Sonntag, 15. November 2020

Früher war Kinder zu vergewaltigen einfacher

Der extrem beliebte selige und heilige Superpapst Wojtila, der es nach dem berüchtigtem Antisemiten und Erfinder der päpstlichen Unfehlbarkeit Pio Nono mit 27 Jahren zweitlängste Pontifikat der Kirchengeschichte brachte, faszinierte die Welt.

500 Jahre lang hatten sich italienische, zumeist  adelige Kuriale das Pontifikat durch Simonie gegenseitig zugeschanzt.

Nach einem halben Jahrtausend war 1978 plötzlich eins Ausländer Papst, der auch noch aus einem kommunistischen Staates des Warschauer Paktes stammte.

Damit war der 1920 in Wadowice geborene Karol Józef Wojtyła außerdem der erste Slawe überhaupt auf dem Papstthron. Er blickte auf keine lange klerikale Ahnenreihe zurück und benahm sich ganz anderes als bisherige Päpste des 20.Jahrhunderts.

Im Gegensatz zu allen anderen Kurialen und insbesondere auch im krassen Kontrast zu seiner rechten Hand und Nachfolger Ratzinger, machte sich Wojtyła nichts aus Gold, Perlen, Juwelen oder Hermelin-Stolas. Er kannte wenig Dünkel und interessierte sich ohnehin wenig für die Pracht und Herrlichkeit des Vatikans.

Lieber ging er hinaus in die Welt und sprach mit katholischen Laien.

Dabei halfen ihm sein Kommunikationstalent, seine Theaterausbildung, sein Chrisma und seine extreme Vielsprachigkeit.

Johannes Paul II. sprach fließend neun Sprachen: Polnisch, Latein, Altgriechisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch. Außerdem war er mit 12 weiteren Sprachen soweit vertraut, daß er sie lesen und verstehen konnte.

Durch seine Erfahrungen im von den Nazis besetzten Polen und seine jüdische Verlobte war er einer der wenigen nicht antisemitischen und überhaupt an der Ökumene interessierten Päpste. Er pflege freundschaftlichen Umgang mit nicht katholischen Religionsführern, traf jede Woche zum Essen mit Besuchern aus anderen Teilen seiner katholischen Welt zusammen. Diese persönlichen Begegnungen sind nicht zu unterschätzen für sein Weltbild; er soll dabei kaum doziert, sondern vor allem zugehört haben, ein sehr aufmerksamer Gastgeber gewesen sein.

Der Unterschied zu seinem Nachfolger könnte insbesondere in diesem Habitus nicht größer sein; der prachtverliebte Benedikt XVI. speiste ausschließlich mit Gänsi und seine drei Haushaltsnonnen. Dabei wurde geschwiegen. Selbst Kurienkardinäle hatten über Jahre keinen Zugang zu ihm, weil er stets abgekapselt war.

Die nichtkatholische Welt erinnert sich insbesondere an die enorme Reisetätigkeit des Rekordpapstes. Er besuchte 129 verschiedene Länder, trat dabei immer vor gewaltigem Millionen-Publikum auf. Gern wurden diese Mega-Happenings mit Heiligsprechungen garniert. Er führte eine Art Polytheismus light ein, indem er mehr Menschen heilig und selig sprach als alle 263 Päpste vor ihm zusammen. Kein Papst erhob so viele Geistliche zu Kardinälen wie er.

Der Kontrast zwischen dem Wojtyła-Habitus und seiner pontifikalen Vorgänger war so groß, daß man ihn irgendwie mögen mußte.

Während er starb, brüllten seine fanatischen Fans auf dem Petersplatz schon „Santo Subito“ und genau das funktionierte auch im für katholische Verhältnisse blitzartigem Tempo. Sofort fanden sich Wunder, die er als Toter bewirkt haben sollte.

2011 sprach ihn Ratzi in Rom selig. 2014 sprach ihn Franzi heilig. Aber selbst das reicht seinen Fans noch nicht; sie fordern mehr.

[…..] Erzbischof Stanislaw Gadecki bittet Papst Franziskus im Namen der Polnischen Bischofskonferenz, den heiligen Papst Johannes Paul II. zum Kirchenlehrer und zum Schutzpatron Europas auszurufen. Die Bitte des Präsidenten der Bischofskonferenz wird auch von Kardinal Stanisław Dziwisz unterstützt. [….]

(Kathpedia)

Bemerkenswert ist diese positive Sichtweise Wojtyłas nicht wegen seiner erzkonservativen politischen und kirchenpolitischen Haltungen.

Als Papst ließ er die südamerikanischen Befreiungstheologie zerschmettern, setzte die Bischöfe ab, die sich für die Armen stark machten und verortete seine Kirche fest an der Seite der rechtsextremen und faschistischen Diktatoren, die tausende Regimegegner einfach „verschwinden“ ließen.

Frauen sollten an den Herd, Schwule waren Igitt und kirchliche Mitbestimmung durch Laien kam für ihn gar nicht in Frage.

In den Fragen der Familienpolitik, Verhütung, Feminismus und Sozialpolitik stand Wojtyła nicht nur extrem rechts, sondern duldete auch keine andere Meinung.
Theologie-Professoren, Bischöfe, Priester, die es auch nur wagten Fragen zu stellen, wurden vom ewigen Papst gnadenlos verfolgt.

Professor Uta Ranke-Heinemann: Entzug der katholischen Lehrerlaubnis 1987.

Bischof Jacques Gaillot, der sich für AIDS-Infizierte engagierte: 1995 aus dem Amt entfernt.

Eugen Drewermann: 1991 Entzug der katholischen Lehrbefugnis; 1992 Entzug der Predigtbefugnis und Suspension vom Priesteramt.

Prof. Hans Küng: 1979 Entzug seiner kirchlichen Lehrbefugnis.

JP-II duldete nicht nur keinen Widerspruch, sondern griff schon bei vorsichtigen Fragestellern grausam durch, zerstörte theologische Existenzen.

Aber Wojtyła war nicht in jeder Hinsicht so pingelig.

Er hatte ein großes Herz für Kinderficker und förderte auf der ganzen Welt demonstrativ jene Sadisten und Vergewaltiger, die sich massenhaft an kleinen Jungs vergriffen.

Der heilige Papst, der jetzt schon „Johannes-Paul der Große“ genannt wird und bald auch als Kirchenlehrer und Patron Europas gelten soll, liebte die grausamsten Kinderquäler und pädosexuellen Vergewaltiger. Daran ließ er gar keinen Zweifel, indem er sie systematisch förderte und aggressiv deren Opfer mundtot machen ließ.

(….)  Die große Enthüllungs-Welle der Sexualstraftäter-Priester in den USA warf 2002 ihre Schockwellen durch die katholische Welt. Anschließend wurde es nur noch schlimmer. In immer mehr Ländern wurden ungeheuerlichen Zahlen katholischen Klerikern bekannt, die kleine Kinder gequält, geschlagen und vergewaltigt hatten. 2010 erreichte die Welle Deutschland, das Heimatland des nächsten Papstes.

Unglaublich, aber wahr, während der Kindersex-Marathonenthüllungen am 1. Mai 2011 sprach Ratzinger den großen Kinderfickerfreund Wojtyła selig. Bergoglio legte noch einen drauf und sprach Johannes Paul II. am 27. April 2014 heilig.

Damit ist dreifach unfehlbar ex cathedra gesagt „wir ficken kleine Jungs und das ist gut so!“

(…..)  Die Rede ist, mal wieder, von den Legionären Christi, LC, die römisch-katholische Kongregation päpstlichen Rechts und ihrem legendären Gründer Marcial Maciel Degollado.

Kinderfickende Nazis ersetzten auf Geheiß Woytilas und Ratzingers die verhassten südamerikanischen „Befreiungstheologen“, die sich für die Armen einsetzen und den faschistischen Mörder-Diktatoren kritisch gegenüberstanden.

Der Priester Maciel Marcial Degollado, (1920–2008), Chef der LC und Multimillionär war der erklärte Liebling des Papstes Johannes-Paul II.
Da er sagenhafte Summen in die Kasse der RKK spülte, drückte der Wächter der Glaubenslehre Ratzinger alle Augen zu.
Maciel Marcial Degollado hatte mindestens fünf Kinder von zwei Frauen und vergewaltigte darüber hinaus mehrere Dutzend (bis zu 100) Jungs.
Die Vorgehensweise war laut STERN immer gleich:

Vater Maciel rief die ca 12-Jährigen Jungs zu sich, klagte über „schmerzhaften Samenstau in den Hoden“, müsse sich zur Abhilfe masturbieren lassen und dabei auch Kinder penetrieren.
Er erklärte dazu, er habe eine persönliche Erlaubnis von Papst Pius XII „die Schmerzen im uro-genitalen Bereich“ derart zu behandeln.
Hochwürden Samenstau bevorzugte dabei blonde und hellhäutige kleine Jungs, die ihm seine „Legionäre“ weltweit suchten und zuführten.
Seit 1976 wurden Berichte über diese Kindesvergewaltigungen nach Rom geschickt.

Man hielt dort immer die schützende Hand über Maciel.

JP-II ("Maciel ist ein vorbildlicher Priester") würdigte ihn 2004 mit einem Empfang im Petersdom, Ratzinger stellte die Untersuchungen gegen ihn bereits 1999 ein.

Dokumente aus den Vatikan-Archiven belegen laut AP, dass der Heilige Stuhl schon in den fünfziger Jahren Beweise hatte, wonach Maciel drogenabhängig und pädophil gewesen sein soll. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge ermittelten damals drei sogenannte Visitatoren, das Ergebnis sei jedoch bis heute nicht veröffentlicht worden. 1998 sollen sogar einige seiner Opfer Anzeige erstattet haben.    Doch Papst Johannes Paul II. verband eine enge Freundschaft mit Maciel, die sich seit dem ersten Zusammentreffen im Januar 1978 entwickelt hatte. Der Papst verehrte den Mexikaner, führte ihn gern als Vorbild an und widmete ihm noch 2001 eine Festmesse auf dem Petersplatz.

