Freitag, 2. August 2024

Unprecedented

Ob Kevin Spacey wirklich so übergriffig war, daß es angemessen war, ihn dafür zur Persona Non Grata zu erklären und seine Engagements zu kündigen, weiß ich nicht.

Sicher bin ich mir allerdings über seine Qualitäten als Schauspieler: Der Mann ist überragend gut und daher vermisse ich ihn extrem in der Serie „House Of Cards“.

Das Netflix-Meisterstück mit der verbotenen ikonischen auf dem Kopf stehenden US-Flagge startete im Februar 2013, kurz nachdem Barack Obama wieder gewählt worden war und sich nach den irren George W. Bush-Jahren, die US-Politik zu konsultiert haben schien. Mit dem ersten schwarzen US-Präsidenten waren Moral und Anstand nach Washington zurückgekehrt, das katastrophale Meinungsbild in der Welt verbesserte sich nachhaltig, man schaute wieder zu Amerika auf.

House Of Cards war in vielerlei Hinsicht maßstabsetzend. Aber ein wesentlicher Punkt der Faszination für die Zuschauer lag in dem schockierenden Verhalten der Serienfiguren. Die Spannung entstand unter anderem durch den Widerspruch der Bildsprache und des Inhaltes. Es sah clean und hyperrealistisch aus, fast wie eine Doku aus dem echten Weißen Haus. Der demokratische Abgeordnete Francis „Frank“ Underwood verhielt sich allerdings wesentlich ungeheuerlicher und schockierender, als alles, was man sich vorstellen konnte. Dagegen wirkte GWB wie ein Waisenknabe.

Aber 2013 lag natürlich auch Jahre vor der historischen Zäsur der Trump-Inauguration vom 20. Januar 2017, als alle Gewissheiten zerbröselten und das Undenkbare Realität wurde.

Es war naheliegend, Vergleiche mit „House of Cards“, der bis dahin extremsten Darstellung der USA-Politik, zu ziehen.

[….] Amerikas Politik nähert sich auf unheimliche Weise jenen fiktiven Serien an, die das Land der Welt geschenkt hat. Eine unglaubliche Wendung folgt der nächsten: Gut 100 Tage vor der Wahl entscheidet sich der greise US-Präsident, der kaum noch richtig sprechen kann, für seine Vizepräsidentin Platz zu machen. Nur sie kann jetzt noch einem Mann den Weg zur Macht versperren, der gerade von einem rätselhaften Attentäter angeschossen wurde und der mit einem autoritären Umsturz liebäugelt.   Es sind beängstigende Tage für Amerikas Verbündete. Das Zentrum der westlichen Welt ist im Innern gefährlich instabil. Auf dieses Land ist für seine transatlantischen Partner schon länger kein Verlass mehr, über diese Tatsache täuschte die Präsidentschaft von Joe Biden nur hinweg.  An der tiefen politischen Krise in den USA gibt es nichts zu beschönigen; die mehr als 200 Jahre alten demokratischen Institutionen zeigen große Schwachstellen.  […..]

(Mathieu von Rohr, SPIEGEL-Leitartikel, 27.07.2024)

Tatsächlich ist die Lage wesentlich finsterer als in der genannten Netflix-Serie.

Das schockierende umgekehrte Sternenbanner aus dem Vorspann, wurde tatsächlich zum Erkennungszeichen der hasserfüllten Trumpisten – verwendet von Abgeordneten (Marjorie Taylor Green) bis zu Supreme Court-Richtern (Justice Samuel Alito).

[….] Upside-down American flags emerged outside homes and on social media on Friday in support of Donald Trump after a New York jury returned a historic guilty verdict against the former Republican president.

Republican Representative Marjorie Taylor Greene and country music singer Jason Aldean were among the prominent Americans to display the inverted flag, a symbol of distress or protest in America for over 200 years.

The symbol, popular among some avid Trump supporters since his 2020 election defeat, exploded across pro-Trump social media accounts after he was convicted on Thursday of falsifying documents to cover up a hush money payment to a porn star to illegally influence the 2016 election.

Minutes after the verdict Greene, a Trump loyalist, posted an inverted U.S. flag on her X account. By Friday afternoon more than 8 million people had viewed it.  […..]

(Reuters, 01.06.2024)

Oberste Richter, die aktiv gegen die US-Verfassung agitieren, Grundrechte aushebeln und einen zutiefst kriminellen Rassisten, der die Demokratie abschaffen will, mit Immunität versehen: Das konnte sich selbst Frank Underwood nicht vorstellen.

Europäer verzweifeln daran, zu verstehen, wieso dieser grotesk orange geschminkte Horrorclown überhaupt eine einzige Stimme erhält.

Es lässt sich nicht erklären, wieso eine gesamte staatstragende Partei der 250 Jahre alten Großdemokratie USA, kollektiv Testikel und Rückgrat entfernen ließ, um sich diesem ganz offenkundig unterbelichteten Psychopathen unterzuordnen.

Es lassen sich keine Beispiele in der Geschichte finden, um diesen Irrsinn vor unseren Augen, irgendwie einzuordnen.

Es ist alles beispiellos, also wurde „unprecedented“ zum meistgebrauchten Begriff der Medien, die sich auch nur im entferntesten mit Donald Trump beschäftigen.

Die Wähler reagieren inzwischen nicht mehr Fakten-korreliert, sondern rein gefühlig. Aufgepeitscht von Stimmungen, Polls, Spins, Narrativen, die leider meistens auf Lügen basieren.

