Montag, 6. Februar 2017

Friede, Freude, Kinderficken.



Hach ist das schön – nach 500 Jahren wird die große Versöhnung im Vatikan zelebriert.
Die protestantischen Bischöfe aus dem Land der Reformation schmusen mit Franziskus, dem Oberhaupt von 1,3 Milliarden Katholiken.

Premieren wohnt ja meist ein besonderer Zauber inne, selbst wenn sie nicht gelingen. In diesem Fall aber, beim ersten gemeinsamen Treffen von Spitzenvertretern der Evangelischen und der Katholischen Kirche Deutschlands beim Papst in Rom, so versicherten danach alle Teilnehmer, waren "Freude und Herzlichkeit" so üppig vorhanden, dass man von einem Gelingen ausgehen muss. "Das ging weit über die formellen Reden hinaus", sagte Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, nach der Begegnung vor den Medien. […]

Die schwerreichen Kirchenfürsten verstehen sich. Alle sind glücklich.

Bedford-Strohm scheint es also nicht zu stören, daß Franzls Abgesandte in Polen einen stramm nationalistischen menschenfeindlichen Antiflüchtlingskurs an der Seite der diktatorischen PiS fahren.
Papst Franz ernannte sogar Jaroslaw Kaczynskis PiS-Freund Marek Jedraszewski zum Erzbischof von Krakau. Mit dem Segen des Papstes wird nun der Umbau der polnischen Demokratie in eine faschistoide Diktatur betrieben.

Bedford-Strohm scheint es also nicht zu stören, daß Franzls Abgesandte in Ungarn demonstrativ ihren Stolz auf Victor Orban zelebrieren.
László Kiss-Rigó, Bischof von Szeged-Csanád (Süd-Ungarn) und Péter Kardinal Erdő, Erzbischof von Esztergom-Budapest und Primas von Ungarn betätigen sich als xenophobe und homophobe Hetzer, die den autokratischen und demokratiefeindlichen Ministerpräsidenten antreiben noch brutaler gegen Flüchtlinge vorzugehen.

Bedford-Strohm scheint es also nicht zu stören, daß Franzl den obersten Katholiban Australiens, George Kardinal Pell, demonstrativ förderte und beförderte, nachdem klar war, daß der in Australien strafrechtlich verfolgte Pell den kinderfickenden Priester des fünften Kontinents ermöglichte weiterzumachen und Entschädigungszahlungen blockierte.

Im Mai 2015 bezeichnete Peter Saunders, ein Mitglied der 2014 gegründeten päpstlichen Kinderschutzkommission, Pell als „unhaltbar für den Vatikan“ und machte sich die Beschuldigungen seitens der Missbrauchsopfer zu eigen. Saunders bezeichnete den Kardinal ferner als „kalt, hartherzig und fast soziopathisch“ und legte Papst Franziskus nahe, Pell aus seinen Ämtern zu entfernen.
(Wikipedia)

Päderastenfreund Pell ist nun in der römischen Kurie, wurde von Papst Franziskus im April 2013 zum Mitglied des mächtigen achtköpfigen Kardinalsrates und am 24. Februar 2014 zum Präfekten des nagelneuen Wirtschaftssekretariats befördert.

In Australien sind im Zeitraum von 1950 bis 2009 insgesamt 4.440 Kinder in katholischen Orden und von Priestern missbraucht worden. Das geht aus einer Erhebung der nationalen Missbrauchskommission hervor. Demnach sind in den Orden bis zu 40 Prozent der Mitglieder betroffen. Bei den Priestern sollen rund sieben Prozent in Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch verwickelt gewesen sein.
[….] In den meisten Fällen seien die Anschuldigungen folgenlos geblieben, sagte Gail Furness, leitende Rechtsanwältin der Kommission laut australischen Medienberichten. "Kinder wurden ignoriert oder, schlimmer noch, bestraft. Vorwürfe wurden nicht untersucht. Die Gemeinden oder Gemeinschaften, in die Beschuldigte versetzt wurden, wussten nichts von deren Vergangenheit."
[….] Vertreter der Betroffenen warfen der katholischen Kirche [….]  vor, dass die Zahlen allenfalls die Untergrenze der Übergriffe abbilden würden. In Wahrheit sei die Zahl der Opfer wahrscheinlich deutlich höher. "Die Kirche hat viele Fälle vertuscht, so wie sie es seit 2.000 Jahren tut", sagte Bernard Barrett, der mit anderen seit Jahren die Missbrauchsfälle dokumentiert, dem Guardian. [….]

