Montag, 2. Oktober 2017

It’s a beautiful day!



Heute knallen wieder einmal die Sektkorken.
Trumps Versprechen die amerikanische Wirtschaft kräftig anzukurbeln geht in Erfüllung.

 (….) It's a beautiful day
Sky falls, you feel like
It's a beautiful day
Don't let it get away
You're on the road
But you've got no destination
You're in the mud
In the maze of her imagination
You love this town
Even if that doesn't ring true
You've been all over
And it's been all over you
It's a beautiful day
Don't let it get away
It's a beautiful day (…)

Die US-Waffenproduzenten und Händler können ihre Gewinne steigern.
Zu verdanken haben sie das dem Werbeprofi Stephen Paddock.


[….]  Nach dem Massenmord in Las Vegas steigen an der Börse die Werte von US-Waffenherstellern. Anleger gehen wohl davon aus, dass nun noch mehr Pistolen und Gewehre gekauft werden.
Die Aktien von US-Waffenherstellern sind nach dem Massenmord von Las Vegas gestiegen. Smith & Wesson-Hersteller American Outdoor Brands legte bei der Börseneröffnung in New York um mehr als drei Prozent zu. Sturm Ruger & Co sowie Vista Outdoor gewannen mehr als drei beziehungsweise mehr als zwei Prozent.  [….]

Eins muss man diesen dummerhaften Opfern des "Route 91 Country Music Harvest Festival" heute ins Stammbuch schreiben; wie konnten sie so unverantwortlich handeln und ohne mindestens drei Assault Rifles pro Person zu einem Konzert gehen?
Bei  rund 22.000 Menschen in der Schusslinie hätten simultan zu der ersten Paddock-Salve 44.000 Maschinengewehre das Hotel Mandalay Bay Casino unter Feuer nehmen müssen.
Dann hätte es noch ein gemütlicher ruhiger Abend werden können.
Mass-Shootings können immer nur passieren, wenn zu wenige Leute bewaffnet sind. Jedes Kind muss bewaffnet sein.

Jedes Jahr sterben in den USA etwa 30.000 Menschen durch Schusswaffen. Doch die Waffenlobby und eine tief verwurzelte Kultur der zivilen Aufrüstung verhindern schärfere Gesetze - ein unerklärter Bürgerkrieg.


Und gerade in Las Vegas hätte man ganz besonders stark armiert sein müssen,da der kommunistische Staat Nevada mit 48 zu 46% für die satanische Hillary gestimmt hatte. Die Nevadanesen stellten sich gegen Gottes Liebling Trump. Und nun respektieren sie nicht mal die amerikanische Nationalhymne und knien dabei.
Gott mag das gar nicht und muß solche Typen strafen. Sonst stünde er vor seinen Gottes-Kollegen als Lusche da.

[….] “Violence in the streets, ladies and gentlemen. Why is it happening?” he asked. “The fact that we have disrespect for authority; there is profound disrespect for our president, all across this nation they say terrible things about him. It’s in the news, it’s in other places. There is disrespect now for our national anthem, disrespect for our veterans, disrespect for the institutions of our government, disrespect for the court system. All the way up and down the line, disrespect.”
“Until there is biblical authority,” Robertson continued, “there has to be some controlling authority in our society and there is none. And when there is no vision of God, the people run amok … and we have taken from the American people the vision of God, the whole idea of reward and punishment, an ultimate judge of all our actions, we’ve taken that away. When there is no vision of God, the people run amok.” [….]


Wenn nur nicht diese widerlichen linksradikalen Hollywood-Typen wären, die nun nach „Gun Control“ schreien.
An Trump, dem größten Waffenfan der Welt, werden sie sich aber die Zähne ausbeißen.
Aber zum Glück gibt es genügend richtige Amerikaner, also Trump-Wähler, die diesen amerikahassenden Kommunisten die Wahrheit sagen.








Sonntag, 1. Oktober 2017

Impudenz des Monats September 2017


Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Abgesehen von Trump, der alle anderen mit Bösartigkeit und Dummheit übertrifft gab es für mich im September ein ganz großes politisches Ärgernis.

Die Impudenz des Monats ist für mich das offenbar bis tief in die roten und grünen Parteien hineingerutschte Verständnis dafür die AfD zu wählen.

