Freitag, 23. Oktober 2026

Schämen für Deutschland – Teil II

Noch nicht einmal drei Jahre bin ich Deutscher Staatsbürger, aber mein Lebens-Schamkontingent scheint bereits aufgebraucht. Dabei kann ich, bedingt durch meine Erststaatsbürgerschaft USA, gewaltige Schammassen bewältigen! Was muss ich mich nicht jeden Tag auf’s Neue für 77 Millionen radikal debile MAGAs schämen, die der Welt die orange Politpest bescherten!

Scham ist ein Gefühl und daher nicht rational zu erklären. Offenbar funktioniert meine Gefühlswelt nicht wie die der meisten Menschen.

Ich empfinde immer wieder starkes Mitleid; leider auch für Typen, die es wirklich nicht verdient haben. Sogar der Fritzekanzler tut mir gelegentlich Leid, wenn ich mir vorstelle, wie er 70 Jahre mit der vollen Überzeugung, der Großartigste überhaupt zu sein, dem einem Lebenstraum nachjagte: Bundeskanzler sein. Aber kaum hat er es endlich, endlich geschafft, passiert das eine, mit dem er nie im Leben rechnete: Es stellt sich raus, daß er ein Depp ist und den Job absolut nicht kann; deutlich gegenüber allen neun Amtsvorgängern abstinkt. Politisch geschieht es dem Sauerländer Simpel zweifellos recht. Aber auf der rein persönlichen menschlichen Ebene ist es wirklich tragisch: Da merkt einer erst im Greisenalter, aber dafür coram publico, wie er sein ganzes Leben einem fatalen Irrtum aufsaß: Er ist gar nicht geiler als die verhasste Frau aus dem Osten, die 16 Jahre in dem Kanzleramt saß, welches doch eigentlich ihm gebührte!

Ich empfinde auch Mitleid, wenn ich Berichte über grausame Tode von Tyrannen wie Gaddafi oder Saddam Hussein oder Ceaușescu lese. Keine Frage, alle drei haben selbst unfassbare Grausamkeiten zu verantworten. Aber ich kann mit der biblischen Auge-um-Auge-Mentalität nichts anfangen und sobald ich mich mit einem Einzelfall beschäftige, fangen meine Spiegelneuronen an, sich auszumalen, welche Schmerzen und Qualen der Gematerte erlebt und derjenige tut mir Leid.

Mein Stolzgefühl hingegen ist völlig verkümmert. Ich bin nie auf irgendeine meiner Leistungen stolz und noch viel weniger, kann ich Stolz für eine zufällige Gruppenzugehörigkeit empfinden. Nationalismus und Patriotismus sind mir völlig fremd; ja so zuwider, daß ich bei Mannschaftssport-Ereignissen mit deutscher oder US-amerikanischer Beteiligung, immer dem Gegner die Daumen drücke. Mit den beiden Flaggen will ich nichts zu tun haben. Ich kaufe mir noch nicht einmal eine Briefmarke, die eine schwarzrotgoldene Markierung aufweist und würde mir eher die Zunge abbeißen, als eine Nationalhymne zu singen.

Ich kann wirklich nichts dafür, zufällig als Mann geboren worden zu sein. Es ist reiner Zufall, daß ich weiß bin. Ich habe mir weder meine Vorfahren, noch den Geburtsort ausgesucht. Meine Pässe entspringen dem puren Zufall. Wieso sollte ich auf irgendetwas, das damit zusammenhängt, stolz sein?

Analog sollte ich auch keine Scham für Merz oder Trump empfinden. Weder ist es meine Schuld, als jeweiliger Staatsbürger unter deren Regierungsgewalt zu fallen, noch hätte ich jemals auch nur im Traum daran gedacht, sie oder ihre Parteien zu wählen. Im Gegenteil; ich habe einige Anstrengungen unternommen, um meine jeweiligen Landleuten zu überzeugen, auf gar keinen Fall für CDU und GOP zu stimmen. Vergeblich. Leider.

Aber hier funktioniert die Ratio nicht. Ich empfinde dennoch täglich Scham für diese Leute. Jedes Mal, wenn sie wieder vor der Presse auftreten, um etwas sagenhaft Dämliches von sich zu geben. Jedes Mal, wenn sie wieder einen Regierungsbeschluss verkünden, der diametral in die falsche Richtung geht. Jedes Mal, wenn sie sich wieder mit ihrer Inkompetenz blamieren. Jedes Mal, wenn sie wieder für Kopfschütteln und Augenrollen bei den internationalen Regierungschef-Kollegen sorgen. Sie sind beide so schrecklich peinlich. Sie sind so erkenntnisresistent und versündigen sich an der Zukunft.

[….] Rechts-außen-Portal »Nius« darf erstmals im Kanzlerflieger mitreisen

Das Portal »Nius« ist für seine Rechts-außen-Kampagnen bekannt. [….] Als Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag zu einem Gipfeltreffen nach Montenegro reiste, nahm er in der Regierungsmaschine mehr als ein Dutzend Journalistinnen und Journalisten mit. Das ist gängige Praxis auf solchen Reisen. Zum ersten Mal flog aber auch ein Mitarbeiter des Portals »Nius« mit – der ehemalige »Bild«-Journalist Ralf Schuler.

Der Vorgang ist bemerkenswert. »Nius« ist das Medium des früheren »Bild«-Chefs Julian Reichelt. Das Portal verbreitet völkische Positionen, hetzt unter anderem gegen Migranten und trans Menschen (mehr dazu hier). […]

(SPON, 23.10.2026)

Der Sauerländer AfD-Verstärker ist so peinlich! Zum Mitschämen.

