Montag, 21. Juli 2014

Die Amis….Teil II


Nachdem ich mich in den letzten Wochen so sehr über die einseitige Putin-Verdammung der großen Medien geärgert habe, bin ich einer 3.500 Mann starken deutschen Putin-Freundesgruppe auf Facebook beigetreten.
Da lerne ich viel Neues.
Putin ist der liebste Mensch überhaupt, der sich danach sehnt Frieden zu schaffen, während die bösen Amis, bzw Obama, bzw die Zionisten und überhaupt die Juden dem armen russischen Präsidenten ständig verleumden.
Am MH17-Abschuss, der Krimkrise und den Unruhen in der Ostukraine ist natürlich auch ganz allein Obama Schuld.
Ja, es muß wirklich angenehm sein, wenn man ein so festes Weltbild hat und die Wurzel allen Übels so klar zuzuordnen ist.

S.F.:
 Kommt Obama zur Einsicht, dass der Happen "Ukraine" zu groß war? Oder ist er in Bedrängnis, dass die von ihm angekündigten Beweise eine Luftnummer sind, bzw. auf Falschinformationen beruhen?
Der EU vorschreiben, dass Sanktionen erforderlich sind, jedoch amerikanische Konzerne (z.B. Exxon) trotz Sanktionen mit Russland zusammen arbeiten.
Das Lügengebäude, welches gegen Russland aufgebaut wurde, bricht zusammen.

R.S.:
wann stoppt Putin endlich amerika ..eine atombombe reicht aus

J.W.:
Es ist den USA durchaus zuzutrauen, daß sie noch einige Flugzeuge abschießen! Wie schon von einigen Leuten hier erwähnt wurde: Es kann beim Flug MH17 keine Rakete gewesen sein, denn die hätte das Flugzeug in der Luft zerfetzt und verstreut und außerdem hätte man den Start einer Rakete vom Boden aus wahrnehmen müssen. Alles spricht also dafür, daß das Flugzeug von Bordkanonen eines Kampfjets beschossen und zum Absturz gebracht wurde. Es wurde ja auch beobachtet, daß das Passagierflugzeug von zwei Jets begleitet und offensichtlich zu einer leichten Kursänderung gezwungen wurde. Die Amis wissen es sicherlich, wie es war, wenn sie es nicht selber waren. Letzteres glaube ich eigentlich und es würde ihnen auch ähnlich sehen, nach 9/11 und vielen anderen False-Flag-Anschlägen.

G.L.:
 Jeder Mensch weiß das Verbrechen und Mord bei den Amis schon in der Schule auf den Lehrplan steht

W.K.:
Stoppt endlich diesen Obimbo !!

M.E.:
Du meinst stop den den "O bomba" W: ...und die Hitlery

F.R.
Kiew ist dem Mamon auf den Leim gegangen. Die gibt es in 12 Monaten alle nicht mehr. Kanonenfutter. Die müssen jetzt einfach schneller leben.
 (via Facebook 21.07.2014)

Damit ist der Beweis erbracht; auch in Deutschland wimmelt es von Teebeutlern. Und das ganz ohne FOX-News und Michele Bachmann.

Da ich auch ständig Amerika und insbesondere die US-Außenpolitik kritisiere, muß ich an dieser Stelle doch mal eine Lanze für die USA brechen.
Nicht hinter jeder Schweinerei, die auf der Welt passiert, steckt die CIA.

Und abgesehen davon, daß Pauschalisierungen immer falsch sind, so kann man doch für das derzeitige politische Klima in den USA festhalten, daß in beiden großen Parteien die Bereitschaft für militärische Abenteuer gering bis nicht existent ist. Natürlich gibt es diese irren Haudegen à la John McCain, die mit zunehmender Altersdemenz immer begieriger von US-Militärschlägen faseln, aber die Majorität der Amis auf der Straße hat dazu überhaupt keine Lust mehr.
Natürlich sind nicht alle Amerikaner schlecht.

Man vergesse mal nicht die ganzen Amis, die schon in Europa leben.
In den GWB-Jahren hat es einen regelrechten Exitus gegeben. Zehntausende (insbesondere Künstler etc) sind zum Beispiel nach Berlin gezogen, weil es da keine Zensur gibt und die Mieten superbillig sind. Da kann man Bilder malen mit Nippeln drauf und in der Öffentlichkeit rauchen. Für Amis ist das Freiheit pur.

Wir sind hier schon eine ganze Menge und uns dreht sich auch der Magen um, wenn wir an GWB oder den Irakkrieg denken.

Es dürfte unter den in Deutschland lebenden Amis auch kaum Republikaner geben. Ich war einmal hier auf einer Wahlparty (2008) - da war aber kein EINZIGER; der nicht George Bush total zum Kotzen fand.

IN Amerika selbst ist das natürlich etwas anders, weil große Teile der Bevölkerung unverhältnismäßig schlecht informiert sind und sich einfach nicht für den Rest der Welt interessieren. Die glauben, was ihnen FOXNews erzählt.

Aber ich bin überzeugt, daß wir das in Deutschland auch noch hinbekommen. Die freiwillige Verdummung (80% Zustimmung zu Merkel!!!) schreitet hier ja auch unaufhaltsam voran.
Es gibt mittlerweile 8 Millionen funktionale Analphabeten in Deutschland. 70.000 Teenager verlassen jedes Jahr die Schule ohne Abschluß und die BILD ist die beliebteste Zeitung.

