Mittwoch, 4. Mai 2022

Das Tabu

Zugegeben, ich lache auch über Witze mit einer Pointe, die sich auf die winzigen Genitalien Trumps und anderer großspuriger Rechtspopulisten beziehen. Die Komik entsteht, weil jeder die Andeutung versteht, daß ein Mann mit winzigem Würstchen, irgendetwas zu kompensieren hätte und dann besonders laut rumprahlt. Sehr schön passen diese Gags auf zu bis an die Zähne bewaffneten US-QtrumpliKKKans; zumal Gewehre in der Tat eine phallische Form haben und  schon deswegen entsprechende Assoziationen auf der Hand liegen, wenn diese primitiven Menschen derartig stolz ihre Waffen umghertragen. 

 

 

Tatsächlich hat Donald Trump selbst 2016 eine Penisgrößen-Diskussion mit Marco Rubio vom Zaun gebrochen und – selbstverständlich – klargestellt, er habe einen besonders Großen.

Sein Sohn Don Jr. fühlte sich schon Jahre zuvor bemüßigt, öffentlich über die enormen Rüben in den Hosen der Trump-Männer zu Auskunft zu geben.

[….] In a recently-surfaced 2007 interview with Adam Carolla, Donald Trump Jr. talked about his dad's penis, how hard it is to be at the Playboy Mansion with a pregnant wife, whether he'd ever murder his father to inherit his fortune, and various other topics. In the interview, Trump Jr. implied, but stopped short of outright asserting, that he has a larger penis than his dad.  "You know, and I will get fired for this, but I’m never going to say that I don’t," Trump Jr. replied. "I will get fired for that. By the way, they’re both pretty substantial, I think."  [….]

(Seth Millstein, April 5, 2018)

Wie soll man angesichts solcher unfassbaren Peinlichkeiten denn keine Witze über die Cornichons dieser Typen machen?

Jeder, der Thomas Brussigs Meisterwerk „Helden wie wir“ von 1996 gelesen hat, wird schallend gelacht haben, als der präpubertäre, sich um seinen noch kleinen Zipfel sorgende Titelheld Klaus Uhltzscht, aus den Belehrungen seiner Mutter ableitet, besonders kleine Penisse wären am schönsten.


Die Witze funktionieren natürlich auch so gut, weil es weltweit Einigkeit darüber gibt, daß riesige Dinger ganz toll sind, während Kleine ein Grund zum Auslachen sind.

Kein Wunder, daß in Datingportalen, in denen die eigene Größe in S, M oder L angegeben werden kann, 99% aller Männer L haben.

Wer in der Schule in Stochastik aufgepasst hat, weiß allerdings, daß nicht alle Männer tatsächlich einen sehr überdurchschnittlichen Spargel haben können.

Zudem ist es eindeutig so, daß sich kein männlicher Säugling die Dimensionen seiner Nudel aussuchen kann. Man wird nun einmal so geboren.

Das gilt zwar auch für die weibliche Brust, so daß es sich diesbezüglich ebenfalls verbietet, Diskriminierungen zu veranstalten. Aber im Gegensatz zu den Phalli, sind bei der BH-Ausfüllung sehr gute und vergleichsweise einfache operative Möglichkeiten da.

In Kalifornien ist spätestens zum Highschool-Abschluss ein „Boob-Job“ geradezu obligatorisch. So wie Amerikanerinnen einheitliche viel zu weiße Zähne haben, werden die Brüste auch an das geltende Ideal angepasst.

Ich werde nie das entsetzte Gesicht einer Model-Agenturchefin vergessen, als vor ca 15 Jahren ein Spiegel-TV-Team im Hollywood-Model-Business recherchierte und nachfragte, wieso es denn gar keine deutschen Models in ihrer Kartei gäbe.

Ganz einfach, die Deutschen wären einfach ungepflegt; einige rasierten sich tatsächlich die Achseln (statt mit Laserbehandlungen jede einzelne Haarwurzel verödet zu haben), sogar Deutsche mit unoperierten Brüsten meldeten sich bei ihr. UNOPERIERT, mit so einer Einstellung könne man keine Karriere erwarten.

In dem Zusammenhang komme ich zurück auf Donald Trump, der die seltene Gabe hat, mit jeder noch so erfolgsversprechende Geschäftsidee pleite zu gehen. Der Mann ist vermutlich der schlechteste Geschäftsmann der Welt.

Bisher sind nur drei Methoden bekannt, mit denen Trump tatsächlich Geld „verdiente“.

1)   Seinen Milliardär-Vater anbetteln,

2)   Kriminell sein und

3)   Reality-TV, in dem er seinem sadistischen Trieb folgen darf, Schwächere zu quälen.
a) The Apprentice
b) Tittenjuror bei zahlreichen Miss-Wahlen.

Welche ausgleichende Gerechtigkeit, wenn er als Microphallus bloßgestellt werden könnte.

Männer haben aber  erstens den Vorteil, üblicherweise nicht anhand ihrer Penislänge verurteilt zu werden, weil man diese im Alltag gar nicht feststellen kann und zweitens wird von ihnen auch keine obligatorische operative Vergrößerung erwartet, weil das medizintechnisch nicht möglich ist.

Es ist zwar etwas mehr Durchmesser durch Fett- oder Silikon-Einspritzungen möglich, aber eine Dauerschwellung wie bei der menschlichen Frauenbrust ist nicht machbar.

Es spricht also nichts dagegen, sich mit der naturgegebenen Länge anzufreunden und es spricht alles dagegen, Männer aufgrund ihrer Ausstattung „untenrum“ zu bewerten.

Für mich ist das ohnehin selbstverständlich. Umso erstaunter war ich von mir selbst, als ich beim Lesen des heutigen SZ-Feuilleton unangenehm berührt wurde.

Jan "Monchi" Gorkow, Sänger von "Feine Sahne Fischfilet", spricht in einem längeren Interview über seine radikale Abmagerung und die grotesken Schwierigkeiten, die sein ehemaliger 182-Kg-Körper mit such brachte: Unter ihm zerberstende Klobrillen und Stühle, die Unfähigkeit sich selbst noch den Po abzuwischen oder die Schuhe zuzubinden.

Die Fragen der Interviewerinnen Ulrike Nimz und Antonie Rietzschel waren insofern nicht impertinent, da Gorkow zu diesen Themen selbst ein Buch geschrieben hat und damit derzeit auf Lesereise unterwegs ist.

[….] SZ: Auf Seite 248 Ihres Buches steht der Satz: "Ich habe einen kleinen Schwanz." Die ultimative Provokation?

Monchi: Es geht eher darum, einen bestimmten Habitus lächerlich zu machen. Wenn einer sagt: Das ist meine fette Karre - dann kommen wir mit dem Bobby Car. Wenn alle sagen, wir haben den Dicksten und Längsten, dann sag' ich: Ja und, meiner ist halt klein. Aber es ist schon krass, wie viele Leute einem jetzt ungefragt ihre Schwänze schicken.

SZ: Willkommen in der Realität vieler Frauen.

Monchi: Also es sind jetzt nicht direkt Dickpics, aber viele Männer fühlen sich offenbar verstanden und freuen sich, dass da mal jemand so offen drüber spricht. Dieses Körperthema ist der Wahnsinn. Hat halt jeder einen. […..]

(SZ-Interview Jan Gorkow, 04.05.2022)

Ich verzog mein Gesicht, obwohl ich ganz allein war. Ein klassischer Fall von „Too much information“.

