Samstag, 8. Februar 2014

Stop Putin-bashing.



Nun hat es der olle Gauck mal geschafft. Seine private Russland-Phobie hat auf das ganze Volk umgegriffen.
Klickt man heute durch das Internet, scheint Putin der größte Schurke der Weltgeschichte zu sein.

Warum eigentlich?

Weil in Russland auf Druck der reaktionären und mächtigen orthodoxen Kirche ein Antihomogesetz erlassen wurde?
Wäre das der Maßstab, müßten 70 Regierungschefs weltweit noch sehr viel mehr geächtet werden.
Wo sind eigentlich die Facebook-Schmähbilder gegen den monarchischen Diktator, König und Premierminister Abdullah ibn Abd al-Aziz von Saudi-Arabien?
Der läßt Schwule gleich erhängen oder steinigen. Die würden von Glück reden, könnten sie in Russland leben.
Gerade Sochi ist eine Hochburg des homosexuellen Lebens in Russland.

»Ich bin schwul.«    In Sotschi kann man so einen Satz sagen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. Die Kleinstadt an der Küste ist die weiche Version von Russland: mediterranes Klima, Parks, Palmen, Bars, Straßenkatzen und viele alten Frauen, die Laub zusammenfegen. Vier Millionen Touristen strömen jedes Jahr nach Sotschi, auch Putin hat hier eine Villa, Gewalt wie in Moskau oder St. Petersburg gegen Schwule und Lesben gab es bislang nicht. Vor Kurzem hat ein zweiter Schwulen-Club geöffnet, das »Serkala«. Im Sommer sonnen sich Homosexuelle am Schwulen-Strand, im Lenin-Park gibt es einen Schwulen-Treffpunkt, und am Strand verkaufen Souvenirshops Reisepässe-Kopien, auf denen »Schwulen-Ausweis« steht. »Jeden Sommer«, sagt Andrej, »kommen Väter mit ihren Familien und leben ihre schwulen Seiten nachts bei uns aus.«
Roman und sein Partner Andrej haben in den letzten Wochen Reportern aus aller Welt Interviews gegeben. Der Rummel nervt sie inzwischen. »Viele wollen ihr Bild vom bösen Russland bestätigen«, sagt Andrej. »Dabei ist Sotschi ein Paradies für Homosexuelle.« Das Paradies liegt weit weg vom Kreml, und es gibt einen schon zu Sowjetzeiten bekannten Spruch: »Was in Sotschi passiert, bleibt in Sotschi.«

Natürlich muß man Putin nicht gerade als Vorkämpfer der Menschenrechte feiern.
Aber er ist reich und verlässlich.
Deutschland, welches vollständig von Gasimporten aus Russland abhängig ist, hat in Putin einen Partner, der Sicherheit bietet.
 Noch nie kam Russland seine  Lieferverpflichtungen nicht pünktlich nach und nie wurde ein unfairer Preis verlangt.
Bedenkt man, daß sich das größte Land des Planeten noch vor 20 Jahren in Auflösung befand, daß sich Hungersnöte breit machten, während sich die später euphemistisch „Oligarchen“ genannten Großverbrecher Milliardenwerte unter den Nagel rissen, daß Zig Millionen Menschen monatelang keinen Lohn erhielten, daß die Kriminalität explodierte, kann man nur von einem Wunder sprechen, wie das Land heute prosperiert.
Putin hat dabei keine demokratischen Spielregeln befolgt, wie man sie Schweden oder Belgien einhält. Aber wenn er das getan hätte, wäre er sicher längst nicht mehr am Ruder, womöglich gar ermordet (in der russischen Politik wird mit harten Bandagen gespielt) und es ist unwahrscheinlich, daß es den Russen dann besser ginge.
Man erinnere sich nur an den korrupten stets volltrunkenen Boris Jelzin, der seine Meinung dreimal am Tag änderte und nach drei Flaschen Vodka mit dem Nuklear-Koffer rumspielte.
Mit einiger Wahrscheinlichkeit wäre es ohne so eine „harte Hand“ längst zum Bürgerkrieg gekommen und die Ex-UdSSR wäre weiter ausgefranst.
Es hätte aber auch personell viel schlimmer kommen können. Man denke nur an die Wahlerfolge des geisteskranken und kriegslüsternen Wladimir Schirinowski.
Der Juden- und Schwulenhasser ist zu allem fähig und beeindruckt bis heute mit Gaga-Vorschlägen.

Mit Sex nur einmal pro Quartal will der prominente russische Politiker Wladimir Schirinowski (67) Moral und Disziplin in der Gesellschaft verbessern.
„Viermal im Jahr ist genug“, schreibt der Chef der ultranationalistischen Parlamentspartei LDPR in einem Leitfaden, wie der Internetsender Doschd am Dienstag berichtete.

Bedenkt man wie kurz es erst freie Wahlen in Russland gibt, ist die Liberalität sogar schon recht weit fortgeschritten in dem Land, welches seit tausend Jahren nur Diktatoren-Regime kennt.

Man hätte mal die Deutschen 20 Jahre nach dem Ende der Hitler-Diktatur nach ihrer Meinung zur Homoehe fragen sollen.
Wie hätten wohl Briten oder Österreicher zu vordemokratischen Zeiten auf sich küssende Männer reagiert?