Kurioserweise war es ausgerechnet der 101-Jährige Joe Biden, dem es trotz dreieinhalbjähriger verzweifelter Bemühungen nie gelang, die negative Stimmung gegenüber seiner Partei zu verändern, der urplötzlich das junge, internetaffine Amerika in gewaltige Wallungen versetzte.

[….]  Man mag es kaum glauben, aber es sind erst anderthalb Wochen vergangen, seit Joe Biden den Weg für Kamala Harris frei machte. Die USA scheinen sich in dieser Zeit in ein anderes Land verwandelt zu haben, der Wahlkampf 2024 ist jedenfalls nicht mehr wiederzuerkennen. Der designierten demokratischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris fliegen auf einmal die Herzen und vor allem die Spendengelder zu. Und Donald Trump steht plötzlich nicht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, das hat ihn offenbar so verwirrt, dass er zumindest vorübergehend den Faden verlor. Wenn es wirklich so etwas gibt wie ein Momentum, dann darf man festhalten: So schnell hat das Momentum selten die Seiten gewechselt. Und das – so seltsam es klingen mag – haben die Demokraten auch Joe Bidens Sturheit zu verdanken. Noch vor anderthalb Wochen schien einer Rückkehr Trumps ins Weiße Haus nichts mehr im Wege zu stehen, am allerwenigsten die demokratische Kampagne mit ihrem fast schon bemitleidenswerten Protagonisten. Trump hatte gerade ein Attentat überstanden und wurde auf dem Parteitag der Republikaner in Milwaukee wie der Allmächtige höchstpersönlich gefeiert. Präsident Biden saß derweil in seiner Covid-Isolation, und das Letzte, was die Außenwelt von ihm mitbekommen hatte, war die Ansage, dass ihn allenfalls der Allmächtige von seinem Vorhaben abbringen könne, erneut bei der Wahl anzutreten. [……] Indem er sich fast einen Monat lang starrköpfig gegen das Unausweichliche gewehrt hatte, baute er die Spannung erst auf, die sich nun in einer explosionsartigen Zuneigung zu seiner Nachfolgerin entlädt. Das Momentum von Harris ist auch die Erleichterung über die späte Einsicht Bidens. Nur damit ist dieser Raketenstart zu erklären. [……]

(Boris Herrmann, 30.07.2024)

Kurz gesagt: Die Lage war bis vor zwei Wochen derartig deprimierend, daß bereits die Aussicht, überhaupt irgendeinen anderen wählen zu können, das Land elektrisiert.

Kamala Harris wird mit Zustimmung überschüttet und häufte in neun Tagen 310 Millionen Dollar Wahlkampfspenden an.

Statt seniler alter Männer, einfach ein neues Gesicht, welches auch das diverse Amerika anspricht.

Der notorisch undisziplinierte Trump „can‘t help himself“ und ist angesichts der Sympathien, die einer nicht weißen Einwanderertochter zufließen, außer sich vor Wut. Er kann seinen tiefsitzenden Rassismus nicht im Zaum halten.

Die pure Existenz von Kamala Harris, als Frau und Dunkelhäutige – bringt Trump und seine rechtsextreme Partei zur Weißglut. Sie ist die Inkarnation eines GOP-Triggers. Sie muss nur existieren, um Hetze-Eruptionen der QTrumpliKKKans zu generieren.

[…..]  Der Ex-Präsident stellt ungeniert vor einem schwarzen Publikum die Frage, seit wann die Vizepräsidentin eigentlich schwarz sei. Selbst für einen wie ihn sind so offen rassistische Aussagen ungewöhnlich – und lassen tief blicken in einen finsteren Charakter.

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump ist ein Rassist. Das mag nach Binse klingen, es ist aber wichtiger denn je, sich das vor Augen zu halten, da Trump sich als Spitzenkandidat der Republikaner anschickt, womöglich an die Spitze des Staates zurückzukehren. Bereits Anfang der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts hat das Justizministerium gegen ihn ermittelt, weil das damals von ihm und seinem Vater Fred geführte Immobilienimperium potenzielle schwarze Mieterinnen und Mieter benachteiligte. […..]  Der Rassismus von Freds Sohn, Donald Trump, zeigte sich in dieser Woche in selten gesehener Deutlichkeit, als er die Frage in den Raum stellte, seit wann die designierte demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris eigentlich schwarz sei.

Trump fuhr fort, fast im Plauderton: Er habe Harris immer als indischstämmig wahrgenommen. Aber offenbar habe sie eines Tages beschlossen, dass sie nun schwarz sei. Das Ganze gipfelte in der Frage, ob sie nun also indisch oder schwarz sei. Er, Trump, wisse es nicht. Diese auf besonders perfide Art rassistische Äußerung, die Harris einen Teil ihrer Identität absprechen will, wäre zu anderen Zeiten das Ende einer Präsidentschaftskampagne gewesen.

Die irrwitzige Volte ist, dass Trump dies vor einer Versammlung von schwarzen Journalisten und Journalistinnen sagte. Rassismus ist in den USA bis heute allgegenwärtig, doch meist äußert er sich subtiler. Trump hingegen hat offenbar kein Problem mehr damit, diese Karte wirklich überall offen zu spielen.  [….]

(Christian Zaschke, 01.08.2024)

Und so schäumen die Republikaner vor Hetze; ihre niedersten Instinkte brechen sich unkontrolliert Bahn. Damit erfreuen sie sich selbst. Aber offenkundig auch weitgehend nur sich selbst, Orbán, Spahn und den Springer-Verlag.

Der Teil der US-Wählerschaft, der noch mit Rudimenten von Anstand behaftet ist, wendet sich gruselnd ab.

