Sonntag, 20. Mai 2012

Feige Mannheimer.


Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere recht haben könnte.
Jürgen Habermas

Dialog, Dialogprozess, in einen Dialog müsse man kommen, den Dialog gestalten. 
So klingt es wenn Deutschlands oberster katholischer Schwafler, Erzbischof Zollitsch, der Chef der zweitgrößten Diözese, sich zu seinen Untertanen äußert.

Das klingt für die Gläubigen prinzipiell zu nächst einmal nicht schlecht, aber es gilt zu bedenken, daß Bischöfe ein besonderes Rotwelsch sprechen.
 Das bischöfliche Wort „Dialog“ heißt ins Hochdeutsch übersetzt „Monolog.“
Der Bischof spricht und die Glaubenden hören zu und gehorchen.
Das katholische Fußvolk hat immer nur mit „Amen“ zu antworten und dabei handelt es sich wieder um einen Rotwelsch-Begriff, den man am besten mit dem amerikanischen „Hua!“ übersetzt.
Hua ist ursprünglich den Marines entlehnt und bedeutet: "Heard, understood and acknowledged" (Gehört, verstanden, akzeptiert).

All die Dinge, die den Gläubigen am meisten auf den Nägeln brennen - Priestermangel, Frauenordinierung, Zölibat, Akzeptanz Homosexueller, Tolerierung und Weiterbeschäftigung Geschiedener, Wortgottesdienste, gemeinsames Abendmahl -  sind grundsätzlich tabuisiert und dürfen nicht diskutiert werden.

Rom und das deutsche Episkopat passen auf wie die Schießhunde. 
Sie fürchten sich davor auch nur einen kleinen Finger zu reichen, weil dann ein deutscher Schüller die ganze Hand ergreifen könnte.

Das Zentral-Komitee der deutschen Katholiken, welches den heute endenden Katholikentag in Mannheim ausrichtet, wird zwar von den Ultakonservativen (Jolies Netzwerk, Kath.net, Kreuz.net, Fundi-Bischöfe Müller, TVE, Overbeck,..) als unsicherer Kantonist betrachtet, ist aber dennoch vollkommen Rückgrat-los.

Den Schüller von der österreichischen Priesterinitiative mag Ratzi nämlich gar nicht und fordert daher von seinen unmündigen deutschen Schäfchen Gehorsam.

„Hua!“ schrien da die ZKD- Chefs Alois Glück und Stefan Vesper, Präsident bzw. Generalsekretär und rasten zum Kotau nach Rom. 
Katholizismus ist keine aufrechte Haltung. 
Ein Katholik beugt seinen Rücken, schaltet den Verstand ab und kriecht vor alten Männern in bunten Kleidern im Staub. 
Glück und Vesper fuhren kurz vor Mannheim in den Vatikan, um dort dem deutschen Kurienkardinal Walter Kasper und Kardinal Gianfranco Ravasi vom Päpstlichen Kulturrat zu schwören nicht aufzumucken.

 „Auf Katholikentag kein Aufruf zum Ungehorsam“
Glück: „Alles, was in Österreich die Menschen bewegt, werden wir auch diskutieren, aber ohne Aufruf zum Ungehorsam! […]  Es gibt dabei nicht nur einige der sogenannten Reizthemen, die wir ja auch nicht isoliert in Deutschland entscheiden können – etwa die Frage des Zölibats, des Zugangs zum Priesterberuf –, sondern es gibt viele Themen, die innerhalb des bestehenden Kirchenrechts und als Antwort auf seelsorgliche Themen vorangetrieben werden können. Im Kern geht es immer um die Frage: Wie können wir als Kirche dem Sendungsauftrag, dem Menschen unserer Zeit das Evangelium zu vermitteln, besser gerecht werden?

[…] Radio Vatikan:  Der Papstbesuch im Rückblick – eher ein Bremsklotz am Bein des Dialogprozesses, oder eine Ermutigung?

Glück: „Ganz gewiß kein Bremsklotz! Viele haben allerdings gesagt: Ja, es wäre doch auch ganz gut gewesen, wenn der Heilige Vater auch den Dialogprozess angesprochen hätte. Ich glaube, es war ganz wichtig, dass er dem Raum läßt, nichts eingrenzt, nichts begrenzt für den Dialogprozess. Und so ist es. Von daher ist es für sich schon einmal eine positive Weichenstellung.

So enteiert wie die organisierten 24 Millionen Katholiken in Deutschland gegenüber ihren Bischöfen und Rom auftreten, so weichgespült betrachtet auch die nichtkonfessionelle Mehrheit der Deutschen die katholische Minderheit.

In den TV-Berichten und großen Zeitungsartikeln zum Thema Katholikentag, ist der Tenor ganz offen prokatholisch. 
Konsensuelle Sicht ist, daß die Kirchen keine Mitglieder verlieren sollten und die Stärkung der Katholiken ein erstrebenswertes Ziel sei - so wie niedrige Kriminalitätsraten, saubere Flüsse oder gutes Wetter.

Daß jemand wie ich es grundsätzlich begrüßt, wenn die Macht der Kirchen schwindet und dementsprechend viele Menschen austreten, gilt als derart radikal, daß es noch nicht mal erwähnt wird.

In der ARD-Dokumentation „Aufbruch oder Abbruch? - Wohin treibt die katholische Kirche?“ vom 15.05.2012 - hier kann man die Sendung online sehen - blickt der Autor Bernd Seidl generell wohlwollend auf die gläubigen Schäfchen.

Erwähnt wird unter anderem auch der „Skandal Sell“ der Kirchengemeinde St. Johannes im Bistum Würzburg.

Pfarrer Michael Sell kam 2001 als Kaplan in die Pfarrgemeinde Hammelburg, seit 2003 ist er Stadtpfarrer. Er hinterlässt eine gut aufgestellte und attraktive Kirchengemeinde. Auf den Weg gebracht hat er gemeinsam mit den Kirchenmitgliedern die Sieben-Sterne-Pfarreiengemeinschaft. Das neue Pfarrzentrum ist ein architektonisches Schmuckstück und entwickelt sich zu einer einladenden Begegnungsstätte.
Es gibt viele aktive ehrenamtliche Mitwirkende und Helfer, die sich in die Pfarrgemeinde einbringen. Auch die jüngsten Gemeindemitglieder, die Ministranten, scharen sich zuhauf um den lebensnahen und beliebten Pfarrer.

Der Priester hatte aber nicht „nur“ ein paar Messdienerchen vergewaltigt; dann wäre er bis heute Gemeindepfarrer - sondern sich einer weitaus schlimmeren Sünde schuldig gemacht.
 Er verliebte sich in eine erwachsene Frau, die von ihm ein Kind erwartete, welches er weder heimlich abtreiben, noch verschweigen wollte. 

Er „bekannte“ sich zu Frau und Sohn - so wie man sich sonst zu einem Verbrechen „bekennt“.

Das konnte Bischof Friedhelm Hofmann nicht tolerieren und feuerte den 37-Jährigen Sell auf der Stelle; untersagte ihm sogar noch einen Abschiedsgottesdienst zu feiern.

Einige Gemeindemitglieder trauern Sell so sehr hinterher, daß sie sich bis heute für ihren Ex-Pfarrer einsetzen.
Das bekam ihnen aber nicht gut; sie wurden so sehr ausgegrenzt, daß einem der Rädelsführer schon der maximalketzerische Gedanke kam, er könne mit 50 weiteren Sell-Fans geschlossen aus der RKK austreten und mit der eingesparten Kirchgensteuer locker das Gehalt Sells allein bezahlen. Über diesen ketzerischen Gedanken erschrak er aber selbst so sehr, daß er ihn sofort wieder verwarf.