Alle Bundestagsparteien nehmen offenbar die 13% der Wähler, also gerade mal 5.877.094 Menschen, die 9,5% der Wahlberechtigten und 7,2% der Deutschen entsprechen ernster als 93% der Bevölkerung, die nicht AfD wählten.

AfDler sind laut und unangenehm. Aber aus demokratischer Sicht sind sie eine eher kleine Minderheit.

[….] Über eine Mehrheit, in Baldwins Sinne, verfügt, wer beeinflussen kann wie oder worüber gesprochen wird, welche Formen des Umgangs miteinander, welche Praktiken und Überzeugungen als normal gelten.
Über eine Mehrheit verfügt derjenige, der bestimmt, worüber gesprochen wird
Vielleicht ist das die beunruhigendste Fehlentwicklung der vergangenen Jahre: die eklatante Diskrepanz zwischen der realen, numerischen Größe der AfD und ihrem Einfluss darauf, wie wir miteinander umgehen und welche Sprache, welche Überzeugungen (wieder) als normal oder akzeptabel gelten können. Wann immer von Krise der Repräsentation gesprochen wurde, galt es als ausgemacht, dass damit die fehlende Aufmerksamkeit für die Wütenden gemeint sei. Es war eines der wiederkehrenden dramaturgischen Elemente der Erzählung der Rechten, dass sie sich als nicht ausreichend wahrgenommen behaupteten.
Nach den Wahlen stellt sich nun stattdessen die Frage, ob sich die Krise der Repräsentation nicht vielmehr darin zeigt, dass diejenigen, welche die überwältigende Mehrheit stellen, nicht ausreichend beachtet werden; dass diejenigen ignoriert werden, die ihre politischen Interessen, ihre sozialen Nöte, ihre demokratischen Sehnsüchte eben nicht in lautes Ressentiment und Rassismus umgewandelt sehen wollen; dass nicht zuletzt diejenigen nicht adäquat repräsentiert werden, die von diesen völkischen Fantasien der Rechten bedroht sind, jeden Tag, weil sie anders aussehen oder heißen, anders glauben oder anders lieben, als es der nationalistischen Minderheit gefällt.
Vielleicht ist dies die traurigste Fehlentwicklung der vergangenen Jahre: dass die demokratische Mehrheit der 87 Prozent sich ohnmächtig fühlt im Angesicht einer sich radikalisierenden Minderheit, die mit ihrer Taktik der Disruption und Enttabuisierung jede ernsthafte Auseinandersetzung unterläuft. [….]

Es wundert mich nicht mehr wenn CDU- und CSU-Politiker nun der AfD hinterherlaufen wollen, obwohl gerade die Landesverbände, die das am stärksten taten die größten Verluste hinnehmen mußten.

Es bleibt eine numerische Absurdität, wenn die Bundestagsparteien ausgerechnet einer schrillen rechten Minderheit als Impulsgeber empfinden und die gewaltige Mehrheit derjenigen, die nicht AfD wählten weniger in den Fokus nehmen.

Noch problematischer ist es aber, daß mit der Themensetzung der AfD eine rassistisch-xenophobe Gruppe aus einer Nebenrealität als regulärer politischer Wettbewerber aufgewertet wird. Es handelt sich aber bei AfD-Positionen nicht um Varianten von Steuer- oder Gesundheitskonzeptionen, sondern um prinzipielle Menschenfeindlichkeit, die auch noch im außerordentlich unangenehmen Gewand daher kommt.


Ich sehe nicht nur keine Notwendigkeit sich die Positionen dieser HAU-AB-Kreischer zu eigen zu machen, ich verlange von demokratischen Politikern, daß sie kontinuierlich gegen das Pack argumentieren.

Politiker wie Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht sind Enabler, wenn sie auf die soziale Konkurrenz von Flüchtlingen und deutschen Geringverdienern verweisen.
Sie sind moralisch auf dem Holzweg, wenn sie aus diesem konstruierten Gegeneinander den Schluss ziehen die lästige soziale Flüchtlingskonkurrenz auszusperren und abzuschieben.
Sie folgen einer verwerflichen Ethik, weil sie suggerieren, es wäre natürlich Menschen zu hassen und bösartigen Xenophoben nachzulaufen, wenn man um die Höhe seines HartzIV-Satzes fürchtet.

