Wenn zukünftige Politologie-Studenten einst ein
Diktionär „Merkel-Deutsch, Deutsch-Merkel“ erstellen, wissen wir schon, was
sich unter dem Stichwort „vollstes Vertrauen“ als Definition findet:
„Au Backe! Das Ende ist nah! Bald bin ich gefeuert.“
Franz Josef Jung, KT vuz Guttenberg, Christian Wulff
und Annette Schavan durften das bereits am eigenen Leib erfahren!
Kanzlerin Merkel hat ihrer Bildungsministerin in der
Plagiatsaffäre ihr "volles Vertrauen" ausgesprochen. Das hat noch
keiner politisch überlebt. Mal sehen, wie lange Annette Schavan noch durchhält.
[…] Minister Franz Josef Jung war der Erste, den das
"volle Vertrauen" der Kanzlerin getroffen hat. […] Etwas mehr Zeit
bekam Karl-Theodor zu Guttenberg. Wegen der offensichtlichen Plagiate in seiner
Dissertation kaum noch zu halten, brachte Merkel ihn am 17. Februar 2011 mit
ihrem "vollen Vertrauen" zur Strecke. Er wand sich zwölf Tage. […] Am
längsten kämpfte Bundespräsident Christian Wulff. Vorbei war es ja schon, als
Merkel ihm am 19. Dezember ihr "volles Vertrauen" aussprach. Wulff
aber zeigte sich erstaunlich zäh. Erst am 17. Februar 2012 gab er auf - 60 Tage
nach "v. V.", ein einsamer Rekord.
[…] Als Röttgen vergangenes Jahr in Nordrhein-Westfalen
die Wahl infolge seiner maßlosen Selbstüberschätzung verlor, da sprach die
Kanzlerin am nächsten Tag nur von der nötigen "Kontinuität im Amt"
des Bundesumweltministers. Das war natürlich ein Scherz. Gemeint war, der
Norbert habe ihr "vollstes Vertrauen". Lustig fand Röttgen das nicht
und wollte auch nicht freiwillig gehen. Zwei Tage später schmiss Merkel ihn
einfach raus.
Annette Schavan hat am Mittwoch das "volle
Vertrauen" der Kanzlerin abbekommen. Höchststrafe.
Großes Glück hat Annette Schavan, die heute dann doch
zurückgetreten wurde, allerdings mit der deutschen Journaille, die ihre
politische Passivität unkritisch als „Seriosität“ bewerten.
Man erkennt allgemein den großen Wert Schavans in
ihrer Nähe zu Merkel. Oft ist es so, daß Schavan das ausspricht, was Merkel
denkt. Sie hat das Zeug und die Zeit dazu, da sie die Arbeitsweise der Chefin
plagiiert.
Tue nichts, lege dich nie fest, presche niemals voran und sie zu, daß dir dein
Posten sicher ist!
Die Bundesforschungsministerin, die Theologie studierte, jeden Tag das Stundengebet durchführt,
theologische Bücher schreibt*, im ZK
der Katholiken sitzt (1994 bis 2005 Vizepräsidentin), dem ZDF-Fernsehrat
angehört und nebenbei auch noch eine Honorarprofessur für Katholische Theologie
an der Freien Universität Berlin innehat, ließ in ihrer Zeit als Ministerin - ab
19. Juli 1995 Kultusministerin in Baden Württemberg, also 17 ½ Jahre ununterbrochen
Mitglied der Landes- bzw Bundesregierung – die Bildungspolitik seltsam
unberührt.
*(Gott ist Licht, Aachen 1986, Impulse für eine
zukunftsfähige Kirche, Kevelaer 1994, Der du die Zeit in Händen hältst. Reden
über eine Zukunft mit Gott, München 2000, Der Geist weht, wo er will.,
Ostfildern 2002, Leben aus Gottes Kraft. Denkanstösse, Ostfildern 2004, Gott
ist größer, als wir glauben. Visionen für Kirche und Welt, Leipzig 2010)
Dieses Stundengebet beschäftigt einen natürlich den
ganzen Tag - logisch, daß man da kaum Zeit für andere Aktivitäten hat.