WARUM ZUM TEUFEL MACHT IHR DAS DENN NICHT?? möchte man ihnen zurufen.

Aber der Gehorsam ist viel zu tief in die Gläubigen eingeimpft.

Wie lächerlich ist das eigentlich? Millionen Deutsche Katholiken lassen sich von drei Dutzend gebrechlichen, alten Männern in Kleidchen, die einem wackelköpfigen Geront im Vatikan folgen, in Schach halten?
Das sind Typen, die keine Armeen haben.

Wieso treffen sich die Hammelburger Männer nicht mal, nehmen ihre Mistgabeln mit, fahren nach Würzburg und setzen den ollen Bischof ab, der ihnen nicht passt?

Dasselbe gilt zumindest für die extrem unbeliebten Hassprediger Konrad Zdarsa, Müller, Meisner und Overbeck. OK, Müller ist zwei Meter hoch und kräftig - aber die Gläubigen sind dafür in Überzahl.

Was sollte der alte Ratzinger schon dagegen tun können?

Ein Schüller reicht ja schon aus, um ihm eine „Heidenangst“ zu machen.

Schüller hat ein hohes, untadeliges Ansehen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche in Österreich und das macht ihn so stark, wenn er fordert, dass die katholische Kirche sich den Fragen des Zölibats, der Zulassung Geschiedener zum Abendmahl, etc. stellen müsse.
Es wäre völlig verkehrt, Schüller nun als Feind der Kirche zu betrachten, er ist überzeugter Katholik, arbeitet weiterhin als Seelsorger nahe Wien und in der Universitätsseelsorge. […]
Als ich einmal einen österreichischen Kollegen fragte: „Warum wirft der Schönborn den Schüller nicht einfach hinaus?“, antwortete er: „Das wagt der Schönborn nicht. Das Ansehen Schüllers ist so hoch, dass ein Hinauswurf ein Schisma nach sich ziehen würde.“ 
Schisma heißt: Kirchenspaltung. Und davor hat der Vatikan anscheinend Angst. Es  ist die Furcht, dass die katholischen Basisinitiativen sich länderübergreifend in Europa verbinden und verbünden könnten. Küng und Drewermann konnte die katholische Kirche in Deutschland recht erfolgreich ins kirchenpolitische Abseits drängen, bei Schüller geht das nicht.

Zu viele Sorgen müssen sich die bischöfliche Gerontokratie Deutschlands aber nicht machen. 
Die Schäfchen werden immer ihr „Hua!“ blöken.
 Gehorsam liegt ihnen im Blut wie sogar die christliche Redakteurin Christiane Florin für die ZEIT rekapituliert.

Man könnte katholikentagskompatibel sagen: Der Mensch von heute ist brav und fügsam, solange er das Gefühl hat, freiwillig brav und fügsam zu sein. Er reagiert jedoch allergisch, sobald ihm eine Institution ausdrücklich Folgsamkeit abverlangt. Kein Podium auf dem Katholikentag trägt das Thema Gehorsam im Titel, aber die gesamte Kirchen-Reformdebatte umkreist die Frage: Wie viel Gehorsam verdient die Una Sancta?
Widerstand sei in der Natur des Menschen nicht vorgesehen, Gehorsam schon, fasste Stanley Milgram seinen berühmten Psycho-Versuch von 1961 zusammen. Zwei Drittel seiner Probanden waren bereit, einen Mann für falsche Antworten im Lerntest mit starken Stromstößen zu strafen, wenn eine Autoritätsperson dies anordnete. Das Experiment ist ungefähr so lange her wie das Zweite Vatikanische Konzil. Seitdem wurde allerlei liberalisiert, von der Sexualität bis zur Stromversorgung. Der Imperativ „Das tut man nicht“ spielt im Triebgeschehen des Einzelnen keine Rolle mehr. Liebe muss sich keinen Regeln unterwerfen, sie gehorcht keiner Konvention mehr. Die Sexualmoral der katholischen Kirche wird von Gläubigen als Folklore wahrgenommen, Folgsamkeit provoziert sie kaum noch.
Am Arbeitsplatz hingegen pariert jeder mehr, als ihm lieb ist, sei es aus Vernunft, Opportunismus oder Bequemlichkeit. Eine Wiederholung des Milgram-Experiments ergab vor einigen Jahren eine kaum gesenkte Gehorsamsrate unter den Probanden.

Ironie der Geschichte: 
Durch ihren Gehorsam schaden diejenigen, die besonders an der Kirche hängen sich und ihrer RKK am meisten.

Die Ratzinger-Organisation wird auf diese Weise weiter ausbluten und schrumpfen.
Radikal werden Kirchen geschlossen werden müssen, weil die Gläubigen die selbstdestruktive homophobe und reaktionäre Politik des Vatikans stoisch erdulden.

Jeder zehnte Priester gibt auf. Die katholische Kirche scheint hilflos im Umgang mit ihrem Scheitern
Braindrain nennen Volkswirtschaftler die Abwanderung kluger Leute. Unter Braindrain leidet auch die katholische Kirche, besonders der Klerikerstand. Jüngster Fall ist der von Andreas Tapken. Bis vor einem halben Jahr leitete er das Priesterseminar in Münster. Davor war er Psychologieprofessor an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Schon beim Studium in Rom galt er als bischofsfähig. Im Kreis der Seminarleiter war der 45-Jährige eine Führungsfigur und stand für Erneuerung. Er konnte öffentlich über Fragen wie das Verhältnis seiner Kirche zur Homosexualität sprechen, ohne dass alle gleich abschalteten. Inzwischen hat er um Entpflichtung von seinen priesterlichen Aufgaben gebeten.
Gründe für das Aus werden nicht genannt. Einige sagen, er wolle heiraten, andere bestreiten das. Offiziell gibt es keine Statistik über Laisierungsverfahren – so heißt das Instrument, mit dem der Vatikan Priester aus ihrem Amt entlässt. Es ähnelt der Eheannullierung und ist für Beteiligte oft unbefriedigend. Mindestens zehn Prozent eines Priesterjahrgangs, sagen Beobachter, halten nicht durch. Oft ist der Zölibat der Grund. Im vergangenen Juli gab Thomas Ochs auf, der Leiter des Freiburger Priesterseminars, um zu heiraten – auch er ein Hoffnungsträger. Joachim Kardinal Meisner und andere Bischöfe haben schon Priester aus ihrem engsten Umfeld an die Welt der Laien verloren. Was wird aus dem einstigen Führungsnachwuchs der Kirche?

Samstag, 19. Mai 2012

Medienaufmerksamkeit.



Das Thema des Tages ist heute offensichtlich mal wieder nur der Fussball.
 Dabei ist doch die EM bei Frau Timoschenko erst später, oder?

Offenbar spielen aber heute noch irgendwelche anderen Mannschaften. 
Diese Tatsache ist so wichtig, daß sogar die Parteipolitik und das ewige Rätsel „Wieso gibt es die FDP?“ davon überschattet ist.

Die Vize-FDP-Chefin Homburger verursachte gestern die Mutter aller Skandale.

Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende sagte der Nachrichtenagentur dpa zum Finale schroff: "Das guck' ich nicht. Ich hasse Bayern München." Damit bringt sie ihre nach mehreren Wahlniederlagen erst vor kurzem etwas genesene Partei - sie erreichte starke 8,6 Prozent bei der Landtagswahl in NRW - in Bedrängnis und handelt sich heftige Kritik aus den eigenen Reihen ein.
"Ich bin stinksauer wegen dieses unsportlichen Verhaltens. Das kann nur jemand sagen, der von Sport und Fußball überhaupt nichts versteht", polterte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil. "Wer so etwas sagt, disqualifiziert sich selbst." 
Tobias Thalhammer, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion wurde noch deutlicher: "So einen dummen Spruch kann nur ein Vollpfosten bringen", sagte er und forderte den Sturz der Parteifreundin. "Frau Homburger fehlt offenbar jegliches Zeug zu einer deutschen Spitzenpolitikerin. Sie ist als stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende nicht länger tragbar und sollte sofort zurücktreten, anstatt uns das Finale dahoam zu vermiesen." Homburger habe ohne Nachdenken "Millionen bayerische Fußballfans in ganz Deutschland beleidigt. Platzverweis und Sperre für Birgit Homburger!" Mit diesem hirnverbrannten Satz habe sie sich für lange Zeit ins Abseits geschossen.

Hotelsteuer, komplettes Regierungsversagen, Lobbyistenbeglückung, Deutschland zum internationalen Gespött  zu machen - alles das verzeiht der deutsche Urnenpöbel der auf über acht Prozent wiedererstarkten FDP.
 Aber nun hat die Partei-Vize überzogen!
Die Medienlandschaft vibriert. Als Chefin der FDP-Bundestagsfraktion hatte es Homburger nie zu so viel Aufmerksamkeit gebracht. 

Sucht man nur bei news.google die Worte „homburger bayern münchen“ bekommt man 10.500 Treffer.

Trotz dieser wichtigen Themen dünkte es mich nach einer anderen kleinen Geschichte im Internet zu suchen. 
Ist zugegebenermaßen vollkommen irrelevant im Gegensatz zu der weltbewegenden Grundsatzfrage, was eine gescheiterte schwäbische FDP-Politikerin von einem Bayerischen Sportverein denkt.

Daher ergab meine kleine Privatsuche auch nur 111 Treffer.

Obwohl es also nicht weiter wichtig ist, will ich doch kurz erwähnen, was AUSSER FUSSBALL noch für eine Meldung in den Nachrichten auftaucht.

George W. Bushs von seiner treuen Freundin Merkel so unterstützte „war on terror“ hat die Kleinigkeit von 1,7 MILLIONEN TOTEN verursacht - BISHER.


Der 2001 ausgerufene »War on Terror« hat nach einer neuen Studie der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) im Irak, in Afghanistan und Pakistan rund 1,7 Millionen Menschenleben gekostet. »Präzisionswaffen ändern nichts am hohen Prozentsatz getöteter Zivilisten in asymmetrischen Kriegen«, erklärte Vorstandsmitglied Jens Wagner zur Vorstellung des IPPNW-Reports »Body Count – Opferzahlen nach zehn Jahren Krieg gegen den Terror« am Freitag in Berlin. 

Interessant ist auch welches die ganz wenigen Medien sind, die so eine Meldung aufgreifen - die eher ganz linken Zeitungen „Junge Welt“ und „Neues Deutschland“, sowie Kardinal Meisners ultrakonservatives „Domradio“.

Dazwischen gibt es niemanden, der die Zahl 1,7 Millionen Tote für erwähnenswert hält.

So hat der Irak von der Invasion im Jahr 2003 bis heute 1,5 Millionen Todesopfer durch direkte Gewalteinwirkung zu verzeichnen. Spätestens seit der medizinisch-epidemiologischen Studie in der Zeitschrift Lancet über die Mortalität im Irak von 2006, dürfte das wahre Ausmaß der Zerstörung durch das überlegene US-Waffenarsenal und das entstandene Chaos durch die Besatzungstruppen deutlich geworden sein. Trotzdem beziehen sich fast alle Medien bezüglich der Opferzahlen im Irak bis heute auf den Irak Body Count, ein Projekt das weniger als 10% der Kriegsopfer registriert.
Was die Opferzahlen in Afghanistan betrifft, ist die Datenlage schlechter als im Irak. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Kriegsopfer inklusive Mitarbeitern von Nicht-Regierungsorganisationen, afghanischen Sicherheitskräften, ISAF und OEF Soldaten keinesfalls unter 70.604 liegt. Wahrscheinlich ist die Anzahl getöteter Zivilisten höher als 43.000. Die Anzahl der durch den Krieg indirekt, also durch Flucht, Hunger und medizinische Mangelversorgung zu Tode gekommenen Afghanen wird nach den Bombenangriffen 2001 bis zum Mai 2002 auf 20.000-49.600 geschätzt.
In Pakistan fielen bisher 2.300 bis 3.000 Menschen US-Drohnenangriffen zum Opfer, davon ca. 80% Zivilisten.
[Eine Strategie des derzeitigen US-Präsidenten. Dafür bekam Obama den Friedensnobelpreis. T.] Die weitaus größte Anzahl von Kriegsopfern (40.000-60.000) entsteht allerdings durch Kämpfe der von der US-Regierung unterstützten pakistanischen Armee mit unterschiedlichen Widerstandsgruppen.
Der IPPNW-Report schlussfolgert: Von einer objektiven und kontinuierlichen Berichterstattung über Kriege kann keine Rede sein. Während Kriege mit sehr hohen Opferzahlen, wie zum Beispiel der seit Jahren andauernde Krieg im Kongo, kaum Beachtung findet, wird über Menschenrechtsverletzungen in Syrien laufend berichtet. In Libyen endete die Berichterstattung praktisch mit der Ermordung Gaddafis, in Bahrein verschwanden Berichte über Menschenrechtsverletzungen und Tötungen von Demonstranten von der Tagesordnung. Hintergrundinformationen, historische, geographische, gesellschaftliche und kulturelle Tatsachen werden insbesondere dann nicht zur Verfügung gestellt oder verfälscht, wenn aktuelle politische Ziele dem entgegenstehen.

Kommentare gibt es gar nicht.

Ich konnte auch kein deutsches Regierungsmitglied finden, daß angesichts dieses sieben-stelligen Massenmordzahl irgendwelche Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit des deutschen militärischen Engagements zieht.

Ist wohl nicht weiter wichtig….

Freitag, 18. Mai 2012

Kollektive


Es macht ja immer Spaß über nationale Eigenschaften zu räsonieren und zu ergründen wieweit solche Vorurteile eigentlich berechtigt sind.

Schotten und Schwaben sind geizig, Rheinländer sind alle Frohnaturen, Italiener wunderbare Liebhaber und Spanier temperamentvoll. Isländer sind kreativ und Iren können alle singen.

Ich weiß natürlich, daß das alles Unsinn ist. 

Man kann nicht Millionen Menschen über einen Kamm scheren. Aber wenn man erst mal so eine Denkschablone im Kopf hat, registriert man jeden einzelnen Fall, der so ein Vorurteil bestätigt dreifach. 
Mittlerweile bin ich beispielsweise ernsthaft davon überzeugt, daß die Masse der Deutschen einen grottigen Musikgeschmack hat.
Ein weiteres der Klischees, an das ich glaube, ist das von den exzentrischen Briten.
Eine sympathische Volkseigenschaft, wie ich finde.
 Menschen, die ihren Individualismus kultivieren und es nicht nötig haben in uniformen Äußerlichkeiten zu einem homogenen Kollektiv zu werden.