Erstens möchte ich das nicht wissen und zweitens befürchte ich nun, daß der durchaus bekannte Leadsänger einer dezidiert linken, migrantenfreundlichen Band, nun noch mehr unter Shitstorms rechter Trolle leiden wird. Es gibt keinen rechten Blog, der nicht regelmäßig und hysterisch gegen "Feine Sahne Fischfilet" hetzt.

Aber welcher rechtspopulistische Hetzer liest schon Bücher, oder gar die SZ?

Außerdem bin ich dabei erneut dem dämlichen Vorurteil aufgesessen, es wäre „schlecht“, einen eher kleinen Zapfen zu haben und daher würde sich Gorkow getroffen fühlen.

Aber dank seiner Offenheit, korrigiere ich mich doppelt. Die Assoziation „Kleiner Penis = peinlich“ muss aus meinem Kopf. Wenn man das erst einmal verinnerlicht hat, gibt es auch keinen Grund, sich zu schämen.

Ein guter Augenöffner, Herr Gorkow.

Und seien wir doch mal ehrlich: Sollte sich durch geleakte Videos herausstellen, daß Donald Trump doch ein pretty substantial package in seiner Hose herumträgt, änderte das rein gar nichts an meiner Einschätzung: Trump ist ein moralisch völlig verkommenes, bösartiges, perfides, borniertes, verdummtes, sexistisches, rassistisches, gefährliches, abstoßendes, häßliches, brutales, gemeines, abstoßendes Stück Scheiße.

Dienstag, 3. Mai 2022

Bergab in den USA, bergab in Deutschland

Die Q-TrumpliKKKans sind sehr stark für die US-Verfassung engagiert.

Und zwar genau so, wie sie als fromme Christen eben auch für die Bibel engagiert sind: Gelesen haben sie den vollständigen Text nie, sie halten sich auch nicht an alle Vorgaben und schon gar nicht sollen alle biblischen Gebote/Verfassungsgrundsätze für sie gelten.

Natürlich immer nur diejenigen, die ihnen gerade politisch in den Kram passen.

Freedom of Speech ja, aber eben nur für sich selbst. LGBTIQs, Frauen, Demokraten oder gar Schwarze, sollen die Klappe halten. Don‘t say gay-Gesetz! Freedom ist ihnen auch bei schweren Waffen, Impfungen und medizinischen Masken extrem wichtig. Da dürfe es keine Vorschriften geben. In der Abtreibungsfrage argumentieren sie genau umgekehrt, da dürfe es keinesfalls eine freie Entscheidung geben.

Die Partei Trumps wettert gemeinsam mit ihrem orangen Idol wider die Cancel-culture der sogenannten „liberals“ und hat damit wenigstens einen Punkt in ihrem Forderungskatalog, der nicht völlig absurd ist. Sie vergessen nur zu erwähnen, daß sie selbst die größten Canceler sind, die ständig danach schreien, irgendetwas zu verbieten.

Trump selbst ist die Apotheose dieses Rechtsverständnisses; geradezu manisch verklagt er jeden, droht damit vor Gericht zu gehen. Für ihn selbst gelten aber Gesetze natürlich nicht. So reagiert er voller Wut und Empörung auf Justizangehörige, die sich mit seinen Gesetzesbrüchen beschäftigen. Als Präsident hatte er nie etwas von Gewaltenteilung gehört, sondern verstand Richter, Staatsanwälte und auch den Justizminister als seine persönlichen Untergebenen. Die Verfassung war ihm immer völlig egal, er hielt seine eigenen Launen für den einzigen Maßstab. Besonders die Black Lives Matter Bewegung bekam das zu spüren. Trump mag vieles nicht, aber Schwarze kann er ganz besonders schlecht ausstehen.

[….]  Der frühere US-Präsident Donald Trump hat nach Angaben seines damaligen Verteidigungsministers Mark Esper erwogen, auf Anti-Rassismus-Demonstranten schießen zu lassen. Trump habe im Jahr 2020 »mit rotem Kopf« im Oval Office gesessen und sich »lautstark« über Menschen beschwert, die nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd vor dem Weißen Haus protestierten. Das schreibt Esper laut von der Nachrichtenwebsite »Axios« veröffentlichten Ausschnitten in einer bald erscheinenden Autobiografie. [….]  Trump habe laut den Buchausschnitten damals gesagt: »Könnt ihr nicht einfach auf sie schießen? Ihnen einfach in die Beine schießen oder so?« Der ehemalige Verteidigungsminister schreibt von einer »surrealen« Situation, während er vor Trumps Schreibtisch im Oval Office gesessen habe. Er habe einen Weg finden müssen, dem damaligen US-Präsidenten diese Idee auszureden. […..]

(SPON, 02.05.2022)

Das ist Trumps Einstellung der Meinungsfreiheit, die er genauso bekämpft wie die Pressefreiheit – „enemy of the people“.

Journalisten leben im LAND OF THE FREE unter Donald Trump durchaus gefährlich. Im Press Freedom Index rutschten die USA auf einen beschämenden Rang 48 ab – hinter Ländern wie Botswana (44), Burkina Faso (41), Südafrika (28), Ghana (23), Surinam (21) oder Uruguay (20).

Unter Biden liegen die USA 2022 auf Rang 42.

Insbesondere, weil Querdenker, Covidioten und AfDler Pressevertreter wüst beschimpfen und physisch attackieren, rutscht auch Deutschland im Pressefreiheitsranking drastisch ab. Gegenwärtig steht nur noch Rang 16 zu Buche.

[….]  Deutschland rutscht weiter ab

Gewalt gegen Journalisten, weniger Vielfalt und Probleme beim Quellenschutz: Die Lage der Pressefreiheit in Deutschland hat sich laut "Reporter ohne Grenzen" weiter verschlechtert. Aber auch in anderen Ländern gibt es große Probleme.  Die Lage der Pressefreiheit in Deutschland hat sich nach Einschätzung von "Reporter ohne Grenzen" weiter verschlechtert. Die Bundesrepublik liegt auf der heute veröffentlichten Rangliste nun drei Plätze tiefer als noch vor einem Jahr: auf Rang 16 - hinter Ländern wie Litauen, Jamaika und den Seychellen.  [….]

(Tagesschau, 05.0.2022)

Ausgerechnet am heutigen UNESCO-Welttag der Pressefreiheit, passt eine Personalie aus der CSU gut ins Bild.

Es ist ein absolutes Debakel für Markus Söder; nach nur zwei Monaten muss Generalsekretär Stephan Mayer, seine neue Hoffnung für den CSU-Landtagswahlkampf, hinschmeißen.

[….] "Kurz vor Mayers Rücktritt hatte die »Bild« berichtet, der Politiker habe einen Journalisten bedroht. Demnach soll Mayer einem Reporter des Promi-Magazins »Bunte« mit persönlicher Vernichtung gedroht haben. Wörtlich soll Mayer dem Journalisten am Telefon gesagt haben: »Ich werde Sie vernichten. Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens. Ich verlange 200.000 Euro Schmerzensgeld, die müssen Sie mir noch heute überweisen.«" [….]

(SPON, 0.05.2022)

Die CSU verlangt traditionell Hofberichterstattung vom BR und dem ZDF. Nach unliebsamen Berichten, gibt es unangenehme Anrufe aus der Söderschen Staatskanzlei.

Wie es General Mayer mit der Pressefreiheit hält, ist also auch klar geworden.