Wer das Stundengebet betet, vollzieht öffentliche
Liturgie und tut dies in Stellvertretung für die ganze Kirche. Kraft ihres
Standes zum Stundengebet verpflichtet sind Bischöfe, Priester, Diakone und die
meisten der Ordensleute. Als eingeladene Beter sollen sich aber auch die
getauften und gefirmten Laien in der Welt kraft ihres "allgemeinen
Priestertums" am Stundengebet beteiligen (vgl. Sacrosanctum Concilium,
100). Das hat auch historische Gründe und Vorbilder: Zur Zeit der frühen Kirche
war die Stundenliturgie eine Gemeindeliturgie. Daraus ergibt sich, dass jeder
diese Liturgie feiern und eine solche Feier in der Öffentlichkeit leiten kann.
So sollen die gläubigen Laien und alle Menschen guten Willens wissen, dass sie
stets hineingenommen sind ins Gebet der ganzen Kirche. Da das Stundengebet auch
in den protestantischen (insbesondere in den evangelischen Orden) kirchlichen
Gemeinschaften verwurzelt ist, kann es ein Weg wahren ökumenischen Betens sein.
Das römische Stundengebet umfasst nach der Reform durch
Papst Paul VI. die folgenden Teile:
Invitatorium,
Lesehore,
Laudes,
Terz,
Sext,
Non,
Vesper und
Komplet.
Durch das Stundengebet wird der Tag in etwa in einen
3-Stunden-Rhythmus strukturiert. Außerdem kann man eine Vigil vor einem
Hochfest oder den Sonntagen beten. Terz, Sext und Non stellen die sogenannten
"Kleinen Horen" dar, von denen für Priester nur eine verpflichtend
ist. Diakone sind in Deutschland nur zu Laudes und Vesper verpflichtet.
(Kathpedia)
17 ½ Jahre Bildungspolitik à la Schavan blieben
natürlich nicht folgenlos:
Die Universitäten sind finanziell ausgeblutet, die
Schulen marode, Deutschland gilt als Land der PISA-Krüppel und leistet sich die
mit Abstand höchsten Schulabbrecherzahlen aller Industriestaaten. 80.000
Jugendliche verlassen die verrottenden Schulen jedes Jahr ohne Abschluß. Das
Land der Dichter und Denker verfügt inzwischen über zehn Millionen funktionelle
Analphabeten, die einfach achselzuckend so hingenommen werden, weil die
Bildungsministerin nicht eingreift.
Nirgendwo in Europa studiert so ein kleiner
Prozentsatz der Jugendlichen und kein EU-Staat gibt weniger Geld für Bildung
aus.
Der Facharbeitermangel ist typisch für die deutsche
Wirtschaft geworden. Es fehlen nämlich nicht nur jedes Jahr bundesweit 40.000
bis 50.000 Lehrer, sondern nach wie vor Hunderttausende Ingenieure,
IT-Techniker und Elektroniker.
Die Unternehmen müssen über 50% der Auszubildenden auf
eigene Kosten nachschulen, weil sie als de facto nicht ausbildungsfähig von den
Schulen kommen.
Um Englisch, Rechtschreibung und Mathematik können
Realschüler und Hauptschüler einen großen Bogen machen und kommen ohne die
geringsten Grundkenntnisse in Ausbildungsbetriebe.
Aus Notwehr importieren viele Handwerker ihre Azubis
aus dem Ausland. Facharbeiter und Akademiker gibt es in Polen und Indien - wenn
man sie noch bezahlen kann.
Nach fast zwei Dekaden Schavan’scher Indolenz sind wir
eine Nation von 1€-Jobbern, Leiharbeitern und Aufstockern geworden.
Billige Arbeiter gibt es, Qualifizierte nicht.
Das passiert, wenn man eine entschlußlose
uninspirierte verträumte Katholikin ins Amt beruft, die sich um ihren Job nicht
kümmert und stattdessen religiöse Bücher am Fließband produziert.
Die Bildungskatastrophe Deutschland hat einen Namen:
Annette Schavan.