Dank Putin prosperiert Russland und dank dieser Prosperität haben die Russen auch Zeit über Politik nachzudenken und wählen nicht mehr automatisch mit 2/3-Mehrheiten Putin.
Seine Macht wankt ein bißchen, es gibt Widerstand von Bürgerrechtlern.
Das spricht eigentlich für ihn. Immerhin ist es also möglich ihn abzuwählen. Die Möglichkeit ist sogar so real, daß Putin die Unterstützung der mächtigen homophoben Popen sucht.
Suchen muß.

Putin wird heute in Russland nicht mehr besonders geliebt oder adoriert. Aber doch anerkannt. Er hat seine Versprechen wahr gemacht und Russland zurück auf die Weltbühne geführt. Das Trauma des Zusammenbruchs ist überwunden. Russland ist wieder wer. Ohne Russland geht in den meisten internationalen Krisen gar nichts. Russlands Militär ist wieder stark. Und FORBES kürte Putin sogar zum mächtigsten Mann der Welt. 50 Jahre lang war der Titel synonym mit dem US-Präsidenten. Aber der ist auf Platz Zwei gerutscht.
Die gedemütigten Russen können also wieder stolz sein. Sie haben Kaufkraft, die internationalen Handelskonzerne drängen in die russischen Metropolen und  - so einfach kann Politikerzuspruch funktionieren - Putin hat die Renten so deutlich erhöht, daß Städte nicht mehr von Myriaden bettelnden Babuschkas gefüllt sind.

Man sollte nicht so deutsch sein, wenn man auf Russland guckt.
Der von mir hochgeschätzte Wladimir Kaminer (habe gerade begeistert sein letztes Buch „Diesseits von Eden“ gelesen) sieht Putin viel pragmatischer.

tagesschau.de: Kurz vor Beginn der Winterspiele in Sotschi gibt es Meldungen, dass viele Hotels nicht fertig geworden sind. […]

Kaminer: Solche Meldungen gibt es nur, weil die Welt viel genauer auf Sotschi schaut als auf die Winterspiele zuvor. Man braucht schon ein bisschen guten Willen beim Blick auf diese Spiele. Wenn man von vornherein eine kritische Haltung hat, wird immer etwas nicht stimmen. [….]

tagesschau.de: Empfinden Sie diese ganze Kritik im Vorfeld als Miesmacherei?

Kaminer: Ich finde Kritik super! Das ist genau das, was Russland braucht. Was ich als falsch empfinde, sind die Boykotts. Wenn beispielsweise der deutsche Bundespräsident den Spielen den Rücken kehrt. Das ist eine sehr naive und kindische Haltung. Gerade in unserer Zeit, wo die Welt eine kleine Kugel geworden ist, wo alles mit allem verbunden ist, kann man ein so ein großes Land wie Russland doch nicht außer Acht lassen.
Im Gegenteil: Da soll man hinfahren und soll meckern. Und man soll sich über unfertige Hotels beschweren. Übrigens haben Österreicher diese Hotels gebaut ...
[….] Und Putin sucht nach Herausforderungen. Natürlich wäre es viel einfacher, in Sibirien Winterspiele zu machen. In drei Vierteln des russischen Territoriums liegt neun Monate im Jahr Schnee. Aber das wäre keine richtige Aufgabe für diesen "ewigen" Präsidenten. Deshalb hat er Sotschi ausgesucht. Das hat vor ihm noch keiner gemacht, an einem Badeort Winterspiele zu veranstalten.
[….] Dass Putin die Entscheidung für Sotschi getroffen hat, liegt auch an den alten Minderwertigkeitskomplexen, die das Land noch immer hat. Selbst 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums fühlt sich Russland noch immer abgeschnitten vom Rest der Welt. Und deshalb versucht Putin, so viele internationale Projekte wie möglich an Land zu ziehen. Das dient dem Zweck, das Land wieder in die Weltgemeinschaft zu bringen. Und dann kommt die Weltgemeinschaft und sagt: Nicht alle Hotels sind fertig.
[….] Ich hoffe sehr, dass viele Menschen nach Russland kommen und mit der Bevölkerung in Kontakt treten. Allein das bringt das Land schon voran. Und es hilft den Russen, sich nicht mehr als Außenseiter und als Ergebnisse eines gescheiterten sozialistischen Experiments zu betrachten, sondern als normale Menschen.

tagesschau.de: Die Familie Ihrer Frau lebt in der Nähe von Sotschi, im Nordkaukasus. Welche Auswirkungen haben die Spiele auf ihr Leben?

Kaminer: Unsere Verwandten im Nordkaukasus haben die Arschkarte gezogen bei diesen Spielen. Von der ganzen Freude und dem Fest bekommen sie nichts mit, dafür bekommen sie die ganze Gängelei durch die Sicherheitsmaßnahmen ab. An jeder Ecke stehen Polizisten und kontrollieren jedes Auto fünfmal am Tag. Das sind beinahe schon Hamburger Verhältnisse.
Dafür ist der Nordkaukasus zurzeit der sicherste Ort der Erde. So viele Sicherheitskräfte hat es, glaube ich, noch nie auf einem Fleck gegeben. Hoffentlich drehen sie nicht durch und schießen sich gegenseitig über den Haufen.
[….]
tagesschau.de: Eine Dokumentation im russischen Staatsfernsehen würdigte Putin als Vater der Winterspiele in Sotschi. Schon seit Jahren inszeniert sich Putin als Vater und Beschützer der Nation. Kommt das bei den Russen gut an?