Montag, 2. Mai 2022

Globalaufmerksamkeitsspanne

Es ist ganz interessant, die CNN-Abendshows zu sehen, weil die im Gegensatz zu den deutschen Talkshows à la Lanz und Maischberger sehr wenig aktive Politiker einladen, sondern mehr Experten zu Wort kommen lassen. Wissenschaftler, Analysten, thinktank-Experten. Sogenannte „TV-pundits“.

Da Amerikaner generell schlecht gebildet sind und schon gar nichts über die Welt jenseits der US-Grenzen wissen, ist das durchaus lehrreich.

Ein Gedanke zum Ukraine-Krieg wird da gelegentlich ventiliert, den ich so noch gar nicht von deutschen Journalisten höre.

Hier lautet geht das Narrativ wie folgt:

Ein vor Kraft strotzender Putin will das gesamte Einflussgebiet der alten UdSSR zurück haben, hat den Westen durch seine bots und Trolls destabilisiert (Brexit, Trump, rechtsextreme Bewegungen, die nach Moskaus Pfeife tanzen) und dachte, ‚die Luschen in der EU haben eh ihr Militär verrosten lassen und sind feige; da kann ich Blitzkrieg-artig die Ukraine schnappen und die Idioten in der EU werden sich genau wie 2014 bei der Krim schon wieder abregen, weil sie mein Gas und Öl brauchen‘. Dann war Putin aber total verblüfft von der heftigen Ukrainischen Gegenwehr und unterschätze, wie die westlichen Staaten sich am Riemen reißen, schnell böse Sanktionen verhängen und die Ukraine massiv aufrüsten. Nun ist Putin ratlos, weil seine eigenen Truppen demotiviert sind und muss seine Ziele gewaltig abspecken. Gut möglich, daß die Ukraine sogar gegen Russland gewinnt.

Von CNN-Pundits höre ich aber eine leicht veränderte Variante.

Ja, Putin hätte gern die Ukraine handstreichartig und ohne viel Gegenwehr übernommen, aber Syrien diente eben nicht nur als seine Blaupause, um neue Waffen zu testen.....

[….]  Syrien gilt als Putins Versuchslabor. Russlands Eintreten in den Bürgerkrieg rettete nach 2015 Machthaber Assad. Russland konnte neue Waffensysteme und Kriegsstrategien testen - auf Kosten der Zivilbevölkerung. [….]

(Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo, 06.03.2022)

…sondern vor allem, um auszuprobieren, wie es um die Konzentrationsfähigkeit des heterogenen Westens bestimmt ist. Putin lernte bei der Krim 2014 und ab 2015 in Syrien, daß der Westen zwar erst Zeter und Mordio schreit, sich fürchterlich aufregt, aber daß die Öffentlichkeit einfach nicht in der Lage ist, bei der Sache zu bleiben.

Irgendwann haben sie keine Lust mehr auf das Thema, wenden sich anderen Dingen zu. Das zeigt auch das Beispiel Pandemie. Nach zwei Jahren ist die Luft raus, die Politik traut sich einfach nicht mehr, einen konsequenten Kurs fortzusetzen, weil die Bürger zu undiszipliniert sind und wie garstige kleine Kinder damit drohen, anderenfalls bei den nächsten Wahlen, die Regierung in die Wüste zu schicken.

Krisen, die länger andauern, sind uns wurscht, wie der Krieg unserer Golfstaatenpartner gegen den Jemen mit bereits Hunderttausenden Toten.

[….] Mehr als 370.000 Menschen wurden im Jemen-Konflikt bereits getötet, Millionen mussten flüchten. Die Vereinten Nationen stufen den Krieg und seine Folgen als schlimmste humanitäre Krise der Welt ein.   [….]

(Tagesschau, 22.01.2022)

370.000 Tote, für die Joachim Gauck nicht eine Sekunde überlegte, zu frieren.

Riads Bombardierungen der Zivilbevölkerung im Jemen begann aber schon 2015.

Ein weiterer Beleg für diese Sichtweise ist der Nato-Partner Türkei. Dessen Präsident Recep Tayyip Erdoğan ebenfalls gerade einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führt und unfassbares Elend über die Zivilbevölkerung bringt.

[….] Im Schatten des Krieges in der Ukraine hat die Türkei in den letzten Wochen mit Kampfflugzeugen Angriffe auf kurdische Gebiete im Irak und in Syrien geflogen. Und türkische Truppen marschierten in den Irak ein. Ein internationaler Aufschrei blieb aus. Damit bricht die Türkei Völkerrecht, denn die UN-Charta untersagt „jede gegen die territoriale Unversehrtheit eines Staates gerichtete Anwendung von Gewalt“.  Warum geht die EU mit den Völkerrechtsbrüchen von Russland und der Türkei so unterschiedlich um? Natürlich sind die Konflikte nicht eins zu eins vergleichbar. Dennoch stellt sich die Frage: Wann sprechen wir von Angriffskrieg, wann von Militäroperation? Wenn es der EU um die Einhaltung von Völkerrecht geht, warum verhält sie sich Erdogan gegenüber so zurückhaltend? Die Türkei begründet den Angriff damit, Stellungen der kurdischen Miliz YPG und der Partei PKK treffen zu wollen, um Terrorangriffe zu verhindern. Türkei und EU stufen die PKK als Terrororganisation ein. Seit Jahren beschießt die Türkei immer wieder kurdische Gebiete im Irak und in Syrien. Oft kamen dabei Zivilist:innen ums Leben. [….]

(Monitor, 30. April 2022)

Putin hat das womöglich eingepreist. Schon jetzt beginnen die freundlichen Helfer der ukrainischen Flüchtlinge in Deutschland sich zu beklagen. Der Staat hilft ihnen nicht, wie lange sollen sie denn noch alles allein machen?

Die Energiekrise hat noch gar nicht begonnen, schon ist die deutsche Wirtschaft in heller Aufregung. Und die deutsche Regierung wackelt auch schon. Oppositions-Merz reist nach Kiew, um die eigene Regierung in Berlin zu schwächen – es sind ja schließlich Wahlen in Kiel und Düsseldorf.

Gut für Putin. In anderen NATO-Staaten sieht es nicht besser aus. Biden werden die Midterms im November lahmlegen und Frankreich wäre letztes Wochenende um ein Haar implodiert. In London regiert ein irrer Idiot, der im Regierungssitz Sexparties veranstaltet.

Jetzt guckt der deutsche Michl noch die die Ukraine-Berichterstattung an. Aber in sechs Monaten oder zwei Jahren auch noch?

Und was ist, wenn inzwischen eine neue Corona-Mutante die EU lahmlegt?

Nicht vergessen darf man auch die Klimakrise, die uns zuverlässig mit neuen Ahrtal-artigen Stories versorgen wird.

[…]  dass sich neben den offenkundigen globalen Krisen – zuletzt war es Corona, jetzt ist es Putins Krieg in der Ukraine – im Hintergrund kontinuierlich mehrere ökologische Bedrohungen zuspitzen, ist bekannt. Doch man neigt dazu, das gelegentlich zu verdrängen. Wie ein Weckruf wirkten in der Ballung die Nachrichten in dieser Woche:

Am Mittwoch haben die Vereinten Nationen einen neuen Bericht veröffentlicht, den »Global Land Outlook«

·  zum Zustand der Böden der Welt. Darin heißt es: 20 bis 40 Prozent der globalen Landflächen sind bereits geschädigt – wissenschaftlich spricht man dabei von »Landdegradation«, das System Boden verliert seine Funktion. Konkret heißt das häufig: Wälder werden zu Steppen, Wiesen zu Wüsten.