Oder wie es Angie Merkel ausdrückt:
„Sehr schweren Herzens nur habe ich den Rücktritt angenommen,
weil mit Annette Schavan eine der anerkanntesten und profiliertesten Bildungs-
und Forschungspolitikerinnen unseres Landes, im Grunde die anerkannteste und
profilierteste Bildungspolitikerin unseres Landes, die Bundesregierung
verlassen wird. Sieben Jahre Bundesbildungsministerin, zuvor zehn Jahres
Landeskultusministerin, insgesamt also 17 Jahre im Dienste für den Bildungs-
und Wissenschaftsstandort Deutschland. Das sucht seinesgleichen. Und man kann
sagen, Annette Schavan lebt Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftspolitik.
Ihre Leistung als Ministerin in diesen wichtigen
Ressorts ist außerordentlich. Bildung und Forschung in Deutschland, die
Einrichtungen von Lehre und Wissenschaft verdanken ihr viel.“
Auch diese Beschreibung wird einst in „Merkel-deutsch,
deutsch-Merkel“-Diktionär stehen.
Dramatisch ist das Abfärben der Merkel’schen Schönrederei
auf die Journaille.
Man fasst es nicht, wie wohlwollend Kommentatoren von
links bis rechts über die fromme Frau berichten.
Annette Schavan ist so, wie sich die meisten Menschen
einen Politiker wünschen: seriös, unaufgeregt, uneitel. […] Sie hat ihr Haus
ruhig und unaufgeregt geführt, man kann sie mit gutem Recht als seriös
bezeichnen. Sie ist so, wie sich die meisten Bürger - zumindest in der Theorie
- ihre Politiker wünschen. Sie macht kein Tamtam, sie hält sich von jeder Form
von aufregenden Schlagzeilen fern, sie meidet Attacken gegen ihre Gegner und
kontert selbst die härtesten Angriffe mit stoischer Ruhe. Dafür verdient sie
Respekt.
Mit dem Rücktritt von Annette Schavan erleidet
Bundeskanzlerin Angela Merkel einen doppelten Verlust. […] Schavan [hatte sich]
ein erhebliches Ansehen in der deutschen Forschungs- und Bildungslandschaft
erarbeitet. […]
Merkel und Schavan einte auch ein eher unprätentiöser
und leiser Politikstil und eine Vorliebe für Forschungsthemen, was Schavan
stetig steigende Etats sicherte.
Immerhin, der nicht namentlich gekennzeichnete Artikel
der SZ weist auch auf die größten Bruchlandungen Schavans hin:
Mehrere andere Projekte, wie etwa das von ihr unter FDP-Druck
auf den Weg gebrachte "Deutschland-Stipendium" für besonders
leistungsstarke Studenten, kommen dagegen aus den Anlaufproblemen nicht hinaus.
Die überfällige Bafög-Erhöhung zur Breitenförderung schiebt Schavan dagegen
schon im zweiten Jahr vor sich her.
Kritiker vermissen eine Struktur in ihrer
Bildungspolitik. Bevor Schavan 2005 den Ministerposten in Berlin übernahm, war
sie zehn Jahre Kultusministerin in Baden-Württemberg - und obendrein
Bildungssprecherin der unionsgeführten Bundesländer. In dieser Zeit stand sie
für eine besonders konservative Bildungspolitik. Lange hielt Schavan an der
Hauptschule fest, stemmte sich vehement gegen mehr Gymnasiasten, Abiturienten
und Studenten.
Die vom Bund 2003 den Ländern angebotenen Milliarden
zum Aufbau von Ganztagsschulen verspottete sie als
"Suppenküchenprogramm". Das Bafög wollte die CDU-Politikerin komplett
umwandeln in einen Mix aus Leistungsstipendien und Krediten - inklusive
Studiengebühren. Mit dem neuen Amt in Berlin folgten auch schnell neue
Einsichten.
Das mit der Föderalismusreform 2006 ins Grundgesetz
eingefügte Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildung - an dem
Schavan als Landesministerin maßgeblich mitgewerkelt hatte - engte nun ihren
Spielraum stark ein. Schavan scheiterte mit ihrem Vorstoß, das Verbot mit einer
Verfassungsänderung "light" wieder aufzulockern.