Die Amis sind eben ein bißchen anders als die meisten Europäer. Sie leben ja auch auf einem anderen Kontinent mit einer anderen Geschichte.
Einiges, wie die Begeisterung für Waffen, Fastfood, Prüderie und Religiosität, kann man als Europäer schlecht verstehen.
Das stößt aus deutscher Perspektive eher ab.
Früher fand ich die grundsätzliche Skepsis der Amis gegen Washington, also die Bundesregierung sehr typisch. Inzwischen beobachte ich diese teabaggerige Verschwörungstheorie-Attitüde aber sowohl auf der linken, als auch auf der rechten Seite des deutschen Politischen Spektrums. Da werden jetzt auch ganz selbstverständlich ALLE Politiker als dumm und korrupt angesehen und generell der gesamten „Mainstreampresse“ misstraut.

Aber bei aller amerikanischen Heterogenität, gibt es auch viele typische Amerikanische Eigenschaften, die durchaus sympathisch sind.
Ich spreche da sicher nicht für JEDEN Amerikaner, aber nach meinem Eindruck sind Amis schon generell weniger miesepeterig. Wenn Du mit einem im Fahrstuhl stehst, hat der immer eine lockeren Spruch drauf und antwortet auf die Frage „Wie geht’s?“ bestimmt nicht mit „muß ja“, oder „kann nicht klagen“.
Amis sind eher nett und humorvoll im direkten Umgang. Und sie haben tatsächlich eine weit verbreitete Tatkraft und Hilfsbereitschaft.
Ich habe in den letzten Jahren mehrfach in meinem amerikanischen Familien- und Freundeskreis erlebt, daß jemand durch Naturkatastrophen  schwer mitgenommen wurde.
Ein Cousin verlor 2012 zB sein Haus an der Ostküste beim Hurrikane Sandy.
Das ganze Haus mit allem drum und dran war futsch.
Da wurde aber nicht einmal gejammert und innerhalb einer Woche waren aus den ganzen Staaten Freunde in Wohnwagen angereist, die geholfen haben wieder ein neues Haus zu bauen.
Die Anwaltskammer in NY hatte parallel einen kostenlosen Service eingerichtet, um die Verhandlungen mit den Versicherungen abzuwickeln.
Auch das wurde abgenommen und das Geld kam schnell an.
Das hat mich durchaus beeindruckt, wie schnell das alles klappte.
Und wenn ich mit denen telefonierte, gaben sie mir das Gefühl das wäre alles ein großer Spaß.
Klar hat das seine Kehrseiten. Bei den totalen Habenichtsen in New Orleans klappte das nicht so und nur weil die Amis immer einen lockeren Spruch drauf haben, bedeutet das nicht, daß es ihnen innerlich auch immer so toll geht.
Der „Jeder ist seines Glückes Schmid“-Gedanke, also der unbedingte Glaube daran, daß es jeder schaffen kann, ist noch sehr verbreitet in den USA. (Auch wenn das sicher nicht mehr für alle stimmt.)

Dieses individualistische Selbstverständnis führt andererseits zu Exzessen, die ich auf ganzer Linie verdamme.
Dazu ein Beispiel aus dem WELTSPIEGEL von gestern.
Es ging, wieder einmal, um den Gefängnis-Wahnsinn in Amerika.
2,5 Millionen Amis leben hinter Gittern. Drakonische Strafen sind extrem populär. „Three-times-and-you-are-out“ lautet ein Gesetz in Kalifornien. Wer schon zweimal verknackt wurde, bekommt beim dritten Mal lebenslänglich. Automatisch und unabhängig von der Straftat. Auch wenn man nur eine Tiefkühlpizza geklaut hat.
In der Amilogik wird man nach diesem Gesetz eben nicht mehr straffällig. Wer riskiert schon für einen Bagatelldelikt Gefängnis bis zum Lebensende?
Daß dieses Gesetz in der Praxis natürlich NICHT funktioniert, weil insbesondere Drogensüchtige fast zur Beschaffungskriminalität gezwungen sind und daher die Gefängnisse überquellen, scheint nicht beim Volk anzukommen.

Die amerikanische Gesellschaft wählt zudem Scheriffs und Staatsanwälte. Das klingt natürlich vorbildlich basisdemokratisch. Die deutschen Piraten müßten begeistert sein – weiß man doch hierzulande in der Regel gar nicht wie eigentlich Richter und Staatsanwälte zu ihrem Job kommen und wer da die Fäden zieht.
In der Praxis bedeutet das aber für Amerikaner, daß sich die Kandidaten gegenseitig mit Härte übertreffen und nur die Brutalsten gewählt werden.

Mit den Gefangenen – immerhin einige Prozent der männlichen erwachsenen Bevölkerung – gibt es in der Nation der christlichen Nächstenliebe kein Mitleid.

Unterscheidet man bei den Inhaftierten nach Rassen, wie es in den USA üblich ist, befinden sich 4.347 von 100.000 schwarzen Männern und 260 von 100.000 schwarzen Frauen, 1.771 von 100.000 der männlichen und 133 von 100.000 der weiblichen Latinos und 678 von 100.000 der weißen männlichen und 91 von 100.000 der weißen weiblichen US-Bevölkerung in Staats- und Bundesgefängnissen in Haft (Stand 31. Dezember 2008). Insgesamt sind 1,65 % der schwarzen gegenüber 0,27 % der weißen US-Bevölkerung (U.S. residents) in Staats- und Bundesgefängnissen inhaftiert.

Gerade erst kritisiert AI das System in Amerika scharf, weil allein 25.000 Menschen auf Dauer in Isolationshaftzellen von acht Quadratmeter hocken müssen. Im Schnitt sitzen sie über acht Jahre ununterbrochen in Isolationshaft.
Da die Aussichten auf Entlassung aufgrund der immer weiter verschärften Gesetze zunehmend schlechter werden, sind die amerikanischen Gefängnisse zudem auch zu Pflegeheimen und Psychiatrien geworden.

