Samstag, 22. Mai 2021

Chance vertan, SPIEGEL

Die heutige SPIEGEL-Titelgeschichte über die Probleme der Katholiban triggerte mich so, daß ich sie gleich nach dem gestrigen Erscheinen online las, weil ich es nicht abwarten konnte bis das Heft in meinem Briefkasten lag.

[…..] Deutschlands Katholiken fallen vom Glauben ab.  Der Muff von tausend Jahren vertreibt mehr Gläubige aus der katholischen Kirche als je zuvor. Doch die alten Männer an der Spitze wehren sich gegen Reformen. Wie soll das gut gehen? […….]

(Die SPIEGEL-Titelstory, 21.05.2021 DER SPIEGEL 21/2021)

Es ist mein Leib- und Magenthema und so freut es mich besonders, wenn viel Aufmerksamkeit auf den Exodus gelegt wird.

Die Autoren Felix Bohr, Annette Langer, Christian Parth und Alfred Weinzierl gaben sich viel Mühe und stellen in ausführlichen 5.900 Worten das existentielle Drama vor. Massenaustritte der deutschen Katholiken, Desillusionierung der engagiertesten Gemeindemitglieder, öffentlicher Glaubwürdigkeitsverlust und vielleicht am Schlimmsten für die Amtskirche: Der dramatische Nachwuchsmangel in den Priesterseminaren, der die Anzahl der Pfarreien noch schneller schrumpfen lässt, als es die der Mitgliederverlust nötig macht.

Ich konnte schnell durch den Text fliegen, weil darin nichts steht, das mir als Kirchen-Interessierten neu wäre.

Synodaler Weg, Maria 2.0 und schwule Katholiken sind enttäuscht von Bergoglio, weil der doch keine Reformen zulässt. Gähn; das merken die jetzt?
Das kann man schon seit acht Jahren auf diesem Blog nachlesen.

 Ganz richtig stellt auch DER SPIEGEL fest, wie problematisch ein zentralistisches System einer absoluten Wahlmonarchie ist. Schwule, Verheiratete und Frauen auf der Kanzel mögen zwischen Kiel und Passau gut ankommen, aber dafür fallen alle Afrikaner in Ohnmacht.

[…..] Aus mitteleuropäischer Sicht ist dieser Starrsinn schwer nachzuvollziehen. Im Vatikan jedoch hat man das große Ganze im Blick, mithin die Befindlichkeit und den tiefen Glauben von Abermillionen Katholiken in anderen Erdteilen. Würde man sie zwangsläufig verlieren, wenn man zu große Zugeständnisse an die Reformer etwa in Deutschland machte? Wäre ihnen die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu vermitteln?
Der Mainzer Priesteranwärter Deick berichtet von Gaststudenten in seinem Seminar, etwa aus Nigeria, denen die Debatten um Modernität völlig fremd seien. »Katholikentagsdiskussionen«, meint Erzbischof Marx, »kennt man in anderen Ländern so nicht.«
[….]

(DER SPIEGEL, 22.05.2021)

Den SPIEGEL-Autoren schwant allerdings auch, wie wackelig ihre Argumentation ist.    Denn eine Kirche mit Frauenpriestertum und ohne Zölibat, die nicht an frustrierende Weisungen aus Rom gebunden ist, gibt es schließlich. Die EKD, und die verliert noch schneller Mitglieder.

Warum eigentlich, wenn der Frust der Mitglieder auf unmoderner Sexualmoral und rigider römischer Führung  beruht?   Dafür haben die Autoren nur einen Nebengedanken übrig, der offensichtlich aus der Gedankenwelt der ewig-gestrigen Dunkelkatholiken übernommen wurde.

[….] Die evangelische Kirche ist da kein gutes Vorbild. In einer Zeit, in der die großen Fragen des Daseins auch von Coaches, Therapeuten oder anderen Lebensoptimierern beantwortet werden, ist die Selbstsäkularisierung des Protestantismus so weit fortgeschritten, dass dieser von vielen für irrelevant und entbehrlich gehalten wird. Anders sind die ähnlich hohen Austrittszahlen aus der evangelischen Kirche kaum zu erklären. [….]

(DER SPIEGEL, 22.05.2021)

Dabei wird aber vergessen, daß RKK und Protestanten1.500 Jahre eine Kirche waren, die sich genau dieselbe Bibel teilen.   Die Ideologie beider Kirchen ist derselbe Mist.

das Glaubensgerüst von sprechenden Schlangen, Sklaverei, Frauenentrechtung, Antisemitismus, Toten, die vom Grab aufstehen und in den Himmel fliegen, sowie einem eifersüchtigen Rachegott, der keinerlei anderen Religion neben sich duldet und aus Frust die gesamte Fauna des Planeten bis auf ein Paar jeder Rasse ermordete Der Gott, der achselzuckend zusieht, wenn Christen sechs Millionen Juden im KZ vergasen, täglich 20.000 Kinder an Hunger elend krepieren lässt und auch offensichtlich als Allmächtiger keinerlei Anlass sieht einzugreifen, wenn seine Priester massenhaft und überall auf der Welt kleine Kinder vergewaltigen.

Die gesamten 5.900 Worte der SPIEGEL-Titelstory sind ausschließlich aus der Lamento-Perspektive der frommen Kirchenfreunde geschrieben.   Durchgehendes Motiv ist ein großes Bedauern über den Bedeutungsverlust der Kirchen, über ihre schrumpfende Macht.

Es gipfelt in der Feststellung, Deutschland könne gar nicht auf Kirchen verzichten.

[….] Deutschland ohne die katholische Kirche, das ist nicht nur spirituell schwer vorstellbar, es wäre auch praktisch schwierig. Allein im Erzbistum Köln betreibt sie 664 Kitas und Kindergärten, 282 Heime, 366 Büchereien und 43 Krankenhäuser. Vieles von dem, was an sich zur Daseinsvorsorge des Staates gehört, leisten die Kirchen, die katholische wie die evangelische. Zum Teil jahrhundertealte Verträge garantieren beiden Institutionen Macht, Autonomie – und per annum mehr als eine halbe Milliarde Euro aus der Bundeskasse. Diakonie und Caritas sind nach dem Staat die größten Arbeitgeber im Land. [….]

(DER SPIEGEL, 22.05.2021)

Diese Feststellung ist in ihrer Unvollständigkeit falsch. Denn Caritas und RKK sind fast immer nur rechtliche Träger der sozialen Einrichtungen.   Sie bezahlen aber natürlich nicht den Unterhalt.

Kitas, Schulen und Altenheime „der Kirche“ werden zu nahezu 100% auch jetzt schon vom Staat finanziert.
Bund und Bundesländer gliedern gern soziale Einrichtungen an kirchliche Träger aus, weil dann die Arbeitsschutzbestimmungen und Tarifverträge nicht mehr gelten. Caritas-Angestellte verdienen weniger und dürfen nicht streiken. Willkommen in der wunderlichen Welt des „kirchlichen Arbeitsrechts“, in dem das Grundgesetzt nicht immer gilt.

Angestellte werden nicht gegen Diskriminierung geschützt und können entlassen werden, wenn sie sich scheiden lassen oder – GOTT BEWAHRE – als lesbisch oder schwul zu erkennen geben.

Ich behaupte, die Kölner 664 Kitas und Kindergärten, 282 Heime, 366 Büchereien und 43 Krankenhäuser könnten sogar besser ohne kirchliche Träger betrieben werden, weil es mehr Arbeitssicherheit gäbe, die Bezahlung besser würde, Mitarbeiter nicht diskriminiert werden dürften und endlich auch Juden, Atheisten, Muslims, Hindus eingestellt werden könnten.    Bisher werden durch die Caritas- und Diakonie-Dominanz in vielen Teilen Deutschlands, insbesondere in NRW und Bayern viele junge Migranten, die sich für den Beruf als Altenpfleger interessieren, gleich abgeblockt, weil sie in ihrem Bundesland ohnehin nie eingestellt würden.  Ein absoluter Wahnsinn in den Zeiten massiven Personalmangels.

In den 5.900 Worten des Artikels fehlt ein Gedanke – WIEDER EINMAL – vollkommen: Der Bedeutungsverlust der RKK ist gut und richtig!

Man sollte dafür werben, daß er noch schneller von statten geht und nicht bedauern, wenn Menschen austreten.

Christlicher Glaube und Religiosität sind eine Frage von Intelligenz und Bildung.   Je höher der Bildungsgrad einer Nation, desto kleiner der Anteil der Gläubigen.