Das dreieinhalb Jahre festgefahrene Meinungsbild dreht sich.

Es sieht immer noch nicht gut aus für die Demokraten. Aber endlich stimmt die Richtung. Die massive Social-Media-Begeisterung für Kamala Harris wirkt sich peu à peu auch in der realen Welt aus.

Donnerstag, 1. August 2024

Impudenz des Monats Juli 2024

 Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Wenn man all seine großen religiösen Rituale – Osterfeuer, Baum schmücken – von den Heiden stiehlt und zudem auch noch ungebildet, wie ein Begrenzungspfahl in der Walachei ist, produzieren die Hirnsynapsen schon mal Error-Meldungen.

So kam es bei vielen Katholiban zum Assoziations-Overload, als sie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris, Vadder Abrahams Papa Schlumpf halbnackt am Mittagstisch sahen.

[….]  Die nächste Pseudo-Empörung vom rechten Rand dreht sich rund um die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele. Ein kurzer Teil der vierstündigen Zeremonie ist eine Anspielung auf die griechischen Götter und ein bekanntes Gemälde dazu. Zu sehen ist Dionysos, nicht Jesus und das Abendmahl. Warum die radikale Rechte sich trotzdem an ihrer inszenierten Empörung festhält.

Es war von Anfang an Dionysos, wurde auch offiziell erklärt

Die offizielle Twitter-Seite der Olympischen Spiele hatte bereits am gleichen Tag angekündigt, die Eröffnung der Spiele mit einer Interpretation des griechischen Gottes Dionysos zu beginnen. Diese sollte die Absurdität von Gewalt zwischen Menschen widerspiegeln. [……]

(Vanessa Magri, 30.07.2024)

Und was macht ein Christ, wenn er zu doof ist, um zu verstehen, was gerade vor sich geht? Er ist beleidigt, wird aggressiv und droht denjenigen, die er nicht versteht, Gewalt an!

[…..] Katholische Kirche kritisiert Eröffnungsfeier scharf

Nicht weniger als eine „blasphemische Verhöhnung“ des Christentums sah der Vatikan, namentlich Kurienerzbischof Vincenzo Paglia in der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Entzündet hat sich die Kritik an nur einer kurzen Szene auf der Seine. Auf einer Seine-Brücke gehörte eine Modenschau zum Programm des Abends, in einer kurzen Sequenz sieht man mehrere Dragqueens an diesem Laufsteg sitzen. Bildsprache und Bildaufbau lösen bei manchen Christen Assoziationen zur berühmten Darstellung des Letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci aus.

Bischof Stefan Oster, für den Sport zuständig in der Deutschen Bischofskonferenz, hat zwar „ein eindrucksvolles Fest und ein großes Spektakel für alle Sinne“ gesehen, sieht in dieser Szene aber einen Tiefpunkt der Feier, die ihm persönlich deutlich gemacht habe, „wie sehr im Grunde unser christliches Menschenbild auf dem Spiel steht“.

Aus Frankreich, von Osters Mitbrüdern im Bischofsamt, war zu hören, Christen seien durch die Provokationen der Feier verletzt worden. Die lauteste Kritik kam, und das recht schnell, aber aus den Vereinigten Staaten. […..] Überschattet sahen viele Kritiker, wie Sportbischof Oster, die Feier durch die antireligiöse Symbolik an dieser kurzen Stelle der Eröffnungsfeier. „Für mich wird deshalb hier in einem einzigen Moment deutlich, dass diejenigen Christen, die ihren Glauben auch in diesem Punkt des Menschenbildes ernst nehmen, dass die der eigentliche Gegner einer Gesellschaft sind, die sich im atemberaubenden Tempo selbst säkularisiert.“   […..]

(Deutschlandfunk, 29.07.2024)

Willkommen in der Wahnwelt des Katholizismus im Jahr 2024, die sich auf eine Stufe mit dem bösartigen Rassisten Donald Trump stellt und daher den Titel IMPUDENZ DES MONATS JULI 2024 verliehen bekommt.

[…..] Donald Trump has assured voters that if he's elected president he will use his power to influence the organizers of the 2028 Olympics, which will take place in Los Angeles, California.  Speaking to Laura Ingraham on FOX News during an interview Monday, the Republican candidate and former president condemned Friday's opening ceremony of the Paris 2024 Olympic Games.

"I thought that the opening ceremony was a disgrace, actually," said Trump. "I thought it was a disgrace." […..] Trump responded to Ingraham's question about the 2028 Olympics saying, "There won't be any 'Last Supper' the way they portrayed it the other night."

[…..] Some said the scene depicted mockery and derision of Christianity, a view echoed by many conservatives. House Speaker Mike Johnson tweeted: "The war on our faith and traditional values knows no bounds today. But we know that truth and virtue will always prevail. 'The light shines in the darkness, and the darkness has not overcome it'. (John 1:5)"  [……]

(Newsweek, 29.07.2024)

Wer dachte, die größte weltumspannende Kinderfi**erorganisation der Geschichte, wäre nach der Entlarvung des massenhaften sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch christliche Geistliche, etwas kleinlauter, wenn es um moralische Bewertungen geht, täuscht sich offenbar.

