Mittwoch, 13. Juli 2022

Trump ist der größte amerikanische politische Verbrecher aller Zeiten

Pat Cipollone empfahl während seiner Aussage vor dem Jan6th-Committee, Mike Pence die presidential medal of honor zu überreichen, für seine außergewöhnliche Tapferkeit an dem Tag, weil er Trumps verbrecherischen und hochverräterischem Ansinnen widerstand, bei der offiziellen Zertifizierung des Sieges Joe Bidens im Kongress, zu intervenieren und Trump zum Sieger zu erklären.

Da glühten die Twitteraccounts und jeder politische Kommentar befasste sich mit dieser Aussage, weil es so ungewöhnlich war, daß der oberste Justiziar des Weißen Hauses so etwas empfiehlt. Einen Twist bekam die Geschichte außerdem, weil jeder sich vorstellen konnte, wie der garantiert zuhörende Donald Trump vor Wut tobend Ketchup-Flaschen an die Wände Mar A Logos feuert. War doch Cipollone von ihm persönlich installiert worden, bis zum Schluß ein treuer Trump-Loyalist und Pence der Typ, den Trump eigentlich hängen lassen wollte, nachdem er ihn schon am Telefon als „Whimp“ und „Pussy“ angrölte.

Ein weiterer Twist entstand, weil vor Mike Pence erst Liz Cheney diesen höchsten US-Orden für ihre Rolle im 10-köpfigen Untersuchungsausschuss zum größten politischen Verbrechen in der Geschichte der USA bekommen müsste.

Sie ist neben Adam Kinzinger eine von zwei Republikanerinnen in dem Ausschuss und überstrahlt als Vice-chair für jedermann offensichtlich den verschnarchten chairmann Bennie Gordon Thompson. Die Ansprachen des charismalosen 74-jährigen Demokraten aus Mississippi's 2nd congressional district hat man eine Minute später schon vergessen, während Cheneys Aussagen brutale Geschosse auf Mar A Lago und DOJ Merrick B. Garland sind.

Diese Orden zu verteilen, wäre natürlich unsinnig, denn Mike Pence konnte gar nichts anderes tun, als er tat. Was Trump von ihm verlangte, war nicht nur rechtlich unmöglich, sondern es war auch unter stramm republikanischen Anwälten vollkommen unumstritten unmöglich. Auch Trump wußte das. Daher griff er zu dem aus seiner Sicht einzig übrigen anderen Mittel: Verrat, Staatsstreich, Mord, Verbrechen, Coup.

Da nicht mitzumachen, sollte eigentlich die Mindestanforderung an jeden Politiker sein und nicht mit höchsten Ehren bedacht werden. 

Zudem verwendete Mike Pence nur diesen einen kurzen Tag ein Rückgrat und schnurrte kurz danach wieder zu jeder Trump-lobenden Arsch-Amöbe zurück, die er immer war. Nun küsst er schon wieder den Hintern des Mannes, der ihn eben noch lynchen lassen wollte. Sofern er einen Platz am orangen Schließmuskel ergattern kann; denn da gibt es auch noch Ted Cruz, der gar nicht aufhören kann an Trumps Anus zu lecken, nachdem dieser seine Frau Heidi Cruz als „ugly“ bezeichnete und verbreitete, Teds Vater habe etwas mit dem Kennedy-Mord zu tun.Hintern des Mannes, der ihn eben noch lynchen lassen wollte -,

Cheney ist da etwas aufrechter, weil sie auch heute noch Trump verurteilt und verhindern möchte, daß er erneut als Präsidentschaftskandidat für ihre Partei antritt.

Man darf vermuten, daß sie a) glaubt, im Sinne ihrer eigenen Partei zu handeln, indem sie versucht, die Republikaner vom unberechenbaren Trumpismus zu emanzipieren und daß sie b) eigene Ambitionen hat.

Nur weil Pence und Cheney einmal das Richtige taten, sollten sie aber nicht zu Helden der Demokraten avancieren. Beide sind nach wie vor erzkonservative Lobby-hörige Waffenfanatiker, die selbstverständlich homophob und misogyn handeln, den menschengemachten Klimawandel bestreiten und eisern dafür sorgen, Steuermilliarden zu den Superreichen zu schaufeln, während sie bei den Armen und der öffentlichen Versorgung sparen wollen.

Übersetzt ins deutsche Parteiensystem wären beide in der AfD. Das ist zwar immer noch sympathischer, als der orange Psychopath von äußersten rechten Rand der NPD, aber kein Grund zum Applaudieren.

Ich hatte eine anstrengende Nacht, weil ich auch bei der siebten öffentlichen Anhörung nicht widerstehen konnte und insgesamt zehn Stunden lang CNN-Aufzeichnung sehen mußte. Ich kann dabei immer nur immer wieder einen Festplattenrecorder empfehlen, weil man die lästige Werbung überspielen kann und bei Schlaftabletten wie Bennie Thomson die Geschwindigkeit erhöhen kann. Thomson in 1,75-facher Geschwindigkeit spricht so schnell wie Cheney in 1,25-fach. Das ist effizientes Fernsehen.

Je tiefer man in die Materie eindringt, desto faszinierender wird es. Insbesondere weil Trump und seine Enabler, die ich eigentlich schon maximal verachtet hatte, es immer wieder schaffen, noch verachtenswerter zu erscheinen.

