nach zehn Jahren des Bullshits, abenteuerlichen Beleidigungen im Stundentakt und 100.000 Lügen des mächtigsten Mannes der Welt, stumpft man ab.

Es handelt sich dabei um kein neues Phänomen. Seit Jahrzehnten, wird analysiert, wie durch immer mehr Gewalt und S€x-Darstellungen die Jugend verdorben wird.

Erst war es das TV, dann Comics, das Privatfernsehen, Horrorfilme, Computerspiele, Internet, Social Media. Was macht das mit einem Pubertierenden, wenn der beim Erwachen seiner s€xuellen Triebe, bereits jede noch so spezielle Variante in epischer Breite auf seinem Klugtelefon gesehen hat? Welche Verhältnis zu Gewalt entwickeln Menschen, wenn sie täglich im Fernsehen 1.000 Morde sehen?

Einige statistische Daten passen nicht zu dem, das jemand meiner Generation, der offline und ohne Pornozugang aufwuchs, erwarten würde. So beginnen heutige Jugendliche sogar deutlich später mit dem Geschlechtsverkehr, als wir in den 1980ern. Sehr kontrovers wird auch der mögliche Zusammenhang zwischen Baller-Computerspielen und Amokläufen diskutiert. (Dazu traue ich mir keine Meinung zu.)

Das größte Erstaunen löst in mir immer noch die enorme Toleranz religiöser und konservativer Menschen gegenüber pädos€xueller Gewalt aus. Es scheint geradezu ein Signature Move von Priestern und Rechten GOPern zu sein, sich missbräuchlich an Kindern zu vergreifen.

Dabei war es doch mal das ultimative Tabu. So verachtenswert, daß die Kinderf**ker sogar im Gefängnis von Mördern und Vergewaltigern verachtet wurden. Aber das ist vorbei. In den letzten Jahren produzierten die beiden großen christlichen Konfessionen weltweit derartig viele Kindesmissbrauchsfälle, daß sie den Trumpschen Bullshit-Status erreichten.

Die Menschen nehmen es achselzuckend hin. So sind sie eben, die Geistlichen. So sind sie eben, die US-Republikaner. Deswegen tritt man nicht mehr aus der Kirche aus, deswegen verliert man keine politischen Ämter.

Solche Meldungen schaffen es kaum noch in die Zeitungen, geschweige denn auf die Titelseiten.

Ist halt so.

Oder sorgten diese Randnotizen aus der letzten Woche für irgendeine politische Reaktion?

[…] Studie: Hunderte Missbrauchsopfer bei deutschen Pfadfindern

Übergriffe gegen Jugendliche, Vergewaltigungen im Zeltlager: Hunderte Kinder und Jugendliche sind bei den christlichen Pfadfindern in Deutschland Opfer sexuellen Missbrauchs geworden, wie eine Studie aufzeigt.

Eine am Dienstag in der Zentrale des Verbandes Christlicher Pfadfinder*innen (VCP) in Kassel vorgestellte Studie zweier Forschungsinstitute listet 344 Betroffene sexueller Gewalt zwischen 1973 und 2024 und 161 mutmaßliche Täter auf.

Marlene Kowalski aus dem Beirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im VCP sprach von einem der „dunkelsten Kapitel“ in der Geschichte des Verbandes. Laut Johanna Hess vom Bildungs- und Forschungsinstitut Dissens waren zwei Drittel der Betroffenen zwischen 13 und 17 Jahren alt, 60 Prozent weiblich.

Viele Taten auf Fahrten und in Lagern

Rund die Hälfte der Taten habe sich bei Pfadfinderfahrten oder -lagern ereignet, und etwa jeder zweite Täter war den Angaben zufolge mit zwischen 18 und 24 Jahren selbst noch relativ jung – und der überwiegende Großteil männlich. Unter den mutmaßlichen Täterinnen und Tätern, die die Untersuchung auflistet, sind nur drei weiblich. In mehr als einem Drittel der Fälle gehen die Forscherinnen und Forscher von Vergewaltigungen aus.

Peter Caspari vom Münchner Forschungsinstitut IPP sprach von einem erheblichen Ausmaß des Missbrauchs im Verband des VCP. Die beiden Forschungsinstitute hatten seit 2023 rund 1.300 Seiten Akten gesichtet und 79 Interviews mit ehemaligen und aktiven Pfadfindern geführt.  [….]

(ORF, 27.01.2026)

Macht doch nichts. Dazu gibt kein Bundesminister einen Mucks von sich. Christen eben.

[…] Evangelische Gemeinde arbeitet jahrzehntelanges „rigides Regime“ auf. Es geht um sexuellen Missbrauch, kalte Duschen, Essen trotz Würgereiz.