Innerhalb einer Generation hat sich der Anteil der Inhaftierten in der Gesamtbevölkerung verfünffacht: 1980 waren es 139, 2010 750 von 100.000 Amerikanern. Damit liegen die USA an der Weltspitze, vor Ruanda und Georgien. (In Deutschland sind 87 von 100.000 Menschen in Haft.) Obwohl die USA nur fünf Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, sitzen 25 Prozent aller weltweit Inhaftierten in Amerika ein. […] Seit den siebziger Jahren wurden in den USA auch für nichtgewaltsame Verbrechen lebenslange Haftstrafen ohne Chance auf Entlassung vergeben. Der Häftling darbt in der Zelle, bis er stirbt. Nicht bedacht hatte man, dass das Justizsystem sich damit die Pflege gebrechlicher und chronisch kranker Menschen aufhalste. Nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sind 125.000 Häftlinge über 55 Jahre alt, 280 Prozent mehr als 1995. Depressionen, Diabetes und Aids sind bei ihnen besonders verbreitet, was sie anfällig macht für Alzheimer und Altersdemenz.  […] Mindestens ebenso populär wie "life without parole" war in den letzten Jahrzehnten die Isolationshaft. Bis zu 80.000 Gefangene erdulden sie über Jahre und Jahrzehnte, zwei Häftlinge in Louisiana sogar seit 40 Jahren. 23 Stunden täglich verbringen die Gefangenen in meist fensterlosen, schallisolierten und videoüberwachten Zellen. Fernsehen, Radio und Lektüre sind verboten. […] Dabei beginnen die wirklichen Probleme oft erst nach der Freilassung, wenn die seelischen Wracks meist ohne Betreuung aus den Isolationszellen ins Leben gestoßen werden. Ehemalige Supermax-Häftlinge werden öfter wieder straffällig und neigen zu gewaltsameren Verbrechen als andere Gefangene. Der Staat inhaftiert Kriminelle und entlässt Monster.
[…] Dass viele der mehr als 3000 Verurteilten, die auf der "death row" warten, eines natürlichen Todes sterben werden, ist eine gute Nachricht. […] Ein Todesurteil kostet drei Mal so viel wie lebenslange Haft. All das macht die Todesstrafe immer unpopulärer. Laut Umfragen halten Polizisten sie für die am wenigsten effektive Strafe. 90 Prozent der Kriminologen glauben nicht, dass sie zur Abschreckung von Mord dient. 61 Prozent der Amerikaner befürworten sie noch, doch das ist die niedrigste Zahl seit 39 Jahren. […] 185 Millionen Dollar zahlt der Staat jedes Jahr für den Unterhalt seiner death row. […]

Wenn mal solche Berichte wie den aus dem gestrigen Weltspiegel ansieht, fragt man sich natürlich wie das mit den freundlichen, hilfsbereiten Amerikaner zusammenpasst, den ich eben beschrieben hatte. Die können sehr mitleidslos sein.
Die spinnen, die Amis.

In vielen US-Strafanstalten bestimmen inzwischen Greise hinter Gittern das Bild. Amerikas Gefängnisbevölkerung ist alt geworden, sehr alt. Rollstühle und Rollatoren: Manches Zuchthaus wirkt wie ein Seniorenheim. Allein in Colorado hat sich die Zahl der Insassen über 65 Jahren in 20 Jahren versiebenfacht.
[…]  Lewis Erskine: "Unser Justizsystem möchte keine Straftäter entlassen. Die halten uns lieber so lange wie möglich gefangen, wir sind bares Geld wert! Das ist meine Meinung."
[…]  Lange Haftstrafen selbst für Kleinkriminelle. Amerikas Bestrafungskultur hält nichts von vorzeitigen Entlassungen. So mußte James Taylor 83 Jahre alt werden, bevor er die Wachtürme hinter sich ließ und wieder raus durfte, jenseits des Stacheldrahts. James Taylor: "Anfangs hätte ich nie gedacht, dass ich hinter Gittern sterben könnte. Aber mit den Jahren habe ich schon gehofft, dass meine letzte Ruhestätte anderswo sein möge."
Seine ersten Schritte in Freiheit machte James bei der Suche nach Arbeit, aber wer stellt schon einen Mitte 80-Jährigen ein, der wegen versuchten Totschlags fast drei Jahrzehnte gesessen hat? Eine kleine Kosmetikfirma gab dem studierten Ex-Knacki dann doch eine Chance. Er füllt Shampooflaschen ab, sechs Stunden am Tag, fünf Tage die Woche. Für seine Arbeit bekommt James kleines Geld und großen Respekt. Ein Kollegen, Joe Cooper, meint: "Wie der sich angepasst hat, irre! Ein toller Erfolg, dass er das geistig und körperlich geschafft hat!"
James hatte Glück und Verstand. Doch nur ganz wenige in Amerika schaffen das Comeback nach dem Knast und bezwingen ihre Dämonen. […] 

Sonntag, 20. Juli 2014

Willkommen Tod.





Die erste Stunde unseres Lebens ist auch die erste Stunde unseres Sterbens
(Seneca 4 v. Chr. – 65 n. Chr.)


Heute habe ich endlich mal die beiden letzten DGHS-Hefte durchgelesen und wundere mich mal wieder wie außerordentlich vorsichtig da formuliert wird.

Der Bundesgesundheitsminister will ja offensichtlich alles verbieten lassen, das irgendwie mit Sterben zu tun hat. Passive, indirekte, aktive Sternehilfe, Beilhilfe zum Suizid und palliative Sedierung.

Da ich meine Meinung zum Thema, die diametral in jeder Hinsicht der CDU widerspricht, schon oft klar gesagt habe, will ich an dieser Stelle nur auf die grandiose Ingrid Matthäus-Maier verweisen, die nicht nur zum Kirchenarbeitsrecht, sondern auch zum Thema Sterbehilfe vorbildlich engagiert ist.