Das gilt selbstverständlich auch für Teilbereiche einer Nation.
In den frommen USA gibt es kaum gläubige Universitätsdozenten, aber 99% der Gefängnisinsassen sind religiös. Weltweit vergleichende Metastudien haben klar einen Zusammenhang von IQ und Glauben belegt.

Die Länder mit dem geringsten Einfluss der Kirchen sind auch die Friedlichsten und Glücklichsten.    Nirgendwo gibt es so wenig Kriminalität, so viel Wohlstand und eine so glückliche Bevölkerung wie in den säkularisierten skandinavischen Ländern. Genau das sind auch die Länder mit den höchsten Sozialausgaben, die als erste die Ehe für alle erlaubten, die liberale Drogenpolitik betreiben, Frauen als erste gleichberechtigten und keiner verklemmten Sexualmoral anhängen.

Je mehr Macht und Mitglieder die Kirchen haben, desto gewalttätiger ist das Land, desto mehr Kriminalität gibt es und desto unglücklicher sind die Menschen.    USA, Mittelamerika, Afrika  - da gibt es noch die mächtigen Kirchen und große Teile der Bevölkerung haben gar keine soziale Absicherung, sind ungebildet; es wird gemordet.

Das ist auch in sich logisch, da Religionen eine exkludierende „Wir-sind-besser-als-die“-Botschaft vermitteln. Wir, „die Gemeinschaft“, die etwas Besseres ist, weil alle Mitglieder auf Linie sind und die alleinseligmachende Gottheit auf ihrer Seite haben.

Nächstenliebe und Fernstenhass bedingen sich. Die wahren Gläubigen fühlen sich moralisch den Anders- und Nichtgläubigen überlegen. Da fallen Hemmschwellen.   Mord und Gewalt sind umso einfacher zu rechtfertigen, wenn man Gott auf seiner Seite hat und einen Missionsauftrag zu erfüllen hat.  Je religiöser das Land, desto mehr Krieg.

Nirgendwo gibt es mehr Gläubige als im Heiligen Land.

Es fragt sich nur, ob man lieber im Gazastreifen oder Dänemark leben möchte.  Lieber im frommen Westjordanland oder im säkularen Schweden?

In Deutschland ist bereits die Hälfte der Menschen so klug, sich der christlichen Ideologie zu verweigern. Aus 5.900 Worten hätte ich gern wenigstens einen Satz gebildet, der es würdigt aus einem Verein mit einer derartigen 2.000-Jährigen Kriminalgeschichte ausgetreten zu sein.   Das ist eine sehr begrüßenswerte Entwicklung.

Wer ist eigentlich der Adressat der Titelgeschichte?
Die engagierten Katholiken in den aufmüpfigen Initiativen? Wohl kaum; die wissen das selbst.

Die reaktionären Dunkelkatholiken, die alle Reformen ablehnen?
Wohl kaum, die lesen nicht den SPIEGEL.

Die Indifferenten, die keine Meinung zur Kirche haben?
Wohl kaum, denn die lesen sich nicht in so einen langen Text ein.

Die Mehrheit der Nichtkonfessionellen allerdings wohl auch nicht, denn wir sind dem Autorenteam keine Zeile wert.

Freitag, 21. Mai 2021

Armin Laschet duldet rechtsextreme Verschwörungstheoretiker in der CDU.

Hans-Georg Maaßen, die CDU-Skandalnudel vom ganz ganz rechten Parteirand bringt zwei Eigenschaften mit, die für den Thüringer Landesverband sehr attraktiv sind:

Er ist so rechtsextrem, daß er in dem Kemmerich-Mohring-Höcke-Bundesland tatsächlich Hoffnungen weckt, den dort besonders großen braunen-Wählersumpf anzuzapfen. Außerdem ist er bundesweit bekannt wie ein bunter Hund und damit schlagartig der prominenteste Thüringer Politiker. Er geriert von ganz allein größte Medienaufmerksamkeit.

Die Thüringer CDU ist insgesamt so rechts, daß sie lieber mit der AfD stimmte, als ihre eigene Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer zu schützen.

Nachdem AKK durch das Verhalten der renitent-rechten Thüringer Union gestürzt wurde und mit Maaßen der nächste rechtsradikale Pflock eingeschlagen wurde, ist noch lange nicht Schluß.

Gegenwärtig stehen schon wieder vier CDU-Parlamentarier so fest an der Seite ihrer AfD-Freunde, daß sie die von Linken, Grünen, FDP und CDU verabredeten vorgezogenen Neuwahlen verhindern.

[……]   Die oppositionelle CDU-Fraktion hatte sich nach der schweren Regierungskrise 2020 mit der rot-rot-grünen Minderheitskoalition von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) auf eine vorgezogene Landtagswahl verständigt - in der Hoffnung auf klare Mehrheiten im Parlament. Regulär würde der Landtag erst 2024 neu gewählt.   Die Abgeordneten Michael Heym aus Südthüringen, Christina Tasch aus dem Eichsfeld, Maik Kowalleck aus dem Kreis Saalfeld-Rudolstadt und Jörg Kellner aus dem Kreis Gotha verweigern der Auflösung nun ihre Zustimmung. […..]

(MDR, 19.05.2021)

Armin Laschet lässt die Thüringer demonstrativ gewähren und nimmt Maaßen trotz der eindeutig bewiesenen antisemitischen Töne in Schutz.

Alle drei möglichen Erklärungen für dieses eigenartige Verhalten des CDUCSU-Kanzlerkandidaten sind nicht sehr schmeichelhaft.

1)   Laschet hegt selbst Sympathien für diese extrem intolerante Gedankenwelt vom rechten Rand. Dafür spricht sein engster Mitarbeiter und Berater Staatssekretär Liminski. Der Opus-Dei-Mann ist homophober und zutiefst antiliberaler Dunkelkatholik.

2)   Laschet hat sich gemerkt, wie sich seine Vorgängerin AKK an den Thüringer Parteifreunden die Zähne ausbiss und zuckt feige vor dem Konflikt zurück. Auch das wäre nicht gerade eine Empfehlung für das Bundeskanzleramt, wenn man noch nicht mal in der Lage ist, einen kleinen Regionalverband der eigenen Partei zur Raison zu bringen.

3)   Laschet ist wieder einmal intellektuell überfordert und versteht wie bei so vielen seiner Skandale die Dimension nicht. Van-Laack-Joe-Laschet-Skandal, Tönnies-Skandal, Quecksilber-Schweine-Skandal, Klausurenskandal.

Inzwischen tauchen immer abscheulichere Traktate des CDU-Direktkandidaten Maaßen auf.

In der Junge-Freiheit Tochter „CATO“ veröffentlichte Maaßen zusammen mit dem rechten Verschwörungstheoretiker Johannes Eisleben ein düsteres Essay, welches SZ-Autor Jörg Häntzschel völlig zu Recht zwischen Steve Bannon und Alt-Right einordnet. Maaßen bereitet die Weiße Rasse, die er von Feinden umzingelt sieht, auf den Endkampf vor. Schuld am Niedergang sind demnach natürlich die Migranten und eine kleine internationale Clique von superreichen Strippenziehern.

Maaßen verwendet zwar nicht das Wort „Juden“, aber genau wie das Trumpsche Dog-Whistling sind die Code-Worte so deutlich, daß jeder Rechtsextremist, Verschwörungstheoretiker, Hildmann und Antisemit versteht, wer gemeint ist.

[…..] Die linke Ideologie werde "von interessierter Seite massiv gefördert", raunt er; der Übergang zum Totalitarismus vollziehe sich "weitgehend im Verborgenen" und sei den "meisten Bürgern" "kaum bewusst". Hinter allem stehen dunkle Kräfte, Netzwerke, ein "Propagandaapparat".  Und, ja, Maaßen verbreitet vielleicht keine direkt antisemitischen Inhalte, aber natürlich spielt er mit einschlägigen Codes wie dem der "Globalisten" und dem des "Great Reset". Auch sein Verweis auf die "einige tausend Familien" ist kaum anders zu lesen. Doch Maaßen ist raffiniert genug, sich nie eindeutig zu bekennen. Wie ein Zauberer lässt er diese Begriffe kurz aufscheinen, bevor das Publikum genauer hinsehen kann, holt er andere hervor. Er jongliert mit Doppeldeutigkeiten und Anspielungen, mit Name-Dropping und hochtrabenden Referenzen. Er weiß, welche Begriffe manche triggern, während andere über sie hinweglesen. Er lässt es suggestiv schillern. Wenn er etwa die Einwanderung nach Deutschland mit der ins Römische Reich der Spätantike vergleicht, dann öffnet sich ein ganzer Strauß von Assoziationen: gebildeter Mann. Dekadenz. Und die Leser sehen ihren Rassismus nun im goldenen Licht des Humanismus glänzen. […..]