Die Arbeit des „16CMTE“ ist insofern beeindruckend, weil die 10 Abgeordneten nicht nur darlegen, wie geplant und wie durchgehend kriminell Trump agierte, sondern weil sie all das mit ausschließlich republikanischen Quellen belegen.

Trump wußte, daß er die Wahl verloren hat. Nicht weil er das von offiziellen Stellen, von Demokraten, aus den Medien oder von irgendwelchen Republikanern im Kongress hörte. Nein, das Komitee zeigte, wie Trumps engster Zirkel, allesamt Hardcore-Trumpfans, dem Chef genau das sagte. Trumps Rechtsberater, sein Stabschef, seine Pressesprecherin, seine Minister, sein Generalstaatsanwalt, die von ihm ernannten Richter, das Justizministerium, die Dienste und seine Campaign-manager. Sogar seine eigene Brut machte ihm klar, verloren zu haben.

Trump entschied sich aber dennoch dagegen vorzugehen, indem er zur massenhaften Gewalt greift und „the big lie“ verbreitet. Stabschef Mark Meadows fiel daraufhin um, entschloss sich bewußt zusammen mit dem „Team Crazy“ (Sidney Powell, Michael Flynn, Mark Lindell, Roger Stone, Rudy Giuliani) seinem Mafiapaten Trump in die tiefste Kriminalität zu folgen. Trump glaubt ohnehin über dem Gesetz zu stehen und begnadigte immerhin Stone und Flynn, die nur deswegen an dem Blutbad im US-Kapitol mitwüten konnten.  Anderenfalls hätten sich noch im Knast geschmort.

[….] Ayres wurde als einer von fast 900  Kapitolstürmern angeklagt , er hat sich schuldig bekannt, das Strafmaß erfährt er im September, ihm droht bis zu einem Jahr Gefängnis[….] Sein dramatischer Auftritt vor dem Ausschuss illustriert, wie naiv sich selbst einfache Trump-Anhänger ins Netz der Brutalität ziehen ließen. Die Aussage war zudem Teil eines viel größeren Puzzles der Ermittler, die dem Ex-Präsidenten nachweisen wollen, dass er die Meute vorsätzlich aufhetzte, als Fußtruppe seines versuchten Putsches.

Und dieser Nachweis wurde selten so klar geführt wie bei dieser siebten öffentlichen Sitzung des Ausschusses. Der hat in den letzten Wochen zwar schon viele Hintergründe und Details  enthüllt – doch das, was am Dienstag zutage trat, verschlug selbst Zynikern den Atem. [….] »Ein amtierender Präsident ruft zum Bürgerkrieg auf«, entsetzte sich sogar Trumps früherer Wahlkampfchef Brad Parscale in einer internen SMS an Trump-Beraterin Katrina Pierson, die das Gremium veröffentlichte. »Ich fühle mich schuldig, dass ich ihm geholfen habe.« [….] Der Ausschuss untermauert das mit einer schwindelerregenden Montage von Videoclips eidesstattlicher Aussagen seiner damaligen Topberater. Darunter Justizminister William Barr, Arbeitsminister Eugene Scalia, Trump-Tochter Ivanka, Trump-Sprecherin Kayleigh McEnany – und erstmals Pat Cipollone, der Ex-Chefjustiziar des Weißen Hauses, der erst am Freitag acht Stunden lang ausgesagt hatte. Alle wollen sie Trump mit der harschen Realität konfrontiert haben.

Schließlich kam es im Weißen Haus zu einem sechsstündigen, konspirativen Treffen, das selbst Trumps engste Vasallen anschließend als »derangiert« beschrieben [….] An der Runde nahmen den Aussagen zufolge mehrere suspekte Verschwörungsideologen teil – die letzten in Trumps Dunstkreis, die seine Wahnvorstellungen gestützt hätten: Adlatus Rudy Giuliani, Anwältin Sydney Powell, Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn, der Unternehmer Patrick Byrne. [….] Diese obskure Fraktion habe von ferngesteuertem Wahlbetrug durch Venezuela und China gefaselt, von Internet-Stimmenmanipulation durch »Nest-Thermostate«, sie habe vorgeschlagen, dass Trump das Kriegsrecht ausrufe und Wahlmaschinen einkassieren lasse. Es sei zu einem »erhitzten und profanen« Streit gekommen. Giuliani gab vor den Kameras des Ausschusses zu, die anderen angeschrien zu haben: »Ihr seid alle Pussys!« Brüllend sei man vom Oval Office durch den West Wing bis hinauf in die Präsidentenresidenz im Obergeschoss des Weißen Hauses gewandert und habe sich erst nach Mitternacht aufgelöst. Trumps Stabschef Mark Meadows habe Giuliani persönlich aus dem Gebäude eskortiert, damit er nicht weiter dort herumlungere, berichtete Cassidy Hutchinson, Meadows Ex-Assistentin, die im Juni mit anderen Skandalaussagen für Aufsehen gesorgt hatte .

Fast zwei Stunden später, um 1.42 Uhr nachts, blies Trump via Twitter zum Marsch am 6. Januar – verbunden mit der erneuten Lüge an seine Leute: »Statistisch unmöglich, die Wahl 2020 verloren zu haben.« [….]