Die Deutschen sind das diametrale Gegenteil.
Es gilt das Sprichwort: Wenn zwei Deutsche sich treffen, dann gründen sie einen Verein.

Sie stehen einfach auf Uniformen und völlige optische Eintönigkeit.

Da reicht schon ein Fußballspiel und schon ziehen sich alle Fans haargenau gleich ein. 
Letzten Sonntag sah man in Dortmund 70.000 Menschen, die sich zusammen rotteten und alle ganz und gar in schwarzgelb gekleidet waren. 
Eine Farbkombination, die ich aus politischen Gründen niemals anziehen würde.
Noch schlimmer wird es demnächst auf den deutschen Straßen aussehen, wenn elf Blonde, die auch noch alle die gleiche Frisur tragen, in Kiew Charkiw und Breslau einem Ballspiel nachgehen werden.

Die Supermärkte und Kioske sind schon voller primitiver Schwarz-Rot-Gold-Outfits. 
Zwischen Glücksburg und Garmisch wird man wieder 37 Millionen Plastikfähnchen in Nationalfarben ans Auto kleben und sich wie ein Haptiker auf Extasy freuen, wenn man andere Karren mit der gleichen Deko sieht.

Deutsche lieben die Konformität und versuchen mit allen Tricks in der Masse unterzugehen. 

Setzt man sie in Gruppen in Bierzelte auf Gartenbänke fangen sie automatisch an zu schunkeln und sich unterzuhaken.
 Versammelt man ein paar hundert Zuschauer in einem TV-Studio reichen zwei Takte, um die Patschehändchen aller Anwesenden zum unrhythmischen Klatschen zu zwingen. 
(Daß man bei der Zuschauer-Klatsch-klatsch-klatsch-Kulisse die Stimme des Sängers kaum noch verstehen kann, ist bei der Qualität der deutschen Volksmusik nicht von Nachteil.)
Setzt man Deutsche in ein rundes oder ovales Stadion, überfällt sie sofort ein Massentrieb die „La-Ola“ zu starten.

Der tiefe Drang sich „wie ein Mann“ zu gerieren ist inzwischen so groß, daß bei Sportveranstaltungen die Karten im Stadion längst viel zu knapp geworden sind. 
Aber allein zu Hause die Übertragung zu verfolgen ist dem teutonischen Michel viel zu individuell - also geht man zum „public viewing“ (engl. = Leichenschau).
 Dort legen dann auch die Männer einheitliche Schminke auf.

Der Wunsch zu einem möglichst großen Kollektiv zu gehören, erschöpft sich aber nicht in einzelnen Veranstaltungen. 
Nein, der Deutsche will auch offiziell, „auf dem Papier“ ein Gleichgesinnter sein.

Der ADAC, der Münchner Club der Autofreunde, zählt 18 Millionen Mitglieder und ist damit der zweitgrößte Auto-Verein der Erde.
Dem DFB, dem deutschen Fußball Bund gehören 6,8 Millionen Menschen an. Davon gehören allein 170.000 Mitglieder dem FC Bayern an.
Auch das DRK, deutsches Rotes Kreuz, ist ein Verein mit 4,7 Mio Mitgliedern.
Der größte deutsche Verein ist der DSB, der deutsche Sport Bund mit 27 Millionen Mitgliedern.
 Das übertrumpft sogar die religiösen Vereine RKK-Deutschland und EKD, denen jeweils ca 24 Millionen zahlende Mitglieder angehören.
Und auch der DGB, der Deutsche Gewerkschaftsbund bringt es noch auf 6,2 Millionen Mitglieder. Darunter sind die IG Metall mit 2,2 Millionen und ver.di mit 2,1 Millionen Mitgliedern die Größten.

Auch die Altparteien verfügen noch über Massen von Mitgliedern. 

495.000 Menschen besitzen so wie ich ein SPD-Parteibuch und ganz knapp dahinter liegt die CDU mit 489.000 Mitgliedern.
Man sollte also meinen, es sei nichts einfacher als Deutsche zum Masseneintritt in eine offiziell gemeinnützige Organisation mit einem leicht zu merkenden Buchstabenkürzel zu bewegen.

Da kostet es schon viel Mühe und destruktive Energie die teutonischen Schwarmfische dazu zu bringen die wohlige Wärme des Massenvorkommens zu verlassen.
Gewerkschaften, Kirchen und Parteien haben allerdings beträchtliche Fähigkeiten entwickelt ihre Mitglieder so nachhaltig zu vergraulen, daß ihre zahlenden Fans austreten.

Die Kirchen in Deutschland hatten noch in den 60er Jahren rund 95% der Deutschen als Mitglieder und sind inzwischen auf relativ erbärmliche gute 60% abgeschmolzen.

Die Sozis knackten in den 1970er Jahren sogar die Millionen-Grenze und haben seitdem trotz 18 Millionen potentieller neuer Interessenten (1990) ihre Parteigänger halbiert.

Nachdem sie CDU 1990 zwei ehemals kommunistische SED-folgende Blockparteien wegfusioniert hatte, stieg ihre Mitgliederschaft immerhin auf über 800.000, von denen in Rekordzeit über 300.000 vergrault wurden.

Der DGB hatte sich in den 1980ern an die 8 Mio-Mitglieder-Grenze gearbeitet, übernahm dann den alten DDR-Gewerkschaftsbund und verfügte 1990 sogar über stolze 12 Millionen Anhänger. 
 Eine Anzahl, die inzwischen halbiert wurde.

Eigentlich ist es erstaunlich mit welcher Indolenz die Chefs dieser Massenvereine, seien es Bischöfe, Parteivorstände oder Gewerkschaftschefs auf diesen dramatischen Kräfteverfall reagieren. 

Dabei sind die Gründe für die Massenflucht der Mitglieder oft ganz offensichtlich:

Ewig gestrige Ansichten, bürokratische und vollkommen Charisma-befreite Führungscrew, unfähige PR, behäbige Struktur, größtmögliche Intransparenz, Ignorieren der Interessen der Vereinsmitglieder, etc.

Dennoch wird kein einziges Manko korrigiert.
 Man schmilzt einfach wie der Seehofer’sche Eisbecher in der Sonne dahin und sieht tatenlos dem eigenen Tod auf Raten zu.

Also ich denke, wenn man die Situation der Kirchen in den 90er-Jahren und auch jetzt nach 2000 mit der Situation in den 50er- oder 60er-Jahren vergleicht, dann ist das überhaupt keine Frage. Die Kirche hat enorm an Einfluss verloren, an Prägekraft verloren. Also bei den evangelischen Kirchentagen in den 50er-Jahren - 1954, 55, 56 -, da saßen Hunderte, Tausende von jungen Menschen zu Füßen der Bischöfe und haben gelauscht, wenn die eine Bibelauslegung gemacht haben, haben mitgeschrieben. Das ist heutzutage geradezu unvorstellbar, dass man also das Wort der Kirche so ernst nimmt, dass man meint, davon Wegweisung zu bekommen.

Das Kirchenschrumpfen begrüße ich natürlich, aber statt ver.di und SPD sähe ich lieber DFB und ADAC konsequent absterben.

But you can’t have them all.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Die alte Leier....




Das ist ja nicht so neu, was uns der vom Steuerzahler bezahlte deutsche Katholische Militärbischof da verkündet hat.