Bedford-Strohm scheint es also nicht zu stören, daß Franzls Jungs ultrarechte Hetzer wie den white supremacy-Führer Stephen Bannon (via skype) zu einer DHI-Konferenz schalten, die ausgerechnet in einem Vatikanischen Palast stattfindet.

[….] Illuminating Mr. Bannon’s views is a lengthy talk he gave in the summer of 2014 via Skype from Los Angeles to a Vatican meeting of the Institute for Human Dignity, a conservative Catholic group based in Rome. [….]

Bedford-Strohm scheint es also nicht zu stören, daß Franzls Jungs die ultrarechte Lega Nord treffen und dabei Mussolini und Trump preisen.

[….] The reported meeting between Cardinal Raymond Burke and Salvini, the head of the Northern League party, is a sign that intense divisions between traditionalists and the pope are becoming increasingly political. [….]

Bedford-Strohm scheint es also nicht zu stören, daß Franzl und seine Kardinäle in Frankreich mit Marine Le Pen marschieren lassen.

[….] Mehrere zehntausend Menschen haben am diesjährigen französischen „Marsch für das Leben“ teilgenommen. [….] Papst Franziskus sowie 21 französische Diözesanbischöfe hatten die Kundgebung im Vorfeld unterstützt. In einem Grußwort rief der Papst die katholische Kirche zum Einsatz für den Lebensschutz auf. Sie dürfe „nie müde werden, Anwalt des Lebens zu sein“. Das menschliche Leben müsse „ohne Bedingungen vom Moment der Empfängnis bis zum natürlichen Tod“ geschützt werden.
Zu den prominenten Unterstützern des Marsches gehörten der französische Primas, Kardinal Philippe Barbarin, sowie der Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation, Kurienkardinal Robert Sarah. [….]

Sonntag, 5. Februar 2017

Gabriel glücklich



Der Bundesaußenminister und Stellvertreter der Bundeskanzlerin verzichtete vor zwei Wochen auf zwei wesentliche Macht-Instrumente. Das schönste Amt der Welt außer Papst (Müntefering), den Parteivorsitz reichte er genau wie die Position des Kanzlerkandidaten an Martin Schulz weiter.
Damit ist es für ihn endgültig ausgeschlossen selbst einmal Regierungschef zu werden.

Dieses machtpolitische Downsizing scheint aber ähnlich wie seine Magenband-OP vor einem guten Monat durchaus erfolgreich zu sein.
Gabriel wirkt schlanker und fitter, stürzt sich mit Verve ins Außenamt, stößt Diskussionen an.


So negativ Gabriels Umtriebigkeit und die abrupten Meinungswechsel für sein Ansehen als Parteichef waren, so positiv und aufrüttelnd kann diese gedankliche Flexibilität bei den festgefahrenen internationalen Beziehungen und der ultraträgen EU-Außenpolitik sein.

Womöglich werden Politikstudenten in 1000 Jahren lernen, daß Anfang des 21. Jahrhunderts die kurze Übergangsphase, als sich eine Minderheit der Nationalstaaten als Demokratien organisierten, zu Ende ging.
Demokratische Regierungsformen werden einem dann als lächerlich ineffektiv und zum Scheitern verurteilt erscheinen.
 Nur zu verständlich, daß nach der Türkei und Russland, nach Ungarn und Polen, auch die stärkste Demokratie USA ihre Transformation zur Autokratie begann.

Umso wichtiger, wenn mit dem deutschen Außenminister wenigstens einer die trägen Restdemokraten etwas aufmischt.
England hält bedauerlicherweise bereits direkten Kurs auf Präsident Bannons Mastdarm.