Einen journalistischen Tiefpunkt setzte hingegen
wieder einmal das neukatholische Wochenblatt „ZEIT“, welches im ZEIT-Magazin Nr
6/13 vom 31.01.13 zu einer Lobhudelei auf Schavan ansetzte.
Ein volles Jahr begleitete Christoph Amend die
katholischste aller Ministerinnen und setzte ihr ein siebenseitiges (!)
Denkmal, in dem sich nicht ein einziger kritischer Satz über die
Wissenschaftsministerin findet. Amend ist restlos begeistert von der frommen
Ministerin.
[…] Die Politikerin Annette Schavan, 57,
Bundesministerin für Bildung und Forschung, hat ihren Körper und ihren Geist
immer im Griff, keine unnötige Bewegung, kein unbedachtes Wort, nie redet sie
zu schnell, nie reagiert sie impulsiv, gerade jetzt nicht, in diesen
schwierigen Zeiten, der größten Krise ihres Lebens, die seit neun Monaten
anhält. Seit dem Mai vergangenen Jahres wird ihr vorgeworfen, bei ihrer
Doktorarbeit plagiiert zu haben. Aus der angesehenen Ministerin im Kabinett von
Angela Merkel ist eine Politikerin unter Verdacht geworden.
[…] Thea Schavan [Annettes Mutter – T.] – ihr Mann
Ferdinand ist 1997 gestorben – ist in Neuss stadtbekannt, noch immer besucht
sie sonntags die katholische Kirche, die Nachbarn grüßen sie. In den
vergangenen Jahrzehnten ist sie oft auf die Karriere ihrer erfolgreichen
Tochter angesprochen worden: nach dem Studium Referentin im bischöflichen
Cusanuswerk in Bonn, dann Abteilungsleiterin im Generalvikariat in Aachen, 1987
Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union, später die Rückkehr zum Cusanuswerk,
diesmal als Leiterin. Von 1995 bis 2005 Kultusministerin in Baden-Württemberg,
seitdem Bundesministerin in Berlin.
Die Mutter hat Grund, stolz auf die Tochter zu sein. […]
Die skandalfreie Musterpolitikerin Annette Schavan […] Annette Schavan
beeindruckt ihre Umgebung mit ihrem Verstand, auch den jungen Hermann Gröhe,
der sie als »intellektuell und doch nie arrogant« beschreibt. […] Neben der CDU spielt die katholische Kirche
früh eine große Rolle in ihrem Leben. »Ich glaube«, sagt einer aus der heutigen
CDU-Spitze, »dass sich in der CDU niemand so gut in der katholischen Kirche
auskennt wie Annette Schavan.« […] Die Politikerin Rita Süßmuth, in den
achtziger Jahren Bundesministerin, hat Annette Schavan 1987 als
Geschäftsführerin zur Frauen-Union geholt. Süßmuth war dort ihre Chefin. Sie
sieht viele Ähnlichkeiten zwischen Merkel und Schavan: »Beide beobachten
intensiv und handeln erst anschließend, beide machen nicht von morgens bis
abends Öffentlichkeitsarbeit.« Und dann fügt sie etwas hinzu, einen
Schlüsselsatz, um zu verstehen, was Annette Schavan antreibt. »Annette
Schavan«, sagt Rita Süßmuth, »hat einen besonderen Blick für Ausgegrenzte. Und
Frauen waren ausgegrenzt, auch in der CDU, wir haben das beide erlebt.« […] In
den vergangenen Wochen hat sie einen Aufsatz geschrieben, der bald in der
theologischen Zeitschrift Diakonia erscheinen wird. Die Überschrift: Eine
andere Lebensmöglichkeit. Ausgehend von der Bibelstelle, die von der Begegnung
zwischen Jesus und einem reichen Mann erzählt, denkt die Autorin Annette
Schavan darüber nach, »woran wir uns im Leben gebunden fühlen, als Christen und
als Kirche«. Es sei ihr wichtig, sagt sie, dass das Gespräch zwischen Jesus und
dem reichen Mann nicht beim Geld stehen bleibe, sondern sich vor allem um die
Fragen drehe: Was bewegt dein Herz, wovon lässt du dich provozieren? »Es geht
darum, sich nicht an Vordergründiges zu binden, sich unabhängig zu machen von
der Akzeptanz und Ablehnung anderer.« Sie hat den Text an diesem Mittwoch noch
einmal Korrektur gelesen, das hat ihr geholfen. […] Wie soll man die
Politikerin Annette Schavan in Erinnerung behalten, was wünscht sie sich? »Als
eine Politikerin, die ihre Verantwortung wahrgenommen hat und der man vertrauen
kann.« […] Bei unserem letzten Gespräch vergangene Woche sah sie, während sie
redete, oft in Richtung Himmel. Sie hat in ihrem Büro ein Kreuz so dezent
angebracht, dass Besucher es nicht bemerken, sie es aber jederzeit sehen kann,
wenn sie will. Und manchmal ist ihr in den vergangenen Monaten ein Psalm durch
den Kopf gegangen: »Als es mir eng war, hast du es weit gemacht.« Annette
Schavan hofft, dass es nicht noch enger wird.