[…..] Die völlig entmenschten Posen, mit denen bei der Inaugurationsfeier der Olympischen Spiele LGBT-Ideologen nicht nur das Letze Abendmahl Jesu, sondern auch ihre eigene Menschenwürde verhöhnten, knüpfen offensichtlich an die Kampagne der Jabobiner zur Entchristlichung Frankreichs an. Auf dem Zenit dieser anti-kirchlichen Raserei ließen am 10. November 1793 die Französischen Revolutionäre eine nackte Frau als Göttin Vernunft in die Pariser Kathedrale Notre Dame einziehen und auf dem Altar ihre sexuellen Perversionen demonstrieren. Blasphemische Obszönitäten gegen die Religion sind untrennbar verbunden mit der physischen und psychischen Gewalt gegen die Christgläubigen. […..] Die Woke-Ideologie im Westen hat ausdrücklich atheistische Wurzeln, ist durch und durch vom Hass auf Jesus Christus geprägt und übelster Hetze gegen die katholische Kirche zerfressen. Sie äußert sich in der Diskriminierung der Christen in gewalttätigen Worten und Handlungen bis zu den Justiz-Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn z.B. durch Gerichtsbeschluss den Eltern ihre eigenen Kinder weggenommen werden, wenn diese die Verstümmelung der Genitalien ihrer Kinder nicht zulassen – alles unter dem Euphemismus „Selbstbestimmung des eigenen Geschlechts“. […..] Sie merken nicht, dass sie die Ehre Frankreichs, das als Land und Kultur alles dem Christentum verdankt, in dem Schmutz haben ziehen lassen und selbst noch in einem Anfall geistiger Umnachtung daran mitwirkten. Die Verachtung der Religion und des Gewissens führt notwendig in Psychoterror und Gewalt. […..] Die Verhöhnung des Abendmahls durch geistig entwurzelte und psychisch schwer gestörte Akteure, ihre Anstifter und Geldgeber war ein Akt des geistigenTerrorismus, der auf ihre Urheber zurückschlägt. „Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder und gebiert am Ende mit all seinem Unheil den Despotismus“ , waren die letzten Worte Pierre Verniauds, des Führer der Girondisten auf dem Schafott. […..]

(Gerhard Ludwig Kardinal Müller, 29.07.2024)

Die armen irren Kleidchenträger sind völlig von der Rolle. Vom Kardinal bis zum einfachen Priester:

[….]  Katholischer Priester verklagt Grindr

Jeffrey Burrill verlor seinen Job in der amerikanischen Bischofskonferenz, nachdem seine Grindr-Aktivitäten publik wurden. Deshalb will er von der schwulen Dating-App fünf Millionen Dollar. […..] Der katholische Priester Jeffrey Burrill hat laut der "Washington Post" die Dating-App Grindr vor einem Gericht in Kalifornien verklagt, weil diese persönliche Daten ohne sein Wissen und ohne seine Einstimmung weiterverkauft habe. Hintergrund ist, dass Burrill 2021 seinen Posten als Generalsekretär der amerikanischen Bischofskonferenz abgeben musste, nachdem das katholische Magazin "The Pillar" über seine Nutzung der Dating-App berichtet hatte […..]. Die Veröffentlichung habe wegen des katholischen Zölibats und der Ablehnung von Homosexualität durch die Kirche seine Reputation erheblich beschädigt, heißt es in der Klage […..]

(Queer.de 31.07.2024)

Selbst Schuld. Wieso verwendet Burrill auch noch zusätzlich eine Homo-Kopulations-App, obwohl er doch jederzeit Zugang zu einem Darkroom voller untervögelter Klemmschwestern; also dem Priesterseminar; hat?

Österreichische Pfaffen eifern unterdessen Don Benitos Don Alfonso Raul M., Priester der Pfarrei San Sebastián, nach, der mit seinem schwulen Liebhaber in seiner Kirche im großen Stil synthetische Drogen und Viagra vertrieb.

[…..] Bei einer Razzia im Pfarrhaus der Kirchengemeinde und in der Kirche des Priesters in der südspanischen Stadt Don Benito fanden die Ermittler große Mengen an Aphrodisiaka, berichtete die Zeitung "El Mundo" am Dienstag. Der Geistliche soll die potenzsteigernden Mittel an einen großen Kreis von Abnehmern verkauft haben, teilweise im Pfarrhaus. Bei dem Verkauf der Substanzen kam dem vermeintlichen Täter zugute, dass im Pfarrhaus laut Bericht stets ein reger Besucherstrom herrschte. Der Aktion der Polizei vom Montag waren monatelange Ermittlungen gegen einen illegalen Händlerring vorausgegangen, der unter anderem von dem Geistlichen selbst geleitet wurde.

Bei der Razzia im Pfarrhaus wurde laut Zeitungsbericht auch der Lebensgefährte des Pfarrers festgenommen, der an den illegalen Geschäften beteiligt war. Der Priester soll angenommen haben, aufgrund seiner herausgehobenen Stellung in der Pfarrei und der Stadt, vor einer Festnahme durch die Polizei sicher gewesen zu sein, heißt es laut Zeitung aus Polizeikreisen.  [….]

(Katholisch.de, 20.02.2024)

[….] Die Polizei [….] stellte [….]  zwei Kilogramm Mephedron sicher, eine psychoaktive Substanz aus der Gruppe der Amphetamine, die bei Konsumenten zu einer Steigerung des sexuellen Empfindens führen kann. Außerdem fanden die Einsatzkräfte 3.300 Euro in bar, Präzisionswaagen und mehrere Handys. In den spanischen Medien wird die Polizeiaktion auch als "Operación Botafumeiro" ("Operation Weihrauchfass") bezeichnet. Damit spielen sie auf das 1,60 Meter große und 54 Kilogramm schwere Weihrauchfass an, das in der Kathedrale des Wallfahrtsortes Santiago de Compostela in Nordspanien durch das Gotteshaus geschwungen wird.  […..]