Die neue personelle Umtriebigkeit der SPD hat mal wieder eins bestätigt:
Zu behaupten es käme nur auf Inhalte an – über Personalfragen spreche man ganz am Ende – ist reiner Unfug.
Der Urnenpöbel liest keine Parteiprogramme und analysiert keine Koalitionstaktiken.
Der Urnenpöbel ist voreingenommen und entscheidet aus dem Bauch.
Der aufgeklärte, informierte und rational entscheidende Wähler ist bloß ein Mythos.
Die SPD sieht seit vielen Jahren in Umfragen so schlecht aus, weil Gabriel unter Generalverschiss (Kubicki) stand. Ob gerechtfertigt oder nicht. Er konnte machen was er wollte, die Wähler mochten ihn nicht.
Mit seinem Kandidatenrücktritt gibt es nicht einen Millimeter neue Inhalte bei der SPD, aber es zeigt sich eine demoskopische Volatilität, die ich nicht für möglich gehalten hätte.
In der Kanzlerfrage, der Disziplin, in der Merkel seit zehn Jahren nach Belieben jeden dominiert, liegt sie plötzlich hinten.
Auch die Werte für die Partei SPD, die man gen „Projekt 18“ schwinden sah, schießen hoch.
Als im Juni 2016 der SPD-Vize Olaf Scholz verkündete „SPD kann 30 Prozent plus x schaffen“ wurde er noch allgemein ausgelacht. Was für ein Unsinn. Daran glaubte niemand.
Vier Jahre lang stand die CDU stabil fast doppelt so stark wie die SPD da; auf einmal nähern sie sich an und Merkel wirkt sehr, sehr nackt

[…..] Gabriel nämlich hat die Figur aus dem Spiel genommen, die Merkel unbesiegbar scheinen ließ: sich selbst. Indem er die Bahn für Schulz frei machte, hat er einen anderen Blick auf Merkel freigegeben: auf eine Kanzlerin, der von ihrer eigenen Partei und aus ihrem eigenen politischen Lager über anderthalb Jahre straflos härtester Widerstand entgegengesetzt wurde. Früher galt sie mal als gefährlich. Angeblich pflasterten die Leichen ihrer Gegner ihren politischen Weg. Horst Seehofer hat diesen Ruf zerstört. Keine noch so große Demonstration von Einigkeit der Schwesterparteien im Wahljahr kann das ungeschehen machen. So wenig wie Merkel ungeschehen machen kann, dass sie seinerzeit Horst Seehofer nicht in ihre Entscheidung eingebunden hat, die Flüchtlinge ins Land zu lassen – und der damit auch seine Loyalität entfesselte. Schiffbruch mit Tiger. [….]

Schön für Sigmar Gabriel, der als SPD-Chef und Kanzlerkandidat im Herbst 2017 vermutlich aufgrund eines katastrophalen Ergebnisses der Politik den Rücken gekehrt haben würde.
Nun sieht es eher so aus, als ob er entweder in einer GroKo oder unter einem Kanzler Schulz ab 2018 mindestens das mächtige Außenministerium behalten wird.

Die neuen SPD-Freunde; es gibt Tausende Parteieintritte; stammen hauptsächlich aus dem Fleische Linker und Grüner.
Aber es ist auch möglich, daß einige verblödete AfD-Fans zu Schulz überlaufen, wenn sie denken damit Frau Merkel noch heftiger eins auswischen zu können.

Die fromm-konservative Liane Bednarz gruselt sich schon.

[….] Rein parteipolitisch betrachtet ist das aus liberal-konservativer Sicht kein Grund zur Freude, denn ein Selbstläufer ist die Wiederwahl der CDU-Parteivorsitzenden damit nicht (mehr). Zwei andere Aspekte, die sich aus der hohen Zustimmung für Schulz ergeben, sind jedoch sehr wohl zu begrüßen. Der erste ist demokratietheoretischer Natur. Nichts verspricht den weiteren Aufstieg der AfD, die ihre Gegner auf antipluralistische Weise verächtlich macht, mehr zu stoppen, als die Aussicht auf einen spannenden Wahlkampf mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch wenn es zwischen Martin Schulz und Angela Merkel gewiss eine größere programmatische Nähe als zwischen, sagen wir Manuela Schwesig und Jens Spahn gibt, sind die Unterschiede gleichwohl beträchtlich, namentlich im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Das verspricht Kontroversen. Der anstehende Wahlkampf wird die Unterschiede zwischen CDU und SPD wieder deutlicher zu Tage bringen, als dies bei einem aus Sicht der SPD von vornherein recht aussichtslosen und somit zu wenig Motivation führenden Wahlkampf mit Sigmar Gabriel an der Spitze der Fall gewesen wäre.   Ein lebhafter Wahlkampf wird es der AfD schwerer machen, ihr Lieblingsfeindbild der „Altparteien“, „Konsens“- bzw. „Kartellparteien“ vor sich herzutragen. [….]