Wichtig erscheint mir aber, die Begriffe einmal genau zu klären.

Sterbebegleitung
Psychische, soziale und medizinische Zuwendung. Letztere besteht zunächst in der Grundpflege des Schwerstkranken und Sterbenden und greift nicht in den Sterbeprozess ein. Gegebenenfalls palliativmedizinische Maßnahmen, die der indirekten Sterbehilfe zugeordnet werden: Schmerztherapie und terminale Sedierung (Dämpfung von Funktionen des zentralen Nervensystems, künstliches Koma) (erlaubt).

Sterbehilfe
Eingreifen in den Sterbeprozess, in der Weise, dass der Tod eines Menschen herbeigeführt oder nicht hinausgezögert wird, in der Regel mit dem Einverständnis beziehungsweise gemäß dem Wunsch der betroffenen Person.

Passive Sterbehilfe
Bei Menschen, die bereits im Sterben liegen, werden lebenserhaltende oder lebensverlängernde Maßnahmen eingestellt oder unterlassen, unter Beibehaltung von Grundpflege und schmerzlindernder Behandlung. Bei Menschen, die nicht im Sterben liegen, kann das Überleben von bestimmten Medikamenten oder Behandlungen (z. B. der Dialyse) abhängig sein, die eingestellt werden. Seit dem Urteil des 3. Strafsenates des Bundesgerichtshofes vom Mai 1991 zulässig. Therapieabbruch, Abschalten von Geräten oder Unterlassen einer Therapie (erlaubt).

Indirekte Sterbehilfe
Bei Menschen, die bereits im Sterbenliegen, ist die Gabe von Schmerzmitteln erlaubt, die starke Schmerzen lindern und dadurch die momentane Lage des Patienten verbessern, aber insgesamt lebensverkürzend wirken können. Voraussetzung ist, dass der frühere Todeseintritt nicht das Ziel, sondern eine nicht vermeidbare Nebenwirkung ist (erlaubt).

Palliative Sedierung
Herstellung eines komatösen Zustandes bei schwer belastenden Symptomen wie Atemnot oder Übelkeit. Die palliative Sedierung führt nicht von sich aus zum Tod und kann auf Wunsch des Patienten unterbrochen werden. Wird sie bis zum Todeseintritt aufrechterhalten, spricht man von terminaler Sedierung. Bei dieser wird in der Regel auch auf künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr verzichtet (erlaubt).

Beihilfe zum Suizid/ärztlich assistierter Suizid
Beihilfe zum Suizid stellt nach dem Strafgesetzbuch keinen Straftatbestand dar, sofern die Tatherrschaft beim erwachsenen, entscheidungsfähigen Sterbewilligen liegt. Beim ärztlich assistierten Suizid verschreibt der Arzt das todbringende Medikament (erlaubt, aber: Garantenpflicht, Betäubungsmittelgesetz und Standesrecht als Hindernisse).

Aktive direkte Sterbehilfe
Der Tod wird beabsichtigt, um ein Leiden zu beenden, und durch ein Handeln herbeigeführt, das weder eine Therapie darstellt (wie bei der indirekten Sterbehilfe) noch den Abbruch einer Behandlung (wie bei der passiven Sterbehilfe). Im Gegensatz zum (ärztlich assistierten) Suizid, also der Selbsttötung und der Beihilfe dazu, führt hier nicht der Betroffene selbst, sondern ein anderer die tödliche Handlung aus (strafbar gemäß § 216 StGB.)

 Der Nationale Ethikrat hat 2006 vorgeschlagen, diese häufig verwendeten Begriffe (aktive, passive und indirekte Sterbehilfe) aufzugeben und durch folgende zu ersetzen:
1.
Sterbebegleitung
2.
Therapie am Lebensende
(indirekte Sterbehilfe)
3.
Sterben zulassen
(passive Sterbehilfe)
4.
Beihilfe zur Selbsttötung
5.
Tötung auf Verlangen
[….]

Wer es ganz genau wissen will, lese hier nach.

In der öffentlichen Diskussion suggerieren die fanatischen Christen nämlich ganz gerne, daß nach DGHS-Vorstellungen die Krankenhäuser zukünftig von Ärzten überflutet werden, die alle schon die Zyankalispritze aufgezogen haben und alles totspritzen, das nicht bei drei auf dem Baum ist.

Dabei ist die Gewissheit im Notfall legale Hilfe zu bekommen sogar suizidpräventiv. Kriminalisierung ist genau wie bei Abtreibungsregeln der falsche Weg, wenn man Abtreibungen verhindern will.
In Panik, Not und Zeitdruck, auf der Suche nach einem Ausweg, führen einige eher eine Schwangerschaftsunterbrechung durch, weil sie gar nicht die Muße haben über die andere Option nachzudenken.
Genau das wird auch bei Suizidabsichten beobachtet.

