Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe
Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.
Mein erstes Auto in den 1980ern war ein schicker schwarzer Fiat
Panda mit einer 0,7 Litermaschine und 34 PS. Der Neupreis betrug 9.980 DM, also
knapp 5.000 Euro. Wie vermutlich jeder 18-Jähriger jener Zeit, der das Glück
hatte, einen eigenen fahrbaren Untersatz zu haben, liebte ich mein Auto und war
empört, wenn es als „spartanisch“ oder gar „lahm“ bezeichnet wurde.
Ich vermisste überhaupt keinen Luxus und da ich damals oft
nach Berlin fuhr, auf der Transitstrecke von lauter mit 100 km/h fahrenden Trabbis
und Wartburgs umgeben war, fühlte ich mich angesichts meiner sensationellen
Spitzengeschwindigkeit von 125 km/h sehr flott. Hatte ich keinen Gegenwind und eine gerade, möglicherweise
noch abfallende Strecke, konnte ich den Kleinen auf fast 140 km/h hochjagen. Auch
im Stadtverkehr war ich flott, weil der Panda nur 680 kg wog und mir der
italienische Motor mit den FIAT-typischen langen Pedalwegen, rasante
Ampelstarts ermöglichte. Der Benzinverbrauch war so gering, daß Tanken kaum jemals
ein Problem für einen Studenten darstellte. Zwei Semester fuhr ich noch mit Bus
und Bahn zur Uni, weil ich währenddessen da so schön lesen konnte und ich keine
Parkplätze suchen musste.
Allerdings war die Monatskarte teurer als der gesamte Unterhalt
für mein Auto, so daß ich irgendwann ganz auf Bahnfahren verzichtete.
1992 verfügte ich über etwas Geld und legte mir in einer
spontanen Aktion ein nagelneues Auto zu. Gelockt wurde ich natürlich vom
FIAT-Händler, der mir erklärte, nun sei der letzte Zeitpunkt, zu dem ich meinen
alten Wagen noch in Zahlung geben könnte. Ich glaubte, es wäre unökonomisch, zu
warten bis mein kleiner Panda wertlos wäre und wollte als etwas gesitteterer
Twen nun auch mal ein richtig schnelles Auto mit etwas mehr Komfort haben. Ich
stieg eine Fahrzeugklasse auf, liebäugelte mit dem FIAT Uno, dessen Basismodell
mit 55 PS deutlich stärker war. Auf dem Hof der Niederlassung stand dann
allerdings ein Prachtstück. Das Sondermodell „Uno Hobby“ mit Dachluke und
Gepäckträgerstangen. Das war ein Kraftprotz mit einer 1,3 Litermaschine und
sagenhaften 71 PS. Obwohl der Hobby mit
820 kg Leergewicht deutlich schwerer als mein alter Panda war, konnte er durch
seine absurde Übermotorisierung Formel1-artig starten.
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2003 mit Verkaufs-Zetteln
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Ich wußte, es war total unvernünftig ein Auto mit so viel
Leistung zu kaufen, aber nach der Probefahrt war ich verliebt. Was würde das
für ein Spaß werden auf der Autobahn. Mit der Rakete steckte ich nie mehr
hinter 90-Km/h-LKWs fest, weil ich bei der Geschwindigkeit so viel Panda-Zeit
zum Überholen brauchte.
Ich kaufte den Uno-Hobby tatsächlich und wir blieben elf
Jahre ein glückliches Paar. Bis heute blutet mir das Herz, daß ich ihn 2003 zum
Verkauf anbot.
Elf Jahre hatte er bei Wind und Wetter draußen gestanden,
mich nie im Stich gelassen, war immer zuverlässig angesprungen und gab dem TÜV
nie einen Anlass zur geringsten Beanstandung.
[….] Die durchschnittliche PS-Zahl von Neuwagen ist in Deutschland von 92 PS
(1990) auf 166 (2020) geradezu explodiert. SUV machen mittlerweile den größten
Anteil an Neuwagen aus, der Anteil der Kleinwagen sinkt dagegen. Die Leute
kaufen also bewusst Autos, die größer und schwerer sind als nötig, mit Motoren,
die mehr Sprit verbrauchen als nötig. [….]
(Mathis Neuburger, 01.11.2021)
Angela Merkel ist nur noch geschäftsführend im Amt, sie ist
keine Abgeordnete des Bundestags mehr.