·  Am Dienstag riefen die Behörden im Süden Kaliforniens einen Wassermangelnotstand aus und ordneten zum ersten Mal überhaupt eine Beschränkung für die Wassernutzung an. Grund ist die extreme Trockenheit.

·  Am Mittwoch erschien in der Zeitschrift »Nature« eine Studie zum Zustand der Reptilien auf der Welt. Ausgewertet wurden Daten aus der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. 21 Prozent der erfassten 10.196 Reptilienarten sind demnach vom Aussterben bedroht.

·  In Asien sind derzeit mehr als eine Milliarde Menschen von extremer Hitze betroffen, die Temperaturen in Indien und Pakistan erreichen teils Werte nahe der 50-Grad-Marke. Indien sei ein »Hotspot des globalen Klimawandels«, sagte Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst dem SPIEGEL am Mittwoch

. Am Donnerstag veröffentlichten die University of Maryland und die Organisation Global Forest Watch eine Aufstellung zu der Waldfläche, die 2021 durch Feuer verloren ging. Die mit Abstand größte Waldfläche verbrannte im vergangenen Jahr in Russland, mehr als 53.600 Quadratkilometer – eine Fläche größer als Niedersachsen. »Russland erlebte seine schlimmste Feuersaison aller Zeiten«, sagte die Wissenschaftlerin Elizabeth Goldman der »Washington Post«.

Während die Welt gebannt auf die Ukraine blickt, meldet sich die Natur zurück, so liest sich das.  […]

(SPON, 02.05.2022)

Das ist alles viel zu viel für die degenerierte Aufmerksamkeitsspanne eines Europäers oder Nordamerikaners.

Wenn in zwei oder vier Jahren immer noch in der Ukraine gekämpft wird, interessiert sich niemand mehr dafür. Es wird keine Brennpunkte mehr geben und sollte Putin irgendwann mit Massenvernichtungswaffen zum finalen Schlag ausholen, wird die Öffentlichkeit es achselzuckend hinnehmen.

Sonntag, 1. Mai 2022

Impudenz des Monats April 2022

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Es sind die christliche Konservativen.

Gerade startete die ökumenische Woche für das Leben 2022.

Vom 30. April bis 7. Mai 2022 werben Katholiken und Protestanten mit diesem Motto für sich selbst. Was zunächst einmal positiv klingt, ist wie eigentlich immer bei Christen, Etikettenschwindel.

Lebensschutz. Christdemokraten für das Leben. Pro-Life. Marsch für das Leben.

In all diesen Fällen geht es darum Frauen zu drangsalieren, ihnen ihre Rechte zu nehmen oder Menschen ihr Selbstbestimmungsrecht zu nehmen, sie dazu zu verdammen lange und brutal zu leiden.

Es passt nur zu gut, daß der Chef der größten christlichen Partei Europas, Friedrich Merz, im Bundestag dagegen stimmte, Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe zu stellen. Für ihn ist das Recht einer Frau auf Würde, körperliche und seelische Unversehrtheit nachrangig. Wenn der Ehemann Lust auf Sex hat, seine Gattin aber nicht möchte, darf er nach Ansicht von Friedrich Merz gern Gewalt anwenden und soll straflos bleiben.

Diese Bundestagsabstimmung vom 15. Mai 1997 ist bald 25 Jahre her, aber Fritze Merz überdachte seine Ansichten nie.


2022 machte er sich in verächtlichem Ton über feministische Außenpolitik lustig, hat also immer noch nicht begriffen, daß Vergewaltigungen als Kriegswaffe eingesetzt wird und die Opfer bisher nicht in Den Haag dagegen vorgehen konnten, weil Massenvergewaltigungen Dank der Männer, die so denken, wie Jurist Merz, nicht als Kriegsverbrechen gilt.

[….] Baerbock will das so nicht stehen lassen. Sie sagt Bundeswehr und eine feministische Außenpolitik - da gibt es gar keine Gegensätze: "Mir bricht es das Herz und wissen Sie warum? Weil ich vor einer Woche bei den Müttern von Srebrenica war und die mir beschrieben haben, wie die Spuren dieses Krieges in ihnen drin sind. Und diese Mütter haben gesagt, Frau Baerbock, damals wurde nicht gehandelt, Anfang der 90er-Jahre, als sie, als ihre Töchter, als ihre Freundinnen vergewaltigt worden sind, Vergewaltigung als Kriegswaffe nicht anerkannt war, nicht vom internationalen Strafgerichtshof verfolgt wurde. Und deshalb gehört zu einer Sicherheitspolitik des 21. Jahrhunderts auch eine feministische Sichtweise. Das ist kein Gedöns, sondern das ist auf der Höhe dieser Zeit." Zum Hintergrund: Diese Frauen wurden 1995, also zurzeit der Balkankriege, von serbisch-bosnischen Truppen vergewaltigt. Und für dieses Statement wird Annalena Baerbock gerade im Netz gefeiert. Denn mit ihrer Meinung, dass es heutzutage eine feministische Außenpolitik braucht, steht sie nicht alleine da.  […..]

(NDR, 24.03.2022)

Wie wenig ernst Friedrich Merz Frauen nimmt, sieht man daran, daß er nahezu alle Penislosen aus den Führungspositionen der CDU entfernen ließ.

(….) Alle 16 Landesvorsitzenden der CDU/CSU sind weiße Männer.

Der Bundesvorsitzende der CDU ist ein weißer Mann.

Alle sechs Unionsministerpräsidenten sind weiße Männer.

Alle drei stellvertretenden Ministerpräsidenten (Brd, BW, Nds) der CDU sind weiße Männer.

Alle 16 Generalsekretäre (Bund + 13 Landesgeneralsekretäre + 2 Landesgeschäftsführer; Amt in MeckPomm ist vakant) sind weiße Männer.

Aber Schande Merz: Die 18-Köpfige CDU/CSU-Franktionsvorsitzenden-Konferenz (16 Landesparlamentsfraktion + Bundestagsfraktion + EU-Fraktion) ist mit einem Makel behaftet. Hier gibt es nur 17 von 18 weißen Männern. Aber mit der Hessin Ines Claus hat sich eine blonde Person ohne Penis in die Männerrunde geschmuggelt! Sodom und Gomorrha!

Von den 60 Top-Führungspositionen in der CDU werden nur 59 von weißen Männern besetzt. Eine Männerquote von lediglich 98,3%!

Ein ziemlich schwaches Bild, Friedrich Merz!

Aber in elf Monaten wird in Hessen gewählt. Hoffen wir, daß spätestens dann die neue Landtagsfraktion in Wiesbaden ihren Fehler einsieht und einen Mann als Vorsitzenden wählt, so daß Merz auf eine makellose Quote von 100% Männern blicken kann. So muss sich eine moderne Partei aufstellen.  (…)

(Merz erreicht sein Etappenziel – fast, 28.03.2022)

Auch in den USA schlägt das Pendel zurück. Frauen sollen nach dem Willen der amerikanischen Christen ihre vor einem halben Jahrhundert erkämpften Rechte wieder verlieren.

[….] The Oklahoma Senate on Thursday approved a Republican bill that would outlaw abortion, putting the state on track to be the first in the nation to enact a total abortion ban once the GOP governor signs the measure into law.  Coming ahead of a highly anticipated Supreme Court decision on abortion expected this summer, the Oklahoma measure shows that states are not waiting for the high court to overturn the landmark Roe v. Wade decision enshrining abortion rights before acting to ban the procedure within their own borders.  Oklahoma’s bill is modeled after the restrictive Texas law, enacted last fall, that has evaded court intervention with a novel legal strategy that empowers private citizens to enforce the law. But the Oklahoma bill goes even further than Texas, where abortion is allowed within up to six weeks of pregnancy. [….]