Geschichtsvergessen und amoralisch.

[…] Deutschland verwehrt afghanischen Ortskräften berechtigte Ansprüche[…] Die Bundesregierung hält sich nur zum Schein an Vorgaben des Verfassungsgerichts und weigert sich, einige wenige besonders gefährdete Menschen aus Afghanistan zu schützen. Das ist über die Maßen zynisch. […] Im Sommer erst hat Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) vom Bundesverfassungsgericht einen schweren Verweis kassiert: Die Bundesregierung, so das Gericht, habe willkürlich gehandelt, als sie Ende 2025 die Aufnahmezusagen Deutschlands von Hunderten nachweislich durch die Taliban gefährdeten Afghan:innen pauschal annullierte und das mit nicht mehr vorhandenem „politischen Interesse“ Deutschlands begründete. Karlsruhe zog die Bremse und verlangte vom Innenministerium (BMI), was selbstverständlich sein sollte: Rechtsstaatlichkeit. Vor der Abkehr von einer Aufnahmezusage müsse jeder Einzelfall geprüft werden. […] Jetzt zeigt sich: Die Bundesregierung hält sich nur zum Schein daran. Von den gut 30 in Pakistan festsitzenden Familien, deren Fälle seit dem Richterspruch überprüft wurden, hat erneut keine einzige Visa für Deutschland bekommen. […] (Ursula Rüssmann, 19.10.2026)

Ich möchte mir ein tiefes Loch in den Boden graben, um darin zu verschwinden.

[…] Sie wollen 170 Euro pro Monat. Ist das zu viel?

Polens Opfer des NS-Regimes wünschen sich eine »humanitäre Geste«, doch dafür hat Deutschland bisher kein Geld vorgesehen. Die Entscheidung zu vertagen, wäre schäbig. [….] Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte »humanitäre Geste« aber ist eine freiwillige Zahlung, über die erst der Sozialdemokrat Olaf Scholz, dann der Christdemokrat Friedrich Merz mit dem liberalkonservativen Regierungschef Donald Tusk sprach, als dieser neu ins Amt kam. Der polnischen Seite schweben etwa 10.000 Złoty pro Jahr und Person vor, etwas mehr als 2.000 Euro. Das macht keine 170 Euro pro Monat. Und doch ist nichts passiert und soll auch nichts passieren. Weder zahlte die alte Bundesregierung unter Olaf Scholz, noch sieht Friedrich Merz dafür Geld vor: Im Haushalt der Bundesregierung für das kommende Jahr sind bisher keine Mittel für die »humanitäre Geste« eingeplant.

»Beeilt euch!«, warnte Tusk eindringlich die Deutschen. Er hat recht: Bei seinem Treffen mit Scholz 2024 war noch von 60.000 Überlebenden in Polen die Rede. Heute sollen es schon weniger als 50.000 sein. Jeden Monat werden es weniger. Die Leute sind alt, und sie sterben. Der deutsche Außenminister drängt auf die humanitäre Geste, der deutsch-polnische Koordinator von der CDU will sie, alle deutsch-polnischen Experten wollen sie. Aber der Kanzler, der am Ende entscheiden muss, überlegt noch.

Hört man sich im Berliner Betrieb um, warum Friedrich Merz zögert, findet man nicht wirklich eine Antwort. Man kann nur rätseln. Ist es das Haushaltsloch, das längst zu einem innenpolitischen Problem geworden ist? Die Sorge, dass es nie reichen wird, was die Deutschen leisten? Dass dann noch mehr Menschen anderswo Entschädigung von den Deutschen fordern werden? Oder ist es die Hoffnung darauf, dass Geschichte irgendwann vergeht?  […]

(ZEIT, Alice Bota, 23.10.2026)

Der häßliche Deutsche! Repräsentiert in 198 cm hagerem Sauerland! Ich schäme mich so dafür!

[….] Deutschland verweigert den Nachfahren der ermordeten Ovaherero und Nama das Mindeste. […] Seit 2021 ist der Genozid an Ovaherero und Nama offiziell anerkannt – die Entschuldigung Deutschlands ist also überfällig.

Der Kolonialismus war keine Randerscheinung, er ist mit der Geschichte der modernen Welt untrennbar verwoben. Er hat zum Wohlstand Europas beigetragen, in dem wir bis heute leben. Wohlstand, der auf unvorstellbaren Verbrechen gründet.

Fünf Jahrhunderte lang haben europäische Mächte Teile Amerikas, Asiens, Ozeaniens und fast ganz Afrika unterworfen. Sie nahmen sich Land, Rohstoffe und Arbeitskraft – fast immer mit Gewalt. Wie viele Menschen der Kolonialismus das Leben gekostet hat, lässt sich nicht genau beziffern. Sicher ist: Es waren viele Zigmillionen. Und die viertgrößte Kolonialmacht war das Deutsche Kaiserreich von 1884 bis 1919. Aus dieser Zeit sind etliche Gräueltaten überliefert, aber am brutalsten ging das Kaiserreich im heutigen Namibia vor. Als Ovaherero und Nama 1904 Widerstand gegen die deutschen Besatzer leisteten, befahl Generalleutnant Lothar von Trotha die Vernichtung. Es war der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Wie aber geht Deutschland, das seine Erinnerungskultur mit einem gewissen Stolz vor sich herträgt, mit diesen Verbrechen um? Irritierend zögerlich. Mehr als hundert Jahre hat es gedauert, bis die Bundesregierung den Völkermord offiziell anerkannte: 2021, in einer Gemeinsamen Erklärung mit Namibia. […] Doch selbst moralisch ist die Erklärung nicht. Eine offizielle Entschuldigung, ausgesprochen vom Bundespräsidenten vor dem namibischen Parlament, ist an ihre Unterzeichnung gekoppelt, und die steht seit fünf Jahren aus. Die Nachfahren der Opfer saßen bei den Verhandlungen nie mit am Tisch. Deutschland verweigert damit das Mindeste. […] wir erleben einen erinnerungspolitischen Backlash, angetrieben von der AfD. Am Mittwoch blieb für zwei Anträge zu einem Völkermord eine halbe Stunde. Ein AfD-Abgeordneter nutzte sie, um die Verbrechen infrage zu stellen, vor den Nachfahren der Opfer.