(Marc Pitzke, 13.07.2022)

Am schlimmsten ist aber etwas anderes: 95% der Republikaner, darunter auch diejenigen, die sich am 06.01.2021 in Todesangst vor dem bewaffneten Trump-Mob in Besenkammern verammelten und wie Lindsey Graham, Fraktionschef McCarty oder Senatschef McConnell mit Trump brachen, ihn aufforderten, seine Mörderbande abzuberufen, sind alle wieder auf QTrumpliKKKan-Linie! Sie pilgern devot und servil nach Mar A Lago, um dem kriminellen Clown die orangen Füße zu küssen. Sie verbreiten „the big lie“ weiterhin und haben damit die USA inzwischen unwiederbringlich beschädigt.

Ihre brutalen menschenfeindlichen extremistischen Supremecourt-Richter konvertieren die USA kontinuierlich zu einem Talibanstaat.


Die Einheit der amerikanischen Nation ist endgültig dahin. Ein Bürgerkrieg ist durchaus wahrscheinlich und es würde mich nicht wundern, wenn ich noch zu meinen Lebzeiten eine Aufspaltung der USA in zwei Nationen erlebe. Die Mitte und der Süden werden ein fanatisch religiöser Apartheitsstaat, der sich wie Nordkorea von der UN abwendet und als absolute Trump-Monarchie organsiert ist. Die Küsten und der Norden werden sich zu einem Rechtsstaat mit modernerer Verfassung zusammenschließen.

Es wird eine richtig hohe Mauer gebaut und wird viele Millionen Umsiedlungen geben.

Dienstag, 12. Juli 2022

Die Papst-Plage

Alle Religionen sind destruktiv und unsinnig.

Aber der Katholizismus ist insofern einzigartig, weil er radikal zentralistisch organisiert ist und alles auf einen Typen zuläuft, der vom Heiligen Geist persönlich erwählt wurde, mit seinem Amt als einziger Mensch einen direkten Zugang ins Himmelreich bekommt, selbst mit „Heiligkeit“ angesprochen wird, als „Stellvertreter Gottes auf Erden“ fungiert und innerhalb der RKK über absolute Machtfülle verfügt.

(……) Das Papstamt steht für maximale Machtfülle.

Er wird direkt vom Heiligen Geist (=Gott) ausgesucht, amtiert folglich auf Lebenszeit als Stellvertreter Gottes auf Erden.

Weltlich betrachtet ist es ein absolutistisches Amt. Ein Papst ist nicht nur oberster Chef der Exekutive, Judikative und Legislative, sondern er ist praktischerweise auch noch unfehlbar.

Noch beindruckender ist seine kirchenrechtliche Stellung.

Franzi verfügt über Primatialgewalt (der Primatsanspruch des Papstes ergibt sich aus Matthäus 16 : Als Nachfolger des Apostels Petrus, irdischer Stellvertreter Jesu Christi und Hirte der Universalkirche verfügt der Papst in der römisch-katholischen Kirche „über höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann“ (can. 331 CIC).

Der Papst ist Träger der Höchstgewalt (potestas suprema); es steht also nichts und niemand über ihm; und der

 Vollgewalt (potestas plena), also maximale Gewaltenfülle in materieller und formeller Hinsicht. Materiell meint, daß sich päpstliche Gewalt über absolut alle Sachgebiete der Kirche erstreckt. Formal heißt Amtsgewalt des Papstes über Exekutive, Legislative und Judikative umfasst.

Franzi ist oberster Richter der Kirche und zwar ohne sich selbst an kirchliches Recht halten zu müssen (prima sedes a nemine iudicatur). Was er entscheidet ist daher automatisch letztinstanzlich und unanfechtbar.

Die Primatialgewalt ist unmittelbar (potestas immediata), so daß sich der argentinische Einlunger willkürlich in alles was ihm beliebt einschalten kann ohne irgendwelche Vorinstanzen abwarten zu müssen.

Ferner verfügt Bergoglio über Universalgewalt (potestas universalis), kann also seine Primatialgewalt auch auf alle Teile wie Bistümer, Klöster, Pfarren anwenden; und:

bischöfliche Gewalt (potestas vere episcopalis) und frei ausübbare Gewalt. Kein Kardinal, kein Kirchengericht, noch nicht mal alle 4.000 Bischöfe der RKK zusammen können Franzi bei seinem Machtgebrauch hindern. (…..)

(Gerontenzickenkrieg, 14.01.2020)

Es versteht sich von selbst, daß sich so eine Stellung nicht mit Demokratie verträgt.

Da der Unfehlbare im Konklave vom HeiGei und somit Gott persönlich* ausgesucht wurde, kann er auch per Definition keine Fehlebsetzung sein, da der HeiGei nicht nur unfehlbar, sondern auch noch allwissend und allmächtig ist.

*Das ist schließlich die schizophrene Grundkonstruktion der monotheistischen Groß-Konfession: Es gibt nur einen einzigen Gott und der ist dreieinhalb Götter: Nämlich Vater, Sohn und HeiGei, die jeweils eine Stimme haben und auch noch Maria mit halbem Stimmrecht. Die klare Abgrenzung zum älteren und überholten Polytheismus der Griechen, Ägypter und Römer zeigt sich in den tausenden Heiligen und Seligen, die ebenfalls als unfehlbare und unsterbliche Gott-gleiche Wesen durch den Himmel schwirren.