(ZEIT-Magazin 31.01.13)
Amend spricht auch schon merkelisch.
Die nächste Bildungsministerin, Frau Wanka, sollte
sich um die Journalistenausbildung kümmern.
Bei SPON gibt es allerdings noch einen Journalisten,
der deutsch schreiben kann:
An Annette Schavan wird man sich bald nur noch wegen
ihres Plagiats erinnern. Daran ist die Politikerin selbst schuld. So wie sie
ihr Amt ausfüllte, kann man es auch abschaffen. […] Ihr dürftiges politisches
Erbe als Bundespolitikerin: […]
Beide Programme - Bologna und Exzellenzinitiative -
waren Erbstücke ihrer umtriebigen Amtsvorgängerin Edelgard Bulmahn (SPD).
Schavan hat die Projekte gelobt und begrüßt, nur gestaltet hat sie nicht. Sie
beschränkte sich aufs Verwalten. Wie hätte sie auch gestalten sollen?
Tatsächlich gibt es seit Schavans Amtsantritt keinen
machtloseren Posten in der Regierung als den des Bundesministers für Bildung
und Forschung. […]
Die Föderalismusreform 2006 verbot dem Bund, Bildung
zu finanzieren und Schavan stimmte damals dieser Entmachtung zu. Das Ende des
"überflüssigen" (Schavan) Hochschulrahmengesetzes (HRG) führte die
Ministerin 2008 sogar selbst herbei. […] Hundertausende Abiturienten bewerben sich […] jährlich an zehn oder mehr Hochschulen,
Tausende Plätze bleiben dabei frei. Was Schavan dagegen tat? Sie sah drei Jahre
zu und gab dann eine Software in Auftrag, die bis heute nicht funktioniert.
Als von sich selbst entmachtete Bundesministerin
konnte Schavan wenig bewirken - aber umso mehr hätte sie die mahnende Stimme in
der bildungspolitischen Kakophonie der Ministerpräsidenten, Landesminister und
Hochschulen sein müssen. Sie hätte auch Anwältin der deutschen Studenten sein
können, die in den vergangenen knapp zehn Jahre in die Mühlen der Bologna-Reform
geraten sind.
Auf Solidarität der Ministerin aber warteten
Deutschlands Studenten vergeblich. Als sie sich im großen Bildungsprotest 2009
gegen die anfangs verkorkste Bologna-Reform auflehnten, sagte Schavan den
Demonstranten, ihre Proteste seien "gestrig". Die Reform sei nötig
und - natürlich - Zuständigkeit der Länder und der Hochschulen. Basta.
[…] Für mehr Einfluss des Bundes in der
Hochschulfinanzierung wollte sie außerdem das Kooperationsverbot aus dem
Grundgesetz streichen lassen, was bislang jedoch misslang.
[…] Dass von
Schavan als zuständige Bundesministerin für die Merkelsche Bildungsrepublik
nicht viel in Erinnerung bleiben wird, liegt an ihrem verhaltenen Politikstil
der vergangenen sieben Jahre. Sie hat in ihrer Berliner Zeit einfach wenig
gesagt und noch weniger bewegt.