(Simone Utler 11. Mai 2012)

Der gegenwärtige Papst, der im Bundestag mit standing Ovations bedacht wurde, ist der Beschützer eines der perfidesten pädosexuellen Gewalttäter.

 Die seit Dekaden bekannten Untersuchungsergebnisse über den brutalen Päderastensumpf seiner Legionäre hält Ratzinger bis heute unter Verschluß.

Tatsächlich aber hatten zehn Opfer, die von Marcial Maciel in den 50er-Jahren im römischen Seminar missbraucht worden waren, den Vatikan schon vor 30 Jahren verständigt. Seit 1983 war auch Papst Johannes Paul II. über die Missbräuche informiert. Doch er schätzte den Ordensgründer und lobte noch 1994 öffentlich dessen «effiziente Führung für die Jugend». 1997 sagte die Gruppe der zehn Opfer vor den Medien, Maciel habe Hunderte Knaben missbraucht.
Ein Jahr später erhob die Gruppe Anklage gegen Maciel bei der Glaubenskongregation, die unter Kardinal Ratzinger für alle schwerwiegenden Missbrauchsfälle in der Kirche zuständig war. Ratzinger aber war nie bereit, die Gruppe der Opfer anzuhören und gegen Maciel etwas zu unternehmen. Worauf sich die Gruppe 2002 bei der UNO Gehör verschaffte und im Genfer Palais des Nations die Medien über die Untätigkeit der Glaubenskongregation informierte.
(Tagesanzeiger 02.05.2010)

Ratzinger führt also die Tradition seines Vorgängers fort und ermutigt die Legionäre geradezu weiterhin Kinder zu ficken und zu quälen. Rom weiß schließlich Bescheid und hat noch nie etwas unternommen.

Im Gegenteil, mit der Rapid-Seligsprechung des größten Marcial Maciel Degollado-Fans Woytila, hat Ratzinger noch mal unterstrichen, daß er fest an der Seite der Sextäter steht und nicht an die Opfer zu denken gewillt ist.

 Sein ganzes Mitgefühl gilt nur den LC. Er ernannte nach Maciels Tod 2008 einen neuen Chef und ließ mitteilen Benedikt XVI. werde den Ordensmitgliedern "auf dem Weg der Reinigung" beistehen und sie nicht alleinlassen.

 (Mein Freund, der Papst, 11.05.2012)

Marcial Maciel Degollado ist nur ein Fall; es läßt sich durchaus ein Beförderungsmuster erkennen.

[…..] Der frühere Kardinal und Erzbischof von Washington, Theodore Edgar McCarrick, hat systematisch Priesteranwärter und Seminaristen sexuell missbraucht. […..] Theodore Edgar McCarrick, 90, der trotz Gerüchten über sexuelle Vergehen an jungen Männern eine steile Karriere machen konnte in der katholischen Kirche. […..] "Uncle Ted", wie sich McCarrick in den 80er-Jahren gerne nennen ließ, bahnte immer wieder Kontakte zu Priesterseminaristen an, um sie ins Bett zu bringen. Er lud sie ein in ein Strandhaus in New Jersey, immer nahm er einen jungen Mann mehr mit, als das Haus Betten hatte: Der ohne Bett musste beim Erzbischof übernachten. Auf Dienstreisen nahm er Knaben im Highschool-Alter mit. Er nannte sie "Neffen".  […..]  Zeugen und Gerichtsdokumente belegten, dass McCarrick seit den 1970er-Jahren systematisch seine hohe Position ausgenutzt hatte, um Priesteranwärter und Seminaristen sexuell auszubeuten. Immer wieder habe er Opfer oder Zeugen zum Schweigen gebracht. […..]

(Süddeutsche Zeitung, 10.11.2020)

Während Berichte über Theodore Edgar McCarricks Treiben kontinuierlich nach Rom gemeldet wurden, ernannte ihn Papst Johannes Paul II. 1982 zum ersten Bischof der neu gegründeten Diözese Metuchen, machte ihn 1986 zum Erzbischof von Newark. 2000 ernannte JP-II ihn zum Erzbischof von Washington und erhob ihn schließlich im Februar 2001 zum Kardinalpriester der Titelkirche Santi Nereo e Achilleo.

Ratzi und Franzi kennen Wojtyła sehr gut und segnen seine Kinderficker-Begeisterung demonstrativ ab, indem sie ihn ehren und seine Pädosexuellen-freundliche Linie weiterführen.

Die RKK des Jahres 2020 räumt zwar vereinzelt „Versäumnisse“ ein, wenn wieder einmal in einer Diözese hunderte oder Tausende Opfer sexueller Übergriffe durch Priester bekannt werden, aber das dann wischen sie es auch schon mit einem „Das waren andere Zeiten“ weg – also ob es 1950, 1970 oder 1990 völlig in Ordnung gewesen wäre kleine Jungs zu penetrieren.

Sich von Wojtyła, dem Großen, dem Heiligen zu distanzieren, kommt schon mal gar nicht in Frage für den Vatikan des Jahres 2020.

[…..] Days after his death in 2005, cardinals eager to uphold his conservative policies had already begun discussing putting him on a fast track to sainthood while devotees in Rome and beyond clamored for his immediate canonization, drowning out notes of caution from survivors of sexual abuse and historians that John Paul had persistently turned a blind eye to the crimes in his church.  Now, after more than a decade of doubts, his reputation has fallen under its darkest cloud yet, after the very Vatican that rushed to canonize him released an extraordinary report this week that laid at the saint’s feet the blame for the advancement of the disgraced former prelate Theodore E. McCarrick.  The investigation, commissioned by Pope Francis, who canonized John Paul in 2014, revealed how John Paul chose not to believe longstanding accusations of sexual abuse against Mr. McCarrick, including pedophilia, allowing him to climb the hierarchy’s ladder.

[…..] “Saints make errors of judgment, this was clearly an error of judgment,” said George Weigel, a biographer of Pope John Paul II and an official witness during his beatification process. “McCarrick was a pathological liar. And pathological liars fool people including saints.”  […..] John Paul first met Mr. McCarrick in 1976. Mr. McCarrick, the report says, “was on a fishing trip in the Bahamas with teenagers from some of the Catholic families” when a telegram told him to come back immediately to help translate for Pope John Paul II, then known as Karol Jozef Wojtyla, a rising star in the church. Mr. McCarrick joked that Cardinal Wojtyła had ruined his vacation and they struck up a friendship. […..]

(NEW YORK TIMES, 14.11.2020)

 

Samstag, 14. November 2020

Das rechte Auge – Teil II

Ach ja, eins noch zum Thema „auf dem rechten Auge blöd“ und antimuslimische Sicht auf Gewalttaten.

(…..) Ich werde mich nicht an einem Wettbewerb um die schlimmsten Fanatiker-Terroristen nach Religion beteiligen.

Jeder religiöse Fanatismus ist gleichermaßen zu verachten.

Aber ich befürchte, Herr Kühnert wird sich sehr wundern wie sein antimuslimischer Vorstoß wegkommt, wenn er außer den Alice-Weidelschen „Messermännern“ alle weißen christlichen Attentäter in seine Überlegung einbezieht.

Die stellen nämlich die quantitativ größere Bedrohung dar:

Christchurch 2019, Utøya 2011, El Paso 2019, Parkland 2018, Las Vegas 2017.

Betrachtet mal alle Opfer des Terrorismus weltweit, ist eins klar: Muslime stellen die mit Abstand größte Gruppe unter den Opfern. Herr Kühnert.(….)

(Das rechte Auge, 12.11.2020)

Jacinda Ardern, um die ich Neuseeland zutiefst beneide, weil es bedauerlicherweise in den USA und Deutschland keine Führungsfigur von solchem Format gibt, setzte unter anderem auch dadurch ein extrem starkes Zeichen, daß sie als Regierungschefin erklärte den Namen des Massenmörders von 50 muslimischen Neuseeländern demonstrativ nicht aussprach.

Die meisten Offiziellen folgten ihrem Beispiel und so ist der Name des Killers öffentlich nicht geläufig.

Jacinda Ardern, die (wie Jens Stoltenberg nach dem Massaker von Utøya) im März 2019 mit Kopftuch bei den Angehörigen des schweren Terroranschlages von Christchurch erschien, produzierte weltweit ikonographische Bilder.

Sie machte alles goldrichtig, verließ ihre Rolle als Regierungschefin und erschien als Freundin, als Trösterin, als eine von den um die 50 Toten Trauernde.

 [….]Wie kann man auf Menschen zugehen, die fassungslos, wütend und traurig zurückbleiben? Was können wir ihnen sagen und wie können wir ihnen Trost und Geborgenheit spenden? Auch Politiker*innen stehen vor dieser Herausforderung, gerade die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. Seit Oktober 2017 hat die 37-Jährige das Amt inne. Am Samstag reiste sie nach Christchurch, ins Canterbury Refugee Center, um dort Menschen aus der muslimischen Gemeinde zu treffen. Dabei trug sie ein schwarzes Kopftuch. Ardern hat viel richtig gemacht in den letzten Tagen.

Von manchen deutschen Politiker*innen kann man dies hingegen nicht behaupten: „Egal gegen wen sich Hass, Gewalt und Terror richten, am Ende sterben Menschen, verlieren Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder“, twitterte etwa die CDU-Bundesvorsitzende und mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Kanzlerkandidatin ihrer Partei Annegret Kramp-Karrenbauer. Nein, es ist nicht egal, gegen wen sich der Hass und Terror richtet. Mucad Ibrahim und Ara Parvin wurden aus einem bestimmten Grund ermordet: Ein 28-jähriger Australier tötete sie, weil er diese Menschen, ganz unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Biografien, die lediglich ihr Glauben vereint, für seine Feind*innen hielt. [….]