[….] Der Schlüssel für diese mangelnde Unterstützung durch diejenigen, die sich am unteren Ende der Einkommensskala befinden, ist die verfehlte „Flüchtlingspolitik“. [….]  Die soziale Gerechtigkeit verpflichtet dazu, denen zu helfen, die darauf am meisten angewiesen sind. Man darf die Lasten der Zuwanderung über verschärfte Konkurrenz im Niedriglohnsektor, steigende Mieten in Stadtteilen mit preiswertem Wohnraum und zunehmende Schwierigkeiten in Schulen mit wachsendem Anteil von Schülern mit mangelnden Sprachkenntnissen nicht vor allem denen aufbürden, die ohnehin bereits die Verlierer der steigenden Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen sind. Die Erfahrung in Europa lehrt: Wenn diese Menschen sich nicht mehr durch linke bzw. sozialdemokratische Parteien vertreten fühlen, wählen sie in zunehmendem Maße rechte Parteien.
[….] Nur eine Minderheit schafft es, mehrere Tausend Euro aufzubringen, mit denen man Schlepper bezahlen kann, um nach Europa und vorwiegend nach Deutschland zu kommen. [….] Man hilft unstreitig viel mehr Menschen, wenn man die Milliarden, die ein Staat ausgibt, um das Schicksal der Ärmsten dieser Welt zu verbessern, dazu verwendet, das Leben in den Lagern zu erleichtern und Hunger und Krankheit in den Armutsgebieten zu bekämpfen. [….]
Eine linke Partei darf bei der Hilfe für Menschen in Not das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit nicht außer Kraft setzen. Und bei den innerparteilichen Auseinandersetzungen hilft ein Blick auf die Wahlergebnisse. Wer bei Arbeitern und Arbeitslosen so wenig Unterstützung findet (und das war 2009 noch anders!), muss endlich darüber nachdenken, woran das liegt. [….]

Und als direkte Antwort:

Ich bin seit vielen Jahren arbeitslos, lebe von Hartz 4 und bin aufgrund gesundheitlicher Einschränkung auch nicht mehr voll arbeitsfähig und somit kaum vermittelbar fürs Jobcenter! Und ich lasse mich von Ihnen nicht als Spielball missbrauchen von Ihrer flüchtlingsfeindlichen Stänkerei! Ich lasse mich nicht gegen Flüchtlinge ausspielen, merken Sie sich das Herr Lafontaine!

Lafontaine leistete sich keinen einmaligen Ausrutscher; er ist Wiederholungstäter.

Schon 2005 in Chemnitz verwendete er Nazi-Vokabular und sprach von FREMDARBEITERN.

2007 trieb Lafontaine es soweit, daß die NPD ihre Gemeinsamkeiten betonte.

Beim Thema schnelle, brutale Abschiebungen übertrifft er CSU und AfD.

Unglücklicherweise deklamiert Sahra Wagenknecht auch manchmal AfD-Sprech, seit sie Lafontaine heiratete. Früher kamen ihre keine rechten Trigger über die Lippen.

Lafontaine will möglichst viele Flüchtlinge rauswerfen, um sich bei den AfD-Wählern anzubiedern. Ich halte das für hochgradig verwerflich.

Wenn nun auch Andrea Nahles vereint mit Andreas Scheuer, Alexander Gauland und Oskar Lafontaine einen „härteren Kurs gegen Flüchtlinge“ fordert, trifft sie hiermit meine entschiedene Verachtung.
Shame on you, Nahles!

Der fundamentale Unterschied zwischen Sympathisanten linker und rechter Ideologie ist, daß die einen sich mit den Schwachen solidarisieren und mit ihnen gegen die Starken kämpfen, während die anderen auf die Schwachen einprügeln und die Mächtigen stärken.

Wenn einer wie Trump mustergültige rechte Politik betreibt, also Billionen Dollar in die Portemonnaies von Millionären umleitet und täglich Schwarze, Transgender, Ausländer, Schwule und Hurrikanopfer beschimpft, erwarte ich von „Linken“, daß sie sich dem vehement entgegenstellen und nicht etwa die Ressentiments aufnehmen, indem sie überlegen, ob nicht Schwarze tatsächlich stinken und Schwule nicht doch weggesperrt werden könnten.