[…] Haben zwei Betreuerinnen einer Kirchengemeinde in Buxtehude ein fast 30-jähriges Regime von knallharten Strafen, Unterdrückung und Missbrauch geführt? Eine jetzt vorgelegte externe Untersuchung, für die 30 Gespräche mit wohl zunächst elf Betroffenen geführt wurden, zeichnet ein erschreckendes Bild.  Eiskalte Duschen bei Heimweh, Essen trotz massiven Ekels herunterwürgen oder bis Mitternacht alleine im Speisesaal sitzenbleiben, um trotz Würgereizen ein Glas Milch und eine Scheibe Käse zu verzehren: Erfahrungen, die sechs- bis zwölfjährige Kinder ab den 1980er bis zu den 2010er Jahren demnach bei Freizeiten der Buxtehuder Kirchengemeinde St. Petri machen mussten. Weil den Berichten der Kinder lange nicht geglaubt wurde, werden die Vorfälle erst jetzt aufgearbeitet. […] Im Fokus der Anschuldigungen stehen zwei ehrenamtliche Betreuerinnen, die sich über Jahrzehnte sehr für die Jugendarbeit in der Gemeinde engagierten. Die Ältere der beiden – ihr werden die schwersten Vorwürfe gemacht – ist inzwischen gestorben. Die jüngere Betreuerin weist laut Groß die Vorwürfe zurück oder relativiert sie. […] Erste Beschwerden seien zurückgewiesen worden. Doch spätestens seit 2009 war Groß zufolge der ganze Kirchenvorstand über Vorfälle informiert gewesen. Die heutigen Reaktionen ließen sich aufteilen zwischen Personen, die vor 2013 Verantwortung trugen, und Personen, die später Verantwortung übernommen hätten. In der ersten Gruppe seien die Vorfälle überhaupt infrage gestellt worden. Sie hätten versucht, die Institutionen Kirche und Kirchengemeinde zu schützen. Personen aus der zweiten Gruppe forderten dagegen eine transparente und öffentliche Aufarbeitung. […]

Kirchenvorsteher Dr. Wolf-Dieter Syring ergänzt: „Dass die Kindeswohlgefährdungen über viele Jahre hinweg möglich waren und die Hinweise darauf bei den Verantwortlichen kaum Beachtung gefunden haben, hat uns als Kirchenvorstand sehr getroffen. […]

(Hamburger Abendblatt, 19.01.2026)

Nichts, das irgendein Spitzenpolitiker aufgreifen müsste, das in der Tagesschau gemeldet würde.  Christinnen eben.

[….] Eine Studie legte vor zwei Jahren sexualisierte Gewalt in den evangelischen Kirchen offen – aber wirkliche Veränderungen lassen laut Betroffenensprecherin Nancy Janz auf sich warten. […] Immer wieder kommen in den vergangenen Jahren Vorwürfe der sexualisierten Gewalt ans Licht – so wie der Fall der Bremerin Nancy Janz, die vor zwei Jahren mit buten un binnen über ihre Erfahrungen mit einem Jugendpastor gesprochen hat.

Janz ist außerdem auch die Sprecherin der Betroffenenvertretung im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Vor zwei Jahren wurde eine Studie zum Missbrauch in den evangelischen Kirchen in Deutschland vorgelegt. […] "Empfehlungen müssen einen ganzen Apparat von Gremien passieren, bevor sie umgesetzt werden", sagt Janz. Das gelte für jede einzelne der 20 Landeskirchen sowie die diakonischen Verbände – und diese handelten noch immer nicht einheitlich. […]

(Buten und Binnen, 22.01.2026)

Ist doch nicht der Rede wert. Christen eben. Konservative. Die sind nun mal Kinderquäler. Daran stört sich kein Mensch mehr. Die wählt man trotzdem.

Die Bundesregierung und die Landesregierungen erkennen keinerlei Handlungsbedarf. Sie schaufeln weiterhin Milliarden aus der Staatskasse in zu den Kirchen und übergeben ihnen die Trägerschaft für KITAs und Schulen.

Montag, 26. Januar 2026

Mehr Geld und mehr Waffen für die Ukraine

Der gestrige Presseclub/internationale Frühschoppen „Auf der Suche nach Stärke - was setzt Europa Trump entgegen?“ war wieder einmal, wie eigentlich alle Ausgaben, die nicht von Schönenborn moderiert werden, erstaunlich erkenntnisreich, selbst wenn man mit der Trump versus EU-Materie vertraut ist.

Moderatorin Eva Lindenau diskutierte mit:

- Andrey Gurkov, russischer Journalist und Autor

- Prof. Christiane Lemke, Politikwissenschaftlerin und Publizistin

- Christoph von Marschall, Der Tagesspiegel

- Tonia Mastrobuoni, La Repubblica


Es gab das übliche Entsetzen darüber, daß Europa seit mittlerweile 12 Jahren (Krim-Annexion) von „Zäsur“ und „Wendepunkt“ spricht. Wir wissen seit 2014 was unbedingt zu tun ist – Aufrüstung, gemeinsame europäische Verteidigung, gemeinsame europäische Außenpolitik, Abschaffung des Vetoprinzips, Ende der Abhängigkeiten von einem Land (Gas aus Russland, Geheimdienstinfo, Waffen, Software aus den USA, Medikamente aus China/Russland). Aber dennoch verschleppen wird den Prozess aber seither, obwohl ständig neue Warnschüsse vor unseren Bug knallen (2017 Trump I, 2020 Corona, 2022 Ukrainekrieg, 2025 Trump II).

Völlig zu Recht, wurde der katastrophale, verantwortungslose, internationale Liebesdienst der EU-Grünen an China, Russland und den USAbeim Mercosur-Ankommen, verdammt.