(Seyda Kurt, 18.03.2019)

Natürlich könnte ich googeln, wie der Hass-Fanatiker heißt, aber es gefällt mir, anders als im Fall Utøya weder Gesicht noch Namen vor Augen zu haben, wenn das Thema „Christchurch-Attentat“ auftaucht.

Wäre ich Mitarbeiter einer Behörde, die sich mit der Verhinderung und Aufklärung von Kriminalität beschäftigt, könnte ich mir diesen Luxus des Nichtwissens und die Genugtuung darüber, daß der rechtsextreme Terrorist ebenen nicht so berühmt wurde, wie er es sich offensichtlich erhoffte, nicht leisten.

Das ist der Nachteil des Internets; die falschen Leute suchen sich falsche Inspiration für ihre falsche Weltsicht aus dem Netz.

Es ist leider zu spät Arderns Beispiel im Fall des Attentäters von Halle zu folgen – die deutschen Medien berichteten allesamt über Ste­phan Bal­liet, der am 09.10.2019 mit Sprengsätzen und Waffen ein Massaker an betenden Juden in der Synagoge veranstalten wollte, glücklicherweise aber an der massiven Holztür scheiterte und daraufhin aus Frust zwei Passanten ermordete und weitere zwei Menschen schwer verletze.

Balliet ist genauso alt wie der Massenkiller von Christchurch, wurde durch dessen gestreamte Tat inspiriert, beruft sich auch seine „berühmten“ rechtsradikalen Massenmörder-Vorgänger.

Natürlich ist es für „den Staat“ wichtig zu wissen wie so ein eigentlich aus normalen Verhältnissen stammender unscheinbarer Typ – Mutter Lehrerin im Fach „Ethik“, Vater Fernsehmechaniker – vor dem Computer sitzend immer radikaler wird.

Es ist ein klassischer Fall von „Antisemitismus ohne Juden“. Ste­phan Bal­liet kennt keine Juden persönlich, sagte sich sein zutiefst verschwörungstheoretisches antisemitisches Weltbild aus dem Internet.

Er generierte derartigen Hass, daß er auch ein Jahr nach der Tat nicht die geringste Reue empfindet, aber es bedauert nicht in die Synagoge vorgedrungen zu sein, um noch viel mehr Menschen zu töten.

Polizei, Kriminologen, Soziologen, Bildungsexperten, Politiker müssen verstehen, wie so etwas passiert, um das zu verhindern.

Balliet ist offensichtlich einer dieser INCELS und auch Q-Anon-Jünger, begann sein Tatvideo mit den verstörenden Worten…

[…..] "Hi my name is Anon, and I think the holocaust never happened. Feminism is the cause of the decline of the West which acts as a scapegoat for mass immigration. And the root of all these problems is the jew. Would you like to be friends?" [….]

(zitiert nach ADL, 09.10.2019)

Der Strafprozess ist extrem abscheulich, weil die Horrortaten alle in Wort und Bild dokumentiert wurden und nun im Gerichtssaal den Angehörigen der Opfer und den Nebenklägern präsentiert werden. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord und 68-fachen Mordversuch, Holocaustleugnung, Körperverletzung, erpresserischen Raub und anderes mehr. Balliet genießt die Medienaufmerksamkeit.

Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens macht offenbar einen sehr guten Job, möchte ebenfalls herausfinden, wie man so wird.

Dafür bestellte sie BKA-Experten als Zeugen, die die Online-Vergangenheit des Killers untersuchten.

Dabei kommt aber ein Skandal im Skandal zum Vorscheinen.

[…..] Auf­trit­te der Be­am­ten des Bun­des­kri­mi­nal­amts füh­ren re­gel­mä­ßig zu Be­frem­den. Die Ne­ben­kla­ge­ver­tre­ter in­ter­es­siert vor al­lem, was die Be­am­ten un­ter­nom­men ha­ben, um et­was über mög­li­che Kon­tak­te Bal­liets her­aus­zu­fin­den. Gab es nicht doch Mit­wis­ser?

Eine Be­am­tin hat sich mit den Spie­len be­schäf­tigt: »Im We­sent­li­chen spiel­te Herr Bal­liet Ego-Shoo­ter und Rol­len­spie­le.« Spiel­part­ner sei­en nicht be­kannt; »Chat­da­ten wer­den nur 14 Tage ge­spei­chert.«

»Wel­che Kennt­nis­se habe Sie dar­über, wie bei Steam Spiel­ver­läu­fe ge­spei­chert wer­den?«, fragt Rechts­an­wäl­tin Kati Lang. »Kei­ne Kennt­nis­se«, sagt die Be­am­tin, »da­für gibt es Ex­per­ten beim BKA.« – »Ha­ben Sie mal auf Steam ein Spiel ge­spielt?« Die Be­am­tin ver­neint: »Ich bin kein Ga­mer.«

Lang hakt nach: »Das BKA hat Sie, die kei­ne Ah­nung von Ga­ming und Steam hat, da­mit be­auf­tragt, die Aus­wer­tung vor­zu­neh­men?« Die Frau zö­gert mit ih­rer Ant­wort: »Ja.« Ein an­de­rer Be­am­ter hat sich das Image­board 4chan an­ge­se­hen. Ob es da eine Mo­dera­to­ren­funk­ti­on gebe? Weiß er nicht. Wer dazu Nä­he­res mit­tei­len könn­te? Weiß er auch nicht.

»Wenn Sie ei­nen in­ter­netaf­fi­nen 18-Jäh­ri­gen dran­ge­setzt hät­ten«, em­pört sich An­walt Da­vid Herr­mann, »hät­te der mehr raus­ge­kriegt. Ich bin maß­los ent­täuscht und ent­setzt über die man­geln­de Kom­pe­tenz beim BKA.« Ober­staats­an­walt Ste­fan Schmidt re­agiert ge­reizt: Für das Straf­maß sei­en die­se Fra­gen egal. [….]

(Beate Lakotta, SPIEGEL 07.11.2020)

Das ist das Ergebnis von Jahrzehnten CDU-geführten Innenministerien und konservativer Polizeiführung.

Offensichtlich wurde seit dem NSU nichts gelernt.

Erbärmlich.

Es wäre schön, wenn sich Kevin Kühnert als aufstrebender Toppolitiker mit dem Totalversagen deutscher Behörden wie des BKAs beschäftigt, statt antimuslimische Ressentiments zu schüren.

Freitag, 13. November 2020

Es war doch alles schlecht.

Die große Missbrauchsstudie des Erzbistums Köln, durchgeführt von der renommierten Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl (WSW) führte zu einem Ergebnis, das die langjährigen Kirchenfürsten in keinem guten Licht darstellte.

Kardinäle, Bischöfe, Generalvikare, die das massenhafte Kinderficken ermöglicht, akzeptiert und sogar durch Verschickung der bekanntermaßen pädosexuellen Priester förderten wollte der aktuelle Metropolit der Kirchenprovinz aber um jeden Preis schützen. Auch im Jahr 2020 gilt für den reichsten Kardinal außerhalb Roms die katholische Maxime „Täterschutz geht vor Mitleid mit den Opfern“.

Und so warf sich Woelki auch diesmal sofort in die Bresche für die Kinderficker.

[…..] Nachdem Kardinal Woelki aber tolldreist den Missbrauchsopfern seines Sprengels mit voller Wucht in den Rücken trat, weil er lieber die ehemaligen Kardinäle Höffner und Meisner, sowie den Hamburger Erzbischof Heße schützt, fiel auch dem SZ-Mann nichts mehr ein, um seine Kirchenfürsten zu verteidigen.

[…..] Selbst wenn im Text des Kölner Missbrauchsberichts nicht jeder Satz gelungen sein sollte - der Versuch, die Erkenntnisse zum systematischen Versagen der Leitung des katholischen Erzbistums im Umgang mit Fällen von sexueller Gewalt unter Verschluss zu halten, ist falsch. Die Art und Weise, wie dies gerade geschieht, macht ihn zur Katastrophe. […..]  Aus dem furchtlosen Aufklärer im Bischofsamt ist innerhalb eines halben Jahres der verzagte Hirte geworden, der - statt um die Wahrheit zu ringen - die verstorbenen Kardinäle Joseph Höffner und Joachim Meisner schützt, ihre noch lebenden Generalvikare und Personalchefs, von denen einer heute Erzbischof von Hamburg ist, Stefan Heße. Es hat das alte System gesiegt. […..] Wieder einmal sind die Betroffenen der sexuellen Gewalt die Opfer. Den Betroffenenbeirat des Erzbistums über den Tisch zu ziehen und ihn ein Gutachten kritisieren zu lassen, das er selber nicht kennt, war eine infame Aktion. Man sollte die Mitglieder das weggesperrte Gutachten lesen lassen - und sehen, welche Meinung sich diese dann bilden. [……]

(Matthias Drobinski, 02.11.2020)

Willkommen auf der dunklen Seite der Macht, Herr SZ-Redakteur!
„Infame Aktion“ – endlich eine gute Wortwahl. [……]

(Den toten Gaul reiten, 02.11.2020)

Dieselbe Münchener Kanzlei WSW arbeitete auch an einer ähnlichen Untersuchung für Kölns kleines Suffragan-Bistum Aachen.

Das Ergebnis war das zu Erwartende; wie in jedem katholischen Bistum, hatten Priester systematisch und ungehindert vor allem kleine Jungen vergewaltigt und sexuell gequält.