Wer in Deutschland sehr wenig verdient und eine zu kleine Wohnung hat, sollte sich als Linker mit Flüchtlingen schon deswegen solidarisieren, weil sie beide im selben Boot sitzen und gemeinsam stärker sind.

Wer als finanziell schwacher Nachbar von Heimatvertriebenen aber Verständnis für Brandanschläge äußert, Bernd Höckes rassistischen Thesen applaudiert und einen AfD-Spitzenkandidaten wählt, der stolz auf den Vernichtungskrieg der Wehrmacht ist und Türkischstämmige „nach Anatolien entsorgen“ will, der fürchtet nicht „soziale Konkurrenz“, sondern ist ein riesengroßes Arschloch.

Aus grundsätzlichen moralischen Überlegungen kann ich ohnehin nicht nachvollziehen, wieso jemand, der rein zufällig in einem reichen Land ohne Krieg geboren wurde für immer und ewig besser gestellt sein soll als jemand, der rein zufällig in einem armen Kriegsgebiet zur Welt kam. Beide haben daran keinen Verdienst. Willkürlich von Menschen gesetzte Grenzen können doch nicht ernsthaft noch im 21. Jahrhundert als Rechtfertigung dafür herhalten, daß wir Milliardenüberschüsse horten, während jenseits der Grenzen Myriaden Kinder verhungern.

Es ist aber noch dramatischer, denn wir sitzen nicht nur rein zufällig auf der reicheren Seite der Grenzen, sondern wir haben auch noch einen gehörigen Anteil daran, daß es denjenigen auf der anderen Seite schlecht geht. Wir profitieren finanziell von ihnen, exportieren Waffen, fischen Afrikanern die Meere leer, verkaufen unser Hühnerklein in Hungerländer.
Es gibt den humanitären Aspekt, die deutsche Vergangenheit, deutsche Mitverantwortung an den Migrationsursachen und außerdem die Unmöglichkeit Tausende Wasserleichen im Mittelmeer zu akzeptieren.

Nun ist es aber nicht nur unmoralisch aus einer finanziellen Konkurrenz zum Nazifreund zu werden, sondern es handelt sich ohnehin um einen Popanz.
Die Aufnahme von Flüchtlingen kommt zunächst einmal einem Konjunkturprogramm nahe. Es wird staatliches Geld ausgegeben. Dadurch entstehen Jobs, es wird gebaut, es wird Nachfrage generiert. Die konjunkturelle Belebung durch Migration ist in Deutschland durchaus messbar.
Und auf lange Sicht sind die Neubürger ohnehin ein Segen für das alternde Deutschland, welches jetzt schon viele ausgeschriebene Stellen nicht besetzen kann.

[….] Die Bundesagentur für Arbeit hält den deutschen Arbeitsmarkt für stark genug, um eine große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen zu können. "350.000 Flüchtlinge jährlich sind für den deutschen Arbeitsmarkt rein quantitativ derzeit kein Problem, denn jährlich entstehen rund 700.000 Arbeitsplätze neu", sagte BA-Vorstand Detlef Scheele der "Welt". Eine Konkurrenz zu arbeitslosen Deutschen sieht er im Regelfall nicht: "Dafür ist die Gruppe der Migranten zu klein." [….]

Auch wenn es anders wäre, würde ich mich klar für die Aufnahme von Heimatvertriebenen einsetzen; dafür gibt es die schon genannten zwingenden Gründe.
Hinzu kommt aber auch noch:
Flüchtlinge sind keine finanzielle Last, sondern kurz- und langfristig ein ökonomischer Segen.
Damit es auch ein AfD-Wähler kapiert, noch einmal simpel herunterformuliert:
Flüchtlinge nutzen mehr als sie kosten.

Samstag, 30. September 2017

Was man erwarten darf.



Aufgrund der lustigen Kritiken der Spon-Kolumnistin Anja Rützel über die neue RTL-II-Rammelshow „Love-Island“ sah ich mir letzte Woche eine der Folgen an.
Potzblitz; es ist in der TV-Unterhaltung wie in der amerikanischen Politik. Schlimmer geht immer.