Es ist ein ganz fatales Schwurbel-Hufeisen, das hier aus Agrar-Rücksicht, Nationalismus und mangelnder Übersicht, der EU das Genick bricht.

Da müssen Fachjournalisten entsetzt sein.

Alle Vier konnten gewichtige Argumente und Perspektiven in die Diskussion einbringen. Am wenigsten sympathisch war mir, wie üblich, der Tagesspiegel-Amerika-Mann Marschall, der Macrons Konfrontationskurs gegen Washington verdammte und den diplomatischen Meloni/Merz-Approach lobte.

Schließlich verstieg er sich dazu, „Zwei ganz harte Sachen“ zu sagen (ab Minute 44:17):

[….] Ich verstehe nicht, warum wir in Deutschland und Europa irgendwelche Hoffnungen in Gespräche mit Putin setzen. Putin hat alle Abkommen gebrochen. Es spricht überhaupt nichts dafür, wenn es denn zu einem Abkommen käme, dass er das freiwillig einhalten würde. Und das zweite, wir sind einer so schrecklichen Situation, dass wir in einem Gewissenskonflikt sind, dass wir einerseits wünschen, dass der Krieg endet, damit Menschen nicht mehr sterben. Aber solange die Ukraine kämpft, ist das die sicherste Hindernis dafür, dass Putin die NATO Ostflanke angreift. Und ich meine vor allen Litauen, weil dort die Bundeswehr steht, dann wären wir im Krieg. Also, es ist wirklich ein Gewissenskonflikt. Es ist brutal das zu sagen, aber es liegt in unserem Interesse, dass dieser Krieg noch etwas weitergeht, damit wir eine glaubwürdige Abschreckung aufbauen können, damit nach dem Ukrainekrieg nicht ein Litauen Krieg folgt. [….]

(C.v. Marschall)

Wenn aber Russland die NATO-Mitglieder Litauen oder Estland angreifen sollte und daraufhin der Artikel 5 griffe, würde MAGAmerika uns mit hoher Wahrscheinlichkeit im Stich lassen und nicht seine Atomstreitmacht gegen Putin ins Feld führen.

Eine Anruferin war davon derartig entsetzt, daß sie ihre ursprünglich Frage zurück zog, um darauf erneut einzugehen (ab Minute 58:08):


[…] Während der Runde hat mich ein Satz sehr gestört von Herrn Marschall und zwar in dem er gesagt hat, ähm der Krieg könnte ruhig noch ein bisschen weitergehen in der Ukraine, weil sonst ähm würde man ein hohes Risiko eingehen. Und ich finde das ganz schlimm, so einen Satz in die Welt zu setzen, vor allen Dingen als Journalist, weil ich weiß nicht, ob er schon mal selber erlebt hat, wie es ist im Krieg die Menschen, die frieren, die hungern, die Ängste haben und da noch zu sagen, der könne ruhig noch ein bisschen weitergehen, der Krieg das leichtfertig und ich finde es erschütternd.   […]

(Anruferin aus Berlin)

Ich befürchte, hier klingt wieder das fatale Schwurbel-Hufeisen an: Putin-Fans, Rechtsradikale, Öko-Verwirrte, Denk-Amateure und durchaus sympathische Menschen, die sich einfach nur Frieden wünschen.

Aber der Zug ist leider abgefahren. Man kann jetzt nicht das Schießen und Morden beenden, indem man Putin einfach das gibt was er möchte, Donezk, Donbass, die am stärksten befestigten Ukrainischen Stellungen. Denn so viel wissen wir sicher; Putins Versprechungen sind genauso wertlos, wie Trumps. Er wird sich nicht in Zukunft bescheiden zurückhalten, wenn man ihm nur weit genug entgegenkommt. Das hat Chamberlain vergeblich mit Hitler versucht, das versucht Merz vergeblich mit Trump und das wird auch nicht mit Putin funktionieren.

[….] Ich verstehe völlig ihre Empörung, aber ich habe nicht gesagt, der kann noch ein bisschen weitergehen, sondern ich habe genau das getan, was sie von mir gefordert haben. Ich habe gesagt, wir sind in einem Gewissenskonflikt und dass ich jetzt etwas ganz Schreckliches sagen werde.

Das ist leider durch unser Verschulden, weil wir Abschreckung Militär über Jahre nicht ernst genommen haben, brauchen wir Zeit, um abschreckungsfähig zu werden. Und diese Zeit schenkt uns die Ukraine, solange sie kämpft. Ich weiß nicht, ob sie gerne lieber haben wollen, dass dieser Ukrainekrieg ganz schnell runtergeht und kommendes Jahr greift Putin die deutschen Soldaten in Litauen an. Ob sie das für die bevorzugenswerte Variante halten. Es ist ein moralischer und ein Gewissenskonflikt, aber wir müssen ihn offen aussprechen, natürlich in der gebotenen Einordnung, dass das etwas schreckliches ist, das so sagen zu müssen. Aber in diese Lage haben wir uns gebracht [….]