Das ist einfach nur einer Variante des Edikts, das Bischof Wolfgang Huber einst im TV erklärte: Nicht religiöse Menschen hätten keine moralischen Maßstäbe.
Das sagt der Mann, der als oberster Evangele Deutschlands selbst jeglicher Moral entrückt war.
Dass Huber, der es immerhin fertigbrachte, als EKD-Ratsvorsitzender in einem Schreiben für „Pro Reli“ in 11 Sätzen 6 mal die Unwahrheit zu sagen, heute als Redner und Berater (Hubers Homepage: „Vordenker“) zum Thema „Ethik“ unterwegs ist und sich „vor allem der Wertevermittlung in Wirtschaft und Gesellschaft“ widmet, erinnert in seiner Dreistigkeit ebenfalls an den Verteidigungsminister.)
(Skydaddy 25.02.2011)

Berauscht von seiner eigenen Wichtigkeit stellte er sich ganz selbstverständlich außerhalb der normalen Koordinaten von Anstand und Wahrhaftigkeit.
Er behauptete einfach Dinge, wie es ihm gefiel und ließ sich nicht mehr von Fakten und der Realität verwirren.

Im Fernsehen, in einer Quasselrunde bei Kerner ging er gemeinsam mit seinem katholischen Bischofskollegen Jaschke soweit zu behaupten, daß eine Gesellschaft aus Atheisten eine Horrorvorstellung für ihn wäre, da man ohne Gott nicht über Moral verfüge, also nicht wisse was richtig und was falsch wäre.

 Der Primas der englischen und walisischen Katholiken, Kardinal Cormac Murphy-O’Connor (*1932) hatte 2009 erklärt Atheisten wären gar keine echten Menschen, sondern SUBHUMANS.
Im BBC-Interview mit Roger Bolten stellte der Mann im roten Kleid klar, daß säkulare Menschen nur ein ärmliches Verständnis davon hätten, was es bedeutet menschlich zu sein.
Da sei etwas nicht total menschliches, wenn man das Transzendentale beiseite lasse.
Lasse man diesen Aspekt, die Suche nach Gott, für den absolut jeder kreiert sei, außer Acht, wäre man „not fully human“.

Roger Bolton – a lot of church leaders speaking on national matters sound rather defensive but you’ve gone on the attack because you’ve talked about secularists having an “impoverished understanding of what it is to be human” they might find that quite offensive mightn’t they?

Cardinal Cormac Murphy O'Connor - I think what I said was true, of course whether a person is atheist or any other...there is in fact, in my view, something not totally human, if they leave out the transcendent. If they leave out an aspect of what I believe everyone was made for, which is, uh, a search for transcendent meaning, we call it God. Now if you say that has no place, then I feel that it is a diminishment of what it is to be a human, because to be human in the sense I believe humanity is directed because made by God, I think if you leave that out then you are not fully human.

Kardinal Cormac Murphy-O’Connor, der seinen Posten 2009 aus Altersgründen an Erzbischof Vincent Nichols abgeben mußte, erkannte ob der Millionen und Abermillionen durch die katholische Kirche umgekommenen und/oder seelisch zerstörten Menschen, was die eigentliche Ursache aller Übel wäre - der Atheismus!

At the installation of the Most Rev Vincent Nichols at Westminster Cathedral, his predecessor, Cardinal Cormac Murphy-O’Connor, described a lack of faith as “the greatest of evils” and blamed atheism for war and destruction, implying that it was a greater evil even than sin itself.

Der myriadenfache Kindesmissbrauch durch die katholisch gläubigen Hirten war keinem Bischof eine Erwähnung wert. Auch der Irische Katholenchef stimmte zu, daß der Verlust des Glaubens am schwersten wiege.

Da sollen sich die paar Zehntausend durchgefickten Kinder mal nicht so anstellen - immerhin waren es doch gläubige Katholiken, die sich an ihnen vergingen.

Besser also von Gläubigen anal vergewaltigt, als nicht mißbraucht zu werden und dafür von Atheisten aufgezogen!!

Cardinal Murphy-O’Connor went farther. Referring to the battles that will be won and lost in the effort to sustain the Christian presence in secular society, he said: “What is most crucial is the prayer that we express every day in the Our Father, when we say ‘deliver us from evil’. The evil we ask to be delivered from is not essentially the evil of sin, though that is clear, but in the mind of Jesus it is more importantly a loss of faith. For Jesus, the inability to believe in God and to live by faith is the greatest of evils.

Und nun ist die Aufregung über Overbeck, den homophoben Ruhrbischof, der einst David Berger zum Outing getrieben hatte mal wieder groß.

Ich kann dazu immer nur sagen:

Die Hubers, die Overbecks, die Murphy-O’Connors sollen bitte so weiter machen und sich selbst entlarven.

Als Atheist könnte mir das egal sein, weil mich auch ein Overbeck nicht atheistischer machen kann, als ich es schon bin.
 Statements wie die von Murphy-O’Connor bringen mich höchstens dazu Stolz für meine Überzeugung zu empfinden.

Viel interessanter ist es doch, wie diese ultra-reaktionäre Weltsicht der modernen Ratzinger-Epigonen auf das katholische Fußvolk wirkt.

Nämlich extrem abstoßend.
 Sein Priesterseminar in Bochum macht der Ruhrbischof zu. 
 Mangels Interesse.

Im Ruhrgebiet will so gut wie niemand mehr katholischer Pfarrer werden: 52 der 57 Zimmer im Bochumer Priesterseminar stehen leer. Eine ganze Ausbildungsstätte für gerade einmal fünf Priesterkandidaten – diesen Luxus will sich Bischof Franz-Josef Overbeck nicht länger leisten. Daher schafft er die eigenständige Priesterausbildung zum kommenden Wintersemester ab.
Wie bereits die Bistümer Aachen und Osnabrück schickt auch das Bistum Essen zukünftig die wenigen Unerschütterlichen, die trotz der tiefen Krise der katholischen Kirche noch Priester werden wollen, an das Seminar in Münster. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits in den vergangenen Jahren deutliche Spuren im Revier hinterlassen hat: Wegen des massiven Mitgliederschwunds und damit verbundenen Einnahmeausfällen musste das Bistum Essen seine 259 Pfarreien zu 43 Gemeinden zusammenlegen. 96 katholische Kirchen wurden seit dem Jahr 2006 im Bistum sogar endgültig geschlossen.
Insgesamt hat sich die Zahl der Katholik*innen im Revier seit der Gründung des Ruhrbistums im Jahr 1958 um 40 Prozent reduziert.

Also immer weiter so, Herr Overbeck!

Mittwoch, 16. Mai 2012

Das allerletzte Aufgebot





Ja, das ist wohl die endgültige Lyse der Merkelregierung.
 Sie befindet sich in Auflösung.
Ein erbärmliches Bild aus Zank und Arbeitsverweigerung liefern die schwarzgelben Möchtegern-Minister nun seit drei Jahren. In alles Ressorts werden dringend notwendige Reformen einfach ausgesessen, obwohl durchaus Konsens darüber besteht welche Baustellen dringend angepackt werden müssen: Pflege, Gesundheitsfinanzierung, Steuersystemvereinfachung, Bildung, Energie.

Einer der vielen „bürgerlichen“ Treppenwitze ist es, daß die Berliner Gurkentruppe ausgerechnet intensiv bei den Dingen in Wallung kommt, die absolut überflüssig und kontraproduktiv sind: Hotelsteuer, Herdprämie, Entfernungspauschale.