Die nächste Bundesregierung wird höchstwahrscheinlich eine
Ampel sein. Mit noch höherer Wahrscheinlichkeit wird erstmals seit 2005 wieder
ein/e Grüne/r Vizekanzler werden. Alle Koalitionsparteien haben sich dem
Klimaschutz verschrieben. Die extrem mächtigen KfZ-Lobbyisten von Klaeden und
Müller, beide frühere CDU-Staatsminister in Merkels Kanzleramt, verlieren ihre
willfährige Klimaschutz-Verhinderin. Als
mächtigste Regierungschefin Europas intervenierte sie in Brüssel stets zu Gunsten
der reichsten CDU-Parteispender (Klatten/Quandt/BMW), wenn die EU es wagte über
Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes nachzudenken.
Inzwischen scheint nach Flut und Hitzesommern aber selbst
den C-Parteien zu dämmern, daß weitere merkelige totale Untätigkeit in der
Klimapolitik noch sehr viel teurer wird, als Maßnahmen zur Eindämmung von
Treibhausgasen. Die jetzt
stattfindende 26. Welt-Klimakonferenz, die United Nations Framework
Convention on Climate Change, 26th Conference of the Parties, COP26
in Glasgow bringt 30.000 Teilnehmer für zwei Wochen zusammen,
um nun aber wirklich mal etwas für den Klimaschutz zu unternehmen.
Es pressiert gewaltig. Leider erschöpfen sich die
Gipfel-Signale bisher in Schuldzuweisungen.
Könnte ein neuer Bundeskanzler Olaf Scholz entscheidende
Impulse liefern?
Alles was bisher aus dem Ampel-Verhandlungen durchdringt,
weist leider in eine ganz falsche Richtung.
Daher küre ich die
deutsche Auto-Lobby, die große Zerstörerin der Zukunft zum Blödmann des Monats.
Ein simples und effektives Mittel zur Einsparung von
Klima-Emissionen, das Tempolimit, das es quasi nur in Deutschland nicht gibt
und laut aktueller Umfragen von einer deutlichen 60%-Mehrheit der Bundesbürger befürwortet
wird, opferten Rot und Grün als erstes auf dem Koalitionsaltar, dem passionierten
Porschefahrer Christian Lindner.
Wesentlich schlimmer für das Klima ist aber eine andere
Lindner-Forderung: Die Beibehaltung der Pendlerpauschale. Die Grünen knickten mit Blick auf ihre reichen
Speckgürtel-Wähler sofort vor der FDP ein.
[….] Die Ampel-Unterhändler müssen für die angestrebte
"Verkehrswende" in den Koalitionsgesprächen gerade dicke Bretter
bohren. Und auch wenn die Pendlerpauschale als klimaschädlich gilt, wird sie
laut Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner nicht infrage gestellt. Die Grünen wollen unwirksame und
klimaschädliche staatliche Subventionen möglichst abschaffen, stellen dabei
aber nicht die Pendlerpauschale infrage. Dies hat Bundesgeschäftsführer Michael
Kellner auf Twitter klargestellt. Der Erhöhung der Pendlerpauschale hätten die
Grünen vor zwei Jahren schon zugestimmt, "auch jetzt steht sie nicht
infrage", schrieb er. Dies habe auch Parteichefin Annalena Baerbock
kürzlich gesagt. [….]
(NTV, 30.10.2021)
Baerbock und Habeck scheinen schon a priori die Hosen voll
zu haben, wenn sie an die Macht der Auto-Lobby denken.
Klimapolitik paradox. Autos mit Verbrennermotoren müssen perspektivisch
abgeschafft werden. Im konservativen England werden ab 2030 keine solchen
Fahrzeuge mehr zugelassen. Aber das bald ampelig regierte Deutschland gibt Milliarden
Euro aus, um die Verbrennung fossiler Brennstoffe zu fördern. Eine aktuelle
Studie des Bundesumweltamtes listet die Sünden auf.