(C.v. Marschall)

Marschall mag persönlich nicht besonders liebenswert sein und auch nicht immer Recht haben. In diesem Fall aber schon. EU-Regierungschefs und Verteidigungsminister werden es nicht laut aussprechen, weil es so amoralisch und empörend ist. Aber ich vermute auch sehr stark, daß sie sich hinter verschlossenen Türen wünschen, der Ukraine-Krieg möge noch ein paar Jahre möglichst blutig weitergehen und dabei dem Kreml jeden Tag viel Geld, Waffen und Menschenleben kosten. Das ist im Moment unsere beste Möglichkeit, die russische Armee zu schwächen. Die Ukrainer zahlen ungerechterweise den tödlichen und perfiden Preis für uns. Da ist es das Mindeste, sie wenigstens finanziell, logistisch und mit allen Waffen, die wir haben, auszustatten.

Sonntag, 25. Januar 2026

Kippt es, kippt es, kippt es jetzt?

Taz, Süddeutsche Zeitung, Spiegel etc sind heute voll mit Minneapolis-Reportagen und Kommentaren, die alle quasi aussagen, JETZT habe es Trump aber wirklich übertrieben, JETZT reiche es den Amis, JETZT wendeten sie sich ab.

Das klingt extrem plausibel. JETZT muss doch die Bevölkerung auf die Barrikaden gehen, jetzt müssen sich selbst ein paar GOPer aufraffen, sich gegen ihren irren orangen Messias stellen. 

Sonst gehe das Land unweigerlich zu Grunde. Bürgerkrieg, Ende der Demokratie, ökonomischer Crash.

[…] In Minneapolis geht es um mehr als Proteste. Wenn weitere Schüsse fallen, sind die Folgen für die USA unvorhersehbar. Es wird kein Happy End geben. Gewiss hatten die Menschen von Minneapolis und alle, die rund um die Welt Anteil nehmen, gehofft, dass Renee Nicole Good die letzte BürgerIn war, die in den Straßen der einst so friedlichen Stadt sterben musste. Doch die Hoffnung war von Anfang an naiv. Der Mord an Adam Pretti hatte etwas Zwangsläufiges.

Der Widerstand in Minneapolis und in anderen Städten der USA hat gezeigt, dass viele Menschen nicht dazu bereit sind, das Terrorregime von ICE hinzunehmen. Mit Mut und Kreativität stemmen sich die redlichen Menschen der USA Trumps Schergen entgegen – unter Inkaufnahme enormer persönlicher Risiken.  

Die andere Seite hat wiederum deutlich gemacht, dass sie den Tod unschuldiger Zivilisten nicht nur billigt, sondern zu provozieren bereit ist. Die Reaktion von Heimatschutzministerin Kristi Noem auf den Tod von Good war nicht, einen Schritt zurückzutreten, sondern das Opfer zu verleumden und noch mehr gewaltbereite Söldner zu schicken.

Die Tatsache, dass jemand wie Adam Pretti, ein offenbar friedliebender Krankenpfleger, mit einer Waffe in Minneapolis herumlief, spricht Bände. Die Menschen fühlen sich schutzlos ausgeliefert und haben das Gefühl, sich selbst verteidigen zu müssen. Zustände wie im Wilden Westen. Wie selbst der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey sagte: „Unsere Polizei könnte sich gegen ICE stellen. Aber wir haben weder die Mannschaftsstärke noch die Waffen.“ Es gibt keine Ordnungsmacht mehr.  [….]

(Sebastian Moll, 25.01.2026)

Die Bilder der ICS-Morde gehen um die Welt und sind so unerträglich, daß es ICE-Barbi Noem und dem bärtigen Thiel-Epigonen J.D. zunehmend schwer fällt, ihre völlig abstrusen Lügen zum Tathergang unter das MAGA-Volk zu bringen. Zu offensichtlich handelt es sich um Mord. Um Hinrichtungen.

Memes definieren für das empörte Volk die Begriffe „Todeschwadron“ und „Gestapo“.

[…] Es ist nicht so, dass es weiterer Beweise gebraucht hätte für das unverhältnismäßige und in höchstem Maße fragwürdige Vorgehen von ICE und Border Patrol. Spätestens seit Renée Good in Minneapolis erschossen wurde, ist auch klar, dass die paramilitärisch anmutenden Einheiten rechtsstaatliche Grenzen überschreiten und dabei von den politisch Verantwortlichen gedeckt werden.

Aber es hört einfach nicht mehr auf. Es wird immer schlimmer. Selbst bei Liam, einem kleinen Kind, rechtfertigt die Trump-Regierung das Vorgehen von ICE. Selbst in einem Fünfjährigen sieht sie nicht primär das Kind, den verletzlichen Menschen. Die USA haben sich weit von dem entfernt, was einst als minimaler Konsens galt. […]

(Charlotte Walser, 24.01.2026)

Aber an dem Punkt waren wir schon so oft.

Nach den Impeachments, nach den Prozessen, nach dem Sonderermittler, nach dem Chaos der ersten Amtszeit, nach seinem offensichtlichen physischen und mentalem Verfall, nach dem sechsten Januar 2021.