Kaminer: Ich kenne viele, die ihn wählen, aber ich kenne niemanden, der ihn mag. Die Russen haben sich Putin nicht wirklich ausgesucht. Wer im Land die Macht hat, wurde schon immer in den Kreml-Türmen beschlossen. Für die Russen sind das alles Schurken, egal wer da sitzt. Und sie wollen nicht alle vier Jahre einen neuen Schurken haben. Man muss das Böse ja nicht mehren. Die Menschen mögen Putin zwar nicht, aber sie kennen ihn. Und das ist ihnen lieber als die Ungewissheit.
Das ist nicht so wie bei den Amerikanern, die ganz versessen auf ihre vielen Präsidenten sind. Wahrscheinlich gibt es da ein extra Schulfach, Präsidenten zählen. Die Russen lachen über so etwas. Die können alle ihre Präsidenten an einer Hand abzählen. Selbst wenn die Hand nur drei Finger hat.

Stichwort Amerika.

Nicht auszudenken wie übel Russland im publizistischen Licht dastünde, wenn es auch nur annähernd so abscheuliche Methoden wie die von Merkel und Gauck so heißgeliebte USA anwendete:

USA:
Hinrichtungen. Hinrichtungen von Geisteskranken. Hinrichtungen unter bestialischen Umständen. Hinrichtungen von Minderjährigen. Hinrichtungen von Unschuldigen.
Russland tut das nicht.

USA:
Regelmäßige Drohnenangriffe auf souveräne Staaten bei denen regelmäßig unschuldige Zivilisten getötet werden.
Russland tut das nicht.

USA:
Zwei illegale Angriffskriege während einer Präsidentschaft mit vermutlich über einer Millionen Toten.
Russland tut das nicht.

USA:
Geheime und nicht geheime extraterritoriale Folterlager, in denen Menschenrechte nicht gelten.
Russland tut das nicht.

USA:
Wikileaksskandal – ungeniert schreiben US-Botschaften weltweit auf für was für Idioten sie die Politiker ihres Gastlandes halten.
Russland tut das entweder nicht oder ist wenigstens nicht dumm genug sich dabei erwischen zu lassen.

USA:
NSA-Skandal. Billionenfaches Ausforschen privater Daten im Ausland, Anzapfen des Internets, generalstabsmäßige Wirtschaftsspionage, Verwanzen der EU-Büros, Abhören der Telefone Europäischer Verbündeter. Sich nicht dafür entschuldigen.
Russland tut das entweder nicht oder ist wenigstens nicht dumm genug sich dabei erwischen zu lassen.

USA:
Europa-Abteilungsleiterin im US-Außenministerium, Victoria Nuland: „Fuck the EU.“ Merkel is pissed.
Russland tut das entweder nicht oder ist wenigstens nicht dumm genug sich dabei erwischen zu lassen.

Man stelle sich vor Russland hätte Deutschland auch nur 1/10 so viel gedemütigt, wie es die USA tun!

Victoria Nuland ist nun verbrannt, jedenfalls für den Job als Europa-Beauftragte. Zwar hat sie sich „entschuldigt“. Schön. Das aber ändert nichts daran, dass dieser Form von spätestpubertärer Kraftmeierei oft Überzeugungen zugrunde liegen. Nuland hat, auch als ehemalige Nato-Botschafterin in Brüssel, viel Erfahrung mit Europa und seinen Besonderheiten. Dass man mit Beleidigungen eine Renaissance der Beziehungen befördern kann, ist unwahrscheinlich.
Schon allein die Anmutung, Nuland vertrete eine Fuck-the-EU-Mentalität, ist eine schlechte Voraussetzung für ihren jetzigen Job und ihre zukünftige Arbeit mit den Europäern. Maulheldinnen sind in diffizilen Lagen nicht gefragt.
Nuland ist weniger ein Problem für Europa als vielmehr für ihr Land. Zum einen bestätigt ihr Ton Vorurteile darüber, dass sich Barack Obamas Amerika nicht nur stärker von Europa abwendet, sondern damit auch an die Politik von Obamas Vorgänger Bush anknüpft. Bushs Leute, etwa Vizepräsident Cheney oder der Wutbürger Rumsfeld, waren outspoken. Moskaus oder Kiews Spione zeigen nun, dass Obamas Leute eine ähnliche Sprache führen.
Außerdem hat Nulands Gerede Moskau und den Moskau-Treuen in Kiew einen politischen Vorteil verschafft. „Der“ Westen steht als uneinig in der ukrainischen Frage da. Anstatt gemeinsam zu handeln, beleidigt man sich.
Drittens wird sich Nulands Zitat verselbständigen, und es wird lange leben. Es wird ein Symbol werden für die transatlantischen Zustände so wie auch Rumsfelds Satz vom „alten Europa“ jahrelang ein solches Symbol war.
Die Diplomatin Victoria Nuland hat mit einem kleinen Satz großen Schaden angerichtet. Besonders ärgerlich ist, dass die Geheimdienste der Autokraten diese Kabale als Erfolg feiern können.
(Kurt Kister, SZ vom 08.02.2014)

Putin ist offenbar in der Lage Diplomatie und Außenpolitik sehr viel geschickter zu gestalten als die Supermacht USA.