[…..] Es geht um Besitz, um Macht, um Status, das ganze System der Bumsenomics, in dem Liebe ein notdürftig romantisch verbrämter Aktienmarkt ist. […..] Endlich hat man den Hamster, den man sich als Kind immer wünschte und nie bekam. Und zwar gleich ein ganzes Rudel dieser Tierchen, bei denen man nie so genau weiß, was im winzigen Oberstübchen hinter den blanken Knopfaugen so vor sich geht, wenn man sie jeden Abend bei ihren Kapriolen beobachtet. […..]

Auch wenn ich keine deutschen Shows und Soaps gucke, habe ich doch über Zweitverwertungskanäle wie Oliver Kalkofe in den letzten 20 Jahren eine umfassende Vorstellung von der Dummheit der C-Z-Promis entwickeln können.
Aber ich gebe zu, von dieser Love-Island-Bande überrascht zu sein; offensichtlich ist es doch möglich den bisherigen Niveau-Keller noch zu unterschreiten.

Was genau ist es aber, das mich an solchen Menschen so ungeheuer abstößt?
Es gab schließlich schon immer menschliche Abgründe. Kriminelle, Vergewaltiger, Soziopathen, Sadisten und Gewalttäter hat die Gattung Homo Sapiens immer hervorgebracht.
Wieso sollte man also geradezu physische Abscheu bei einem Dutzend der üblich operierten Busen-Blondis und Ganzkörper-rasierten Muskelboys empfinden?

Vermutlich liegt es daran, daß sie eine für mich besonders inkompatible Charaktereigenschaft bis zum Exzess ausleben: Selbstdarstellung.
Sie finden sich alle selbst so fabelhaft. Ihr ganzes Streben ist darauf ausgerichtet von möglichst vielen gesehen und bewundert zu werden. Manisch treibt es sie vor die Kamera. Sie sind immer schriller und lauter als die anderen.
Beim kleinsten Anlass, beispielsweise dem Eintreffen einer Textnachricht oder auch nur einem Blick in den Spiegel, kreischen sie kollektiv mit 120 Dezibel mit markerschütternden Stimmfarben, beginnen zu springen und die Arme hochzurecken.


Kleine Massai-Kinder lernen sich bei der Begegnung mit bestimmten Raubtieren eine möglichst großen Gegenstand wie einen Korb über den Kopf zu halten und laut zu schreien.
Sie wirken damit aus Sicht einer Hyäne größer und abschreckender.
So funktionieren auch die Bums-Island-Kreischfrauen auf RTL-II; man möchte wegrennen.

Ich bin so alt, daß ich noch der antiquierten Vorstellung anhänge, Stars oder Celebrities wären bekannt, weil sie über irgendeine besondere Fähigkeit verfügen. Ich fremdele noch mit der Erkenntnis, daß jede Nation nun über Tausende It-Girls und It-Boys verfügt, die rein gar nichts können, sondern einzig und allein penetrant um Aufmerksamkeit buhlen.

Ich mag Menschen mit den diametral entgegengesetzten Eigenschaften.
Bescheidene, zurückhaltende Typen, die zuhören können.
Leute, die eben nicht laut „ich, ich, ich“ brüllen. Kontemplative, Besonnene, die sich nicht radikal selbst überschätzen.

Es wäre aber dumm von mir Bücherwürmer und ernsthafte Denker in einer RTL-II-Kopulationsshow zu erwarten.

Das Medium Trash-TV erfordert notwendigerweise oberflächliche Kreischweiber und posierende Proleten-Kerle.
RTL-II & Co sind ihr natürliches Habitat, welches ich zum Glück weitgehend meiden kann. Niemand ist gezwungen sich die Zimmertemperatur-IQ-Parade anzusehen.

Anders liegt der Fall in der Politik.
Der Politik kann man nicht entgehen; wir brauchen Politiker.
Irgendeiner muß Bundeskanzler und US-Präsident sein.

Dort sähe ich ebenfalls gern sachorientierte, öffentlichkeitsscheue Personen, die nicht von persönlichem Ehrgeiz getrieben in die Talkshows pilgern.
Die parteitaktischen Spieler würde ich gern durch analytische Köpfe ersetzten.
Menschen, die nicht um Ansehen und Positionen buhlen, die nicht brutal die Ellenbogen ausfahren, andere mit Häme überschütten und stets ihren eigenen Vorteil suchen.