Samstag, 4. Februar 2017

Self-Gatekeeping



Mindestens eine überregionale tägliche Qualitätszeitung sollte man abonniert haben.
Gerade angesichts der Flut von Online-Umsonst-Medien, ist es wichtig seinen gesellschaftspolitischen Standpunkt regelmäßig zu eichen, um nicht doch in irgendwelche genehmen Informationsblasen zu diffundieren.

Es braucht Profis, um aus der Falschmeldungsflut das Relevante und Richtige herauszusuchen.
Erschwert wird das Konsumieren der world-news durch die Tatsache, daß im Weißen Haus jetzt pathologische Lügner sitzen und somit die einzige Supermacht des Planeten kontinuierlich Fakenews produziert.

[….] Trump does not simply have “a running war with the media,” as he so indecorously and disrespectfully spouted off while standing on the hallowed ground before the C.I.A. Memorial Wall. He is in fact having a running war with the truth itself. [….]
Donald Trump is a proven liar. He lies often and effortlessly. He lies about the profound and the trivial. He lies to avoid guilt and invite glory. He lies when his pride is injured and when his pomposity is challenged.
Indeed, one of the greatest threats Trump poses is that he corrupts and corrodes the absoluteness of truth, facts and science.
It is no coincidence that the rise of Trump is concurrent with the rise of “fake news.” It is no coincidence that his rise comes during an age of severely damaged faith in institutions.
And now that he has been elected, Trump wants absolute control over the flow of information, to dictate his own version of facts rather than live with the reality of accepted facts. Trump is in a battle to bend the truth to his benefit. [….]

Trumps Top-Berater stehen ihm in nichts nach – sein Pressesprecher Sean Spicer lügt, daß sich die Balken biegen. Der Nazi, Verschwörungstheroretiker, Chefstratege und ranghöchster Präsidenten-Berater Stephen Bannon befindet sich regelrecht im Krieg mit der Realität und „Counselor to the President“ Kellyanne Conway prägte inzwischen sogar weltweit den Begriff „alternative facts“.

[….] Es gab keinen Anschlag in Bowling Green
Wie also begründet man ein so umstrittenes Gesetz? Kellyan Conway hat jetzt einen ganz besonderen Weg gefunden.
Die Trump-Beraterin begründete das Dekret des Präsidenten damit, dass 2011 zwei irakische Flüchtlinge in die USA gekommen seien, sich radikalisiert hätten und dann die "Drahtzieher des Massakers von Bowling Green waren". Diese Erklärung ist ganz klar falsch: Denn solch ein Massaker hat nie stattgefunden. Zwar wurden 2011 in der Stadt Bowling Green im US-Bundesstaat Kentucky zwei Iraker festgenommen und zwei Jahre später wegen terroristischer Aktivitäten zu langen Haftstrafen verurteilt - einen Terroranschlag in Bowling Green haben sie allerdings weder durchgeführt noch geplant. Ihre Fingerabdrücke wurden auf selbstgebastelten Bomben im Irak gefunden.
Falsch ist auch die von Conway als "brandneue Information für die Leute" verkaufte Behauptung, Barack Obama habe ein Einreiseverbot für irakische Flüchtlinge verhängt. [….]

Das ist alles nicht neu – Trump und seine Wahlkampfmanagerin logen schon das ganze letzte Jahr, wenn sie den Mund aufmachten.
Dennoch übertrugen alle Newssender ihre demagogischen Falschaussagen täglich im Livestream.

Nun, nachdem der Cheflügner der Welt innerhalb von nur zwei Wochen auch „Chemical Ali“ wie einen ehrlichen Mann aussehen läßt, wagt es mit CNN immerhin erstmals ein Newssender auf ein Conway-Interview zu verzichten, welches das Weiße Haus für die wichtige Sonntagssendung angeboten hatte.