Mit Putin kann man gemeinsam Politik machen und Positives bewirken. Das haben Schröder und Chirac 2003 bewiesen.
Putin ist ein Stabilitätsanker und tut in Sochi genau das was die Welt von ihm erwartet:
Mit ungeheurem finanziellen Aufwand Olympische Spiele durchzusetzen und dabei auch Sicherheit mit fast 100.000 Soldaten und Polizisten zu garantieren.
Welches Land hätte das noch wuppen können?
Wenn man solche Art Spektakel will, wenn das IOC solche Rekord- und Superlativveranstaltungen bestellt, soll man sich nicht anschließend beschweren, wenn Putin genau das liefert!

Statt wie der bekloppte Gauck beleidigt fernzubleiben, sollte man Putin und seine Machtfülle nutzen und ihn in alle internationalen Problemfelder mit einbeziehen und nicht gegen ihn arbeiten.
Syrien, Iran, Ukraine – in all den Ländern debakuliert der Westen und ist zu arrogant, um vorher mal in Moskau anzurufen.
Auch bezüglich des Irakkrieges und des Afghanistanfeldzuges hätten die kriegsfreudigen George W. Bush-Anhänger Merkel und Schäuble mal lieber auf Putin hören sollen.
Der Mann hatte mit all seinen Prognosen Recht und das Weiße Haus hat auf ganzer Linie versagt. Verbrecherisch versagt.

Vergessen wir auch nicht unsere Geschichte:
Mehrfach haben Europäische Mächte Russland angegriffen und drangen Tausende Kilometer in Russisches Territorium ein. Umgekehrt griff Russland nie Westeuropa an.
Als Deutschland zuletzt in Russland einfiel, 1941, verursachte das am Ende mehr als 20 Millionen tote Russen. Keine andere Nation hat so einen hohen Blutzoll zahlen müssen.
Die Russische Rote Armee hat Deutschland von Hitler befreit. Und die Russische Rote Armee hat Auschwitz befreit.

Statt uns jetzt aufzublasen und den Russen Lehrstunden über Menschenrechte zu halten, sollten Deutsche ruhig noch ein bißchen kleinlaut sein.

An Russlands Homogesetzen gibt es nichts zu beschönigen.
Aber das Mittel dagegen lautet „kultureller Austausch“.
Man sollte Russland mit offenen Armen begegnen und unsere gesellschaftlichen Werte vorleben.
Mit den Russen sprechen, lautet das einfache Rezept.
Und wenn es dem ein oder anderen Wichtigtuer nicht passt, daß Russland sich mit Fußballmeisterschaften und Olympia in Szene setzt, sollte man das vorher überlegen und Moskau nicht den Zuschlag geben.
 Zumindest nicht, ohne sich vorher die gesellschaftlichen Freiheiten garantieren zu lassen, die man jetzt vermisst.





Freitag, 7. Februar 2014

Bis zur Nasenspitze.



In Berliner latschen gerade ein paar öffentlichkeitsaffine Homosexuelle auf der Straße umher, um zum Auftakt der Olympischen Spiele von Sochi gegen Putins unfreundliche Schwulengesetze zu protestieren.
In den sozialen Netzwerken wurde zu einer Schweigeminute aufgerufen.

Los geht’s um 16:30 am Brandenburger Tor: Die Veranstaltung eröffnet Helmut Metzner von der Hirschfeld-Eddy-Stiftung. [….] Um 17.05 Uhr spazieren wir zur nahe gelegenen Russischen Botschaft, Unter den Linden.
Um 17.14 Uhr, parallel zur Eröffnung der Olympischen Spiele, beginnt die Schweigeminute.
Danach gehen wir zur Rainbow Flame am Potsdamer Platz.
(Facebook-Gruppe „Gleiche Rechte für alle Lebensmodelle“ 07.02.14)

Die Reaktionen in Russland kann man sich gut vorstellen.
Beeindruckt von den Aktionen in Berlin und anderen Orten wird der russische Ministerpräsident Dmitri Anatoljewitsch Medwedew sein Kabinett einberufen, eine Problemkerze aufstellen und betroffen die Situation der Schwulen erörtern.
Schnell werden sie einsehen, daß es keine Diskriminierungen mehr geben darf. Zum 01.März 2014 wird dann die Homoehe in Russland eingeführt. Parallel dazu werden die homophoben orthodoxen Bischöfe inhaftiert und Putin outet sich als Schwuler.

Ja, irgendwie ist es rührend, wie die „Aktivisten“ sich parallel zur Eröffnungsshow in Sochi abmühen.
Das erinnert mich an das F.K.Wächter-Bild von dem Sternengucker, der erst auf einen Schemel steigt und dann durch sein Fernglas in den Nachthimmel starrt.

Generell bekommt das russische Volk von Protesten im Ausland so gut wie nichts mit. Es interessiert sie nicht und wird auch nicht von den von Putin kontrollierten Medien thematisiert. Und selbst wenn so eine homo-freundliche Demo in Paris oder Berlin in Russland bemerkt würde, änderte das nichts an Putins Kurs, da er in dieser Angelegenheit mit der übergroßen Mehrheit seines Volkes übereinstimmt.