Laut des Martyrologium Romanum von 2004 gibt es zur Zeit 6650 Heilige und Selige und zudem auch noch 7400 Märtyrer. Da ist also richtig was los im Himmel an Jesu Frühstückstisch, wenn man sich morgens zum Kaffee trifft.

Kurioserweise kommt diese immense katholische Vielgötterei des Jenseits, anders als in der heiligen Mutter Kirche im Diesseits, nicht als „Penis-Only-Club“ daher.

Da werden misogyne Klemmschwestern wie Ratzinger noch schwer zu schlucken haben, wenn sie an die Himmelspforte klopfen und dort haben sich bereits die schwanzlosen Ungeheuer Anjezë Gonxhe Bojaxhiu, Edith Stein, Francesca Maria Rubatto, Maria Domenica Mantovani, Maria Rivier und Maria von Jesus Santocanale mit all ihren Vaginen eingenistet.

Verständlich, daß men-only-Fetischisten wie der bayerische Kinderfi**erförderer aus Marktl am Inn sich möglichst lange im Diesseits festkrallen.

Die katholische Hierarchie bringt das allerdings in Wanken, denn anders als die pflichtbewusste und ältere Elisabeth Windsor, warf der faule Sack Ratzi bereits vor neun Jahren hin, konnte allerdings dabei seine überbordende Eitelkeit und seinen grenzenlosen Egoismus nicht überwinden.

Die Stabilität seiner angeblich so geliebten Kirche erfordert einen eindeutigen Chef. Im Heiligen-Business der absolutistischen Staaten ist ja gerade das Papsttum der Signature-Move.

Ein Rücktritt ist sehr unüblich, da man damit dem HeiGei den Stinkefinger zeigt und ihn bezichtigt, falsch ausgewählt zu haben. Für besonders arbeitsscheue Typen wie den perfiden Bayern, der schon als Erzbischof Pädophile auf Kinder losließ, wäre aber dennoch eine Ausnahme möglich. WENN er das heilige Papstamt schützt. Das erfordert die Rückgabe seine heiligen Insignien, Titel und Roben. Er müsste sich zum einfachen Priester zurückschrumpfen, sich als „Hochwürden“ anreden lassen und zudem wieder schwarze Kittel tragen.

Zu so viel Altruismus ist der Ex-Panzerkardinal aber nicht fähig; also beharrt er darauf weiterhin, die dem Papst vorbehaltenen weißen Nachthemden zu tragen, mit „Eure Heiligkeit“ angesprochen zu werden und, um seinen Nachfolger ganz besonders zu piesacken, auch noch genau vor seiner Nase wohnen zu bleiben.

Damit untergräbt Benedikt jede Minute seines Daseins die Autorität Bergoglios, der eigentlich davon leben müsste, über eben gerade nicht untergrabbare heilige Autorität zu verfügen.

Kein Wunder, daß die Kurie endgültig in Fraktionen zerfallen ist und die nazifreundlichen Schwurbelkurialen wie Müller, Burke oder Viganò dem armen  Franziskus andauernd in den Arsch treten.

Obwohl Franzi erst vergleichsweise jugendliche 85 Jahre alt ist, geht er buchstäblich schon am Stock. Das schlimme Knie kann er nicht operieren lassen, da der Einlunger keine Narkose verträgt.

Alles deutet daraufhin, daß er beim großen Konsistorium am 27.08.2022 in Rom, wenn er gleich 21 neue Kardinäle kreieren wird, ebenfalls entnervt hinschmeißt.

Die meisten der 121 wahlberechtigten Kardinäle wären dann ohnehin gerade in Rom und könnten schnell einen neuen Papst wählen.

Das wäre dann Nummer Drei.

Es gab früher schon drei und mehr Päpste gleichzeitig, aber die wurden von unterschiedlichen Gremien gewählt, amtierten in verschiedenen Städten und hassten sich nicht bloß heimlich, sondern versuchten sich gegenseitig mit Armeen umzubringen – wie es eben für so heilige Männer üblich ist.

Säßen aber im Spätsommer 2022 gleich drei Pontifices Maximi im selben winzigen Vatikanstaat, die auch allesamt von den weitgehend selben Kardinälen gewählt und anerkannt wurden, stünde natürlich der HeiGei reichlich blamiert da. Der doppelte personelle Griff ins Klo wird zwar von vielen Chefs (Merkel, Trump..) beherrscht, aber die sind ja keine Götter – auch wenn Trump das sicherlich von sich selbst denkt.

Für vatikanische Verhältnisse wäre das aber eine regelrechte Papstplage. Und selbst der sportliche Gänsi, der traditionell für alle Päpste die Termine macht, dürfte bei so einer papalen Inflation an seine physische Grenzen geraten. Zumal es unwahrscheinlich ist, daß nach Bergoglio gleich das zweite mal ein Hetero zur Chef-Dragqueen gemacht wird. Gut möglich, daß der nächste Papst in vielfacher Hinsicht sein physisches Wohl von Bel Giorgio befriedigen lassen will.

Bergoglio scheint zu ahnen, was da auch ihn zukäme: Eifersüchteleien, Hauen und Stechen. Eigentlich eine Domäne des Prügel-freundlichen Argentiniers, der schon darauf beharrte, Kinder müssten ab und zu vermöbelt werden und daß er jedem auf’s Maul gibt, der seine Mutter beleidigt.  Mit seinem bösen Knie wäre er dem aber nicht gewachsen und kündigte schon mal an, in dem Fall schnell die Hühner zu satteln.