Aber nichts passierte. Die Reichen, die Mächtigen, die Medien, die Techkonzerne stehen zu ihm. Die fanatische Trumpanzee-Basis steht zu ihm und deswegen übt er seine legendäre Superpower über jeden republikanischen Abgeordneten aus. Sie alle müssen, auch in noch so sicheren republikanischen Wahlkreisen/Staaten, durch die parteiinternen Primaries und können dort von Trump nach Belieben ausgeschaltet werden. Diese Methode ist so effektiv, daß selbst hochrangige Urgesteine mit legendären Namen, wie Liz Cheney, im ultrakonservativen Wyoming problemlos politisch erledigt wurde. Trump macht die Superreichen superreicher und die setzen ihre Supermacht für ihn ein.

Alle verbliebenen Republikaner in politischen Ämtern sind öffentlich 100 prozentige Trump-Loyalisten. Bis auf die wenigen Ausnahmen, die sich ohnehin entscheiden, das Parlament verlassen (Klan-Mum MTG), oder nicht mehr zur Wiederwahl antreten.

Mir fehlt inzwischen jeglicher Glaube an ein gutes Ende für die US-Demokratie.

Alle Institutionen der Verfassung und Presse versagen; das Volk ist zu schwach, wird zu wenig von der Welt unterstützt. Eine Welt aus erbärmlichen EU-Kriechern, die weiterhin den großen orangen Hintern küssen.

Um den Trumpismus zu bezwingen, bräuchte es einen US-Generalstreik und brutale internationale Sanktionen. Einreiseverbote, Importverbote, Handelsverbote, die EU-Bazooka und selbstverständlich gehören Musk und Zuckerberg hierzulande abgeschaltet.

Das wird teuer für uns, wird im Alltag sehr unkomfortabel. Zu teuer. Und so wählen wir aus Angst vor dem Tod, den Selbstmord.

Daß Merz und seine Minister offiziell weiter X benutzen und die Europäer brav zur Fußball-WM zu Trumps Füßen antanzen, würden zukünftige Generationen nie verstehen – wenn es sie denn gäbe. Tatsächlich beendet die Welt von 2026 gerade die menschliche Zivilisation.

Samstag, 24. Januar 2026

Eltern und ihre Kinder

Heinrich war dieser Freund meiner Eltern, den ich am liebsten mochte. Nach meiner Erinnerung, war der dauernd bei uns. Die anderen Erwachsene, die nur da saßen und tranken, fanden wir langweilig, aber Heinrich beschäftigte sich mit uns Kinder erzählte uns die lustigsten Geschichten, so daß wir uns vor Lachen am Boden kringelten. Ich erinnere mich, wie ihn andere „Grown Ups“ gelegentlich fragten „wieso hast du eigentlich keine eigenen Kinder? Dir liegt es doch im Blut, Kinder zu unterhalten?“ Darauf entgegnete er mit gespielter Empörung stets ‚ja, mit DIESEN Jungs. Aber wenn es ein Wechselbalg wird?‘ Ich verstand damals; Kinder zu bekommen, ist ein Risiko, möglicherweise wird auch ein ganz schreckliches Kind geboren. Heinrich war Werbetexter, hatte aber ein enormes Sprachtalent und war wegen seiner Storys und seines schnellen Humor der beliebteste Gast. 

Viel später erfuhr ich den wahren Grund, weswegen er nie eigene Kinder hatte. Sein Vater war Jude und er wurde von den Nazis sterilisiert. Meine Eltern wußten das natürlich, aber man sprach damals nicht öffentlich darüber.

Noch später lernte ich, was „egoistische Gene“ sind und wie Evolution funktioniert.

Wenn ein Löwenmann ein neues Rudel erobert, beißt er alle Löwenbabys tot, die von dem vorherigen Rudelherrscher stammten, der aber offenbar zu alt und damit zu schwach wurde, sein Rudel zu verteidigen. Der neue Chef will aber keine fremden Gene verteidigen, sondern seine eigenen. Die Löwinnen versuchen ihre Jungen zu schützen, gehen aber nicht alle gemeinsam gegen den neuen Mann vor, sondern werden nach dem Gewalttod ihrer Kinder sehr schnell rollig, bieten sich dem neuen Chef an und tragen seine Gene aus. Das Bild von dem faulen Löwenmann, der nur da liegt und Sex hat, während die Frauen jagen, stimmt nicht. Denn er ist ihre Lebensversicherung gegen fremde Löwen, frisst deswegen zuerst, weil er stark und fit sein muss. Es liegt unbedingt im Interesse der Damen, den Pascha durchzufüttern. Ohne ihn wären sie zu schwach, um in der brutalen Natur gegen Angreifer zu überleben.

Und so setzen sich die Gene durch.

Menschen beißen üblicherweise nicht (mehr) die Kinder anderer Menschen tot, aber sie bevorzugen sehr stark ihre eigenen Gene. Es sterben jeden Tag 10.000 – 20.000 Kinder an Hunger. Sinnvollerweise würden Menschen, die Eltern werden möchten, adoptieren.

Aber evolutionär gilt Adoption als „zweite Wahl“ und so werden bei ungewollter Kinderlosigkeit, enorme finanzielle und medizinische Härten auf sich genommen, um eigene Kinder zu bekommen.

Heinrich hatte schon Recht, es werden auch viele Wechselbälger geboren. Eher unangenehme Kinder, die auch später unangenehme Erwachsene werden. Vieles ist zwar edukativ bedingt, aber Menschen sind heterogen. Es gibt immer Exemplare, die dümmer und häßlicher, als andere sind.