(Jörg Häntzschel, SZ, 21.05.2021)

Nach Jahrzehnten, die ich mich mit deutschem Rechtsradikalismus beschäftige und unzähligen Hetzschriften der AfD, David Bergers oder Kreuznets, erreicht dieser Maaßen-Eisleben-Text einen Spitzenplatz im Ranking der perfidesten Hass-Texte, die ich kenne.

Mit pseudo-akademischem Vokabular mäandert der Ex-Verfassungsschutzpräsident durch die gesamte Klaviatur der rechtsextremen Hassobjekte und badet in dunkelsten Endzeit-Phantasien. Immer als abgehobener Nazi-Bär, der seinen Pelz nicht nass machen will, sagt er wenigsten eindeutig wer die innerdeutschen Feinde sind, die es zu bekämpfen gilt.

[.......] Bemerkenswerterweise spricht er - man muss genau lesen - nicht von politischen Gegnern, auch nicht von politischen Feinden, sondern von den "Feinden unserer Demokratien" und lässt keinen Zweifel daran, dass er nicht nur das Führungspersonal von Grünen, SPD und Linken meint, sondern auch deren Wähler. Der Mann, der bis vor drei Jahren dem Verfassungsschutz vorstand, erklärt die Hälfte der Bevölkerung zu Verfassungsfeinden.  Doch es naht Hoffnung in Gestalt eines erlösenden Endkampfs, der wie inspiriert erscheint von den apokalyptischen Obsessionen US-Evangelikaler. […..]

(Jörg Häntzschel, SZ, 21.05.2021)

Volksschädlinge, die er qua seiner vermeidlichen Verfassungsexpertise als Antidemokraten abkanzelt, sie anhand ihrer Verhaltensweise detektiert und somit zum Abschuss freigibt:

[….] Zu ihrem Kernbestand gehören Identitätspolitik und Minderheitenrechte, eine politische Säuberung der Sprache, die Abschaffung des Rechts auf freie Meinungsäußerung in Schulen, Universitäten und Medien sowie eine aggressive Propaganda, die zu »Klimaschutz«, »internationaler Solidarität« und noch mehr Migration aufruft. Diese Ideologie wird nicht nur finanziell von interessierter Seite massiv gefördert, sondern auch von einem aggressiven und anpassungsfähigen Propaganda­apparat beworben, den Medien sowie zahlreiche Politiker und Nichtregierungsorganisationen mit bedienen. Obwohl diese gefährlichen Entwicklungen unsere Gesellschaften und Staaten zersetzen, werden sie zugleich als der größte Fortschritt in Sachen Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und Solidarität gepriesen, den wir angeblich je erlebt haben. [….] Die gegenwärtigen Entwicklungen [….] scheinen [….] es den Feinden unserer freien Demokratien leichter zu machen, totalitäre Strukturen zu etablieren. [….]

[….]  (Maaßen/Eisleben Originalfassung dieses Beitrags erschien am 11.09 2020)

Wohlig gruselnd stimmt Maaßen seine Wähler auf einen neroesken Endkampf ein, warnt aber vor der organisierten Gewalttätigkeit der Migranten, so daß sich seine rechten Schlägertrupps ermutigt fühlen, sich zu bewaffen.

[….] Solche Gesellschaften wären zutiefst dystopisch; sie wären unfähig, Wohlstand oder Zusammenhalt zu generieren. Nur Nationen, die aus freien Bürgern bestehen, die eine gemeinsame Kultur und Rechtsstaatlichkeit teilen, gelingt es, in innerem und äußerem Frieden zu leben. Nur sie weisen einen befriedeten öffentlichen Raum, demokratische Partizipation und Repräsentation auf; nur sie verwirklichen angemessene Eigentumsstrukturen und sind durch internationalen Handel ihren Partnern gegenüber friedfertig.  Diese Entwicklung hin zu einem neuen Totalitarismus ist nicht unvermeidlich, auch wenn sie bereits weit fortgeschritten ist. [….]  Migranten, autochthone Langzeitarbeitslose, prekäre Existenzen und Opfer des krisenbedingten sozialen Abstiegs. Letztere verfügen – neben den Migrantenclans, die im Bereich der organisierten Kriminalität tätig sind, wie die Tschetschenen in Frankreich oder die Libanesen in Deutschland – über beste organisatorische Fähigkeiten. Die weitreichenden Kämpfe zwischen diesen Gruppen könnten das öffentliche Gewaltmonopol in einem im Westen seit 1945 nicht dagewesenen Ausmaß in Frage stellen. [….]  

 (Maaßen/Eisleben Originalfassung dieses Beitrags erschien am 11.09 2020)

Das ist also der CDU-Kandidat, an dem Parteichef Laschet keinen Antisemitismus oder Rechtsextremismus bemerken will.

Donnerstag, 20. Mai 2021

Manchmal muss man laut werden.

Neulich sah ich auf dem Nachhauseweg im Vorbeifahren aus dem Augenwinkel einen schwer bepackten Nachbarn mit seiner Gehhilfe an einer Bushaltestelle im Regen stehen.

Natürlich hielt ich mit quietschenden Reifen an, setze zurück, riss die Beifahrertür auf; ‚immer rein mit Ihnen, ich bringe Sie nach Hause!‘.    Es entwickelte sich ein herrliches Lästern über den Supermarkt-Wahnsinn in den Zeiten des Lockdowns, wenn auch noch irgendein Feiertag droht.

 Leider sind große Teile der Bevölkerung zu urbanen Preppern mutiert und geraten in prophylaktische Panik. Ich mutmaße, in jedem Haushalt lagern noch ein paar Tausend Reserve-Rollen Klopapier, sowie einige Zentner Nudeln, aber es gibt so viel anderes, das einem ausgehen könnte, über den enormen Zeitraum von 24 Stunden, wenn so ein Feiertag oder Sonntag droht.

Über die langen Schlangen vor Lebensmittelgeschäften ärgere ich mich nicht so sehr; schließlich liegt es an einem selbst die Stoßzeiten zu vermeiden.  Aber das planlose Verhalten all der verblödeten Kunden zerrt an den Nerven.

Streng nach Murphys Law schleppen junge Mütter ihre Kleinkinder offenbar besonders gern in die Läden, wenn diese gerade schwer erkältet sind und alles zurotzen. Findet sich eine enge Stelle zwischen den Regalgängen, kann man versichert sein, daß sich genau dort jemand mit seinem Einkaufswagen platziert, um erst einmal zu telefonieren. Ist von zehn Kältetüren am Yoghurt-Regal gerade eine blockiert, weil ein Kunde dort sämtliche MHDs der Erdbeerspeisen kontrolliert, muss der nächste Einkäufer natürlich genau auch an die Tür, statt erst mal irgendetwas anderes in den Wagen zu laden.

Besonders liebe ich die Schlangen an der Käsetheke. Da gab es schon vor der Pandemie gern mal Wartezeit. Währenddessen tippen die Käseliebhaber eifrig auf ihren Klugtelefonen, um dann völlig überrascht zu sein, wenn sie plötzlich dran kommen. Nun muss erst mal überlegt werden, was man vielleicht kaufen könnte.     Es ist dasselbe Prinzip wie an der Kassenwarteschlange. Da stehen sie 15 Minuten sinnlos rum, um wenn sie dran sind, zu beginnen nach ihrem Portemonnaie zu suchen, damit alle anderen noch mal extra Wartezeit aufgebrummt bekommen.

An dem Tag war vor mir eine dieser Quasselstrippen dran, die erst zwei Scheiben fettarmen jungen Gouda verlangte (drei Fehler auf einmal! Käse kauft man nicht in Scheiben, Gouda muss länger reifen und fettarm schmeckt ohnehin nach nichts) und dann aber ausführlich einen Schwank aus ihrem Leben erzählte, bevor sie darüber sinnierte, ob sie einen weiteren Wunsch hätte.

Die Käsebedienerin rollte schon die Augen und grimassierte mir zu.   Aber die Kundin vor mir war einfach nicht in Gang zu bekommen, konnte sich nicht entscheiden und fing nun auch noch an, von allen möglichen verschiedenen Sorten zu probieren (was während der Pandemie ohne großer Mist ist, weil die Bedienung jedes Mal neue Handschuhe anziehen musste und ein Papptellerchen neben die Theke stellen musste, da sie ihr das 2g-Stückchen nicht wie früher direkt auf einem Zahnstocher geben konnte).