(WaPo, 28.04.2022)

Die fanatischen Frauenhasser von heute, wollen anders als zu GWBs Zeiten noch nicht mal Ausnahmen machen, wenn Mädchen vergewaltigt werden, wenn eine Zehnjährige von ihrem eigenen Vater sexuell missbraucht schwanger wird.

(….) Schwule und Lesben dürfen nicht nur heiraten, werden also nicht bloß toleriert, sondern die postreligiotische US-Gesellschaft verlangt auch LGBTIQ-Repräsentanz auf allen Ebenen.  Das ist schon deswegen immanent wichtig, weil ein Durchmarsch der homofeindlichen RetrumpliKKKans bei den nächsten Wahlen durchaus möglich ist. Im obersten Gericht stellen sie bereits eine 6:3-Mehrheit.  Frauen- und queere Rechte könnten also durchaus wieder zurückgedreht werden. Bei der Abtreibung ist das schon auf breiter Front geschehen. Republikanische Gouverneure erlassen Verbote, das Wort „gay“ auch nur auszusprechen. (….)

(Männer mit Machtverlust, 28.04.2022)

Beim Thema Abtreibung nach einer Vergewaltigung komme ich zurück zu Friedrich Merz. So wie er sich ziert, Vergewaltigung überhaupt unter Strafe zu stellen und keinen Hauch Mitgefühl für die vergewaltigten Müttern von Srebrenica ausbringen kann, sehen auch seine konservativ-christlichen Freunde in den USA keinen Anlasse für Mitgefühl mit einem Vergewaltigungsopfer. Im Gegenteil, in ihrer Partei werden sexuell übergriffige Machos und Vergewaltiger als Helden gefeiert.

Eine von ihrem Vergewaltiger geschwängerte Frau möge das doch als günstige Gelegenheit betrachten, Mutter zu werden.

So sieht es die republikanische Abgeordnete Jean Schmidt aus Ohio.

Schmidt steht mit ihren haarsträubend frauenfeindlichen menschenrechtswidrigen Ansichten nicht allein.

[….]  The Cincinnati Enquirer reported:

“Ohio Republican Rep. Jean Schmidt sparked outrage during a hearing on an abortion bill when she said a hypothetical teenager traumatized by rape would have the “opportunity” to help that child become a “productive human being.”

At issue is a GOP proposal to ban abortions in Ohio if the U.S. Supreme Court overturns Roe v. Wade. The state bill includes no exceptions for rape or incest.  During a legislative hearing yesterday, a Democratic state legislator described a hypothetical scenario in which a 13-year-old girl became pregnant after being raped. “This bill would require this 13-year-old to carry this felon’s fetus to term regardless of any emotional or psychological damage or trauma that may be inflicted upon this 13-year-old girl to deliver this felon’s fetus. Is that right?” state Rep. Rich Brown asked Schmidt.  The Republican replied, “Rape is a difficult issue and it emotionally scars the individual, all or in part, for the rest of their life, just as child abuse does. But if a baby is created, it is a human life. And whether that mother ends that pregnancy or not, the scars will not go away, period.”

Schmidt went on to say, in reference to the hypothetical teenager, “It is a shame that it happens but there is an opportunity for that woman, no matter how young or old she is, to make a determination about what she’s going to do to help that life be a productive human being. Just because you have emotional scars doesn’t give you the right to take the life.”

As longtime readers may recall, it was 10 years ago — right around the time Schmidt lost her primary — when Republican Todd Akin famously declared, “If it’s a legitimate rape, the female body has ways to try to shut that whole thing down.” The Missourian was, of course, in a competitive U.S. Senate race at the time.  Two months later, in Indiana’s U.S. Senate race, Republican Richard Mourdock argued that when a woman is impregnated by a rapist, “it’s something God intended.” [….]

(MSNBC, 28.04.2022)

Konservative, christliche Politiker behandeln die Frage der Vergewaltig so, wie Kardinal Woelki das Kinderfic**n seiner Priester: Häme und Eiseskälte für die Opfer, aber Wärme, Verzeihen und volle Unterstützung für die Täter.

Katholik Merz ist richtig in seiner Partei und seiner Kirche. Die höchsten Kirchenfürsten wie Woelki geben ihm moralische Orientierung, also Verachtung für die Opfer, die ohnehin „bloß“ Frauen oder Kinder sind und viel Nächstenliebe für die Täter, denn das sind schließlich Männer.

[…] The Czech Republic's conservative Catholic Archbishop Dominik Duka has appealed to the Czech public not to condemn Russian soldiers for atrocities they commit on Ukrainian women. The head of the Czech Catholic Church said in his blog that soldiers who rape women are not excused for their war crimes, however, they are acting under the pressure of emotions and passions in a state of frenzy.    According to him, these soldiers are often victims of "the strongest emotions and passions, when the terror of battle, fear and hatred really bring them to the level of a kind of amok”. […]

(Intellinews, 29.04.2022)

Genau, so ein mordender Soldat steht ja ziemlich unter Stress. Da kann der mollige Duka durchaus verstehen, daß man zum Frustabbau eine Ukrainerin verprügelt und vergewaltigt.  Die minderwertigen schwanzlosen Ungeheuer sollen sich nicht beschweren, denn vielleicht werden sie ja schwanger und sollten sich über diese „opportunity“ freuen.

Ich hoffe, ich werde nie wieder gefragt, wieso ich so strikt gegen die CDU und gegen das Christentum bin.

Samstag, 30. April 2022

Die Sauerländer Blitzbirne - Teil II

Weswegen die Bundeswehr so gar nicht mehr funktioniert und offenbar schon zusammenbricht, wenn einem europäischen Partner die kleinste Militärhilfe geleistet werden soll, ist schnell erklärt:

16 Jahre CDU/CSU-Minister auf der Hardthöhe und 16 Jahre CDU-Kanzlerschaft.

(….) In diesen 16 Jahren wäre die Bundeswehr chronisch unterfinanziert gewesen. Deswegen wären die 100 Milliarden eigentlich auch zu wenig, um die Truppe wieder aufzupeppen, also dürfe kein Cent für Gedöns wie „Vergewaltigung-als-Kriegswaffe“-Prävention oder Cyberabwehr verschwendet werden. Gleichzeitig wären die 100 Milliarden Euro aber auch zu viel, weil die Ampel damit unsolide haushalte, ätzte der CDU-Boss.

[….] Man mag von Friedrich Merz halten, was man will – für die Debattenkultur im Bundestag ist er ein Geschenk. In der Generaldebatte fiel der Unionschef spontan über die FDP her. Merz herrschte die FDP-Politikerin Agnes Strack-Zimmermann an, sie solle sich gefälligst mit Zwischenrufen zurückhalten. Sonst „diskreditiere sie sich als Vorsitzende des Verteidigungsausschusses“. Warum sachlich, wenn es auch persönlich geht?  Zwischen Union und FDP fliegen die Fetzen, die Gereiztheit im früheren bürgerlichen Lager ist hoch. Kein Unionsredner versäumt es, FDP-Finanzminister Lindner unter die Nase zu reiben, dass dessen so solider Haushalt mittlerweile aus vier Etats besteht. Dem Bundeshalt, den 100 Milliarden Euro Sondervermögen Bundeswehr, den 60 Milliarden Euro Kreditermächtigungen, die aus der Coronahilfe umgebucht wurden, und dem Nachtragshaushalt, der demnächst kommt. Die FDPler konterten süffisant, dass die miese Lage der Bundeswehr vielleicht auch mit 16 Jahren unionsgeführtem Verteidigungsministerium zu tun haben könnte. Mit Merz steigt das Polemik- und Unterhaltungsniveau im Parlament jedenfalls erheblich. [….]