[….] Die Studie beziffert die umweltschädlichen Subventionen im Jahr 2018
auf geschätzte 65,4 Milliarden Euro, unter ihnen die Pendlerpauschale (sechs
Milliarden Euro), die Steuerbefreiung für Flugbenzin (8,4 Milliarden) oder
staatliches Geld für Regionalflughäfen (mindestens 40 Millionen). Als
gewichtige Posten nennt das Papier auch die Steuer auf Diesel, die im Vergleich
zu Benzin niedriger ausfällt (8,2 Milliarden), die Mehrwertsteuerbefreiung für
internationale Flüge (vier Milliarden) sowie den günstigeren Mehrwertsteuersatz
für tierische Produkte, also etwa Fleisch oder Butter (5,2 Milliarden).
Tatsächlich aber sei die Summe noch höher, weil vor allem Vergünstigungen des
Bundes berücksichtigt seien, also einige von Ländern und Kommunen fehlen - und
sich andere gar nicht seriös in Zahlen fassen ließen. […]
(SZ, 29.10.2021)
Natürlich wissen auch die Grünen, was für ein absoluter Wahnsinn
es ist, mit 65 Milliarden Euro jährlich Klimaschädigung zu subventionieren.
[…] "Es ist nicht smart, mitten in der Klimakrise diese mit großen
zweistelligen Milliardenbeträgen an Steuergeldern noch anzuheizen", sagte
der Finanzpolitiker Sven-Christian Kindler. Klimaschädliche Subventionen würden
die Transformation der Wirtschaft teuer und ineffizient machen, den Markt
verzerren und den Haushalt belasten. […]
(Markus Basler, 31.10.2021)
Kellner und Baerbock machen also wider besseres Wissens den
Kotau vor der Auto-Lobby.
Die absurdeste Ausprägung der Autolobby, zeigt sich gerade
in Gestalt Markus Söders, der angesichts steigender Benzinpreise reflexartig
verlangt, an der Zapfsäule Steuern zu senken, damit die Lenkungswirkung in ihr
Gegenteil verkehrt wird und die Deutschen animiert werden, mehr Benzin
zu verbrauchen, mehr CO2 in die Luft zu blasen
und das Klima stärker zu schädigen.
[….] Markus Söder fordert billigere Kraftstoffe für Deutschlands Autofahrer.
Das ist billiger Populismus – und brandgefährlich. Denn am Ende wird es für uns
alle viel teurer. [….]
(SPON, 01.11.2021)
Klimapolitik mit Samthandschuhen, die so sehr vor der
Industrielobby zittert, daß nur infinitesimal kleine Schrittchen unternommen
werden und Energie-Verteuerung gleichzeitig so kompensieren, daß sie nicht
teurer wird, ist Unsinn. Die Grünen sollten sich schämen.
(….) Daher hadere ich auch sehr
mit dem Grünen Energiegeld. Baerbock und Habeck wollen die CO2-Abgabe
auf 60 Euro erhöhen (Richtig! Damit weniger Energie verbraucht und weniger
klimaschädliches Gas produziert wird!). Gleichzeitig
geben sie den Bürgern aber Geld, um diesen Effekt sofort wieder aufzuheben
(Falsch! Damit wird Energieverschwendung gefördert!)
[…..] Außerdem wollen die Grünen ein
"Energiegeld" einführen. Damit soll die Belastung für jeden
Einzelnen, aber vor allem für Geringverdiener und Familien, durch erhöhte CO2-Preise
verringert und umweltbewusstes Verhalten belohnt werden. Die Einnahmen aus dem
CO2-Preis gingen so direkt an die Bürger zurück, heißt es im Entwurf
des Wahlprogramms. Konkret bedeutet das: Pro Jahr soll jeder Bürger 75
Euro "Energiegeld" bekommen. Wenn gleichzeitig durch erhöhte Abgaben
auf CO2-Emissionen etwa die Benzinpreise steigen würden, könne das
"Energiegeld" diese Mehrbelastung ausgleichen, hatte Baerbock
kürzlich auf einer Veranstaltung in Magdeburg vorgerechnet. [….]
(WDR, 14.06.2021)
Das ist der klassische
Rechte-Tasche-Linke-Tasche-Unsinn.