Ganz offensichtlich ist die Kanzlerin vom eigenen Personal dermaßen genervt, daß sie gar nicht erst versucht diese Politinvaliden zum Jagen zu tragen.
 Sie will nur noch diese vier Jahres des schwarzgelben Elends aussitzen bis sie endlich wieder eine große Koalition machen kann und dann von den Sozis einige Minister rekrutieren kann, die ihren Job verstehen.

Wie muß sie sich zurücksehnen an die Zeiten, als sie Außenminister Steinmeier guten Gewissens internationale Verhandlungen führen lassen konnte, ohne sich zu sorgen, daß er eine diplomatische Krise auslöst. 
Wie angenehm war es für sie Ministerin Wieczorek-Zeul in der Dritten Welt herum reisen zu lassen! Die Frau kannte sich aus und war international beliebt. Und nun die wandelnde Peinlichkeit Niebel!
Welch ein Segen war Brigitte Zypries für die Kanzlerin. Eine unprätentiöse Fachfrau, die sich fleißig um die anstehenden juristischen Dinge kümmert. Und nun die renitente Leutheusser-Schnarrenberger, die tatenlos zusieht, wie sich die höchsten Richter zerstreiten, Stellen nicht besetzt werden und bei internationalen Fragen (Datenspeicherung, SWIFT,..) einfach untertaucht und tut als ob sie nicht da wäre.
Was war das für einen Wohltat mit Olaf Scholz einen intensiven Arbeiter zu haben, der die entscheidenden Weichenstellungen (z.B. Kurzarbeitergeld, Konjunkturpakete,..) vollführte ohne wie seine mediengeile Nachfolgerin stets sein eigenes Süppchen zu kochen.
Auch öffentlich macht Merkel keinen Hehl daraus wie hervorragend sie sich mit Peer Steinbrück verstand. Sie bekannte sich dazu ihn auch nach 2009 privat schon angerufen und um Rat gefragt zu haben. Ihr imponierte sein Sachverstand und seine Tatkraft. Schäuble hingegen hat es geschafft in Brüssel gehasst zu werden und ignoriert sämtliche Aufgaben, für die er zuständig wäre (Mehrwertsteuerreform, Unternehmenssteuern,..).
Und sogar Sigmar Gabriel als Umweltminister kniete sich in seine Aufgaben, statt wie Röttgen alles laufen zu lassen.

Wenn Merkel am Sonntag zusammen mit Ehemann Joachim mal die Füße hochlegt und die Gedanken schweifen läßt, träumt sie vom Herbst 2013, wenn die Union kurz vor der SPD ins Ziel kommt, es für eine SPD-geführte Regierung nicht reicht und man sich wieder in der 2005er Konstellation zusammenfindet. 
Wie gerne würde sie die fünf hepatitisgelben Loser in die Wüste schicken und durch richtige Minister ersetzten.

Anderthalb Jahre noch, die es auszusitzen gilt. 
Und Merkel hat viel Sitzfleisch.

Warum auch nicht? 
Gott beglückt Merkel mit einer phlegmatischen SPD-Troika, die nicht ernsthaft eine Gefahr ist und zudem tauchen dauernd neue Parteien auf, die Rot/Grün am linken Rand die Eingeweide aufreißen, so daß die Kraft für eine eigene Mehrheit fehlt.

Und dann kam die NRW-Pleite, die einkalkuliert und verkraftbar gewesen wäre, wenn nicht Muttis Klügster in seiner ganzen Doofheit versucht hätte Mutti mit in den Strudel zu ziehen, indem er behauptete die Landtagswahl sei eine Abstimmung über Merkels Europapolitik.

Man darf annehmen, daß Mutti ihrem Ziehsöhnchen die Hammelbeine lang gezogen hat. 

Es störte sie aber zunächst nicht einen erwiesenermaßen unfähigen Politiker im Amt des Umweltministers zu belassen. 
Die fachlichen Anforderungen an ihre eigenen Minister sind so niedrig, daß auch ein x-beliebiger Hauptschulabbrecher in ihr Kabinett gelangen könnte.
Röttgens Sargnagel war aber, daß er so weidwund geschossen ist, daß er für Seehofer und Co zum Ventil wurde den ganzen Frust über die schlechteste Regierung in der Geschichte der Bundesrepublik abzulassen.
Solange Röttgen im Amt war, konnte die Kanzlerin mit Sicherheit davon ausgehen, daß der bayerische Horst weiterzetert.
Das Leck mußte nun in der Tat gestopft werden.
 Dem Bayern-Querulanten mußte der Hebel entzogen werden.
 Daher entließ Merkel heute zum ersten mal in ihrer über siebenjährigen Kanzlerschaft einen Minister. Und zwar den Minister, dem sie noch 12 Stunden vorher hervorragende Arbeit bescheinigte, obwohl längt jedem klar war, daß dieser eitle Geck die Energiewende niemals managen würde.

Mehr und mehr zeigte sich, dass Röttgen zwar ein Meister der Ankündigungen ist, doch bei der Umsetzung dieses gigantischen Projekts kaum Erfolge vorzuweisen hatte. Die Wirtschaft stöhnte seit Wochen über das Chaosmanagement der schwarz-gelben Koalition. Merkel muss sich um den Euro kümmern - sie braucht deshalb jemanden, der das Projekt Energiewende zumindest einigermaßen geräuschlos organisieren kann.

Nun ist die Kanzlerin tatsächlich allein zu Haus.

Röttgens Nachfolger Altmaier verfügt über zwei Qualitäten. Er könnte jederzeit als Helmut-Kohl-Body-Double auftreten und er gilt als 110%ig Merkel-loyal.
Von Umweltpolitik hat er zwar gar keine Ahnung, aber fachliche Eignung ist für Merkel bekanntlich völlig irrelevant.

Aber wen hätte sie sonst nehmen können?

Da ist einfach niemand mehr in der CDU, der zu höheren Aufgaben taugt.
Merkel war dementsprechend auch nicht in der Lage einen Nachfolger für Altmaier als Parlamentarischen Geschäftsführer zu benennen.
 Diese Position klingt wenig glamourös, ist aber extrem wichtig. 
Insbesondere wenn die Abgeordneten mehr und mehr als Stimmvieh benutzt werden und einfach Dinge abzunicken haben, die unpopulär sind. 
Eine Lösung à la Kristina Schröder verbietet sich also. 
Der Altmaier-Nachfolger muß extrem gut vernetzt sein, in der Fraktion beliebt sein, bis zur Selbstaufgabe Kanzler-treu, möglichst aus NRW kommen und muß sich zudem auch noch gut mit Kauder verstehen - auch nicht jedermanns Sache.

Einen Nachfolger für Merkel selbst gibt es sowieso nicht. 
Gestern versuchten einige konservative Blätter Ministerpräsident McAllister hochzuschreiben.

Der müßte aber erst mal am 20.01.2013 seine Landtagswahl gewinnen und nach derzeitigen Umfragen liegt dort die SPD vor der CDU, die FDP ist unter 5% und die Grünen liegen bei 12-14%.

Da konnte sich auch der liebe Gott nicht verkneifen eine Zeichen zu setzen und zeigte was er von McAllisters bundespolitischer Zukunft hält.

McAllister machten gestern mit dem größten Teil seiner Landesregierung eine Drachenboottour auf dem Zwischenahner Meer und soff kläglich ab. 


Blubb Blubb weg war er.




Nun ist wohl Bayern das letzte verbliebene Kraftzentrum der Union.