Obschon es die längste Zeit der Menschheitsgeschichte durchaus üblich war, missgestaltete oder schwächliche Kinder gleich zu ersäufen und auf ein besseres nächstes Kind zu warten, gilt so ein Verhalten zivilisatorisch natürlich nicht mehr als akzeptabel. In Indien und China gibt es allerdings einen deutlichen Jungs-Überschuss, weil bei strenger Geburtenkontrolle („EinKindPolitik“) Mädchen als weniger wertvoll gelten und eher abgetrieben werden.

Evolutionär bedingt lieben allerdings Eltern ihre Kinder. (Mit Ausnahmen natürlich). Sie verteidigen ihre eigenen Kinder, lieben sie und finden sie hübsch.

Das ist auch gut so, denn ohne diese emotional-evolutionäre Komponente, würde man bei 100% rationaler Betrachtung, in vielen Fällen das eigene Kind als mangelhaft ansehen und ihm nicht die volle Zuwendung und Unterstützung geben, die ein Kind nun einmal braucht.

Man hört nie von einer Mutter, die ihr eigenes Kind eher für dämlich oder häßlich hält. Im Gegenteil, „in den Augen einer Mutter“ hat durchaus sprichwörtlichen Charakter.

Markus Söder ist eben nur in den Augen seiner Mutter schön. Das ist völlig normal und richtig.

Dubios wird es, wenn sich eine Mutter, wegen ihrer Kinderliebe überhöht; sich als guten oder gar zu bevorzugenden Menschen darstellt, weil sie ihre Kinder liebe.

Deswegen Vorzugsbehandlungen zu erwarten, ist absurd. Jeder Mensch ist ein Kind von jemanden und (fast) jeder Mensch wird auch von seinen Eltern (zunächst) geliebt. Sein eigenes Kind zu mögen, ist keine Errungenschaft, nichts auf das man stolz sein kann, sondern eher evolutionärer Egoismus.

Völlig absurd wird es, wenn eine mutmaßliche Kriminelle, wie Christina Block, die angeklagt wird, ihren Kindern schwere Gewalt angetan zu haben (indem sie deren gewaltsame Entführung in Auftrag gab), sich zu ihrer Verteidigung, als „Löwenmama“ präsentiert.

Erstens sind Löwen eine denkbar schräge Metapher, siehe oben. Zweitens liegt es in der Natur (fast) jeder Mutter, um ihre eigenen Kinder zu kämpfen.

Eltern springen ihren Kindern ins Meer hinterher, selbst wenn sie selbst nicht schwimmen können; schützen sie mit ihrem eigenen Leib gegen Flammen oder Steinschlag, stellen sich angreifenden Kampfhunden/Bären/Schlangen in den Weg.

[…] Christina Block ergreift gleich zu Beginn an diesem Mittwochmorgen das Wort. Als „leibliche, liebende Mutter“ richtet sie sich direkt an ihre Kinder. Sie hofft, dass die den Prozess am Liveticker verfolgen. Sie weiß, dass ihre bebende Stimme die Zuschauer hinter dem Sicherheitsglas den Atem anhalten lässt.  […] Christina Block kann eine einnehmende Frau sein. Immer wieder hat sie beteuert, wie groß die Liebe zu ihren vier Kindern sei, von denen sie drei bis auf Weiteres nicht wiedersehen wird. Außer vielleicht hier, in Saal 237 des Hamburger Landgerichts. Als „Löwenmama“ hat Block sich inszeniert, bereit, bis zum Äußersten zu gehen für ihr Fleisch und Blut. Dann wieder als verzweifelte, gebrochene Mutter, von den Behörden im Stich gelassen, verdammt, in einer kaputten Familie zu leben.

An diesem Verhandlungstag wird dieses Bild Risse bekommen.   […]

(SZ, 10.12.2025)

Alle Mütter sind in dem Sinne „Löwenmamas“; das ist nichts, das als juristische Verteidigung taugt.

Reiche Prominente, die ihre Liebe zu den eigenen Kindern, als Entschuldigung für ihre Missetaten vorschieben, verdienen einen besonderen Platz in der Hölle.

Unangenehme Erinnerung an Ted „Cancun-Cruz“ werden wach, der seiner Tochter die Schuld für seine Flucht aus dem Eis-Texas und vor seiner Verantwortung, als zuständiger US-Senator, in die Schuhe schob.

Im Dschungelcamp erlebten wir gestern den wegen einer mutmaßlichen Antisemitismus-Geschichte sehr tief gesunkenen Gil Ofarim, mit der gleichen peinlichen Masche. Auf seinen Prozess angesprochen, packte auch Ofarim seine Kinderliebe als „Argument“ aus.

[….] Schuld und Bühne I: Ulkig, dass ausgerechnet diese beiden Camper Gil Ofarim beim ersten Kennenlernen tadelnd und abschätzig auf seinen Skandal ansprechen. Jene Kandidaten, die sich in ihren letzten TV-Formaten selbst nicht gerade als Botschafter des respektvollen Miteinanders hervorgetan haben, sondern eher als Sorte Reality-Eskalationspersonal, bei der man sich fragt, ob »Beziehungsfähigkeit« im Castingprozess für manche Formate als Risiko gilt.