[…..] Vice President Mike Pence will hit the Sunday show circuit this weekend, with stops on NBC’s “Meet the Press, ABC’s “This Week,” CBS’s “Face the Nation,” and “Fox News Sunday.”
But CNN’s “State of the Union” is noticeably missing from what would otherwise be a “full Ginsberg,” a term for when a newsmaker appears on all five major public affairs programs.
A White House spokesman told The Huffington Post the administration “offered multiple guests for State of the Union and they declined.”
But Pence wasn’t one of them, according to a CNN spokeswoman. Instead, the White House offered presidential counselor Kellyanne Conway, CNN said. The network declined that offer.
The Trump White House has notoriously bad relations with CNN already. And the decision to make Pence available to CNN’s Sunday show rivals, but not CNN itself, is likely an extension of what Politico recently reported as a “freezing out” of the network. The White House hasn’t provided any administration officials for “State of the Union” since Jan. 8, an absence the show’s host, Jake Tapper, has noted on the air. [….]

Wir stehen als Nachrichtenkonsumenten vor wahrlich neuen Herausforderungen, wenn der wichtigste international Newssender entscheidet seine Zuschauer wären besser über die US-Politik informiert, wenn man die Sprecher des Präsidenten stummschaltet.

Das empörende Verhalten der US-Regierung generiert Widerspruch und umso leichter findet man sich in Facebook-Blasen, die zu 100% aus scharfen Trump-Gegnern bestehen.
Es gibt auch ganz andere Realitäten.



Um nicht völlig in inzestuösen Infoblasen zu versinken sollte man in seinen sozialen Netzwerken immer auch einige Medien und Multiplikatoren abonnieren, die der eigenen Weltanschauung möglichst widersprechen.
Das ist zwar ziemlich ekelig, aber notwendig, um zu verstehen, wie die Welt tickt.
Einige hinreichend seriöse Zeitungen wie die taz bieten für die Menschen mit schwachem Magen einen Feindbeobachtungsservice.

Rein in die rechte Blase.
„Nafris“, Trump und Höcke: Worüber haben rechte Medien im Januar diskutiert? [….] Leben Journalist*innen in einer liberalen Filterblase? Bekommen sie nur Nachrichten, die ihren Meinungen entsprechen und haben sie deshalb Entwicklungen wie den Brexit oder den Aufstieg von Donald Trump nicht vorhersehen können? Um das herauszufinden, fassen wir nun monatlich die Diskussionen in rechten Medien zusammen – auch damit unsere Leser*innen es nicht selbst tun müssen.
Die Medien der „besorgten“ bis neurechten und rechtsextremen Szene sind ein wenig überschaubares System von persönlichen Blogs, thematischen Blogs bis hin zu mehrmals täglich aktualisierten Sammelblogs wie „PI-News“ oder Zeitschriften und Zeitungen wie Compact oder Junge Freiheit. Die vorliegende Zusammenfassung basiert auf den Onlineauftritten der drei letztgenannten. [….]

Noch ein paar Tipps:

Man sehe sich wöchentlich das grandiose NDR-Medienmagazin „ZAPP“ an. Dort wird über die Medienszene aufgeklärt.

Man werfe regelmäßig einen Blick auf die „hoaxmap“, um zu verfolgen wie Fakenews widerlegt werden. Hunderte Gerüchte werden demaskiert.


Man unterstütze das wissenschaftliche Projekt Perspective daily. Hier wird nicht nur über Probleme berichtet, hier werden von neutralen Wissenschaftlern konstruktive Lösungen angeboten.

[….] Seit Juni 2016 erscheint auf der Website "Perspective Daily" an jedem Werktag ein neuer Artikel für die Leser, die dafür einen Jahres-Mitgliedsbeitrag von 60 Euro zahlen. Die Inhalte reichen vom Klimawandel über Trump bis zur Nahostpolitik. Themen, wie man sie durchaus auch in großen Wochenzeitungen oder Nachrichtenmagazinen verfolgen kann. Aber die Macher von "Perspective Daily" verfolgen einen anderen Ansatz: Sie wollen konstruktiv berichten. Konstruktiver Journalismus soll ihnen zufolge nicht nur Probleme beschreiben, sondern vor allem Lösungen anbieten bzw. diskutieren. [….]