Ein zweiter Grund dürfte nüchterner sein: Geld. Wer einen Völkermord auch rechtlich anerkennt, haftet dafür und schuldet Wiedergutmachung. Darauf könnten sich auch Nachfahren in anderen früheren Kolonien berufen. Berlin sagt es zwar nicht, aber die Vermutung liegt nah: Sie fürchten einen Präzedenzfall. Eine bittere koloniale Kontinuität: Wieder entscheidet Deutschland, was den Kolonisierten zusteht.

Es ist an der Zeit, mit dieser Kontinuität zu brechen – auch wenn darin ein Dilemma steckt. Würde Berlin der namibischen Regierung vorschreiben, wer für die Ovaherero und Nama verhandelt, wäre das selbst kolonial. Die Nachfahren außen vor zu lassen, ebenso. […]

(Florian Weber, 16.10.2026)

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Die Wirtschaftsvernichter

Nach den Midterms in 12 Tagen wird das Regieren für Donald Trump noch einmal erheblich schwieriger. Viele US-Journalisten erwarten schon sehr bald eine massive Ausweitung des Irankriegs. Der selbsternannte Friedensnobelpreis-Topkandidat plant offenkundig, mit MOABs im passenden Trump-Tangerine-Teint, die 94 Millionen Menschen des Irans in die Steinzeit zu bomben.

[…] The US military has developed new strike plans that include potentially using the so-called “mother of all bombs” to target Iranian energy infrastructure and nuclear sites should President Donald Trump give the order to resume combat operations either before or after the midterm elections, according to multiple US officials familiar with the matter.

Using the GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast Bomb or MOAB, the largest non-nuclear bomb in the US arsenal, for the first time in the conflict with Iran would mark a notable escalation, even though there are doubts over how effective it would be in accomplishing any of Trump’s stated strategic objectives or tipping the balance of the war, multiple sources familiar with internal military planning discussions about potentially deploying the weapon said.  Trump is facing pressure to bring an end to the deeply unpopular war — as Republicans brace for potential political backlash from voters in the upcoming midterm elections and there is little indication the two countries are close to a negotiated resolution after more than six months of US bombing. […]

(CNN, 16.10.2026)

Unser Fritzekanzler und sein wurstfressender Franken-Trump scheinen die geopolitischen Auswirkungen wieder einmal überhaupt nicht zu begreifen. Der Rest Deutschlands schon: Das Benzin wird teurer. Ich sollte eine Wärmepumpe haben und E-Auto fahren.

[….] Ein erneutes Aufflammen des Iran-Krieges zeichnet sich immer deutlicher ab. Die USA haben eine weitere Flugzeugträgerkampfgruppe und eine amphibische Einsatzgruppe in die Region entsandt. Seit Anfang Oktober haben zudem die Flugbewegungen amerikanischer Tank- und Transportflugzeuge deutlich zugenommen. […] Israelische Analysten gehen in Hintergrundgesprächen ebenfalls davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die nächste Runde des Konflikts beginnt, der die Weltwirtschaft bereits erheblich in Mitleidenschaft gezogen hat. […] Trotz bewaffneter Auseinandersetzungen mit kurdischen und belutschischen Rebellen im Nordwesten und Südosten des Landes sitzen die Revolutionsgarden weiterhin fest im Sattel. Auch das iranische Raketen- und Drohnenarsenal scheint noch schlagkräftig genug zu sein, um in der Region verheerende Schäden anzurichten.  Bei einer erneuten Eskalation dürften zudem die geschwächte, aber weiterhin operationsfähige libanesische Hisbollah und die ohnehin wieder offensiv agierenden jemenitischen Huthis an der Seite Teherans in den Konflikt eingreifen. Der gesamten Region droht damit eine neue Welle der Gewalt und Zerstörung – mit potenziell gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft. [….]

(Jan Jessen, 20.10.2026)

Für die E.ON-Lobbyistin Katherina Reiche sind das gute Neuigkeiten, denn von steigenden Preisen profitieren überdurchschnittlich die Öl-Konzerne, während ihre konservativen Marionetten in den Regierungen, die Steuersäckel für sie öffnen.

[…] 916 Milliarden Dollar: So viel Unterstützung zahlten Regierungen 2024 laut OECD und IEA für Öl, Gas und Kohle. Deutschland subventionierte allein den Verkehr mit 31 Milliarden Euro.   Wo das Geld hinfließt: [……]

(Cleanthinking, 17.10.2026)

Die Merz/Söder/Reiche-Politik führt zu Rekord-Ausschüttungen bei den Fossil-Shareholdern. Mit einer winzig kleinen Nebenwirkung: Sie tötet auch das Leben auf diesem Planeten und läutet das Ende der Menschheit ein. Das sind aus Sicht der Christkonservativen offenkundig durchaus vertretbare Kollateralschäden. Aber sie töten auch die deutsche Wirtschaft; namentlich der vor der asiatischen Konkurrenz in die Knie gehenden deutschen Auto-Industrie, und ihrer Zulieferer.