[….] Papst Franziskus würde nach Rücktritt Vatikan verlassen

[….]  Er würde dann nicht im Vatikan wohnen bleiben, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche im Interview des mexikanisch-US-amerikanischen TV-Senders Televisa Univision.  Auch in sein Heimatland Argentinien würde er nicht zurückkehren. Stattdessen würde er in Rom wohnen wollen, so Franziskus. Er verwies darauf, dass er dann in diesem Fall der »emeritierte Bischof von Rom« wäre. Er wolle wieder den Menschen dienen, beispielsweise Kranke besuchen oder die Beichte abnehmen. [….]

(SPON, 12.07.2022)

Hauptsache, er hält sich von den zahlreichen Stricher-Etablissements rund um den Vatikan fern, in denen die Kurialen ihre Betthäschen aufsammeln.

Sonst trifft Jorge beim Seelsorgen doch mal auf einen Ratzi-Fan, der ihm die Rübe eindrückt.

Montag, 11. Juli 2022

Deutschland sitzt in der Scheiße

Deutschland saß natürlich auch mit Corona in der Scheiße, aber da saßen alle Länder, also auch Deutschlands ökonomische Konkurrenten, in der Scheiße.

Wenn aber die Menschen zwischen Flensburg und Bodensee im Winter heulend und frierend zu Hause hocken, weil kein Strom aus der Steckdose kommt und die Großindustrie komplett in die Knie gegangen ist, weil kein Gas mehr geliefert wird, werden China, Japan und die USA uns herzlich auslachen, weil die sich nicht in einseitige Abhängigkeit von Putins Gas begeben haben und daher deren Ökonomien weiter funktionieren werden. Dann sitzten nur Deutschland und ein paar andere europäische Deppen in der Scheiße.

Die ganze Teutonenmisere wird durch eine Doppeltragik begleitet:

Erstens waren wir mit der rotgrünen Schröder-Regierung schon mal viel weiter, waren führend bei Wind- und Solarenergie. Aber das wurde von CDUCSU (Merkel, Altmaier, Seehofer, Guttenberg) und insbesondere der FDP (Rösler, Brüderle, Westerwelle) alles zerschmettert.

[….] Wenn man sich vor Eisbergen fotografieren lässt, aber vergisst, dass Eisberge schmelzen, wenn man aus allen möglichen Dingen aussteigt – zu Recht –, aber vergisst, dass man dafür eine Infrastruktur aufbauen muss, wenn man klimapolitische Beschlüsse fasst, sie aber nicht mit Maßnahmen unterlegt, dann lässt man Deutschland im Regen stehen.  Das haben wir in der Vergangenheit erlebt: immer größere Abhängigkeit von russischen fossilen Energien, mangelnde Diversifizierung, Nichteinhaltung der klimapolitischen Ziele, schleppender, ja zusammengebrochener Ausbau der erneuerbaren Energien, Zerstörung der Solar- und in weiten Teilen auch der Windindustrie, die wir in diesem Land schon hatten, Verlust von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und einem marktwirtschaftlichen Hochlauf für die Zukunftstechnologien, Bremsen in Europa, kein Plan, kein Überblick. Und Sie sagen, das, was wir jetzt machen, sei Schönwetterpolitik. Sehr geehrte Damen und Herren, Deutschland steht buchstäblich im Regen. Hätten wir diese Pakete vor zehn Jahren durchgezogen, würden wir heute ganz anders dastehen.  […]

(Robert Habeck, 07.07.2022)

Zweitens ist der deutsche Urnenpöbel so verblödet, daß er nun schon wieder die CDUCSU in allen bundesweiten Umfragen weit vorn sieht.

Natürlich sitzen wir im Herbst richtig in der Scheiße und haben es aufgrund spezifisch germanischer Volksverdummung auch nicht besser verdient.

Der Gasspeicher Rehden wurde 2015 an Gazprom verkauft.

[….] Zwischen Bremen und Osnabrück liegt im niedersächsischen Rehden der bundesweit größte Gasspeicher. Mit einer Kapazität von 3,9 Milliarden Kubikmetern macht der tief in der Erde liegende Gigant ein Fünftel des deutschen Lagerplatzes aus. Zum Vergleich: Das entspricht dem Jahresverbrauch von rund zwei Millionen Einfamilienhäusern. Mehrere Erdgasleitungen fließen dort zusammen, unter anderem befördert die NEL-Pipeline Gas aus Russland nach Rehden.  [….]

(Capital, 06.06.2022)

Als Putin den Speicher 2021 im Zuge seiner Ukraine-Pläne leeren ließ, verließen sich Wirtschaftsminister Altmaier und Kanzlerin Merkel – beide CDU – auf ihren guten Draht nach Moskau. Der CDU-Minister übernahm die Prognosen über den zukünftigen Gasverbrauch Deutschland ungeprüft von der Nordstream2-AG.