Die Schlange hinter ihr wurde natürlich immer länger, aber es gibt diese Leute, die so durch und durch egoistisch sind, daß sie nichts anderes wahrnehmen.

Ich probiere auch gern neue Sorten Käse, aber nie, indem ich Kostprobe vor Ort verlange, sondern ich kaufe ganz regulär ein kleines Stück und probiere später zu Hause bei Raumtemperatur, ob ich den mag.    Ich quatsche auch gern mit den Damen im Verkauf, kenne alle beim Namen und frage nach deren Blagen oder Ehemänner, wenn ich weiß, daß die irgendein Problem hatten. Aber natürlich nur, wenn gerade keiner hinter mir steht.

In diesem Fall dachte ich wirklich, daß ich gleich ausraste, erzählte ich meinem Nachbarn auf dem Beifahrersitz brühwarm.   Ich war kurz davor das Huhn anzugrölen „wenn du noch ein Stück fettarmen Schnittkäse probierst, ziehe ich die diesen zehn-Kilo-Laib Parmesan über deine häßliche Rübe!“

Er lachte und meinte, genau das hätten ich mal tun sollen.   Aber nein, entgegnete ich, ‚dazu bin ich wirklich zu gut erzogen; das denke ich nur; ich schreie keine fremden Leute an‘.

Da wurde er verblüffend erst; er sei auch zur Höflichkeit erzogen, aber manchmal helfe das einfach nicht weiter. Es gebe Menschen, die begriffen es nie, wenn man mit Höflichkeit käme; da müssten grobe laute Wort her.

Ich bleibe bei meiner Ansicht; die Gesellschaft wird nicht rücksichtsvoller, wenn man im Alltag anfinge laut rumzubrüllen. Das tun schon genug Menschen.

Anders sieht es allerdings in der politischen Welt in den Zeiten der Social Media aus.

In den USA sind die Positionen zwischen GOP und den Demokraten so festgefahren, daß sich Parlamentsdiskussionen nahezu erübrigen.  Die GOPer sind der Realität so vollständig entrückt, daß sie von Fakten und rationalen Argumenten nicht erreicht werden. Sie lügen ganz bewußt, ungeniert und auch noch für jedermann offensichtlich. 

Man erinnere sich an den Abgeordneten Andrew Clyde, der sich während den blutigen Umsturzversuchs vom 06.01.2021 vor Angst fast in die Hose machte, mithalf die Türen zu verbarrikadieren und sich schließlich zwischen den Sitzreihen versteckte.



Anschließend schwenkte er auf die Trump-Parteilinie und erklärte voller Emphase, es habe nie eine „Insurrection“ gegeben, das wäre nur ein harmloser legaler Protest, wie ein „tourist visit“ gewesen.

Ganz offensichtlich kann man sich mit solchen Abgeordneten, die so irre, verlogen und aggressiv wie diese US-Republikaner sind, jede Parlamentsdebatte ersparen.

Sie folgen nur noch ihrem Cult-leader Trump und sind bereit sich dafür vollständig der Lächerlichkeit preis zu geben.

Die Interessen der normalen US-Bürger sind ihnen ohnehin völlig schnuppe.


Nachdem sich gestern 90% der republikanischen Abgeordneten sogar auf Trumps Geheiß verweigerten die Insurrection vom 06. Januar, durch die über 100 Polizisten verletzt und zwei Polizisten letztlich vom Trump-Mob getötet wurden, überhaupt untersuchen zu lassen, platzte dem demokratischen Abgeordneten Tim Ryan aus Ohio der Kragen!
HOLY COW, er konnte diese Heuchelei seiner republikanischen Kollegen nicht mehr ertragen und schrie los.

Natürlich wird auch Ryan keinen einzigen der GOPer zum Einlenken bringen; weil diese nicht mehr in der Realität leben.

Aber immerhin erregt er damit so viel Aufmerksamkeit, daß sein kurzer Ausbruch nun heute überall in den sozialen Medien verbreitet wird.

Möglicherweise, mit ganz viel Glück, erreicht es doch ein paar der indifferenten Nichtwähler, so daß sie nächstes mal demokratisch wählen.


Mittwoch, 19. Mai 2021

Vom Vorteil der Internationalität.

Die Steyler Missionare, 1875 im Niederländischen Steyl, von Arnold Janssen gegründet, sind der siebtgrößte Männerorden in der katholischen Kirche.

Offiziell nennen sie sich „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ (lat. Societas Verbi Divini, SVD, Society of the Divine Word), sind nach päpstlichen Recht organisiert und bestehen heute aus 6.105 Steyler Missionare 3.548 Steyler Missionsschwestern 358 Steyler Anbetungsschwestern, die in 50 meist unterentwickelten Ländern missionieren.

(….)  Das größte Verbrechen des Christentums ist die Mission. Jene Jahrtausende zurückreichende Hybris, mit der die „Wir-sind-besser-als-die“-Ideologen rechtfertigen alle Nichtchristen töten zu dürfen.     Die Mission rottete hunderte Kulturen und Sprachen aus, kostete hunderte Millionen Menschenleben.

Noch im Jahr 2018 stürzte sich ein christlicher Missionar in der Andamanensee auf die letzten etwa 50 im Einklang mit der Natur lebenden Menschen, um auch ihre Kultur auszuradieren, sie zu Christen zu machen. (…..)

(Der christiotische Kampf um Bedeutung – Teil I, 30.03.2021)

In den 1870er Jahren schickte der 2003 von Woytila heiliggesprochene Pater Janssen die ersten Missionare nach China, um dort christliche Gemeinden zu errichten. An diesem Anspruch änderte sich 150 Jahre nichts; überall sollen christliche Gemeinden erreichtet werden und die einheimische Kultur durch christliche Regeln abgelöst werden.

Wie es für altruistische katholische Orden zu erwarten ist, haben auch die Steyler inzwischen eine profitable Bank, verwaltet derzeit 197 Treuhandstiftungen, betreibt einen Medienkonzern und natürlich auch ein Fernsehmagazin auf Bibel-TV.

Missionar zu werden, ist immer eine gute Option für Priester, die intellektuell etwas langsamer sind oder sich zu viel zu Schulden kommen lassen haben, um in ihrem Herkunftsland zu dienen.    Egal, ob man häßlich, blöd oder nicht charismatisch ist – für „den Busch“ reicht es noch. So empfand es auch vor 50 Jahren der aus Chicago stammende Priester Ronald Lange.

[….] Even before he was ordained a Catholic priest, the Rev. Ronald Lange went to Ghana in 1968 to do missionary work.   In a profile by a community newspaper years later, Lange spoke of his commitment to learning about Ghana while teaching at schools there and leading a parish with more than a dozen worship sites.    “The people are just so happy to see you,” Lange, a member of the Society of the Divine Word’s Chicago province, based near Northbrook, was quoted as saying. “You don’t even have to be a good priest.” […]

(Chicago Suntimes, 14.05.2021)

Ich weiß nicht genau wie katholische Geistliche den Begriff „schlechter Priester“ definieren. Für mich ist das Pleonasmus.

Ist das was die Steyler in Deutschland tun, schon als „nicht gut“ zu bewerten?

Im Internat der Steyler Missionare im saarländischen St. Wendel missbrauchten die Priester in den 1960ern und 1980er Kinder und das Finanzgebaren entspricht ebenfalls meinen Erwartungen.

[…..] Malermeister, Ärzte und Kaufleute hatten dem Wirtschaftsunternehmen der Ordensgemeinschaft Soverdia Gesellschaft für Gemeinwohl mbH mit Sitz in Nettetal-Kaldenkirchen, die das Vermögen des Ordens verwaltet, hohe Summen gespendet und sich 80 Prozent davon unter der Hand zurückerstatten lassen; wer 2.000 DM spendete, bekam eine Quittung über 10.000 DM.   Bei einer Hausdurchsuchung fielen dem Steuerfahnder Klaus Förster 1981 auch Unterlagen des Flick-Konzerns in die Hände. Danach hatte die Firma das Kloster ein Jahrzehnt lang als Geldwaschanlage und zur Geldvermehrung benutzt. Insgesamt flossen 12,3 Millionen D-Mark, rund sechs Millionen Euro des Konzerns in die Kassen der Steyler Mission. […..] In einem Bericht der Frankfurter Allgemeine zur 1999 aufgedeckten CDU-Spendenaffäre wird unter anderen die Steyler Mission in Sankt Augustin als Waschanlage für illegale Parteispenden genannt; auch deren Wirtschaftstochter Soverdia habe mitgewirkt. […..]