Umut Tekin und Patrick Romer haben entweder an der Büffeluniversität auf moralischen Grenzposten umgeschult oder sind einfach nur sehr erleichtert, dass es da im Ensemble einen anderen gibt, auf den sich die Zuschauerwut sauber fokussieren lässt. Ein Empörungs-Windschatten, in dem die eigenen Altlasten ein bisschen geräuschloser mitreisen. Gil selbst macht es ihnen leicht, weil er auf eine spätere, ruhige Nachfrage von Hardy Krüger nicht etwa klar reagiert, sondern in den Nebel ausweicht: Er sagt sinngemäß, er könne dazu nichts sagen, er dürfe es nicht, er habe eine »Verschwiegenheitserklärung« unterschrieben. Wenn er über den von ihm erst behaupteten, dann vor Gericht widerrufenen Antisemitismus-Vorfall spräche, würde »alles wieder aufgerollt«. Dazu raunt er eine Satzstückelei, die gleichzeitig maximal dramatisch und maximal unpräzise ist: Er habe Angst, »seine Kinder zu verlieren«. [….]  Halbwegs klar scheint jedenfalls zu sein, dass er mit reichlich stimmlich performativer Betroffenheit suggeriert: Vielleicht war alles doch ganz anders, nämlich so, wie von ihm ursprünglich behauptet.

Er könne die öffentliche Kritik nachvollziehen, sagt er, »vor allem, wenn ich auch nur das wüsste, was die Öffentlichkeit weiß«. Entschuldigen könne er sich »für die Art und Weise, wie ich es gemacht habe«, also wohl für die Stilform der Instastory-Anklage – aber nicht für den Inhalt? Gils vages Geraune klingt nach Recht, ist aber vor allem Rhetorik. Das macht seine Camp-Verpflichtung noch ärgerlicher.  [….]

(Anja Rützel, 24.01.2026)

Zum Mitschämen. Welcher Vater liebt denn nicht seine Kinder und würde nicht allerhand unternehmen, um sie zu schützen?

Freitag, 23. Januar 2026

Die Partei, die nicht mit Geld umgehen kann

Es gibt neue Umfragen zu den ersten beiden Landtagswahlen dieses mutmaßlich apokalyptischen Wahljahres.

Zunächst wird am 08.03.2026 in Baden Württemberg gewählt.

Die Befragung per Telefon und per Online-Panel (TOM) wurde von 16.01-20.01. durchgeführt, also noch bevor Erik Marquardt, der deutsche Chef-Grüne im EU-Parlament, vorgestern mit den Nazis kuschelte, damit seinem Parteifreund Cem Özdemir massiv in die Kampagne kackte und den BWlern deutlich signalisierte, daß man die Grünen nicht wählen kann. Das könnte also bis zum Wahltag noch mal deutlich nach unten gehen mit den Post-Kretschmann-Grünen.

Ist natürlich auch ein einziges Elend, daß die idiotischen BW-Grünen so extrem CDU-affin sind und der fast 78-Jährige Merkel-Fan und Hardcore-Katholik Kretschmann wie mit Superkleber eingerieben an seinem MP-Sessel klebt.

Am 22.03.2026 folgt dir Landtagswahl in Rheinlandpfalz.

In beiden Fällen zeigt sich – SELBSTREDEND – wieder die sagenhafte Verblödung des Urnenpöbels, der angesichts der jüngsten Reiche/Spahn/Chrupalla/Merz-Performance in beiden Landtagen eine absolute Sitzmehrheit für CDU/AfD wählen will.

Ein grüner und ein roter Ministerpräsidentenposten werden verloren gehen; die Republik wird noch mal deutlich schwärzer.

Mit etwas Glück werden in Stuttgart und Mainz trotzdem eine Schwarz-Grüne und eine Schwarz-Rote Regierung gebildet.

Die Totalkatastrophen folgen am 06.09. in Sachsen-Anhalt, am 20.09. in Mecklenburg Vorpommern und Berlin.

Dann bricht ohnehin vermutlich das System zusammen und Deutschland wird zum Failed State.

Bis dahin gibt es aber immerhin etwas Positives. Nämlich die FDP-Spalte der gesammelten LTW-Umfragen, die fast überall deutlich unter fünf Prozent anzeigt; oft sogar im „nicht mehr messbaren“ Bereich: Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, MeckPomm, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen.

Nur noch im Stammland BW, der hepatitisgelben Hochburg, werden derzeit haargenau 5% gemessen.

Zum Glück hört man von der schwefelgelben Satansbrut kaum noch etwas – es sei denn, der rechtsradikale NIUS-Schwurbler Wolfgang Kubicki taucht mal wieder aus dem braunen Sumpf auf.