[…..] Die Gutachter fanden bei ihren Recherchen Hinweise auf 175 Missbrauchsopfer im Bistum Aachen bis 2019, die meisten davon Jungen, besonders aus der Altersgruppe der Acht- bis 14-Jährigen. In mehreren Fällen seien Priester, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht und teilweise dafür Haftstrafen abgesessen hätten, wieder in Gemeinden eingesetzt worden. Dort hätten sie dann teilweise erneut Kinder missbraucht.   Für die Reaktion der Bistumsführung auf die Missbrauchsfälle sehen die Gutachter "systemische Ursachen". [….]

(DPA, 12.11.2020)

Ungewöhnlich am Fall Aachen ist allerdings, daß Bischof Dr. Helmut Dieser und Generalvikar Dr. Andreas Frick im Gegensatz zu ihrem Vorgesetzten Woelki das Gutachten annahmen und veröffentlichten, obwohl deren bischöflichen Vorgänger darüber nicht glücklich waren.

Dieser beschreitet ganz neue Wege, indem er erstmals die Wünsche der Opfer der priesterlichen Päderasten über die der Täter stellte.

Woelki hatte die Prioritäten noch genau anders herum gesetzt.

[…..] Sie erheben schwere Vorwürfe gegen die früheren Aachener Bischöfe Johannes Pohlschneider, Klaus Hemmerle und Heinrich Mussinghoff sowie gegen die Generalvikare Karlheinz Collas und Manfred von Holtum. Heinrich Mussinghoff, 80, und Manfred von Holtum, 76, sind die einzigen noch lebenden der im Gutachten belasteten Personen.   Es geht in dem Gutachten um Aachen - und um viel mehr. Es geht um die Frage, wie die katholische Kirche in Deutschland das Handeln und Unterlassen ihrer Bischöfe und Generalvikare bei Missbrauchsfällen aufklären und bewerten soll. Die Kanzlei WSW betont, dass sie nicht nur rechtliche und kirchenrechtliche Aspekte bewerten will, sondern vor allem, ob der Umgang mit den Betroffenen des Missbrauchs dem kirchlichen Selbstverständnis entspricht. […..] Aus den Aachener Bistumsakten der Jahre 1965 bis 2019 identifizierten die Anwälte 81 beschuldigte Kleriker. Anhand von 14 Fallbeispielen haben sie das Handeln der Verantwortlichen exemplarisch rekonstruiert. Das habe sich "primär am Täterschutz" ausgerichtet. "Bis zum Jahr 2010 sind in den Akten nahezu keinerlei Bemühungen des Bistums zu entnehmen, auf die Opfer aktiv seelsorgerisch zuzugehen", heißt es, und: "Demgegenüber ist das Verhalten der Bistumsleitung häufig von einer kaum noch nachvollziehbaren Zuwendung zu den Tätern geprägt." [……]

(SZ, 12.11.2020)

Es mussten nur ein paar Millionen Kirchenmitglieder austreten und zwanzig Jahre die Kinderfickerförderung der RKK in der internationalen Presse angeprangert werden bis nun doch immerhin ein Bischof auf die Idee kam die Angelegenheit auch einmal aus der Perspektive anzusehen.

[…..]  Skandale mussten um jeden Preis vermieden werden, auch wenn dafür mal ein Kirchenzeitungs-Chefredakteur gemaßregelt wurde. Problem-Priester wurden einfach versetzt, ins Nachbarbistum, ins Ausland, wo sie weitere Taten begingen. Der Bund der Brüder schützte sie. Es schützte sie die Unfähigkeit ihrer Vorgesetzten, über Sexualität zu reden. Es schützte sie der Irrglaube, dass die Kirche heilig, rein und unbeschmutzt bleiben müsse. Persönliche Fehler? Keinesfalls! […..]

(Matthias Drobinski, 12.11.2020)

Altbischof Mussinghof ist allerdings entsetzt. Der Mann kann als tiefgläubiger Katholik ins schon mal ganz bestimmt nicht: Reue empfinden.

Ja, das ein paar Hundert Kinder von seinen Priestern  vergewaltigt wurden und er das ermöglichte wäre nicht unbedingt schön, aber sicher auch nicht sein Schuld. Und überhaupt wäre doch nicht alles schlecht gewesen in der RKK, nur weil innerhalb ihrer Strukturen weltweit Zigtausende Kinder sexuell missbraucht, Millionen zu Brei geprügelt, psychisch zerstört, in den Selbstmord getrieben, kastriert (in Belgien) und finanziell ausgenutzt wurden.

[…..] Das sind keine neuen Erkenntnisse. Neu ist, dass die Münchner Anwälte Fehler und Versäumnisse mit konkreten Namen und Gesichtern verbinden. Liest man die Antwort von Bischof Mussinghoff - es ist ein Gebot der Fairness, sie mitzuveröffentlichen -, dann endet hier seine Akzeptanz. Ja, es gab Fehler, so war die Zeit. Aber ich persönlich? Keinesfalls!   Der Aachener Bischof [Missinghof] war nicht schlechter als seine Amtsbrüder. […..] Er durchbrach aber nicht das System, ihm fehlte der Mut dazu. Dass er bis heute keinen Fehler zugeben kann, zeigt, wie stark dieses System noch ist. […..] Geht das nicht freundlicher? Mit mehr Distanz? Warum berücksichtigt ihr nicht die Zeitumstände? Es war doch nicht alles schlecht! […..]

(Matthias Drobinski, 12.11.2020)

Doch Missinghof.

Was (unter anderem auch) in Deinem Bistum vorkam, ist eben nicht zu entschuldigen.

In so einer Kirche ist alles schlecht.

Donnerstag, 12. November 2020

Das rechte Auge

Als Antinatalist, Atheist und Humanist sind mir aller drei großen abrahamitischen Religionen gleichermaßen unsympathisch.

Alle drei propagieren in dieser total überbevölkerten Welt das Kindermachen, alle drei diskriminieren Teile der Bevölkerung (Frauen, Schwule, Kinder,..) und alle drei frönen der „Wir sind besser als die“-Ideologie, die sie ermächtigt gewalttätig gegenüber Un- oder Andersgläubigen zu sein.

Das Judentum ist mir etwas sympathischer als der Islam oder das Christentum, weil sie wenigstens nicht missionieren.

Betrachtet man die gesamte Geschichte der abrahamitischen Religionen, war das Christentum die tödlichste und kriminellste von den dreien.

Christen waren die längste Zeit zutiefst intolerant, haben generalstabsmäßig Nicht-Christen getötet, Pogrome inszeniert, Genozide durchgeführt.

Die historischen Kalifate in Bagdad und Konstantinopel, ließen ebenso wie die muslimischen Mauren während ihrer Jahrhunderte langen Herrschaft in Spanien Toleranz walten, duldeten auch Christen und Juden unter ihnen, profitierten vom Kultur-Mix.

Es ist nur den muslimischen Gelehrten zu verdanken, daß antike Schriften überliefert sind.

Im finsteren Mittelalter vernichteten Christen 1.000 Jahre lang alles, das ihnen als unchristlich erschien, während Muslime die Wissenschaft und auch Kulturgüter anderer Religionen achteten.

Da Juden sich nicht wie ihre Muslimischen und Christlichen Vettern 2000 Jahre mit gewalttätigen Missionierungsmaßnahmen beschäftigten, gab es immer viel weniger Juden. Sie waren vor der Gründung des Staates Israel überall nur eine Minderheit und insofern ohnehin zu Toleranz und zur Co-Existenz mit anderen Religionen gezwungen.

In den Kalifaten mit Sitz in Bagdad und Konstantinopel, denen Abu Bakr al-Baghdadi nun nacheifert wurde erheblich liberaler geherrscht, als es der IS jetzt tut. Und natürlich auch erheblich liberaler, als es Christliche Herrscher der Zeit taten.

Es gab bei Hofe berühmte schwule Dichter, jüdische Minister und Christliche Gelehrte. Deswegen haben wir ja jetzt in Syrien, Irak und Ägypten Millionen Christen!

 […] Mehr als 750 Jahre ist es her, dass zuletzt ein Kalif am Tigris regierte. […] Das Leben am Hofe der Kalifen von Bagdad hatte nur wenig gemein mit dem, was die Dschihadisten unter einer islamischen Ordnung verstehen. Die Hauptstadt des Reichs war jahrhundertelang nicht nur das Zentrum der Wissenschaften und Künste, sondern auch ein Sündenbabel.   Viele Kalifen, in deren Fußstapfen nun die ISIS-Terroristen treten wollen, liebten den Wein und junge Männer. Und sie beschäftigten Hofpoeten, die das ausschweifende Leben am Tigris-Ufer in Verse packten. Der bekannteste Dichter jener Zeit war Abu Nuwas, der Ende des achten, Anfang des neunten Jahrhunderts zu Zeiten des legendären Kalifen Harun al-Raschid lebte und ein enger Vertrauter des Herrschers war. Er verfasste viele Wein- und Liebesgedichte, zumeist in homoerotischer Form. […] Der Sohn von Harun al-Raschid und Nachfolger auf dem Kalifenthron, al-Amin, trieb es noch bunter. Laut den Überlieferungen der Hofschreiber unterhielt er einen ganzen Harem mit jungen Männern und ließ allabendlich Eunuchen für sich tanzen und singen. […] Alkohol und Glücksspiel waren keineswegs nur das Privileg der reichen Oberschicht. Auch das gemeine Volk zog es in Trinkhäuser und Cafés, in denen es Wein tranken und Backgammon spielte.   Jenseits dieser Ausschweifungen war Bagdad im achten und neunten Jahrhundert unter den Kalifen die Welthauptstadt für Astrologen und Mediziner, Philosophen und Mathematiker. Christliche und Jüdische Wissenschaftler hatten daran entscheidenden Anteil. Und die Stadt war nicht zuletzt Austragungsort erhitzter innerislamischer Debatten über den Koran. […]

 (Christoph Sydow, 22.06.2014)

„Der Islam“ war tolerant und duldete nicht nur Andersgläubige, sondern fühlte sich verpflichtet sie aus Gastfreundschaft zu schützen.