(Wikipedia)

Kirchliche Banken; kennst Du eine, kennst Du alle.   Das ist sicher keine Besonderheit des Steyler Ordens.

Ein so auf die Mission konzentrierter Orden bietet aber vor allem für übergriffige pädo-sexuelle Priester enorme Vorteile.   Wenn sie doch einmal dabei ertappt werden, wie sie sich an Kindern vergreifen, kann man sie schnell in ein anderes Missionsgebiet schicken, in dem man sie a) noch nicht kennt und in dem b) Priester noch nicht so stark mit Kindervergewaltigung assoziiert werden.

Die amerikanischen Steyler haben gezielt pädosexuelle Ungeheuer in Soutanen in alle Welt exportiert, damit sie dort ungestört von der lästigen Justiz weiter Kinder missbrauchen konnten.

[……] Many of the Society of the Divine Word clerics credibly accused of molesting kids served as missionaries in the developing world, where experts say the next big priest sex abuse scandal lurks.   [……] In his four decades as a Catholic missionary in Ghana, [Reverend] Lange has been credibly accused of sexually abusing children over “multiple years.”   That’s according to his order’s Chicago hub. Facing scrutiny over its predator priests, including one who’s now on trial in East Timor, the order has for the first time revealed the names and past postings of Divine Word clergy who’ve been part of the Chicago province and been deemed by its leaders to have been credibly accused of child sex abuse anywhere in the world.   Lange, 79, is one of two priests on that list who formally remain part of the Chicago province of the Society of the Divine Word, an international religious order that “focuses on missionary work” and since 1875 has “entered lands where people are in need” and shared “God’s love.” [……] Of the 26 order members accused of abusing kids who are included on the new Divine Word list, more than half served in the developing world at some point. Besides Ghana, their postings included: Papua New Guinea, China, Kenya, South Africa, the Philippines, Mexico, Chile and Jamaica.   Notably absent from the list is a defrocked priest named Richard Daschbach, who was ordained at the Divine Word’s sprawling Techny grounds in the 1960s.   For decades, Daschbach has lived in East Timor, a tiny, majority-Catholic nation that once was part of Indonesia. Now 84, Daschbach has run orphanages there and — unbeknownst to the outside world until recent years — systematically sexually assaulted children there. That’s according to authorities who are now prosecuting him for sex crimes, news interviews with victims and victims’ advocates and sources who spoke to the Chicago Sun-Times. [……][……]

(Chicago Suntimes, 14.05.2021)

Dienstag, 18. Mai 2021

Laschet-CDU auf Antisemitismus-Kurs

Die Leute, die angesichts der neuen Eskalation zwischen Israel und der Hamas nun wieder jammern, man dürfe ja nicht Israel kritisieren, ohne gleich als Antisemit dazustehen, sind genauso verblödet wie Jürgen Möllemann und Karsli im Jahr 2002, die unterstützt von Westerwelle beklagten, sie dürften Ariel Sharon nicht kritisieren.

(…..) Das hat mich im Jahr 2002 am meisten erstaunt - WÄHREND die Feuilletons und Meinungsartikel der großen überregionalen Zeitungen VOLL waren von teils bitteren Abrechnungen mit Sharons Politik, stellten sich Westerwelle und Möllemann dummdreist hin und taten so, als ob sie die armen kleinen Tabubrecher wären, die jemand mundtot machen wolle.
Der FDP-Chef spielte auch diese Seite der antisemitischen Klaviatur so perfide aus, daß bekanntlich am Wahlabend FDP-Urgestein Hildegard Hamm-Brücher nach über einem halben Jahrhundert Parteizugehörigkeit schweren Herzens aus dieser gruselig gewordenen Partei austrat.
Die perfiden Lügen des Guido W. waren ihr einfach unerträglich geworden. (…..)

(Gaza, Israel und deutsche Ansichten dazu, 11.01.2009)

Es ist ein weltweites Erfolgsmodell aller rechter Populisten, sich als mutige Brecher vermeidlicher Tabus zu inszenieren.

Donald Trump prahlt bis heute damit, er habe als erster wieder erlaubt „Merry Christmas“ zu sagen, während die Demokraten in ihrem Kampf gegen das Christentum die Formel „Happy Holidays“ eingeführt hätten.

Das ist natürlich kompletter Blödsinn; auch Barack Obama hatte stets „fröhliche Weihnachten“ gewünscht, aber bei den Evangelikalen gilt Trump daher als Held.

Diese Attitüde des Mutigen, der es als einziger wagt ein todgeschwiegenes Thema zu benennen, nehme ich auch Jan Josef Liefers und der #Allesdichtmachen-Aktion so übel.

Besonders ärgerlich an den selbsternannten Fake-Tabubrechern ist, daß sie es erschweren, richtige und notwendige Tabus durchzusetzen.

Natürlich ist es absolut nicht tabuisiert, israelische Politik oder Politiker zu kritisieren.

Antisemitismus sollte aber ein TABU sein. Inmitten all der von Populisten gezündeten Fake-Tabu-Nebelkerzen, fällt es aber zunehmend schwer sauber zu trennen.

Natürlich bedient der CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen immer wieder bewußt antisemitische Klischees.   Das ist in den letzten Wochen so gründlich von seriösen Recherche-Teams und Medien wie dem SPIEGEL nachgewiesen worden, daß ich das Fass nicht erneut aufmache.

Maaßen ist Antisemit.

Von einem antisemitischen Kandidaten sollte sich die CDU als größte Regierungspartei verabschieden.   Aber auch die Laschet-CDU versagt in dieser Hinsicht, genau wie auch schon die AKK-CDU zum Entsetzen des Zentralrates der Juden mit Antisemitismus flirtete, ohne diese zu verdammen.

Armin Laschet persönlich verteidigt sogar den antisemitischen Rechtsaußen Maaßen. Er will keinen Antisemitismus wahrgenommen haben.

Und das in einer Krisensituation, in der antisemitische Übergriffe zunehmen.

[….] Armin Laschet möchte nicht unterscheiden, das ist nun hinreichend klar geworden in der vergangenen Woche. Er möchte nicht unterscheiden zwischen der Aussage, jemand sei ein Antisemit, und der Aussage, jemand habe etwas Antisemitisches verbreitet.   Jemand ist in diesem Fall Hans-Georg Maaßen, der ehemalige Chef des Inlandsgeheimdiensts, der für die CDU in den Bundestag will. Aber es geht dabei nicht nur um Maaßen. Es geht um die Möglichkeit an sich, Antisemitismus, Rassismus, jede Form von struktureller Diskriminierung sinnvoll benennen und kritisieren zu können.   Das zu tun, ist ohnehin schon extrem schwierig. Armin Laschet, der CDU-Chef, Unions-Kanzlerkandidat und damit wahrscheinliche nächste Bundeskanzler, sorgt gerade dafür, dass es künftig noch schwieriger wird.   [….] Etliche Expertinnen und Experten kamen zu dem Schluss, Maaßen habe in der Tat wiederholt antisemitische Codes verbreitet. Da hätte man Laschets Verteidigung noch für ein Missverständnis halten können.  Gut eine Woche später saß Armin Laschet aber wieder im Fernsehen, diesmal befragten ihn Linda Zervakis und Louis Klamroth für ProSieben. Die Sprache kam wieder auf Maaßen, Klamroth verwies auf jene Experten, denen zufolge Maaßen antisemitische Codes verbreite.   Laschet reagierte wie in der Woche zuvor: »Jetzt beginnt die theoretische Debatte, ist, wenn jemand Globalist sagt, der damit schon Antisemit. Und ich habe ihn bisher nicht als Antisemiten wahrgenommen«.  Klamroth wies darauf hin, das sei nicht der Vorwurf. Laschet beharrte: »Ja, aber das sind doch sophistische Feinheiten.« Weiter: »Der, der eine rassistische These verbreitet, ist doch ein Rassist. Die Unterstellung ist, das ist das Spiel, sie (Neubauer) will damit sagen, er (Maaßen) ist Antisemit.«    Kurz darauf sagte er über Maaßen noch: »Er ist nicht rechtsradikal und er ist auch kein Antisemit. Wäre er es, würde er die CDU verlassen müssen.«   Laschets Argumentation geht also im Kern so: Würde Maaßen antisemitische Codes verbreiten, wäre er Antisemit, und wäre er Antisemit, müsste er die CDU verlassen, aber er muss die CDU nicht verlassen, also kann er kein Antisemit sein, demnach kann er auch keine antisemitischen Codes verbreiten. So etwas nennt man Zirkelschluss. [….]