Freitag, 3. Februar 2017

Sippenhaft



Angela Merkel hat schon Kinder.
Daniel und Adrian Sauer, die ihr zweiter Mann mit in die Ehe brachte, sind nach landläufiger Meinung Teil ihrer Familie.
Die Öffentlichkeit weiß fast nichts über die Kanzlerinnen-Stiefsöhne, weil es die Öffentlichkeit wirklich nichts angeht.
Wenn Daniel und Adrian es wollten, könnten sie in allen Boulevardmedien auftauchen und in der BUNTEN über die Kanzlerfamilie plaudern.
Aber ganz offensichtlich wollen sie das nicht und haben daher auch das Recht in Ruhe gelassen zu werden.

Bei deutschen Topppolitikern ist es fast die Regel, daß enge Verwandte sich komplett von den Medien fernhalten.

Lothar Vosseler, der unselige Kanzler-Halbbruder war eine Ausnahme. Ihn drängte es stets in die Trash-Welt und dort war er einer zum mitschämen.

In Amerika gibt es eine andere Tradition.
Ehepartner und Kinder der Präsidentschaftskandidaten und Senatoren werden mit auf die Bühne gezerrt.
Wie selbstverständlich gehören sie zum Gesamtpaket.

Nachrichtensender berichten über die Kleidung der Präsidentenkinder, die Opposition beschäftigt sich mit ihnen.
Die Politiker selbst sind nicht unschuldig daran, da sie ihre eigene Brut mindestens einmal alle zehn Minuten erwähnen/lobpreisen – schließlich gilt Familie als große US-Tugend und wahlentscheidend.

Dauerpräsidentschaftskandidat und Ex-US-Senator Rick Santorum ist Vater von sieben Kindern. Ein Achtes war eine extreme Frühgeburt und lebte nur eine gute Stunde.
In Deutschland wäre das eine höchst private Angelegenheit. Loki Schmidt mußte erst 90 werden, bevor sie überhaupt erzähle Fehlgeburten gehabt zu haben.

Rick und seine Frau Karen Santorum hingegen ließen die Leiche ihres Frühchens  in ihr Haus tragen, um es nicht nur aufzubahren, sondern auch jedem Reporter Amerikas langatmig zu erzählend wie ergreifend die anderen sieben Blagen von ihrem halbausgebrütetem toten Bruder Gabriel Abschied nahmen. Karen veröffentlichte sogar ein Buch mit frommen Texten Letters to Gabriel: The True Story of Gabriel Michael Santorum.
So sichert man sich Wählerstimmen, wird allerdings auch angreifbar.
Die GWB-Töchter benahmen sich gelegentlich gar nicht so, wie es sich für einen stramm-konservativen Christen gehört.
Besonders peinlich ist der Fall Bristol Palin, die von ihrer ultra-konservativen und ultra-verblödeten Mutter genau wie ihre Geschwister ständig ins Rampenlicht gezerrt wurde. Bristol steht Sarah in Punkto IQ-Schwäche kaum nach, engagiert sich ebenfalls für christliche-fundamentalistische Werte wie absolute Enthaltsamkeit. Die 26-Jährige ließ sich sogar als Covergirl für die „Keinen Sex vor der Ehe-Kampagne“ einspannen.

In May 2009, at age 18, Palin appeared on both the Today show and Good Morning America in recognition of the National Day to Prevent Teen Pregnancy, calling for all teens to abstain from sex. This observance was started by The National Campaign To Prevent Teen and Unplanned Pregnancy. [….] Also in May 2009, Palin was named a Teen Pregnancy Prevention Ambassador for the Candie’s Foundation, a teen pregnancy prevention  [….]  Her duties as a paid spokeswoman involved attending town hall meetings, talking about abstinence, public service announcements, and giving interviews on morning talk shows.
In May 2009, on Good Morning America, Palin said, "Regardless of what I did personally, abstinence is the only 100% foolproof way you can prevent pregnancy." [….]
In April 2011 it was reported that Palin was paid more than $262,000 by Candie's Foundation for her work in 2009. [….]
On July 13, 2011, Palin had an interview with Christianity Today in which she reaffirmed her stance on abstinence. [….]
(Wikipedia)

Da ist es natürlich schon blöd, wenn man sich wie die immer noch unverheiratete Bristol gleich zweimal unehelich schwängern lässt und mittlerweile zwei Kinder von verschiedenen Männern aufzieht.