Als Sozialdemokrat befürworte
ich es selbstverständlich, den Ärmsten der Gesellschaft zu helfen. Niemand soll
frieren müssen. Das muss über die Sozialgesetzgebung (Grundsicherung, Alg-2,
Bürgergeld, oder bedingungsloses Grundeinkommen) geregelt werden. Steuerungsmaßnahmen in der
Klima-, Energie oder Familienpolitik sollen aber nicht sofort konterkariert
werden. CO2-Abgabe und
Benzinsteuern sind richtig und alternativlos, weil wir a) das Klima schützen
müssen und b) die Carbon-basierten Energieträger ohnehin endlich sind. Und schmutzig. Und politisch höchst
problematisch – denn damit fließt unser Kapital ausgerechnet in die am
wenigstens demokratischen Regime Russland, Kasachstan oder Wahabitische
Golf-Monarchien, die Schwule und Frauen köpfen.
Es ist also unsinnig den
Kohlenstoff-basierten Energieverbrauch durch Pendlerpauschalen oder Grünes
Energiegeld oder Ausnahmen beim der EEG zu fördern. Politik, auch die Ampel, muss
sich trauen, wenigstens in eine Richtung zu lenken und die Bürger nicht
gleichzeitig auffordern auch andersherum zu fahren. Autofahren sollte durch
drastische Benzin-Bepreisung extrem teuer werden. Am besten so teuer, daß sich
immer mehr Menschen wirklich überlegen, weniger Verbrennungsmotoren zu nutzen.
Das bedeutet natürlich nicht,
wie einige unverbesserliche Ewiggestrige unken, daß dann keine Krankenwagen
oder Feuerwehren mehr fahren dürfen. Für solche Grundversorger muss es selbstverständlich
Ausnahmen geben. (…..)
(Steuern steuern, 17.10.2021)
Nein, verdammte Impudenz Oktober 2021, Autofahrer-Lobby,
die hohen Spritpreise sind ein Glück. Die Ampel-Parteien müssen der pawlowschen
Versuchung widerstehen, dort sofort zu Gunsten der Autofahrer gegenzusteuern.
Die Deutschen wissen seit 20 Jahren, daß sie weniger
Benzin verbrauchen müssen, daß die Ressourcen endlich sind, daß aber auch bei
unendlichen Erdölvorräten schon wegen des Klimaschutzes weniger Verbrennerautos
gefahren werden dürfen. Stattdessen kaufen sie sich jedes Jahr immer größere,
schwerere und mehr Benzin verbrauchende SUV-Panzer und jammern dann, wenn das
Tanken teuer wird. Selbst schuld. Nun heißt es bei ESSO und BP tief in die
Tasche greifen, oder sich nach einer Alternative umgucken.
Man kommt auch mit 34 PS und drei Liter Verbrauch von A
nach B.
[….] Seit Jahren ist klar, dass Autofahren teurer werden muss. Zumindest,
wenn die Wagen mit Diesel oder Benzin betrieben werden. Der Klimawandel, Sie
wissen schon. Doch kaum steigt der Spritpreis wie aktuell, ist die Aufregung
groß. Markus Söder (CSU) fordert daher, die Kraftstoffsteuern zu senken, um
„den Bürgern steuerlich in dieser schweren Zeit entgegenkommen“. Was für ein
Quatsch. Diese Misere haben sich die meisten Autofahrer schlicht selbst
eingebrockt.
Hamburg versinkt noch auf Jahrzehnte im Dauerstau. Es gibt viel zu
wenige Parkplätze. Die Zahl der angemeldeten Autos nimmt stärker zu als die
Bevölkerung. Der Anteil der SUV an Neuwagen: so hoch wie nie. Das sind
Nachrichten der vergangenen Tage und Wochen. Jeder vernünftige Mensch weiß: Wir
brauchen weniger Autos und sparsamere Autos. Nur Markus Söder, der macht lieber
Wahlkampf im Autofahrerland Bayern. [….] Die meisten Leute, die ich kenne und die täglich Auto fahren, sind
schlicht zu faul oder zu bequem. Da ist der Erzieher, der lieber zehn Minuten
im Auto sitzt als 20 Minuten auf dem Fahrrad. Die leitende Angestellte, die
täglich im SUV in die Innenstadt fährt statt mit der S-Bahn. Die junge
Kollegin, die von einem perfekt mit dem HVV angebundenen Innenstadtviertel
rechts der Alster zur MOPO nach Ottensen mit dem Auto fährt. Der Vater, der
lieber mit dem Wagen die Kinder in die Kita bringt als mit dem Rad. Ich könnte
locker ein Dutzend Fälle aufzählen. [….]
(Mathis Neuburger, 01.11.2021)