Es liegt aber in der Natur der Sache, nämlich unserer modernen Mediendemokratie, daß unscheinbare, nur am Allgemeinwohl interessierte und integre Personen es nicht in die vordere Reihe der Politik schaffen.

Als es noch kein Farb-TV gab, mußten Politiker nicht geschminkt werden und als die meisten Leute nur über Rundfunkempfänger verfügten, konnte ein Minister auch dick und häßlich sein.
Magenband-OP, Joggen, Personal-Trainer und persönliche Stylisten waren einmal irrelevant.
Durch Facebook, Twitter und Co muss ein Politiker auf der Karriereleiter viel Zeit aufwenden, um völlig unabhängig von seinen politischen Überzeugungen zu gefallen.
Ein Problem gründlich zu durchdenken und eine fundierte Lösungsstrategie zu präsentieren ist nicht möglich, wenn innerhalb von Minuten auf Ereignisse reagiert werden muss, weil man nach einer Stunden schon nicht mehr wahrgenommen wird.
Genau die Charaktereigenschaften, die mir sehr unangenehm sind, das Ellenbogen-Ausfahren im Ortsverein, das sich selbst anpreisen, muss man haben, um in die Parlamente zu kommen.
Dort muss man sich nun gegen hunderte Profi-Selbstdarsteller profilieren, um für wichtige Jobs infrage zu kommen.
Die Wähler mögen auch offensichtlich keine Unbekannten. Sie setzen nicht auf Sachthemen.
Mein arabischer Bäcker wählte mit der Erststimme CDU und mit der zweiten Stimme die FDP. Ich war entsetzt, als er mir das erzählte, weil ich weiß, daß er eher links tickt.
Auf meine Frage wieso er denn nicht SPD gewählt hätte, erklärte er, Schulz hätte ja keine Chance gehabt Kanzler zu werden, er wollte, daß seine Stimme zählt.
Merkel hingegen habe gute Chancen gehabt und Lindner sei doch jetzt wieder überall präsent.



Freitag, 29. September 2017

Rechte Ränder

Wenn europäische Länder, die schon einmal faschistische Diktaturen waren und daher die katastrophalen Folgen kennen, erneut neofaschistische Parteien wählen, zeugt das von größerer Dummerhaftigkeit, als wenn es sich um Frankreich oder Holland handelt.
Also Schande über Österreich, Schande über Italien, Schande über Deutschland.
Respekt und Bewunderung für die Spanier, die trotz gewaltiger Wirtschaftskrise, schwerer sozialer Verwerfungen und 50% Jugendarbeitslosigkeit überhaupt nicht rechtsradikal wählen.

Deutsche und Österreichische Geschichte lehrt, daß man in Krisenzeiten boomende rechtsradikale Strömungen eben nicht einhegen, umschmeicheln, kontrollieren kann.

Heinrich Brüning, konservativer Katholik, ehemaliger Reichskanzler, kooperierte immer mal mit der NSdAP, stimmte am 23. März 1933 sogar dem sogenannten Ermächtigungsgesetz zu.
Schon vorher dachte er, Adolf Hitler und die NSdAP würden schon vernünftig werden, wenn sie erst mal in einer Koalition mit der Zentrumspartei Verantwortung übernehmen müssten.
Ähnlich dachten die anderen konservativen Parteien, wie die Deutschnationale Volkspartei (DNVP).
Als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler Reichskanzler wird, gibt es im Kabinett mit Wilhelm Frick und Hermann Göring nur zwei weitere Nationalsozialisten. Eingehegt von die vielen anderen vernünftigen Ministern werde der Reichskanzler sich schon mäßigen, das erfordere das Amt.
Trixi Storchs Großpapi Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, vom 2. Juni 1932 bis zum 23. Mai 1945 Reichsminister der Finanzen, behauptete bis in die 1970er Jahre, er habe Schlimmeres verhindert.
Um „Schlimmeres zu verhindern“ hatte ja auch Papst Pius XII zu Judenverfolgung geschwiegen.
Im Umkehrschluss waren also sechs Millionen ermordete Juden, 60 Millionen Tote in Europa, 25 Millionen getötete Russen, der totale Zerstörung Europas oder die Ermordung von 20% der polnischen Bevölkerung gar nicht so schlimm. Hätte schlimmer kommen können.

Der Trugschluss ist offensichtlich.