 (Jonas Schaible, DER SPIEGEL, 18.05.2021)

Schande über Laschet! Wie viele drastisch amoralische Aussetzer kann sich der Hardcore-Katholiban eigentlich noch erlauben, bis seine Partei in Umfragen endlich weit hinter die SPD zurückfällt?

 Noch schlimmer; Seehofer und die Union versuchen nun den Antisemitismus mit Antiislamismus und Xenophobie zu vermengen.

[….] CDU spricht von »eingewandertem Antisemitismus«  [….] Die CDU-Führung sieht den Judenhass von »muslimischen Extremisten angeheizt«. [….] Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) deutete an, Judenhass sei vor allem ein importiertes Problem: »Zu unseren Werten gehört der Schutz jüdischen Lebens. Wer das nicht beachtet, hat sein Gastrecht hier verwirkt.« Er forderte Konsequenzen für an Ausschreitungen beteiligte Migrantinnen und Migranten: »Wir sehen Antisemitismus bei einem kleinen Teil der muslimischen Menschen in Deutschland. Da müssen wir energisch gegen vorgehen«, sagte Brinkhaus den Sendern RTL und n-tv. »Vielleicht sind wir da auch an der ein oder anderen Stelle zu tolerant gewesen.« […..]

(SPON, 18.05.2021)

Nach dieser Lesart sind also gar nicht die Deutschen antisemitisch, sondern die bösen eingewanderten Flüchtlinge.


Schande über Seehofer. Schande über Brinkhaus. Schande über die CDU!

Den Hass auf eine Minderheit, einer anderen Minderheit anzuheften, um sie zu diskreditieren, ist ein neuer Tiefpunkt der Union.

In Deutschland gibt es täglich im Durchschnitt fünf antisemitische Angriffe – fast alle gehen auf das Konto deutscher Rechtsradikaler.

Das geben sogar die Zahlen von Maaßens Verfassungsschutz wider.

Montag, 17. Mai 2021

Wenn die Täter auf den Tischen tanzen

Vorletzte Woche gab es einen großen Fahndungserfolg.

[…..] Ermittler haben eine der weltweit größten Kinderpornoplattformen im sogenannten Darknet gesprengt. Vier mutmaßlich Beteiligte sind in Haft. Ihnen wird bandenmäßige Verbreitung kinderpornografischer Inhalte vorgeworfen.     Wie das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mitteilte, hatte die Darknetplattform "Boystown" zuletzt weltweit mehr als 400.000 Mitglieder. Drei mutmaßliche Verantwortliche und Mitglieder der Plattform wurden in Deutschland festgenommen. Ein weiterer Deutscher wurde auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls in Paraguay gefasst.  Ihnen wird bandenmäßige Verbreitung kinderpornografischer Inhalte vorgeworfen. Auf der Plattform wurden den Ermittlern zufolge auch Aufnahmen von schwerstem sexuellem Missbrauch von Kleinkindern geteilt. […..]

(Deutsche Welle, 03.05.2021)

Es dürfte von Links-Partei bis AfD eins der am wenigsten kontroversen Statements sein, wenn man die Zerschlagung dieser „Plattform“ begrüßt und den Betreibern eine längere Bekanntschaft mit Staatsanwälten, Richtern und Strafvollzugspersonal wünscht.

Wenn aber die Justizbehörden und politischen Parteien sagten, „Boystown“ wäre eine Nummer zu groß für sie, schließlich wären auch erhebliche finanzielle Interessen all der Kinderhändler, Internetprovider und Betreiber betroffen. Daher halte man sich lieber raus und übergebe es der Kinderporno-Branche selbst, die Hintergründe aufzuklären; es sei ihnen selbst überlassen, ob sie den misshandelten Kindern zuhören oder ihnen gar eine Wiedergutmachen zahlen möchten, wäre die Empörung vermutlich ebenso einhellig.

Bei der sehr viel größeren Kindesmissbrauchsorganisation RKK, die weltweit hunderttausende Opfer forderte und bis heute auf Strukturen beharrt, die systematisch potentielle Täter zu ihnen locken und deren Taten vertuschen, akzeptiert Deutschland diese perfide Form der Täterjustiz.

Der womöglich groteskeste Aspekt dieser Justiz-Pervertierung, in der die Täterorganisation Kirche selbst über sich zu Gericht sitzt und entscheidet, ob sie die Opfer überhaupt hören will, ist das Kirchenrecht, welches den sexuellen Missbrauch kleiner Jungs gar nicht als strafbar ansieht.    Deutschland übergibt die Aufklärung von massenhaften Kindersex-Verbrechen einem Verein, der Sex mit Kindern gar nicht als justiziables Verhalten ansieht.

(……) Viel zu viel Aufmerksamkeit wird auch den schweren Religioten geschenkt, die sich immer noch hartnäckig für die Kindermissbrauchs-Organisation RKK einsetzen.    Niemand bei klarem Verstand würde auf Einsicht der Männer wie Müller, Ratzinger, Woelki, Heße, Marx, die sich seit Jahrzehnten bemühen Kinderfic**r zu beschützen und ihr Tun weiter ermöglichen, setzen.   Sie stehen für eine Organisation, die sich bis heute nicht den deutschen Gesetzen unterwerfen will, sondern ausschließlich auf das Kirchenrecht setzt, welches bezeichnenderweise in der Vergewaltigung von Kindern gar keinen Straftatbestand erkennt. Nur der Verstoß gegen den Zölibat wird geahndet.

[…..] Dass Kleriker zu Missbrauchstätern wurden und werden, liegt vielleicht sogar in der inneren Logik der Kirche begründet. Um das zu verstehen, hilft ein Blick ins Kirchenrecht: Kirchenrechtlich wird sexueller Missbrauch bis heute rein vom Priester her gedacht. Kirchenrechtlich gesehen verstößt ein Priester, der sich an einem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen vergeht, gegen das sechste Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen." Und weil der zölibatär lebende Priester mit der katholischen Kirche verheiratet ist, betrügt er lediglich die Kirche. Die Opfer kommen als Geschädigte nicht vor, sie sind gar nicht da.  Aus diesem Grund haben Betroffene von sexuellem Missbrauch in kirchenrechtlichen Verfahren gegen Täter bis heute keinerlei Rechte. Sie können keine Akten einsehen, sie können nicht als Nebenkläger auftreten, sie sind nur Zeugen. Die katholische Kirche könnte etwas dagegen tun, sagt zum Beispiel die Theologin Doris Reisinger: Sie könnte ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in ihren Rechtsnormen verankern; im weltlichen Bereich ist dies etwas völlig Selbstverständliches. Doch wenn sie das täte, müsste sie den Gläubigen auch zugestehen, über ihr Schlafzimmer selbst zu entscheiden. Hier liegt der Knackpunkt: katholische Kirche und Selbstbestimmung des Menschen - das geht offenbar nicht zusammen. […..]

(Annette Zoch, 19.03.2021)

Politikern wie Annette Schavan, Wolfgang Thierse oder Winfried Kretschmann, die sich für so ein Kindermissbrauchssystem engagieren, indem sie sogar im Zentralrat der Katholiken sitzen, kann ich nicht vertrauen. (…….)

(Unsichtbare Vernunft, 25.04.2021)

Viele Jahrzehnte konnten die hochverehrten Päpste Ratzinger und der Heilige Woytila jede Aufklärung der sexuellen Übergriffe ihrer Priester verhindern und sogar gezielt die übelsten Sextäter fördern.

2001/2002 wurden die Fälle in den USA aber so zahlreich – in jedem Bundesstaat gab es hunderte Sexualverbrecher unter den Priestern – daß sie an die große Öffentlichkeit drangen.

Das Thema wurde weltpräsent und durch Opferorganisationen wie SNAP – (Survivors Network of those Abused by Priests) und der systematischen Veröffentlichung von Meldungen über Kinder-vergewaltigende Priester so unangenehm für die RKK, daß sie schließlich nicht mehr leugnen konnte.

Auch in Deutschland berichteten „ganz normale Medien“ wie DER SPIEGEL oder das Politmagazin PANORAMA immer wieder über den massenhaften Kindersex deutscher Kleriker. Dennoch verschlossen die Bischöfe weitere acht Jahre Augen und Ohren, um dann 2010 durch den „Fall Canisius“ ganz erschüttert zu erklären, also das habe man ja wirklich nicht ahnen können.

Es galt aber weiterhin die geweihten Täter zu schützen und den Opfern immer wieder in die Magengrube zu treten.