Das berühmteste Beispiel dafür ist sicherlich die Maurische Hochkultur in Spanien, als unter Islamischer Kontrolle Wissenschaft und Kunst aufblühten, weil Christen und Juden akzeptiert waren. Dadurch konnten sich im schönsten Multikulti die Wissenschaften gegenseitig befruchten. Daher waren Astronomie, Mathematik und Medizin in Islamischen Herrschaftsbereich Jahrhunderte vor dem Christentum in Nordeuropa.

Die iberische Halbinsel erlebte in den sieben Jahrhunderten maurischer Herrschaft eine beispiellose kulturelle Blüte, bevor mit Isabella der Katholischen alles zerschlagen wurde, Inquisition und Judenverfolgung das Bild bestimmten.
Blüte ist durchaus wörtlich zu verstehen - die islamischen Einwanderer hatten nämlich auch den Blumentopf erfunden und brachten bunte Pflanzen nach Spanien. Sie legten Gärten an.
Ebenfalls aus Arabien importiert wurde die Gitarre - man stelle sich den Flamenco ohne Gitarren und bunte Stoffe vor - so sähe er wohl heute aus, wenn Spanien nur unter Christlichen Einfluss gestanden hätte.

Weitere heute nicht mehr wegzudenkende islamische Errungenschaften sind:
Mehrstöckige Architektur, Burgenbau, Liedgut, Farbige Stoffe, Zuckerrohranbau, Schulwesen, Übernahme der Papierproduktion aus China, Brieftaubenkommunikation, Schach, Kristallglas, golddurchwirkte Stoffe, Muster.

Im 11. Jahrhundert sind Arabische Erfindungen z.B. Uhren, Messgeräte, Hebegeräte und Energiespender, Linsen für Fernrohre und andere optische, astronomische und medizinische Instrumente und Geräte.

Die Christen sind beleidigt, ob ihrer eigenen Doofheit.

Die Araber brachten eine derartige Hochkultur hervor, daß die wissenschaftsfeindlichen Christen im Vatikan dies als eine Bedrohung ansahen, auf die sie mit Gewalt reagierten.

Die Kirche fängt an, Forschung mit arabischen Grundlagen zu verbieten und lässt Forscher deswegen in den Kerker werfen oder sogar mit dem Tod bestrafen.
Die Kirche beginnt ihre Weltzensur gegen die überlegene islamische Lebensweise und technische Entwicklung.

500 Jahre Krise nannte Sebastian Schoepp seine feuilletonistische Analyse dieses destruktiven Christlichen Debakels in Spanien.

(Eviva Espana Teil II – 07.06.2012)

Unglücklicherweise gerieten die sunnitischen Herrscher im Arabien des 18. Jahrhunderts in große ökonomische Schwierigkeiten und ließen sich in ihrer Not auf Ibn Abd al-Wahhab (1702; gestorben 1792) ein.

Der Gelehrte führte Missernten und Unglücke auf eine zu lasche Auslegung des Korans zurück und propagierte eine totalitär-fundamentalistische Auslegung des Islams, die er zusammen mit dem späteren Königshaus Saud in praktische Politik umsetzte.

Wahabitische Muslime sind allerdings sehr viel intoleranter als ihre Vorgänger über viele Jahrhunderte.

Im Christentum hingegen entglitt den Kirchenfürsten im 19. Jahrhundert die totale Kontrolle. Die Aufklärung begann, Wissenschaftler und Künstler der christlichen Welt versuchten zunehmend unabhängig von den Fesseln ihrer Kleriker zu werden.

Alle aufklärerischen Gedanken, die Menschenrechte, jeder gesellschaftliche Fortschritt – Frauenrechte, Kinderrechte, Schwulenrechte, etc pp – mussten gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Kirche über 200 Jahre erkämpft werden.

Dier Kampf ist keineswegs zu Ende; auch im 21. Jahrhundert sind es die christlichen Politiker und Kirchen, die sich vehement gegen die gleichen Rechte für alle Menschen stemmen, gegen PID und Sterbehilfe wettern, in Polen die Abtreibung verbieten, in den USA gay marriage verbieten wollen.

Unter Liberalen und Säkularen des Jahres 2020 stellt sich oft die Frage „wie hältst du es mit dem Islam?“

Rechte politische Gruppen werfen den Linken routinemäßig Islam-Appeasement vor, man solle sich stärker distanzieren.

Interessanterweise stehen die organisierten Christen in säkularen Ländern eher auf der Seite ihrer muslimischen Erzfeinde, gegen die sie einst Jahrhunderte Kreuzzüge organisierten.

Als sich in Deutschland des Jahres 2012 die Mehrheit der Parlamentarier über die UN-Kinderrechtscharta hinwegsetzte und es aus religiösen Gründen erlaubte Kleinstkindern körperliche Gewalt anzutun, stellten sich die christlichen Kirchen nicht etwa an die Seite der Opfer – zumal Christen keine Beschneidungspflicht kennen – sondern hielten 100%ig zu Muslimen und Juden, weil es gemeinsam gegen Humanisten und Atheisten ging.

Ich benötige keine Entscheidungshilfe, wenn es darum geht den Islam zu kritisieren.

(…..) Ich lehne alle Religionen ab. Aber ich räume den polytheistischen Lehren grundsätzlich ein größeres Maß an Toleranz ein, als den monotheistischen Extra-Ecclesiam-Nulla-Salus-Lehren ein.

Der spezifisch destruktive Kern der abrahamitischen Religionen liegt ja gerade in ihrem exkludierenden Geist.

"Wir sind besser als die“ zum Dogma erhoben, muss zu dem Unfrieden und Krieg führen, den wir auch tatsächlich als Dauerzustand erleben seit Pharao Echnaton, der von 1353–1336 v. Chr. regierte, das erste mal erklärte es gäbe nur einen Gott, nämlich Aton und damit alle anderen zum Abschuss freigab.

Christentum, Islam und Judentum sind für mich die unangenehmsten Religionen.

Von den Dreien klammere ich aber oft das Judentum aus, weil es wenigstens auf den brutalsten Aspekt, die Missionierung verzichtet.

Juden sind nie losgezogen, um sich ganze Kontinente untertan zu machen, Völker zu versklaven, Genozide anzuzetteln.

Juden werfen keine Ungläubigen auf Scheiterhaufen, halten keine Auto Dafés ab, führen keine Inquisitionen durch, ziehen nicht zu Kreuzzügen los, um über 200 Jahre ganze Landstriche leerzumetzeln. (……)

(Verteidigung einer Religion, 21.04.2018)

Ich fühle mich von Kevin Kühnerts Opportunismus, Populismus und historischer Unwissenheit belästigt, wenn er als SPD-Topfunktionär auf einmal Islamophobie von seinen Parteigenossen verlangt.

[…..] Insbesondere die politische Linke sollte ihr unangenehm auffälliges Schweigen beenden. Nicht, weil sie von rechts mit durchschaubaren Argumenten dafür kritisiert wird. Sie muss das Wort erheben, weil es auch und insbesondere ihre proklamierten Werte sind, die bei ausnahmslos jedem Terroranschlag mit Füßen getreten, mit Messern erdolcht und mit Sprengsätzen in die Luft gejagt werden. […..]

 (Kevin Kühnert, 21.10.2020)

Tumbe Pauschalisierungen und allgemeine religiöse Unkenntnis der ganz üblen Sorte breitete Kühnert mit seinem viel kritisierten Essay aus.

Ja, es herrscht mehr politische Toleranz in Deutschland, als in Saudi Arabien; das zu bestreiten wäre absurd.

Aber das ist nicht das Verdienst der Christen, sondern der Atheisten, die mühsam diese Toleranz erkämpften.

Es waren fast ausschließlich Christen, die Mitte des 20. Jahrhunderts sechs Millionen Juden umbrachten.

Da ich in einem christlich geprägten Land lebe, kehre ich natürlich vor meiner Haustür und uns kritisieren zwar auch, aber nicht so häufig die Religionen, die in anderen Weltgegenden dominieren.

Ich bin aber anders als Rechte (und Kevin Kühnert) in der Lage zwischen Gläubigen und ihrer Religion zu unterscheiden.

Die streng katholische Portugiesin, die im Pflegeheim nebenan das Essen serviert, meine sehr fromme katholische Tante in New York, mein muslimischer iranischer Zahnarzt, Mohammed aus meinem Zeitungskiosk – sie alle sind großartige, liebevolle Menschen, die ich jederzeit gegen alle Anfeindungen verteidige, obwohl ich allen vier Fällen Ihre Religion und ihren Glauben total ablehne.

Das ist aber das Wesen des Humanismus, auch Andersgläubige genauso zu ehren.

Es bleibt mein Ziel die organisierten Religionen der Welt allesamt zurück zu drängen.

[….] Solange nämlich Religioten das Sagen auf unserem Planeten haben - und das haben sie leider, Mensch sei’s geklagt, in vielen Teilen der Welt -, sind alle Versuche, das Zusammenleben der Menschen vernünftiger, freier, gerechter zu gestalten, notwendigerweise zum Scheitern verurteilt. (Denken Sie nur an die muslimischen Extremisten in Somalia, die 2011 dringend benötigte internationale Hilfe für die hungernde Bevölkerung nicht zuließen.) Versuchen wir also angesichts der Bedeutung dieses Phänomens eine kurze Definition des religiotischen Syndroms:
Religiotie ist eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Sie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht.

 Bemerkenswert ist, dass sich Religiotie nicht notwendigerweise in einem generell reduzierten IQ niederschlägt: Religioten sind zwar weltanschaulich zu stark behindert, um die offensichtlichen Absurditäten ihres Glaubens zu erkennen, auf technischem oder strategischem Gebiet können sie jedoch (siehe Osama bin Laden) hochintelligent sein. Wie es „Inselbegabungen“ gibt (geistig behinderte oder autistische Menschen mit überwältigenden mathematischen oder künstlerischen Fähigkeiten), so gibt es offensichtlich auch „Inselverarmungen“ (normal oder gar hochintelligente Menschen, die in weltanschaulicher Hinsicht völlig debil sind).