Wenn man einem reaktionär tickenden politisch irrlichternden Bayern mit Vorliebe für großkarierte Anzüge und Horst Seehofers Schließmuskel, der sich für hanebüchenen Unsinn wie Herdprämie und Anti-Ausländermaut einsetzt, einen mächtigen Posten in der Deutschen Bundesregierung gibt, wird er dadurch eben nicht vernünftiger.

Wenn man einen orange-gesichtigen ungebildeten Rassisten mit Profilneurose und zwanghafter Koprolalie zum US-Präsidenten macht, wird dieser eben nicht auf wundersame Weise von Demut und Erkenntnis durchdrungen, sobald er im Oval Office sitzt.

Man darf also solche Typen keinesfalls enablen und schon gar nicht darf man sie kopieren.

Die beiden Landesregierungen, die jeweils im Osten und im Westen die rechteste Parolen grölten und weitgehend selbst wie die AfD klangen, generierten am 24.09.2017 sich selbst die schwersten Niederlagen und die größten AfD-Erfolge.

Offensichtlich kann man diese Erkenntnis auf die Europäische Ebene extrapolieren.
Unglücklicherweise sind auch unsere direkten südlichen Nachbarn borniert und Erkenntnis-resistent.

[….] In Österreich und der Schweiz lässt sich schon sehen, wie Rechtspopulisten Politik verändern. Und auch, dass ein Rechtsrutsch den anderen Parteien nicht hilft.
[….] Rund um Deutschland herum erzielen Rechtspopulisten schon lange zweistellige Ergebnisse - die Vorreiter finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft, in Österreich und in der Schweiz. In beiden Ländern lässt sich beobachten, wie es den Rechten gelungen ist, ganz nach oben zu kommen, in die Regierung, an die Spitze der Parteienlandschaft, gar zur treibenden politischen Kraft zu werden. [….] Unter [….] Heinz-Christian Strache erstarkte die Partei von neuem, befördert von der seit einem Jahrzehnt regierenden großen Koalition aus SPÖ und ÖVP. Diese Regierung steht in der öffentlichen Wahrnehmung für Stillstand. Die FPÖ dagegen konnte sich in der Opposition kostenlos als Kraft der Erneuerung profilieren. Bei der Präsidentenwahl scheiterte ihr Kandidat Norbert Hofer vor einem dreiviertel Jahr nur knapp in der Stichwahl. Um die FPÖ zu stoppen, ist den etablierten Parteien nur ein Mittel eingefallen: Sie haben sich die Themen der FPÖ einverleibt, vor allem in der Flüchtlingspolitik. Ein Rechtsruck ist die Folge, und nach der anstehenden Parlamentswahl am 15. Oktober hat die FPÖ sehr gute Chancen, wieder in der Regierung zu sitzen. Denn neben dem früheren Partner ÖVP schließen nun auch die Sozialdemokraten ein Bündnis mit den Rechten nicht mehr aus.
[….] In der Schweiz ist der Erfolg der Rechtskonservativen unter dem Medienunternehmer Christoph Blocher, 76, noch durchschlagender. [….] 50,3 Prozent der Schweizer stimmten mit Blocher gegen den Beitritt des Landes zum Europäischen Wirtschaftsraum. [….] Bis heute ist die ablehnende Haltung gegenüber Brüssel ein zentrales Element der SVP-Rhetorik. Die Europa-Frage zeigt gleichzeitig, wie einflussreich Blochers Themensetzung in der Schweiz war: Bis in die Linke hinein gibt es kaum Politiker, die einer Öffnung in Richtung Brüssel positiv gegenüber stehen.
An der Schweiz lässt sich nicht nur ablesen, wie Rechtspopulisten mit Vokabeln wie "Euroturbo", "Gutmenschen" und "Kuscheljustiz" die Debatte geprägt haben. Wer "vom Staat lebt", ob als Lehrer oder Beamter, muss sich heute in der Schweiz fast rechtfertigen. Auf ihre Stimmenverluste an Blocher und Co. reagierten die wirtschaftsliberale FDP und die wertkonservative CVP mit einer verhängnisvollen Strategie: Sie versuchten, die Wähler der SVP mit stramm konservativen Programmen zurückzuholen. Ohne Erfolg. [….]