Der hochverehrte, von nahezu allen Politkern adorierte Kardinal Lehmann, langjähriger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hatte in seinem Bistum ebenfalls Sextäter erneut auf Kinder losgelassen und diese vor der Staatsanwaltschaft geschützt.   Er schämte sich noch nicht einmal für diese ungeheuerliche Strafvereitelung, die dazu führte, daß mehr Kinder vergewaltigt wurden.

Als der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Kardinal Lehmann einmal gefragt wurde, warum denn vor 2010 so viele Bischöfe, die Kenntnis von kinderfi**ende Kaplanen hatten, nicht zur Staatsanwaltschaft gegangen wären, antwortete der Kirchenfürst ganz jovial, daß nicht alle Staatsanwaltschaften den Kirchen freundlich genug gesonnen wären. 

Seit wann dürfen eigentlich Kriminelle sich ihre Ankläger aussuchen, bzw entscheiden gar nicht erst zur Rechenschaft gezogen zu werden, weil der Richter nicht lieb genug ist?   Im Jahr 2007, also fünf Jahre nach den päpstlichen Leitlinien zum Kindesmissbrauch, die vorsahen pädophil übergriffige Priester zu melden, hatte der Mainzer Kardinal erklärt, wieso er sich nicht daran halten müsse – die Staatsanwaltschaften gefielen dem Herren im roten Kleid nicht.

O-Ton Karl Kardinal Lehmann:

„Die Staatsanwaltschaften in verschiedenen Städten sind auch recht verschieden. Soweit her mit der Objektivität allein ist es dann auch wieder nicht.“

Täterschutz kommt vor Opferhilfe.

Das ist der Kern der Religionen: Wir sind besser als die und dürfen das, was die noch lange nicht dürfen.

 (Das ist dreist, 15.08.2013)

Der Trierer Bischof Ackermann fiel seit seiner Ernennung zum Missbrauchsbeauftragten der DBK im Jahr 2010 ebenfalls schon damit auf, in seinem Bistum Kindersextäter zu schützen.

[….] Der Trierer Bischof Stephan Ackermann beschäftigt nach SPIEGEL-Informationen in seinem Bistum sieben als pädophil aufgefallene Pfarrer. Einer von ihnen soll sexuelle Beziehungen zu einem Schüler gehabt haben, zwei weitere sind wegen Besitzes von Kinderpornografie verurteilt. […..]

(SPIEGEL, 18.03.2012)

Ackermann ließ nur elf Jahre nach seiner Ernennung ein „Positionspapier“ erarbeiten, welches die DBK 2021 einstimmig verabschiedete.

[…..] Bischof Stephan Ackermann, der Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, begrüßt nach eigenen Angaben das Anliegen, "eine vertiefte Debatte zum Verhältnis von sexueller Bildung und Präventionsarbeit anzuregen". Wörtlich sagte der Trierer Bischof in einer Mitteilung am heutigen Mittwoch:    "Seit über zehn Jahren engagiert sich die katholische Kirche in Deutschland intensiv in der Prävention gegen sexuelle Gewalt. Ich bin froh, dass die Präventionsbeauftragten der Bistümer mit diesem Papier auf die wichtige Verbindung von Präventionsarbeit und sexueller Bildung hinweisen und erhoffe mir von der weiteren Beschäftigung mit dem Thema wichtige Erkenntnisse." […..]

(CDA, 07.04.2021)

Das Positionspapier wurde - was sollte man auch anderes von der RKK erwarten? – maßgeblich von Pädophilen-Freunden miterarbeitet.   Wer sich, wie der „Elternverein NRW“ im Gegensatz zur Katholischen Kirche für die Opfer des sexuellen Missbrauchs interessiert und nicht in erster Linie die Täter schützen will, steht fassungslos vor diesem neuerlichen moralischen Tiefpunkt der Kindersexorganisation RKK.

[….] Tatsächlich sind wir nun erschüttert, dass dies Vorhaben im tatsächlichen Ergebnis nahezu ins Gegenteil verkehrt wurde, weil man stattdessen den Bock zum Gärtner gemacht hat.“, so Andrea Heck, Vorsitzende des Elternverein NRW. Als Vertreter der Elternschaft macht es uns nahezu fassungslos, dass das gesamte Papier, das nicht nur Missbrauch verhindern, sondern auch als Konzept zur „sexuellen Bildung“ dienen soll, von den Theorien des bekanntermaßen pädokriminellen Helmut Kentler geprägt ist. Explizit bezieht man sich darin etwa auf Prof. Uwe Sielert, der Kentler einen „väterlichen Freund“ nennt und seine Kollegen, die  z.B.  ausdrücklich  empfehlen  „möglichst  unzensierte  Intimkontakte  mit  anderen  Kindern aufzunehmen, wenn sie nicht auf die Eltern fixiert bleiben sollen“(Quellen siehe Brief) und dass Kinder schon im Alter von null bis vier Jahren die Masturbation erlernen sollten. Als weitere positive Quelle wird der französische Philosoph Michel Foucault als Referenz angeführt, gegen den aktuell schwere Vorwürfe wegen des Missbrauchs junger Kinder im Tunesien der 60er Jahre erhoben wurden und der sich 1977 in Frankreich lautstark gegen ein Gesetz zur Bestrafung von Sexualität mit Kindern unter 15 Jahren einsetzte, weil es seines Erachtens keinen Grund gäbe, warum sexuelle Beziehungen, in die Kinder einwilligen, nicht erlaubt sein sollten. Zitat Foucault: „Jedenfalls hat eine gesetzlich festgelegte Altersgrenze keinen Sinn. Noch einmal, man kann dem Kind zutrauen, selbst zu sagen, ob ihm Gewalt angetan worden ist oder nicht.“ Dass   die   Katholische   Kirche   solche   „Experten“   als   Referenzen   nennt,   macht   uns fassungslos! Als Vertreter der Elternschaft stehen wir ohne jedes Verständnis und zutiefst besorgt vor der Tatsache, dass dieses Papier, das Millionen von Kindern und Erwachsenen betrifft, auf dieser im Ansatz pädophilen „sexuellen Bildung“ aufbauen will. [….]   „Dies   Konzept   schützt   nicht   vor Missbrauch, es öffnet eher den Weg dazu“, so Heck. [….]

(Elternverein NRW, 16.05.2021)

Bischof Ackermann ist langsam genervt von diesen renitenten Opfern, die nur weil sie von Priestern vergewaltigt und gequält wurden, so aufmüpfig sind und dreist einfordern, die Geistliche der RKK sollten keine Messdiener mehr missbrauchen dürfen.

Ihm wäre es am liebsten, man überließe die gesamte „Aufklärung“ ganz den Tätern selbst und verurteile die Opfer zum Schweigen.

[….] Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann sprach entlarvende Sätze beim Ökumenischen Kirchentag: Er sei skeptisch über die Arbeit von "Aktivisten" in Betroffenenbeiräten. Aktivisten seien aus seiner Sicht Menschen, die "kompromisslos Fehler aufdecken, immer den Finger in die Wunde legen", und dies auch "politisch öffentlich"?   Ja, was sollen Betroffene denn sonst tun? Brav mitarbeiten, still sein? [….] Es ist ein seltsames Verständnis jenen Menschen gegenüber, denen die Institution Kirche mit das Schlimmste angetan hat, was Menschen sich antun können. [….] Die Kirchen müssen die Aufarbeitung aus der Hand geben. Sie können es nicht alleine. Es ist Zeit für eine unabhängige Wahrheitskommission. [….]

(Annette Zoch, SZ, 16.05.2021)

Man versteht gar nicht wieso irgendjemand aus der Kirche austreten möchte.

Der fromme Bundespräsident Steinmeier, promovierter Jurist, ist entsetzt und steht fest an der Seite Ackermanns und Co.

Sonntag, 16. Mai 2021

Der fromme Frank

Natürlich war Frank-Walter Steinmeier der perfekte Bundespräsidentenkandidat für die SPD, weil er trotz seines Parteibuchs alle Bedingungen erfüllte, um auch von anderen Parteien Stimmen in der Bundesversammlung zu bekommen. Fromme Christen sind im Parlament extrem überrepräsentiert, Konfessionslose geradezu marginalisiert.

(…..)  Frank-Walter Steinmeier gilt als Idealbesetzung. Er war und ist beliebtester Politiker Deutschlands – so wie eigentlich alle Außenminister, wenn sie nicht durch extreme Unfähigkeit auffallen wie Guido Westerwelle.