[…] FDP-Vize Wolfgang Kubicki, die Journalistin Julia Ruhs und der frühere ARD-Mann Sigmund Gottlieb diskutieren die Frage: »Was darf man noch sagen?« […] Die Frage, um die gerungen werden soll, ist eigentlich nach wenigen Minuten beantwortet: »Was darf man noch sagen?« So ist der Diskussionsabend des FDP-Kreisverbands München-Ost überschrieben. Und man muss nur Partei-Vize Wolfgang Kubicki zuhören, um zu merken: so ziemlich alles. […] Kubicki erzählt stolz, wie er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vor einigen Jahren als »kleine Kanalratte« bezeichnete. Gelächter im Publikum. Bravo-Rufe, als er sagt: »Ich halte Gendern wirklich für eine Sprachstörung.« Dann berichtet er von dem Schwarzen Gastronomen, der in Kiel die Gaststätte »Zum Mohrenkopf« betreibt, auch wenn manche Weiße sich daran störten. Zustimmendes Raunen.

Als routinierter Entertainer weiß Kubicki, welche Pointen bei seinem Stammpublikum ankommen. Am besten funktionieren jene, die ein bisschen abgestanden scheinen. Man ahnt, wie oft er sie schon zum Besten gegeben hat. […] Neben Kubicki nehmen daran teil: Sigmund Gottlieb, ehemals Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, und die BR-Journalistin Julia Ruhs, eine der Moderatorinnen des umstrittenen Magazins »Klar«. Gottlieb war in der ARD mal zuständig fürs Konservative. Ruhs ist es heute. […] Im Publikum: FDP-Fans und Münchner Schickeria von einst. […] Es geht darum, ein FDP-Wir-Gefühl zu erzeugen. Am besten funktioniert das über ein gemeinsames Feindbild.

Von Beginn an schießt sich die Runde auf Daniel Günther (CDU) ein, den Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein. Der forderte vorige Woche in der Talkshow »Markus Lanz« ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren. Außerdem kritisierte er das Krawallportal »Nius«, das es mit der Wahrheit nicht immer sonderlich genau nimmt, als »Feind der Demokratie«. […] Kubicki ist bemüht, seinen schleswig-holsteinischen Landsmann Günther als Gegner der Pressefreiheit dastehen zu lassen. Er habe Günther erklärt: »Zensur findet in Deutschland nicht statt.« Majestätsbeleidigung, so Kubicki, sei »nicht mehr strafbar«. Dass es darum nicht geht, spielt keine Rolle. […] (SPON, 19.01.2026)

Wie Kubickis verschwörungstheoretische Raunen und Schwurbeln, das AfD-Nachäffen der FDP bisher ankam, wissen wir. Im nicht messbaren Bereich. Wer sich solche Typen als Partei-Promis leistet, ist mit dem politischen Ruin gerade richtig gestraft.

A propos, die FDP Hamburgs wählte vor 9 Monaten Finn Ole Ritter zum neuen Landesvorsitzenden; er soll nach den 2,3% der letzten Bürgerschaft die Partei wieder aufbauen. Nun gibt es erste Ergebnisse.

[…] Hamburgs FDP vor der Pleite?

Kaum Geld vom Staat, Mitgliederschwund und abgewanderte Spender: Der FDP Hamburg geht es finanziell gar nicht gut, es ist unklar, wie lange der Landesverband sich noch über Wasser halten kann. Der Vize-Landeschef der Hamburger Liberalen, Sami Musa, erklärt, wie der Untergang abgewendet werden soll. […]

(MoPo, 22.01.2026)

Das blöde Geld ist eben die Achillesferse der FDP. Damit können sie einfach nicht umgehen. Es war nur folgerichtig, daß eine Koalition, die ausgerechnet den FDP-Chef zum Bundesfinanzminister macht, scheitern muss.

[…] Hamburgs FDP droht die Pleite: Ausgerechnet bei Pfeffersacks

Hamburgs FDP geht das Geld aus. Klar, das ist lustig. Aber wollen wir wirklich politisch heimatlose Zahnärztinnen und Steuerberater in den Straßen? […] Ausgerechnet hier könnte nun der erste FDP-Landesverband kentern, und Schuld ist – das Geld.

Beziehungsweise dessen Fehlen: „Zwei gescheiterte Wahlkämpfe und hohe laufende Kosten“, schrieb dieser Tage die Bild, hätten die Elb-Liberalen „an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht“, die Rede ist gar von einem „Teufelskreis aus Sparzwang und mangelnder Sichtbarkeit, der weitere Landesverbände erfassen könnte“. Das Großbuchstabenmedium war nach eigenen Angaben in den Besitz „interner Papiere“ gelangt, wonach im vergangenen November die Zahlungsunfähigkeit drohte.

„Zu hohe Personalkosten und eine Landesgeschäftsstelle auf politischem Champions-League-Niveau fressen das Vermögen auf“, lesen wir, und dass die Basis wiederholt Reformvorschläge eines vormaligen Landesschatzmeisters habe durchfallen lassen.

So hatte jener Alexander Fröhlich von Elmbach offenbar den Mindest-Mitgliedsbeitrag anzuheben versucht: Statt 10 Euro würde er dann 15 Euro betragen. Und so was führt allen Ernstes zu Tumulten in der Partei der demokratischen Freiberufler:innen? Vergangenes Wochenende soll es Fröhlich von Elmbach dann gereicht haben, der gelernte Ökonom legte sein FDP-Amt nieder, Frau und Jagdhündin haben also künftig möglicherweise etwas mehr von ihm. […]

(Alexander Diehl, 22.01.2026)