(Katholisch.de, 21.02.2024)

Anders als in der autonomen Gemeinschaft Extremadura, stellte Don Alfonsos Kollege in Wien das Chrystal Meth gleich selbst her.

[….] Jener Priester, der vergangene Woche wegen Verstößen gegen das Suchtmittelgesetz festgenommen wurde, dürfte in einem Waldviertler Pfarrhof Crystal Meth hergestellt haben. Über den 38-Jährigen und eine zweite Person wurde am Montag die U-Haft verhängt.

Laut Polizeisprecher Stefan Loidl gab es im betroffenen Pfarrhof eine Hausdurchsuchung. Diese sei durch die Staatsanwaltschaft Krems angeordnet worden. Ermittler des Landeskriminalamts konnten dabei Drogen, Ausgangsstoffe sowie Laborequipment sicherstellen, so Loidl gegenüber noe.ORF.at.

Die Polizei geht davon aus, dass der Priester damit nicht nur Drogen für den Eigengebrauch herstellen wollte. „Der Beschuldigte dürfte damit Methamphetamin hergestellt haben, um dieses im Anschluss zu verkaufen“, so Polizeisprecher Loidl.  [….]

(ORF, 29.07.2024)

Mittwoch, 31. Juli 2024

Die Putinipopulistin

Genügend senile Idioten (wie Alice Schwarzer) gab es natürlich immer schon. Aber erst in Kombination mit Social Media und der geballten Power russischer Desinformations-Bots ist es möglich in Rekordzeit eine neue Partei zu etablieren.

[….] Das niederländische private Institut Trollrensics machte kürzlich eine Entdeckung, die man bisher lediglich erahnen konnte. Tausende gesteuerte Fake-Accounts auf der Plattform X pushen nicht nur die AfD, sondern auch das Bündnis Sahra Wagenknecht. Es gibt laut Trollrensics starke Hinweise, dass sich die Steuerungsgruppe dieser sogenannten Trollarmee in Russland befindet.

Es gibt keinen Beleg dafür, dass der Kreml selbst dahintersteckt, aber auffällig ist, dass ausgerechnet jene beiden Parteien von den Trollen profitieren, die am stärksten für ein Zugehen auf das russische Regime plädieren. Die »Washington Post« berichtete schon vor etwa einem Jahr über ein geheimes Strategiepapier aus dem Kreml, in dem Wagenknecht und die AfD als Mittel genannt wurden, um in Deutschland eine Anti-Kriegsstimmung zu erzeugen. Eine Querfront für Russland sollte entstehen.  Doch welches Verhältnis haben die AfD und das neue BSW wirklich zueinander? Könnten sie bald sogar gemeinsam Politik machen? [….]  Dass sie zusammen regieren, wird vom BSW klar ausgeschlossen. Jedoch – so ist es bei Wagenknecht üblich – hat sich die Partei zahlreiche Schlupflöcher zurechtgelegt. […..]  Die erste klare Grenzverschiebung ließ sich in Brüssel beobachten. Im EU-Parlament erklärten die frisch gewählten BSW-Abgeordneten, man wolle den »Cordon sanitaire« brechen. Dieser wird von demokratischen Parteien genutzt, um Rechtsaußen-Politiker wie jenen von der AfD von wichtigen Posten auszuschließen – etwa den des Parlamentsvizepräsidenten oder des Ausschussvorsitzenden. [….]  Will das BSW also die Brandmauer zur AfD einreißen? In den ostdeutschen Landtagen könnte das weitreichende Auswirkungen haben. Die AfD könnte, wenn sie stärkste Kraft wird, mit den Stimmen des BSW erstmals einen Parlamentspräsidenten der eine Parlamentspräsidentin stellen.   […..]

(Timo Lehmann, SPON, 31.07.2024)

Das erst am 26. September 2023 gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht stellt schon sechs Abgeordnete im Europaparlament und könnte nach den derzeitigen Umfragen bereits am 01.09.2024 in zwei Landesregierungen (Sachsen und Thüringen) gewählt werden.

Dieses atemberaubende Parteiwachstum birgt allerdings einen entscheidenden Nachteil im Vergleich zu den rechtsextremen Konkurrenz-Populisten von der AfD: Als Teil von drei Landesregierungen (Brandenburg wählt am 22.09.2024) müsste das BSW so etwas wie Politik machen, obwohl das Parteiprogramm, genau wie das der AfD, nur aus praxisuntauglichem Bullshit und falschen Versprechungen besteht.

Das kann dem Ego-Projekt der homophoben Sahra Sarrazin nur schaden.

Also besser nichts riskieren und a priori eine derartige Ausschließeritis anzetteln, daß keine Regierungsbeteiligungen drohen.

[…..]  Die Pro-Putin Aktivistin Sahra Wagenknecht forderte immer wieder die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland wegen der illegalen Invasion der Ukraine. Sie leugnete deren Nutzen und die Wirksamkeit. Doch jetzt wird allein aus den Zinsen auf die gigantischen eingefrorenen Vermögen der russischen Oligarchen und Zentralbank die Hilfe für die Ukraine bezahlt.

Die Sanktionen funktionieren also sogar doppelt: Die wirkenden Sanktionen sind es einerseits, die es uns ermöglichen, den Konflikt einzudämmen, ohne selbst militärisch aktiv zu werden. Und sie helfen jetzt sogar der Ukraine, sich militärisch gegen den Überfall zu wehren. Was es möglich macht, die Ukraine-Hilfen zu kürzen und auch uns zu entlasten. Die von Wagenknecht kritisieren Sanktionen verringern also die ebenfalls von Wagenknecht kritisierten Ukraine-Hilfen. Aber Frau Wagenknecht möchte entgegen ihrer Behauptungen eben nicht Frieden, sondern, dass Putin seinen Konflikt mit der Ukraine gewinnt.   […..]