(Stefan Reinecke, 23.03.2022)

Natürlich dürfe das Geld nicht einfach ausgegeben werden, sondern als Bedingung für seine Zustimmung, verlangte Merz auch noch eine Neuordnung des Bundeswehrbeschaffungswesens, welches die katastrophalen Amtsvorgänger Lambrechts total talibanisierten – alles berüchtigte Sozialisten:
Franz Josef Jung, SPD, Nov 2005 – Okt 2009, Karl-Theodor zu Guttenberg, SPD, Okt 2009 - März 2011, Thomas de Maizière, SPD, März 2011 – Dez 2013, Ursula von der Leyen, SPD, Dez 2013 - Juli 2019, Annegret Kramp-Karrenbauer, SPD, Juli 2019 – Dez 2021. Ungeheuerliche Versager in Merz‘ Augen. Da müsse die SPD schon selbst aufräumen, taktierte Merz sich in unverantwortliche Höhen und erklärte, nur so viele Unionsabgeordnete würden für das Sondervermögen stimmen, daß alle Ampel-Abgeordneten „Ja“ sagen müssten, sonst kein Geld für die Bundeswehr. (….)

(Die Sauerländer Blitzbirne, 25.03.2022)

Den Vorwurf, die SPD habe doch die meiste Zeit mitregiert, kann man insofern entkräften, als natürlich die CDU-Kanzlerin die Richtlinien der Politik bestimmte und CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble von 2009 bis 2017 Bundesminister der Finanzen war. Erst unter Bundesfinanzminister Olaf Scholz wurde der Verteidigungsetat wieder signifikant erhöht. Allein, es nützte nichts, weil die heillos überforderten CDU-Verteidigungsministerinnen von der Leyen und AKK ein solches Chaos geschaffen hatten, daß niemand mehr in der Lage war, das Geld auch auszugeben. Die von Scholz zur Verfügung gestellten Mittel flossen gar nicht ab, weil unter CDU-Ägide selbst die Bestellung von Stiefeln ein annähernd zehn Jahre währendes Bürokratiemonstrum in Gang setzt.

Wer dieses sagenhafte CDUCSU-Versagen detailliert nachlesen möchte, möge sich die ausführliche „Buch Zwei“-Reportage „Still gestanden“ in der Süddeutschen Zeitung zu Gemüte führen.

SZ Graphik 29.03.2022

[….] Spätestens durch die Debatte, mit welchen Waffen man heute der Ukraine helfen könnte. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) berichtete dem ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk, dass die Munitionsdepots der Bundeswehr fast leer sind, da gibt es wenig zu holen. Man kann vieles nicht liefern, weil man es selber nicht hat. CDU-Chef Friedrich Merz spricht von einer „in großen Teilen dysfunktionalen Armee“.  Überall, in den Kasernen, in Auslandseinsätzen, bei Übungen wie hier in Litauen, merken Soldaten, wie die Bundeswehr kaputtgespart wurde.   [….] Haubitzen, die nicht schießen, Panzer, die nicht fahren, aber auch Helikopter, die nicht abheben – noch kurz vor Putins Ukraine-Krieg musste das Verteidigungsministerium verdrossen erklären, nur 40 Prozent der deutschen Hubschrauber seien einsatzbereit, das sei „ein niedriges, unbefriedigendes Niveau“. Der Deutsche Bundeswehrverband spricht grundsätzlich von der „schlechtesten Einsatzbereitschaft aller Zeiten“. [….]

(SZ, 29.04.2022)

Oppositionsführer Merz nennt es also treffend dysfunktionale Armee; aber wer könnte wohl dafür verantwortlich sein?

Das will der homophobe misogyne Blackrocker nicht sagen. Er spricht auch nicht darüber, daß sämtliche CDU- und CSU-Größen in den letzten 16 Jahren schleimspurziehend nach Moskau pilgerten, um die begehrten Handshake-Bilder mit Putin zu produzieren.

Lieber hängt er sich an den Faschisten-Freund Botschafter Andrij Melnyk, der ein klares Feindbild hat: An absolut allem ist nur die SPD Schuld.

Melnyk und sein Kiewer Boss luden Bundespräsident Steinmeier aus, als dieser die Ukraine besuchen wollte. Als Steinmeier zu einem Solidaritätskonzert für die Ukraine in sein Schloss lud, sagte Melnyk pampig ab.

Zum Feiern, für Red Carpet-Events mit Sozis hat der garstige Ukrainer keine Zeit.  Nur zu verständlich, daß sich SPD-Regierungspolitiker den Bundespresseball sparten. Sie arbeiten rund um die Uhr. Weder der Krieg, noch Corona lassen es zu, sich aufzubrezeln und im Adlon feiern zu gehen.

Melnyk, der Steinmeier zweimal vor den Kopf geschlagen hatte und ihn keineswegs treffen wollte, vollführt nun eine argumentative 180°-Wende. Auf einmal will er Steinmeier treffen und beklagt sich bitter über dessen Abwesenheit.

[…..] Kein Bundespräsident. Kein einziges Mitglied der Ampel-Regierung auf dem Solidaritätsball für die Ukraine & Pressefreiheit 🤦‍♂️Weil das im Krieg “unangemessen” ist. Doppelschlag ins Gesicht der 🇩🇪Medien & ein verheerendes Signal nach Kyjiw. Sehr schade  [….]

(Botschafter Melnyk, 30.04.2022)

[….] Ich war übrigens als Abgeordneter nie beim Bundespresseball. Schlichtweg weil Politiker, die sich permanent auf Empfängen in Szene setzen, zu viel Zeit haben. Aber abgesehen davon war der Bundespräsident kürzlich noch in Kiev unerwünscht. Daher fällt es mir schwer diese Kritik nachzuvollziehen. […]

(Fabio de Masi, 30.04.2022)

Von so viel bösartiger Schizophrenie fühlt sich Fritze Merz gleich angezogen und will nun selbst nach Kiew reisen, um das zu tun, was schon immer verpönt ist: In einer großen internationalen Krise ins Ausland reisen und dort die eigene Regierung kritisieren.

[….] CDU-Chef Friedrich Merz reist am Montag in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Partei-und Sicherheitskreisen. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung berichtet. [….]

(Tagesspiegel, 30.04.2022)

Jeder blamiert sich, so gut er kann.

Offenbar fand Merz den unfassbar blamablen Merkel-Besuch in Washington am Vorabend des US-Angriffs auf den Irak noch nicht peinlich genug und will das nun übertreffen. Der Mann ist prädestiniert dazu, sich um Kopf und Kragen zu reden. Merz, der auch gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte und später erklärte, er könne gar kein Sexist sein, weil er verheiratet sei, wird auch in Kiew für einige Klopfer gut sein.