Mehr Establishment als Steinmeier geht eigentlich gar nicht.    (…..)  Seit zwei Jahrzehnten sitzt er an entscheidenden Hebeln der Macht und führt das fort, was wir fast immer im Amt des Bundespräsidenten hatten:

1.   Alt

2.   Mann

3.   Weißhaarig

4.   Ausgesprochen fromm und christlich.

Ich hatte so sehr gehofft, daß mal kein klerikaler Geront ins Schloß Bellevue einzieht, der einmal mehr die Abgehobenheit des politischen Betriebs repräsentiert.

1.   Mit Steinmeier, der schon als nächster Präsident der Synode der Evangelischen Kirche gehandelt wurde, zieht schon wieder ein hardcore-Religiot ins höchste Amt der Bundesrepublik ein.

2.   Im Juli 2016  erhielt er den „Ökumenischen Preis der Katholischen Akademie Bayern“ für die "Kraft seiner christlicher Überzeugung."

3.   Steinmeier focht engagiert für die diskriminierende „Pro-Reli“-Initiative gegen seine eigene Berliner Partei.

4.   Steinmeier predigte am 12.November 2014 beim Eröffnungsgottesdienst der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.“

5.   Laudator und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm überreichte im September 2016 den Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing an Steinmeier.

6.   Frank-Walter Steinmeier gehört dem Präsidium des Kirchentages an.

7.   Steinmeier forderte beispielsweise 2012 vehement und verfassungswidrig die Einmischung der Kirchen in die Politik.

8.   Steinmeier eröffnete im November 2014 die Synode der Brandenburgischen Kirche.

Zu fromm für meinen Geschmack.    Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, daß er eine Art von Aufbruchsstimmung generieren könnte, die auch bisher Politikferne für unsere Demokratie begeistern wird. (….)

(Establishment, 14.11.2016)

Ich sollte mit meinen Prognosen Recht behalten. Steinmeier ist ein Fortschritt gegenüber dem ungebildeten und selbstverliebten Pfarrer Gauck, der seine rechtsnationalen Ansichten immer weniger verbergen konnte. Steinmeier sieht auch nicht so ungepflegt aus wie sein Vorgänger. Er kann sich auf der internationalen Bühne bewegen und man muss nicht ständig befürchten, daß er auf Staatsbesuchen wie Gauck, Köhler, Wulff oder Lübke irgendetwas Hochnotpeinliches von sich gibt.

Es bleibt ein ewiges Faszinosum, daß intelligente, gebildete Menschen an dieser schweren Inselverarmung leiden können, die sie zu extremen Religioten macht.

Steinmeier ist so ein Fall.    Das zeigte sich jüngst, als dem als langjährigen deutschen Chefkatholiken Kardinal Marx, in dessen Erzdiözese besonders übel den Opfern des sexuellen Missbrauchs durch Priester mitgespielt wurde, dringend das Bundesverdienstkreuz umhängen wollte, um die gequälten und vergewaltigten Kinder metaphorisch auszulachen. Sogar der bayerische Bischof selbst begriff, daß Steinmeiers Klerikerliebe zu weit ging.

[…..] Nach massiver Kritik von Missbrauchsopfern verzichtet der Münchner Kardinal Reinhard Marx auf das Bundesverdienstkreuz, das ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diesen Freitag überreichen sollte. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die auf der Homepage des Erzbistums München veröffentlicht wurde. Darin wird über einen Brief berichtet, den Marx an den Bundespräsidenten geschrieben habe. "Meine große Bitte an Sie ist, die Auszeichnung nicht vorzunehmen", schreibe Marx darin an den Bundespräsidenten.   In den vergangenen Tagen hatte es Kritik an der geplanten Auszeichnung des Kardinals gegeben. Der Orden dürfe nur vergeben werden, wenn eindeutig nachgewiesen sei, dass Marx sich nicht an der Vertuschung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche beteiligt oder deren Aufklärung behindert habe, hieß es von mehreren Opferverbänden.   "Diese Auszeichnung ist eine herausgehobene Ehre, für die das gesamte Wirken des zu Ehrenden in den Blick genommen werden sollte", sagte Hermann Schell, Sprecher des Vereins Missbit, der Missbrauchsopfer und Betroffene im Bistum Trier vertritt. Aus Sicht von Missbit entspricht das Verhalten des früheren Trierer Bischofs im Umgang mit sexuellem Missbrauch nicht dem mit der Ehrung verbundenen Vorbildcharakter. Schell forderte Marx daher auf, auf die Auszeichnung zu verzichten. [….]

(SZ, 27.04.2021)

Es ist ein klassischer Fall von Realitätsblindheit eines Religioten, wenn inmitten einer weltweiten Debatte um den Myriadenfachen Kindesmissbrauch durch die Katholische Kirche und insbesondere die schwere moralische Schuld der deutschen Katholischen Bischofskonferenz, der Bundespräsident auf die Idee verfällt, dem langjährigen DBK-Chef einen Orden umzuhängen, statt Medaillen und Lametta für diejenigen vorzusehen, die sich um die Opfer und Wiedergutmachung bemühen.

So ein bundespräsidiales Fehlverhalten kann angesichts seines wohlbekannten Kirchismus’ kaum überraschen.

Atheisten können mit ihren humanistischen Überzeugungen prinzipiell alle anderen demokratischen Menschen repräsentieren, weil Religionsfreiheit für sie umfassend gilt: Freiheit von Religion und auch die Freiheit, privat jeder Glaubensrichtung anzuhängen.

Schwere Religioten hingegen erscheinen aufgrund ihrer alleinseligmachenden, also grundsätzlich EXKLUDIERENDEN Ideologie, für hohe Staatsämter in Deutschland  insofern ungeeignet, als sie einen großen Teil der Menschen nicht nur nicht repräsentieren, sondern sie sogar abwerten.

Frank-Walter Steinmeier zeigte das auf dem ökumenischen Kirchentag in Frankfurt leider besonders deutlich.

 […..] Steinmeier ging in seiner Eröffnungsrede zum Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt auf die "schwierige Zeit" ein, in der sich die beiden großen Kirchen befänden. Dabei stellte er die "bange Frage", ob es "je wieder ein Zurück zur Normalität gibt". Wörtlich fuhr er fort: "Ob die Pandemie nicht auch hier als Brandbeschleuniger wirkt, dem Prozess der Säkularisierung zusätzlichen Schub verleiht, die Kirchen aus der Mitte der Gesellschaft drängt."  Offenkundig schätzt der Bundespräsident die Zunahme des religionsfreien Bevölkerungsanteils als bedrohlich ein, denn der Begriff "Brandbeschleuniger" wird fast ausschließlich für gefährliche Entwicklungen wie das Erstarken von Rechtspopulismus, Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit verwendet. Der Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) Michael Schmidt-Salomon erklärt dazu: "Wer im Zusammenhang mit der Säkularisierung von einem 'Brandbeschleuniger' spricht, gibt zu erkennen, dass er diesen 'Brand' löschen will. Ein 'Zurück zur Normalität' bedeutet für den Bundespräsidenten offenbar eine Wiederherstellung der christlichen Vormachtstellung in Politik und Gesellschaft. So etwas kann Frank-Walter Steinmeier natürlich als Privatperson denken, er darf es als Bundespräsident aber nicht öffentlich äußern. Denn als höchster Repräsentant des Staates sollte er sich weltanschaulich neutral verhalten. Die Verfassung verbietet es ihm, einseitig Partei für eine Religion zu ergreifen – auch nicht für das Christentum!"

Christen und Kirchen werden benötigt – andere nicht?

Nicht weniger als sieben Mal behauptete der Bundespräsident in seiner Rede: "Wir brauchen die Kirchen, wir brauchen engagierte Christinnen und Christen!" Darüber hinaus sprach er das Publikum als "Schwestern und Brüder" an. "Frank-Walter Steinmeier hat sich in dieser Rede nicht als 'Präsident aller Deutschen' gezeigt", sagt Schmidt-Salomon. "Immerhin sind 39 Prozent der Bevölkerung konfessionslos. Die vielen Millionen religionsfreien Menschen sind auch nicht bloß zu tolerieren, wie es die Rede des Bundespräsidenten nahelegt, sondern als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger zu respektieren. Toleranz, sprich: die Erduldung einer Last, wäre eindeutig zu wenig – zumal offene Gesellschaften auf religionsfreie Menschen in besonderem Maße angewiesen sind. Denn es ist kein Zufall, dass die Menschenrechte im weitgehend säkularisierten Westeuropa stärker geachtet werden als beispielsweise in kirchlich geprägten Ländern wie Polen, in denen 'engagierte Christinnen und Christen' das Sagen haben. […..][…..]

(Michael Schmidt-Salomon, GBS, 15.05.2021)