[…] Friedrich Merz gibt den Retter der deutschen Autoindustrie. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat offenbar auf Druck des Kanzlers seinen Widerstand gegen die Aufweichung des europäischen Verbrenner-Aus aufgegeben. Geht dieser Deal in der EU durch, könnten auch nach 2035 noch neue Benziner und Diesel verkauft werden. Was der Kanzler als Erfolg verkauft, dürfte sich als historischer Fehler erweisen: Den europäischen Autokonzernen drohen neue Verzögerungen beim Anschluss an das Zeitalter der E-Mobilität.  Der Verkauf von Elektroautos nimmt gerade Fahrt auf, auch in Deutschland. Im September war mehr als jeder dritte Neuwagen elektrisch. Ausgerechnet jetzt das Ziel zu verwässern, ist industriepolitisch widersinnig. Europas Hersteller benötigen einen verlässlichen Kurs, damit sie bezahlbare Stromer entwickeln und eigene Batteriefabriken aufbauen können. Stattdessen signalisiert Berlin: Der alte Motor hat doch noch eine Zukunft. […]  Jeder Euro für die nächste Verbrennergeneration fehlt möglicherweise bei Batterien, Software und günstigen E-Auto-Plattformen. Gerade dort muss Europa seinen Rückstand gegenüber China aufholen. Die E-Mobilität braucht ihre ganze Kraft, keine halbherzige Doppelstrategie.  Bis 2035 werden Batterien wohl noch leistungsfähiger und günstiger sein, das Ladenetz viel dichter als heute. Vieles spricht dafür, dass dann kaum jemand noch einen neuen Verbrenner kaufen will. Eine Industriepolitik, die trotzdem auf ihn setzt, schützt keine Arbeitsplätze. Sie gefährdet sie. Der Verkehrsverband T&E warnt deshalb zu Recht: Der vermeintliche Rettungsdeal könnte den Niedergang der europäischen Autoindustrie besiegeln. […]

(Joachim Wille, 16.10.2026)

Merz/Söder/Reiche vernichten aber mit ihrer Fossillobby-Tätigkeit nicht nur die Auito-Industrie, sondern vernichten darüber hinaus auch noch Hunderttausende zukunftsträchtige Arbeitsplätze im Solar/Wind-Bereich. Putin und Xi haben viel zu lachen über den Kanzler-induzierten Suizid der deutschen Wirtschaft.

[…] Der Auto-Deal zwischen Deutschland und Frankreich bedroht laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts bis zu 344.000 neue Jobs in Europa, davon die meisten in Deutschland. […] "Das Beispiel VW zeigt, dass Deutschland als starker Industriestandort besonders profitieren könnte. Wenn die Bundesregierung wirklich Jobs bei VW schützen will, sollte sie aufhören, die geplanten Gesetze zugunsten von Verbrennern zu verwässern", sagte E-Mobilitäts-Referentin Susanne Goetz von "Transport and Environment" den Zeitungen. Das jüngste Auto-Abkommen von Merz und Macron sei an Kurzsichtigkeit kaum zu übertreffen.  [….]

(DTS, 21.10.2026)

Selbst der üblicherweise bei Wahlen nicht mit Schläue agierende Durchschnittsteutone sieht klarer als die Christdemokratischen Verbrenner-Dinosaurier.  E-Autos boomen.

[…] Volkswagen und andere Hersteller bejubeln öffentlich die Rekordaufträge für kleine E-Autos. Beim Kassensturz hinter den Kulissen jedoch vergeht die Freude: Der unerwartete Elektroboom kostet Milliarden. […] Am Ende könnte ausgerechnet Herbert Diess (67) recht behalten. Als damaliger Volkswagen-Chef prophezeite er im Juli 2021 in seiner Strategie „New Auto“, bis 2030 werde jedes zweite verkaufte Auto elektrisch angetrieben. Ein Jahr später war der CEO in Wolfsburg Geschichte. Seine Pläne schienen illusorisch, Elektroautos kamen nur in China wirklich in Schwung.

Doch die Situation hat sich in den vergangenen Monaten urplötzlich gedreht. Auf der Autoshow in Paris Mitte Oktober jubelte VW-Markenchef Thomas Schäfer (56), für die frisch vorgestellten elektrischen Kleinwagen des Konzerns seien schon fast 150.000 Bestellungen eingegangen. Der Autobauer kommt beim Run auf VW ID.Polo, Škoda Epiq und Cupra Raval kaum hinterher. Wer einen elektrischen Polo bestellt, muss rund zwölf Monate warten.

Das Ergebnis: Die Diess-Prognose könnte Realität werden, wie sich intern in den Systemen abzeichnet. „Im Auftragseingang liegt der Elektroanteil aktuell bei 40 Prozent“, sagt ein Mächtiger aus dem Konzern. Ein anderer Entscheider erwartet, schon 2028 die 40 Prozent auch bei den wirklich verkauften E-Fahrzeugen zu erreichen. Die Wende ist in der Branche fast allgegenwärtig. BMW verkaufte nach einem mauen Elektrostart 2026 im dritten Quartal plötzlich jedes dritte Auto in Europa mit Batterieantrieb. Mercedes meldet seine E-Modelle für 2026 ausverkauft. […] „Wir suchen gerade verzweifelt nach Möglichkeiten, wieder mehr Verbrenner zu verkaufen“, sagt ein ranghoher Vertriebler. In den Schauräumen stünden sich Benziner und vor allem Diesel „die Reifen eckig“, berichtet ein VW-Händler. […]

(Manager Magazin, 22.10.2026)

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Satire ist tot.