Es ist Zeit für mehr Ehrlichkeit im Umgang mit Diktaturen. Wenn wir als Weltgemeinschaft unbedingt gigantische Sportereignisse wie Olympiaden und Fußballweltmeisterschaften haben wollen, werden zukünftig fast ausschließlich totalitäre Staaten als Austragungsorte in Frage kommen. In einer normal dimensionierten Demokratie könnte man in Zeiten der Dauerwirtschaftskrisen niemals die Kosten von 40 oder 50 Milliarden Dollar für zwei Wochen Schneeballspielen rechtfertigen. Es gäbe massive Proteste. Die plebiszitär immer aufmüpfigere Bevölkerung ließe sich auch keine Umsiedlungen, Vertreibungen aus ihren Wohnungen oder ökologischen Kahlschlag gefallen, wie es fast immer bei solchen Giga-Ereignissen vorkommt.
Ob die Franzosen heute noch achselzuckend zusehen würden, wenn wie zu den Spielen 1992 in Albertville die halben Alpen weggesprengt werden?
Westliche Demokratien fürchten sich außerdem vor den Sicherheitsmaßnahmen, die im 21. Jahrhundert leider notwendig geworden sind.
Bewerbungen für Olympische Spiele fallen inzwischen in Europa sehr schwer, weil das Volk irgendwie gefragt werden muß. Und das Volk sagte zuletzt immer „Nein“

Eine Fußball-WM oder Sommerolympiade in einer normalen Stadt wie zuletzt London durchzuführen, dürfte schwieriger werden, weil sich die Gegner dieses Wahnsinns zunehmend Gehör verschaffen.

Im Frühjahr sagten die Schweizer Nein Danke.

Das Projekt zur Durchführung der XXIV. Olympischen Winterspiele 2022 im Kanton Graubünden muss zurückgezogen werden. Mit 52,7 Prozent Ja-Stimmen und einer Beteiligung von über 59 Prozent haben die Stimmenden des Bergkantons eine Kandidatur bachab geschickt.

Die Bayern gaben den Funktionären letzten Sonntag ein vierfaches NEIN.
Bevor jemand schon sein Scheckbuch zückt, weil er aus Sorge um die darbenden IOC-Funktionäre eine Spende nach Lausanne schicken möchte, sollte ich darauf hinweisen, daß die IOC-Mitglieder noch einen winzig kleinen Notgroschen von 1,1 Milliarden Euro gebunkert haben.

Nervös werden die Inkarnationen der Korruption um die Herren Blatter und Bach aber dennoch.
Nun plötzlich merken sie, daß ihre offensichtliche Geldgier und Bestechlichkeit, die sich unter anderem in den Entscheidungen für Katar (dort sterben derzeit versklavte Arbeiter auf den Baustellen) und Sochi (dort macht man jetzt schon mal Jagd auf die Schwulen) zeigte, ihr Image gründlich ruiniert haben.
Schon in China 2008 reagierte das IOC mit einem Maulkorberlass für die Sportler, die es wagen würden Zensur und Menschenrechtsverletzungen in Peking anzusprechen.

Die Quittung kommt 2013 aus Deutschland und der Schweiz: Mit solchen Funktionären will man sich nicht mehr ins Bett legen.

Die Mehrzahl der Staaten dieses Planeten kommt ohnehin nicht als Austragungsort in Frage, weil sie einfach nicht reich genug sind, um zweistellige Milliardensummen wie zuletzt in China oder Russland verpulvern zu können.
Da muß man schon auf Sonderfälle wie Katar zurückgreifen, wo ein durch Bodenschätze der Emir reicher als Gott ist.
Und die lästigen Menschenrechte stören da auch nicht.
Frauen haben nichts zu melden und wenn beim überstürztem Aufbau von Fußballstadien ein paar hundert Sklaven verrecken, macht es auch nichts.

Unter barbarischen Bedingungen lässt Katar die Stadien für die Fußball-WM 2022 bauen. Hunderte sind schon gestorben, die Überlebenden werden wie Zwangsarbeiter behandelt und - wenn überhaupt - nur lächerlich entlohnt. Von der Ankündigung, die Kultur für die Welt zu öffnen, ist in Katar nichts mehr übrig.

Vielleicht sollte man den Gastgeber an seine eigenen Worte erinnern, vielleicht sollte man ihn an diesen jetzt messen. Vor gut drei Jahren erhielt Katar den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, und der Botschafter des Emirats in Deutschland sprach aus, welche Bedeutung es habe, dass ein solches Ereignis zum ersten Mal dieser Gegend anvertraut wird. Es zeige "die Öffnung der Kultur und der Gesellschaft Katars für die Welt".
Wenn man die Berichte von den Baustellen des Landes hört, kommt man an der Feststellung kaum vorbei: Nichts liegt den Herrschern dieses Landes ferner als dies. […] Schon vor einigen Monaten wurde bekannt, dass allein im Juli und August des vergangenen Jahres 44 Arbeiter aus Nepal in Katar zu Tode gekommen sind. Nun berichtet die englische Tageszeitung The Guardian unwidersprochen, dass dies bei Weitem nicht alle Toten sind: 382, nur aus Nepal, nur in den beiden vergangenen Jahren.