Aber auch da konnte sich der liebe Gott einen Fingerzeig nicht verkneifen, als der Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann in einem Bagger sitzend symbolisch den ersten Spatenstich für eine Umgehungsstraße im bayerischen Kempten tun wollte.

Das sollte Dynamik darstellen, wie der Minister persönlich die Schaufel Aushub erledigen wollte. 



Der CSU-Mann schaffte es stattdessen aber den ganzen Bagger umzukippen und kläglich im Führerhäuschen eingeklemmt zu werden, so daß seine Leibwächter die Scheiben einschlagen mußte und ihren Boss leicht verletzt ans Tageslicht zurück zerrten.



  

Ziemlich viel Symbolik heute.

Dienstag, 15. Mai 2012

Horsti und Nobby streiten sich.



Hinterher ist man ja immer klüger und so erklärt der Bayerische Ministerpräsident dem Umweltminister a posteriori weswegen dessen Wahlkampagne in NRW scheitern mußte.

Seehofer ist der Typ Psychopath, der nur zufrieden ist, wenn er jemanden so richtig quälen kann und im Fokus seiner Hassattacken sitzt nun einmal derzeit Norbert Röttgen.

Das Psychogramm des Oberbayern erinnert in der Tat weniger an einen deutschen Politiker, als an eine neroeske Persönlichkeit aus der Feder eines Stephen King.
In Berlin regiert demnach ein Mensch als einer der großen Drei mit, dessen innere Antriebskräfte zutiefst von Bosheit und Destruktivität bestimmt sind.
Einem Psychopathen, der sich längst komplett von der Sachpolitik verabschiedet hat und seine einzige Befriedigung nur noch in Sadismus und Manipulation findet.

Wie eine finstere Gestalt aus einem Psychokrimi hat er sich seine Politwelt im heimischen Keller als Miniaturwelt nachgebaut und dirigiert dort kleine Voodoo-Modelle seiner Politik-Kollegen, als ob er Gott wäre.


Es gibt den Nachbau des Bahnhofs von Bonn, der Stadt, in der Seehofers Karriere begann. Nach dem Jahr 2004, als er wegen des Streits um die Gesundheitspolitik sein wichtigstes Amt verlor, baute er einen "Schattenbahnhof", so nennt er ihn, ein Gleis, das hinab ins Dunkel führt.
Seit neuestem hat auch Angela Merkel einen Platz in Seehofers Keller. Er hat lange überlegt, wohin er die Kanzlerin stellen soll. Vor ein paar Monaten dann schnitt er ihr Porträtfoto aus und kopierte es klein, dann klebte er es auf eine Plastikfigur und setzte sie in eine Diesellok. Seither dreht auch die Kanzlerin auf Seehofers Eisenbahn ihre Runden.
(Spiegel 16.08.10)
Gut vorstellbar, daß der Oberbayer in seinem morbiden Miniaturwelt-Keller schon eine kleine Röttgen-Voodoo-Puppe installiert hat, die er stündlich gegen die Wand fahren läßt.

Diesen wenig jovialen Technokraten, der sich so offensichtlich für intelligenter und besser, als die landesmannschaftlich geprägten Herzblutpolitiker hält, kann Seehofer partout nicht leiden.
Das macht er nun, nachdem der kommende schwarz-grüne Löwe angeschossen ist, jede Stunde einmal deutlich. 
Daß Röttgen ohnehin am Boden liegt, animiert Superhorst nur noch mehr zum Nachtreten.

14. Mai 2012: Wenige Stunden nach der CDU-Niederlage bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen stellt Horst Seehofer die Eignung von Spitzenkandidat Norbert Röttgen als Bundesumweltminister in Frage. Öffentlicht verweist er auf die schwierige Energiewende und sagt der "Bild"-Zeitung: "Ich hoffe, dass der Bundesumweltminister mit dieser Herausforderung anders umgeht als mit dem Wahlkampf in NRW."

Gestern Abend im Heute-Journal gegenüber Claus Kleber legte er noch mal nach. 
Sichtlich begeistert von seinen eigenen Attacken kicherte und grinste der CSU-Chef, während er sich vorstellte wie Angela Merkels Strategen die Gesichtszüge entgleiten.

"Wissen Sie, was mir so wehtut? Ich glaube, dass Union und FDP wirklich ein Potential haben, um in Deutschland zu regieren. Und wir machen das einfach nicht so gut, dass wir die Zustimmung von der Bevölkerung erhalten. Das tut mir leid."
Dann geht es gegen Röttgen, der mit einem klaren Sympathieplus in den NRW-Wahlkampf gegen SPD-Frau Hannelore Kraft gegangen sei:
"Innerhalb von sechs Wochen ist das weggeschmolzen wie ein Eisbecher, der in der Sonne steht."
Jetzt wittert Kleber seine Chance auf klare Worte, verschränkt die Arme und hakt nach: Lag es an Röttgens Unwillen, sich zwischen dem Ministeramt in Berlin und dem Posten als Ministerpräsident zu entscheiden?
"Ja, das war ein ganz großer Fehler".
Und noch mal:
"Das war ein GANZ großer Fehler."
Aber, so Kleber, ganz unschuldig am Debakel in NRW sei doch auch Seehofer selbst nicht. Schließlich habe er Röttgen doch in größte Schwierigkeiten gebracht.
"Ich habe mit ihm gesprochen, persönlich und über die 'Bild'-Zeitung. Persönlich hat er mich abtropfen lassen, die Kanzlerin war ja dabei. (…) Ich habe ihm gesagt: 'Lieber Herr Röttgen, das ist nicht Ihre Privatentscheidung, ob Sie nach NRW gehen. Das betrifft die ganze Union. Wenn Sie das nicht korrigieren, dann wird es uns hart treffen.' Und so ist es dann auch gekommen."
[…] 
In dem angezählten Röttgen findet er ein denkbar leichtes Opfer.
In der Union reagiert man mit Unverständnis auf die Schärfe der Attacke aus München. "Wenn jemand am Boden liegt, sollte man ihm die Hand reichen und nicht noch nachtreten", sagte der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach SPIEGEL ONLINE.

Bosbach, der sich gerade erst vom Kollegen Pofalla mit „ich kann deine Scheiß-Fresse nicht mehr sehen“ anfahren ließ, sollte nicht so tun, als ob nur die Bayern so einen Tonfall anschlügen. 
Auch in NRW, dem Landesverband, der sich erst 2010 per Urwahl für Röttgen entschieden hatte, weil man sich im Glanze des Bundesministers sonnen wollte, rückt man in Düsengeschwindigkeit vom Wahlversager ab. 
Das ging am Wahltag um 18.00 Uhr los.

Als die Katastrophe über die Bildschirme flimmert, sagt Frank Rudolph nur: "Oh Gott". [….] Rudolph ist Mitglied im gesundheitspolitischen Arbeitskreis der Partei. Sein Ausruf in die Stille der geschockten Wahlparty in Düsseldorf bringt die Stimmung in der NRW-CDU auf den Punkt.
Das "Gesicht dieser Niederlage", wie Anhänger Rudolph sagt, ist Norbert Röttgen.
[…] "Immerhin, wir haben nun fünf Jahre zur Regeneration", sagt Stefan Simmnacher, Geschäftsführer der Mittelstandsvereinigung in der CDU. Es kann nur besser werden.