Während die CDU-Chefin schleimspurziehend auf den Knien nach Washington rutschte und mit ihrem bellizistischen Beraterling Friedberg Pflüger erklärte, daß Deutschland unter ihrer Führung an GWBs Seite in den Irak zöge, verkündete der ebenfalls Irakkriegsbegeisterte Wolfgang Schäuble, daß selbst ein Schröder es nicht wagen könne Deutschland so total zu isolieren, um an Ende im UN-Sicherheitsrat allein mit Syrien gegen 13 andere Nationen zu stehen.

Was für eine Fehleinschätzung.

In den Monaten vor dem März 2003 verließ Joschka Fischer kaum noch den Regierungsairbus und klapperte alle anderen 14 Mitgliedsstaaten des UN Security Councils ab. Er versuchte alles, drohte, warnte, lockte.

 

Die christlichste aller christlichen Regierungen im Weißen Haus, weigerte sich mit der gewählten deutschen Regierung zu sprechen und empfing stattdessen Angela Merkel und Roland Koch als ihre wahren Freunde.  Schäuble und andere CDU-Außenpolitiker wie Pflüger haben sich bis heute nicht davon distanziert, daß sie das US-Junktim an Saddam – entweder du rückst die Massenvernichtungswaffen raus, oder es gibt Krieg – unterstützten!

Das war mal eine tolle Alternative für jemanden, der schlicht und ergreifend die Wahrheit sagte, daß er nämlich keine Massenvernichtungswaffen hatte!

(„Nun kann sich ein Mann wie Schäuble wohl nicht vorstellen, daß auch mal jemand die Wahrheit sagt“ – Volker Pispers)

 

Zur Wehrkundetagung in München Januar 2003 kursierte ein George W. Bush-Unterstützerbrief der zehn europäischen USA-Unterstützer, als Außenminister Fischer Donald Rumsfeld entgegen schleuderte „Excuse me Sir I am not convinced“.

Da bebte sie wieder, die in einen Hosenanzug gezwängte uckermärkische Empörung.  Merkel, Christian Schmidt und Pflüger, die ebenfalls im Auditorium anwesend waren, erhoben sich und schleimten Rumsfeld mit Tränen in den Augen an, daß Deutschland selbstverständlich die USA militärisch unterstützen würde, wenn die CDU die Wahl (2002) gewonnen hätte.

(Ich habe die Übertragung auf Phoenix damals live gesehen).

(Jürgen Gräßlin 17.06.2009)

 

Fischers Erfolg war erstaunlich, denn er zog nicht nur die beiden Vetoländer Russland und Frankreich auf die deutsche Seite, sondern betrieb mit Dominique de Villepin und  Igor Iwanow sogar de facto den Hauptwiderstand gegen Washington.

Sie setzten Amerika mit Memoranden so stark unter Druck, daß Merkels und Schäubles Voraussagen gegenstandslos wurden und GWB schließlich eine geballte Mehrheit der Welt gegenüberstand.

Washington versuchte alles, ging sogar so weit, daß Amerika zu einer der größten Blamagen aller Zeiten hingerissen wurde.

Unter dem persönlichen Vorsitz Joschka Fischers, trat der US-Außenminister Powell am 05.02.2003 im Sicherheitsrat auf und bereitete seiner Nation eine kaum wieder gut zu machende Schmach, indem er log, daß sich die Balken bogen.

(Weltereignis 09.11.2014)

Freitag, 29. April 2022

Männer mit Machtverlust.

Mögen Katholiken, Juden, Sunniten, Protestanten und Schiiten sich auch bis auf’s Blut bekämpfen, als Abrahamiten nehmen sie teilweise Bezug auf dieselben Texte und entstanden allesamt in einer Männergesellschaft, in der Religion von der Beziehung mächtiger Männer mit einem männlichen Gott handelt.

Über Jahrtausende, die allerlängste Zeit der Existenz von Religionen, waren Frauen ganz selbstverständlich rechtloses Eigentum von Männern. Jesus hatte 12 männliche Jünger – daraus leiten 1,4 Milliarden Katholiken auch im Jahr 2022 ganz selbstverständlich ab, wer geistliche Ämter übernehmen darf: Ausschließlich Menschen mit Penis. Wer mit einer Vagina geboren wurde, gilt dadurch lebenslang als minderwertig.

Frauenrechte, angefangen mit dem Wahlrecht, wurden erst im 20. Jahrhundert gegen den erbitterten Widerstand der Religionsvertreter durchgesetzt.

Da alle abrahamitischen Religionen ein drastisch menschenfeindlich patriarchisches System propagieren, werden nicht nur Frauen bis heute unterdrückt, sondern auch Schwule diskriminiert.

Das ist in sich logisch bei einer Ideologie, die auf der innigen Beziehung männlicher Geistlicher zu einem männlichen Gott fußt. Sollte man dabei auch nur an physische Liebe unter den Frommen denken, wäre der metaphysische Nimbus dahin.

Homophobie passt aber auch aus anderen Gründen perfekt in religiotische Glaubenskonstrukte.

Als Machtinstrument der herrschenden Klasse war Religion immer auch wichtig, um willige Untertanen, Leibeigene und Soldaten zu produzieren. Seid fruchtbar und mehret euch, sagte schon der liebe Gott. Diese spektakulär gescheiterte Strategie der unbedingten Menschenvermehrung ist heute das möglicherweise tödlichste Problem der Menschheit: Die Überbevölkerung mit allen ihren für Klima, Fauna und Flora letalen Konsequenzen. Dem destruktiven Wahn, immer mehr Menschen zu produzieren, sind Juden, wie Moslems und Christen verfallen. Deswegen werden Verhütungsmittel, Schwangerschaftsunterbrechungen oder feministische Entwicklungen verdammt: Die Frau soll möglichst viel gebären, alles was sie daran hindert, ist Sünde.

In diesem Sinne „schadet“ auch Homosexualität der religiösen Gesellschaft. Queere werden zwar ebenfalls Eltern, aber fast immer nur, wenn sie es wirklich wollen. Wenn Schwule oder Lesben miteinander aus Vergnügen Sex haben, entstehen keine Kinder als „Unfall“, die gegen den ursprünglichen Willen der Eltern geboren werden. Kinder queerer Eltern entwickeln sich statistisch sogar besser als die Heterokinder, weil sie nahezu 100%ig Wunschkinder sind. Die altreligiöse Horrorvorstellung, in Sodom und Gomorrha würden keine Kinder gezeugt, weil Männer mit Männern schlafen, ist simplifiziert. Wenige Schwule und Lesben sind eine „6“ auf der Kinsey-Skala. Alle 0-5 Menschen können/wollen durchaus auch mal eine heterosexuellen Kontakt haben.

Schwulenfeindlichkeit aus der Angst heraus, es könnten weniger Kinder geboren werden, ist also ohnehin unsinnig. Tatsächlich wäre es bei einer katastrophalen Überbevölkerung von fast acht Milliarden Menschen auf der Welt sehr wünschenswert, sich auf homosexuelle Kontakte zu konzentrieren.

Ein dritter Grund für die abrahamitische Homophobie ist ein anderer Kern dieser Religionen. Sie sind prinzipiell intolerant, pflegen ein „wir sind besser als die“-Gefühl, welches als „Fernstenhass“ zur Kriegsführung instrumentalisiert werden kann. Dazu werden immer Sündenböcke gebraucht. Irgendjemand muss die Schuld an Missernten, Seuchen, Naturkatastrophen oder anderen Unglücken gegeben werden. Anderenfalls wäre sie Macht- und damit Sinnlosigkeit des Gottes offensichtlich.