(Philip Kreißel, 29.07.2024)

Wagenknecht verkündete ex cathedra nur mit Parteien zu reden, die genauso eindeutig auf der Seite Putins stehen, wie die AfD und sie selbst.

[….] Kommt das BSW in einem der östlichen Bundesländer an die Macht, muss es mit einer Entzauberung rechnen: Zahlreiche Probleme, die die Partei adressiert, werden nicht in den Ländern entschieden. Die Migration, die Inflation, die Gehälter und, genau, der Krieg in der Ukraine, werden nicht in Erfurt oder Dresden verhandelt. Wenn viele Menschen also das BSW wählen, danach aber für ihre individuellen Lebensumstände keine Besserung wahrnehmen, könnte das den Enthusiasmus für die derzeit so gehypte Wagenknecht-Partei bremsen. Der Aufstieg könnte enden, bevor es die Möglichkeit gab, den Einfluss im Bund zu maximieren.   […..]

(Angelika Slavik, 30.07.2024)

Wenig überraschend für eine Partei, die sich ausschließlich dem Küssen des Arsches ihrer Gründerin verschrieben hat, bedeutet ihr das Schicksal ihrer Wähler nichts, aber das Ego der Chefin alles.

Ziel ist es, eine pseudo-religiöse Bewegung wie den Trumpismus zu erschaffen, in der Wagenknecht angebetet wird und nach Belieben die Wähler belügt.

Für Linke, Grüne SPD (und wohl auch die Ukraine-stützende FDP) sind daher Kooperationen mit dem BSW ausgeschlossen.

[……]  In der SPD wird betont, die Ukraine-Position sei unveränderbar. Die sächsische Spitzenkandidatin Petra Köpping sagte der SZ, es ärgere sie, wie vom BSW falsche Versprechungen gemacht würden. So werbe das Bündnis mit dem Plakat „Krieg oder Frieden“, das auch noch Wagenknecht zeige, die hier gar nicht zur Wahl stehe. „Dann soll sie doch zu ihrem Putin fahren und Frieden machen. Das ist Betrug am Bürger und Populismus pur.“ In Sachsen könnte die chronisch schwache, derzeit mit CDU und Grünen mitregierende SPD erneut als Mehrheitsbeschafferin gebraucht werden – aber auch hier will man sich von Wagenknecht nicht treiben lassen. Die stellvertretende Vorsitzende Sophie Koch betont, Außenpolitik sei weiter Angelegenheit des Bundes. „Die Aussage von Wagenknecht ist Wahlkampfgetöse, denn bei der Wahl in Sachsen geht es um andere Themen, und die nehme ich seitens des BSW kaum wahr.“  [……]

(SZ, 30.07.2024)

Ganz aus dem Regierungsspiel hat sich Sahra Sarrazin aber nicht, denn neben den Nazis von der AfD biedern sich auf die Putin-Fans der Ost-CDU bei ihr an.

[…] Generalsekretär Carsten Linnemann schließt Koalitionen seiner Partei mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) auf Landesebene nicht grundsätzlich aus. "Ob die CDU in den Ländern mit dem BSW koaliert, muss vor Ort entschieden werden", sagte Linnemann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wir haben einen Parteitagsbeschluss, weder mit der AfD noch mit der Linken zusammenzuarbeiten."

Linnemann verwies indes auf eine Äußerung von CDU-Chef Friedrich Merz, er könne sich "mit Frau Wagenknecht auf Bundesebene keine Koalition vorstellen". Dass sich die CDU vom BSW nicht so klar distanziert wie von der Linkspartei, begründete Linnemann damit, dass sich die Linke "nicht von linksextremen Gruppierungen abgrenzt". […..]

(Volksverpetzer, 30.07.2024)

Die CDU ist schon lange von jeglicher Moral verlassen. Sie blinkt antisemitisch und kooperiert immer öfter und offener mit den Nazis.

Die wahlkämpfenden Ost-CDU-Chefs drängen sich bereits mit geschürzten Lippen an Wagenknechts Hintern.

[……]  Die CDU ist in der Frage der Ukraine-Unterstützung bereits deutlich defensiver geworden. Die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern soll nicht mehr öffentlich gefordert werden, weitere Anträge im Bundestag werden nicht mehr gestellt. Das ist auch eine Antwort auf die Stimmung zu dem Thema im Osten Deutschlands: Der thüringische CDU-Spitzenkandidat Mario Voigt betont seit Wochen, dass er sich mehr diplomatische Initiativen von der Bundesregierung wünscht. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und er seien „Garanten“ dafür, dass die Positionen aus Thüringen und Sachsen auch in Berlin gehört würden. Aber von einem grundlegenden Kurswechsel, einer Abkehr der Ukraine-Unterstützung, ist keine Rede – das ist auch mit CDU-Chef Friedrich Merz nicht zu machen.

„Eine CDU-geführte Landesregierung würde sich natürlich auch für Diplomatie in diesem Land einsetzen“, sagt Voigt. Er wünsche sich auch Frieden. [……] Er selbst hatte – anders als nun Wagenknecht – versucht, mit einer Trennung zwischen Bundes- und Landesebene die Tür für mögliche Bündnisse in Ostdeutschland offenzuhalten. „In der Landespolitik werden andere Entscheidungen getroffen. [……]

(SZ, 30.07.2024)

Was für eine perfide Bande die Merz-Christen doch sind.