Marcel Reich-Ranicki beklagte immer wieder das mangelnde Ironieverständis des deutschen Lesepublikums und fügte seinerseits ironisch hinzu, es wäre an der Zeit Ironie-Satzzeichen, ähnlich wie Gänsefüßchen, einzuführen, damit alle verstünden, wenn ein Satz nicht wörtlich, sondern ironisch gemeint sei.

Damit wäre die Literatur freilich tot. Sie wäre ohne Metaphorik, Sprichworte, Sprachbilder, Ironie ihrer Mittel beraubt.

Sie wäre wie ein Komiker, über den niemand lachen kann, weil keiner seine Witze versteht und er daher immer seine Pointen erklären muss.

Ironie zu erklären, ist absurd, weil sie ihre Wirkung nur in dem Moment entfaltet, in dem der Leser/Zuhörer sie selbst als solche erkennt.

Ich poste auf meinen Social Media-Kanälen viele satirische Inhalte und wundere mich schon lange nicht mehr über die empörten Reaktionen derer, die eine Meldung des Postillons bierernst verstehen. Erstaunlicher sind für mich aber die gutgemeinten Ratschläge, ich solle doch zur Sicherheit ein „ACHTUNG SATIRE“ drüber schreiben – „du weißt doch, wie doof die Leute sind!“

Nein, ich will Satire-Beiträge nicht über den offensichtlich satirischen Inhalt hinaus, zusätzlich als „Satire“ kennzeichnen, weil dadurch Humor unmöglich gemacht wird.

Das Elend der gegenwärtigen Social Media-Welt besteht darin, nicht bloß (sinnvollerweise) zum Kennzeichnen von KI-Inhalten verpflichtet zu werden, sondern selbst immer der Administratoren-Gewalt der allmächtigen KI zu unterliegen, die trotz ihrer „Superintelligenz“ Satire und Humor nicht versteht. So wird man letztlich doch gezwungen, Satire stets deutlich zu kennzeichnen, da man anderenfalls mit Sanktionen bis hin zur Account-Löschung bestraft wird.

Vielleicht wird man also in Zukunft gezwungen sein, jede spontane humorvolle Bemerkung mit „ACHTUNG, JETZT KOMMT EIN WITZ“ einzuleiten.

Wie aber soll man mit Geschehnissen, Kommentaren, politischen Tatsachen umgehen, die so absurd-lustig sind, daß jeder lacht, obwohl es sich um nackte Tatsachen handelt?

Wir müssen zunehmend Dinge als „Realität“ kennzeichnen, weil sievollkommen irre erscheinen und auch der Humorloseste, eine KI oder einen Satire-Account am Werk sieht.

[…] Die Wahlkampf-Reden, die Donald Trump gerade landauf, landab hält, in der verqueren Annahme, damit seine Republikaner vor den „Midterms“ aus dem Umfragen-Morast zu ziehen, gehören zu den schrägsten Wortbeiträgen in der Geschichte der politischen Rhetorik. […] Wer die Transkripte aus Alaska, Ohio, Montana, Georgia oder Kentucky durchliest, dem wird nahezu schwindelig von dem (hoffentlich) ohne psychedelisch-medikamentöse Nachhilfe zustande gekommenen inkohärenten und oft peinlich berührenden Storytelling, an dem immer mehr Experten einen klaren Befund festmachen: Der Präsident der Vereinigten Staaten ist mental ziemlich schlecht zurecht, eine Amtsenthebung durch das Kabinett auf Grundlage des 25. Verfassungszusatzes sei beizeiten geboten.  Was bei den gesponnenen Obsessionen, Abschweifungen, Lügen, Prahlereien, Fantasieerfolgen und Anekdoten ohne Anfang und Ende untergeht, in denen sich Trump regelmäßig wie in einem Spinnennetz verfängt, ist eine merkwürdige Männer-Fixierung, für die sein ehemaliger Kommunikationschef Anthony Scaramucci das schöne Wort „bi-curious“ erfunden hat. Soll heißen: Neugier auch aufs eigene Geschlecht. Wie bitte? […] In Youngstown, Ohio, traf es jetzt Senator Jon Husted, der gegen den knorrigen Demokraten Sherrod Brown antritt. Trump hatte von Husteds Football-Vergangenheit erfahren. Nun folgte vor laufender Kamera eine anatomische Beweisaufnahme. „Das mache ich bei Männern nicht sehr häufig“, bekannte Trump. Aber er habe Husteds Körper von oben bis unten untersucht. „Ich habe mir seinen Arsch angesehen.“ Dann die Hände: riesig, geradezu Klauen. Befund: „Du bist ein großartiger Athlet.“ Ob Husted auch politisch etwas zu sagen hat – piepegal.  Dass Trump, der sich gegen alle Cartoonhaftigkeit seiner Erscheinung penetrant als Inbegriff traditioneller Männlichkeit inszeniert, dabei eine Sprache pflegt, die homoerotische Assoziationen weckt, ist bemerkenswert – ohne dass sich daraus eine sexuelle Orientierung ableiten ließe. […]

(FUNKE Zentralredaktion, Dirk Hautkapp, 19.10.2026)

Die Nachricht stammt nicht von THE ONION, Titanic oder Postillon:

[…] US-Präsident Donald Trump erwägt Medienberichten zufolge den Ausschluss aller Journalisten aus dem Weißen Haus. Stattdessen habe er vorgeschlagen, den Presseraum des Gebäudes zu einem Schwimmbad umzubauen, berichtete die New York Times […] Ende September postete Trump auf seiner Plattform Truth Social eine Fotomontage des derzeitigen Presseraums und eines pompösen Schwimmbads. […]  In einem an den Saal angeschlossenen Büroraum arbeiten Journalisten, die über eine Akkreditierung für die Berichterstattung im Weißen Haus verfügen.