[….] Im Ministerium habe lange die Haltung dominiert, dass Russland ein zuverlässiger Geschäftspartner sei, berichten ehemalige und aktive Spitzenbeamte. Eine enge Energiepartnerschaft mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei »als zentraler friedensstiftender Faktor angesehen worden«. Selbst Russlands Invasion auf der Krim und der Krieg in der Ostukraine hätten diese Einstellung nicht erschüttert. Der Spruch von »Putins Gasleitung ins Ministerium« machte die Runde. [….]  Die Marktgläubigkeit der Union hat daran ebenfalls ihren Anteil. Für sie war die Erdgasversorgung ein reines Privatgeschäft. Auch Peter Altmaier (CDU), der im März 2018 Wirtschaftsminister wurde, habe wenig unternommen, um die Abhängigkeit von Putins Gas zu verringern, erzählen Mitarbeiter.  Eine nationale strategische Gasreserve? Galt als zu teuer. Der Bau eines deutschen Terminals zum Import von Flüssiggas? Auch zu teuer und zudem zu kompliziert. Russland habe noch immer genug geliefert, hieß es schlicht, die Pipelines seien günstiger als jeder Flüssiggastanker. [….] Jetzt, in der Energiekrise, rächt sich all das. Die deutschen Gazprom-Speicher sind fast leer, der Füllstand in Rehden beträgt nicht einmal mehr vier Prozent. Ein großer Gazprom-Speicher in Österreich, der die Versorgung Süddeutschlands absichert, hat ebenfalls kaum noch Reserven. [….]

(SPON, 11.02.2022)

Dieses sagenhafte politische Versagen der CDU  in der deutschen Energiepolitik bringt den Wähler angesichts der bevorstehenden Superkrise also auf die Idee, wieder einen CDU-Vertreter ins Kanzleramt zu wünschen.

Während gerade Nordstream1 für Wartungsarbeiten abgestellt wird, kann Putin genüsslich an den deutschen Daumenschrauben drehen. Er hat alle Trümpfe in der Hand.

Im gestrigen Presseclub Alarmstufe Gas: Sind wir auf den Ernstfall vorbereitet? gruselten sich die konservativen Wirtschaftsjournalisten um die Wette.

FAZ-Frau Julia Löhr unkte, die Bundesregierung werde kaum ihr Diktum „die Sanktionen dürfen uns nicht mehr schaden als Russland“ durchhalten können, wenn im Winter Energie das Zehnfache kostete und Millionen Menschen vor Kälte zitterten. Der ultrakonservative WELT/FOCUS-Mann Ulrich Reitz schockte sich selbst mit der Vorstellung, Putin könne in ein paar Wochen, wenn Deutschland angesichts leerer Gasspeicher darum bettele endlich Nordstream1 wieder anzuschalten, mit einem simplen Junktim antworten: „Ihr bekommt wieder russisches Gas, wenn ihr auch Nordstream2 laufen last!“

In der Tat steht Deutschlands Gas- und Russland-Politik auf extrem wackeligen Füßen: Um Putin für den Ukraine-Krieg zu strafen, wurde Nordstream2 als Sanktion stillgelegt und gleichzeitig betteln wir Russland an, aber bitte Nordstream1 laufen zu lassen.

Das wird sicherlich eines Tages in politischen Lehrbüchern als Paradebeispiel dafür stehen, was man geo- und energiepolitzisch keinesfalls machen sollte.

Kann man überhaupt noch dümmere und verantwortungslosere Politik als unter den 16 Jahren CDU-Herrschaft machen?

Nun, auch das geht. Dafür gibt es ja Christian Lindner und seinen Industrie-Fanboy Lars Feld.

Lindner heiratet seine einzige ganz große Liebe
 

Was macht man, wenn es an einer Ware wie Gas extrem mangelt?

Da gibt es prinzipiell zwei politische Stellschrauben. Einerseits auf der Angebotsseite für mehr Gas zu sorgen. Das tat Habeck, indem er bei jedem noch so dubiosen und noch so teuren Staat zusätzliches Erdgas einkaufte. Andererseits auf der Nachfrageseite für weniger Gasverbrauch zu sorgen. Hier haben wir die FDP, die ernsthaft Gasverbrauch sogar subventioniert und Milliarden Euro dafür ausgibt, damit die Menschen mehr Energie und mehr Gas verbrauchen.

Drei Beispiele:


1.) Blockade des Tempolimits

2.) Drei Milliarden aus Lindners Kasse für den Tankrabatt, um Porschefahrer wie ihn oder Privatflugzeugflieger wie Fritz Merz zu pampern.

3.) Fünf bis sechs Milliarden Euro Betriebskostenzuschuss für energieintensive Betriebe, damit viel Gasverbrauch belohnt wird. Das sind direkte Energiepreissubventionen für die Industrie – der Steuerzahler löhnt - für Lindners superreiche Industriefreunde.

Das ist FDP-Politik aus der Hölle. Absurder hätte es sich kein Schildbürger ausdenken können.

[….] Hohe Energiepreise belasten derzeit Privathaushalte und Unternehmen - und angesichts des Ukraine-Kriegs und der gedrosselten Gaslieferungen aus Russland wird sich die Lage eher noch zuspitzen. Gerade erst hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Alarmstufe für die Gasversorgung ausgerufen - unter anderem sollen nun wieder mehr Kohlekraftwerke eingesetzt werden zur Stromerzeugung, um Erdgas zu sparen. [….] Vor dieser Kulisse will Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) nun die energieintensive Industrie bei den Strom- und Energiekosten in den kommenden zwei Jahren um mehrere Milliarden Euro entlasten. [….] Neben dem Spitzenausgleich sieht das Stromsteuergesetz noch eine allgemeine Steuerentlastung für Unternehmen vor. Die Betriebe erhalten sozusagen je Megawattstunde einen Steuerrabatt, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Genau wie der Spitzenausgleich würde auch diese Regelung eigentlich Ende des Jahres auslaufen. Lindner will nun beides für die Jahre 2023 und 2024 verlängern. Kosten: knapp 2,9 Milliarden Euro im Jahr. "Mir ist es wichtig, die energieintensive Industrie nicht alleinzulassen", sagte der Finanzminister der SZ. [….]   Finanzministerium profitieren vom Spitzenausgleich rund 9000 Unternehmen, von der allgemeinen Steuerentlastung auf Energie 33 000 [….]