Wer das nicht will, soll solche Veranstaltungen nicht an Diktaturen vergeben und sie gewaltig downsizen.

Die wahren Schuldigen an diesen Zuständen sind nicht Wladimir Wladimirowitsch Putin oder Scheich Hamad bin Chalifa bin Hamad bin Abdullah bin Jassim bin Muhammed Al Thani, sondern die hochkorrupten Sportfunktionäre, die das entscheiden.
Das sind aber Typen, die nicht vom Himmel fallen, sondern in den hiesigen Sportvereinen von den Millionen Mitgliedern gewählt werden.
FDP-Mitglied Thomas Bach war erster Präsident des 2006 nach der Vereinigung von DSB und NOK neu gegründeten Deutschen Olympischen Sportbundes, DOSB.
Der DOSB ist Dachverband der über 90.000 deutschen Sportvereine, in denen wiederrum fast 30 Millionen Deutsche zahlende Mitglieder sind.

Daß der gute Mann hoch korrupt ist, weiß jeder. Ein Klick auf Wikipedia genügt.

In die Kritik geriet Thomas Bach, als im April 2008 bekannt wurde, dass er seit der Jahrtausendwende einen Beratervertrag mit der Firma Siemens hatte, der im Jahr 2008 mit 400.000 Euro vergütet wurde und zusätzliche Spesen in Höhe von 5.000 Euro pro Tag vorsah. Siemens-Aufsichtsräte kritisierten, dass bei solch hohen Honoraren eine zusätzliche tageweise Bezahlung „absolut unüblich“ sei. Bach soll für den Siemenskonzern Einladungen aus dem arabischen Raum organisiert haben.
Von der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche bekam er in seiner Funktion als Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees am 14. Juni 2008 den Negativpreis Verschlossene Auster für die besonders restriktive Informationspolitik des Komitees verliehen. Dieses dulde „seit vielen Jahren Korruption und Interessenkonflikte bei der Vergabe der Spiele“ und betreibe mit seiner „Informationspolitik das Gegenteil von ‚fair play‘“, so die Begründung.

Die Blatters und Bachs fällen die Entscheidungen und sitzen auf einem Milliardenvermögen.
Solche Minusmenschen sollte man nicht in ihre Ämter wählen, sondern aktiv für Transparenz in seinem Sportverein sorgen. Wer sich als zahlendes Mitglied nicht dafür interessiert, sollte sich nicht Jahre später empören, wenn das von ihnen geplante Megaereignis gerade beginnt.

Dümmlich und oberflächlich wie immer auch die Phrasen zum heutigen Olympiabeginn der Grünen Fraktionsvorsitzenden.

Für faire Spiele - trotz Putin
Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Sotschi erklärt Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende:
Zur Eröffnung der Winterspiele wünsche ich allen Sportlerinnen und Sportlern gute Wettkampfbedingungen, faire Spiele und viel Erfolg.
 Leider ist der Spaß am sportlichen Wettkampf überschattet von undemokratischen Verhältnissen in Russland. Wir verurteilen scharf, wie mit den in der Region von Sotschi lebenden Minderheiten umgegangen wird - die Verletzung der Menschenrechte und die homophobe Gesetzgebung in Russland sind nicht hinzunehmen. Sotschi ist auch ein abschreckendes Beispiel dafür, wie rücksichtslos Natur und Umwelt zerstört wurden, um Sportstätten zu errichten.
Die Spiele sollen ein Fest, ein Ort der Begegnung und des fairen sportlichen Wettkampfes sein. Die Olympischen Winterspiele 2014 wurden leider nicht an einen geeigneten Ort vergeben, sondern direkt an einen Autokraten. Seit Monaten ist klar: Diese Olympischen Spiele finden nicht in Sotschi statt, sondern bei Putin.
(Kathrin Göring-Kirchentag, 07.02.14, PM 104/14)

Die heuchelnde Religiotin läßt natürlich aus, wie ihre EKD mit der rassistisch-homophoben russisch-orthodoxen Kirche kooperiert.
Sie erwähnt auch nicht, daß der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ihr grüner Parteikollege Michael Vesper ist. Vesper war grüner Bauminister und stellvertretender Ministerpräsident in NRW unter Rau und Clement.
Ein Topp-Grüner drehte also mit an der Entscheidung pro Sochi!



Donnerstag, 6. Februar 2014

Rätsel Presse




 Auf Seite Zwei portraitiert die aktuelle Ausgabe der ZEIT Arbeitsministerin Nahles.
Fazit: Sie sei jetzt „fast ganz oben“. Die Zeiten als Generalsekretärin, als sie vielen „zu laut, zu schrill, zu nervig“ erschien, wären nun vorbei. Kein anderer SPD-Minister habe sich so schnell in die neue Rolle eingefunden.