Religiotie sollte daher als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu erfassen. [….]

(Keine Macht den Doofen, s.42f)

Ich werde mich nicht an einem Wettbewerb um die schlimmsten Fanatiker-Terroristen nach Religion beteiligen.

Jeder religiöse Fanatismus ist gleichermaßen zu verachten.

Aber ich befürchte, Herr Kühnert wird sich sehr wundern wie sein antimuslimischer Vorstoß wegkommt, wenn er außer den Alice-Weidelschen „Messermännern“ alle weißen christlichen Attentäter in seine Überlegung einbezieht.

Die stellen nämlich die quantitativ größere Bedrohung dar:
Christchurch 2019, Utøya 2011, El Paso 2019, Parkland 2018, Las Vegas 2017.

Betrachtet mal alle Opfer des Terrorismus weltweit, ist eins klar: Muslime stellen die mit Abstand größte Gruppe unter den Opfern. Herr Kühnert.

Mittwoch, 11. November 2020

Hysterisches Lachen als Notwehr.

Neun Tage nach der US-Wahl kann ich langsam CNN nicht mehr ertragen.

Die beiden durchaus hartgesottenen Jungs Chris Cuomo und Don Lemon von der Abendschicht rangen ob der stündlichen NEW LOWS aus dem Trump-Dunstkreis nach Worten.

In seinem Eingangsstatement Don’s Take fehlten dem Profi-Talker so sehr die Vokabeln, daß er immer wieder hilflos lachend ein „Come on!“ in die Kamera seufzte.

Was soll man auch anderes machen mit einem Präsidenten, der so offensichtlich psychisch schwer krank ist?

[…..] Trump ist ein gefährlicher Mensch, und er ist ein psychisch gestörtes Individuum: ein chronischer Lügner, ein Narzisst, ein Größenwahnsinniger. Und das meine ich medizinisch, nicht parteipolitisch. Das ist gefährlich, wir wissen, dass Individuen den Lauf der Geschichte auf katastrophale Weise verändern können. Trump ist ein solcher Mann, eine sehr dunkle und verzerrte Persönlichkeit. Glauben Sie mir: Ich bin 66, ich weiß, dass wir früher schlechte Regierungen hatten. Ich habe Nixon durchlebt, ich habe George W. Bush durchlebt, zwei schreckliche Präsidenten. Trump ist eine Klasse für sich. […..]

(Ökonom Prof. Jeffrey Sachs 10.11.2020)

Die Absurdität wird noch dadurch übertroffen, daß Trump mit seiner Kampagne gegen das demokratische Wahlergebnis in Wirklichkeit manisch Geld einsammelt, um sich die Taschen zufüllen.

Trump ist aber nicht nur psychisch schwer gestört und bösartig, sondern auch so rücksichtslos, daß er durch seine demonstrative Blockade Bidens eine tödliche Gefahr für die USA, die nun über 200.000 neue Corona-Infektionen und 1.600 Covid19-Tote an einem Tag aufweist.

Dem gewählten 46. Präsidenten der USA, dem er die Geldmittel für Büros und Computer verweigert, dem er den Kontakt zu den Ministerien blockiert und dem er insbesondere den Zugang zu den Geheimdienst-Informationen verwehrt, so daß sich die zukünftige Administration nicht auf Gefahren gegen die USA vorbereiten kann.

IQ45 ist zwar alt und geschlagen, aber er ist wie ein verwundeter Alpha-Löwe noch so gefährlich, daß immerhin 49 von 53 republikanischen US-Senatoren sich so sehr in die Hose machen, daß sie sich noch nicht mal trauen Joe Biden zum Sieg zu gratulieren. Trumps Macht schwindet, aber für neun Wochen ist er noch der mächtigste Mann der Welt, der entsprechend kräftig zubeißt, wenn man ihm den Weg kreuzt.

Als rein obstruktiver Menschen ist ihm der Gedanke persönlich zurück zu stecken und zum Wohle des ganzen Volkes Schmerzen zu ertragen vollkommen fremd.

Er agiert ausschließlich destruktiv.

Wie Hitlers Nero-Befehl im Angesicht des eigenen Endes, auch die gesamte Infrastruktur Deutschlands zu vernichten, so daß den Nachfolgenden nichts übrig bleibt, will auch Trump die Regierung und mit ihr die Demokratie in den folgenden Wochen bis zum 20.01.2021 so zerstören, daß für Biden nichts mehr übrig bleibt.

 […..] Donald Trump ist davon überzeugt, dass die Präsidentschaftswahl gefälscht wurde. Der Beweis: Er hat verloren. Dieses Ergebnis kann natürlich nicht auf legalem Wege zustande gekommen sein. Deswegen müssen all die vielen Wahlzettel, auf denen "Joseph R. Biden" angekreuzt wurde, "illegal" sein. […..] Man könnte das alles lächerlich finden. Trump hat offensichtlich keine Ahnung davon, wie Wahlen in den USA funktionieren und wie Wahlzettel ausgezählt werden. Er benimmt sich wie ein tobender Vierjähriger, dem Papa im Supermarkt keinen Schokoriegel gekauft hat. Aber weil Trump Präsident der USA und (zumindest rechtlich) volljährig ist, kann er gegen diese bodenlose Gemeinheit vor Gericht ziehen. […..] Doch die Lage ist zu gefährlich, um darüber zu lachen. Trump kann denken, was er will, das wird am Ende nicht verhindern, dass er das Präsidentenamt verliert und das Weiße Haus verlassen muss. Aber es ist eben längst nicht mehr nur der Präsident, der die Lüge von der gestohlenen Wahl verbreitet. Ein wesentlicher Teil der Republikaner macht dabei mit. Wollte man das schon erwähnte Beispiel noch einmal aufgreifen, dann ist die Lage so: Nicht nur ein Vierjähriger zetert an der Kasse, weil er keine Schokolade bekommt. Sondern die halbe Kundschaft im Laden wirft sich mit ihm auf den Boden und heult.   […..]  Jeder Republikaner, der diese Lüge befördert oder toleriert, untergräbt das Vertrauen in Amerikas Wahlen. So sterben Demokratien. [….]

(Hubert Wetzel, 11.11.2020)

Eiin probates Mittel, um der nachfolgenden Administration die Arbeitsgrundlage zu entziehen und Amerikas Feinde groß zu machen, ist der Hochverrat.

Trump, der schon ganz am Anfang seiner Amtszeit den russischen Außenminister und Botschafter bei sich empfing und mit seinem Wissen prahlend sensibelste Staatsgeheimnisse ausplauderte, könnte nun erneut hochgeheime Operationen ausplaudern.

In seinem manischen Kampf gegen Biden, würde dies nämlich die Position der zukünftigen Verhandlungspartner des 46. US-Präsidenten stärken.

Allerdings könnte dieses Vorhaben an Trumps dreister Faulheit und seiner legendär kurzen attention span von unter 30 Sekunden scheitern.

Das für alle bisherigen Präsidenten obligatorische tägliche Geheimdienstbriefing hörte sich der orange Wüterich zuletzt Anfang Oktober an und so lange merken kann sich der senile Depp ohnehin nichts.

[…..] Als US-Präsident hat Donald Trump Zugang zu einigen der bestgehüteten Geheimnisse der USA. Er kennt die Protokolle für den Abschuss von Atomwaffen, weiß, mit welchen geheimen Methoden die USA Freunde und Feinde aushorchen und ist über die Entwicklung modernster Waffensysteme informiert. […..] In US-Sicherheitskreisen wächst nun eine Sorge: Was, wenn ein Ex-Präsident Trump plötzlich anfängt, Staatsgeheimnisse auf Twitter oder anderswo zu verbreiten? Die Befürchtung: Trump könnte versuchen, sich an den vermeintlichen Hintermännern jenes "Deep State" zu rächen, die sich in seiner Vorstellung gegen ihn verschworen und ihn um seinen Wahlsieg betrogen haben. Außerdem hat er hohe Schulden. Nun warnen hochrangige aktive und ehemalige Beamte und Sicherheitsexperten vor Trump als Sicherheitsrisiko.  "Jeder, der unzufrieden oder verärgert ist, läuft Gefahr, Verschlusssachen preiszugeben", sagte David Priess der Washington Post. […..] Schon während seiner Amtszeit hat Trump immer wieder Informationen offengelegt, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Um zu prahlen, politische Gegner anzugreifen oder um fremde Regierungen unter Druck zu setzen. […..]   Manche Experten hoffen nun, dass Trump bei seinen Briefings schlicht unaufmerksam war. "Ein sachkundiger und informierter Präsident mit Trumps Persönlichkeitsmerkmalen wäre eine Katastrophe", sagte Jack Goldsmith, Mitautor von "After Trump: Reconstructing the Presidency", der "Washington Post". "Die einzige Rettung ist, dass er nicht aufgepasst hat."   Schon zu Beginn der Amtszeit hatte es Berichte gegeben, wonach der Präsident in Briefings kaum zugehört und anscheinend nur darauf gewartet habe, endlich selbst reden zu dürfen. Immer wieder hieß es zudem, dass Trump nur ungern lese, sich nicht mit Akten befasse und Memos ignoriere. Berichten zufolge hat Trump bis zuletzt kein echtes Verständnis für die Funktionsweise des Sicherheitsapparats gewonnen. […..]

(Spon, 11.11.2020)

Als Amerikaner sollte ich also dankbar sein, daß Trump zu doof ist, um sein Zerstörungswerk noch schlimmer zu machen. Er versteht die Verfassung nicht und kann sich nichts länger als eine Minute merken.