Trump hatte im September die Sender CNN, MS NOW und das Medienhaus Politico aus dem Weißen Haus verbannt. […]

(SZ, 21.10.2026)

Nein es ist kein Witz, ausgerechnet die immer wieder mit antisemitischen Äußerungen ihres Spitzenpersonals auffallende CDU, wirft der am wenigsten antisemitischen Partei „Die Linke“ Antisemitismus vor.

Liebe SPD & Grüne, Ihr MÜSST in Berlin eine RGR-Regierung bilden.

Jamaika kommt nicht in Frage, weil die CDU ein massives Antisemitismus-Problem hat:

 CDU-Generalsekretär Lukas Krieger ([….] In dem Video wird ein Hakenkreuz-Abzeichen gezeigt, anschließend blickt Krieger in die Kamera und sagt: »Ich denke, dass wir uns darum kümmern müssen, dass wir in Deutschland auch wieder als Deutsche erkennbar sind, dass Deutschland deutsch bleibt und wir gegen den jüdischen Bolschewismus durchaus vorgehen.« [….])

(Marten Brehmer 15.07.2026)

CDU-Parteichef Stefan Evers ([….]So leistete sich Finanzsenator Stefan Evers (CDU) im Wahlkampf eine unerträgliche Entgleisung. Evers, [….] sagte, er werde sich gegen »jede Menschenfeindlichkeit« einsetzen – »sei es Vermieterfeindlichkeit oder Judenfeindlichkeit«.

Die Krise auf dem Berliner Wohnungsmarkt als Ressentiments gegen Vermieter zu verdrehen und diese gleichzeitig mit der tödlichen Ideologie des Antisemitismus gleichzusetzen – dafür hätte Evers eigentlich von der Parteispitze gemaßregelt werden müssen. Aber es ist nicht passiert, und das ist bezeichnend für die CDU. [….]

(Hannah Pilarczyk, 28.09.2026)

Und nun der CDU-Remigrations-Gipfel-Mann Ulrich Vosgerau mit drastisch antisemitischen Ausfällen, ohne irgendeine Rüge der Partei.

[…] Berliner CDU-Mitglied Vosgerau fand es »schade«, dass jüdische Studierende nicht »gejagt« wurden – Berliner CDU-Chef schweigt

Jüdische Studierende hinderten einen AfD-Politiker am Betreten einer Synagoge. CDU-Mitglied Vosgerau fand danach, es hätte »gute Gründe« gegeben, sie »mit dem Polizeiknüppel« zu jagen. […] Der kommissarische Chef der Berliner CDU, Stefan Evers, ist gerade ganz vorn dabei, wenn es darum geht, Antisemitismus beim Landesverband der Linken anzuprangern. Als sich Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt kürzlich auf ein Sondierungspapier einigten, nannte Evers das »eine Kapitulationserklärung [...] vor einer radikalen, in Teilen antisemitischen Linkspartei«. Und fügte hinzu: »Für die CDU gilt weiterhin: Judenfeindlichkeit darf niemals Verhandlungssache sein.« Evers ist beinahe täglich auf X aktiv, um die jüngste politische Umdrehung rund um das sich anbahnende rot-grün-rote Bündnis zu kritisieren. […] Auf X schrieb [Vosgerau] unter anderem: »Anderseits lassen sich auch gute Gründe finden, warum es wirklich schade ist, dass diese hergelaufenen und selbsternannten Synagogen-Quexe von Halle nicht mit dem Polizeiknüppel durch die Straßen gejagt worden sind.« […] Ein Berliner CDU-Mitglied fantasiert darüber, jüdische Studierende mit Knüppeln durch die Straßen jagen zu lassen. Was sagt Stefan Evers dazu?

[…]  Auf SPIEGEL-Anfrage: gar nichts. […] Es ist nicht das erste Mal, dass sich Vosgerau der rechtsextremen Partei andient. 2023 war er bei dem berüchtigten Treffen von AfD-Funktionären in Potsdam dabei, das bundesweit Aufsehen erregte, weil dort über »Remigration«, also das massenhafte Abschieben von Migranten aus Deutschland, diskutiert worden sein soll. Ein Jahr später verteidigte Vosgerau den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke vor Gericht, weil der eine SA-Parole verwendet hatte.  […] […] In Vosgeraus CDU-Ortsverband Prenzlauer Allee gehört es dabei fast schon zum guten Ton, der AfD nahezustehen. Auch der frühere CDU-Senator Peter Kurth war dort einst Mitglied. Kurth soll die »Identitäre Bewegung« mit insgesamt 240.000 Euro unterstützt haben, Mitte 2023 lud er AfD-Vertreter und Rechtsextreme in seine Privatwohnung ein. Auch andere Vertreter des Ortsverbands hatten Verbindungen zur AfD, wie eine SPIEGEL-Recherche zeigte. […]

(Hannes Schrader, 21.10.2026)

Und auch Trumps Golf-Kumpel ist völlig real und unsatirisch. Er nennt Wladimir Putin, den Mann der monatlich für Myriaden Tote sorgt, einen HUMANISTEN!