Die Befürworter einer Kriminalisierung der Suizidhilfe argumentieren, es komme ohne neue Regelung zu einem „Dammbruch“. Die begleiteten Suizide würden erheblich zunehmen, auch wegen eines möglichen Drucks auf alte, hilfsbedürftige Menschen, ihr Leben zu beenden.
Diese Befürchtung findet allerdings in den Erfahrungen anderer Länder, die eine liberalere Rechtslage haben, keine Grundlage. Diese zeigen im Gegenteil, dass die Gewissheit, bis ans Ende des Lebens das Heft in der Hand zu behalten, beruhigt: Ein Großteil der offiziell erlaubten Suizidhilfen wird überhaupt nicht wahrgenommen, weil der Betreffende weiß, dass, wenn es ganz schlimm kommen sollte, Hilfe da ist. Auch meine Gespräche mit dem einzigen Arzt, der sich zur Sterbehilfe offiziell bekennt und der auch das genannte Verwaltungsgerichtsurteil erfochten hat, bestätigt, dass immer wieder Menschen, die seine Hilfe erbeten haben, nach langen Gesprächen den eigentlich geplanten Freitod über Jahre verschoben oder ganz unterlassen haben.
In diesem Sinne hat die Sicherheit „Wenn es ganz schlimm kommt, hilft mir jemand!“ sogar eine suizidalpräventive Wirkung. Und deswegen wäre es auch falsch, die, wie es manche wollen, „organisierte Sterbehilfe“ durch einen neuen Strafrechtsparagraphen zu verbieten.

Gröhe und seine christlichen Freunde sind also nicht nur überheblich und mitleidslos, sondern auch noch dumm und desinformiert.
Sie treiben Menschen nicht nur in Ängste und Verzweiflung, sondern würden mit ihrer angestrebten Total-Kriminalisierung auch die Zahl der Suizide erhöhen.

Die gemeinsam mit der DGHS formulierten Leitsätze der Initiative „Mein Ende gehört mir“ (und nicht Frau Käßmann oder Herrn Gröhe) sind vorsichtig formuliert.

1.  Die Beihilfe zur Selbsttötung (Suizidbeihilfe) ist in Deutschland straffrei (oder »keine Straftat«), wenn der Entschluss  zur Selbsttötung freiverantwortlich ist. Wer hingegen Suizidbeihilfe leistet, wenn der Tatentschluss des Suizidenten aus einer krankhaften Störung entspringt, macht sich nach geltendem Strafrecht wegen Tötung strafbar.
2.  Es besteht keine Notwendigkeit, an dieser geltenden Rechtslage etwas zu ändern.
3.   Nicht urteilsfähige Suizidenten bedürfen keiner Hilfe zur Selbsttötung, sondern fachärztlicher Behandlung. Palliativmedizinische Fähigkeiten und hospizliche Betreuung müssen weiter gelernt und ausgebaut werden, damit sie allen Patienten zur Verfügung stehen, die diese benötigen.
4.   Es gibt aber Patienten, für die palliative Leistungen und hospizliche Betreuung keine Optionen sind, weil diese entweder am  Krankheitsverlauf und den damit verbundenen Beeinträchtigungen nichts ändern können oder weil diese Angebote von den Patienten abgelehnt werden.
5.   Die Menschen müssen darauf vertrauen dürfen, dass die legale passive und indirekte Sterbehilfe nach ihrem geäußerten oder mutmaßlichen Willen oder nach ihrer Patientenverfügung überall praktiziert wird. Es darf nicht sein, dass Menschen sich das Leben nehmen, weil sie heute immer noch Angst haben müssen, dass am Lebensende gegen ihren Willen ein Leidensweg künstlich verlängert wird.
6.    Urteilsfähige Erwachsene sollten also in Zukunft ausreichende Unterstützung bei einem selbstbestimmten Lebensende erhalten. Voraussetzung muss immer sein, dass die Suizidenten selbst ihren bevorstehenden letzten Lebensweg in Kenntnis der Angebote von palliativer oder hospizlicher Versorgung als für sie unerträglich oder nicht lebenswert einstufen.
7.   Die Lebenswertbestimmung darf auch in Zukunft niemandem außer den betroffenen Menschen selbst zustehen! Das gebieten die Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes.
8.   Es ist daher begrüßenswert, dass viele Landesärztekammern den Vorschlag der Bundesärztekammer des strikten standesrechtlichen Verbots der Suizidbeihilfe nicht übernommen haben.
9.    Das Recht der Ärzte, nach eigenem Gewissen und ihrem ärztlichen Ethos Suizidwilligen zu helfen, steht unter dem Schutz der Verfassung und darf nicht eingeschränkt werden. Sie sind jedoch selbstverständlich nicht verpflichtet, diese Hilfe zu leisten.
10.   Die Achtung der Menschenwürde gebietet, dass in den hier genannten Fällen eines freiverantwortlichen Suizids die Menschen in ihrer existentiellen Not nicht auch noch ihre Selbstbestimmung verlieren und in grausame oder gar Dritte gefährdende Suizide getrieben werden.

Natürlich unterstütze ich diese Initiative.
Persönlich würde ich aber noch deutlich weiter gehen.

Das fällt mir immer auf, wenn ein Selbstmord eines Menschen bekannt wird, der für die oberflächlich denkende Öffentlichkeit jung und gesund war. Jennifer Nitsch, Silvia Seidel oder Robert Enke sind solche Beispiele.
 Dann rasen die Bischöfe los in die Öffentlichkeit und inszenieren sich als große Mitfühlende. SIE wissen ja genau was der Tote sich gewünscht hätte. 

[Ich] habe ich in der Predigt auch gesagt, dass Robert Enke gerne gelebt hat, aber krank war. Dass er sicher wollen würde, dass seine Fans alle weiterleben. Also unter dem Strich würde ich sagen, die Umgehensweise mit diesem Trauerfall war eine grenzwertige Herausforderung. Im Rückblick insgesamt ist es mit Ruhe und Würde bewältigt worden. Aber das Phänomen Fußball, Männlichkeit, Idole schaffen - das hinterlässt bei mir schon auch Fragen.
[…]  Die Botschaft des Glaubens ist ja: Du bist eine angesehene Person, weil Gott Dich ansieht und nicht weil Du so leistungsstark bist, so klug, so schön oder so reich. Diesen schönen Schein nicht alles sein zu lassen, sondern auch die tieferen Werte im Leben zu sehen - das wäre für mich eine neue Nachdenklichkeit, die ich gerne sehen würde.