Scharf kritisierten auch CDU-Politiker ihren NRW-Spitzenkandidaten. "Unser Ergebnis ist eine Katastrophe", sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) dem Kölner Stadtanzeiger. Das CDU-Debakel sei ein Denkzettel dafür, dass Umweltminister Röttgen sich nicht auf einen Wechsel als Oppositionsführer nach Düsseldorf festlegen wollte. […] Auch die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht warf Röttgen mangelnde Eindeutigkeit vor. Die habe SPD-Spitzenkandidatin Kraft geliefert und die CDU in NRW nicht, kritisierte Lieberknecht.

Es gibt in der nordrhein-westfälischen CDU weiter Kritik an Norbert Röttgen. Es sei ein „Fehler“ gewesen, dass sich der Bundesumweltminister „nicht ohne Wenn und Aber“ für die Landespolitik entschieden habe, sagte Generalsekretär Oliver Wittke am Montag in Düsseldorf. Mit Olaf Lehne forderte zugleich der erste CDU-Landtagsabgeordnete in NRW den Rücktritt Röttgens auch als Bundesumweltminister. „Röttgen ist jetzt auch im Kabinett nicht mehr tragbar, sollte zurücktreten. Es hat sich deutlich gezeigt, dass die Partei auf den Falschen gesetzt hat“, sagte Lehne der „Bild“-Zeitung.

Neben dem mangelnden Bekenntnis zu NRW und dem zweigleisigen Fahren wird Röttgen hauptsächlich seine inhaltliche Verweigerung vorgehalten. 

Selbst CDU-Parteimitglieder bemängeln JETZT (als ob das vorher nie aufgefallen wäre), daß Röttgen zwar bei jeder Gelegenheit auf die angebliche „Schuldenkönigin Kraft“ eindroschen habe aber auch auf hartnäckigste Nachfragen im ganzen Wahlkampf keinen einzigen konkreten Punkt nennen konnte, an dem die CDU sparen würde. 
Das sei „uneindeutig“ und zu Recht fühle sich der Wähler davon veräppelt.

Es stimmt auch zweifellos, daß Röttgen erschreckende Lücken offenbarte.

Hat die Intelligenzbestie nicht damit gerechnet, daß bei ihrem dauernden „wir müssen sparen, sparen, sparen und die Sozis sparen nicht“ der ein oder andere Wähler fragen würde, wo denn die CDU zu sparen gedenke?

Die großartige Anja Reschke zeigte uns letzte Woche absolut entlarvende Röttgen-Szenen:

 O-Ton Norbert Röttgen, CDU:
„Seit Jahrzehnten türmen wir Schulden auf! Es geht so nicht weiter, wenn wir jetzt immer noch weiter Schulden machen. Und darum muss es ein Ende haben mit der Schuldenpolitik.“
[…]  O-Töne – Norbert Röttgen beim Interview mit anderen Fernsehsendern:
Journalistin: „Sagen Sie doch mal die drei wichtigsten Punkte, bei denen Sie sparen wollen!“
Norbert Röttgen, CDU: „Wir wollen eben wirklich sparen. Wir wollen wirklich sparen. Ich halte das am allermeisten für eine Wollens-Frage. Will man es, dann schafft man es auch.“
Journalistin: „Dann ist es ja nicht schwierig für Sie, die drei wichtigsten Punkte zu nennen.“
 Norbert Röttgen, CDU: „Nein, es gibt nicht die drei wichtigsten Punkte, sondern es gibt einen Ansatz, weil wir haben hundert Punkte.“
Journalistin:„Versteh ich immer noch nicht, Sie sagen, es gibt 100 Punkte, Sie können uns keine drei nennen – warum nicht?“
Norbert Röttgen, CDU: „Ja, weil die nicht die 1,6 Milliarden Euro ergeben, weil es ein Ansatz ist.“

Doch wo konkret will die CDU die 1,6 Milliarden einsparen? Wolfgang Wiegard war jahrelang einer der fünf Wirtschaftsweisen, die die Bundesregierung beraten. Für Panorama überprüft er, was die CDU zum Thema Neuverschuldung in ihrem Wahlprogramm geschrieben hat.

O-Ton Prof. Wolfgang Wiegard, Volkswirtschaftler:
„Es finden sich Allgemeinplätze. Von Effizienzverbesserung wird geredet, von pauschalen Kürzungen, von pauschalen Kürzungen bei den Förderprogrammen, bei den sächlichen Verwaltungsausgaben. Es werden Stelleneinsparungen angesprochen, aber nichts Konkretes. Man weiß nicht was konkret gemacht werden soll, was die CDU konkret vorhat.“

O-Töne – aus einer Fernsehsendung des WDR, 02.05.2012:
Sylvia Löhrmann, Grüne: „Sagen Sie doch mal drei konkrete Beispiele, wo Sie sparen?“
Norbert Röttgen, CDU: „ Ich sag Ihnen, wo wir nicht sparen. Wir sparen nicht bei Familie, wir sparen nicht bei Schule, wir sparen nicht bei Kultur und wir sparen nicht bei Kommunen.“
Hannelore Kraft, SPD: „Und bei der Polizei haben Sie auch gesagt, da sparen Sie auch nicht.“
Norbert Röttgen, CDU: „Genau, da wollen wir investieren. Wir werden nicht 2000 Polizisten-Stellen einsparen.“
Hannelore Kraft, SPD: „Ah...investieren sogar!“
 […] Panorama: „Herr Röttgen, Panorama: „Herr Röttgen, hier sind jetzt keine Bürger mehr. Dürfen wir Dürfen wir denn jetzt mit Ihnen über das Thema Sparen sprechen?“
Norbert Röttgen, CDU: „Nein. Ich möchte jetzt nicht mit Ihnen reden. Wenn Sie das respektieren würden, wäre ich Ihnen dankbar.“
Panorama: „Aber die Bürger würden gerne wissen, wo Sie sparen wollen.“
Norbert Röttgen, CDU: [schweigt]

Dünn, sehr dünn.
Man versteht irgendwie die Logik der CDU-Meckerer, die jetzt sagen, daß Röttgen damit keinen Wähler überzeugen konnte.

Nur fragt sich, warum sie dann nicht selbst gesagt haben, wo eigentlich die CDU die Milliarden in NRW einsparen wollte. 
Oder gibt es in der Partei nur ahnungslose Schafe, die ohne ihren Spitzenmann orientierungslos herumgeistern?
Offenbar hat ja auch kein anderes der CDU-Parteimitglieder in NRW irgendeinen Punkt gekannt, an dem gespart werden könnte.

Und wenn es denn stimmte, daß „die Wähler“ keinen nichtssagenden Blender wählen würden, der sich hartnäckig um konkrete Aussagen drückt, dann hätten auch die FDP und Christian Lindner krachend verlieren müssen.
 Auch Lindner setzte offensiv auf das Thema Haushaltskonsolidierung und inszenierte seine Partei als heldenhafte Widerständlerin, die sich dem Schuldenstaat verweigert habe.

Aber auch von Lindner und im gesamten FDP-Programm gibt es keine einzige greifbare Aussage wie und wo die Liberalen sparen wollen.

Das führte aber nicht zu einem Wählereinbruch wie bei der CDU, sondern zu einem grade zu gloriosen Zugewinn.

So ist das bei den bürgerlichen Wählern in Wahrheit: 
Fakten sind irrelevant. 
Man muß nur gegen die Linken sein und irgendwie auf rechte Spießer sympathisch wirken. 
Das gelang Lindner.

Aber Norbert Röttgen mag niemand.

 Simple as that.