Als sie kurz vor der Wahl in einer Bundestagsrede ein Pippi-Langstrumpf-Lied trällerte, regten sich darüber auch viele Sozialdemokraten auf. Dabei ging es gar nicht so sehr um die kleine Gesangseinlage, die sich seitdem über eine Million Menschen auf YouTube angeschaut haben. Es ging darum, dass Nahles älter zu werden schien, aber nicht reifer. Ihre Zeit als Juso- Chefin, als Sprecherin der Linken und Agenda- Kritikerin war lange vorüber. Nahles, so schien es, sprach trotzdem einfach weiter wie früher. Das ist vorbei. Plötzlich repräsentiert die 43-jährige Nahles eine Partei, der alles zu gelingen scheint. Als sie vergangene Woche ihre Rentenreform vorstellte, das erste große Projekt der Bundesregierung, erntete sie zwar viel Kritik in der Sache – aber auch großes Lob für ihre Arbeit als Ministerin. Andrea Nahles sei in ihrer neuen Rolle angekommen, heißt es allenthalben. Die Union ist begeistert, weil die neue Ministerin sich hinter das teuerste Projekt von CDU und CSU stellt, die Mütterrente, und überdies im persönlichen Gespräch viel zugänglicher sei als erwartet. Dass es plötzlich so viele Nahles-Fans gibt, liegt auch daran, dass sie momentan so viele Antrittsbesuche macht. Sie gehört zu den Politikern, die aus der Nähe überzeugender wirken als aus der Ferne. Je kleiner das Publikum, desto gewinnender ist sie. Als Nahles kürzlich die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände besuchte, sicherheits- halber gleich mit zwei Staatssekretären an der Seite, wurde sie skeptisch begrüßt, aber trotz ihrer teuren Reformvorhaben begeistert verabschiedet. Inzwischen laufen dort Wetten, wann Nahles SPD-Kanzlerkandidatin wird – 2021 oder erst später?
(DIE ZEIT 6.Februar 2014, s.2)

Liebe ZEIT, „laut und schrill“ wäre das kleinste Problem gewesen.
Blöd war eher, daß Nahles ziemlich auf den Kopf gefallen ist und der SPD inhaltlich nicht den geringsten Impuls geben konnte.
Trotz der schlechtesten Bundesregierung aller Zeiten (Schwarz-Gelb 2009-2013) schaffte es Nahles sämtliche Steilvorlagen zu vergeigen und ein letztendlich blamables Wahlergebnis einzuholen.
Sie beschäftigte sich mit ihrer fortschreitenden Religiotie – bejubelte frenetisch den Kinderfickerschützenden und homophoben Papst, während sie säkulare und laizistische Arbeitsgruppen innerhalb der SPD verbieten ließ.
Grandios scheiterte sie auch bei dem Versuch Thilo Sarrazin und sein braun-biologistisches Weltbild aus der SPD zu werfen. Völlig überfordert steuerte sie einen extrem dümmlichen Bundestagswahlkampf, in dem wirklich alles was sie anfasste schief ging. Zum ungünstigsten Zeitpunkt sickerte die Personalie Steinbrück durch. Sie gab keinerlei Rahmenprogramm der Partei, stellte kein PR-Team zu Verfügung und lief blind taumelnd in Vortragsgehälterdiskussion.
Die mediale Begleitung Steinbrücks war eine Tour der Pleiten und dazu wählte Nahles den idiotischsten Wahlkampfslogan ever aus. „DAS WIR ENTSCHEIDET“ war dabei noch nicht mal auf ihrem eigenen Mist gewachsen, sondern bei einer ausbeuterischen Zeitarbeitsfirma geklaut. Selbstredend war auch die Nahlessche Wahlwerbekampagne ein gigantischer Flop. Dabei entblödete sie sich nicht in YouTube-Videos das Stricken roter Mützen für den Wechsel als wirksames Mittel im Kampf gegen Angela Merkel zu preisen.
Nahles‘ endlose Kette von Fehlleistungen ist Legende.
Man denke nur an den Sturz des eigenen Parteivorsitzenden Müntefering inmitten der Koalitionsverhandlungen 2005 oder ihre ultrapeinliche TV-Auftritte.

Nahles ist sicherlich die schlechteste Generalsekretärin, welche die SPD seit dem Krieg hatte. Die Partei scheint das ähnlich zu sehen; traditionell sind ihre Wahlergebnisse so unterirdisch schlecht, daß sie jedes Mal nach der Verkündigung auf der Bühne in Tränen ausbricht.
Natürlich tut sie mir in diesen Augenblicken Leid, wenn sie vom Parteitag wieder einmal mit unterirdischen 60% im Amt bestätigt wurde. Ich mag keine Frauen weinen sehen. Aber was bleibt der Partei anderes übrig, wenn jemand so offensichtlich total überfordert im Job ist und kontinuierlich debakuliert? Sie kann es nun mal einfach nicht.
Da gibt es keine zwei Meinungen.
Obwohl…., zwei Irre scheinen sie tatsächlich als Generalin gemocht zu haben. Unverständlicherweise.

Wie sehr sich ihre Rolle verändert hat, war auf dem SPD-Parteitag Ende Januar zu beobachten, als Gabriel seiner scheidenden Parteimanagerin fast euphorisch dank- te. Sie sei die beste Generalsekretärin aller Zeiten und kenne die SPD besser als er selbst. Nahles sagt dazu, sie sei sich sicher, in diesem Moment habe der Sigmar das bestimmt auch genau so gemeint.
(DIE ZEIT 6.Februar 2014, s.2)

Aber Gabriel kuscht ja auch vor der NSA, akzeptiert die Peinlich-Personalien Pofalla (Millionenjob bei der Bahn) und Schavan (Traumjob im Vatikan) und winkt 1,4 MRD-Euro Hermesbürgschaften für Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien durch.