Frau Käßmann begreift nicht, daß jedes Leben nur dazu führt zu sterben.
Jeder muss sterben und kann das Problem nicht verdrängen.
Auch alle unsere Angehörigen und Freunde müssen den Tod durchstehen und wir werden es miterleben – sofern wir nicht vorher selbst gestorben sind.
Für mich als Atheist ist das Tot-Sein an sich völlig natürlich und unproblematisch. Wenn die rund 110 Milliarden Menschen, die schon auf der Erde gelebt haben, alle noch lebendig wären hätten wir aber auch ein echtes Problem. Mit 7 Milliarden ist es ja schon recht voll, man streitet sich um Anbauflächen, Wasser und die letzten fossilen Rohstoffe.

Der Prozess des Sterbens ist aber leider oft sehr unangenehm.
 Das habe ich in meinen Leben schon mehrfach über Monate und Jahre in direkter Nähe mitbekommen.
Daher bin ich froh über jeden, der es hinter sich hat.
Über die Hürde müssen wir nun einmal alle rüber.
Wie albern ist es doch, diese Tatsache an sich zu beklagen.
Vorgestern hat es wieder ein Fußballer, Herr Biermann, „geschafft“, obwohl er dank der Christlichen Bundespolitiker keine Hilfe bekommen hat und völlig im Stich gelassen wurde. Technisch ist so ein Suizid nicht leicht und es ist erbärmlich, daß man Sterbewilligen auch noch die Brutalität von gescheiterten Suizidversuchen aufzwingt. Biermann hat es nun doch hinbekommen.
Er hat es gut.

Trauer um Andreas Biermann: Der Ex-Fußball-Profi und St. Pauli-Spieler ist tot. Entsprechende Medienberichte bestätigte sein aktueller Verein "Spandauer Kickers" am späten Samstagabend zunächst auf Facebook.
[…]  "Unser Seniorenspieler Andreas Biermann hat seine depressive Krankheit nicht überwinden können und ist gestern Morgen verstorben." Nach Angaben des Vereins hat sich Biermann das Leben genommen. […]  "Er hatte es schon einige Male probiert. Man dachte, dass er es in den Griff bekommt. Leider hat er es nicht geschafft", erklärte Torsten Mattuschka vom 1. FC Union Berlin, der in der Regionalliga-Saison 2006/2007 gemeinsam mit Biermann bei den "Eisernen" kickte. "Das ist eine Tragödie. Wie verzweifelt muss man sein, wenn man das als zweifacher Familienvater macht? Man kann sich das schwer vorstellen", sagte der Union-Kapitän nach dem Training am Sonntag. […]  Andreas Biermann wurde 33 Jahre alt.


Samstag, 19. Juli 2014

SPIN


Immer noch weiß niemand was nun ganz genau mit Flug MH17 passiert ist und es wird vermutlich auch schlecht zu ermitteln sein.
Wenn ich all die TV-Experten richtig verstehe, braucht es für eine richtige Untersuchung eines auf so viele Quadratkilometer verteilten Unglücks mindestens 1000 professionelle Investigators, die a) vollen Zugang zu allen Trümmerstellen brauchen und b) natürlich über die entsprechende Technologie (Kühlwagen für die Leichteile z.B.) verfügen müssen.
Die Ukraine hat nicht die technischen Möglichkeiten und auch keine Kontrolle über das Gebiet, weil da irgendwelche heterogenen Rebellengruppen rum patrouillieren, die keiner gemeinsamen Autorität untergeordnet sind.
Russland hätte die technischen Möglichkeiten, wird aber den Teufel tun sich dem Verdacht zu unterziehen die Beweise zu manipulieren.
EU und USA sind ebenso Partei im „Russland-Ukraine-Konflikt" und scheiden somit als neutrale Untersucher aus.
Theoretisch könnte eine sehr neutrale Nation die Untersuchungen leiten. Brasilien oder so. Möglicherweise angeleitet oder finanziert von Holland, das die Mehrzahl der Opfer beklagt. Aber damit bleibt immer noch das Problem, daß es sich um ein Kriegsgebiet handelt, in dem es keinen sicheren Zugang zu den Leichen- und Wrackteilen gibt.
Zudem ist die Zeit schon weggelaufen. Die Verwesung hat eingesetzt und angeblich wurden schon viele Wrackteile bewegt und manipuliert.

Klarheit wird also höchstwahrscheinlich nie zu erreichen sein. Spekulationen schießen ins Kraut, Verschwörungstheorien werden im Minutentakt kolportiert.

Mir fällt auf, daß die gesamte deutsche Presse heute einen extrem antirussischen Kurs einschlägt. Obwohl allgemein konstatiert wird, daß Putin die Entwicklung sehr ungelegen kommt, da das amerikanisch-europäische Lager nun ein starken antirussischen Boost bekommt, macht man dennoch Putin verantwortlich, da er „seine Prorussen“ nicht unter Kontrolle habe.
Diese „Prorussen“, die es als homogene Gruppe mit extrem negativen Konnotationen nur auf dem Papier, besser gesagt in den Schreibfedern der Journalisten existieren, werden dem dümmlichen Leser als Sündenbock präsentiert.
Und Putin, dem eine direkte Befehlsgewalt über diese „Prorussen“ angedichtet wird, steht somit wieder einmal am Pranger.