Dienstag, 10. November 2020

Negative Vorbildfunktion

Wenn der mächtigste Mann der Welt alle Umgangsformen ignoriert, auf Diplomatie pfeift, lügt wie gedruckt und vier Jahre damit durchkommt Demokratie und Gewaltenteilung zu unterminieren, ist es wenig verwunderlich, daß ihn die kleineren Trumps in Ungarn, Polen, Brasilien, England und der Türkei imitieren. Egomane, rechtspopulistische Autokraten regieren zwar deutlich schlechter als echte Demokraten, wie eine aktuelle Studie beweist, aber sie kleben länger an der Macht.

[…..] Drei deutsche Wissenschaftler haben die politischen und ökonomischen Resultate von mehr als 100 Jahren Populismus erforscht. Die Bilanz ist verheerend.  […..] Trump hat die Praxis übernommen, wie er vieles von den Demagogen aus dem Süden abgekupfert hat: die Berufung auf das einfache Volk, die Tiraden gegen das Establishment, die Verklärung der nationalen Vergangenheit. "Trump ist so etwas wie die Quersumme des modernen Populismus", sagt Christoph Trebesch, Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft.   Der Mann muss es wissen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Manuel Funke und dem Bonner Wirtschaftswissenschaftler Moritz Schularick hat er die politischen und ökonomischen Resultate von mehr als hundert Jahren Populismus erforscht. Jener Bewegung also, die behauptet, die Interessen des kleinen Mannes gegen eine ausbeuterische Elite durchzusetzen. […..] Mehr als 70 populistische Regierungsperioden in 27 Ländern haben die Forscher unter die Lupe genommen, Tausende Daten zu Wachstum und Einkommensverteilung analysiert sowie fast 800 wissenschaftliche Studien ausgewertet. […..] Obwohl die populistischen Regenten meist lang anhaltende ökonomische Schäden hinterließen, waren sie politisch oft überdurchschnittlich erfolgreich. Vielfach konnten sie ihre Gegner für Jahre ausmanövrieren, eine zumeist fanatische Anhängerschaft hinter sich scharen und ganzen Regionen ihren Stempel aufdrücken. "In vielen Ländern ist der Populismus inzwischen endemisch geworden", sagt Studienautor Schularick. "Er ist keine Episode, die sich von selbst erledigt." [……]

(Michael Sauga, 23.10.2020)

Mike Pompeo, McConnell, Graham, Cruz, Kayleigh McEnany und Trump kleben nicht nur lügend und hetzend und demokratiezerstörend an der Macht, weil sie glauben den Amtsantritt Joe Bidens endgültig verhindern zu können, sondern weil sie wissen, daß sie bereits 75% der republikanischen Wähler – immerhin 71 Millionen US-Amerikaner – vollkommen der Realität entrissen zu haben.

Diese Leute glauben das Märchen von der „gestohlenen Wahl“, werden darüber nur zu noch fanatischen Unterstützern der radikalen Rechten und sichern somit den genannten Politikern auch zukünftig ihre Posten.

Trump mag aus dem Oval Office fliegen, aber der Trumpismus bleibt. 90 Millionen Menschen werden weiterhin seinen Twitter-Terrorismus folgen; er wird nach Belieben die GOP personell dominieren und alle Kameras/Mikrofone der rechten Medien werden weiterhin auf ihn halten.

Erst jetzt, eine Wochen nachdem Joe Biden zum nächsten US-Präsidenten gewählt wurde, wagen es die großen amerikanischen Sender auch mal die gefährlichsten und demokratiezersetzenden Hetzattacken von Trumps Nazi-Barbie McEnany NICHT zu übertragen.

Warum ist das nicht schon vor vier Jahren geschehen?

Das demokratische Kind ist längst tief in den dunklen Brunnen gestürzt.

Viel zu lange haben sich die (noch) demokratischen Regierungen des Westens klein gemacht und vor der toxischen Trump-Administration gebuckelt.

Die Ausrede für derartig erbärmliches Verhalten ist moralisch untragbar, aber leicht zu verstehen: Die pure finanzielle, ökonomische und militärische Macht der USA.
Niemand kann ohne schwere Konsequenzen gegen den Unheimlichen Freund jenseits des Atlantiks aufstehen.

Aber das entschuldigt noch lange nicht, daß die Friedensnobelpreisträgerin EU vor den rechtspopulistischen Möchtegern-Autokraten Osteuropas kuscht und achselzuckend hinnimmt, wie in Polen, Tschechien oder Ungarn Demokratie, Pressefreiheit und unabhängige Justiz ausgehebelt werden.

Frauenrechte, Meinungsfreiheit, Schutz von LGBTI-Personen sind für uns, die EU und insbesondere Ursula von der Leyen offensichtlich verzichtbar.

Bloßer Ballast, auf den man auch verzichten kann.

Der Mini-Trump vom Bosporus tanzt besonders frech auf den EU-Grundwerten umher – während er genau wie seine geistigen Klone in Prag, Budapest und Warschau die Hände aufhält und Brüssel brav Milliarden überweist.

[…..] Selbst viele Muslime wundern sich, dass Erdoğan die Grundregeln des Islam, wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Bescheidenheit, völlig ignoriert und eine sehr aggressive Politik betreibt. Sowohl gegenüber Opponenten und Andersdenkenden im Inland, als auch nach außen. Wobei er Konfliktherde wie im Mittelmeer und im Kaukasus schafft und schürt, um seine Macht innenpolitisch zu stabilisieren. […..] Von der Bundesregierung wird der türkische Präsident mit Samthandschuhen angefasst, das beeinflusst auch die deutschen Medien. Die zeigen wenig Interesse an den Menschenrechtsverletzungen und Verfolgungen in der Türkei. Und die Kritik der Merkel-Regierung bleibt sehr verhalten – obwohl das Land inzwischen eines der größten Gefängnisse für Journalisten ist. In wenigen Fällen, wo Frau Merkel, Macron oder Trump entschlossen interveniert haben, kamen die Gefangenen auch frei. […..]

(Publizist Osman Okkan, 26.10.2020)

Erdoğan kann nun sogar rund um die Türkei Kriege anfangen, in Bergkarabach mitmarschieren, das EU-Mitglied Griechenland bedrohen, eine ganze Region militärisch entflammen und Merkel liefert ihm devot auch noch die Waffen dafür!

[….] „Mit der von Aserbaidschan gewünschten Stationierung türkischer Truppen im Südkaukasus würde die Waffenhilfe des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für die Autokraten-Familie Alijew mit Kampfdrohnen und islamistischen Kampfgruppen geradezu belohnt. Erdogans Entsendung islamistischer Söldner aus Syrien und Libyen nach Aserbaidschan bleibt eine stete Gefahr für die Sicherheit in ganz Europa. Der türkische Präsident ist kein ‚Peacekeeper‘, sondern ein Terrorpate.“ […..]

(Sevim Dagdelen, DIE LINKE, 10.11.20)

Angela Merkel, die ihr politisches Handeln von christlichen Werten leiten lässt, wie sie so gern betont, hat genau wie ihr christlicher Wirtschaftsminister erkannt, daß man am besten mit Waffengeschäften verdient, wenn diese auch benutzt werden.

Und so liefert Deutschland für den sich abzeichnenden Flotten-Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei hochmoderne Kriegs-U-Boote an beide Seiten gleichzeitig.

[…..] Während die Türkei im Erdgasstreit im Mittelmeer den EU-Staaten Griechenland und Zypern offen mit Krieg droht, beteiligt sich die deutsche Rüstungsindustrie weiter an der Aufrüstung der türkischen Marine. Seit dem Machtantritt der AKP, der Partei des türkischen Präsidenten Erdogan, im Jahr 2002 wurden Rüstungsexporte an die türkischen Marine im Wert von 522 Millionen genehmigt, teilte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage von mir mit.  Unter den genehmigten Exporten für den Bau, die Bewaffnung oder die technische Ausrüstung von Kriegsschiffen sind sechs U-Boote der Klasse 214, die in der Türkei unter maßgeblicher Beteiligung von ThyssenKrupp Marine Systems montiert und mit sogenannten Hermes-Bürgschaften durch die Bundesregierung finanziell abgesichert werden. In anderen Worten: Deutsche Steuergelder müssen herhalten, um Deals mit Autokraten über die Bühne zu bringen – damit muss Schluss sein!   Nach wie vor genehmigt die Bundesregierung die Ausfuhr von Rüstungsgütern in die Türkei – obwohl diese bei völkerrechtswidrigen Militäroperationen wie in Libyen oder gegen Griechenland oder Zypern zum Einsatz kommen könnten. […..] Die Bundesregierung […..] lässt die EU-Partner Griechenland und Zypern gnadenlos im Regen stehen. […..] Wer wie Kanzlerin Merkel und Außenminister Maas weiter Waffen an die Türkei liefert, sollte das Wort europäische Solidarität nicht mehr in den Mund nehmen. Jede Waffe an den Aggressor Erdogan ist eine zu viel. Mit seinen neo-osmanischen Großmachtfantasien gefährdet der Autokrat Frieden und Sicherheit in Europa. Dass Deutschland diese expansive Politik auch noch mit Waffen ermöglicht und befördert, ist ein Skandal. […..]

(Sevim Dagdelen, 10. November 2020)

Montag, 9. November 2020

Die Geldschlacht.

Amerikanische Wahlkämpfe sind die mit Abstand teuersten der Welt.

2020 stellte aber selbst für US-Verhältnisse alles bisher Dagewesene in den Schatten. Dieses Wahljahr verschlang erstmals nicht nur einen zehnstelligen, sondern sogar einen elfstelligen Dollar-Betrag.