Daß aber ausgerechnet die kluge Elisabeth Niejahr Nahles Rentenreform lobt, ist mir ein Rätsel.
Sie arbeitet doch im Politik-Ressort und dort gibt es durchaus noch Qualität in der ZEIT. Ganz im Gegensatz zu der Religioten-Dampfkammer „Glauben und Zweifeln", in der außer dummdreisten Kirchenlob nichts geschrieben wird.

Niejahr müßte doch wissen, daß es ungerecht und idiotisch ist, was Nahles mit den Renten plant.

Was Andrea Nahles bei den Renten verzapft hat, ist einfach nur peinlich.
Ohne irgendetwas an den Strukturen zu verändern tumb von den Beitragszahlern auf die Alten umzuverteilen, ist keine Reform, sondern ein Armutszeugnis. Die Reichen, die Unternehmer, die Beamten, die Bundestagsabgeordneten und die Minister müssen natürlich nichts in die Rentenkasse einzahlen. Dafür wird einseitig der kleine Mann belastet.
Da stimme ich sogar mit SPRINGERS Abendblatt überein, in dem das Rentenkonzept als „Irrsinn“ betitelt wird.

Dieser erste zentrale Gesetzentwurf der Großen Koalition ist fatal. Er erfolgt überstürzt, weil er wichtige Fragen nicht klärt. Wenn Arbeitsministerin Nahles eine verfassungskonforme Lösung im parlamentarischen Verfahren "nachholen" will, spürt man die heiße Nadel. Und das ist noch eine Petitesse verglichen mit den Langfristkosten der großkoalitionären Rentenparty. Experten gehen bei dem Paket von Mehrausgaben von 160 Milliarden Euro bis 2030 aus. "Wie soll das finanziert werden?", fragt sich Schröder zu Recht. Die Antwort: Die Beitragsleister werden es bezahlen müssen – die eigentlich vorgesehene Entlastung bei den Rentenbeiträgen entfällt, die nächste Erhöhung rückt näher. Arbeit wird in Deutschland wieder teurer. Und damit nicht genug: Ausgerechnet gut ausgebildete Fachkräfte werden durch das neue Gesetz früher in den Ruhestand wechseln – oft ausgerechnet in den Branchen, die schon jetzt einen Mangel an guten Leuten beklagen. So schwächt man einen starken Standort.

Eins muß ich der Sozialministerin allerdings lassen:
immerhin scheint sie im Gegensatz zu Gabriel und Niejahr selbst zu ahnen, daß ihr da kein großer Wurf gelungen ist und zieht daher drastische Konsequenzen.
Und bezüglich der Konsequenzen ist sie wirklich Merkel nahe gekommen.
Es wird nichts getan, nichts geändert, es werden keine sachlichen Verbesserungen geplant, sondern man haut einfach noch ein paar mehr Steuergelder für Lobbytätigkeiten raus.

Auf ein paar Milliönchen kommt es nicht drauf an, wenn man aus Scheiße PR-Gold machen will. Weit über eine Million Steuerzahlergeld läßt Nahles für eine inhaltlich nicht richtige Kampagne ausgeben.

Die Bundesregierung betreibt derzeit erheblichen Aufwand, um die angeblich frohe Botschaft von ihrem Rentenpaket unters Volk zu bringen. [….]
Jetzt ist klar, wie viel die Kampagne kosten wird. Auf Anfrage der SZ teilte ein Sprecher des zuständigen, SPD-geführten Ministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) mit, dass für die Image-Kampagne 1,15 Millionen Euro angesetzt sind.
[…]  Die Opposition kritisiert die Bundesregierung scharf für die Kampagne. Das sei "mit Steuergeld finanzierter Europawahlkampf der SPD", sagte Linken-Chefin Katja Kipping der SZ. [….]
Markus Kurth, sozialpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, hält vor allem den Zeitpunkt der Kampagne für fragwürdig. Obwohl das Rentenpaket den Bundestag noch nicht mal erreicht hat, "startet Frau Nahles eine millionenschwere Werbekampagne". Sie könne aber "nicht mehr Parteipropaganda im Sinne einer Generalsekretärin machen". [….]   Kernstück der Kampagne ist die Internetseite www.rentenpaket.de. Dort finden sich grundlegenden Informationen zur Aufstockung der Rente für Mütter von vor 1992 geborenen Kindern oder zur abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren. Letztere wird auch dort leicht missverständlich "Rente mit 63" genannt. Tatsächlich aber steigt die Altersgrenze zwischen den Geburtsjahrgängen 1952 und 1964 von 63 auf 65 Jahre an.
Keine Rede von Zusatzbelastungen
Verschwiegen wird dort auch, dass Union und SPD zur Finanzierung des Rentenpakets die eigentlich gesetzlich vorgesehene Senkung des Rentenbeitrags von 18,9 auf 18,3 Prozent aushebeln werden. [….]
Auch die Zahl von 160 Milliarden Euro, die die Rentenbeschlüsse bis 2030 kosten werden, ist auf den Imageseiten rentenpaket.de nicht zu finden. [….]