Um es klar zu sagen: Ich behaupte nicht, daß ich die wahren Tathergänge kenne und schließe auch nicht aus, daß es wirklich so gewesen ist, wie Obama behauptet. Obama übt gerade möglichst großen Druck auf Moskau aus; wohl auch um den Amerikanern zu gefallen.
Wir wissen aber nicht was los ist. Was wir wissen, ist lediglich, daß die amerikanische Regierung in solchen Fällen die internationale Gemeinschaft schon oft belogen hat und als neutrale Faktenquelle kaum noch taugt.
Eigentlich sollten die deutschen Journalisten also extrem vorsichtig sein und Mutmaßungen als solche darstellen. Aber sie schmeißen sich allesamt auf die US-Seite.

Offenbar hält man Putin in vielen Redaktionsstuben schon für allmächtig, geradezu gottgleich.
Mir erscheint es geradezu als manisch, wie dem russischen Präsidenten Superkräfte zugeschrieben werden.
Was mögen die psychologischen Ursachen dafür sein?

Es ist nicht so, daß noch nie ein Passagierflugzeug abgeschossen worden wäre. Auch die Amis haben schon ein paar vom Himmel geholt.

LN114 Die libysche Boeing 727 hatte sich am 21. Februar 1973 bei schlechtem Wetter über dem Sinai verirrt. Israelische Kampfflugzeuge schossen sie ab. 108 Tote […]

IH870 Am 27. Juni 1980 stürzt die italienische Maschine ins Mittelmeer. Die Ursache wurde nie offiziell geklärt. Vermutlich aber wurde sie versehentlich von Nato-Kampffliegern abgeschossen. 81 Tote […]

IR655 Der zivile iranische Airbus A300 wird am 3. Juli 1988 über dem Arabischen Golf von einem amerikanischen Marschflugkörper getroffen. 290 Tote […]

OAO1812 Die Maschine der Siberian Airlines stürzt am 4. Oktober 2001 ins Schwarze Meer. Eine versehentlich abgefeuerte ukrainische Rakete hatte sie getroffen. 78 Tote
(SZ vom 19.07.2014)

Früher konnten solche „Vorfälle“ aber mit weniger Hysterie behandelt werden, weil die Weltordnung klar geregelt war.
Eine absolute und unumstrittene Supermacht wie die USA, bzw die NATO konnte sich da einiges herausnehmen.

Ich vermute, daß ein Grund für die gegenwärtige Aufregung ein westliches Ohnmachtsgefühl ist. Man fühlt sich schwach und nicht mehr durchsetzungsfähig. Syrien, Südsudan, Nahost – die USA versagen als Weltpolizist. Amerika hat keine Kraft das zu befrieden; die NATO ist hilflos. Obama hatte nicht die geringste Chance die Entwicklung auf der Krim zu beeinflussen. Die NATO sieht zu, wie ihr auf der Nase rumgetanzt wird. Jahrzehnte wird gegen den Iran und Kuba sanktioniert – ohne die Machthaber zu tangieren. Der NATO-Staat Türkei scheint dem Westen bei seiner Nahost-Politik sogar völlig zu entgleiten. Ägypten nimmt keine Befehle mehr entgegen.
Die großen Militäraktionen (Irakkrieg, Afghanistan, Libyen,..) misslingen erbärmlich. Für die angeblich übermächtigen Geheimdienste taucht völlig überraschend ISIS auf und übernimmt mal eben große Teile von zwei Staaten.

„Der Westen“, der über Dekaden ganz allein die Weltpolitik dominierte, fühlt sich kastriert und sieht fassungslos zu wie Emporkömmling-Nationen zunehmend selbstbewußt auftreten.
Russland und die BRICS-Gruppe sind stark geworden.
Und sie wirken auf viele Länder in Südeuropa, Afrika, Asien und Südamerika zunehmend attraktiv, insbesondere im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten.

Wer erwartet hatte die arrogante Außenpolitik der G.W. Bush-Administration würde sich entscheidend unter dem nächsten Präsidenten verbessern, muß heute mindestens als naiv gelten.
Klar, der Umgangston verbesserte sich, aber auch Obama empfindet andere Nationen als natürliche Untergebene. Selbst engste Verbündete werden ausspioniert und gedemütigt und wer wie einige linksliberale Südamerikanische Regierungen aufmuckt, wird mit groben Desinteresse gestraft.
Wenig verwunderlich, daß andere Große in das Vakuum vorwagen.

Moskaus Einfluss in Lateinamerika nimmt in dem Maße zu, in dem sich Washington immer weniger in seinem einstigen Hinterhof engagiert. So sind derzeit in zehn Ländern der Region keine amerikanischen Botschafter tätig, weil Präsident Barack Obama entweder keine Kandidaten für vakante Posten benannt hat oder weil die Bestätigung von Nominierungen von der republikanischen Opposition im Senat verhindert wird.

Anders als die EU und die USA erkennen insbesondere die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) in der Außenpolitik Chancen und nicht bloß Probleme.
Sie engagieren sich teilweise sehr stark ökonomisch in Afrika und Südamerika, reichen die Hand und intensivieren die Kontakte.

Amerika und Europa gelten nicht nur als zunehmend unsympathisch, sondern auch als schwach.
Da sucht man sich doch lieber potentere Freunde – so diagnostizieren es außenpolitische Thinktanks.