[…] Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide erklärte, dass Homophobie im Islam keine Frage der Theologie, sondern vielmehr eine der gesellschaftlichen Entwicklung sei. Für viele Muslime handle es sich eher um eine identitätspolitische Frage ohne „wirkliche theologische Reflexion“. Viele Muslime in Europa hätten das Gefühl, nicht anerkannt zu werden. In dieser Situation diene die Ablehnung von Homosexualität als Mittel zur Abgrenzung.  Denn der Koran und die islamische Tradition böten eine Grundlage für beide Sichtweisen zu Homosexualität. Dennoch sagte Khorchide deutlich, dass der Islam heute vielerorts ein Problem mit Homosexualität und daher großen Nachholbedarf habe.  […]

(Martin Schlorke, PRO, 28.04.2022)

Je moderner und gebildeter eine Gesellschaft wird, desto mehr verabschiedet sie sich glücklicherweise von ihrer angestammten Religion.  Wer lesen und schreiben kann, selbst denkt, wird weniger den hanebüchenen Theorien der Geistlichen folgen.

Diesen Monat feierte Deutschland eine historische Zäsur.

(….) Man muss den akademisch-theologischen (Oxymoron!) Kirchenfürsten dankbar sein. Sie beschleunigen den Machtverlust der Kirchen enorm!

[….] Der Anteil der Kirchenmitglieder ist erstmals auf unter 50 Prozent gefallen. - »Es ist eine historische Zäsur, da es im Ganzen gesehen, seit Jahrhunderten das erste Mal in Deutschland nicht mehr ›normal‹ ist, Kirchenmitglied zu sein«, sagt der Berliner Sozialwissenschaftler Carsten Frerk von der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), die von der religionskritischen und humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung ins Leben gerufen worden ist. - Mit der gestrigen Meldung hat der SPIEGEL ein zentrales Element unseres diesjährigen Schwerpunktthemas "Das säkulare Jahrzehnt" aufgegriffen.  [….]

(GBS, 13.04.2022)

Endlich! Christen sind nun, schneller als erwartet, zur Minderheit in Deutschland geworden. (…)

(Wenigstens ein Hoffnungsschimmer in dieser Kack-Zeit, 13.04.2022)

Die frommen Vereinigten Staaten sind uns ein paar Jahre voraus.

Schon 2020 waren die Anzahl der konfessionell gebundenen US-Amerikaner auf 47% gefallen.

[….] Americans' membership in houses of worship continued to decline last year, dropping below 50% for the first time in Gallup's eight-decade trend. In 2020, 47% of Americans said they belonged to a church, synagogue or mosque, down from 50% in 2018 and 70% in 1999.  U.S. church membership was 73% in 1937 when Gallup first measured it. It stayed near 70% through 2000 before beginning to decline, to 61% in 2010 and 47% in 2020.  U.S. church membership was 73% when Gallup first measured it in 1937 and remained near 70% for the next six decades, before beginning a steady decline around the turn of the 21st century.  [….]

(Gallup, 29.03.2021)

Diese äußerst erfreuliche Entwicklung führte natürlich auch zu einer erheblich größeren Akzeptanz queerer Lebensmodelle.


Schwule und Lesben dürfen nicht nur heiraten, werden also nicht bloß toleriert, sondern die postreligiotische US-Gesellschaft verlangt auch LGBTIQ-Repräsentanz auf allen Ebenen.  Das ist schon deswegen immanent wichtig, weil ein Durchmarsch der homofeindlichen RetrumpliKKKans bei den nächsten Wahlen durchaus möglich ist. Im obersten Gericht stellen sie bereits eine 6:3-Mehrheit.

Frauen- und queere Rechte könnten also durchaus wieder zurückgedreht werden. Bei der Abtreibung ist das schon auf breiter Front geschehen. Republikanische Gouverneure erlassen Verbote, das Wort „gay“ auch nur auszusprechen.

[…]"Kulturkampf" um Floridas Klassenzimmer

In Florida dürfen Lehrer wegen des umstrittenen "Don't say gay"-Gesetzes an Grundschulen nicht über sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität sprechen. Kritiker nennen das beschämend und wollen klagen. […]Der Gouverneur von Florida, Ron Desantis, präsentierte ein Bild der Figur der Presse, als habe er es einer Bibliothekarin entrissen. "Damit wird versucht, Zweifel zu sähen bei Kindern über ihre Geschlechtsidentität", sagt Desantis. "So wird versucht zu sagen, sie können sein, wer sie sein wollen. Das ist unangemessen für Vorschulkinder, Erst- und Zweitklässler. Eltern wollen das nicht länger in ihren Schulen." Vom "Grooming" sprechen Verteidiger des Gesetzes. Gemeint ist der Vorwurf, Lehrer würden versuchen, sich das Vertrauen der Kinder zu erschleichen, um sie anschließend in andere Geschlechterrollen zu pressen. Gouverneur Desantis hat das so gesagt. [….]

(Tagesschau,31.03.2022)

Hardcore-Covidiot Ron Death Santis will nicht nur unbedingt nächster US-Präsident werden. Aufgrund der drastischen Wahlverhinderungsgesetze für demokratische Bürger in den meisten republikanisch regierten Bundesstaaten, ist es durchaus möglich, daß Trump oder Desantis auf Biden folgen werden.

Umso wichtiger ist queere Repräsentanz für die aufgeklärteren Amerikaner. Sie wollen Pflöcke einschlagen. In der Kultur, also in TV-Shows, Netflixserien oder Hollywood-Blockbustern werden Rollen verlangt, die für Diversität in vieler  Hinsicht stehen. Sogar Marvel-Großproduktionen kommen nicht mehr ohne schwule oder lesbische Superhelden aus.

Das bringt Hollywoodstudios allerdings in die Bredouille, da sie ihre Filme weltweit vermarkten. die Staaten, die sich noch nicht hinreichend von der parasitären Religion getrennt haben, erleiden dann homophobe Schocks.

Was also in Kalifornien gut ankommt – ein Held in Strumpfhosen und großem Gemächt, der Männer mag – führt dazu, daß arabische Staaten so einen Film gleich verbieten. Klar, für das saudische Königshaus, Hüter der heiligen Stätten, ist Homo-Toleranz ein Zeichen von weniger Religiosität und damit Machtverlust.

[…] Man kann es nicht allen recht machen. Das erlebten in der vergangenen Woche die Produzenten der Comic-Verfilmung "Doctor Strange in the Multiverse of Madness". Die Fortsetzung der Spezial-Effekt-Extravaganza, in der Benedict Cumberbatch als Superheld die Realität verbiegen kann, wurde im wahren Leben in Saudi-Arabien und Kuwait verboten, noch bevor sie startete. Laut dem US-Branchenblatt The Hollywood Reporter sorgt sich die Zensur in diesen Ländern um eine Teenager-Figur namens America Chavez, eine Latina, die in den Comic-Vorlagen lesbisch ist. Da Homosexualität in der Golfregion offiziell verboten ist, scheitern Filme mit LGBTQ-Bezügen häufig an der Zensur. Gleichzeitig kann man in den USA für ein jüngeres Publikum quasi keine Blockbuster mehr produzieren, die nicht ein diverses Personal anbieten, mit dem sich alle Ethnien und Neigungen identifizieren können. Der Comic-Verfilmung "The Eternals" war es vor einigen Monaten ebenso gegangen. Darin gab es nicht nur ein gleichgeschlechtliches Paar zu sehen, sondern auch noch einen schwulen Superhelden. [….]

(David Pfeifer, SZ, 28.04.2022)