Am dümmsten gerieren sich aber die deutschen Parteien.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea „Jetzt gibt es was auf die Fresse“ Nahles reitet auch schon auf der Seehofer-Welle.

[….] "Soziale Gerechtigkeit ist der politische Kern der Sozialdemokratie. Aber wenn die SPD Volkspartei sein will, muss sie bei anderen Themen ebenfalls Präsenz zeigen. Dies gilt auch für das Sicherheitsthema", sagt Nahles in einem Gespräch in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL.
Nötig sei eine bessere Integration all jener Einwanderer, die bereits in Deutschland lebten, fordert Nahles. "Aber wir sind nicht naiv. Wenn eine Million Menschen zu uns kommen, sind nicht alle nur nett. Und wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit harten Konsequenzen rechnen", so die Fraktionsvorsitzende.
Die Sozialdemokratin betont, dass aus ihrer Sicht auch Grenzschließungen im Zweifel nötig seien. "Ein Staat muss auch in der Lage sein, Staat zu sein", sagt Nahles. "Er ist eine regulierende, organisierende, ermöglichende, aber auch strafende und begrenzende Kraft. Wenn das infrage gestellt wird, dann geht das auf Dauer nicht gut. Aber diesen Punkt kann man nur europäisch lösen. Allein zu entscheiden, wir machen jetzt mal zu - das funktioniert nicht." [….]
(SPIEGEL, 29.09.17)

Sahra Wagenknechts Ehemann, der seit Jahren völkisch Angehauchtes von sich gibt, versucht nun noch mehr wie die AfD zu klingen und seine Partei auf xenophoben Kurs zu zwingen.

[….] Bei der Abstimmung am Sonntag hatte die Linke im Osten - ihrer Herzkammer - herbe Verluste einstecken müssen. Zwei Tage darauf hatte sich Lafontaine, einst Chef der Bundespartei, jetzt noch Fraktionsvorsitzender im Saarland, zu Wort gemeldet.
Der Schlüssel für die "mangelnde Unterstützung" bei den Einkommensschwachen, analysiert Lafontaine auf Facebook, "ist die verfehlte Flüchtlingspolitik". Alle Parteien im Bundestag, auch die Linke, hätten "bei ihren Antworten auf die weltweite Flüchtlingsproblematik das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit außer Kraft gesetzt".
Man dürfe "die Lasten der Zuwanderung über verschärfte Konkurrenz im Niedriglohnsektor, steigende Mieten in Stadtteilen mit preiswertem Wohnraum und zunehmende Schwierigkeiten in Schulen mit wachsendem Anteil von Schülern mit mangelnden Sprachkenntnissen nicht vor allem denen aufbürden, die ohnehin bereits die Verlierer der steigenden Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen sind". Man solle eher, so Lafontaine, den Menschen in den Herkunftsländern helfen.
[….] Es ist nicht das erste Mal, dass Lafontaine mit scharfen Parolen und einwanderungskritischen Tönen für Ärger sorgt. Bereits in der Vergangenheit hatte er etwa eine Begrenzung der Migration gefordert. [….]  "Die Flüchtlinge sind schwach, bei uns sogar die Schwächsten", schreibt Gysi. Sich gegen sie zu stellen, so der 69-Jährige, "verriete meines Erachtens unseren sozialen und humanistischen Ansatz".
Die Linke dürfe nicht "halbrechte Positionen" übernehmen, in der Hoffnung, "von mehr Arbeiterinnen, Arbeitern und Arbeitslosen gewählt zu werden". Wechselten die Partei "in dieser Frage unsere Politik", so Gysi, "bedeutete dies auch unser Ende als linke Partei". [….]

Wenn schon Teile der Linken und der SPD die AfD verbal nachahmen, muss man sich nicht wundern, daß die Unionsparteien gleich direkt mit der AfD kooperieren.
Wir kennen das ja schon aus Sachsen. Nun folgen weitere Länderverbände der CDU.

[….] Der Thüringer Landtag hat sich erneut mit der NSU-Mordserie befasst. Auf Antrag von Linken, SPD und Grünen stimmte das Parlament über den Bau einer Gedenkstätte und der Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die Opfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" ab. Beides wurde mit 45 Jastimmen beschlossen. Die 36 Gegenstimmen kamen von der CDU und AfD. [….]