(Henrike Roßbach, 24.05.2022)

We’re doomed. Wer solche Leute zu Ministern macht, muss sich nicht wundern, wenn wir im Winter so richtig tief in der Scheiße sitzen. Es ist müßig, zu erklären, was eigentlich getan werden müsste, nämlich ökonomisch das diametrale Gegenteil dessen, was die FDP tut: Energiekostenbeihilfen für die Ärmsten und gerade nicht für die milliardenschwere Industrie. Und auch da nicht per Gießkanne, indem jeder Verbrauch subventioniert wird, sondern das persönliche Grundkontigent für Strom und Heizung. Darüber hinaus müssen, Strom, Gas, Benzin viel teurer werden, um jeden zum Sparen zu zwingen.

Sonntag, 10. Juli 2022

Von der Reichsten lernen

Das war natürlich sehr lustiges Meme-Material, als Oprah Winfrey Ratschläge zum Thema „entspannter leben“ gab.


Sehr witzig, mit ein paar Milliarden auf dem Konto, würde ich auch viel entspannter sein, dachte sich jeder.

Viel Geld zu haben, wünschen sich deshalb so viele Menschen, weil man glaubt, dadurch seine Sorgen los zu werden. Ich gebe gern zu, auch regelmäßig zu phantasieren, was ich mit einem großen Lottogewinn anfinge. Meine hochrationale Tante ärgerte sich immer über meine Floskel „wenn ich im Lotto gewinne…“, fuhr mir mit „du gewinnst aber nicht im Lotto“ dazwischen. Insofern ist es sinnlos, seine Zeit mit solchen Gedanken zu verschwenden. Es sei denn, es macht einem Spaß.

Nun gibt es aber einen Wladimir Putin, der sich offenbar ausmalte, welche enorme Machtoptionen es ihm bringt, wenn er einfach das tut, das man kollektiv als undenkbar betrachtete: Sein europäisches Nachbarland angreifen, die weltweite Energieversorgung zu kappen oder die Menschheit mit Hungerkatastrophen zu erpressen. Putin kommt erstaunlich weit mit der Methode. Eine Methode, die auch schon Trump angewendet hatte, um Präsident zu werden. Er sagte die rassistischen und verbrecherischen Dinge, log die Lügen, von denen man sich vorher nicht vorstellen konnte, daß das einer täte. Damit ruinierte er die USA, aber man kann von Glück reden, daß Trump so viel fauler und dümmer als Putin ist. Wäre Putin nicht russischer, sondern US-amerikanischer Präsident geworden und verfügte über die ökonomische und militärische Macht des potus, wäre er wohl nicht wieder abgewählt worden und wir würden alle nach seiner Pfeife tanzen.

Putin verändert aber auch als Russe die Welt des 21. Jahrhunderts entscheidend. Wenn ich am Wochenende privat mit Freunden plaudere, geht es um Fragestellungen, die vor wenigen Jahren noch niemand von uns im Kopf hatte.

Hast du eigentlich einen Petroleumofen für Notfälle? Wie ist deine Wohnung gedämmt? Sollte man sich nicht ein paar von diese praktischen kleinen 1g-Goldbarren anschaffen für den Fall, daß die Banken zusammenbrechen? Oder eine Rolex? Kann man die Gaskartuschen für den Campingkocher im Keller lagern? Reduziert dein Vermieter die Heizungstemperatur über Nacht? Soll ich für meinen Onkel eine Konvektorheizung kaufen? Wie viel Kilowattstunden kann deine Powerbank speichern?

Es scheint schon wieder Jahrzehnte her zu sein, als wir Anfang 2020, paralysiert wie im Angesicht der Zombi-Apokalypse meinten, man wäre auf alles vorbereitet, wenn man nur genug Nudeln, Klopapier und Desinfektionsmittel im Küchenschrank hätte.

Glückliche Zeiten. Da rechnete noch niemand mit allgemeinen Stromausfall, Stopp der industriellen Produktion und abgeklemmten Heizungen.

Oprah kennt das Problem, das alle Reichen haben: Die Sorge um den Verlust des Reichtums. Wie sichert man sich ab, wie investiert man? Das ist nicht zwangsweise ein Zeichen und unsympathischer Raffgier; vielleicht möchte man auch der mit Ruhm und Reichtum verbundenen sozialen Verantwortung gerecht werden.

Es geht nicht nur um den schnöden Mammon; immer wenn man etwas besitzt, an dem sein Herz hängt, gehen Sorgen damit einher.