Bristol kann nichts für ihre Mutter, aber da sie sich als Erwachsene selbst aktiv für diese ultrakonservativen Belange einsetzt, darf ich mich an dieser Stelle auch über sie lustig machen.
Es bleibt aber ein fader Beigeschmack, da ich in der Tat mit meiner Bristol-Kritik eigentlich Sarah treffen möchte und das wiederum ist unfair gegenüber der Tochter mit ihren unehelichen Blagen.

Es ist niemals fair auf Kinder und Ehepartner einzudreschen, wenn man eigentlich jemand anders meint. Das ist unmoralisch und so ist es nur folgerichtig, daß Donald J. Trump diese Methode besonders intensiv anwendet.

Er zog über das Aussehen von Ted Cruz‘ Ehefrau her, deutete an Teds Vater könne irgendwie in das JFK-Attentat verstrickt sein, er beleidigte Michelle Obama und ließ bei der dritten Präsidentschaftsdebatte die Frauen, die vor einem Vierteljahrhundert behaupteten Sex mit Bill Clinton gehabt zu haben in die erste Zuschauerreihe setzen.

Nun sitzt der Super-Nepotist im Oval Office und selbstverständlich regnet es in den sozialen Netzwerken Häme über Melania, Don Jr., Ivanka, Eric, Tiffany und Barron. Man will es Donald heimzahlen.
Aber das bleibt unfair. Sippenhaft ist niemals zu rechtfertigen.

Barron, der bizarrerweise bereits die Körpergröße seiner Eltern aufweist, ist erst 10 Jahre alt.

Er ist also noch ein Kind und kann nichts für seine Eltern. Damit sollte er Tabu für alle Witze sein.
Daß sein eigener Vater nicht diesen Anstand aufbringt, ist keine Rechtfertigung ebenso unanständig auf Barron zu reagieren.
Tiffany, die ganz offensichtlich von ihrem Vater wesentlich weniger als ihre ältere Schwester Ivanka geschätzt wird, hält sich ebenfalls mit politischen Äußerungen zurück und sollte daher auch off limits bleiben.

Melania wird hunderttausendfach als „first hooker“  bezeichnet und nackt oder halbnackt dargestellt.
Diese Art der Kritik finde ich etwas erbärmlich.
Einerseits ist Prostitution ein ehrbarer Beruf und damit kein Grund Melania zu beschimpfen.
Andererseits finde ich eine Melania, die für Geld mit Trump schläft sehr viel sympathischer als eine, die das womöglich freiwillig tut und den Mann tatsächlich mag. I Gitt.

Zu kritisieren ist aber Melania Trumps Weigerung ins Weiße Haus zu ziehen, da die daraus resultierenden Sicherheitsmaßnahmen für den New Yorker Trump-Tower den Steuerzahler über 500.000 Dollar täglich kosten.
Donald Trump erspart sich damit jährlich also Ausgaben für Sicherheitsdienst in einer dreistelligen Millionenhöhe. Vor dem Hintergrund wirkt sein großspuriger Verzicht auf das Präsidentengehalt von einem Prozent der Kosten, die Melanias Weigerung nach Washington zu ziehen, verursacht, nicht sehr großzügig.

Trumps Kinder aus erster Ehe, Don, Eric und Ivanka, sind alle über 30, haben sich intensiv im Wahlkampf für ihren ultrarechten Vater engagiert und sind allesamt schon durch eigene extrem perfide Widerlichkeiten aufgefallen.
Die Brüder knallen gern Großwild ab und Ivanka nutzt das Amt ihres Vaters gnadenlos für ihren privaten Profit aus – zudem haben sie und ihr Mann beide zentrale Regierungsposten im Weißen Haus bekommen.

Es gibt also keinen Grund auf Ivanas Kinder Rücksicht zu nehmen.


Sie müssen sich Kritik der „liberal media“ gefallen lassen.

Melania muß aushalten, wenn auf ihrem Rücken ihr Ehemann kritsiert wird.