[…] Forscher des Center for Strategic and International Studies (CSIS) haben sich die Opferzahlen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine genauer angesehen. Unter Opferzahlen fallen laut den Wissenschaftlern Tote, Vermisste und Verwundete seit Beginn des Krieges im Februar 2022.

·        Insgesamt gibt es demnach 2 Millionen Opfer auf russischer und ukrainischer Seite

·        Darunter 1,4 Mio. russische Opfer

·        Unter den 1,4 Mio. Russen 450.000 getötete Soldaten

Die Anzahl der Verwundeten, Vermissten und Kriegstoten soll somit die von Stalingrad übertroffen haben. Mit neuen Rekrutierungen könne Russland die hohen Verluste mittlerweile nicht mehr ausgleichen, heißt es in der Studie. Für Russland könne das zunehmend zum Problem werden. Denn pro Monat würden zwischen 3000 und 7000 Soldaten weniger an die Front gehen, als in den Kämpfen ausfallen oder sterben. Den Forschern zufolge scheinen russische Soldaten nur unzureichend ausgebildet zu sein. Zudem sei die Motivation innerhalb der Truppen niedrig und die Korruption hoch.  [….]

(FUNKE, 09.07.2026)

GENAU! Ein Humanist.

Bertha von Suttner, Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Martin Luther King, Carl Ossietzky, Andrei Sacharow  - in diese Reihe großer Humanisten muss man den bedeutenden Friedensaktivisten Putin einordnen. Er liebt die Menschen! Nach Trump muss Putin den Friedensnobelpreis  bekommen!

Dienstag, 20. Oktober 2026

Der rote Süden wird lila

Wie das passieren konnte, weiß ich auch nicht. Vor ein paar Wochen stolperte ich nachts um 03.00 Uhr in die Reality-Trashshow „MTV Floribama Shore“. Einen der viele Shore-Ableger, bei denen rund 10 Jung-Twens in eine Villa gesteckt werden, um möglichst viel zu saufen und zu kopulieren, um unter 24/7-Kamerabeobachtung zur voyeuristischen Freude des Publikums auszuflippen. Das Prinzip kannte ich aus dem britischen „Geordie Shore“, welches wegen des in meinen Ohren sagenhaft lustigen Akzents in Newcastle kurzweilig ist.

Floribama hingegen löst mit seinem durchgehenden US-Südstaatenakzent Ohrenbluten bei mir aus. Amerikanische junge Menschen, die sich zum Bacchanalisieren treffen, sind anders als Europäer oder Australier. Sie sind unfassbar ungebildet, unfassbar nationalistisch, unfassbar aggressiv und bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit fassen sie sich alle bei den Händen, stecken die Köpfe zusammen und beten. Nur um unmittelbar anschließend wieder so wütend zu brüllen und zu stampfen, daß ein Gorilla-Silberrücken eingeschüchtert wäre.

Während sie fluchend austicken, zitieren sie ihre christlichen Homeschooling-Werte – Freundschaft, Ehre, Familie, Treue – gegen die aus ihrer Sicht, der jeweils andere verstoßen habe. Es ist ein bißchen, wie in der ethnisch und soziokulturell homogenen ostdeutschen Provinz. Sie haben nie Toleranz gelernt, sind nicht fähig, zuzuhören, sich verbal mit Argumenten zu begegnen. Jede minimale Abweichung von ihrer subjektiven Norm, löst Aggressionen aus.

JERIMIAH BUONI 




Der gemeinsame Hass auf andere ist das verbindende Element. Deswegen kommen politische Populisten, die Sündenböcke präsentieren und versichern, daß man sich niemals ändern müsse, in solchen Gebieten weit.

Der gemeinsame Hass auf Schwächere macht hier MAGA und dort die AfD so stark.

Wenn sie ihren Willen nicht bekommen, oder gar auf Widerspruch stoßen, sind sie aufgrund ihrer minimalen Toleranzschwelle sofort überfordert und reagieren mit Überschuss-Emotionen; viele Tränen, viel Wut. Sie werden von dem Gefühl beherrscht, zu kurz zu kommen, andere bekämen zu viel, ihnen werde etwas weggenommen.

Ich stolperte auf MTV in eine Folge aus der dritten Staffel von 2019. Die Prä-Covid Trump-Welt des Südens. Das Paradies für acht religiöse Südstaaten-Fans, die von Florida aus, auch Tagesausflüge nach Tennessee und South Carolina unternehmen.

Dort erlebt man das ultimative Klischee: Erzkonservative Menschen, die im Erwachsenenalter nahezu alle schwer adipös sind, Trucks fahren, saufen, grölen und dabei exzessiv ihre Religiosität als Monstranz vor sich her tragen.

Sie sind sich vollkommen sicher, alles genau richtig zu machen. Nur ihre Lebensweise kommt in Frage. Jede Abweichung davon, löst nicht etwa Neugier, sondern Aggression aus.

Es ist eine schreckliche Welt und als US-Amerikaner möchte ich an dieser Stelle die Heterogenität der Nation erwähnen: Meine Freunde in den USA sind noch viel mehr von den religiösen, weißen Südstaaten-MAGAs abgestoßen. Die Spaltung der Gesellschaft geht wesentlich tiefer, als die deutschen Ressentiments zwischen Ossis und Wessis.

In der ökonomischen Krise verstärken sich die Vorbehalte, weil die ländlich-homogenen erzkonservativen nationalistischen Landstriche, mit ihrer Pseudonostalgie, der Sehnsucht nach den guten alten Zeiten, die es so aber nie gab, ihren Lebensstandard nicht halten können.