[….] Es gehört zu den Erfolgsrezepten des BSW, in vielen Fragen vage zu bleiben. Die Ukraine-Politik ist dafür ein anschauliches Beispiel: Das BSW schreit laut nach Frieden, erklärt aber nie konkret, wie der zustande kommen soll. Die Partei plakatiert Sprüche wie „Krieg oder Frieden? Sie haben jetzt die Wahl!“, aber natürlich ist das eine fast schon unverschämte Verzerrung der Diskussion. Keine der anderen Parteien argumentiert, der Krieg sei super und müsse dringend fortgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist Wagenknechts Kalkül schlüssig: Entweder das BSW bleibt nach den Wahlen in der Opposition, dann kann es sich weiter in wohliger Unbestimmtheit suhlen und am bestmöglichen Ergebnis für die Bundestagswahl arbeiten. Oder der Diskurs in Deutschland verschiebt sich und die Unterstützung der anderen Parteien für die Ukraine erodiert tatsächlich. Dann hätte Wagenknecht ihren Einfluss bewiesen und Erwartungen ihrer Wähler erfüllt, bevor sie überhaupt mit den Mühen der Regierungsarbeit befasst ist. Das ist, kein Zweifel, maximal zynisch.    […..]

(Angelika Slavik, 30.07.2024)

Linnemann, Kretschmer und Voigt gefällt das.

Dienstag, 30. Juli 2024

Provokation, Vergeltung, Eskalation.

Natürlich bekommt der Staat Israel finanzielle Hilfe von einigen westlichen Staaten. Natürlich gibt es enorm wichtige Waffenlieferungen aus den USA. Natürlich unterstützen fast alle Juden der Diaspora den einzigen und ersten jüdischen Staat.

2.000 Jahre Antisemitismus, Hass und Verfolgung durch Christen, von Christen angezettelte Pogrome, die kriegerischen Angriffe muslimischer Länder, der Holokaust und auch der gegenwärtig grassierende Judenhass auf Westeuropas und Nordamerikanischen Straßen, zeigen klar, wie gefährdet die Anhänger der einzig nicht missionierenden abrahamitischen Religion sind. 

Ethnizismus, Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus gehen dabei wild durcheinander. Die Hasser unterscheiden nicht. Das Judentum ist für sie mal Rasse, mal Religion, mal Nationalität. Wie es ihnen gerade passt.

So werden deutsche Juden stets für die Handlungen der Israelischen Regierung in Haftung genommen. Selbst hohe CDU-Vertreter geben immer wieder zum Ausdruck, daß Juden für sie keine Deutschen sind.

[……] Politiker und Beamte haben immer wieder Probleme damit, Ignatz Bubis, den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, als deutschen Staatsbürger zu akzeptieren.

So hatten Protokollbeamte beim Essen, das Bundespräsident Roman Herzog kürzlich zu Ehren seines israelischen Kollegen Eser Weizman gab, allen deutschen Gästen eine deutsche Übersetzung der Rede Weizmans auf ihren Platz gelegt. Die israelischen Gäste erhielten eine hebräische Übersetzung der Ansprache Herzogs. Bundesbürger Bubis und Ehefrau bekamen beide die Rede in Hebräisch hingelegt. »Entsetzt«, berichtet Bubis, habe Gastgeber Herzog auf den protokollarischen Fauxpas reagiert.  Ähnlich taktlos hatte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Günter Reichert, Bubis zum Nicht-Deutschen gemacht. »Beim Rausgehen« nach dem Herzog-Empfang, so Bubis, beglückwünschte ihn Reichert: »Ihr Staatspräsident hat eine sehr gute Rede gehalten.«

Reichert, viele Jahre Bürochef des CDU-Rechten Alfred Dregger, bemerkte seinen Fehlgriff auch nach der Reaktion von Bubis nicht. »Herzog hält immer gute Reden«, hatte der Frankfurter, zunächst amüsiert, erwidert. »Nein, nein«, beharrte Reichert, »ich meine Ihren Staatspräsidenten.« Lediglich der FDP, bei der Bubis im Bundesvorstand sitzt, teilte Reichert später sein Bedauern über den »Lapsus« mit: »War doch gut gemeint.«  Eine vergleichbare Mischung aus »Dummheit, keine Ahnung und Vorurteilen«, ärgert sich Bubis, erfahre er »täglich und von jedermann«.   […..]

(DER SPIEGEL, 28.01.1996)

Marcel Reich-Ranicki wurde die ersten 20 Jahres seines Berufslebens in Deutschland nicht zu Partys eingeladen, weil er Jude war. Ende der 1960er Jahre war Ulrike Meinhof die erste Nicht-Jüdin in Deutschland, die ihn fragte, wie es ihm und seiner Familie in der Nazizeit ergangen war.

 Er selbst hielt sich „zweifellos für einen Juden“. Wie sollte er auch nicht, nachdem die Deutschen seine gesamte Familie umgebracht hatten?

Aber Reich-Ranicki war Atheist. Zutiefst ungläubig. Wieso wird ein Ungläubiger zu einer religiösen Gemeinschaft gezählt?
 

Verbessert hat sich die Lage nicht; im Gegenteil. Die CDU lässt immer wieder ihren eigenen Antisemitismus durchblicken. So reagierte der Präsident des Zentralrates der Juden Josef Schuster „entsetzt und erschüttert“ auf Friedrich Merz.