[….] Fest steht, dass die aktuellen US-Wahlen die teuersten in der Geschichte werden. Das unabhängige Center for Responsive Politics (CRP) schätzt aufgrund seiner Datenbank Opensecrets, dass beide Parteien 11 Milliarden Dollar für die Wahlen ausgeben werden. Das ist ein gewaltiger Anstieg gegenüber 2016, als die Ausgaben auf 6,5 Milliarden Dollar beziffert wurden. […..]

(Alan Cassidy, 29.10.2020)

Es ist in den USA so teuer in ein politisches Amt gewählt zu werden, daß die Abhängigkeit von reichen Spendern entsprechend groß ist.

Das viele Geld ist aber insbesondere für die Demokraten in den republikanisch regierten Südstaaten wichtig, weil sich dort der gesamte politische Apparat der „voter suppression“ verschrieben hat und mit geradezu aberwitzigen Methoden, Arme, Schwarze und Ungebildete von den Urnen ferngehalten werden.

Es braucht hoch effektive Wahlkämpfer mit teuren Organisationen wie Stacey Abrams‘ „Fair Fight Action“, die es in Georgia geschafft hat gegen den erbitterten Widerstand des eisernen Trump-Fans und Gouverneurs Brian Kemp rund 800.000 meist schwarze Wähler registrieren zu lassen und ihnen die Stimmabgabe zu ermöglichen.

800.000 Stimmen, die die Republikaner mit allen Mitteln von den Wahlen ausschließen wollten.

Die Yale-Absolventin Abrams hatte 2018 bei den Gouverneurswahlen nur 30.000 Stimmen hinter dem Corona-Leugner und Rassisten Kemp gelegen. Statt an den die weißen Republikaner dreist bevorzugenden Verhältnissen zu verzweifeln, verwendete sie die folgenden zwei Jahre ihre gesamte Energie dafür nun auch Schwarzen die Stimmabgabe zu ermöglichen.

Sie hatte Erfolg, denn durch ihr Engagement gewann Joe Biden letzten Dienstag die Mehrheit in der bisherigen republikanischen Hochburg.

[…..] Voting is the bedrock on which our community’s future and your ambitions are built.  From illegal voter purges to hundreds of poll closures to four-hour lines, Georgia voters have faced a sophisticated, but hauntingly familiar, attack on their right to vote. Hundreds of thousands of voters were affected by poor election management and systematic voter suppression, crippling Georgia’s democracy.  Fair Fight is Fighting Back. [……]

(Fair Fight)

Völlig zu Recht wurde die 46-Jährige Abrams so zu einem Star der demokratischen Partei und vermutlich wird Biden sie dafür mit einem Ministeramt belohnen.

Fair Fight ist ein gutes Beispiel dafür wie viel Geld und viel Hollywood-Prominenz segensreich wirken können.

Ohne die enormen finanziellen Mittel, die Abrams auftrieb wäre Bidens Wahlerfolg in Georgia nicht möglich gewesen.

Geld allein reicht aber auch nicht; es ist nicht leicht so viel Geld sinnvoll auszugeben.

Die klassische extrem teure Radio- und TV-Werbung, die den politischen Gegner dämonisiert, ist offensichtlich nur sehr begrenzt effektiv.

Der nach Donald Trump moralisch verkommenste und widerlichste Politiker weltweit ist meiner Meinung Lindsey Graham, republikanischer Großlügner und Senator von South Carolina. Seine Heuchelei ist so unerträglich, daß sie eine Rekordspendenflut für seinen Gegenkandidaten, den schwarzen aufstrebenden Demokraten Jamie Harrison auslöste.

Er konnte allein im letzten Quartal vor der Wahl fast 60 Millionen Dollar Spenden nur für seinen Senatswahlkampf einsammeln.

Zudem fluteten liberale Portale wie das Lincoln Project, Meidas Touch oder Winslow-films den Staat mit beißenden Anti-Graham-Videos in den sozialen Medien.

Trumps eifrigster Arschlecker wurde von der schieren finanziellen Übermacht der Demokraten so sehr in Furcht versetzt, daß er jammernd in der erbärmlichsten Weise bei FOX und Geld bettelte.

Aber Lindsey hatte sich ganz umsonst auf nationaler Bühne erniedrigt. South Carolina ist so stramm rechts und rassistisch, daß er gegen den schwarzen Harrison bequem mit 55% zu 44% siegte.

Nachdem nun elf Milliarden Dollar für die Wahl Joe Bidens verprasst wurden, sind die Kassen der Parteien nicht etwa leer.

Nein, für die Nachwahl der beiden demokratischen Senatorenposten, die beim Stand von 50:48 für die GOP das Patt und damit den Vorteil für Biden bringen könnten (Harris‘ Stimme entscheidet bei einem Patt), werden noch einmal 500 Millionen Dollar in den nächsten Wochen auf den Kopf gehauen.

Wie es der Teufel will, führt ein aberwitziges Zusammentreffen kurioser Umstände dazu, daß beide Sitze in Stacey Abrams Georgia vergeben werden.

Normalerweise werden nicht beide US-Senatorenposten eines Staates im selben Jahr bestimmt und normalerweise fallen die Entscheidungen am Tage der US-Präsidentenwahl mit relativer Mehrheit.

Aber nicht in diesen beiden Fällen.

[…..] Der Sitz des republikanischen Senators David Perdue steht nach sechs Jahren regulär zur Neuwahl an. Den anderen Sitz aber hat der bisherige republikanische Amtsinhaber, Senator Johnny Isakson, aus gesundheitlichen Gründen 2019 vorzeitig geräumt. Als Nachfolgerin ernannte der Gouverneur von Georgia die Republikanerin Kelly Loeffler bis zum nächsten Wahltermin, also diesen November. Deshalb stand da die Nachwahl des Postens für den Rest der Amtsperiode bis zum Jahr 2022 an.   Jetzt kommt allerdings das Wahlrecht des Bundesstaates ins Spiel. Bei Nachwahlen gibt es nicht, wie sonst üblich, Vorwahlen. Alle Kandidaten stehen im November zur Wahl. Die beiden Bestplatzierten qualifizieren sich für eine Stichwahl, die am "Dienstag der neunten Woche nach der Wahl" stattfinden muss, so das Wahlgesetz. Das ist in diesem Fall eben der 5. Januar 2021. Die Republikanerin Loeffler trifft auf den Demokraten Raphael Warnock. Der andere, regulär zu besetzende Sitz im Senat muss diesmal ebenfalls per Stichwahl entschieden werden. Auch dafür sorgt das Wahlrecht von Georgia. Wenn kein Kandidat auf Anhieb 50-plus Prozent der Stimmen erringt, muss es einen Stichentscheid geben. Also treten erneut der Republikaner Perdue, der die 50-Prozent-Marke knapp verfehlt hat, und der Demokrat Jon Ossoff an. Die Stichentscheid-Regelung stammt aus den Sechzigerjahren. Sie war ursprünglich eingeführt worden, um den Einfluss der Schwarzen auf die Wahl zu beschränken. Damals ging man davon aus, dass ein schwarzer Kandidat niemals gegen die Stimmen der Weißen die 50-Prozent-Hürde überwinden könnte. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese Regelung zu einem Instrument entwickelt, mit der konservative Republikaner die Demokraten von Posten fernhalten konnten. Nach Recherchen des unabhängigen Wahlanalyse-Dienstes "Inside Elections" haben seit den Neunzigerjahren die Demokraten nur eine von insgesamt sieben Stichwahlen in Georgia für sich entscheiden können. […..]

(Reymer Klüver, 09.11.2020)

Natürlich trieft das Wahlrecht Georgias vor Rassismus; die Stichwahl Anfang Januar wird in Erwartung des Amtsantritts des neuen Präsidenten am 20.01. gern vergessen; die schwarzen Wähler sind aufgrund der enormen Schikanen, denen sie bei der Wahlregistrierung unterliegen kaum zur Urne zu bekommen.

Und so kann der zutiefst rassistische rechtsextreme Perdue eigentlich mit dem Gewinn des Mandats rechnen.

Er lag auch am 03.11.2020 mit 2,46 Millionen Stimmen (49,7%) vor Ossoff mit 2,37 Millionen Stimmen (47,9%).

Allerdings weist Perdue eine verheerende menschenfeindliche Bilanz auf und Job Ossoff ist ein intelligenter Beau, der sich furchtlos und eloquent auszudrücken weiß.

Im zweiten Rennen lag Demokrat Warnock mit 1,6 Millionen Stimmen (32,9%) vor Loffler mit 1,3 Millionen Stimmen (25,9%).

Sollte auch nur ein Republikaner gewählt werden, ist es aus mit den Gestaltungsmöglichkeiten des 46. US-Präsidenten Biden.

Moscow-Mitch McConnell könnte wie bisher jede demokratische Initiative aus dem House und erst recht jeden Personalvorschlag aus dem Weißen Haus blockieren. Es gibt keinen Zweifel, daß der erzreaktionäre korrupte Kerl aus Kentucky auch genau das weiterhin tun würde. Ihm ist das Wohlergehen des Landes und seiner Bürger vollkommen gleichgültig. Nur deswegen blockierte er bisher die Corona-Hilfen für das darbenden amerikanische Volk: Auf keinen Fall sollte der Wirtschaft und den Menschen geholfen werden, wenn dies mit einer Biden-Harris-Präsidentschaft zusammenfiele.

Lieber lässt er die amerikanische Nation zu Grunde gehen, bevor er einem Demokraten einen Erfolg gönnt.

Mit Stacey Adams‘ Organisation und 500 Millionen Dollar sollte es allerdings theoretisch möglich sein den Menschen in Georgia zu verdeutlichen, daß das Wohl und Wehe der nächsten Regierung nur von ihren Stimmen abhängt; daß Binden/Harris nur dann effektiv regieren können, wenn Ossoff und Warnock gewinnen.

Die Strukturen im erzkonservativen Georgia stehen auf republikanisch.

Aber wer weiß, was sehr viel Geld ausrichtet…