Vor 20 Jahren hatte ich ein nagelneues hübsches Auto, das als Neuwagen selbstverständlich auch wertvoll war. Damit hätte ich ungern Samstagabend auf der Reeperbahn geparkt, weil ich befürchtet hätte, mir könnten die Spiegel abgetreten oder der Lack zerkratzt werden. Vielleicht würde es auch gestohlen werden. Oder aufgebrochen, um das Handschuhfach auszuräumen.  Es ist ein gewisser Stress, das schönes Auto schön zu behalten. Dauernd muss man zur Inspektion.

Dasselbe Auto fahre ich immer noch. Sein Wiederverkaufswert liegt nun bei Null Euro. Und das ist so herrlich entspannend. Ich kann ihn nun überall in Ruhe stehen lassen. Den klaut sicher keiner. Und wenn ein Vandalist im Vorbeigehen mit einem Schlüsselbund den Lack aufkratzt, würde ich das womöglich nicht mal bemerken, weil schon so viele Kratzer und Beulen drin sind.

Die Stresslevel bei lebendigen Dingen sind um ein Vielfaches höher.

Es war der erste todtraurige Tag meiner Kindheit; ich konnte gar nicht mehr aufhören zu heulen und erinnere mich bis heute daran, wie ich voller Verzweiflung durch das Haus meiner Oma strich, unfähig mir vorzustellen, wie ich diesen Schmerz aushalten sollte. Mein heißgeliebtes Meerschweinchen Merli war über Nacht plötzlich gestorben.

Ein halbes Jahrhundert später weiß ich nicht nur, wie viel mehr es weh tut, geliebte Menschen zu verlieren, sondern kenne auch die endlose grauenvolle Zeit, in der man genau das befürchtet. Vergiss Liebeskummer oder Todesnachrichten, das Schlimmste sind die Sorgen um andere.

Keine Schätze zu besitzen, alle(s) verloren zu haben, befreit von Sorgen.

Anders als in Eritrea oder Somalia, besitzen die meisten Deutschen, die nicht reich sind, dennoch einiges, das sie nicht verlieren wollen. Ein Dach überm Kopf, persönliche Habseligkeiten, eine zumindest partielle Versorgungssicherheit. Man wird wohl nicht hungern, nicht frieren, zum Arzt gehen können, wenn man krank ist und generell vor Gewalt geschützt sein.

Nun steht aber alles zu Disposition. Was passiert denn, wenn es ein strenger Winter wird und ein militärisch von der Nato entnervter Putin alle Gas- und Öl-Lieferungen abstellt? Wenn dadurch die deutschen Industriebetriebe lahmgelegt werden? Wenn womöglich gleichzeitig eine neue Omikron-Variante das Gesundheitssystem kollabieren lässt, die Lebensmittelversorgung zum Erliegen kommt, weil die Bäcker kein Mehl mehr bekommen und ihre Öfen nicht mehr anheizen können? Ja, Deutschland könnte sich so gerade eben selbst mit Lebensmitteln versorgen, aber was nützt das schon, wenn in den Nachbarländern und erst Recht in Nordafrika das Massenverhungern einsetzt? Rollt dann Frau Lambrecht die letzte rostigen Marder an die Grenzen, um alle abzuknallen, die um ihr Leben rennen?

Was ist eigentlich, wenn CDU, CSU und FDP sich durchsetzen, aus irgendeinem ehemaligen Sowjetstaat unpassende Uranstäbe besorgen, die deutschen AKWs wieder hochfahren und dann eine Type wie Lukaschenko „versehentlich“ einen kleinen Marschflugkörper auf Krümmel oder Biblis ballert?

Vor 40 Jahren waren das Gedankenspiele aus reißerischen Hollywoodproduktionen. 2022 ist das nicht mehr völlig abwegig.

Nun ja, ich muss realistisch sein. Wenn wir eine postapokalyptische Prepper-Gesellschaft werden, in der sich bewaffnete Menschen mit im Wald vergrabenen Vorräten gegenseitig im Kampf um Ressourcen umbringen, bin ich längst tot. Ich bin physisch und psychisch nicht dafür geschaffen, mich wie Mad Max oder Rick Grimes durchzuschlagen, zumal ich dafür gar nicht motiviert wäre. Ich habe keine Frau oder Kinder, für die ich kämpfen müsste.

Es ist also wirklich müßig, über diesen Worst Case nachzudenken.

Aber es könnte ein weit harmloseres Szenario geben, bei dem die Deutschen überleben, es aber sehr unbequem haben, weil Strom oder Fernwärme rationiert werden, es nicht mehr 24 Stunden am Tag fließendes Wasser gibt und man nicht wie bei den gewohnten Lockdowns, bequem zu Hause vor bunten Bildschirmen sitzend online bestellt, wonach einem gerade ist.

Ich will von den ganz Reichen lernen, mir etwas mehr Sorgen um das zu machen, was ich habe.

Wenn es 40°C heiß ist, kann man im Baumarkt auf der Suche nach einem Ventilator enttäuscht werden. Man wird in Stress geraten, wenn einem am 20.12. einfällt, daß bald Weihnachten sein könnte und man noch hunderte Geschenke besorgen muss.

Also fange ich lieber jetzt, im Juli, damit an, mich auf eine Zeit vorzubereiten, wenn draußen Null Grad sind und womöglich der Strom abgestellt wird. Dann sind nämlich Batterien, Powerstationen, Solargeneratoren und Campingkocher entweder ausverkauft oder viel teurer als jetzt.