Sie schmieren soziokulturell immer weiter ab, weil sie ungebildeter, provinzieller und unattraktiver, als die multikulturellen liberaleren Metropolen sind.

Niemand will in Kaffs mit so einer Mentalität investieren. Weder in Alabama, noch in Sachsen-Anhalt. Sie hängen am finanziellen Tropf der Hauptstadt und diese Abhängigkeit, die ihnen tagtäglich ihre Minderleistung vor Augen führt, macht sie noch viel wütender, erfordert noch viel dringlicher Sündenböcke. Irgendjemand anderes – Schwule, Migranten, Linke, Schwarze, Feministen – muss schließlich Schuld sein, wenn man sich selbst als völlig fehlerlos betrachtet.

So wie die ostdeutschen Bundesländer, liegen auch die „solid red“ US-Südstaaten bei allen ökonomischen und soziologischen Kenndaten weit hinten.

Während aber die Ossis kollektiv bisher nur von AfD-Landesregierungen träumen, erleben die Rednecks bereits seit Jahren, was ihre MAGA-Idole in der Regierungspraxis erreichen: Nämlich nichts!

Ihre wirtschaftliche Lage verschlechtert sich massiv. Aber für viele überwiegt noch der Hass auf andere. Sie wählen weiter ihren eigenen Untergang.

Trumps Politik kann Farmer direkt in den Ruin treiben, aber deswegen eine andere Partei zu wählen, bringen viele nicht fertig.

[…] Farmer Stoltzfus aus Idaho sagt, er sei der Republikanischen Partei immer treu geblieben. Derzeit falle ihm das schwer, angesichts des Chaos, der hohen Preise.

Dennoch würde er, wenn das ginge, wieder für Trump stimmen. »Es wird nicht einfacher. Aber was kommt sonst? Ich fürchte: Sozialismus.«  Er habe als Junge die Kubakrise erlebt, sagt Stoltzfus. Das habe ihm gezeigt, wozu der Kommunismus imstande sei. So etwas müsse man in den USA um jeden Preis verhindern.

Auch wenn das bedeute, gegen die eigenen Interessen zu stimmen.  […]

(SPON, 15.10.2026)

Die Dummheit in der Provinz ist groß!

In Lindsey Grahams deep red South Carolina hingegen, könnte seine kleine Schwester tatsächlich Probleme bekommen, seinen US-Senatssitz zu übernehmen. Sie ist selbst für US-Südstaatler zu dumm. Zu sehr ruinierte die Dekaden währende republikanische Herrschaft den Südstaat.

[…] Die Wahlkampf-Freiwilligen der Demokratin Annie Andrews stehen entlang der Einfahrtstraße zum Fernsehstudio des öffentlichen Senders SCETV. Sie schwenken Schilder und schießen Selfies, alles in der Hoffnung darauf, nach Jahrzehnten der Niederlagen in diesem Staat endlich einmal zum Gewinner-Team zu gehören. […] Es ist bemerkenswert, dass Andrews überhaupt hier steht, denn der Südosten des Landes ist normalerweise fest in republikanischen Händen. Deren Kandidaten haben oft einen so großen Vorsprung, dass sie eine TV-Debatte einfach absagen.

Auch Andrews’ Konkurrentin Darline Graham hatte erst nach langem Drängen zugestimmt. Sie gilt selbst innerhalb der eigenen Partei als schwach und wenig präsent. […] In Studio B des Sendehauses dauert die Debatte nur eine Stunde. Die Kandidatinnen setzen auf Wahlkampf-Phrasen, spürbar mit Blick auf ein zweites Leben als viraler 45-Sekunden-Clip online. So erinnert Graham ein ums andere Mal an ihre Eltern, die kurz nacheinander starben, als sie elf und 13 Jahre alt war. Sie warnt davor, dass ihre Gegnerin „linksradikal“ sei, Steuern erhöhen und eine staatlich gesteuerte Pflicht-Krankenversicherung einführen wolle. […] Die Demokratin kämpft auch gegen die Historie ihres Staates: Der letzte Präsidentschaftskandidat, der sich gegen einen Republikaner durchsetzen konnte, war Jimmy Carter vor einem halben Jahrhundert. Einen Sitz im US-Senat hat hier seit 1998 kein Demokrat mehr gewonnen.

In Umfragen hat sich Andrews aber teils bis auf einen Prozentpunkt an ihre Konkurrentin herangeschlichen. In dem republikanischen Staat seien solche Zahlen so kurz vor der Wahl ungewöhnlich, meint Scott Huffmon, Politikwissenschaftler an der Winthrop University, […] Wer sich in dem Staat umhört, der etwa so groß ist wie Österreich, bekommt trotzdem schnell den Eindruck: Die jahrzehntelange republikanische Übermacht führt zu Lethargie. Die allermeisten winken schnell ab, wenn sie nach ihrer politischen Meinung gefragt werden. Sonntags stehen stattdessen die Autos vor den Kirchen und noch viel häufiger auf den Parkplätzen der Golfplätze. Abends jubeln die Fans im Moment eher in den Sportsbars ihren Lieblingsteams im College Football zu. 5,5 Millionen Menschen wohnen hier – anderthalb Millionen mehr als noch im Jahr 2000.  […] Einst von der Landwirtschaft geprägt, holt South Carolina wirtschaftlich erst seit kurzem auf, beim BIP liegt man gerade einmal auf Rang 44 der 50 US-Staaten. […]

(Christian Fahrenbach aus South Carolina, 20.10.2026)