Der Chef der Partei, die einst die übelsten NSDAP-Größen aufnahm, einen NSDAP-Mann zum CDU-Bundeskanzler machte und Hans Globke, den Kommentator der NS-Rassengesetze zum Chef des CDU-Kanzleramtes merkor, hat auch heute noch keine Berührungsängste mit Antisemiten.

Anders als Angela Merkel, tolerierten gleich drei CDU-Bundesvorsitzende – Kramp-Karrenbauer, Laschet und Merz – die judenfeindliche Hetze in Teilen der ostdeutschen CDU; insbesondere bei Maaßen.

Immer wieder sorgt das Verhalten der CDU-Spitze für Entsetzen beim Zentralrat der Juden in Deutschland.

Noch schlimmer ist es nur in Bayern. Dort stellt sich der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident auf die Seite seines Hitler-bewundernden Vize-MPs. Gegen die Juden.

Wenn es aber schon in Deutschland , das sich der Unterstützung Israels verschrieben hat, das behauptet aus seiner Vergangenheit gelernt zu haben, so zugeht, muss man verstehen, wie wichtig die Existenz Israels auch für die säkularsten und Netanyahu-kritischsten Juden ist. Sie sind im Rest der Welt nicht sicher. Der Antisemitismus ist stets virulent und gilt als die einzige Form des gruppenbezogenen Menschenhasses, die auch völlig ohne Juden existiert.

So gaben in Untersuchungen zum Antisemitismus unter ostdeutschen Jugendlichen, fast alle der Juden hassenden Ossis an, keinen einzigen Juden zu kennen.

Als säkularer Pazifist habe ich 100-Prozentiges Verständnis für die Israelischen Staatsdoktrinen:

·        Nie wieder überraschen lassen.

·        Nie wieder schwach sein.

·        Nie wieder von der Hilfe anderer abhängig sein.

Für kein Land der Welt ist eine überproportional starke Armee so wichtig, wie für Israel. Deswegen kamen nach dem 07.10.2023 Juden zu Zehntausenden aus den entferntesten Teilen der Welt zurück nach Israel. Israelis, die Netanyahus rechte Regierung verachten und die aggressive Politik gegenüber den Palästinensern ablehnen, um freiwillig für ihr Land zu kämpfen.

Aber vermutlich gab es seit dem 14. Mai 1948, als David Ben-Gurion die Unabhängigkeit des neuen Staates Israel ausrief, keine Gefahr wie die diese: Der eigene Ministerpräsident, der durch seine Handlungen aktiv jeden Tag seine Nation mehr in den Abgrund reißt.

Seine Militärpolitik ist nicht nur aggressiv.

[….] Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Montag nach einem Besuch des Anschlagsorts eine harte Reaktion auf den Raketenangriff angekündigt, bei dem am Wochenende auf den israelisch besetzten Golanhöhen zwölf Kinder und Jugendliche auf einem Fußballplatz getötet worden waren. „Der Staat Israel wird dies nicht hinnehmen und kann es auch nicht. Unsere Antwort wird kommen, und sie wird hart sein“, wird der Premier in einer Mitteilung seines Büros zitiert.   [….]

(Matthias Kolb, 29.07.2024)

Man könnte diskutieren, ob rigoroses Vorgehen und Rücksichtslosigkeit gerechtfertigt, oder gar notwendig sind.

Seine Militärpolitik ist leider auch sehr dumm. Sie verschlimmert die Lage, rückt Frieden in immer weitere Ferne, wird vom eigenen Volk abgelehnt und – ganz neu – sie bringt die mächtige Israelische Armee an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.

[……] Lehre Nummer zwei hingegen wurde bis heute strikt befolgt: Sei militärisch überlegen. Niemals hatten Israels arabische Nachbarn die Chance, dem Land im Krieg massiv zu schaden oder es gar zu zerstören. Militärisch war Israel stets stärker. Selbst eine nukleare Drohung etwa durch Iran könnte Israel mit einem Zweitschlag beantworten – und damit der Logik der atomaren Abschreckung folgen.

Diese zweite Doktrin steht nun ebenfalls infrage. Ein Schlag des israelischen Militärs gegen die Hisbollah in Libanon könnte zu einem Krieg führen, den das Land möglicherweise militärisch nicht überstehen wird. Die Hochrüstung durch Iran hat die Hisbollah derart schlagkräftig werden lassen, dass eine israelische Überlegenheit – noch dazu in einem Zwei-Fronten-Krieg – nicht mehr garantiert ist. Schon allein die Spekulation über das wahre Kräfteverhältnis und die Unsicherheit über die Kapazität der israelischen Flugabwehr gegen Hisbollah-Raketen sollten ausreichen, um innezuhalten. Wenn Israel jetzt die zweite Front eröffnet, könnte es tatsächlich in einen Krieg um seine Existenz schlittern. [……] Wie elektrisiert schauen deshalb die regionalen Vormächte auf diesen Konflikt, der sich in Windeseile ausbreiten kann und über das Kräfteverhältnis in Nahost insgesamt entscheidet. Der türkische Präsident plustert sich auf, hauptsächlich aus innenpolitischen Motiven. [……] Israel hat in seiner Geschichte keinen Krieg verloren, weil es am Ende bei aller politischen Überhitzung seine militärischen Fähigkeiten richtig einschätzen konnte. Diesmal könnte die politische Überhitzung in einer militärischen Überforderung enden. Das wäre das fatale Ergebnis einer Selbstüberschätzung, die schon im Gazastreifen nur Tod und Zerstörung, aber kein Ende des Terrorkrieges gebracht hat. [……]

(Stefan Kornelius, 29.07.2024)