Wirtschaftssanktionen seien seit Jahren ein beliebtes Werkzeug der USA im Machtkampf gegen ihre Gegner, heißt es in einer Analyse aus dem European Council on Foreign Relations (ECFR) unter Verweis auf die Sanktionen etwa gegen Libyen, gegen den Irak oder gegen Iran. Der Konflikt um die Ukraine könne allerdings eine Wende bringen. Denn Russland sei immerhin die neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt; wer es mit Sanktionen attackiere, übernehme sich womöglich auf wirtschaftlichem Gebiet in einer Weise, wie es im Irak auf militärischem Gebiet geschehen sei. Es sei zu erwarten, dass die "Allianz der Bedrohten" sich zusammentue und nach Möglichkeiten suche, sich dem ökonomischen Einflussbereich der USA zu entziehen. Dafür könne es womöglich sogar Beifall aus Europa geben, heißt es beim ECFR unter Verweis auf die Strafzahlungen in Höhe von rund 6,6 Milliarden Euro, auf die sich die französische Großbank BNP Paribas jüngst einlassen musste, weil sie mit ihren Geschäften gegen Sanktionsbeschlüsse der Vereinigten Staaten verstoßen hatte.[…]
Stützen können sich diese Bestrebungen auf erste vorsichtige Absetzbewegungen gegenüber dem Westen, die Beobachter weltweit in Reaktion auf den Ukraine-Konflikt konstatieren. Bereits im April hatte der Machtkampf um das osteuropäische Land am Rande der damaligen Asien-Reise des US-Präsidenten für Diskussionen gesorgt. Die Auseinandersetzungen um die Krim gälten in Ost- und Südostasien als "Lackmustest", inwieweit die NATO-Staaten noch in der Lage seien, ihre Vorstellungen gegen ihre Gegner durchzusetzen, hieß es damals in Berichten aus der Region. Die Verbündeten der Vereinigten Staaten seien "besorgt", Washington werde beispielsweise ihre Territorialansprüche auf Inseln im Ost- und Südchinesischen Meer gegen China ebenso wenig durchsetzen können wie die Ansprüche der Ukraine auf die Krim gegen Russland. Experten konstatieren nun, selbst Japan, einer der engsten Verbündeten der USA, verlasse sich nicht mehr allein auf Washington, sondern öffne sich gegenüber Moskau, um seine Position im Inselstreit mit China zu stärken. Ähnliches gelte für Südkorea, das im Streit mit Nordkorea nach Hilfe suche. […]
Verärgerte Kommentare in deutschen Medien ruft nun schließlich auch die aktuelle Lateinamerika-Reise des russischen Präsidenten hervor. Wladimir Putin hat soeben Kuba, Argentinien und Brasilien besucht und dort umfangreiche Geschäfte abgeschlossen. Kuba hat die UN-Resolution zur Krim abgelehnt, Argentinien und Brasilien enthielten sich. "Heute ist die Kooperation mit den lateinamerikanischen Staaten einer der Schlüssel für die russische Außenpolitik", wird der russische Präsident zitiert. Deutsche Medien stellen verärgert fest: "Weltweit isoliert werde Wladimir Putin nach der Annexion der ukrainischen Krim sein, so hatten es zumindest westliche Politiker verkündet." Jetzt aber zeige sich, wer in beträchtlichen Teilen Lateinamerikas "tatsächlich unbeliebt ist: nicht Russland, sondern die USA".[…]

Die ökonomische Stärke der BRICS-Staaten stößt der USA besonders stark auf. Da kann Herr Denison in deutschen Talkshows lange über die Kleinheit Deutschlands lachen.
Ökonomisch kann er die BRICS-Länder nicht wegdiskutieren.
Jahrzehnte lang haben EU und Nordamerika im Alleingang die Weltökonomie dominiert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde „traditionell“ von einem Europäer geleitet und die Weltbank ganz selbstverständlich von einem Amerikaner. Typen wie der Helmut-Kohl-Scherpa Horst Köhler oder der George W. Bush-Einflüsterer Paul Wolfowitz wurden Präsidenten dieser Institutionen.
Inder, Chinesen oder gar Südamerikaner wurden gar nicht erst gefragt.
Und nun mucken sie auf und gründen einfach ihre eigene weltweite Entwicklungsbank.

Wie einfach war für Europa und Amerika das alte System. Die Ergebnisse der Handelsabkommen für den ganzen Erdball bestimmte man alleine. [….]  Griff der IWF ein wie in der Asienkrise, verordnete er seine Medizin: Reformen nach westlichem Geschmack, Kapitalfreiheit für westliche Banken. [….]
Mit diesem kolonialähnlichen Regime ist es vorbei, das demonstrieren die fünf sogenannten Brics-Schwellenländer nun deutlich. [….] Dass es so kommt, hat der Westen selbst zu verantworten. Seit der Jahrtausendwende erlebt er in der Welthandelsrunde Doha, dass sich der Rest des Globus nicht mehr herumschubsen lässt wie früher. Reagiert hat der Westen kaum: Er verschleppte eine Reform von IWF und Weltbank, bis es den mächtig gewordenen Schwellenländern zu blöd wurde. [….] Ihr Aufstieg wird Konsequenzen haben, die über die Zukunft von IWF und Weltbank weit hinausgehen. Warum sollte der Brics-Block, nur ein Beispiel, auf Dauer den Dollar als Leitwährung akzeptieren? Die angenehmen Jahrzehnte, in denen sich Amerika ohne Rücksicht auf jede Vernunft verschulden konnte, weil ja trotzdem alle Dollar-Wertpapiere kaufen mussten – diese Zeit könnte bald enden. [….]
(Alexander Hagelüken, SZ vom 18.07.2014)

Um dieses Gezerre geht es auch in der MH17-Causa.
Wer hat die Hosen an in der Weltpolitik? Wer hat die außenpolitische Potenz sich durchzusetzen?
Und es ist auch ein Schönheitswettbewerb.
Werden sich die Südamerikaner und Asiaten und Afrikaner weiterhin automatisch danach sehnen so wie die Gringos zu werden?
Oder empfinden sie die US-Performance mit Ausschnüffeln, CIA-Anschlägen, Drohnenkriegen und militärischer Impotenz zunehmend abtörnend?
Wie gut funktioniert das US-kapitalistische System eigentlich noch?


Und wie sexy wirkt Russlands Ölmacht und Chinas Dollars?